Wunderheilungen

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Dr. Kurt Koch

WUNDERHEILUNGEN HEUTE

Außermedizinische Heilmethoden aus der Sicht der Seelsorge

1. Die biblischen Heilungen
    Die Geistesgabe der Heilung
    Das Gebet unter Benutzung der Verheißungen Gottes
    Handauflegung und Gebet durch die Ältesten der Gemeinde
    Die Wirkung des Wortes Gottes.
2. Die mediale Heilkunst
    Spruchheilung
    Gesundbeter
    Geistige Heiler
    Mentales Heilen (mind-healing)
    Tranceheilung
    Glaubensheiler
    Pseudocharismatische Phänomene und Heilungen
    Dämonische Zeichen und Wunder
3. Die Unterscheidung der Geister

 

1. Die biblischen Heilungen

Die Frage der Glaubensheilung wird heute nicht nur von Weltmenschen, sondern auch von vielen Christen abgelehnt. Sie entkräften damit alle Verheißungen der Bibel zu ihrem eigenen Schaden. Sie leben in einer geistlichen Dürre und Wüste.
    Wer nun die Frage der Glaubens- und Gebetsheilung an Gottes Wort heranträgt, erhält von dort die fundamentale Antwort, daß sie nicht das erste seelsorgerliche Anliegen ist. Wichtiger und zentraler als die Heilung ist die Botschaft von der Rettung des Menschen. Das Heil der Seele geht über die Heilung des Leibes. Das erste Problem unseres Lebens ist, daß Jesus unser Herr ist. Die Erfüllung seines Willens ist beherrschender als die Erfüllung unserer Wünsche.
    Die außermedizinische Heilung ist ein vielschichtiges Problem. Zur Vermeidung von Mißverständnissen will ich erwähnen, daß ich die medizinische Wissenschaft voll anerkenne, glaube aber zugleich auch an die Möglichkeit einer Heilung durch Glauben und Gebet. Den Extremismus, daß ein gläubiger Christ keinen Arzt und keine Medizin in Anspruch nehmen dürfe, lehne ich ab. Gott hat uns den Verstand gegeben, daß wir ihn gebrauchen.
    Es herrscht auf dem Gebiet der außermedizinischen Heilung ein großes Chaos. Dämonische Heilungen werden oft als göttliche Heilungen ausgegeben. Der Teufel heilt manchmal einen körperlichen Schaden um den Preis der Seele.
    Es gibt auch Heilungen auf menschlicher Ebene, z. B. suggestive Heilungen, religiöse Suggestionen, die trotz des religiösen Beiwerks keine biblischen Heilungen sind.
    In der Bibel haben wir verschiedene Formen göttlicher Heilungen:
    Die Geistesgabe der Heilung (1.Kor.12,9).
    Handauflegung, Salbung und Gebet durch die Ältesten der Gemeinde (Jakobus 5,14).
    Das Gebet unter Benutzung der Verheißungen Gottes.
    Die Wirkung des Wortes Gottes. – „Er sandte sein Wort und machte sie gesund“ (Psalm 107,20).

Theologisch ist die Frage der Glaubensheilung durch zwei entgegengesetzte extreme Anschauungen flankiert. Die strengen Dispensationalisten sind der Meinung, daß einige Geistesgaben nur zeitlichen Charakter haben und am Ende der apostolischen Zeit aufgehört hätten.
    Die heißblütigen Extremisten der anderen Seite erklären, daß wir alle Geistesgaben in unserer Zeit in gleicher Stärke und Intensität haben müßten wie im ersten Jahrhundert.
    Was beiden entgegengesetzten Lagern zu denken geben muß, sind die Erfahrungen bei den großen Erweckungen. Hier wiederholt sich im Kleinen, was bei der größten aller Erweckungen am ersten Pfingstfest in Jerusalem geschehen ist.
    In Erweckungsgebieten kommt es manchmal vor, daß Gott alle Formen der Heilungen schenkt. Ich kam mit allen großen Erweckungen dieses Jahrhunderts in Berührung. Die Erweckung von Wales (1906-1910) wurde mir lebendig durch alte Veteranen wie Dr. Evans und Lindsey Glegg, die Wales miterlebten und mir persönlich berichteten. Durch wiederholte Besuche und Aufenthalte von Wochen lernte ich die Erweckungen von Indonesien kennen, von Korea, Uganda, Äthiopien, Nordthailand, Taiwan, Südindien und den Aufbruch unter  dem Volk der Zulu in Südafrika. Auf allen meinen Reisen in die Erweckungsgebiete habe ich beobachten können, daß dort die ursprünglichen Segnungen und Gaben wieder zum Vorschein kommen, die in der Bibel berichtet sind. Besonders die indonesische Erweckung war von außergewöhnlichen Wundern begleitet.
    Erweckungen unter den zivilisierten Völkern, welche die Bibel haben, sind gewöhnlich nicht von den großen Wundertaten begleitet. Sie haben das Wort Gottes und haben Ärzte für die Kranken. Natürlich gibt es auch hier Gebetserhörungen wie überall bei gläubigen Christen.
    Erweckungen unter den primitiven Völkern, die keine Bibel haben und auch nicht lesen können, sind gewöhnlich von großen Machttaten des Herrn begleitet. Ein gutes Beispiel dafür ist die Erweckung auf Timor. Sie ist ein Schulbeispiel aus der Planung Gottes. Die Dschungelbewohner haben keine Schulen, außer in den größeren Siedlungen. Es gibt Hunderttausende von Timoresen, die nicht lesen und schreiben können. Diesen Analphabeten hat sich Gott in der großen indonesischen Erweckung ab 1965 durch außergewöhnliche Wunder geoffenbart. Als die Analphabeten aber lesen gelernt und dann Tausende von Testamenten und Bibeln erhalten hatten, gingen die Wunder rasch zurück.
    Wir haben also hier das gleiche Problem wie in der apostolischen Zeit. Jesus wirkte viele Wunder als Zeichen seiner Messianität. Die Apostel hatten Wunderkräfte und Gaben des Heiligen Geistes als Erweis ihres apostolischen Auftrages. Und nicht nur als göttlicher Ausweis, sondern auch, weil der Jammer des umgebenden Volkes ihnen ans Herz griff.
    Von dem Zeitpunkt an, da das vollständige Neue Testament vorlag, traten die Wunderkräfte zugunsten des inspirierten Wortes Gottes zurück. Dieser Rückgang der Geistesgaben kann bereits in der apostolischen Zeit beobachtet werden. Von der Gabe des Zungenredens hören wir zuletzt im Korintherbrief. In den späteren Briefen des Paulus und Johannes hören wir nichts mehr davon. Mit der Heilungsgabe ist es ähnlich. In Apostelgeschichte 19 heißt es: „Und Gott wirkte ungewöhnliche Wunder durch die Hände des Paulus.“ 14 Jahre später aber konnte Paulus seinen Mitarbeiter nicht mehr heilen. Wir hören das in Phil. 2,27: „Und Epaphroditus war todkrank.“ Und in 2.Tim. 4,20: „Trophimus aber ließ ich krank in Milet zurück.“
    Die Wunder als Vorläufer, bis das inspirierte, geschriebene, gedruckte Wort Gottes da ist. Das ist jederzeit eine gesunde Entwicklung, wenn die Gläubigen es lernen, sich auf Gottes Wort und nicht auf ihre Erfahrungen zu verlassen.

Die Geistesgabe der Krankenheilung
Das Neue Testament berichtet uns zunächst von dieser Gabe in 1.Korinther 12. Es ist das Charisma iamatou, das wir in vollmächtiger Weise bei Jesus und seinen Jüngern finden. In der Kirchengeschichte ist diese Gabe eher selten. Wir beobachten sie zum Beispiel bei Samuel Zeller, bei Jungfer Trudel, bei Johannes Seitz und anderen und vor allem bei Pfarrer Johann Christoph Blumhardt. Einigen solcher Gabenträger durfte ich begegnen.
    Zu den gesegneten Begegnungen mit Männern Gottes gehört mein Zusammentreffen mit Baron Üxküll. Sein Leben ist die Erfüllung der Verheißung Jesu: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Joh. 7,38). Wo Baron Üxküll das Wort Gottes verkündigte, beglaubigte der Geist Gottes seine Botschaft durch mitfolgende Zeichen. Die Zuhörer wurden von Christus ergriffen und erlebten das Wunder des Neuwerdens. Blinde wurden sehend, Lahme gehend, geistlich Tote standen auf und erlebten eine Wiedergeburt. Die Kräfte der ewigen Welt wurden offenbar. Als Beispiel sei folgendes angeführt:
B 1 Ein junges Mädchen im schwersten Stadium der Lungentuberkulose kam zu ihm. Sie wollte heiraten. Der Arzt hatte es ihr verboten und gesagt: „Das kommt für Sie nicht in Frage.“ Das Mädchen war ganz verzweifelt. Sie wollte unbedingt gesund werden, aber ihr Leben nicht Christus ausliefern. Unter diesen Umständen verweigerte Üxküll die bisher nach Mk. 16,18 geübte Handauflegung. Enttäuscht ging die Kranke weg. In ihrer Abwesenheit wurde viel für sie gebetet. Da kam sie wieder zu den Evangelisationsversammlungen. Sie wurde innerlich von ihrer Gewissensnot und ihrer Krankheitsnot umgetrieben. An einem Abend blieb sie zur seelsorgerlichen Aussprache zurück, und lieferte sich Christus aus. Da geschah das Unerwartete. Noch ehe Üxküll um das Gebet mit Handauflegung angehalten wurde, stand das Mädchen auf und sagte: „Ich bin geheilt.“ Es war keine Einbildung. Sie ließ sich von ihrem Arzt untersuchen, der sich sehr aufregte und fragte: „Was ist mit Ihnen geschehen? Sie sind ja gesund!“ Das Mädchen heiratete und ist heute noch gesund.
Die Vollmachtsfrage wird mir am Leben dieses Baron Üxküll deutlich. Das Neue Testament gibt Jesus das Zeugnis, daß er predigte und heilte als einer, der Vollmacht hatte (Mt. 7,29; Mk. 1,41). Diese Gnadengabe der geistesmächtigen Predigt und der vollmächtigen Heilung gab Jesus seinen Jüngern. In den Abschiedsreden verhieß der Herr den Seinen: „Wer an mich glaubt, der wird diese Werke auch tun“ (Joh. 14,12). Derartige Verheißungen wurden in der glaubensarmen Christenheit einfach nicht ernst genommen. Hin und wieder erweckte sich daher der Herr Zeugen, an denen seine lebendige Heilandsmacht wieder sichtbar wurde.
    Zu den Zeugen mit apostolischer Vollmacht gehörte auch Vater Daniel in Madras. Die Begegnung mit ihm wurde mir sehr zum Segen. Er war ein Mann des Gebetes. Schon als sechzehnjähriger Schüler zog er sich oft eine ganze Nacht ins Gebet zurück. Dieses Weilen in der Gegenwart Gottes verlieh seinem Zeugnis Vollmacht.
    B 1a  Eines Tages erkrankte die Frau des Schuldirektors. Sie lag bewußtlos im Krankenhaus. Man rechnete mit ihrem Tod. Da hörte Daniel die Stimme des Herrn: „Gehe ins Hospital und bete mit ihr!“ Der Direktor, der neben dem Bett seiner Frau saß, ließ den jungen Schüler ein. Daniel kniete neben dem Bett nieder und rang um das Leben der Bewußtlosen. Der Herr erhörte ihn. Die Kranke durfte genesen. Diese Heilung sprach sich in der Schule herum. Die Herzen waren nun weit offen für die Botschaft von Jesus.
    Auch in der eigenen Familie sah man, daß der Herr den jungen Daniel beglaubigte. Als einmal seine Mutter stürzte und eine Rippe brach, bat sie ihren Sohn: „Bete mit mir!“ Der Junge blieb über Nacht im Gebet, und der Herr rührte die Patientin an und heilte sie.
    Daniel wurde Direktor einer Schule in seiner Heimatstadt Kakinada an der Ostküste Indiens. Mitten in seiner Karriere traf ihn der Ruf des Herrn: „Gehe nach Madras!“ Daniel folgte dem Ruf, der ihn in Schwierigkeiten, Anfechtungen und Enttäuschungen führte. Hier in Madras war Daniel ein unbekannter, ein unbeachteter Mann. Dies war ein Sterbensweg für ihn. Daniel betete viel über dieser Not. Der Herr gab ihm folgende Antwort: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“
    Der geprüfte Gottesstreiter sollte das erfahren dürfen. Nach vier Jahren treuer, unerschrockener Arbeit öffneten sich die Türen. Der Herr gab einen geistlichen Aufbruch, der sich auf die benachbarten Städte und Dörfer ausbreitete. Es erfüllte sich, was in Matth. 11,5 gesagt ist: „Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“
    Tage wie in der Urgemeinde brachen an. Es war ein Geistesfrühling, den nur der kennt, dem die Apostelgeschichte und das Wirken des Heiligen Geistes eine Wirklichkeit ist. Vater Daniel und seine Mitarbeiter trafen keine Entscheidung, ohne nach dem Willen des Herrn zu fragen. Jeder Fortschritt der Bewegung wurde auf den Knien vorangetragen. Die Erweckung erreichte sowohl die Kreise der Gebildeten wie der Ungebildeten, die Kreise der Religiösen wie die der Verbrecher.
    B 2  Die Arbeit unter den Räubern begann mit einem Mann namens Stuart Purem aus einem Verbrecherdorf in Südindien. Er kam nach Madras, um dort eine gefährliche Augenerkrankung behandeln zu lassen. Bei diesem Besuch schleppte ihn ein Arzt in die Versammlung von Vater Daniel. Die zum ersten Mal in seinem Leben gehörte Botschaft erfaßte diesen Mann so stark, daß er die kommende Nacht nicht schlafen konnte. Er faltete die Hände und betete, um seiner Not Herr zu werden. Da offenbarte sich ihm Christus und machte ihm klar, daß er mit seiner Sünde fertig würde. Dieser einsame Kämpfer in der Nacht, der so oft ein Wegelagerer und Bandit gewesen war, bekehrte sich und wurde ein besonderes Rüstzeug seines Herrn unter den Räubern. Sein Augenleiden heilte in kurzer Zeit. Er kehrte in sein Dorf zurück und fing an, den Namen des Herrn zu verkündigen.
    In dem dämonisierten Verbrecherdorf brach eine Zeit der Erweckung an. Unter der Verkündigung von John – das ist der Taufname des bekehrten Mannes – brachen die Räuber zusammen. Viele von ihnen stürzten während der Verkündigung des Evangeliums zu Boden. Andere waren drei Tage blind wie Paulus vor Damaskus. Kranke wurden geheilt und finstere Gesichter wurden hell von dem Licht des Wortes Gottes. Menschen, die nicht lesen konnten, baten den Herrn: „Hilf uns, daß wir dein Wort lesen können.“ Und der Herr tat ein Wunder an ihnen, daß sie in kürzester Zeit lesen konnten.     Etliche Bekehrte kamen unter die direkten Angriffe der Dämonen, die ja Jahrhunderte das Dorf beherrscht hatten. Es starben in ungewöhnlicher Weise kleine Kinder. Die Macht der Finsternis greift nach allem, was uns lieb ist, wenn wir uns für den Herrn Jesus entschieden haben.
Viele wurden während der Verkündigung geheilt, ohne daß der Prediger es wußte. Die Geheilten haben dann anschließend eine seelsorgerliche Aussprache verlangt und ihr Leben in Ordnung gebracht. Hier erfüllt sich Psalm 107,20: „Er sandte sein Wort und machte sie gesund.“ Wort Gottes und Heilung sind hier nebeneinandergesetzt.

