Wahrträume

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Kurt E. Koch

Wahrträume

Wahrträume sind ein vielschichtiges Problem. Zur Einleitung berichte ich eine Geschichte, die in der ganzen Welt Aufsehen erregt hat. Es handelt sich um einen extremen Fall eines Wahr­traums mit einem nachfolgenden Skandalurteil.

Beispiel 1 In Chicago, einem Eldorado verbrecherischer Aktionen, wurde eine junge Krankenschwester überfallen, vergewaltigt und mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen.

Einige Häuser daneben wohnte ein junger Missionar, glücklich verheiratet und Vater von drei kleinen Kindern. Er und seine Frau rüsteten sich für die Ausreise nach Neuguinea, um dort eine Missionsarbeit zu beginnen.

Die junge Familie hörte von dem Mord erst aus der Tageszei­tung. Die Ermordete hieß Karin Philips. Die Zeitungsnotiz machte den jungen Mann nachdenklich. Er erzählte seiner Frau, daß er die Nacht vor dem schrecklichen Ereignis einen Traum hatte, der dieser von der Zeitung berichteten Mordgeschichte sehr ähnlich sei. Im Freundeskreis gab er auch diesen Traum preis. Man riet ihm dringend, doch dieses merkwürdige Erlebnis der Polizei zu melden. Steve Linscott – so heißt dieser junge Missionar – folgte dem Rat seiner Freunde. Und was geschah? Er wurde verhaftet, weil der Ermittlungsrichter erklärte: „Nur der Mörder selbst kann so genaue Angaben machen.“

Seine Frau Lois, die ehemaligen Mitstudenten seiner Bibelschule und die Lehrer waren entsetzt über diese richterliche Maßnahme.

Der Direktor der Emmaus Bibelschule und viele andere namhafte Christen setzten sich für Steve ein, der insgesamt 16 Monate in Untersuchungshaft verbrachte. Die Tragödie wurde aber noch furchtbarer.

Am Tatort fand man ein Haar, das dem Haar von Steve entsprechen würde, so plädierte der Staatsanwalt. Die körperlichen Absonderungen bei Steve und der Ermordeten stimmten überein, Experten machten aber geltend, daß dieser Befund nicht beweis­kräftig sei, weil 15 % der Männer die gleiche Zusammensetzung ihres Samens haben würden.

Ein großer Beterkreis setzte sich für Steve ein. Endresultat: Steve wurde zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Er kann erst nach 20 Jahren begnadigt werden.

Steve selbst ist gelassen und vergleicht sich mit Joseph in Ägypten, der auch unschuldig im Gefängnis war. Seine Frau zog mit den drei Kindern in die Nähe des Gefängnisses und darf jede Woche vier Stunden ihren Mann besuchen. Den fragenden Kin­dern erklärt sie: „Es ist ein großer Fehler passiert. Gott wird uns helfen.“

Was tat sich inzwischen außerhalb der Gefängnismauern?

Der Direktor der Emmausbibelschule, Dr. Gordon Haresign, entwickelte sich zu einem Privatdetektiv und stellte umfangreiche Nachforschungen an. Er entdeckte dabei viele Unstimmigkeiten. Der Täter im Traum war ein Schwarzer, Steve ist ein Weißer. In der Nähe der Ermordeten lebt ein solcher Mann, der zudem schon mehrfach wegen Frauenbelästigungen bekannt ist. Die Polizei und die Geschworenen dehnten ihre Ermittlungen nicht auf diesen Vorbestraften aus. Die Kleidung des Täters war anders als sie Steve besitzt. Vor allem wurde außer acht gelassen, daß Steve möglicher­weise ein Sensitiver, ein medial veranlagter Mann ist, der aufgrund seiner medialen Belastung diese Untat als Wahrtraum voraussah. Es sind noch andere Widersprüche aufgedeckt worden, so daß die Freunde von Steve ein Wiederaufnahmeverfahren anstreben.

