Kommt ein islamisches Weltreich?

image_pdfimage_print

Abd-Al-Masih

KOMMT EIN ISLAMISCHES WELTREICH?

– Hintergründe der Entwicklungen in der Welt des Islam und in Israel –

I. Entstehung und Zerfall der islamischen Großreiche seit der
    Reformation 


1. Aufstieg und Zerfall der osmanischen Großmacht im Mittelmeerraum

2. Entstehung und Zerfall des Reiches der Großmogulen in Indien

3. Entstehung und Zerfall der islamischen Sultanate in Indonesien

4. Aufstieg und Zerfall der islamischen Sultanate in Schwarzafrika

5. Brachte der Zweite Weltkrieg die entscheidende Wende für den Islam?

II. Die Hintergründe der Entwicklungen im Nahen Osten seit 1948

1. Die Entstehung des Staates Israel

2. Der Sozialismus in Israel und in den islamischen Ländern

3. Die religiösen Erneuerungsbewegungen bei den Moslems und den Juden


4. Der Zusammenbruch des Ostblocks und seine Folgen für Israel und die
    islamischen Staaten
5. Die Bevölkerungsexplosion der islamischen Völker
6. Kann eine Vereinigung der Religionen den Weltfrieden bringen?

7. Kommt ein islamisches Weltreich in der nahen Zukunft?

I. Entstehung und Zerfall der islamischen Großreiche seit der Reformation

Einleitung
Berichte über die Ereignisse im Nahen Osten und in der Welt des Islam sind ein fester Bestandteil in der Presse und im Fernsehen geworden. Mit dem Jom-Kippur-Krieg im Jahre 1973 trat die Renaissance des Islam in das Bewußtsein der Völker. Die Folgen sind in allen Erdteilen sichtbar geworden. Diktatoren mit Charisma reißen immer wieder die Massen der Moslems mit sich und wecken in ihnen die Hoffnung auf ein islamisches Großreich, das die ruhmvollen Tage vergangener Zeiten wiederbringen soll. Wer die Träume und Motive der Moslems von heute verstehen will, muß sich in die eindrucksvolle Geschichte ihrer Großreiche und Sultanate in Asien und Afrika vertiefen. In der Vergegenwärtigung ihrer Vergangenheit können die Besitzansprüche und Entwicklungen in der Welt des Islam und in Israel besser verstanden werden.

1. Aufstieg und Zerfall der Osmanischen Großmacht im Mittelmeerraum

Die Kreuzfahrer wurden um 1300 in Akku endgültig besiegt und nach 200jähriger Herrschaft aus dem Nahen Osten vertrieben. Dschingis Chan (ein Mongolenfürst, gest. 1227) und seine Nachkommen hatten von 1220 bis 1260 ganz Zentralasien und Europa, von Xian, der damaligen Hauptstadt Chinas, bis zur Oder bei Liegnitz (1242) erobert und dem arabischen Kalifat in Bagdad 1258 ein Ende gesetzt. Die Eroberer akzeptierten nach kurzer Zeit den Islam mit seinem Recht auf Heilige Kriege zusammen mit Sitten des mongolischen Schamanismus als ihre eigene Religion. Die Osmanen, ein Zweig dieser asiatischen Völkerbewegung, die schon früher den Islam angenommen hatten, besetzten zu jener Zeit Kleinasien, überschritten 1354 die Dardanellen und brachten Teile Griechenlands und Bulgariens unter
ihre Herrschaft.

Der Einfall Tintur Lenks (ein Enkel Dschingis Chans) und sein Sieg über die verwandten Osmanen bei Ankara (1402) stoppte für kurze Zeit deren Vormarsch auf dem Balkan. Timur Lenk, ein Moslem richtete nochmals  mit  rücksichtsloser Grausamkeit ein zentralasiatisches Großreich auf, das Samarkand, Bagdad, Damaskus und Delhi umfaßte.

1453 fiel Konstantinopel in die Hände der Osmanen, jenes Bollwerk, das die Christenheit Europas 1000 Jahre lang gegen die Anläufe des Islam und der Völker Asiens geschützt hatte.
Seit diesem bedeutenden Sieg drangen die Türken auf dem Balkan unaufhaltsam vorwärts. 1512 fiel Belgrad, 1529 standen sie das erste Mal vor Wien, 1664 bereits am Gotthard und 1683 das zweite Mal vor Wien. Die Türkengefahr hat viele europäische Herrscher so stark beschäftigt, daß sie die Reformation Luthers vorübergehend duldeten.

Im gleichen Zeitraum waren die Osmanen über Damaskus (1516) nach Mekka (1517), Kairo und Tunis (1531) vorgestoßen. Bagdad und der ganze Irak fielen 1534 in ihre Hände. Der Kaukasus und das westliche Persien folgten 1630. Damit hatten die Osmanen den Höhepunkt ihrer Macht erreicht und die Ursprungsländer des Islam, den Balkan, die Krim und den Kaukasus unter ihre Kontrolle gebracht.

In der Zwischenzeit waren die Völker Europas unter der Führung Habsburgs aufgewacht und hatten gemeinsam die Türken bei Wien besiegt. Der Kampf um Belgrad sollte (trotz des Sieges von Prinz Eugen 1717) beinahe 200 Jahre lang (1688-1867) dauern. Serbien wurde erst 1882 nach 370 jähriger türkischer Besatzung vom Islam befreit, Bosnien 1908, Albanien 1912 und Mazedonien 1913. Der Haß gegen die früheren Unterdrücker wird heute in
Bosnien-Herzegowina erneut sichtbar.

In der gleichen Zeit, in der Österreich-Ungarn immer mehr erstarkte, begannen die Zaren die Krim (1783) zu erobern. Von 1805 bis 1878 dauerten die Kaukasus-Kriege an. 1829 eroberte Rußland Armenien und das Donau-Delta. 1853 entbrannte nochmals der Krieg auf der Krim zwischen Russen und Türken, an deren Seite Engländer und Franzosen kämpften. Er dauerte bis 1856. General Kaufmann eroberte für den Zaren 1865 Taschkent, Buchara und Samarkand. Ein großer Teil der zentralasiatischen Reiche Dschingis Chans und Timur Lenks war damit in die Hände der Zaren gefallen und kam später unter die Herrschaft der UdSSR.

Unterdessen waren, neben Habsburg und Rußland, auch die westlichen Kolonialmächte auf der politischen Bühne des nahen Ostens erschienen. Die Französische Revolution hatte 1789 ein neues Zeitalter eingeleitet. Napoleon kämpfte von 1798 bis 1801 in Ägypten und im Nahen Osten. Mit 32000  Mann erschütterte er die nahöstliche und die islamische Welt durch seinen Sieg über das osmanische Heer bei den Pyramiden von Gizeh (21.7.1798).

Algerien wurde 1830 französisch. 1869 folgte die Einweihung des Suez-Kanals, den die Franzosen erbaut hatten. Tunesien wurde 1881 an Frankreich angegliedert. Die Engländer trotzten 1882 den Franzosen Ägypten wieder ab, um in den Besitz des Suez-Kanals zu gelangen, der für sie den Seeweg nach Indien um die Hälfte verkürzte. Aden war schon 1839 von den Engländern annektiert worden. 1899 warf Kuwait das osmanische Joch ab und stellte sich unter die britische Oberhoheit.

Die rasante Industrialisierung Westeuropas und der USA brachte 1875 die Entwicklung des Benzin-Autos und 1903 den ersten Motorflug. Das erste Erdöl wurde 1908 in Persien entdeckt. Die Katastrophe des Ersten Weltkrieges besiegelte 1917 endgültig den Untergang des Osmanischen Reiches. Im April 1920 wurden in San Remo Syrien und der Libanon Frankreich, der Irak und Palästina England unterstellt. Der Vertrag von Sèvres (10.8.1920) legalisierte die Zerstückelung des Osmanischen Reiches, das 400 lange Jahre den östlichen Mittelmeerraum, die Arabische Halbinsel, den Balkan und den Süden Rußlands beherrscht hatte.

Was war die Folge des Zusammenbruchs der 400 Jahre alten Großmacht am Bosporus? Es entstanden zwei Dutzend kleine Kolonien und Protektorate, die fast alle von England, Frankreich oder Rußland beherrscht wurden. Die Kolonialherren sollten sich jedoch nicht lange über ihre Beute freuen. Die arabischen Völker hatten fünfzehn Generationen lang unter dem Joch der Türken geseufzt und verlangten nun energisch ihre Freiheit. Aufstände, Terrorakte und Bürgerkriege flammten seit 1920 überall in der arabischen Welt auf. Die Türkei hatte sich in den Jahren von 1920 bis 1923 freigekämpft; Ägypten wurde 1922 und der Irak 1932 teilweise unabhängig. Saudi-Arabien proklamierte im gleichen Jahr sein Königreich.

Schon 1927 war im Irak Öl gefunden worden. 1934 wurde die Anglo-amerikanische Gesellschaft in Saudi-Arabien fündig und 1938 in Kuwait. Ein neues Zeitalter dämmerte herauf: Die Macht der Ölländer und ihr Einfluß begannen sich auszuwirken.

Der Zweite Weltkrieg ermöglichte es den meisten arabischen Staaten, die volle Unabhängigkeit zu erlangen. Syrien und der Libanon nützten die Schwäche Frankreichs bereits 1941 aus. Die letzten französischen Soldaten verließen jedoch erst 1946 diese beiden Länder. Jordanien folgte im gleichen Jahr, Libyen 1951, Tunesien und der Sudan 1956, Marokko 1957, Kuwait 1961 und 1962 zuletzt – nach blutigen Kämpfen – Algerien.

Damit waren nach dem Zerfall des großen Osmanischen Reiches und nach einer unrühmlichen Zwischenperiode unter der Herrschaft der Kolonialmächte am Mittelmeer und auf dem Balkan zahlreiche kleine Nationalstaaten entstanden. In ihnen lebten jedoch keine eigenständigen Völker. Die willkürlich gezogenen Grenzen wurden von den Kolonialmächten übernommen. In den 23 arabischen Staaten und in der Türkei lebten 1948 etwa 150 Millionen Moslems. 1993, nach 45 Jahren, ist ihre Zahl auf 250 Millionen angewachsen. Damit hat das Osmanische Reich etwa ein Viertel aller Moslems dem Islam erhalten.

2. Entstehung und Zerfall des Reiches der Großmogulen in Indien

Die Araber waren in ihrem ersten Eroberungssturm durch ganz Persien hindurch bis ins Indus-Tal vorgestoßen, hatten 711 Sind erobert und dort einen islamischen Staat gegründet. Ab 1045 war Lahore Regierungssitz der moslemischen Ghassaniden. Von 1197 bis 1206 unterwarfen die Ghoriden Nordindien und Bengalen dem Islam. Nach dem Zerfall ihrer Herrschaft errichteten die Turkmenen in Delhi (1206) ein eigenes Sultanat. Die Ruinen einer Koranschule mit ihrem eigenwilligen Minarett sind bis heute noch Zeugen ihres Vordringens nach Indien. Zwischen den Feldzügen Dschingis Chans (1221 in Delhi) und Timur Lenks (1389 in Delhi) wurde der Norden Indiens immer wieder von Persern, Afghanen, Türken und äthiopischen Sklavenheeren verheert und ausgebeutet.