Während die Geistesgabe der Krankenheilung selten ist, finden sich viele Männer des Glaubens, die mit den Kranken beten unter Benutzung der Verheißungen Gottes. Ich selbst bin in meinem vielfältigen seelsorgerlichen Dienst auch dazu geführt worden.
    B 3 In Panambi in Brasilien hatte ich eine Evangelisation. Eine kranke Frau kam zu mir in die Seelsorge. Sie beichtete und lieferte ihr Leben Jesus aus. Plötzlich stand ich unter dem Eindruck, daß der Herr noch mehr an ihr tun will. Ich sprach mit ihr darüber und rief dann einen zweiten Bruder zum Gebet hinzu. Es war der Pfarrer Karl Gustav Braun, der mich in seine Gemeinde eingeladen hatte. Wir beteten mit der Frau unter Handauflegung. Am nächsten Tag kam sie wieder und brachte ihre Tochter, die ein „Schlotterknie“ hatte und dauernd beim Gehen einknickte. Nach einem seelsorgerlichen Gespräch betete ich mit dem Mädchen, aber ohne Handauflegung. Noch immer war es nicht genug. Die Mutter bat noch um einen Besuch in ihrem Haus, damit ich auch mit der anderen Tochter redete und betete. Sie hatte eine vereiterte Niere und war schon lange in ärztlicher Behandlung.
    Nach meiner Abreise aus Brasilien verlor ich das alles aus meinem Gedächtnis, denn neue Evangelisationen standen bevor. Nach einigen Jahren kam ich zum dritten Mal nach Panambi. Gleich zu Beginn der Vortragswoche tauchte diese Frau wieder auf und fragte: „Kennen Sie mich noch? Sie haben bei Ihrem letzten Besuch mit mir und meinen Töchtern gebetet.“ Der Vorfall kam schnell in mein Gedächtnis zurück. Dann hörte ich einen wunderbaren Bericht. Diese Frau Bender, eine Deutschstämmige, erzählte: „Ich war seit meiner Beichte und Übergabe meines Lebens an Jesus gesund. Meine Tochter mit dem Schlotterknie fand einen geschickten Chirurgen, der ihr durch eine Operation das Knie stabilisierte. Die vereiterte Niere der zweiten Tochter wurde ebenfalls gesund.“
    B 4 Folgende Heilung wurde mir berichtet: Ein Gerichtsarzt lag mit einer Knochen-Tb (Osteomyelitis) im Krankenhaus. Das rechte Bein lag bis zur Hälfte in Gips. Für den Patienten war diese Krankheitszeit eine Schule des Glaubens und des Gebetes. Als gläubiger Christ besprach er die ganze Not seines Leidens mit seinem Herrn. Er rang sich durch zu der Haltung, die Führung Gottes zu bejahen. Während seines mehrwöchigen Krankenlagers erhielt er allerlei Besuche. Unter den verschiedenen Besuchern wurde ihm eine gläubige, schlichte Frau zu einem besonderen Erlebnis. Sie ermunterte ihn mit den Verheißungen der Heiligen Schrift und wies ihn darauf hin, daß Christus heute noch Wunder tun könnte. Der Besuch dieser Christin stärkte seinen Glauben. Nach einer unruhigen Nacht, in der er stundenlang im Gebet rang, kam ihm am Morgen die Gewißheit, daß Christus sich an ihm verherrlichen wollte. Als im Laufe des Vormittags die Visite kam, erklärte er dem Oberarzt: „Christus hat mich gesund gemacht.“ Der Oberarzt geriet ganz aus der Fassung. Er glaubte, einen religiös Wahnsinnigen vor sich zu haben und konnte sich über die Aussage des kranken Kollegen kaum beruhigen. Der Patient wurde in seinem Glauben nicht mehr wankend. Er war tatsächlich von diesem Tag an geheilt und konnte entlassen werden. Die Osteomyelitis ist seit dieser Glaubensheilung nie mehr aufgetreten.
    Nach dieser Erfahrung ist der Gerichtsarzt ein lebendiger Zeuge für Christus und scheut sich nicht, auch unter seinen Kollegen von dieser wunderbaren Krankenheilung zu berichten. Er ist durch sein lebendiges Gottvertrauen seither vielen Menschen zum Segen geworden.

Eine vierte Form der Krankenheilung verbindet das Neue Testament mit Handauflegung, Salbung und Gebet durch die Ältesten der Gemeinde. Diese Verheißung ist unabhängig von den Erweckungen mit ihren außergewöhnlichen Zeichen und Wundern. Sie ist ein Wort des erhöhten Herrn an seine Gemeinde zu allen Zeiten an allen Orten. Jesus erwähnt diese Glaubenshilfe in Markus 16,17f. Der Apostel Jakobus berichtet von der Handauflegung in Verbindung mit einer Ölsalbung in Jakobus 5, 14-16:
“Ist jemand krank, der rufe zu sich die Ältesten von der Gemeinde, daß sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.
Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und so er Sünden getan hat, werden sie ihm vergeben sein.
Bekenne einer dem andern seine Sünden und betet füreinander, daß ihr gesund werdet.”

B 5 Ein evangelischer Pfarrer erzählte mir, daß er eines Tages von einem Kranken seiner Gemeinde gebeten wurde, er möchte doch zusammen mit einem Kirchenältesten ihm die Hände auflegen und mit ihm beten. Der Pfarrer wandte sich an verschiedene Älteste, überall erhielt er Absagen. Keiner hatte vorher so etwas getan. Keiner traute sich das zu. Jedem war diese Handlung fremd.
    Warum ist diese biblische Handauflegung in der westlichen Christenheit so wenig bekannt? Warum haben auch die Christen bei uns, welche die Stellen von der Glaubensheilung kennen, gewöhnlich nicht den Mut, sie anzuwenden? Warum überläßt die Christenheit diese Stellen den Sekten, den Irrlehrern und schwarmgeistigen Gruppen? Gelten diese Verheißungen der Heiligen Schrift nur den extremen Richtungen? Will sich die Kirche Christi das Armutszeugnis ausstellen, daß sie nicht mehr im Verheißungsgut der Bibel lebt? Das sind alles Fragen, die in der Gegenwart sehr aktuell sind. Betrachten wir einmal dieses Problem an Hand der Jakobusstelle.
    Um nicht von vornherein auch auf einen Irrweg zu geraten wie so viele sektiererische Gruppen, müssen wir zunächst die religionsgeschichtlichen Wurzeln der Stelle Jak. 5,14 untersuchen. Es war in der jüdischen Gemeinde Sitte, daß Kranke die Ältesten zu sich baten. Es wurde von ihrem Gebet besondere Hilfe erwartet. Dieser schöne Brauch wurde von der christlichen Gemeinde übernommen. Bei der jüdischen Sitte liegt noch im Hintergrund, daß man meinte, der Kranke wäre ein besonderer Sünder, ein von Gott heimgesuchter Mensch. Von dieser negativen Einstellung ist glücklicherweise bei der christlichen Handauflegung nichts mehr zu spüren. Eine Erklärung bedarf die Ölsalbung. Das Alte Testament kennt die Salbung des Priesters und des Königs. Ferner war die Salbung Ausdruck festlicher Freude. Denken wir nur etwa an Psalm 23: “Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.” Von großer Bedeutung in unserem Textzusammenhang ist die Feststellung, daß das Öl in der ärztlichen Kunst als bestes medizinisches Heilmittel galt. Wir haben damit den Hinweis, daß trotz der Fürbitte der Ältesten die Hilfe der ärztlichen Heilkunst nicht abgelehnt wird. Das Öl war in der Zeit des Alten Bundes nicht nur liturgisches Mittel, sondern auch ärztliches Medikament. Wir müssen alle diese Tatsachen festhalten. Den Schwarmgeistern, die meinen, auf Grund der Jakobusstelle den Arzt ablehnen zu müssen, kann entgegengehalten werden, daß gerade in dieser Stelle der Hinweis zur ärztlichen Hilfe nicht fehlt. Selbstverständlich geht es natürlich an dieser Stelle in erster Linie um die Glaubens- und Gebetsheilung. Auch soll nichts dagegen gesagt werden, wenn ein gläubiger Christ glaubt, auf den Arzt verzichten zu können, um allein die Hilfe des Herrn zu erwarten. Eine solche Glaubenshaltung darf aber nicht zum Gesetz für andere gemacht werden. Es liegen mir viele ungute Erlebnisse auf diesem Gebiet vor. Der Mißbrauch hebt aber den rechten Gebrauch nicht auf.
    Der schwerwiegendste religionsgeschichtliche Punkt, den die Schriftausleger allgemein nennen, ist der Gegensatz der Jakobusstelle zu den im Altertum geübten magischen Heilungen. Man dachte sich in der Alten Welt die Krankheit durch Dämonen verursacht. Heilung war darum gleichbedeutend mit der Austreibung der bösen Geister. Die Krankenheilung bestand darin, daß der Exorzist, der magische Beschwörer, den Namen des betreffenden Geistes nannte oder auch den Namen eines stärkeren Gottes anrief. Wir kennen einen solchen Austreibungsakt in Apg. 19,13-16. Umherziehende Juden versuchten die Austreibung im Namen Jesu, ohne Jesus selbst nachzufolgen. Diese mißglückte Austreibung ist ihnen aber böse bekommen. Wir könnten nun diese magischen Heilungen als eine überholte, religionsgeschichtliche Tatsache abtun, wenn nicht diese magischen Heilungen auch heute noch in einem ungeheuren Ausmaß erfolgen würden. Damit kommen wir zu dem zweiten Teil unseres Themas.

2. Die mediale Heilkunst

    Spruchheilung
    Gesundbeter
    Geistige Heiler
    Mentales Heilen (mind-healing)
    Tranceheilung
    Filipino-Heiler
    Der Trance-Chirurg
    Glaubensheiler
    Pseudocharismatische Phänomene und Heilungen
    Dämonische Zeichen und Wunder

Fast alle kranken Menschen sind von der Frage bewegt: Wie werde ich gesund? Diese Frage ist berechtigt. Zunächst wird der Arzt zu Rate gezogen. Bringt die ärztliche Kunst nicht die erhoffte Hilfe, dann nehmen manche Menschen okkulte Heilmethoden in Anspruch. Sie suchen Menschen auf, die über mediale Kräfte verfügen, die „besprechen“, „segnen“, „büßen“, „etwas dafür tun“ können. Diese magischen Heilungen erfolgen im 20. Jahrhundert in der gleichen Weise, wie sie im Altertum seit Jahrtausenden vollzogen wurden. Der magische Heiler, der Krankheitsbanner, der Besprecher ruft den Namen eines mächtigen Geistes an, um ihn zur Hilfe zu bewegen. Eine Menge von solchen Heilungen aller Art lernte ich in der Seelsorge kennen. Einige der wichtigsten will ich hier skizzieren:
Die Spruchheilungen
Am leichtesten zu beurteilen sind die Heilungen auf dem Gebiet der schwarzen Magie. Hier weiß man doch sofort, mit was und mit wem man es zu tun hat. Ein Beispiel aus dieser Heilungsmethode.
    B 6 Eine Frau mit seelischen Störungen kam zur seelsorgerlichen Aussprache. Bei der Unterredung wurde ein Amulett entdeckt. Die Frau weigerte sich zunächst, das Amulett herauszugeben, da sie sonst innerhalb von drei Tagen sterben würde. So hatte ihr nämlich die magische Besprecherin gesagt. Schließlich gab sie es heraus und war entsetzt, als sie nach der Öffnung ein Zettelchen vorfand, auf dem der Spruch stand: „Meine Seele gehört dem Teufel.“ Es stellte sich heraus, daß die Frau vorher lungenkrank war und durch eine magische Besprecherin unter Anrufung in drei Teufelsnamen geheilt worden war. Nach Auslieferung des Amuletts wurde sie wieder lungenkrank. Sie fand aber den Weg zu Christus und legte ihr Los getrost in die Hände ihres Herrn.
    Nicht so einfach wie die schwarze Magie ist die Beurteilung der weißen Magie. Die Formen der weißen Magie finden sich im Volk fast noch mehr als die der schwarzen Magie. Das hängt damit zusammen, daß die weiße Magie religiös getarnt ist. Man erfaßt nicht sofort den Hintergrund wie bei der schwarzen Kunst. Das religiöse Beiwerk ist irreführend. Ein Beispiel soll das zeigen.
    B 7 Einer Frau eröffneten die Ärzte einer chirurgischen Station, sie müßten ihr das kranke Bein amputieren. Die bekümmerte Patientin wollte vor der Abnahme des Beines zuerst alles versuchen und ließ ohne Wissen der Ärzte einen Besprecher kommen. Der magische Heiler erklärte der Kranken: „Sie müssen an mich glauben!“ Dann gebrauchte er einen magischen Spruch und betete drei Vaterunser. Sofort nach dem Besprechen wichen die Schmerzen. Das Bein mußte nicht abgenommen werden. Den Ärzten war diese Wendung ein Rätsel. Die geheilte Frau war von dem Zeitpunkt des magischen Besprechens an allerdings mit starken seelischen Störungen behaftet. Auch ihre Familie wurde hinterher mit vielen Unglücksfällen heimgesucht.
    Die Heilungen der weißen Magie erfolgen unter religiösen Symbolen wie: Die drei höchsten Namen, drei Vaterunser, drei Bibelworte, drei Psalmen, drei Kreuze und dergleichen. Dadurch wird der naive Mensch – manchmal auch der theologisch Gebildete – getäuscht. Man hält eine solche Heilmethode für christlich. In Wirklichkeit gehört ein solches Heilen unter das zweite Gebot: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.“ Unser Gott läßt sich vom Menschen nicht zwingen. Er ist nicht unser Handlanger, der zu gehorchen hat, wenn der magische Besprecher kommandiert. Die Bibel verweist alle Beschwörungsformeln und die zu leeren Formeln erstarrten Bibelworte in das Gebiet der Zauberei (5. Mose 18,10-12). Weiße Magie ist vielfach nur christlich getarnte schwarze Magie. Hier erfüllt sich 2. Kor. 11,14: „Satan verstellt sich zum Engel des Lichts.“ Die magische Gebetszwängerei der weißen Magie ist etwas total anderes als die Glaubens- und Gebetshaltung des Christen: Herr, dein Wille geschehe.
Gesundbeter
In die gleiche Linie der religiös getarnten weißen Magie gehört die gewerbsmäßige Gesundbeterei. Ein Beispiel dazu.
    B 8  Ein Geschäftsmann mit einem organischen Leiden suchte einen Gesundbeter auf und zahlte ihm ein anständiges Honorar für seinen gewerbsmäßigen Gebetsdienst. Einige Tage später besuchte der Kranke eine befreundete Familie und klagte: „Ich kann nicht mehr beten. Ich habe das Gefühl, als ob dunkle Mächte mich umringen würden.“ Krampfhaft bemühte er sich, täglich sein Neues Testament zu lesen. Es wollte ihm nicht mehr gelingen. Er wandte sich in seiner Not wieder an seine Freunde und bat sie: „Helft mir! Finstere Gewalten, wie ich sie nie in meinem Leben gekannt habe, plagen mich.“ Dieser Kampf dauerte noch einige Monate. Das organische Leiden war ganz verschwunden, dafür aber bedrängten ihn seelische Nöte und Anfechtungen. Schließlich endete dieser seltsame Kampf mit einer Verzweiflungstat. Der Geschäftsmann, Vater von vier Kindern, nahm sich das Leben. Wenn das nur ein Einzelfall wäre, hätte er keine Beweiskraft. Ich besitze eine Sammlung von über tausend solcher seelsorgerlichen Fälle, die eine Beurteilung der medialen Heilmethoden ermöglichen.
Die geistigen Heiler
Die vier mir bekanntesten geistigen Heiler sind Harry Edwards, Bruno Gröning, Dr. Trampler und Johannes Bolte. Die Auswirkungen ihrer Heilertätigkeit sind mir immer wieder in der Seelsorge begegnet.
    Bei meinen Vortragstouren in England hatte ich in den Aussprachen viel mit Harry Edwards zu tun, der zu den gefährlichsten Heilern der westlichen Welt zählt. Aufschlußreich waren mir zwei kleine Begebenheiten.
    B 9 Harry Edwards erklärte, er könne nur heilen, wenn seine geistigen Helfer anwesend seien. Er meinte damit außermenschliche Wesen. Gelegentlich nannte er sie auch seine Engel.
    B 10 Harry verdiente mit seinen Heilungen viel Geld. Er verkaufte sein ursprüngliches Haus an ein gläubiges christliches Ehepaar. Diese Familie hielt es nicht lange in diesem Haus aus. Mann und Frau kamen zu mir in die Seelsorge und berichteten, daß es in diesem Haus spuke. Sie hätten keine Nacht Ruhe. Der Rumor war so stark, daß sie beschlossen, das Haus wieder zu verkaufen. Es stellte sich für den Hauskauf ein Interessent ein, der durch das Haus ging und entzückt ausrief: „O wie wunderbar. Hier wohnen ja die Himmlischen.“ Der Käufer, ein Spiritist, hatte sofort gemerkt, daß in dem Haus „Jenseitige“ gegenwärtig waren, in deren Gemeinschaft er sich wohlfühlte.
    Edwards ist bekannt geworden durch sein Buch „Spiritual Healing“. Dort gibt er uns auch Einblicke in seinen Werdegang als Heiler und in seine Heilerpraxis. Als 41jähriger besuchte er mit seiner Frau einen spiritualistischen Gottesdienst, die es ja in England reichlich gibt. Bei den Séancen wurde ihm von einem Medium gesagt, daß einige jenseitige Geist-Führer mit ihm in Verbindung treten wollten. Zunächst verhielt er sich passiv. In einer der Sitzungen wurde er aber von einer inneren Macht erfüllt. Nach den Worten des Buches wurde bei diesem Vorgang seine Medialität entwickelt und eine „spirit possession“, eine Geisterbesessenheit vollzogen.
    Von diesem Augenblick an war dieser Mann unter der Kontrolle der Geister. Er gab in den spiritualistischen Gottesdiensten eine Reihe von Trance-Botschaften. In dieser Zeit setzte plötzlich die Fähigkeit ein, abwesende Kranke zu heilen. Wenn ihm der Name oder der Wohnort eines Kranken gesagt wurde, sah er plötzlich den Raum, in dem sich der Patient befand, und er vermochte ihn durch geistige Beeinflussung zu heilen.
    Zum Heilungsvorgang selbst sagt das Buch folgendes aus: „Er suchte die Trance, die dafür Voraussetzung war, daß eine Verbindung mit dem Geistfreund einsetzte. Dann wurde durch Betasten des Patienten der Krankheitsherd lokalisiert. Danach strömten durch die Hände des Heilmediums Kräfte auf den Patienten über, die als Wärmegefühl empfunden wurden.“
    Alle Menschen, die auf diese Weise geheilt worden sind, stehen unter einem spiritistischen Bann. Harry Edwards hat dem englischen Volk einen furchtbaren Dienst erwiesen: Tausende, Abertausende von Menschen sind von diesem Propheten der spiritistischen Geister belastet worden. Und Englands Christen schweigen dazu.