Die Gemeinde, die Steve als Missionar aussenden wollte, hat inzwischen 60.000 Dollar (zur Zeit = DM 156.000,-), um den nächsten Prozeß durchzuziehen. Viele Christen in USA, England, Australien, Neuseeland beten für die Freilassung dieses Missio­nars, der unschuldig hinter Kerkermauern sitzt.

Wie kam ein solches Urteil zustande? Der Richter und der in Frage kommende Staatsanwalt sind radikale Rationalisten, die Wahrträume als Aberglauben abtun. Und das in einem Land, in dem es überdurchschnittliche Okkultisten und Medien gibt wie Jeane Dixon, Edgar Cayce, Arthur Ford und andere.

Bei den Prozessen spielen auch die weltanschaulichen Sachver­halte eine Rolle, wenn die Juristen das auch nicht zugeben wollen. Wenn ein Richter ein aggressiver Atheist ist und der Angeklagte ein christlicher Missionar, so wird das nicht ohne Einfluß auf die Verhandlung sein.

Man wird nun wissen wollen, wie ich an dieses Material gekom­men bin.

Zunächst hat mir ein Freund die Zeitschrift „Christianity To­day“ vom 4. 2. 83 zugesandt, in der alles viel ausführlicher dargeboten wird. Dann wurde ich im Zuge der neuen Ermittlungen brieflich angefragt, ob ich nicht aus meiner Sammlung Fälle von Wahrträumen berichten würde, die man in der Verteidigung verwenden könnte. Ich teilte nur einen Fall mit, weil ich die Anonymität der Beichtenden wahren muß.

Wir müssen nun aber über den Charakter der Wahrträume einiges darstellen.

Biblisches Geschehen

Wahrträume sind mit Vorsicht zu behandeln. Um keine Mißver­ständnisse aufkommen zu lassen, bekenne ich, daß ich an alle Träume glaube, die in der Bibel berichtet sind. Diese biblischen Träume erfolgten aber in einer anderen Zeitsituation. In der Zeit, da Joseph in Ägypten Träume (1. Mos. 37) hatte oder auslegte, gab es – mit Ausnahme einzelner Berichte wie das Sepher hajaschar (Buch der Gerechten) – noch kein geschriebenes Wort Gottes. Die Engelserscheinungen, die Elisabeth, Maria, Joseph, die drei Weisen hatten, sind bedingt durch die Heilsereignisse ihrer Zeit.

Wir haben heute das gedruckte Wort Gottes, die Bibel, die Richtschnur unseres Glaubens. Die Bibel enthält alles, was wir zu unserem Heil nötig haben. Wir brauchen keine zusätzlichen Träume, Visionen und Erscheinungen.

Das heißt natürlich nicht, daß Gott sich nicht in besonderen Lebenssituationen den Menschen auch durch Träume offenbaren könnte. Speziell gilt das bei primitiven Menschen, die weder lesen noch schreiben und deshalb sich nicht an der Bibel orientieren können. Bei den Erweckungen in Indonesien, Salomon-Inseln, Korea und auf Formosa sind gelegentlich Träume als echte Ereig­nisse vorgekommen.

Auch in anderen Zusammenhängen hat Gott Menschen durch Träume den Weg gewiesen oder für ein schweres Schicksal vorbe­reitet. Zwei Beispiele sollen berichtet werden.

B 2 Es war in Pelotas in Brasilien. Pastor Müller hatte mich zu einer Evangelisation eingeladen. Vom ersten Abend an war auch ein katholischer Mann unter meinen Zuhörern. Am Mittwoch kam dieser Mann zur Seelsorge und berichtete folgendes:

Drei Wochen vor Beginn der Evangelisation hatte dieser Katho­lik einen Traum. Er sah ein Kreuz. Darunter stand ein Mann, der in einer fremden Sprache das Evangelium verkündigte. Dann verschwand der Mann, und er hörte die Stimme Jesu, die sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Damit war der Traum zu Ende. In den nächsten Tagen vergaß er diesen Traum. Eine Woche vor Beginn der Evangelisation drückte ihm jemand einen Einladezettel in die Hand. Am ersten Abend, es war ein Sonntag, ­wurde über den Spiritismus gesprochen. Da er nicht nur Katholik, sondern auch Spiritist war, interessierte ihn dieses Thema, und er erschien zum ersten Vortrag. Da sein Interesse geweckt wurde, kam er auch am zweiten und dritten Abend wieder. Da fiel ihm sein Traum ein. „Das ist es ja, was ich im Traum sah. Ein Mann, der in einer fremden Sprache das Evangelium verkündigt.“ Am nächsten Morgen kam er dann zur Aussprache, beichtete und übergab sein Leben Jesus.