Barbur, ein Enkel Timur Lenks, versuchte von 1494 an ein eigenes Reich in Kabul und Samarkand aufzurichten, mußte aber dem Widerstand der Usbeken weichen und errichtete schließlich 1526 in Delhi ein eigenes Sultanat. Von 1556 bis 1605 herrschte sein Sohn, Akbar der Große, über den größten Teil der heutigen Gebiete von Pakistan, Indien und Bangladesch. Eine Inschrift an seinem roten Schloß in Delhi verkündet: ,,Wenn je irgendwo auf Erden das Paradies gegenwärtig war, dann hier, hier gewiß!“

Seine Nachfolger konnten sich 150 Jahre lang behaupten, erkannten jedoch 1683 den Kalifen von Istanbul als das geistliche und politische Oberhaupt des Islam an.
Unter Aurangzeb (1658-1707) erreichte das Reich der Mogulen seine größte Ausdehnung, und zwar bis weit in den Süden Indiens hinein. Seine Macht begann jedoch nach dem Tod Aurangzebs langsam zu zerfallen.

Die Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama (1497/98) hatte für die seefahrenden europäischen Mächte (Portugal, Spanien, Holland, England und Frankreich) neue Horizonte eröffnet und eine neue Situation geschaffen. Sie errichteten in großer Eile Stützpunkte an der indischen Küste.

Die Erbstreitigkeiten zwischen den Mogul-Herrschern, Persern, Afghanen und Hindus wurden besonders von der britischen Handelskompanie für Ostindien (gegründet 1600) geschickt ausgenützt. Sie gewann immer mehr an Einfluß und konnte überall in Indien Protektorate errichten. Nach ihrem Sieg über die Mogulen in der Schlacht von Plassey (1757) konnte sich die englische Kolonialmacht in Indien umfassend festsetzen.

Die East-India-Company regierte von Bombay (1661), Kalkutta (1690) und Madras (1693) aus über ganz Indien, von einigen halbselbständigen hinduistischen Fürstentümern und kleinen europäischen Kolonien abgesehen. 1857/58 folgte, nach einer Meuterei der Hindu- und Moslemtruppen der East-India-Company, die direkte Herrschaft der Krone Englands über den gesamten Raum des heutigen Pakistans, Indiens und Bangladeschs. 1877 ließ sich Königin Viktoria zur Kaiserin von Indien ausrufen. In ihrem Reich lebten mehr Moslems und Hindus als Christen.
Die Kämpfe um die Unabhängigkeit Indiens von den Engländern waren seit 1757 immer wieder aufgeflammt. Großbritannien aber unterdrückte mit harter Hand jeden Widerstand.
Der Religionsphilosoph Jamal al-Din al-Afghani (1839-1897) propagierte den Pan-Islam unter osmanischer Herrschaft, um die Herrschaft der Kolonialmächte über die islamischen Länder zu brechen. Er wird als der geistige Vater der heutigen Renaissance des Islam angesehen.

Mohammed Ali /i/iwa/r verband 1913 die Moslem-Bewegung im großindischen Raum mit dem indischen Nationalkongreß, um gemeinsam mit den Hindus die Briten zu besiegen. Von 1919 bis 1923 arbeitete er eng mit Ghandi zusammen, der mit seinem gewaltlosen Widerstand, mit Fasten und langen Fußmärschen durch Indien die Autorität der Briten immer mehr aushöhlte.
Jinnah arbeitete jedoch seit 1940 bewußt auf einen eigenen Moslem-Staat hin, der Pakistan, „Land der Reinen“, heißen und den Punjab, Kaschmir, das Indus-Tal und Gesamt-Bengalen umfassen sollte.

Der Zweite Weltkrieg zwang Großbritannien Indien 1947 die Unabhängigkeit zu gewähren. Dabei kam es zu einer tragischen Völkerwanderung. Millionen Moslems flohen aus Indien nach Pakistan und eine ähnliche Anzahl Hindus aus Pakistan nach Indien. Unzählige Tote auf beiden Seiten waren die Folge dieser Massenflucht. Ghandi wurde von einem fanatischen Hindu ermordet, weil er der Teilung Groß-Indiens zugestimmt hatte.

1949 kam es zur ersten Teilung Kaschmirs. 1965 entbrannte der Krieg um Kaschmir zwischen Indien und Pakistan nochmals und brachte die zweite Teilung mit sich. Seit Januar 1991 verwüstet erneut ein Terroristen-Krieg dieses  Hochtal am  Himalaya, um seinen Anschluß an das islamische Pakistan zu erzwingen.

1970/71 brach zwischen Bangladesch und Pakistan ein Bruderkrieg aus, weil die Bengalen sich von den Pakistanis vernachlässigt fühlten. Indien unterstützte die Bengalen, um die drohende Umklammerung zu sprengen. So wurde
Bangladesch, das Armenhaus der Welt, 1971 unabhängig.

Das glanzvolle Reich der moslemischen Mogulen war 1757 nach 225 jähriger Herrschaft von den Briten als Kronkolonie annektiert worden. Der indische Subkontinent aber erreichte erst nach 190 Jahren Kolonialherrschaft seine Unabhängigkeit. Heute (1993) leben in Pakistan, Indien und Bangladesch jeweils etwa 110-120 Millionen Moslems. Die Mogulherrschaft hat damit beinahe ein Drittel aller Moslems (350 Millionen) dem Islam erhalten.


3. Entstehung und Zerfall der islamischen Sultanate in Indonesien

Der Monsun hatte um die Jahrtausendwende oder schon früher arabische Händler, Sufis und Rechtsgelehrte nach Südindien (Kerala) getrieben und sie bis zum Westende der 13 000 Inseln vordringen lassen, die heute Indonesien bilden.

Als die Portugiesen 1498 den Seeweg nach Indien entdeckten, drangen sie bis zu der Inselgruppe der Molukken und nach Timor vor. Sie gründeten in Malakka, an der Schiffahrtsstraße nach Singapur, und in Acheh, am Nord-Westende Sumatras, Handelsniederlassungen in der Nähe arabischer Zentren. Die Portugiesen konnten sich jedoch nicht lange behaupten. Das Eindringen der Europäer in den Handelsbereich der Araber hatte zur Folge, daß sich (zur Zeit der Reformation Luthers) ein islamischer Staat von Acheh aus in Westsumatra bildete (1524-1637). Dort residierte ständig ein Botschafter Mekkas, der die neuesten Entwicklungen der islamischen Gesetze, der Theologie und der Wissenschaft vermittelte. Acheh erreichte seinen kulturellen, wirtschaftlichen und militärischen Höhepunkt unter Sultan Iskandar Muda (1607-1636)

Größere Gebiete in Malaysia und in Nordsumatra, die an der Schiffahrtsstraße nach Singapur liegen, wurden vom Sultanat Malakka aus beherrscht. Palembang war schon 1440 vom Islam erreicht worden. Bis 1624 hat der Islam von Acheh und Malakka aus beinahe ganz Sumatra durchdrungen und dominierte mit seinem arabischen Einfluß über die vorhandenen animistischen und hinduistischen Kulturen.

Das volkreiche Java wurde von Demak (1518-1550) und Pajang aus (1568-1586) mit Hilfe von islamischen Mystikern (Walisongo) missioniert. Banten (Bantam) wurde 1526 von Demak aus erobert, formte aber bald sein eigenes Herrschaftsgebiet unter Sultan Fatahillah und kontrollierte die strategisch wichtige Sunda-Straße.

Sultan Agun (1613-1646) beherrschte von Matarant aus beinahe ganz Java (außer dem Westzipfel um Banten). Der mystische Einfluß des Hinduismus prägte den Islam in Java mit einer ungesetzlichen, toleranten Auffassung bis heute. Auf Sulawesi (Celebes) wurde von Makassar aus seit 1605 der Islam verbreitet und erlebte seinen Höhepunkt unter dem Fürsten Hassan al-Din, dessen Einfluß von Kalimantan (Borneo) bis Neu-Guinea und von Lombok bis zu den Süd-Philippinen reichte.

Schon seit 1521 gab es in Nord-Kalimantan (Nord-Borneo) islamische Sultane, die ihren Regierungssitz in Brunei, dem heutigen Ölförderzentrum, hatten. Der von den Portugiesen 1498 entdeckte Seeweg nach Indien und Indonesien hatte zunächst die Übernahme des Gewürzhandels zum Ziel, der bis dahin von den Arabern beherrscht worden war. Diese hatten ihre Güter mit kleinen Segelschiffen nach Oman oder Ägypten zurückgebracht, von wo aus sie auf Kamelrücken zum Mittelmeer transportiert wurden.

Im Zuge der protestantischen Reformation in Europa bekämpften die Holländer die katholischen Portugiesen und Spanier auch in Indonesien. Erst nach einem 80 Jahre dauernden Religionskrieg gegen die Spanier (1567-1648) wurde den Holländern 1648 im Westfälischen Frieden die Unabhängigkeit zugesprochen. Im Rahmen dieser langen Kämpfe hatten sie eine starke Flotte geschaffen, mit der sie in der Lage waren, fernöstliche Gebiete zu erobern und die Gewürze Indonesiens samt anderen Gütern nach Amsterdam zu bringen.

Die Holländer besetzten 1596 Banten, eröffneten eine Niederlassung in Ambon 1599, fassten 1616 in Palembang Fuß und gründeten 1619 den Stadtstaat Batavia auf Java, aus dem sich das heutige Djakarta 20  entwickelte. Malakka wurde 1641 von ihnen eingenommen, Acheh 1649, Makassar und Sulawesi (Celebes) 1648-1667 und Timor 1653.

Die pragmatisch denkenden Briten brachten jedoch wenig später die strategisch wichtige Schiffahrtsstraße nach Singapur unter ihre eigene Herrschaft. Malakka fiel 1795 in ihre Hände. Singapur wurde 1819 gegründet. Sie akzeptierten daß die dahinterliegenden Inseln von ihren Verbündeten, den Holländern, beherrscht wurden. Über 300 Jahre lang unterstand Niederländisch Indien, ein Gebiet so groß wie Europa, der Herrschaft Hollands.

Seit 1920 formierte sich auf vielen Inseln eine kommunistische Partei. Die Holländer schlugen den ersten kommunistischen Aufstand 1926 mit Waffengewalt nieder. Während des Zweiten Weltkriegs (1942) besetzten die Japaner die wichtigsten Inseln Niederländischindiens, mußten aber 1945 kapitulieren und alle besetzten Gebiete wieder herausgeben.

Präsident Ahmad Sukarno rief am 17. August 1945 die Unabhängigkeit Indonesiens aus. Erbitterte Freiheitskämpfe gegen die Holländer folgten bis 1949. Mit der Unabhängigkeit Indonesiens war der größte islamische Staat der Erde entstanden, in dem bei 200 Millionen Einwohnern etwa 175 Millionen Moslems leben, die 15 Prozent des Islam darstellen.

