Satan – der Widersacher Gottes

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Erich Sauer

 

Satan ‑ der Widersacher Gottes

 

Auch Satan hat seine Geschichte. Es ist die klare, eindeutig erkennbare Lehre der Heiligen Schrift, daß Satan keine bloße, abstrakte Idee, sondern eine konkrete, person­hafte, übersinnliche Realität ist, ein mit höchster Intelligenz begabtes, zwar ge­fallenes, aber nichtsdestoweniger überaus machtvolles Geistwesen.[1] Gerade seine Werke zu zerstören und die gefallene Schöpfung für Gott zurückzugewinnen und in Gott und für Gott zu verklären, war der Hauptsinn des Erlösungswerkes Christi (1. Joh. 3, 8).

Die Heilsgeschichte der Bibel läßt sechs aufeinanderfolgende Hauptzustände Satans und des Dämonischen erkennen. Diese sind von verschiedener Zeitdauer.

Luzifer in der höchsten Himmelswelt

Wenn auch die Heilige Schrift von den allerletzten, übersinnlichen Hintergründen des Weltall‑Geschehens nur wenig andeutet und auch nur mit der größten Zurück­haltung vom Ursprung und der Zulassung des Bösen spricht, so muß es dem bib­lischen Denken doch feststehen, daß der gewaltige Engelfürst, der heute, als Satan, der große „Widersacher“ Gottes ist, nicht immer von vornherein in diesem Zu­stand gewesen sein kann. Denn wenn Gott der Schöpfer des gesamten Universums ist (Kol. 1, 16), muß auch Satan, seiner Existenz nach, auf Ihn zurückgeführt wer­den. Dann aber ist klar, daß, weil Gott der Heilige nichts Sündiges und Gemeines unmittelbar aus Seiner Schöpferhand hervorgehen lassen kann, dies Geschöpf nicht von vornherein böse, sondern fleckenlos und rein gewesen sein muß. Und darum muß es auch erst später, an einem uns nicht erkennbaren, urweltlichen Zeitpunkt und auf eine uns völlig unerklärbare Weise, den ersten, bösen Gedanken gefaßt haben und von Gott abgefallen sein. Aus gewissen Hinweisen der Schrift läßt sich die Vermutung gewinnen, daß in Sonderheit Hochmut das Wesen dieser dämo­nischen Ursünde gewesen ist.[2] So war Satan ursprünglich ein „Lichtträger“ (lat. Lucifer) göttlicher Herrlichkeit. Ja, es scheint, daß ihm, als einem der besonderen Engel‑Bezirksfürsten, ein großer Teil des Universums zur Verwaltung „übergeben“ worden war (vgl. Luk. 4, 6!). In diesem ursprünglichen Lichtzustand (vgl. Hes. 28, 14) war dieser Engelfürst Gottes in der höchsten Himmelswelt.

Satan in den niederen „himmlischen Örtern“

Doch dann trat dieses Urereignis ein, das aller Not im Universum zugrunde liegt. Luzifer fiel von Gott ab und stand fortan als Fürst eines organisierten Gegenreichs Gott und Seinem Lichtreich entgegen. Er war „Feind“ und „Wider­sacher“ geworden.[3] Mit diesem Fall war sein Sturz aus den höchsten Himmels­regionen verbunden. „Ich sah den Satanas vom Himmel herabfallen wie einen Blitz“, erklärt Christus (Luk. 10, 18). Satans Weltbezirk wurde mit in die Auswirkungen seines Falles hineingezogen. Er selbst blieb in den niederen Himmelsregionen (Eph. 6, 12) der „Fürst der Gewalt der Luft“ (Eph. 2, 2). Doch hat er auch von hier aus, wie die Geschichte Hiobs (Hiob 1, 6; 2, 1), die Weissagungen des Sacharja (3, 1) und die Offenbarung des Johannes (12, 10) beweisen, für be­stimmte Gelegenheiten Zutritt zum Himmelsthron. In diesen niederen „himmlischen Örtern“ bleibt er, bis er in der Endzeit mit seinen Engeln und Dämonen vom Erzengel Michael auf die Erde „herabgeworfen“ werden wird (Off. 12, 7‑13).

Im einzelnen sind für diese ganze, unübersehbar lange Zeit drei Haupt‑Unter­zeitabschnitte erkennbar:

a) Satan als Widersacher Gottes in der vormenschlichen Erdenzeit: Von seinem Fall bis zur Erschaffung des Menschen. In dieser Zeit
     ist Satan der Herr der verheerten Schöpfung.

b) Satan als Widersacher Gottes in der vorchristlichen Mensch­heitszeit. In dieser Zeit ist Satan, nach seinem Sieg über den Menschen 
    (1. Mos. 3), der unbesiegte Herr der von ihm besiegten Menschheit: vom Sünden­fall des Menschen bis zum Kreuzestod Christi.