Dr. Trampler aus München, dessen Heilmethode der Praxis von Bruno Gröning ähnlich ist, erlebte fast täglich an seinen Patienten erstaunliche Heilungen. Auch chronische, organische Leiden wurden oft ungeheuer rasch behoben. Um welche Kräfte und Prinzipien handelte es sich bei diesem Heiler? Es sollen hier nur Stichworte gegeben werden. Dr. Trampler spricht von einer planbeseelten Kraft, die durch ihn hindurchströmt und dann auf seine Patienten überfließt. Zum besseren Empfang dieser kosmischen Kräfte aus dem All können die Fingerspitzen in die Höhe gehalten oder auch Aluminiumfolie benützt werden. Es wird geraten, die Folie auch unter das Kopfkissen zu legen oder auf dem Körper zu tragen. In religiöser Hinsicht fließen bei diesem Heiler viele Ströme zusammen. Er spricht von Gott und Christus, anerkennt aber auch andere Kulturreligionen als Offenbarungsquelle. Die Lehre dieses Heilers ist eine Mischung aus pantheistischen, mystischen, naturreligiösen und christlichen Elementen. Eine gefährliche, irreführende Vermengung. In der Seelsorge wurde mir über die Art und Weise seiner Heiltätigkeit berichtet. Er stellt sich vor seine Patienten und konzentriert sich einige Sekunden auf ihr Leiden und kann dann treffsichere Diagnosen geben. Dann setzt er seine geistigen Kräfte ein und beeinflußt die Patienten. Er fragt sie dann: „Spüren Sie ein Wärmegefühl?“ Bei diesem Vorgang haben wir einmal die hellfühlende Diagnose und zum anderen die geistig-mediale Beeinflussung. Daß es sich nicht um göttliche Kräfte handelt, sondern um mediale, zeigt das folgende Beispiel.
    B 11 Eine Frau aus einer pietistischen Gemeinschaft reiste zu Dr. Trampler, um Hilfe gegen ein organisches Leiden zu finden. Sie saß inbrünstig betend im Wartezimmer mit vielen anderen Patienten zusammen. Der Heiler kam, schritt durch die Reihen und befaßte sich mit jedem Hilfesuchenden. Als er vor der betenden Frau stand, erklärte er kurz: „Ihnen kann ich nicht helfen. Gehen Sie wieder heim.“ Dann ging er weiter. Ich habe in meiner Kartei einige solcher Beispiele.

Eine Begegnung mit Bruno Gröning hörte ich von einem Mitglied des Missionstrupps „Frohe Botschaft“ von Wolfgang Heiner. Später erhielt ich das Zeugnis schriftlich.
    B 12 „Als junges Mädchen war ich jahrelang krank. Ich ging von einem Arzt zum anderen, aber keiner konnte mir helfen. Eines Tages hörte mein Vater von dem bekannten Wunderdoktor Bruno Gröning. Mein Vater setzte alle Hoffnung auf diesen Mann. Im Vorraum des Behandlungszimmers befanden sich viele Menschen. Sie alle warteten auf Gröning. Mein Vater und ich saßen unter ihnen. Ich betete leise. Was ich damals zu Gott gefleht habe, weiß ich nicht mehr, aber meine Gedanken beschäftigten sich mit Jesus. Plötzlich öffnete sich die Tür, und ein Mann mit hoher Stirn betrat den Raum. Es war Bruno Gröning. Je mehr er auf mich zukam, desto mehr fühlte ich eine innere Beklemmung. Ich wurde unruhig. Er sprach mit jedem. Auch mir stellte er die Frage, ob ich glaube, daß er mich gesund machen könne. Ich erwiderte: ‘Wenn Gott Ihnen die Kraft dazu gibt, ja!’ Ich wußte, daß Gröning von sich sagte, er würde in der Vollmacht Gottes heilen. Doch plötzlich merkte ich einen Widerspruch. Gröning sagte: ‚In Ihnen ist eine Macht, die meiner Kraft widersteht.‘ Ich schwieg, denn ich wußte, daß es die Kraft Jesu war.
    Gröning aber gab mich nicht auf. Er versicherte mir, ich würde noch an ihn glauben. Er gab mir eine Stanniolkugel, die ich in die Hand nehmen mußte und ein Stanniolblatt, das ich nachts unter das Kopfkissen legen sollte. Außerdem kaufte mein Vater von ihm ein Buch, das eine Fotografie Grönings enthielt. Auf dieses Bild sollte ich meine Hand legen und an Gröning denken. Wenn ich dieses alles tun würde und daran glaubte, würde ich gesund.
    Doch ich wurde nicht gesund. Im Gegenteil, in mir vermehrte sich seitdem eine furchtbare Angst. Ich wurde gequält. Eines Tages hielt ich es nicht mehr aus und verbrannte das Stanniolpapier. Danach wurde ich stiller in meinem Herzen. Als ich wenig später in meinem Urlaub zum Missionstrupp ‚Frohe Botschaft‘ ging, da sagte ich einem Seelsorger die Sache mit Gröning. Man betete mit mir, legte mir die Hände auf, und ich sagte mich durch das Lossagegebet von dieser finsteren Macht los. Seitdem ist aller Druck von mir gewichen, alle Angst ist weg. Jesus Christus hat mich frei gemacht, dafür will ich ihm danken.“

Pfarrer Johannes Bolte gehört zu den Geistheilern, die mir in der Seelsorge am meisten Not bereiteten. Er besitzt hochgradige mediale Fähigkeiten und gilt als ein erfahrener Pendler. In Mitteldeutschland hatte er große Heilerfolge. Eines Tages schickte er mir seine Broschüre „Von der Pendelforschung zur Wunderheilung“ zu. Diese Schrift enthält aufschlußreiche Aussagen aus seiner langjährigen Pendelpraxis und ist der Ausgangspunkt für die folgenden Erläuterungen.
    Aufschlußreich für den Charakter der Pendelforschung sind die Querverbindungen, denen ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Die medialen Bereiche haben alle untereinander „Metastasen“ wie der fortgeschrittene Krebs. So schreibt Bolte auf Seite 9: „In dem kommenden geistigen Zeitalter wird es auch eine neue Medizin geben! Eine Medizin, die aus diesem Geisteserlebnis geboren wird. Pendelforschung und Heilmagnetismus werden dann im Kreise der Ärzte große Bedeutung bekommen.“ Auf Seite 11 stellt der Autor fest: „Die Pendelkunde ist überhaupt erst der Schlüssel zu der ungemein komplizierten Homöopathie.“ – Pendelforschung – Heilmagnetismus – Homöopathie ist die Querverbindung auf medialer Basis.
    Der Ausgangspunkt der Pendelpraxis Boltes ist die Annahme einer Strahlung, die von organischen und anorganischen Stoffen ausgeht. Diese fiktive Strahlung, die jenseits physikalischer Meßbarkeit liegt, wurde von Freiherr von Reichenbach Od genannt. Die Chinesen nannten es Chi, das bei der Akupunktur eine Rolle spielt. In fast allen östlichen Religionen ist ja die Ausstrahlung einer elementaren Energie als ein Grundkonzept vertreten. Aus dieser angenommenen Emanation aller Stoffe hat sich die Praxis aller Radiästheten entwickelt.
    Bolte schreibt dazu S. 27: „Die Pendelkunde ist zunächst Erforschung der geheimen, unbekannten Strahlen. Das sind in erster Linie Od-Strahlen, biologische Strahlen, die der heutigen Physik und Medizin dummerweise noch nicht bekannt sind, obwohl sie in der gesamten Natur eine geradezu ausschlaggebende Rolle spielen, vielleicht noch mehr als die Elektrizität. – Das Pendel zeigt einem das Wesen der Krankheit, das, wo sie hergekommen ist: sie kam aus den gestörten Strahlungsverhältnissen.“
    Eigentlich muß man Pfarrer Bolte dankbar sein, daß er ausführlich über seine Pendelforschung spricht. Dadurch macht er es dem Beurteiler leicht, das Wesen der Pendelreaktionen zu erkennen.
    Auf Seite 29 schreibt Bolte: „Eine zweite Tatsache ist das Vorhandensein einer jenseitigen Welt. Jenseitige können das Pendel auch beeinflussen. Denn Od ist eine Zwischenmaterie zwischen der Materiewelt und der Astralwelt, in der die Jenseitigen der Zwischenstufen leben. Mit dem Od spielen sich auch alle die Phänomene des Spiritismus ab, Tischklopfen, mediales Schreiben, Materialisationen und anderes. Somit ist also das Pendel in gewisser Weise auch ein gefährliches Instrument. Der Pendler muß also die Gesetze und Gefahren des Mediumismus kennen. Er könnte sonst unter Umständen sogar verrückt werden.“
    Ich bin Bolte dankbar für diese offene Sprache. Er nimmt mir die Arbeit ab, solche Nachweise zu bringen, wenn er als hochqualifizierter Pendler und Heiler selbst die Zusammenhänge mit dem Spiritismus aufzeigt.
    Eigentlich könnte man hier dieses Kapitel abschließen. Aber es ist wichtig, daß wir auch in die Praxis des Pendlers hineinschauen.
    Bolte sagt S. 7: „Mit dem Pendel konnte ich die Kupfervorkommen auf der bloßen Landkarte nach Lage, Tiefe und Mächtigkeit regelrecht ablesen.“ Ebenso kann auf einem Foto der Charakter, ja sogar alle Lebensdaten der dargestellten Person festgestellt werden. Mit dem Pendel kann man auf einem anatomischen Atlas die Krankheiten eines Patienten erkennen, wenn man mit der rechten Hand das Pendel führt und die linke auf den Kranken legt. So kann der geübte Pendler nicht nur Strahlen fühlen, nachweisen, messen und deuten, sondern auch Strahlen aussenden und damit heilen. – Das ist das Problem der geistigen Heilung. Es gibt Fernmutungen und Fernheilungen, also den aktiven und den passiven Vorgang auf Distanz.
    Immer wieder stieß ich in Boltes Buch auf Aussagen, die mir aus der Seelsorge geläufig sind. So schreibt er auf Seite 38: „Man soll nicht mit dem Pendel nach Dingen fragen, zu denen unser Geist gar keinen Kontakt haben kann. Was ist die Folge? Es schalten sich sofort niedere Jenseitige ein, die uns ständig umgeben in dieser Welt der Verführungen und Prüfungen. Wenn sie sehen, daß jemand medial ist und seine Medialität anwenden will, dann sind sie da und versuchen aus dem Betreffenden ihr Medium zu machen, also diesen Betreffenden zu mißbrauchen.“ – Abgesehen davon, daß ich die ganze Pendelpraxis total ablehne, stehen hier Sätze, die meiner eigenen Beobachtung entsprechen. Wer seine Medialität erkennt und anwenden will, wird Operationsbasis böser Geister. Das sagt also nicht ein Pietist oder Evangelikaler, sondern ein erfahrener Pendler.