Sukarno sympathisierte eine Zeitlang unter dem Einfluß des nahen Rot-Chinas mit dem Sozialismus. 1949 wagten es die Kommunisten ein Kommunistisches Indonesien auszurufen. Diese Proklamation wurde jedoch von der Regierung sofort dementiert und die kommunistische Partei unterdrückt. Am 1. Oktober 1965 kam es erneut zu einem kommunistischen Putschversuch. General Suharto konnte den detailliert vorbereiteten Aufstand blutig niederschlagen und wurde im März 1966 Ministerpräsident und 1968 Staatspräsident Indonesiens.

Die moslemischen Sultanate Indonesiens sind unter der 300jährigen Herrschaft der Niederlande politisch weitgehend entmachtet worden. Erst der gescheiterte Kommunisten-Aufstand von 1965 ließ der blutigen Rache der Moslems an den von Fremden beeinflussten Atheisten freien Lauf.

Nach diesem Aufstand wurde die Pancasila, eine anti-atheistische Weltanschauung, als Grundgesetz für Indonesien verfaßt, eingeführt. Sie verlangt, neben der Gleichberechtigung aller gottgläubigen Religionen, die Zugehörigkeit eines jeden Indonesiers zu einer der fünf Hauptreligionen, die auf den 13 000 Inseln praktiziert werden. Die Pancasila stellt die Zusammenfassung der indonesischen Geschichte mit ihren multikulturellen Strömungen dar. Sie wird jedoch von Saudi-Arabien, Brunei und Malaysia strikt abgelehnt. Mit finanziellen Hilfen, strategischer Planung und Ausbildung indonesischer Schariajuristen wird die Renaissance des Islam auch in Indonesien vorwärts getrieben. Der Ruf nach der Einführung der Scharia wird lauter. Die Mehrzahl der mystisch gesinnten Moslems aber lehnen einen legalistischen Islam bis heute noch ab.

4. Aufstieg und Zerfall der islamischen Sultanate in Schwarzafrika

Der Islam war zur Zeit der Reformation Dr. Martin Luthers schon weit über die Sahara hinaus in die Sahelzone vorgestoßen. Auch hatten die seefahrenden Moslems von Oman aus an der Ostküste Afrikas zahlreiche Handelszentren geschaffen. Bis dahin waren allerdings in Schwarzafrika keine bemerkenswerten islamischen Machtzentren entstanden. Dies hatte mit der Ablehnung und Verurteilung der Animisten im Koran zu tun, die getötet oder versklavt werden sollten, falls sie den Islam nicht annahmen. Damit zeigte sich der Islam bei der Mehrheit der Schwarzen als unduldsame und unerwünschte Religion. Die Sklavenjagden der Moslems sind bis heute noch bei vielen Afrikanern unvergessen.

Elfenbein, Gold, Weihrauch, Bücher, Waffen und Sklaven waren jedoch begehrte Handelswaren, die den Moslems trotz Ablehnung und Haß die Tür nach Schwarzafrika öffneten.
Das änderte sich aber mit dem Erstarken der Portugiesen und der Entdeckung des Seeweges nach Indien und Indonesien. Die portugiesischen Seefahrer gründeten  Handelsniederlassungen  und bauten Festungen an der Ostküste Afrikas, um ihren Seeweg nach Indien und Indonesien zu sichern. Sie erreichten 1502 Mosambik und besetzten im gleichen Jahr die wichtige Insel Sansibar. 1505 landeten sie in Mombasa und 1506 in Lamu. Damit hatten sie die wichtigsten strategischen Städte Ost-Afrikas in ihre Hand bekommen.

Das vom Islam wegen seiner karitativen Hilfe für moslemische Asylanten tolerierte christliche Königreich Abessinien bekam durch die Präsenz der Portugiesen Aufwind und verlangte von den Moslems in Nordsomalia Tribut. Das führte zum Heiligen Krieg mit Ahmed Grans von Harar aus (1506-1543). Er versuchte, das Joch der Christen abzuschütteln. Sein Reich Adal wurde jedoch von den Portugiesen, von ihrer Festung Gondar aus, überwunden.

Die Sultane von Oman, die an der äußersten Ostspitze der Arabischen Halbinsel residierten, sahen ihren Handel, durch das Auftauchen der Portugiesen bedroht, die ihnen ihre Niederlassungen an der Ostküste Afrikas streitig machten. Im Laufe der Zeit eroberten die Omanis die strategisch wichtige Insel Sansibar zurück. Sie gründeten dort ein islamisches Sultanat, das 1856 selbständig wurde und als ein ganz Ostafrika prägendes Machtzentrum des Islam bis zur Vereinigung von Tanganjika und Sansibar in Tansania (1946) bestand.

Im heutigen Sudan, nördlich von Khartum, existierte das christliche Königreich der Nubier, seit dessen Königin Kandake ihren Kämmerer nach Jerusalem geschickt hatte. Die dortigen Christen wurden von den Fundsch überrannt, die Animisten waren und später Moslems wurden. Ihr Reich am Zusammenfluss des Blauen und Weißen Nils bestand vom 16. bis ins 18. Jahrhundert, ging aber später in den Besitz des moslemischen Sultanats Darfur-Kordofan über.

Im gleichen Gebiet verkündigte Mohammed Ahmed am 29. Juni 1881, daß er der von vielen Moslems erwartete Mahdi sei und ihnen den ,,Gottesstaat der Gerechtigkeit“ bringen würde. Sein Mahdi-Aufstand führte 1885 zur gewaltsamen Besetzung Khartums. Sein theokratischer Staat, in dem die Scharia streng durchgeführt wurde, umfaßte den größten Teil des heutigen Sudan. Das rigorose Vorgehen des Mahdi, auch gegen die Ausländer, führte zu einem Feldzug britischer Truppen unter Lord Kitchener, der 1893 das Ende des Mahdi- Reiches herbeiführte. Die Reformgedanken der Sufis aber leben im Sudan bis heute weiter.

Im Herzen Afrikas, in Nigeria, hatten sich die verfeindeten Hausa-Stadtstaaten Katsina, Kano, Zaria und andere dem Islam geöffnet, hielten jedoch gleichzeitig an animistischen Bräuchen fest. König Mohammed Rumfa von Kano (1463-1499) versuchte, dem Aberglauben durch das Fällen eines heiligen Baumes in der Nähe der Moschee ein Ende zu setzen. Seine Mühe war jedoch vergeblich! Die Vermischung von Islam und Aberglauben hielt in Westafrika weiterhin an. Der Durchbruch zum islamischen Staat ging 1680 vom Gebiet des heutigen Senegambia aus. Dort begannen die Heiligen Kriege der Fulanis, die sich 1725 ins Futa-Tschalon-Gebiet (anderssprachige Schreibweise: Futa-Jalon) und 1776 bis Futa Toro ausweiteten. Zum Schluß sprang der Funke ins 1600 km entfernte Gebiet der Hausa über. Dort rief Osman dan Fodio (anderssprachige Schreibung: ‚Uthman Dan Fodio) 1804 zum Heiligen Krieg auf, der, von Hausas und Fulanis gemeinsam getragen, zur Bildung des Sultanats von Sokoto führte. Bis zum Jahre 1850 hatten seine Krieger Adamawa, Illorin und Gombe in ihr islamisches Reich eingegliedert. Das Kalifat von Sokoto sollte über das Jahr 1938 hinweg Bestand haben und seinen Einfluß bis heute in die umgebenden Länder aufrechterhalten.

Der Heilige Krieg der Moslems in Westafrika (1775-1844) pflanzte sich bis zum nördlichsten Punkt des Niger-Flusses fort und erreichte schließlich die Gelehrtenstadt Timbuktu mit ihren 150 Koranschulen. Schon 1493 bis 1591 hatte das bedeutende Songhai-Reich versucht, in diesem Teil des West-Sudan das Nebeneinander von Animismus und Islam zu überwinden. Doch auch die Heiligen Kriege konnten den Eingott-Glauben der Moslems nicht vom Einfluß der Zauberei und Magie reinigen.

Alle diese islamischen Sultanate in Schwarzafrika waren jedoch nicht in der Lage, der liberalen Aufklärung und der modernen Waffentechnik der europäischen Kolonialmächte zu widerstehen. Außer Liberia und Äthiopien wurden bereits 1890 die meisten und bis 1914 alle islamischen Staaten von europäischen Mächten beherrscht.

Die Kolonialmächte Europas vermochten jedoch die Moslems in Schwarzafrika nicht lange zu beherrschen. Durch die beiden Weltkriege unglaubwürdig geworden, sahen sich die europäischen Mächte gezwungen, den nach Unabhängigkeit strebenden islamischen Völkern Schwarzafrikas in den Jahren 1960/61 die Freiheit zu gewähren. Die Bevormundung und Unterdrückung durch die Europäer hatte bei den meisten dieser Völker weniger als 100 Jahre gedauert. Doch das Trauma von der Vorherrschaft der Weißen sitzt tief im Unterbewußtsein der Araber und der Schwarzen. Deshalb kommt die Renaissance des Islam einem Akt der Selbstfindung dieser islamischen Völker gleich. Insgesamt leben in den Ländern südlich der Sahara und in Ostafrika 120 Millionen Moslem, die ein Zehntel des Islam darstellen.

5. Brachte der Zweite Weltkrieg die entscheidende Wende für den Islam?

Die Geschichte der islamischen Staaten von der Reformation bis in die heutige Zeit weist mehrere epochale Entwicklungen auf:

a. Die zentralasiatischen Reiche Dschingis Khans und Timur Lenks zerbrachen die Reste der arabischen Vorherrschaft und beendeten das Kalifat in Bagdad. Die Eroberer akzeptierten schnell die höherstehende Kultur und Religion der Moslems. Die anstürmenden Mongolenheere drängten die Osmanen in Richtung Balkan und bereiteten den Siegeszug der Türken durch die arabischen Länder vor. Das glanzvolle Reich der islamischen Mogulen in Pakistan, Indien und Bangladesch war ein anderer Zweig dieser Mongolenstürme. Die beiden islamischen Großmächte der Osmanen und Mogulen prägten mit ihrer Macht und ihrem Glanz die Geschichte des Islam von der Reformation bis in die Neuzeit.

b. Die Eröffnung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama brachte den europäischen Völkern eine neue Vision. Ostafrika, Indien und Indonesien lagen seit der Reformation offen vor den seefahrenden Nationen. Eine Welle europäischer Kolonialisierung folgte. Die Portugiesen errichteten Stützpunkte an den Küsten Afrikas und Asiens. Die Großmogulen wurden von den Briten besiegt; die Sultanate Indonesiens von den Holländern unterworfen. Einige der schwarzafrikanischen Herrscherhäuser blieben symbolisch erhalten, weil sie sich den europäischen Besatzungsmächten unterordneten. Der Erste Weltkrieg besiegelte den Untergang des Osmanischen Reiches. Das Ergebnis dieser europäischen Kolonialisierungswelle war die Zerschlagung der islamischen Großmächte in viele kleine Kolonien, die die Siegermächte untereinander aufteilten.

c. Spätestens der Zweite Weltkrieg machte jedoch die Vorherrschaft der Europäer über die islamischen Völker unmöglich, so daß von 1945 bis 1962 alle islamischen Staaten in Afrika und Asien unabhängig wurden. Die von den Kolonialmächten willkürlich gezogenen Grenzen sind von den neuen Nationalstaaten weitgehend übernommen worden. Aus der Zerschlagung und Besetzung der islamischen Großreiche und Sultanate waren damit viele kleine selbständige und oft untereinander verfeindete islamische Nationalstaaten entstanden.

d. Der Traum der islamischen Völker (der von ihren Herrschern selten geteilt wird) ist ein panislamisches oder zumindest panarabisches Großreich. Persönlichkeiten wie Gamal Abd al-Nasser, Khomeini oder Saddam Hussein waren und sind nicht nur bei ihren eigenen Völkern beliebt, sondern wurden von der gesamten islamischen Welt als Hoffnungsträger stürmisch begrüßt. Die islamische Welt wartet auf den Mann mit der starken Hand, der die einheimischen Herrscher mit ihren einander widerstrebenden Interessen und die feindlichen Großmächte eindeutig in die Schranken weist und dem Islam zum Sieg und zu neuer Weltgeltung verhilft. Die Macht des Erdöls soll dabei als Triebkraft in der Renaissance des Islam wirken.

