Jesus – Sein Leben – Theophil Flügge

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JESUS – Sein Leben und Sein Wiederkommen

 

Von Dr. Theophil Flügge, evangelischer Pfarrer

 

Inhalt

1. Jesus in der Ur-Ewigkeit

2. Jesu Erden-Leben

Geburt, Jugend, Heimat
Taufe, Versuchung
Jesu Wunder
Jesus vor Pilatus
Kreuzigung, Jesu Tod
Jesu Auferstehung und Himmelfahrt

3. Jesus jetzt im Himmel

4. Jesu Wiederkommen

Antichrist, Hure und Tier
Die Drangsal und die 2 Zeugen
Die Entrückung
Das neue Reich Jesu

5. Jüngstes Gericht und Himmelreich

 

Vorwort

Dieses Buch möchte darstellen, was die Bibel über Jesu Erdenleben und über Sein dereinstiges Wiederkommen berichtet. Da die Aussagen über Jesu Wiederkommen in der Bibel weit verstreut und nicht immer leicht verständlich sind, ist der Kampf Jesu gegen den Antichristen, die Entrückung und Jesu Zukunftserscheinung mit möglichster Sorgsamkeit und ausführlich dargestellt worden.

Jedoch auch die spärlichen biblischen Berichte, die bisweilen nur schwer aufzufinden und zu deuten sind, über Jesu Dasein in vorweltlicher Ewigkeit und über Jesu Wirken jetzt im Himmel, sollten in zusammenfassender Ordnung dem Leser vor Augen geführt werden, da in den das Leben Jesu schildernden Büchern fast stets diese Dinge übersehen worden sind. So versucht dieses Buch, ein umfassendes Leben Jesu, von der Urewigkeit her bis zur Vollendung in der kommenden Ewigkeit hin, zu zeichnen, soweit die Bibel uns hierüber Bericht gibt.

Was über diese Dinge die Bibel nur leise andeutend uns aufweist, ist auch hier nur in dieser andeutenden Weise dargestellt worden. Das Bemühen ging dahin, niemals über die Bibel hinaus zu greifen und nichts erraten zu wollen, was uns in der Bibel verborgen bleibt. Aber es sollte tunlichst auch nichts vergessen werden, was die Bibel über Jesum uns zu berichten weiß. Wie unzureichend aber menschliche Kraft das Geheimnis Jesu zu erfassen und Sein wunderbares Bild zu gestalten vermag, habe ich selbst in jedem Kapitel wieder neu gespürt. Dennoch darf ich hoffen, manchem, der Jesu Bild schauen und Seine Erlösungstat verstehen möchte und über Sein Wiederkommen Kunde zu finden begehrt, ein wenig helfen zu dürfen dadurch, daß ich vorlege, was in jahrzehntelangem Bibelstudium sich mir an Zusammenhängen eröffnete.

Doch mußte dieses Buch sich leider in mehrfacher Hinsicht ernstlich beschränken. Jesu Predigt, Seine Seelsorge und Men­schenführung, was ER selbst über Sich, über den Vater Gott und die Menschen gelehrt hat, das alles durfte nicht dargestellt werden, weil der Raum dieses Buches eng gespannt werden mußte. Das Bild, das Propheten und Apostel von Jesu gezeichnet hatten, durfte hier nicht nachgezeichnet werden, und auch die messianischen Weissagungen konnten nicht vorgelegt werden – nur des mangelnden Raumes wegen.

Möchte dieses Buch dazu helfen, daß manche Jünger Jesu ihren Erlöser Jesus tiefer zu verstehen lernen und fröhlicher ihre Häupter erheben im Erwarten Seines nahenden Tages – mit diesem Gebet überreiche ich dieses Jesus-Buch denen, die mit den Aposteln anbetend rufen: Amen, ja komm, Herr Jesu!

Rehfelde bei Berlin

Dr. Theophil Flügge, im Herbst 1956

 

Für den gelehrten Leser

Manche theologisch geschulten Leser werden betroffen sein, wenn sie wahrnehmen, welch schrankenloses Vertrauen hier der Bibel entgegen getragen wird. Es sind zwei Gründe, die mich veranlassen, der Bibel unbedingt zu glauben:

Ich habe keinerlei Ursache gefunden, den hervorragend klugen grundehrlichen und aufrichtigen Aposteln irgendwie zu mißtrauen, als hätten sie Irrtum und Wahrheit bedenkenlos vermengt, oder als seien sie so töricht gewesen, daß sie zwischen Legende und Wirklichkeit nicht hätten unterscheiden können. Jeder moderne bibelkritische Theologe würde empfindlich beleidigt und empört sein, wenn man seiner Ehrlichkeit und Klugheit ebenso mißtrauen würde, wie er einem der klügsten Männer des Altertums, dem Arzt Lukas, mißtraut.

Ernstlicher ist ein zweiter Grund: es wird der Tag kommen – ich weiß nicht wann – da ich vor Gottes Gericht stehen muß. Dann werde ich sagen, daß ich nur ein unnützer Knecht war, der nur auf Gnade hofft, weil ich viel geirrt habe und im Dienst so manchmal mich verfehlte und von vielen Sünden weiß, die ich begangen habe. Aber dieses Eine möchte ich dann Gott dennoch auch sagen dürfen: “so bitter die Sünden und Irrungen mein Leben belasten, – an Deinen Worten, o Gott, habe ich nicht gezweifelt, Deinem Worte habe ich nie mißtraut.“ Denn wie sollte ich einst vor Gott dastehen und auf Jesu vergebende Gnade hoffen dürfen, wenn ich jetzt glauben und lehren würde, Sein heiliges Wort sei nicht so ganz wahr und voller Irrtum! Wir zwar irren viel. Gott betrügt uns in Seinem Worte nicht. Nie will ich meinem Gott mißtrauen, weil ich Sein Gericht fürchte.

Wer nun aber – aus welchen Gründen immer – zu solchem gewissen Bibelglauben nicht bereit ist, den bitte ich, ernstlich zu bedenken, daß es nicht gut tun kann, wenn man vor lauter Bibelkritik nicht mehr sicher weiß, wie Jesu Leben und Sein vorweltliches Dasein und Sein Wiederkommen sich auf Grund der Bibelaussagen darstellen. und wenn junge Männer, die sich zum Predigtdienst zurüsten lassen, moderne kritisch-theologische Theorien über das Leben Jesu genauer kennen als das, was die Bibel uns darüber lehrt. Daß aber in der Bibel Gott zu uns redet und die Bibelschreiber von Gottes Geist getrieben geschrieben haben, bezeugt die Bibel so eindringlich, daß es nicht nötig ist, es hier noch erst nachzuweisen. Auch kritische Theologen werden immerhin gut tun, genau darauf zu sehen, was eigentlich in der Bibel über Jesu Leben und Wiederkommen steht.

 

1. Christus in der Ewigkeit bei Gott

Von Ewigkeit her war Gott – Gott für sich allein. Nichts war außer Gott, keine Welt und kein Wesen. Da hatte an einem Tage, ehe noch die Welt erschaffen war, Gott einen Sohn geboren. „Heute (sprach Gott) habe ICH Dich geboren!“ (Ps. 2, 7).

Geboren hatte Gott Seinen einzigen Sohn. Durch das hier im Hebräischen stehende Wort wird (wie es die Eigenart der hebräischen Sprache mit sich bringt) beides: das Gebären der Mutter und das Zeugen des Vaters, bezeichnet. Keine Mutter hatte der Sohn. Selber hatte Gott als Vater Seinen Sohn gezeugt und geboren. Tiefes Geheimnis liegt über dieser Geburt, das wir nicht begreifen, die wir aber glauben dürfen: „niemand kennet den Sohn als nur der Vater“ (Matth. 11, 27). „ER ist ein Bild des unsichtbaren Gottes, und vor der ganzen Schöpfung schon geboren“ (Kol. 1, 18).

In der Ewigkeit schon war der Sohn geboren. So gab es nie eine Zeit, in der der Sohn nicht gewesen wäre – vor aller Zeit schon, von Ewigkeit her, war der Sohn neben dem Vater: „ER, der aus Urzeit her stammt, aus urewigen Tagen“ (Micha 5, 1). „Von Anfang an war ER bei Gott gewesen“ (Joh. 1, 2). „Meinen Glanz …, den DU Mir schon gegeben hattest, ehe noch die Welt gegründet war“ (Joh. 17, 24).

In wundersamem Lichte, das kein Mensch erforschen oder je auch nur erahnen kann, wohnte voller Seligkeit der Sohn bei dem Vater (1. Tim. 6, 15) und hatte Teil an dem rings um Gott leuchtenden Glanz, von dem die Propheten so genau erzählen. Ganz nahe war der Sohn bei dem Vater, ER saß ganz eng an Gottes Seite (Joh. 1,18) und war bei Ihm (1. Joh. 1, 2) und sah des Vaters Angesicht (Joh. 6, 46). Darum kennt niemand den Vater als nur der Sohn (Matth. 11, 27). Nichts trennte den Sohn von dem Vater, der mit dem Sohn in einem Sinne und Willen eins war (Joh. 10, 30). Aller Reichtum Gottes war des Sohnes Eigen (2. Kor. 8, 9).

Der Sohn war nicht Gott selber, doch in Allem war ER dem Vater gleich an Wesen und Gestalt (Phil. 2, 6).

Nur einmal hatte Gott einen Sohn gezeugt, nie vorher und nie hernach. Die Engel und die Welt hat Gott geschaffen, den Sohn aber hatte Gott schon zuvor geboren. Doch wollte Gott nur diesen einzigen Sohn (Joh. 1, 14).

Nicht von ungefähr war dieser Sohn geboren, sondern Gott wollte dieses Sein eigen Kind, weil Gott in Seinem Herzen den Willen trug, die Welt zu erschaffen (1. Petr. 1, 20). Um einen Sohn zu haben, für den und durch den Gott die ganze Welt mit all ihren Wesen schaffen könne, hatte Gott Ihn geboren (1. Kor. 8, 6; Hebr. 2, 10).

 

2. Christus bei der Schöpfung der Engel

Nun, als der Sohn geboren war, wollte Gott die Welt erschaffen, wie ER es längst in Seinem Sinn geplant hatte. Denn Gott hatte Seinen Sohn erzeugt, damit ER der Erstgeborene der Schöpfung sei (Kol. 1, 15). Darum dürfen wir glauben, daß Gott bereits an die Welt gedacht hatte, als ER dem Sohn das Leben gab (Joh. 1, 4). Aber noch bevor Gott die Welt machte, schuf ER Engel, die Ihm dienen und über die Welt, die jetzt erschaffen werden sollte, herrschen und sie lenken sollten. Als nun soeben diese Engel erschaffen waren und lobend Gott umstanden (Hiob 38,7), führte Gott Seinen einzigen Sohn hin zu den Engeln und forderte von ihnen, daß sie alle den Sohn anbeten sollten (Hebr. 1, 6). Was dann geschah wissen wir nicht. Doch erzählte Jesus Seinen Jüngern, ER habe den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen sehen (Luk.10,18). Und die Propheten wissen davon, daß „vom Himmel ein strahlender Morgenstern gefallen war, der in seinem Herzen sich gesagt hatte: zum Himmel will ich hochsteigen. . . . dem Höchsten stelle ich mich gleich – da mußte er zur Hölle herunter bis in den tiefsten Schlund“ (Jes. 14, 12-15).

So hatte also einer der Strahlendsten unter jenen Engeln, die Jesum anbeten sollten, diese Anbetung verweigert. Und so mußte dieser Engelfürst, der jetzt stolz gegen Jesum aufbegehrt und damit gegen den heiligen Gott frech getrotzt und Gottes Gebot frevelhaft übertreten hatte und dadurch zum Satan geworden war, in Höllentiefen hinunterstürzen. (Satan heißt auf deutsch: der Streitbare). Wie der Morgenstern hatte er strahlend geglänzt – nun war er ein Satan geworden und in einen Fürsten der Finsternis verwandelt (Luk. 22, 53).

Und von Hesekiel (28,11-16) erfahren wir, daß dieser Gefallene einer der Cherubim war, voller Glanz und Schönheit. In seinem Sturz wandelte sich der strahlende Cherub in die Schlange, die nun Satan und Teufel heißt (das griechische Wort Teufel, eigentlich Diabolos, heißt auf deutsch: der Verleumder). (Off. 12, 9; 20,2): der Drache, die Schlange, die sich windet und vor Gott flieht, wenn ER naht (Hiob 26,13).

Wir dürfen darum die Bibel so verstehen: als Gott von den Engeln forderte, sie sollten Seinen einzigen Sohn anbeten (Hebr. 1, 6), da verbitterte sich das Herz eines strahlend schönen Cherubs (Hes. 28,16), der es nicht ertragen wollte, daß ein Anderer Gott näher stehen dürfe als er. Darum trotzte er und versuchte den Kampf: hochsteigen wollte er und den Sohn verdrängen und selber sich neben Gott stellen (Jes. 14, 14). Gott aber stieß ihn zurück (Hiob 26, 13). Und der Apostel Petrus erzählt uns, daß dieser strahlende Cherub nicht allein war, sondern mit ihm gemeinsam noch andere Engel „in finstere Tiefen stürzten, weil sie gesündigt hatten“ (2. Petr. 2, 4; Jud. 6). Und aus den Worten des Petrus wird deutlich, daß dieses in der Urzeit geschah, ehe noch die Welt geworden war.

Die übrigen Engel aber erkannten in Jesus den Sohn, der Gott gleich an Würde und Hoheit über ihnen stand, und den sie darum ehrfürchtig anbeteten. (Hebr. 1,6).

 

3. Christus bei der Schöpfung der Welt

„In Christus ist alles im Himmel und auf Erden erschaffen worden“ (Kol. 1,16). So bezeugen uns die Apostel eindringlich (Joh. 1,3; Hebr. 2,10). Und anbetend bekennen die Apostel von Jesu: „DU hast am Anfang, Herr, die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk Deiner Hände“ (Hebr. 1,10). Also ist es  C h r i s t u s  gewesen, der die Erde gründete, wie uns der Geist durch den Apostel bezeugt.

Und so hat es auch Jesus selbst in eigenen Worten, die ER durch den Propheten reden ließ, erzählt. In den Sprüchen Salomos redet uns eine geheimnisvolle namenlose Gestalt an, in der wir unstreitig Jesum erkennen:

“Jehovas Eigen war ICH schon gewesen zu Anbeginn all Seiner Wege, ehe ER noch zu schaffen anhub, noch vor der Urzeit. . . . „ – So war ER also dagewesen, noch bevor Gott die Welt zu erschaffen begann. Und weiter erzählt ER von sich selbst:

“Als Gott die Himmel gründete, war ICH zugegen, . . als ER der Erde Urgründe ausschachtete, da war ICH Ihm zur Seiten als Sein Vertrauter. Vergnüglich spielte ICH vor Ihm Tag um Tag unentwegt. . . .“ – (Sprüche 8, 22-31).

Wer ist es, der da redet? Das zeigt uns ein sonst ganz unbekannter Gottesmann des Alten Bundes, Agur, ein Sohn des Jakäh, in einem seiner Sprüche:

“Wer schritt zum Himmel empor? und kam wieder hernieder? Wer greift mit Seinen geballten Händen den Wind? . . .er hat die unermeßlichen Weiten der Erde hingestellt? Wie heißt ER? und wie heißt Sein Sohn? wenn du es weißt!“  (Sprüche 30, 4).

Die alten Väter kannten noch nicht Jesu Namen. Doch wußte Agur bereits, daß Gott einen Sohn habe, von dem Salomo uns durch den heiligen Geist jene Worte oben in seinem Spruchbuch aufschreibt.

Und hier erfahren wir auch von neuem, was wir schon aus den zuvor genannten Bibelworten wissen, daß Jesus in der Ewigkeit, vor aller Zeit, als Gottes Sohn geboren wurde, und daß ER eingesetzt wurde, um als der Vertraute Gottes bei der Schöpfung der Welt Ihm, Seinem Vater Gott, zu helfen.

Dieses Sein Wirken war unendliche Freude, daß die Bibel es hier als ein vergnügliches Spielen Jesu darstellt.

Wir begreifen dieses Wort Jesu von Seinem vergnüglichen Spiel bei der Erschaffung und Ausgestaltung der Welt, wenn wir überdenken, wie unsere Erde voll ist von unsäglicher Schönheit, die keinerlei Zwecken dient, sondern – wie ganz offensichtlich ist – nur schlicht aus der Freude am Schönen so geworden sein kann: die Farbenschönheit der Blumen und Tierfelle, ebenso wie die Formenschönheit der Gräser, oder die unendliche Mannigfaltigkeit der Tier- und Pflanzen- und Mineral-Welt, und die oft so verwunderlichen Eigenschaften mancher Tiere, die nicht aus Zwecken zu erklären sind, sondern nur aus spielender vergnüglicher Freude des Schöpfers an immer neuen und immer schönerenFormen.

So wissen wir denn nun aus allen diesen Worten, daß Jesus es war, der diese bunte unendliche Vielfalt der Welt und ihre unsägliche Schönheit gestaltete, als ER, als der Vertraute Gottes, Seinem Vater bei der Weltschöpfung zur Seite stand und ihm half.

4. Satan zerstört die Welt

Nun lesen wir auf der ersten Seite der Bibel: „Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“ (1. Mose 1,1). W i e Gott die Welt erschuf, wird uns nicht berichtet. Liest man diese Bibelworte, so erahnt man, daß Gott wortlos schweigend, aus dem Nichts in das leere Nichts hinein, die Welt erschaffen habe.

Wenn wir jetzt aber die Bibelworte weiter lesen, so sind wir erschrocken, wenn uns sogleich in den nun folgenden Worten erzählt wird: „da wurde die Erde schaurig und grausig, lauter Dunkel lag auf der weiten Flut“ (Vers 2). Wer hatte denn die Erde so entsetzlich verwandelt, daß sie grauenhaft schaurig wurde? Denn daß Gott selbst zu einem schaurigen Grausen die Welt erschaffen habe, wagt niemand zu denken. Und auch Jesaja beteuert, Gott habe die Welt nicht schaurig geschaffen (Jes. 45,18), sondern über das in den Tiefen lagernde Grausen hat Gott die Erde ausgebreitet, wie Hiob weiß (26,7). So dürfen wir glauben, daß Gott eine schöne gute Welt, zusammen mit Seinem Vertrauten Jesus, erschaffen habe, unter der aber in der Urtiefe das Grauen lagerte – die Welt selbst aber war schön und gut.

Doch dann wurde sie durch irgend eine entsetzliche Katastrophe fürchterlich verwandelt, und versank in grauenhafte dunkle Nacht. Das Licht, in dem Gott wohnt (1.Tim. 6,16), war von der Welt gewichen; lauter Dunkel umschattete die Erde. Jeremia hat es gesehen, wie die lichtfrohe Welt in den dunklen schaurigen Graus verstört wurde durch die Sünde (Jer. 4, 23):

“Ich sah die Erde – schaurig und grausig, und den Himmel ohne Licht!
Ich sah die Gebirge – sie bebten und alle Berge erzitterten.
Ich sah – und seht, da war kein Mensch – und alle Himmels-Vögel waren entflogen.“

Alle diese Worte dürfen uns zu der Vermutung leiten, daß die von Gott so wundervoll erschaffene Welt durch den Satan verstört wurde. Die Bibel sagt dieses jedoch niemals ausdrücklich, so daß wir hierüber keine Gewißheit besitzen. Wer aber sonst sollte so frivol gewesen sein, Gottes Schöpfung zu zerstören, und die von Gottes Händen gestaltete Schönheit in Grausen und Finsternis zu verwandeln? So bleiben wir bei der Vermutung, der Satan habe diese Erde mit seinen fürchterlichen Händen zerschlagen, ehe noch Gott die letzte Vollendung auf diese Erde hatte legen können: denn noch war der Mensch nicht erschaffen.

Über Gottes Werk war des Satans Rache gekommen. Gottes Licht und Schönheit waren von der Erde gewichen.

 

5. Der dreieinige Gott

„Aber Gottes Geist lag schwebend auf den Wassern“ (l. Mose 1, 2). Gott war nicht mehr in der Welt. ER hatte sie, die so zerstört worden war, verlassen. Aber über die Welt hin schwebte Gottes heiliger Geist. ER war nicht in der Welt, aber ER war ihr nahe.

Nun lesen wir aber Ps. 33, 6: „durch Jehovas Wort wurden die Himmel gemacht“. Und entsprechend erzählt die Bibel weiter, daß plötzlich in die verlorene Welt hinein eine laute Stimme rief:

Licht soll es werden!
Und Licht wurde es! (l. Mose 1, 3).

Wer ist es, der da rief? Die Bibel sagt, G o t t habe gerufen. Im Evangelium aber lesen wir.- „Am Anfang war das Wort“ (Joh. 1, 1). Und dieses Wort, das am Anfang war, war – wie uns der Eingang des Johannes-Evangeliums eindeutig zeigt – Jesus gewesen, der ursprünglich bei Gott gewesen war, hernach aber Mensch wurde (Joh. 1, 1-14). So hatte also Jesus das Licht in die Welt hinein gerufen, wie wir aus dem Evangelium lernen. Gott hatte die zerstörte Welt durch Sein Wort wieder erneuert, so daß sie wieder schön und gut wurde. Dieses Wort Gottes aber ist der leibhaftige Jesus. Darum auch sagt der Prophet des Neuen Testamentes (Off. 19,13): „Man nennt Ihn mit Seinem Namen: Gottes Wort“.

So schauen wir hier den dreieinigen Gott:

Der schweigende Gott im Dunkel schuf die Welt, die aber hernach vom Satan verstört wurde.
Der Geist Gottes war dieser so verstörten Welt nahe und bereitete die neue Schöpfung vor.
Der redende Sohn Gottes rief in die Welt hinein das Licht.

Daß der lichtbringende Gott (Jesus) nicht derselbe ist wie der Schöpfer Gott, erfahren wir auch daraus, daß Gott in einem Lichte wohnt, das uns unzugänglich ist (1. Tim. 6, 16). Für unsere Augen wohnt Gott im Dunkel, ferne unserem Licht: „Gott hat gesagt, ER wolle im Dunkel wohnen“ (1. Kön. 8, 12; Ps. 18, 12). Sein Dunkel aber ist das wahre Licht, das unsere Augen nicht begreifen können, und das uns darum wie lauter Dunkel erscheint (Ps. 104, 2). Jesus indessen rief in die vom Satan zerstörte Welt ein Licht hinein, das unseren Augen schön und wonnevoll ist (Pred. 11,7).

Dennoch sagt die Bibel, Gott habe in die Welt hinein gerufen: „Licht soll es werden!“ Denn Gottes Sohn ist Gott gleich an Wesen und Würde. Die Propheten, die das Alte Testament schrieben, haben bisweilen noch nicht ganz sorgsam unterscheiden können zwischen dem Vater Gott und dem Sohne Gottes Christus, weil Jesus noch nicht Mensch geworden war (1. Petr. 1, 11). Die Apostel aber bezeugen so eindringlich, daß wir gar nicht zweifeln dürfen: die Welt zwar hat Gott erschaffen; aber durch Jesum ist die Welt so geworden, wie sie jetzt ist (Hebr. 1, 2 und 10; und 2, 10).

 

6. Christus bei der Schöpfung der Menschen

Darum auch sagt Gott: Menschen wollen W i r machen in U n s e r e r Gestalt, nach Unserem Bilde“ (l. Mose 1, 26). Niemals nennt Gott sich mit Seinen Engeln zusammen W i r. Sie sind nur Seine Boten, und Gott steht immer vor ihnen als ICH (Hiob 1,8). Auch zu sich selbst sagt Gott niemals W i r. Daß Gott sich als W i r anreden sollte, ist undenkbar und nie in der Bibel zu finden. Nur noch dreimal finden wir dieses göttliche Wir, und zwar nur dann, wenn Gott mit Seinem Sohn im Rate ist, was ER tun wolle mit der in Sünden verlorenen Welt:

1.Mose 3, 22: nach Adams Sündenfall sagt Gott (zu Jesu): „Der Mensch wurde wie einer von Uns“ und vertrieb ihn daher vom Lebensbaum.

1. Mose 11, 7: beim Turmbau zu Babel sagt Gott: „Wir wollen hinunter fahren und dort ihre Sprache verwirren.“

Jes. 6, 8: „Wen kann ICH senden, wer will für U n s hingehen?“ Und so spricht nun auch hier bei der Schöpfung Gott zu Seinem Sohne: „Menschen wollen Wir machen … nach Unserem Bilde.“ – Das soll bedeuten: wie der Sohn des Vaters Ge­stalt an sich trägt, so sollen auch die Mensen gleiche Gestalt tragen wie der Vater Gott und Sein Sohn. Der Sohn ist vom Vater Gott geboren, die Menschen aber sind von Gott nur gemacht; dennoch sollen auch sie Gottes Bild sein, ähnlich wie der Sohn.

Und auch Jesus bezeugt uns, daß der V a t e r G o t t die Menschen gemacht habe (Matth. 19, 4-6). Aber der Vater besprach sich mit dem Sohne, als ER die Menschen erschuf; denn durch unseren Einen Herrn Jesus Christus ist alles gemacht worden, und wir sind durch Ihn (l. Kor. 8, 6). So sind wir Menschen geschaffen von Gott, aber durch Jesum Christum, der als Sein Vertrauter neben dem Vater stand, als der Vater den Menschen das Leben gab.

 

7. Die Sünde und Gottes Schmerz

Auf dieser, zu lauter Schönheit erneuerten und gut gewordenen Erde, wohnten nun die Menschen. Aber wieder lauerte der Satan, wie er gegen Gott und seinen Sohn Jesus Christus ankämpfen könne.

So verführte denn der Satan die Menschen in dem wundervollen Gottesgarten. Er beredete Eva, und durch Eva den Adam, gegen Gottes Worte zu trotzen – so wie er selbst in der Urzeit gegen Gottes Gebot sich empört und Jesu den Gehorsam versagt hatte.

Und das entsetzliche geschah: die Menschen ließen sich hinreißen, auf Satans Geheiß hin Gottes Worte frech zu verachten.

Daß es der Satan gewesen war, der in der Gestalt der Schlange die Mutter aller Menschen, Eva, verführerisch in unheimlicher List zum Ungehorsam verleitete, darf niemand bezweifeln, weil die Bibel es uns ganz unzweideutig lehrt: „der große Drache, die alte Schlange, die Satan und Teufel genannt wird“ (Off. 12, 9).

Nun mußte Gott die Menschen aus dem Wonnegarten (hebräisch Eden) vertreiben (1. Mose 3).

Eine unsägliche Wehmut spricht uns aus den Worten der Bibel an:

„Gott rief dem Menschen: wo bist du?

Der antwortete: weil ich Dich im Garten hörte, hatte ich angst – ich bin ja doch nackend – darum versteckte ich mich. Darauf sagte Gott: wer hat dir denn das erklärt, daß du nackt bist?

Hast du etwa von dem Baum, von dem ICH dir befohlen hatte, daß du ja nicht davon essen darfst, doch gegessen?

Der Mensch sagte: die Frau, die DU mir für mich gegeben hast, die hat mir von dem Baum gegeben – da aß ich!

Nun sagte Gott zu der Frau: was hast du da getan?

Die Frau sagte: die Schlange, die hat mich betrogen – da aß ich!“

Erschüttert sieht Gott, was da geschehen ist. Wir spüren den wehen Schmerz aus Gottes Worten, wenn ER erschrocken fragt: „wo bist du? wer hat dir denn das erklärt? hast du etwas … ? was hast du da getan?“

Was soll Gott jetzt tun? ER muß die trotzigen Menschen aus dem Wonnegarten Eden vertreiben, „daß er nur nicht mit seiner Hand jetzt auch noch nach dem Lebensbaume greife und von ihm sich nimmt und ißt – und dann ewig lebt!“ (3, 22). Der Mensch, von Gott und Christus mit so viel Hoheit ausgerüstet, mit dem Bilde Gottes auf seiner Gestalt und Stirn, muß von Gott zurück gestoßen werden, damit nicht unermeßliches Unglück geschehe.

Und wieder kann in dieser verzweifelten Not nur einer helfen: Gottes Sohn Jesus. Denn Jesus hatte mit Gott gemeinsam die Menschen erschaffen – Jesus will sie nun auch erlösen.

 

8. Jesus bei den alten Vätern

Wir ergründen Gottes Wege nicht, warum ER viertausend Jahre zögerte, ehe ER Jesum auf die Erde sandte. Wir mögen uns hierüber mancherlei Gedanken machen, die indessen Gottes Weisheit doch nie treffen können.

Doch wenn Jesus auch noch viertausend Jahre wartete, ehe ER als Mensch auf die Erde trat, so war ER verborgen doch schon immer gegenwärtig, wenn das Volk Israel durch seine Sünden in Verzweiflung getrieben auf die Erlösung harrte. Geheimnisvoll war Jesus in dem Felsen, aus dem das Volk Israel in der Wüste getränkt wurde, wie uns der Apostel bezeugt (1. Kor. 10, 4). Und Jesus erzählte, daß ER bereits unerkannt zugegen war, als die Israeliten in der Wüste das Manna aßen (Joh. 6, 32-35). ER, Jesus, war es in Wahrheit gewesen, der das Volk aus Ägypten herausrief und geleitete, wie der heilige Geist uns durch Judas belehrt (Jud. 5): „Jesus hat aus Ägyptenland ein Volk erlöst“. Und Jesu Geist war es gewesen, der den Propheten die Offenbarungen schenkte, die sie dem Volke kündeten, wie uns Petrus bezeugt (1. Petr. 1, 11).

