Okk.Belastung+seel.Erkrankung (K.E.Koch)

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Dr. Kurt E. Koch

WEICHENSTELLUNG

Okkulte Belastung und seelische Erkrankung – Ein Beitrag zur Unterscheidung

Inhalt
Der mediale Faktor
Der Glücksbringer
Depressionen
Neurosen
Mentalsuggestion und Verfolgungswahn
Naturgabe und Charisma – oder Medialität
Krankheit oder Belastung
Das Resistenzphänomen
Der Seelsorger für okkult Belastete
Sind unsere Weichen richtig gestellt?

 

Vorwort
Es wird in diesem Buch keine Dämonologie getrie­ben, sondern nur Christologie. Professor Brunner sagte in seinem Buch Die christliche Lehre von Schöpfung und Erlösung: „Die wichtigste Lehre vom Teufel ist die, daß er durch Jesus Christus besiegt wurde.“

Dämonologie auf sich allein gestellt, führt in den Abgrund. Wer nur von Dämonen redet, ist zuletzt selbst von ihnen befallen. Nur von der Basis des Sieges Jesu am Kreuz her kann das Dämonische in der Seelsorge angegangen werden.

Das ist die fundamentale eine Seite. Die andere Aufgabe ist, daß wir keiner Wegerklärung der Dämonen oder deren Verharmlosung zum Opfer fallen. Theologie, Medizin und Psychologie betreiben weit­hin Vernebelung und können daher die Feindmächte nicht erkennen.

Der dritte Kardinalfehler ist, daß die Rationalisten aller Schattierungen die rein biblisch-geistlichen Phä­nomene vereinnahmen wollen. Ein Prozeß der Ein­ebnung findet statt, das heißt, es werden pneumati­sche Ereignisse auf die Ebene des Rationalen herab­gezogen und verflacht.

Dieser dreifachen Fehlentwicklung soll hier entge­gengetreten werden.

Nachschrift zum Vorwort

Das Manuskript dieses Buches befand sich bereits in der Druckerei, als sich durch einen Unfall eine ernste Situation ergab.

Am 29. 9. 86 stürzte ich beim Äpfelpflücken da­durch ab, daß die Leiter unter mir wegrutschte. Bei dem Sturz zog ich mir einen Trümmerbruch des linken Fersenbeines zu. Es folgten Tage der Schmer­zen im Mosbacher Krankenhaus, die so stark wurden, daß ich im Gebet den Herrn fragte, ob er mich nicht in sein Reich abrufen wolle, wozu ich bereit wäre, zumal ich ja meine Lebensarbeit für abgeschlossen halte. Dann wieder befaßte ich mich mit der Frage, ob nicht durch eine Amputation eine Linderung dieser schwe­ren Schmerzen erfolgen könnte. In jedem Fall stellte ich mich jedoch unter Gottes Willen.

Nun trat am 17. 10. 86 der Chefarzt in Gegenwart meiner Frau auf mich zu und erklärte, daß nach seiner Meinung eine Amputation nötig sei. An diesem Tage lautete die Tageslosung: „Es entsinke keinem der Mut“ (1. Sam. 17,32). Bis dieses Buch erscheint, liegt natürlich der Ausgang dieses Problems schon längst hinter uns. Ganz gleich, in welcher Weise Gott das Gebet erhört, möchte ich doch all denen danken, die uns mit ihrer Fürbitte umringt haben. Der Name des Herrn sei hochgelobt. Seine Wege sind vollkommen. – Der  Autor

 

Weichenstellung

Kurz nach dem Krieg hat ein Angestellter der Bundesbahn meines Heimatdorfes auf seinem Stell­werk eine Weiche falsch gestellt. Die Folge war, daß zwei amerikanische Militärzüge zusammenstießen. Es gab sechs Tote und viele Verletzte. Der unauf­merksaure oder nachlässige Weichenwärter kam vor ein amerikanisches Militärgericht und erhielt einige Jahre Gefängnis.

Eine falsche Weichenstellung kann großes Unheil heraufbeschwören. Das gilt auch im Blick auf die Seelsorge.

B 1 (Beispiele) Eine Frau kam zu mir in die Seelsorge. Sie war in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden, weil sie sich mit Depressionen, Selbst­mordgedanken und Zwangsvorstellungen abquäl­te, und der Hausarzt sich keinen Rat mehr wußte. Die Behandlung hatte keinen Erfolg. Die beich­tende Frau eröffnete mir, daß sie Spiritismus getrieben hatte. Dem Psychiater hatte sie das auch erzählt. Dieser erklärte aber: „Das hat mit Ihrem Zustand nichts zu tun.“ – Was mich an der Diagnose des Psychiaters stört und befremdet, ist die Tatsache, daß dieser Psychiater als gläubiger Christ gilt.

Natürlich können Zwangsneurosen und seelische Belastungen viele Ursachen haben. Wer alles auf diesem Gebiet in den okkulten Bereich schieben will, begeht einen verhängnisvollen und gefährlichen Kurzschluß. Wenn aber eine biblisch ausgerichtete Seelsorge da Befreiung bringt, wo der Psychiater oder Psychotherapeut am Ende ist, so ist damit ein Ausrufezeichen gesetzt. Die Entscheidung des er­wähnten christlichen Psychiaters war eine Fehlent­scheidung. Ich habe ihm das auch geschrieben. Nun soll aber zur Frage der Weichenstellung ein Beispiel gebracht werden, das nach allen Seiten hin hieb- und stichfest ist.

B 2 1953 hat Professor Dr. Bender, der auf dem Gebiet der Parapsychologie eine Weltautorität darstellt, mich eingeladen, in Freiburg einen Vor­trag über das Phänomen der Besessenheit zu hal­ten. Ich dachte, ich würde Studenten als Zuhörer haben und war überrascht, ein erlauchtes Publi­kum anzutreffen.

Anwesend waren: ein Professor der Psychiatrie der Universität Freiburg, Prof. Neuhäusler von der Universität München, zwei katholische Theo­logen, Jesuiten, Fachleute in paranormalen Pro­blemen, einige Psychologen, Prof. Bender und andere Akademiker.

Nach meinem Vortrag informierte uns der Psy­chiater über eine Patientin mit Namen Maria. Es ist nicht der richtige Name. Die Frau ist übrigens jetzt schon gestorben.

Maria war von dem Bischof von Trier mit der Diagnose „Besessenheit“ in die Universitätskli­nik überwiesen worden. Der Psychiater war darüber in Harnisch geraten. Er äußerte in un­serer Gegenwart: „Wie kann ein Bischof, der doch ein intelligenter Mensch ist, von Besessen­heit reden?“

Nach diesem Gefühlsausbruch erläuterte er die Symptome der Patientin.

Maria verlor häufig das Bewußtsein. Dann rede­ten Männerstimmen aus ihr, die sich als sieb Teufel vorstellten. Der Professor und die Assistenzärzte ließen sich mit diesen Stimmen in ein° Gespräch ein und fragten nach ihren Namen.“ Unter den sieben Namen waren Kain, Nero, Dschingis Khan und andere. Einer der Jesuiten, ein sprachgewandter Mann, redete Maria in ver­schiedenen Fremdsprachen an. Darunter waren außer Französisch und Englisch auch Lateinisch, Griechisch und Hebräisch. Maria hat in der Tran­ce die Fragen richtig verstanden und gab sinnge­mäß Antwort.

Die Kranke wurde oft von unsichtbaren Mäch­ten geschlagen. Es zeigten sich dabei Schlagspu­ren. Einmal nahm eine Schwester sie in den Arm, um sie zu beschützen. Da erhielt die Schwester die Schläge.

Mehrmals schrie Maria auf, sie werde von einer großen Schlange erdrückt. Die Schlange war un­sichtbar. Es zeigten sich aber die Windungen, die Preßstellen um den Oberkörper. Die Assistenz­ärzte nahmen ein Foto davon. Die Geplagte schrie einmal auf: „Eine Katze zerkratzt mir das Ge­sicht.“ Es wurden dann Kratzspuren im Gesicht deutlich, die wieder mit der Kamera festgehalten wurden. Gelegentlich kam eine Friseuse in die Abteilung, um den Kranken die Haare zu machen. Beim ersten Besuch erhielt diese Friseuse Schläge aus der Unsichtbarkeit. Die Getroffene schrie auf „Das ist eine Hexe, das ist eine Hexe, die bediene ich nicht.“

Während des Krieges gab Maria manchmal Pro­phezeiungen, die sich erfüllten. So erklärte sie `zigmal: „Am kommenden Dienstag wird ein Mann eingeliefert, der folgende Krankheitssymptome hat.“ Sie gab dann den Sachverhalt an, der sich erfüllte. Einmal sagte sie: „Die Kirche in Trier wird ausgebombt werden. Das Kruzifix auf dem Altar wird aber stehen bleiben.“ Diese Aussage geschah zu einer Zeit, da die alliierten Bombenan­griffe auf Deutschland noch nicht. im Gange wa­ren. Gegen Kriegsende sagte sie eines Tages mit entsetztem Gesicht: „Mein Bruder hat einen Kopfschuß bekommen und ist tot.“ Es dauerte Wochen oder Monate, bis diese Nachricht exakt die Wahrheit der Aussage bestätigte.

Ein anderes Kapitel waren die wiederholten Selbstmordversuche. Sie mußte mehrmals daran gehindert werden. Sie brachte sich mit einer Ra­sierklinge 2 cm tiefe Wunden bei, die aber nicht bluteten und in wenigen Stunden wieder zuheilten.

Nach diesem Bericht, der nur teilweise wiederge­geben ist, fragte der Psychiater: „Meine Herren, was sagen Sie dazu?“ Die Psychologen und Parapsycho­logen schwiegen. Dann gab er folgende Erklärung ab: „Eine Besessenheit gibt es nicht. Für mich ist das ein Fall von Hysterie, dem ich in dieser Form noch nicht begegnet bin.“ Dann wandte sich der Psychia­ter an die Jesuiten: „Was ist Ihre Meinung?“ Beide antworteten: „Das ist Besessenheit.“ Zuletzt wurde ich gefragt. Bevor ich mein Urteil abgab, wollte ich wissen, ob in der Krankengeschichte von Maria ersichtlich sei, daß sie Spiritismus oder Magie getrie­ben habe. Der Psychiater erwiderte: „Beides hat sie geübt. Aber das hat mit dem Krankheitsbild nichts zu tun.“ Ich schloß mich der Meinung der katholi­schen Theologen an und nannte dieses Krankheits­bild ebenfalls Besessenheit. Der Psychiater zeigte wieder eine gewisse Erregung.

Er gab dann einige Erklärungen ab und äußerte: „Die sieben Teufelsstimmen könnten als Verselb­ständigung einzelner Teile des Unbewußten gelten. In der Psychiatrie ist das z. B. durch den Fall Staudemeier bekannt geworden. Die Schlag- und Kratzspuren, ferner die Schlangenwindungen seien psychogen bedingte Dermographismen (seelisch bedingte Hautveränderungen). Die sogenannten Hell­sehphänomene seien der Wahrscheinlichkeit des Kriegsgeschehens nach Zufallstreffer. Das rasche Heilen der tiefen Wunden könne wieder psychogen verursachte Abwehrmechanismen des Körpers dar­stellen. Auf jeden Fall ist es keine Besessenheit.“

Mit diesem Urteil wurde dokumentiert, daß Fach­wissenschaftler zu den hintergründigen Ursachen eines solchen Falles keinen Zugang haben.

Dieser Bericht ist ein Paradebeispiel. Psychiater, Psychologen und Theologen haben teilweise aussa­gekräftige Beispiele, die sie gern ins Feld führen. Glanzbeispiele haben den Vorteil, daß sie gewisse Erlebnisse in scharfen Konturen zeigen. Sie haben aber auch den Nachteil, daß sie weniger erkennbare Vorgänge abschwächen oder verwischen.

Bevor wir an die Ausbeute des gegebenen Berichts gehen, wird kurz der technische Aufbau dieses Bu­ches erläutert. Die Beispiele sind mit B 1, B 2, die herausgearbeiteten Symptome mit S 1, S 2 fortlau­fend bezeichnet.

Von der Weichenstellung wird in diesem ersten Kapitel gesprochen. Um welche Weichen geht es? In 1. Kor. 2,14f. sagt der Apostel Paulus: „Der natürli­che Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes. Der geistliche Mensch beurteilt alles.“

Der psychikos anthropos und der pneumatikos anthropos wird hier vorgestellt. Prof. Rohrbach spricht gern von dem Menschen, der im Sichtbaren hängen bleibt und dem geistlichen Menschen, der Zugang zum Unsichtbaren hat.

In seinem Buch Mit dem Unsichtbaren leben sagt er auf S. 37: „Alle Menschen haben von Natur aus nur die Erkenntnisfähigkeit für das Sichtbare.“ Auf S.94 fügt er hinzu: „Die Psychologie kann als Wissenschaft nur das Sichtbare erforschen, aber nicht zum Unsichtbaren vordringen.“

Prof. Dr. Dieterich, der das hilfreiche Buch Psy­chologie contra Seelsorge? geschrieben hat, ge­braucht eine andere Formulierung. Auf Seite 23 unterscheidet er zwischen der psychologischen Au­ßenschau und der theologischen Innenschau. Er bestätigt den Apostel Paulus, wenn er schreibt (S.25): „Die biblischen Erkenntnisse können empi­risch wissenschaftlich nicht bewiesen werden.“

S 1 Als erstes Symptom halten wir fest. Es gibt ein doppeltes Erkenntnisprinzip: der menschliche Intel­lekt als Ausgangsbasis für jegliche Wissenschaft und das pneuma hagion, der Heilige Geist, der aus der Unsichtbarkeit sich uns mitteilen kann. Wir sind also Wanderer zwischen zwei Welten, wie Walter Flex sagte, zwischen zwei Bereichen, die nicht nebenein­ander oder übereinander zugeordnet sind, sondern ineinander sich durchdringen.

Ich möchte nun die Frage stellen: „Wo gehören wir hin?“

B 3 Vor vielen Jahren hatte ich einmal Besuch von Alt-Landesbischof Prof. Dr. Heidland. Er erzählte mir eine aufschlußreiche Episode. Er hatte einem Psychiater, der ihm als evangelischer Christ bekannt war, mein Buch Seelsorge und Okkultismus gegeben. Nach einiger Zeit fragte er den Psychiater nach der Beurteilung meines Bu­ches. Der Gefragte antwortete: „Koch soll das uns Fachleuten überlassen und sich nicht in unsere Arbeit einmischen.“

Ist ein ungläubiger Psychiater Fachmann für Men­schen, die durch Zaubereisünden in große Not und Bedrängnis geraten sind? Dieser Gesprächspartner des Bischofs war doch aber ein evangelischer Christ. Wissen wir denn nicht, daß Namenchristentum dem Heidentum gleichkommt? Wir kennen doch Offb. 3,1: „Du hast den Namen, daß du lebest und bist tot.“

War etwa der Freiburger Professor für Psychiatrie und überzeugter Katholik der Fachmann für Maria, die vom Teufel übel geplagt worden war?

B 4 Ein anderes Erlebnis auf der gleichen Linie hatte ich im Ausland. Ein evangelischer Pfarrer, der unter Depressionen litt, wurde von seinem Hausarzt an einen Psychiater überwiesen. In ei­nem analytischen Gespräch wollte der Pfarrer dem Psychiater ganz offen seine Sünden bekennen. Da stoppte ihn dieser „Fachmann“ und erklärte: „Es gibt keine Sünde. Das ist ein Dressat Ihrer religiö­sen Erziehung.“ Dieser Pfarrer war entsetzt und wandte sich dann an mich.

In dem erwähnten Buch von Prof. Dr. Dieterich machte ich eine erstaunliche Entdeckung. Auf Seite 21 schreibt er: „Noch vor wenigen Jahren waren die Verhältnisse klarer. Man sprach von der Wiederge­burt und konnte sich dabei auf die Bibel berufen, die dies in Johannes 3,3 beschrieben hat. Diesen wieder­geborenen Menschen meine ich, wenn in diesem Buch von Christen die Rede ist.“

Wenn die Theologen nicht mehr von Wiederge­burt predigen, dann müssen wir es uns von dem Psychologen Dieterich und dem Mathematiker Rohrbach sagen lassen.

Bei dem Freiburger Bericht taucht eine andere Frage auf, ob wir berechtigt sind, seelsorgerliche Erlebnisse zu veröffentlichen. Manche erklären, das sei Verletzung des Beichtgeheimnisses.

Prof. Rohrbach schreibt in seinem erwähnten Buch Seite 115: „Ich gebe keine Beispiele aus der Seelsorge, weil das Gebeichtete ein für alle Mal im großen Meer der Liebe Gottes versenkt ist.“

Wenn die Verfasser der biblischen Bücher auch so gedacht und gehandelt hätten, wären die Evangelien und die Apostelgeschichte um vieles ärmer. Nehmen wir zwei Beispiele. Aus der Maria Magdalena hat Jesus sieben Teufel ausgetrieben. Bei diesem Beispiel ist der Name genannt und der Ort Magdala, den es heute noch gibt. Ich besuchte diesen Platz am Nord­westufer des Sees Genezareth. Auch das seelsorgerli­che Problem ist nicht verschwiegen. Die gleiche Frau wurde übrigens so von Gott geehrt, daß sie als erste von der Auferstehung Jesu erfuhr.

Ein anderes Beispiel ist die Geschichte von Za­chäus. Lukas, Arzt und Evangelist, schildert in Luk. 19 die Begegnung Jesu mit dem Obersten der Zöll­ner, Zachäus. Auch in diesem Beispiel wird genauso berichtet wie bei Maria Magdalena. Der Name ist genannt, Zachäus. Der Ort Jericho wird erwähnt. Und die Schuld dieses Zöllners wird schonungslos offenbar gemacht. Zachäus trat vor Jesus hin und sagte: Ich war bisher ein Betrüger. Nun aber beginnt ein neues Leben. Ich gebe die Hälfte meiner Güter den Armen, und wo ich betrogen habe, erstatte ich es vierfältig.

Diese Geschichte hat bei Tausenden von Men­schen in fast 2000 Jahren große Auswirkungen her­vorgebracht. Manche haben bei ihrer Bekehrung die Zachäusgeschichte buchstäblich nachgemacht und Gestohlenes vierfach ersetzt. Ich kenne einen Mann, der eine Behörde um DM 60.- geschädigt hat. Nach seiner Buße hat er der Behörde DM 240.- erstattet. Aus den Erweckungsgebieten kenne ich viele Bei­spiele, wie Menschen nach ihrer Umkehr Schadener­satz geleistet haben. Zachäus hat viele Brüder und Schwestern. gefunden. Es wäre schade, wenn dieser Bericht in dem Evangelium fehlen würde.

Den Anklägern, die Seelsorger würden das Beicht­geheimnis verletzen, begegne ich mit dem Hinweis, daß ich die beichtenden Menschen frage, ob ich ohne Nennung des Namens und Ortes ihr Erlebnis veröf­fentlichen darf. Ganz selten wird das abgelehnt. Dann kommt das Beispiel nicht in meine Kartei.

Es gibt noch andere positive Gesichtspunkte. Wie oft schrieb man mir: „In diesem Beispiel habe ich mein eigenes Erleben erkannt. So erging es mir auch.“ Der noch wichtigere Punkt ist, даß junge Seelsorger ja aus den Beispielen lernen sollen. Es gibt ja so viele unvernünftige und unerfahrene Seelsorger. Ein Bruder schrieb mir: „Schreiben Sie weiter solche Bücher. Man muß ja nach erfahrenen Seelsorgern wie nach einer Nadel im Heuhaufen suchen.“

In der Zeit, als ich dieses Manuskript nieder­schrieb, erzählte mir ein junger Christ, daß er bei einem Seelsorger seine Sünden beichtete. Der seltsa­me Ratgeber zeigte ihm nicht den Weg zu Jesus, sondern bot ihm ein Glas Wein an.

Bei den Medizinern gibt es die gleichen Probleme. Prof. Viktor v. Weizsäcker, ein Psychiater von Rang, ist mir schon 1934 begegnet. Später hörte ich ihn wieder als junger Pfarrer im Haus der Kirche in Herrenalb. In seinem Buch Studien zur Pathogene­se schreibt er folgendes: „Hier folgen einige Krankengeschichten. Gewisse Bedenken waren ab­zuwägen, ob die persönlichen Teile mancher dieser Krankengeschichten publiziert werden dürfen, und ich gehe darauf näher ein, weil es sich um eine in der Öffentlichkeit nicht offen genug behandelte Frage handelt. Ein Mißbrauch ist bei jeder medizinischen Kasuistik möglich. Aber die Schuld daran würde, wie ich glaube, immer bei dem zu suchen sein, welcher den Mißbrauch treibt, das heißt aber, wel­cher die mitgeteilten Tatsachen zum Schaden anderer Personen benutzt. In diesem Sinne wäre derjenige Leser moralisch und wie ich glaube auch in juristi­schem Sinne zu verurteilen, welcher, nachdem er die hier erwähnte Person identifiziert zu, haben meint, deren Namen nennt und ihrem Träger eventuell damit Schaden zufügt. Sollte aber einem der Kranken selbst dies Buch in die Hände fallen, so läge es an ihm, Stillschweigen zu bewahren. Ich bestreite, daß die Mitteilung psychischer Tat­ bestände indiskreter ist als die der körperlichen, welche die medizinische Literatur nicht scheut. Die psychiatrische Literatur ist übrigens in dieser Hin­sicht, soviel ich weiß, unangefochten.“

B 5 Leider ist auf diesem Gebiet ein Mißbrauch bekannt geworden. Ein Wissenschaftler, in sei­nem Fach eine erste Kapazität, gab in einer Arbeit den Namen eines ehemaligen Patienten bekannt und zugleich die Art seiner Erkrankung. Der Betroffene bekam diesen Bericht in die Hände und erstattete Anzeige. Ein Gericht in Heidelberg hatte sich damit zu befassen. Der Professor mußte zur Verhandlung erscheinen. Es kam ein Vergleich zustande. Der ehemalige Patient erhielt eine Entschädigung, gleichsam ein Schmerzensgeld in Hö­he von DM 4000.-. Schlimmer als die Geldforde­rung war, daß die Tageszeitung darüber berich­tete.

Die charakteristischen Besessenheitsmerkmale im Freiburger Beispiel

Es wird der Versuch unternommen, eine kurze Darstellung zu geben, sonst entsteht bei meinen vielen vorliegenden Beispielen ein Schmöker von tausend Seiten oder mehr.

S 2 Eines der bekanntesten Symptome der Beses­senen ist das Reden mit anderen Stimmen. Wir finden das auch bei dem besessenen Gadarener (Mk. 8; Lk. 8), der auf die Frage Jesu antwortete: „Wir heißen Legion, denn unser sind viele.“ Der Hinweis der Psychiater, es handle sich um Dissoziationen des Unbewußten, kann eindeutig entkräftet werden, weil diese Stimmen oft Fremdsprachen benützen, die der Besessene nicht gelernt hat. Im Rituale Ro­manum wird diese Tatsache auch erwähnt.

S 3 Bei Maria trat auch das Phänomen der Hell­sichtigkeit auf. Auf 3000 km Entfernung erlebte sie den Kopfschuß ihres Bruders mit. Manchmal ist diese Fähigkeit den Seelsorgern peinlich, weil die hellsichtigen Besessenen manchmal begangene Sün­den anwesender Personen aufdecken.

S 4 Besessene werden oft aus der Unsichtbarkeit heraus körperlich angegriffen. So war es bei. Maria. Der Psychiater nannte es psychische Ansteckung.

S 5 Gelegentlich kommen Übertragungen vor. Die Pflegeschwester und die Friseuse bekamen Schläge, als sie Maria betreuten. Übertragungen sind auch in der psychiatrischen Wissenschaft be­kannt als induziertes Irresein. Die Charakteristik der okkulten und psychiatrisch bekannten Übertra­gung ist völlig verschieden. Es kann hier nicht alles dargestellt werden, was ich schon in anderen Bü­chern berichtet habe, z. B. im Okkulten ABC, Besessenheit und Okkultismus  und in Heilung und Befreiung.

B 6 In vielen Fällen konnte ich auch das rasche und unblutige Abheilen von selbst beigebrachten Wun­den feststellen, wie es auch bei Maria war. Ich beobachtete und fotografierte in Ostasien solche Vorgänge. Vor meinen Augen stieß sich ein solcher Trancekünstler einen Dolch zwischen Elle und Spei­che durch den Arm. Als er den Dolch herauszog, blutete die Wunde nicht end war in kurzer Zeit geschlossen. es war in diesem Fall keine Massensug­gestion, die es in Ostasien auch gibt. Ich kenne einen weiteren echten Fall, der von einem Professor der Medizin nachgeprüft worden ist. Er nahm einen solchen Messerhelden unter den Röntgenschirm, um zu sehen, ob die Klinge wirklich durch den Körper gegangen war. Er konnte hinterher diesen Sachver­halt bestätigen.

S 7 Die Symptome der Belastung der Maria zei­gen eindeutig, daß die Besessenheit kein medizini­sches, sondern ein biblisches Problem darstellt. Lei­der lassen sich viele Theologen in das Schlepptau der Psychiater nehmen. Dazu ein Beispiel.

B 6 Vor Jahren hatte ich mehrmals Vorträge in der Stadthalle von Straßburg, der „Aubette“. Es waren auch immer Pfarrer anwesend. Einer von ihnen suchte mich hinterher auf und machte mir heftige Vorwürfe, weil ich noch so mittelalterlich eingestellt sei und an Besessenheit glaube. – Ne­benbei gesagt, ich glaube an den Herrn Jesus, meinen Erlöser und Heiland, nicht an die Beses­senheit. – Diese schwerste Belastung aus der bibli­schen Zeit ist heute noch genauso aktuell, wenn auch moderne Theologen und leider auch Ortho­doxe teilweise diesen Sachverhalt ablehnen.

Nach den schweren Angriffen dieses elsässi­schen Pfarrers betete ich lange Zeit für ihn. Zwei Jahre später kam ich erneut in die „Aubette“. Der ehemalige Angreifer kam wieder, aber mit einem völlig anderen Gesichtsausdruck und einer ande­ren Haltung. Er entschuldigte sich für sein rüpel­haftes Benehmen beim ersten Besuch. Ich bat ihn dann um eine Erklärung.

Er berichtete, daß er in seiner Gemeinde zu einer Familie gerufen wurde, wo die Tochter sich toll gebärdete. Dasein Urteil auf Geisteskrankheit lautete, rief er einen Psychiater an. Dieser Arzt ist ein gläubiger Christ, der mich zuvor in einen Ärztekonvent zu Vorträgen eingeladen hatte. Der Psychiater gab dieser Tochter eine Injektion Mor­phium. Sie mußte dabei von den Angehörigen gehalten werden, weil sie nicht mit dem Toben aufhöre. Als die Geplagte in einer halben Stunde nicht zur Ruhe kam, erhielt sie eine zweite Injek­tion. Nach einer Stunde zeigte sich immer noch kein Erfolg. Insgesamt erhielt die Tobende und Schreiende in 2 % Stunden 4 Injektionen. Dann sagte der Psychiater zu dem Pfarrer: „Herr Pfar­rer, das ist keine Geisteskrankheit, sondern eine Besessenheit. Bei diesen starken Injektionen wäre ein Gaul eingegangen.“

Das war eine heilsame Lektion für den Theolo­gen. Ein gläubiger Psychiater mußte diesen Pfar­rer von seiner falschen Theologie überzeugen.

Auf diesem Sektor der Unwirksamkeit von Betäu­bungsmitteln liegen mir viele Berichte aus aller Welt vor. Noch ein kurzes Beispiel dazu.

B 7 In Brasilien kam eine Macumba-Mutter zu mir in die Seelsorge. Sie hatte schon vorher unter furchtbaren Kämpfen Jesus als ihren Herrn ange­nommen. Sie berichtete vieles. Nur ein Punkt sei herausgegriffen. Bei den Macumba-Sitzungen wird hochprozentiger Schnaps in großen Mengen getrunken, ohne daß die Kaltmitglieder davon betrunken werden. Im Süden von Brasilien hörte ich von einer Umbanda-Leiterin den gleichen Sachverhalt. Wenn die Kuhmitglieder in der Halbtrance in eine Tanzraserei geraten und die ganze Nacht ohne Ermüdung tanzen, dann kann ein derartig Besessener 4 Liter Schnaps trinken, ohne betrunken zu werden. Jeder andere Mensch würde einer solchen Alkoholvergiftung erliegen.

S 8 Ein achtes Symptom, das in dem Freiburger Erlebnis in Erscheinung trat, ist die Ausweich-Dia­gnose. Der Professor der Psychiatrie nannte Maria eine Hysterikerin. Den Kern der Belastung hatte er damit nicht erkannt.

Der von der Hysterie Befallene hat eine Neigung zum Theaterspielen. Er spielt gern eine Rolle, und zwar eine solche, die ihn interessant machen soll: Kais, Nero, Napoleon und andere. Der Hysteriker will stets im Mittelpunkt stehen, will beachtet sein, oder will etwas erreichen. Ein kleines Beispiel, das ich in einem christlichen Heim beobachtete.

B 8 In dem Heim wohnte ein unverheirateter junger Arzt. Ein junges Mädchen kreuzte auf, die es auf den Arzt abgesehen hatte. Sie täuschte Ohnmachtsanfälle vor, fiel aber immer so ge­schickt, daß der Arzt die Stürzende auffangen mußte. Prof. Freud würde in einem solchen Fall kausal denken und es als Triebkonflikt und Aus­druck einer unbefriedigten Sexualität ansehen. Prof. Adler würde final denken: was will das Mädchen erreichen?

Die Hysterie ist nicht das einzige Abstellgleis der medizinischen und psychologischen Wissenschaft­ler. Andere Ausweichdiagnosen sind Epilepsie, Psy­chosen aus dem schizophrenen Formenkreis und die Athetose Doute (wurmartige Verkrümmungen und Bewegungen des Körpers). Vergessen wir es nicht. Der menschliche Intellekt kann bis an die Grenze zwischen dem Unsichtbaren und Sichtbaren vorsto­ßen und doch keinen Zugang zum Unsichtbaren finden. Die Tür muß von der anderen Seite aufge­macht werden.

B 9 Zusammenfassend kann nur verkürzt wieder­holt werden, was schon vielfältig ausgeführt worden ist. Die Wissenschaft hat als Erkenntnisprinzip die menschliche Vernunft.

Die Seelsorge an okkult Belasteten hat als Erkenntnisprinżip den Heiligen Geist, über den wir aber nicht verfügen können, um den wir aber bitten dürfen.­

Ein ungläubiger Psychiater oder Namenchrist ist nicht Fachmann für die biblische Seelsorge. Er kann es aber werden, wenn er ein durch den Heiligen Geist wiedergeborener Christ wird.

Diese Abgrenzungen gelten auch für den Theolo­gen. Ein Theologe ohne den Heiligen Geist hat nicht die Ausrüstung für die biblische Seelsorge. Die for­male Ausbildung in der Theologie schließt noch lange nicht die Befähigung für eine so schwere Seel­sorge ein.

 

Der mediale Faktor

Das Wort medial kommt aus dem lateinischen medius media medium – mittlerer, dazwischenliegend, vermittelnd. Medialität ist die Eigenschaft eines Menschen, der solche vermittelnde Fähigkeiten zwischen Unbekanntem und Bekanntem besitzt. Man kann auch extrem sagen, eine solche Person ist ein Medium zwischen dem Unsichtbaren und dem Sichtbaren. Diese Aussage kann falsche Vorstellun­gen erwecken, darum muß einschränkend ergänzt werden, daß die Medialität völlig ungeeignet ist, zwischen der Welt Gottes und uns Menschen zu vermitteln. Es gibt nur einen Mittler zwischen Gott und uns Menschen, Jesus Christus, der seine Ehre und Stellung niemand anderem abtritt.

Medialität hat den Brandgeruch der Zauberei an sich. Das zeigt sich in der Art der Entstehung:

a. Durch Vererbung von Vorfahren, die Zaube­rei getrieben haben.

b. Durch Übertragung durch einen hochmedia­len okkulten Praktiker.

c. Durch Lesen von okkulten Büchern und okkultes Experimentieren.

Dieser okkulte Brandgeruch zeigt sich vor allem in der Tatsache, daß Medialität in allen Formen des Spiritismus und der Magie beteiligt ist. Zu Tricks und Betrug braucht man natürlich keine mediale Ausrü­stung.

Solche medial unterbauten und bewerkstelligten Formen sind: die Trancefähigkeit, spiritistische Vi­sionen (zu unterscheiden von den psychiatrisch dia­gnostizierten Halluzinationen und Auditionen), das Tischrücken, das Glasrücken, das Trancereden, das automatische Schreiben, die Exkursion der Seele, das Astralwandern, Materialisationen, Transfiguratio­nen, Translokationen, Apporte, Deporte, Levitatio­nen, Telekinese, Teleplasma, spiritistische Angriffs- ­und Abwehrmagie, die Mentalsuggestion, spiritisti­sche Heilungen, spiritistische Operationen und vie­les mehr. Schon dieser unvollständige Katalog zeigt, welcher Satansflut wir heute ausgesetzt sind. Alle diese Formen sind im Okkulten ABC mit Beispielen dargestellt.

Mediale Begabung ist auch zur Pendelreaktion und Rutenfühligkeit erforderlich.

Die vererbte mediale Veranlagung ist häufig unbe­wußt und wird eines Tages entdeckt. In der Seelsorge erfuhr ich von einem Kaufmann, der erst mit 59 Jahren seine medialen Kräfte des Hellsehens und der magischen Heilungskraft entdeckte.

Man hat mich oft gefragt, ob schon der Besitz der ererbten medialen Fähigkeit Sünde ist. Meine Antwort war stets: „Nein, es ist aber eine Belastung, von der man sich im Namen Jesu lossagen soll. Wer aber seine ererbten medialen Fähigkeiten einsetzt und praktiziert, dem wird es zur Schuld.“

Der mediale Faktor zeigt sich häufig in der Verstärkung der charakterlichen und intellektuellen Eigenschaften. Solche Leute haben einen großen Ein­fluß auf ihre Mitmenschen. Sie können überzeugen und andere beherrschen. Ein Beispiel aus dem Leben von Moody.

B 9 Dieser geistesmächtige amerikanische Evan­gelist hatte ursprünglich in seiner Begleitung einen Sänger, der einen großen Einfluß auf die Zuhörer gewann. Es war nicht seine Ausstrahlung als Sän­ger, sondern eine andere Kraft, die dem Sänger allmählich bewußt wurde. Er bat Gott um Befrei­ung dieser ihm unheimlich gewordenen Fähigkeit und wurde bei dieser Bitte erhört.

Auf dem Gebiet der Medialität gibt es eine große Unkenntnis und Verwirrung. Die Probleme können nur kurz angedeutet werden. Ausführlich sind diese Fragen in den schon erwähnten Büchern behandelt:

Seelsorge und Okkultismus
Okkultes ABC
Besessenheit und Exorzismus
Heilung und Befreiung
Christus oder Satan

Manche halten die medialen Kräfte für Gaben des Heiligen Geistes. Ein elsässischer Pfarrer schrieb mir das. Er ist aber ein Mann, der seine Gemeinde mit seinen okkulten Fähigkeiten geistlich ruinierte. Ein Beispiel von ihm.

B 10 Vor den Konfirmationen ließ sich der Pfarrer von jedem Konfirmanden ein Foto geben. Dann pendelte er darüber, welches Mädchen noch unberührt sei und welcher Junge noch nicht in der Onanie steckte. Auf die gleiche Weise stellte er auch die Krankheiten fest.

Andere sehen die medialen Kräfte als Naturga­ben an, für natürliche Auswirkungen des Schöp­fers.

B 11 Vor vielen Jahren war ich teilnehmender Beobachter einer Konferenz von 60 Rutengängern und Pendlern an der Evang. Akademie von Tut­zing. Prof. Bender und ein Theologe waren auch dabei. Ein Pendler aus Bern erklärte dem Publi­kum, er könne von Bern aus auf einer Landkarte von Japan mit Hilfe des Pendels in dem fernöstli­chen Land Bodenschätze suchen. Er könne sich auf die Strahlungen, die von dort ausgehen, ein­schwingen.

Man überlege sich, was das heißt. Die Landkarte ist in der Schweiz gedruckt mit Farben und Drucker­schwärze, die ebenfalls in der Schweiz hergestellt sind. Und diese Karte soll Auskunft geben, wo in Japan Bodenschätze zu finden sind. Natürlich geht es nicht darum, daß diese Informationen der Karte selbst entnommen werden. Es geht hier um einen Vorgang der psychometrischen Hellseherei. Die Karte ist nur die paranormale Kontaktbrücke (temo­in) für die Erkenntnisse dieses Pendlers.

Der theologische Leiter des Seminars erklärte die­sen Vorgang und viele andere als eine natürliche Gabe. Die Pendler gaben ihm frenetischen Beifall.

Die dritte Gruppe, zu der Emil Kremer und viele Evangelisten diesseits und jenseits des Ozeans gehö­ren, sind der Meinung, daß Medialität Randerschei­nungen der Zauberei sind, wie schon gesagt worden ist. Meine Überzeugung, die durch mehr als zwan­zigtausend Beispiele gestützt wird, ist das auch.

Am meisten Ärger gibt es auf dem Gebiet der Rutengängerei. Der Grund dafür ist, daß einige Pfarrer, Missionare, Prediger und Evangelisten auch den Rutenausschlag haben. Mir sind viele solche Brüder bekannt, darf natürlich keinen Namen nen­nen. Ich weiß aber, daß einige Missionsleitungen junge Missionare und Prediger aus dem Arbeitsver­hältnis entließen, weil bekannt wurde, daß sie Ruten­gänger und Pendler waren.