II. Die Hintergründe der Entwicklungen im Nahen Osten seit 1948 und die islamische Renaissance

1. Die Entstehung des Staates Israel

Der Staat Israel ist, politisch gesehen, ein Nebenprodukt der Zerschlagung des Osmanischen Reiches. Bereits 1897 hatte der erste Zionistische Kongreß in Basel Palästina zum alleinigen Ziel der zionistischen Siedlungsbewegung erklärt. Zuvor hatte Theodor Herzl beim Sultan in Istanbul mehrere Male demütig um Siedlungsrechte für die verfolgten Juden Europas in Palästina gebeten, jedoch nie eine Zusage erhalten. Trotzdem begann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine zahlenmäßig schwache Einwanderung der Juden in Palästina. Im Jahr 1917 hatten die Engländer in der Balfour-Erklärung Bankier Rothschild in Paris schriftlich zugesagt, daß die jüdischen Zionisten nach einem Sieg der Engländer im Ersten Weltkrieg eine Heimstätte in Palästina aufbauen könnten. Diese Zusicherung setzte die Zerschlagung des Osmanischen Reiches stillschweigend voraus. Die Heimkehr der Zionisten in das englische Protektorat Palästina konnte jedoch nicht in Ruhe und Frieden erfolgen, denn schon 1923 hatten Terror und Überfälle der Araber auf die jüdischen Siedlungen begonnen. Die Engländer behinderten daraufhin die Einwanderung  der Zionisten  immer  stärker. Das Entsetzen über die Judenverfolgung durch Hitler von 1938 bis 1945 ließ jedoch die Zahl der Einwanderer in Palästina auf 750 000 emporschnellen, so daß eine Wiedergeburt des Alten Bundesvolkes sichtbar wurde.

Als Israel 1948 unabhängig wurde, brach sofort der Gründungskrieg aus, in den alle angrenzenden arabischen Staaten mit ihren Armeen eingriffen. Sie zerbrachen mit ihrer Agrokultur an der Technokultur Israels. Etwa eine Million Palästinenser floh in die arabischen Nachbarländer. Ein Problem, das die Welt bis heute in Atem hält, war damit entstanden. Die Palästinenser wurden von den arabischen Staaten, Jordanien ausgenommen, absichtlich nicht integriert, um als Armee des Hasses bereitzustehen, den Staat Israel zu vernichten.

Weshalb schließen die arabischen Staaten mit Israel keinen Frieden? Die semitischen Völker können nicht ohne weiteres Kompromisse eingehen, weil dies ihr Rechtsverständnis nicht erlaubt. Sie leben noch weitgehend „unter dem Gesetz“ und klammern sich mehr als westliche Völker an ihre Rechte und kämpfen dafür.

Die Araber pochen auf die Menschenrechte, da ihre Vorväter seit 1350 Jahren in Palästina das Land bebaut haben. Auch haben sie in der Zwischenzeit von den Vereinten Nationen völkerrechtliche Zusicherungen erhalten. Das islamische Recht, die Scharia, verbietet ihnen den Abschluß eines Friedensvertrags mit einem nicht-islamischen Feind. Sie könnten im Notfall höchstens einem Waffenstillstand zustimmen. Wer Frieden mit Israel schließt riskiert getötet zu werden.

Die Israelis ihrerseits pochen seit der Gründung ihres Staates auf ihre natürlichen Rechte, ihre historischen Rechte und auf das Völkerrecht, da die meisten Staaten der Vereinten Nationen 1948 das Existenzrecht Israels anerkannt haben. Erst 20 Jahre nach der Staatsgründung begannen einige religiös gesinnte Politiker in Israel das Verheißungsrecht der Bibel zu proklamieren.

Damit kämpfen die Menschenrechte, Paragraphen des Völkerrechts und das islamische Gesetz auf der Seite der Araber gegen das historische Recht, einige Zusicherungen des Völkerrechts und das Verheißungsrecht der Bibel auf der Seite der Juden. Keiner kann nachgeben — um des Gesetzes willen! Er würde sonst die Wurzeln seiner Existenz verraten.

Israel wirkt wie der Pfahl im Fleisch der Araber. Viele Moslems können weder arbeiten noch schlafen, ohne daran zu denken, daß dieser Staat zu Unrecht auf ihrem Territorium gegründet wurde. Sie starren voller Haß auf das kleine Israel, das 1948 etwa 750 000 Juden beherbergte, und versuchten in den letzten 46 Jahren diesen Stein des Anstoßes vergeblich zu zertrümmern. In Wirklichkeit handelt es sich bereits um einen 71jährigen Krieg (1923-1994). Er hat eigenartige Entwicklungen und weitreichende Erschütterungen hervorgebracht, die sich sowohl in Israel als auch in den arabischen Ländern auswirken.


2. Der Sozialismus in Israel und in den islamischen Ländern

Der Staat Israel ist bei seiner Gründung nicht als ,,Gottesstaat“ gegründet worden. Sozialistische Prinzipien prägten seine ersten Jahre entscheidend.

Marx, ein liberaler Jude, und Engels hatten die Ideen der Französischen Revolution (1789) aufgegriffen und im Kommunistischen Manifest (1848) festgelegt. Lenin, ebenfalls ein liberaler Jude, setzte sie in der Oktoberrevolution 1917 in Rußland mit Waffengewalt in die Praxis um. Durch diese Ereignisse wurde der Zionismus in Israel von Anfang an stark sozialistisch beeinflußt und fand in 274 Kibbuzim (Gemeinschaftssiedlungen mit gemeinsamem Besitz) und 390 Moschawim (Genossenschaftssiedlungen mit Eigenvermögen der Einzelnen) seine Ausprägung.

Darüber hinaus wird in der Verteilung des Landbesitzes im Staat Israel der sozialistische Grundgedanke deutlich. 90 Prozent aller Ländereien gehören dem Staat selbst. Nur 3 Prozent des Bodens befinden sich im Besitz einzelner Israelis und 7 Prozent im Besitz von Nicht-Juden.

Die prägende Figur der sozialistischen Periode Israels war David Ben Gurion, der von 1948 bis 1953 und von 1955 bis 1963, also 13 Jahre lang, den werdenden Staat formte. Golda Meir, die ihm (nach Eschkol) von 1969 bis 1974 folgte, verzichtete auf ihr Gehalt als Ministerpräsidentin und ließ es sich in der Höhe des Lohnes eines Busfahrers von Tel Aviv auszahlen. Sie wollte nicht nur vom Sozialismus reden, sondern ihn auch real leben.

Parallel zur sozialistischen Grundprägung des neuen Staates Israel entstand in den arabischen Ländern eine eigene Form des islamischen Sozialismus. Gamal Abd al-Nasser hat von 1956 bis 1970 versucht, seine Version des Sozialismus durchzusetzen. Er ließ die Großgrundbesitzer Ägyptens enteignen, gab ihr Land den Fellachen zur selbständigen Bearbeitung, führte die allgemeine Schulpflicht für alle Schichten der Bevölkerung ein und verstand es, sich als der Held und Führer darzustellen, der die arabische Einheit verwirklichen wolle.

Er verstaatlichte den Suez-Kanal, was 1956 zum Kanal-Krieg und zum Sieg der Israelis, Briten und Franzosen über Ägypten führte. Auf Drohen der UdSSR und unter dem Druck der USA mußten sich die Sieger dieses Kampfes zurückziehen. Gamal Abd al-Nasser aber stellte sich den arabischen Massen als der alleinige Held dar.

Im Jahre 1959 wurde die Fatah, eine Organisation der palästinensischen Widerstandskämpfer, als eine Reaktion auf die Niederlage und den Scheinsieg Ägyptens gegründet. Chruschtschow weihte 1964 eine Baustufe des Assuan-Hochdammes ein, den die UdSSR für Ägypten baute. Im gleichen Jahr wurde die Dachorganisation PLO für alle antiisraelischen Terrorgruppen geschaffen und in die Arabische Liga aufgenommen. 1966 wurden Sayid Kutb und andere Führer der Moslembruderschaft in Ägypten gehängt, weil sie mit Gewalt einen islamischen Staat anstelle des sozialistischen durchsetzen wollten. Nasser hatte verstanden, daß mit dem Rechtsverständnis der moslemischen Fundamentalisten kein Kompromiß zu erzielen war und ihm nur ihre Zerschlagung übrigblieb. Der islamische Sozialismus Nassers fand schnell Eingang in Algerien und in Libyen, im Süd-Jemen, in Syrien und im Irak und hat diese Länder nachhaltig geprägt. Ein gewaltiger Aufbruch schien der arabischen Welt bevorzustehen.

Als jedoch Nasser in seinem Übermut mit großen Worten im Juni 1967 die Meerenge von Tirana sperrte, kam es zum folgenschweren Sechstagekrieg (5.-10. Juni 1967). Die kleine Armee der eineinhalb Millionen Israelis besiegte die Armeen der 150 Millionen Araber in einer Woche! Die gesamte Sinai-Halbinsel, Ost-Jerusalem und die West-Bank wurden von den Israelis besetzt. Hunderttausende von Palästinensern flüchteten von der West-Bank nach Jordanien. Dieser Blitzkrieg Israels bewirkte bei den Arabern einen tiefen Schock. Viele Moslems fragten sich: „Was ist bei uns falsch? Weshalb sind wir so schwach? Ist Allah nicht mehr mit uns?“ Eine große Umbesinnung begann sich anzubahnen.

1969 kam es zum sozialistischen Putsch in Libyen; seither regiert Ghaddafi den Wüstenstaat mit Hilfe jener Millionen, die ihm täglich als Gewinn aus seinen Erdölquellen zufließen.
1970 brach ein Bürgerkrieg in Jordanien aus. Die PLO wollte einen eigenen palästinensischen Staat erzwingen. Das jordanische Militär aber  schlug diesen  Aufstand  brutal  nieder,  und  zwar  am Schwarzen  Freitag, dem 17. September 1970. Wieder einmal flohen 150.000  Palästinenser, diesmal von Jordanien in den liberalen Libanon und legten dort die Grundlage für den späteren Bürgerkrieg.