Aber auch in sichtbarer und erkennbarer Gestalt zeigte sich Jesus den Vätern, wie ER selbst erzählt: „Abraham jauchzte, weil er meinen Tag sehen sollte – und er sah ihn und freute sich!“ (Joh. 8, 56). Und der Evangelist erklärt uns: „Jesaja sah Jesu Glanz und erzählte von Ihm“ (Joh. 12, 41). Nun sagt die Bibel unmißverständlich deutlich, daß kein Mensch Gott sehen könne und so auch niemals jemand Gott gesehen habe (Joh. 1,18; 1. Joh.4, 12). Wenn uns nun aber in der Bibel erzählt wird, Gott habe den Abraham besucht und mit ihm über Sodom gesprochen (1. Mose 18), so dürfen wir also annehmen, daß es nicht der Vater Gott, der Schöpfer der Welt, gewesen sei, der zu Abraham kam, sondern daß es Jesus gewesen sei, der dort Abraham besuchte, ebenso wie es ja auch Jesus gewesen war, der die Israeliten aus Ägypten erlöste, wie wir soeben von dem Apostel Judas hörten.

Und das wird uns noch vollends deutlich, wenn wir Jesum im Gespräch mit Abraham sehen, als er seinen Sohn Isaak zum Opfer auf dem Altar bereit legte. „Da rief ihm Jehovas Bote vom Himmel her: … nun weiß ICH, daß du Gott fürchtest, weil du Mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten hast“‚ (1.Mose 22, 12 und 16). Nun hatte aber Abraham seinen Sohn gewiß nicht einem Engel opfern wollen, sondern nur alleine für Gott wollte er ihn opfern. So war also jener Bote nicht ein gewöhnlicher Engel, sondern er war Gott selbst. Wenn in der Bibel von d e m E i n e n B o t e n geredet wird, so ist nicht ein Engel gemeint, deren Gott viele hat (1.Mose 32, 2) (es müßte doch sonst „ein Bote“ und nicht „der Bote“ heißen). Dieser eine Bote redet von sich selbst immer, als sei ER Gott selbst – und ER ist auch in Wahrheit göttlichen Wesens, weil ER Gottes Sohn ist. ER ist Jesus, der als Bote schon damals vom Himmel her den Vätern erschien.

Der Hebräerbrief nennt Jesum den Apostel (3, 1) – Apostel aber heißt auf deutsch: Bote.

Doch wußten die Väter das Geheimnis dieses Boten nicht so genau. Sie begriffen wohl, daß in diesem Boten ihnen Gott begegnete in geheimnisvollem Wesen, das sie aber noch nicht verstanden. Als daher dieser Bote zu Manoah und seiner Frau kam, stöhnte Manoah erschrocken: „O gewiß müssen wir nun sterben, weil wir Gott gesehen haben!“ (Richter 13,22). Manoah wußte, daß jener Bote von göttlichem Wesen war, daß in Ihm Gott ihnen begegnete. Aber als er diesen Boten nach dessen Namen fragte, antwortete der Bote: „Was fragst du nach Meinem Namen: er ist wundersam!“ So wußte also Manoah den Namen des Sohnes Gottes noch nicht, denn noch wollte Jesus nicht erkannt sein – und dennoch hatte Manoah mit Jesus, dem Sohne Gottes, gesprochen und Ihn gesehen.

Jakob begegnet am Jabbok-Fluß einem Manne, der mit ihm kämpft. Dieser Fremde segnet den Jakob nach heißem Kampf. Jakob fragt den Fremden, wie ER heiße. Der aber will Seinen Namen nicht verraten, bezeugt aber dem Jakob, daß er, der Jakob, jetzt eben mit Gott gekämpft habe. Und daher weiß Jakob: „Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen – und meine Seele wurde erlöst“ (l. Mose 32, 25-31). Ein Mann göttlichen Wesens, mit geheimnisvollem Namen, der durch heißen Kampf Jakobs Seele erlöst, zu dem Jakob unter Tränen flehte (Hosea 12, 5) – in solcher Gestalt begegnete Jesus dem alten Erzvater, um ihn von seinen bösen Sünden zu reinigen. Dieser Fremde war „ein Mann“ (Vers 25) – und doch begegnete Jakob Gott und rang mit Ihm, der aber, weil ER hier schlicht „ein Mann“ genannt wird, nicht der allgewaltige Weltenherr und Schöpfer ist, sondern der Sohn Gottes, der göttlichen Wesens, Gott an Ehrwürde und Hoheit gleich, als Mann den alten Vätern begegnete.

Daß jener Bote wirklich Jesus war, zeigt uns noch deutlicher eine kleine Richter-Geschichte (2,1):

„Jehovas Bote … sprach: ICH führte euch aus Ägypten her­auf und brachte euch in dieses Land, und ICH verhieß euch, daß ICH Meinen Bund mit euch in Ewigkeit nicht brechen will.“

So durfte kein Engel sprechen, da niemals Engel mit dem Volke Israel einen Bund geschlossen hatten. Hier spricht Gottes Sohn Jesus, dem der Vater Gott alle Vollmacht über die Welt gegeben hatte. Und hatten wir vorhin von dem Apostel Judas erfahren (Vers 5), daß Jesus es gewesen war, der Israel aus Ägypten befreit hatte, so bezeugt ER es nun hier als der Bote unzweideutig selbst.

Als Mose in der Wüste die Schafe hütete, erschien ihm Jehovas Bote in dem brennenden Busch, um alsdann aber in langer Wechselrede mit Mose zu sprechen als sei ER Gott selbst (2. Mose 3).

Und auch Gideon sah Jesum als den Boten, den Gott ihm sandte (Richter 6, 11-16). Und Gideon lernte, daß dieser Bote Jesus es ist, der das Volk Israel aus seinen entsetzlichen Qualen erlöst dadurch, daß ER selbst dem Gideon die Kraft zum Kampfe verleiht.

Und Jesus ließ sich, wenn ER als dieser Bote zu den Vätern kam, verehren so wie Gott verehrt wird (Richter 13 und 16, 19). Die Engel aber wehren alle Verehrung durch die Menschen ab, weil sie nur Mitknechte, aber nicht selbst göttlichen Wesens sind (Jos. 5, 14; 2. Sam. 24, 16; Dan. 9, 23; Off. 22, 9).

Um jedem Zweifel zu begegnen, sei noch darauf hingewiesen, daß Engel stets, wenn sie ein Gotteswort zu überbringen haben, es einleiten durch den Satz: „So spricht Jehova“ (z.B. Sach. 4, 6) und zugleich deutlich machen, daß sie nichts anderes sind als nur eben Engel, nicht aber Gott selbst (Jos. 5, 14), wenn nicht sogar Gott selbst sogleich bezeugt, daß es Sein Engel sei, den ER gesandt habe (Dan. 8, 16).

So sehen wir, daß von den Tagen Abrahams an unentwegt Jesus Christus vom Himmel her in die Geschicke des Volkes Israel eingriff und Sein Volk, die alten Väter, besuchte. Daß ER es war, der sie aus Ägypten herausführte, ER also durch Ägyptens Straßen gewandelt war, als Israels Hausväter die Türpfosten bestrichen mit dem Blut des Passah-Lammes, bevor der Todesengel die Ägypter mordete (2.Mose 12), daß ER sie durch die Wüste hindurchgeleitete, in der Not tränkte, im Hunger speiste und hernach vor den Feinden behütete (Gideon). Die heiligen Väter (Abraham, Manoah, Gideon usw.) begriffen, daß ER zwar göttlichen Wesens war, daß ER aber gleichwohl nicht der Vater und Schöpfer der Welt, dennoch aber von göttlicher Heiligkeit war. Seinen Namen verkündigte Jesus den Vätern noch nicht, die aber doch schon wissen durften, daß Sein Name wundersam ist, und Ihn darum verehrten als den einzigen, Gott an Ehrwürde gleichen, Sohn Gottes.

9. Des Boten Wunder-Walten

Das wunderbare Wirken dieses Boten sah aber deutlicher als alle Anderen der Prophet Sacharja (3, 1-5): „Der Hohepriester Josua stand vor Jehovas Boten und der Satan ihm zur rechten Seiten, um gegen ihn als ein Satan zu streiten. Und Jehova redete zu dem Satan. .. . Und Josua trug ein besudeltes Gewand – so stand er vor dem Boten, der nun zu denen, die vor Ihm standen, sagte: zieht ihm das besudelte Gewand aus! Und zu ihm sagte ER: siehe, deine Schuld habe ICH von dir fortgehoben und dich mit einem edlen Gewande bekleidet … und sie bekleideten ihn mit einem (neuen) Gewand, während Jehovas Bote noch dort stand.“

Hier sehen wir, wie Jesus schon während der Zeiten der alttestamentlichen Väter für die Seinen vor Gott eintritt: vor Gott steht Josua, neben ihm als sein Ankläger der Satan, der den Josua vor Gott beschuldigt – so wie er zu aller Zeit unablässig bei Tag und Nacht die Menschen vor Gott verklagt (Off. 12, 10).

Da stellt Jesus Christus sich neben den Josua – und auch hier heißt Jesus: der Bote. Und Jesus gibt den Engeln Befehl, dem Josua das durch Sündenschuld besudelte Gewand seiner Erden-Pilgerreise auszuziehen und ihn mit einem neuen Gewande der Unschuld zu umkleiden, woraufhin der Satan stille schweigen muß: die Schuld ist durchJesuKraft dem Josua entnommen und vergeben, so daß der Satan keine Anklage mehr gegen Josua vorbringen kann.

So erkennen wir hier ganz wunderbarJesuewiges Amt: ER steht vor Gott und errettet uns aus Gottes Zorn, wenn der Satan durch seine – ohne Zweifel wahren – Beschuldigungen, auf die wir keine Antwort wissen, unsere Sünden vor Gott hinträgt, der durch unsere Sünden in Seiner Heiligkeit furchtbar beleidigt wird. Jesus aber überkleidet uns sodann mit Seinen Gewändern und hebt unsere Schuld von uns fort. Wie Jesus das tut, hat der Prophet hier noch nicht gezeigt. Aber daß Jesus es tut, verkündet der Prophet schon mit voller Glaubens-Gewißheit.

 

10. Jesu Sendung vom Himmel her

Dieser Bote war nicht von Fleisch und Blut, wie wir Menschen es sind, obgleich er in Mannes-Gestalt erschien und einem Manne gleichsah. Dennoch kannte ER keine menschliche Schwachheit. Wollte ER einem Menschen erscheinen, so kam ER unversehens vom Himmel herab und fuhr in einer Feuerflamme wieder zum Himmel empor (Richter 13, 20).

Nun aber wollte Gott, daß Sein Sohn nicht nur gelegentlich hier oder da einem Menschen erscheine, sondern Gott wollte, daß alle Menschen in allen Völkern, so weit die Erde reicht, (und nicht nur in Israel), aus ihrer Sündennot erlöst werden. Darum sollte sein Sohn Jesus nun auf die Erde gehen und als Mensch unter den Menschen wandeln, um ihnen allen ein Heiland und Erlöser zu werden.

Und so geschah es denn, daß der Bote, der Gottes Sohn war, zur Weihnacht eines Weibes Sohn wurde, und einen Menschenleib an sich nahm, ganz ebenso wie auch wir ihn tragen (Gal. 4, 4; Röm. 8, 3; Hebr. 2, 14).

Und niemand, kein Engel und kein Mensch, konnte die Sühne darbringen, um die Sünden der Menschen, durch die sie Gott so furchtbar betrübt hatten, zu sühnen. Und niemand wußte ein Mittel zu finden, um der Menschen besudelte Gewissen zu reinigen und die Schuld aus ihrer Herzenstiefe auszureißen – niemand wußte hierzu das Mittel zu finden, als nur der Eine Sohn Gottes, Jesus, der darum nun sich anschickte, die Welt und der Menschen Sünden zu sühnen und die Kraft der Sünde in ihren Herzen zu brechen.

Dennoch wollte der Vater den Sohn nicht zwingen, sondern aus freiem Herzen wollte der Sohn sich selber in den Tod hingeben. Und weil der Sohn gehorsam war und hinging, darum liebt der Vater den Sohn (Joh. 10, 17). Der Sohn betrachtete Seinen himmlidien Reichtum und Seine gottnahe Würde nicht als einen Raub, den ER fest umklammern müsse (Phil. 2, 6), sondern ER verzichtete auf alles und war bereit, arm zu werden, um uns reich zu machen (2. Kor. 8, 9; Hebr. 2, 8 und 17). So war der Sohn dem Vater gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz (Phil. 2, 8).

In den Jahrhunderten vorher hatte Gott zu den Menschen oft Seine Knechte, die Propheten, gesandt – aber vergebens; die Menschen verhöhnten und mordeten sie. Darum schickte Gott nun zuletzt Seinen einzigen eigenen Sohn – so hat es uns Jesus selbst gesagt (Mark. 12, 6).

Und da nun Jesus immer wieder davon erzählt, daß der Vater Gott Ihn gesandt habe (Joh. 3, 17 und oft), so ist also offenkundig, daß ER nicht durch ein bloßes Ungefähr in die Welt kam – so wie wir von uns selbst nicht wissen, wie und warum und wodurch wir geboren wurden. Wir sind eben da, ohne zu begreifen, warum und woher. Jesus aber wußte, daß ER zuvor bei Gott gewesen war. Und daß ER gesandt war, bedeutet, daß ER, ehe ER geboren wurde, vor Gott im Himmel gestanden hatte und des Vaters Auftrag vernahm und dem Auftrag gehorsam war, daß ER also aus eigenem Willen dem Vater Gott gehorchte, der Ihn nun in die Welt schickte, wo ER als Kind der Jungfrau Maria geboren werden sollte.

Wie Gott der Vater mit Seinem Sohn hierüber gesprochen und mit welchen Worten ER Ihn gesandt hat, das erzählt uns die Bibel niemals. Aber es ist ganz gewiß, daß Vater und Sohn sich besprachen, denn Jesus war dem Vater gehorsam und verließ mit freiem Willen den Himmel auf das Gebot des Vaters hin. . . . ER wollte die Menschen, die der Satan in das Elend der Schuld und des Leides verjagt hatte, erlösen und wieder nach Hause bringen zu Gott (Joh. 10, 16; 14, 3; 17, 24). Denn Gott selber konnte die Menschen nicht erlösen, weil Gott Gott bleiben muß. ER darf und kann nicht sterben.

 

11. Gott bereitet Jesu Geburt vor

Die GeburtJesuhatte Gott sorgsam vorbereitet. Durch Seine Propheten hatte Gott schon seit Urtagen angekündigt, daß der Erlöser in Bethlehem als Sohn einer Jungfrau und zugleich als ein Sohn des David-Hauses geboren werden würde, daß Sein Glanz aber Anfangs über Galiläa aufstrahlen sollte (Micha 5,1, Jes. 7, 14; Jer. 23, 5; Hes. 34, 23; Jes. 8, 23). Gottes Stunde ließ lange auf sich warten, doch eilte die bestimmte Zeit dem Ende zu (Hab. 2, 3). Endlich war die Zeit erfüllt (Gal. 4, 4; Mark. 1, 15), daß nun Gott seinen Sohn senden konnte.

Eine uns sonst ganz unbekannte Jungfrau aus Nazareth, Maria, war von Gott auserwählt worden, Mutter des Kindes zu werden. Sie war verlobt mit einem Manne, der aus dem Hause Davids stammte, der also ein direkter Nachkomme des Königs David war. Daß Maria auch aus Davids Haus stammte, wird in der Bibel niemals gesagt, ist daher durchaus nicht zu vermuten. Vielmehr ist ihr Herkommen uns völlig dunkel. Denn Jesus sollte G o t t e s Sohn sein. So werden die Ahnen der Maria nicht genannt, damit keine menschlich natürliche Abstammung von einem menschlichen Vater oder Großvater dem Heiland der Welt nachgewiesen werden könnte.

Zwar sagt Paulus, Jesus sei Davids Sohn nach dem Fleisch. Manche haben daraus gefolgert, daß also auch Maria aus Davids Hause gestammt haben müsse. Da die Bibel dieses aber nie bezeugt, darf man gewiß annehmen, daß „nach dem Fleisch“ auch bedeuten könne, Jesus sei durch Marias nachherige Ehe mit Josef dem Fleische nach mit Josef verwandt gewesen, was gewiß zutrifft. Wer indessen meinen will, Maria sei auch ein Abkömmling Davids, dem wird man es nicht bestreiten wollen und dürfen. Es hängt nicht viel an dieser noch an jener Meinung.

Das un­bekannte Mädchen trägt das Kind, dessen rechter Vater nur allein Gott ist.

Aber dieses Mädchen war verlobt mit Josef, einem Nachkommen des Königs David. Josef trug in seiner Person das Erbe des David und die Ehre des David-Hauses. Dadurch, daß er gleich nach Jesu Geburt die Maria heiratete und vor der Öffentlichkeit den Sohn der Maria als seinen eigenen Sohn anerkannte, übertrug Josef auf Jesum alles Erbe und alle Rechte des David-Hauses. So war also Jesus durch Adoption in das David-Haus hineingenommen. Und diese Adoption war völlig rechtswirksam. Der adoptierte Sohn genoß alle Rechte, die einem natürlichen Sohne zustehen. Und diese Adoption war um so kräftiger wirksam, weil wohl nur ganz wenige Menschen damals etwas davon ahnten, daß Jesus jungfräulich geboren war -vermutlich wußte überhaupt kein Mensch von diesem göttlichen Geheimnis der Maria, außer Josef und Marias Verwandter Elisabeth. Vermutlich erst nach Ostern hat Maria ihr Geheimnis verraten.

So hatte Gott in wunderbarer Weise dafür gesorgt, daß Jesus zugleich das vaterlose Kind eines unbekannten Mädchens und ein Sohn des David war; daß ER gesetzlich zwar Davids Enkel, der Natur nach aber nur Gottes Sohn durch die unbekannte, aber ganz reine Jungfrau war.

Gott bereitete durch seinen Engel Gabriel die Maria sorgsam auf ihren heiligen Beruf vor (Luk. 1, 26), der auf Maria als eine quälend schwere Last ruhen mußte. Denn vor der Welt mußte es nun, da sie schwanger wurde, so aussehen, als sei sie eine uneheliche Mutter, ein in Schande gefallenes Mädchen – denn zwar war sie verlobt, aber doch eben noch nicht verheiratet (Luk. 1, 34). Lieber aber nahm Maria solche Schmach auf sich, als daß sie ihr seliges Geheimnis verraten hätte. Maria schwieg und trug als erster Mensch die Schmach der Nachfolge, die Schmach des Kreuzes derer, die Jesu angehören (Luk. 1, 38).

Auch ihrem Verlobten Josef erzählte sie nichts. Denn dieses Wunder, daß Gott selbst der natürliche Vater ihres Kindes sei, war so unfaßlich, daß es ihr ohne Zweifel kein Mensch, und auch Josef nicht, je geglaubt hätten (Matth. 1, ig). Und so geschah es denn nun auch wirklich, daß Maria erkennen mußte, daß ihr Verlobter sich von ihr abkehrte – und sie konnte sich nicht wehren, konnte mit keinem Wort erklären, was Gott an ihr getan hatte. Darum sandte Gott noch einmal seinen Engel, der nun auch dem Josef das Geheimnis verkündete (Matth. 1, 20). Josef beugte sich dem Willen Gottes. Vor der Welt erkannte er das Kind, das geboren werden Sollte, als sein Kind an (Luk. 3, 23). So teilte er tapferen Sinnes mit seiner Braut Maria die Schmach, als seien sie beide miteinander in Schande gefallen.

Maria und Josef wohnten beide in der Stadt Nazareth, die inmitten der Landschaft Galiläa liegt.

Der Stammsitz der David-Familie war aber auch in jener Zeit immer noch Bethlehem, die Stadt, in der tausend Jahre zuvor der König David geboren worden war. Daher mußte Josef für einige Zeit nach Bethlehem reisen, als ein Gesetz des Kaisers Augustus eine Volkszählung vorschrieb. Denn man möchte vermuten, daß Joseph in Bethlehem geboren war und seine Familie dort Grundbesitz hatte, weshalb er bei der Volkszählung dort in Bethlehem sich zu melden hatte. Und vermutlich war er als Handwerksbursche kurz zuvor wandernd nach Nazareth gekommen, wo er sich mit der Jungfrau Maria verlobt hatte, die dort geboren sein mochte und vielleicht dort ein Anwesen besaß, in das er hinein heiraten konnte. Und nun, da er zur Volkszählung in seine Heimatstadt reisen mußte, nahm er seine Braut, die der Geburt ihres Kindes schon sehr bald entgegen sah, mit sich. So sollte nun das Jesus-Kind in Bethlehem geboren werden.

 

12. Jesu Geburt

Jesu Geburt war in lauter Wunder eingehüllt. Denn da Gott nun alles so sorgsam vorbereitet hatte und Jesus jetzt den Himmel verlassen wollte, um das Kind einer verlobten Jungfrau zu werden, konnte es natürlicherweise den Engeln nicht verborgen bleiben, die darum Jesu Eingang in die Welt mit wachen Augen beobachteten. Denn zuvor geordnet hatte Gott alles durch jenen Engel, den ER zu Maria und Josef sandte – so waren die Engel mit hineingezogen in dieses wundersame Geheimnis ihres hohen Herrn, dem sie anbetend gedient hatten, der jetzt aber so tief sich erniedrigte, daß ER einer unverheirateten Jungfrau Kind wurde.

Daß Jesus den Himmel verließ, um auf die Erde zu gehen, war aber ein so gewaltiges Geschehen, daß nicht nur die Engel im Himmel hiervon bewegt wurden, sondern auch die Natur in eine seltsame Erregung verfiel.

So verwundert es uns nicht, daß die Bibel uns erzählt, wie die Engel zur Geburtsnacht vom Himmel hernieder auf die Erde anbetend „tief sich beugten, um dieses anzuschauen“ (1. Petr. 1, 12)1), und Gottes heller Lichtschein das Dunkel der Geburtsnacht durchströmte. Ein Stern leuchtete – vermutlich doch in der Nacht der Geburt – irgendwo in einem fernen östlichen Lande auf, wo gelehrte Männer ihn beobachteten und an diesem Stern erkannten, daß der göttliche König geboren sei.

Und auf den Weiden vor den Toren Bethlehems umleuchtete Gottes lichtheller Glanz mitten in der Nacht etliche Hirten, die bei ihren Herden wachten. Und die Hirten sahen große Engelscharen, die vom Himmel hernieder eilten, um dieses Wunder zu schauen, wie Gottes Sohn, ihr himmlischer König, als Kind der Jungfrau in Bethlehems Stall geboren wird. Und die Hirten hörten den frohlockenden Jubelsang der himmlischen Heerscharen, die Gott ob dieses Wunders rühmten, das ER unter den Menschen in dieser Nacht hier getan hatte. Und Einer unter diesen zahllosen Engeln erzählte sogleich den Hirten von dem Heiland, der jetzt in diesen Augenblicken in die Welt hinein geboren wurde.

Diesen Stern und den strahlenden Lichtglanz sahen nur etliche wenige Menschen. Und nur die Hirten durften mit anschauen, wie die Engel vom Himmel sich hernieder beugten. Doch viel wunderbarer noch war die Natur bewegt, ungesehen von Menschen, die hiervon nichts ahnen konnten. Jedoch die Engel im Himmel sahen erstaunliche wundersame Dinge, wie kein Mensch sie wahrnehmen durfte. Hiervon hat uns Johannes sorgfältige Kunde gegeben:

“Ein großes Zeichen wurde im Himmel gesehen: eine Frau war von der Sonne umkleidet, und der Mond stand unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupte trug sie einen Kranz von zwölf Sternen, und sie ist schwanger – da schreit sie vor peinvoller Qual der Geburt.“ (Off – 12, 1-2).

So erzählt uns Johannes, was die E n g e l in der Geburtsnacht anschauen durften. Von der Qual der Geburt hören wir in den Evangelien nichts – so erfahren wir es denn hier. Von den zwölf Sternen sahen die Weisen nur Einen – den Sonnenglanz spürten die Hirten für eine kleine Weile mitten in der Nacht.

Und weiter erzählt Johannes: “Und ein anders großes Zeichen wurde im Himmel gesehen: man sah einen großen feurig-roten Drachen der stellte sich hin vor die Frau, um ihr Kind, sobald sie es geboren hat, zu verschlingen. Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der einst alle Völker mit eisernem Stabe weiden soll. Und der große Drache ist die alte Schlange, die auch Satan und Teufel heißt“. (Off. 12, 3-9.)

Den Drachen, der der Satan ist, sahen freilich die Menschen nicht, wenngleich Maria und Josef sehr schnell schon seine entsetzliche Nähe spürten. Zwar sagt uns die Bibel nirgendwo ausdrücklich, daß Jesus in einem Stall geboren sei. Aber von großer Raumenge in der Herberge (womit ein Gasthaus so gut wie die Unterkunft bei Verwandten bezeichnet sein kann) zeugt freilich der Hinweis auf die Krippe, in die Maria ihr Kindlein legen mußte – in einem Raum, der so unscheinbar war, daß ohne Beklemmung die schlichtesten armen Hirten ihn betreten konnten. Und die Krippe läßt freilich vermuten, daß es ein Stall gewesen sei, in dem Jesus geboren wurde und mit Seinen Eltern leben mußte. Kein anderer Raum bot sich dem Jesus-Kinde und Seinen Eltern dar!

Und wohl nur wenige Wochen später drohte ganz entsetzlich die Gefahr, daß der Drache dieses Kindlein verschlingen könnte.

Zuvor jedoch war noch ein ergreifendes Wunder um dieses Kindlein zu schauen.

Denn nicht nur durch diese wunderbaren Natur-Licht-Erscheinungen und nicht nur durch Engel erfuhren die Menschen, welch gewaltiges Ereignis so unscheinbar in jener Nacht der Geburt geschah, sondern schlicht nur durch das Zeugnis des ihnen einwohnenden Heiligen Geistes nahmen etliche Menschen wahr, daß jetzt der Heiland geboren sei: der Greis Simeon und die betagte Witwe Prophetin Hanna wußten genau, wer dieses Kindlein war, als etwa vierzig Tage nach Seiner Geburt die beiden Eltern das Jesus-Kind in den Tempel von Jerusalem trugen – Gottes Geist selbst hatte es ihnen gesagt (Luk. 2, 25-38).

Und schon zuvor, ehe noch Jesus geboren war, als Maria Ihn noch unter ihrem Herzen trug, wußte Marias Verwandte, die greise Priester-Gattin Elisabeth (weil Gottes Geist es ihr bekundet hatte), daß Maria die Mutter dessen werden sollte, der ihrer aller Herr und Erlöser werden würde (Luk. 1, 41, wo das Grundtext-Wort als Verwandte verstanden werden muß).

 

13. Jesu früheste Kindheit

Ein seltsamer Glanz voller Wunder lag über Jesu ersten Kindheitstagen. Jene Hirten, die von Gottes Glanz umleuchtet die Engel gesehen hatten, suchten das Kind und fanden es in der Krippe (Luk. 2, 16). Wenig später reisten jene Gelehrte aus dem fernen Ostland, die den Stern geschaut hatten, in das Land Israel, um das Kind zu finden. Die alten Prophetenworte des Micha wiesen sie hin nach Bethlehem, wo von neuem der Stern ihnen aufleuchtete. Und als dann nach etwa vierzig Tagen die Eltern das Kind in den Tempel trugen, war es wundersam, welche tiefsinnigen heiligen Worte jene zwei Greise, die wir vorhin nannten, Simeon und Hanna, über dieses Kindlein sprachen, derweilen Simeon es in seinen Händen trug.

Hirten, Gelehrte und Greise – armes Volk, und daneben die Hochangesehenen, die Nachbarhirten und ferne Ausländer, kamen zu Besuch, um dieses Kind zu grüßen. Welcher Glanz, welche Hoheit umstrahlten dieses Kind!

Doch auch der Haß verfolgte das Jesuskind von Anbeginn. Fand sein Stiefvater Josef keine brauchbare Herberge für Mutter und Kind, so wurde der Haß noch viel wüster, als König Herodes – von den östlichen Gelehrten ganz harmlos und ohne Arg auf das Jesus-Kind aufmerksam gemacht – dieses Kind zu morden trachtete. Daß dieser Haß seine letzte Ursache hatte in dem Satan, in der alten Schlange des Paradieses, hatte uns schon oben der Evangelist Johannes (Off. 12) gezeigt. So sehen wir hier, daß der Satan Jesum zu morden suchte, noch längst bevor ER Sein irdisches Werk vollenden konnte. Doch Gott selbst behütete das Kind, daß Seine Eltern mit Ihm noch rechtzeitig nach Ägypten entfliehen konnten. (Matth. 2,16).

 

14. Jesu Name

Gottes Engel Gabriel hatte der Maria und dem Josef geboten, des Kindes Namen auf hebräisch Jeschua zu nennen, das heißt auf griechisch Jesus (Luk.1, 31), Und da die Evangelien griechisch geschrieben sind, so finden wir den Namen auch in dieser griechischen Form im Evangelium und nennen unseren Herrn: Jesus. Der Name bedeutet „Gott-Heiland“. So soll uns dieser Name sagen, daß in Jesus Gott unser Heiland geworden sei, „weil ER Sein Volk von ihren Sünden erlösen wird“ (Matth. 1, 21).

Es ist (in nur ganz leiser Abwandlung) derselbe Name wie Josua. Josua war der Nachfolger des Mose gewesen, der zwar das Volk Israel in das Land Kanaan hineinführen konnte, es dort aber zur wahren ersehnten Ruhe noch nicht zu bringen vermochte – nun sollte Jesus der wahre rechte Josua sein, der uns in die ewige Ruhe hineinführt, wie der Apostel uns erklärt (Hebr. 4, 8-9).

 

15. Jesu Jugend

Von Ägypten, wohin Jesu Eltern mit ihrem Jesuskind geflohen waren, kehrten sie wieder zurück, und zogen nun nach Nazareth, wo Jesus aufwuchs.