Man kommt häufig mit dem Argument, daß in Dürre- und Wüstengebieten Männer, die mit der Rute Wasser finden, sehr begehrt sind. Mir ist ein Fall aus Sumatra und aus Südwestafrika (Namibia) bekannt. Wasser ist ja in trockenen Gebieten lebens­notwendig.

Weil entschieden gläubige Christen und Verkün­diger des Evangeliums hier unklare und unbiblische Meinungen haben, muß ich hier mit eindeutigen Argumenten einhaken.

B 12 Ein Prediger bekam Besuch von einem Rutengänger, der ihn von seiner Kunst überzeugen wollte. Er suchte Wasser im Garten des Predigers und fand auch welches. Dann gab er dem Prediger die Rute in die Hand und sagte: „Sie können das auch.“ Der gläubige Bruder nahm die Rute, die aber nicht ausschlug. Dann stellte sich der Ruten­gänger hinter den Prediger und hielt ihm beide Unterarme.  Dieses Mal schlug die Rute aus. In den folgenden Tagen war der Prediger in seinem Ge­betsleben gehemmt und beim Bibellesen verwirrt. Depressionen stellten sich ein. Er tat dann zusam­men mit seiner Frau Buße und bat den Herrn um Vergebung und um Befreiung von dieser Gabe. Sie wurden erhört. Die Rute schlug nicht mehr aus. Der Frieden im Herzen war zurückgekehrt.

Bei diesem Beispiel wird darauf hingewiesen, daß sich hier um eine übertragene Fähigkeit handelte. Der übertragende Rutengänger darf nur ein praktizierender Okkultist gewesen sein, dann sind die geistlichen Anfechtungen des Predigers verstärkt aufgetreten.

B 13 Nun ein Beispiel eines Freundes, der jetzt 90 Jahre alt ist. Ein elsässischer Arzt, den ich als Christ gut kannte, baute sich ein Wochenendhaus. Als es fertig gestellt war, fehlte nur das Wasser. Eine Wasserleitung gab es in diesem entfernt liegenden Waldstück nicht. Da rief er einen Ru­tengänger, der ihm eine Quelle zeigen sollte. Zur gleichen Stunde fühlte sich mein Berichterstatter innerlich gedrungen, den befreundeten Arzt in seinem Wochenendhaus aufzusuchen. Während der Besucher sich das Häuschen ansah, tauchte der Rutengänger auf, der sofort mit der Rute das Grundstück abschritt und einige Stellen fand, wo die Rute stark nach unten zog. Der gläubige Bruder sah das durchs Fenster. Er kniete sofort nieder und betete, daß Gott diesen Vorgang stop­pen möge. Der Beter hörte plötzlich lautes Flu­chen. Der Rutengänger schimpfte: „Nun habe ich gerade hier Wasser geortet, und nun schlägt die Rute an der gleichen Stelle nicht mehr aus.“ Das Gebet war erhört worden.

Dieser Vorfall wurde mir von beiden berichtet, denn ich kenne den treuen Beter seit 36 Jahren und den Arzt seit etwa 25 Jahren. Meine Frage an die gläubigen Brüder, die das Rutengehen verteidigen: „Wenn es sich um eine Gabe des Schöpfergottes handeln würde, läßt sie sich dann durch Gebet stoppen?“

B 14 Eine solche Erfahrung habe ich selbst gemacht. Bei einer Evangelisation in einer süd­deutschen Großstadt erkrankte ich. Ich fragte die Veranstalter nach einem christlichen Arzt, den ich F dann aufsuchte. Als ich im Sprechzimmer ein C Pendel hängen sah, fragte ich den Arzt: „Pendeln Sie?“ Er bejahte. Daraufhin erklärte ich: „Für mich kommen Sie dann als Arzt nicht in Frage.“ Er war überrascht und fragte: „Warum eigentlich? Das ist ein zusätzliches diagnostisches Hilfsmit­tel.“ Ich spürte dem Arzt ab, daß er ein aufrichti­ger Mann war. Ich betete innerlich, was ich sagen sollte und bekam die innere Freiheit, dem Arzt zu sagen: „Gut, Sie dürfen mit mir pendeln.“ Meiner Kritiker wegen muß ich hinzufügen, daß es das einzige Mal war, daß ich in meinem Leben eine solche Freiheit hatte. Der Ausgang dieser Begegnung zeigt, dаß ich im Auftrag Gottes gehandelt habe.

Der Arzt pendelte. Das Pendel blieb stehen und rührte sich nicht. Der Arzt schaute mich verwun­dert an und sagte: „Sie stehen hier neben der Soluxlampe. Vielleicht stören die Drahtwindun­gen.“ Er bat mich in die Ecke des Sprechzimmers und probiere wieder ohne Erfolg. Er stellte mich unter die Türe. Auch da rührte sich das Pendel nicht.

Dann fragte er: „Was sind Sie für ein Mensch?“ Ich erwiderte: „Ich will Ihnen offen bekennen, ich habe um ein Gottesurteil gebetet, damit ihnen die Augen aufgehen.“ Einen Moment schwieg der Arzt, dann sagte er: „Wenn das Pendel sich durch Gebet stoppen läßt, dann ist das keine natürliche Gabe. Ich lege von heute an das Pendel weg.“ Und er hat das gehalten, wie ich Jahre danach erfuhr.

B 15 Eines meiner beweiskräftigsten Beispiele erlebte ich in den USA. Ein Missionar McElheran lud mich ein, in North Platte Nebraska ein Seminar für Pfarrer zu halten. Bei diesem Dienst gab seine Frau ihr Zeugnis und berichtete folgendes: Sie war mit ihrem Mann in Afrika Missionarin gewesen. Sie war eine fähige Rutengängerin, die auf vielen Missionsstationen erfolgreich Wasser suchte und fand. Darüber wurde sie krank und depressiv.

Natürlich kenne ich das Argument derer, die ein solches Treiben entschuldigen. Sie sagen, diese Frau hat ihr Nervensystem überfordert. Die Mis­sionsleitung nahm dann diese Missionarin vorzei­tig in Heimaturlaub. Dort war sie weiterhin krank. Da brachte ein Freund ihres Mannes dieser Frau mein Buch Between Christ and Satan. Sie las es. Darüber gingen ihr die Augen auf. Sie nahm ihre Rute, ging in den Garten und suchte Wasser. Als die Rute ausschlug, betete sie: „Herr Jesus, wenn diese Gabe nicht von dir ist, dann nimm sie mir weg.“ Von diesem Zeitpunkt an stand die Rute. Sie zerbrach sie und war vom Rutengehen befreit. Natürlich bat sie den Herrn um Verge­bung.

Dieses Beispiel ist kurz zusammengefasst, denn ich habe es schon einmal veröffentlicht.

Was sich mit Gebet stoppen läßt, sind widergöttli­che Gaben.

S 10 Die Wissenschaft sieht in den paranormalen Fähigkeiten Aktionen des Unterbewusstseins. Dieser Erklärung folgen viele Theologen mit dem Hinweis auf Gaben des Schöpfers. Beide Auslegungen werden von den ungeistlichen Auswirkungen widerlegt. Wer mediale Kräfte durch Vererbung erhalten hat, muß sich im Namen Jesu lossagen. Wer diese widergöttli­chen Kräfte gar durch okkulte Manipulationen er­worben hat, muß darüber Buße tun und sich von Christus befreien lassen.

Der Glücksbringer

Ein gläubiger Pfarrer, mit dem ich zusammenar­beite, gab mir verschiedene Erlebnisse seiner Gemeindearbeit. Eines davon soll hier wiedergegeben werden. Ich lasse diesen Pfarrer selber erzählen.

B 16 In meiner Vikarszeit kam ein älterer Mann zu mir und lud mich zum Nachmittagskaffee ein. Ich zögerte und deutete vorsichtig an, daß ich nicht zum geselligen Beisammensein in die Ge­meinde gekommen sei. Der Mann lud mich aber so dringend ein, daß ich merkte, daß da etwas ande­res dahintersteckte. Bei Kaffee und Kuchen er­zählte mir dann der Gastgeber, daß er in seinem Betrieb mit einem jungen Kollegen zusammenar­beite, der von Tag zu Tag bedrückter und gries­grämiger würde. Der junge Mann eröffnete ihm dann eines Tages, daß es in seiner Ehe nicht stimme. Der Gastgeber bot sich an zu vermitteln und begab sich am Sonntag zu dieser jungen Familie. Als er dort eintraf, befanden sich beide in einem furchtbaren Streit. Ergebnislos verließ er diese Wohnung.

In seinen eigenen vier Wänden betete er dann inbrünstig für diese beiden Kampfhähne. In der folgenden Nacht wachte er durch ein furchtbares Poltern und Rumoren auf. Er sah feurige Schlan­gen auf sich zukommen. Im Gebet stellte sich der Geplagte sofort unter den Schutz Jesu. Es kam ihm in den Sinn, daß hier okkulte Dinge vorliegen müßten. Er hat danach zwei Stunden gebetet, bis der Spuk aufhörte. Er meinte dann Glockengeläut zu hören, obwohl das um 2 Uhr morgens nicht der Fall war.

Der christliche Bruder versuchte es dann bei einem zweiten Besuch, mit den Leuten zu reden und zu beten. Wieder gab es einen furchtbaren Krach. Nun wurde er ziemlich energisch und erklärte den Streitenden: „Es muß irgend etwas vorliegen, daß ihr euch dauernd so in die Haare kriegt.“ Um die lange Geschichte kurz zu machen. Bei der intensiven Nachforschung kam heraus, daß die jungen Leute sich auf dem Jahrmarkt von einem Astrologen einen Glücksbringer gekauft hatten. Den Käufern wurde eingeschärft, sie dürf­ten die Rolle nie öffnen, sonst würde der Glücks­bringer seine Kraft verlieren.

Nachdem das junge Paar dieses Amulett, das übrigens eine Teufelsverschreibung enthielt, er­standen hatte, kam es genau umgekehrt. Obwohl sie sich beide sehr lieb gehabt hatten, zogen nun Streit, Zwietracht und zornige Auseinanderset­zungen ein. Ja, sie waren beide schon beim Schei­dungsanwalt gewesen. Der angebliche Glücks­bringer war ein Unglücksbringer.

Bei dieser Aussprache mit dem Christen waren die beiden bereit, das Amulett zu öffnen und auszuliefern. Darin befand sich eine Teufelsver­schreibung, die sofort verbrannt wurde. Dem jungen Paar fiel es nun wie Schuppen von den Augen. Es gab unter der Leitung des Seelsorgers einen Neuanfang in der Ehe und im Leben. S 11 Teufelsverschreibungen, vor allem Blutsverschreibungen gibt es in großer Zahl. Sie haben stets furchtbare Auswirkungen, auch wenn die Verschrie­benen nichts vom Inhalt eines solchen Glücksbriefes oder Schutzzaubers wissen.

Depressionen

Verschiedene Male hatte ich Vortragstouren in Japan. Einmal war ich Gast der Liebenzeller Mis­sion, von Ernst Vatter eingeladen. Ein andermal wohnte ich bei dem damals bekannten Missionsarzt Dr. Eitel, der mir wertvolle Aufschlüsse über die chinesische Heilkunst gab. Hoch willkommen war mir eine Einladung des japanischen Rundfunkevan­gelisten Akira Hartori. Er organisierte ein Seminar für Pfarrer. Ich wurde aufgefordert, über das Gebiet der Depressionen zu sprechen. Insgesamt stellte ich den Verlauf von 20 Formen der Depressionen dar. Es gibt aber noch mehr. Das Wörterbuch der Psychia­trie und medizinischen Psychologie von Professor Peters zählt 50 Formen auf. Ich bin außerstande, dieses riesengroße Gebiet hier darzustellen, sondern füge nur die hinzu, die in keinem medizinischen Lehrbuch erwähnt sind.

In meiner seelsorgerlichen Arbeit bin ich mit depressiven Kranken heimgesucht. Sie erzählen stets die gleiche Krankengeschichte, schreiben lange Brie­fe und führen schier endlose Telefongespräche. So ruft uns eine Akademikerin aus großer Entfernung seit mehr als einem Jahr dauernd an. Ich hörte, daß sie soviel telefoniert, auch auf Missionsstationen anderer Kontinente, daß sie ihren Mann und sich selbst wirtschaftlich ruiniert hat. Mehrmals bekam ich den Anruf einer depressiven Frau aus Los Ange­les. Sie bot an, mir die Flugkarte zu zahlen, wenn ich kommen würde, um ihr zu helfen. Das gleiche geschah auch aus Kanada. Solchen Aufforderungen komme ich nicht nach. Ich bin kein Hexenmeister wie die philippinischen oder brasilianischen Heiler. Was meine Frau und ich für diese armen Menschen tun, ist unsere intensive Fürbitte. Wir tragen sie vor den Thron dessen, der allein heilen und helfen kann.

Mit welchen Problemen müssen wir uns in der Seelsorge auseinandersetzen? Es soll zuerst ein Bei­spiel gegeben werden.

B 17 Eine gläubige Frau schrieb mich an und trug mir die Geschichte ihrer Freundin vor. Stücke aus dem Brief lauten: „Es geht mir um meine Freundin. Sie leidet seit einem halben Jahr an schweren Depressionen und hat auch Selbstmordgedanken. Ihre Angstzustände und ihre Hoff­nungslosigkeit wollen kein Ende nehmen. Sie erklärt, Gott habe sie verstoßen und strafe sie, weil sie ungehorsam war. Sie besucht regelmäßig die Gottesdienste und ringt im Gebet um den rechten Glauben, den sie aber nicht findet. Wenn sie die Bibel liest, hält sie sich nur an Gerichtsworte und nicht an die Stellen der Liebe und Vergebungsbe­reitschaft Gottes. Unter der Predigt wird sie unru­hig und fährt mit den Armen und Händen nervös umher. Von der Botschaft kann sie nichts aufneh­men. Hinterher geht ihr Klagelied weiter. Gibt es da keine Hilfe? Ihre Großeltern waren Spiritisten. Hat das in diesem Zusammenhang etwas zu be­deuten?“

Es wäre Vermessenheit, aufgrund eines solchen Briefes eine Diagnose stellen zu wollen. Ohne Aus­sprache und ohne längere Beobachtung ist das nicht möglich.

Im Lauf von Jahrzehnten habe ich Hunderte von solchen Briefen gesammelt und in Leitzordnern auf­bewahrt. Die meisten der Schreiben habe ich ver­nichtet, weil das Haus der Papierflut nicht gewach­sen ist.

Die berichteten Beschwerden, die am meisten in den Briefen ersichtlich sind, gehören in die drei Gebiete reaktive Depressionen – endogene Depres­sionen – und involutive Depressionen.

Reaktive Depressionen entstehen gewöhnlich nach schweren seelischen Erlebnissen. Eine Pfarrers­tochter wurde als unverheiratete Frau schwanger. Sie war bedrückt, weil das ihrem Vater in der Gemeinde schwer schadete. Sie suchte nach Abtreibungsmög­lichkeiten, was jedoch nicht gelang, denn damals stand Abtreibung noch unter Strafe. Die Auswirkung dieses Erlebnisses war eine reaktive Depression.

Zur endogenen Depression ein seelsorgerliches Beispiel von mir.

B 18 Eine gläubige Pfarrfrau kam zu mir in die Seelsorge. Sie berichtete, daß sie bei dem Leiter eines christlichen Heimes zur Aussprache gewe­sen war. Dieser Seelsorger nannte ihren Zustand Besessenheit. Die Pfarrfrau war entsetzt und kam dann zu mir, ohne mir zunächst zu verraten, daß sie inzwischen auch bei einem Psychiater gewesen war.

Ich ließ sie ihren Zustand schildern: Versündi­gungsangst, Schuldgefühle, depressive Grund­stimmung, gelegentlich Selbstmordgedanken und dann wieder Angst, sie habe damit die Sünde wider den Heiligen Geist begangen, Mangel an Konzentration, wenn sie die Bibel lese, freudloser Alltag usw.

Zunächst erklärte ich dieser Frau, daß von einer Besessenheit absolut nicht die Rede sein kann. Ich äußerte sogar meinen Unmut über jenen Heimlei­ter. Dann fügte ich hinzu: „Mir sieht Ihre Ge­schichte eher nach einer endogenen Depression aus.“ Sie atmete erleichtert auf und gab dann preis, daß sie beim Psychiater gewesen war, der die gleiche Diagnose gestellt hatte.

Die involutive Depression hat eine ähnliche Cha­rakteristik wie die endogene Depression. Bei der erwähnten Akademikerin bin ich der Meinung, daß es diese Form sein könnte. Die Kranken erzählen stets mit weinerlicher Stimme die gleiche Geschichte. Sie sind ruhelos, haben Schlafstörungen, bauschen kleine Verfehlungen riesengroß auf. Gelegentlich entstehen Wahnvorstellungen. So schrieb mir eine Frau, sie hätte ihre Nachbarin zum Tee einladen sollen. Sie hat es nicht getan. Nun meint sie, das könne ihr nicht vergeben werden.

Das Heer der Depressiven und seelisch Kranken aller Art nimmt zu. Darüber werden wir auch im Kapitel über Neurosen hören.

S 12 Ein eindeutiges Symptom ist hier im Blick auf okkulte Praktiken nicht zu nennen. Bei dem Pfarrer­seminar in Japan sagte ich: Unter den 20 dargestellten Formen hat nur eine Form okkulten Charakter. Bei dem Briefwechsel, den ich nun schon ein halbes Jahrhundert habe, ist in der Mehrzahl der Fälle ein Hinweis auf Spiritismus, Magie, Wahrsagerei, Besprechen gegeben. Ich behaupte nicht, daß das die Ursachen sind, aber diese Praktiken sind ein Milieu, eine Atmosphäre, ein Nährboden, auf dem Depres­sionen häufig entstehen. Also keine Kausalität, son­dern nur eine Häufigkeitsbeziehung. Von einer zu­fälligen Koinzidenz kann man hier nicht sprechen.

 

Neurosen

Der Zweite Weltkrieg hat geistesgeschichtlich und moralisch eine dunkle Ara eingeleitet. Eine extreme Welle folgt der anderen: die Sexwel­le, die Drogenwelle, die okkulte Welle, die sektiere­rische Welle, die spiritistische Welle, die terroristi­sche Welle, die asiatischen Kulte, die Satanskulte, die unlösbaren politischen Konflikte usw. Kriegsangst und Krisenangst umschleichen die Welt.

Die Folgen sind verängstigte Menschen, Entwur­zelung, keine Geborgenheit, Haltlosigkeit, Depres­sionen, Lebensüberdruß, seelische Erkrankungen. Die medizinischen Zeitschriften berichten von einer Zunahme der Selbstmordfälle.

Vor einigen Jahren war in Wien ein Kongreß der Psychiater. Es wurde von einer Neurotisierung der Menschen gesprochen und einige Details genannt. Die Schweizer Psychiater erklärten, daß von den Patienten in den Krankenhäusern 4 % neurotisch seien. Die deutschen Fachleute auf diesem Gebiet sagten: „Bei uns sind es 10 %.“ Es darf nicht überse­hen werden, daß es sich nicht um ambulant betreute Patienten handelt, sondern nur um die stationär behandelten.

Alarmierend waren die Aussagen aus der englisch sprechenden Welt. Die angelsächsischen Psychiater erklärten, daß in England ein Drittel der Kranken­hausbetten für Neurotiker reserviert sein müssen. Der Amerikaner fügte hinzu: „Bei uns ist es schon die Hälfte der Spitalinsassen, die nicht organisch, sondern seelisch krank sind.“ Der kanadische Psych­iater ging in seiner Statistik auf ein anderes Gebiet über und erklärte: „In Kanada müßten eigentlich 80 % der Schulkinder psychotherapeutisch behan­delt werden.“

Die psychiatrischen Fachleute werden mich nun wegen meiner Meinung auslachen. Nachdem ich seit Jahrzehnten ausgiebig alle Kontinente bereist habe, stellte ich folgendes fest: Wo viel Spiritismus getrie­ben wird, gibt es ein Heer von Neurotikern und viele schwarmgeistige Gruppen. Ich habe Anfang der 50er Jahre mit Dr. Lechler gesprochen, der damals Chef­arzt der Hohe Mark gewesen war. Wir haben auch zusammen das Buch geschrieben Belastung und Befreiung. Er verfasste den psychiatrischen Teil, ich den theologischen. Ich fragte Dr. Lechler, ob es ihm schon aufgefallen sei, daß die meisten Neurotiker aus einem spiritistischen Milieu kommen. Lechler ver­neinte. Ich bat ihn dann, bei seinen Anamnesen (Krankengeschichten) nach der okkulten Vergangen­heit der Patienten zu fragen. Er folgte meinem Rat und schrieb dann nach einigen Jahren: „Sie haben recht. Gut die Hälfte aller Neurotiker kommen aus Familien, in denen spiritistische oder magische Prak­tiken getrieben wurden.“

Natürlich kenne ich den Einwand der Fachleute, die sagen: „Hier ist Ursache und Wirkung verwech­selt.“ Das habe ich schon vor Jahrzehnten aus dem Mund von Prof. Viktor v. Weizsäcker und Dr. Bovet gehört. In der Tat stimmt das teilweise, aber die Schar derer, wo es umgekehrt ist, kann nicht über­blickt werden. Mir liegen Tausende von Beispielen vor.

Nun muß aber das Gebiet der Neurosen etwas beleuchtet werden. Ich bilde mir nicht ein, für die fachliche Seite kompetent zu sein. Ich habe nur aus der Seelsorge einige Ergänzungen zu bringen, die von den Fachleuten übersehen und abgelehnt wer­den, es sei denn, es handelt sich um Psychiater, die wiedergeborene Christen sind.

Das Gebiet der Neurosen ist eng verknüpft mit dem Bereich der Depressionen. Das wird z. B. deut­lich an der Gleichschaltung depressive Neurose ist gleich eine neurotische Depression. Wir finden unter den Neurosen ähnliche Symptome wie bei den ver­schiedenen Depressionen.

In der Definition des Begriffes unterscheidet man die von Prof. Freud übliche Bezeichnung als Erkran­kung des Nervensystems. Seit Freud gilt die Auffas­sung, daß die Neurosen psychisch bedingte Störun­gen des seelischen Haushaltes des Menschen dar­stellen.

Über die Flut der Neurosen kann man sich ein Bild machen, wenn man das psychiatrische Wörterbuch von Prof. Dr. Peters einsieht, der 25 verschiedene Formen erwähnt. Wie schon eingeräumt, bin ich nicht zuständig, über die tiefenpsychologischen Sei­ten der Neurosen authentisch zu schreiben. Es gibt aber eindeutige Überschneidungen zu biblischen Fakten, die mich in der Seelsorge nicht nur etwas, sondern viel angehen.

Was mir auf dem Sektor der Neurosen in der Seelsorge am meisten begegnete, sind die Formen des Zwangsdenkens, Zwangshandelns, der Zwangsan­triebe, kurz zusammengefasst als Zwangsneurose. Einige Beispiele, die mich seinerzeit veranlaßten, Dr. Lechler darauf hinzuweisen, seien erwähnt.

B 19 Ein Pfarrer aus Süddeutschland berichtete mir die Geschichte einer Hausgehilfin. Als 17-jähriges Mädchen stellten sich plötzlich Zwangsvorstel­lungen ein. Sie konnte keinen spitzen oder scharfen Gegenstand mehr anfassen, weil sie Angst hatte, sich damit zu verletzen. Bei Tisch konnte sie keine Gabel oder kein Messer anrühren. Sie wurde allmählich für den Dienst im Haus unbrauchbar und wurde heimgeschickt. Der Pfarrer machte einen Besuch bei den Eltern und erfuhr folgendes: Die 17-jährige Tochter hatte als einjähriger Säug­ling Diphtherie. Der Arzt wollte einen Luftröhrenschnitt durchführen, um dem Kind Luft zu verschaffen. Die Eltern baten um einige Stunden Bedenkzeit. Inzwischen verständigten sie einen Besprecher. Als der Arzt wiederkam, war das Befinden des Kindes besser. Der Luftröhrenschnitt unterblieb. Mit 16 Jahren stellten sich dann die erwähnten Zwangsvorstellungen ein.

Ein Psychotherapeut würde vielleicht in diesem Fall von einer Phobie sprechen. Man versteht darunter eine unvernünftige, sich entgegen besserer Ein­sicht aufdrängende Angst vor bestimmten Gegen­ständen oder Situationen. Auch Christen, die ihr Leben Jesus ausgeliefert haben, können in eine Zwangsneurose geraten, wenn sie biblische Warnschilder nicht beachten. Mir ist verhältnismäßig oft gebeichtet worden, daß Chri­sten, die an spiritistischen Sitzungen teilnahmen, sich schwere Schädigungen des Glaubenslebens zugezo­gen haben. Dazu ein Beispiel.

B 20 Eine gläubige Frau erhielt von einer Be­kannten Predigten und lesenswerte Literatur eines spiritualistischen Zirkels. Sie hielt die Schriften für christliche Literatur und las sie regelmäßig. Ohne um die Zusammenhänge zu wissen, erlebte sie in Verbindung mit dieser Lektüre schwere Anfech­tungen und Schwermutsanfälle. Ahnungslos las sie die Schriften immer weiter. Da beobachtete sie eines Nachts einen Mann mit roten Haaren und glühendem Gesicht in ihrem Zimmer. Es stellten sich bei ihr auch Zwangsantriebe ein mit Zerstö­rungswut. Sie verspürte einen inneren Impuls, ihr eigenes Kind zu töten, obwohl sich ihr Bewußt­sein heftig dagegen sträubte. In der Seelsorge riet ich ihr, sofort die spiritistische Literatur zu ver­brennen. Ich zeigte ihr auch, wie man von solchen Zwangsantrieben durch Christus frei wird.

Bei den Neurosen wird auch der Sachverhalt des ersten Gebotes sichtbar: „Der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen.“ Viele Neuroti­ker tragen an der Schuld, die Eltern und Großeltern auf sich geladen haben. Deshalb gibt es Menschen, die behaupten: „Gott ist ungerecht, wenn die Nachkommen das büßen sollen, was die Vorfahren getrie­ben haben.“ Man soll aber das erste Gebot weiterle­sen: „Und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich liebhaben und meine Gebote halten.“ Rein mathematisch heißt das: die Gnade und Barmherzig­keit Gottes übertrifft sein Gericht 250mal. Natürlich ist das Gnadenangebot Gottes kein Rechenexempel.

Bei neun Vortragstouren in Brasilien hörte ich spiritistische Beispiele in großer Zahl. Eines davon sei wiedergegeben.

B 21 In der Provinz Santa Catarina kam ein 47-jähriger Mann zur Aussprache. Er litt unter Zwangsantrieben. Oft hörte er den Befehl: ,,Brin­ge deine Frau um, dann nimm dir das Leben!“

Dieser Mann war offen für das Evangelium und wünschte sehnlichst eine Befreiung. Die Vorge­schichte zeigte, daß seine Vorfahren das spiritisti­sche Tischrücken betrieben. Die Kinder des Beichtenden stehen auch bereits in dieser Fluch­linie der Zaubereisünden. Sie sind geistig nicht normal und schwer erziehbar.

S 13 Prof. Dr. Peters definiert die Zwangsantriebe in folgender Weise: „Zwanghaft sich gegen den Willen durchsetzenwollende Handlungsimpulse, z. B. einen nahen Angehörigen zu töten. Der Zwangsantrieb ist mit der Angst verbunden, die Handlung könnte ausgeführt werden, was aber ge­wöhnlich nicht geschieht.“

Nach 15 Vortragstouren in Hamburg zeigte sich mir durch die Seelsorge, daß diese Großstadt mit rund 200 spiritistischen Zirkeln verseucht ist. Das ist keine Schätzung von mir, sondern die Aussage eines Zirkelleiters, der sogar die Kühnheit besaß, mich in einen Zirkel einzuladen. Ich hätte dort die Erlaubnis, über den Spiritismus zu sprechen. Natürlich ließ ich mich in ein solches Unterfangen nicht ein. Ich habe nie in meinem Leben eine Séance besucht. Mir genügt das, was ich in der Seelsorge erfahren habe. Dazu ein Hamburger Beispiel.

B 22 Eine Frau kam in ihrer Not zur Ausspra­che. Ihre leibliche Schwester macht das Zusam­menleben zur Qual. Der Alltag zeigt unsinnige Handlungen der Schwester: Kontrollierzwang, Waschzwang, Zwangsantriebe. Alles gute Zureden der älteren Schwester fruchtet nichts.

Bei der belasteten Schwester zeigen sich auch Symptome, die eine Form der Schizophrenie sein können: Hören von Stimmen in der Form von Rede und Gegenrede. Sie meint, Geister aus dem Jenseits würden sich mit ihr unterhalten. Diese „Geister“ geben ihr Befehle, die sie ausführen muß, auch wenn es der größte Unsinn ist.

Ob Zwangsneurose oder Schizophrenie, das mag der Psychiater entscheiden. Mir ging es um die Wurzeln. Und diese waren schnell erfaßt. Als junges Mädchen nahm diese belastete Frau an spiritistischen Sitzungen teil, die von einem äußerst starken Medium geleitet worden waren. Das Medium brauchte den kleinen Tisch nicht zu berühren, sondern sich nur auf ihn zu konzentrie­ren, und schon bewegte er sich.

Auch hier wiederhole ich um der Psychiater willen. Die spiritistischen Sitzungen müssen nicht unbedingt die Ursache der Erkrankung gewesen sein, aber sie sind in Tausenden von Fällen die Atmosphäre, der Nährboden für seelische und geistige Erkrankungen aller Art.

B 23 Zu dem Kapitel Zwangsantriebe erzählte mir ein gläubiger Pfarrer in der Schweiz einen Vorfall in seiner Gemeinde. Ein Mann, der zur evangelischen Gemeinde gehörte, hatte sich als Besprecher und Krankheitsbanner einen Namen gemacht. Aus der ganzen Umgebung kamen die Hilfesuchenden und ließen sich von dem Okkulti­sten mit Erfolg behandeln.

Dieser „fromme Mann“, für den man ihn hielt, nahm ein böses Ende. Es stellte sich ein Verfol­gungswahn ein, unter dessen Zwang er unsinnige Dinge trieb. Im Januar bei 20 Grad Kälte lief er barfuß durchs Dorf, nur mit Hemd und Hose bekleidet. Wenn die Angehörigen ihn einschlos­sen, sprang er aus dem Fenster. Als Ausweg hieb nur die geschlossene Abteilung einer Nervenheil­anstalt übrig.

Nun sollen zehn Formen der Zwangsneurosen aufgezählt werden, die mir in der seelsorgerlichen Arbeit häufig begegnet sind:

1. Die Kleptomanie, ein krankhafter Stehltrieb.
2. Die Pseudomanie, eine pathologische Lügen­sucht.
3. Die Pyromanie, ein triebhaftes Brandstiften.
4. Die Phagomanie, eine triebhafte Freßsucht.
5. Die Phagophobie, das Gegenteil der Phagoma­nie. Schluckangst und die Vorstellung, sich beim normalen Essen zu versündigen.
6. Die Dipsomanie, der notorische Quartalsäufer. Periodisch auftretende Alkoholexzesse.
7. Die Nymphomanie, die Männergeilheit sexuell extrem veranlagter Frauen.
B. Die Logomanie, ein Redezwang, der sich kaum stoppen läßt (Ausdruck der französischen Psy­chologie).
9. Die Blasphemomanie, der Fluch- und Läster­zwang.
10. Die Thanatomanie, Sterbenszwang und Tö­tungszwang.

Zu diesen Neuroseformen kann ich viele Beispiele geben, obwohl es mir nicht um die Beschreibung dieser Zwangsneurosen geht, sondern um die dahin­ter liegenden Ursachen.

Zu 1 Kleptomanie. Griechisch klepto = stehlen, mania = Sucht, Raserei, Wahnsinn.

B 24 Einer meiner Freunde hatte in seinem Heim eine Hausgehilfin, die gläubig war und zum EC (Jugendbund für entschiedenes Christentum) gehörte. Plötzlich wurde in dem christlichen Heim viel gestohlen. Niemand kam auf den Täter. Schließlich wurde die Polizei eingeschaltet. Das Mädchen wurde verhört. In die Enge getrieben, war die Diebin geständig. Als Hintergrund dieser plötzlich aufgetretenen Stehlsucht zeigte sich, daß das Mädchen die Enkelin einer spiritistisch arbei­tenden Großmutter war. Als diese alte Frau starb, legte sie ihrer Enkelin die Hände auf und betete zum Teufel: „Teufel, erhalte mir dieses Kind.“ Seit dieser teuflischen Segnung war die Enkelin kleptomanisch. Das änderte sich auch nicht, als sie sich bei einer Evangelisation bekehrte und sich dem EC anschloß.

Das Normale ist das nicht. Regulär ist die Befreiung durch Christus, wenn jemand sich ihm ausliefert.

B 25 Ein anderes Beispiel erlebte ich in Frank­reich. Ich hatte in einer Kirchengemeinde eine Evangelisation. Die Pfarrfrau drängte sich an den Schriftentisch, um an die Kasse heranzukommen. Man warnte mich vor dieser Frau, da vor ihren Fingern nichts sicher sei.

Zu 2 Die Pseudomanie. Griechisch pseudos = Lüge, Täuschung, Betrug. Die pathologische Lügensucht habe ich in Form der Pseudologia phantastica (phantastisches Lü­gen) in verschiedenen Ländern erlebt. Ich habe furchtbare Beispiele dazu in meiner Kartei. Die Eigenart dieser Pseudomanen ist, daß sie selbst an ihre Lügen glauben. Die Charakteristik dieser krankhaften Lügner ist, daß sie sich in ihrem übertriebenen Geltungsbedürfnis phantastische Geschichten ausdenken und dabei von der Realität ihrer Behauptungen überzeugt sind.

Zu 3 Pyromanie. Griechisch pyr = Feuer.

B 26 Einer dpa-Meldung vom Juni 1962 ent­nahm ich folgendes: „Ein 16-jähriger Malerlehrling aus Mardorf bei Neustadt gab fünf Brandstiftun­gen zu, nachdem die Kriminalpolizei ihn festge­nommen und verhört hatte. Ein Schaden von DM 300 000 wurde damit angerichtet. Zwei Scheunen, ein Wohnhaus und zwei Viehställe fielen ihm zum Opfer.

Bei der ersten Vernehmung gab der Jugendliche an, Berichte über den Feuerteufel von Seesen hätten ihn angeregt. Dieser Pyromane, ein 18 jäh­riger Autoschlosserlehrling hatte in der kleinen Stadt Seesen im Kreis Gandersheim am Harz sechs Brände gelegt und damit Millionenwerte zerstört. Am 14. 07. 62 konnte ihn die Polizei verhaften, nachdem er Seesen wochenlang beunruhigt hatte.“

Zur Feuerlust und Feuerhörigkeit habe ich in Ostasien viele Beispiele gesammelt. Bei den An­hängern eines Feuerkultes erhalten die Mitglieder Gewalt über das Feuer, wenn sie sich mit ihrem Blut dem Teufel verschrieben haben.

Bei uns im Westen läßt sich die Freude am Brandschatzen bei Jungen nachweisen, die als Säugling magisch besprochen worden sind.

Zu den aktiven Pyromanen, die wertvolle Ob­jekte in Brand setzen, kommt auch die passive Py­romanie, das heißt: Schutz vor dem Feuer. Ein Bei­spiel ist der Stamm der Bega (sprich: Benga) auf den Fidschi-Inseln, die durch eine Teufelsverschrei­bung Hitze und Feuer von 400 Grad aushalten.

Neuerdings werden auch in der Schweiz solche Experimente durchgeführt, wie mir mitgeteilt worden ist. Hier müssen aber die Teilnehmer beim Feuergang sich nicht dem Teufel verschreiben. Sie sagen, sie könnten durch Meditation es soweit bringen, daß sie eine Hitze von 700 Grad aushal­ten können. Meine Frage ist, wie der Leiter dieser Gruppe zu seinen Fähigkeiten gekommen ist. Mir ist in dieser Hinsicht ein Holländer bekannt, der ein ausgesprochener Okkultist ist.

Zu 4 Die Phagomanie. Griechisch = phagein essen, fressen.

B 27 Zur Phagomanie, einer neurotischen Freß­sucht, liegt mir ein aufschlußreiches Beispiel aus der eigenen Seelsorge vor. Ich habe es schon einmal veröffentlicht.

Im Ausland kam eine 28-jährige Frau zu mir in die Seelsorge. Die Frau eines Predigers begleitete sie. Mir wurde folgendes berichtet. Die Rat­suchende erklärte, daß sie seit acht Jahren, also seit dem 20. Lebensjahr unter einer Zwangsneurose leide. Sie litt an einem Waschzwang, mußte sich häufig die Hände waschen und kam kaum vom Waschbecken los. Ferner plagte sie ein Kontrol­lierzwang. Ging sie ins Bett, mußte sie immer wieder aufstehen und nachsehen, ob das Zimmer abgeschlossen war und kein Mann unter dem Bett liege. Furchtbar war, daß sie von einem schreckli­chen Freßzwang geplagt war. Die Mutter mußte Kühlschrank und Speisekammer verschließen, weil die Tochter alles herausholte und aß. Sie konnte einen halben Eimer voll essen, dann erbre­chen und wieder von vorne anfangen. Eine große Magenerweiterung war die Folge.

Acht Jahre lang suchte die junge Frau Psychiater und Psychotherapeuten auf und verbrauchte ein Drittel des Vermögens.

Bei der Erstellung der Anamnese (Krankenge­schichte) fragte ich nach Krankheiten und Ge­wohnheiten der Vorfahren und der eigenen Fa­milie. Es kam u.a. folgendes zum Vorschein. Die Großmutter war aktive Spiritistin, die ihre Enkelin in die spiritistischen Sitzungen mit­nahm. Hier dürfte die Ursache der Zwangsneu­rose klar ersichtlich sein. Hunderte ähnlicher Beispiele aus meiner Kartei zeigen den gleichen Sachverhalt.