Der Sozialismus Nassers war weder in der Lage, die arabischen Staaten zu einen, noch vermochte er Israel zu besiegen. Die arabischen Völker standen als unfähige Verlierer da. Das führte zu einer Rückbesinnung auf den Islam. Die Religionsscheichs predigten: „Eure Niederlage ist die Strafe Allahs, weil Nasser die Führer der Moslembruderschaft hängen ließ! Hättet ihr besser geglaubt, mehr gebetet, treuer gefastet und die Scharia eingeführt, hätte euch Allah den Sieg über Israel gegeben!“

3. Die religiösen Erneuerungsbewegungen bei den Moslems und den Juden

Die Sozialisierung der arabischen Staaten führte meistens zu Militärdiktaturen. In Syrien ergriff Hafez al-Assad 1971 die Macht. Kossygin unterstützte den Irak mit modernsten Waffen. 1972 wurde die internationale Irak-Petroleum-Kompanie verstaatlicht. Die UdSSR wollte ihren Einfluß auf die arabischen Ölförderländer ausdehnen, da ihre eigenen Ölquellen versiegten oder nur schwer zu erschließen waren.

In Ägypten jedoch brachte der Tod Nassers (1970) die Wende. Anwar al-Sadat, ein kluger Kaufmann, wurde Regierungschef. Er erkannte die Gefahr der sowjetischen Überfremdung und vertrieb 1972 die russischen Experten aus Ägypten. Die Moslembruderschaft wurde wieder geduldet. Eine religiöse Welle begann zu rollen. Langsam wurde die freie Marktwirtschaft eingeführt.

Assad und Sadat begannen, trotz gegensätzlicher Ansichten, zusammenzuarbeiten und fielen unerwartet über Israel her. Der Jom-Kippur-Krieg dauerte vom 6. bis zum 25. Oktober 1973 und veränderte den Lauf der Geschichte im Nahen Osten und in der ganzen Welt entscheidend.

Der anfänglich überraschende Erfolg der Ägypter und Syrer am Bußtag der Juden gab den Arabern wieder das Selbstbewußtsein zurück, das sie im Sechstagekrieg verloren hatten. Dieses wurde auch nicht wesentlich getrübt, als die Israelis sich von ihrem Schock erholten und über den Suez-Kanal nach Kairo, und über Qunaitra auf Damaskus vorstießen. Wieder waren es die UdSSR und die USA, die Israel zum Waffenstillstand und zum Rückzug zwangen. Die Araber hatten jedoch in diesem Krieg begriffen: Israel ist nicht unverletzlich. Wir können uns auch die Fähigkeiten einer modernen Technokultur aneignen.

Der psychologische Erfolg dieses Krieges war für die Araber wichtig. Das Öl-Embargo und die Erhöhung des Ölpreises am 17. Oktober 1973 kann als sichtbarer Beginn für die Renaissance des Islam betrachtet werden. Zunächst erhöhten die OPEC-Länder den Ölpreis um das Vierfache, später um das Zwölffache; schließlich kletterte der Ölpreis auf das 34fache des Wertes vor dem 17. Oktober 1973.

Die Ölländer wurden reich. Die arabische Politik schwamm auf einer Welle von Öl. Der Kauf von modernen Waffen, der Ausbau der Industrieanlagen, die Unterstützung der islamischen Bestrebungen und eine weltweite Missionsstrategie des Islam waren möglich und realisierbar geworden. Die Präsidenten Europas und Japans gaben sich bei den Ölscheichs die Türklinke in die Hand. Ein Umschwung war erfolgt, der weiter reicht, als gemeinhin beachtet wird.

Die Erstarkung des Islam nahm konkrete Formen an. Zunächst wurden alle Missionsversuche der Christen und Kommunisten in den islamischen Ländern gestoppt. Missionare bekamen keine Visa mehr. Aktive einheimische Gemeinden wurden bedroht und verfolgt, Konvertiten gefangengenommen und gefoltert. Mission war fortan nur noch im Untergrund möglich.

Die Reformation des Islam zeigt sich in zahlreichen religiösen Fernseh- und Radiosendungen, in Koran-Fernbriefkursen, in der Gebetspolizei Saudi-Arabiens, im Bau neuer Moscheen und in der Änderung der Mode mit der Verschleierung der Frauen. Gut gedruckte islamische Bücher und Magazine werden zu einem Spottpreis angeboten.

Die Reformation des Islam zeigt sich besonders darin, daß, wo immer möglich, die Gesetze geändert wurden. Der Islam versteht sich nicht nur als eine Religion, sondern hat den Religionsstaat zum Ziel. Die Scharia braucht eine Exekutive, eine Autorität, die das islamische Gesetz durchsetzt. Deshalb müssen die Moslems immer wieder versuchen, stufenweise oder  auf einmal, legal oder durch Umsturz, die Scharia in ihrem Land einzuführen. Bisher ist in Marokko, im Sudan, in Saudi-Arabien, Katar, im Iran, in Pakistan und in Afghanistan die Scharia weitgehend oder nur teilweise eingeführt worden.

Die meisten sozialistischen Staaten widersetzen sich der Einführung der Scharia mit Gewalt. Syrien kämpfte 1982 mit seiner Armee gegen die Moslembruderschaft, und Algerien hat 1991 die demokratische Machtergreifung der Scharia-Partei durch eine Militärregierung gestoppt. Sie wissen, daß wo die Scharia herrscht, Demokratie nicht mehr möglich ist. Ein blutiger Terror regiert seither in diesem flächenmäßig zweitgrößten Land Afrikas.

Die Weltmission des Islam wird mit allen Mitteln einer weltlichen Theokratie betrieben. Finanzen, Wirtschaft, Medien, Politik und Krieg, sowie Familie und Schule werden in den Dienst des Islam gestellt. Bedeutende Firmen Europas und der USA wurden durch Petro-Dollars unterwandert. (14 Prozent von Daimler-Benz gehören Kuwait, Prozent von Krupp dem Iran und 25 Prozent der Höchst AG einem Konsortium von OPEC-Staaten.)

Teile der Staatsverschuldungen wurden von Ölländern übernommen und die Schuldnerstaaten politisch beeinflußt. Banken wechselten den Besitzer, und fruchtbare Ländereien wurden aufgekauft. Die arabische Sprache wird wieder weltweit unterrichtet und der Koran auswendig gelernt. Islamische Universitäten entstehen in London, Moskau, Peking, Seoul, Khartum und in anderen Zentren der nicht-islamischen Welt. Wer Moslem wird, kann ein Stipendium bekommen.

Mischehen sind für manche Moslems ein Mittel, um den Islam auszubreiten. Über 54 000 Deutsche sind bereits Moslems. Der deutsche Botschafter in Marokko, Hoffmann, tritt öffentlich für den Islam ein. Gastarbeiter, Asylanten und Studenten werden aufgefordert, sich als Speerspitze der islamischen Weltmission zu verstehen. Moscheen und islamische Kulturzentren schießen, wo immer möglich, aus dem Boden.

Die Renaissance des Islam hat eine Weltmission in allen Kontinenten zuwege gebracht, die weiter reicht, als die meisten wissen oder erkennen. Idealistisch gesinnte christliche Theologen, Humanisten und Friedensfreunde in Europa und den USA werden in Dialoge verwickelt, denen sie oft nicht gewachsen sind. Der Islam zeigt immer nur so weit sein wahres Gesicht, wie es seinen Zwecken dienlich ist. Im Heiligen Krieg der Moslems sind List und Betrug erlaubt.

Die  Leitfigur  der Moslems für  diese  religiöse Erneuerung wurde Ayatollah Khomeini. Er regierte im Iran von 1979 bis 1989 und wollte das Reich Allahs mit allen Mitteln auf dieser Erde aufrichten. Sein radikaler Fanatismus hat die islamischen Länder positiv und negativ beeinflußt. Die Türkei, Syrien, der Irak und Indonesien haben seine fanatischen Lehren abgelehnt. In Afghanistan jedoch unterwanderte seine Propaganda die Bevölkerung in zunehmendem Maße, so daß die UdSSR keinen anderen Weg mehr sah, als an Weihnachten 1979 einzumarschieren, um ihren Satellitenstaat nicht zu verlieren. In einem zehnjährigen blutigen Krieg besiegte der alte Greis die Großmacht UdSSR. Niemand kann auf die Dauer gegen einen Feind kämpfen, der seinen eigenen Tod im Heiligen Krieg bejaht.

Als der liberale Saddam Hussein sich gegen die Propaganda Khomeinis verteidigte und den Iran am 23. September 1980 angriff, dachte er, ein leichtes Spiel mit den religiösen Fanatikern in Teheran zu haben. Acht Jahre lang dauerte dieser mörderische Krieg zwischen den zwei islamischen Ländern, der als Teil der Reformation des Islam zu verstehen ist. Saddam hätte ihn verloren, wenn er nicht skrupellos seine Gaswaffe eingesetzt hätte. Khomeini mußte wegen der ABC-Waffen des Irak einem Waffenstillstand zustimmen.

In den Bürgerkrieg im Libanon, der von 1975 bis 1990 dauerte, griff der Alte von Ghom ebenfalls ein, indem er 1983 die Selbstmordkommandos der Hisbollah gegen die Kasernen der USA und Frankreichs hetzte. Die USA gingen in die Knie, verließen eiligst den Libanon und übergaben am 29. Februar 1984 diesen Brückenkopf der Christenheit in der islamischen Welt der atheistischen Ordnungsmacht Syrien.

In Israel begann, am 8. Dezember 1987, die von Khomeini inspirierte Hamasbewegung den Intifada-Aufstand. Das führte im Gegenzug, am 15. November 1988, die PLO in Algerien zur Proklamation des Palästinenser-Staates, der von 61 Staaten anerkannt wurde, obwohl er damals noch keine Grenzen und keine Regierung besaß.

Khomeini hat das Erscheinungsbild des Islam grundlegend verändert. Er führte den Heiligen Krieg als legales Mittel der islamischen Weltmission wieder ein und unterstützte jede Art von Terrorismus, der dem Islam dient. Der Westen und der Osten mußten erkennen, daß der Islam nicht nur eine aufs Jenseits ausgerichtete Religion ist, sondern auch eine politische Kraft darstellt, die den Gottesstaat auf Erden mit allen Mitteln durchsetzen will.

Eigenartigerweise entstand auch in Israel, nach dem Sechstage- und dem Jom Kippur Krieg, eine religiöse Bewegung. Ihre Leitfigur wurde 1977 Präsident Menachem Begin, einer der Terroristenführer aus dem Gründungskrieg Israels. Die zahlreichen orientalischen und einige westlich gesinnte Juden in Israel wollten nicht viel von einem sozialistischen Zionismus wissen; sie verlangten die Anwendung der Verheißungsworte in der Bibel. Auf ihr Drängen wurden etwa 170 Wehrsiedlungen in der West-Bank und im Gazastreifen errichtet und kampfbereite Juden als Siedler in Gebieten mit arabischen Mehrheiten angesiedelt. 17 dieser 170 Siedlungen sind in der Zwischenzeit zu beachtlichen Städten herangewachsen. Die gesteuerte Landnahme der religiösen Fundamentalisten in Israel hat den Idealismus der sozialistisch gesinnten Kibbuzniks abgelöst. Sie kämpfen ähnlich den islamischen Fundamentalisten für einen diesseitigen Gottesstaat.