Und wieder zeigte sich, wie Sein Leben vom Geheimnis umwoben war. Denn schon als Kind wußte Jesus um das Absonderliche und Heilige Seines Wesens, wie wir in der Geschichte Seines (vermutlich ersten) Tempelbesuches erfahren (Luk. 2, 41-52). Mit deutlichen Worten bekundete ER, obgleich ER noch ein zwölfjähriger Knabe war, daß ER wohl wußte, daß Gott Sein wahrer Vater sei. Sicherlich hatte Maria Ihm über das Geheimnis Seiner Geburt noch nie erzählt, da Jesus ohne Zweifel hierzu nach mütterlichem Ermessen noch zu jung gewesen sein mußte. Und wir sehen, daß Maria ganz unbefangen zu Jesus über den Vater Josef spricht, als sei er wirklich Jesu Vater, und darum überrascht war, daß Jesus so zuversichtlich G o t t Seinen Vater nannte (Luk. 2, 48). So wußte also Jesus aus sich heraus um Sein wunderbares Geheimnis (wobei uns gleichgültig sein kann, ob ER es auch schon biologisch deutlich damals verstanden hatte).

Und erstaunt waren schon damals die Menschen ob Seiner Einsichten in die göttlichen Dinge (Luk. 2, 47), als ER dort im Tempel inmitten der jüdischen Schriftgelehrten saß, um ihnen zuzuhören, und von ihnen befragt wurde. Gleichwohl blieb Jesus nun nicht etwa im Tempel, um ein israelitischer Bibelgelehrter zu werden – wir nennen sie Schriftgelehrte – so wie Paulus wohl zu etwa der gleichen Zeit ein Student der Bibelwissenschaft dort in Jerusalem wurde. Auch Jesu Vetter mütterlicherseits, der spätere Evangelist Johannes, ist wahrscheinlich einige Jahre später dort in Jerusalem auf die Hohe Theologische Schule gegangen. Und so hätte es nun doch auch sehr nahe gelegen, Jesum, der sich so auffällig klug im Tempel dort als Zwölfjähriger erwies, in diese Laufbahn hineinzulenken. Aber wie Sein ganzes Leben voller Wunder ist, so geschieht auch hier das Erstaunliche: Jesus kehrt mit Seinen Eltern wieder heim und wird ein Handwerker! ER sollte nicht menschliche Weisheit, nicht menschliche Bibelwissenschaft der Israelitischen Theologen (Schriftgelehrten) lernen, sondern ganz und gar nur gelehrt sein aus Gottes Unterweisung durch den Geist, den Gott selbst in Ihn legte. Trotz Seiner die Gelehrten erstaunenden Begabung trieb Ihn keinerlei Ehrgeiz in die akademische Laufbahn. Sondern nach diesem seltsamen Erleben im Jerusalemer Tempel kehrte Jesus wieder nach Nazareth zurück, wo ER das Handwerk eines Zimmermanns erlernte, das auch schon Sein Vater Josef ausübte, so daß Jesus vermutlich bei Josef als Lehrling diente (Mark. 6, 3; Matth. 13, 55).

Daß Jesus gerade dieses Handwerk ausübte, erwies sich später als tiefsinniges Gleichnis Seines wahren Berufes (Joh. 14, 2-3):
„Im Hause Meines Vaters sind viele Wohnungen. Wäre es nicht so, so hätte ICH zu euch gesagt, daß ICH hingehen will, um euch Raum zuzurüsten. Und wenn ICH dorthin gehe, um euch Raum zuzurüsten . . . “

In seiner Jugend baute ER irdische Wohnungen, um dadurch anzuzeigen, daß Sein wahrer Beruf sei, uns himmlische Wohnungen zuzurüsten. In diesem Handwerk stand Jesus offenbar bis etwa zu Seinem dreißigsten Lebensjahr (Luk. 3,23). Derweilen war vermutlich Sein Stiefvater Josef gestorben, da bei den späteren Erwähnungen der Mutter und Geschwister Jesu Sein Stiefvater Josef nie wieder genannt wird.

Maria und Josef hatten noch mehrere Kinder, die mit Jesu als ihrem ältesten Bruder zusammen aufwuchsen. Seine Brüder hießen: Jakobus, Josef, Simon und Judas, deren zwei, der Älteste und der Jüngste, hernach, jedoch erst nach Jesu Auferstehung, auch an Jesum gläubig wurden und jeder einen der Neutestamentlichen Briefe schrieben (Joh. 7, 5). Die Namen Seiner Schwestern, deren mehrere waren, sind uns nicht genannt (Matth. 13, 55).

 

16. Jesu Heimat

Jesus wuchs in einer Gegend auf, die weltverloren ganz abseits zu liegen schien, in der kleinen Stadt Nazareth, die etwa 25 Kilometer westlich vom See Genezareth und nach der anderen Richtung etwa ebenso fern vom Berge Karmel lag, am Nordrand der Ebene Jesreel, etwa 20 Kilometer nördlich von Megiddo. In Wahrheit aber ist diese Gegend die eigentliche Mitte der Welt, wo die beiden Erdteile Afrika und Asien aneinander stoßen, mit dem Blick auf Europa hinüber (Zypern), so daß man diese Gegend auch den Schnittpunkt der drei Erdteile nennen kann. Drei Welten begegnen sich hier, in drei Welten schaut man von hier hinüber. Es liegt fast genau in der Mitte zwischen Europa und Indien, zwischen Amerika und Japan (auf der Landhälfte der Erde), in der Mitte der großen Handels- und Kriegs-Straße des Altertums von Ägypten nach Babylon, und heute unweit der größten und wichtigsten aller Seestraßen, des Suez-Kanals.

Hier, auf dem Berge von Megiddo (hebräisch: Har-Mageddon Off. 16, 16), an dessen Fuß Nazareth liegt, wird einst die Entscheidungsschlacht fallen im letzten Krieg zwischen den zwei letzten großen Weltmächten.

Hier, bei Megiddo, wurden die großen Entscheidungen gefällt für Gott gegen die Götzen in der Debora-Schlacht (Richter 5, 19), und in den Tagen des Elia auf dem Karmel (l. Kön. 18). Hier wurde für immer das Volk Israel als Staatsmacht ver­nichtet, als Josia in Megiddo im Kampfe fiel (2. Kön. 23, 29), woraufhin Jerusalem zerstört und Israel in die babylonische Gefangenschaft geführt wurde.

Mit dem steten Blick auf diese Stätten, wo durch Debora und Elia Israels Glauben gerettet und durch Josias Tod Israels Eigenständigkeit vernichtet wurde, und wo einst der Antichrist zerschlagen werden wird, wuchs Jesus auf – in eben derselben Gegend, da ER einst wiederkommen wird.

Nazareth liegt etwa 110 Kilometer (Luftlinie) von Jerusalem entfernt, der Stadt, in der Jesus starb, von wo aus ER auch zum Himmel wieder empor fuhr. Jerusalem dürfte wohl die älteste der heute noch Bedeutung besitzenden Städte in der ganzen Welt sein. Wir hören von ihr zum ersten Male im Jahre 2100 vor Christi Geburt, als Abraham, von einem Kriegszug heimkehrend, an der Stadt Schalem vorbeiwandernd, dort vor den Toren der Stadt dem König von Schalem, Melchisedek begegnete. Schalem ist ein hebräisches Wort und heißt zu deutsch: Frieden. Bald hernach heißt die Stadt mit vollerem Namen Jeruschalem: die Friedensstadt, oder Jeruschalajim: die Friedens-Doppelstadt.

Die Berge rings um diese Stadt heißen die Morija-Berge. Auf einen dieser Berge hatte Abraham seinen Sohn Isaak zur Opferung geführt – also auf einen der vor der Stadt liegenden Hügel, deren einer (vielleicht derselbe) später Golgatha hieß (1. Mose 22, 2).

Zu diesen Morija-Bergen gehört auch der Zion, auf dem Salomo den Tempel erbaute. Er liegt schon innerhalb der Stadt (2. Chr. 3, 1).

David nennt die Tore dieser Stadt die „ewigen Pforten“ (Ps. 24), weil schon tausend Jahre vor David Melchisedek sie durchschritten hatte, um dem Abraham Brot und Wein ent­gegen zu bringen (1. Mose 14), und tausend Jahre später Jesus Christus durch sie hindurchschreiten sollte als König des Himmelreiches unter den Hosiannarufen des Volkes (Matth. 21, 9). Und wieder wird Jesus auf den Zion (der inmitten der Stadt Jerusalem liegt) treten, wenn ER einst wiederkommen wird (Off. 14, 1).

 

17. Jesu Zeit

Jesus wurde geboren etwa im Jahre 4135 nach der Erschaffung Adams. Es wird gut sein, um zu verstehen, wie sehr Jesus die Mitte der Zeit bildet, wenn wir noch einige Zahlen uns vor Augen führen:

Genau in der Mitte zwischen Adam und Jesus steht Abra­ham, der 1948 nach Adam oder 2187 vor Christus geboren ist und 2123 nach Adam oder 2012 vor Christus starb.

Genau in der Mitte zwischen Abraham und Jesus steht David: 3076-3145 nach Adam = 1059-990 vor Christus.

Und zwischen Abraham und David steht wieder genau in der Mitte Mose: 2588-2708 nach Adam oder 1547-1427 vor Christi Geburt. Auszug aus Ägypten: 2668 nach Adam = 1467 vor Christus. Und da Jesus etwa im Jahre 33 starb, war also der Auszug aus Ägypten 1500 Jahre vor Jesu Tod auf Golgatha.

Wir sagen rund:

4000 vor Christus Erschaffung Adams
2000 vor Christus Abraham
1500 vor Christus Mose
1000 vor Christus David.

Es zeigt sich hierinnen, wie erstaunlich Jesus die Mitte der Zeit bildet. Wir heute sind von Jesus Christus zeitlich etwa ebenso weit entfernt wie Abraham es war: er starb 2012 vor Christi Geburt. (Josef wurde geboren 1934 vor Christi Geburt und Jakob starb 1880).

Die Zeit vor Christi Geburt ist durch Abraham in zwei Hälften geteilt:

die ersten zwei Jahrtausende bis zu Abraham sind die Zeit der Völker, die zwei Jahrtausende nach Abraham bis zu Christus sind die Zeit Israels. Und seither sind wieder zwei Jahrtausende dahin gegangen als die Jahrtausende der Kirche Jesu Christi.

2000 Jahre von Adam bis Abraham = die Zeit der Uroffenbarung,
2000 Jahre von Abraham bis Jesus = die Zeit des Alten Bundes zwischen Gott und Israel,
2000 Jahre von Christus bis heute = die Zeit der vollkommenen Offenbarung.

Etwa 2000 Jahre vor Christi Geburt wurde dem Abraham von Gott das Land Kanaan geschenkt.

Etwa 2000 Jahre nach Christi Geburt ziehen nun die Israeliten wieder in ihre Urheimat Kanaan hinein.

Jesus wurde geboren sogleich, nachdem durch Cäsar und seine Nachfolger die germanische und die keltische (romanische) Welt, d.h. Mittel- und Westeuropa) erschlossen wurden und Nordafrika und die zunächst gelegenen Teile Osteuropas und Asiens dem großen Römischen Weltreich sich hatten öffnen müssen, so daß nun das Evangelium ungehindert durch Jesu Boten, die Apostel, allenthalben hingetragen werden konnte in den zwei Sprachen, der griechischen und lateinischen, die die weltbeherrschenden geworden waren.

 

18. Jesu Stammbaum

Da Marias Ehemann Josef einen lückenlosen Stammbaum seiner Familie bis zu David hin besaß, und da die Bibel die Generationenfolge von Adam bis zu David genau dargelegt bat, konnte Lukas in seinem Evangelium (Kap. 3) Jesu Stammbaum von Adam über Abraham und David bis hin zu Josef, Jesu Adoptivvater, aufstellen.

Und da ergibt sich die erstaunliche und seltsame Zahl, daß Jesus der sieben-und-siebzigste seit Adam war. Das bedeutet, daß 77 Generationen dahingegangen waren, bis Jesus kam – ER selbst in der siebenundsiebzigsten stehend.

 

19. Jesu Taufe

Viele Jahre hatte Jesu s als schlichter Zimmermann in Nazareth gearbeitet. Da geschah es, als Jesu s etwa 30 Jahre alt war, daß Sein Vetter Johannes, der Sohn des Priesters Zacharias, in mächtiger Kraft am Jordan predigte, so daß das Volk in Scharen zu ihm strömte und sich taufen ließ.

Die Predigt des Johannes gipfelte in der Verkündigung, daß ein Stärkerer, als er selbst es sei, nun bald kommen und mit heiligem Geist und Feuer taufen werde. Johannes konnte damals noch nicht wissen, daß dieser Stärkere, Kommende sein Vetter Jesus sei. Jedoch als nun auch Jesus zu ihm kam, um sich taufen zu lassen, überfiel den Johannes eine plötzliche Ahnung, dieser sein Vetter, der ihm fast gleichaltrig war (Jesus war sechs Monate jünger, Luk. 1, 26), sei ihm weit überlegen. Darum wollte Johannes Jesum nicht taufen, sondern sich lieber selbst von Ihm taufen lassen. Zwar wußte Johannes in diesen Augenblicken noch nicht, daß Jesus Gottes wahrer Sohn sei. Aber um Jesus wehte so spürbar der Odem Gottes, daß Johannes erschrak. Weil Jesus es aber forderte, taufte Johannes Ihn gleichwohl (Matth. 3, 14).

Da, als Jesus soeben sich von Johannes im Jordan hatte taufen lassen, erlebten sie beide, Jesus und Johannes, ein den Johannes tief erregendes Geschehen: die Himmel öffneten sich, Gottes Geist kam sichtbar, wie die Taube behutsam gleitend schwebt, vom Himmel hernieder auf Jesum und blieb auf Ihm. Johannes hatte vorher von diesem Geheimnis Jesu nichts geahnt (Joh. 1, 32-33) – jetzt wußte er: Jesus ist Gottes Sohn. Denn vom Himmel hörten sie beide, Jesus und Johannes, wie Gott selbst über Jesu bezeugte: „Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Meine Freude habe“ (Matth. 3, 17). Die anderen Menschen, die zufällig dabei gestanden haben mochten, sahen und hörten nichts. Johannes aber zweifelte keinen Augenblick, sondern wußte jetzt: J e s u s  ist der Starke, der Erlöser der Welt.

 

20. Jesu Versuchung

Jesus aber ging sogleich nach der Taufe in die Einsamkeit, in eine wüste Gegend. Dort war ER allein. Gottes Geist hatte Ihn dorthin geführt.

In dieser Einsamkeit sollte ER nun überdenken, was ER soeben in der Taufe erfahren hatte.

Denn nun wußte Jesus ganz gewiß durch des Vaters Wort, daß ER Gottes Sohn sei, an dem der Vater sich freut. Und Jesus kannte genug die Propheten und Psalmen, um nun im betenden Nachdenken während der langen sechs Wochen, die ER in der Wüste blieb, zu ergründen, wie notvoll, vom Haß des Satans und vieler falscher Priester stets umringt, Sein Weg auf Erden sein werde. Noch war es zwar nicht ausgesprochen, aber Jesu s wußte es dennoch aus der Bibel des Alten Testamentes, daß des Gottessohnes Weg ein Sterbensweg sein müsse.

Da greift in diese forschenden und grübelnden Gedanken über Sein Wesen, über Gottes Willen und Seinen eigenen Weg, der Satan ein. Jesus suchte im Gebet des Vaters Willen zu erfahren.

Satan aber versuchte, durch gedankliche Verführung Jesum von seinem Wege, wie Gott ihn Ihm vorzeichnete, abzubringen.

Hatte der Satan es dreißig Jahre zuvor nicht vermocht, Jesum durch Herodes zu töten, so versuchte nun der Satan auf eine andere Weise, Jesum daran zu hindern, der Erlöser der Welt zu werden. Soeben hatte bei der Taufe Gott über Jesum bezeugt, ER sei Sein geliebter Sohn. Muß denn nun Gottes geliebter Sohn einen Weg unsäglicher Einsamkeit, quälender Not und grausamen Sterbens durchwandern? Solche Fragen versucht der Satan, Jesu in das Herz hinein zu senken. Muß Jesus jetzt hier in der Wüste hungern? Freilich mußte ER es, weil nichts zu essen da war und ER doch nun Mensch geworden war. Und ein Mensch muß ohne Nahrung hungern. So muß also auch Jesus hungern. Aber muß ER wirklich? Satan versucht, Jesum zu bewegen, den Leidensweg, der heute voller Hunger, bald aber voller Angst und Qualen vor Ihm liegen werde, nicht zu betreten. Jesus ist – so möchte der Teufel Ihn erinnern – Gottes Sohn. Darum mahnt Ihn jetzt der Satan, ER solle Sein Recht als Gottes Sohn wahrnehmen und die verzweifelte Menschheit in ihren Sünden sich selbst überlassen und viel lieber als Gottes starker Sohn hoheitsvoll mächtig über die Erde hinschreiten. Denn als Gottes Sohn habe ER Anspruch auf einen freudenreichen Weg erhabener Macht über diese Erde – warum will ER denn hierauf verzichten und den grausamen Leidensweg gehen? Steine sollen unter Seinen Händen Brot werden, die Lüfte sollen Ihn tragen als den Göttlichen, erhaben vor aller Augen.

Aber Jesu s weist zweimal den Satan zurück Statt der Freuden, die der Satan vor Seinen Augen ausbreitet, und die ER leicht hätte ergreifen können (Hebr. 12, 2), wählte ER den Weg des Kreuzes, um uns Menschen zu erlösen. So wurde ER Gott gehorsam (Hebr. 2, 10; Phil. 2, 8) und nahm die furchtbarste Seelenqual und Leibesnot (den Kreuzestod) auf sich (Hebr. 5, 7). Wenngleich ER in diesen Tagen noch nicht alle Schrecken wußte, die Seiner warteten – wenige Tage später schon mußte Jesus es lernen.

Die Versuchungsworte des Teufels zeigen uns unzweideutig, daß Jesu s jetzt noch einmal die Wahl hatte – so wie einst im Himmel, als Gott Ihn auf die Erde senden wollte und Jesu s erwog, ob ER gehen solle. Noch konnte jetzt Jesus Nein sagen und den Kreuzesweg verlassen und zu Gott zurückkehren, ohne Sein Werk vollendet zu haben. Aber „von Mir selbst aus gebe ICH Meine Seele hin“ (Joh. 10, 18) – Jesus blieb des Vaters Gebot gehorsam.

Und noch ein drittes mal versuchte Ihn der Satan: wenn denn Jesu s nicht Seine hohe göttliche Würde wahrnehmen, sondern die Menschen erlösen will, so kann ER die Menschen doch auch auf andere Weise erlösen – es muß nicht durch das Kreuz sein. Satan zeigt Jesu, daß ER ein Menschheits-Beglüd<er werden kann auf viel leichterem Wege als durch das bittere Leiden. Satan möchte jetzt Jesum verlocken: des Vaters, Gottes, Gebot ist so entsetzlich schwer: sterben als ein Verfluchter! (Gal. 3, 13), – wie, wenn jetzt Jesus dem Vater Gott trotzte, wo Gott so grausam Jesum schlagen und verlassen wird! Möchte nicht Jesus mit dem Satan sich verbünden gegen Gott? Satan ist zwar aus dem Himmel gefallen – aber die Erde ist sein! Und wenn jetzt Jesus mit dem Satan gemeinsam gegen Gott stehen will, will zum Lohn dafür Satan Ihm die Erde und die ganze Menschheit schenken. Und Jesus soll die Menschen lenken, beglücken und beschenken, ganz wie ER will – aber mit dem Satan gemeinsam! Jesus braucht dann nicht zu sterben – aber freilich wird ER dann auch nie die Menschen zu Gott heimführen und nie sie aus ihren Sünden erlösen!

Jesus weist auch dieses dritte mal den Satan zurück: zu der entsetzlichen Revolution des Satan gegen Gott will ER sich ganz gewiß nicht schlagen. So geht ER den Gehorsamsweg und betet Gott an – und läßt sich von Gott senden auf den Weg des Leidens – für uns!

Sechs Wochen lang – vierzig Tage – hatte der Satan Jesum versucht. Diese Versuchungen mußte Jesus auf sich nehmen, um in allem uns gleich zu werden (Hebr. 2, 17), damit Seine Sündlosigkeit nicht nur schlicht in Seiner göttlichen Natur beruhe, sondern erprobt und ein echter Sieg über den Satan sei. Denn Jesus sollte in demselben Kampf gegen die Sünde sich bewähren, den auch wir unentwegt durchkämpfen müssen und in dem wir gar zu oft unterliegen – ER aber sollte in diesem Kampf Seine Sündlosigkeit beweisen, so daß niemand Ihm eine Sünde würde nachweisen können (Joh. 8, 46).

 

21. Jesus lernt Sein eigen Wesen erkennen

Als Jesus noch im Himmel gewesen war und Gott Ihn dort fragte, ob ER auf die Erde hernieder gehen wolle, um die Menschen zu erlösen, hatte ER mit freiem vollbewußten Willen den Himmel verlassen und war Mensch geworden. Aber Mensch wurde ER ganz ebenso, wie auch wir es wurden: als kleines seiner selbst unbewußtes Kindlein, das anfangs nichts ü b e r sich selbst und nichts a u s sich selbst heraus weiß. Unwissend einfältig wie jedes andere Kind auf Erden war auch das Kind Jesus gewesen.

Als Zwölfjähriger, da ER zum erstenmal die wundervolle von lauter Gebet und Psalmenliedern und heiligen Gotteswarten getragene Passahfeier im Jerusalemer Tempel erlebte, wurde Ihm bewußt, daß Gott Sein wahrer rechter Vater sei. Zum ersten Male wußte ER, wenngleich auch nur ganz wenige, so doch aber leise andeutende Gedanken und Worte über Sein wahres Wesen zu finden.

Wir dürfen vermuten, daß hernach Maria Ihm über das Wunder Seiner Geburt das Nötige erzählt habe. Obgleich ER als Handwerker still und unauffällig Seine Arbeit tat, war ER doch in allem ganz anders als die anderen jungen Männer. Schon äußerlich: ER heiratete nicht und suchte keine Frauen­liebe. Noch mehr innerlich: frei von Sünden, rein, ohne die Last der Schuld, schritt ER Seinen Lebensweg dahin. Welche Erkenntnis über Sein wahres Wesen allgemach in Ihm reifte, wenn ER im Gebet Gott suchte und die Propheten, Mose und die Psalmen las, erfahren wir nicht. Wie ER vom Säugling zum Kind, vom Kind zum Jüngling und Mann langsam – wie irgend ein anderer Mann auch – erwuchs, so wuchs in Ihm allgemach – ganz anders als bei anderen Männern – Erkenntnis und Wissen.

Doch beruht all unser Wissen auf Erfahrung oder Unterricht. Und da Jesus Mensch war, konnte es bei Ihm auch nicht anders sein. Daher gab Ihm Gott in der Taufe durch das vom Himmel herab gerufene Wort, daß ER Gottes Sohn sei, den Unterricht. Und der Geist, der sichtbarlich wie eine Taube vom Himmel auf Ihn hernieder schwebte und auf Ihm blieb, schenkte Ihm die Erfahrung. Von Stund an wußte Jesus ganz gewiß aus Erfahrung und göttlichem Unterricht, wer ER sei. ER erkannte das Geheimnis Seines Wesens: daß ER Gottes wahrhaftiger Sohn und Gottes ganze Freude war.

Als ER sodann gleich nach der Taufe in die Wüste hinein wanderte, mußte Jesu grimmigster und wütender Feind, der Satan, durch Seine frivolen frechen Worte Jesu Erkenntnis Seines eigenen Wesens nur noch mehr befestigen und vertiefen: daß ER als Gottes wahrhaftiger Sohn ein absoluter Herr über die Natur sei, der Steine verwandeln und durch die Lüfte entschweben könnte, wenn ER Seiner Aufgabe entrinnen wollte.

Nun wanderte Jesus nach den sechs Wochen der Versuchung wieder zurück an den Jordan. Wieder sucht ER den Täufer Johannes auf, der jetzt unversehens und überrascht Jesum vor sich stehen sieht und in prophetischem Geiste mit seinem Finger deutlich auf Jesum hinweist und dem umstehenden Volke laut zuruft: „Sehet das Lamm Gottes! ER trägt die Sünde der Welt!“ (Joh. 1, 29).

Nun war es ganz deutlich ausgesprochen – was der greise Simeon einst leise nur angedeutet hatte: daß Jesus Der sei, von dem Jesaja geweissagt hatte: Gottes Sünden-Opferlamm, der des Volkes Sünden tragen und durchbohrt sterben müsse, wie ein geschlachtetes Lamm (Jes. 53). In diesen Augenblicken lernte Jesus aus den prophetischen Worten des Johannes, daß ER als Gottes Passah-Opferlamm Seinen Weg über die Erde hinschreiten müsse.

Gott hatte Ihn in der Taufe Seinen geliebten Sohn genannt. Nun muß Jesus lernen, daß Gottes Sohn – ER selbst – Gottes Opferlamm sein müsse – von Gott geliebt, von den Menschen erwürgt: das war Sein Weg, den ER jetzt klar vor Augen liegen sah und nun beschreiten sollte.

Und noch wieder einige Zeit später besuchten Ihn vom Himmel her Mose und Elia, die Ihm bis ins Einzelne genau, darlegten, in welcher Weise ER in Jerusalem werde sterben, müssen (Luk. 9, 31).

So lernte Jesus Schritt um Schritt das Geheimnis Seines eigenen Wesens immer tiefer verstehen. Daher begreifen wir, daß ER in Seinen Worten zum Ende Seines Lebens hin immer deutlicher von Seinem Leiden, aber auch von der erhabenen Würde Seines Wesens redete, und von dem Opferwert Seines Sterbens am Kreuz und Seines Blutes.

Und wenn wir Jesu eigene Worte recht verstehen, so wuchs auch zugleich in Ihm mehr und mehr die Erinnerung an Sein Dasein, das ER zuvor droben in der Ewigkeit bei Gott einst zu Eigen gehabt hatte (Joh. 17, 24). Wie tief und deutlich diese Erinnerung in Ihm lebendig war, können wir indessen nicht wissen. Und wir dürfen nicht vergessen, daß ER ganz und gar Mensch geworden war: „ER entblößte sich (von Seiner göttlichen Würde) und nahm die Gestalt eines Knechtes auf sich. Vollends ähnlich wurde ER den Menschen, und in Seinem Wesen fand es sich, daß ER einem Menschen gleich war“ (Phil. 2, 7). Dennoch wußte ER aus Seiner Erinnerung hier und da mancherlei Dinge aus der Ewigkeit zu erzählen (Luk. 10, 18; Joh. 3, 12-13 und 8, 38). Und ganz deutlich war Ihm bewußt, daß Gott Ihn vom Himmel her gesandt hatte und welcher Glanz Ihn einst umflossen hatte, als ER noch droben, im Himmel an Gottes Seite geweilt hatte (Joh. 17, 4. 24).

 

22. Jesu erste Jünger

Aus der Jünger-Schar, die Johannes den Täufer umgab, hatten zwei Jünglinge die Worte des Täufers über Gottes Lamm verstanden, und waren sogleich zu Jesu hingegangen, um nun Seine Jünger zu werden.

Der erste war Jesu anderer Vetter: Johannes (seine und Jesu Mutter waren Schwestern). Er war vermutlich etwas jünger als Jesus. Er gehörte dem Priesteradel an. Doch war seine Familie in Kapernaum ansässig und besaß dort ein Fischerei-Gewerbe. Von Zeit zu Zeit jedoch durfte Johannes in Jerusalem Priesterdienst tun und hatte wahrscheinlich dort die Hohe Schule der Rabbinen und Hohenpriester besucht. jetzt aber legte er den Priester-Adel ab, um Jesu Jünger zu werden. Später schrieb er eines der vier Evangelien und die Offenbarung.

Andreas, der andere der beiden Johannes-Jünger, brachte gleich hernach seinen leiblichen Bruder Simon mit, dem Jesus den Zunamen Petrus gab.

Und zu diesen Dreien kamen noch am selben und am nächsten Tage zwei weitere Jünglinge hinzu: Philippus und Nathanael (der vermutlich den Zunamen Bartholomäus trug) (Joh. 1, 35-51).

Mit diesen fünf Männern wanderte nun Jesus hinein in das Land, zu den Menschen, deren Heiland und Sündenversühner ER jetzt werden sollte.

 

23. Jesu große Rundreise

Und weil Jesus in der Galiläischen Stadt Kana zu einer Hochzeit geladen war, wanderte ER sogleich vom Jordan aus mit seinen fünf Jüngern dorthin, und nach wenigen Tagen dann weiter nach Kapernaum. Man möchte vermuten, daß ER schon damals floh. 2, 12) für seine Mutter und sich ein Haus dort in Kapernaum erwarb oder baute. Ohne sich aber dort länger aufzuhalten, reiste ER weiter zum Passahfest nach Jerusalem (das jüdische Ostern), wo ER zum ersten Male öffentlich vor dem Volke sich in wuchtiger Kraft als den göttlichen Herrn erwies und zugleich durch Seine Worte Seine himmlische Würde offenbarte: ER vertrieb aus dem Tempel die Taubenhändler, und mit einer Strickgeißel Kühe und Schafe, und verschüttete den Geldwechslern die Gelder (Joh. 2, 13-16). Sonst aber wirkte er nur im Verborgenen, tat nur wenige aber erstaunliche Wunder, aber auch die mehr verborgen als sichtbar (in Kana hatten die wenigsten Leute nur begriffen, daß Jesus es war, der sie mit so köstlichem Wein beschenkt hatte, Joh. 2,9), erregte aber schon jetzt durch Sein mutiges Auftreten und wuchtige Tatkraft im Tempel und durch die verborgenen Wunderzeichen die Aufmerksamkeit der Gelehrten (Nikodemus Joh. 3, 2). jedoch wanderte ER sogleich nach dem Passahfest wieder von Jerusalem fort an den Jordan, wo ER öffentlich predigte. Doch erfahren wir kein einziges Wort Seiner dortigen Predigten und Gespräche. Seine Jünger tauften jene, die sich auf Jesu Predigt hin bekehrten (Joh. 3, 22 und 4, 2).

Inzwischen wurde Johannes der Täufer verhaftet. Und Jesus spürte, daß ihm gleiche Gefahr drohte. Auch verfolgten ihn die Pharisäer aus Jerusalem mit ihrer Eifersucht, so daß fesus die judäische Provinz verließ und wieder nach Galiläa reiste (Joh. 4, 1-3; Luk. 3, 20; Matth. 4, 12). Diese Reise führte ihn durch Samaria, wo Jesus indessen nicht lange verweilte. Nur von einem einzigen Gespräch hören wir, das ER in Samaria mit einer mannstollen Frau führte (Joh. 4).