Die Auswirkung der seelsorgerlichen Beratung bestätigte diese Annahme. Die junge Frau war bereit, sich zu Christus führen zu lassen. Ein Gebetskreis wurde für sie gebildet. Das geplagte Menschenkind durfte durch den Herrn Jesus völlig frei werden.

Zu 5 Phagophobie. Griechisch phobos = Furcht. Im medizinischen Wörterbuch von Pschyrembel steht eine gute Definition: „Zwangsangst, an be­stimmte Vorstellungen gebundenes, grundloses Angstgefühl, das oft zu bestimmten Handlungen und Unterlassungen zwingt.“ Bei der Phagophobie hat der Neurotiker Angstgefühle oder einen Versündigungswahn, wenn er sich Sattessen will.

B 28 Zur Phagophobie habe ich eigene Bei­spiele, die ich aber nicht berichten will. Ich wei­se aber auf ein fremdes Beispiel hin. Die Studen­tin Anneliese Michel von Klingenberg, über die in christlichen Blättern viel berichtet wurde, hat sich zu Tode gehungert. Sie war weder von ihren Eltern, noch vom Pfarrer, noch von den Ärzten zu bewegen, mehr zu essen. Anneliese hatte die Vorstellung, sich durch das Essen zu versündi­gen. Bei ihrem Tode wog sie noch 27 kg. So schrieben die Blätter. Eine Bekannte aus ihrem Dorf sagte aus, Anneliese sei vor ihrer Geburt oder bei der Geburt von einer Magie praktizie­renden Frau verflucht worden. Die katholischen Priester hielten sie für besessen und mußten sich später vor Gericht verantworten. Ihre Kranken­geschichte liegt mir in Form eines Buches, von einer amerikanischen Psychologin geschrieben, vor.

B 29 Aus Los Angeles nahm ich einen tragischen AP-Bericht auf. Ůberschrieben ist dieser Artikel: „Zwangsvorstellung führte zum Tode.“ Er lautet: „Die 20jährige Caren Lynn Crabbe aus Los Angeles ist den Hungertod gestorben, weil sie unter der Zwangsvorstellung litt, daß sie zuviel wiege und daher die Nahrungsaufnahme verweigerte. Der Vater des unglücklichen Mäd­chens, der Schauspieler Buster Crabbe, sagte vor Pressevertretern, Caren habe nichts essen wollen, was nach ihrer Meinung zu einer Gewichtszunah­me führen konnte. Ihre ,Wahnidee‘ habe sich zum ersten Male vor etwa einem Jahr gezeigt, als sie, die 1,65 m groß war, 108 Pfund wog. Bei ihrem Tode betrug das Gewicht noch 27 Kilo.­

Zwei Ärzte, darunter ein Psychiater, bemühten sich vergebens, Caren von ihrer Zwangsvorstel­lung zu heilen. Beide rieten nach den Worten Buster Crabbes den Eltern, die Patientin nicht zum Essen zu zwingen und auch nicht über ihre Komplexe mit ihr zu sprechen, da sich sonst ,Komplikationen’ ergeben könnten. Einen Tag vor dem Tode, so betonte Crabbe, habe der Psychiater gesagt, man dürfe nunmehr erstmals Hoffnungen auf eine Besserung hegen. Ein Totenschein wurde für Caren noch nicht ausgestellt. Man will zunächst eine Autopsie vornehmen, um die genaue Todesursache zu bestimmen.“

Zu 6 Die Dipsomanie. Griechisch dipsa = Durst

B 30 Zu dieser Sucht liegt mir ein Erlebnis vor, das tragische Auswirkungen hatte. Ein vermögen­der Geschäftsmann war ein Quartalsäufer, der alle sechs oder acht Wochen Alkohol-Orgien feierte. Dann tat es ihm leid, und er ging zur Beichte. Seine ganze Familie und ein Gebetskreis der christlichen Gemeinschaft betete für ihn, daß er frei werden würde. Solange ich ihn kannte, ist es nicht ge­schehen.

Zu 7 Die Nymphomanie. Griechisch nymphe = Mädchen. Pschyrembel gibt folgende Definition: „Exzessi­ver Sexualtrieb mit aktuellem Befriedigungsdrang bei meist bewußtseinseingeengtem Verhalten.“ Dazu ein Beispiel:

B 31 Im Ausland kam eine Frau zu mir in die Seelsorge. Sie gab offen zu, daß sie geschlechtlich ein ungeheures Verlangen habe, das sie nicht bändigen könne. Sie fügte gleich hinzu: „Reden Sie mir aber nicht vom Sublimieren. Ich will nicht sublimieren, sondern ich will einen Mann.“ Sie fragte auch rund heraus, ob sie nicht als Ledige sich an Freunde halten dürfe und das mit dem christlichen Glauben vereinbaren könne. Es war also eine nymphoman veranlagte Frau, der ich seelsorgerlich nicht helfen konnte.

Zu 8 Die Logomanie. Griechisch logos = das Wort, Redezwang, ein Ausdruck der französischen Psychologie.

B 32 Bei meiner Vortragstour in Neuseeland sprach ich unter anderem auch an der Palmerston North Universität. Dort traf ich eine Gruppe von Zungenrednern. Sie kannten keinen Deutschen, weder Wilhelm Busch noch Prof. Thielicke noch sonst einen der bekannten Reichgottesarbeiter. Nur nach Pfarrer Bittlinger, einem Exponenten der Pfingstbewegung, fragte man mich sofort.

Aus dieser Gruppe der Zungenredner berichtete man mir ein typisches Beispiel. Ein Pfingstprediger sprach in seiner Gemeinde in Zungen. Er konnte nicht mehr stoppen und mußte sich einen Knebel in den Mund stecken, um den Redefluß zu beenden. – Braucht der Heilige Geist einen Knebel?

B 33 Auf deutschem Boden erlebte ich ein ähnliches Beispiel. In den 70er Jahren lud ich Petrus Oktavianus, den indonesischen Evangeli­sten, zum Dienst nach Stuttgart ein. Weil 3000 Menschen kamen, mußten wir in zwei weitere Säle übertragen. Zu Beginn forderte Oktavianus zum stillen Gebet auf. Mit rund 15 anderen Personen saß ich auf dem Podium. Während des stillen Gebetes fing ein Pfingstler auf dem Podium an, in Zungen zu beten. Ich war gespannt, wie Oktavia­nus reagieren würde. Er betete still, drehte dann den Kopf zu dem Zungenredner und gebot: »Im Namen Jesu gebiete ich dir zu schweigen.“ Der Zungenredner stoppte sofort. – Hinterher fragte ich Oktavianus: „Warum hast du geboten?“ Er antwortete: „Mir wurde klar, daß das vom Feind war.“ Dann kam der Zungenredner auf uns beide zu und entschuldigte sich: „Ich wollte nicht in Zungen beten und stören. Ich wurde aber gezwungen. Eine fremde Macht war über mich gekommen.“ – Nun, der Heilige Geist war das nicht.

Mir sind auch andere Beispiele dieser Art von Kalifornien bekannt.

Zu 9 Blasphemomanie. Griechisch blasphemeo = fluchen, lästern, verleumden. Der Läster­zwang kommt in der Seelsorge sehr oft vor. Nicht alle Formen haben okkulte Wurzeln. Einige Hin­weise:

B 34 Eine Frau mit einem sehr empfindsamen Gewissen hat oft Angst, sie könnte sich mit Wor­ten versündigen. Im Beten und Bibellesen ist sie sehr treu und beherzigt das Wort: „Jaget nach der Heiligung“ (Hebr.12,14). In ihrer Ängstlichkeit, sich ja nicht zu versündigen, erlebt sie eine Um­kehrung, einen psychologischen Kippvorgang. Es tauchen Lästergedanken bei ihr auf, über die sie todunglücklich ist. Um das Maß voll zu machen, kam sie dann in die Seelsorge und meinte, die Sünde gegen den Heiligen Geist begangen zu haben. – Solche Menschen darf man aus dem Worte Gottes trösten. Es gibt eine grobe Faustregel: Wer in der Tat die Sünde gegen den Heiligen Geist begangen hat, kümmert sich nicht mehr darum.

B 35 Eine Frau im 68. Lebensjahr berichtete folgendes. Soweit sie sich zurückerinnern kann, war sie von Depressionen geplagt. Sie wollte Christus nachfolgen und konnte nicht. Wenn sie im Konfirmandenunterricht mit den übrigen Konfirmanden das Glaubensbekenntnis betete, ent­standen bei ihr im Herzen Lästergedanken. Diese Lästergedanken bestanden bei ihr vom elften Le­bensjahr an bis zur Gegenwart. Oberflächlich beurteilt, hat diese Frau also eine Art Zwangsneu­rose. Die genaue Befragung der Angehörigen er­gab, daß diese Frau als zweijähriges Kind von einer Besprecherin gegen hohes Fieber besprochen worden ist. Die Eltern der Neurotikerin sind gesund.

B 36 Eine Frau, 57 Jahre alt, kam zur Ausspra­che. Sie berichtete, daß sie bei einem Psychothera­peuten zur Behandlung war, der ihr sagte, daß sie eine Zwangsneurose hätte. Da diese Neurose zu­rückgeht bis in die früheste Kindheit, könnte er die Ursache nicht feststellen. Die Zwangsneurose äußert sich bei dieser Frau in der Weise, daß sie nicht in der Lage ist, etwa ein Buch aufzuschlagen. Was sie einmal in der Hand hat, kann sie nicht wegwerfen. Wenn sie ein Streichhölzchen anzün­det, ist sie nicht in der Lage, das abgebrannte Streichholz wegzuwerfen. Sie hat auch den Kontrollierzwang. Sie muß alles endlos nachprüfen. Wenn sie beten oder singen will, verwandeln sich die Worte der Anbetung Gottes in lästerliche Flüche. Wenn sie etwa in einem Liedvers die Worte mitsingt „Wir loben dich und beten dich an“, so sagt sie in Wirklichkeit: „Wir fluchen dir und hassen dich.“ Wenn sie mit fremden Men­schen das Schlafzimmer teilt, dann sagen die Fremden, sie würde nachts furchtbar aufschreien. Es wären aber dann Männerstimmen, die aus ihr sprechen würden und nicht etwa die Stimme einer Frau.

S 14 Dieses Beispiel erinnert nicht nur an ein zwangsweises Fluchen und Lästern, sondern auch an eine Besessenheit. Die Psychiater, die alle Phänome­ne immanent erklären müssen, werden auf Dissozia­tionen des Unterbewußtseins hinweisen. Tiefe Män­nerstimmen aus dem Mund einer Frau lassen sich nicht umdeuten. Vollends müssen die Psychiater die Waffen strecken, wenn diese Stimmen eine Fremd­sprache benützen, die von der Patientin nicht gelernt worden ist.

Ein anderes Argument, daß hier nicht unbewußte Inszenierungen des Unterbewußtseins vorliegen, ist die Tatsache, daß das Fluchen und Lästern besesse­ner Menschen sofort aufhört, wenn im Namen Jesu vollmächtig geboten wird.

Zu 10 Die Thanatomanie. Griechisch thanatos = Tod, Mord, Todesart, Todesgefahr, Todesstrafe, Hinrichtung.

Bei dieser Zwangsneurose gibt es eine passive Form und eine aktive Form. Die passive Form ist mir oft auf verschiedenen Missionsfeldern berichtet wor­den. In heidnischen Stämmen kann z. B. der Stammeshäuptling gegen einen Stammesgenossen einen magischen Todesfluch aussprechen und ihm etwa sagen: „In der nächsten Vollmondnacht wirst du sterben.“ Der Bedrohte stirbt tatsächlich zu dem angegebenen Zeitpunkt. Hier liegt also die Auswir­kung einer Fremd- und Autosuggestion vor. Ein Papua, der durch die australische Südseemission Christ geworden war, sagte mir auf Ilahita (Neugui­nea), daß solche Verfluchungen bei Christen nicht wirksam werden. Auch hier sehen wir en passant, daß Neurosen in den geistlichen Bereich hinüber­greifen.

Ein weiteres Beispiel von den Philippinen zeigt das noch deutlicher.

B 37 Der Chief (Datu) eines heidnischen Stam­mes hatte die Gewohnheit, bei seinen Todesurtei­len dem Opfer einen langen Röhrenknochen ent­gegenzuhalten und ihm einen Todesfluch entgegen zu schleudern. Der Fluch konnte z. B. lauten: „Bei der nächsten Sonnenwende wirst du bei den Ahnen sein.“ Der so Verurteilte starb zur angege­benen Zeit.

Nun kam ein Missionar in dieses Stammesge­biet und hörte von den Gewohnheiten des heidni­schen Häuptlings. Datu haßte den Eindringling, der eine neue Religion bringen wollte und trat dem Missionar mit vielen Kriegern entgegen, um ihn durch einen Todesfluch zu vernichten. Der Gottesmann fürchtete den Heiden nicht. Als Da­tu in Aktion treten wollte, streckt ihm der Mis­sionar die Bibel entgegen und wehrte den Fluch ab: „Im Namen Gottes, dem ich diene, nehme ich dir die Macht.“

Ich habe diesen Bericht schon in einem anderen Buch ausführlicher wiedergegeben. Datu wurde Christ und sagte sich von allen heidnischen Bräu­chen und seiner magischen Kraft los.

In hochzivilisierten Völkern ist die Thanatomanie selten. Gelegentlich tauchen solche Beispiele in der Seelsorge auf.

B 38 Ein Mitarbeiter des CVJM teilte mir folgendes Erlebnis mit. Er war bei der Beerdigung eines Mannes, der auf merkwürdige Weise gestor­ben war. In jungen Jahren hatte ihm eine Zigeune­rin prophezeit, er würde auf den 8. 9. 31 sterben. Der junge Mann glaubte diesem Wahrsagen und stellte sich innerlich darauf ein. Als der Tag heran­kam, ging er wie benommen umher. Er blieb aber an seinem Arbeitsplatz bis zuletzt. Am B. 9. beschäftigte er sich den ganzen Tag mit der Vor­stellung: „Heute passiert etwas.“ Er arbeitete bei einem Sägewerk. Noch am Vormittag stieg er in einen Kamin. Er wurde von dem aufsteigenden Rauch betäubt und stürzte ab. Er war so schwer verletzt, daß er am gleichen Tag noch starb. Er hatte von seiner Firma durchaus keinen Auftrag, in dem Kamin etwas nachzusehen. Die Prophezeiung der Zigeunerin hatte sich durch die Mitwir­kung der Autosuggestion erfüllt.

Die Thanatomanie gibt es auch in aktiver Form und hat gewöhnlich furchtbare Auswirkungen. Die Amokläufer und Amokfahrer gehören dazu, die unter einem Tötungszwang stehen und wahllos Menschen umbringen. Am Tag dieser Niederschrift 9.7.86 brachte die Tageszeitung (RNZ) einen derar­tigen Bericht: „Zwei Tote bei Amoklauf. – Ein Frührentner ist gestern in einem Wiener Wohnhaus Amok gelaufen und hat eine Frau getötet und drei weitere Personen verletzt. Der Mann wurde von der Polizei erschossen. Nach Angaben der Poli­zei eröffnete der 43jährige Mann im Treppenhaus seines Wohnhauses ohne ersichtlichen Grund das Feuer auf andere Bewohner. Eine Frau starb an den Schußverletzungen. Ihr Ehemann wurde verletzt. Eine weitere Hausbewohnerin und ein Polizist erlit­ten ebenfalls Schußverletzungen, bevor der Mann von drei Polizisten erschossen wurde. Über das Motiv herrscht Unklarheit.“ ap

„Zwei Franzosen liefen Amok: Aus bisher ungeklärten Gründen haben zwei Fran­zosen am Dienstag und Mittwoch völlig durchgedreht und sechs Menschen getötet. Die erste Mordserie fand Dienstagabend in dem kleinen südfranzösischen Dorf Lesperon bei Privas statt. Ein Bauer, der seit längerer Zeit Streit mit Nachbarn hatte, erschien auf deren Bauernhof und schoß auf eine Gruppe, die sich gerade zum Abendessen versammelt hatte. Fünf Personen wurden verletzt. Danach fuhr er in seinem Kleinwa­gen zu dem drei Kilometer entfernten Anwesen der Bürgermeisterin, eröffnete das Feuer und verletzte die Frau schwer. Zwei Urlauberinnen, die sich gerade in der Nähe aufhielten, wurden von den Schüssen getötet. Am Mittwochmorgen feuerte in dem Dorf Chauffort bei Chaumont ein 40jähriger Mann ver­mutlich in einem Anfall von Depressionen mit einem Jagdgewehr auf seine Nachbarn und floh. Dabei wurden ein Ehepaar, das drei Kinder hinterläßt, eine Mutter von sechs Kindern und ein Onkel des Täters getötet.“ dpa

Auch in Südafrika bin ich diesem neurotischen Tötungszwang begegnet. Die heidnischen Zulus sa­gen: „Wenn der Geist Shakas über uns kommt, müssen wir töten.“ Shaka war der Napoleon der Zulus, der diesem Stamm durch erfolgreiche Kriege zu einer Vormachtstellung verhalf. Auch hier sehen wir wieder die Verbindung: spiritistischer Ahnen­kult und Zwangsneurose.

Das furchtbarste Beispiel einer zwangsneuroti­schen Mordgier stammt von Prof. Dr. Gaupp. Seit 1906 war er Professor für Psychiatrie an der Univer­sität in Tübingen. 1934 und 1935 hörte ich ihn in seiner Vorlesung über seelische Erkrankungen.

Die Geschichte eines Patienten von Prof. Gaupp ging als Musterbeispiel „Paranoia Gaupp“ in die psychiatrische Literatur ein. Ein Hauptlehrer, Ernst Wagner, aus einem Dorf bei Ludwigsburg entwickelte einen Verfolgungs­wahn. Seit 1909 hatte dieser wahngeplagte Mann Mordabsichten gegen seine Feinde. 1913 ermordete er seine Frau und vier Kinder. Dann fuhr er nach Mühlhausen, legte dort sechs Brände und ermordete neun Menschen, bis ihn die Polizei dingfest machen konnte. Prof. Gaupp wurde mit einem Gutachten beauftragt. Sein Urteil rettete den vielfachen Mörder vor der Todesstrafe, denn Wagner wurde als nicht zurechnungsfähig eingestuft. Er wurde danach bis an sein Lebensende in der geschlossenen Abteilung einer Nervenheilanstalt untergebracht.
Als ich in Tübingen studierte, lebte dieser wahnge­triebene Massenmörder noch. Nach dem Krieg hat ein anderer Psychiater diesen Fall aufgegriffen, um ihn neu zu bearbeiten. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, daß dieser Mörder in seiner Zwangs­unterbringung ein Buch über Wahnvorstellungen schrieb.

Die okkulte Vorgeschichte dieses Massenmörders ist nicht bekannt. Kein ungläubiger Psychiater nimmt ja die Magie und den Spiritismus als Milieu der Neurosen ernst.

S 15 Okkulte Praktiken sind ein Nährboden für Neurosen. Damit wird nicht gesagt, daß der „Stein der Weisen“ gefunden sei. Ich spreche hier wiederum nicht von Kausalität, sondern nur von einem Nähr­boden. Solche Patienten sollten in Zusammenarbeit mit medizinischen Therapeuten und biblisch gegrün­deten Seelsorgern betreut werden. Psychiatrie und Psychologie können technische Behandlungsmetho­den anwenden: Das Kernproblem einer okkulten Belastung können die Mediziner und Psychologen nicht begreifen, weil das über den Rahmen wissen­schaftlicher Arbeit hinausgeht. Der biblische Seel­sorger richtet seinen geistlichen Auftrag aus, solchen heimgesuchten Menschen den Weg zu Jesus und damit den Weg zur Befreiung zu zeigen.

 

Mentalsuggestion und Verfolgungswahn

Der Begriff Mentalsuggestion setzt sich aus zwei lateinischen Wörtern zusammen, „mens“ und „sug­gestio“. Mens heißt Verstand, Denkkraft. Das Ver­bum suggero heißt eingeben, anraten. Natürlich liegen sprachlich noch andere Bedeutungen vor.

Die Definition des Begriffes ist nicht einheitlich. Bonin nennt im Lexikon der Parapsychologie die Mentalsuggestion eine Unterform der Telepathie. Karl G. Rey spricht von telepathisch bewirkten Fernhypnosen (Gotteserlebnisse S.120). In mei­nem Buch Seelsorge  habe ich schon von den beiden Ärzten Janet und Gibert berichtet, denen 1886 Fernhypnosen bis auf 2 km Entfernung gelungen sind.

In Deutschland hat sich der Parapsychologe Prof. Bender mit den mentalsuggestiven Experimenten befaßt. In Rußland hat sich der Leningrader Profes­sor Wassiliew auf diesem Gebiet einen Namen ge­macht. Er brachte es nachweisbar fertig, eine Person bis auf 1700 km Entfernung (Leningrad-Sewastopol) einzuschläfern und wieder aufzuwecken. Insgesamt hat er bei 260 Experimenten nur 6mal einen Mißer­folg beim Einschläfern und 21mal beim Aufwecken gehabt.

Die Russen gaben sich aber nicht nur mit Schlafex­perimenten ab, sondern wollen auch Willensent­scheidungen und Handlungen auf Distanz suggerie­ren. Da die Sowjets von jeher alle Entdeckungen militärisch nutzbar machen wollen, unternehmen sie seit einigen Jahren auch Versuche, die Vorstellungs­welt der westlichen Völker prosowjetisch zu manipulieren. In meinem Taschenbuch Fernwirkungen sind diese Versuche beschrieben.

In der Seelsorge, vor allem bei heidnischen Völ­kern, ist mir die Mentalsuggestion in vielen Formen begegnet. Das wird teilweise an den Beispielen ge­zeigt. Wichtig war mir die Entdeckung, daß die Mentalsuggestion ohne Medialität nicht funktio­niert. In der Parapsychologie wird zwar mit dem Begriff Psi operiert, meint aber damit nach Prof. Rhine einen unterbewußten und unbekannten Fak­tor. Andere Parapsychologen sprechen von einer hypothetischen Psi-Energie, deren Auswirkung, aber nicht deren Ursachen man kennt.

In der Seelsorge ist mir die Mentalsuggestion am häufigsten im Zusammenhang mit Heilungszauber und Verfolgungszauber, ferner in Verbindung mit dem Liebeszauber berichtet worden.

Zu dem letztgenannten Gebiet zwei Beispiele.

B 39 Vor Jahren hatte ich bei Vorträgen in Frankreich eine unangenehme Seelsorge. Nach Beendigung eines Gottesdienstes kam eine etwa 65 jährige Frau zur Aussprache. Sie berichtete, ihr Hausarzt habe sie oft vergewaltigt. Das gleiche würde auch der Ortspfarrer treiben. Auch der Prediger der Freien Gemeinde würde sich oft an ihr vergehen. Bei diesem Bekenntnis wurde es mir unheimlich, weil diese Frau einen verwirrten Ein­druck machte.

Mir war sofort klar, daß hier keine Mentalsug­gestion vorlag, sondern sexuelle Halluzinationen. Es war Prof. Sigmund Freud, der die Theorie aufstellte, daß Libidostauungen, unerfüllte Trieb­wünsche, zu Neurosen führen können, in deren Verlauf sexuelle Halluzinationen auftreten.

Die Behandlung solcher Patienten ist nicht Auf­gabe der Seelsorger, sondern der zuständigen Fachleute.

Anders gelagert ist das nächste Beispiel, für das Veröffentlichungsrecht ohne Nennung des Namens und des Ortes besteht. Es ist ein Beispiel, wie ich es oft ähnlich in der Seelsorge gehört habe. Liebeszau­ber gibt es in der ganzen Welt.

B 40 Eine Frau, 45 Jahre alt, berichtete in der Seelsorge folgendes. Sie gehörte zu einem Chor, der von einem Volksschullehrer geleitet wurde. Weil sie abends in der Dunkelheit einen weiten Weg zu machen hatte, wurde sie von dem Lehrer heim­begleitet. Das geschah mehrmals. Schließlich machte er ihr eine Liebeserklärung und küßte sie, obwohl er verheiratet war. Im Lauf der Zeit ver­langte er auch mehr. Sie willigte nicht ein. Da sagte er: „Ich kann mir holen, was ich will.“ Von dieser Zeit an wurde sie nachts belästigt. Er stieg zu ihr ins Bett, obwohl Fenster und Türe geschlossen waren. Ihr war das ein unheimlicher Vorgang, aber sie konnte sich nicht wehren.

Als sie in Urlaub fuhr, sagte sie ihm aus Angst nicht, wo sie hinfuhr. Da erschien er des Nachts dennoch und fragte: „Wo bist du, wo bist du?“ Sie sagte es ihm nicht. Sie war in diesem Urlaub in Jugoslawien. Aus dem Urlaub zurückgekehrt, nahm sie an meiner Evangelisation teil. Unter der Wortver­kündigung nahm sie sich vor, alles zu beichten und bei Jesus Schutz zu suchen. Bei diesem Vorsatz hörte sie die Stimme des Lehrers: „Wenn du mich verrätst, mache ich dich kaputt.“

In der Aussprache berichtete sie, daß sie zuerst bei einem Psychiater gewesen war, der ihr prompt einige Schocks verordnete, weil er diese Erlebnisse als Halluzinationen einer Schizophrenie deutete. Natürlich halfen sie nicht. Magische Vorgänge lassen sich nicht medizinisch vertreiben.

Daß es sich nicht um Halluzinationen handelte, geht daraus hervor, daß das Gebet und die Nach­folge Jesu diesem Übelstand abhalfen.

Dieser Lehrer ist Spiritist und beherrscht die Fähigkeit der Exkursion der Seele, wie wir es bei den Rosenkreuzern finden.

Magischer Liebeszauber und sexuelle Halluzi­nationen sind zwei verschiedene Dinge. Das eine ist ein Verbrechen auf okkulter Basis, das andere ist eine Geisteskrankheit. Der Psychiater wegen muß hinzugefügt werden, dаß kein sexueller Ver­folgungswahn mit anschließender Ausgleichsvision vorlag.

Einige Jahre lang habe ich zusammen mit Waldemar Didschun in der Deutschen Zeltmission evan­gelisiert. Zum Thema Liebeszauber gab er mir einen Bericht, der hier in kurzen Worten folgt.

B 41 Ein Mädchen beichtete ihm, daß es nachts von einem Mann um Mitternacht gerufen werde. Wie eine Traumwandlerin folge es bei vermindertem Bewußtsein diesen Rufen, obwohl sie es nicht wolle. Die Beichtende bat den Evan­gelisten ihr zu helfen. Sie vereinbarten folgendes. Der Evangelist soll vor dem Ausgang innerhalb des Hauses warten, bis sie gerufen werde. Kaum hatte die Turmuhr 12 Uhr geschlagen, kam die junge Frau wie in halber Trance oder halber Hypnose aus ihrem Schlafzimmer und murmelte vor sich hin: „Du rufst mich. Ich komme.“ Did­schun rief sie beim Namen. Mit einem Ruck kam die Traumwandlerin zur vollen Besinnung. Didschun wies ihr den Weg, wie sie sich in Zukunft verhalten sollte. Die Frau wurde frei, aber der Seelsorger hatte hinterher eine lange Zeit nachts furchtbare Angriffe. Er wurde hart geschlagen.

Es liegen hier gleich zwei Formen der Mental­suggestion vor. Einmal wurde die junge Frau durch befehlende Telepathie gerufen. Zum anderen wurde die Mentalsuggestion zu einer Angriffsmagie benutzt. – Daß bei der Mentalsuggestion keine Krankheit, sondern ein okkulter Vorgang im Spiel ist, zeigt, daß man sich im Gebet dagegen wehren kann. Dazu ein Beispiel aus meiner Arbeit.

B 42 Der Besitzer einer Mühle war Spiritist, der verschiedene okkulte Fähigkeiten besaß, die er praktizierte. Er arbeitete auch mit dem 6./7. Buch Mose, einem Zauberbuch, das auch „Teufelsbi­bel“ genannt wird. Er konnte nachts weibliche Personen rufen und sich gefügig machen. Als seine Frau im Krankenhaus lag, rief er nachts telepa­thisch seine Schwägerin, die eine gläubige Christin war. Als sie den mentalen Ruf vernahm: „Komm zu mir“, betete sie und gebot im Namen Jesu. Sie unterlag nicht den okkulten Künsten ihres Schwa­gers, hatte aber in Zukunft seine merkwürdigen Angriffe abzuwehren.

Es folgen nun einige Beispiele, die von den Fach­ärzten meist als Verfolgungswahn diagnostiziert werden.

B 43 Eine intelligente Lehrerin hat sogenannte physikalische Verfolgungsideen. Sie lebt in der Vorstellung, daß ihre Nachbarn unterirdische Gänge unter ihr Haus bohren und sie bestehlen. Sie behauptet, ihr Terrazzoboden sei ursprünglich 40 cm dick gewesen und jetzt nur noch 20 cm. Die Holzleisten am Fußboden seien viel höher gewe­sen. Die Nachbarn würden Maschinen verwen­den, die auf Distanz die Leisten abschleifen könnten.

Die Lehrerin ist Christin, liest die Bibel und kann beten. Trotzdem glaubt sie diesen Unsinn. Es ist eindeutig eine Wahnvorstellung. Der physika­lische Verfolgungswahn hat verschiedene Auswir­kungen. Diese Kranken sagen, sie würden unter Strahlen stehen oder elektrisch geplagt werden. Bei solch einer Aussage ist für den Seelsorger besondere Vorsicht geboten. Menschen mit einem Verfolgungswahn behaupten auch gern, sie wür­den magisch verfolgt werden. Man darf sich da­durch nicht zu falschen Schlùßfolgerungen verlei­ten lassen.

Bei der Lehrerin muß beachtet werden, daß ihr Vater Spiritist war, der das spiritistische Tischrüc­ken praktiziert hat. Es ist schon darauf hingewie­sen worden, daß 50 % aller Neurotiker, die in meiner Seelsorge waren, okkult arbeitende Vorfahren hatten. Wiederum muß ich davor warnen, daß diese Aussage nicht als Ursache und Wirkung ausgelegt werden darf. Es gibt ebenso viele Neu­rotiker, die nichts mit dem Okkultismus zu tun haben.

Man darf auch nicht dem Kurzschluß verfal­len, daß alle Erkrankungen des Menschen bei seiner Hinkehr zur Christus behoben werden. In dem Kapitel über das „Resistenzphänomen“ werden weitere Sachverhalte deutlich gemacht werden.

Nun wenden wir uns einigen Missionsfeldern zu, die ich jahrelang bereist habe. In heidnischen Län­dern spielt die Magie und Zauberei eine viel größere Rolle als in Europa. Einige Beispiele:

B 44 In Liberia und in Südafrika bei den Xhosas wurde mir mehrfach von einem Schlangenwahn berichtet. Ich erinnere an den Läuse-, Mäuse- und Spinnenkomplex. Hier geht es um einen ausge­prägten Schlangenkomplex. Ein Fabrikarbeiter kam zum Arzt und erklärte: „Ich bin voll Schlan­gen im Leib, im Ärmel, in der Hose, um den Hals.“ Der Arzt lachte und sagte: „Ich sehe aber keine.“ Der Unglückliche läßt von seinem Wahn nicht ab und läuft von der Arbeitsstelle weg, weil er die Kollegen als Urheber seiner Schlangenplage verdächtigt.

Was steht hinter dieser Schlangenplage? In den afrikanischen Ländern sind die Arbeitsplätze sehr begehrt. Es gibt folgende Methode, zu einem Arbeitsplatz zu kommen. Schwarze Arbeiter ge­hen zu einem Zauberer, bezahlen ihn gut und verlangen, daß er auf diese okkulte Weise einen Arbeitsplatz freimacht. Für Europäer ist das un­verständlich. Bei mehr als 30 Besuchen der afrika­nischen Länder sind mir viele „unmögliche“ Ge­schichten gebeichtet oder erzählt worden. Von Afrika reisen wir ostwärts in den Pazifik.

Rund 20 Inseln des Pazifischen Ozeans durfte ich besuchen. 1964 war ich mit Pfarrer Pagel zusammen auf der Insel Manus, die heute unter der Verwaltung von Papua Neuguinea steht. Eine Geschichte zur Mentalsuggestion ist mir in Erinnerung geblieben. Ein Insulaner lag im Sterben. Er rief telepathisch seinen Sohn herbei, der rechtzeitig zum Tode des Vaters eintraf. Das ist kein Einzelfall. Viele Heiden haben solche medialen Fähigkeiten. Seit die Lieben­zeller Mission auf dieser Insel arbeitet, gingen die medialen Fähigkeiten zurück. Von Manus aus gehen wir südwärts nach Austra­lien. Im Stamm der Wongai fand ich die ausgeprägte­ste Form der Telepathie. Ich habe darüber in meinem Buch Name über alle Namen Jesus berichtet. Der junge Häuptling des Stammes, Puwantjara, wurde mein Freund. Er gab mir tiefe Einblicke in das Stammesleben. Der Stamm hat noch etwa 2000 Glie­der, die in der westaustralischen Wüste als Nomaden leben. Der Häuptling regiert diese Stammesmitglie­der mit Telepathie. Er ruft sie oder gibt telepathisch Befehle. Uber 2000 km hinweg werden die Informa­tionen des Häuptlings telepathisch verstanden. Als Puwantjara Christ wurde, hat er die Fähigkeit verlo­ren, den Stamm telepathisch zu leiten. Innerhalb seiner Familie blieb der telepathische Kontakt erhal­ten. Auch das wirft ein Licht auf die umstrittene Mentalsuggestion. Sie hat eindeutig medialen, ok­kulten Charakter. Nur ein kleiner Rest, vielleicht 1 oder 2 % der Telepathie hat nicht okkulten Charak­ter. Man kann das ausführlich in dem erwähnten Buch nachlesen.

Vom Pazifischen Ozean gehen wir ostwärts nach Südamerika. In allen heidnischen Stämmen wird heute noch Zauberei getrieben. Es gibt Verzauberer und Entzauberer. Mit Magie ge­koppelte Mentalsuggestion wird dazu benutzt, um einem Feind zu schaden oder ihn krank zu machen. Auf dem gleichen Weg kann Hilfe gebracht werden, wenn der Entzauberer größere Macht besitzt. Oft entstehen dabei magische Kämpfe zwischen Rivalen. Das wurde mir auch auf der „Teufelsinsel“ Bali von einem einheimischen Pfarrer mitgeteilt.

Untersuchen wir kurz die magischen Bräuche der südamerikanischen Stämme in Peru, wo die Schwei­zer Indianermission arbeitet. Auf ihre Einladung hin hatte ich in ihrer Bibelschule auf km 15 – so heißt die Station – 29 Vorträge. Es war ein großes Erlebnis, junge Indianer aus 12 Stämmen, die sich früher bekriegten, einträchtig beieinander zu sehen. Ich habe mir ihre Namen aufgeschrieben und ihre Stam­mesgeschichten gehört. Folgende Stämme waren vertreten: Aguaruna, Huambisa Shapra, Ticuna, Co­cama, Shipibo, Conibo, Cashibo, Campa, Piro, Machiguenga, Bora.

Einige der Stämme konnte ich besuchen. Missio­nar Zehnder aus der Schweiz brachte mich mit dem Boot zu den Shipibos, denen ich ihr erstes Buch druckte, ein Liederbuch mit Texten, Noten und Bildern aus dem Leben Jesu. Missionar Sachtler flog mit mir in einem Wasserflugzeug zu den Aguarunas. Bilder und Erlebnisse dieses Besuches sind in mei­nem Buch Jesus auf allen Kontinenten veröffent­licht.

Nun zu der Zauberei dieser Stämme an den Quell­flüssen des Amazonas.

Die Shipibos haben drei Gruppen von Heilern: die Zauberer, die mit magisch verstärkter Mentalsugge­stion heilen, die Kräuterdoktoren, die nach Wurzeln und heilkräftigen Pflanzen suchen, und die Chiro­praktiker oder „Knochenrichter“. Manchmal übt ein Mann zwei oder drei Funktionen aus. Wie überall können die Zauberer nicht nur heilen, sondern auch krankmachen.

Bei den Piros gab es eine Art spiritistische Hei­lung. Die Geistheiler rufen abends die Geister, spre­chen mit ihnen rund 10 Stunden von abends 8 Uhr bis morgens 6 Uhr. Dann senden sie diese Geister zu den Kranken, um sie gesund zu machen. Seit die Mission unter diesem Stamm arbeitet, ist diese Form der Heilung verschwunden.

Ihr Unwesen treiben aber immer noch die Kahont­schis. Missionar Hauser berichtete mir von ihnen. Diese Magier können heilen und verfolgen. Mit Hilfe von Tabakrauch sendet der Kahontschi einen Dämon zu einem Feind. Der Verfolgte bekommt dann Fieber und stirbt. Manche Zauberer begnügen sich damit, ihrem Opfer nur Schmerzen zu verursachen. Die Missionare treten diesem Unwesen entgegen, darum erfolgt die unheilvolle Tätigkeit der Zauberer im Hintergrund.

Bei den Aguarunas heißen die Zauberer Brujo. Das ist ein spanisches Wort, das seltsamerweise deut­schen Ursprungs ist. Es gibt in Südamerika rund 2 Millionen Siedler deutscher Abstammung, die das schwäbische Wort „brauchen“ mitgebracht haben. Aus „brauchen“ wurde brucho. Die Händler auf den Flußläufen brachten dann den Indianern das Wort „Brujo“. Die Indianer haben aber auch ihre eigenen Ausdrücke. Einer davon lautet: Wai Wai.