B 3 Bei meiner Vortragstour in Quebec hörte ich von einem Freund folgendes Ereignis. Der dreizehnjährige Roy hatte schon als Junge den Weg zu Jesus gefunden. Um seiner fröhlichen Art willen war er allgemein beliebt. Eines Morgens erzählte er seiner Mutter: „Heute nacht habe ich geträumt, ich hätte einen Fluß durchschwommen und dann den Herrn Jesus gesehen.“ Roy hat diesen Traum außerdem seinem Pastor mitgeteilt, weil er zutiefst bewegt war. Er hatte geschrieben: „Mein Herz war weit für den Herrn geöffnet, und meine Tränen flossen in Strömen. Ich blickte noch einmal auf Jesus und hatte dabei das Gefühl, daß er gekom­men war, mich zu rufen.“ Zwei Wochen später ist Roy bei einer Veranstaltung seiner Kirche für die Jugend in einem See ertrunken. Bei seinem vorangekündigten Tod konnte fast niemand traurig sein. Der Pastor verlas bei der Beerdigung den Brief des Jungen. Die Freunde erklärten: „Roy ist jetzt ja viel glücklicher, da er beim Herrn ist.“

B 4 Folgender Traum muß als eine göttliche Warnung angese­hen werden. Ein gläubiger Christ war als Soldat in Rußland eingesetzt. Sie hausten nachts in einem Lager für Panzerminen. Plötzlich schrie dieser Mann im Schlaf: „Alarm, Alarm!“ Durch den Ruf wurden seine Kameraden geweckt und eilten zum Aus­gang. Als sie den rufenden Kameraden noch ruhig daliegen sahen, merkten sie, daß er das im Schlaf geschrieen hatte. Der Geweckte erklärte dann: „Wenn ich das im Traum gerufen habe, dann müssen wir danach handeln.“ Sie gingen hinaus. Da schlug eine russische Granate ein, und das Minenlager explodierte. Niemand wäre dabei mit dem Leben davongekommen. – Ein Kritiker mag sagen: „Das kann Zufall gewesen sein. Die Soldaten haben oft im Traum geschrieen, weil sie täglich Schießereien um sich hatten.“ Das ist durchaus möglich. War es dann aber nicht ein „Zufall“ von Gott? War es nicht auch ein „Zufall“, als eine russische Panzergranate 2,50 m über meinem Kopf explodierte und alles um mich herum ein Trümmerhaufen war? Nur mich hat kein einziger Splitter erwischt. Ich lebte oft- eigentlich müßte ich sagen täglich- von dem, was mir von Gott zufällt.

Mediale Träume

Das Gebiet der Medialität ist schwer zu erklären, weil es die Grenze des rationalen Denkens überschreitet. In meinem Buch „Seelsorge und Okkultismus“ habe ich im zweiten Teil auf den Seiten 425-685 Probleme der Medialität abgehandelt. Trotz allem Bemühen, die mystische, okkulte, magische und dämonische Struktur des Medialen zu erhellen, bleibt vielleicht der größte Teil noch unerforscht und unerforschbar in Dunkel gehüllt. Welche Fragestellungen und Querverbindungen bei den medialen Träu­men auftreten, werden an einigen Beispielen gezeigt. Seit Jahrzehn­ten ist mir das lateinische Sprichwort geläufig: verba docent, exempla trahunt = Worte belehren, Beispiele ziehen.