Mind-healing – Heilung durch das Gemüt
Eine andere Heilbewegung ist in gewissem Sinne auch die Christliche Wissenschaft. Ich kann hier keine ausführliche Darstellung dieser Bewegung geben. Kurt Hutten hat das in seinem Sektenbuch “Seher, Grübler, Enthusiasten” getan.
    Zu meiner Information über mind-healing, der Heilungspraxis der Christian Science, stehen mir folgende Quellen zur Verfügung. Die beiden Hauptwerke der Amerikanerin Mary Baker Eddy, der Gründerin dieser Bewegung. Die Titel lauten „Science and Health = Wissenschaft und Gesundheit“, ferner „Vermischte Schriften“, die Jahre 1883-1896 umfassend. Dazu hatte ich Gelegenheit, die Zentrale der Bewegung in Boston (USA) zu besuchen. Es ist ein Hochhaus mit 27 Stockwerken. Das meiste Material erhielt ich aus der Seelsorge und durch die Begegnung und Diskussionen mit Anhängern dieser okkulten Bewegung.
    Entstehung und Auswirkungen der Heilmethode mind-healing zeigen deutlich, daß es sich hier nicht um biblisches Geschehen handelt. Der Anfang wird markiert durch eine okkulte Heilung. Mary war schon als Kind sehr kränklich. Nachdem ihr gesundheitlicher Zustand immer schlechter wurde, suchte sie in ihrer verzweifelten Bedrängnis als letzte Rettung den Heilpraktiker P.P. Quimby auf. Dieser kam vom Mesmerismus her und verwendete Heilkräfte suggestiver und magnetischer Art. Binnen acht Tagen war sie geheilt. Fortan verehrte sie ihn, und die Wissenschaft des geistigen Heilens zu lernen und zu praktizieren wurde nun der Inhalt ihres Lebens.
    Quimby selbst hatte durch einen umherreisenden Hypnotiseur die Macht der Suggestion kennengelernt, als dieser einen jungen Burschen in Tiefschlaf versetzte und steif wie ein Brett machte. Quimby war beeindruckt und hielt die medialen hypnotischen Kräfte für Seelenkräfte. Daraufhin experimentierte er sieben Jahre mit seinen „Seelenkräften“ und entwickelte eine neue Heilmethode. Dieser legte er die Auffassung zu Grunde, daß Krankheit vor allem das Ergebnis einer auf Furcht, Sorgen und anderen negativen Gemütsbewegungen beruhenden falschen Denkweise sei, die auf mentalem Wege überwunden werden muß. Der falschen Denkweise sollte ein richtiges Denken, den negativen Gemütserregungen die Kraft positiver Gefühle entgegengesetzt werden. Da unsichtbare magnetische Strömungen von Seele zu Seele gehen, könne der Heiler den eigenen Glauben auf den Kranken übertragen. Dieser Glaube wirke Wunder. An ihm hänge es auch, ob eine Arznei helfen oder wirkungslos bleiben würde. Darum brauche der Kranke vor allem ein „neues Denken“, das jede Angst und Mutlosigkeit ausschließe. Diesen Grundgedanken hat M.B. Eddy von Quimby übernommen und weiterentwickelt.
    Das Lehrsystem von M.B. Eddy ist reichlich kompliziert. Auf jeder Seite ihrer Bücher wird deutlich, daß dieses Lehrgebäude dem Gedankengang der Bibel nicht entspricht, obwohl viele Bibelworte zitiert werden. So schrieb sie in ihrem Hauptwerk „Science and Health“, daß wir in unserem mind (Geist, Gemüt) nur die richtige Einstellung aufbringen müssen, dann würden wir gesund. Das heißt also, daß unser Denken und unsere Vorstellungen sich verwirklichen. Das ist Autosuggestion und hat mit einem biblischen Geschehen nichts gemeinsam. Hier befindet sich M.B. Eddy in der Nähe des Psychotherapeuten Coué (1857-1926). Dieser entwickelte ein Heilverfahren, das sich auf die Autosuggestion gründet. Coué erklärte, daß die Einbildungskraft der Antrieb menschlichen Handelns ist. Diese Vorstellungskraft muß so gesteigert werden, daß sich das verwirklicht, was der Mensch sich vorstellt. Solche unbiblischen Gedanken sind leider auch in christlichen Kreisen zu finden, so z. B. bei dem Koreaner Dr. Yonggi Cho.
    Der von M.B. Eddy hundertfach gebrauchte englische Ausdruck mind-healing bedarf einer kurzen Erklärung. Mind wird übersetzt mit Gemüt, Geist, Denkkraft, Verstand. Somit heißt mind-healing sowohl Heilung durch das Gemüt als auch Heilung durch die Kraft des Denkens oder den Geist. Manchmal verwendet M.B.Eddy auch den Ausdruck Gedankenbehandlung.
    Ihre praktizierenden Schüler, die sich Ausüber nennen, heilen heute in allen Teilen der Welt direkt oder auch auf große Entfernungen mit der Kraft ihres „Gemütes“, mit „denkender Kraft“. Sie nennen das „beten“ oder für jemand „arbeiten“. Ausüber, die nicht medial sind, haben keine Heilerfolge auf Entfernung. Die Praxis von mind-healing fällt in das Gebiet der Suggestion, Autosuggestion, religiösen Suggestion und vor allem der Mentalsuggestion (mediale Beeinflussung auf Entfernung).
    Die meisten Informationen über diese okkulte Heilbewegung erhielt ich aus der Seelsorge. Das Stichwort “okkult” hat mir schwere Attacken eingebracht.
    B 13 Bei einer internationalen Missionskonferenz auf Haiti erwähnte ich bei einem Vortrag die okkulte Heiltätigkeit der Christian Science. Wütend sprang ein Teilnehmer auf, unterbrach mich und erklärte, daß er und seine Schwester durch Ausüber der Christlichen Wissenschaft geheilt worden wären. In seiner Gegenwart könne niemand diese Kirche abwerten. Nach dem Vortrag kam ein Pastor aus Kalifornien zu mir und erklärte: „Nehmen Sie das nicht so tragisch. Dieser Mann ist ein Troublemaker (Unruhestifter) wo er hinkommt. Dabei ist er Prediger einer Gemeinde.” Ich erwiderte: „Mich wundert das nicht. Nach meiner Erfahrung haben alle, die bei der Christlichen Wissenschaft geheilt worden sind, sich irgendeine Belastung oder seelischen Schaden geholt.”
    B 14 Einen anderen Angriff erlebte ich in Deutschland. In einem meiner Bücher hatte ich die Bemerkung gemacht, daß manchmal die Ausüber ihre mentalen Kräfte umkehren und den Menschen schaden, die sie verfolgen wollen. Mary Baker Eddy selbst hat das in ihren Schriften erwähnt. Sie nennt diese Umkehrung der heilenden Kräfte in schädigende Kräfte Malpraxis. Mein Angreifer behauptete nun, er hätte weder diese Gedanken noch dieses Wort in den Büchern von M.B. Eddy gefunden. Ich staune darüber und wieder nicht. Es gibt Christen, die ihre Bibel nicht lesen und so gibt es auch Scientisten, die die Bücher ihrer Chefin nicht lesen noch kennen. Ich habe selbst in den Büchern von Frau Eddy den Vorgang der Malpraxis rund 15mal erwähnt gefunden. In „Vermischte Schriften“ schreibt sie in Kapitel III (Artikel 31): „Mentale Malpraxis ist das gerade Gegenteil der Christlichen Wissenschaft. Sie bedeutet, gedanklich so zu wirken, daß dadurch das Glück eines Mitmenschen verhängnisvoll angegriffen, daß er sittlich, körperlich oder geistig geschädigt werden kann. Dies ist nicht der Gebrauch, sondern der Mißbrauch der Gedankenbehandlung, es ist mentale Malpraxis.“ Selbstverständlich heißt Frau Eddy die Malpraxis nicht gut sondern verwirft sie. Es liegen mir aber genug Beispiele vor, daß diese Grenzen von den Ausübern überschritten werden.
    Auf die Ausüber mußte ich in der Seelsorge immer wieder ein besonderes Augenmerk richten. Es muß, nach den Auswirkungen zu schließen, okkult arbeitende Männer unter ihnen geben. Wie oft wurde mir gebeichtet, daß ausgetretene Scientisten von ihren Ausübern verfolgt wurden.
    B 15 Ein Ausüber der Christlichen Wissenschaft erkannte seinen Irrweg und meldete seinen Austritt an. Man schrieb ihm von der Zentrale in Boston, er würde das zu bereuen haben. Kurz danach bekam er eine unerklärliche Hautkrankheit, mit der kein Dermatologe (Hautspezialist) fertig wurde. Der Patient häutete sich wie eine Schlange. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrmals. Beim dritten Mal starb er. Der Beweis läßt sich nicht erbringen, daß diese schwere Erkrankung die vereinte Malpraxis von sechs oder zwölf stark medialen Ausübern war. Ich kann nur wahrheitsgemäß berichten, daß mir das in der Seelsorge auch bei anderen okkulten Bewegungen gebeichtet wurde. In den USA gibt es eine Strömung, die in gleichen Fällen „Soul Force” = Seelenkraft anwendet, um ein “irrendes Schaf” zurückzuholen. – Mir sind solche Vorgänge auch aus der Magie bekannt. Wie die Besprecher und Magier Krankheiten heilen können, so vermögen sie auch Krankheiten anzuhängen.
    B 16 Ein Akademiker war lange Zeit Mitglied der Christlichen Wissenschaft. Nach und nach erkannte er den Ungeist dieser Bewegung und entschloß sich auszutreten. Der Ausüber drohte ihm darauf: „Das werden Sie zu bereuen haben.“ Trotzdem vollzog der Akademiker die Trennung. Es stellten sich aber hinterher viele Störungen ein. Er litt unter furchtbaren Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, hatte oft ein Flimmern vor den Augen und Bewußtseinstrübungen. Auch im Geschäft erlebte er viel Unglück. Die Drohung hatte sich also erfüllt.
    Die Heilungen der Scientisten haben mit den biblischen Heilungen nichts gemeinsam. Wenn ein Christ für einen Kranken betet, so geschieht das in der Haltung: Herr, dein Wille geschehe. Bei der biblischen Heilung geht die heilende Kraft von Christus aus. Bei mind-healing ist die Ursache der mental-arbeitende Ausüber. Die häufig gebrauchten Bibelworte, das ganze fromme Beiwerk ist nur Tarnung.
    Wir stehen bei der Christian Science vor einer okkulten Bewegung, vor der die Christen entschieden gewarnt werden müssen, zumal hier tausendfach in mißbräuchlicher Weise das Wort Gottes als Steigbügelhalter benützt wird. Mitunter bringen Scientisten Berichte heraus, die so wunderbar mit christlichem Gedankengut geschmückt sind, daß der schlichte Christ davon erfaßt wird. Ich darf nur das Buch “Heilendes Licht” von Agnes Sanford erwähnen. Wunderbar geschrieben, aber dennoch nicht völlig im Einklang mit dem Worte Gottes.

Tranceheilungen
Bei meinen vielen Missionsreisen habe ich noch kein Land entdeckt, das keine medialen Heiler hätte. In nichtchristlichen Ländern ist ohnehin seit Jahrtausenden die mediale Heiltätigkeit die übliche Form. Weit verbreitet ist die Form der Trancediagnose und Tranceheilung.
B 17 In Südbaden gab es die beiden Brüder Seiler, die im Volksmund „die Schläfer“ heißen. Wenn ein Patient das Sprechzimmer betrat, zog der behandelnde Heiler sich für einen Augenblick in ein dunkles Kabinett zurück. Dort versetzte er sich für einige Sekunden in Trance. Danach war die Diagnose perfekt. Als Mittel gaben die beiden Brüder homöopathische Medikamente aus. Wenn unter den Wartenden im Wartezimmer ein gläubiger Christ betete, wurden beide Tranceheiler gestört. Solche Beter wurden dann mit groben Worten weggeschickt. In meiner Kartei ist ein Brief der Brüder Seiler. Es ist der älteste Brief von Besprechern, der mich je erreicht hat.
    Gebrüder Seiler                Ottenheim, 5. März 1933
        Heilkundige
        Ottenheim – Baden
    „Sehr geehrter Herr!
    Bezugnehmend auf Ihr wertes Schreiben möchte ich Ihnen kurz antworten auf Ihre Fragen. Immer denke ich mit     dankbarem Herzen an Gott, der mir diese Gabe verlieh, der Menschheit zu helfen. Ich kann nicht glauben, daß unsere     Betätigung gegen Gottes Willen sein sollte, dürfen wir doch auf so viele Erfolge zurückblicken. Sollten Sie mal unsere     Sprechstunde aufsuchen, so werde ich Ihnen noch mehr sagen können.
        Hochachtungsvoll –         Seiler“
Die Auswirkungen der Seilerschen Trancediagnosen konnte ich beobachten, da auch von meinem Heimatdorf Berghausen, 110 km von Ottenheim entfernt, viele in die Sprechstunde dieser „Schläfer“ gingen. Einmal wurde ich mitten in der Nacht zu einer Frau geholt, die sich hatte behandeln lassen. Es war eine Frau mit einer guten kirchlichen Einstellung. Sie wurde nicht geheilt, aber in der Nacht nach dem Behandlungstag erlitt sie einen furchtbaren Angriff. Sie meinte, ersticken und sterben zu müssen. Ihr ganzer Körper brannte. Sie sah dann ein, daß sie falsche Kräfte in Anspruch genommen hatte.
Bei meinen Vortragsreisen durch die USA stieß ich auf das Buch „Edgar Cayce, the Sleeping Prophet.“ Es handelt sich um ein Taschenbuch, das eine millionenfache Auflage erlebt hat und zum Bestseller wurde. Darüber hinaus hatte ich Seelsorge und Diskussionen im Zusammenhang mit diesem Mann.
    B 18 Edgar Cayce ist der bekannteste amerikanische Tranceheiler, ausgerüstet mit medialen Kräften der Heilung und der wahrsagerischen Prophezeiungen. Sein Großvater war Farmer, der schon mediale Kräfte besaß. Er konnte mit der Rute Wasser suchen. Edgar, sein Enkel, hatte wahrscheinlich von diesem Großvater eine sukzessive Medialität, die er im Alter von sieben oder acht Jahren entdeckte. Die Eltern Cayce waren Mitglieder einer Presbyterianischen Kirche. Edgar hat in seiner Heimatkirche die Sonntagsschule besucht. Später wurde er sogar einer der Sonntagsschullehrer.
    Die Entdeckung seiner Medialität basiert auf einem interessanten Jugenderlebnis. Eines Abends sagte Cayces Vater zu seinem Sohn: „Du bleibst heute abend so lange auf, bis du deine Lektion für die Schule gelernt hast.“ Gegen 23 Uhr war der kleine Knirps furchtbar müde und legte seinen Kopf auf das Buch. Da hörte er eine Stimme: „Schlafe ruhig, wir helfen dir.“ Er schlief ein, wachte nach zehn Minuten wieder auf und wußte Wort für Wort die Lektion des Buches. Mir ist diese Hellseherfähigkeit einige Male in der Seelsorge begegnet.
    Von seinem 24. Lebensjahr an machte Cayce Schlagzeilen. Wenn ein kranker Mensch bei ihm Rat und Hilfe suchte, versetzte sich Cayce für einige Sekunden in Trance. Nach vier oder fünf Sekunden konnte er dem Besucher seine Krankheit angeben. Er verschrieb dann ein Medikament, das der Kranke sich in der Apotheke holte. In manchen Fällen stellte er nicht nur eine Trance-Diagnose, sondern gab auch durch Mentalsuggestion einen Heilungsimpuls. In diesem Fall war ein Medikament nicht erforderlich. Wenn Cayce sich in die spiritistische Trance versetzte, konnte er jede Krankheitsursache eines Menschen finden. Im Wachzustand wußte Cayce dann nicht, was er gesagt hatte. Oft konnte er nicht einmal die medizinischen Ausdrücke richtig aussprechen, die er in der Trance fachgerecht gebraucht hatte. Einmal bat ein Italiener Cayce um eine Diagnose. In der Trance gab Cayce dann in fließendem Italienisch Antwort. Er antwortete auch in Französisch, Spanisch, Deutsch und in anderen Sprachen, die er nicht gelernt hatte, die aber mitgeschrieben wurden. Was Cayce in der Trance diagnostizierte, wird readings = Lesungen, Aussagen genannt.
    Wenn ein Amerikaner Heilung oder Hilfe brauchte, schrieb er dem „Propheten“ einen Brief. Cayce konzentrierte sich auf den Brief und versetzte sich in Trance. In diesem Zustand erkannte er dann exakt die Krankheit des Bittstellers und konnte ihn gleichzeitig heilend beeinflussen. Genauso konnte er verlorene Gegenstände in dieser Weise auffinden oder auch Zukunftsprognosen geben, die eintrafen.
    Weil er alle seine Hilfsaktionen in der Trance durchführte, nannte man ihn den „schlafenden Propheten“. Im Grunde genommen stecken in dieser Bezeichnung zwei Fehler. Es handelt sich  nicht um einen Schlaf, sondern um Trance. Der Unterschied ist schnell geklärt. Wenn er in Trance lag, konnte man ihn mit einer Nadel stechen. Er spürte es nicht. Ein Schläfer wäre durch diese Nadelstiche aufgewacht. Ferner ist er nicht ein Prophet, sondern ein Zauberer. Simon Magus und Elymas in der Apostelgeschichte waren Zauberer und keine Männer Gottes. Wir leben aber heute in einer so chaotischen Zeit, daß alle Begriffe verwechselt und dem Teufel noch Ehren erwiesen werden. Das Argument, Cayce habe vielen geholfen, stimmt nur zum Schein. Er hat viele belastet und hat dem amerikanischen Volk einen schlechten Dienst erwiesen. Natürlich werden Heilerfolge nicht geleugnet. Die Bibel weiß auch von dämonischen Wundern (Matth. 24,24; 2.Thess. 2,9).
    Cayce war neben seiner okkulten Tätigkeit auch aktives Mitglied einer christlichen Kirche. Er hatte die lobenswerte Gewohnheit, jedes Jahr die ganze Bibel zu lesen. Seine medialen Kräfte hielt er für Gaben des Heiligen Geistes. Er entwickelte biblische Sonderlehren. So lehrte er die Reinkarnation, die Ansicht, daß der Mensch mehrmals geboren wird, um sich höher zu entwickeln. Cayce behauptete schließlich, er hätte schon in der biblischen Zeit vor 1900 Jahren gelebt und wäre der Neffe des Arztes Lukas gewesen. Wir stehen hier vor einem seltsamen Gemisch von Bibelstudium und Zauberei. Das ist eine Spezialität Satans, sich fromm zu tarnen. Leider werden auch viele Christen durch solche Erfolge getäuscht, weil sie nicht zwischen charismatischen und medialen Kräften unterscheiden können.