c) Satan als Widersacher Gottes in der christlichen Gemeindezeit. Dieser Zustand währt vom Kreuzessieg Christi bis zum
    Herabgestoßenwerden Satans auf die Erde durch den Erzengel Michael (Off. 12, 7‑13). In dieser Zeit ist Satan der grundsätzlich  
    durch das Kreuz Besiegte,[4] aber doch noch ‑ außerhalb der Gemeinde (Kol. 1, 13) ‑ auf Erden regierend.[5]

So setzt mit dem Sündenfall des Menschen in der Menschheitsgeschichte gleich­sam eine schwarze Schlangenlinie ein. Sie züngelt sofort nach drei Rich­tungen:

in die Unterwelt ‑ dort schafft sie die Todeslinie; denn der Sold, den die Sünde zahlt, ist der Tod (Röm. 6, 23),

in die Menschenwelt ‑ dort schafft sie die Dämonisierung der Völkergeschichte (vgl. Dan. 10, 13; 20) und

in die obere Geisterwelt ‑ dort ist Satan fortan, auch im Hinblick auf die Ent­wicklung des Menschen, der „Fürst der Gewalt der Luft“ (Eph. 2, 2).

Dann aber trat jenes gewaltige Ereignis ein. Satan wurde am Kreuz grundsätz­lich besiegt. Der Fürst der Welt wurde gerichtet,[6] der Starke vom Stärkeren über­wunden (Matth. 12, 29), der Schlange der Kopf zertreten (1. Mos. 3, 15). Und mit dem Fürsten der Finsternis wurde auch sein Reich überwunden. Durch das Kreuz hat der „in die Ferse Gestochene“ die Fürstentümer und Gewalten ausgezogen, ihrer Rüstung beraubt, sie öffentlich an den Pranger gestellt und Triumph über sie ge­halten (Kol. 2, 15). Von nun an kommt es zu einer fortschreitenden Entdämonisie­rung der Menschheit. Denn jedesmal, wenn ein Mensch durch den Glauben die Heilswirkungen des Gekreuzigten für sich in Anspruch nimmt, wird seine Persön­lichkeit ‑ dieser Teilbezirk der Herrschaft Satans ‑ dem Bösen entwunden. Der Fürst der Welt wird „hinausgeworfen“ (Joh. 12, 31), ein Teil seines Reiches ist ent­dämonisiert, und der Gerettete ist aus der Obrigkeit der Finsternis versetzt in das Königreich des Sohnes Gottes.[7] So ist Satan in Wirklichkeit der große Verlierer. Zwar bleibt er zunächst noch eine Majestät, wenn auch eine gefallene und finstere (Judas 9); zwar sucht er noch mit Macht und List den Menschen zu verblenden (2. Kor. 4, 4), zu beherrschen und zu verderben (Eph. 2, 2); zwar sucht er sogar die Erlösten und Erretteten zu belasten und anzuklagen;[8] aber dennoch bleibt es bestehen, daß Christus der Sieger ist und die Seinen an Seinem Siege teilhaben werden.

Zuletzt aber wird es zu dem entscheidenden Endkampf kommen.

Satan auf der Erde

Alles steigert sich zur Endkrise hin. Darum werden die Gegensätze nicht all­mählich ausgeglichen, sondern verschärft. Darum ist das Ende der Namenchristen­heit nicht etwa eine schließlich erreichte Kulturverchristlichung, sondern das Anti­christentum. Darum ist auch die Endentwicklung zugleich der Entscheidungskampf zwischen Gott und dem Teufel. Dabei aber wird Satan, trotz all seines Wütens, der Unterlegene sein. Es entsteht „ein Kampf in dem Himmel“, und Michael und seine Engel werfen den Drachen und seine Engel auf die Erde herab (Off. 12, 7‑9). Zwar bedeutet dies, daß Satan jetzt in ganz besonderer Weise auf der Erde wüten, die ungläubige Menschheit dämonisieren, ja, ein antichristliches Völkersystem zu teuflisch inspirierter Herrschaft und Macht emporheben kann (Off. 13, 4‑8); aber dies Toben und Wüten sind doch nur die krampfhaften Zuckungen eines der Be­siegung und Fesselung anheimgegebenen, wilden Revolutionärs (Off. 12, 12).

Zuletzt kommt der Endschlag. Christus erscheint, mit Ihm die Heerscharen des Himmels (Off. 19, 11‑16), und wie Satan und die antichristliche Völkerrevolte dasvorletzte Wort in der Menschheitsgeschichte gehabt haben werden, so wird nun Christus das letzte Wort haben. „Und es wurden ergriffen das Tier und der falsche Prophet . . . und in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt“ (Off. 19, 20), und was Satan selbst betrifft, so sagt Johannes, der Prophet: „Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herniederkommen, welcher den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in der Hand hatte. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, welcher der Teufel und der Satan ist, und er band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und schloß zu und versiegelte über ihm“ (Off. 20, 1‑3).