Es war ausgerechnet Menachem Begin, der Mann des jüdischen Fundamentalismus, der die Initiative von Präsident Sadat aufgriff und ihn 1977 nach Jerusalem einlud. Unter dem Drängen Präsident Carters unterschrieben beide, am 26. März 1979, einen Teilfriedensvertrag zwischen Ägypten und Israel in Camp David. Sadat mußte 1981 nach islamischem Recht diesen Teilfriedensvertrag mit seinem Leben bezahlen.  Wenig  später  wurde  der  Sinai  (1982) kampflos Ägypten überlassen. Dieses Gebiet wird von den Juden nicht als Teil des verheißenen Landes betrachtet. Ganz anders ist es jedoch mit der West-Bank, die heute von den Israelis Judäa und Samaria genannt wird. Begin sagte, solange er regiere, werde keine Handbreit dieses Bodens den Arabern zurückgegeben. Begin stimmte auch seinen Generälen zu, den Atomreaktor im Irak durch einen Luftangriff zu zerstören (1981). Er war von Frankreich gebaut worden.

Unter der Verantwortung Begins begann, am 6. Juni 1982, der Einmarsch der Israelis in den Libanon, der zur Zerschlagung der PLO in Beirut führte, aber auch das Massaker in Schatila mit sich brachte, das Begin zur Resignation trieb.

Shamir, der Nachfolger Begins, war ebenfalls ein fundamentalistischer Jude und regierte bis 1992. Er beharrte auf dem Siedlungsrecht Israels in der West-Bank und im Gazastreifen und nahm die Verstimmung mit den USA in Kauf, die um des arabischen Öls willen Israel ständig drängten, das besetzte Land wieder herauszurücken. Der Kampf zwischen Präsident Bush und seinem Außenminister Baker einerseits, und den fundamentalistisch gesinnten Juden in Israel und den USA andererseits endete mit der Abwahl Bushs und dem Sieg Clintons, der Israel mehr Toleranz und Unterstützung versprach. Presse und Fernsehen werden in den USA zum großen Teil von einer jüdischen Lobby kontrolliert. Ob die Regierung Clinton ihre Wahlversprechen einlösen kann, wird sich in der Auseinandersetzung mit den arabischen Ölscheichs zeigen. Mehr als 60 Prozent der bekannten Ölreserven unserer Erde liegen in ihren Händen.

4. Der Rüstungswettlauf im Nahen Osten und das blinde Vertrauen auf ABC-
     Waffen

Im Lauf der letzten Jahre hat eine Ernüchterung bei Sozialisten und Fundamentalisten im Nahen Osten eingesetzt. Sie kamen zu der Erkenntnis, daß weder der Sozialismus noch der religiöse Fundamentalismus den Sieg allein herbeizwingen könne, sondern daß die besten und modernsten Waffen eingekauft oder hergestellt werden müßten — koste es, was es wolle.

Schon im April 1968 hatte Frankreich dem Irak 18 Mirage-Flugzeuge verkauft. Die UdSSR lieferte 1972 große Mengen Waffen an den Irak und verkaufte 1975 Waffen im Wert von 2,2 Mrd. Dollar an Libyen. 1980 sandte Frankreich nochmals 20 moderne Flugzeuge an den Irak. Saudi-Arabien rüstete 1981 weiter auf und kaufte 5 AWACS (Frühaufklärungsflugzeuge) zum Preis von 12 Mrd. Dollar von den USA. 1984 erhielt Kuwait russische Flugabwehrraketen. 1986 lieferten die USA weitere 132 moderne Kampfflugzeuge an Saudi-Arabien. Im gleichen Jahr zerstörten die Amerikaner eine der Giftgasfabriken Ghaddafis und dessen Wohnung in Libyen. 1988 zerstörten die  französischen Luft-Boden-Raketen Saddam Husseins in iranischen Häfen fünf große Tanker.
Saddam Hussein hatte in aller Stille den Bau von Atomwaffen vorbereitet, Giftgas in großen Mengen produziert und bakteriologische Waffen geplant. Er ließ 1987 15 000 Kurden durch Giftgaseinsätze seiner Flugzeuge töten. Bis heute suchen die UN-Inspektoren seine unterirdischen Waffenfabriken aber vergeblich!

Israel produziert schon seit der Staatsgründung Atomwaffen und besitzt heute mehr als 100 Atom- und Neutronenbomben aus eigener Produktion. Diese fürchterlichen Waffen wurden bisher noch nicht eingesetzt, stehen aber für den Notfall bereit. Israel ist bis an die Zähne bewaffnet und verkauft über 30 Prozent seiner eigenen Waffenproduktion ans Ausland.

Es konnte nicht ausbleiben, daß dieses ständige Wettrüsten der islamischen Staaten und Israels zu einer Konfrontation führen mußte. Saddam Hussein forderte — nach seinem Sieg über den bevölkerungsmäßig dreimal so starken Iran — von Saudi-Arabien und Kuwait einen Schuldenerlaß von 30 Mrd. Dollar, und einen Kredit von weiteren 30 Mrd. Dollar zum Wiederaufbau des Irak und seiner Armee. Als ihm diese Gelder nicht gewährt wurden, rückte er am 2. August 1990 in Kuwait ein und erklärte es aufgrund der früheren Ländereinteilung des Osmanischen Reiches zu einer irakischen Provinz. Als die Warnungen der UN, ein Totalembargo und die Bereitstellung von einer halben Million Soldaten verschiedener Nationen nichts nützten, begann am 17. Januar 1991 der Wüstensturm, ein 100-Stunden-Krieg, der Saddam vernichtet hätte, wenn Präsident Bush nicht auf Drängen Saudi-Arabiens den Irak als Bollwerk gegen den fanatischen Iran hätte erhalten wollen.

Dieser Blitzkrieg hat im Nahen Osten einen neuen tiefen Schock ausgelöst. Was für ein Unbehagen muß die Moslems befallen haben, daß eine halbe Million Christen die Kaaba, das wichtigste Heiligtum des Islam, vor einem gottlosen arabischen Diktator schützen mußten! Außerdem funktionierten die Waffen der Amerikaner so präzise, daß sie aus 20 km Entfernung eine Rakete durch dasselbe Loch steuern konnten, das eine andere Rakete wenige Minuten zuvor gerissen hatte. Die modernen Computerchips haben die Waffen der beiden letzten Weltkriege veralten lassen.
Dabei hatten viele Araber und Moslems in Nigeria, Tansania, Pakistan und Indien gehofft, Saddam Hussein würde den Erzfeind der Moslems — Israel — vernichten, die Ölquellen der Kuwaitis und der Saudis besetzen und mit ihrer Hilfe ein neues islamisches Weltreich aufbauen. Der  Haß gegen Amerika und seine Helfer ist weiter gewachsen, weil sie die größte Hoffnung der arabischen Massen zerstört haben.

In der Zwischenzeit hat Saudi-Arabien, ohne Wissen der USA, 12 Sidwinder-Raketen mit Nuklear-Sprengköpfen von China für 12 Mrd. Dollar gekauft. Durch diesen Handel bekamen die 30-50 Millionen Moslems in China wesentliche Vergünstigungen und Freiheiten. Der Iran und Syrien haben sich weiterentwickelte Scud-Raketen von Nord-Korea besorgt. Ein Wettrennen um die modernsten Waffen hat im Nahen Osten eingesetzt. Das Geld dazu ist da, denn die Ölquellen der Saudis, Libyer und Iraner sprudeln unentwegt. Die 300 brennenden Ölquellen Kuwaits sind inzwischen von westlichen Fachleuten mühsam und unter Lebensgefahr gelöscht worden.

Der Nahe Osten ist bis an die Zähne mit modernsten Waffen gerüstet. Der 100-Stunden-Krieg gegen den Irak, für den die Bundesrepublik 14 Mrd. D-Mark an die USA, England und Frankreich überwies, war nur das Vorspiel eines noch größeren Flächenbrandes, der auf den Nahen Osten wartet.

Wer vom Frieden redet, läuft in den arabischen Ländern meistens Gefahr, verspottet zu werden. Solange die Rechtsauffassung der Moslems und das Rechtsverständnis der Israelis unversöhnt gegeneinander kämpfen, kann es keine Ruhe geben. Der vergangene Weltfriedensplan von Präsident Bush wirkte, angesichts der Tatenlosigkeit des Westens bei den Kurdenmassakern und angesichts des Blutbades im ehemaligen Jugoslawien, beinahe lächerlich. Bei diesen Verfolgten gibt es kein Öl und kein Geld zu holen. Deshalb will sich niemand für sie die Finger verbrennen. Moslems aus islamischen Ländern beginnen, Freiwillige und Waffen auf den Balkan zu schleusen, um die Moslems vor den Angriffen der serbischen Christen zu retten. In der islamischen Presse steht immer wieder in den Schlagzeilen zu lesen: „Christen vergewaltigen moslemische Frauen in Bosnien-Herzegowina! Wie lange wollen wir noch mit unserer Rache warten?“

In Israel hat sich der Sozialismus im Laufe der letzten zwei Generationen in einen materialistischen Kapitalismus verwandelt. Dort leben heute 20 000 Millionäre. Ein halbes Prozent der Bevölkerung besitzt 95 Prozent allen Kapitals in Israel. Die Kibbuz-Ideale der Gründergeneration sind weitgehend zerbrochen. Ein pragmatischer Materialismus und das Vertrauen in eine starke Bewaffnung bestimmen heute das Denken der meisten Israelis. Vielleicht hing der Regierungswechsel im Sommer 1992 mit dem Umstand  zusammen, daß die USA ihren 12 Milliarden-Kredit nur dann gewähren wollten, wenn die Bautätigkeit der Juden in der West-Bank eingestellt wird. Verkauft Israel das verheißene Land um Geld oder macht es sich die USA zum Feind? Wird die führende Schicht der jüdischen Lobby eines Tages auch aus den USA vertrieben werden, so wie heute hunderttausende Juden aus der UdSSR nach Israel auswandern?

5. Der Zusammenbruch des kommunistischen Blocks und seine Folgen für Israel und die islamischen Staaten

Ein entscheidender Faktor für den schnellen Sieg der Truppen der Vereinten Nationen gegen Saddam Hussein war das Nicht-Eingreifen der UdSSR. In allen früheren Nahost-Kriegen waren die Russen als Garanten der sozialistischen arabischen Staaten aufgetreten und hatten die vordringenden Israelis mit der unmißverständlichen Drohung ihres sofortigen Eingreifens gebremst. Diese Drohung blieb im Kuwait-Krieg aus! In Moskau hatte sich eine epochale Änderung angebahnt, die die Entwicklung des Islam und Israels wesentlich beeinflussen sollte.

