Wer war William Carey ? (Indien)

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Catherine Seibel

 

WER WAR WILLIAM CAREY?

FALSCHER GLAUBE FÜHRT ZU FALSCHEM VERHALTEN  –  Kol. 1,21; Ps. 119,104

 

Naturwissenschaft

William Carey war der Botaniker, der seinen Namen einem indischen Eukalyptusbaum gab. (Careya herbacea). Er war der Erste, der in Indien eine Gesellschaft für Botanik gründete. Er hat in Indien die ersten Bücher zum Thema Botanik, Pflanzenkunde, Naturwissenschaft, Gartenpflege, Naturgeschichte geschrieben und gedruckt. In seinem Garten pflegte er viele schöne und seltene Pflanzen. Er unterrichtete oft zum Thema Naturwissenschaft.

Warum?

Carey glaubte, daß Gott Pflanzen und Tiere geschaffen hat. Alles war gut, alles soll Gott, den Schöpfer preisen. Die Menschen dürfen die Schöpfung Gottes studieren, pflegen und Gott die Ehre geben.

Bibelverse: 1. Mose 1,27-30

Die Hindus glauben, daß die Natur nur eine Illusion sei, und daß auch Seelen gefangen sind in allen möglichen Tieren. Das führt dazu, daß man zum Beispiel keine Mücken töten darf, denn man weiß ja nicht, ob nicht vielleicht in der Mücke die Seele eines Menschen weiterlebt. Die Insekten sind gleichviel wert wie Menschen. So wird der Hindu die Ratte, die ihm das Essen seiner Kinder stiehlt, nicht umbringen, sondern anbeten. Er wird auch nicht den Wunsch haben, Tiere und Pflanzen zu beobachten für wissenschaftliche Zwecke. Interessanterweise sind noch heute die wissenschaftlichen Schulbücher in Indien in Englisch geschrieben.

Bibelvers:  2. Mose 20,4-6

Ingenieur-Wissenschaften

William Carey  war der Erste, der die Dampfmaschine in Indien einführte. Er war auch der Erste, der das erste indische Papier für die Druckerei herstellte. Er hat Inder angeleitet, mit am Ort erhältlichen Materialien seine Maschine nachzubauen.

Wirtschaftswissenschaft

William Carey  war der Erste, der in Indien die Idee der Banken einführte. Er hat gegen die Wucherei und Bestechung gekämpft. In einer Kultur, wo die Zinsen bis zu 100 % gehen  und alles nur mit Bestechung läuft, kann keiner investieren und die Wirtschaft kann sich nicht entwickeln. Er hat dafür gekämpft, daß Europäer in das Land investieren und so die Wirtschaft fördern.

Frage:

Was glaubte Carey? Welche Konsequenzen hat sein Glaube auf sein Tun?

Bibelvers: 2. Mose 22,24; Neh. 5,7; Ps. 15,5; Spr. 28,8

Er glaubte an einen gerechten Gott, der Gerechtigkeit will.

Medizin

William Carey  war der Erste, der für eine humane Behandlung der Aussätzigen kämpfte. Bis dahin  wurden die Leprakranken aus der Gesellschaft ausgeschlossen, ausgestoßen. Die Aussätzigen wurden oft auch bei lebendigem Leib verbrannt oder lebendig begraben, da die Hindus glaubten, daß ein gewaltsames Ende ihren Körper reinigen würde und die Wiedergeburt in einem gesunden Körper ermöglichen würde.

Carey glaubte, daß die Liebe Jesu auch den Aussätzigen gilt – deswegen sollte man ihnen auch helfen und sie pflegen.

Frage:

Warum handelte Carey anders als die Hindus? Wie sieht Jesus die Aussätzigen?

Drucktechnik

William Carey hatte die erste Druckerpresse in Indien. Er hat die moderne Technik des Druckens und Publizierens nach Indien gebracht, weiterentwickelt und gelehrt. Er hatte zu seiner Zeit die größte Presse in Indien: Die Missionsdruckerei in Serampore. Sie belieferten alle anderen Druckereien des Landes mit Druckbuchstaben.

Frage:

Warum war diese Arbeit so wichtig für William Carey und seine Freunde?

Wieso hatten die Hindus kein Interesse am Drucken?

Massenkommunikation

William Carey war der Herausgeber der ersten Zeitung, die je in einer asiatischen Sprache gedruckt wurde. Carey war der Meinung, daß neben allem Einsatz für die Wahrheit und den wahren Glauben, das Christentum auch den freien Austausch der Meinungen sucht. Durch seine englische Zeitung, Friend of India, konnte eine Bewegung entstehen, durch welche die soziale Reform Indiens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehen konnte.

Frage:

Woher hatte Carey diese Freiheit? Wieso kannten die Hindus diese Freiheiten nicht?

Landwirtschaft

William Carey war Begründer der Gesellschaft für Landwirtschaft und Gartenbau im Jahre 1820, dreißig Jahre bevor es so etwas in England gab! Carey, nachdem er eine systematische Studie der indischen Landwirtschaft betrieben hatte, publizierte Artikel zur Landwirtschaftsreform in der Zeitung Asiatic Researches und zeigte Mißbräuche und Mißwirtschaft auf.

Frage:

Warum hat sich Carey mit diesem Thema beschäftigt? Er wurde nicht dafür bezahlt, er war schockiert zu sehen, wie große Teile eines herrlichen Landes durch Ausbeutung und Mißwirtschaft zur Wüste gemacht wurde. Warum hat kein Hindu für die Erhaltung seines Landes gekämpft?

Forstwirtschaft

William Carey war der erste Mann in Indien, der Artikel verfaßte zum Thema Forstwirtschaft. Es war 50 Jahre bevor die Regierung die ersten Versuche unternahm, Wälder zu erhalten. Carey gab damals schon praktische Anweisungen zur Baumbepflanzung zu verschiedenen Zwecken.

Frage:

Warum? Er glaubte an die Verantwortung des Menschen für die Erde.

Literatur

William Carey war der Erste, der wichtige religiöse und philosophische Werke der Hindus, wie die Ramayana und Samkhya, ins Englische übersetzte und publizierte. Carey war es zu verdanken, daß die Sprache der Leute in Bengal, Bengali, zu einer feinen, literarischen Sprache Indiens wurde. Vor Carey wurde sie als nur passend für Dämonen und Frauen betrachtet. Carey schrieb auch evangelistische Gedichte und Lieder in Bengali, um den Indern die Liebe zu dieser Ausdrucksform nahe zu bringen. Carey war es auch, der das erste Wörterbuch in Sanskrit (die heilige Sprache, Sprache der Gelehrten) für Studenten schrieb.