Die Aguaruna-Zauberer trinken das berauschende Getränk Ayawasca und fallen damit in eine Volltran­ce oder Halbtrance. In diesem Zustand können sie in passiver Mentalsuggestion Krankheiten erkennen und in aktiver Mentalsuggestion Heilungsimpulse aussenden.

Bei der Zauberei gibt es drei herausragende Beob­achtungen:

1. Die Spielregeln der Magie sind stets die glei­chen. Hinter dem, was rational erfaßbar ist, deutet sich eine übersinnliche, außermenschli­che Macht an.
2. Beachtenswert ist die Konstanz der Magie durch die Jahrtausende. Aus der Bibel wissen wir von der ägyptischen und kanaanitischen Zauberei. Die Symptome sind bis heute so geblieben.
3. Es besteht auch eine ethnische oder geographi­sche Konstanz. Auf allen Kontinenten, in allen Ländern gelten die gleichen Methoden der Zau­berei.

S 16 Diese Fakten weisen auf einen Bereich jenseits der Grenzen menschlicher Vernunft hin. Dieser Mentalbereich ist dem wissenschaftlichen Denken und Forschen nicht zugänglich. Dafür braucht man eine andere Ausrüstung: den Heiligen Geist, der in alle Wahrheit leitet.

Heilungs- und Verfolgungsmagie gibt es nicht nur in heidnischen Völkern, sondern auch in der zivili­sierten Welt. Als herausragende Bewegung, die in­tensiv mit Mentalsuggestion arbeitet, sei die „Christ­liche Wissenschaft“ genannt. In meinem Buch Ok­kultes ABC steht darüber ein Kapitel mit Beispielen.

Mary B. Eddy meint, daß „mind-healing“, die geistige Konzentration auf einen Kranken, die richti­ge Heilung sei. Die Umkehrung davon – das Krank­machen – dagegen sei die Malpraxis. Sie ist in den Büchern Science and Health und in Vermischte Schriften insgesamt 15mal erwähnt. Mit biblischen Vorgängen, Gebet und Glauben hat die „Christliche Wissen­schaft“ nichts zu tun.

Einige Beispiele zur Anwendung der Mentalsug­gestion:

B 45 Eine Arztfrau erzählte mir, daß ihr Schwa­ger, ein evangelischer Pfarrer, ein Okkultist sei. Er macht spiritistische Experimente, betreibt Hyp­nose und mentale Angriffsmagie. Er kann auf Entfernung seinen Gegnern Schmerzen verursa­chen und bei ihnen Ekzeme hervorbringen. Der Pfarrer hat sechs Brüder, die ihm Hausverbot erteilt haben. Dieser religiöse Okkultist ist Freund extremer Pfingstrichtungen. Als er einmal Bran­ham begegnete, sagte ihm dieser: „Sie sehen aus wie der Engel, der mir täglich erscheint.“ Bran­ham war ja auch ein praktizierender Spiritist und führte nur aus, was sein Kontrollgeist ihm auftrug.

B 46 Ein anderes Erlebnis stammt aus Kanada, wo ich insgesamt 18mal evangelisierte. Eine Frau beichtete, daß sie aktive Zauberei getrieben habe. Sie war als Mädchen mit einem jungen Mann befreundet, mit dem sie sich eingelassen hatte. Der junge Mann ließ sie im Stich. Sie suchte eine „Hexe“ auf und bat um ein Rachemittel. Diese gab ihr einen Spruch aus dem 6./7. Buch Mose, den sie jeden Abend anwandte. Der junge Mann saß an der Kasse eines Kinos. Jeden Abend zur bestimm­ten Zeit bekam er rasende Leibschmerzen, die so stark wurden, daß er sich auf dem Boden wälzte. Man teilte dies dem Mädchen mit, sie solle sich um ihn kümmern, da er vielleicht sterben würde. Als sie ihn sah, erschrak sie. Er hatte eingefallene Wangen, war gelb im Gesicht und erzählte ihr von seinen periodischen Schmerzen. Daraufhin ließ sie von ihm ab. Seine Schmerzen hörten auf. Seit dieser Zeit fand sie aber keinen Frieden und suchte Hilfe bei Christen, fand sie aber nicht. Schließlich kam das Mädchen auch zu mir und beichtete. Sie bekannte, daß sie einen Spruch aus dem 6./7. Buch Mose mit den drei Höchsten Namen benutzt hatte. Es war also eine Mentalsuggestion nach der Regel der sogenannten „weißen Magie“.

B 47 In Österreich erlebte ich das gleiche Bei­spiel, nur umgekehrt. Ein junges Mädchen wurde von einem Mann heftig umworben. Da sie wußte, daß er mit dem 6./7. Buch Mose Experimente anstellte, gab sie seiner Werbung nicht nach. Er drohte ihr dann: „Warte, das mußt du büßen.“ In der Nacht darauf wurde sie von unsichtbaren Mächten furchtbar geschlagen. Dieser Vorgang wiederholte sich oft und steigerte sich so, daß sie blutig geschlagen wurde. Sie kam zu mir zur Aussprache. Ich trug diesen Fall Prof. W. von der Universität Graz vor. Er ist Mediziner und zu­gleich Parapsychologe. Er meinte, vielleicht krat­ze sich das Mädchen an einer harten Bettkante den Rücken auf, oder es seien Dermographismen auf­grund eines starken Erregungszustandes. Diese Diagnose stimmte nicht, da sich die blutigen Schlagstellen am ganzen Körper zeigten. Außer­dem konnte das Mädchen nach seelsorgerlicher Beratung im Gebet die nächtlichen Angriffe ab­wehren.

Die Mentalsuggestion, die zur Fernheilung oder zur magischen Verfolgung eingesetzt wird, hat stets Folgen. Dazu habe ich einige tausend Beispiele seit 1930 gesammelt. Ein Beispiel soll das zeigen.

B 48 Ein Mann ging mit einer Lungentuberku­lose in die Behandlung eines Lungenspezialisten. Die Röntgenaufnahme zeigte in der Lunge ein Loch von der Größe eines Hühnereis. Der Patient wurde sofort nach Davos überwiesen. Die Ärzte machten der Frau keine Hoffnung auf Heilung. Daraufhin ging seine Mutter zu dem okkulten Heilpraktiker Grätzer nach Maria Einsiedeln. Ge­gen ein reichliches Honorar nahm Grätzer an dem Lungenkranken eine Fernbehandlung vor. Wider Erwarten der Ärzte und des Patienten selbst führte die Fernbehandlung zu einer vollen Heilung. Von der Zeit der Heilung an veränderte sich der Patient charakterlich und religiös. Er trat aus der Kirche aus und schob alles Göttliche von sich weg. Er stürzte sich in ein lasterhaftes und vergnügungs­süchtiges Leben und ließ seiner sexuellen Trieb­haftigkeit freien Lauf. Gleichzeitig stellten sich auch Selbstmordgedanken ein. Seine seelischen und nervösen Störungen brachten ihn schließlich in die Seelsorge. Jedesmal, wenn man mit ihm beten wollte, war seine Gedächtniskraft und seine Aufnahmefähigkeit weg. Er fiel jedesmal in eine Absence. Die Absencen, die durch Gebet ausge­löst werden, sind übrigens ein Symptom, daß der Betreffende magisch besprochen worden ist. Dieses Beispiel gehört gleichzeitig in das Kapitel der Resistenzphänomene. Es gibt eigentlich bei allen magischen Praktiken Querverbindungen. Dazu gibt es ein Kapitel in meinem Buch Seelsorge und Media­lität, ab Seite 581.

S 17 Zur mentalsuggestiven Heilung eine langjäh­rige Beobachtung. Es finden nur Verlagerungen statt. Die magische Heilung eines organischen Lei­dens wird mit seelischen Störungen bezahlt. Die Störungen treten häufig erst bei einer geistlichen Beeinflussung auf.

Nun folgt ein Beispiel, das ich mit großem Herz­weh wiedergebe. Es handelt sich um eine Seelsorge, die sich über Jahre erstreckte und doch erfolglos blieb. Das macht die Tatsache deutlich, daß der Seelsorger nichts ist, und nur einer helfen kann: Jesus Christus. Er befreit aber nicht jeden Zauberer, für den gebetet wird, wenn der betreffende Magier nicht mit ganzem Ernst von seinen unheimlichen Kräften loskommen will.

B 49 Ein Junge, dessen Eltern und Großeltern ich kannte, wurde drei- oder viermal zu den stärksten Zauberern von Appenzell gebracht. Er nannte mir Namen wie Hermano, Grünefelder, Schneider, Grätzer usw. Diese Männer, die alle mit Mentalsuggestion und Magie arbeiteten, er­kannten die starke mediale Veranlagung des jun­gen Burschen und eröffneten ihm eine erfolgreiche Laufbahn als Naturheiler. Das alles war das Vor­spiel dessen, was nun folgt. Mit 13 Jahren schon entdeckte Erino die Fähigkeit, auf Entfernung Menschen beeinflussen zu können. Er konnte z. B. auf eine Entfernung von 100 km mit Hilfe einer Handschriftprobe die Krankheit einer ihm völlig fremden Person richtig angeben. Stellte er sich in seinen Gedanken auf die kranke Person ein und dachte konzentriert an die Heilung des Kranken, dann trat bei dem Patienten tatsächlich eine Besserung ein. Nach dieser konzentrierten Ge­dankenarbeit wusch er sich immer die Hände, um gleichsam die fernübertragenen Krankheitsstoffe, wie er sich ausdrückte, abzuwaschen. Ein Beispiel sei erwähnt. Im Alter von 16 Jahren erhielt er eine Handschriftprobe. Er schloß halb die Augen und fuhr mit den Fingern die handgeschriebenen Zei­len ab. Die Diagnose lautete: Nierenerkrankung und Ekzem am linken Bein. Die betreffende kran­ke Frau war 120 km vom Wohnort des Jungen entfernt. Die Diagnose des Jungen stimmte mit dem Arztzeugnis überein. Die Frau litt seit 6 Jahren an offenen Ekzemen. Ärztliche Hilfe hatte bisher versagt. Der Junge versuchte eine Fernbe­einflussung. Er dachte mit großer Konzentration an den Satz: „Ich will dir helfen.“ Er betete sogar zu Gott, um seine Gedankenkonzentration zu verstärken. Nach zwei Monaten überzogen sich die Ekzeme mit einer dünnen Haut. Was 6 Jahre lang ärztliche Hilfe nicht erreichte, wurde der Patientin durch Fernbehandlung gegeben.

Der Junge fühlte auch bei persönlicher Begeg­nung den Menschen die Krankheiten und den Charakter ab. Er spürte hellfühlend oder instink­tiv bei Christen, ob ihr Glaube echt ist oder nicht. Erino machte bei der Inanspruchnahme seiner fernwirkenden Kräfte selbst die Beobachtung, daß seine Schulleistungen und die übrigen geistigen Fähigkeiten jedesmal absanken, wenn er seine medialen Gaben gebrauchte. Er fragte sich, ob seine Fähigkeiten Naturgaben seien und ob er sie ohne Schaden für seinen inneren Menschen ge­brauchen könne.

Bemerkenswert ist, daß dieser junge Fernheiler auf sexuellem Gebiet keine Anfechtungen hatte und deshalb auch noch nie onanierte. Diese Fest­stellung paßt in den Rahmen der fernwirkenden Kräfte. Alle Fernheiler erklären, daß sie bei geschlechtlicher Enthaltsamkeit größere Fähigkeiten besitzen würden. In religiöser Hinsicht zeigten sich bei einer geistlichen Betreuung des jungen Fernheilers typische Merkmale. Wenn man mit dem jungen Heiler beten wollte und ihn auf Christus hinwies, wurde ihm schwarz vor den Augen. Er war dann im Kopf so verwirrt, daß er nicht einmal ein vorgesprochenes Gebet satzweise nachsagen konnte. Er büßte jegliche Konzentra­tion ein. Hörte man mit dem Gebet und dem Zuspruch des Wortes Gottes auf, dann war er wieder im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Der Junge wollte gern Christus nachfolgen und gab sich alle Mühe. Es gelang ihm aber nicht, an Christus zu glauben und sein Leben ihm zu über­geben.

Die Großeltern und die Mutter kamen in alle meine Vorträge, wenn ich in der Schweiz evangeli­sierte. Mit Erino selbst hatte ich gute Gespräche. Er war offen für das Evangelium, drang aber nicht durch. Nach dem Schulabschluß erlernte er keinen Beruf, sondern fing eine Heilerpraxis an. Er ver­sprach mir zwar, daß er sich in keine dunklen Dinge einlassen wolle. Seine Medialität war aber stärker als sein guter Wille. Ich habe viele Jahre für ihn gebetet und dann die Verbindung mit ihm verloren. Er praktiziert heute im Eldorado der magischen Heiler, im Kanton Appenzell.

Es ist gut, wenn manchmal einem Seelsorger demonstriert wird, daß er ein unnützer Knecht ist (Luk. 17,10). – (Erino ist nicht der richtige Name des Jungen.)

S 18 Ich nehme an, daß es auch ungefährliche Formen der Mentalsuggestion gibt. Ich bekomme jedoch in der Seelsorge eine negative Auslese zu Gesicht. Auf jeden Fall aber ist die Mentalsuggestion in der Kombination mit Magie, Spiritismus und anderen okkulten Praktiken ein unheilvolles Unterfangen.

 

Naturgabe und Charisma – oder Medialität

Diese drei Gebiete werden oft verwechselt. Sogar aktive Christen halten manchmal ihre Fähigkeit, mit der Wünschelrute zu gehen, für eine schöpfungsbe­dingte Gabe. Vor einigen Jahren kam ein Buch heraus, dessen Titel und Autor ich nicht nennen will, weil der Verfasser einer meiner Freunde war, der inzwischen verstorben ist. Sein Buch wurde wegen zu großer Zugeständnisse gegenüber der Parapsy­chologie teilweise heftig kritisiert. Ich kam mit ihm ins Gespräch darüber. Er bekannte: „Ich kann selbst mit der Rute gehen, praktiziere das aber nicht.“ Ich fragte ihn: „Wo hast du das her?“ Seine Antwort war:

„Diese Fähigkeit bestand schon bei meinen Vorfah­ren.“ Also eine Vererbung, die sich dann in der harmlosen Beurteilung parapsychologischer Phäno­mene niederschlug.

In dem Katalog der medialen Kräfte sind nicht alle Formen genannt worden. Unter dem Gesichtspunkt der Verharmlosung sollen drei weitere Gebiete ge­nannt werden, die zusammengehören. Sinn der ver­schiedenen Beispiele ist der Hinweis oder Wahrheits­beweis, daß die paranormalen Fähigkeiten in diesem Bereich keine Gaben Gottes sind. Es handelt sich um:

I. Rückschau-Erlebnisse, Fähigkeit des zweiten Gesichtes.
II. Zeitgleiche Visionen oder auch Miterlebnisse auf Entfernung. Sie können als Wahrtraum oder als Wachvision erfahren werden.
III. Vorschauerlebnisse – die Nekroskopie. Es handelt sich bei diesen Gruppen nicht um Halluzinationen, also Symptome einer Gei­steskrankheit, sondern um Erlebnisse im medialen Bereich mit wenigen Ausnahmen, die einen anderen Charakter haben können.
IV. Medial sind auch die Pseudocharismata.

I.

B 50 Vor Jahren hatte ich einen Mann in der Seelsorge, der die Fähigkeit des zweiten Gesichtes besaß. Er konnte Verstorbene aus zwei Jahrhun­derten sehen. Aus der Zeit Napoleons erschienen ihm am hellen Tag Soldaten in der damaligen französischen Uniform. Fuhr ein Auto in eine solche Kolonne hinein, geschah gar nichts. Hinter dem Auto waren die Phantome wieder zu sehen.

Das bestätigt zum Beispiel die Annahme, daß das Totenreich gegenwärtig, aber unserer Di­mension enthoben ist. Die nicht materiellen Körper und die lebenden Menschen stören sich gegenseitig nicht. Es ist, wie Prof. Rohrbach sagte, ein Ineinander von Unsichtbarem und Sichtbarem.

Nun ist die Frage, wie wir diese mediale Veranla­gung einzustufen haben. Soll das eine Gabe Gottes sein? Ich fragte diesen Mann nach seiner Familien­vorgeschichte. Das Ergebnis war aufschlußreich. Seine Mutter und Großmutter waren Krankheits­bannerinnen durch magische Kräfte. Ich zeigte die­sem Mann den Weg zu Jesus und wollte wissen, ob er sich dieser Gabe erfreue, oder ob sie ihm lästig sei. Er erklärte, er leide seelisch und nervlich darunter. Dann betete ich mit ihm ein Lossagegebet. Der Herr erhörte überraschend schnell. Dieser Bruder war von diesem Augenblick an frei von seiner medialen Fä­higkeit.

B 51 Bei einer Vortragstour im südlichen Afrika kam eine Pfarrfrau zu mir in die Seelsorge. Sie berichtete, daß sie beim Beten und Bibellesen stets angefochten sei. Sie hatte auch die Fähigkeit des zweiten Gesichtes. Auf meine Fragen nach ihren Vorfahren gab sie zu, daß ihr Großvater magischer Krankheitsbanner und Besprecher gewesen sei. Alle seine Nachkommen, zu denen sie auch ge­hört, hätten die Fähigkeit des zweiten Gesichtes und andere mediale Kräfte.

In meiner Kartei befinden sich unzählige Beispiele des zweiten Gesichtes. Alle stammen aus dem Milieu des magischen Brauchtums. Meistens sind solche angeblichen Naturgaben auch gekoppelt mit einer depressiven Veranlagung und Störungen des christli­chen Glaubenslebens. Noch einige Beispiele dazu.

B 52 Eine Gemeindehelferin kam in die Seelsor­ge und klagte über Depressionen und der Bela­stung durch mediale Erfahrungen. Meine Frage, ob sie besprochen worden sei, bejahte sie. Groß­vater und Vater nahmen magische Hilfe in An­spruch. Ihr Vater hatte als kleiner Junge eine Blutvergiftung, die sich bedrohlich verschlimmer­te. Der behandelnde Arzt wies den Jungen zur Amputation eines Fingers in ein Krankenhaus ein. Der Chirurg besah sich den Schaden und erklärte: „Kommt morgen früh zur Amputation des Fin­gers.“ Der Vater kam am nächsten Tag wie be­stellt. Der Chirurg fragte: „Was habt ihr gemacht? Der Finger ist besser. Eine Amputation ist nicht mehr notwendig.“ Der Vater erklärte wahrheits­gemäß: „Wir waren bei einem Heilpraktiker, der vermutlich mehr kann als die Ärzte.“

Die Hand des Jungen heilte rasch. Er war aber zeit seines Lebens seelisch bedrückt und belastet. Die Tochter des besprochenen Mannes ist die berichtende Gemeindehelferin, die seit ihrer Ju­gend unter der Fähigkeit des zweiten Gesichtes leidet.

Vor vielen Jahren, als Rhodesien noch für Euro­päer freies Reiseland war, nahm ich die Einladung einer Baptisten-Gemeinde in Salisbury an, um dort Vorträge zu halten. Rhodesien ist das heutige Simbabwe, und Salisbury wurde in Harare umbe­nannt. Nach den Vorträgen hatte ich wie üblich Seelsorge. Ein Beispiel übernahm ich in meine Kartei.

B 53 Ein Professor der medizinischen Fakultät berichtete in der Aussprache, daß er die Fähigkeit des zweiten Gesichtes habe. Diese medialen Bela­stungen seien schon bei seinen Vorfahren bekannt geworden. – Mir zeigte dieses Beispiel, daß auch die hochintellektuellen Kreise medial verseucht sein können. Der Verstand schützt nicht vor mysteriösen Belastungen.

II.

Die Fähigkeit des zweiten Gesichtes erstreckt sich nicht nur auf Nacherlebnisse und Beobachtung von Verstorbenen vergangener Zeiten. Es gibt zahlreiche verbürgte Fälle, daß Menschen in der Sterbestunde eines entfernt wohnenden Verwandten alles miterle­ben. Ein Beispiel dazu.

B 54 Ein okkulter Praktiker schrie eines Nachts auf. Seine Frau weckte ihn und fragte: „Was hast du geträumt?“ Der Ehemann antwortete: „Mein Bruder rief mich und schrie: Hilf mir!“ Am nächsten Morgen kam ein Telegramm mit der Todesanzeige. Der Traum war in der Sterbe­stunde des Bruders erfolgt.

B 55 Eine Fischersfrau an der Nordseeküste wurde eines Morgens durch starkes Klopfen an der Tür aus dem Schlaf geweckt. Sie sah nach, wer der frühe Besucher wäre. Sie entdeckte niemand an der Tür. Augenblicklich kam ihr der Gedanke, ihrem Mann wäre auf hoher See bei dem Fischzug etwas zugestoßen. Ihre Vermutung bestätigte sich. Der Mann war in dieser Nacht ums Leben gekommen. Das Türklopfen war gleichsam der letzte Gruß des Verunglückten.

Diese gleichzeitigen Miterlebnisse gibt es in gro­ßer Zahl. Meine Kartei weist viele Beispiele dieser Art besonders aus der Kriegszeit aus. In der Beur­teilung ist Vorsicht geboten. Diese gleichzeitigen Visionen vom Sterben oder Tod naher Angehöri­ger können auch mit einem natürlichen telepathi­schen Kontakt erklärt werden. Das Gros derarti­ger Erlebnisse ist medial, also okkult bedingt. Es gibt aber zwischen Menschen, die sich sehr liebha­ben, eine seelische Kontaktbrücke, eine Reson­nanz, ein Mitschwingen des Herzens, wenn dem geliebten Menschen in der Ferne etwas Leidvolles zustößt.

Aufschlußreich sind Erlebnisse von Kindern, die auf dem Weg der Vererbung nicht durch eigene okkulte Betätigung medial geworden sind. Dazu ein Hinweis aus meiner seelsorgerlichen Arbeit.

B 56 Bei Vortragstouren in Südafrika wohnte ich einige Male bei einem Arzt. Er ist Christ, hatte aber doch Gefallen an fernöstlichen Systemen und betrieb z. B. auch Yoga. Er wurde dabei medial, wenn er es nicht schon vorher war. Nachweislich stellte sich erst nach den Yogaübungen die Fähig­keit des zweiten Gesichtes ein. Er sieht seit einigen Jahren eine weiße Katze nur als eine Vision. Danach stirbt immer jemand aus der Verwandt­schaft. Seine kleine Tochter zeigt die gleichen Fähigkei­ten. Bei einer Fahrt zur Schule fuhr die Mutter mit dem großen Wagen hinterher. Das Kind sagte dabei zum Vater: „Wenn Mama jetzt gegen einen Felsen fährt, ist sie tot.“ Der Vater verwehrte dem Kind dieses Gespräch und erwiderte: „Wir haben heute Morgen gebetet, daß uns beim Autofahren nichts passiert. Fange nicht mehr davon an.“ Die kleine Tochter konnte sich aber nicht beruhigen. – Auf einmal hörten sie hinter sich einen Krach. Die Frau war gegen eine Hauswand gefahren, weil die Bremsen versagt hatten.

Einige Jahre später hörte ich, daß auch der älteste Sohn mediale Fähigkeiten entwickelte. Vermutlich liegt also doch eine vererbte Medialität vor

III.

Im dritten Kapitel geht es um die zeitliche Voraus­schau von Todesfällen. Es geht also nicht um die allgemeine Präkognition, die Erfahrung eines zu­künftigen Sachverhaltes, der nicht logisch erschlos­sen werden kann, sondern um die spezielle Nekro­skopie.

B 57 Das erste Beispiel ist das Erlebnis eines evangelischen Pfarrers. Er ist ein liebenswürdiger Mann, der mir menschlich nahesteht. Meine Mei­nung über seine mediale Befähigung kann ich trotzdem nicht ändern.

Dieser Pfarrer hat die Gabe der Nekroskopie. Mir ist das in der Seelsorge schon vielfältig begeg­net. Ich habe diesen Bruder informiert, daß es nach meiner Erfahrung eine mediale Befähigung darstellt, die aus den Zaubereisünden der Vorfah­ren stammt. Er lehnte das entschieden ab mit dem Hinweis: „Meine Eltern und Großeltern waren fromme Leute.“

Für mich ist ein solcher Hinweis kein Gegenargu­ment. Es gibt Tausende von frommen Menschen, die in Unwissenheit okkulte Praktiken für harmlos hal­ten. In den anderen Fällen von Nekroskopie, die ich in der Seelsorge zu behandeln hatte, lagen okkulte Wurzeln vor. Einen Nachweis kann ich in dieser Geschichte des evangelischen Pfarrers nicht führen. Es geht hier nur um das Problem der groben Verwechslungen und Fehldeutungen. Meine Erfahrung in mehr als einem halben Jahr­hundert zeigt, daß sowohl die Fähigkeit des zweiten Gesichtes als auch der Nekroskopie mediale Bela­stungen darstellen.

Zu der Aussage des Pfarrers: „Ich hatte fromme Vorfahren“, folgender Hinweis.

B 58 Einer meiner Freunde ist Personalchef einer Firma mit 1300 Arbeitern. Nach der Umsiedlung der Deutschrussen aus Sibirien stellte die Firma viele der Umsiedler an. Der Personalchef sagte mir: „Es ist doch seltsam mit diesen Russen. Die Mehrzahl sind gläubige Christen, was wir sonst unter unseren Arbeitern nicht feststellen können. Von drei Russen sind jeweils zwei gläu­big.“ – Übrigens ist das meine eigene Erfahrung auch.

Nun kommt aber die Kehrseite. Jemand sagte mir: „80 % der Deutschen aus Sibirien sind besprochen worden und haben depressive Belastungen und ande­re Auswirkungen einer okkulten Belastung.“ Das hängt damit zusammen, daß diese Deutschen in Sibirien keine Ärzte hatten und daher mit ihren Erkrankungen zu den magischen Besprechern gingen. Einer von diesen belasteten Deutschrussen in­formierte mich mit folgender Darstellung: „Wir ha­ben in unserer Familie auf den Knien gebetet und Hausandachten gehalten. Wenn aber jemand krank wurde, nahmen wir unsere Zuflucht beim okkulten Heiler.“

Ich habe die Nekroskopie in verschiedenen Formen kennengelernt: als Wahnraum, als Wach­vision und als akustisches Erlebnis. Dazu einige Hinweise:

B 59 Eine Krankenschwester berichtete mir in der Aussprache einen Traum. Sie sah ihre entfernt wohnende Tante im Sarg liegen. Sie wußte nichts von einer Erkrankung dieser Verwandten. Der Blumenschmuck und die roten Lippen der Toten blieben ihr in der Erinnerung haften. Am nächsten Morgen kam ein Telegramm mit der Todesanzeige der Tante. Die Nichte reiste hin. Das Bild der Verstorbenen glich dem Traumbild.

Diese Krankenschwester erzählte mir weitere Erlebnisse auf diesem Gebiet. Ich erklärte ihr dann, daß ihre Fähigkeit des zweiten Gesichtes magische Wurzeln hätte. Die Familienvorge­schichte bestätigte meine Vermutung. Der Groß­vater war magischer Besprecher gewesen. Die Mutter und ihre Schwestern steckten ebenfalls in der Zauberei. Eine Blutsverwandte hatte Selbst­mord verübt. Eine andere Blutsverwandte ist ebenfalls mit dem zweiten Gesicht geplagt.

B 60 Ein Beispiel für eine Wachvision stammt aus einem evangelischen Pfarrhaus. Die 17jährige Hausgehilfin sah in der Vorschau, daß sie einen Säugling und die Mutter pflegte. Nach zwei Mo­naten würde aber die Pfarrfrau sterben. Eine Suggestion liegt nicht vor, denn das Mädchen hatte über die Vision geschwiegen. Die vorausge­schauten Ereignisse trafen alle ein. Über den Charakter der medialen Kräfte herrscht in der Christenheit große Verwirrung, bei den Pseudocharismatikern und bei den „Eisschrankchristen“. Ein Beispiel, das ich bei einer Evangelisation im norddeutschen Raum aufnahm.

B 61 Eine Frau erzählte in der Seelsorge, sie habe die Gabe, Todesfälle in der Verwandtschaft vorauszusehen. In ihren Träumen würde sie auch Gott, Christus und Engel sehen. Die Berichtende meinte, das seien biblische Träume, so wie es die Männer der Bibel erlebt hätten. Ich bestritt die Herkunft ihrer Träume und Visionen und wies darauf hin, daß in Familien mit praktizierenden Okkultisten solche visionären Erlebnisse sehr häufig seien.

Im Verlauf des Gesprächs kam dann der Pferde­fuß zum Vorschein. Bei der Frage nach den Vor­fahren erhielt ich die gleiche Antwort wie von dem evangelischen Pfarrer in B 57. „Meine Vorfahren waren fromme Leute.“ Besonders der Urgroßva­ter sei speziell ein gottesfürchtiger Mann gewesen, der vielen Kranken hätte helfen können. Auf die Frage, wie er das gemacht habe, fuhr sie fort: „Der Urgroßvater hat bei Todesfällen vor der Beerdi­gung Nägel übers Kreuz in das leere Grab gewor­fen. Danach hat er drei Vaterunser gebetet und einen Spruch aus einem frommen alten Buch zitiert.“

Dieser Bericht zeigt eindeutig, daß dieser Ur­großvater weiße Magie nach den Regeln des 6./7. Buch Mose getrieben hatte. Das ist die Wurzel der Fähigkeit des zweiten Gesichtes und der Nekro­skopie.

Eine sehr markante Geschichte der Nekroskopie hörte ich in Port Elizabeth/Südafrika. Ich muß aus­drücklich erwähnen, daß ich Veröffentlichungsrecht habe. Die Erlebnisse von Frau Sutten würden ein Buch ausfüllen. Es soll hier nur ein einziges Beispiel folgen.

B 62 Frau Sutten sah lückenlos die Todesfälle in der Verwandtschaft voraus. Sie hörte häufig den sogenannten „Death Knock“, ein Klopfzeichen des Todes, voraus. Dabei wußte sie nicht, wem es jedesmal galt.

Frau Sutten hatte von ihrem Sohn, wohnhaft in East London, die Einladung erhalten, ihre Ferien dort zu verbringen.

In der letzten Urlaubswoche hörte sie nachts nicht den üblichen Death Knock, sondern sah einen Sarg senkrecht stehen. Sie stieß einen Schrei aus. Die Schwiegertochter erwachte und fragte sie: „Was hast du geträumt?“ Frau Sutten antwortete: „Da steht ein Sarg.“ Die Schwiegertochter erwi­derte: „Ich sehe aber nichts.“

Am Frühstückstisch wurde das nächtliche Er­lebnis besprochen. Der Sohn zwinkerte mit den Augen und meinte: „Die Mutter hat wieder einmal ihre Schrullen.“

Weil Frau Sutten aber ihre Angst nicht los wurde, erklärte der Sohn: „Ich fahre dich einen Tag früher als geplant zurück.“ So geschah es. Es war ein Freitag. Daheim angekommen, lief ihr der elfjährige Sohn der dort wohnenden Tochter ent­gegen und hängte sich an ihren Hals. Am Sonntag fuhr die Schwiegertochter mit sechs Enkeln zur Sonntagsschule. Da raste aus einer Seitenstraße ein Mischling quer über die Hauptstraße und rammte das Auto mit den sechs Kindern, daß alle schwer verletzt waren. Der Elfjährige wurde im Kranken­haus operiert. Da auch das Rückenmark verletzt war, kam jede Hilfe zu spät. Er starb noch am gleichen Tag. Nun sprach der Sohn nicht mehr von Schrullen.

Natürlich fragte ich Frau Sutten nach ihren Vorfahren. Auch da kam heraus, daß der Großva­ter Besprecher und Spiritist gewesen war. Ich zeigte dann dieser heimgesuchten Frau den Weg der Befreiung durch Christus.

Bei einem Pfarrkonvent wurde ich gefragt: „Sind Ihre Beispiele nicht zu negativ. Es muß doch auch positive Erlebnisse geben.“ Selbstverständlich gibt es Abertausende von biblischen Erlebnissen. Meine Bücher bringen dazu viele Berichte, vor allem aus den Erweckungsgebieten.

Mediale Erlebnisse haben aber einen negativen Charakter. Sie sind ein Katalysator für dunkle para­normale Erfahrungen, die nicht in den psychiatri­schen oder psychologischen Bereich gehören.

Hören wir andeutungsweise einige Erlebnisse mit biblischem Charakter.

B 63 Von Mutter Eva von Tiele Winckler wird berichtet, daß sie einmal eine ganze Woche lang innerlich gedrungen wurde, für ein bestimmtes chinesisches Missionsfeld zu beten. Erst ein halbes Jahr später erfuhr sie, daß diese Missionsstation von Räubern und Kommunisten belagert worden war, aber durch ein göttliches Eingreifen ver­schont blieb. Das war ein Miterleben nicht durch mediale Kontakte, sondern durch den Geist Gottes her­vorgerufen.

B 64 Zu meinen gesegnetsten Begegnungen gehört das Zusammentreffen mit Dr. Edman, dem Präsidenten des Wheaton College, und Dr. Evans, einem Veteran der Waliser Erweckung. Diese beiden Männer verbindet ein großes göttliches Erleben. Dr. Edman war als Missionar in Peru und steckte sich bei einer tödlich verlaufenden Epide­mie an. Er kam als Sterbender nach einem mehrtä­gigen Transport in ein Krankenhaus in Ecuador. Zur gleichen Zeit hatte Dr. Evans eine Bibelfrei­zeit im Osten der USA. An einem Tag fühlte er sich gedrungen, mit einer Gruppe für Dr. Edman zu beten. Die Gebetsgemeinschaft dauerte einige Stunden.

Beide Männer waren rund 6000 km von einan­der entfernt. Telefonische Verbindung gab es nicht. Das war ebenfalls ein „Miterleben“, durch den Heiligen Geist vermittelt. Dr. Edman starb nicht, sondern genas zum Erstaunen der Ärzte.

B 65 Einer meiner Freunde war der Evange­liumssänger Franz Knies. Er hatte eine Mutter, die wie die alte Hanna „Tag und Nacht nicht mehr vom Tempel wich“. Sie war eine Beterin, wie ich sie nur zweimal in meinem Leben antraf : Miss Mears in Kalifornien und Mutter Knies.

Als Franz noch nicht gläubig war, hatte er als Student Selbstmordgedanken. Er schrieb das selbst in seiner Biographie Beruf wurde zur Berufung. In seiner Misere stand er eines Tages auf der Isarbrücke in München und wollte sich ins Wasser stürzen. Seine Mutter sah ihn im Gebet in dieser Situation. Als sie Franz einmal in München besuchte, gingen sie über diese Isarbrücke. Plötzlich bieb die Mutter stehen und sagte: „Hier sah ich dich mit deinen dunklen Gedanken.“ Franz war überrascht und meinte, seine Mutter beherrsche das „Spöken­ kieken“.

Hier hat Gott nicht den medialen, sondern den biblischen Kontakt im Gebet hergestellt.

S 19 Aus den gegebenen Beispielen schälen sich einige Symptome heraus. Rückschau und Vorschau sind keine Halluzina­tionen im psychiatrischen Sinn. Unter einer Hallu­zination versteht der Psychiater eine Sinnestäu­schung, bei welcher die Wahrnehmung kein reales Wahrnehmungsprojekt hat. So definiert Prof. Uwe Peters.

Mediale Rückschau- und Vorschau-Erlebnisse ha­ben einen realen Charakter. Es handelt sich um Ereignisse, die in der Vergangenheit geschehen sind oder in Zukunft erfüllt werden.

Mediale Erlebnisse und biblisches Geschehen las­sen sich unterscheiden. Mediale Vorschau hat stets einen negativen Charakter. Es werden Todesfälle, Katastrophen, Feuersbrünste, Überschwemmun­gen, Autounfälle usw. vorausgesehen, die sich nicht verhindern lassen.

Biblische Erlebnisse haben positiven Charakter. Gläubigen Menschen gibt Gott manchmal Warnungen in Träumen oder in Wachvisionen. Diese göttli­chen Warnungen erfüllen das Ziel der Bewahrung vor zukünftigen Gefahren.

Die Frage der Unterscheidung ist ein schweres Problem. Es ist oft nur möglich, wenn der betreffen­de Seelsorger ein wiedergeborener Christ ist. Mit­gliedschaft in einer Kirche oder Freikirche bedeutet noch nicht die Tatsache einer Wiedergeburt. 1. Kor. 2,14: Nur der geistliche Mensch kann unter­scheiden.

 

IV.

Charakter der pseudocharismatischen Bewegung und der in ihr wirksamen Kräfte

In diesem Kapitel ging es bisher um die fälschliche Zuordnung medialer Gaben zu den Gegebenheiten und Tatsachen des ersten Glaubensartikels. Es sollen Kräfte sein, die der Schöpfer in die Natur hineinge­legt hat, und die wir deshalb in Anspruch nehmen dürfen.

Noch schwieriger als die Vermischung mit dem ersten Glaubensartikel ist die Zuordnung der media­len Kräfte zu dem dritten Glaubensartikel. Mediale Außerungen sollen Wirkungen des Heiligen Geistes sein. Damit sind wir bei der charismatischen Bewe­gung, bei der solche katastrophalen Verwechslungen in Massen passieren.

Zur Beweisführung weise ich auf einen Mann hin, der zu dieser Bewegung eine positive Einstellung hat. Es handelt sich um den Psychoanalytiker Karl Guido Rey. Seine beiden Bücher Neuer Mensch auf schwa­chen Füßen. Erfahrungen eines Psychoanalytikers mit GottGotteserlebnisse im Schnellverfahren. Suggestion als Gefahr und Charisma habe ich mit Gewinn gelesen. Zunächst sei darauf hingewiesen, daß er für mich aus entgegengesetzter Richtung kommt: und

Er ist Katholik, ich evangelischer Theologe. Beruflich ist Rey ein Psychoanalytiker. Hören wir einmal, was er in dem Vorwort des erstgenannten Buches schreibt.