B 5 Zahlentraum brachte 2,7 Millionen Mark im Lotto. Die RNZ vom 22. 2. 78 berichtete folgendes:

Die 55 Jahre alte Angestellte stapelte tief: „Ich werde den Kindern sagen, daß ich im Lotto ein paar Mark gewonnen habe.“ Die „paar Mark“ – das ist die stolze Summe von rund 2,7 Millionen Mark, der höchste Gewinn, der nach Mitteilung der Lottogesell­schaft in Köln jemals auf einem Spielschein erzielt wurde. Die Frau, die in einer rheinischen Kleinstadt zusammen mit ihrem 60 Jahre alten Mann wohnt, landete zweimal einen Volltreffer in der ersten Gewinnklasse. Die sechs am letzten Wochenende gezogenen Zahlen waren der Angestellten einer Eisenfirma vor Jahren einmal im Traum erschienen – und sie blieb der Kombination treu.            dpa

B 6 Ein noch viel beweiskräftigeres Beispiel, das ich schon einmal in einem meiner Bücher benützt habe, ist ein Erlebnis, das mir in der Seelsorge berichtet worden ist. Der Betreffende gab mir Veröffentlichungsrecht.

Anläßlich einer Evangelisation in Frankfurt kam ein Mann zu mir, der offensichtlich innere Konflikte mit sich herumtrug. Es liegt einige Jahre zurück. Da hatte er einen Traum, in dem ihm eine schwarzgekleidete elegante Frau erschien und ihn anwies, wie er seinen Lottozettel auszufüllen habe und zu welcher Zeit er ihn am Bahnhofkiosk abgeben solle. Dann würde er einen zusätzlichen Gewinn von DM 5000,- erhalten.

Der Berichterstatter handelte nach dieser Anweisung und zog tatsächlich einen Gewinn von 5000,-. Da man es keinem Kritiker recht machen kann, gebe ich zu, daß bei allen Meldungen der Tageszeitungen eine gewisse Vorsicht geboten ist, weil Journali­sten gern sensationell aufbauschen. Darum trete ich den Beweis an.

Der berichtende Bruder legte seinen Lottoschein vor und den Brief der Lotterie-Treuhandgesellschaft Hessen vom 15. Jan. 74, der folgenden Wortlaut hat:

„Sehr geehrter Herr E.
Ihr Spielschein wurde bei der Prämienauslosung gemäß Art. 5 der amtlichen Teilnahmebedingungen für die Olympia-Lotterie als Gewinnlos für eine Prämie von 5000,- DM ermittelt. Die Prämie wird Ihnen im Namen und für Rechnung der Hessischen Lotterie­verwaltung ausgezahlt. Wir beglückwünschen Sie zu Ihrer erfolg­reichen Beteiligung und verbleiben mit freundlichen Grüßen
Lotterie Treuhandgesellschaft mbH Hessen gez. Dumschar“

Beide Beweisstücke, Lottoschein und Brief, bewahre ich in Ablichtung in meiner Sammlung auf. Die Originale habe ich vernichtet. Der intellektuelle Hochmut mancher Kritiker konstruiert immer wieder einen Ausweg, massive Beispiele zu entkräften.

Die Geschichte des Berichterstatters ist aber noch nicht zu Ende. In dem seelsorgerlichen Gespräch beichtete er alles, was ihm als Sünde gezeigt worden war und übergab sein Leben Jesus. Diese Entscheidung für Christus hatte dann ein Nachspiel. Im Traum erschien ihm nochmals die schwarze Frau und drohte ihm: „So, du willst auf die andere Seite gehen. Das wirst du zu bereuen haben. Alles, was du beruflich anfängst, wird dir mißlingen.“

Dieser Fluch traf ein. Das wirft ein neues Problem auf. Kann Christus nicht die bewahren, die sich ihm anvertraut haben? Doch, er kann es. Wir kennen aber nicht die Wege und Ratschläge Gottes, der mit jedem seiner Kinder eine spezielle Führung vornimmt.

Lange Zeit habe ich für diesen Mann gebetet. Es dauerte Jahre, bis ich eines Tages einen Brief mit der Nachricht erhielt, daß er eine Anstellung als Ingenieur gefunden hat.

Die ganze Geschichte, ferner das seelsorgerliche Gespräch mit dem Berichterstatter, zeigt die Querverbindung zwischen Wahr­traum und Spiritismus, denn der Ingenieur hatte früher das spiritistische Tischrücken praktiziert.