Frage:

Was war Careys Motivation? William Carey konnte mit den religiösen Hindus diskutieren und da er ihre heiligen Bücher  gut kannte, konnte er sie mit ihren eigenen Schriften widerlegen. Das war entscheidend bei der Frage der Kinderopfer und Praxis der Witwenverbrennung. Warum hatten die Hindus nicht diesen Wunsch gehabt, ihre eigenen heiligen Schriften zu übersetzen?

Die heiligen Schriften müssen nicht übersetzt werden. Sie sind erstens nur für eine kleine Gruppe von Privilegierten gedacht und außerdem müssen sie nicht einmal verstanden werden. Der Klang allein ist schon segnend.

Bibelvers: Nehemia 8,8 Matth. 13,23

Erziehung, Schulung

Carey war ein englischer Schuhmacher, der ein Professor für Bengali, Sanskrit und Marathi am Fort William College in Kalkutta wurde. Carey hat Dutzende von Schulen für Kinder aller Kasten gegründet. Er war der Erste, der auch Mädchen und Unberührbare unterrichtete. Er hat auch die erste Universität (College) in Asien und die erste Bibelschule (Theologische Ausbildungsstätte) in Serampore gegründet.

Frage:

Warum tat er dies? Er wollte die Menschen, die in Aberglaube und Unwissenheit gebunden waren, befreien. Die Erkenntnis der Wahrheit wird sie befreien. Warum war dies in all den Jahren vorher nicht möglich gewesen?

Die religiöse Kultur Indiens hat bewußt Jahrtausende die große Masse der Bevölkerung in Unwissenheit gelassen. Sie hatten keinen Zugang zur Bildung. Ob Hindus, moslemische Regenten oder britische Kolonialisten, alle haben sich den hohen Kasten angepaßt und absichtlich die Massen in Unwissenheit und Gebundenheit gelassen. Indem sie die Menschen versklaven, können sie ihre Macht ausüben und ihren Gewinn aus ihnen ziehen, sie ausbeuten.

Mathematik, Astronomie

William Carey führte ein in die Wissenschaft der Astronomie.

Frage:

Warum? Carey wußte, daß der Mensch geschaffen worden ist, um die Natur zu erforschen (Ps. 111,2). Die Himmelskörper hat Gott uns als Hilfe für diese Aufgabe geschaffen. Sie sind uns gegeben als Zeichen, die unserem Raum Richtung geben (Ost, West, Süd, Nord) und unsere Zeit einteilen (Tag, Nacht, Kalender…) Raum und Zeit ermöglichen uns das Studium der Geographie und Geschichte. Durch das Studium der Astronomie lernen wir unsere Zeit einzuplanen. Wir lernen auch einiges über Gottes Größe, Herrlichkeit und Macht zu ahnen. So sollen wir die kosmischen Gegebenheiten sorgfältig studieren, unsere Zeit verantwortungsvoll einplanen und Gott die Ehre geben.       

Verse: 1. Mose 1,14-19; Ps. 104,19; Römer 1,19-20; Ps. 19; Matth. 4,24 u.17,15 

Frage:  Was hatte Carey beobachtet? Carey hatte gesehen, welch zerstörerische Auswirkung die Astrologie auf das Volk hatte: Fatalismus, Aberglaube, Angst, und eine Unfähigkeit, seine Zeit zu organisieren und zu nutzen. Die Himmelskörper wurden als Götter betrachtet, die das Leben der Menschen kontrollieren. Die Sterne bestimmen angeblich unser Leben.

Verse: 5. Mose 4,19; Jes. 47,13-14; Apg. 19,19-20

Bibliothekarwissenschaft

William Carey führte die Idee von Leihbibliotheken nach Indien ein. Während die Briten die Schiffe mit Waffen und Munition füllten, bestellte Carey jede Menge Bücher aus England. Careys Ziel war, bald genügend einheimische Literatur zu haben, jedoch, bis es so weit war, wollte er den Indern Wissen und Information aus aller Welt beschaffen, damit ihr Geist aufblühen kann und sie schnell ihr Defizit anderen Kulturen gegenüber aufholen können.

Sozialkunde

William Carey war der erste Mann, der aufstand gegen die Unterdrückung der Frauen und die damit verbundenen Morde. Die britische Herrschaft hatte diese Mißstände hingenommen, als zur Kultur und Religion gehörend. Carey begann mit Nachforschungen, beides in der Gesellschaft und in den religiösen Schriften. Er schrieb Artikel, um die Aufmerksamkeit der Leute zu Gewinnen und er verfaßte Protestschriften für Bengal und England. In seiner Stellung als Professor tat er alles, um seine Studenten zu bewegen, dieses Unrecht zu bekämpfen. Carey eröffnete Schulen für Mädchen. Er ermöglichte Witwen wieder zu heiraten. Er betete täglich 25 Jahre lang dafür, daß Gott diesen sündhaften Sitten ein Ende machen würde. Nach 25 Jahren Kampf, im Jahr 1829, durfte er mit großer Freude erleben, daß die Witwenverbrennung gesetzlich verboten wurde.

Frage: Warum handelte Carey so? Warum waren diese Ungerechtigkeiten in den Augen der Hindus kein Unrecht? Der Mann in Indien unterdrückte die Frau durch Polygamie, Mädchenmord, Kinderheirat, Witwenverbrennung, Euthanasie und erzwungenen Analphabetismus, alles im Namen der Religion! Eine Gesellschaft, die keine Offenbarung von einem lebendigen Schöpfer kennt, bestimmt von sich aus, welcher Stein ihm als Gott dienen soll (Spr. 29,18). So kann der Mensch auch bestimmen, daß der Ehemann der Gott der Frau ist. Sie muß ihn anbeten und ihm dienen. Sie lebt nur für ihn. Also hat nach dessen Tod ihr Leben keine Bedeutung mehr.

William Carey dagegen glaubte, daß Gott der Schöpfer seinen Geschöpfen Bedeutung und Auftrag gegeben hat. Gott sagt dem Menschen, wie er leben soll, wie Mann und Frau miteinander leben sollen. Der Mensch kann nicht einfach leben wie er will. Das Leben einer Frau gehört nicht ihr selber, auch nicht ihrem Mann. Es gehört Gott. Und Gott hat uns nicht das Recht gegeben, dieses Geschenk des Lebens wegzuwerfen. So war es für William Carey klar, daß „Sati“ Sünde ist. Das gab ihm die Kraft, dagegen zu kämpfen.