Die Filipino – Heiler
Bei meinen Vortragstouren auf den Philippinen kam ich in der Seelsorge mit Menschen in Kontakt, die sich von solchen spiritistischen Heilern hatten helfen lassen. Seit Jahren machen diese Heiler von sich reden. Sie haben ja große Wallfahrten zu den Orten ihrer Wirksamkeit, wie zum Beispiel Baguio,der sogenannten Stadt der Heiler, hervorgerufen. Von Europa und den USA kommen Gruppen von Ärzten und anderen Akademikern zu diesen Heilern. Manche glauben, es handle sich um göttliche Heilungen, weil die Heiler die Bibel, den Rosenkranz, Kruzifixe und kleine Hausaltäre in ihrer Wohnung haben und sich als gläubige Katholiken ausgeben. Nahezu alle Filipino-Heiler gehören zur Union Espiritista Christiana de Filipinas = spiritistisch christliche Vereinigung der Philippinen. Diese Kombination ist aber nicht möglich. Entweder wir sind Christen oder wir sind Spiritisten. Eine Vermengung der beiden entgegengesetzten Kraftfelder ist nicht möglich, ohne daß wir schwersten geistlichen Schaden leiden.
    B 19 Auf den Philippinen nahm ich die Berichte eines Astralchirurgen auf. Nach dem Glauben der Spiritisten hat der Mensch nicht nur einen materiellen, sondern auch einen Astralleib. Der Filipino führt bei seinen Patienten Scheinoperationen an diesem Astralleib durch, aber alles ohne Instrumente. Er versetzt sich in Halbtrance und macht über dem Patienten Handgriffe, als würde er regulär operieren. Die geheilten Patienten behaupten, er könne auf diese Weise einen Blinddarm oder eine Gallenblase entfernen, ohne daß die Bauchdecke aufgeschnitten wird. Eine Frau, deren Gallensteine röntgenologisch erkannt worden waren, ließ sich von diesem Astralchirurgen behandeln. Hinterher zeigte das Röntgenbild, daß die Steine verschwunden waren. Wir hätten in diesem Fall eine Art spiritistischen Apports vor uns. Apporte bedeuten Auftauchen und Verschwinden in geschlossenen Räumen. Es könnte auch ein Vorgang der Dematerialisation sein. Materie wird abgebaut und löst sich auf.
    Zur Tätigkeit dieses Filipino habe ich zwei Beichtgespräche gehabt. Ein Student, der sich einer solchen „Geisteroperation“ unterzogen hat, kam mit schwersten Depressionen zurück. Er litt unter Selbstmordgedanken, war völlig apathisch, konnte sein Studium nicht mehr fortsetzen. Er suchte zuerst einen Psychotherapeuten auf, der nicht mit ihm klar kam. Der Therapeut schickte den Studenten zu mir. Ich versuchte, ihm den Weg zu Jesus und zur Befreiung zu zeigen. Es gelang nicht. Seine Seele war wie versteinert.
    Die zweite Patientin dieses Filipino, die zu mir kam, war eine gläubige Schweizerin. Sie war seit Jahren krank und ließ sich durch die wunderbaren Heilberichte dazu verleiten, auf die Philippinen zu reisen. Sowohl sie als auch ihre Angehörigen beteten viel für diese Reise und die Behandlung. Der Filipinoheiler konnte nichts an ihr ausrichten. Das Gebet hatte ihn blockiert.

Der Trance-Chirurg
Von den Philippinen gehen wir nach Brasilien, einem Land, das ich neunmal bereist habe. Mehrere meiner Vortragstouren wurden von Kreispfarrer Braun vorbereitet. Er hat mich großenteils mit dem Wagen zu den Einsatzplätzen gefahren. Bei diesen Fahrten kamen wir auch durch Belo Horizonte, der Wirkungsstätte von Arigo, dem spiritistischen Chirurgen-Genie. Was Arigo alles vollbracht hat, ist eine Kette von Wundern – allerdings dämonischen Wundern. Die katholische Kirche selbst bezeichnete ihn als spiritistischen Heiler, obwohl Arigo zur katholischen Kirche gehört.
    B 20 In dem erwähnten Städtchen Belo Horizonte ereignete sich ein unglaubliches Operationswunder Arigos. Der Senator Lucio Bittencourt hatte eine Wahlversammlung gehalten, zu der auch Arigo und seine Freunde von Cogonhas angereist waren. Bittencourt hatte Lungenkrebs und plante, sich nach der Wahlveranstaltung in den USA operieren zu lassen.
    Der Senator und Arigo übernachteten im gleichen Hotel. In der Nacht sieht Bittencourt plötzlich Arigo mit einem Rasiermesser in der Hand in seinem Zimmer. Er hört noch die Worte Arigos: „Sie befinden sich in großer Gefahr.“ Dann verliert er das Bewußtsein. Als er wieder zu sich kommt, fühlt er seinen Zustand verändert. Er macht Licht und entdeckt Blutgerinnsel an seiner Pyjamajacke. Er zieht die Jacke aus und betrachtet den Oberkörper im Spiegel. Er beobachtet am Brustkorb einen feinen Schnitt. Da er um Arigos Heilkunst weiß, eilt er in das Zimmer Arigos und fragt ihn: „Hast du mich operiert?“ – „Nein, Sie haben wohl zuviel getrunken.“ Der Senator antwortet: „Das muß ich genau wissen. Ich nehme das nächste Flugzeug und gehe zu meinem Arzt in Rio.“ Bittencourt erklärt dem Arzt nur, daß er operiert worden sei. Der Spezialist macht Röntgenaufnahmen und bestätigt: „Ja, Sie sind nach den Regeln der amerikanischen Chirurgie operiert worden. So weit sind wir hier in Brasilien noch nicht.“ Erst dann erläuterte der Senator, was geschehen war. Diese Geschichte ging als große Sensation durch die Zeitungen und löste eine Flut von Besuchern in Arigos „Klinik“ aus.
    Amerikanische Ärzte kamen, Journalisten, Kameramänner, die alle möglichen Tests durchführten, ohne je einen Betrug zu entdecken. Arigo war zu jeder Prüfung bereit. Er „operierte“ auch unter der laufenden Filmkamera. Ein amerikanischer Arzt, Dr. Puharich, ließ sich sogar ein Lipoma entfernen. Die Operation wurde mit einem rostigen Messer ohne Lokalanästhesie, ohne Desinfektionsmittel durchgeführt. Dr. Puharich empfand auch keine Schmerzen. Auch dieser Eingriff erfolgte unter laufender Filmkamera.
    Welchen Charakter haben diese merkwürdigen operativen Eingriffe? Arigo, ein Hilfsarbeiter ohne jegliche medizinische Ausbildung, führt alle diese Operationen in Trance aus. Er behauptet, der Geist eines deutschen Arztes, Dr. Adolph Fritz, würde ihn „besessen“ machen. Dieser Hinweis ist deshalb irreführend, weil kein deutscher Arzt solche Operationen ohne Narkose, ohne Desinfektion mit einem rostigen Messer durchführen würde und etwa damit eine Lungenoperation vornehmen könnte. Die Operationsschnitte von Arigo heilen auch ohne Naht mit großer Schnelligkeit zu. Zum andern kann kein Arzt der Welt auf Entfernungen ohne jede Untersuchung exakte Diagnosen stellen. Wenn Arigo in Trance ist, gibt er bei jedem Besucher sofort die exakte Diagnose an. Hier handelt es sich um die sogenannte hellfühlende Diagnose, wie wir sie nur bei den stärksten spiritistischen Medien finden.
    Es handelt sich bei Arigo um nichts anderes als um eine dämonische Besessenheit. Dabei kann uns auch nicht die Frommtuerei hinweghelfen. Arigo hat über seiner Haustür ein Schild: „Hier in diesem Haus sind wir alle Katholiken.“ Bei der Operation in seinem Haus stellt er die Patienten unter ein Jesusbild und den Spruch „Pense em Jesus“ = Denke an Jesus. Bevor er morgens seine Arbeit beginnt, betet er ein Vaterunser. Diese fromme Umrahmung täuscht die Besucher. Es sind die verheerenden Nebenwirkungen, die mich zur stärksten Warnung veranlassen. Diese Wunderheilungen werden an den Teufel mit dem Verlust des Seelenheils bezahlt.
    Übrigens wurde der Senator später durch ein Flugzeugunglück getötet und Arigo durch einen Autounfall. Auch das ist eine Häufigkeitserscheinung, daß okkult Belastete oder gar dämonisierte Menschen oft in einem tödlichen Unfall enden. In meiner Kartei habe ich viele solcher Beispiele. – Wollen wir uns nicht endlich warnen lassen?

Die Glaubensheiler
Die schwarmgeistigen Heilbewegungen sind eine der größten Nöte der christlichen Gemeinden der Gegenwart. Hier geht es um Charismata und Pseudocharismata. Beide sind unvereinbar. Die Unterscheidung zwischen den medialen und den göttlichen Wundern ist jedoch oft nur möglich, wenn eine Gabe der Geisterunterscheidung vorliegt. Grundsätzlich ist es wichtig, den Charakter der medialen Kraftwirkungen zu erkennen. Zuvor bedarf der Ausdruck „medial“ einer Erklärung.
    Philologisch kommt der Ausdruck medial aus dem Lateinischen: medium = das Mittel, die Mitte, die Mittlerrolle. Diese Bezeichnung wird auch für die spiritistischen Kontaktpersonen benutzt. Ein Medium stellt die Verbindung zwischen unbekannten Kräften, Bereichen, Geistern und uns her. Die Energie, die dabei entfaltet wird, heißt medial. Das Wissen über die Medialität, das in der östlichen Welt zum Abc des Verständnisses gehört, wird in der westlichen Welt angezweifelt. Das hängt auch damit zusammen, daß in der östlichen Welt über 90 % der Menschen medial veranlagt sind, in der westlichen Welt vielleicht 10 %.
    Medialität kann auf dreifache Art und Weise entstehen:
durch Übertragung, 
    durch magische oder spiritistische Experimente, 
    durch Vererbung.

B 21 Ein berühmtes Beispiel für eine mediale Übertragung ist der Heilungsprediger Oral Roberts. Er ist hochmedial und sagte in Berlin 1966 in meiner Gegenwart: „Ich war als Junge krank und wurde von einem alten Indianer geheilt. Seit dieser Zeit hatte ich selbst eine Heilgabe.“ Übertragung und okkultes Experimentieren ist Schuld und Belastung zugleich, wenn es manchmal auch aus Unwissenheit geschieht.
    Die ererbte Medialität dagegen ist ein Späteffekt der Zaubereisünden der Vorfahren. Diese Form der medialen Veranlagung ist oft den Trägern unbewußt. Sie stellt auch zunächst keine Schuld dar, weil z.B. ein Enkel nicht dafür haftbar zu machen ist, was sein Großvater getrieben hat. Mediale Vererbungen gehen tatsächlich oft bis ins vierte Glied und sind damit eine Erfüllung des ersten Gebotes. Wenn sie zwar keine direkte Schuld darstellen, so sind sie doch eine Belastung. Wer diese ererbte Medialität wieder praktiziert, dem wird sie zur Schuld. Die ererbte Medialität ist auch nicht dämonisch, bedeutet aber eine offene Tür für dämonische Einflüsse. Sie wird aber zur dämonischen Belastung, wenn man sie praktiziert. Aus diesem Grunde soll der Christ, der eine solche Vererbung entdeckt, Gott darum bitten, daß er sie wegnimmt und dafür die Kraft des Heiligen Geistes schenkt. Schlimm ist es allerdings, wenn Jünger Jesu ihre Medialität eines Tages entdecken und dann annehmen, es seien charismatische Kräfte, durch den Heiligen Geist gegeben.

Die Beurteilung solcher Wunderheiler gehört zum Wächteramt der Gemeinde Jesu Christi. Es sind vor allem drei Männer, deren Weg ich persönlich verfolgen konnte: Branham, Hicks, Zaiss. Allen drei gemeinsam ist das Abhalten von großen religiösen Massenversammlungen mit anschließenden Heilungsversammlungen. Was ich über diese drei Männer zu sagen habe, ist kein leichtfertiges Urteil gehässiger Kritik. Jahrelang habe ich sorgfältig alles erreichbare Material über diese drei Heilungsprediger gesammelt, alle Veröffentlichungen für sie und gegen sie gelesen, sie selbst gehört, ihre Heilungen überprüft und alles mit der Heiligen Schrift verglichen. Es geht mir nur um die Einhaltung des Bibelwortes: „Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind.“ Es ist unmöglich, alles Material, welches mir zur Verfügung steht, hier zu entfalten. Darum werden nur einige Hinweise gegeben.