B 7 Der folgende Wahrtraum zeigt eine Querverbindung zur Magie. Eine Frau, etwa 45 Jahre alt, erzählte, daß sie als Kind bei einem magischen Besprecher gewesen war, der sie heilte. Später heiratete sie. Ihr Mann wurde zu Beginn des 2. Weltkrieges eingezogen. Nach langer Trennung hatte sie nachts einen Traum. Ihr Mann war in Rußland eingesetzt. Sie beobachtete im Traum ihren Mann, wie er den Ehering mit einem Wollknäuel umwickelte und ihn in der Nähe einer Fabrik unter einem Baum vergrub. Als ihr Mann nach der russischen Gefangenschaft heimkehrte, fragte die Frau sofort: „Hast du deinen Ehering wieder?“ Er bejahte und erzählte dann die gleiche Geschichte, daß er seinen Ring vor den „filzenden“ (ausplündernden) Russen versteckt hatte.

Diese beiden letztgenannten Beispiele zeigen den medialen Charakter der Wahrträume. Bei Menschen, die sich okkult betätig­ten, entstehen mediale Veranlagungen und Kräfte, die verschiedene Auswirkungen haben können. Darüber habe ich oft in meinen Büchern berichtet. Medialität geht häufig bis ins dritte und vierte Glied einer Familie.

Seelsorger, die keine Erfahrung haben, meinen nun, daß bei der Bekehrung (geistlichen Erneuerung) eines Menschen die mediale Veranlagung verschwindet. Diese Annahme stimmt nur etwa bei der Hälfte der Menschen, die sich Jesus zuwenden. Trotz Bekeh­rung und Wiedergeburt bleibt bei manchen die mediale Veranla­gung bestehen, die gewöhnlich unbewußt vorhanden ist und sich gelegentlich manifestiert.

Bei dem tragischen Erlebnis von Steve Linscott kann man die mediale Wurzel seine Wahrtraumes annehmen. Er war oder ist unbewußt medial, sei es durch okkulte Betätigung seiner Vorfah­ren, sei es durch eigene Praktiken. Es ist keine Übertreibung: Millionen junger Amerikaner betrieben das spiritistische Ouija­board als Unterhaltungsspiel und wurden dadurch medial. Leider wurde und wird dieses belastende spiritistische Spiel auch in christlichen Kreisen, ja auch unter Bibelschülern betrieben. Über die Folgen sind sich die jungen Leute nicht klar. Ein Psychiater in New York erklärt: „Das Ouijaboard füllt die Nervenheilanstalten New Yorks.“

Angenommen, Steve Linscott hat aus Zeitvertreib oder aus Neugierde an solchen Spielen teilgenommen, dann wurde er medial. Sein Wahrtraum zeigt medialen Charakter. Vergessen wir aber nicht, daß nur eine Gruppe von Wahrträumen auf dieser Ebene liegen. Wir hörten, daß es auch biblische Wahrträume gibt. Nicht vergessen darf werden, daß man von einer medialen Veranla­gung durch Christus frei werden kann. Das Freiwerden wird auf den letzten 80 Seiten des Buches (Okk.ABC) beschrieben.

Die gefährlichste Form, die Mißdeutung von medialen Kräften, erfolgt bei Pseudocharismatikern, wenn sie solche Erlebnisse als Geistesgaben ansehen.

Mediale Kräfte können mißgedeutet werden. Ein bayrischer Pfarrer sieht seine drei Fälle von Nekroskopie (Treffsichere Vor­ausschau von Todesfällen) als eine natürliche Begabung oder gar als Gottesgaben an. Andere sogenannte Pseudocharismatiker verse­hen mediale Kräfte mit dem Etikett „Gaben des Heiligen Geistes“ Das sind verhängnisvolle Kurzschlüsse und Verwechslungen, die jede Seelsorge erschweren.