Verwaltung

William Carey, als er nach Indien kam,  war er quasi illegal eingereist, da die britische Verwaltung verhindern wollte, daß Missionare im Land tätig werden. So mußten sich  Carey und seine Mitarbeiter  im dänischen Territorium, Serampore, niederlassen. Als die Briten für ihre Eliteschule keinen Professor für Bengali fanden, wurde William Carey, der als Experte in dieser Sprache galt, angefragt. So hat Carey während 30 Jahren am Fort William College in Kalkutta unterrichtet. Sein Einfluß in dieser Zeit auf die britische Verwaltung war, daß sich diese von einer ausbeuterischen  zu einer sozialen Verwaltung verwandelte.

Philosophie

William Carey hat geglaubt, daß Ethik und Moral nicht von der Religion zu trennen sind. Er hat gepredigt, das die Menschen Sünder sind, Vergebung der Sünde und Befreiung von der Macht der Sünde brauchen. Er hat gelehrt, daß die Sünde uns von Gott trennt, und wir deshalb Gott nicht gefallen können ohne Heiligung. So konnte nur wahre geistliche Erfahrung gemacht werden, wenn der Mensch Buße über seine Sünde tat. Diese Ansicht war revolutionär für Indiens religiöse Welt von damals. Denn damals war man der Ansicht, daß das menschliche Selbst auch das göttliche Selbst ist. Der Mensch ist Gott, sein Geist kann also nicht sündigen. Das menschliche Selbst wird verführt und hält sich für getrennt von Gott. Was der Mensch also braucht, ist Erleuchtung, Erfahrung seiner Göttlichkeit, die sogenannte Selbstverwirklichung. Diese Ablehnung von der Sündhaftigkeit des Menschen und dafür die Betonung der mystischen Erfahrung des Menschen und seiner Göttlichkeit, machte es möglich, daß man in Indien gleichzeitig sehr religiös und dabei sehr unmoralisch leben konnte.

Frage: Welche Auswirkungen hatte der biblische Glaube der Sündhaftigkeit des Menschen? Welche Auswirkungen hatte deren Ablehnung?

Verse: 1 Joh.1,8-2,1; Mt. 5,48

Nachdem Raja Ram Mohun Roy, einer der größten Hindu-Gelehrten des 19. Jahrhunderts, in Kontakt mit Carey kam, fing er ernsthaft an, die Hindu-Spiritualität in Frage zu stellen. Er sagte Folgendes: "Das  Ergebnis  meiner langen und ununterbrochenen Suche nach religiöser Wahrheit war, daß ich die Lehre von Jesus Christus förderlicher für moralische Grundsätze und besser geeignet für rationale Geschöpfe erfunden habe, als irgend etwas anderes.“  Der Mensch braucht Vergebung, nicht Erleuchtung!

Geschichte

William Carey ist der Vater der indischen Renaissance des 19. Jahrhunderts. Im 11. Jahrhundert hatte Indien einen Höhepunkt seiner Entwicklung erlebt. Danach kam der Niedergang durch Mystizismus, Askese, Okkultismus, Aberglaube, Götzenverehrung, Hexerei, unterdrückende Glaubensüberzeugungen und –praktiken. Die Invasion, Ausbeutung und politische Beherrschung machte alles noch schlimmer. In diese Situation hinein kam Carey und er bewirkte den Anfang einer Reform. Er sah Indien nicht als ein Land zum Ausbeuten, sondern als ein Land, das seinem Himmlischen Vater gehörte, ein Land, das geliebt werden soll und dem man dienen soll. Er sah eine Gesellschaft, in welcher die Wahrheit und nicht Unwissenheit regieren soll. Er glaubte, daß Gottes Abbild im Menschen ist und nicht in Götzen – deshalb nahm er sich der unterdrückten Menschen an. Er glaubte, daß die Natur verstanden und gepflegt – und nicht gefürchtet, besänftigt oder angebetet werden soll. Der Intellekt war da, um entwickelt und nicht verleugnet zu werden. Literatur und Kultur sollten dem Menschen als Genuß dienen – und nicht als Einbildung (maya) abgetan werden. Seine geistliche Haltung, die großen Wert auf die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Mitmenschen legte, gab den Anstoß zu einer Reformation, eine Erneuerung und Modernisierung der indischen Kultur.

Wer war William Carey noch?

Mission

William Carey war der Vater der modernen Mission. Er hat die Christen von der Notwendigkeit der Heidenmission überzeugt. Durch ihn ist eine missionarische Bewegung entstanden. Missionare sind in die ganze Welt gegangen. William Carey ist Pionier der Protestantischen Kirche in Indien. William Carey ist außerdem der Übersetzer und Herausgeber der Bibel in ca. 35-40 verschiedenen indischen und asiatische Sprachen. Er übersetzte aus den Originalsprachen Hebräisch und Griechisch ohne die Hilfe irgendeines Wörterbuches oder einer Grammatik.

Frage:

Wieso konnte der Hinduismus keinen solchen Kämpfer hervorbringen? Im Hinduismus ist das Schicksal festgelegt – Karma. Die ganze Gesellschaft ist darauf aufgebaut, es läßt sich nicht ändern und man will es auch nicht. Die Unterdrücker geben ihre Rechte nicht auf. So konnte es keine Fortschritte geben.

William Carey hat nicht seine Hoffnung auf seine sozialen Aktivitäten gesetzt. Er wußte, daß allein das Evangelium die Macht hat, ein Licht in dieser Finsternis anzuzünden. Deswegen hat er trotz vieler Schwierigkeiten und Angriffe nie die Hoffnung aufgegeben, nie sein Ziel aus den Augen verloren, und alles daran gesetzt, Gottes Wort in allen wichtigen Sprachen Indiens zu verbreiten. Die Missionare Carey, Marshman und Ward haben all ihre Kraft und  Einkünfte in ihre Arbeit gesteckt, um so ihr Ziel erreichen zu können.  

Einige Beispiele:

Eines Tages wurde ein gläubiger Inder (Vishal Mangalvadi) in ein kleines Dorf gerufen. Die Dorfleute wollten ihn um Hilfe bitten. Sie waren in großer Not. Eine Überschwemmung des Flusses hatte ihre Häuser, Felder und Vieh weggeschwemmt. Als der Bruder dort ankam, hatten sie gerade einen Toten verbrannt und waren dabei, den Dämonen zu opfern. Voller Stolz zeigten sie dem Bruder ihren Tempel, der in der Mitte des Flusses stand, und der angeblich 1000 Jahre alt war.