William Branham ist ohne Zweifel der problematischste von diesen drei Männern. Es zeigen sich bei ihm wahrsagerische, heilmagnetische, magnetopathische, magische aber auch biblische Eigenschaften. Alles ist mit christlichen Worten überdeckt. Von seinen wahrsagehörigen Eltern brachte er gewisse okkulte Belastungen mit. In Karlsruhe erklärte er: “Ich bin von Geburt an visionär veranlagt.” Ich bin selbst Zeuge dieser Aussage. Hier wird ein biblischer Tatbestand mißachtet. Geistesgaben (charismata) werden nicht durch die natürliche Geburt verliehen, sondern durch die Wiedergeburt. In Zürich kam folgender typischer Fall vor.
    B 22 Branham rief einen jungen Mann auf das Podium. Es entwickelte sich folgendes Gespräch: „Wir kennen uns noch nicht.“ „Nein“, erwiderte der junge Mann. „Sie tragen in Ihrer Rocktasche den Brief einer jungen Dame.“ „Ja.“ „In dem Brief ist ein Foto von mir.“ „Das stimmt.“ „Zeigen Sie das Bild.“ Der junge Mann holte es hervor. Daraufhin hob Branham das Foto in die Höhe und wandte sich an die Zuhörer mit der Frage: „Bin ich nicht ein Prophet Gottes?“ Stürmisches Hallelujarufen war die Antwort. Wir fragen: „Soll ein Wahrsagekunststück Beweis der Prophetenschaft sein?“ Hier wird Wahrsagen mit Weissagen verwechselt. Wahrsagen geschieht aus Kräften von unten (Apg.16,16). Weissagen geschieht aus einer Inspiration des Heiligen Geistes (Apg. 21,11). Warum kommt es außerdem Branham immer wieder sosehr darauf an, seine Prophetenschaft zu beweisen? Was soll außerdem der fetischistische (heidnisch, dinglich, magische) Brauch, eine Kiste voller Papierservietten zu segnen und sie an die Kranken zu verteilen? Das hat wahrhaftig nichts mit Apg. 19, 12 zu tun. Warum ist Branham nach seinen Vorträgen so erschöpft wie ein ausgepumpter Heilmagnetiseur? Jesus und seine Jünger wurden nicht torkelnd und völlig entkräftet weggeführt, wenn sie Kranke in der Vollmacht Gottes geheilt hatten. Warum wird Branham von betenden Brüdern, die sich in der Zuhörermenge befinden, in seiner Heiltätigkeit gestört? Zweimal erklärte er in solchen Fällen: „Es sind Gegenströmungen da.“ Branham wußte nicht, daß wir einen Gebetskreis unter die Heilungsuchenden gemischt hatten, die den Herrn um Klarheit anriefen. Prompt war Branham jedesmal gehemmt, irgendetwas zu unternehmen. Er reagierte also genau wie die okkulten Heilpraktiker, die einen betenden Menschen in der Sprechstunde sitzen haben. Es liegen soviele Beweismittel vor, – sie können hier nicht alle angeführt werden – daß folgender Schluß gegeben ist: Branham besitzt mediale Fähigkeiten.
    B 23 In Karlsruhe kam ein ehemaliges spiritistisches Medium mehrmals zur seelsorgerlichen Aussprache. Sie will Christus nachfolgen und hat sich von allem früheren spiritistischem Treiben gelöst. Leider hat sie noch mit ihrer ehemaligen medialen Veranlagung zu kämpfen. In der Aussprache erklärte sie mir: „Ich habe alle drei Wunderheiler gehört: Branham, Hicks und Zaiss. Mit allen drei hatte ich sofort medialen Kontakt, am schnellsten mit Branham.” Sie fügte noch hinzu: „Mit Ihnen bekomme ich keinen medialen Kontakt.” Ich erwiderte ihr: „Gott sei Dank, daß Sie mit mir keinen medialen Kontakt gewinnen.” – Genau das gleiche Erlebnis wiederholte sich in München. Anläßlich eines Aufklärungsvortrages kam eine Frau zur Seelsorge und berichtete mir, daß sie mit den drei großen Heilern sofort mediale Verbindung gewonnen hätte.
    Branham kam in seiner Jugend zu Christus und schleppte diese dunklen, medialen Fähigkeiten, ohne es zu wissen, mit in die Nachfolge Jesu. Heute verwechselt er wie seine Anhänger diese Fähigkeiten mit Geistesgaben. Sein Dienst wirkt sich in den christlichen Kreisen spaltend, verwirrend und fanatisierend aus. Er ist der ausgesprochene Typ des Schwarmgeistes, vor dem der schriftgebundene Christ warnen muß. Schwarmgeisterei hat ja vieles mit den okkulten Bewegungen gemeinsam. Das zeigt sich an den Auswirkungen. Schwarmgeistige Handauflegungen haben oft die gleichen Nebenerscheinungen wie die okkulte Besprecherei. Bezeichnend ist, daß auch amerikanische Gottesmänner wie Billy Graham sich von Branham und seiner Bewegung distanzieren.
    B 24 Eine Frau war in der Heilungsversammlung von Branham in Zürich. Branham erklärte ihr: „Ich sehe ein Licht über Ihnen. Ein Engel kommt auf Sie zu. Sie werden gesund.“ Die Frau betete bei dieser Heilungshandlung durch Branham. Es ging ihr hinterher gesundheitlich nicht besser, sondern schlechter. Wochenlang hatte sie schwere Anfechtungen mit Zweifeln. Zuletzt trieb sie eine schwere Verzweiflung zu mir in die Aussprache.
    B 25 Branham gab in einer Heilungsversammlung die Aufforderung: „Wer glaubt, daß ich ein Prophet Gottes bin, der antworte mit Ja.“ Ein anwesender Pfarrer folgte dieser Aufforderung. Hinterher erlebte dieser Pfarrer bei der Heimfahrt eine Ohnmacht. Er erbrach sich und bekam einen Blutsturz. Im Krankenhaus fand man die Ursache für dieses merkwürdige Ergehen nicht. Der Pfarrer bekam Depressionen und wurde einige Wochen innerlich hin- und hergerissen. Seine Glaubensnöte und Anfechtungen hielten einige Monate an.
    William Branham entwickelte sich schließlich zu einem starken spiritistischen Medium.
    B 26 Branham sagte vor Jahren zu seinem Dolmetscher Pastor Ruff: „Wenn mein Engel nicht das Zeichen gibt, kann ich nicht heilen.“ Da Ruff mehrfach spiritistische Dinge im Dienst von Branham beobachtete, verließ er ihn. Dieser sogenannte „Engel“ von Branham ist ein böser Geist in Lichtgestalt. Wir stehen hier vor der Tatsache, daß der Teufel in Lichtgestalt erscheint (2. Kor. 11,14).

Arbeitete Branham in christlichem Gewand sehr stark auf medialer Basis, so liegen bei Tommy Hicks außer christlichen Elementen auch starke suggestive Fähigkeiten vor. Etliche seiner Heilwirkungen geschehen auf der Ebene der seelischen Schockwirkungen.
    B 27 Ein psychologisch gebildeter Akademiker litt an einer chronischen Lähmung. Nach einer Behandlung durch Hicks ging die Lähmung zurück. Im Verlauf von drei Wochen kehrte die alte Erkrankung fortschreitend zurück. Der Patient bezeichnete die vorübergehende Besserung selbst als die Auswirkung einer suggestiven Stoßtherapie. Es werden die Suggestionen (seelische Beeinflussungen) von Hicks, weil sie unter christlichen Worten und Gebeten angewandt werden, genau wie bei Branham, mit Geistesgaben verwechselt. Im allgemeinen wirkt aber Hicks nach dem Urteil vieler Brüder nicht so unheimlich wie Branham. Er gehört jedoch in die Gruppe der Schwarmgeister.
    B 28 Ein Schweizer Pfarrer besuchte eine Heilungsversammlung von Hicks. Dieser gab den harrenden Kranken den Auftrag: Wer jetzt glaube, daß Christus ihn anrühren könne, lege seine Hand auf die kranke Körperstelle. Es würde sie alle dann ein Strom der Heilung durchfließen. Der Pfarrer leistete der Aufforderung Folge. Drei Wochen später kam er zu mir zur Aussprache und berichtete, er hätte in diesen drei Wochen schwere Anfechtungen gehabt und vorübergehend seine Glaubensgewißheit verloren. Es wäre ihm deutlich geworden, daß das kein biblischer Vorgang gewesen wäre. Die Auswirkungen, die er selbst zu tragen hätte, hätten ihm diese merkwürdigen Heilungskräfte verdächtig gemacht.
    B 29 Der Wunderheiler Hicks legte einem schielenden Kind die Hände auf. Die Eltern kamen nach dieser Heilbehandlung zu einer seelsorgerlichen Aussprache und erklärten, das Kind könnte seither nicht mehr schlafen. Es würde die ganze Nacht über mit offenen Augen im Bettchen liegen. Die Eltern bringen diese merkwürdigen Erscheinungen mit der Handauflegung durch Hicks in Verbindung.
    B 30 Eine Frau mit starken Schmerzen besuchte eine Hicks-Versammlung. Sie blieb zur Krankenbehandlung zurück. Hicks forderte die Kranken auf, mit den Händen eine Kette zu bilden. Die kranke Frau, meine Berichterstatterin, folgte der Aufforderung. Sie erhielt außerdem noch eine Handauflegung durch einen Mitarbeiter von Hicks. Daraufhin mußte sie drei Wochen das Bett hüten und leidet unter einer merkwürdigen Unruhe und Depressionen. Die frühere Gewißheit des Glaubens ist völlig verschwunden.

Viele Nöte bereitet uns auch die Beurteilung der Heilbewegung von Hermann Zaiss. Es sei vorweggenommen, daß Zaiss keinesfalls auf die Stufe von Branham und Hicks zu stellen ist. Zaiss selbst äußert Bedenken gegen die Arbeitsweise dieser Männer. Seine Heilungen liegen auch nicht auf medialer sondern auf religiös-suggestiver Ebene. Auch geht Zaiss nicht völlig einig mit der Pfingstbewegung. Dennoch sind es vor allem Leute aus diesen Kreisen, die zu seinen Anhängern gehören. Die Beurteilung seiner Arbeit pendelt zwischen zwei Extremen. Seine Anhänger halten ihn für den größten deutschen Evangelisten und kämpfen zum Teil fanatisch mit allen Mitteln für seine Sache. Die anderen wollen in dieser Bewegung unbiblisches Geschehen erkennen.
    In dieser Flut der Zustimmung und Ablehnung muß eine sachliche biblische Stellungnahme gefunden werden. Zur Beurteilung steht mir folgendes Material zur Verfügung: mitstenografierte Vorträge, ein selbst gehörter Vortrag und miterlebte Heilungsversammlungen, zwei Unterredungen mit H. Zaiss, die im wohltuenden brüderlichen Geist verliefen, ferner Seelsorge in vielen Städten an Menschen, deren Heilung durch Zaiss nicht anhielt. Dazu kommt das von Freunden gesammelte Material.
    B 31 Ein Arzt erklärte mir: „Ich habe durch Bruder Zaiss den Anstoß erhalten, Christus nachzufolgen.” – Ein Lehrer berichtete, daß er in einer Zaissversammlung den Anstoß zu seiner Bekehrung erhalten hätte.
    Diese Zeugnisse werden ernst genommen und zeigen, daß Gott auch aus irrigen Bewegungen Menschen erretten kann. Das entspricht der Größe und Gewalt seiner Gnade, die keine Schranken hat. In der Seelsorge beobachtete ich jedoch leider, daß solche Menschen, die in der Zaissbewegung einen echten Anstoß erhalten haben, eine starke Personenbindung an Zaiss haben. Sie können kaum einem anderen Reichgottesarbeiter zuhören. Vor allem ertragen sie nicht die geringste Kritik. Es liegt in ihrem Christsein ein gewisser fanatischer Zug. Der Lehrer, von dem ich oben berichtete, durfte durch die Gnade Gottes das erkennen. Um aus dieser fanatischen Enge herauszukommen und den Zug zur biblischen Weite zu finden, sagte er sich von Zaiss los.
    Es liegen in der Zaissbewegung biblische und unbiblische Elemente. Die Verkündigung erreicht Fernstehende und Außenseiter, an die Kirche und Gemeinschaften nur schwer oder gar nicht herankommen. Ferner darf der Ruf zur Heilung des ganzen Menschen ruhig einmal die christliche Gemeinde aufrütteln. Es ist weithin vergessen worden, daß euangelizesthai = evangelisieren im Neuen Testament den Doppelauftrag „retten und heilen“ in sich schließt. Hier besteht ein echtes Anliegen. Allerdings ist die Art, wie dieses Anliegen in der Zaissbewegung vertreten wird, nicht mehr als biblisch anzusehen. Wieviel Sensationelles, Suggestives und Kurzschlüssiges mußte ich selbst feststellen, so daß hier eindeutig von Suggestionsheilung gesprochen werden muß. Der Heilige Geist läßt es aber nicht zu, daß dem göttlichen Wirken fremdes Feuer beigemengt wird. Wenn es doch Christus gelingen lassen möchte, daß diese Bewegung völlig in biblische Linien einmündet.

Pseudocharismatische Phänomene und Heilungen
Die Bibel spricht deutlich von einer kommenden Zeit der Verführung. Dem entspricht unsere gegenwärtige Weltsituation. Irreführung und Selbsttäuschung sind ein Merkmal unserer Zeit. Die Macht der Verführung richtet sich gegen den Menschen als ein Geschöpf mit Geist, Seele und Leib (1.Thess. 5,23).
    Der intelligente Mensch erliegt der Verführung auf dem intellektuellen Gebiet. Er wird das Opfer zeitgenössischer Tagesphilosophien und irrgeistiger Strömungen. Unter diese Rubrik fällt auch die neurationalistische Theologie. Sie leugnet alles, was nicht auf die menschliche Vernunft zugeschnitten ist.
    Der materialistische Mensch erliegt der Verführung auf dem Gebiet des Lebensgenusses. Sex ist sein Zauberwort.
    Der fromme Mensch erliegt der Verführung auf religiösem Gebiet. Jesus selbst sagt ja voraus, daß falsche Christi auftreten, die dämonische Zeichen und Wunder tun und damit viele verführen (Mt. 24,4; 11; 24). Es gibt heute christliche Gruppen, die dem echten Verlangen nach neuen Segnungen dadurch entgegenkommen, daß sie viel von den Geistesgaben reden. Geistesgaben ja – unbedingt ja – aber es müssen echte Geistesgaben sein (1. Kor. 12,7-11) und nicht psychische oder gar dämonische Nachäffungen. Rumor der Psyche ist nicht Kraft und Gabe des Heiligen Geistes. Leider hat die sogenannte Charismatische Bewegung, die heute über die Erde hinwegfegt, nicht den Charakter einer echten charismatischen Erweckung, sondern einer psychischen Epidemie, aufgebaut auf dem Unterbewußtsein eines religiösen oder gar gläubigen Menschen. Es muß auch klar gesagt werden, daß neben allen unbiblischen Strömungen viele treue Kinder Gottes in ihr zu finden sind, denen leider die Gabe der Geisterunterscheidung fehlt, sonst würden sie dieses Lager verlassen. Im Ansatzpunkt kann man die Anhänger der Charismatischen Bewegung gut verstehen. Die kalten Kirchengemeinden mit ihrem traditionellen und geistlosen Betrieb können den geistlichen Hunger vieler Christen nicht befriedigen. Wenn dieser Hunger und dieses Suchen in biblischen Bahnen geblieben wäre, hätte diese Bewegung der Christenheit Segen gebracht. So aber mündete diese sogenannte charismatische Strömung in ein breites Becken religiös-suggestiver, hysterischer, hypnotischer und okkulter Krafterweise und Verirrungen ein. Dieser pseudocharismatische Aufbruch ist zu einer weltweiten Bedrohung und Verwirrung der echten Christen geworden. Die Pseudo-Charismatiker sind die Elite, die Avantgarde des Satans, der mit ihnen den besten Kern der Gemeinde Jesu angreifen will. – In dieser chaotischen Zeit haben wir nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, alle Bewegungen an Hand der Heiligen Schrift zu prüfen: „Glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind“ (1. Joh. 4,1).
Wundersucht ist für das Glaubensleben gefährlich. Wer nur auf Höhen wandeln will, endet eines Tages im Sturz. Diamanten sind in der Natur nur unter gewaltiger Hitze und großem Druck entstanden. Der Christ braucht den Druck des Alltages, den Druck der Anfechtung, den Druck schwerer Verhältnisse, sonst verliert er den Tiefgang.
    Wunder sind nicht eindeutig. Sie können von oben und von unten gewirkt sein. Nicht nur der Heilige Geist, sondern auch Satan richtet Zeichen auf und tut Wunder. Die Wunderkräfte Satans und der falschen Propheten sind erwähnt in Mt. 24,24; Mk. 13,22; 2.Thess. 2,8-9; Offbg. 13,13; Offbg. 16,14.
    Moses hatte eine Wundergabe von oben. Seine Gegenspieler, die ägyptischen Zauberer hatten eine Wunderkraft von unten (2. Mose 7-8). Petrus und Johannes besaßen die Vollmacht von oben. Die Zauberer Simon Magus und Elymas, die Hexe von Endor und die Wahrsagerin in Philippi hatten Fähigkeiten und Ausrüstung von unten. Um sich im Dschungel der unechten Wunder auszukennen, brauchen wir als Ausrüstung:
    Die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist,
    die Gabe der Geisterunterscheidung,
    langjährige Erfahrung und
    eine gute wissenschaftliche Ausbildung. – Es gibt aber auch Gläubige ohne wissenschaftliche Zurüstung, die dennoch ein feines Gespür für biblische und unbiblische Vorgänge haben.