 

23. Jesu Haus in Kapernaum

Matth. 4, 13. Vergleiche Math. 9, 1 mit Mark. 2, 1, wo es sich offensichtlich um Sein eigenes Haus handelt („ER ist zu Hause“), und ebenso Mark. 3, 20 und 7, 17 und 9, 28.

Durch Galiläa wanderte Jesus mit seinen fünf Jüngern hin und her, wobei er auch nach Nazareth kam, wo Ihn aber die Leute, die Ihn seit Seiner frühen Jugend kannten, schroff ablehnten und zu morden suchten. So wanderte Jesus sogleich wieder weiter und kam nun nach Kapernaum, wo ER forthin wohnte – mit seiner Mutter im eigenen Hause (Matth. 4, 13; Mark. 1, 14; Luk. 1, 16).

 

24. Jesus in Kapernaum

In Kapernaum blieb Jesus längere Zeit – es mögen etwa anderthalb Jahre gewesen sein. Hier wurde nun Sein Haus der Mittelpunkt des geistlichen Lebens der Stadt. Ging Jesus am Sabbat in die israelitisch-gottesdienstliche Versammlung, um dort zu predigen, so überlagerten am Nachmittag und Abend die Menschen in Scharen Sein Haus (Mark. 1, 21-34). Sie umstanden Sein Haus so dichtgedrängt, daß es an einem Tage geschehen konnte, daß vier beherzte Männer sich nicht scheuten, des Hauses Ziegel abzudecken, um einen Kranken vom Dach aus in die Stube hinunter zu senken vor Jesu Füße (Luk. 5,18).

Von Kapernaum aus wanderte Jesus hin und her in die umliegenden Dörfer. Einmal fuhr ER auch hinüber auf die andere See-Seite nach Gadara (Mark. 5), wo ER sich indessen nicht verwellte, weil die Leute Ihn brüsk ablehnten und Ihn dringend baten, sogleich wieder fort zu reisen.

Bei diesen Wanderungen strömten die Volksscharen Ihm zu, denen ER auf einem Berge oder irgendwo im Felde oder am See-Ufer Seine langen Predigten hielt (Matth. 5-7; Matth. 13; Luk. 6). Und viele Kranke wurden durch seine Hilfe gesund.

Zu einem kurzen, das Volk aber heftig aufregenden Besuch wanderte Jesus zwischendrin – vermutlich ohne Seine Jünger – nach Jerusalem (nur Johannes wird bei Ihm gewesen sein, der deshalb als Einziger der Evangelisten von dieser Reise berichtet, Joh. 5). Doch reiste Jesus von dort sogleich wieder nach Kapernaum zurück

 

25. Die zwölf Jünger

Zu seinen fünf ersten Jüngern fanden sich bald weitere sieben Männer hinzu, die nun auch seine Jünger wurden:

6. Jakobus. Er war ein Bruder des ersten Jüngers Jesu, des Johannes. So war er also auch ein Vetter Jesu und wurde später der erste Märtyrer unter den zwölf Aposteln (Apg. 12, 1).

7. Der spätere Indien-Missionar Thomas, der den Beinamen Zwilling trug.

8. Der kleine Jakobus. Er war ein Sohn des Emmaus-Jüngers Kleophas und der Maria, die unter Jesu Kreuz gestanden hatte (die „andere Maria“, Matth. 27, 61, die weder mit Maria Magdalena noch mit Jesu Mutter Maria verwechselt werden darf). Um ihn von Jesu Vetter Jakobus und von Jesu leiblichem Bruder Jakobus zu unterscheiden, nannte man ihn den kleinen Jakobus. Wir erfahren sonst nichts über ihn.

9. Levi = Matthäus, der frühere Zöllner, der hernach das erste Evangelium geschrieben hat, das von einem hervorragenden Gedächtnis, aber auch von gründlicher Bildung und Verstandes-Klugheit zeugt, die er aus seinem früheren Beruf oder Erziehung mitgebracht haben mochte.

10. Judas, der den Beinamen Thaddäus trug. (Wir sehen, daß diese Beinamen gehandhabt wurden, um die einzelnen Männer gleichen Namens von einander zu unterscheiden). Johannes nennt ihn: Judas, nicht der Ischarioth. Wir wissen sonst nichts weiter über ihn. Sein Vater hieß Jakobus.

Kapitel 25. Thomas: Eusebius berichtet nur von Parthien, das aber bis an den Indus reichte. Spätere berichten von Indien.

Levi-Matthäus‘ Vater hieß auch Alphäus Mark. 2, 14, woraus manche erschlossen, er sei ein Bruder des kleinen Jakobus, und Thomas (so meinten manche Bibelerklärer weiterhin, weil er der Zwilling heißt und stets neben Levi steht) sei ebenfalls des Matthäus Bruder, so daß sie alle drei miteinander Brüder wären. Das ist aber unwahrscheinlich Matthäus‘ Vater wird ein anderer Alphäus gewesen sein.

11. Simon der Kananäer, mit dem Beinamen: der Zelot, das heißt: der Eiferer (Luk. 6, 15). Aus diesem Beinamen möchten wir vermuten, daß er zuvor, ehe er zu Jesu fand, zur jüdischen radikal-politischen Zeloten-Partei gehört hatte.

12. Judas Ischarioth, der hernach Jesum verriet.

 

26. Die Predigtreise der Jünger

Zum Ende der Predigtzeit von Kapernaum sandte Jesus Seine zwölf Jünger aus, je zwei und zwei, um das Evangelium auch dorthin zu tragen, wo ER selbst nicht hatte hinwandern können (Matth. 10; Mark. 6, 7).

In diesen selben Tagen ließ König Herodes den schon seit Monaten im Gefängnis liegenden Johannes den Täufer enthaupten (Matth. 14). Als Jesus dieses erfuhr – die Jünger des Johannes hatten es Ihm sogleich erzählt – ging ER in die Einsamkeit, irgendwo am See Genezareth (Matth. 14, 12-13). Wie tief Jesus von dieser Nachricht bewegt war, können wir ahnen. Johannes der Täufer hatte Jesum von Anfang an so tief verstanden, wie niemand sonst, und als erster nun war Johannes Ihm auch in diesem vorangegangen und starb unter Mörderhänden, so wie bald hernach auch Jesus unter Mörderhänden sterben sollte.

Dort in der Einsamkeit fanden Ihn die Jünger, als sie von ihrer großen Predigtreise wieder heimkehrten (Mark. 6, 30).

Der Erfolg ihrer Predigtreise war ganz wunderbar und gewaltig gewesen. Fünftausend Männer strömten auf diese Jünger-Predigten hin zusammen, um nun Jesum selbst zu sehen. Die Jünger hatten in ihrer Predigt auf Jesum hingewiesen – nun kamen die Männer zu Jesu selbst und durften erleben, wie Jesus sie in überwältigend wunderbarer Weise mit Brot speiste, nachdem ER zu ihnen in langen Predigten geredet hatte (Mark. 6, 30-56).

Und so groß war die Begeisterung dieser Männer für Jesus, daß sie in entflammter Leidenschaft Ihn zum König ausrufen wollten. Jesus jedoch entzog sich ihnen in die Berg-Einsamkeit (Joh. 6, 15). Es waren gerade die Tage, da man sich zur Pilger­reise nach Jerusalem rüstete zum Passahfest. Jesus jedoch reiste in diesem Jahre nicht zum Passah (6, 4).

 

27. Eine gefährliche Zwischenreise

Etliche Monate später jedoch wanderte Jesus von Kapernaum nach Jerusalem zum Laubhüttenfest (Joh. 7-8). Eigentlich wollte ER nur verborgen sich dort verweilen (7, 10). Indessen war ER inzwischen schon so sehr berühmt geworden, und jedermann redete von Ihm – man suchte und erwartete Ihn geradezu auf dem Fest, so daß ER sich nicht verbergen konnte (7, 11-12). Und da die Leute so sehr Ihn suchten und hören wollten, so predigte ER denn auch frei öffentlich im Kirchgarten rings um den Tempel (7, 14). Diese seine Predigten erregten ein solches Aufsehen, daß ER die Mitte des ganzen Festes wurde. Und da nun die Frage sich vor allem darum drehte, wer ER denn eigentlich sei, und woher ER die Kraft und das Recht zu solcher Predigt habe, und weil das Volk von Seiner Predigt so wunderbar ergriffen wurde, daß die Leute nicht verstehen konnten, warum die Jerusalemer Obrigkeit Ihn so bitter haßte, so fügte es sich, daß Jesus, immer wieder neu auf diese Fragen eingehend, zum ersten Male in deutlichen Worten und weitläufigen Darlegungen erzählte, wie Gott Ihn gesandt habe und welchen Auftrag Gott Ihm anvertraut habe, wie ER daher auch willens sei, allen zu helfen, die zu Ihm kommen, wie furchtbar teuflisch und böse es aber sei, Ihn ermorden zu wollen.

Der Haß der Jerusalemer Priester gegen Jesus entflammte aus ihrer Eifersucht, weil sie sahen, wie die Mengen des Volkes hinter Jesu drein liefen und Ihm lauschten, und wie darüber das Volk die Priester vergaß, so daß sich aus dem Volke niemand mehr um sie kümmerte. Schon hatten die Priester den Auftrag gegeben, Jesum zu verhaften – aber auch die Tempeldiener waren von Jesu Worten so ergriffen, daß niemand Ihn anzurühren wagte. Daher sind die langen Reden dieser Tage (Joh. 7-8) so voller Bitternis. Jesus mußte unentwegt spüren, wie man Ihn zu morden suchte – und es war doch kein Grund vorhanden, Ihn zu hassen. Fast schon wäre es dahin gekommen, daß sie Ihn steinigten (8, 59) – da aber entwand sich Jesus ihren Blicken und wanderte nach Kapernaum zurück.

Auf diese Jerusalemer Reise hatte Jesus vermutlich Seine Jünger nicht mitgenommen, sondern sie in Kapernaum zurückgelassen. Wahrscheinlich hatte auch dieses Mal nur Johannes Ihn begleitet, der darum auch alleine uns über diese Reise einen Bericht gebracht hat.

 

28. Letzte Wochen in Kapernaum

Die Jerusalemer Theologen (Schriftgelehrte und Pharisäer) ließen indessen Jesum nicht aus ihren Augen, sondern reisten hinter Ihm drein nach Kapernaum, um das Volk gegen Jesum aufzuwiegeln, und um Ihn genau zu beobachten (Mark. 7, 1). Denn sie suchten nach Gründen, um Jesum baldmöglichst zu ermorden. Aber wie es ihnen in Jerusalem nicht gelungen war, Jesum zu verhaften (Joh. 7, 46), weil das Volk in begeisterter Liebe an Jesu hing, so konnte es ihnen noch viel weniger in Galiläa gelingen, wo die Menschen zu Tausenden Jesum umringten und ER als wunderbarer Heiland allenthalben von den Kranken gesucht wurde.

Indessen trat es nun offen vor allem Volk zu Tage, welche tiefe Kluft Jesum von den jüdischen Kirchenmännern trennte. In scharfen geißelnden Worten hielt Jesus diesen Jerusalemer Bibelgelehrten und Pharisäern, die Ihm nach Kapernaum nachgereist waren, vor aller Ohren eine fürchterliche Strafpredigt, dort irgendwo am See Genezareth, weil sie, die die Bibel so genau kannten und weithin auswendig wußten, das Bibelwort durch theologisch-exegetische Künsteleien zerredeten und ungültig zu machen suchten (Mark. 7).

Aber auch Herodes wurde auf Jesum aufmerksam und erkundigte sich genau nach Ihm (Matth. 14, l) und ließ es sich anmerken, daß er Jesum gerne auch, ebenso wie er es mit Johannes getan hatte, töten würde (Luk. 13, 31). Er äußerte auch den Wunsch, Jesum einmal zu sehen (Luk. 9, 9). So wußte sich Jesus in Gefahr. Aber seine Zeit war noch nicht gekommen. ER sollte, nach Gottes Willen als Passahlamm in Jerusalem sterben, und nicht heimlich in Galiläa von irgend einem Knecht des Herodes oder durch die Faust eines fanatischen Pharisäers ermordet werden. Darum mied Jesus jetzt für einige Zeit die laute Öffentlichkeit.

 

29. Jesu Auslandsreisen

Aber noch aus einem anderen Grunde brauchte Jesus eine völlig verschwiegene Einsamkeit. Wo ER auch immer auf Straßen oder Feldern, in Bergen oder Dörfern wanderte, fanden sich Leute zu Ihm hin, die mit Ihm reden oder sich heilen lassen wollten (Mark. 6, 54-56). So fand Jesus keine Zeit für Seine zwölf Jünger. ER mußte nun aber endlich einmal für etliche Wochen mit Seinen Jüngern die Einsamkeit finden. Denn Jesu Erdenzeit ging dem Ende zu. Bald mußte ER zu Seinem Sterben nach Jerusalem reisen. Zuvor aber mußten Seine Jünger von Ihm noch die letzten Geheimnisse, die ER ihnen anzuvertrauen hatte, lernen. Darum wanderte Jesus in das Ausland, hoch zum Norden hinauf in die syrischen Gegend (Mark. 7, 24).

Dort nun saß Jesus in einem abgelegenen Dorf in verschlossener Stube mit den zwölf Jüngern, um sie auf ihren Apostelberuf vorzubereiten. Aber auch dorthin, in jenes Ausland, war die Kunde von Jesus schon gedrungen. Unversehens tritt in die Stube eine Frau. Man versteht, daß Jesus unmutig wurde, als diese Frau ihn bat, einen weiten Weg mit ihr zu wandern, um ihre kranke Tochter zu heilen. Jesus hatte jetzt keine Zeit mehr, ER mußte Seine Jünger unterweisen. Darum lehnte ER den Wunsch der Frau ab, denn diese Krankenheilung hätte Ihm vielleicht mehr noch als einen ganzen Tag an Zeit gekostet – dennoch half ER ihr auf ihr glaubensstarkes andringendes Bitten und heilte die Tochter aus der Ferne (Mark. 7, 24).

Vielleicht weil ER hier nicht verborgen bleiben konnte, wanderte Jesus wieder an den See Genezareth zurück nach Kapernaum und zu Seiner Mutter in Seine Wohnung kehrte Jesus indessen nicht, sondern ruhelos wanderte ER durch einsame Dörfer und verlassene Gegenden (Mark. 7, 31; 8, 10, 13, 22).

Und von neuem, zum zweiten Mal, suchte ER das Ausland auf. War ER auf Seiner ersten Reise nach Nordwesten gewandert, so wanderte ER nun nach Nordosten, nach Cäsarea Philippi. Und hier fand Jesus die nötige Einsamkeit, Stille und Zeit, um Seine Jünger zur tiefsten Erkenntnis zu führen: daß ER leiden müsse, aber wieder vom Tode auferstehen werde, was Seine Gemeinde sei, und wie man Ihm nachfolgen müsse, und daß ER dereinst Sein Reich bringen werde (Mark. 16). Im Evangelium ist die Fülle dieser Erkenntnis in wenige Sätze gefaßt. Doch können wir leicht begreifen, daß Jesus lange Tage oder Wochen brauchte, um Seinen Jüngern diese vielen Geheimnisse so zu deuten, daß sie alles verstanden.

Wenige Tage später offenbarte Jesus dreien Seiner Jünger Seinen himmlischen Glanz in der Verklärung – die Jünger konnten hernach selbst nicht mehr genau sagen, wo es gewesen war. Aber tief hatte sie dieses Erleben, wie sie Jesum vom himmlischen Licht überstrahlt sahen und des himmlischen Vaters Stimme hörten, bewegt, daß sie nun vollends begriffen, daß ihr Meister Jesus wahrhaftig Gottes Sohn war (Mark. 9, 2-13; 2. Petr. 1, 17).

 

30. Die Reise durch Samarien

Das Passah rückte näher. So rüstete Jesus sich nun zu Seiner Todes-Reise nach Jerusalem. Auf dieser Reise wollte Jesus noch das Evangelium nach Samarien tragen. So reiste ER jetzt von Cäsarea Philippi durch Kapernaum und Galiläa, wo ER aber unerkannt bleiben wollte. In Kapernaum saß ER noch einmal in Seinem Wohnhaus (Mark. 9, 33) und hatte tiefsinnige Gespräche mit Seinen Jüngern (Vers 34-50). Doch durfte niemand von den Leuten der Stadt erfahren, daß ER da sei. Denn die Leute von Kapernaum hatten genügend Zeit gehabt, Seiner Predigt zu lauschen. Jetzt wollte Jesus sich von niemandem mehr aufhalten lassen, sondern sogleich weiter reisen dorthin, wo ER noch nicht gewesen war. So wanderte Jesus jetzt eilig nach Samarien, der Provinz, die zwischen Galiläa (Im Norden) und Judäa (im Süden) liegt.

Gleich im ersten Dorf aber wiesen die Leute Ihn brüsk ab (Luk. 9, 52). Den empörten Jüngern zeigte Jesus, wie die Samariter für das Himmelreich zu gewinnen seien: aus allerlei Männern, die Ihm nachfolgten (9, 57-62), suchte Jesus sich siebzig Männer aus, die ER in alle jene Samariter-Dörfer hinsandte, durch die ER auf Seiner Reise kommen mußte (Luk. 10). Diese Siebzig sollten Sein Kommen den Leuten ankündigen.

Und deren Verkündigung war nicht vergeblich gewesen. Überall, wo Jesus hinkam, wurde ER mit großer Freude aufgenommen, daß Ihn ungezählte Tausende umdrängten und Ihm zuhörten (11, 29; 14, 25; 15, 1). Auf den Dorfstraßen redeten die Leute Ihn an, vornehme Männer luden Ihn zu Gast, und nie versagte Jesus sich irgend einem, sorgte aber auch stets dafür, daß, wenn ER irgendwo zu Tische saß, jedermann dort Zutritt zu Ihm fand (11, 37; 14, 1). Aber auch in der Stille eines einsamen Hauses saß ER lange Stunden bei schlichten Frommen (10, 38).

So kam nun Jesus zuletzt in die Stadt Jericho, wo ER im Hause des Zöllner-Aufsehers Zachäus lange Gespräche führte (Luk. 19, 1-27).

 

31. Wunder um Jesum

Allenthalben, wo Jesus nur immer verweilte, umgaben Ihn seltsame Wunder. Von lauter Wunder war schon Sein Eingang in die Welt begleitet:

Drei Wunder bei Seiner Geburt: eine Jungfrau war Seine Mutter, ein Stern leuchtete im Ostland auf, und in der Nacht erstrahlte den Hirten helles Licht.

Dreimal zeigten sich zu Jesu Geburt Engel: der Maria, dem Josef und den Hirten.

Drei Menschen erfuhren in jenen Wochen (vor und nach der Geburt) durch den Geist, daß dieses Kindlein der Heiland der Welt sei: Elisabeth, Simeon und Hanna.

Und etliche Zeit später hören wir nochmals von drei Träumen, durch die Jesus behütet werden sollte: dem Josef (zweimal) und den Weisen (Matth. 2).

Drei seltsame Naturvorgänge bei Jesu Sterben: die Sonne wurde umdüstert, der Tempelvorhang zerriß, und ein Erdbeben zerriß Felsen und Gräber (Matth. 27, 45, 51).

Drei wunderbare Geschehnisse am Ostermorgen: ein Erdbeben, Engel kamen und verrückten den Stein, Tote längst vergangener Tage wurden in Jerusalem gesehen (Matth. 27, 56; 28, 2).

Dreimal erschienen in den Ostertagen Engel: den drei Frauen, der Maria Magdalena, und bei der Himmelfahrt.

Drei wunderbare Bezeugungen über Jesus waren während Seiner Wanderjahre wahrzunehmen: die Stimme vom Himmel bei der Taufe, die Verklärung, und die Stimme vom Himmel in der Leidenswoche (Joh. 1.2).

Dreimal sahen die Jünger mit Erstaunen, wie die Natur sich unter Jesus beugte: der Sturm wurde ganz still, als Jesus über den See fuhr. Ein andermal wanderte Jesus auf Wasserwogen, als sei es trockenes Land. Und ein Feigenbaum mußte sogleich verdorren, weil er Jesu keine Feigen darbot (Matth. 8, 14, 21).

Wunderbar auch war, daß Jesus dreimal Besuch aus dem Himmel empfing: Mose und Elia beredeten sich mit Ihm über Seinen Opfertod, den ER sterben sollte (Luk. 9, 31), und Engel stärkten Ihn in der Wüste und in Gethsemane (Mark. 1, 13; Luk. 22, 43).

Dreimal versuchte der Teufel Jesum (Matth. 4).

Obgleich Jesus ganz ein Mensch war, so mußten die Menschen doch an diesen erstaunlichen Geschehnissen immer wieder wahrnehmen, daß ER nicht ein Mensch war wie irgend einer von uns. Sondern von lauter Wundern umhüllt, schritt ER die irdischen Wege dahin: ein Herr, der sich selbst zum Knecht machte – und dennoch ein Herr war, so wunderbar, daß die Leute, die es ansahen, erschauernd fragten: wer ist Dieser? Solche Dinge haben wir noch nie gesehen! (Mark. 4, 41 und 2, 12).

Doch niemals nutzte Jesus diese Seine wunderbare Herrschaft über die Natur und die Engel dazu aus, sich aus menschlichen Nöten zu befreien: ER hungerte, dürstete, wachte und trug alle Unannehmlichkeiten und Nöte geduldig, weil ER in allem unser Bruder sein wollte.

 

32. Jesu Wunderwirken

Lauter Wunder strahlten von Jesu aus: eine arme Frau brauchte nur – ohne vorher zu fragen – ganz heimlich von hinten Jesum anzurühren, so wurde sie sofort gesund (Mark. 5, 27). Durch das bloße Berühren Seines Gewandes wurden die Kranken gesund (Matth. 14, 35-36). Sehr oft wird berichtet, daß nicht nur Einzelne, sondern geradezu alle Kranken, Besessene, Mondsüchtige, Sieche, gesundeten, wenn sie zu Ihm gebracht wurden oder selbst kamen (Matth. 4, 23-2,1; 8, 16; 9, 35; 12, 15, 19, 2; Mark. 1, 32).

Außer den hier genannten Berichten, nach denen alle Kranken gesund wurden, erfahren wir im Besonderen noch von sieben Blinden (zwei bei Jairus, Matth. 9, ein Taubstumm-Blinder, Matth. 12, einer in Bethsaida, Mark. 8, zwei in Jericho, Matth. 20).
Drei Taube und Stumme (Matth. 9; Mark. 7 und 9).
Drei Besessene: einer in Kapernaum, zwei in Gadara (Mark. 1,­ Matth. 8).
Ein Aussätziger in Galiläa und zehn in Samaria (Mark. 1,­ Luk. 17).
Zehn sonstige Kranke: des Petrus Schwiegermutter, Gichtbrüchiger, Hauptmanns Sohn, Blutflüssige Frau, gekrümmte Frau, verdorrte Hand, Tochter in Syrien, Wassersüchtiger, Lahmer in Bethesda, Malchus.
Und beiläufig wird noch erwähnt, daß Jesus von Maria Mag­dalena sieben Teufel ausgetrieben habe (Luk. 8, 2).
Drei Tote wurden lebendig: Jairus Tochter, Jüngling zu Nain, Lazarus (Luk. 7 und 8; Joh. 11).

So hören wir von 35 Kranken und 3 Toten, denen Jesus half.

Vier der Geheilten kennen wir mit Namen: Bartimäus, Lazarus, Malchus, Maria Magdalena.
Zweimal heilte Jesus aus der Ferne (Hauptmanns Sohn, Tochter in Syrien; Matth. 8 und 15).
Jesus spürte, wie bei einer solchen Heilung Kraft von Ihm ausging (Mark. 5, 30).

Von undankbaren Geheilten hören wir (Luk. 17, 17), von dankbaren (Luk. 18, 13 und 8, 38).
In Nazareth, wo Jesus keinen Glauben fand, tat ER auch keine Wunder (Matth. 13, 58).

Die Wunder wurden während Jesu Heilands-Tätigkeit immer gewaltiger: als erste heilte ER eine Fieberkranke (Mark. 1), zuletzt den bereits begrabenen Lazarus.

Aber die Wunder wurden auch immer seltener: in Kapernaum Anfangs tat Jesus viele Wunderzeichen, sehr Viele wurden gesund. In der Leidenswoche in Jerusalem hören wir nur den kurzen Bericht (Matth. 21, 14): einige Blinde und Lahme kamen zu Ihm, die ER heilte. Doch hören wir keine Wundergeschichte mehr aus jenen Tagen (außer Malchus Ohr). Auf der langen Reise von Kapernaum durch Samarien nach Jerusalem erfahren wir nur noch von ganz wenigen Wundern.

Denn Jesus war nicht eigentlich gekommen, um Wunder zu tun, sondern um uns von unseren Sünden frei zu machen. Die Sündenvergebung war Sein Werk – die Wunder tat Jesus nur nebenher: aus tiefem Mitleid mit der menschlichen Not (Mark. 1, 41). Doch wichtiger als die Heilung war Ihm die Sündenvergebung (Gichtbrüchiger, Mark. 2, 5).

Jesus selbst bezeugte, daß die Wunder die Zuhörer nicht zu Gott führen (Joh. 6, 26; Matth. 11, 20, 23). Durch die Wunder wurden Jesu Feinde nur noch mehr in Sünden hineingerissen (Math. 12, 24), sie nützen den Ungläubigen nichts (Matth. 12, 38, 43; 16, 1).

Doch sagte Jesus auch wieder, daß an Seinen Wundern deut­lich werden müsse, wer ER sei (Matth. 11, 5). Ehe Jesus an einem Kranken ein Wunder tat, forderte Jesus Glauben (Mark. 9, 23; Joh. 11, 40).

Niemals tat Jesus ein Wunder, um hierdurch sich selbst zu helfen: schroff wies ER jede solche Versuchung ab (Matth. 4, 4; 16, 22f.).

Aber auch in der Natur wirkte Jesus sieben erstaunliche Wunder:

dreimal speiste ER wunderbar die Menschen: Hochzeit zu Kana, Speisung der 5000 und der 4000 (Joh. 2 und 6; Matth. 14 und 15).
Drei wunderbare Fischzüge (Luk. 5; Matth. 17; Joh. 21).
Und Jesus ließ den Petrus über das Wasser wandeln (Matth. 14).

Nach Seiner Auferstehung tat Jesus nur noch ein Wunder: der Fischzug der sieben Jünger (Joh. 21).

So hören wir von 33 wunderbaren Begebenheiten um Jesu, 35 Krankenheilungen, 3 Toten-Auferweckungen, 7 Wundern Jesu in der Natur.

Das sind 78 Wunder Jesu und um Jesus.

 

33. Letzte Einsamkeit

Ehe nun Jesus zur Stadt Jerusalem hinwanderte – ER hatte bis zum Passah-Fest noch etliche Wochen Zeit – suchte ER noch einmal, zum letztenmal, die stille Einsamkeit. Wir gewinnen aus dem Johannes-Evangelium den Eindruck, daß Jesus viel allein war. Und da über diese nun folgenden Wochen der Stille auch nur das Johannes-Evangelium berichtet, waren vielleicht in diesen Wochen nur wenige der Jünger beständig um Ihn. Johannes aber stand dem Herrn am nächsten und hat darum in diesen Wochen den innigsten Anteil an Jesu Wirken gehabt.

Wenn wir das Evangelium recht verstehen, ging Jesus von Jericho aus wieder an den Jordan, in jene Gegend, in der einst Johannes getauft und Jesus auch früher gepredigt hatte. Ganz verborgen bleiben konnte ER hier indessen nicht. Viele, die Ihn noch von früher her kannten, kamen dorthin zu Ihm (10, 40-41).

Einmal erschien ER unversehens in Jerusalem. Und weil Ihm dort ein Blinder auf der Straße wie von Ungefähr begegnete und Jesus ihn gesund machte, wurde das Volk und die Priester auf Jesum aufmerksam und versuchten, mit ihm zu zanken (9, 40). Jesus antwortete ihnen durch eine Seiner wundervollsten Reden (9, 41-10, 38). Sogleich aber ging ER wieder in die Jordan-Einsamkeit zurück (10, 40). Denn es war Gefahr, daß ER heimlich ermordet würde (10, 31, 39). ER wollte aber öffentlich zum Passah sterben.

Doch wurde ER noch einmal aus Seiner Einsamkeit herausgerufen: jemand erzählte Ihm, daß Sein Freund Lazarus in Bethanien (unweit Jerusalem) totkrank sei (11, 3). So ging Jesus hin nach Bethanien, wo ER den inzwischen verstorbenen Lazarus auferweckte. Hierdurch wurde der Eifersuchts-Zorn der priesterlichen Obrigkeit derart heftig erregt (11, 47), daß Jesus sich überhaupt nicht mehr öffentlich zeigen durfte, sondern ganz heimlich im Dörflein Ephraim am Wüstenrande sich verbarg (11, 54).

 

34. Die Zweieinhalb Jahre

Von Jesu Taufe bis zu seinem Sterben vergingen etwa zweiundeinhalbes Jahr.

Nach Seiner Taufe ging Jesus für sechs Wochen zur Versuchung die Wüste, reiste dann über Kana und Kapernaum nach Jerusalem zum Passah. Das Passah-Fest liegt im Anfang des Frühlings (am fünfzehnten Tag des ersten Frühlings Monates). Für diese langen Wanderungen brauchte Jesus mehrere Wochen, zu denen die sechs Wochen der Versuchung hinzukommen. Da die Taufe schwerlich mitten im Winter war, das Passah-Fest aber zum Frühlingsbeginn liegt, dürfen wir also vermuten, daß die Taufe im Herbst, etwa ein halbes Jahr vor diesem ersten Passah lag.