Der Bruder sagte ihnen: "Wißt ihr warum ihr so arm seid? Vor Tausend Jahren hätten eure Vorfahren die Möglichkeit gehabt, einen Flußdamm  und Kanal zu bauen. Statt dessen haben sie einen Tempel gebaut. Warum? Weil sie den Fluß gefürchtet und angebetet haben, anstatt ihn zu kontrollieren und das Wasser gezielt einzusetzen zur Bewässerung der Felder.“

Sobald wir anfangen, die Schöpfung anzubeten, werden wir unfähig, über sie zu herrschen.

1. Mose 1,27-28: Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Psalm 8,5-10:…  Gott hat alles geschaffen und den Menschen als Verantwortlich darüber gestellt. Alles soll zu Gottes Ehre dienen.

Eine Gesellschaft, die die Kuh anbetet, wird  nicht Forschungen machen können, um die Rasse zu verbessern oder die Milchproduktion zu erhöhen. Wenn der Mensch die Kuh anbetet, wird der Mensch Sklave der Kuh. Die Kuh darf alles, sie darf dem armen Bauern seine Felder zertrampeln oder in der Stadt mitten auf der Hauptstraße liegen und den ganzen Verkehr behindern. Wer Affen, Ratten oder gar Schlangen anbetet, wird es sich gefallen lassen, daß die Tiere sein Essen wegfressen, ja er wird seinen Göttern sogar noch das Essen seiner Kinder bringen, um sie zu besänftigen oder um sein Gewissen zu beruhigen. Ganz sicherlich wird er nicht eine Falle stellen, um die Ratten los zu werden.

Aber auch wir haben den Glauben an den Schöpfer verworfen. Unser Egoismus beherrscht uns. Wir scheuen uns nicht davor, die Natur auszubeuten. Wenn wir uns nicht nach den Geboten des wahren Gottes, des Schöpfers, richten, finden wir Menschen nicht den Weg der Freiheit und Verantwortung. In seinem Wort gibt uns Gott Richtlinien, wie wir ein Leben in der Verantwortung vor ihm leben können. Sprüche 12,10. Matth. 5,25-34: Gott stellt uns die Vögel und die Lilien als Vorbild hin. Von ihnen können wir lernen, unserem guten Vater im Himmel zu vertrauen.

Frage:

Welche Konsequenzen hat es für mein Leben, wenn ich mich nach den Richtlinien der Bibel halte? Welche Konsequenzen hat es für mein Leben, wenn ich den Schöpfer  leugne?        

Eines Tages, es war im Jahr 1794, wanderte William Carey zu einem Dorf, Malda.. Er sah einen Korb in einem Baum hängen. Er dachte, vielleicht hat ein Arbeiter sein Essen im Korb dorthin gehängt, um es vor Hunden zu schützen. Aber als Carey sich umsah, konnte er keine Arbeiter entdecken; so beschloß er nachzuschauen. Als er den Korb öffnete, war er entsetzt. Der Körper eines kleinen Kindes lag darin. Weiße Ameisen hatten schon die Hälfte gefressen. William Carey dachte, vielleicht hat eine Mutter das Kind dorthin gehängt, als sie zur Arbeit auf das Feld ging und es dann am Abend vergessen. So forschte er nach. Da wurde ihm gesagt, daß viele Eltern ihre Kinder auf diese Weise opfern. Im Hinduismus gibt es fast unendlich viele Götzen. So verehren manche Bäume, Affen, Ratten oder Schlangen. Diese Götter verlangen auch ständig Opfer. Carey konnte es kaum fassen.

Eine andere verbreitete Sitte war: Wenn ein Baby krank wurde, glaubte man, es sei unter den Einfluß von bösen Geistern geraten. So wurde das kranke Kind in einen Korb gelegt und während dreier Tage irgendwo hingehängt. Wenn es dann noch lebte, wurde erst etwas unternommen, um ihm zu helfen.

Zum Beispiel gab es in Bengal, wo Carey lebte, die Feier  des "Sagar Puja". Jedes Jahr fand im Januar bei Vollmond an der Mündung des Ganges eine große religiöse Feier statt. Tausende von Pilger kamen. Wenn der Mond hell schien, warfen mit dem Ruf, "Ganga Ma Ki Jai", was so viel wie "Sieg der Mutter Ganges" heißt, die Mütter ihre Kinder in den Fluß. Die Babys wurden einfach die Böschung hinabgestoßen, manche ertranken und andere wurden von Krokodilen oder Haien gefressen. Manche Mütter opferten der Göttin Ganges ihr erstes Kind, um dadurch den Segen für noch mehr Kinder zu empfangen oder um dadurch ihre Sünden vergeben zu bekommen (Micha 6,7).

Niemand hat diese Kindestöter aufgehalten, denn man war der Meinung, alle religiösen Überzeugungen sollten akzeptiert werden. Jeder kann glauben, was er will. So hat sich auch damals die britische Regierung bewußt nicht eingemischt. Carey jedoch konnte nicht dulden, daß durch diese geistliche Verblendung die Gebote Gottes so mißachtet würden. Er ging vor den Gouverneur. Dieser wollte nicht handeln, fragte allerdings Carey, ob Kinderopfer von den religiösen Schriften der Hindus verlangt werden. William Carey hatte diese Schriften genug studiert, um beweisen zu können, daß es ein solches Gebot nicht gibt. Da hat die Regierung tatsächlich ein Gebot erlassen: "Bei Todesstrafe ist es verboten, ein Kind in den Fluß zu werfen!" Beim nächsten Fest wurden sogar Soldaten als Wache aufgestellt. Es war das Jahr 1804.

Noch heute werden in Indien, obwohl es strikt verboten ist, Kinder geopfert. Zum Beispiel, wenn eine Brücke oder ein Staudamm gebaut wird, wird manchmal ein gestohlenes Kind der Göttin des Flusses geopfert. Auch opfern Millionen Eltern ihre eigenen Kinder jedes Jahr. Diese Tötung werden in den Krankenhäusern vollzogen. Sie nennen es Abtreibung.