Pseudocharismatische Phänomene.
Zu diesem Thema liegt mir soviel Material vor, daß ich es nicht in einem Kapitel unterbringen kann. Ich muß mich nur auf einen Punkt beschränken, das „Rückwärtskippen“ bei der sogenannten Geistestaufe. Es gibt eine Reihe von extremen Evangelisten, bei deren Handauflegen die Menschen rückwärts fallen und für einige Sekunden das Bewußtsein verlieren. Manche sprechen auch in fremden Sprachen oder sonst mit unverständlichen Lauten.

Trancehaftes Geschehen im Heidentum
Bei meinen Missionsreisen hatte ich freundschaftlichen Kontakt zur China-Inland-Mission. Ich sprach manchmal mit den Missionaren über den Boxeraufstand und über dessen Massaker an den Christen in China im Jahr 1900. Dabei erfuhr ich, daß die jugendlichen Anwärter für diese revolutionären Aufständischen in der Ausbildungszeit ein Trancestudium durchmachen mußten. Sie hatten ununterbrochen eine kurze Formel einige hundert Male zu wiederholen, ähnlich dem tibetischen Koan oder den Übungen der transzendentalen Meditation, bis sich die „Götter“ ihrer bemächtigten, sie rücklings zu Boden fielen und dann einige Minuten in der Trance dalagen. Das sollte eine psychische Aufladung mit seelischen und körperlichen Kräften bewirken, damit sie tüchtig würden zum Kampf. – Dieses Training führte zu einem Erfülltwerden mit bösen Geistern, die dann das Abschlachten der Christen befahlen. Es handelte sich also um eine Geistertaufe.
    In dem Buch „Tod eines Guru“ berichtet der ehemalige Hindu Guru Rabindranath R. Maharaj über seinen Weg vom Hinduismus zu Christus. Dort schreibt er: „Ich war erst dreizehn und schon verabreichte ich den unter Gurus berühmten Shakti Pat, ein Zeichen der Echtheit meiner Berufung. Shakti ist ein Name Kalis, der mordlustigen bluttrinkenden Gattin Shivas. Sie ist die Muttergöttin der Macht. Ich war begeistert, ein Kanal ihrer Macht zu sein.“ Am Ende des Buches befindet sich eine Erklärung der Fachausdrücke. Dort heißt es über den Ausdruck Shakti Pat, den leichten Schlag, folgendes: „Dieses bedeutet die Berührung des Guru, gewöhnlich seiner rechten Hand an der Stirn des Anbetenden, die übernatürliche Wirkung hat. Shakti (ein Sanskrit-Wort) bedeutet wörtlich Macht, Kraft. Durch Verabreichung des Shakti Pat wird der Guru zum Kanal der Urkraft, der kosmischen Kraft, welcher das ganze Universum zugrunde liegt. Sie wird durch Kali, die Gattin Shivas, verkörpert. Die übernatürliche Wirkung des Shakti durch die Berührung des Guru kann den Anbetenden zu Boden werfen, oder er kann ein helles Licht wahrnehmen und eine innere Erleuchtung oder eine sonstige mystische oder psychische Erfahrung machen.“ – Die Erfahrungen mit dem Phänomen des Shakti Pat gleichen dem des „Rückwärtskippens“ der Pseudocharismatiker. Hier haben wir einen medialen Vorgang und den Einbruch der östlichen, heidnischen Religionen in das Christentum.
    B 32 Rabi Maharaj ist jetzt ein Verkündiger des Evangeliums und wohnt in der Schweiz. 1983 traf ich ihn und wir hatten Gelegenheit, unsere Erfahrungen über die Geistestaufe auszutauschen. Ich fragte Rabi, so nennen ihn seine Freunde, ob er den Shakti Pat mit dem Vorgang „Slain in the Spirit“ (erschlagen im Geist) in Verbindung bringe. Er bejahte diese Frage, daß er nie daran dachte, das Rückwärtskippen für eine Wirkung des Heiligen Geistes zu halten.
    B 33 Vor Jahren freundete ich mich mit einem jungen Häuptling des Wongaistammes in Westaustralien an. Er berichtete mir, daß sein Stamm sechs Medizinmänner habe, die sich jederzeit in Trance versetzen und dann in unverständlichen Sprachen reden und Stammesentscheidungen vorbereiten können. Als dann dieser Häuptling Puwantjara Christ wurde und zum ersten Mal das Zungenreden von Pfingstlern hörte, verglich er das sofort mit dem Trancereden der Medizinmänner.
    Tranceerfahrungen gibt es im gesamten Heidentum. In meinen Büchern sind Hunderte von Beispielen. Der Trancezustand bedeutet totale Passivität, in die finstere Mächte einströmen können. Die Bibel fordert jedoch totale Nüchternheit und Wachsamkeit als Voraussetzung für göttliches Wirken in unserem Leben.
Trancehaftes Geschehen im Christentum
Zu diesem Thema stehen mir mehr Beispiele zur Verfügung, als hier gebracht werden können.
    B 34 Bei der Heilungspredigerin Kathryn Kuhlman erlebte ich 1970 in Pittsburgh (USA) einen vierstündigen Heilungsgottesdienst mit. Ich habe etwa 50-60 Personen kippen gesehen. Alle fielen rückwärts und bei keinem erkannte ich ein Zeichen der Buße. Kathryn Kuhlman will das Rückwärtskippen mit dem biblischen Vorgang auf dem Berg der Verklärung Mt. 17 erklären. Dort heißt es aber: „Als die Jünger die Stimme hörten, erschraken sie und fielen auf ihr Angesicht.” Wer von dem Geist Gottes getroffen wird, der fällt in Ehrfurcht und Buße auf das Angesicht.
    B 35 Ein Erlebnis war mir sehr aufschlußreich. Bei einer persönlichen Unterredung mit Kathryn Kuhlman in Pittsburgh betete sie plötzlich mit mir. Sie hielt ihre Hände dabei etwa 15 cm über meinem Kopf. Sofort betete ich in meinem Herzen: „Herr Jesus, wenn diese Frau ihre Kräfte von dir hat, dann segne sie und mich. Hat sie die Gaben und Kräfte nicht von dir, dann schütze mich davor. Ich will nicht unter fremden Einfluß kommen.“ Während Kathryn betete, stellten sich bereits zwei Gemeindehelfer hinter mir auf, um mich abzufangen. Ich spürte aber nichts und stand wie ein Fels, ohne im geringsten das Bewußtsein zu verlieren. – Seit diesem Erlebnis hielt ich Jahre hindurch meine Augen und Ohren offen, um die Wahrheit dieser riesigen Heilungsdemonstrationen zu ergründen. Wer sich ausführlich informieren will, findet mehr darüber in dem Buch „Okkultes ABC“.
    B 36 Der Evangelist Rabindranath Maharaj gab mir den Bericht eines Erlebnisses, das er in London hatte. In der englischen Metropole besuchte er die Versammlung eines amerikanischen Charismatikers. Es waren etwa 2000 Menschen gegenwärtig. Nach dem Vortrag forderte der Amerikaner auf, vorzukommen, wer den Empfang des Heiligen Geistes wünsche. Es traten etwa 200 Menschen vor, unter ihnen auch Rabi, weil er diesen Vorgang prüfen wollte. Es wurde über diesen Besuchern gebetet. Alle kippten rückwärts, nur Rabi blieb stehen. Damit hatte er die gleiche Erfahrung, die ich auch bei K. Kuhlman in Pittsburgh gemacht hatte.
    B 37 Ein Theologieprofessor, der an dem Kippvorgang zweifelte, suchte Kathryn Kuhlman in Pittsburgh auf. Er äußerte seine Bedenken über diesen Vorgang „Slain in the Lord”. Bei diesem Gespräch befand sich der Professor im Büro von Frau Kuhlman. Bevor er ging, bat er sie: „Können Sie nicht noch kurz mit mir beten?” Frau Kuhlman trat einen Schritt auf den Professor zu und legte ihm die Hände auf die Schulter. Noch bevor sie beten konnte, fing der Professor zu taumeln an und stürzte zu Boden.
    B 38 In einer Heilungsversammlung mit Kathryn Kuhlman war ein Mann, der geheilt werden wollte. Er trat auf sie zu. Schon in einer gewissen Entfernung fing er zu taumeln an, bis er in der Gegenwart Kathryns ganz rückwärts fiel. Frau Kuhlman nennt diesen Vorgang „Going under the power” = in das Kraftfeld eintreten. Dieses „Kraftproblem“ spielt bei allen Vertretern des „Kippens“ eine starke Rolle.
    B 39 Eine Frau kam zu dem Prediger Kenneth Hagins und wollte geheilt werden. Auf das Gebet des Heilers hin geschah nichts. Dann sagte ihr Hagins: „Ich habe einen Kraftzirkel um mich. Sie sind zu weit von mir weg. Kommen Sie näher!” Die Kranke trat näher, erhielt dann eine Handauflegung, kippte nach hinten um und wurde geheilt.
    Im Frühjahr 1974 war in Jerusalem ein sogenannter charismatischer Kongreß mit dem Thema “Der Heilige Geist”. Kathryn Kuhlman und auch Corrie ten Boom wirkten mit. Monate später erhielt ich aus Jerusalem den Brief einer Mitarbeiterin der Finnischen Mission.
    B 40 Jerusalem, 17.9.74.
Lieber Dr. Koch, ich schreibe Ihnen, weil ich niemand anderes kenne, der meine Fragen beantworten kann. Ich habe das Buch von K. Kuhlman „Gott kann es wieder tun“ gelesen. Es beeindruckte mich. Als K. Kuhlman 1974 nach Jerusalem kam, besuchte ich mit großer Erwartung ihre Heilungsversammlung. Zuerst war ich glücklich darüber. Dann setzten aber die Zweifel ein, und ich begann zu fragen:
    Wieso konnte sie auf Entfernung feststellen, daß eine Person geheilt war?
    Welche Kraft steht hinter diesen Heilungen?
    Warum fallen die Menschen rückwärts um, wenn sie über ihnen betet?
Ich besuchte dann eine zweite Versammlung und betete die ganze Zeit. Zugleich beobachtete ich sorgfältig die Vorgänge. Nach der Heilungsversammlung verließ Kathryn die Plattform und ging durch die Reihen. Plötzlich verspürte ich einen inneren Druck, und ich fürchtete, sie könnte mich anrühren. Ich schloß meine Augen, erhob meine Arme und betete in Jesu Namen, daß Gott mir helfen möchte. Kathryn kam vorbei, wo ich stand. Für einen kurzen Augenblick erfaßte sie stark meinen rechten Arm. Nichts passierte. Doch nach einiger Zeit spürte ich eine starke Kraft wie Elektrizität über mir, und ich bekam das Gefühl, ich müßte sterben. Meine Arme waren gelähmt, und ich konnte sie nicht sofort herunternehmen. Seit dieser Zeit habe ich Schwierigkeiten zu glauben, daß ihre Kraft von Gott ist. Dennoch las ich das andere Buch von Frau Kuhlman „Ich glaube an Wunder“. Es scheint mir gut zu sein. Ich kann nur nicht verstehen, warum ihre Person einen anderen Eindruck vermittelt als ihre Bücher. Ich werde mit meinen Zweifeln nicht fertig, und sie haben nicht aufgehört, mich geistlich zu verwirren. Wenn Sie das begreifen und mir trotz ihrer vielen Arbeit antworten können, bin ich Ihnen äußerst dankbar,
Ihre . . . “
    Die finnische Missionarin steht mit ihrer Erfahrung nicht allein da. Andere und ich selbst sahen den Unterschied zwischen den Büchern und der Person. Sehr oft wurde mir auch bezeugt, daß ununterbrochen betende Menschen eine unbiblische Atmosphäre empfinden.
    B 41 Ein langer Bericht liegt mir über das Auftreten von Kathryn Kuhlman in Vancouver und Seattle vor. Er kann aus Raummangel nur mit wenigen Stichworten angedeutet werden. Dieser Beobachter schrieb: „Kathryn Kuhlman nennt sich ein Instrument des Herrn. In Wirklichkeit ist sie ein Medium des Herrn dieser Welt. Ein Mensch kann doch nicht die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist bekommen, wenn ihm ein anderer ins Gesicht faßt und einige Worte dazu redet. Ich bekenne mich zu den Geistesgaben, den Charismata. Aber was Kathryn Kuhlman zur Schau stellt, ist nicht eine Begabung mit dem Heiligen Geist von Gott, sondern der Geister, die in der Luft herrschen. Diese Geister bedienen sich ihrer, selbst irregeführt und wieder irreführend. Sie ist ein Medium Satans.“
    B 42 Auf der gleichen Linie liegt die Zuschrift eines bekannten Professors der Theologie der Universität Tübingen. Dieser wiedergeborene Christ, ein Duzfreund von mir, schrieb mir: „Kathryn Kuhlman ist eine Spiritistin.“
    Ohne Frage würden wir beide nie ohne sorgfältige Prüfung so schroffe Urteile abgeben. Wir müssen so lange von einem Menschen gut denken und reden, solange er nicht das Böse bewiesen hat. – Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß es auch überwältigende Erfahrungen des Herrn und des Heiligen Geistes gibt, die demütigen Christen geschenkt werden können. Mir sind solche positiven geistgewirkten Erfahrungen selbst und aus den Biographien vieler Gottesmänner bekannt. Dazu sage ich dankbar ja, aber nicht zu den psychischen Parallelerscheinungen oder gar dämonischen Ersatzleistungen des Erzfeindes.
    B 43 Der Dominikanerpater Mac Nutt berichtet in seinem Buch „Beauftragt zu Heilen“ über seine Erfahrungen mit dem Trancezustand der Bewußtlosigkeit. Wenn Mac Nutt mit Kranken um innere und äußere Heilung betet, sinken sie rückwärts zu Boden. Manche sind bewußtlos, andere noch bei Bewußtsein, sind aber gelähmt. Wenn der Pater mit einem Kranken betet, der auf einem Stuhl sitzt, ist der Geheilte auf dem Stuhl gelähmt und kann sich nicht erheben. Dieser Zustand, den der Pater „Ruhen im Geist“ nennt, dauert einige Sekunden bis zu sechs Stunden. Diese Fähigkeit, andere zum „Ruhen im Geist“ zu bringen, besitzt Mac Nutt erst, seitdem er selbst bei dem „Gebet“ eines Redners rücklings zu Boden gefallen war.
    Hier haben wir wiederum den Vorgang der Übertragung von medialen Kräften. Wer von dieser medialen Kraft erfaßt worden ist, kann sie an andere weitergeben. Durch ständiges praktizieren mit der medialen Kraft können sich spiritualistische Medien entwickeln, die in Gottesdiensten christliche Botschaften geben, aber auch die Fähigkeit besitzen, andere Teilnehmer in Trance fallen zu lassen. Aus religionsgeschichtlicher Sicht ist das medial bedingte Rückwärtskippen religiös verpackter Spiritismus. Es ist das satanische Gegenstück zum Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist. Die medialen Kräfte sind ja das diabolische Gegenstück zu den Geistesgaben Gottes. Dieser Schluß ist deshalb berechtigt, weil sich mediale Kräfte durch Gebet stoppen und überwinden lassen.
    Bei einer Vortragsreise in Südafrika hörte ich durch einen gläubigen Bruder folgenden Bericht.
    B 44 Kenneth Hagins, der sich selbst als “Prophet” versteht, hat bei einer Veranstaltung in Pretoria in der Öffentlichkeit gesagt, sein Geist hätte den Körper verlassen und sei zum Thron Gottes entrückt worden. Jesus sei aufgestanden und habe ihm gesagt: „Ich nehme hier eine Kohle vom Altar und berühre deine Hände. Du wirst dadurch Menschen heilen können. Ferner kannst du die Heilgabe auf andere übertragen. Außerdem wirst du dann mit diesen Händen Geistesgaben austeilen können.” Nach dieser Geschichte rief dann Hagins in die Menge hinein: “Wer will die heilenden Hände haben? Meldet euch!” Viele standen auf. Dann erhob er seine Rechte und fuhr damit in der Luft über die Menge und erklärte: “Hiermit habt ihr diese Gabe.” Die meisten kippten dann rückwärts nach hinten, aber nicht alle. Die rücklings kippten, konnten dann auch andere zum Kippen bringen und heilen.
    Was sich hier bei Hagins abspielte, sind keine biblischen Vorgänge. Hagins schildert seine Entrückung zum Altar Gottes. Das gleicht der spiritistischen Exkursion der Seele. Das angebliche Austeilen der Geistesgaben durch die krafterfüllten Hände Hagins sind mediale Praktiken und dämonische Nachäffungen. Der Apostel Paulus sagt im Blick auf die Geistesgaben in 1.Kor. 12,11: „Dies alles wirkt ein und derselbe Geist, der einem jeden persönlich zuteilt, wie er will.” Der Geist Gottes teilt zu, und nicht der Wille und die Hände von Hagins.
    Über das mediale und parapsychologische Problem der heißen Hände habe ich schon in anderen Büchern berichtet.     B 217 Ich erinnere hier nur an einen magischen Besprecher in Schleswig-Holstein, der die heißen, heilenden Hände hatte. Dabei war er Ältester einer lutherischen Gemeinde.
    B 45 Ich erinnere auch an den Chief-Datu auf den Philippinen, der in seinen bloßen Händen Eier kochen konnte. Als er gläubig geworden war, hatte er die heißen Hände nicht mehr. Er hatte sie als dämonische Gabe erkannt.
    Das ist die entsetzliche Verblendung bei vielen Christen, daß mediale, okkulte Krafterweisungen als Gaben des Heiligen Geistes angesehen werden. Es ist auch eine Erfahrungstatsache, daß die Medialität bei Bekehrungen nicht immer gleichzeitig verschwindet. Es gibt viele Christen, die unbewußt medial sind. Sie nehmen dann manchmal seltsame geistliche Entwicklungen. Das bewußtlose Rückwärtskippen ist ein solches Zeichen von Medialität.
    Die Erfahrungen mit der Charismatischen Bewegung lehren uns, mehr denn je um die Gabe der Geisterunterscheidung zu bitten und uns im Glauben und Gehorsam vom Worte Gottes und vom Heiligen Geist in alle Wahrheit leiten zu lassen.
    Auch darf das Kapitel über pseudocharismatische Phänomene nie abgeschlossen werden, ohne daß wir nicht an die eigene Brust schlagen und Buße tun. Es ist eine große Not in unseren christlichen Kirchen und Gemeinden, daß oft so wenig echte Geisteskräfte zu finden sind. Die extremen Bewegungen sind oft Folgen einer Mangelkrankheit der christlichen Kirche. Die wirksamste Abwehr der schwarmgeistigen Bewegungen wäre eine Bußbewegung in den Reihen der Christen und die einmütige Bitte, daß der Herr uns eine echte Erweckungsbewegung schenkt. Auch muß die Gemeinde Jesu noch stärker als bisher Ausschau halten auf den kommenden Herrn, der einmal dieser furchtbaren Zerrissenheit und Verwirrung seiner Gemeinde ein Ende bereitet.