Zum nächsten Passah-Fest reiste Jesus nicht nach Jerusalem, sondern speiste während dieser Tage die 5000 am See Genezareth, nahe bei Kapernaum (Joh. 6, 4).

Und wieder ein Jahr später starb Jesus am Vorabend des Passah-Festes in Jerusalem.

So ergeben sich ohne jeden Zweifel zwei volle Jahre und etliche Monate drüber hinaus, also rund zwei und ein halbes Jahr.

 

35. Jesu Wanderungen

Wir geben nun noch eine Übersicht über Jesu Wanderungen, Taufe am Jordan, sechs Wochen in der Wüste zur Versuchung (Matth. 4), Zurück an den Jordan, von dort nach Kana und Kapernaum, sodann zum Passah nach Jerusalem (Joh. 1-3).

Wieder an den Jordan für eine längere Predigtzeit (Joh. 3, 22 und 4, 1).

Nach der Verhaftung Johannes des Täufers reiste Jesus durch Samarien (Joh. 4) und Galiläa nach Kapernaum, wo ER etwa anderthalb Jahre blieb (Mark. 1, 14-7, 23).

Von Kapernaum kleine Zwischenreisen am See Genezareth entlang, über den See hinüber nach Gadara (Mark. 5) und in das Land Galiläa hinein (Markus 6), und irgendwann eine kurze Reise nach Jerusalem (Joh. 5). Während des Passah-Festes blieb Jesus am See Genezareth (Joh. 6, 4). Zum Laubhütten Fest im Herbst erneute kurze Reise nach Jerusalem (Joh. 7-8), und sogleich wieder zurück nach Kapernaum.

Nun folgen während des Winters die zwei Auslandsreisen nach Syrien und Cäsarea Philippi (Mark 7, 24 und 8, 27). Von dort, in großer Eile durch Galiläa hindurch reisend (Mark 9, 30-50), die große und langwährende Reise durch Samarien und Jericho (Luk. 9, 51 bis 19, 27).

Dann folgen einsame Wochen am Jordan, ein kurzer Besuch in Jerusalem (Joh. 9-10), und wieder zurück in die Jordan Einsamkeit (Joh. 10, 40), Besuch in Bethanien (Joh. 11), heimlich verborgen im Dorf Ephraim am Rande der Wüste (Joh. 11, 54), und wieder nach Bethanien zurück (Joh. 12, 1), und von dort Einzug in Jerusalem am Palmsonntag (Mark. 11).

Nach Jesu Auferstehung: am Ostersonntag eine Wanderung nach Emmaus, mehrere Tage später eine Reise nach Galiläa, zu einem (uns nicht näher genannten) Berge und an den See Genezareth (Matth. 28, 16 und Joh. 21), und wieder zum Himmelfahrtstage zurück nach Jerusalem. Am Himmelfahrtstag Wanderung von Jerusalem auf den Ölberg, von wo aus Jesus zum Himmel zurückkehrte.

36. Einzug in Jerusalem

Als nun das Passah-Fest näher kam und aus dem ganzen Lande die Festpilger nach Jerusalem zogen und man in Jerusalem schon sich fragte, ob und wann wohl Jesus kommen werde (Joh. 11, 56), da verließ Jesus das Dörflein Ephraim und ging nach Bethanien zu Seinen Freunden, in das Haus des Lazarus (12, 1). Von hier aus wanderte Jesus am Sonntag vor dem Passah, dem Palmsonntag, zur Stadt Jerusalem hin.

In Jerusalem war damals die Luft vergiftet durch wilde politische Hetzparolen und bis zum Wahnsinn geschürte politische Hoffnungen. Man wartete in der von den verhaßten Römern durch eine starke Soldatentruppe besetzten Stadt auf den Mann, der Mut und Kraft besitzen mochte, um die Volksmassen an sich zu reißen und das ganze Volk mit einmütigem Sinn zu erfüllen, und dann den Aufstand gegen die Römer zu wagen.

Und manch Einer mochte vielleicht an Jesus gedacht haben, den gewaltigen Prediger, dem die Herzen der Leute so begeistert zugefallen waren: ob dieser Jesus nicht der von Gott begnadete Volksführer sein könnte, der das Reich Israel aufzubauen und freizumachen verstünde von den fremden Besatzern. Niemand beherrschte die Volksseele so wie Jesus. Genau ein Jahr zuvor, während der Passah-Festtage des Vorjahres, hatten schon die Galiläer versucht, Ihn zum König aus­zurufen (Joh. 6, 15). Damals war es nicht gelungen – ob es nicht jetzt gelingen würde?

So mochten die Gedanken mancher Männer in Jerusalem laufen. Jesus wußte das. Und nun kam ER in die Nähe der Stadt, in das gedrängte Gewühl der Festpilger, die von allen Seiten sich herzu gesellten. Tausende, als sie hörten, daß Jesu da sei, strömten herbei, um Ihn zu sehen -.

Jesus spürte die Gefahr, daß nun leidenschaftlich erregte Männer der fanatischen Zeloten-Partei versuchen könnten, Ihn in ihre wahnsinnigen politischen Ziele einzuspannen. Darum mußte ER sogleich zeigen, daß ER schlechterdings gar nichts zu tun haben wollte mit diesen wilden politischen Dingen, und daß ER nicht gekommen sei, um Hader und Krieg mit den Römern zu suchen, sondern daß Sein Sinnen nur einzig auch dieses alleine gerichtet war, den sündigen Menschen ihre Sünden fortzunehmen, ihnen zu vergeben, und den Mühseligen und Beladenen Trost, Kraft und Liebe des himmlischen Vaters einzuflößen. Darum sandte ER zwei Seiner Jünger zu einem ein wenig abseits liegenden kleinen Dorfweiler. Von dorther, sollten sie einen an einem Zaun angebundenen Esel Ihm bringen, auf dem sodann Jesus in die Stadt hineinritt.

Denn hierdurch bezeugte Jesus, daß ER der demütige Friedenskönig sein wolle, den Sacharia, der Prophet, vor Zeiten geweissagt hatte. Wehrlos auf dem Esel reitend würde Er gewiß keine römischen Soldaten, die auf stolzen Rossen im Eisenharnisch ritten, vertreiben wollen.

Aber ein wahrhaftiger König wollte Jesus dennoch sein. Darum kam ER auf dem Esel geritten, den Sacharia geweissagt hatte – zwar als demütiger Friedenskönig, aber dennoch als ein wahrhaftiger König. Darum schritt ER nicht zu Fuß durch die Stadttore, sondern ritt hinein als der göttliche König des Friedens – so sollte alle Welt es sehen, und so wollte Jesus es durch diese Gleichnis-Tat allen Festpilgern verkünden: ICH bin euer König des Friedens, der demütig ein Helfer und Heiland ist in Seinem Blut des Bundes (Sach. 9, 9-11).

Und so verstanden es denn auch die Tausende der galiläischen und jüdischen Festpilger, die Sein Zeichen – den Eselritt- wohl verstanden und nun, als sie Ihn auf dem Esel als, König der Stadt entgegenreiten sahen, sich herandrängten, weil Alle Ihn sehen wollten, und in herrlicher Begeisterung Ihm als König zujubelten in frohem jauchzen. Ihre Mäntel breiteten sie auf die Straße als Teppiche (wie man es bei den alten Völkern, den Griechen und anderen, gerne tat bei hochverehrten Volkshelden), um zu beweisen, daß sie Alle ihre Liebe und Hingabe Ihm gerne zu schenken bereit waren.

Und ergreifend drang das laute Rufen der Männer, die neben Jesum einher liefen, zum Himmel empor, als Gebet zu Gott: „ach bitte, hilf DU!“ (hebräisch: hosianna). Die galiläischen und judäischen Männer, die mit solchen andringenden Gebetsrufen Jesum begleiteten, mochten tief in ihrem Gemüt die furchtbare Gefahr spüren, die Jesu von den Tempelpriestern in den nun folgenden Tagen drohte. So beteten sie unverdrossen laut hinauf rufend: „Ach bitte, hilf DU hoch droben!“ (Mark. 11, 10).

Die so riefen, waren allerlei Männer und Frauen aus dem Volke, die Jesum kannten und Ihn liebten, die nun aber ahnten, daß ER, der Friedenskönig und Heiland der Armen und Sünder, auf den wilden Haß der Priester und enttäuschten Politiker der fanatischen Zeloten-Partei und der Pharisäer stoßen mußte, die gewiß Ihn zu morden trachten würden. Daher ihr flehentliches unermüdliches banges Rufen: „Ach bitte, hilf DU hoch droben!“

Daß diese selben Männer, die hier heute Jesum zujubelten und für Ihn zu Gott durch ihre lauten Rufe flehten, am Karfreitag früh das entsetzliche „kreuzige Ihn!“ gerufen hätten, ist nur eine törichte Fabel falscher Bibelerklärung. Denn davon steht kein Wort in der Bibel. Hier am Palmsonntag waren es die von Jesu Predigt und Wundern ergriffenen Frommen, die in Ihm ihren Erlöser erkannten. Die Rufer am Karfreitag früh indessen waren die Parteileute der Zeloten und hergelaufenes von den Priestern bestochenes Volk der Großstadt Jerusalem.

Ehe Jesus in die Stadt hineinritt, als ER den Toren sich nahte, kamen Ihm die Tränen – weinend sah ER auf die sündenvolle Stadt (Luk. 19, 41), die von den Zeloten-Parteileuten in ein rasendes Unglück hineingestürzt werden sollte, weil sie sich den Heilandsrufen Jesu verschloß.

Nachdem alsdann Jesus in die Stadt hineingeritten war, schritt ER sogleich hin zum Tempel, der ehrwürdigen Kirche auf dem Zion, und schaute ihn sich sorgsam an. Dann ging ER, ohne irgend ein Wort zu reden oder etwas zu tun, am Abend zu Fuß nach Bethanien zurück(Mark. 11, 11).

 

37. Die Leidenswoche

Denn als Jesus an diesem Sonntag Abend sich den Tempel anschaute, mußte ER gewahren, daß Seine Tempelreinigung am Passah-Fest zwei Jahre zuvor völlig vergeblich gewesen war: die Händler trieben es im Tempel genau so, wie sie es je getan hatten. Darum reinigte Jesus am Montag den Tempel, ganz ebenso wie ER es damals getan hatte. Kinder jubelten Ihm zu. Blinde und Lahme kamen zu Ihm, um geheilt zu werden. Die Priester aber zankten darob mit Ihm. Jesus aber gab ihnen nur kurze Antwort und verließ wieder den Tempel und die Stadt, um draußen zu übernachten (zum Passahfest war die Stadt von Hunderttausenden von Menschen, Pilgern aus allen Landen, überfüllt) (Mark. 11, 12-19). Irgendwo am Ölberg blieb Jesus zur Nacht.

Am Dienstag früh ging Jesus wieder in den Tempel. Zum letztenmal sprach ER an diesem Tage öffentlich zum Volke in ernsten strafenden und mahnenden Worten und Gesprächen.

Sein letztes öffentliches Wort zum Volk, das Jesus auf Erden sprach, betraf das Geld der Kollekte (Mark. 12, 41).

Als ER dann am Nachmittag die Stadt verließ, setzte sich Jesus mit den Jüngern im Ölberg hin und redete zu ihnen ausführlich über Sein eigenes Wiederkommen und das jüngste Gericht (Matth. 24-25). Wieder übernachtete ER irgendwo hier am Ölberg.

Am Mittwoch ging Jesus nicht mehr in die Stadt, sondern besuchte Seine Freunde in Bethanien. Vor dem Volke hielt ER sich verborgen. Maria, die Schwester des Lazarus (wahrscheinlich ist sie dieselbe wie Maria Magdalena), salbte Jesum. Durch ein Wort Jesu wurde Judas Ischarioth so wild gereizt, daß er hinging zu den Priestern und ihnen anbot, er wolle Jesum an sie verraten (Mark. 14, 3-11; Joh. 12, 4-8). Vermut]ich bestand sein Verrat darinnen, daß er den Priestern anbot, die Häscher zu Jesu Nachtherberge am Ölberg zu geleiten.

Denn bei Tage konnten sie Jesum nicht verhaften aus Furcht vor den Galiläern, die am Sonntag in so großen Scharen Ihm zugejubelt hatten. Und niemand wußte, was diese Galiläer zu tun fähig sein würden, wenn ihrem geliebten Jesus ein Leid geschehen sollte (wer selbst, wie jene Priester, so böse ist in seinem Wesen, traut auch Anderen alles Böse zu). Bei Nacht aber konnten die Priester Jesum nicht auffinden, weil die Stadt und alle Gärten ringsum übervoll von Festpilgern waren. So brauchten sie den Judas Ischarioth, der ihnen half, Jesum in finsterer Nacht aufzugreifen und Ihn ganz heimlich und ungesehen zu verhaften.

 

38. Jesu Abendmahl

Am Donnerstag Nachmittag ging Jesus nun wieder nach Jerusalem, mit Seinen Jüngern, doch ganz heimlich: vom Volke sollte es niemand wahrnehmen, weil Jesus mit Seinen Jüngern alleine sein wollte. Irgendwo in einem Saale saß Jesus mit den Zwölfen bis in den tiefen Abend hinein. Vielleicht war es das Haus des Johannes Markus und seiner Mutter Maria gewesen. Hier hielt Jesus mit Seinen zwölf Jüngern das Passah-Mahl, das nun unter Seinen Händen zum heiligen Abendmahl der Jüngergemeinde sich wandelte.

Eigentlich durfte dieses Passahmahl erst am Freitag Abend gefeiert werden. Aber da Jesus am Karfreitag sterben wollte, feierte ER es mit Seinen Jüngern schon einen Tag zuvor.

Es kann kein Zweifel sein, daß auch Judas am Abendmahl teilnahm (Joh. 13, 2; Luk. 22, 20-21). In den Abendmahlsworten bekundete Jesus, daß ER nun als das Opferlamm sterben werde, von dem Jesaja 53 sprach, und daß Sein Blut, das vergossen wird, Seinen Jüngern die Vergebung ihrer Sünden schenke (Matth. 26, 28).

Nachdem sie gegessen hatten, stand Jesus vom Mahle auf und wusch Seinen Jüngern (auch dem Judas Ischarioth) die Füße (Joh. 13, 4-15). Wieder setzte sich Jesus zu Tisch. Das heilige Mahl hatte ER mit den Seinen gefeiert – nun aßen sie die Abendmahlzeit in gewöhnlicher Weise. Jetzt bezeugte Jesus, daß Einer der Zwölf Ihn verraten werde. Johannes fragte heimlich Jesum, wer dieser Verräter sei, worauf Jesus es ihm durch ein Zeichen bekundete: ER reichte dem Judas ein Stück Brot zu. Die anderen Jünger hatten die verstohlenen Worte zwischen Jesus und Johannes nicht gehört, verstanden daher auch von dem Zeichen nichts. Judas aber ging, von Jesus nun fortgeschickt, hinaus in die Nacht, um die Tempeldiener abzuholen, damit sie Jesum fingen (Joh. 13, 21-30).

Als der Verräter gegangen war, fiel Jesus offenbar in ein tiefes Schweigen, derweilen die Jünger in einen häßlichen Streit sich verfingen (Luk. 22, 34). Als Jesus dieses endlich wahrnahm, mahnte ER die elf Jünger mit Seinen letzten Worten (Luk. 22, 25-38 und Joh. 13, 31-38) und redete zu ihnen davon, daß ER zwar nun die Welt verlassen müsse, daß ER aber wiederkommen wolle (Joh. 14). ER sang mit den elf Jüngern etliche Psalmen, die man in Israel nach alter Ordnung beim Passah zu singen pflegte (Matth. 26, 30) und stand nun auf, um hinauszugehen in die Nacht (Joh. 14, 31).

Doch im Aufstehen redete Jesus noch mancherlei Worte voll tiefster Bedeutung, in denen ER den Jüngern die Fülle Seiner Freundesliebe offenbarte und sie Seine Freunde nannte (Joh. 15-16). Ein letztes Mal betete Jesus noch für die Seinen, die in der Welt bleiben müssen, doch aber nicht von der Welt sind: Gott möge sie bewahren, daß sie einst in Jesu Reich und Glanz hinüberfinden dürfen (Joh. 17).

 

39. Gethsemane

Nun ging Jesus zum Ölberg, vermutlich dorthin, wo ER die letzten Tage schon übernachtet und bei Tage mit den Jüngern gesessen hatte (Matth. 26, 30). Über den Bach Kidron (Joh. 18, 1; 2. Sam. 15, 23, 30) wanderte ER mit den elf Jüngern zum Garten Gethsemane (Matth. 26, 36), wo ER in zagender Angst und mit Tränen zu Gott betete (Hebr. 5, 7).

Denn Jesus wußte, welches Ende am Kreuz Ihm nun bevorstand – aber ER wußte auch, daß ungezählte Tausende himmlischer Heerscharen Ihm zu Gebote stehen würden, um Ihm beizustehen und ihn heraus zu retten aus der Todesgefahr wenn ER nur Gott bitten würde, sie Ihm zu senden. Und nun kämpfte Jesus den entsetzlichen Kampf in Seiner Seele. Diese himmlischen Heere nicht zu rufen, sondern dem Gebot des Vaters gehorsam zu bleiben und den grausamen Tod zu sterben (Matth. 26, 53). Ein Engel kam und stärkte Ihn (Luk. 22, 43).

Hernach, da ER dreimal gebetet hatte, wußte nun Jesus, daß Judas Ischarioth mit den Tempeldienern kam, um Ihn zu verhaften. So trat ER mit freiem Mut den Dienern entgegen und ließ sich fesseln (Joh. 18, 4-11; Matth. 26, 46-56).

 

40. Vor dem Hohen Rat

Sogleich wurde Jesus von den Tempeldienern vor den Hohen Rat geführt. Dieses war die höchste jüdische Verwaltungs- und Kirchenbehörde in Jerusalem. Nachdem zunächst der Alt-Hohepriester Hannas Jesum verhört hatte, versuchte dann der amtierende Hohepriester Kaiphas, eine Beschuldigung gegen Jesum zu finden, die Ihn als des Todes schuldig erweisen könnte. Mancherlei törichte Beschuldigungen erwiesen sich jedoch als nichtig, bis dann Jesus frei und offen eingestand, ER sei der verheißene Messias und Gottes Sohn. Der Hohe Rat verurteilte nun in den späten Nachtstunden Jesum zum Tode – derweilen Petrus seinen Heiland dreimal verleugnete.

Jedoch hatte der Hohe Rat keine Vollmacht, einen Verurteilten hinzurichten. Todesurteile hatte sich der römische Statthalter, Pontius Pilatus, vorbehalten. Und Jesum heimlich in der Nacht zu ermorden (was für die Juden eigentlich das Einfachste gewesen wäre), hatten die Priester wahrscheinlich keinen Mut, weil sie sich vor den Galiläern fürchteten, die in Liebe an Jesu hingen, und von denen zu diesem Passah sich vielleicht sehr viele jetzt in Jerusalem befinden mochten. Darum wollten sie die Verantwortung für Jesu Tod von sich wegschieben auf den römischen Statthalter Pontius Pilatus, damit keine Rache der Galiläer ihnen drohe.

Daß sie hierdurch den Willen Gottes erfüllen mußten, hatte keiner von ihnen begriffen. Denn freilich durfte Jesus nicht unter jüdischen Steinwürfen heimlich irgendwo in der Nacht ermordet und verscharrt werden (wie hernach Stephanus ohne Pilatus gesteinigt wurde). Sondern nach Gottes Willen mußte Jesus als Gottes Lamm Sein Blut hingeben und bei einem Reichen begraben werden (Jes. 53, 9).

 

41. Jesus vor Pilatus

So führten denn am Freitag in erster Frühe die Männer des Hohen Rates Jesum vor das Gericht des Pilatus (Joh. 18, 28; Matth. 27, 1). Auf die Frage des Pilatus, was sie als Klage gegen den gefesselt vor ihm stehenden Jesus vorzubringen hätten, antworteten die Juden ausweichend: ohne Ursache würden sie den Pilatus schon nicht so früh am Morgen belästigen. Es sei aber gewiß nicht nötig, daß er sich lange auf umständliche Untersuchungen einlasse: sie haben die Schuld untersucht und seien zu dem wohlerwogenen Urteil gelangt, daß dieser Jesus gekreuzigt werden müsse. Und nun bäten sie ihn, er möge das Urteil rechtskräftig machen und die Hinrichtung durch seine Soldaten durchführen lassen.

Aber hierauf will Pilatus nicht eingehen. Er weiß, daß am heutigen Tage die Juden nicht viel Zeit haben, weil am Nachmittag das große National-Fest, das Passah, beginnt. Gleichwohl will er sich nicht von den Juden überrumpeln lassen und antwortet daher spottend: wenn ihr mir nicht berichten wollt, um was es eigentlich geht, dann bin ich ja überflüssig – dann verurteilt ihr Ihn doch und tötet Ihn nach eurem Gesetz.

Nun sind die Juden ratlos. In der Nacht freilich hätten sie Jesum heimlich ermorden können, ohne daß Pilatus je darnach gefragt hätte. Was kümmerte es den Pilatus, wenn ein Festpilger morgens irgendwo tot herumliegt, heimlich ermordet, und verscharrt wird! Aber nun war es dazu zu spät. Des Nachts hatte sie die Angst vor den Galiläern gehemmt, jetzt hindern die Gesetze sie. Denn natürlich hatte Pilatus die Juden jetzt eben nur verhöhnt: sie durften ja keine Hinrichtung vollziehen. Aber Pilatus wollte ein ordentliches Verfahren und also die Schuld Jesu erwiesen haben durch eine formgerechte Anklage.

Aber die Juden bringen ihre Anklage gegen Jesum nicht über die Lippen. Denn was sollen sie nun sagen? Pilatus müßte sie ja doch auslachen, wenn er den wahren Grund erfahren würde: wegen Jesu Predigten vom Himmelreich und der Sündenvergebung. Das war für einen hohen römischen Beamten wahrhaftig kein Grund, einen sonst tadelfreien Mann hinrichten zu lassen. Was also sollen sie sagen? Daß sie eifersüchtig auf Jesu Predigten seien, weil alles Volk Ihm zufiel? Daß dieses der wahre Grund war: daß sie Ihn grundlos und sinnlos haßten, weil Jesus die Wahrheit sagte und die Menschen durch Seine Liebe an sich fesselte und ER sie zu Gott hinlenkte – was den Priestern nie gelungen war: das alles konnten sie unmöglich vor den Ohren des Pilatus aussprechen.

So bleiben sie einfach vor dem Pilatus stehen und lassen sich nicht abweisen. Dem Pilatus wird es unheimlich. Denn wenn zwar die Juden ohne ihn jetzt nichts tun können und seine Macht scheuen müssen – er, der Pilatus, muß die Juden ebenso fürchten, wie sie ihn. Einen Aufstand, eine Revolte, jetzt wo die Stadt voller Menschen, Festpilgern aus allen Gegenden, war, durfte der Pilatus nicht herausfordern. Diese Priester – das wußte Pilatus – waren zu Meuchelmorden und allen scheußlichen Dingen jederzeit bereit. So mußte er auf ihre Forderungen schon hinhören.

Aber weil die Juden ihm nun nicht verraten wollen, was sie eigentlich gegen Jesum haben, darum nimmt Pilatus Jesum zu sich hinein in seine Privaträume, und läßt derweilen die jüdischen Priester draußen stehen (Joh. 18, 33). Und nun hat Pilatus ein langes Gespräch mit Jesus. Und dieses Gespräch erschreckte ihn so tief in seinem Gewissen und zeigte ihm Jesu göttliche Hoheit und Wahrheit, daß er „überhaupt keine Schuld an Ihm finden konnte“ (18,38). Darum gibt sich Pilatus alle Mühe, den Juden Jesu Unschuld zu beweisen und sie von ihrem verruchten Ansinnen, er solle Jesum kreuzigen lassen – und das hieß doch einen Unschuldigen zu ermorden – abzubringen.

Weil dieses ihm aber mißlang und die Juden hartnäckig Jesu Verurteilung forderten, darum schickte Pilatus Jesum zu König Herodes, der zwar auch dem römischen Senat unterstand, dem aber Pilatus das Recht hierdurch zuerkannte, über Jesum das Todesurteil zu sprechen. Denn Herodes weilte in diesen Tagen gerade zu Besuch in Jerusalem. Ihm unterstand die Provinz Galiläa, aus der Jesus ja auch herkam. So konnte und wollte Pilatus die Verantwortung auf Herodes abschieben. Herodes aber wußte mit Jesus nichts zu beginnen und wagte das Todesurteil nicht (wahrscheinlich auch er aus Furcht vor den Galiläern). So schickte denn Herodes Jesus zu Pilatus zurück (Luk. 23, 6).

Darum versuchte Pilatus es nun mit einer List. Denn inzwischen hatte er wohl gemerkt, daß die jüdischen Priester Jesus aus hitziger Eifersucht zu töten trachteten, weil des ganzen Volkes Liebe sich Jesu zugewandt hatte. Darum machte er den Versuch, das Volk gegen die Priester auszuspielen. Der Prozeß wurde auf der großen Freitreppe des römischen Amtsgebäudes draußen im Freien durchgeführt. So wandte sich nun Pilatus von den Anklägern fort zu den Leuten auf der Straße, und bot ihnen an, er wolle Jesum begnadigen, wenn sie ihn darum bitten würden (obgleich noch gar kein Urteil gesprochen worden war), weil zum Passahfest alljährlich ein Inhaftierter freigelassen wurde.

Aber Pilatus hatte sich getäuscht. Auf der Straße standen die Männer der Jerusalemer radikal-revolutionären Partei der Zeloten, die sich schon eingefunden hatten, um einen politischen Anarchisten, Barabbas, der ihr Parteigänger war, freizubitten. Daß Jesus in der Nacht verhaftet worden war, hatte man in Jerusalems Straßen noch nicht bemerkt (es war noch die erste Morgenfrühe), so daß von Jesu Anhängern unter den galiläischen Pilgern wahrscheinlich kein Mensch von all diesen Vorgängen etwas ahnte und daher kein einziger von ihnen vor dem Amtsgebäude des Pilatus herumstand (denn was sollten sie dort zu suchen haben?). So mußte Pilatus erschrocken sehen, daß Jesus keinen einzigen Freund zur Seite hatte und ganz verlassen dort stand.

Daher mochte nun auch Pilatus sich nicht mehr länger Seiner annehmen und übergab Jesum den wüsten Händen römischer Soldaten, die als italienische Heiden oder sonstige Fremdländer keine kleinste Ahnung hatten, wer Jesus eigentlich war. Da sie aber bei diesem Verhör – dem sie als Wachposten beiwohnten – soeben gehört hatten, Jesus wolle ein König sein, erschien ihnen dieses wie ein großer Spaß, so daß sie im inneren Kasernenhof grausam und entsetzlich mit Jesus Königskrönung spielten. Eine Dornenkrone drückten sie Ihm in die Stirn, derweilen Jesus wehrlos vor ihnen stand und Seinen Mund nicht auftat, wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird.

Pilatus schaute zu, und ein Entsetzen und Grausen faßte nach seiner Seele, da er sah, wie der Dulder Jesus schweigend allen diesen Hohn auf sich nahm und die Qualen unter den wüsten Fäusten der rohen Männer stille litt. – Pilatus fühlte den Odem der Ewigkeit, die göttliche Hoheit des himmlischen Königs, auf Jesu ruhen. Seine Frau, von Träumen hart geplagt, warnte ihn (Matth. 27, 19).

So versuchte Pilatus von neuem, sich der Verantwortung zu entziehen, und bot den jüdischen Priestern an, der Hohe Rat solle selber das Todesurteil sprechen und Jesum hinrichten. Der aber weigerte sich beharrlich – vermutlich aus Angst vor den Galiläern, deren begeisterter Jubelruf am Palmsonntag noch den Priestern in den Ohren gellte, und die vielleicht durch Meuchelmord oder gar offene Revolten sich fürchterlich an den Hohenpriestern rächen konnten. Darum wollten die feigen Priester die juristische Verantwortung nicht auf sich nehmen, sondern nötigten den Pilatus, er solle das Urteil sprechen, zumal nach den gültigen Gesetzen es ihm ganz alleine zustand.

Und nun hört Pilatus auch den wahren Grund, warum Jesus sterben sollte. Denn jetzt endlich erklärten die Priester dem, Pilatus ganz unverhohlen offen: Jesus müsse hingerichtet werden, weil ER sich zu Gottes Sohn gemacht hat (Joh. 19, 7). Erschrocken hört Pilatus dieses Wort und Furcht überfällt ihn, weil wahrhaftig Jesus wie ein Göttlicher einsam, hoheitsvoll schweigend, in dem Wahnsinnswirbel satanischen Hasses, der Ihn umflutete, stand. Und weil Jesus nicht zu bewegen war, auch nur ein einziges Wort zu reden, und weil ER auf keine Frage antwortete sondern in göttlicher Hoheit schweigend verharrte, zog Pilatus Jesum noch einmal in seine Privatstuben hinein, nach drinnen in das Haus.

Und was ihm dort in der Stube Jesus sagte (Joh. 19, 11), erschütterte den Pilatus so tief in seinem Gewissen, daß er – wenngleich sein Verstand durchaus nicht glauben konnte, daß Jesus Gottes Sohn sei – dennoch Ihn nicht verurteilen konnte. So weigerte er sich, ein Urteil über Jesus zu sprechen, weil er keinerlei Schuld an Ihm fand.

Da aber drohten ihm die Priester in versteckter, aber ihm doch unmißverständlicher Weise, sie würden ihn beim Kaiser in Rom anzeigen, wozu sie vielleicht mancherlei ihn belastendes Material besitzen mochten (19, 12).

Da erschütterte die Angst vor der Rache der Priester, wenn er Jesum freiließe, so sehr das Gemüt des Pilatus, daß er endlich das Todesurteil sprach, zugleich sich die Hände waschend zum Zeichen, daß er unschuldig an Jesu Tod sein wolle. Die Juden erleichterten ihm dieses Urteil dadurch, daß sie die volle moralische und sittliche Verantwortung für Jesu Tod auf sich nahmen (Matth. 27, 24-26).