Frage:

Ist es richtig, daß in dieser Frage jeder seine eigene Meinung haben kann? Warum war es für Hindus richtig, das Kind der Göttin Ganges zu opfern? Warum denken wir, daß es eine Sünde ist, ein Kind zu töten? Warum kämpfte William Carey gegen diese Sitte. Er war doch so offensichtlich in der Minderheit.

Wer keinen persönlichen Gott kennt, kann den richtigen Wert des Menschen nicht einschätzen. Wer Gott nicht als Schöpfer anerkennt, der wird den Wert des Menschen irgendwie anders einordnen müssen, entweder den Tieren gleichwertig, weil von ihnen abstammend oder selbst göttlich.

 Wieso ist es möglich, daß so viele Regierungen die Tötung von Juden, Schwarzen, Christen, oder Ungeborenen nicht nur erlaubt haben, sondern noch rechtfertigen?

2. Mose 20,2-3: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Gott offenbart sich uns als der Erretter aus der Gefangenschaft. Er will sein Volk in ein gutes Land führen. Er ist ein gerechter Gott. Er gebietet uns, nicht falsche Götter anzubeten. Warum? Er weiß, daß wenn wir uns von Ihm, dem wahren Gott abwenden, wir  unsere Freiheit verlieren und zu Sklaven der Finsternis werden.

Als William Carey nach Indien kam, war er mit der allgemeinen Meinung konfrontiert, daß es sich für ein Mädchen nicht gehört, in die Schule zu gehen. Ein Hindu-Vater sagte einmal zum Missionar: "Du darfst meine Söhne unterrichten und ihnen alles Wissen zugänglich machen, aber meinen Töchtern darfst du dich nicht nähern, und wenn deine Absichten noch so gut sind. Ihre Unwissenheit und Absonderung sind absolut notwendig für die Ehre meiner Familie. Sie müssen in einem Alter verheiratet werden, wenn deine Pläne zur Bildung erst anfangen könnten."

Offiziell wurde Kinderheirat erst 1929 verboten. Da jedoch diese Praktik seine Wurzeln in der moralischen-religiösen Kultur hat, ist es sehr schwierig, dagegen anzukämpfen. Noch heute wird in den Dörfern das Datum gefälscht oder der Beamte bestochen, um das minderjährige Mädchen verheiraten zu können. Dadurch wird dem Mädchen seine Kindheit gestohlen, die Möglichkeit der Bildung und Entwicklung ihres Geistes und ihrer Persönlichkeit genommen und sie wird Opfer der Unterdrückung, Ausbeutung und Versklavung. Sie kann sich nicht wehren.

William Carey war der Erste, der dagegen kämpfte, indem er die Lehren der Bibel verbreitete und gleichzeitig die ersten Schulen für Mädchen gründete. Seine Mitarbeiterin, Hannah Marshman übernahm diese Aufgabe. Sie war eine liebevolle, weise und von Herzen gläubige Frau. Sie kümmerte sich nicht nur um den großen Haushalt der Mission, sondern wurde auch aktiv in einer Weise, wie es für indische Frauen undenkbar gewesen wäre. Sie fing mit einer Schule für ausländische Kinder an, was für die Missionare eine große finanzielle Hilfe war. Dann gründete sie verschiedene Schulen für arme indische Jungen und Mädchen. Diese Arbeit weitete sich aus, an verschiedenen Orten unterrichteten sie die Kinder. Bald waren es 8000 Schüler.

Die Missionare begnügten sich nicht nur mit einer Grundschule. Es wurden auch weiterführende Schulen gegründet, ja sogar eine Universität bauten sie: das Serampore College. Es existiert noch heute und bis heute ist es für manche Fächer die einzige Hochschule in Indien. Dank des hingebungsvollen Einsatzes dieser Missionarsfrauen, wurde der Weg frei für die Bildung der indischen Mädchen. Diese Frauen haben kein leichtes Leben gehabt. Hannah Marshman sind 6 kleine Kinder gestorben. Sie hatten kein fließendes Wasser, keine Dusche oder Waschmaschine. Es gab viele Krankheiten, die man nicht behandeln konnte. Es gab Ungeziefer, oft hatten sie kein Geld, aber noch schlimmer waren die Kämpfe gegen Aberglaube und Widerstände von allen möglichen Seiten. Kein Wunder, daß William Careys Frau, Dorothy, damit nicht fertig wurde. Sie hatte ihren Mann gegen ihren Willen begleitet und sehr gelitten. Auch sie hat in Indien ein Kind verloren. Sie ist durch die Not und Schwierigkeiten geistig krank geworden. Sie fühlte sich verfolgt und wurde aggressiv und mußte dann 12 Jahre lang in einem Zimmer isoliert betreut werden. Um ihre Kinder kümmerten sich die anderen Missionare Marshman und Ward.

Eine andere notvolle Konsequenz der Kinderheirat sind die vielen sehr jungen Witwen. Bei der letzten Zählung im 19. Jahrhundert wurden  in und um Kalkutta zehntausend Witwen unter 4 Jahren gezählt, und über fünfzigtausend im Alter zwischen 5 und 9 Jahren. 

Wenn der viel ältere Ehemann starb, befand sich die Witwe in einer schrecklichen Situation. Man glaubte, daß die Witwe am Tod des Mannes Schuld war. Sie hatte dieses Unglück über ihn gebracht. Man glaubte, daß die Witwe ihren Mann aufgegessen hatte. Der Hindu sieht nicht in der Witwe eine kostbare Person, die Hilfe braucht, um weiter leben zu können, sondern er sieht nur auf seine finanziellen Vorteile. Der Ehemann hatte, als er das Mädchen  heiratete, auch eine Summe Geld von der Familie der Braut bekommen. Dieses Geld will die Familie auf jeden Fall behalten. Also gibt es kein zurück für das Mädchen. So wurde die Witwe bestraft: sie mußte ihre Haare rasieren, allen Schmuck abgeben, weiße Kleidung als Zeichen ihrer Witwenschaft anziehen und mußte im Haus bleiben, um keine anderen Männer in Versuchung zu bringen. Wenn sie keinen Sohn hatte, mußte sie mit einem Mann der Verwandtschaft leben (ohne mit ihm verheiratet zu sein), und mußte dem verstorbenen Ehemann einen Sohn gebären und alle Rituale, Gebete und Opfer für den Toten vollbringen. Es war ein Leben in der Verachtung und Armut.