Dämonische Zeichen und Wunder
Die Flut seltsamer Heilbewegungen schwillt immer mehr an. Wir leben in dem Abschnitt menschlicher Geschichte, da die unkontrollierbaren Kräfte und dämonischen Mächte trotz der Entmythologisierung immer mehr überhand nehmen. Eine Sensation jagt die andere. Von Syrakus wird berichtet, daß ein Holzbild Tränen weint, die heilkräftig sind.
    B 46 Als ich auf Sizilien war, sah ich mir in Syrakus die heulende und heilende Madonna an. Alle drei Monate kommen Tränen aus dem Holzbild. An diesen Tagen werden dann täglich etwa 50 Menschen gesund. Jetzt zählt man schon über 600 Geheilte.
    In Amerika wird von einem Sektenführer, Father Divine, erzählt, der sich für Gott und seinen Sohn für Christus ausgibt. Beide Männer sollen die Gabe der Fernheilung und Ferntötung besitzen.
    B 47 Ein ausländischer Evangelist, der bei mir zu Gast war, erklärte, seine Mutter wäre von diesem Sektenführer, der mit schwarzer Magie arbeitet, getötet worden.
    Vom vorderen Orient kommt die Kunde, daß ein Prinz Abdul, ein Verwandter von Exkönig Faruk, gewaltige Wundertaten vollbringen würde. Er ließe Feuer vom Himmel fallen wie Elia und ahme die neutestamentlichen Wunder Jesu nach. Auch Krankenheilung und Totenerweckung würde er beherrschen wie Christus.
    In Südfrankreich gibt sich Georges de Montfavet ebenfalls für den wiederkommenden Christus aus. Einige hundert Wunder, die ihm nachgesagt werden, sollen die Berechtigung seiner Behauptung nachweisen.
    Seltsame Zeichen geschahen auch im Gefolge des Predigers R. Paulaseer Lawrie. Dieser predigte in den fünfziger Jahren in verschiedenen Kirchen Amerikas. Er heilte Kranke und Besessene und viele bekehrten sich. Als Lawrie eine Versammlung von William Branham besuchte, prophezeite Branham über ihm: „Mein Sohn, ich sende dich als einen außergewöhnlichen Mann. Viele werden durch dich zu den Füßen Jesu kommen! Gehe nach Indien! Große Zeichen und Wunder werden dir folgen! So spricht der Herr!“ Im Juli 1960 ging Lawrie nach Indien. Er heilte Lepra, Krebs, Lähmungen und trieb aus tausenden Besessenen die Dämonen aus. Hunderttausende wurden vom „Erweckungsfeuer“ ergriffen.
    Als Lawrie 1969 in Tuscon in der Gemeinde von Branham predigte, brach plötzlich ein Donner los und ein Lichtstrahl traf auf den Platz, auf dem er stand. Fortan wiederholten sich Donner und Blitz, wo immer er auftrat. War er unterwegs, wurde er begleitet durch eine 200 Meter hohe Säule aus wirbelndem Staub. Schwarze Wolken begleiteten Lawrie überall hin, und wo er haltmachte ließen sie Regen fallen bis er wieder weiterfuhr. Auch in Rom, Griechenland, Tel Aviv und Madras war die Wolke über Lawrie. Die Naturerscheinungen setzten sich fort: eine Wolke in der Ecke seiner Wohnung, Blitze ohne Donner, Donner ohne Wolken, ein großer Lichtball über Lawries Kopf bei einer Versammlung. 1971 gründete er einen Ashram, der sich schnell füllte. Viele kannten Lawrie gar nicht, sie hatten nur Visionen von „Jesus“ in der Gestalt Lawries gesehen. Daraufhin sprechen sie ihn als den „Menschensohn“ an und er selbst führt den Beinamen „Muthu Krishna“ (Perlengott). Der Ashram wurde „Neues Jerusalem“ genannt und das Tausendjährige Reich sollte 1977 anbrechen. Als sich keine der vielen Prophezeiungen erfüllte, zerfiel die Sekte.
    Hunderttausende sind durch diese falschen Propheten in den Bannkreis finsterer Mächte gekommen und der Strom dieser Verführer reißt nicht ab. Die Menschheit taumelt heute von einer aufpeitschenden Neuigkeit zur anderen. Eine buntschillernde Reihe von Wundertätern, Heilern, Rettern und Helfern tanzt vor unseren Augen. Wer soll da noch klar sehen?

3. Die Unterscheidung der Geister

Wir haben nun einen kleinen Rundgang durch verschiedene Heilbewegungen der Gegenwart gemacht, angefangen von den Heilungen durch die schwarze Kunst und endend mit den Heilbewegungen am Rande des christlichen Raumes. Was ist nun vom Wort Gottes her zu diesen Bewegungen zu sagen? Diese Heilbewegungen sind in mehrfacher Weise ein biblisches Symptom.
    a) Wir leben in einer Zeit, in der das Geheimnis der Bosheit sich regt (2. Thess. 2,7). Jesus sagt es ja voraus, daß falsche Christi auftreten, die dämonische Zeichen und Wunder tun (Mk. 13,22) und damit viele verführen. Die Wirkung dieser Verführung wird erschreckend daran deutlich, daß viele aus unseren christlichen Kreisen weder die okkulten Heilmethoden noch die falschen Propheten durchschauen. Sie fallen auf jeden religiös getarnten Vorgang herein.
    b) Diese Heilbewegungen sind ferner ein Zeichen dafür, daß die christliche Gemeinde auf einem Gebiet versagt hat. Die Not der Welt ist, daß eine Blickverschiebung von der Seelsorge zur materiellen Leibsorge erfolgt ist. Die Not der christlichen Kirche ist, daß man es nicht wagt, die Verheißungen der Heiligen Schrift real und ernst zu nehmen. Die Seelsorge wurde in ungesunder Weise vereinseitigt. Das Wort Gottes bietet wirksame Hilfe dem, der es wagt, sich im Glauben auf den Boden der Verheißungen zu stellen.
    c) Ein entscheidendes Wort in der Behandlung der Heilungsfrage hat Jakobus mitzureden. Die Heilung steht in dem gesunden Zusammenhang zur Beichte und Vergebung der Schuld. Im neutestamentlichen Raum ist Heilung und Vergebung nicht zu trennen. Die Rangordnung ist so, daß die Vergebung, die Heilung des inneren Menschen, der äußeren Heilung übergeordnet ist. Das zeigt uns am besten die Geschichte des Gichtbrüchigen (Luk. 5,20). Abwege entstehen da, wo beide Heilungsvorgänge getrennt oder falsch zugeordnet werden. Bei der magischen Heilung geht es nur um die äußere Heilung. Hier gilt das Leitwort: „Wenn es nur hilft, egal wie!“ Im Raum der Heiligen Schrift geht es in erster Linie um die innere Heilung, der die äußere Heilung nachfolgen kann, aber nicht muß. Manchmal läßt der Herr seinem Jünger das Leid als Schule des Glaubens, der Geduld und als Reifeprozeß für die Ewigkeit.

Zur Klärung soll eine Heilung berichtet werden, die sich im Rahmen der biblischen Ordnung vollzog.

B 48 Eine junge Frau litt an einer Halsentzündung, verbunden mit einer eigroßen Geschwulst. Die Behandlung des praktischen Arztes und des Nervenarztes führte nicht zur Heilung. Dann kam sie zur seelsorgerlichen Aussprache und beichtete schwere Verfehlungen während der Abwesenheit ihres Mannes. Sie wurde im Glauben der Vergebung gewiß und fand Frieden mit Gott. Nach einigen Wochen kam der Mann aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Ohne irgendeine Aufforderung kam sie mit ihrem Mann noch einmal zur Aussprache und wiederholte aus eigenem Antrieb die Beichte. – Ein derartiger Rat war ihr nicht gegeben worden. – Der Mann verzieh ihr. Nach drei Tagen war dann die Halsentzündung und die Geschwulst weg. Der inneren Heilung war die äußere Heilung gefolgt.

Dieser natürliche, biblische Heilungsvorgang gehörte bei Jesus und den Jüngern zu den Grundelementen des Reiches Gottes, das mit Jesus angebrochen ist. Darum dürfen alle, die mit Christus eine geistliche Auferstehung erlebt haben und mit ihm in der Lebensgemeinschaft stehen, nach dem Wort Jak. 5,14 f. und Mk. 16,17 f. handeln: „Die Zeichen, die da folgen denen, die da glauben, sind die: in meinem Namen werden sie auf Kranke die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden.“ Der abertausendfache Mißbrauch der okkulten Heilungen darf uns die neutestamentliche Ordnung der Seelsorge und die biblische Handauflegung im Glauben nicht verdunkeln oder rauben. Wo die Sünde dunkler okkulter Vorgänge mächtig geworden ist, da ist die Gnade durch Christus noch viel mächtiger geworden.

Zum Schluß sollen die zwei grundsätzlichen Formen der Heilungen noch einmal gegenübergestellt werden. Die Bibel weiß, daß es dämonische Hilfe gibt. Denken wir nur an die ägyptischen Zauberer, an die kanaanitischen Beschwörer oder an Simon Magus. Magische oder spiritistische Hilfe bringt im organischen Bereich Erleichterung. Allerdings findet hier ein Kurzschluß statt: Dem Leib soll Hilfe gebracht werden, auf die seelischen Zusammenhänge und die nachfolgenden Störungen wird nicht geachtet. Diese Methode ist offensichtlich Abfall von der Urordnung der Heiligen Schrift. Wichtiger als alle leiblichen Beziehungen ist das persönliche Verhältnis des Menschen zu Gott. In der Magie und im Spiritismus geht es um die Frage: Was hilft? Im Neuen Testament handelt es sich um die Feststellung: Wer hilft? Der okkulte Praktiker sagt: Es hilft! Der Christ bekennt: Er hilft! Hinter dem „Was“ und „Es“ des Okkultismus steht das Zwielicht und der fahle Dämmerschein unkontrollierbarer Mächte und Kräfte. Hier versteckt sich jemand! Hinter dem „Wer“ und „Er“ des christlichen Glaubens steht der lebendige Herr. „Der Herr wird ihn aufrichten,“ bezeugt dankbar und glaubensfroh Jakobus. Dieser Herr wirkt gestern, heute und in alle Ewigkeit. Soll diesem Herrn, Jesus Christus, nicht aus Dankbarkeit unser ganzes Leben gehören ?

Entnommen dem Buch CHRISTUS ODER SATAN
Horst Koch Herborn, im April 2006
www.horst-koch.de

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