Es darf nicht übergangen werden, daß die große Masse an Träumen weder mit den biblischen noch mit den medialen Schlaf­gesichten zu tun haben. Prof. Jung erklärte, daß die Hauptmasse unserer Träume folgende Wurzeln hat: das kollektiv Unbewußte, das Familien- und individuelle Unbewußte. Weitere Faktoren der Traumentstehung sind Kindheitserlebnisse, Tagesreste, unerfüllte Wünsche, nicht bewältigte Konflikte usw.

Ein kleines verwandtes Kapitel zu den Wahrträumen soll noch angehängt werden: die Vorausahnungen. Dazu ein Beispiel, das durch die Zeitungen ging und auch in christlichen Blättern berich­tet wurde.

B 8 1978 war die bis jetzt größte Flugzeugkatastrophe dieses Jahrhunderts. In Las Palmas war ein Bombenanschlag gewesen, so wurden viele Jets nach Teneriffa umgeleitet. Auf dem kleinen Flugplatz gibt es nur eine Start- und Landebahn. Schließlich landeten etwa 20 umgeleitete Jumbo-Jets auf diesem Platz, der zum Bersten überfüllt war.

Ein Ehepaar aus Bayern wollte an dem Unglückstag mit der KLM den Rückflug nach Europa antreten. Als die Frau über die Gangway die Maschine betrat, beschlich sie ein sehr ängstliches Gefühl. Sie sagte ihrem Mann: „Ich kann hier nicht mitfliegen. Die vielen Menschen, wenn da etwas passiert.“ Der Ehemann prote­stierte zunächst und sagte: „Wir haben doch diesen Flug gebucht. Wir wissen nicht, ob wir in einer anderen Maschine einen Platz bekommen.“ Die Frau war in großer Erregung. Der Mann kannte die Ahnungen und Gefühle seiner Frau und willigte ein. Während sie noch in der Halle waren, erschütterten mehrere Explosionen die Luft. Etwas Schreckliches war geschehen. Die PanAm hatte vom Tower die Anweisung erhalten, sich an das Ende der Startbahn zu begeben. Da raste die KLM-Maschine mit mehr als 300 km Stundengeschwindigkeit auf den amerikanischen Jet zu. Der KLM-Pilot wollte noch seine Maschine hochreißen, doch sein Fahrwerk schnitt die amerikanische mittendurch.

Das Resultat übersteigt alle Vorstellungen. 583 Menschen waren sofort tot. Zehn weitere erlagen später ihren Verletzungen. 114 waren so verkohlt, daß man sie nicht identifizieren konnte. Nur 60 überlebten die Katastrophe.

Nun zu dem erwähnten bayrischen Ehepaar. Der Mann umarm­te seine Frau: „Deine Ahnungen haben uns vor diesem schreckli­chen Inferno bewahrt.“ Dann eilte er ans Telefon, obwohl die Leitung nahezu dauernd besetzt war. Daheim in München wartete die Tochter, um die Eltern abzuholen. So rief der Mann den Flugplatz München-Riem an und bekam nach langem Probieren seine Tochter an die Strippe: „Wir sind gerettet. Wir waren nicht wie geplant in der Unglücksmaschine. Das verdanken wir Mutter mit ihren komischen Ahnungen. Gott sei Dank!“

Das war also eine lebensrettende Ahnung. Nicht alle Ahnungen haben dieses glückliche Ende. Mir ist aus diesem schauerlichen Zusammenstoß noch die Geschichte eines gläubigen Mannes aus USA bekanntgeworden, der vor Antritt dieser Flugreise zusammen mit seiner Mutter um den Schutz Gottes gebetet hatte. Er erlitt nur einen Beinbruch und eine Handverletzung und kam sonst unversehrt aus diesem Inferno heraus. So kann Gott auf mancherlei Art retten, außerhalb oder innerhalb einer Katastrophe. Bagatellisieren wir aber nicht die Vorstellungen des Glaubens. Bei diesem furchtbaren Unglück sind auch gläubige Christen verbrannt, genau wie im Krieg oft ohne Unterschied, aber mit dem Willen Gottes, Gläubige und Ungläubi­ge getroffen und getötet wurden.

Aus dem Buch: OKKULTES ABC

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