„Ich hatte bisher zu sehr nur an die Psychologie geglaubt… Ich erkannte jedoch während der letzten Jahre immer deutlicher, welche enge Gren­zen sowohl der Psychologie als auch der von ihr empfohlenen Selbstverwirklichung gesteckt sind. Diese Erkenntnis ließ mich, Grenzen überschrei­tend, immer intensiver nach Gott suchen. Ich durfte ihn finden und erfahren. Ein Wendepunkt, an dem ich mich umorientierte und mich ganz unter das Wort Paulus in Eph. 4,17-24 stellte: Leget nun von euch ab nach dem vorigen Wan­del den alten Menschen, der durch Lüste im Irrtum sich verderbt. Erneuert euch aber im Geist eures Gemütes und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Ich möchte mit meinem Buch möglichst viele ermutigen, das Abenteuer der Veränderung mit Jesus Christus ebenfalls zu wagen.“

Auf Seite 123 dieses Buches schreibt er: „Dieses Christuserlebnis verändert Christen radikal.“ Eine Auswirkung dieser Christuserfahrung ist die Tatsache, daß auch seine Familie diesen Weg fand. Wohltuend in den beiden Büchern von Rey ist, daß nirgends ein Hinweis auf den Marienkult zu finden ist. Der Kern bei Guido Rey ist echt, wenn auch an einigen Stellen die Eierschalen der charisma­tischen Bewegung zu erkennen sind.

Äußerst ergiebig in dem Abwehrkampf gegen unbiblische Erscheinungen bei der pseudocharisma­tischen Bewegung ist das andere Buch von Guido Rey Gotteserlebnisse im Schnellverfahren. Es können nicht alle Sachverhalte des Buches besprochen werden, sondern nur ein einziger Punkt: das Ruhen im Geist. Vor einigen Jahren wurde es aus den USA unter der Bezeichnung „Slain in the Lord“ (erschlagen im Geist) importiert. Anfang unseres Jahrhunderts haben uns die USA schon einmal eine gefährliche Im­portware in Gestalt der Zungenbewegung beschert. Man soll mich nicht mißverstehen. Schon oft betonte ich, daß ich alle Gaben akzeptiere, die der Heilige Geist schenkt, mich aber entschieden gegen menschli­che oder gar dämonische Nachahmungen wehre.

Das „Ruhen im Geist“ beobachtete ich bei Ka­thryn Kuhlman in Pittsburg (USA). Bei einer Hei­lungsversammlung kippten etwa 60 Leute am Po­dium um, die dadurch den Heiligen Geist empfangen hätten, wie Kuhlman und ihre Anhänger glauben. In der Sakristei hatte ich eine Unterredung mit dieser Frau. Ohne, daß ich darum gebeten hatte, betete sie mit mir unter Handauflegung. Sie hielt die Hände etwa 15 cm über meinen Kopf. Ich betete: „Herr Jesus, wenn diese Frau ihre Kräfte nicht von dir hat, bewahre du mich davor.“ Es standen bereits zwei Älteste hinter mir, die mich auffangen sollten. Ich kippte aber nicht, sondern stand wie ein Fels. Ka­thryn Kuhlman war darüber ganz erstaunt und stellte Fragen an mich.

In Hamburg ist Pastor Wolfram Kopfermann der Meinung, es handle sich bei diesem Vorgang um ein biblisches, geistgewirktes Ereignis. Der Holländer Dr. van Dam – den ich übrigens sehr schätze – denkt ebenfalls wie Kopfermann. Es gibt ja treue Kinder Gottes in der charismatischen Bewegung. Es fehlt ihnen aber die Gabe der Geisterunterscheidung.

In der Ewigkeit wird Gott sich nicht nach Organi­sationen und Bewegungen richten, sondern nach dem, ob wir aus dem Heiligen Geist wiedergeboren und Jesus bis zu unserem Tod treu nachgefolgt sind. Wessen Christsein nur aus Kritik an anderen Bewe­gungen besteht, wird einmal zuschanden werden. Genauso geht es dem, der biblische Irrtümer erkannt und dazu geschwiegen hat. Man lese daraufhin die sieben Sendschreiben durch.

Guido Rey lehnt die Behauptung der Charismati­ker ab, es handle sich bei dem Rückwärtskippen um eine Geistestaufe. Da er dieses Gebiet auf fast hun­dert Seiten behandelt, können nur Stichworte wie­dergegeben werden. Hö­ren wir einiges:

S. 54 Wir erneuern die Kirche nicht, wenn wir umfallen. Es wäre schon besser, mit beiden Füßen auf dem Boden der Wirklichkeit des Alltages die Kernforderungen des Evangeliums zu erfüllen.

S. 59 Eines Sonntagnachmittags rief Kathryn Kuhlman alle Geistlichen aufs Podium. Fast 75 Per­sonen kamen ihrer Aufforderung nach und stellten sich zu ihr aufs Podium. Zweimal streckte sie die Hand aus, einmal rechts und einmal links, und alle diese Männer (75 Geistliche!) fielen zu Boden, über­einandergestapelt wie ein Stoß Holz.

Ein anderes Beispiel, das Guido Rey bringt, will ich selbst erzählen, weil der Bericht Reys zu lange ist. Kathryn Kuhlman war als Rednerin bei einer Konferenz der Geschäftsleute in Miami Beach (USA) eingeladen. Während die Evangelistin bete­te, sank eine große Zahl der Anwesenden zu Bo­den. Als andere Hotelgäste vom Hallenbad durch die großen Glastüren die Zuhörer zu Boden sin­ken sahen, meinten sie, es wäre die Auswirkung eines Hitzekollapses. Sie eilten in ihrem Badedreß herbei, um Erste Hilfe zu leisten. Dabei kamen sie selbst „under power“ (unter die Kraftwirkung) und sanken ebenfalls zu Boden. Hier kann man nicht von einer Suggestion sprechen, weil die Herbeieilenden ja nicht wußten, um was es ging. Man kann dabei eher an eine machtvolle Massenhypno­se denken, die ich bei neun Ostasienbesuchen oft berichtet bekam.

Die meisten Rückwärtskipper fanden sich aber nicht bei Kathryn Kuhiman, sondern bei dem europäischen Evangelisten Bonnke, der zuerst in Südafrika wirkte und den „Teufel glattrasieren wollte“, wie er einmal sagte. Jetzt hat er sein Zentrum in Deutsch­land eröffnet. Bei manchen Versammlungen, die er leitete, sind Tausende rückwärtsgefallen.

Auf S.85 nennt Guido Rey das Rückwärtsfallen eine Wachsuggestion und gibt das Beweismaterial an.

Seite 103 schreibt er: „Es ist in unserem Zusammen­hang nicht wichtig, ob es sich beim ,Ruhen im Geist’ um eine oberflächliche oder um eine Tiefenhypnose handelt. Ich nehme aus eigenen Beobachtungen, aus Gesprächen, aus Berichten und aus der Literatur an, daß es sich in den meisten Fällen um einen hypnoti­schen oder hypnoiden Zustand handelt.“

Über die Auswirkungen des Phänomens „Ruhen im Geist“ schreibt Guido Rey eine Reihe Kapitel, von denen nur die Überschriften gebracht werden. Er nennt die Gefahr der Vermassung und fügt chri­stozentrisch hinzu: „Die persönliche Berufung des einzelnen zu Jesus Christus sprengt die Psychologie der Masse.“ Weitere Gefahren nennt Rey: „Gefahr der Manipulation, Gefahr der Fixierung, Gefahr der Regression, Gefahr der Egozentrizität, Gefahr der Bindung an Menschen, Gefahr der Selbsttäu­schung.“

Er fügt zu dem letzten Punkt hinzu: „Man glaubt, vom Heiligen Geist umgeworfen zu sein, während man sich massenpsychologischen Mecha­nismen unterzogen hat.“

Dem Buch von Guido Rey ist soviel Platz einge­räumt, weil es auch dem evangelischen Christen große Hilfestellung gibt, das mysteriöse Phänomen „Ruhen im Geist“ zu verstehen. Und das alles kommt aus der Feder eines Mannes, der selbst aus den Reihen der »Charismatiker» kommt.

Ich akzeptiere, daß weite Teile dieses Phänomens suggestive Vorgänge sind. Aber alles ist damit nicht gesagt. Die Fakire in Ostasien, die ebenfalls Massen in ihre hypnotische Gewalt bekommen, sind hoch­medial und stecken tief in der Magie und Zauberei. Wir haben damit die gleichen Vorgänge: im Osten die Massenhypnose im Bereich des Buddhismus, Hinduismus und Mohammedanismus, im Westen unter christlicher Flagge.

Viele seelsorgerliche Aussprachen auf allen Konti­nenten zeigen mir die Querverbindungen zum Ok­kultismus. Der mediale Faktor dieses Geschehens fehlt leider in Reys Buch. Nur am Rande taucht er auf.

S20 Dieses Kapitel wollte zeigen, dаß die Kräfte des zweiten Gesichtes und Nekroskopie, ferner die an­geblichen Charismata weder Naturgaben im Bereich des ersten Glaubensartikels und noch weniger Gei­stesgaben aus dem Sektor des dritten Glaubensarti­kels sind. Es liegen vielmehr Randerscheinungen paranormaler Art aus dem Gebiet des Okkultismus vor.

B 66 Ein massives Seelsorgebeispiel aus Süd­westafrika soll die Ausführungen abrunden. Ein ev. Pfarrer steckte in der pseudocharismatischen Be­wegung und erhielt von mehreren Pfingstpredi­gern eine Handauflegung, nach denen er jedesmal rückwärts gekippt ist. Er hat also mehrere Geistes­taufen erhalten. Zuletzt konnte er das auch. Wenn er mit jemand betete, fiel der Betreffende rück­wärts zu Boden. Dieser Geistliche war aber doch aufrichtig. Er bekannte: „Mein Sündenleben ging genauso weiter wie vorher. Vergebung und Frie­den hatte ich nicht. Schließlich zeigte mir Gott, daß ich auf falschem Kurs stand und der Gaukelei des Teufels zum Opfer gefallen war.“ Er beichte­te, bekannte alle seine Sünden und erhielt Verge­bung. Nach dieser Umkehr verlor er seine media­len Kräfte. Der Herr schenkte ihm dann auch einen geistlichen Aufbruch in seiner Gemeinde.

 

Krankheit oder Belastung

„Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt und bedarfst nicht, daß dich jemand frage, darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist.“ Joh. 16,30

Jesus ist in die Welt gekommen, daß er für die Wahrheit zeugen soll (Joh. 18,37).

Mt. 9,4: „Da Jesus ihre Gedanken sah …“

Niemand kann Jesus Christus eine Unwahrheit nachsagen. Damit kommen wir zu der Unterscheidung Krankheit oder dämonische Belastung. Jesus hat sich in seinen Diagnosen nie geirrt. In den Evangelien werden Krankheiten und Belastungen klar ge­trennt. Nennen wir einige Stellen.

Mt. 4,24: „Man brachte alle, die an den verschie­densten Krankheiten litten, mit schmerzhaften Übeln behaftet waren, Besessene, Fallsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie alle“.

Mt. 8,16: „Am Abend brachten sie viele Besesse­ne zu ihm; und er trieb die Geister aus mit Worten und machte allerlei Kranke gesund.“

Mt. 10,1: „Jesus rief die Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unsauberen Gei­ster, daß sie die austrieben und heilten allerlei Seuchen und Krankheit.“

Natürlich ist die Bibel kein medizinisches Lehr­buch. Es bleibt aber ein fadenscheiniger Vorwand des Unglaubens, wenn gesagt wird: „Jesus war ein Kind seiner Zeit und vertrat die damaligen An­schauungen. Wir wissen es heute besser.“ Und doch bleibt bestehen, daß Jesus exaktere Diagno­sen stellte als alle medizinischen und psychologi­schen Fachleute von heute. Im Problem der Beses­senheit ragt die unsichtbare Welt in unsere sicht­bare Welt herein. Für diesen Vorgang ist keine Wissenschaft zuständig. Das ist in diesem Buch mehrfach geäußert. Das Problem der Besessenheit ist ausführlich in meinem Buch Besessenheit und Exorzismus behandelt.

Wir treten nun in das Gebiet der seelsorgerli­chen Erlebnisse ein. Zuerst kommen solche Bei­spiele daran, die auch psychiatrisch untersucht worden sind.

B 67 Mein Berichterstatter ist ein gläubiger Mann. Ich wohnte anläßlich einiger Vorträge in seinem Haus. Sein Sohn ist Jurist, der in Köln ein katholisches Mädchen kennenlernte, das sehr hübsch war. Er warb intensiv um sie, ob­wohl er gewarnt wurde. Das Mädchen hatte schon in der Verlobungszeit merkwürdige Erre­gungszustände. Bei diesen Zuständen spricht ei­ne fremde Stimme aus ihr. Sie ist dabei charak­terlich völlig verändert. Ist sie vorher liebens­würdig und freundlich, so ist sie bei diesen Zu­ständen sehr häßlich und schreit: „Du Saukerl, du Mistvieh, du kriegst sie nicht. Sie gehört mir.“

Die Stimmen sprechen also in dritter Person, so als ob ein anderes Wesen und zwar ein Mann aus diesem Mädchen sprechen würde.

Der Jurist studierte zwei Jahre diese Stimme. Er kam zu folgendem Schluß: Seine Braut müß­te einen Liebhaber haben, der in Köln wohnt und sehr reich ist. Das Mädchen erklärte aber im Normalzustand, daß es diesen Mann gar nicht kenne.

Der Jurist gab sich alle Mühe, diesem frem­den Liebhaber auf die Spur zu kommen. Es ist ihm nicht gelungen. Das junge Paar hat dann geheiratet. Die merkwürdigen Zustände blieben. Auf Rat eines Pfarrers suchte der Jurist mit sei­ner Frau einen Psychiater auf. Der Facharzt konnte keine Geistes- oder Gemütskrankheit feststellen. Seltsam war, daß das Testgerät für Enzephalogramme nicht anschlug.

Die Art der Anfälle zeigt, daß keine Schizo­phrenie, sondern eine Besessenheit vorliegt.

In der Psychiatrie werden solche Fälle manch­mal als Dissoziation des Unterbewußtseins mit Verselbständigung der einzelnen Teile erklärt. Bei dieser Diagnose leiben aber noch viele Fra­gen ungeklärt. Sie erreichen auch nicht den wahren Kern der Besessenheit oder okkulten Belastung.

In einem weiteren Beispiel ist eine gläubige Theologin meine Berichterstatterin. Sie suchte für ein Mädchen meinen Rat, nachdem vorher schon zwei Psychiater konsultiert worden waren.

B 68 In einer atheistisch eingestellten Familie wurde die Tochter, eine Abiturientin, gläubig. Von diesem Zeitpunkt an setzten bei dem Mäd­chen Störungen ein. Man erlebt es in der Seelsorge sehr häufig, daß bei Menschen, die eine verborgene okkulte Belastung haben, ihre Medialität offenbar wird, wenn sie ihr Leben Jesus anvertrauen. Das ist das berühmte Resistenzphänomen, das in die­sem Buch in einem eigenen Kapitel behandelt wird. Um die Zeit der Bekehrung des Mädchens starb der Vater. Einige Wochen nach dessen Tod tauchte der Verstorbene in Visionen auf. Die Tochter sieht ihn und spricht mit ihm. Die Erscheinungen wurden immer häufiger. Schließ­lich forderte der Verstorbene von der Tochter, sie solle sich das Leben nehmen.

Bei diesen Besuchen ist die Tochter wie ge­lähmt. Sie kann nicht beten, kann sich nicht rühren und kann nicht einmal an Jesus denken. Das geplagte Mädchen vertraute sich der Theologin an. Diese brachte die Geplagte zu einem Psychiater, der sehr kritisch ist. Bevor er das Mädchen selbst sprach, erklärte er der Seel­sorgerin: „Das sind Halluzinationen und Wahn­vorstellungen.“ Als er dann die vermeintliche Patientin gesprochen hatte, sagte er: „Es liegt nichts Krankhaftes vor. Vielleicht ist es gut, einen Seelsorger einzuschalten.“

Die Seelsorgerin des Mädchens war von der psychiatrischen Untersuchung nicht befriedigt. Sie zog darum einen bekannten Psychiater zu Rate, dem ich früher selber Belastete zuwies.

Auch der zweite Fachmann stellte die gleiche Diagnose wie der erste. Ich habe dann diese Theologin beraten, da ich in einem halben Jahr­hundert viele derartige Erlebnisse hörte und Wegweisung zu geben hatte.

Oft wird gefragt, ob diese Totenerscheinungen wirklich die Verstorbenen sind. Nein! Luther und Spener, dazu viele erfahrene Seelsorger sagen: „Es sind Dämonen, die das Aussehen, das Wissen und die Sprache der Verstorbenen annehmen, um die Lebenden zu verführen.“ In dem Buch Seelsorge und Okkultismus sind B 92 bis B 94 Wiedergän­gererlebnisse.

Zusammenhänge zwischen Krankheit und Bela­stung zeigen sich in großer Häufigkeit bei der Heilungsmagie. Dazu einige Beispiele.

B 69 Prediger Seifert hat mich vor vielen Jah­ren zu einer Evangelisation in Lüneburg einge­laden. Ich wohnte in seinem Haus. In der Lü­neburger Heide wurden früher und auch heute noch Kranke magisch besprochen und dadurch geheilt. Ein Mann, der inzwischen gestorben ist, Schäfer Ast, wurde durch seine Besprecherei Millionär. Ich habe bei Evangelisationen viele Bei­spiele von Besprechungsheilungen durch Schäfer Ast erfahren.

Eines Tages kam ein junger Mann, der meine Vorträge gehört hatte, zu Bruder Seifert, beichtete und übergab sein Leben Jesus. Der Mann war einmal wegen Ekzemen bei Schäfer Ast gewesen und war bei ihm geheilt worden. Nach seiner Bekehrung traten dann bei dem Geheilten die alten Symptome wieder auf. Das übliche Resistenzphä­nomen. Nun suchte die Mutter des jungen Mannes Prediger Seifert auf und machte ihm Vorwürfe. Sie erklärte: „Wenn mein Sohn durch den Schäfer geheilt worden ist, dann ist das nichts Böses. Derartige Vorträge gegen das Besprechen schaffen nur Verwirrung und Unheil.“

Bruder Seifert blieb die Antwort nicht schuldig: „Wollen Sie, daß Ihr Sohn seines Seelenheils verlu­stig geht, weil er durch Zauberei geheilt worden ist?“ Die Mutter war kaum zu beruhigen. Nun aber fühlte sich Bruder Seifert in seinem Glauben gefordert. Er betete mit dem jungen Mann nach Jakobus 5,14. Der Herr gab Gnade. Die Ekzeme verschwanden.

S 21 In der Frage Krankheit oder Belastung zeigt dieses Beispiel, daß magisch verursachte Heilungen nur Verlagerungen vom Organischen ins Seelische darstellen. Das organische Leiden wird überwunden. Dafür treten seelische Komplikationen auf, die sich aber erst zeigen, wenn der Geheilte den Weg zu Jesus findet.

Viele der okkulten Beispiele haben eine mehrfache Komponente. Zauberei verursacht Belastungen, die aber erst dann manifest (sichtbar) werden, wenn der Belastete zu Jesus kommen will. Dieser Vorgang zeigt gleichzeitig das Resistenzphänomen. Ich gebe noch ein solches Beispiel mit der Geschichte von Mario im südlichen Brasilien.

B 70 Zusammen mit dem brasilianischen Pfarrer Müller hatte ich eine Vortragstour in Porto Aleg­re, Blumenau, Sao Lepoldo, Pelotas und anderen südbrasilianischen Städten. Auf dieser Tour hörte ich die Geschichte von Mario, dem treuen Mitar­beiter einer Bibelgruppe. Dieser Junge war eifrig dabei, seinen Mitmenschen von Jesus zu sagen. So sprach er eines Tages mit seinem Nachbarn, der im Spiritismus steckte. Mario gab ihm mein brasilia­nisches Buch Alfabeto do Diabo, das vor dem Spiritismus und der Magie warnt. Der Nachbar las das Buch gleich zweimal hintereinander und kam dann entsetzt zu Mario: „Das ist ja furchtbar. Ich wußte das nicht.“

Dieser bisherige Spiritist war nun willig, sich das Evangelium sagen zu lassen. Er kaufte eine Bibel und las eifrig darin. Damit begann eine Serie von Angriffen. Er erhielt einen Tritt vor die Brust wie von einem Pferdefuß. Dann hatte er das Gefühl, hochgehoben zu werden. Beten konnte er nicht, er war wie gelähmt. Diese Angriffe waren so stark, daß er das Bibellesen und Beten wieder aufsteckte.

Dann erhielt der Spiritist mit deutscher Ab­stammung einen Einladezettel zu meinen Vorträ­gen. Er sagte Mario: „Ich warte auf diese Abende und gehe dann zu dem deutschen Pfarrer.“ Mario erwidere: „Das ist nicht nötig. Du kannst auch zu Pfarrer Müller gehen.“ Ich wurde in den Kreis der Seelsorge mit hineingenommen. Der Beichtende erlaubte die Veröffentlichung. Er war schon als Kind gegen eine Krankheit besprochen worden. Zweimal war er bei der Kartenlegerin, dreimal beim Astrologen. Im Lauf der Jahre schuf er sich eine Sammlung von Amuletten und Talismanen. Das schlimmste war eine Verschreibung an den Teufel.

Der bisherige Spiritist war nun auf dem Weg der Befreiung. Da gab es eine Störung. In Vertretung des Ortspfarrers predigte an einem Sonntag ein Theologiestudent. Dieser unreife Student erklär­te: „Alle Heilung ist von Gott, auch die magischen Heilungen des Spiritismus.“ In dieser Verunsiche­rung suchte dann der befreite Spiritist nochmals Pfarrer Müller und Mario auf, die dieser irrigen Meinung des Studenten entgegentraten. Jetzt end­lich drang der ehemalige Spiritist ganz durch. Er lieferte rückhaltlos sein Leben Jesus aus und wur­de sehr eifrig, seine ehemaligen Kameraden vor dem Spiritismus zu warnen. Zu den okkulten Vorgängen, deren Auswirkungen am verheerendsten sind, gehören die Blutsverschrei­bungen an den Teufel. Fast alle Satanistengruppen verlangen bei der Aufnahme von neuen Mitgliedern eine Blutsverschreibung an den Teufel. Es gibt auch Gruppen, die auf ein am Boden liegendes Kreuzspucken oder urinieren. Diese schauerlichen Vor­gänge werden von uneingeweihten Theologen ge­leugnet. So hat sich zum Beispiel Pfarrer Haack darüber lustig gemacht und solch teuflischem Trei­ben keine Bedeutung zugemessen. Ich wies darum in einem meiner Bücher auf Jes. 28,15 hin, wo es heißt: „Wir haben mit dem Tod einen Bund und mit der Hölle einen Vertrag gemacht.“

Eine schwer belastete Frau wandte sich in ihrer Not an einen gläubigen Psychiater, mit dem ich befreundet war, Dr. Alfred Lechler. Er wies die Annahme einer Geisteskrankheit zurück und riet zu einer Seelsorge. Hören wir aber zunächst die Ge­schichte dieser Frau.

B 71 Die Frau gehörte einem spiritistischen Zirkel von 15 Mitgliedern an. In den Séancen wurde bewußt der Teufel angerufen. Tatsächlich erschien immer eine scheußliche Gestalt. Dann wurden Orgien gefeiert.

In diesem Zirkel diente die belastete Frau als Medium. Wenn sie von dem Kreis abwesend war, konnte sie von dem Zirkelleiter durch Fernhypno­se, Mentalsuggestion oder Telepathie gerufen werden. Diese drei parapsychologischen Gebiete sind verwandte Bereiche.

Eines Tages kam dieses Medium in einen Evan­gelisationsvortrag. Sie wurde vom Wort Gottes erfaßt und legte eine Generalbeichte ab. Von diesem Zeitpunkt an hatte die Frau ungeheure Anfechtungen. Sie erhielt stets nachts den Auftrag, sich das Leben zu nehmen. Tag und Nacht befand sie sich in schrecklichen Angstzuständen.

Sie sah bei diesen starken Depressionen zuerst noch nicht den Zusammenhang zwischen ihrem früheren Treiben als Spiritistin und ihrem jetzigen Entschluß, Jesus nachzufolgen. In ihrer Not such­te sie drei verschiedene Psychiater auf, die alle den Ruf haben, Christen zu sein. Mir sind alle drei bekannt.

Was äußerst selten vorkommt, trat bei diesen Beratungen ein. Die drei Fachleute erkannten, daß keine Psychose vorliegt, sondern ein seelsorgerli­ches Problem besteht.

Das trieb die geplagte Frau wieder in die Seel­sorge. Bei der Aussprache kam ein neuer Sachver­halt ans Licht. Der Teufel hat ihr, die früher eine Teufelsverschreibung vorgenommen hatte, sein Eigentumsrecht auf die Brust eingeprägt. Es war ein Hufeisen mit einem S in der Mitte. Sie zeigte ihrer Schwester dieses Malzeichen.

Der Prediger suchte nun einige treue Beter, die sich intensiv für die Frau einsetzten und ließ auch die Beichtende ein Lossagegebet sprechen. Solche Beispiele sind natürlich selten. Die Para­psychologen sprechen hier von einem physikalischen Phänomen. Die ungläubigen Psychiater nennen das Malzeichen einen unbewußt psychogen bedingten Dermographismus, zu deutsch eine seelisch verur­sachte Hautschrift. Eine solche Einordnung nennt aber nicht die Ursachen, legt also nicht den Kern bloß.

Wem das Alte Testament ein Märchenbuch ist wie den liberalen oder modernistischen Theologen, der wird sich über das folgende Beispiel ärgern.

Es soll aber zuerst eine biblische Belegstelle ge­nannt werden, 2. Mos. 8,1-3. Es heißt dort:

„Der Herr sprach zu Mose: Sage Aaron: Recke deine Hand aus mit deinem Stabe und lasse Frö­sche über Ägyptenland kommen … Und es ka­men Frösche herauf, daß Ägyptenland bedeckt war. Da taten die Zauberer auch also mit ihrem Beschwören und ließen Frösche über Ägypten­land kommen.“

Ein solches Froschbeispiel hörte ich zum ersten Mal von einer afrikanischen Zauberin, die ich per­sönlich kenne. Sie war ein hochgradig magisches Medium und kam durch ein Wunder Gottes zum Glauben an Jesus. Damit endete ihre Laufbahn als Zauberin. Sie erzählte mir selbst, daß sie Leute mit einer Froschplage heimsuchen konnte. Es waren keine spiritistischen Materialisationen, sondern ein­fach ein Zusammenholen der Frösche aus der ganzen Umgebung.

Diese ehemalige Zauberin ist heute eine aktive Christin, die keine Lügenmärchen erzählt. Von an­deren Zauberern hörte ich ähnliche Vorgänge mit Schlangen.

Nun lassen wir aber die afrikanischen Zauberer und halten Umschau bei uns in Europa. Seit 1949 hielt ich rund 180 bis 200 Vortragswochen in der Schweiz. Auch Appenzeller und Graubündner Ein­satzorte waren dabei. Ich habe ungefähr zehn Bei­spiele, daß Menschen von starken Magiern Läuse angehext wurden.

Ausgekochte Rationalisten, die nur auf einer Ebe­ne denken können, werden nun die Nase rümpfen und mich vielleicht für irrenhausreif erklären wollen. Ich wage trotzdem zwei kurze Beispiele.

B 72 Eine Frau, 46 Jahre alt, berichtete in der Seelsorge folgendes. Ihre Schwägerin besitzt das 6./7. Buch Mose und treibt damit schwarze Ma­gie. Sie ist Spezialistin dafür, ihren Feinden Unge­ziefer anzuhängen. Sie erklärte, sie hätte durch ihre Schwägerin jahrelang entsetzlich mit Läusen zu tun gehabt. Trotz aller medizinischen Behand­lung sei sie der Läuse nicht Herr geworden. Als sie eines Tages ihr Leben Christus auslieferte und sich ganz unter den Schutz Jesu stellte, waren die Läuse schlagartig weg. In der Seelsorge wird einem das im Zusammenhang mit der schwarzen Magie ge­beichtet. Die altägyptische Zauberei existiert also heute noch.

B 73 Das zweite Beispiel kenne ich noch genau­er. Ein Missionar hat sich den Zorn eines Grau­bündner Magiers zugezogen. Zauberei steht ja immer im Gegensatz zum Evangelium. Das habe ich in Herisau in Appenzell erlebt, wo ich bei einer Evangelisation härtesten Widerstand von Seiten der magischen Besprecher erhalten habe.

Der erwähnte Missionar, der von dem Grau­bündner Zauberer verfolgt und geplagt wurde, spürte eines Tages ein Krabbeln auf der Kopfhaut. Er dachte zuerst an ein Insekt und kämmte die Haare sorgfältig durch. Kein Erfolg, das Krabbeln ging weiter. Da hielt er den Kopf unter heißes Wasser und wusch die Haare aus. Kein Resultat!

Dann nahm er ein scharfes, ätzendes Mittel, das auch nicht half. Erst jetzt dämmerte es ihm, daß er vor Jahren von der magisch verursachten Läuse­plage gehört hatte. Er betete und gebot im Namen Jesu, und der Läusespuk war vorüber.

In den folgenden Monaten probierte der Grau­bündner Zauberer noch mehrmals seine Kraft aus. Der Missionar war ja beim ersten Versuch gewarnt worden. Er betete jedesmal und gebot im Namen Jesu der Finsternismacht zu weichen. Dann gab es jedesmal Ruhe.

Vorsichtshalber muß ich der Psychiater wegen hinzufügen, daß mir aus der Seelsorge auch der Läuse-, Mäuse- und Spinnenkomplex von Neuroti­kern bekannt ist. Der Chefarzt von dem argentini­schen Spital Cruz Blanca, Dr. Winther, erzählte von einer Frau, die einen Spinnenkomplex hatte. Sie sah überall Spinnen, wo keine waren. Hier lag nun eine Erkrankung vor, die von Dr. Winther geheilt wurde.

S 22 Man muß also zwischen einem realen magi­schen Geschehen und einem neurotischen Denk­zwang oder Verfolgungswahn unterscheiden. In dem Kapitel Mentalsuggestion oder Verfolgungs­wahn werden solche Beispiele gebracht.

So extreme Beispiele kommen selten vor. Es gibt viele Seelsorger, die nie so etwas in ihren Ausspra­chen gehört haben. Gewöhnlich passieren solche dunklen Geschichten auf den Missionsfeldern, wo das Heidentum noch eine Großmacht darstellt. Ap­penzeller und Graubündner Zauberer sind in ihrer Heftigkeit Ausnahmen.

Das häufigste Syndrom der Zauberei sind Depres­sionen, denen in diesem Buch ein Kapitel gewidmet ist. Manchmal sage ich bei Vorträgen: „Nur etwa 5 % der Depressionen sind Folgen von Zaubereisün­den, 95 % haben andere Ursachen.“ Deshalb ist größte Vorsicht vor Kurzschlüssen geboten. Ein Beispiel dazu.

B 74 Eine 36 jährige Frau kam zur Aussprache. Sie berichtete, daß sie schon seit einigen Jahren Christus nachfolge. Trotz Beichte und gläubigem Empfang der Vergebung sei sie aber innerlich nicht zur Ruhe gekommen, sondern sei häufig von Depressionen heimgesucht. Auf Grund des Auf­klärungsvortrages hätte sie nun Wurzeln zu dieser Unruhe entdeckt. Sie hätte früher selbst die Kar­ten gelegt, an spiritistischen Sitzungen teilgenom­men, das Pendeln geübt und sei besprochen wor­den. Trotz ihrer Hinkehr zu Christus seien diese okkulten Dinge in ihrem Leben nie gebeichtet und weggeräumt worden. Sie hätte eine Freundin, die mit ihr die gleichen Dinge getrieben hätte, und die jetzt seit zwei Jahren wie besessen sei. Ihr Geist sei umnachtet. Jedesmal, wenn sie für diese Freundin beten würde, seien die Anfechtungen besonders heftig.

Manchmal gebe ich den Rat, dаß solche Christen, die selbst noch okkult belastet sind, nicht für Belaste­te beten sollen. Bei Besessenheit soll ohnehin ein kleines Team, ein Gebetskreis eingesetzt werden.

B 75 Eine Pflegerin in einer Nervenheilanstalt kam zu mir in die Seelsorge und berichtete folgen­des. Seit Jahren hatte sie Depressionen, Selbst­mordgedanken und eine starke Abwehr gegen alles Göttliche. Anläßlich einer Zeltevangelisation kaufte sie einige meiner Schriften. Es fiel ihr wie Schuppen von den Augen. Als kleines Kind wurde sie gegen eine Erkrankung magisch besprochen.

Später kamen noch Wahrsagegeschichten dazu. Daß ihre Belastungen auf diesen okkulten Erleb­nissen beruhen, zeigt sich daran, daß sie durch die seelsorgerliche Betreuung von diesen Belastungen frei wurde.

Beim Pflegepersonal von Geisteskranken kommt manchmal ein sogenanntes induziertes Irresein vor. Die Charakteristik von dieser Form induzierter Psy­chosen und einer sogenannten okkulten Übertra­gung ist völlig verschieden. Der Unterschied ist klargemacht in dem Band Seelsorge und Medialität.

Die Reihe dieser Beispiele Krankheit und Bela­stung kann schier endlos fortgesetzt werden.

S 23 Als Symptom ergibt sich, daß organisch oder psychisch bedingte Geistes- oder Gemütskrankhei­ten schwerer zu behandeln sind als okkulte Belastun­gen. Durch Zaubereisünden verursachte Beschwer­den und Anfechtungen verschwinden in der Regel sofort, wenn eine gründliche Reinigung vor Gott erfolgt und das Leben ganz in den Lichtkreis und Kraftstrom Jesu hineingestellt wird. Bei „halben Bekehrungen“ allerdings bleiben die Belastungen bestehen.

 

Das Resistenzphänomen

Resistere (lateinisch) heißt Widerstand leisten. Es gibt in der Chemie Stoffe, die sich nicht vertragen. Solche Vorgänge gibt es aber nicht nur im Stofflichen sondern auch im Geistigen, dаß Kräfte sich gegenseitig ausschließen. Das bekannte­ste Beispiel ist, daß der Heilige Geist und die spiriti­stischen Geister sich gegenseitig ausschließen. In der Seelsorge mit okkult Belasteten und vor allem mit Besessenen wird das am besten deutlich. Es liegt mir nicht überschaubares unzähliges Material vor. Dazu einige Beispiele.

B 76 Ich bin in meinem Leben mehrmals mit dem Mennoniten-Pastor Dr. Janzen zusammen­ getroffen. Zuerst in Basel, dann in Kitchener und Toronto und zuletzt in der Nähe von Vancouver, wohin er mich zu Vorträgen eingeladen hatte. Er erzählte mir ein aufschlußreiches Erlebnis. Als er noch junger Pastor war und an der kanadischen Ostküste eine Gemeinde sammelte, hatte er noch keine Kirche. Die Gottesdienste waren deshalb in einem gemieteten Saal, der durch eine Schiebe­wand vom Nebenraum getrennt war.

Eines Sonntags kam ein Ältester erregt zu ihm und erklärte: „Bruder Janzen, wir müssen den Saal kündigen. Auf der anderen Seite haben Spiritisten ihre Séancen.“ Janzen erwiderte: „Wir wollen verzichten? Die Spiritisten sollen weichen. Unser Herr ist stärker.“

Seit dieser Zeit hat der Gebetskreis von Janzen um den Schutz und die Hilfe Gottes gebetet. Was geschah? Die Spiritisten, die zuerst wöchentlich zusammenkamen, hielten nur noch jede zweite Woche ihre Zirkelsitzungen, dann nur noch alle vier Wochen. Und zuletzt steckten sie es auf. Sie hatten das Feld geräumt.

Hier gilt auch Psalm 118: „Man singt mit Freu­den vom Sieg in den Hütten der Gerechten. Die Rechte des Herrn ist erhöht. Die Rechte des Herrn behält den Sieg.“

In der Zeit, als Bischof Goodwin Hudson und Dr. med. Martin Lloyd Jones noch lebten, erhielt ich verschiedene Einladungen nach England. Dieses Land ist heute ein Eldorado für spiritistische Grup­pen und Kirchen. Ich hatte viele ungewöhnliche Erlebnisse bei meinen Vortragstouren. Es soll eines berichtet werden.

B 77 Einmal hatte ich vor 22 Psychiatern, die von Lloyd Jones zusammengerufen worden wa­ren, meine Thesen zu vertreten. Zwei Psychiater lehnten rundweg das Phänomen der Besessenheit ab und nannten sie eine Erkrankung. Da bekam ich Schützenhilfe von zwei anderen Psychiatern, die gläubig waren. Der eine sagte: „Ich hatte sieben Besessenheitsfälle in meiner Praxis.“ Der andere fügte hinzu: „Und ich hatte elf solcher Fälle.“

Von dem zweiten Psychiater wurde ein Beispiel berichtet. Ein junger Mann war zu ihm gekom­men, der seine Belastungen offenbarte. Der Psych­iater forschte bei der Aufstellung der Krankenge­schichte nach okkulten Praktiken und vernahm, daß der Beichtende zu einem spiritistischen Zirkel gehörte, aus dessen Bannkreis er sich nicht lösen konnte. Der Psychiater war ein mutiger Christ. Die Spiritisten versammelten sich gewöhnlich ín einem Waldstück. Der Arzt rief seine Freunde zusammen. Sie begaben sich in die Nähe der Spiritisten und beteten um ein Eingreifen Gottes. Das Treiben der Magier und Spiritisten begann. Da fegte ein solcher Sturm durch den Wald, daß die Dunkelmänner aufhören mußten. Wer allerdings von dem Kampf gegen die dunklen Mächte nichts weiß, wird ein solches Erlebnis für Zufall halten.