 

42. Die Kreuzigung

So nahmen die Römischen Soldaten Jesum in ihre Hände, geißelten, schlugen und verhöhnten Ihn in neuem grausamem Spiel (Mark. 15, 19). Sodann legten sie Ihm das Kreuz auf die Schulter, an das ER hernach genagelt werden sollte. Auf dem Wege zum Berge Golgatha, wo sie Ihn kreuzigen wollten, brach, wie es scheint, Jesus unter der harten Last des Kreuzes zusammen. Darum zwangen die Soldaten den wie von Ungefähr vorbeigehenden Afrikaner Simon von Cyrene, für Jesus das Kreuz zu tragen. Wunderbar war es, wie hernach die ganze Familie dieses Afrikaners Simon zu Jesus fand, und seine Söhne zu Säulen in der Gemeinde wurden und seine Frau eine Mutter wurde für den späteren Apostel Paulus. Aus dem Kreuzträger Simon wurde ein Nachfolger Jesu, der seine ganze Familie mit hin führte unter das Kreuz (Mark. 15, 21; Röm. 16, 13).

Viele Leute folgten Jesu, Frauen weinten (Luk. 23, 27). Zwei Verbrecher wurden mit Jesus nach Golgatha geführt.

Einen Betäubungstrank zu trinken, weigerte sich Jesus (Matth, 27, 34). Zur Mittagsstunde kreuzigten die Soldaten Ihn, und rechts und links von Jesu die beiden Verbrecher, Jesum in der Mitten (Joh. 19, 14. 18).

Während die wüsten grausamen Soldaten erbarmungslos die Nägel durch Jesu Hände und Füße schlugen, betete Jesus für sie, weil sie in all ihrer Grausamkeit nichts von dem wußten, was sie taten – sie kannten Jesum nicht (Luk. 23, 34). Die jüdischen Hohenpriester indessen, der Hohe Rat, und Pilatus, wußten so entsetzlich genau, was sie taten: sie kannten Jesu Predigt und Seine Wunder und hatten Seine Worte tief in ihrem Gewissen gehört. Für sie gab es nun keine Vergebung mehr. Dieses Gebet Jesu für die fünf römischen Soldaten aber wurde sogleich, als ER am Kreuze starb, ganz wunderbar erhört: der Hauptmann mit seinen vier Soldaten fanden unter dem Kreuz als Erste völlig und gläubig zu Jesu und erkannten in Ihm Gottes Sohn (Matth. 27, 54).

 

43. Die Kreuzes-Schmach

Auch der verächtlichste Mensch bewahrt sich bis zuletzt einen geringsten Rest von Ehre dadurch, daß er sich seine Scham umhüllt. Und auch den ehrlosesten Gesellen wird niemand so grausam ehrlos behandeln, daß er ihm diese Ehre, sich zu umhüllen, verweigert. Und kein erbärmlichster Mensch stirbt so arm, daß er nicht doch wenigstens einen Fetzen von Tuch hinterläßt als sein unbestreitbares Eigentum.

Jesu aber nahmen die Soldaten, ehe sie Ihn an das Kreuz schlugen, alle Kleider, jedes Stück Tuch, das ER an sich trug, grausam fort. So war ER der Allerverachtetste und Unwerteste (Jes. 53, 3) – so verstört, wie sonst nie ein Mann sah ER aus (52, 14). Auch den letzten Rest Seiner Ehre entrissen Ihm die Soldaten, daß die Priester und anderen Feinde Jesu in schändlicher Lust Ihn so fürchterlich beleidigten, wie man es nie in der Welt einem Menschen antut. So wurde ER arm und entehrt wie kein Mensch sonst.

 

44. Die Kreuz-Familie

Als einziger der zwölf Jünger stand Johannes unter dem Kreuz. Neben ihm stand seine Mutter Salome. Sie war die Schwester der Mutter Jesu, Maria.

Und Jesu Mutter Maria stand unter dem Kreuz.

Ehe ER nun starb, bedeutete Jesus mit kurzem Wort dem Johannes, er solle die Maria (Jesu Mutter, die aber eine Tante des Johannes war) forthin als seine Mutter ansehen, und Maria solle den Johannes wie einen eigenen Sohn erkennen. Aber nun stand doch neben dem Johannes auch dessen natürliche richtige Mutter Salome mit ihm zugleich unter dem Kreuz.

So zeigte also Jesus, daß unter Seinem Kreuz wir wie eine große Familie alle zueinander gehören. Denn freilich sollte Johannes nicht seine Mutter Salome verstoßen, sondern künftighin zwei Mütter sein Eigen nennen.

So schuf Jesus vom Kreuze aus die neue Familie derer, die sich untereinander lieben wie Mütter und Söhne, auch wenn sie von Natur aus es nicht sind.

Aber mehr noch: Jesus war der Sohn der Maria. Wenn ER nun den Johannes zu Marias Sohn macht, so wird Johannes dadurch Jesu Bruder. So schuf Jesus vom Kreuze aus die Familie derer, die Seine Brüder sind, nicht durch Natur, sondern dadurch, daß Jesus uns unter Seinem Kreuz in Seine eigene Familie hineinzieht.

Maria aber hätte nach menschlichem Ermessen dieses Sohnes Johannes nicht bedurft, da sie noch vier andere, eigene Söhne hatte. Unter dem Kreuze aber zieht Jesus uns heraus aus Familien, die nicht unter Seinem Kreuze stehen wollen, um uns eine neue Familie derer zu schenken, die als Kreuz-Gemeinde Ihm bis unter Sein Kreuz nachfolgen.

Denn Jesus senkt vom Kreuz herab in die Herzen der Seinen hinein die Liebe, in der ER uns geliebt hat.

Darum auch nannte Jesus nach Seiner Auferstehung Seine Jünger Seine Brüder.

 

45. Unter dem Kreuz

Neben diesen Dreien stand unter dem Kreuz die andere Maria. Sie war die Ehefrau des Emmaus-Jüngers Kleophas und Mutter eines der zwölf Jünger: des kleinen Jakobus.

Und Maria Magdalena stand unter dem Kreuz.

Und zur Kreuz-Abnahme fanden sich noch Josef von Arimathia und Nikodemus ein (Joh. 19, 38). Von Josef wissen wir sonst gar nichts, als daß ER ein heimlicher Jünger Jesu, ein reicher Mann, war, der jetzt mutig vor Pilatus sich zu Jesu bekannte (Matth. 27, 57; Joh. im, 38). Nikodemus gehörte der jüdischen Regierung an und hatte mannhaft für Jesu sich in den Regierungssitzungen eingesetzt, da er heimlich schon früh zu Jesu gefunden hatte. jetzt fand er, als die Jünger (außer dem getreuen Johannes) Jesum verlassen hatten und Ihn einsam ließen, als erster hin zum Kreuz (Joh. 3, 1 und 7, 50).

Diese sieben Getreuen hielten bis zuletzt bei Jesu aus – alle übrigen waren geflohen (Matth. 26, 56).

Vier Soldaten mit einem Hauptmann bewachten das Kreuz, daß niemand Jesum berühre oder Ihm herabhelfe (Joh. 19, 23; Mark. 15. 39).

Viele Neugierige schauten zu, und die Priester standen als Zeugen im Vollbewußtsein ihres Sieges bei dem Kreuz (Matth. 27, 39-42). Und sie alle höhnten und spotteten über den Mann am Kreuz, der Anderen geholfen hatte, sich aber selbst nicht helfen konnte.

Die zwei Verbrecher hingen rechts und links von Ihm, deren Einer in dieser letzten Stunde die Gnade Jesu sich schenken ließ, mit der Gewißheit, sogleich mit Jesum das Paradies hinein finden zu dürfen (Luk. 23, 43).

 

46. Todesdunkel

Um die Mittagsstunde verdunkelte sich der Himmel, „und die Sonne verlor ihren Schein“ (Luk. 23, 44-45) – nicht durch eine Sonnenfinsternis (denn es war Vollmondszeit), sondern wahrscheinlich durch einen gewaltigen Wüstenföhn, der in der Wüste eine mächtige Wolke aus Wüstensand aufstäuben ließ und als dicke Staub- und Sandwolke über den Himmel hinfegte, daß die Sonne tief umdüstert wurde (lies Hos. 13, 15).

Wie bei Jesu Geburt das helle Licht aufstrahlte, so fällt bei Jesu Sterben das finstere Dunkel auf das Land.

Bis nachmittags drei Uhr hielt die Dunkelheit an.

„Gott hatte gesagt, ER wolle im Dunkel wohnen“ (1. Kön. 8, 12) – darum hatte Gott einst, fünfzehn Jahrhunderte zuvor, geboten, man solle in der Stiftshütte (der kleinen Notkirche, die Israel am Berge Sinai errichtete) – und ebenso hernach im Zion-Tempel – einen Raum Ihm bereiten, der vollends im tiefen Dunkel liegt. Darum wurde quer durch den Tempel ein Vorhang gezogen, der von der Decke bis zum Fußboden schwer herabhing und keinen kleinsten Lichtwinkel freigab, so daß hinter dem Vorhang ein fensterloser und türloser, durch und durch dunkler Raum verblieb. Diesen nachtdunklen Raum nannte man das Allerheiligste, in dem nichts weiter stand als nur die Bundeslade: das ist der heilige Schrein, der Gottes Fußschemel war (Ps. 99, 5), wo Gott sich dem betenden Hohen-Priester nahen wollte, wenn er – nur einmal des Jahres, und nur der Hohepriester ganz allein – mit dem Blut eines Opferlammes hinter den Vorhang schreitet, hinein in das Dunkel, in dem Gott wohnt. In Wahrheit aber wohnte Gott im Himmel und nicht im dunklen Allerheiligsten des Tempels (l. Kön. 8, 27). Doch war jener dunkle heilige Raum ein Gleichnis für die Menschen, daran sie erkennen sollten, daß Gott, wie „ER gesagt hatte, im Dunkel wohnt“ (2. Mose 26, 33 und 40, 21 und 3. Mose 16, 15 und 1. Kön. 6, 16).

Nun aber zeigte Gott, wo ER in Wahrheit wohnt: im Dunkel des Mittags am Karfreitag auf Golgatha. Denn so dunkel es am Himmel war, so verzagt dunkel war es in Jesu Seele, daß ER aufstöhnte: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast DU Mich verlassen!“

Aber in diesem finsteren Todesdunkel des Verzagens wohnte Gott. Nach dem Ruf tiefer Sterbensnot: „Mich dürstet!“ fand Jesus in diesem Dunkel endlich Seinen Vater Gott wieder, daß ER sterbend rief: „Vater, in Deine Hände befehle ICH Meinen Geist!“ – weil ER sterbend nun erkannte: in diesem Dunkel Seines Karfreitags, in der abgründigen Verzweiflung Seiner totverzagten dürstenden Seele, wohnte Gott – unter dem vom Wüstenföhn umdüsterten Himmel besuchte in dieser Stunde der durch Jesu Sterbensnot versühnte Gott Sein Volk und schenkte den Sündern die Vergebung, die Jesus durch Seinen Tod uns erfunden hatte, weshalb nun Jesus sterbend rufen durfte: „Es ist vollbracht!“ – Gott ist versühnt! des Volkes Sünde ist vergeben, Gott wohnt wieder unter Seinem Volke, in dem Dunkel, unter dem Gottes einziger geliebter Sohn hier starb.

Doch nun, in denselben Augenblicken, da Jesus am Kreuze starb, geschah das erstaunliche seltsame Wunder, daß der Vorhang im Tempel, durch den der allerheiligste dunkle Raum geschaffen wurde, von oben an bis unten hin zerriß. Der dunkle Raum erfüllte sich mit hellem Licht und war darum nun kein Allerheiligstes mehr (Matth. 27, 50).

Und darum mußte in eben diesen Augenblicken der Vorhang im Tempel zerreißen, weil Gott nun nimmermehr in dunklen Tempelräumen wohnen wollte, und kein Hoherpriester mehr Ihn an der Bundeslade suchen sollte. Sondern hier, an Jesu Kreuz, als in Jesu Seele das tiefste todesdunkle Verzagen sich legte, weil Gott Ihn verlassen hatte, da begegnete Gott uns in Seinem Sohne Jesus Christus.

 

47. Nach Jesu Sterben

So grausig war diese Finsternis, die unter dem Himmel lag und die Sonne umdüsterte, und so erschütternd war dieses Dunkel über Jesu Kreuz, daß ein Entsetzen die schuldigen Priester packte, und Furcht und Grauen sich auf jene Zuschauer legte, die noch eben zuvor frivol über Jesu gelästert hatten, so daß Priester und Volk von Furcht gejagt an ihre Brust sich schlugen und davon eilten, und auch die Soldaten das Entsetzen erschütterte (Luk. 23, 48; Matth. 27, 54).

Der Hauptmann indessen war von diesem wunderbaren Sterben so ergriffen, daß er und seine Soldaten nun in Jesus Gottes wahrhaftigen Sohn erkannten. Als erste aller Heiden waren sie durch Jesu Tod für Jesu Reich gewonnen worden (Mark. 15, 39).

Und in diesen Augenblicken, da Jesus starb, erschütterte ein Erdbeben das Land. Und Gräber wurden durch dieses Erdbeben zerrissen und öffneten sich – wenige Tage später sahen fromme Jerusalemer auferstandene Heilige vergangener Zeiten (Matth. 27, 52-53).

Wie die Natur bewegt war, als Jesus geboren wurde, so war die Natur umdüstert und zerrissen, als Jesus starb, daß man wahrhaftig spüren mußte: der hier jetzt starb, war Gottes Sohn.

 

48. Jesu Opfer

Erschütternd aber war, daß in dieser selben Stunde, da Jesus starb und die Natur darob so zerrissen und umdüstert war, Israels Fromme, ja Israels ganzes Volk sich zu der heiligsten Stunde des Jahres und zu ihrem frohesten und schönsten Fest rüsteten, wo sie nach uralter Gewohnheit fromme Bräuche vollzogen, um im Familienkreis und hernach im Gottesdienst diesen schönsten aller Tage zu feiern – eben in derselben Stunde, da Jesus am Kreuz die entsetzlichste Pein erlitt.

Denn in eben derselben Stunde, da Jesus starb, bereiteten die frommen jüdischen Hausväter das Opferlamm des Passah vor.

In jener Nacht, schier auf Tag und Jahr genau eintausendfünfhundert Jahre zuvor, saßen die Israeliten in Ägypten, gestiefelt und gegürtet, mit dem Stab in der Hand (2.Mose 12, 11), wartend auf die mitternächtige Stunde, da sie in Eilschritten das Land ihrer Knechtschaft verlassen sollten. Am Nachmittag hatten die Hausväter, damals in Ägypten, ein Lamm geschlachtet, dessen Blut sie an die Türpfosten strichen, auf daß der Würgeengel (2. Mose 12, 23) an ihrem Hause vorüberschreite. Das Blut dieses Opferlammes behütete sie vor dem entsetzlichen Tod, der die erstgeborenen Söhne aller ägyptischen Familien durch den Zorn des vorüberschreitenden heiligen Gottes traf (2. Mose 11, 4 und 12, 12). Das Blut dieses Opferlammes mußte fließen, um die Familie vor Gottes zorniger Hand zu erretten. Bei der Schlachtung des Opferlammes durfte dem Tier kein Knochen zerbrochen werden (wundersame, damals in Ägypten noch so unverständliche, aber heilig gehaltene Gebote); des Tieres Leib mußte unversehrt erhalten bleiben (2.Mose 12, 46 und Vers 9).

So war es einst vor fünfzehnhundert Jahren in Ägypten gewesen. Und nun feierten seither die Israeliten Jahr um Jahr diesen Tag der herrlichen Errettung aus der ägyptischen Knechtschaft durch Gottes starke Gnadenhand. Sie feierten es dadurch, daß sie nun alljährlich an eben diesem Tage – dem ersten Vollmondtag im Frühling – ein gleiches Opferlamm schlachteten, ohne ihm einen Knochen zu zerbrechen, und das Blut des Opferlammes an ihre Haustüre strichen.

Zu diesem Passah eilten nun die frommen Israeliten aus dem ganzen Lande, soweit ihnen die Umstände es erlaubten, nach Jerusalem.

Und nun war wieder der Tag gekommen. Und an eben diesem Nachmittag, zur Stunde, da man die Lämmer zu schlachten pflegte, starb Jesus auf Golgatha.

So starb Jesus – ER selbst als das wahre Opferlamm. Alle Lämmer, die in den fünfzehnhundert Jahren seither zum Passah geschlachtet worden waren, waren nur Gleichnis und Vorbild auf das wahre Opferlamm Jesus auf Golgatha.

 

49. Jesu Blut

Bei der Kreuzigung hatte Jesus kein Blut vergossen. Durch jenes Passahlamm des Mose in Ägypten aber hatte Gott dargetan, daß nicht schon der Tod des Opferlammes das Haus vor dem Zorn Gottes erretten könne, wenn Gott durch die ägyptischen Lande schreitet. Erretten konnte nur das B l u t, nicht irgend ein Tod des Lammes. Daher durfte das Lamm nicht erstickt werden: sein Blut mußte fließen zur Sühnung vor Gottes Zorn.

Das hatte tiefe Bedeutung. Denn hernach hatten die Propheten gezeigt, daß der gute Hirte, der als Heiland der Welt einst kommen sollte, durchbohrt (Sach. 12, 10) und Gottes Lamm werden müsse (Jes. 53, 7).

Die Juden, die damals am Karfreitag noch nicht begriffen, daß Jesus Gottes Lamm sei, waren in großer Sorge: schon dämmerte der Abend, der als „heilige Nacht“ dem Passahtag vorausging; schon wollten die Familien ihre Opferlämmer verspeisen und das Tierblut an die Haustür-Pfosten streichen – da wollten sie diese für sie so heiligen Stunden nicht entweihen lassen durch die Klagerufe der drei Männer am Kreuz oder durch den widerlichen Anblick dreier hoch schwebender Leichen. Daher baten sie den Pilatus, die drei Gekreuzigten totschlagen und alsdann von den Kreuzen herabnehmen zu lassen (Joh. 19, 31). Pilatus genehmigte diese Bitte. Da erwies es sich, als die Soldaten die zwei Verbrecher mit Keulenhieben totschlugen, daß Jesus schon alleine eben zuvor gestorben war. So stieß denn einer der Soldaten seine Lanze in die Seite Jesu – und heraus floß Blut und Wasser (Joh. 19, 32-37).

Warum hatte der Soldat so getan? Ohne Zweifel hatte der Soldat dieses selbst nicht gewußt. Sicherlich folgte er gedankenlos einem willkürlichen Einfall. Und doch war es kein Zufall der Willkür. Sondern Gott hatte den Sinn dieses Soldaten gelenkt, daß er so handeln mußte, ohne zu wissen, weshalb eigentlich: weil Gott ihn die Lanze in Jesu Seite zu stechen bewegte. Und so floß nun Jesu Blut, als das Blut des wahren Passah-Lammes Gottes.

Und uns ist es ein Zeichen, daß nicht Jesu Tod als solcher und nicht das Kreuz unsere Erlösung bedeutet, sondern Jesu Blut, das ER sterbend hingab. Die Theologie des Blutes, die das ganze Alte Testament durchzieht, findet ihre Erfüllung hier im Evangelium: „Das Blut Jesu, Seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde“ (1.Joh. 1, 7). „Erlöst seid ihr durch Christi teures Blut als eines fehlerlosen fleckenlosen Lammes“ (1.Petr. 1. 19). „Das Blut Christi reinigt unser Gewissen (Hebr. 9, 14). Denn „ER hat uns geliebt und uns von unseren Sünden gewaschen in Seinem Blut“ (Off. 1, 5).

Die beiden mitgekreuzigten Verbrecher waren durch Keulenhiebe erschlagen und ihre Knochen ihnen zerbrochen worden. Aber Jesu Leib durfte von keinem Keulenschlag getroffen werden. Kein Knochen durfte diesem Gotteslamm, das zum Opfer auf Golgatha geschlachtet wurde, zerbrochen werden. Denn ER sollte am dritten Tage mit diesem Seinem Leibe wieder auferstehen.

 

50. Das Sühnegeld

Jesus war in die Welt hinein gekommen, „um Seine Seele hinzugeben als Sühnegeld für Viele“ (Mark.10, 45). Darum liebt Gott Jesum, „weil ICH Meine Seele hingebe, denn der gute Hirte gibt für die Schafe seine Seele hin – so gebe ICH Meine Seele für die Schafe hin“ (Joh. 10, 11. 15. 17).

Nun liegt die Seele des Menschen in seinem Blut (3. Mose 17, 14; 5. Mose 12, 23).

Wir aber haben unsere Seele verspielt durch die Sünde. Verloren haben wir sie in den Tod. Und „niemand kann seinen Bruder (vom Tode) freikaufen, weil niemand zu Gott einen Kaufpreis hintragen kann – zu teuer ist die Summe, die er für die Seele, um sie loszukaufen, bezahlen müßte – nie in Ewigkeit kann es gelingen“. Aber schon weiß jener alttestamentliche Gottesmann: „Meine Seele aber wird Gott dennoch aus dem Totenlande freikaufen!“ (Ps. 49, 8. 9. 16).

„Zion wird durch Gericht losgekauft“ (Jes. 1, 27), dadurch, daß Jesus das Gerichtsurteil trägt, das über unsere Sünde ausgesprochen werden mußte. ER ist „der Schiedsrichter, der Seine Hand zwischen Gott und den Menschen legt“, um die Schläge Gottes, mit denen Gott Seine davongelaufenen Söhne züchtigen muß, aufzufangen und selbst zu tragen (Jes. 1, 5; Hiob 9, 33). So wurde ER von Gott zu Tode geschlagen und reichte Seine Seele dar und hat dadurch so teuer uns erkauft, daß dieser Kaufpreis uns erlösen konnte. Weil nun aber auch Jesu Seele – wie jedes Menschen Seele – in Seinem Blute lag, darum gab Jesus Sein Blut dahin für uns, – so hat ER uns durch Sein Blut erlöst, als jener Soldat in Jesu Seite seine Lanze stieß (Joh. 19, 34). So sind wir „nicht durch Geld oder Gold freigekauft worden, sondern durch Christi teures Blut, wie von einem fehlerlosen fleckenlosen Lamm“ (1. Petr. 1, 18).

 

51. Der grausige Schrecken

Die Feinde Jesu wurden an jenem Karfreitag von lauter Grausen und Entsetzen geschüttelt. Als die Tempeldiener am Abend zuvor Jesu in Gethsemane begegneten, wichen sie zurück und stürzten zu Boden“ Joh. 18, 6) – so erschrocken waren sie vor Jesu Hoheit, vor dem Odem der Ewigkeit, der auf Ihm lag.

Früh am Morgen stand Jesus gefesselt vor Pilatus, und die Priester klagten Ihn mit haßerfüllten schlimmen Worten vor Pilatus an, so daß Pilatus Jesum fragte, ob die Anklagen wahr oder erlogen seien – „und Jesus antwortete ihm auch nicht Ein Wort, so daß der Statthalter Pilatus höchst erschrocken war“ (Matth. 27, 14).

Überhaupt sprach Jesus an diesem ganzen Karfreitag Vormittag nur dieses einzige Wort: „Du sagst es!“ Es war die Antwort auf die Frage des Pilatus, ob ER der Juden König sei (Matth. 27, 11). Kein Wort weiter hörte man Ihn reden. Vor Herodes schwieg Jesus vollends – wortlos wie ein Lamm, das geschlachtet wird und verstummt, so stumm stand Jesus vor Pilatus, Herodes, den Priestern und dem Volk, daß sie erschraken.

So nimmt denn Pilatus Jesum zu sich hinein in seine Privaträume. Hier nun, ganz insgeheim, in verschlossener Stube, nur mit Pilatus allein, redete Jesus freimütig und erzählte dem Pilatus von Seinem heimlichen Reich, dessen König ER ist – zwei Könige standen sich so einander gegenüber: Roms Statthalter Pilatus und der König des Himmelreiches Jesus (Joh. 19, 33-38), der, wenn ER nur rufen wollte, mehr himmlische Streiter zu Seiner Verfügung hat, als Rom Soldaten besitzt (Matth. 26, 53). Aber Jesus ruft sie nicht.

Und Pilatus hört auf die Stimme des Königs der Wahrheit nicht – aber in seinem Gewissen gepackt und von Grauen geschüttelt, führt ER Jesum vor das Volk: „So seht doch diesen Menschen!“ (Joh. 19, 6). Des Pilatus Frau mußte in der Nacht viel unter Träumen leiden und zittert in Angst um diesen gerechten Jesus (Matth. 27, 19).

Entsetzen packt das Volk, Priester und Soldaten, als unter der umdüsterten Sonne Jesus starb, daß sie erschüttert davon liefen (Luk. 23, 48).

Und erschrocken war Pilatus, als er am frühen Nachmittag hörte, Jesus sei so schnell schon am Kreuz gestorben, daß er es schier nicht glauben konnte (Mark. 15, 44).

So starb Jesus – ein König, der seine Macht nicht nutzte, der über mächtige Heere noch am Karfreitag zu gebieten wußte (Matth. 26, 35), aber die Heere nicht rief, weil ER Gottes Lamm sein wollte, das nicht herrscht sondern dient und Seine Seele hingibt als Lösegeld für Viele.

Aber unheimlich sichtbar lag, zum Entsetzen und Erschrecken für Seine Feinde und die höhnenden Spötter, auf Jesu Antlitz die königliche Hoheit, daß der Hauptmann erschüttert ausrief: „Wahrhaftig ist dieser Mensch Gottes Sohn gewesen!“ (Mark. 15, 39). Und ewig unvergessen bleibt des Pilatus Wort über den Mann mit der Dornenkrone:

„So seht doch diesen Menschen!“

 

52. Jesu Begräbnis

Ein heimlicher Jünger Jesu, der Ratsherr Josef von Arimathia, erbat sich von Pilatus die Erlaubnis, Jesum zu begraben. Mit Nikodemus zusammen begrub er Jesum in einem ihm zu Eigen gehörenden Felsengrab unweit Golgathas [Joh. 19, 38-42; Mark. 15, 42-46). Einige Frauen schauten zu und halfen auch wohl beim Begräbnis (Matth. 27, 61).

So wurde Jesus, wie schon Jesaja geweissagt hatte (Jes. 53, 9), bei einem Reichen begraben. So hatte Gott es gewollt. Denn Jesu Grab sollte nach Seiner Auferstehung vor jedermann, der es schauen wollte, offen daliegen, daß man hinein gehen und alles genau besehen konnte, damit keinerlei Zweifel entstehen dürften.

Darum mußte Jesu Leichnam in einem weiträumigen Grab-Gewölbe (wie nur ein sehr reicher Mann es besitzen konnte) begraben werden. Hätte man Jesum wie irgend einen armen landfremden Pilger oder gar Verbrecher irgendwo verscharrt, so hätte man das Grab hernach am Ostertage (nach drei Tagen!) nicht mehr sicher identifizieren können, und der Beweis, daß Jesus auferstanden sei, wäre sehr unsicher gewesen. Darum sorgte Gott, daß ein reicher Mann Jesum begraben mußte und ließ es schon Jahrhunderte zuvor durch Jesaja weissagen.

Auf Bitten der Juden ließ Pilatus das Grab durch einige Soldaten versiegeln und bewachen, damit die Jünger nicht Jesu Leichnam stehlen und eine Toten-Auferstehung vortäuschen könnten (Matth. 27, 62-66).

 

53. Jesus kehrt zu Gott zurück

Jesu Leib war nun tot und lag im Grabe. ER selbst aber ging, wie wir aus Seinen eigenen deutlichen Worten ganz bestimmt wissen, noch an diesem selben Abend zusammen mit dem Einen der beiden mitgekreuzigten Verbrecher hinein in das Paradies (Luk. 23, 43).

Dieser Verbrecher war der Erste, dem Jesus die Himmelstüre auftat und vor Gott hinführte. Und Jesus schämte sich nicht, nun, da ER vor Gott trat, diesen armen als Verbrecher hingerichteten Mörder Seinen Bruder zu nennen (Hebr. 2, 11). Und die Mörder-Blutspuren, die jener Mann an seinen Händen schier unauslöschlich trug, hatte Jesus durch Sein eigen Blut abgewaschen (Off. 1, 5), so daß nun das Wunderbare dennoch geschah: das Mörderblut war völlig getilgt (Kol. 1, 22) – aber die Spuren von J e s u Blut waren auf des Mörders Antlitz zu sehen (l. Petr. 1, 2; vgl. Hebr. 10, 22), so daß jener Mörder kraft dieses Tropfens von Jesu Blut, womit ER besprengt war, jetzt durch die Himmelstür schreiten durfte (Hebr. 10, 19).

Und weil Jesus ihn so gereinigt und ihn nun Seinen Bruder genannt hatte, darum erkannte Gott diesen Mörder auch als S e i n e n Sohn an, der tot war und wieder lebendig geworden ist (Luk. 15, 24). Denn Jesus wollte diesem Seinem Bruder, den ER durch das Sterben hindurch behütet hatte, Seinen Glanz zeigen, den ER (Jesus) im Himmel bei Gott besitzt (Joh. 17, 24, 12). Die Anklageschrift gegen diesen Mörder, die ein Engel in seinen Händen Gott entgegentrug, worinnen alle Missetaten dieses Verbrechers verzeichnet waren, nahm Jesus aus des Engels Hand und zerriß sie – alle Sünde sollte vergeben sein (Kol. 2, 14). Und Gott sah noch die Tränen der Todesqual und der verzweifelten Reue auf des Mannes Antlitz – und Gott trocknete ihm mit eigener Hand alle Tränen aus seinen Augen (Off. 21, 4), und Jesus setzte ihn zu Tisch droben im Himmelreich und bediente ihn in gütiger Freundeshuld (Luk. 12, 37).