Es gab nur einen anderen Ausweg, um diesem lebenslangen Schicksal zu entkommen: die Witwe konnte „Sati“ begehen. „Sati“ schien der armen Witwe manchmal das kleinere Übel. Es bedeutete den Tod durch Verbrennen bei lebendigem Leib, zusammen mit ihrem toten Mann. Die Hindus glauben, daß durch dieses Opfer die Frau der Familie Gutes tun, einige ihrer Familienmitglieder in den Himmel bringen kann und sie selbst so zu einer gewissen Ehre kommt. In einer der Hinduschriften wird eine solche Frau beschrieben: „Alle Taten einer Frau sollten die selben sein wie die ihres Ehemannes. Wenn er glücklich ist, soll sie auch glücklich sein. Wenn er traurig ist, soll sie auch traurig sein. Wenn er tot ist, soll sie auch sterben. Solch eine Frau wird ‘Pativrata’ genannt werden.“

William Carey hat im Jahr 1799 die Grausamkeit einer „Sati“ miterlebt und in einem Brief an seinen Freund Andrew Fuller geschildert (S.P. Carey „William Carey, der Vater der modernen Mission“).

Die Situation der Frau oder des Unberührbaren hatte seine Wurzel in dem falschen Glauben über die Herkunft, den Sinn des Lebens und den Wert des Menschen. Das indische Verständnis war gefangen in dem Glauben der Reinkarnation. Der Mensch hat nicht mehr Wert als ein Tier. So wird eine rein weltliche Schulung auch kein besseres Bild vom Menschen bringen können. William Carey hat das Kastensystem zutiefst abgelehnt und versucht, es mit dem Licht des Evangeliums zu überwinden (Gal. 3,28). So taufte er Gläubige erst, wenn sie bereit waren, mit dem Kastenwesen zu brechen.

Zitat von Raja Ram Mohun Roy: "Die Wurzel des ganzen schlechten Zustandes der indischen Gesellschaft liegt im Götzendienst und dem damit verbundenen Aberglauben." Carey war überzeugt, daß allein die Erkenntnis des Evangeliums die Macht hatte diese Menschen zu befreien. Der Hinduismus teilt die Gesellschaft in Kasten ein. Damit wird ein großer Teil der Bevölkerung unterdrückt. Welch einen krassen Unterschied zur Bibel!

2. Mose 22,21: Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken. 5. Mose 24,17: Du sollst das Recht des Fremdlings und der Waise nicht beugen und sollst der Witwe nicht das Kleid zum Pfand nehmen. 5. Mose 26,12: Wenn du den Zehnten deines ganzen Ertrages zusammengebracht hast im dritten Jahr, so sollst du ihn dem Leviten, dem Fremdling, der Waise und der Witwe geben, daß sie in deiner Stadt essen und satt werden.

Auch im neuen Testament finden wir eine bewegende Geschichte. In Lukas 7,11-17 begegnet Jesus einer Witwe, die gerade ihren Sohn zu Grabe trug. Jesus zeigt tiefes Mitleid, er tröstet sie und bringt ihren Sohn zurück zum Leben. Psalm 27,10: Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf. Markus 10;14,15: Jesus sprach zu ihnen: Laßt die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Der Mann, der das Los der Frauen in Indien unsäglich erleichterte, war nicht Vertreter des Feminismus, sondern glaubte von ganzem Herzen an den Vater und den Sohn. Im Hinduismus gibt es zahlreiche Göttinnen und Muttergottheiten. Doch deren Anrufung hatte, wie z. B. Kali, keine Befreiung, sondern schlimmste Knechtung gebracht. Nach wie vor gilt die Aussage Jesu: „Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei“ (Joh. 8,36).

Frage:

Warum will ein gläubiger Hindu seine Tochter nicht in die Schule schicken? Warum gehen hier alle Kinder zur Schule?

In Indien wurde die Religion ein Werkzeug zur Kontrolle über das Gewissen und die Persönlichkeit der Menschen. Aber durch das Evangelium ruft Gott jeden einzelnen Menschen zur Verantwortung. Jeder muß Gott Rechenschaft geben für sein Leben. Da es für William Carey klar war, daß allein das Licht des Evangeliums die Macht hat, die Finsternis zu vertreiben und Indien zu befreien, widmete er sein Leben mit ganzer Hingabe der Aufgabe der Verbreitung des Wortes Gottes.

Zusammengestellt aus dem Buch von Ruth und Vishal Mangalwadi „Carey, Christ and Cultural Transformation.“

                                                                                                                                                               Catherine Seibel

 

Kurzbiographie von William Carey:

William Carey wuchs in einer sehr armen englischen Familie auf und hatte nicht die Möglichkeit zu studieren. Mit 12 Jahren schon kam er aus der Schule und in eine Schuhmacherlehre. Jedoch schon als Kind hatte er einen großen Wissensdurst, er interessierte sich für Botanik, Geographie und Sprachen. Noch während seiner Lehre brachte er sich selbst Latein, dann Griechisch, Hebräisch, Französisch und Holländisch bei.

Später wurde er Professor für Bengali, Sanskrit und Marathi am berühmten Fort William College in Kalkutta, Indien. Carey und seine Mitarbeiter gründeten mehr als hundert christliche Schulen für mehr als achttausend indische Kinder aller Kasten, er war außerdem der Gründer der ersten christlichen Hochschule in Asien, in Serampore.

Carey und sein Team haben in dreißig Jahren 212 000 Bibeln und Bibelteile gedruckt, und das in 35 verschiedenen Sprachen.

Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, daß dieses Projekt, Gottes Wort unter den Hindus zu verbreiten, eigentlich illegal war. Die Britisch East Company versuchte alles, um Careys Arbeit zu verhindern, denn sie wollten ja nicht den Indern helfen, sie wollten sie ausbeuten.

Careys Familie litt große Not, besonders zu Beginn ihres Aufenthaltes in Indien. Sie waren in bittere Armut geraten, litten unter dem Klima, in Gefahren vor Schlangen, Tiger, Moskitos, sie litten unter verschiedenen tropischen Krankheiten, ihr kleiner Sohn, Peter, starb mit 5 Jahren an Durchfall. Careys erster Mitarbeiter hatte den ganzen finanziellen Vorrat verschleudert, so daß William Carey sich gezwungen sah eine Arbeit zu suchen. In den ersten sieben Monaten mußte er mit seiner Familie fünf mal umziehen.

Obwohl Carey oft Briefe in die Heimat schrieb, dauerte es siebzehn Monate, bis er die ersten Briefe aus England erhielt!