B 78 Ein anderes Erlebnis nahm ich anläßlich einer Konferenz ín Swanick auf. Ein junges Ehe­paar berichtete mir von seinen Eltern und Ge­schwistern. Die Familie lebte an einem Ort, wo viel Spiritismus getrieben wurde. Der Vater sah das mit Entsetzen und betete mit seinen Angehöri­gen viel um ein Handeln Gottes. Eines Tages wurde ihm klar, dаß er einzuschreiten habe. Er zog mit seiner ganzen Familie, darunter einige erwachsene Sőhne, in den spiritistischen Zirkel. Der Leiter spürte schließlich den betenden Widerstand und brach die Versammlung ab. Er erklärte: „Es sind Gegenströmungen da. Wir ver­tagen unsere Zusammenkunft auf Donnerstag. Wir laden herzlich dazu ein.“

Dann stand der betendeVater auf, warnte vor wei­terem Besuch und nannte dieses Treiben Machen­schaften der Finsternis. Dann stimmte er ein Lied vom Blut und Sieg Jesu an. Die Spiritisten waren so verstört, daß sie an einen anderen Ort zogen. Das eigene Dorf war auf diese Weise sauber geworden. Ich will an dieser Stelle eine Warnung hinzufügen. Ohne einen Auftrag Gottes darf man so etwas nicht unternehmen. Man kann in guter Absicht einen spiritistischen Zirkel sprengen wollen und kommt dabei „unter die Räder“.

Auch in Deutschland kommen solche Störaktio­nen vor. Vor Jahren hat mir Missionar Franke von der Liebenzeller Mission erzählt, daß er als neun­zehnjähriger junger Christ aus Versehen in Nürn­berg in eine spiritistische Sitzung geraten war. Die Versammlung war mit Bibelsprüchen angekündigt worden, darum dachte Franke, es sei eine christliche Gemeinschaft. Er saß betend in der letzten Reihe. Mehr als 60 Spiritisten waren versammelt. Franke wurde es unheimlich, und er betete intensiv. Da gab es eine Unruhe. Der Leiter erklärte: „Es sind Kräfte gegen uns da. Wir brechen ab.“ Franke blieb zurück und fragte den Leiter: „Was ist das für eine Gemein­schaft?“ Man sagte ihm: „Wir sind eine spiritualisti­sche Vereinigung.“ Es hat sich also um einen religiös verbrämten Spiritismus gehandelt.

Beachten wir, dаß ein Beter diese Gruppe spreng­te. Ein Mann mit Gott ist immer die Mehrheit.

B 79 Ein ähnliches Beispiel erzählte mir Pastor Brauer, der mich zu einer Vortragswoche nach Lübeck eingeladen hatte. Die Spiritisten in Lübeck organisierten im Kolosseum einen Saal mit 500 Sitzplätzen, eine Großveranstaltung. Sie luden die Gesinnungsgenossen von Lübeck, Kiel und Ham­burg ein. Das Kolosseum war voll besetzt.

Ein gläubiger Bruder hatte sich auch eine Ein­trittskarte gelöst. Er saß betend im Raum. Er kämpfte und rang immer heftiger. Die spiritisti­schen Experimente wollten dem Leiter nicht ge­lingen.

Schließlich wurde bekanntgegeben, es sollten alle den Saal räumen. Das Eintrittsgeld würden sie zurückbekommen. Nur der Lübecker Kreis sollte zurück bleiben. Der Beter blieb auch sitzen und betete weiter. Der Kontakt mit der Geisterwelt gelang wieder nicht. Schließlich steckten sie es auf. Schweißgebadet verließ der Beter das Kolosseum. Er würde sich heute nicht mehr in einen solchen Kampf einlassen. Er war damals noch jung und unerfahren.

Ich wiederhole die Warnung: „Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.“ Es war nur die bewahrende Gnade Gottes, die den unerfahrenen Beter beschützte.

Diese herausragenden Beispiele sind selten. Sie zeigen aber, daß der eine vom Kreuz auf Golgatha und Ostermorgen der Sieger ist über das Geschmeiß der spiritistischen Geister. In der Seelsorge geht es aber häufig nicht so dramatisch zu. Hier tauchen andere Probleme auf.

Menschen mit okkulter Belastung oder gar Beses­senheit reagieren auf geistliche Beeinflussung. Das ist in der ganzen Welt so. Das zeigt, daß Satan eine globale Strategie hat. Beginnen wir mit einem Erleb­nis aus einem interessanten Teil unserer Erde, der Beringstraße.

B 80 Auf der St.-Lawrence-Insel, die zwischen Alaska und Ostsibirien liegt, wohnt der Yupik­Stamm der Eskimos. Der Wycliff-Missionar Da­vid Shinen lud mich zu Vorträgen ein, weil auf der Insel noch die alten Schamanen ihr magisches Unwesen treiben. Shinen hat auch die Evangelien in die Sprache der Yupiks übersetzt. Meine Bibel­mission druckte sie. Diese Bibelteile haben große Bedeutung, weil die Yupiks nicht nur an der Westküste Alaskas, sondern auch an der Ostküste Sibiriens wohnen. Da die Beringstraße 11 Monate zugefroren ist und mit einem Hundeschlitten in zwei Stunden überquert werden kann, setzte ich meine Hoffnung darauf, auf diese Weise Ostsibi­rien mit den Evangelien zu erreichen.

Ich wohnte bei Missionar Shinen. Der Nachbar war ehemals ein Schamane, der sich unter der Verkündigung des Wortes Gottes zu Christus gewandt hat. Mir war es auch vergönnt, in der presbyterianischen Kirche dreimal zu predigen.

Als der Schamane zum Glauben gekommen war, zeigten sich bei seinem elfjährigen Neffen, der im Hause wohnte, merkwürdige Störungen. Der Junge lief manchmal wie ein Tobsüchtiger im Haus herum. Wenn er die Bibel des Onkels er­wischte, versuchte er sie zu zerreißen. Wenn der Onkel still für sich in seinem Herzen betete, schüttelte ihn der Junge und schrie: „Bete nicht zu diesem Jesus.“ Als der Missionar mit ihm betete, fiel der Junge in Trance, und es kamen Stimmen wie von Hunden oder das Grunzen von Walrossen aus seinem Mund. Er fluchte auch gegen Bruder Shinen oder lief barfuß in den Schnee hinaus und flüchtete, wenn er den Missio­nar kommen sah.

Das Verhalten des Jungen hat etwas mit der Be­kehrung des Schamanen zu tun. Entweder fand eine Übertragung statt, als der Onkel von seinen Dämo­nen frei wurde. Das ist ein sehr häufiger Vorgang in allen Teilen der Welt. Diese Übertragung habe ich in einigen Büchern beschrieben.

Die zweite Möglichkeit ist das übliche Resistenz­phänomen. Der Junge kann schon vorher durch die im Haus ursprünglich geübte Zauberei besessen ge­wesen sein. Die Besessenheit wurde erst offenbar, als der Geist Jesu Christi in dem Haus einzog. Zu beachten ist, dаß der besessene Neffe das stille Beten des Onkels spürte. Die Resistenz funktionier­te also auch ohne die äußeren Merkmale.

Die Erfahrung, daß belastete Familienangehörige sich extrem benehmen, wenn ein Glied der Familie sich bekehrt, ist sehr häufig.

B 81 Eine Frau bekehrte sich. Am gleichen Tag fing der Sohn zu toben an und konnte weder vom Vater noch vom Arzt noch von der Polizei gebän­digt werden. Die Anfälle setzten am Tag der Bekehrung der Mutter ein. Die Vorfahren dieser Familie sind Pendler gewesen. Die Missionsgebiete liefern das meiste Material. Ich habe allein von Missionsgebieten einige tausend Beispiele.

B 82 Bei einer Vortragstour in Afrika begegnete ich Missionssuperintendent Barram. Er erzählte mir vom Kongogebiet folgendes Erlebnis.

Ein heidnisches Mädchen will einen christlichen Gottesdienst besuchen. Ein Tier erscheint ihr und warnt die Heidin: „Gehe nicht hin, sonst tue ich dir etwas an.“ Die Gewarnte läßt sich nicht abhal­ten, weil ihre seelische Not zu groß ist. Sie besucht den Gottesdienst und bekehrt sich. Kurz danach erscheint das Tier wieder und fragt: „Warum warst du dort?“ Sie bekommt eine Kieferstarre und kann weder reden noch essen. Die Gläubigen der Missionsstation vereinigen sich zum Gebet für die Neubekehrte. Einige Stunden später weicht die Lähmung, und sie erzählt, was sie erlebt hatte. Es passiert sehr häufig, daß die dunklen Mächte Menschen vom Hören des Wortes Gottes abhalten wollen und manchmal direkt in das Handeln ihrer Opfer eingreifen. Dem Kongobeispiel ähnlich sind zwei Erlebnisse der letzten Jahre. Sie sind in meiner Kartei verankert.

B 83 1984 bereiste ich im Zusammenhang mit meiner Aussätzigenarbeit Nepal. In einem Spital wurde mir die Geschichte eines Aussätzigen be­richtet.

Joram, ein Mann mittleren Alters, kam mit einem fortgeschrittenen Aussatz ins Spital. Spe­ziell ein Auge sah fürchterlich aus. Die Iris hatte sich schlimm verändert. Dieser Patient war ein radikal entschlossener Hindu. Er hatte noch niemals von Jesus gehört. Eines Nachts wurde die Missionarin in den Schlaf­raum gerufen, weil Joram fürchterlich geschrien hatte. Dadurch wurden die andern geweckt, die dann die Nachtschwester informierten. Der noch zitternde Mann erzählte, daß an seinem Fußende zwei weiße Gestalten gestanden hätten, die ko­chendes Wasser über seine Füße gossen. Den Missionsleuten ist bekannt, daß die Macht der Finsternis mit schweren Angriffen reagiert, wenn ein Mensch, den sie fest in ihrer Gewalt haben, sich von ihnen abwenden will. In der westlichen Welt ist es genauso, nur nicht so sichtbar und offenkundig, wie es bei den Heiden geschieht.

In einer weiteren Nacht hörte Joram eine ener­gische Stimme: „Steh auf! Steh auf! Und verlasse sofort diesen Ort!“ Als die herbeigerufene Nacht­schwester erschien, stand Joram schon in der Tür, um das Spital zu verlassen.

Die Schwester versuchte nun, ein seelsorgerli­ches Gespräch mit dem geplagten Mann zu füh­ren. Sie fragte ihn: „Hast du früher schon solche Angriffe erlebt?“

„Nein, ich habe das erst, seit ich hier im Spital bin.“ – „Hast du in der Bibel gelesen?“ – „Nein, ich kann gar nicht lesen.“

„Ist dir durch einen Kassettenrecorder eine christliche Botschaft vorgespielt worden?“ – „Nein, auch das nicht. Mir fällt aber etwas ein. Ramad im nächsten Bett hat laut die Bibel vorgele­sen. Ich habe zwar zugehört, aber nichts ver­standen.“

Bei unserem Besuch in diesem Spital erzählte uns die Missionarin, daß das eine häufige Beob­achtung ist, daß der Teufel sofort in Aktion tritt, wenn ein religiös eingestellter Heide sich der christlichen Botschaft öffnen will. So gab der Erzfeind auch bei Joram keine Ruhe. Er griff nun seinen schon kranken Körper noch mehr an. Der Zustand des Patienten verschlechterte sich zuse­hends. Die Medikamente schlugen nicht an.

Wieder versuchte es die Pflegerin, mit ihm seelsorgerlich zu reden. Sie machte ihm klar, daß die Macht Satans die Menschen zerstört, daß aber Jesus, der Sohn Gottes, freimachen kann. Joram war aber durch die massiven Angriffe Satans so eingeschüchtert, daß er nicht den Mut aufbrachte, sich Jesus anzuvertrauen. Man kann ihm das nicht verdenken. Bisher hatte er einen anderen Glauben praktiziert, den Göttern und Dämonen gedient, und nun sollte er plötzlich einem Gott vertrauen, von dem er sein Leben lang nie gehört hatte.

Um die lange Geschichte kurz zu fassen. Der Hindu floh aus dem Spital. Die Gläubigen beteten noch intensiver für ihn. Und dann geschah das Wunder. Vier Wochen später kam Joram zurück. Er hatte inzwischen in seiner Bergeinsamkeit ohne jede weitere seelsorgerliche Hilfe Jesus angenom­men. Dieses Erlebnis zeigt, dаß Gott uns nicht unbedingt braucht. Bei der Bekehrung der Men­schen geht es bei Gott nicht nach einer Schablone. -. In meinem Buch Himalaja ist die Geschichte Jorams veröffentlicht.

Ein Beispiel aus Australien.

B 85 Ein junger Mann hörte in Riverwood (New South Wales) einen meiner Vorträge. Er kam zur Beichte und lieferte sein Leben Jesus aus. In den kommenden Stunden wurde er von unsichtbaren Mächten niedergeschlagen. – Einen ähnlichen Vorfall hörte ich in der Schweiz. Auch das Beispiel der Maria in Kapitel 1 enthält solche Vorfälle.

B 86 Reaktionen der Finsternis nach der Bekeh­rung eines Menschen sind an der Tagesordnung. – Ein 21jähriges Mädchen berichtete in der Seelsor­ge, dаß sie vor zwei Jahren den Weg zu Christus gefunden hat. Seit ihrer Bekehrung wird sie ge­plagt von Selbstmordgedanken, Depressionen, Lebensunlust. Sie unternahm sogar zweimal einen Selbstmordversuch. Diese seelischen Störungen traten erst nach der Bekehrung ein. Das Gespräch ergab, dаß Mutter und Großmutter aktive Karten­legerinnen sind.

B 87 Ein 54jähriger Pfarrer kam zu einer seelsor­gerlichen Unterredung. Er leidet unter Depressio­nen, aber nur jeweils 14 Tage vor den hohen kirchlichen Festen oder vor Glaubenskonfe­renzen.

Die periodisch wiederkehrenden Depressionen gibt es im medizinischen Bereich, aber auch bei okkulten Belastungen. Die seelischen Verstim­mungszustände im medizinischen Sektor richten sich nicht nach kirchlichen Festen.

Bei dem Pfarrer war es so, daß seine Mutter ihn als Kind bei Erkrankungen besprechen ließ. In der Kriegsgefangenschaft ließ er sich mit einem Wahr­sager ein. Er ist auch medial veranlagt, denn Rute und Pendel schlagen bei ihm aus.

B 88 Eine weitere Art der Restistenz wurde mir oft in der Seelsorge erzählt, daß belastete Men­schen bei geistlicher Beeinflussung erkranken. Wenn bekannt wird, dаß ein Evangelist in der Gemeinde eine Bibelwoche halten will, dann er­kranken okkult Belastete zwei Tage vorher und können an der Veranstaltung nicht teilnehmen.

Bei starker Belastung kann der Anblick einer Bibel oder eines Kruzifixes genügen, daß der Betreffende in Raserei gerät.

Ein fast humorvolles Beispiel erlebte ich in Bern. Eine Frau, die jahrelang das spiritistische Tischrücken geübt hatte, erklärte, es würde ihr immer schlecht werden, wenn sie einem gläubigen Pfarrer begegne. Bei Namenchristen empfindet sie solche Störungen nicht.

Wenn man einen Krankenbesuch macht und ein Angehöriger ist dabei, der okkult belastet ist, dann kann der Belastete Gottes Wort und Gebet nicht ertragen. Er verläßt das Zimmer.

B 89 Ein spezielles Beispiel erzählte mir eine Frau aus ihrer Ehe. Der Ehemann kann keiner­lei geistlichen Einfluß ertragen. Zum Beispiel besuchte sie mit ihm die Matthäuspassion von J. S. Bach. Ihr Mann ertrug die Musik nicht. Er fing an, seine Frau zu beschimpfen: „Du bist ein Scheusal, du bist ein Teufel, du bist besessen.“ Wenn es der Frau gelingt, ihren Mann am Karfrei­tag zu einem Gottesdienstbesuch zu bewegen, gibt es ähnliche Reaktionen. Er tobt hinterher. Auch beim Singen christlicher Lieder wird eine solche Resistenz ausgelöst.

Der Mann ließ sich zur Konsultation eines Psychiaters überreden, weil er diesen vom Stu­dium her kannte. Die psychiatrische Betreuung bestand darin, daß der Psychiater den Patienten zum gemeinsamen Alkoholgenuß verleitete. So feierten sie Saufgelage, damit der „christlich ge­plagte“ Mann diesen unerträglichen Einfluß besser überstehen könne.

Diese seltsame Therapie veranlaßte die Frau, den Psychiater aufzusuchen. Sie bat den Medizi­ner: „Hören Sie doch mit dem vielen Alkohol auf. Mein Mann kommt hinterher heim, schlägt mich, tobt und versucht, mich zu vergewaltigen.“ Der Psychiater gab ihr den Rat: „Hören Sie endlich auf mit dem frommen Kram. Viele sind um ihrer überspannten Religiosität willen geisteskrank ge­worden.“

Der okkult belastete Ehemann hätte einen Seel­sorger mit Erfahrung gebraucht und nicht einen gottlosen Psychiater.

Die meisten okkulten Belastungen mit Resi­stenzerscheinungen fand ich in Familien, in denen die Kranken durch magisches Besprechen geheilt worden sind.

B 90 Eine 30jährige Frau berichtete ihre Fami­liengeschichte. Ihre Großmutter und ihre Mutter haben allerlei okkulte Künste getrieben, in die auch die Kinder und Enkel mit hineingezogen wurden. Den Kindern wurden bei Vollmond die Haare geschnitten, aus dem reifenden Kornfeld wurden in den drei höchsten Namen Ähren aus­gerauft und als Talismane aufbewahrt. Im Haus wurden Glücks- und Brandbriefe aufbewahrt. Die ganze Familie beachtete viele abergläubische Regeln. Als Auswirkung dieses Aberglaubens gibt es in der Familie zwei Selbstmordfälle. Meine Berichterstatterin leidet ebenfalls unter Depres­sionen und Selbstmordgedanken. Wenn sie einen Evangelisationsvortrag oder auch nur einen Got­tesdienst der Kirche am Sonntag besucht, so ist sie bei der Verkündigung sofort benommen. Ein­mal betete ein Seelsorger mit ihr und stellte eine starke dämonische Beeinflussung fest. Der Seel­sorger gebot im Namen Jesu diesen Mächten auszufahren. Meine Berichterstatterin verlor bei diesen Gebeten wieder ihre geistige Konzentra­tion. Dem Seelsorger schlug eine Stimme aus dieser Frau entgegen: „Nein, ich fahre nicht aus!“ Die Frau erklärte, sie könne nicht glauben. Wenn sie beten wolle, würden ihr die Worte umge­dreht, so daß sie das Gegenteil sagt von dem, was sie sagen will. Das Benommensein, die Halbtrance und die Voll­trance sind typische Zeichen einer Resistenz. Je nach dem Grad der Belastung rangiert das Benommensein von der leichten Absence bis hin zur vollen Bewußt­losigkeit. Ein Theologiestudent auf den Philippinen, mit dem ich betete, fiel für 19 Stunden in Volltran­ce. Seine Geschichte steht in meinem Buch In der Gefolgschaft Jesu.

B 91 Eine Frau in Zürich fiel bei meinem Gebet in Volltrance. Dabei schrie eine Stimme aus ihr: „Hör auf mit dem verfluchten Beten. Das ist nicht auszuhalten.“ Als ich amen sagte, kam sie wieder zu sich und wußte nicht, was mit ihr geschehen war. Ich sagte ihr auf den Kopf zu, daß sie Spiritismus getrieben hätte. Sie verneinte zu­nächst, dann, nach detaillierten Fragen, gab sie zu, daß sie neun Jahre lang jede Nacht ihren verstor­benen Mann gerufen hatte, der erschien und sogar das Eheleben mit ihr weiterführte. (Natürlich war diese Erscheinung nicht der verstorbene Mann, sondern ein Dämon, incubus.)

Das Besprechen liegt wie ein geistliches Leichen­tuch über unseren Tälern, Wäldern und Bauerndör­fern.

B 92 Eine Frau, 52 Jahre alt, kam in die seelsor­gerliche Aussprache. Sie berichtete folgendes. Ihr Bruder war ein extrem veranlagter Mann. Er war auf der einen Seite sehr freundlich, hilfsbereit, zuverlässig und treu in seiner ganzen Arbeit. Auf der anderen Seite konnte er so jähzornig und tobsüchtig werden, daß ihm Schaum vor dem Mund stand. Es wären aber keine epileptischen Anfälle. Bei diesem tobsüchtigen Gebahren be­hielt er stets das Bewußtsein. Wenn irgendwie das Gespräch auf biblische Dinge kam, wurde der Bruder sehr fuchtig und abweisend. Er nannte die Frommen „Rindviecher“ und bedachte sie mit den schlimmsten Ausdrücken. In besonderem Maße richtete sich seine Wut auf die gläubige Schwester. Der Bruder war auch in Behandlung eines Psych­iaters, der ihn als Zwangsneurotiker bezeichnete und in eine Anstalt einweisen wollte. Mit 50 Jahren nahm der Bruder 30 Schlaftabletten und starb an dieser Vergiftung. Ich fragte die berichtende Schwester, ob denn nicht in ihrer Familie Zauberei betrieben worden wäre. Zunächst verneinte die Schwester. Als ich verschiedene Detailfragen stell­te, erinnerte sie sich an folgende Eigenart ihrer Mutter. Wenn ein Kind krank war, schickte sie je­weils ein Fläschchen Urin des kranken Kindes und einen Geldbetrag an eine alte Besprecherin, die von den Dorfbewohnern den Namen „Hexe“ erhalten hatte. Tatsache war jedenfalls, daß nach dem Absenden des Urins und des Honorars die betref­fenden kranken Kinder rasch gesundeten. Dieser Besprechungsvorgang war auch bei dem neuroti­schen Bruder mehrmals angewandt worden.

Die Resistenz zeigt sich auch in der Abwehr der okkulten Kräfte, mit denen das Besprechen Erfolg haben kann.

B 93 Einer meiner Freunde, ein gläubiger Pfar­rer, ging mit seinem kranken Sohn trotz meiner Warnung zu einem Besprecher. Da der Pfarrer durch meine Ablehnung verunsichert war, verein­barte er mit seinem 15jährigen Sohn: „Wir beten bei der Behandlung.“ So geschah es. Der okkulte Heiler sagte ihm dann: „Ihnen kann ich nicht helfen. Sie sind anders geschichtet.“

B 94 Das gleiche erlebten zwei Frauen aus der Schweiz. Die Tochter, die zu meinem Freundes­kreis gehört, ist die Berichterstatterin. Sie hatte ihre schwenkranke Mutter zu einem berühmten Heiler auf den Philippinen gebracht. Ein Züricher Arzt organisierte Gruppenflüge dorthin. Als die beiden Frauen im Sprechzimmer waren, wurde es ihnen unheimlich. Sie beteten. Da wandte sich der Heiler an sie mit der Aufforderung: „Hören Sie auf mit Ihrem Beten. Sie stören unsere Kräfte, mit denen wir arbeiten.“ Die beiden Schweizerinnen wußten damit Bescheid. Sie verzichteten auf die Behand­lung und reisten zurück. Die Mutter ist dann zu Hause in Frieden heimgegangen. Die Tochter ist eine treue Jüngerin Jesu, die mit mir noch in Verbindung steht.

Wir sagten am Anfang: Heiliger Geist und spiriti­stische Geister scheiden sich wie Himmel und Hölle. Das Gebet legt die Tätigkeit der Okkultisten lahm. Hier ist aber eine Warnung davor auszusprechen, daß man leichtsinnig denkt: Ich bete, dann kann mir nichts passieren. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Wenn wir gewarnt sind, sollen wir uns nicht in Behandlung okkult arbeitender Heiler begeben. Au­ßerdem nützt das Beten eines Namenchristen nichts. Der Teufel fürchtet nur die treuen Jünger Jesu, nicht die halbherzigen. Daß mein Freund in B 93, der evangelische Pfarrer, den ich gewarnt hatte, sich in das gefährliche Wagnis eingelassen hatte, hängt da­mit zusammen, daß er meinte, es handle sich um einen christlichen Heilpraktiker, weil er eine Bibel und den Neukirchner Abreißkalender in seinem Sprechzimmer hatte. Das Losungsbüchlein, das Ge­sangbuch und ein Christusbild vervollständigen die Tarnung, auf die viele hereinfallen. Zum anderen haben Vater und Sohn um Klarheit gebetet. Gottes Gnade hat sie darum bewahrt.

B 95 Ein Beispiel, das ich in Norddeutschland aufnahm, hat folgenden Hin­tergrund. Ein Diakon berichtete mir von Frau S., die bekannt ist als Spiritistin, Besprecherin und Heilmagnetiseurin. Diese Okkultistin, die be­hauptet, ihre Kräfte von Gott zu haben, legte seiner kranken Frau die Hände auf. In diesem Augenblick betete der Diakon innerlich: „Herr Jesus, wenn diese Kräfte nicht von dir sind, so bewahre meine Frau.“ Die Heilerin fragte plötz­lich: „Was machen Sie? Ich bin gehemmt.“

Sie versuchte es ein zweites Mal, die Kranke zu magnetisieren. Der gläubige Christ betete in der gleichen Weise. Dann wurde Frau S. wütend und jagte beide fort. Resistenz gibt es auch in der Umkehrung, daß ein Reichgottesarbeiter gehemmt oder blockiert ist, weil in seiner Umgebung viel Zauberei getrieben wird.

Dazu einige Hinweise.

B 96 Mein Berichterstatter war ein Baptisten­prediger, der in seiner Gemeinde eine Erweckung hatte. Da wurde er krank. Er suchte einen okkul­ten Homöopathen auf. Dieser zapfte Blut ab, das er aber nicht untersuchte, sondern psychome­trisch zur Hellseherei benutzte. Der Pastor war insgesamt viermal bei ihm. In dieser Zeit hörte die Erweckung auf. Er konnte sich das nicht erklären. weil dieser Stopp so schlagartig auftrat. Als er mein Buch Between Christ und Satan gelesen hatte, gingen ihm die Augen auf, und er berichtete darüber im Pfarrkonvent und in meiner Seelsorge.

Ein Mann kann mit seinen Zaubereisünden eine geistliche Bewegung stoppen. Dazu liegen mir viele Beweise vor.

B 97 Ein Pfarrer aus Mitteldeutschland berich­tete, daß er einen Filialort hätte, in dem seine Verkündigung nicht durchschlagen würde. Der Pfarrer stammt aus der Gemeinschaftsbewegung und hat eine Gabe zur erwecklichen Verkündi­gung. Während sich im Hauptort gläubige Kreise bilden, ist im Filialort alles vermauert. Im Lauf seiner Amtszeit stellte er fest, dаß in dem betref­fenden Filialort fast in jedem Haus bei Erkrankun­gen Besprecherhilfe in Anspruch genommen wird. Das Besprecherunwesen blockiert die geistliche Entwicklung einer Gemeinde.

B 98 Vor Jahren erhielt ich eine Einladung in ein Dorf nach Süddeutschland. Im Verlauf der Woche kamen mehr als 60 Menschen zur seelsorgerlichen Aussprache. Fast alle beichteten Heilungen durch einen Besprecher des Dorfes, der 75% der Bau­ernhäuser als Kundschaft hatte. In dem Dorf sah es dementsprechend aus. Viele Selbstmorde, Geisteskrankheiten und seelische Störungen. Vor kurzem schrieb mich der Ortspfarrer an, daß in diesem Dorf auch eine Satanistengruppe existiere, die Unheil anrichte.

B 99 Ein Pfarrer im Elsaß beklagte sich über den trostlosen Zustand seiner Gemeinde. Ich konnte ihn darüber informieren, dаß eine Besprecherin im Nachbardorf aussagte, sie hätte 150 Kunden aus seiner Pfarrei.

B 100 Im Oberbergischen wurde ich bei einer Vortragstour informiert, daß in dem Dorf 90 % aller Einwohner an spiritistischen Zirkeln teil­nehmen würden. Nachprüfen konnte ich das nicht.

B 101 In einem Dorf im Coburger Land sagte mir ein gläubiger Lehrer, daß nachts von Dorfbe­wohnern nach altem germanischem Brauch den heidnischen Göttern Hähne auf einem Opferstein geopfert werden. Dieses Dorf ist für die christliche Botschaft geistlich verriegelt.

B 102 Im Werratal berichtete mir ein gläubiger Pfarrer, daß in diesem Tal eine Hebamme 40 Jahre tätig gewesen sei, die alle neugeborenen Kinder magisch besprach und dem Teufel weihte. Bevor diese Säuglinge getauft waren, hatte schon ein anderer Besitzrecht übernommen. Man versteht dann, daß sich ein Pfarrer in solchen Gemeinden schier totarbeitet und keine Frucht sehen darf. Es gibt Gegenden, Täler, Gebirgsdörfer, in denen die Zauberei sprichwörtlich geworden ist. Dazu gehört zum Beispiel die Lüneburger Heide, Schles­wig-Holstein und andere Gebiete. Wundert man sich dann über den trostlosen geistlichen Zustand dieser Gegenden? Einer meiner Freunde war im Urlaub an der Ostsee. Als am Sonntag die Kirchenglocken läuteten, machte er sich auf den Weg zum Gottes­dienst. Der Pfarrer stand unter der Kirchentür. Mein Freund war der einzige Besucher. So lud ihn der Pfarrer ein: „Kommen Sie rüber ins Pfarrhaus. Wir trinken eine Tasse Kaffee und spielen Schach.“ Die­ser einzige Besucher war der Schwiegersohn von Dekan Friedrich Hauss, Pfarrer Adolf Leonhard, der mir dies berichtete. Diese Beispiele von ganzen Gebieten, Tälern und Dörfern können aber von der Einzelseelsorge ablen­ken. Gewöhnlich hat es der Seelsorger in der Abwehr okkulter Belastungen mit einzelnen Ratsuchenden zu tun. Aber auch hier zeigt sich die Resistenz in schwacher und starker Form.

B 103 Der Sohn eines Kirchenpräsidenten in der Schweiz saß vor mir. Er wollte sich zu Christus hinwenden, brachte aber seine Anliegen kaum heraus. Er war wie gelähmt. Der Hintergrund seiner Hemmungen war, daß er als kleiner Junge bei einer Erkrankung von einem Appenzeller ok­kulten Heiler behandelt worden war. Als ich mit ihm nach der Beichte ein Lossagegebet beten wollte, konnte er die Hände nicht falten, obwohl er sich alle Mühe dazu gab. Es war ihm auch unmöglich, den Namen Jesu auszusprechen.

Es ist also nicht immer so, daß Belastete beim Gebet in Halbtrance oder Volltrance fallen. Es gibt viele Abstufungen, die dem erfahrenen Seel­sorger bekannt sind.

S 24 In der Seelsorge zeigen sich viele Formen von okkulten Belastungen. Wollen Belastete die Bibel lesen, flimmern ihnen die Augen, oder sie haben Mühe, sich zum Bibellesen zu zwingen. Wenn sie beten wollen, drängen sich ihnen manchmal Läster­worte gegen Gott und Jesus auf. Unter der Verkün­digung des Wortes Gottes werden sie müde, schläfrig und fangen an zu gähnen, obwohl sie weder Schlaf noch Hunger haben. Zum Singen haben sie keine Lust. Sie müssen sich geradezu einen Ruck geben mitzusingen. Bei geringsten Anlässen können sie im Zorn explodieren oder werden gar tobsüchtig. – Natürlich gibt es solche Entgleisungen auch auf­grund anderer Ursachen, aber die okkulte Belastung läßt sich unterscheiden. Vor allem spielt die Resi­stenz eine Rolle. Die anomalen Zustände lassen sich provozieren. Die epileptischen Anfälle z. B. haben ihre eigene Gesetzmäßigkeit. Sie werden nicht durchs Gebet oder geistliche Beeinflussung ausge­löst. Der okkult Belastete spricht aber sofort auf geistliche Betreuung an. – Es darf der Hinweis nicht unterlassen werden, daß der okkult Belastete nur reagiert, wenn er mit dem Pneuma, dem Heiligen Geist, konfrontiert wird. Auf Namenchristentum, auf Gewohnheitschristentum, auf Traditionschri­stentum, auf frommen Firniß, spricht der Teufel nicht an. Er läßt seinen Opfern die Religiosität, auch die formale Kirchlichkeit. Er wehrt sich aber mit Entschiedenheit, wenn er es mit dem lebendigen Glauben eines wiedergeborenen und geisterfüllten Christen zu tun bekommt.

Vor Jahren habe ich einmal Prof. Dr. Bender, dem weltbekannten Parapsychologen, 100 meiner Bei­spiele zugesandt. Ich schilderte ihm auch die Merk­male der Besessenheit. Er schrieb zurück, daß er nur das Resistenzphänomen akzeptieren könne.

Der Seelsorger für okkult Belastete

Wer ist zur Seelsorge berufen? L. Thimme antwor­tete auf diese Frage: „Seelsorger sind Menschen, deren eigene Seele versorgt wurde.“ Nach Luthers Meinung gibt es das Priestertum aller Gläubigen. Das heißt, jeder Christ sei des anderen Seelsorger und Beichtvater. Das Grundkonzept der Umkehr und Hinkehr zu Christus ist ja sonnenklar.

In 1. Joh. 1,9 heißt es: „So wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend.“

Wenn das in einzelnen Etappen gesagt werden soll, so heißt das: Sündenerkenntnis, Sündenbekenntnis, Buße und Beichte, Hingabe an Jesus, Reinigung und treue Nachfolge Jesu. Das darf nicht als Schema oder Schablone verstanden werden, also keine Methode. Gott handelt in freier Souveränität. Er kann in freiem Handeln alle Etappen überspringen und direkt ohne Zwischenstufen einem Menschen begegnen, so daß der Angesprochene sein Eigentum wird: Buße, Beichte und Reinigung folgen aber nach.

Jeder, der eine solche Christusbegegnung erlebt hat, soll und kann dem suchenden Menschen Weg­weiser sein. Eine ausführliche Darstellung findet sich in meinem Buch: Wie findet man Jesus.

 

Nicht so einfach ist es bei der Seelsorge an okkult Belasteten. Aufgrund unguter Erfahrungen muß so­gar davor gewarnt werden, daß solche, die gerade aus einer okkulten Belastung freigeworden sind, sofort versuchen, andere Belastete in die Seelsorge zu neh­men. Nach Luk. 11,24 kommen die verjagten Geister gern zurück. Hier ist also Vorsicht geboten. Dieser Hinweis erfolgt aber nur aus dem Überblick gefährli­cher Erfahrungen.

Überhaupt ist davor zu warnen, daß nicht jeder sich berufen fühlt, Seelsorge an okkult Belasteten zu treiben. Ich hatte drei negative große Erfahrungen, die mich heute noch mit Schmerz erfüllen.

B 121 Ein gläubiger Arzt, der auch Theologie studiert hatte, las mein Buch Seelsorge und Ok­kultismus. Er meinte nach der Lektüre, er hätte einen Auftrag, auf diesem Gebiet zu arbeiten. Da er ein christliches Erholungsheim leitete, hatte er viele Möglichkeiten der seelsorgerlichen Bera­tung. Er übte das ein Jahr. Da umnachtete sich sein Geist, er kam in eine Heilanstalt und starb. Ohne das Anlegen der Waffenrüstung von Epheser 6 ist man nicht gewappnet gegen die Angriffe des Erz­feindes.

B 122 Ein deutsch-amerikanischer Evangelist entschloß sich, mich zwei Jahre auf meinen Vor­tragstouren zu begleiten und ebenfalls in Vorträ­gen gegen Zaubereisünden und okkulte Belastun­gen zu predigen. Zwei Jahre ging es gut, dann reiste er zurück in die USA und setzte dort seinen Dienst fort. Als ich ihn in USA aufsuchen wollte, sagte mir seine Frau, er befinde sich in einer Heilanstalt. Als er wieder schreibfähig war, teilte er mir mit, er müsse diese Art Vorträge aufgeben, was durchaus meiner Meinung entsprach.

B 123 Das dritte Beispiel ist mir das schrecklich­ste. Ich reiste etwas mehr als drei Jahre zusammen mit einem australischen Evangelisten. Er hatte eine vollmächtige Verkündigung, unter der sich die Zuhörer bekehrten. Er lernte einiges aus meiner Verkündigung und Seelsorge und fing damit an, sich ähnlich zu betätigen. Es fehlte aber die Korrektur der Erwec­kungsgebiete, wie ich sie erlebte. Er gab die gemeinsame Arbeit mit mir auf, verließ seine Familie und übernahm die Leitung eines Nacht­klubs auf Teneriffa. Heute steckt er wieder in einem furchtbaren Sündenleben.

Ich bete immer noch für ihn und halte Gott vor: „Du hast auch Gnade für die Abtrünnigen.“ In Hosea 14,5 heißt es: „Ich will ihr Abtreten wieder heilen.“

Zuletzt muß ich von mir selbst berichten. Ich wäre in meinem Dienst zugrunde gegangen, wenn nicht viele Beter mir den Rücken gestärkt hätten. An dieser Stelle will ich besonders der Pfarrergebetsbruderschaft für alle Fürbitte danken. Zu dieser Gebetshilfe kam dann der Besuch von vielen Erweckungsgebieten, auf denen ich „geistlich volltanken“ konnte. Ich habe ja mehr Bücher über die Erweckung und missionari­schen Probleme geschrieben als gegen das Okkulte. Dadurch hat Gott Gnade geschenkt, daß ich mich geistlich wieder fangen und durch Buße einen Neu­anfang machen konnte.