 

54. Jesus im Lande der Toten

Doch sogleich eilte Jesus aus dem Paradiese, wo ER den Schächer bei Gott zurückließ, hinunter in das Totenland. Denn nun mußte ER die alten Väter, die in den langen Jahrhun­derten seither gestorben waren, herausrufen und hinüberführen zu Gott. Hiob hat es uns am treulichsten geschildert, wie die Väter dort im Totenland hoffend auf Jesum harren. Hiob erzählt, daß er zwar bald sterben und in des Totenlandes Tiefe hinunter werde sinken müssen. Aber (so betet er):

DU verbirgst mich im Lande der Toten und versteckst mich dort, bis Dein Zorn vergangen ist – bis jener Starke kommt, der Gottes Zorn durch Sein Sühnegeld zu stillen weiß.

DU setzest mir eine Frist (nämlich bis Jesus als Erlöser auf die Welt kommen wird), um aber dann wieder an mich zu denken, … hoffen will ich, bis meine Erlösung kommt. Und dann, dann rufst DU und ich, ich antworte Dir! – weil DU Sehnsucht trägst nach dem, den Deine Hände erschufen. Alsdann umhütest DU sorgsam meine Schritte … (Hiob 14, 13-16).

Jetzt war die Stunde gekommen, da Gott Sehnsucht trug nach Seinen im Totenlande verlorenen Kindern. Jesus eilte hinunter in das Totenland, um “als der Stärkere den Starken zu bezwingen, den Teufel, der die Macht über den Tod hatte und durch den Tod die Menschen allzumal in seine Faust hineinzwang“ (Hebr. 2, 14).

Aber wie der Tod bisher allmächtig alle an sich riß durch seine Geißeln: Pest und Seuche, so wurde Jesus selbst zu einer Seuche und Pest für das Totenland in jenen Augenblicken, als ER vom Himmel hernieder stieg und kraftvoll wuchtig die Tür zum Totenlande aufstieß mit Seiner starken Hand:

“Aus der Gewalt des Totenreiches will ICH sie erlösen, aus dem Tod sie loskaufen. Tod, wo ist dein Verderben? Totenreich, wo ist dein Sieg?“ – (Hosea 13, 14).

So trat Jesus – derweilen Sein Leichnam im Grabe lag – in die weiten Räume des nachtdunklen Totenreiches (Hiob 10, 22) und besuchte die alten Väter und Mütter, die in tiefer Sehnsucht auf ihre Erlösung (nach Hiobs Worten) warteten. Und wie Jesus zu ihnen hintrat, rief ER sie und brachte ihnen durch Seine Predigt das Evangelium, wie uns Petrus erzählt: „darum wurde auch den Toten das Evangelium zugetragen“ (1. Petr.1, 6) durch Jesum, „der zu den Geistern im Gefängnis ging und ihnen predigte“ (3, 19). Nun war endlich die von Hiob ersehnte Stunde gekommen. Und wie Jesus als Sieger durch das Todestor schritt und den Hiob rief und die alten Väter und Mütter allzumal, die dort im Totenlande, vom Teufel gefangen, lagen, da hörten sie – „und ich, ich antworte Dir“ (sagte Hiob) – und so folgten sie Ihm, der jetzt „sorgsam alle ihre Schritte umhütete“, um sie auf sicherem Pfade in Seinem treuen Geleit aus dem Totenlande hinüber zu führen in das große selige Vaterhaus droben – so wie ein Hirte seine Herde leitet – nach Jesu Worten, so wie ER selbst hierüber gesagt hatte: „Und ICH habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stalle sind; auch die herbeizuführen liegt Mir ob – und sie werden auch auf Mich hinhorchen (wie Hiob es längst zuvor schon so gewiß versprochen hatte) – und so wird nur Eine Herde sein, Ein Hirte nur“ (Joh. 10, 16).

Dort im Totenlande blieb Jesus, wie es scheint, bis zum Ostermorgen. Denn all den ungezählten Hunderttausenden, die dort im Dunkel harrend lagen, mußte ER predigen von Seiner Gnade, die ER allen schenken wollte, die gläubig sich Ihm anvertrauten. Und – so erzählt Matthäus – nach Seiner Auferstehung erschienen diese alten Väter vielen in Jerusalem (27, 53), als sie auf dem Wege waren, hinter Ihrem Herzog Jesus drein (Hebr. 2, 10), dem sie erlöst nachfolgten zum Vaterhause nach droben.

So war Jesus „in die tieferen Teile der Erde hernieder gestiegen“, ist dann aber wieder „zur Höhe hinauf gefahren und hat Gefangene gefangen abgeführt“ (Eph. 4, 8-9); das bedeutet: die im Totenlande Gefangenen entriß ER dem Tode und nahm sie in Seinen Besitz: als Gefangene der Gnade führte ER sie zum Himmel empor (Eph. 4, 10).

Wieviele der Toten Ihm damals folgten und wieviele vielleicht auch nicht, erzählt uns die Bibel nicht. Wir müssen uns mit diesem, was wir jetzt sahen, begnügen.

55. Karsamstag in Jerusalem

Derweilen saßen während des auf den Karfreitag folgenden Sonnabend die Jünger und die Frauen stille in Jerusalem (Luk. 23, 56). Dieser Sonnabend war doppelt geheiligt: als Sabbath und als Passah-Tag, die – wie es sich gerade traf – in diesem Jahre zusammen fielen (Passah liegt auf dem fünfzehnten Tag des ersten Frühlings-Monates, das ist der Vollmondstag). Heimlich aber in der Stille mischten die Frauen Salben, um am Sonntag (wenn das große Fest vorüber und der Sabbat vergangen war) zum Grab zu gehen und Jesu Leichnam dort zu salben.

Judas Ischarioth hatte sich schon am Freitag, ehe noch Jesus gestorben war, erhängt (Matth. 27, 5). Über die übrigen Jünger erfahren wir während dieses Sonnabendes nichts.

56. Jesu Auferstehung

Mit Seiner Siegesbeute verließ Jesus im Triumph das Totenland.

Ein Erdbeben erschütterte am Sonntag früh die Friedhofs­stätte. Ein Engel des Herrn stieg vom Himmel hernieder und rückte den schweren Stein beiseite, den am Karfreitag Josef von Arimathia vor das Grab hatte wälzen lassen (Matth. 27, 60).

Und Jesus trat in eben diesem selben Augenblick lebendig aus dem Grab heraus!

Nicht der Engel hatte Ihn auferweckt aus Seinem Todesschlaf – kein Engel hätte hierzu Kraft und Macht gehabt – sondern Gott selbst erweckte Jesum durch Seinen Glanz, wie uns die Bibel deutlich bezeugt (Röm. 6, 4).

So war also Gottes Glanz, der wundersame leuchtend-lichte Glanz, der von Gottes Thron ausstrahlt, hineingeflossen in des Grabes Nachtdunkel und hatte Jesu Leichnam umstrahlt – und unter diesem Strahlenlicht des Himmels war Jesu Leichnam auferwacht.

Die fünf Wunden der Kreuzes-Nägel an Jesu Händen und Füßen und des Lanzenstiches in Jesu Seite waren als Narben deutlich an Jesu Leib auch jetzt noch sichtbar (Joh. 20, 25) – und Jesus trat mit Seinem wundersam verklärten Leibe, der die Narben der fünf Kreuzeswunden an sich trug, lebendig und stark aus dem Grabe heraus und ging hinweg, derweilen ein Engel die Leichentücher in dem Grab sorgsam zurechtlegte und ein zweiter Engel (derselbe, der eben zuvor den Stein fortgerückt hatte) auf den Stein sich setzte.

Niemand hatte gesehen, wie Jesus auferstand. Denn die römischen Soldaten, die das Grab bewachten, wurden durch das Erdbeben und des Engels wuchtige Tat, als er den Stein fortrückte, so bestürzt und betäubt, daß sie von diesem mächtigen Geschehen, wie Jesus aus dem Grab heraustrat, nichts wahrnahmen und Jesum nicht erblickten.

Durch Gottes Glanz war Jesu Leichnam wieder lebendig geworden – aber wundersam verklärt. Es war derselbe Leib, mit dem ER drei Tage zuvor am Kreuz gehangen hatte und mit dem ER nun auferstand und das Grab verließ. Aber dieser Leib, der als gestorbener in das Grab gelegt war, war nun mit Unsterblichkeit überkleidet worden, der irdische Leib war in einen himmlischen Leib verwandelt, so daß er zu einem geistlichen Leibe geworden war (1.Kor. 15, 40-53).

Mit diesem Leibe wanderte nun Jesus und verzehrte Nah­rung (Luk. 24, 15, 43, 50). Man konnte ihn anfassen, er hatte Fleisch und Knochen und war ganz gewiß nicht bloßer Geist (Luk. 24, 39), sondern wirklich der Leib, den Jesus durch Sein ganzes irdisches Leben immer getragen hatte – aber wunderbar verklärt: er war an keine Erdenschwere mehr gebunden und nicht dem Raum verhaftet, wie unser irdischer Leib. Unsichtbar oder sichtbar, entschwebend oder wandernd, ganz wie Jesus wollte, war dieser Leib befreit von allen Erdenbanden, frei von aller Menschen-Schwachheit (Joh. 20, 19, 26; Luk. 24, 31). Sein Leib war überkleidet von himmlischem Wesen, das das sterbliche irdische Wesen des Leibes verschlungen hatte.

Und so, in diesem verklärten Leibe, verließ Jesus das Grab, um Seinen Jüngern zu begegnen.

Jesus war nicht alleine auferstanden, sondern viele der in den früheren Jahrhunderten gestorbenen Heiligen waren sogleich nach Ihm, Ihm folgend, auch aus ihren Gräbern geschritten und wanderten in die Stadt Jerusalem hinein, wo manche Fromme dort sie gesehen haben (Matth. 27, 53).

 

57. Die verzweifelte Oster-Angst

Für Jesu Jünger aber und alle Gläubigen, die sich zu ihnen hielten, war der Ostertag ein Tag bebenden Entsetzens. Früh am Sonntag Morgen gingen vier Frauen zum Grabe mit ihren Salben, um Jesu Leichnam zu salben:

1. Maria Magdalena,
2. Maria, die Frau des Kleophas und Mutter des kleinen Jakobus, der einer der zwölf Jünger war,
3. Salome, die Schwester der Mutter Jesu und Gattin des Zebedäus und Mutter des Johannes und des anderen Jakobus,
4. Johanna, von der wir sonst nichts wissen.

Wie sie zum Grabe hinkommen und sehen, daß der Stein fortgerückt war, lief Maria Magdalena flugs, ohne sich umzusehen, nach Jerusalem zurück, um diese erschreckende Nachricht dem Petrus und Johannes zu erzählen (Luk. 24, 10; Joh. 20,2).

Die drei anderen Frauen aber gingen in das Grab hinein und sahen drinnen einen Engel sitzen – hernach auch sahen sie den anderen Engel auf dem großen Stein sitzen. Beide Engel erzählten den Frauen, Jesus sei auferstanden.

Die drei Frauen aber „flohen vom Grabe, von zitterndem Entsetzen ergriffen“ (Mark. 6, 8). Sie liefen nach Jerusalem zurück.

Jedoch auf dem Wege „begegnete Jesus selber ihnen und sagt: Freuet euch – sie aber traten auf Ihn zu, erfaßten Seine Füße und beteten Ihn an“, gingen heim „und erzählten diese Dinge den Aposteln und den Anderen; aber denen dünkten diese Reden nur lauter Geschwätz – sie glaubten ihnen nicht!“ (Matth. 28, 9; Luk. 24, 9-11).

Petrus und Johannes aber waren indessen schon, auf die Reden der Maria Magdalena hin, eilend zum Grabe hin gelaufen und fanden es leer – aber kein Jesus und auch kein Engel war zu finden – „hierüber war Petrus höchst erstaunt, ging aber wieder heim“ (Luk. 24, 12; Joh. 20, 3-10).

Maria Magdalena eilte derweilen zum zweiten Male zum Friedhof, sah zunächst nur zwei Engel, gleich hernach aber Jesum selbst, der sie wieder zu den Jüngern zurückschickte (Joh. 20, 11-18). So lief sie „und erzählte es denen, die mit Ihm gewesen waren und nun trauerten und weinten. Als sie aber hörten, daß Jesus lebt und sie Ihn gesehen habe, glaubten sie es doch nicht“ (Mark. 16, 10-11).

Lähmende Trauer lastete auf den Jüngern. Das Grab war leer, darüber konnte gar kein Zweifel sein – Frauen behaupteten Ihn gesehen zu haben, aber keiner der Männer hatte Jesum irgendwo gefunden. Niemand wußte, was aus Jesu Leichnam geworden war – außer den Frauen, aber denen glaubte niemand.

Schrecken erfaßte auch die Jerusalemer Priester, als sie von den römischen Soldaten, die am Grab gewacht hatten, hörten, was jene von dem Engel, der Erschütterung des Erdbodens und dem leeren Grab zu erzählen wußten. Die Priester versuchten, durch eine törichte Lüge Jesu Auferstehung zu vertuschen (Matth. 28, 11).

 

58. Die Oster-Freude

Am späten Nachmittag wanderte Kleophas, der Gatte jener zweiten Maria, die Jesum am Morgen gesehen hatte, mit noch einem uns unbekannten anderen Jünger über Land nach Emmaus, wo ihnen beiden auf dem Wege Jesus begegnete (Luk. 24, 13).

Während jene wieder eilend nach Jerusalem zurückliefen, um den Anderen zu erzählen, was sie erlebt hatten, erschien Jesus dem Petrus allein (Luk. 24, 34). Was Jesus da mit Petrus geredet hat, hat Petrus offenbar nie erzählt – wir wissen hiervon nichts.

Am Abend hatten die Jünger sich aus Furcht vor den Juden eingeschlossen, weil schon die boshaften Priester das Gerücht in der Stadt verbreiteten, die Jünger hätten Jesu Leichnam gestohlen, um eine Totenauferstehung vorzutäuschen. So mußte im Volk die Meinung auftauchen, die Jünger seien infame Betrüger, die daher nun mit ihrer baldigen Verhaftung rechnen mußten.

Kleophas und der andere Jünger waren derweilen zurüdcgekehrt und erzählten soeben den Jüngern, wie sie Jesum gesehen und mit Ihm gesprochen hätten – da trat Jesus unversehens durch verschlossene Türen in ihre Mitte und zeigte sich ihnen. Weil „aber die Jünger bestürzt und ängstlich waren und glaubten, einen Geist zu sehen“, ließ Jesus sich Speisen reichen und aß vor ihnen, um ihnen zu beweisen, daß ER wirklich ER selbst und nicht ein bloßer Geist sei, und ER redete mancherlei mit ihnen. „Nun freuten sich die Jünger, weil sie den Herrn sahen!“ (Joh. 20, 20; Luk. 24, 38), und erzählten es auch Anderen mit großer Freude weiter: „Wir haben den Herrn gesehen!“ (Joh. 20, 25). Verzagen, Angst und Trauer waren gewichen.

 

59. Die Tage nach Ostern

Am Sonntag nach Ostern kam Jesus wieder zu den Jüngern und zeigte sich besonders dem Thomas (Joh. 20, 24-29). Zuvor schon hatte Jesus (am Ostertag) Seinen Jüngern befohlen, sie sollten nach Galiläa wandern; dort wolle ER ihnen nochmals begegnen (Matth. 28, 10).

So wanderten die elf Jünger denn dorthin, und weil sie nun Jesum nicht mehr bei sich hatten, waren sie wieder ihrer alltäglichen Arbeit des Broterwerbes hingegeben, da sie noch keine Weisung von Jesu empfangen hatten über ihre künftigen Aufgaben in der Weltmission. Sie wurden also wieder Fischer.

Da erschien an einem Tage Jesus am See Genezareth sieben Jüngern, die zum Fischfang auf dem Wasser waren, und hielt mit ihnen ein Frühmahl. Insbesondere redete ER mit Petrus und über den Johannes (Joh. 21).

Und wohl bald darnach besprach sich Jesus mit allen elf Jüngern und noch fünfhundert anderen Brüdern (von denen etliche bis dahin im Glauben noch schwankend gewesen waren und darum zweifelten) (Mattth. 28, 16-20; 1.Kor. 15, 6). Jesus zeigte ihnen die große Aufgabe der Predigt und Gemeindegründung allenthalben unter allen Völkern der Welt, und sandte sie aus. Ihren galiläischen Fischerberuf sollten sie nun verlassen, um als Seine Boten in die weite Welt zu wandern mit dem Evangelium und der Taufe, und in der Gewißheit, daß Jesus selbst sie allenthalben hin geleiten werde. So löste ER die Jünger hier in Galiläa von ihrer galiläischen Heimat und aus ihrem irdischen Beruf, um sie ganz in Seinen Dienst zu ziehen. Doch schickte Jesus zunächst Seine elf Jünger noch einmal wieder nach Jerusalem zurück, wo sie auf Ihn warten sollten (Apg. 1, 4).

Irgendwann während jener Zeit erschien Jesus auch Seinem leiblichen Bruder Jakobus, wodurch jener sich bekehrte und zum Glauben kam (l. Kor. 15, 7).

 

60. Jesu Erscheinungen

So erzählt uns die Bibel, daß Jesus zehnmal sich als Auferstandener den Seinen gezeigt habe:

1. den drei Frauen, 2. der Maria Magdalena, 3. den Emmaus-Jüngern, 4. Petrus, 5. den Jüngern am Abend, 6. nach acht Tagen allen Jüngern (Thomas), 7. sieben Jüngern am See Genezareth, 8. 500 Brüdern auf einem Berg in Galiläa, 9. dem Bruder Jesu, Jakobus, 10. am Himmelfahrtstage allen Jüngern.

Jesus zeigte sich als Auferstandener nur Seinen Gläubigen – jedoch auch solchen, die zu Zweifeln noch fähig waren, und nun dadurch, daß sie Ihn sahen, zu voller Gewißheit geführt werden sollten (Matth. 28, 17).

Aber auch solche durften Ihn sehen, die bis dahin noch Ihn abgelehnt hatten, nun aber dadurch, daß Jesus sich ihnen zeigte, zum Glauben hinfanden und forthin ganz Ihm zu Eigen gehören wollten. Ein solcher war Jesu leiblicher Bruder Jakobus (Joh. 7, 5; 1. Kor. 15, 7).

Anderen aber, die im Unglauben verharren wollten, zeigte Jesus sich nicht.

 

61. Jesu Himmelfahrt

Sechs Wochen lang zeigte sich Jesus durch solche Erscheinungen Seinen Jüngern. Zum letzten Male erschien ER vierzig Tage nach Ostern den Jüngern in Jerusalem. Nach längeren Gesprächen über Sein einstiges Wiederkommen, legte ER Seinen Jüngern noch einmal ihre Aufgabe, der ganzen Welt das Evangelium zu verkündigen, eindringlich an das Herz, und wanderte alsdann mit ihnen zum Ölberg hinaus (in die Nähe des Dorfes Bethanien) (Luk. 24, 50). Und unter letzten segnenden Worten schied ER von ihnen. Vor den Augen der Jünger wurde ER emporgehoben und entzog sich durch eine Wolke ihren Blicken. Zwei himmliche Boten traten zu den Jüngern und belehrten sie, daß Jesus in eben dieser Weise, wie ER nun von ihnen geschieden war, einst wieder kommen werde (Apg. 1, 3-11). Stieg Jesus in einer Wolke verborgen zum Himmel empor, so wird ER in einer Wolke verborgen auch wieder vom Himmel herniederfahren, wann Sein Tag anbrechen wird.

62. Jesus betritt den Himmel

“Gott fuhr empor, nach droben fuhr Jehova, unter jubelndem Posaunenschall!“ (Ps. 47, 6).

Nichts erzählt uns die Bibel darüber, wie Jesus den Himmel betrat, da ER Seinen Siegeszug über die Erde hin und zuletzt noch durch das Totenland, den Hades, vollendet hatte. Doch läßt dieses Psalmenwort uns ahnen, welche Freude den Himmel erfüllte, und welchen Jubel die Engel anstimmten, als Jesus nun wieder heimkehrte in Sein Vaterhaus.
„Zu Gott wurde ER und zu Seinem Thron hingerissen“ (Off. 12, 5), wodurch Jesus dem Zugriff des Satan nun für immer entnommen und entrissen war. So lange Jesus auf Erden weilte, hatte der Satan ihn verfolgen, versuchen und am Ende sogar töten dürfen – nun kann er Ihm hinfort nichts mehr anhaben (Off. 12, 13).

Und Gott rief, da Jesus nun zum Himmel hinein schritt, Seinem Sohne Jesus Christus zu: „Setze Dich zu Meiner rechten Seite!“

Und Gott schwur Jesum zu, daß ER als ein ewiger Priester an Gottes Seite für Seine Jünger und Alle, die Ihm glauben wollen, ewig wirken dürfe (Hebr. 1, 13 und 5, 6).

Und Jesus schritt hin zu Gottes Thron und setzte sich an Gottes rechte Seite (Mark. 16, 19).

 

63. Jesu Thron im Himmel

So sitzt denn nun Jesus zur rechten Hand Gottes auf Gottes Thron. Über diesen Thron Gottes und Jesu weiß uns der Evangelist Johannes mancherlei zu erzählen (Off. 4-7): Der Thron ist von farbigem Licht (gleich einem Regenbogen) umstrahlt, der Thron selbst wie ein grün-leuchtender Sma­ragd-Edelstein (4, 3). Rings um den Thron, offenbar ihn tragend, stehen vier Cherubim (4, 6; Hes. 1).

In einer kleinen Entfernung sitzen rings um den Thron auf geringeren Thronen vierundzwanzig Ehrwürdige, die die Weltregierung verwalten, in feierlichen Augenblicken aber ihre Kronen vor Gott niederlegen als dem erhabenen Weltherrn (Offb. 4, 4, 10).

Neben Gott steht am Thron – oder sitzt zugleich mit Gott auf dem Thron – Jesus Christus (5, 6). In weiterem Kreis umringen ungezählte Scharen dienst­bereiter Engel den Thron (5, 11). In einem kleinen Abstand steht vor dem Thron ein Altar. Unterhalb dieses Altares – also wesentlich tiefer stehend als Gott – finden sich die Seelen derer ein, die die Erde verlassen und durch den Tod zu Gott heimgehen (6, 9).

 

64. Jesus zeigt sich vom Himmel her

Drei Seiner Jünger durften Jesum noch nach der Himmelfahrt sehen, wie ER im Himmel weilt:

1. Stephanus sah bei seinem Sterben „Gottes Glanz und Jesum zu Gottes rechter Seite stehen“ (Apg. 7, 55).

2. Saulus, der hernach Paulus hieß, wurde von hellem Licht umstrahlt und geblendet – Jesus erschien ihm und sprach zu ihm (1. Kor. 15, 8; Apg. 9, 5).

3. Der Jünger Johannes sah auf der Insel Patmos den Herrn in Seinem himmlischen Glanz (Off. 1, 9-20). Auch in Traumgesichten erschien Jesus dem Paulus mehr­mals (Apg. 18, 9; 22, 18; 23, 11).

 

65. Jesu himmlischer Leib

So wie Jesus dort neben Gott steht, trägt ER an Seinem himmlischen Leibe durch alle diese Zeiten – und wir möchten vermuten: bis in alle Ewigkeit – die Wundmale Seiner Kreuzigung. Johannes sah Ihn dort im Himmel am Thron stehen wie ein geschlachtetes Lämmlein – was wir gewiß so verstehen sollen: deutlich sichtbar blieben an Seinem Leibe die fünf Wundmale des Kreuzes (Off. 5, 6). Und gekleidet ist ER in ein blutgetränktes Gewand (Off. 19, 13).

 

66. Jesu unsägliche Arbeit im Himmel

Unsäglich mühevoller Arbeit ist Jesus im Himmel hingegeben. In dem großen Vaterhause droben rüstet ER den Raum für alle, die durch Glauben und Nachfolge Ihm angehören (Joh. 14, 3). Das bedeutet, daß, wenn wir uns zum Sterben rüsten, Jesus für jeden von uns, die wir glauben, eine Wohnung im Himmel zubereitet, die unserer Reife, unseren Lebensschicksalen und unserem Glauben angemessen ist. Gewiß sind Engel Ihm hierzu zu Dienst bereit. Doch welcher Sorgsamkeit und Umsicht, wieviel hingegebener Freundestreue bedarf es, um jedem Seiner ungezählten Jünger, die täglich sterben, die Wohnung so zuzubereiten, daß wir nach unserem Sterben einziehen können.

Engel tragen unsere Gebete (wie es die Bibel deutlich bezeugt) vor Gottes Angesicht (Off. 5, 8 und 8, 4). Und für Alle, die in Jesu Namen zu Gott oder zu Jesus selbst beten, tritt ER fürbittend ein vor Gott (Röm. 8, 34; Ps. 73, 25). Das bedeutet, daß Jesus unsere Anliegen, die wir im Gebet Ihm sagen, sorgfältig untersucht, um unsere Gebete erhören zu können. Und unsere Lebensschicksale, seien sie notvoll oder durch satanische Versuchungen voller Gefahren, bespricht ER mit Gott, immer den Vater bittend um Gnade oder freundliche Hilfe, auch wenn wir es nicht verdient haben. Unsere Wünsche, die wir im Gebet Ihm sagen, kann ER freilich uns nicht immer so erfüllen, wie wir es gerne wollten. Dennoch erhört ER jedes Gebet, das die Engel vor Ihn tragen – und sie tragen jedes unserer Gebete hinauf – auch wenn ER anders darauf ant­wortet, als wir erhofft hatten. Denn Jesus prüft sorgsam, wie ER auf unsere Bitten in vollkommener Weisheit uns am besten helfen könne. Wieviel sorgsames Sinnen und prüfendes Erwägen lastet auf Jesu, angesichts oft törichter Wünsche Seiner Gläubigen! Und wieviel muß ER bedenken, um den Seinen recht helfen zu können, wenn Haß, Eifersucht und Zank und unsäglich viel Sünde das Leben Seiner Getreuen vergiften. So steht ER als Priester vor Gott – für uns! – unentwegt bedenkend, wie ER uns helfen könne.

 

67. Der Paraklet

Und Jesus sendet Seinen Geist, den Parakleten (deutsch: den Tröster und Vermahner), zu den Jüngern, auf daß sie nicht welthaftem Geist des Zagens, Zweifelns und der Sünde verfallen. So klopft ER in unserem Gewissen oder durch Sein Wort bei uns an, um uns durch Seinen Geist zu besuchen und in unseren Herzen zu wohnen (Joh. 16, 7, 14 und 14, 21, 23; Off. 3, 20). In dieser geheimnisvollen Weise „will ICH (sagt Jesus) alle Tage bei euch sein, bis die Einigkeit vollendet wird“ (Matth. 28, 20). So lehrt ER uns durch Seinen Geist, wie wir recht beten sollen (Röm. 8, 26), und führt uns in die Tiefen der Erkenntnis, die wir durch Ihn selbst, das heißt durch Seinen Geist, erfassen dürfen, auch ohne welthaft gelehrt zu sein (Joh. 16, 13).

Und emsig ist Jesus bemüht, uns zuzurüsten, daß wir einst zum Himmelreich eingehen dürfen. Wer darum in Gefahr steht, durch Sünde verloren zu gehen (Off. 3, 19), den erzieht ER durch Seine Strafen: ER „wirft sie auf das Krankenbett“ oder sucht mit irgendwelchen Qualen sie heim, oder muß auch gar ihre Kinder zu Tode kommen lassen“ (Off. 2, 16, 22, 23), wenn keine andere Mahnung mehr hilft. Wie muß da Jesus unentwegt Seine Augen auf alle werfen, die Ihm angehören – wie muß ER sorgen, beobachten, und um uns sich unsäglich mühen! „So sorgst DU Dich um alle meine Wege“ (Ps. 139, 3).

Doch tut Jesus dieses nur mit Seinen Freunden, die ER lieb hat, weil auch sie Ihn lieben.

Um Andere aber, die von Jesus nichts wissen wollen, kümmert ER sich nicht. „Für Meine Jünger bitte ICH – betete Jesus am Gründonnerstag Abend – aber nicht bitte ICH für die Welt, sondern (nur) für die, die DU Mir gegeben hast“ (Joh. 17, 9). Wer Ihn verachtet, den tut Jesus von sich, wie man faules Wasser aus dem Munde ausspeit (Off. 3, 16) – das heißt, den läßt Jesus ruhig leben, ob gut oder schlecht, ohne sich noch irgendwie um ihn zu kümmern. ER straft solche nicht, aber ER hilft ihnen auch nicht, weil ER sie nicht kennt.

Und doch hat Jesus all die Vielen, die Ihn noch nicht kennen oder die Ihm entlaufen sind, nicht vergessen, sondern allenthalben hin sendet ER Seine Jünger. So wie einst, als ER noch auf Erden lebte, so sendet ER auch heute Seine Boten durch Seinen Geist, den ER von droben her auf Seine Jünger legt. Und durch diese Seine Boten ruft ER die verlorenen Menschen zu sich. „Und wer zu Mir kommt, den stoße ICH gewißlich nicht nach draußen“ (Joh. 6, 37): Jeden nimmt Jesus in Seine Fürsorge hinein, der betend Ihm naht oder durch einen Jünger zu Ihm sich hinleiten läßt.

Und niemand darf Ihn daran hindern, um die Seinen sich sorgend zu mühen. Darum sagte Jesus bei Seinem Abschied in Galiläa Seinen Jüngern: „Jetzt wurde Mir das volle Recht übergeben, im Himmel und auf Erden zu walten. Darum sollt ihr euch nun zu allen Völkern wenden, auf daß auch sie zu Jüngern werden …“ (Matth. 28, 18). Und wenn auch alle diese, die so zu Seinen Jüngern werden, noch so viele Fehler an sich tragen, und mag der Satan sie wie einst den Hiob (Hiob 1) oder den Josua (Sach. 3, 1) vor Gott anklagen – Jesus hat ein volles Recht über alle jene Menschen, die sich gläubig Ihm anvertrauen und zu Ihm beten, so daß der Satan sie nicht mehr von Ihm trennen kann.