Böse Gerüchte wurden über sie verbreitet, sie kämpften einsam einen schweren Kampf. William Careys Frau, Dorothy, wurde mit diesen Belastungen nicht fertig und wurde geistig krank. Sie sah in ihrem Mann einen Feind und versuchte ihn mit einem Messer anzugreifen.

Trotz alledem lernte William Carey Bengali und Sanskrit und predigte regelmäßig in Bengali. Nach 4 Jahren hatte er schon das Neue Testament in Bengali übersetzt. Und doch kam sieben lange Jahre kein einziger Inder zum Glauben!

Wie war es möglich daß William Carey so produktiv sein konnte, trotz allen Enttäuschungen, Angriffen, Verleumdungen, Krankheiten, Persönlichen Nöten, Einsamkeit, wie konnte er durchhalten ohne die Ermutigung eines einzigen Erfolgs?

Um Careys Motivation zu verstehen müssen wir zurückschauen:

Eine der einflußreichsten Predigten wurde am 31. Mai 1792 von William Carey in Northhampton, England, gehalten. Sie ist der Anfang der Missionsarbeit für die englisch sprechende Welt. Der Text dieser historischen Predigt war Jesaja 54:2-3: „ Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnstatt; spare nicht! Spann deine Seile lang und stecke deine Pflöcke fest! Denn du wirst dich ausbreiten zur Rechten und zur Linken, und deine Nachkommen werden Völker beerben und verwüstete Stätte neu bewohnen.“ Das Thema seiner Predigt kann folgendermaßen zusammengefaßt werden: „Erwarte Großes von Gott! – Wirke Großes für Gott!“

William Carey war, im Gegensatz zu vielen Theologen seiner Zeit, überzeugt, daß Gott die Verlorenen retten wird durch die missionarische Arbeit der Gläubigen. Er vertraute, daß Gott die Heiden retten würde, wenn er bereit ist, ihnen das Evangelium zu predigen.

Als William Carey 1793 nach Indien kam, befand sich das Land in einem moralisch desolaten Zustand.

Wenn ein Säugling krank war, glaubten sie, daß er unter dem Einfluß von bösen Geistern war. Deshalb überließ man das Kind den Elementen, zum Beispiel indem man es in einem Korb an einen Baum hängte. Bei Malda fand William Carey Überreste eines Babys, das man als ein lebendiges Opfer von weißen Ameisen hatte auffressen lassen. Bei Sagar Mela, wo der Ganges ins Meer fließt, erlebte William Carey, wie Mütter ihre Säuglinge ins Wasser warfen, um von den Krokodilen gefressen zu werden oder zu ertrinken. Dies galt  als ein heiliges Opfer für Mutter Ganges.

Carey machte gründliche Nachforschungen über die Anzahl und Gründe der Kindestötung und publizierte seine Berichte. Er schrieb mehrmals an die Regierung, bis er erreichte, daß Im Jahr 1802 Kinderopfer verboten wurden. Es war das erste Mal, daß die britische Regierung sich direkt in religiöse Praktiken der Hindus eingemischt hatte.

Im Hinduismus war die Frau verachtet. „Im Hinduismus gibt es erst Erlösung für eine Frau, wenn sie als Mann wiedergeboren wurde.“ Ihre einzige Hoffnung bestand darin, dem Mann in völliger Unterordnung zu dienen. Viele kleine Mädchen wurden schon als Kinder umgebracht. Oder sie wurden verheiratet, bevor sie das 4. Lebensjahr erreicht hatten. Witwen wurden als Unglücksbringer betrachtet, die den Tod ihres Gatten verursacht hatten. Sie wurden nur als wirtschaftliche Belastung angesehen. Witwen mußten ihre Haare rasieren, ihren Schmuck ablegen, es war ihnen verboten wieder zu heiraten, aber sie mußten mit dem ihrem verstorbenen Ehemann am nächsten Verwandten leben. Es wurde großer Druck ausgeübt auf sie, doch „Sati“ zu begehen, das heißt sie soll sich lebendig verbrennen lassen zusammen mit dem Leichnam ihres toten Ehemannes.

Die Hindu Praktik der Polygamie verstärkte das Problem. Carey schildert, wie bei einer Gelegenheit die 33 Witwen eines Mannes lebendig verbrannt wurden zusammen mit seinem Leichnam. Bei einer anderen Verbrennung war es die 11 Jährige Witwe des Mannes.

Aussätzige wurden von ihren Familien verstoßen und lebendig verbrannt. Der Hinduismus lehrte, daß nur ein gewaltsamer und feuriger Tod den Körper reinigen könne und ihm zu einer neuen, gesunden Existenz verhelfen würde. Euthanasie wurde häufig praktiziert mit Kranken, Behinderte überließ man oft der Hitze oder Kälte, den Krokodilen, den Insekten oder dem Fluß.

William Carey kämpfte gegen all diese Übel, Kinder Prostitution, Sklaverei und Kastensystem inbegriffen. Er kritisierte öffentlich die Regierung für ihre Passivität diesen Morden gegenüber. Er organisierte öffentliche Debatten, er sprach und schrieb oft über diese Greuel. Zu Beginn begegnete man ihm mit Gleichgültigkeit. „Sati“ sei eine religiöse Praktik und dürfe nicht in Frage gestellt werden.  

Carey war der Herausgeber der ersten Zeitung, die je in einer asiatischen Sprache gedruckt wurde. Er war der Meinung, daß neben allem Einsatz für die Wahrheit und den wahren Glauben, das Christentum auch den freien Austausch der Meinungen sucht. Durch seine englische Zeitung, „Friend of India“, konnte eine Bewegung entstehen, durch welche die soziale Reform Indiens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehen konnte.

William Carey war der erste Mensch, der aufstand gegen die brutalen Morde und allgemeinen Unterdrückung der Frauen durch Kindstötung, Kinderheirat, Polygamie, Analphabetentum, Witwenverbrennung und Euthanasie. Carey forschte systematisch nach und veröffentlichte seine Artikel, um in Bengalen und England öffentliche Proteste zu erwecken. Während seiner Zeit am Fort William College beeinflußte er eine ganze Generation von Studenten. Carey bekämpfte die Meinung, das Leben einer Frau sei nach dem Tod ihres Mannes wertlos. Er war der erste, der Schulen für Mädchen eröffnete, um ihnen zu helfen aus Unterdrückung, Unwissenheit und Aberglaube herauszukommen.