Bevor ich Menschen danke, gilt in erster Linie mein Dank dem großen Hohenpriester, der zur Rechten des Vaters sitzt und für uns eintritt.

Alle diese Erfahrungen zeigen, daß die Seelsorge an okkult Belasteten ein gefährliches Gebiet ist. Ich denke dabei an das Erlebnis der sieben Söhne des Juden Skevas, die eine Austreibung der bösen Geister versuchten und zuschanden wurden (Apg. 19,14). Wer auf diesem Gebiet arbeitet, steht auf der Ab­schußliste Satans. Ich meine darum, daß eine speziel­le Ausrüstung zu einem solchen Dienst gehört. Pau­lus spricht sogar von einer Berufung in Eph. 4,11:

Er hat etliche zu Aposteln gesetzt,
etliche zu Propheten,
etliche zu Evangelisten,
etliche zu Hirten und Lehrern.

Oft bin ich gefragt worden, ob Frauen oder gar junge Mädchen zu einem solchen Dienst berufen sind. Normalerweise nicht. Nun aber sind auf den Missionsfeldern oft keine geeigneten und vollmächti­gen Brüder da. Ich bin überzeugt, daß der Herr auch Missionarinnen dazu ausrüsten kann. Mir ist ein Beispiel aus Neuguinea bekannt, daß eine glaubens­starke Missionarin in den geistlichen Kampf mit einem Oberzauberer hineingestoßen wurde und in der Kraft Jesu gesiegt hat. Gott kann also auch das sogenannte „schwache Geschlecht“ ermächtigen, seine Ziele zu verwirklichen. Wir dürfen das freie Handeln Gottes nicht mit unserer Gesetzlichkeit einengen wollen. Die Regel bleibt aber, daß Gott Brüder für einen solch schweren Dienst ausrüstet. Oft ist es sogar Teamwork, das heißt Aufgabe einer Gruppe von zwei oder gar drei gläubigen Seelsor­gern.

Zu den geistlichen Voraussetzungen, die jeden Christen betreffen, kommen bei dem Seelsorger noch einige Dinge dazu. Er muß um die Gabe der Geisterunterscheidung bitten und in ständiger Chri­stuspräsenz leben. Dringend wichtig ist, dаß er Erkrankungen und Belastungen unterscheiden lernt. Dazu will auch dieses Buch etwas mithelfen. Prof. Dr. Otto Michel, mit dem ich seit mehr als 30 Jahren in Verbindung stehe, schrieb zur Befreiung aus okkulter Belastung in seinem Buch Gestaltwandel des Bösen: „Es gehört zur Vollmacht Jesu, zur Kraft seines Namens, satanische Macht zu brechen. Aber auch dieses Brechen hat seine Ordnung, das Geheiligt­sein des helfenden Zeugen (Joh. 17,17-19) und die Willigkeit, die Hilfe anzunehmen. Entscheidend sind: das Bekenntnis der Schuld, die ausdrückliche Buße und Absage, das Anrufen des Namens Je­su … Wer einen Bund mit dem Satanischen ge­schlossen hat, muß diesem Bund unter Gegenwart von Zeugen absagen.“

Zum Geheiligtsein des Seelsorgers schreibt Prof. Dr. Rohrbach (Mit dem Unsichtbaren leben): „Jesus betete für seine Jünger (Joh. 17,17f.): ,Vater heilige du sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiligt seien in der Wahrheit’. Wir müssen durch Jesus geheiligt werden. Zum festen Gegründetsein der Jünger Jesu in ihrem Herrn gehört die volle Unterordnung, die volle Hingabe, der völlige Gehorsam, die volle Liebe, die alles fahren läßt, auf dаß nur er, der Herr, verherrlicht, ihm allein die Ehre gegeben wird … Erzwungen werden kann die besondere Vollmacht nicht. Sie ist nur Gabe und auch nicht Gabe auf Dauer… Sie kann von Jesus gegeben und auch wieder genommen werden.“

Was im einzelnen alles zur Seelsorge an okkult Belasteten gehört, habe ich bereits in mehreren mei­ner Bücher dargestellt: Heilung und Befreiung, Besessenheit und Exorzismus, Seelsorge und Medialität, Okkultes ABC und Christus oder Satan.www.schriftenmission.de

 

Die schwerste Form der okkulten Belastung ist die Besessenheit.

Als Jesus seine Jünger aussandte, gab er ihnen eine dreifache Vollmacht: Verkündigung, Hei­lung und Austreibung. Diese Vollmacht ist in der Christenheit weithin verlorengegangen. Aus der Vollmacht der Verkündigung wurde gutgeschulte Rhetorik. Aus der Vollmacht der Heilung wurde die medizinische Wissenschaft. Die Vollmacht der Aus­treibung wurde in das psychiatrische Gebiet verla­gert.

Der andere Mißbrauch ist die Praxis extremer Sekten. Beides sind Irrwege: die rationale Umfor­mung der Vollmacht und die emotionale Verzerrung. Dazwischen – darüber – liegt der richtige Gebrauch biblischer Anweisung. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Wer ein geöffnetes Herz hat, der verstehe!

Zwei Maßnahmen der seelsorgerlichen Betreuung müssen kurz besprochen werden, weil darüber theo­logische Diskussionen entstanden sind.

Es handelt sich um das Lossagen und das Losspre­chen. Es geht zunächst um die Stelle Mt. 18,15-20.

Dr. Helge Stadelmann schreibt zu dieser Stelle:

„Die immer wieder angeführte Hauptbelegstel­le für die Praxis dieses ,Bindens und Lösens`, Mt. 18,18, bezieht sich nicht auf die Seelsorge an okkult Belasteten, bezeichnet also keine cura spe­cialis (Spezialkur) für okkulte Fälle. Vielmehr geht es hier um das Verhängen des Gemeindebanns über einen Sünder, der angesichts seiner Unbuß­fertigkeit trotz aller Versuche gemeindeinterner Ermahnung schließlich aus der Gemeinde ausge­schlossen (= gebunden) wird. Tut er später Buße, kann er wieder in die Gemeinde aufgenommen (gelöst) werden. Dieser Sprachgebrauch bei Mat­thäus ist ganz in Übereinstimmung mit dem Wort­gebrauch der jüdischen Rabbinen zur Zeit Jesu: ,Binden und Lösen’ hieß hier entweder etwas für erlaubt bzw. verboten erklären oder aber über jemanden den Bann verhängen, d. h. ihn aus der Synagoge ausschließen bzw. ihn wieder in die Synagogengemeinschaft aufnehmen. Eins ist klar: Nicht hier und jetzt werden dämonische Mächte ,gebunden’, sie werden allenfalls durch ein seel­sorgerliches Befehlswort im Namen Jesu fortge­trieben. Gebunden wird der Satan erst, wenn Jesu endzeitliche und endgültige Erdenherrschaft an­bricht (Offb. 20, 2).“

Ohne Zweifel gibt hier Dr. Stadelmann den histo­rischen Sinn und den biblischen Zusammenhang dieser Stelle richtig wieder.

Ich will aber doch zu einer Erweiterung dieser Bibelstelle etwas hinzufügen. Im griechischen Grundtext steht in V. 15 nicht „an dir“, sondern einfach „sündigt ein Bruder“. So übersetzt auch Adolf Schlatter: „Wenn aber dein Bruder sündigt, dann geh, halte es ihm vor zwischen dir und ihm allein …“ (A. Schlatter: Das Evangelium nach Matthäus)

In dieser Version des Grundtextes und der Schlat­terübersetzung handelt es sich nicht nur um die Sünde am Bruder, sondern um jede Sünde. Damit sind die okkulten Sünden nicht ausgeschlossen.

Die Lutherübersetzung „an dir“ (eis se) schränkt den Sündenbegriff ein. Luther hat das nicht eigen­mächtig getan, sondern folgte einigen Handschrif­ten, die das „eis se“ enthalten.

Noch ein anderer Gesichtspunkt muß geltend gemacht werden. Viele Schriftstellen haben einen historischen, prophetischen und geistlich übertrag­baren Sinn. Sonst hätten ja viele Bibelworte keinen Bezugspunkt auf unser Leben.

Es ist also nicht abwegig, wenn Prof. Dr. Rohr­bach in dem erwähnten Buch Seite 113 formuliert:

„Auf Absage und Hingabe erfolgt durch den Seelsorger die Lossprechung im Namen Jesu. Sie gehört dazu wie der Zuspruch der Vergebung zu einer Beichte. Ich benutze folgende Fassung: Herr Jesus Christus, du hast deinen Jüngern Weisung und Vollmacht gegeben: Was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein; was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein. Auf dieses dein Wort hin löse ich jetzt in deinem Namen diesen Bruder .. .(diese Schwester …) von allen Bindungen und Belastungen durch die Macht der Finsternis, in denen er (sie) noch gefangen ist. Ich löse ihn (sie) davon und binde alles, womit er (sie) bisher belastet war, in deinem Namen an dein Kreuz für Zeit und Ewigkeit. Amen.“

Gehen wir aber nochmals zurück auf den griechi­schen Grundtext und untersuchen die Ausdrücke: sich lossagen und lossprechen.

Sich von etwas lossagen heißt im Griechischen apeipein. Wir finden diesen Ausdruck in 2. Kor. 4,2: „apeipametha ta krypta tes aischynes“. Menge über­setzte: „Wir haben uns von aller schändlichen Heim­lichtuerei losgesagt.“ Hans Bruns übersetzte: „Wir brauchen keine heimlichen Schliche, deren wir uns schämen müssen.“ Das griechische Wort kryptos ist das gleiche wie das lateinische occultus. Der griechi­sche Text läßt einen großen Spielraum zu, z.B. „Wir haben uns von den schandbaren okkulten Dingen losgesagt.“ Das ist keine Textvergewaltigung, son­dern liegt im Rahmen der Aussage.

Lossprechen heißt im Griechischen: apolyein – apodikazein – aphienai. In Luk. 13,12 sagt Jesus: „Weib, sei los von deiner Krankheit.“ Im griechi­schen Grundtext steht: apolélysai – sei los – sei losgesprochen von deiner Krankheit.

Das Lossagen ist ein Glaubensakt und Weiheakt des Beichtenden. Wenn bei der Beichte etwas bewußt verschwiegen wird, hat das Lossagen keine Bedeu­tung. Manches kann unbewußt bleiben, das entkräf­tet das Lossagen nicht. Wenn es aber später bewußt wird, kann es nochmals in der Seelsorge vorgebracht werden. Das Lossagen ist Absage an die Mächte der Finsternis und Hingabe an Jesus.

Das Lossprechen ist ein helfender Akt des Seelsor­gers. Es gehört mit in die Absolution. Die Absolu­tion kann aufgrund der Verheißungen der Bibel wirksam sein, auch wenn der Seelsorger selber „ein Bube“ ist, wie Luther einmal sagte. Das heißt, die Vergebung ist nicht abhängig von der geistlichen Reife des Seelsorgers. Um der Theologen willen muß aber hinzugefügt werden, daß hier kein Vorgang ex opere operato vorliegt.

Das Lossprechen ist von der Situation der Absolu­tion etwas verschieden. Natürlich ist auch hier dieser Vorgang abhängig vom vollbrachten Werk auf Gol­gatha. Wenn der Seelsorger aber selbst in Bindungen okkulter Art steckt, ist sein Lossprechen unwirksam. Voreiliges Lossprechen kann sogar mit Anfechtun­gen verbunden sein. Die sieben Söhne des Skevas wurden verletzt, als sie dem Besessenen helfen woll­ten. Als junger Pfarrer war ich einige Male auch zu voreilig und mußte dann Angriffe erleben. Je älter ich wurde, desto vorsichtiger handelte ich. Vor allem beim Umgang mit Besessenen.

Zum Lossprechen gehört eine gewisse Vollmacht. „Es unterwinde sich nicht jedermann, Lehrer zu sein“, Jak. 3,1. Wenn der Seelsorger ohne Vollmacht ist und selbst ein ungereinigtes Leben hat, wirkt das Lossprechen nicht. Jüngerschaft Jesu ist eine verant­wortungsvolle Entscheidung und Haltung. Jesus sagt in Lk. 14,33: „Wer nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.“ Bei Besessenen kommt es häufig vor, daß Dämonen sich über vollmachtslose Seelsorger lustig machen.

Ein offizielles Beispiel ist das Tonband, das der Seelsorger der Anneliese Michel von Klingenberg aufgenommen hat. Die Dämonen sprachen aus dem besessenen Mädchen: „Ha, ha, ha, der Haag meint, uns gibt es nicht.“ Auch aus der Apg. 19,15 können wir das entnehmen: „Jesus und Paulus kennen wir, wer aber seid ihr?“Auf keinem Gebiet der Seelsorge rächt sich so intensiv die Vollmachtslosigkeit wie bei der Betreu­ung von okkult Belasteten oder gar Besessenen.

Paulus schreibt in Phil. 3,1: „Daß ich euch immer einerlei schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch desto gewisser.“ Darum soll noch einmal un­mißverständlich wiederholt werden:

S 33 Die medizinischen und psychologischen Wis­senschaften können nur das erforschen, was inner­halb des rationalen Bereiches liegt. Ihr Spielraum ist die Immanenz. Die Tragödie ist, daß die Wissen­schaftler und in deren Schlepptau auch die meisten Theologen sich dauernd Übergriffe leisten und ver­suchen, das Irrationale, das Übersinnliche, das biblisch Jenseitige in den verstandesmäßigen Griff zu bekommen. Das ist zum Scheitern verurteilt, denn der natürliche Mensch begreift nicht die Fakten der Sphäre Gottes und des Heiligen Geistes. Davon gingen wir im ersten Kapitel aus.

Der Zugang kann nur von „der anderen Seite“ geöffnet werden. Voraussetzung dafür ist auf der Seite Gottes ein Handeln seiner Gnade und auf der Seite des Menschen eine Wiedergeburt durch den Heiligen Geist (Joh. 3,3) – gratia data – das Stehen in der Christuspräsenz (Hebr. 12,14) und in vielen oder den meisten Fällen die Gabe der Geisterunterscheidung (1. Kor. 12, 10).

 

Sind unsere Weichen richtig gestellt?

In meiner Schulzeit schwärmte ich für die grie­chische Philosophie der vorchristlichen Zeit. Viele der platonischen Werke las ich im Griechischen. Einer der Schüler Platos war Aristoteles (383-322 v. Chr.), der Gründer der sogenannten peripateti­schen Schule. Der Ausdruck kommt von dem Ver­bum peripateo = herumgehen. Die Philosophen diskutierten ihre Probleme beim Spaziergang oder beim Umhergehen um das Bassin eines Atriums. Aus dem philosophischen Realismus dieses bahn­brechenden Denkers der alten Welt merkte ich mir als Student einige Lebensregeln. So z. B. bedeutet die Tapferkeit die Mitte zwischen Feigheit und Tollkühnheit, zwischen Geiz und Verschwen­dungssucht liegt als Mitte die Sparsamkeit. Aristo­teles will also Extreme vermeiden und eine maßvol­le Mitte praktizieren.

Ähnliche Gedanken findet man bei dem römi­schen Dichter Horaz (65-8 v.Chr.). Aus seinem reichen Schaffen (Satiren, Episteln, Epoden) sind seine Oden am wichtigsten. Im Gymnasium quäl­ten wir uns mit seinem schweren Latein herum. Aus diesem Grunde waren sie bei uns Schülern nicht beliebt. Aber eines ist mir haften geblieben. Er könnte beinahe als Vertreter der Aristotelischen Entelechie gelten, wenn er die aures mediocritas, den goldenen Mittelweg, besingt.

Registrieren wir aber genau, daß es sich bei diesen Männern um heidnische Philosophie und Poesie handelt. Die Botschaft der Bibel hat eine Höhenlage.

Vor Jahrzehnten sangen wir im EC ein Lied, dessen Refrain lautete: Heiß oder Kalt, Ja oder Nein, Niemals wollen wir lauwarm sein.

Das ist die Botschaft von Offbg. 3,15: „Ach, daß du kalt oder heiß wärest.“ So heißt es im griechischen Grundtext: ophelon psychros es e zestos. Luther hat zestos leider mit warm übersetzt. Das griechische Wort heißt aber siedend, heiß. Hermann Menge und Bruns übersetzen es richtig: Oh, wenn du doch kalt oder heiß wärest.“

Heiß oder kalt

Das ist die Alternative des Neuen Testamentes, ja der ganzen Bibel. Diese Gegensätzlichkeit tritt uns in vielen Bibelstellen entgegen:

Segen oder Fluch

Vor diese Wahl stellte Mose sein Volk (5. M. 11,26): „Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch; den Segen, so ihr gehorchet, den Fluch, so ihr nicht gehorchet den Geboten des Herrn, eures Gottes.“

Maleachi (2,2) wiederholt diesen Vorgang mit anderen Worten. Er sagt: „Wenn ihr mein Gebot nicht zu Herzen nehmt, daß ihr meinem Namen nicht die Ehre gebt, so werde ich den Fluch unter euch schicken und euren Segen verfluchen.“

Jeremia (21,8) hat von Gott einen ähnlichen Auf­trag erhalten: „Sage diesem Volk, so spricht der Herr: Siehe ich lege euch vor den Weg zum Leben und den Weg zum Tode.“

Weg zum Leben oder Weg zum Tode

Der Prophet Daniel, der rund 900 Jahre später als Mose lebte, zeigte seinem Volk das doppelte Ende, die zweifache Möglichkeit. Er sagt (Dan. 12,2): „Viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, etliche zum ewigen Leben, etli­che zu ewiger Schmach und Schande.“ Also heißt unsere Zukunft

Ewiges Leben oder ewige Schmach

Das Neue Testament führt die Aussage von der doppelten Möglichkeit weiter. Am Schluß der Bergpredigt (Mt.7,13f.) sagt Jesus: „Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und wenige sind ihrer, die ihn finden.“ Hier gibt es keinen goldenen Mittelweg wie bei Horaz.

Entweder breiter Weg zur Verdammnis – oder schmaler Weg zum Leben

Die Botschaft aus dem Mund Jesu, die die Aus­schließlichkeit der beiden Lager zeigt, ist das Gleichnis von den zehn Jungfrauen in Mt. 25. Die gläubigen Ausleger, z. B. Rienecker, sagen, daß alle zehn Jungfrauen auf das Kommen des Bräutigams warteten. Auch die törichten Jungfrauen gehörten zum Reich Gottes. Ich lasse einmal Rienecker, mit dem ich befreundet war, zu Wort kommen. Er schreibt in seiner Auslegung zum Matthäus-Evange­lium folgendes:

„Zum anderen sind die törichten Jungfrauen ihrem Wesen nach weder zu über- noch zu unter­schätzen. Man überschätzt sie, wenn man sie den klugen Jungfrauen gleichstellt. Man unterschätzt sie, wenn man sagt, sie hätten den Geist Christi nicht empfangen; alles bei ihnen wäre nur Form und Schein. Es heißt aber doch V. 1 von den törichten Jungfrauen, daß sie Glieder des König­reiches der Himmel sind. ,Dann wird das König­reich der Himmel zehn Jungfrauen ähnlich sein.` Hier steht nicht: Ähnlich den fünf klugen Jung­frauen, sondern: ähnlich zehn Jungfrauen. Dem­gemäß sind die fünf törichten Jungfrauen auch Glieder des Königreiches der Himmel. Ein Glied dieses Königreiches kann aber nur der sein, wel­cher wirklich Heiligen Geist hat. Folglich haben auch die törichten Jungfrauen den Geist Christi. Sie könnten ja auch unmöglich nach Vers 8 spre­chen: ,Unsere Lampen verlöschen`, d. h., wir haben nur noch ganz wenig Öl, nur noch ein ganz geringes Maß des Geistes Gottes. Durch Untreue haben sie ihn, diesen Geist, immer mehr ver­loren.“

Am Ende dieser tragischen, warnenden Geschich­te steht: Die klugen Jungfrauen waren im Hochzeits­saal, die törichten standen vor verschlossener Türe.

Drinnen? oder draußen?

In dem erwähnten Kommentar Rieneckers zum Matthäus-Evangelium stehen die Sätze, die auch uns gelten: „Alle Gläubigen werden, wenn der Herr kommt, entweder zur Gruppe der törichten oder aber zur Gruppe der klugen Jungfrauen gehören. Hier gilt wiederum das heilige Entweder-Oder der Schrift! Eine Mittelgruppe gibt es nicht.

Der Evangelist Lukas hat uns die Geschichte vom verlorenen Sohn aufbewahrt. Viele Künstler sind durch dieses Gleichnis inspiriert worden. Mir geht es in diesem Zusammenhang nur um die Darstellung der beiden Lebensformen; das alte Leben in der Sünde, das neue Leben in der Buße und Umkehr. In Lukas 15,24 heißt es:

„Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden. Er war verloren und ist gefunden wor­den.“ Die beiden entgegengesetzten Lebensformen heißen:

Rettung oder Verderben

Nach Matthäus und Lukas wenden wir uns dem Evangelisten Johannes zu. Sein Evangelium ist grie­chisch am einfachsten geschrieben. Die Griechisch lernen, fangen gewöhnlich mit diesem Evangelium an. Gedanklich ist es aber am tiefsinnigsten. Manche Partien erinnern an philosophisches Denken, ~ eiben aber biblisch genuin. Es wird von einem anderen Gegensatz in Joh. 8,12 berichtet. Jesus sagt dort: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Die großen Gegensätze sind hier:

Licht oder Finsternis

Unsere Entscheidung für das Licht oder die Finsternis wird unser ewiges Los bestimmen. Jesus warnt in Joh. 3,19: „Das ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“ In unseren Tagen merken wir mehr als je, daß die Finsternis überhandnimmt. Es wird unter der Person des Antichristen noch schlimmer kommen. Den Apostel Paulus müssen wir noch zu Wort kommen lassen. In seinem Brief an Timotheus (2. Ti. 3,5) schreibt der Apostel: „In den letzten Tagen werden Menschen sein, die da haben den Schein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie.“ Hier heißt der geistliche Kurs:

Schein oder Kraft

Das Kraftproblem spielt bei Paulus eine große Rolle. Er spricht in Eph. 1, 19 von der überschweng­lichen Größe der Kraft Gottes an uns. Es gibt also in der Nachfolge Jesu nicht ein Leben im leeren Schein, sondern in Beweisung des Heiligen Geistes und der Kraft (1. Kor. 2,4).

Neben vielen anderen biblischen Gegensätzlich­keiten ist mir eine Tatsache fast am wichtigsten geworden. Jesus sagt seinen Jüngern (Luk. 10,20):

„Freuet euch, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Und in der Offbg. 3,5 verheißt der erhöhte Herr: „Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens.“

Das ist die letzte große Weichenstellung: Sind wir in der großen Kartei des Himmels erfaßt oder nicht, registriert oder nicht registriert. Sind wir nur Bürger dieser Welt oder auch jener Welt? Wen diese Fragen bewegen, den verweise ich auf mein Buch Wie findet man Jesus?

 

Einer öffnet die Türe

Hermann Menge übersetzte Mt. 16,26 in folgen­der Weise: „Was könnte ein Mensch als Lösegeld für seine Seele geben?“ Dieses Wort Jesu bedeutet, daß wir Menschen keine Chance haben, uns freizukaufen von Schuld und Belastung.

Nur einer kann die verschlossene Türe öffnen: Jesus Christus. Er ist schon im Alten Testament angekündigt in Jes. 61,1: „Der Geist des Herrn ist über mir, darum daß mich der Herr gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, daß ihnen geöffnet werde …“

Das Programm Jesu, sein Auftrag umfaßt:

Den Elenden die frohmachende Botschaft.
Den zerbrochenen Herzen die Heilung.
Den Gefangenen die Freiheit.
Den Gebundenen die Loslösung.
Allen Traurigen wirksamer Trost.

Bei all dem, was in diesem Schlußkapitel berichtet wird, steht nirgends der Seelsorger im Blickpunkt, sondern nur Jesus. „Ich habe vor dir gegeben eine offene Tür.“ Das sagte der erhöhte Herr der Gemeinde zu Philadelphia (Offbg. 3,8). Alle Beispiele, die hier folgen, zeigen die Befreiung durch Christus.

B 124 Mein Berichterstatter ist ein evangelischer Bischof, der vor einigen Jahrzehnten mit seinem kranken Sohn zur Betreuung in den Westen reiste. Sein achtjähriger Junge litt an einer Nieren­schrumpfung, die schon von einem Facharzt er­folglos behandelt worden war. Die Eltern brach­ten daher den Sohn in die „Arche“ nach Möttlin­gen. Ein Möttlinger Bruder betete mit dem Kran­ken nach Jak. 5,14 unter Handauflegung. Es trat eine Heilung ein, die vom Facharzt bestätigt wurde.

Eines Tages erlebten die Eltern mit dem geheil­ten Jungen eine merkwürdige Reaktion. Sie hatten eine Hausgehilfin, die durch Beschäftigung mit okkulten Dingen stark medial war. Einmal kam die Mutter des Hausmädchens zu Besuch. Die Tochter schimpfte ihre alte Mutter so häßlich aus, daß Frau B. in der ersten Erregung der Hausgehil­fin eine Ohrfeige gab. Der geheilte Junge, der bei diesem Vorgang nicht dabei war, verzog von diesem Zeitpunkt an sein Gesicht, wie es vorher bei der Nierenschrumpfung der Fall war. Das Hausmädchen hatte sich in medialer Weise ge­rächt. Es besteht unter Umständen der Verdacht, . daß auch vorher schon die Nierenschrumpfung des Jungen durch die magischen Praktiken des Mädchens ausgelöst worden war. Die bestürzten Eltern beteten dann mit dem Jungen unter Hand­auflegung. Der Junge wurde von seiner Gesichts­verzerrung abermals geheilt.

Wer sich in den teuflischen Spielregeln der Magie nicht auskennt, wird eine solche Vermutung als unberechtigten Verdacht abweisen. In der Tat sind oft Unschuldige verdächtigt worden. Das wurde auch bei den entsetzlichen Hexenprozessen offen­bar. Es gibt aber Symptome, die Rückschlüsse zulas­sen. Selbst der Bischof sah diese Vorfälle so an, wie er mir selber mitteilte. Ich erinnere nochmals an die Malpraxis, von der M. ~. Eddy in „Science and Health“ spricht. In dem Kapitel Mentalsuggestion ist davon die Rede.

Verfolgung durch schwarze Magie ist mir oft in der Beichte berichtet worden. Die ehemaligen Zauberer auf Neuguinea, in Ostasien und bei den schwarzen Stämmen in Afrika, die sich bekehrt haben, bezeu­gen, даß schwarze Magie mit Hilfe des Teufels funktioniert.

Da hier Neuguinea erwähnt ist, bringe ich einen Missionsbericht, der vom Sieg Jesu zeugt. Ich selbst war zweimal auf Neuguinea und habe dort viel Material über die Kulte gesammelt.

B 125 Eine Missionarin arbeitete unter einem magisch verseuchten Stamm auf Neuguinea. Vïele Zauberer beherrschten mit ihrer Teufelskunst den Stamm.

Die christliche Mission machte nur geringe Fortschritte. Die Missionarin spürte oft in ihrem Gebet eine unheimliche Macht auf sich zukom­men. Sie bat alle ihre Missionsfreunde in der Heimat um treue Fürbitte, damit dieser finstere Bann in ihrem Arbeitsgebiet endlich durchbro­chen würde.

Die Schwester empfand nicht nur einen uner­hörten Geisterkampf in ihrem Arbeitsgebiet, son­dern sie erlebte auch merkwürdige Bedrohungen durch wilde Tiere. Jedesmal, wenn sie ein be­stimmtes Dorf besuchen wollte, in dem ein be­kannter Zauberer sein Unwesen trieb, kamen ihr auf dem Weg dorthin Schlangen entgegen, die sie zum Umkehren zwangen. Sie sah diese Tiererleb­nisse als Zufall an, bis sie eines Tages eines Besse­ren belehrt wurde.

Bei einer Missionsreise kam sie auf dem Rück­weg in dieses erwähnte Dorf. Ahnungslos trat sie in eine ihr unbekannte Hütte, um den Bewohnern die Christusbotschaft zu bringen. Während sie mit der Frau sprach, spürte sie eine unheimliche Macht auf sich einstürmen. Sie hatte den Ein­druck, als sollte sie von hintenher umgebracht werden. Sie drehte sich um und beobachtete, daß ein Mann, der in der Ecke der Hütte saß, sie mit starrem Blick ansah. Sie erschrak, fühlte sich wie gebannt von diesem Blick und wußte in diesem Augen ick, daß diese Finsternismacht von die­sem Mann ausging. Sie versuchte innerlich zu beten. Es wollte ihr aber bei dieser Bedrohung nicht recht gelingen.

Schließlich fand sie keinen anderen Ausweg mehr, als einfach im Namen Jesu zu gebieten. Nun geschah etwas außerordentlich Seltsames. Der starre Mann sackte zusammen und lag wimmernd und stöhnend auf dem Boden. Er kroch zu der Missionarin hin. Als sie sich aus der Hütte ent­fernte, kroch er ihr immer noch wimmernd und stöhnend nach. Dieses Erlebnis erinnert an die Geschichte von dem Philistergötzen Dagon (1. Sam. 5,3), der morgens vor der Bundeslade des Herrn lag.

Hinterher erfuhr die Missionarin, daß sie, ohne es zu wissen, in das Haus des Oberzauberers geraten war. Die Eingeborenen wissen auch von der Fähigkeit dieses Mannes, daß er wilde Tiere sich gefügig machen kann.

Verfolgung durch Mentalsuggestion und Magie gibt es nicht nur auf Neuguinea und bei den Schwar­zen. In allen Teilen der Welt wurden mir solche Vorgänge in der Mission berichtet. Auch Europa ist nicht frei davon. Ein Beispiel aus einem Bauerndorf in Norddeutschland.

B 126 Ein Bauer in einem norddeutschen Dorf kam zu einer Aussprache und erlaubte eine Veröf­fentlichung ohne Angabe von Namen und Ort. Er wohnte neben einem Schmied, von dem er die Hypnose erlernte. Solange er sich von dem Nach­barn als Medium gebrauchen ließ, war alles in Ordnung. Als der Bauer sich dann weigerte, wei­tere Hypnose-Experimente mitzumachen, setzte der Schmied seine medialen Kräfte gegen seine bisherige Versuchsperson ein. Der Bauer wurde nachts geplagt.

Schließlich suchte der Bauer in einem Nachbar­dorf eine Frau auf, die in dem Ruf stand, paranor­male Kräfte zu besitzen. Diese Hellseherin erklär­te dem Ratsuchenden: „Sie werden mit schwarzer Magie verfolgt. Ich helfe Ihnen, aber mit weißer Magie.“

Diese magisch arbeitende Hellseherin und Be­sprecherin wies den Mann an, abends zwischen 6 und 7 Uhr (6./7. Buch Mose) in seinem Hof bestimmte Kräuter zu verbrennen. Dabei müsse er drei Vaterunser beten und einen Verwünschungs­spruch sagen, dessen Wortlaut sie ihm beibrachte. Vor dem Zubettgehen solle er außerdem eine gespreizte Schere vor das Bett und ein gewinkeltes Taschenmesser unter das Kopfkissen legen. Das wichtigste sei die Formel aus dem 6./7. Buch Mose.

Der Bauer befolgte diese Anweisungen, spürte dabei aber plötzlich, daß zwei Mächte um ihn herum sich stritten. Die Belästigungen hörten aber auf, ein Zeichen dafür, daß die Ratgeberin medial stärker war als der Schmied.

Magische Hilfen werden immer teuer bezahlt. Gemeint ist nicht die finanzielle Entlohnung, son­dern Störungen aller Art. Die junge hübsche Frau des Bauern, die er sehr liebte, wurde schwer krank. Die Diagnose lautete auf Krebs. Es wurde eine sofortige Operation empfohlen. Der Chirurg öffnete den Magen, der total verkrebst war. Es hatten sich außerdem Metastasen gebildet. Der Bauer erfuhr, daß es für eine Operation zu spät war.

Die Frau wurde wie eine Tote ins Haus zurück­gebracht. Der Bauer ging auf das Feld und warf sich dort nieder. Er grub sein Gesicht in die Erde und schrie zu Gott um seine Frau und um sich selbst. Auch die christliche Gemeinde betete viel für die Todkranke.

Sie wurden erhört. Die Totgesagte genas rasch. Der Arzt konnte sich das nicht erklären. Später kam dann der Bauer zur seelsorgerlichen Ausspra­che und beichtete die Zaubereisünden.

Andere Pastoren und Evangelisten haben mitunter die gleichen Erfahrungen, wie ich sie seit mehr als 50 Jahren in der Seelsorge gehabt habe. Prediger Fritz Taddey holte mich mehrmals zu Vorträgen. Einmal erzählte er mir die Geschichte einer magischen Hilfe, Belastung und Befreiung.

B 127 Ein junges Paar war zu Taddey zur Seelsorge gekommen. Sie sahen nachts um 2 Uhr immer einen dunklen Mann, der sie bedrohte. Der Prediger hatte schon viele Jahre Seelsorge auf okkultem Gebiet gehabt, darum sagte er sofort: „Da ist Zauberei im Spiel.“

Die jungen Leute gaben zu, daß sie bei Erkran­kungen gewöhnlich zu einem magischen Bespre­cher gegangen waren, weil der Hausarzt nicht helfen konnte.

Der Besprecher sagte eines Tages zu dem Paar: „Ich werde alt und gebrechlich. Ihr könnt das Besprechen auch lernen. Ich schreibe euch die Formel aus dem 6./7. Buch Mose auf.“ In Zu­kunft probierte der Ehemann die Formel aus, die funktionierte. Die medialen Kräfte des Mannes entwickelten sich. So wurde er schließlich selbst als Besprecher geholt.

Dann kam die Zeit, daß die beiden jungen Menschen sich bei einer Evangelisation bekehr­ten. Von dieser Zeit an tauchte dann nachts die dunkle Gestalt auf, die sie bedrohte und erklärte: „Das lasse ich nicht zu.“ Lange Zeit wurden sie in dieser Weise belästigt, bis sie zu Taddey in die Seelsorge gingen. Sie beichteten alles und sagten sich vor dem Seelsorger von diesen dunklen Mächten los. In der „nächsten Nacht erschien der dunkle Mann wieder. Die gläubig Gewordenen riefen ihm zu: „Jesus hat uns freigemacht. Wir folgen dir nicht mehr. Im Namen Jesu verschwin­de.“ Seit dieser Zeit hat das Paar Ruhe.

Mir ist es wichtig, daß auch andere Seelsorger solche Erfahrungen haben. Damit weiß ich, daß ich nicht alleinstehe.

Im Bereich der magischen Vorgänge gibt es Reak­tionen, die dem Nur-Rationalisten unverständlich sind oder sogar lächerlich vorkommen. Zunächst das Beispiel eines bekannten Pfarrers, dem ich vor Jahrzehnten begegnet bin.

B 128 Pfarrer I. hatte im Gustav-Adolf-Werk eine leitende Stellung. Er besuchte einmal den Experimentalvortrag eines Inders. Es sollten ma­gische und spiritistische Experimente behandelt werden.

Der Inder eröffnete die Versammlung, konnte aber mit seinen Experimenten nicht beginnen. Er überblickte prüfend die Versammlung und erklär­te: „Es liegt ein Hindernis im Raum.“ Er durch­schritt vom Podium die Zuhörermenge und trat schließlich auf Pfarrer I. zu. Er fragte ihn: „Sind Sie ein Christ?“ Als der Pfarrer bejahte, händigte der Inder ihm das Eintrittsgeld aus und bat ihn, er möchte den Raum verlassen. Seine Experimente würden ihm sonst nicht gelingen. In meiner Kartei sind viele derartige Beispiele. Ich gebe aber gewöhnlich den dringenden Rat, solche Vorstellungen nicht zu besuchen. Wer leichtsinnig oder gar überheb ich solche Experimente miterleben will, kann dabei Schaden nehmen an seinem Glau­bensleben.

Die Abwehr magischer oder mentalsuggestiver Kräfte ist oft sehr schwer, wie folgendes Erlebnis zeigt.

B 129 Zwei Männer, Vater und Sohn, suchten mich auf und trugen mir die Not ihres Hauses vor. Jede Nacht zwischen 11 und 12 Uhr beobachtet die ganze Familie Spukerscheinungen. Sie werden durch Poltern und harte Schritte geweckt, Mutter und Tochter werden gewürgt. Alle Angehörigen sind von Furcht gelähmt.

Die geplagten Menschen suchten endlich dem Rat eines katholischen Priesters. Er riet ihnen, in den drei höchsten Namen Weihwasser, drei Kreu­ze und drei Kerzen zu benützen. Der Rat wurde befolgt, half aber nicht. Das ist auch kein Wunder. Was dieser Priester geraten hatte, war nur eine religiöse Zeremonie oder gar weiße Magie. Damit läßt sich der Teufel nicht vertreiben.

Der weitere Versuch, Hilfe zu finden, war die Inanspruchnahme eines Schwarzmagiers. Ihnen wurden „geheimnisvolle Riten“ angeraten. Sie sollten zuerst einen Spruch aus dem 6./7. Buch Mose aufsagen, der ihnen vom Magier mitgeteilt wurde. Danach sollten sie auf die Fensterbänke jeweils zwei Messer übers Kreuz legen und zuletzt zwei rostige Nägel übers Kreuz in eine Zwiebel stecken und das Ganze unters Bett plazieren. Das Wichtigste an dieser Zeremonie war der Spruch aus der „Teufelsbibel“, der hier natürlich nicht wiedergegeben wird.