1986 war Michail Gorbatschow Chef der KPdSU geworden und hatte „Glasnost“ und „Perestroika“ zu Themen seines neuen kommunistischen Programms gemacht. Das hatte zur Folge, daß 1987 8150 und 1988 8000 Juden nach Israel ausreisen durften. Bis 1993 sind etwa 450 000 Juden aus der ehemaligen UdSSR in Israel eingewandert. Viele von ihnen sind Akademiker oder gut ausgebildete Fachleute. Ihre Ankunft in Israel  bedeutet  eine  verlorene  Schlacht  für  die 59 Araber und eine Stärkung Israels, das die Einwanderer wo immer möglich in arabischen Gebieten ansiedelte.

Die UdSSR brauchte dringend Devisen und High-Tech aus dem Westen; deshalb durften viele Juden ausreisen. Die Hilfe aus dem Westen war den Russen diesmal wichtiger als die Freundschaft der Araber. Die Planwirtschaft in den sozialistischen Staaten war so zerrüttet und die Fabriken und Wohnungen derart verkommen, daß der gesamte Ostblock vor einem Kollaps stand. Der Sozialismus hatte abgewirtschaftet, weil er die Privatinitiative der Einzelnen unterdrückte. Gorbatschow forderte mit dem „Mut der Verzweiflung“, ein Umdenken, eine Erneuerung und eine Offenlegung der Wirklichkeit. Das Ergebnis war ein Putschversuch der konservativen Kommunisten in der UdSSR (1991). Doch Jelzin setzte sich als Volksheld durch und wurde, am 23. August 1991, als Präsident des unabhängigen Rußlands gewählt. Die furchterregende UdSSR zerfiel in wenigen Wochen in 16 selbständige Staaten.

Die 50 bis 60 Millionen Moslems, die in der ehemaligen UdSSR lebten, witterten Morgenluft und handelten Schlag auf Schlag. Zwischen dem 30. August und dem 27. Oktober 1991 erklärten sieben mehrheitlich von Moslems bewohnte  Staaten  ihre Unabhängigkeit, Ihre Namen sind: Aserbaidschan, Kirgisistan und Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Kasachstan am 25. und die Tschetschenen am 27. Oktober 1991. Das verschüttete Erbe Dschingis Khans und Timur Lenks brach wieder durch, sowie das Erbe der Turkvölker und der Osmanen. Der Islam hatte sich stärker erwiesen als 74 Jahre sowjetischer Umschulung und Diktatur.

Die schnelle Gründung von sieben neuen islamischen Staaten brachte alarmierende Aspekte mit sich. Der Iran sandte sofort 1000 Missionare in die neuen Länder, um die atheistisch erzogenen Moslems schiitisch zu missionieren. Saudi-Arabien schickte mehrere Flugzeugladungen Korane, die, in die Sprachen dieser Völker übersetzt, zusammen mit dem arabischen Urtext schnell gedruckt worden waren. Die Türkei liefert Schreib- und Druckmaschinen, damit das lateinische Alphabet anstelle des kyrillischen oder arabischen eingeführt werde. Wahrscheinlich steht der gemäßigte Islam türkischer Prägung diesen Turkvölkern am nächsten, da sie meistens der turkmenischen Sprachfamilie angehören und schamanistische Praktiken in ihre Kulturen aufgenommen haben.

Weit problematischer ist jedoch die Tatsache, daß die Uranvorkommen, die Atomkraftwerke und die Industrieanlagen zur Herstellung von Atomwaffen der ehemaligen UdSSR zum größten Teil in diesen islamischen Staaten liegen. Ein Wettlauf zum Einkauf von Atombomben wurde von Pakistan, Iran, Irak, Saudi-Arabien und Libyen aus gestartet. Wahrscheinlich sind unter der Hand bereits mehrere Atombomben um Milliarden von US-Dollar verkauft worden. Noch gefährlicher aber ist die Abwerbung hochgeschulter Wissenschaftler und Spezialisten mit Traumgehältern in die bereits genannten islamischen Länder. Neuerdings taucht auf den Schwarzmärkten des Nahen Ostens und in Europa radioaktives Material ungeschützt auf, das zu Horrorpreisen angeboten wird. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis diese fanatischen islamischen Staaten ihre Atombomben selbst herstellen können. Die Petro-Dollars, spaltbare Substanzen und Fachleute aus den neuen islamischen Staaten stehen zur Verfügung und machen die Produktion von Nuklearwaffen möglich. Vielleicht ist die Auflösung der ehemaligen UdSSR für den Nahen Osten und die ganze Welt gefährlicher als die Bedrohung durch die alte Sowjetunion. Der Traum der Moslems von einer schnellen Aufrüstung und ihrem Erstarken zur islamischen Weltmacht ist näher gerückt und realisierbar geworden. …

6. Die Bevölkerungsexplosion der islamischen Völker

Weder der islamische Sozialismus, noch der religiöse Fanatismus, noch gehortete Waffen in islamischen Staaten, auch nicht der geplante Friedensschluss im Nahen Osten stellen die Hauptprobleme für Israel und die übrige Welt dar, sondern das ungebremste Bevölkerungswachstum in den islamischen Ländern.

Nach der World Christian Encyclopedia von David Barret gab es im Jahr 1900 ungefähr 200 Millionen Moslems. Im Jahr 1992 erreichte ihre Zahl bereits 1,2 Milliarden. Das bedeutet, daß sich die Moslems seit 1900 zweimal verdoppelt haben: 1944 das erste Mal nach 44 Jahren, 1978 bereits das zweite Mal nach 34 Jahren. Voraussichtlich wird die nächste Verdoppelung in 27 Jahren erfolgt sein, also im Jahr 2005. Dann werden 1,6 Milliarden Moslems diese Erde bevölkern.

In unseren Tagen nimmt der Islam jährlich um etwa 30 Millionen zu. Das bedeutet, daß tagtäglich etwa 80 000 Moslems hinzugeboren werden. Diese Entwicklung geht auf Sure 4,4 zurück, nach der die Moslems das Recht haben, mit bis zu vier Frauen die Ehe einzugehen. Die meisten Moslems besitzen allerdings nicht die finanziellen Möglichkeiten, um mehrere Familien gleichzeitig zu ernähren. Sie heiraten deshalb ihre Frauen nacheinander. Für einen Moslem bedeutet es eine große Ehre, viele Söhne zu haben. Deshalb wächst die Zahl der Moslems doppelt so schnell wie die der Christen. …

Praktisch heißt das: In einem Land wie Ägypten mit seinen 60 Millionen Einwohnern werden Jahr für Jahr etwa 1,6 Millionen Menschen dazugehören, alle 7 Monate eine Million. Präsident Mubarak müßte jedes Jahr Schulen, Krankenhäuser und Wohnungen für 1,6 Millionen Bürger bauen lassen. Das ist undenkbar! Deshalb leben in Kairo 2 Millionen Menschen in der alten Gräberstadt der Mameluken, werden Schulen in Schichten von morgens bis in die Nacht hinein benutzt und sind die Krankenhäuser überfüllt. In der Türkei mit ebenfalls 60 Millionen Einwohnern werden jährlich etwa 1,3 Millionen Menschen dazugehören. Ein Drittel der Bevölkerung ist arbeitslos und zudem ohne Sozialversicherung und Altersvorsorge. Viele Türken warten darauf, in die Bundesrepublik ausreisen zu können, wo man Arbeitslosenunterstützung und Kindergeld, wie sie meinen, umsonst bekommen kann, die zusammen mehr als das Doppelte eines Gehaltes in der Türkei ausmachen. Sollte die Türkei in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft aufgenommen werden, wäre es abzusehen, wann sie bevölkerungsmäßig der größte Staat Europas geworden wäre.

7. Kann eine Vereinigung der Religionen den Weltfrieden bringen?

Wie kann man diesem rasanten Wachstum des Islam begegnen? Was muß getan werden, um den Frieden auf der Erde zu sichern? Verschiedene Kirchen haben dazu eigene Konzepte entwickelt:

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) hat unter anderem empfohlen, daß die katholische Kirche die „positiven Kräfte“ in den anderen Religionen unterstützen solle. Besonders gegenüber dem Islam bemühten sich der Papst, sein Klerus und die katholischen Verlage, eine Basis der Verständigung zu schaffen. Den Staat Israel aber hatte der Vatikan 45 Jahre lang nicht anerkannt. Statt dessen sandte Papst Johannes Paul II. jährlich zu den beiden großen Festen des Islam Grußworte und brachte darin zum Ausdruck, daß Moslems und Christen an den gleichen Gott glauben und deshalb zusammenarbeiten sollten, um die Probleme der Welt miteinander zu lösen.

Als Ministerpräsident Rabin und Arafat sich bei Präsident Clinton in Washington am 13.September 1993 die Hand reichten, sah der Vatikan die Stunde gekommen, sich  Israel  ebenfalls  zuzuwenden.  So wurde  am 30.12.93 eine gegenseitige Teilanerkennung ausgesprochen. Der Vatikan will sich jetzt direkt ins turbulente Geschehen des Nahen Ostens einschalten, wenn Jerusalem zum Taumelbecher aller Völker werden wird (Sacharia 12,2).

Führende Vertreter der evangelischen Kirche haben ihrerseits bei der Weltkirchenkonferenz in Canberra (1991) zum Ausdruck gebracht, daß die Christen die Wahrheit nicht allein besitzen. Sie sollten sich den Ideen und Energien der anderen Religionen öffnen und in einen Dialog mit ihnen treten, besonders mit dem Islam.

Eine Woge des Synkretismus läuft heute durch alle Kontinente. Der Friede zwischen den Religionen wird als Voraussetzung für den Frieden in der Welt angesehen. Alle Ärgernisse sollten ausgeräumt werden. Mission zur Bekehrung von Nicht-Christen scheint den Friedensprozess zu stören und gilt immer mehr als unerwünscht. Der Absolutheitsanspruch Jesu Christi wird in Frage gestellt. Die Voraussetzungen für eine Weltreligion beginnen sich abzuzeichnen.

Es ist heute nicht mehr undenkbar, daß Juden und Moslems doch noch einen gemeinsamen Nenner finden. Beide Religionen nehmen in Anspruch, an den Gott Abrahams zu glauben; in beiden leben die Gläubigen unter einem Gesetz; beide bauen ihre Gerechtigkeit auf eigene Werke auf; beide lehnen Jesus als den Sohn Gottes ab; beide kämpfen gegen das Kreuz Christi und sein Heil als den Inbegriff aller Ärgernisse. Es ist heute nicht mehr undenkbar, daß ein demagogischer Volksverführer kommt, der im eigenen Namen Gesetze ändert und beide Kulturen in einer leicht akzeptablen Religion vereinigt.

Wir Christen aber sollten uns in unserer missionarischen Aufgabe nicht beirren lassen. Jesus ist der einzige Weg, die bleibende Wahrheit und das göttliche Leben. Johannes, der Evangelist der göttlichen Liebe, hat die Wahrheit am deutlichsten formuliert: „Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, daß der Antichrist kommt, so sind nun schon viele Antichristen gekommen; daran erkennen wir, daß es die letzte Stunde ist. Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater“ (1.Joh.2,18-23).

„Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt. Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, daß er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt“ (1.Joh.4,1-4)

Wir hören in unseren Tagen immer häufiger, daß alle Religionen verschiedenartige Wege zu dem gleichen Gott darstellten. Jesus freilich habe den besten Weg gebracht. Solche Ansichten sind menschlich. Ohne den gekreuzigten Sohn Gottes aber gibt es keine Rettung im letzten Gericht. Er ist unser Bürge, unser Heiland und Herr. Jesus ist Gott in Person. Alle anderen Religionsstifter waren nur Geschöpfe. Er aber ist unser Maßstab, unsere Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Jede andere Religion, Philosophie oder Weltanschauung führt letztlich in die Irre und schenkt uns keine gewisse Hoffnung des ewigen Lebens.

Es ist durchaus möglich, daß liberale Juden, liberale Christen und liberale Moslems sich eines Tages in einer Weltreligion vereinigen und Frieden ohne den Vater Jesu Christi schließen. … Wenn nach einer zukünftigen Katastrophe in der Welt oder im Nahen Osten einer kommt und Frieden in seinem Namen verkündigt, mit Hilfe der modernen Technik atemberaubende Wunderwerke vollbringt, eine neue Weltordnung aufstellt, Versöhnung unter den Kindern Abrahams gebietet und mit eiserner Faust Andersdenkende vernichtet, werden ihm die Massen zujubeln und ihn als den Friedefürsten anbeten.

Wir aber wissen, daß Jesus in seiner Herrlichkeit und in der Herrlichkeit seines Vaters mit allen seinen heiligen Engeln auf den Wolken des Himmels wiederkommen wird (Luk. 9.26). An seinen Händen und Füßen werden wir die Nägelmale erkennen und durch die Kraft seines Heiligen Geistes getröstet werden, der in allen Gläubigen an den Sohn Gottes wohnt. Diese werden aus Juden, Christen und Moslems kommen und ihm aus viel Verfolgung mit Lob, Dank und Anbetung entgegeneilen. Laßt uns deshalb auch weiterhin miteinander das Evangelium unter Moslems, Juden und Christen verkündigen und damit dem wiederkommenden Herrn seinen Weg bereiten! Der Herr ist nahe! (Philliper 4,5).

8. Kommt ein islamisches Weltreich in der nahen Zukunft?

Während des Golfkriegs sprühten Moslems in Hyderabad (Indien) an die Mauerwände: „Saddam Hussein ist der König der Welt!“ Nach einer Umfrage in einer nigerianischen Zeitung unterstützten damals 53 Prozent aller Nigerianer Saddam Hussein und 35 Prozent Präsident Bush, obwohl nur etwa 45 Prozent der Bevölkerung Moslems sind. In Deutschland sagte eine Türkin, innerhalb einer Generation würde ganz Europa unter dem islamischen Gesetz leben. In Paris rief ein nordafrikanischer Scheich über das Fernsehen Frankreich zur sofortigen Bekehrung zum Islam auf, andernfalls müsse es mit Gewalt Allah unterworfen und islamisch befriedet werden. In den USA und in Australien verstärken sich die Bemühungen, große Ländereien aufzukaufen, islamische Zentren zu errichten und in Universitäten und Gefängnissen moslemische Seelsorger anzustellen. Ein erster Imam wurde 1993 für das Militär in den USA vereidigt. Ein islamischer Fürst bekam das Vorrecht, vom Dach des Weißen Hauses ,,Allahu akbar“ über Washington auszurufen und eine Sitzung des amerikanischen Kongresses mit islamischem Gebet zu beginnen.
Die  moslemischen Massen träumen vom Sieg des Islam über die ganze Welt. Ihr Glaube wird von den Ölmilliarden getragen. Ihre politischen und religiösen Ziele sind klar, aber die Realität sieht noch anders aus.

50 Prozent aller Moslems können bis heute weder lesen noch schreiben. Ihre Meinungsbildung basiert auf Moscheepredigten und Fernsehansprachen ihrer religiösen und politischen Führer. Kritisch denkende Moslems beginnen, diese Reden und Appelle mit der Wirklichkeit zu vergleichen. Sie erkennen erhebliche Differenzen zwischen Wort und Tat, zwischen Traum und Wirklichkeit.
Die reichsten Staaten der Erde sind islamische Ölstaaten, die Ärmsten aber leben in Bangladesh, im Tschad und anderen islamischen Ländern Westafrikas unter dem Existenzminimum. Die reichen islamischen Länder unterstützen die armen zwar verbal, aber zur notleidenden Bevölkerung dringt so gut wie keine Hilfe durch. Warum gewähren die reichen Ölstaaten ihren armen Brüdern keine substantielle Hilfe? Warum ist die Unterstützung durch christliche Staaten oft umfangreicher als die der islamischen Nachbarn?

Die meisten islamischen Staatschefs denken kaum daran, sich Beschränkungen aufzuerlegen, ihre Eigenständigkeit aufzugeben und sich in einem einzigen islamischen Staat zu vereinigen. Tatsächlich hat bisher noch kein einziger islamischer Staat die Scharia vollständig eingeführt. Sie wollen keine Unterordnung unter ein religiöses oder politisches Oberhaupt, unter einen Kalifen oder Sultan akzeptieren. Vereinigungsversuche zwischen Ägypten und Syrien oder zwischen Pakistan und Bangladesch sind schnell gescheitert. Die von den Syrern unterstützten palästinensischen Kämpfer von Abu Musa haben das Oberhaupt der PLO, Arafat, mit Waffengewalt bekämpft. Gegen diesen Schlag protestierten zwar die übrigen islamischen Staaten verbal heftig, aktiv aber griff keiner in diesen Bruderzwist ein. In viele Kriege innerhalb der letzten 50 Jahre waren islamische Staaten verwickelt. Aufstände, Revolutionen und Überfälle können in islamischen Ländern jederzeit aufbrechen. Das erinnert an den Ausspruch des Engels an Hagar. Im Blick auf ihren Sohn Ismael hat er schon vor über 4 000 Jahren prophezeit: „Seine Hand wird gegen jedermann und jedermanns Hand gegen ihn sein“ (l.Mose 16, 12).

Der Geist des Islam ist ein überheblicher, stolzer Geist und kann sich nicht unterordnen. Er findet keine Ruhe. Dazu steht mehreremale im Koran: ,,Tötet sie, (die Ungläubigen) wo immer ihr sie findet!“ Solche Befehle zum Kampf mit der Waffe werden als göttliche Gebote verstanden. Allah stellt sich als der Tötende durch die Waffen seiner Gläubigen vor, wie in Sure 8, 17 zu lesen ist: „Nicht ihr habt sie getötet, Allah hat sie getötet. Nicht du hast auf sie geschossen, wenn du geschossen hast, sondern Allah.“ Dazu kommt, daß sich Allah als der Listigste von allen offenbarte (Sure 3, 55). Deshalb sind Lüge, List und Betrug in der islamischen Welt überall gegenwärtig. Keiner traut dem andern. Jeder kämpft gegen jeden.

Nur ein starker charismatischer Führer, der mit eiserner Hand regiert, wird in der Lage sein, die auseinanderstrebenden moslemischen Massen zu vereinigen. Er muß sich als Sieger im Kampf gegen die Feinde der Moslems erweisen und als fähiger Organisator eine machtvolle Regierung aufbauen. Einem solchen Führer werden die Moslems blind nachfolgen und von ihm die Weltherrschaft des Islam erwarten. Dabei kann es Rückschläge auf dem Weg zur Einheit aller Moslems geben. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß der Koran den Kampf mit der Waffe befiehlt, bis der Islam die einzige religiöse und politische Macht der Welt darstellt (Sure 2, 193 und 8, 93).

Ein rein islamischer Weltstaat wird jedoch in der nahen Zukunft nicht zu erwarten sein. Das weit verbreitete Analphabetentum, die mangelnde Selbstdisziplin und der streitsüchtige Geist mit der Verteidigung der individuellen Rechte verhindern eine vertrauensvolle, solide Einheit. Außerdem fehlen den Moslems die technischen Voraussetzungen, selbständig einen modernen Industriestaat aufzubauen und zu erhalten. Sollte jedoch ein charismatischer, intelligenter Führer etwa aus Israel auftauchen, der den moslemischen Staaten weitreichende Kompromisse verspricht, Recht und Land den Palästinensern in Israel anbietet, gewaltige technische Wunderwerke zu schaffen in der Lage ist und den islamischen Staatsmännern und religiösen Führern eine gleichberechtigte Zusammenarbeit anbietet, so könnte es diesem Demagogen gelingen, liberale Juden, liberale Christen und liberale Moslems sich gegenseitig näher zu bringen und in einem säkularen Staat zu vereinigen.

Ein solcher Einheitsstaat könnte die Weltmacht von Morgen werden und würde eine große Gefahr für alle Nachfolger Christi darstellen. Wenn  die  Ölmacht  der  Moslems  sich  mit  der Intelligenz und Finanzmacht der Juden vereinigt, würde eine synkretistische Weltmacht größten Ausmaßes entstehen, die eine Verfolgung der Christen weltweit mit sich bringen würde.

Falls der Papst, der Weltkirchenrat und der Dalai Lama ihren Segen dazu geben würden, stünden wir mitten in der Erfüllung apokalyptischer Aussagen. Wir sollten wach bleiben und die Entwicklungen im Nahen Osten genau verfolgen, damit wir nicht von politischen Ereignissen und religiösen Entwicklungen überrascht werden.

Jesus sagte: „Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter darum, daß sich eure Erlösung naht“ (Lukas 21, 28).

Alle diese Entwicklungen haben letztlich ein eindeutiges Ziel: Nicht einen islamischen oder jüdischen Weltstaat, sondern die Wiederkunft des Herrn Jesus Christus. Er hat seine Nachfolger gewarnt und sagte zu ihnen:  „Es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten.“ , Jedoch wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohnes sein“ (Matth. 24, 24 + 27).

Das Buch KOMMT EIN ISLAMISCHES WELTREICH? wurde von Abd Al-Masih schon im Jahre 1994 geschrieben. Heute sehen wir diese erschreckenden Entwicklungen vor unseren Augen leider voll bestätigt.
Eine leichte Kürzung und die Hervorhebungen sind von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Februar 2016

Abd-al-Masih (d.h. «Diener Christi»), unter diesem Namen ist Charles Marsh in Algerien durch seine Missionsarbeit unter den Berbern bekannt geworden. Er lebte in der Zeit der Kolonialherrschaft, die zwar den Aufenthalt in islamischen Ländern für christliche Zeugen etwas vereinfachte, aber für die Verkündigung des Evangeliums nicht unbedingt von Vorteil war. Seine Wirksamkeit begann im Jahre 1925:
1925  Der Autor geht über Frankreich nach Algerien

1927 Er heiratet Lalla Jouhra in Algerien. Sie ist die Tochter eines Missionars in der Kabylei.

1927 Sie beginnen ihre Arbeit in Lafayette, gehen nach Hamman

1946 Arbeit in Hall und Außenstation in Beni Ourtilane

1954 Die Revolution beginnt

1969 Ende der Arbeit

www.horst-koch.de
info@horst-koch.de

                    

image_pdfimage_print