25 Jahre lang betete und kämpfte Carey unermüdlich gegen die „Sati“ Praktik, bis endlich im Jahr 1829 die Regierung das öffentliche Verbot verkündete.

William Carey war auch der erste Mann, der für eine humane Behandlung der Aussätzigen kämpfte und der Praxis der Verbrennung bei lebendigem Leib ein Ende setzte.

William Carey hat als Erster die Idee der Banken in Indien eingeführt, um dadurch eine Förderung der Wirtschaft zu ermöglichen.

William Carey war der Begründer der Gesellschaft für Landwirtschaft und Gartenbau im Jahr 1820, dreißig Jahre bevor es so etwas in England gab! Er führte die Dampfmaschine ein in Indien. Auf ihn gehen auch zurück die ersten Leihbibliotheken Indiens. Er bestellte jede Menge Bücher aus England, um den Indern Zugang zu Informationen aus aller Welt zu verschaffen.

William Carey führte die Inder ein in die Wissenschaft der Astronomie. Er hatte beobachtet, welch eine zerstörerische Auswirkung die Astrologie auf das indische Volk hatte: Fatalismus, Angst und eine Unfähigkeit, seine Zeit zu organisieren und zu nutzen. Die Astrologie des Hinduismus nimmt den Menschen gefangen, sein Leben wird bestimmt von den Sternen. Das Studium der Astronomie, der von Gott geschaffenen Himmelskörper, macht uns frei: Wir erkennen sie als Hilfe, Zeit und Raum einzuteilen. Sie ermöglichen uns unseren Kalender, die Geographie und eine bessere Planung unserer Zeit.

Carey war der erste Mann in Indien, der Artikel verfaßte zum Thema Forstwirtschaft. Fünfzig Jahre bevor die Regierung die ersten Versuche unternahm, Wälder zu erhalten, gab er schon praktische Anweisungen zur Baumbepflanzung. Er hatte verstanden, daß Gott den Menschen verantwortlich gemacht hatte für die Erde. William Carey war auch der Erste, der in Indien eine Gesellschaft für Botanik gründete, die ersten Bücher schrieb zum Thema Pflanzenkunde und Gartenpflege. In seinem Garten pflegte er viele schöne und seltene Pflanzen. Er unterrichtete auch oft und gerne zum Thema Naturwissenschaft, weil er daran glaubte, daß die Natur Gott, den Schöpfer, preist. Der Mensch darf sie studieren, pflegen und Gott die Ehre geben. Der Hindu glaubt ja, daß die Natur nur eine Illusion sei und daß auch Seelen gefangen sind in allen möglichen Tieren. Dadurch wird er Tiere und Pflanzen anbeten und sich ihnen unterwerfen und nicht bestimmen.

William Carey ist Vater der Drucktechnik in Indien. Er hat die moderne Technik des Druckens und Publizierens nach Indien gebracht, weiterentwickelt und gelehrt. Er hatte zu seiner Zeit die größte Presse in Indien: die Missionsdruckerei in Serampore. Sie belieferten alle anderen Druckereien des Landes mit Druckbuchstaben. Im Jahre 1812 zerstörte das Feuer Careys Druckerei, sein Vorrat an Papier und kostbare Manuskripte, die Arbeit von vielen Jahren. Nach diesem katastrophalen Verlust predigte William Carey über Psalm 46: „Seid still und erkennt, daß ich Gott bin“.

Der Brand war nicht der einzige Schlag, den er verkraften mußte: es gab Enttäuschungen,  Krankheiten, Todesfälle, ungerechte Kritik und Verleumdungen von jüngeren Missionaren und von der Missionsgesellschaft in England, Nöte in eigenen der Familie.   

In alledem war William Carey ein Gott hingegebenes Werkzeug, der die ganze Bewegung der modernen Mission in Gang setzte, die Bibel in mehr Sprachen übersetzte, als sonst ein Übersetzer und Tausenden Menschen geholfen hat durch seine barmherzigen sozialen Aktivitäten.

Wir müssen seinem Beispiel folgen und den Menschen an Leib , Seele und Geist dienen, in allen Enttäuschungen und Widerständen festhalten im Glauben an Gottes Allmacht.

Mini-Biographie:

William Carey wuchs in einer armen Familie auf in England. Schon früh interessierte er sich für alles, was er in der Natur beobachten konnte. Mit 12 Jahren kam William aus der Schule, in eine Schuhmacherlehre. Noch in dieser Zeit fand er Vergebung seiner Sünden und Frieden mit Gott durch seinen Glauben an Jesus Christus. Sein Wissensdurst nahm zu und er stillte ihn damit, daß er neben seiner Arbeit sich selbst noch fünf Sprachen beibrachte. Außerdem interessierte er sich für Geographie und Reiseberichte. William Carey wurde immer bewußter, daß die Menschen, die das Evangelium nicht haben, verloren sind in ihrer Sünde und ihrem Elend. So segelte er 1793 mit seiner Familie nach Indien.

Mit Eifer diente er seinem Gott 40 Jahre lang in Indien. Es war kein leichter Dienst. Die Indische Gesellschaft befand sich in einem desolaten Zustand: es herrschte Unterdrückung der Armen, Kranken, Frauen, Kinder durch Unwissenheit und Aberglaube, oft wurden sie in grausamer Weise umgebracht. Dazu kamen persönliche Schwierigkeiten, Krankheiten, Ungeziefer, Einsamkeit, Armut, Verleumdung, Rückschläge und Todesfälle.

William Carey hat in all diesen Schwierigkeiten nicht aufgegeben und auf seinen Gott vertraut, der allein vermag Großes zu tun.

William Carey wurde dann Professor für Bengali, Sanskrit und Marathi am berühmten Fort William College in Kalkutta. Mit Hilfe seiner Mitarbeiter gründete er über 100 christliche Schulen für mehr als 8000 indische Kinder, dazu die erste christliche Hochschule Asiens, die erste Zeitung Asiens, die erste Druckerei, die erste Dampfmaschine, publizierte die ersten Artikel zu verschiedenen Naturwissenschaftlichen Themen, er setzte sich unermüdlich ein gegen soziale Ungerechtigkeiten, gegen das Kastenwesen, Aberglaube und Unterdrückung. Er gründete Gemeinden und sandte Missionare aus in andere Teile des Landes. Aber seine größte Leistung ist wohl seine Übersetzungsarbeit: er übersetzte Gottes Wort in 35 Sprachen, und damit konnte er fast ganz Indien erreichen. 

Catherine Seibel 

www.horst-koch.de

 

 

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