Satan im Abgrund

Im Zustand dieses Gefesseltseins bleibt Satan während der Zeit des Tausend­jährigen Reiches. Jetzt kann die Menschheit aufatmen. Denn die Verführungsmacht des Teufels ist ausgeschaltet (Off. 20, 3). Die schwarze Schlangenlinie, die seit dem Herabgeworfensein Satans durch den Erzengel Michael von der niederen Himmelswelt auf die Erde herabgeschnellt war und sich eine Zeit (von Off. 12 bis Off. 19) auf der Erde selbst entlanggewunden hatte, wird nun in die Unter­welt gestoßen und windet sich dort unten während dieser ganzen Zeit der tausend Jahre (Off. 20, 3; 7). Sie kann aber keinen Einfluß nehmen auf das Geschehen auf der Erde selbst. Das bedeutet für die Mensch­heit eine ungemein große Erleichterung, Gott untertan zu bleiben. Andererseits bedeutet es eine Erhöhung der Verantwortlichkeit, wenn der Mensch nun trotzdem dennoch sündigt. Daher auch die schärfere Gerichtsbarkeit im Tausendjährigen Reich.[9]

Satan wieder auf Erden. Gog und Magog

Zuletzt aber muß auch auf diese glanzvolle Zeit des sichtbaren Gottesreiches die Probe des Erfolges gemacht werden. Auch die Völker des Millenniums sollen freie Entscheidungsmöglichkeit haben. Niemand soll Gott in der Ewigkeit gezwungen dienen. Darum „muß“ Satan nach den tausend Jahren losgelassen werden, wenn auch nur für eine „kleine Zeit“ (Off. 20, 3 b; 7).

Das Ergebnis ist erschütternd. Die Menschheit verwirft den gütigen Gott, der sie in tausendjähriger Friedensherrschaft mit einer geradezu unbegreiflichen Fülle von Segnungen überschüttet hatte und erwählt sich Seinen Todfeind, den Teufel! Dar­um ist Weltgericht und Weltuntergang die einzige Antwort, die der heilige Gott jetzt nur noch geben kann (Off. 20, 7‑15).

Satan im Feuersee

Der Teufel aber, der die Menschheit verführte, wird in den Feuer‑ und Schwefel­see geworfen, wo sowohl das Tier (der Antichrist) ist als auch der falsche Prophet (Vers l0). Ihnen folgen im letzten Endgericht vor dem Großen Weißen Thron alle, deren Namen nicht geschrieben gefunden wurden im Buche des Lebens.[10]

Von einem Herauskommen aus dem Feuersee und einer endlichen Errettung auch der im Endgericht Verdammten weiß die Heilige Schrift nichts. Aus dem Feuersee zeigt die Bibel keine Verbindungslinien wieder zu Gott zurück. Das ist ungeheuer ernst. Hier gilt es, ganz unter der Bindung des göttlichen Wortes zu bleiben. Wie erschütternd ist dies Ganze! Wie furchtbar sind die Gewalten, die hinter aller Sünde und allem Elend eines gefallenen Menschengeschlechts stehen! Aber wie gewaltig ist erstrecht Gott! Er überwindet den Feind, macht Seine eigene Siegeskraft offenbar und schenkt allen, die sich auf Seine Seite stellen, ewiges Leben.

Darum die ernste Frage: Auf wessen Seite stehst du? Auf der Seite Gottes oder Seines Gegners? Eine Neutralität gibt es hier nicht. Entweder ist Christus dein Glück oder Satan dein Verhängnis! Bedenke: Von deiner persönlichen Stellung­nahme hängt dein eigenes, ewiges Geschick ab. Darum wähle Christus, das Leben, auf daß du lebest.

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[1] Matth. 4, 1‑10; Luk. 10, 18; Röm. 16, 20; Off. 12, 7 u. a.

[2] Vgl. 1. Tim. 3, 6; Hes. 28, 14; 17. ‑ An letzterer Stelle wird der König von Tyrus offenbar zugleich als Abbild des Satans, seines dämonischen Oberherrn, geschildert (vgl. Hes. 28, 1).

[3] Satan hebr. = Feind, Widersacher, ganz allgemein: 1. Kön. 11, 14; 23; 25; vor Gericht: Ps. 109, 6; in 4. Mose 22, 22 sogar vom „Engel des Herrn“. ‑ Das Wort „Teufel“ kommt von griechisch dia‑ballo = hindurch‑werfen, mit Worten „durchziehen“, in feindlicher Absicht beschul­digen, sowohl lügend (2. Makk. 4, 1 LXX) als auch die Wahrheit sagend (Dan. 3, 8 LXX). ‑ Luk. 16, 1 (vgl. Off. 12, l0). ‑ LXX = Septuaginta [= 70] = Griech. A. T.

[4] Joh. 12, 31; 16, 11; Kol. 2, 15; Hebr. 2, 14.

[5] 1. Joh. 5, 19; 2. Kor. 4, 4; Apg. 26, 18; Eph. 2, 2.

[6] Joh. 12, 31; 16, 11.

[7] Kol. 1, 13; Apg. 26, 18.
[8] Off. 12, 10; Sach. 3, 1 vgl. Hiob 1, 6; 2, 1.
[9] Ps. 2, 8; 9; Off. 2, 26; 27; Jes. 11, 4; Sach. 13, 3; 14, 17‑19; Micha 5, 7; 8.

[10] Off. 20, 15; Matth. 25, 41.

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