Alle Versuche mißlangen. Priester und Schwarzmagier waren dieser Zauberei nicht ge­wachsen. Beide Männer besuchten meine Evange­lisationsvorträge und faßten Vertrauen zu einer Aussprache. Da beide Männer einen völlig norma­len und gesunden Eindruck machten, fragte ich nicht nach psychiatrischen Gesichtspunkten. Ich orientierte mich lediglich nach okkulten Zusam­menhängen. Es gab eine schreckliche Ausbeute. In ihrem Haus befanden sich 15 okkulte Bücher, die sie im Lauf der Jahre gekauft und benutzt hatten. Sie hatten Wahrsager, Spiritisten und Besprecher konsultiert. Kein Wunder, daß in dem Haus ein Höllentanz war.

Nach dieser Beichte zeigte ich den beiden Män­nern den Weg zu Jesus. Sie waren willig zu dieser Entscheidung für Jesus. Da ich abreisen mußte, informierte ich im Einverständnis mit den beiden Männern den ortsansässigen Pfarrer, der ein gläu­biger Mann war. Diese Familie mußte ja weiterbe­treut werden.

Nach einiger Zeit teilte mir der Pfarrer mit, daß die ganze Familie ihr Leben Christus ausgeliefert hatte. Die Spukerscheinungen hatten damit sofort aufgehört. Selbstverständlich wurden die Zauber­bücher und aller okkulte sonstige Kram verbrannt und vernichtet.

Christus hat den Sieg behalten, nachdem die Dämonen jahrelang in dem Haus triumphiert hatten.

Die meisten negativen Auswirkungen zeigen sich bei den magischen Heilungen. Allein auf diesem Sektor habe ich in meiner Kartei einige hundert Beispiele. Dazu einige Hinweise:

B 130 Eine schwerkranke Frau wurde von zwei Fachärzten aufgegeben. Die Angehörigen wurden verständigt, daß die Mutter sterben müßte. Der Mann rief daraufhin den gefährlichen schwarzma­gischen Besprecher Hugentobler von Peterzell an. Sofort nahm die Krankheit eine Wendung. Die Frau wurde wieder gesund. Später unternahm sie dann allerdings drei Selbstmordversuche. Sie kam um dieser Versuche willen zu einem gläubigen Pfarrer in die Seelsorge. Ein Gebetskreis wurde für sie eingesetzt. Durch die Gnade Gottes durfte sie ganz frei werden.

B 131 Ein Mann war durch die multiple Sklero­se gelähmt. Er ließ sich durch einen Besprecher schwarzmagisch behandeln. Die Lähmung ver­schwand. Seit dieser merkwürdigen Heilung tra­ten aber andere Krankheitssymptome auf. Der Hausarzt behandelte ihn auf Schizophrenie. In der Seelsorge zeigt sich oft, daß Heilungen durch die Magie nur Verlagerungen bedeuten. Schließ­lich riet man dem Patienten, sich in die Seelsorge von Dr. Hefti zu begeben, der damals ein be­kannter Gottesmann in der Schweiz war. Der Kranke legte eine Lebensbeichte ab und übergab sein Leben dem Herrn Jesus. Von diesem Zeit­punkt an zeigte sich wieder die magisch verdräng­te multiple Sklerose. Auf das Gebet des Gottes­mannes hin nahm Gott alle krankhaften Störun­gen weg.

Das Besprechen geht häufig durch mehrere Gene­rationen hindurch. Manchmal ist es so, daß ein Besprecher erst sterben kann, wenn er einem Sohn oder einer Tochter seine teuflische Gabe angehängt hat. Manche nehmen sich auch das Leben, wenn die magische Nachfolgerschaft gewährleistet ist. Dazu ein Beispiel.

B 132 Ein junger Mann in Tübingen berichtete mir in der Seelsorge folgendes. Sein Urgroßvater hatte das 6./7. Buch Mose und trieb damit schwarze Magie. Eines Tages erhängte er sich. Sein Großvater übernahm das Buch des Selbst­mörders und trieb damit ebenfalls Magie. Auch er erhängte sich. Und dann übernahm seine Schwe­ster diese furchtbare Tradition. Auch sie erhängte sich. Die Mutter des Berichterstatters, also die Enkelin jenes ersten Zauberers, ist furchtbar gott­los und eine große Spötterin. Mein Berichterstat­ter und ein Cousin haben beide Christus finden dürfen. Damit hörten bei den beiden die verhee­renden Auswirkungen auf. Bei den anderen Nach­kommen sind noch die Folgen der Zauberei zu beobachten.

B 133 Ein magischer Besprecher war ein schrecklicher Geizkragen. Er gönnte seinen Kin­dern nicht das zweite Stück Brot. Die Handwer­ker erhielten nicht ihr Geld. Die Frau war gläubig, durfte aber in seiner Gegenwart kein Tischgebet sprechen. Der Gebetskreis des Dorfes betete jah­relang für die Frau.

Eines Tages sagte der Besprecher seiner Frau: „Rieke, du darfst von jetzt an beten.“ Das war die erste Station der Gebetserhörung. Als der Mann eines Tages vom Heuwagen stürzte, sagte er nachts zu seiner Frau: „Ich möchte gern Christus nachfolgen.“

Von diesem Zeitpunkt an entstand im Leben des Mannes ein schwerer Kampf. Jede Nacht stand der Teufel vor ihm und sagte: „Du gehörst mir. Du brauchst keine Anstrengungen zu machen.“ Der Mann erklärte: „Und es bleibt dabei, ich folge Christus nach.“ Der Teufel erwidere ihm: „Dann mache ich dir alles Vieh kaputt.“ Am nächsten Morgen waren alle Kühe, Pferde, Schweine und Hühner verendet. Das war der Abschluß des furchtbaren Kampfes.

Der Mann wurde dem ganzen Dorf zum Segen. Er übernahm die Leitung der Gemeinschaft und hielt selbst die Bibelstunden. Nach seiner Bekeh­rung war er völlig gelöst vom Geiz. Wenn seine Frau oder Kinder von Erbfragen anfangen woll­ten, erklärte er: „Laßt mich in Ruhe damit. Macht, was ihr wollt, ich will mich nicht mehr mit dem Irdischen befassen.“ Für einen Menschen, der nur gelten läßt, was in sein Denkschema hineinpaßt, ist das eine unmögliche Geschichte. Es sind aber genug ehrenwerte Zeugen dafür da. Racheakte des Teufels erlebte ich in vielen Ländern. Und dennoch kann er nur soweit gehen, wie Gott es zuläßt. Erinnern wir uns an das erwähnte Wort: Satan ist der Kettenhund Gottes. Die Seelsorge mit okkult Belasteten löst immer wieder schwere Kämpfe aus. Deshalb ist es eine Ermunterung, wenn Gott hin und wieder den Evan­gelisten Frucht sehen läßt. Eine erfreuliche Ge­schichte soll hier wiedergegeben werden.

B 134 Ein Landesvertrauensmann der Pfarrer­gebetsbruderschaft lud mich zu einer Pfarrerkon­ferenz ein. Mein Fachgebiet „Die seelsorgerliche Führung okkult belasteter Menschen“ sollte be­sprochen werden. Die Konferenz war sehr gut besucht. Aus allen Teilen dieser ausländischen Provinz waren Pfarrer angereist. Überraschender­weise nahmen auch zwei Herren der Kirchenlei­tung daran teil. Nach der ganztägigen Konferenz unterhielt sich einer der beiden Herren längere Zeit mit mir. Er berichtete folgendes.

„Was ich Ihnen erzähle, liegt schon einige Jahre zurück. Es wird Sie aber dennoch freuen. Vor einigen Jahren hatten Sie am Sitz unserer Kirchen­leitung zwei Vorträge im Festsaal der Stadt. Eine Frau, die vorher jahrelang in Behandlung bei Psychiatern und Psychotherapeuten gewesen war, hatte Sie bei diesen Vorträgen gehört. Sie hatte die Absicht, Sie hinterher seelsorgerlich zu sprechen. Sie kam aber nicht durch, weil Sie von Menschen umringt waren.

Am nächsten Tag erschien sie bei mir und berichtete, sie hätte durch die beiden Vorträge gemerkt, um welche Belastungen es in ihrem Leben ging und warum die Ärzte ihr bisher nicht helfen konnten. Dann gab sie einen Bericht über ihr ganzes Leben. Es war offensichtlich, daß da schwere okkulte Belastungen vorlagen. Sie war in einem Haus aufgewachsen, in dem alle Kinder bei Krankheitsfällen besprochen wurden. Nicht ge­nug damit, die Großmutter selbst war Kartenlege­rin und hatte viele Kundinnen aus Stadt und Land. Die Berichterstatterin selbst hatte von ihrer Groß­mutter das Kartenlegen gelernt und es auch schon ausgeübt. Um das Maß vollzumachen, wurde auch Totenzauber getrieben.

Als Beispiel sei erwähnt: Ein kleines Kind, das ein Muttermal hatte, wurde auf ihren Rat in ein Sterbehaus geführt. Die Hand des Toten wurde über das Muttermal gestrichen und dabei ein magischer Spruch gesagt. Somit hatte die berich­tende Frau nicht nur passive Belastungen durch die Zauberei ihrer Eltern und Vorfahren, sondern auch aktive Belastungen durch die eigene Betäti­gung auf dem Gebiet der Magie. Während des Berichts dieser Frau wurde es mir fast übel. Bei dieser Seelsorge war ich froh, durch Ihr Buch ,Seelsorge und Okkultismus` orientiert zu sein. Ich hätte sonst kaum gewußt, was ich mit dieser Frau hätte tun müssen. Ich wies die Belastete auf Christus hin als den alleinigen Helfer auf dem Gebiet der Zauberei. Die Frau legte eine General­beichte ab. Ich sprach ihr die Vergebung zu und betete nach Anweisung des Buches das Lossage­gebet mit ihr. Außerdem verwies ich sie auch auf die Gnadenmittel der Gemeinde Jesu Christi (Apg. 2,42).

Es war für mich eine große Freude, als nach einigen Tagen die Frau wiederkam und freude­strahlend berichtete, daß sie seit dem seelsorgerli­chen Gespräch von all ihren Depressionen, Selbst­mordgedanken, nervösen Störungen und anderen Belastungen frei war. Ich hatte auch die Möglich­keit, seit Jahren diese Frau im Auge zu behalten. Durch die Gnade Gottes durfte sie bis jetzt frei bleiben.“

Soweit der Bericht dieses Mannes aus der Kir­chenleitung (Konsistorialpräsident B., Straß­burg). Es war mir selbst eine Freude, daß mein Buch und meine Vorträge in diesem Fall Wegwei­serdienst sein durften.

Die drei nächsten Beispiele könnten auch in dem Kapitel „Krankheit oder Belastung“ untergebracht werden. Es wurde schon einmal betont, daß die okkulten Beispiele verschiedenartige Symptome auf­weisen.

B 135 Ein nigerianischer Pastor war auf den Tod krank. Eine Röntgenaufnahme zeigte, daß beide Lungenflügel mit Blut gefüllt waren. Die Ärzte rechneten mit einem Tod innerhalb von zwei bis drei Tagen. Sie sagten, er würde ersticken in seinem eigenen Blut. Der Schwerkranke glaubte den Ärzten nicht, sondern ließ einen Missionar kommen, mit dem ich befreundet bin. Wir arbei­teten einige Jahre zusammen.

Der totgesagte Pastor erklärte dem Missionar. „Ich stehe nicht unter dem Eindruck, daß ich sterben muß, sondern daß es sich um einen satani­schen Angriff handelt. Bitte gebiete diesen Mächten.“

Als Berichterstatter muß ich dazwischenschal­ten, daß ich solche Vorgänge auch von den Zaube­rern in Brasilien, Haiti und Ostasien kenne.

Der Missionar zögerte, denn er glaubte den Ärzten und nicht dem einheimischen Bruder. Der Schwerkranke aber drängte ihn. Da ließ sich der Missionar nötigen, und er betete: „Herr Jesus, wenn dieser kranke Bruder recht hat und es nur ein dämonischer Angriff ist, dann befreie ihn davon. Vergib mir, wenn ich töricht bete.“ Dann gebot der Missionar unter Zweifeln. Was geschah?

Der Schwerkranke erbrach Unmengen von Blut. Der Arzt meinte, das sei das Ende. Nach diesem schrecklichen Blutbrechen genas der Kran­ke. Zwei Tage später wurde erneut eine Röntgen­aufnahme gemacht. Es war ein Wunder gesche­hen. Die riesigen Kavernen der Lunge waren geschlossen. Der „Todeskandidat“ starb nicht, sondern war gesund.

B 136 Eine Missionarin bekam eine religiöse Zwangsneurose. Wenn sie schlafen wollte, bekam sie immer den Befehl: „Stehe auf und bete!“ Sie gehorchte, weil sie gläubig war und meinte, es sei die Stimme des Herrn. Kaum hatte sie sich wieder gelegt, da hörte sie: „Stehe auf und lies die Bibel!“ Sie tat es. Bei diesen Zwangsaufträgen kam sie keine Nacht zur Ruhe. Jede Nacht erfolgten sol­che Befehle.

Schließlich traten auch Lästergedanken auf. Schreckliche Verwünschungen und die schmut­zigsten Gedanken quälten sie. Die Ärzte sprachen davon, daß die Kranke in eine Heilanstalt eingelie­fert werden müsse.

Als der Missionar mit der Frau sprach, stand er unter dem Eindruck, daß es sich nicht um ein seelisches oder nervliches Leiden handle, sondern finstere Mächte die Hand im Spiel hatten. Doch er war gehemmt, der gequälten Frau das zu sagen. Er betete: „Herr, ich weiß nicht genau, was mit dieser Frau los ist, du aber weißt es. Wenn sie dämonisch geplagt wird, dann befreie sie.“ Dann gebot er im Namen Jesu diesen Mächten.

Die geplagte Missionarin geriet in Zuckungen und machte würgende Bewegungen, als ob sie erbrechen müßte. Danach wurde sie ruhig. Sie hatte daraufhin eine wundervolle Nacht und schlief wie ein Baby. Ihr Zustand mit den Zwangs­vorstellungen und Zwangsantrieben war völlig verändert. Sie war und hieb gesund. Das war eine Neuroseheilung in einer einzigen Stunde.

Dieses Erlebnis hätte auch in dem Kapitel „Neurosen“ untergebracht werden können.

B 137 Ein weiteres Beispiel aus Nigeria handelt von einem Epileptiker. Um Mißverständisse zu vermeiden, erkläre ich, daß ich selbstverständlich die medizinischen Formen der Epilepsie aner­kenne.

In meinem Buch „Besessenheit und Exorzismus“ habe ich auf Seite 109 einige Formen der Epilepsie genannt, die mir teilweise in ihren Symptomen be­kannt sind. Es handelt sich um folgende:

a) Die genuine oder idiopathische Epilepsie, die erblich ist.
b) Die symptomatische Epilepsie, hervorgerufen durch eine erworbene Hirnschädigung.
c) Die Temporallappenepilepsie, verursacht durch eine Krampfentladung in einem Schläfenlappenabschnitt.
d) Die psychogen bedingte Affektepilepsie.
e) Die sehr seltene myoklone Epilepsie. Mir ist ein solcher Fall bekannt. Eine Frau, die mit dieser schwer zu behandelnden Epilepsie in einer Uni­versitätsklinik lag, hat eine Glaubensheilung erlebt. Für den Herrn Jesus gibt es keine schwe­ren und leichten Fälle.

Mit diesen Epilepsieformen sind die Medizi­ner einverstanden. Sie sträuben sich aber, wenn ich noch eine sechste Form nenne: die okkult bedingte Epilepsie, die in schweren Fällen mit einer Besessenheit parallel geschaltet ist. Man hüte sich hier aber vor einer Versteifung der Extreme. Es wäre eine verheerende Diágnose, wenn man etwa die medizinisch bekannten For­men Besessenheit nennen wollte. Auch die ok­kult bedingte Epilepsie braucht mit Besessenheit nichts zu tun zu haben. Nur in der härtesten Form mündet sie gelegentlich in eine Besessen­heit ein.

Wir haben in der Bibel Beispiele einer okkult bedingten Epilepsie mit dem härtesten Grad der Besessenheit. Auch auf den Missionsfeldern ist die okkulte Form der Epilepsie zu finden, wie in dem folgenden Beispiel deutlich wird.

Der erwähnte befreundete Missionar wurde in Nigeria von einem „Epileptiker“ um einen Besuch gebeten. Das medizinische Gutachten, gestützt auf eine Enzephalographie, lautete auf Epilepsie. Der Patient selbst glaubte dieser Diagnose aus bestimmten Gründen nicht. Als der Missionar mit dem „Epileptiker“ betete, sprachen plötzlich fremde Stimmen aus dem Patienten. Die Stimmen gaben sich als sieben Teufel aus. Dem Missionar war diese Situation vertraut. Er gebot diesen Mächten auszufahren, weil er von einer Besessen­heit überzeugt war. Der angebliche Epileptiker wurde daraufhin frei. Erstaunlicherweise war das nächste Enzephalogramm völlig verändert und entsprach nicht mehr der ersten Aufzeichnung.

Es war also keine medizinische Epilepsie, die ja nicht durch eine Austreibung geheilt werden kann, sondern höchstens durch eine biblische Heilung.

Nur zum Vergleich verweise ich auf ein bereits veröffentlichtes Erlebnis. Ich hatte in Südbrasilien eine Vortragstour. Mein Dolmetscher war ein deutschstämmiger brasilianischer Pfarrer. Bei dem Besuch einer Familie, die ein epileptisches Kind hatte, beugte sich der Pfarrer zu dem Kind und fragte es: „Na, Kleine, wie heißt du?“ Die Ant­wort war schockierend: „Wir sind drei.“ Gesagt wurde das mit derben Männerstimmen. Die Situa­tion war klar: Hier lag keine Epilepsie vor, son­dern eine Besessenheit. Wie die kindlichen Stimm­bänder zu derben Männerstimmen unfunktioniert werden können, weiß ich nicht. Aber die Beses­senheit selbst ist ja das größere Problem. Ich habe Kenntnis von einigen Kinderbesessenheiten in meiner Arbeit erhalten.

B 138 Eine wundervolle Befreiung wird in dem folgenden Bericht deutlich. Eine Frau im Alter von 54 Jahren erzählte mir, wie sie aus dem Bann des Besprechens freigeworden ist.

Im Alter von 10 Jahren hatte ihre Mutter sie wegen einer Flechte zu einer Besprecherin ge­bracht. Nach der Besprechungsbehandlung war die Flechte sofort verschwunden. Seit dieser magi­schen Beeinflussung konnte das Kind nicht mehr beten. Später im Konfirmandenunterricht bekam sie manchmal beim Aufsagen von Gesangbuchver­sen Hemmungen, so daß sie die Textworte nicht mehr herausbrachte, obwohl sie die Verse gut gelernt hatte. Diese Hemmungen traten besonders bei Gesangbuchversen ein, die Gebetscharakter tragen. Als Beispiel sei genannt: „Nun, was du Herr erduldet, ist alles meine Last, ich hab‘ es selbst verschuldet, was du getragen hast.“

Einige Jahre später kam sie als Mädchen anläß­lich einer Evangelisation zum Glauben an Chri­stus. Es fiel ihr ungeheuer schwer, das Heil im Glauben anzunehmen. Nach ihrer Umkehr ging dann ein Höllentanz los, wie man es manchmal bei besprochenen Menschen beobachten kann. Es stellten sich hartnäckige Depressionen ein, die sie vor ihrer Wende nicht hatte. Geruchs- und Ge­schmackshalluzinationen traten auf. Manchmal hatte sie das Gefühl, als ob der Leibhaftige in ihrem Zimmer wäre. Nach diesem Empfinden nahm sie jedesmal einen ekelhaften Schwefelge­ruch wahr. Auch sexuelle Anfechtungen stärkster Art stellten sich ein. Ohne Zweifel hätte ein Psychiater alle diese Symptome für eine beginnen­de Schizophrenie gehalten.

In diesem Zustand ging sie eine Ehe ein, ohne daß die merkwürdigen Symptome nachließen. Einige Jahre nach der Entbindung einer gesunden Tochter bemächtigte sich der jungen Frau eine furchtbare Unruhe. Sie magerte ab und entschloß sich schließlich zu einer gründlichen Untersu­chung durch einen Professor einer Universitätskli­nik. Der Professor zog einen zweiten Kollegen, einen Krebsspezialisten, hinzu und eröffnete der Frau, daß sie Krebs hätte. Der Professor war ein gläubiger Christ und sagte ihr: „Es ist allerhöchste Zeit zur Operation. Sie hat uns Gott hierher geführt, sonst wären Sie verloren gewesen.“

Die Patientin konnte sich nicht sofort zur Ope­ration entschließen. Sie verständigte den Gebets­kreis einer landeskirchlichen Gemeinschaft, dem sie seit ihrer Bekehrung angehörte. Die Schar dieser treuen Beter kam täglich zur Fürbitte zu­sammen.

Nach 14 Tagen stellte sie sich wieder den beiden Professoren vor, die ganz überrascht eine Besse­rung feststellen konnten. Die Operation war über­flüssig geworden. Es darf an dieser Stelle nicht unterlassen werden, darauf hinzuweisen, daß bei starken Besprechungsheilungen, wie sie die Be­richterstatterin als 10jähriges Mädchen erlebt hatte, hinterher oft verschiedene Krankheiten auf­treten.

Die Ärzte diagnostizieren diese Krankheiten als ein organisches Leiden. Solche rasch auftretenden Erkrankungen können aber meistens durch die treue Fürbitte eines Gebetskreises ohne ärztliche Behandlung wieder überwunden werden. Wir ha­ben hier ein Parallelgebiet zu dem psychogen verursachten Leiden, nur mit dem Unterschied, daß diese Erkrankungen die Folge einer okkulten Belastung darstellen und durch geistliche Betreu­ung und Beeinflussung überwunden werden kön­nen. Es ist ein Gebiet, das von der Schulmedizin so gut wie nicht erfaßt ist, weil unsere Psychiatrie den Bereich der medialen Veränderungen noch nicht kennt und nicht anerkennt. Eine Ausnahme bilden gläubige Psychiater, denen in der Seelsorge solche Fälle begegnet sind.

Ein Zugeständnis macht Prof. Dr. Bender mit dem Hinweis auf eine mediumistische Psychose.

In dieser Reihe der Sieges-Offenbarungen Jesu soll nun ein Bericht folgen, den ich mit großer Dankbar­keit wiedergebe. Zuerst will ich aber einiges über den Berichterstatter sagen. Es ist Willi Stegmaier, einer der herausragendsten Pfarrer in Deutschland.

Dieser langjährige Freund war rund 20 Jahre Mis­sionar in China und hat dort viele räuberische Über­fälle miterlebt. Nach seiner Rückkehr vom Missions­feld wurde er Pfarrer in der württembergischen Landeskirche in der Stadt Geislingen/Steige. Als Bezirksjugendpfarrer lud er mich in den 50er Jahren zu einer Vortragswoche ein, da ich damals genau wie er als Jugendpfarrer von Mannheim in einer ähnli­chen Arbeit stand.

Wiederum verbanden uns ähnliche Interessen, als wir ehrenamtliche Mitarbeiter im Missionstrupp „Frohe Botschaft“ wurden. Es ist eine Gründung von Wolfgang Heiner, der zur Marburger Mission gehört.

In der christlichen Öffentlichkeit wurde Pfarrer Stegmaier bekannt, als er im Alter von 70 Jahren zum Katastropheneinsatz nach Uganda abreiste. Auch jetzt als 75jähriger ist er immer noch im Einsatz. Nach den Meldungen von kirchlichen Stellen hat Stegmaier 20.000 Kinder vor dem Hungertod be­wahrt. Er wurde von den staatlichen Behörden mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausge­zeichnet.

Jemand nannte Stegmaier „Held von Uganda“. Das hört sich marktschreierisch an. Wer aber sein Buch „Im finsteren Tal“ liest, merkt, daß dieser Ausdruck stimmt. Unter Lebensgefahr durch Terro­risten, Wegelagerer, Plünderer, Dieben, auf ver­schlammten Straßen, die den Ausdruck Straße nicht verdienen, durch Hunger, Entbehrung, Wassernot und endlose Autopannen bahnte sich dieser Pionier Jesu Christi einen Weg in die gefährlichsten Gebiete. Ich rate jedem Christen, sich beim Missionstrupp „Frohe Botschaft“ Großalmerode dieses Taschen­buch zu bestellen. Seit vielen Jahren hat mich kein Buch so bewegt und erschüttert wie diese Berichte. Gleichzeitig bitte ich um Fürbitte für diesen Bruder, der sich um Jesu willen bis zum letzten Blutstropfen für die leidenden, hungernden, sterbenden Men­schen in Uganda einsetzt.

Warum wird nun hier Pfarrer Stegmaier vorge­stellt? Der Grund ist, daß er in seiner Arbeit als Missionar und Pfarrer in der Heimat auf seelsorgerli­chem Gebiet die gleichen Erfahrungen wie ich selbst machte. Er ist nicht ein Theologe, der am grünen Tisch sitzt und genau weiß, was es zu geben und nicht zu geben hat. Nun lassen wir ihn auf dem Gebiet der Besessenheit zu Wort kommen. Sein Bericht, an dem ich nicht einen Buchstaben verän­derte, hat die Überschrift: Zeitweilig besessen

Gibt es das, daß ein Mensch zu gewissen Zeiten von einer fremden Macht besessen ist, während er sonst einen völlig normalen Eindruck macht? Ein Erlebnisbericht bestätigt diese Tatsache.

In einer größeren Stadt fand eine Evangelisation statt. Ein treuer Beterkreis hatte diese innerlich und organisatorisch gut vorbereitet. Von Anfang an war der Saal gefüllt mit aufmerksamen Zuhö­rern. Obwohl ein lebendiger Kreis von Gläubigen hinter der Verkündigung stand, hatte ich vom ersten Abend an den Eindruck, als ob ich gegen eine Wand sprechen würde. Ich spürte einen starken inneren Widerstand, den ich mir nicht erklären konnte. Dabei war mir aufgefallen, daß eine jüngere Frau in den vorderen Reihen saß, die während der ganzen Ansprache mit fest geschlos­senen Augen dasaß, während sie beim Singen wieder die Augen öffnete. Zuerst hatte ich das einer gewissen Müdigkeit zugeschrieben. Als sich dieser Vorgang aber jeden Abend wiederholte, kamen mir doch ernste Bedenken.

Ich hatte zu seelsorgerlichen Gesprächen einge­laden. Eines Tages sagte eine Diakonisse, daß die betreffende Frau um ein seelsorgerliches Gespräch gebeten hätte. Auch sie hatte den Eindruck, daß irgend etwas nicht in Ordnung war.

Wir haben einen Termin vereinbart, und ich hatte einige Geschwister gebeten, während dieser Zeit in einem anderen Raum für uns zu beten. Die junge Frau saß mir gegenüber. Ein Tisch war zwischen uns. Sie machte einen ganz normalen Eindruck. Ich bat sie, ihr Herz zu erleichtern, zumal sie ja aus diesem Grund gekommen war. Ganz offen konnte sie zuerst sprechen. Vor allem machte es ihr zu schaffen, daß zu gewissen Zeiten und in unregelmäßigen Abständen eine fremde Macht über sie kam, die ihr Leben veränderte. Sie konnte nicht mehr beten, mußte dagegen fluchen und toben. Stimmen sprachen aus ihr heraus und forderten sie zum Selbstmord auf. Wenn sie auf den Speicher ging, schrie es aus ihr heraus: „Spring aus dem Fenster!“ Ging sie über eine Brücke, kam die Aufforderung: „Stürz dich hinab!“

Die Familie, bei der sie in Stellung war, wußte, daß während einer solchen Zeit nichts von ihr zu erwarten war, und sagte: „Sie spinnt mal wieder. In einigen Tagen wird sie schon wieder ver­nünftig.“

Im Verlaufe des Gesprächs stellte es sich heraus, nachdem ich danach gefragt hatte, daß die Familie okkult belastet war. Sie selbst war in der Kindheit durch ein Familienmitglied besprochen worden. Bis hierher konnten wir uns ganz normal unter­halten. Als sie eine gründliche Beichte abgelegt und, soweit bewußt, ihr Leben geordnet hatte, sagte ich, daß es mit der Bitte um Vergebung der Schuld nicht getan ist, sondern daß sie ganz persönlich ein Lossagegebet aussprechen und sich an Jesus Chri­stus mit der Bitte um Befreiung von den dunklen Mächten wenden müsse. Dieses Gebet wollte ich ihr satzweise vorsprechen, und sie sollte dann im Glauben die Worte wiederholen. Das Gebet hat etwa so begonnen: „Ich danke dir, Herr Jesus Christus, daß du uns erlöst hast von Sünde und Schuld und uns befreit hast von allen finsteren Mächten …“

Sie sprach die ersten Worte nach: „Ich danke dir, Herr …“ und stockte dann. Ich sprach das Gebet ein zweites Mal vor und bat sie, die Worte zu wiederholen. Wieder kam sie nur bis zu den Worten: „Ich danke dir, Herr …“ Mit großem Ernst sagte ich ihr daraufhin, daß ihr nicht wahr­haft geholfen werden könne, wenn sie den Namen Jesus Christus nicht ausspreche und sich im Glau­ben an ihn als Heiland und Erretter wende.

Da ging mit einemmal eine Veränderung mit ihr vor. Ihr Gesicht nahm einen fratzenhaften Aus­druck an. Mit wirrem Blick starrte sie mich an, als wollte sie mich hypnotisieren. Das war doch nicht mehr dieselbe Frau, mit der ich gesprochen hatte! . Langsam, ganz langsam erhob sie sich und beugte sich über den Tisch hinweg in meine Richtung. Die Hände waren verkrampft, als wollte sie mir die Augen auskratzen.

Ich war ebenfalls aufgestanden, konnte mich aber nicht vom Fleck rühren. Ich stand wie ange­wurzelt, konnte kein Wort mehr sprechen und hatte das Gefühl, mich in einem unheimlichen Zirkel zu befinden. Dabei spürte ich eine ~ eierne Lähmung vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. Das Schlimmste war, daß ich auch nicht mehr denken konnte, sondern hilflos zusehen mußte, wie diese Fratze immer näher kam.

Daß wir in solchen Lagen trotzdem nie alleinge­lassen sind, durfte ich spüren, und die Gebete der Geschwister hatten sicher ganz wesentlich gehol­fen. Ganz plötzlich bekam ich für Augendicke einen klaren Kopf und konnte wieder denken. Mit festem Blick sah ich die Frau an und sagte: „Im Namen Jesu Christi, des Sohnes Gottes, befehle ich dieser fremden Macht auszufahren und nie wieder von ihr Besitz zu ergreifen.“

Da geschah das Wunder: Der Bann war ge­brochen. Erschöpft, aber mit friedlichem Ge­sichtsausdruck setzte sie sich nieder. Auch von mir war der Druck und die Beklemmung gewi­chen. Sie sagte dann: „Können Sie jetzt verste­hen, was Besessenheit ist und was ich durchge­macht habe?“ Nun war der Weg frei zu Lob, Dank und Anbetung für die Befreiung durch das Blut Jesu Christi.

Auch in der Evangelisation gab es einen Durch­bruch, und viele kamen zum Glauben. Jetzt brauchte sie auch nicht mehr mit zugekniffenen Augen in den Versammlungen zu sitzen, und das Wort konnte mit Freude und Vollmacht verkün­digt werden.

Mehrere Jahre später trafen wir uns wieder. Auf meine Frage, wie es ihr gehe, sagte sie mit strahlen­dem Gesicht: „Dem Herrn sei Dank, ich bin immer noch frei, und es hat keinen Rückfall gegeben.“ Der Sieg Jesu war endgültig und völlig.
Pfarrer W. Stegmaier

Ein ähnlich gelagertes Beispiel hat mir einmal vor Jahrzehnten Dekan Hauss erzählt. Er spürte eine unheimliche finstere Macht auf sich zukom­men. Er lag wie starr in seinem Bett, konnte sich nicht rühren und nicht einmal den Mund zum Ge­bet öffnen. Als dieses finstere, dämonische Wesen nur noch eine Handbreit von seinem Kopf ent­fernt war, löste sich sein Krampf, und er konnte ausrufen: Jesus ist Sieger! Da wich die finstere Macht.

Ich habe noch mehr solche Beispiele von Men­schen, die ich gut kenne. Ich scheue mich aber, sie auszubreiten.

Den Abschluß dieses Kapitels bilden zwei Briefe, die von positiven Ereignissen berichten. Da es sich um gesegnete Auswirkungen meiner Seelsorge han­delt, muß ich eine biblische Sicherung einbauen, sonst könnte das alles als Eigenlob aufgefaßt werden. Paulus schreibt in Gal. 6,3:

„So sich jemand läßt dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.“

„So er doch nichts ist“, das sitzt tief in meinem Herzen und Bewußtsein.

B 139 Der Brief aus der Schweiz ist zum Ab­drucken zu lang, deshalb erzähle ich den Vorfall selbst und schildere nur das Erlebnis, das die Briefschreiberin erwähnt.

Ich hatte in einer Schweizer Großstadt eine Evangelisation. Eine gläubige Frau bat ihren Mann, sie in die Vorträge zu begleiten. Erließ sich überreden und kam bis vor den Eingang. Da bekam er Erstickungsanfälle und betrat deshalb nicht den Saal, sondern wartete außerhalb auf seine Frau. Die gläubige Frau informierte mich am Schluß, daß ihr Mann unter einer okkulten Bela­stung leide und deshalb auf geistliche Dinge mit Blockierungen reagiere.

Da der Ehemann in der Nähe des Ausgangs wartete, ging ich hinaus und sprach ihn an. Es kam zu einer Unterredung mit einer Beichte. Dann betete ich mit ihm. Nun lasse ich die Briefschrei­berin zu Wort kommen. In dem Brief heißt es: „Eines Abends hatte mein Mann Erstickungsan­fälle, aber nachdem Sie mit ihm gebetet hatten, wurde er von seinen okkulten Belastungen frei. Seither – es sind nun 16 Jahre – geht er mit mir den schmalen Weg, den Weg mit Jesus. Dem Herrn sei Lob und Dank. Ich habe fast alle Ihre Bücher gelesen und empfange auch Ihren Rundbrief …“

sches Leiden. Jahrelang war er ohne Erfolg in ärztlicher Behandlung. Eines Tages bat er nun einen Professor der Medizin, den er zu Rate zog, er möchte ihm doch die volle Wahrheit sagen. Der Professor gab ihm zur Antwort: „Sie sind ja evangelischer Pfarrer und Seelsorger, darum wer­den Sie die Wahrheit wohl ertragen können. In Ihrem Fall ist unsere ärztliche Kunst am Ende. Nach menschlichem Ermessen sind Sie unheilbar krank.“

Der Patient war nun über diese Auskunft kei­neswegs erschüttert. Er ging getrost nach Hause. Unterwegs sagte er in Gedanken: „Wenn die ärztliche Kunst am Ende ist, dann kannst du, Herr, mir immer noch helfen, wenn es dein Wille ist.“ Es reifte in ihm ein Entschluß. Er las, wie er es schon oft getan hatte, noch einmal die Stellen über die Glaubensheilungen durch. Lange verweilte er an den Versen Jak. 5,14-16. Dann bat er zwei Kirchenälteste zu sich, zu denen er Vertrauen hatte. Es waren Männer, die gleichzeitig einer kirchlichen Gemeinschaft angehörten. Auf seinen Wunsch beteten diese beiden Männer mit ihm unter Handauflegung. Der Glaube dieser drei Männer wurde nicht enttäuscht. Von dem Zeit­punkt des gemeinsamen Gebetes an spürte der Pfarrer eine wesentliche Besserung seines Befin­dens. Er wurde vollständig gesund, und er blieb es auch. Ungehindert kann er nun seit Jahren seinen Dienst versehen. Er durfte die Herrlichkeit Gottes bei seiner Heilung erleben.

B 142 Eine 56jährige Frau berichtete in der seelsorgerlichen Aussprache folgendes. Ihr Junge war schwer krank, er hatte eine Lungenentzün­dung. Der Zustand verschlimmerte sich durch das Auftreten einer zweiten Erkrankung, die der Arzt als Krupp diagnostizierte. Als dritte Komplika­tion kam noch eine Gehirnhautentzündung dazu. Es wurde noch ein Spezialist hinzugezogen. Beide Arzte erklärten, der Fall wäre hoffnungslos. Der Junge fing an zu röcheln, bekam Atemnot und verdrehte die Augen. Die Arzte rechneten mit seinem schnellen Ende.

Die Mutter gab aber die Hoffnung noch nicht auf. In ihrer Not und Verzweiflung rief sie Gott an und hielt ihm alle Verheißungen der Heiligen Schrift vor. Vor allem betete sie immer wieder den Psalm 91: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: meine Zuver­sicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“

Mit großer Gewalt drang dieses Wort in ihr Herz: „Mein Gott, auf den ich hoffe.“ Der Tag ging zu Ende. Der vom Arzt erwartete Tod trat nicht ein. Am nächsten Tag zeigte sich eine Besse­rung des Befindens. Die Mutter rief den Arzt noch einmal telefonisch herbei. Dieser glaubte, es wür­de ihm der Tod des Jungen mitgeteilt und war völlig überrascht, daß eine Besserung eingetreten war. Er suchte den kleinen Patienten noch einmal auf und bestätigte voller Freude: „Hier ist ein Wunder geschehen.“

Lassen wir uns aber in unserem Glaubensleben nicht auf ein Nebengleis schieben. Glaubens- und Gebetsheilungen sind nicht die Hauptsache im Le­ben eines Christen. Man kann auch unter Leiden und Schmerzen Jünger Jesu sein. Problem Nr. 1 ist unsere Bekehrung und Wiedergeburt, die Übergabe unseres Lebens an Jesus, die treue Nachfolge, bis er uns abruft in die Ewigkeit. Die Hauptsache ist, dass unser Name im Lebensbuch Gottes steht. Das Wort aus Lukas 10, 20 sei wiederholt:

Darin freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

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