 

68. Das Haupt der Gemeinde

Darum wird Jesus das Haupt der Gemeinde genannt (Kol. 2, 19]. Aber nicht nur die Gemeinde, sondern „alles sollte in Christus wie unter einem Haupte zusammengehalten werden, sowohl das, was im Himmel ist, wie auch das, was auf Erden ist“ (Eph. 1, 10). Jedoch will Jesus nicht durch Zwang regieren, sondern Sein unsäglich treues Bemühen geht dahin, „alles in Allen zur Vollendung zu bringen“ dadurch, daß ER die Gemeinde baut, „die Sein Leib ist und gänzlich erfüllt ist von Ihm“ (Eph. 1, 23). Nicht aber bringt Jesus alles in Allen zur Vollendung durch Gewalt. Denn noch will ER nicht durch machtvollen Zorn herrschen, durch den ER jeden Gegner zermalmt. Sondern noch ist die Zeit, da ER durch Seinen Ruf die Schafe aus anderen Ställen ruft:

„auch die herbei zu führen liegt Mir ob, und sie ruerden auch auf Mich hinhorchen“ [Joh. 10, 16).

So steht Jesus – jetzt in dieser Zeit zwischen Himmelfahrt und seinem Wiederkommen – nicht als Herr der Welt droben im Himmel, sondern ER steht vor Gott als der ewige Priester (Hebr. 5, 6), und als der „einzige Mittler und Fürbitter“ (Hiob 33, 23 und 36, 32), der die Schafe aus fremden Ställen (Wissenschaft, Philosophie, Kunst, Theater usw.) lockend ruft – der sie aber niemals zwingt. Daher auch sagt Jesus, ER stehe vor der Tür und klopfe an (Off. 3, 20) – und ER wartet, ob jemand auftut. Niemals öffnet ER durch Zwang die Tür. Will jemand auf Sein Klopfen nicht hören, so wendet Jesus sich von solchen fort. ER herrscht nur über solche, die aus freiem Willen sich Ihm unterordnen. Nie herrscht ER jetzt in dieser Zeit durch Gewalt. Dereinst freilich, in den letzten Gerichten, wenn ER wiederkommen wird, dann wird Sein Zorn entbrennen über alle, die Ihn jetzt verhöhnen (Ps. 2, 12). Noch aber ist die Zeit der Gnade.

 

69. Jesu Wiederkommen

Daß ER wiederkommen werde, hat Jesus selbst sehr deutlich am Gründonnerstag-Abend in Seinem Verhör vor Kaiphas und dem Hohen Rat bezeugt: „Nun wird es bald geschehen, daß ihr den Menschensohn sehen werdet, wie ER sitzt zur rechten Seite der Macht, und auf den Wolken des Himmels herbei kommt“ (Matth 26, 64).

Aber schon von Anfang an hatte Jesus hierüber geredet: in der Bergpredigt (Matth 7, 22) und in den späteren Predigten (Matth. 16, 27). Jedoch über die Zeit, wann ER wiederkommen werde, wußte auch Jesus selbst nichts zu sagen (Matth. 24, 36). Und noch am Tage Seiner Himmelfahrt bestätigte ER Seinen Jüngern zwar, daß ER wiederkommen werde, jedoch „euch geziemt es nicht (sagte Jesus ihnen) die Zeiten und Jahre zu ergründen, die der Vater in der (nur) Ihm eigenen Macht festgesetzt hat (Apg. 1, 7).

 

70. Die Vorwarnungen

Am Dienstag der Leidenswoche hatte Jesus über Sein Wiederkommen zu Seinen ersten Jüngern ausführlich gesprochen und ihnen erklärt, an welchen Vorzeichen man dereinst, wenn Sein Tag sich naht, erkennen werde, daß Sein Wiederkommen vor der Türe steht.

Als solche Zeichen Seines nahenden Tages nannte ER Seinen Jüngern diese (Matth. 24):

eine allgemeine geistliche Verwirrung und schwärmerische Irrungen werden zuvor die Menschheit betören (Matth. 24, 5, 24).

Die Natur gerät in Verwirrung durch Unwetter und Erdbeben (Luk. 21, 11).

Kriege durchzucken die Völker, derweilen die ganze Welt voll ist vom Friedens-Gerede (Matth. 24, 6; 1. Thess. 5, 3).

Jesu Jünger werden verfolgt, daß viele dadurch aus dem Glauben und der Liebe entfallen werden (Matth. 24, 10-12), derweilen aber gleichzeitig das Evangelium bis in die letzten Weltenwinkel hingetragen wird (Matth. 2,1, 14).

Der Haß gegen Jesus wird die Familien vergiften, in deren Schoß sich noch ein Gläubiger findet (Mark. 13, 12).

In die Kirche hinein zieht die freche Leugnung der heiligen Wahrheiten (Matth, 24, 15), während zugleich namenlose Qualen die Menschheit heimsuchen, wie man sie früher auf Erden nie gekannt hatte (Matth. 24, 21).

Männer suchen göttliche Verehrung von ihren Mitmenschen – und finden sie auch! (2. Thess. 2, 4; Mark. 13, 22).

Die Sonne verliert ihre Kraft (das bedeutet vermutlich, daß das Klima zu schwanken anfängt oder das Wetter in Unordnung gerät), derweilen kosmische Erschütterungen die Welt erschrecken (Matth. 24, 29) –

„und dann wird am Himmel sichtbar werden das Zeichen des Menschensohnes, und alle Familien auf Erden werden wehklagen, und sie werden auf den Menschensohn hinblicken müssen, wie ER auf den Himmels-Wolken kommt mit großer Macht und Glanz“ (Matth. 24, 30).

Die Jünger Jesu haben diese Vorwarnungen, an denen sie die Nähe des Tages erahnen können, so wie man an den Baumknospen die Nähe des Sommers abliest (Matth. 24, 32). Für die Welt jedoch wird dieser Tag in furchtbarer Plötzlichkeit hereinbrechen, daß die Menschen in schreckenvoller Pein dem vom Himmel kommenden Christus zu entlaufen suchen werden – „ER aber wird sie alle zwingend vor Sein Gericht ziehen, wie der Hirte seine Schafe vor sein Angesicht stellt“ (Matth. 25).

Aber auch die Jünger Jesu können die genaue Zeit, wann Jesus wiederkommen wird, nie wissen, müssen daher unentwegt in treuer Wachsamkeit auf Ihn harren.

So hatte Jesus in Seinen Erdentagen die Jünger belehrt. Erst nach Seiner Himmelfahrt hat ER alsdann den Aposteln Paulus und Johannes tiefere Offenbarungen über Sein Wiederkommen enthüllt – jedoch niemals etwas Genaueres über das Datum. Doch wie wir die Nähe des Frühlings erahnen, wenn die Blätter sprießen, so spüren wir – nach Jesu eigenem Wort – die Nähe Seines Tages.

 

71. Die Vorläufer des Antichrists

Durch die Apostel erfahren wir nun, daß zuvor, ehe Jesus wiederkommen kann, „der Abfall noch erst kommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit sich enthüllen muß, der Sohn des Verderbens, der Streitsüchtige, der sich über alles, was Gott heißt und ehrwürdig ist, hoch erhebt, daß er sich sogar in Gottes Tempel setzt und von sich behauptet, er sei Gott, ein Gesetzloser, dessen Dasein vom Satan gewirkt ist in lauter Kraft und Zeichen und Lügenwundern und in lauter schlechter Verführung, durch die er die Verlorenen verführt“ (2. Tim. 2, 3-10). Wir nennen ihn nach den Worten des ersten und zweiten Johannesbriefes den Antichristen (1. Joh. 2, 18. 22 und 4, 3; 2. Joh. 7).

Bevor aber der letzte mächtige Antichrist kommt, der durch seinen Krieg das Ende dieser Welt heraufbeschwört, wird es viele kleinere Antichristen geben, die das Kommen des eigentlichen Antichristen vorbereiten (1. Joh. 2, 18). Dieser letzte Antichrist wird (wie wir aus Off. 13 erfahren) ein mächtiger Staatsmann sein, der über ein gewaltiges Reich herrscht, neben dem es aber noch ein zweites Reich geben wird, das die Bibel „die Hure“ nennt (Off. 17, 1). Zwischen diesen zwei Reichen wird es zum Kriege kommen, da der Antichrist versuchen wird, auch dieses Huren-Reich sich zu unterwerfen, um Herr der ganzen Menschheit und der ganzen Erde zu werden.

Hinter dem Antichristen steht der Satan, der seinen Ungeist und seine Pläne dem Antichristen einflößt, um durch ihn seinen entsetzlichen Kampf gegen Gott bis zum Äußersten durchzufechten (Off. 16, 13).

Und nun ist der Satan seit Jesu Erdentagen unentwegt an der Arbeit, diesem letzten Antichristen den Weg zu bahnen. Daher geht sein Trachten darauf hin, die Menschheit immer mehr unter Einem Herrscher zu Einem Riesen-Staatswesen zu vereinen, um sie sodann durch diesen Einen Weltherrscher völlig und satanisch zu beherrschen.

Um zu diesem Ziel zu gelangen, schickt er einen Antichristen um den anderen (1. Joh. 2, 18), die langsam aber stetig die vielen Staatswesen der Welt zu großen antichristlichen oder Huren-Reichen vereinen, bis es zuletzt nur noch die zwei großen Gewalt-Reiche geben wird, die alsdann auch noch zu vereinen die dem Antichristen vom Satan gestellte Aufgabe sein wird. Mancher Versuch des Satan, dieses Reich zu gründen. ist seither zu spüren gewesen; aber es ist ihm noch nicht gelungen (das Römische Kaiserreich, Mohammed, Napoleon, Clemenceau, Hitler). Dennoch wird er nicht nachlassen, in diese Richtung hinein die Menschheit zu treiben – seit dem Turmbau zu Babel, bis zum Antichristen hin.

 

72. Die Hure und das Tier

Das Staatswesen des Antichristen nennt die Bibel (und mit­hin nun auch wir im Folgenden) „Das Tier“ (Off. 13 und 17, 3).

Nicht so wird es kommen, daß die Hure und das Tier zwei festgefügte in sich geschlossene Staaten sind, sondern sie sind zwei Macht-Sphären oder zwei Staatenbünde. Die einzelnen Staaten, wie sie sich durch Heimat, Sprache und Volkstum im Laufe der Geschichte gefügt haben, behalten ihre Eigen-Existenzen. Doch werden diese vielen Einzelstaaten zu höheren Einheiten zusammengefügt in den zwei Systemen oder Machtsphären. Das bedeutet, daß sie von zwei Mittelpunkten der Welt aus geleitet und dirigiert werden, so daß sie am Ende wie zwei große Weltreiche sich gegenüber stehen, in die die kleineren Völker hinein bezogen sind, dadurch daß sie von der Hure oder dem Tier unterjocht wurden (Off. 17, 12-15 und 13, 5).

Und diese zwei Macht-Sphären oder Staatsoberhoheiten haben jede ihre besondere Gestalt, die uns die Bibel sehr deutlich schildert.

 

73. Die Hure

Die Hure ist ein Staatswesen, das als Mittelpunkt eine riesige Welthandelsstadt hat, mit der die ganze ihr zugeordnete Welthälfte Handel treibt. Es ist ein Staatswesen des Reichtums, großer Mächtigkeit und luxuriöser Verschwendung, zugleich aber auch frivoler Lüste und voll ehebrecherischer Niedertracht und grenzenlosen Leichtsinns, und voller schlimmer Verführungsmacht, der auch die Gläubigen leicht verfallen (17, 4 und 18, 4). Alle Bequemlichkeit, Schönheit und Gaumenlust sind hier vereinigt, wodurch aber die Menschen in eine hemmungslose Sinnlichkeit hineingezerrt werden (Off. 18,4-14). Ein abscheulicher Huren-Geist durchzittert die leidenschaft­lichen Seelen der Bürger dieses Reiches (18,14), daß sie ,Menschen und Menschen-Seelen verschachern, wie man Tiere verkauft (Mädchenhandel) (18, 13). Aber unsäglich herrlich wird ihr Luxus sein, so daß auch die Gläubigen in steter großer Gefahr der Verführung leben und daher gut daran tun, der Hauptstadt mit ihren Luxus-Stätten eilend zu entfliehen (18, 4).

 

74. Das Tier

Völlig anders ist das Staatswesen des Tieres (Off. 13). Nichts findet sich dort von diesem Luxus. Es lebt in schlichter Einfachheit. Die Wirtschaft dieses Reiches ist nicht gegründet auf den freien Handel, der sich dort niemals entfalten kann, weil der Antichrist alles in seinen strengen Händen hält. Der Staat verwaltet die Güter, nicht aber – wie im Huren-Reich – die Handelsherren, die es im Tier-Reich überhaupt nicht gibt (18, 17-19).

Das Huren-Reich wird von der Wirtschaft beherrscht und demgemäß von einem Handelszentrum. Das Tier-Reich aber wird straff zentral von dem Antichristen beherrscht und von seinem Propaganda-Chef, den die Bibel den Lügen-Propheten nennt. Man kann demgemäß in diesem Lande gut leben, wenn man sich mit Leib und Leben dem Antichristen willig unterordnet, was man äußerlich dadurch bezeugt, daß man sich das Zeichen des Antichristen auf seiner Hand oder Stirn eintätowieren läßt (13, 16). Wer sich dem widersetzt, wird von den öffentlichen Berufen, vom Handel und Verkehr ausgeschlossen und wird kaum wissen, wie er noch – wenn er doch keine Arbeit finden und in den Kaufhäusern nicht mehr einkaufen kann – sein Leben fristen soll.

Aber auch innerlich muß man dem Antichristen willig seinen Verstand und Seele unterordnen, ihm begeistert zujubeln, seinen öffentlich aufgestellten Bildern tiefe Verehrung bezeugen, aber mit hassender Verachtung jeden aus seiner Familie oder Freundschaft verstoßen und bei den Staats-Stellen zur Anzeige bringen, der nicht dem Antichristen öffentlich huldigt, als sei er göttlichen Wesens (13, 8. 15).

 

75. Der Antichrist

Der Antichrist ist ein wunderbarer, erstaunlicher Mensch, dem die Liebe und Begeisterung des Volkes in lauter Jubel und Begeisterung zufällt. Für diese Begeisterung sorgt der Lügen-Prophet, der der Propagandist und zugleich Kanzler dieses Antichristen ist. Der Lügen-Prophet wird in der Kraft und im Namen des Antichristen erstaunliche Wunder vollbringen, Wunder an Tatkraft und Macht, um derentwillen die Menschen erschüttert und ehrfürchtig den Antichristen anbeten, weil solche herrlichen Dinge niemand aus seiner eigenen Menschenkraft vermag. Und in der Tat ist es so. Denn des Antichristen und seines Lügenpropheten Hände sind gestärkt und befähigt zu diesen ungewöhnlichen und erstaunlicher Taten durch den Satan (13, 11-16 und 16, 13).

Aber vor allem besitzt der Antichrist eine wunderbare Gabe, aller Menschen Herzen durch die Gewalt seiner Rede und das Gewinnende seiner Persönlichkeit an sich zu ziehen, daß sie gar nicht anders können, als ihn zu lieben (13, 8).

Und er, wie auch sein Lügenprophet, wissen beide sich demütig zu stellen, als seien sie Gottes Diener. Dadurch versuchen sie, die an Jesu Gläubigen zu verführen. Es wird dem Antichristen gelingen, sich in die Kirche einzuschleichen. Und er wird Pfaffen finden, die ihn als göttliches Wesen drinnen in der Kirche feiern werden – derweilen er alle heiligen göttlichen Gesetze durch seinen Lebenswandel verhöhnt und seine Mitläufer dazu verführt, ebenfalls sich sinnlich frei und unsittlich auszutoben (2. Thess. 2, 3-10).

Die Zahl des Antichristen ist sechshundertsechsundsechzig. Diese Zahl soll vermutlich die absolute Verneinung des Heiligen bedeuten, das durch die Zahl sieben gekennzeichnet ist. Die dreifach wiederholte sechs ist die radikale, aufs höchste erhobene Weltlichkeit, die zur göttlichen Zahl sieben nicht hinfinden will (Off. 13, 18).

Ehe die Regierungsgewalt über das Reich des Tieres in die Hand des letzten großen Antichristen fällt, wird das Reich des Tieres von Männern beherrscht, die schon ganz die Züge des letzten Antichristen tragen. Der letzte Antichrist hat mehrere Vorgänger, die die Macht seines großen Weltreiches begründet hatten. Zuletzt dann, wenn seine Vorgänger zurückgetreten oder gestorben sind, übernimmt er die absolute Herrschaft und Gewalt über das Reich (17, 9-10).

Der Antichrist wird für einige Zeit wirtschaftlich und politisch viel schwächer sein als das Reich der Hure, so daß er des Huren-Reiches Macht zu spüren bekommt. Wahrscheinlich kommt es zu einem Krieg oder einer Revolte – wir erkennen aus der Bibel nicht, was die Ursache sei. Doch berichtet uns die Bibel, daß für einige Zeit des Tieres Macht so zerbrochen scheint, daß man ihn schon für tot hält und er (der Antichrist und sein Reich) vernichtet am Boden liegt – nicht durch irgend ein zufälliges Unglück oder wirtschaftliche Schwäche, sondern durch eine tödliche Verwundung, die er irgendwo und irgendwie erhält. Während dieser Zeit reitet – wie die Bibel es im Gleichnis sagt – die Hure auf dem Tier. Das bedeutet: das Huren-Reich beherrscht auch das Tier-Reich, so daß für eine (aber nur sehr kurze) Zeit die ganze Welt sich unter die Herren-Macht der Hure (des Huren-Staatswesens und seiner Hauptstadt) beugen muß (13, 3. 14 und 17, 3. 8, vgl. 13, 1).

Jedoch nach einiger Zeit taucht unversehens der Antichrist aus dem Dunkel wieder auf. Der schon Vergessene und Totgeglaubte steht in neuer, und nun noch wunderhaft unbegreiflich erhöhter Macht, vor seinen Völkern, die in rasender Begeisterung ihn wie einen Gott anbeten. Und auch die zum Huren-Reich gehörende Menschheit ist fassungslos erstaunt und erregt ob dieser unbegreiflichen Fügungen (13, 3-4 und 17, 8).

Der Lügenprophet aber peitscht die Menschen des Tier-Reiches zu fanatischer Begeisterung für den Antichristen auf und erregt eine wilde Verfolgung gegen alle, die dem Antichristen göttliche Verehrung und Anbetung verweigern (13, 14-15).

 

76. Die Drangsal

So bringen der Antichrist und sein Lügenprophet eine Zeit bitterer Nöte über die Gemeinde. Wer den Antichristen nicht anbeten will, wird hingemordet von der fanatischen Masse, die vom falschen Propheten des Antichristen aufgehetzt wird zu sinnloser Wut gegen die Gläubigen. Und wer sich das Zeichen des Antichrists nicht in die Haut einbrennen läßt auf die Hand oder Stirn, der wird aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen, daß er verhungern muß, wenn er nicht gar ermordet wird (Off. 13, 15-17).

Die Verführungsmacht des Antichristen und seines Lügenpropheten ist deshalb so entsetzlich groß, weil er durch seine erstaunlichen Wunder die Menschen zu verblenden vermag, so daß das Volk ihm blind vertraut (13, 13 und 17, 8).

Und um dieser Wunderzeichen und seines blendenden Auftretens willen wird er durch treulose Pfaffen auch in die Kirche hinein Eingang finden und sich die Kirche durch Zwang gefügig machen, weil falsche Gottesdiener sich seinem Zwange beugen werden (Matth. 24, 15; 2. Thess. 2, 4). Und da er sich alsdann in der Kirche abgöttisch verehren lassen kann und wird, darum wird es für viele, die im Glauben nicht fest stehen, schwer sein zu erkennen, welches lästerliche Spiel falsche Priester hier treiben. Denn ohne Zweifel wird der Antichrist in der Kirche auch Kirchenworte fromm reden und kirchliche Formeln und Wörter geläufig benutzen, so daß nur im Glauben geübte Sinne den Trug zu durchschauen vermögen.

Jenen aber, die sich nicht ernstlich Jesu anvertraut hatten sondern nur halbe Christen waren, die unschlüssig auf beiden Seiten hinkten, die zwar den Namen Christi und fromme Worte im Munde führen, im Herzen aber doch wankelmütig und welthaft geblieben sind, denen schickt (alsdann) Gott starken Irrtum, durch den sie der Lüge glauben sollen, auf daß sie in das Gericht fallen (2. Thess. 2, 11). Denn nun muß Gott eine klare Entscheidung fordern, ob jemand für Ihn ist oder ob er mit dem Antichristen gelten will. Darum prüft jetzt Gott die Menschen dadurch, daß ER es zuläßt, daß eine falsche Predigt die Gemeinde erschüttert, daß Viele sich betäuben und verführen lassen und dadurch untreu werden (Matth. 24, 10. 23. 24). Und leichtsinnige Zweifel und Spöttereien vergiften die Gemeinden (2. Petr. 3, 3-4). Hier dann wird sich zeigen die Geduld der Heiligen; denn wer ausharrt bis zum Ende und durch alle diese Verführungen hindurch Glauben bewahrt und bei Jesu bleibt, der wird selig (Off. 14, 12; Matth. 24, 13).

In dieser drangvollen Notzeit der gemeinde, die ihre Kirche verloren hat, weil der Antichrist auch die Kirche beherrscht, und in der viele hinsterben unter der wilden Verfolgung des Lügenpropheten, der ihnen alle Lebensgrundlagen zu entreißen sucht, will aber alsdann Gott „jene Tage abkürzen, um der Auserwählten willen, weil sonst kein Mensch selig werden würde“ (Matth. 24, 22).

 

77. Israel zwischen den Weltmächten

Das Tier-Reich steht nun wieder, nachdem der Antichrist von seinen tödlichen Verletzungen zum Erstaunen aller genesen ist, in unvergleichlicher Macht und stolzer Höhe da. Ihm gehören die Ost-Staaten an (Off.16, 12). Zwischen dem Reich der Hure und dem des Tieres liegt das Land Israel, das einstweilen weder der einen noch der anderen Machtsphäre, weder diesem noch jenem Reiche angehört.

Daher muß sich der politische Eifer beider Weltmächte auf dieses Land ausrichten: beide möchten es in ihre Machtsphäre einbeziehen. Wie sich die Dinge im Einzelnen entwickeln, erfahren wir nicht. Indessen aber hören wir, daß drei und ein halbes Jahr lang Jerusalem zertrampelt wird von den Völkern. Und das sind – wie sich sogleich zeigen wird – die Völker des antichristlichen Reiches. Das übrige Land Israel liegt als neutrale Zone zwischen den beiden großen Macht-Bereichen (11, 2).

Zwischen diesen beiden großen Welt-Staaten droht es unentwegt zum Kriege zu kommen. Denn der Antichrist versucht, die ganze Welt dem Satan zur Beute zu bringen. Und das bedeutet: er muß darnach trachten, um die ganze Welt herum das Band nur Eines Gedankens und Eines Reiches zu legen, in dem Gott abgesetzt und der Mensch auf den göttlichen Thron in den Tempel gesetzt wird. Der Antichrist selbst will göttliche Verehrung von den Mitmenschen. So verlangt er also, daß Alle sich seinem Willen unterordnen. Das aber muß bedeuten, daß sich Alle seinem Staatswesen, seinem Reiche, beugen. Und da das Huren-Reich aber neben ihm selbständig zu bleiben versucht und sich dem Antichristlichen Herrn des Tier-Reiches durchaus nicht beugen will, wird der Antichrist das Tier-Reich durch Krieg zwingen müssen, sich seinem Willen zu fügen. So muß er also zum Eroberungskrieg sich rüsten (mag er diesen Krieg auch vor dem Volke begründen wie immer: die Gemeinde Jesu weiß, worum es in Wahrheit geht, und die Welt spürt, daß der Antichrist keinen Widerspruch dulden und keine andere Herrschaft neben sich ertragen kann).

So kommt es zum Kriege, der entscheiden soll, wem die ganze Welt gehören soll: der Hure oder dem Antichristen. Denn sie können nun auch deswegen nicht mehr beide nebeneinander bestehen, weil sie sich in ihren Gesinnungen so feindselig sind, und in ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Struktur so abgründig verschieden sind, daß ihr Nebeneinander zu unendlichen Konflikten führen muß, die nur ein Krieg entscheiden kann. Einer von ihnen beiden, der Hure und dem Antichristen, muß weichen, damit der andere alsdann total die Welt beherrschen kann. Und wer dieser Eine sein soll, das kann nur der Krieg entscheiden.

 

78. Die zwei Zeugen

Derweilen sich die beiden großen Weltmächte zu dem Kriege rüsten, sind die Augen der ganzen Welt auf Israel gerichtet, wo ein seltsames Geschehen die Menschheit aller Länder in ihren Bann zieht und sie wie ein unheimliches Rätsel, das niemand begreifen kann, in Atem hält: zwei Propheten durchwandern Jerusalems Straßen und suchen die Herzen und Ge­danken der jüdischen Männer und Frauen zu Jesu hin zu ziehen. Sie warnen die Bewohner der großen Stadt Jerusalem, sich nicht länger dem Sohne Gottes, Jesu Christo, zu widersetzen – doch das Volk will sich nicht warnen lassen (Off. 11, 3-13).

Aber ihre Predigt richtet sich nicht nur auf Jerusalem, sondern mit wuchtiger Kraft und unüberhörbaren Worten warnen sie die ganze Menschheit der Erde – und ihre Worte werden auch tatsächlich allenthalben gehört, weil ihre Zeugniskraft so hinreißend mächtig ist, daß niemand seine Ohren vor ihnen verschließen kann.

Die Bibel sagt nicht, auf welche Weise die Predigten dieser beiden Zeugen der ganzen Welt zu Ohren kommen: wir können aber leicht erraten, wie auch in jener letzten Zeit die christlichen Gemeinden mit aller Sorgfalt und Kraft das Wort der zwei Zeugen auf alle Weisen, die ihnen Technik und Verkehr erlauben, den Völkern zu Gehör bringen, bis in die letzten Welten-Winkel hin.

Doch die Menschheit will sich nicht warnen lassen. Da überzieht eine entsetzliche Dürre die Lande. Und jedermann spürt, daß die Ursache dieser quälenden Dürre bei den beiden Zeugen liegt, die eine solche Gebets-Kraft besitzen, daß sie den Wolken gebieten können, regenlos vorüberzuziehen.

Dennoch bekehren sich die Massen des Volkes in Israel nicht. Und im Huren-Reiche wird der grenzenlose Leichtsinn nicht eingedämmt, und im Tier-Reiche des Antichristen wird die freche Gotteslästerung und Menschenvergötzung nicht zum Schweigen gebracht: frivol leichtsinnig oder frech gegen Gott leben die Völker weiterhin (11, 6).

Aber man versucht, die beiden Zeugen in Jerusalem zu ermorden. Doch mit Grausen nehmen die Menschen wahr, wie gedungene Meuchelmörder unter unheimlichen Umständen, wie von rätselhafter Krankheit geschlagen, tot zu Boden fallen, sobald sie es versuchen, die zwei Zeugen anzutasten. So wagt es nun niemand mehr, Hand an die beiden zu legen (11, 5).

Da aber erobert der Antichrist (vermutlich durch einen raschen Handstreich) in der Vorbereitung des drohenden Krieges (der jetzt aber noch nicht ausgebrochen ist) die Stadt Jerusalem. Und kurzerhand läßt er die zwei Zeugen verhaften – und seltsamer Weise gelingt es ihm, als sei an den beiden Zeugen gar nichts irgendwie sonderliches; die Männer, die die Beiden verhaften, sterben nicht, nichts ungewöhnliches geschieht. Und in einem geschwinden Gerichtsverfahren läßt der Antichrist die zwei Zeugen zum Tode verurteilen. Sie werden öffentlich auf der Straße hingerichtet.

Und damit jedermann die erstaunliche Macht des Antichristen sehen und anerkennen muß, läßt man die beiden Zeugen auf der Straße liegen: sie sind der Beweis, daß es keinen Gott gibt und der Antichrist stärker ist als die törichte christliche Predigt (11, 7-9).

Jedoch nach drei Tagen sehen mit entsetztem Erschrecken etliche zufällig vorübergehende Leute, daß die zwei Propheten wieder lebendig sich auf ihre Füße stellen, aber auch sogleich zum Himmel empor gehoben werden und den Menschenblicken entschwinden (11, 11-12).

In denselben Augenblicken aber erschüttert ein heftiges Erdbeben die Straßen Jerusalems, unter dem siebentausend Menschen den Tod finden.

Die Welt ist voll von der Nachricht dieses Erdbebens, daß darüber das erstaunliche Aufwachen und die Himmelfahrt der beiden Zeugen verschwiegen werden können. Dennoch erfahren es die Völker unter der Hand. Und viele werden in ihrem Gewissen so erschrocken, daß sie zu Gott zurück finden (11, 13).

Im übrigen aber lebt die Welt weiter, als sei nichts geschehen. Wer unter den Weltmenschen wird schon diese wunderlichen Berichte aus Jerusalem glauben? Und die Angst vor dem Antichristen und seiner grausamen Herrschsucht tut das ihre, gar zu viele Menschen daran zu hindern, nachzudenken und Buße zu tun.

 

79. Die Zerstörung der Huren-Stadt

Der Antichrist, der das Tier-Reich aus den Fesseln des Huren-Reiches befreit hatte, hat nun seine gesamte Macht so gründlich gesammelt, daß er jetzt losschlagen kann. Ganz plötzlich, ohne daß das Huren-Reich auch nur irgend etwas ahnte, überfällt der Antichrist, in einem Blitzkrieg, die große Welt-Handelsstadt am Meer, die sich völlig sicher wähnte und auf einen solchen Sturm-Angriff nicht gerüstet war. Entsetzlich ist das Ende dieser Stadt und alles ihres Volkes.

An einem einzigen Tage (18, 8), ja, sogar in nur einer einzigen Stunde (18, 10) wird durch einen rasenden wilden Kriegszug diese Weltstadt der Hure völlig vernichtet: „eine Rauchwolke wirbelt auf über ihrer Brandstätte, und ein Feuerbrandrauch zerschmettert in nur einer einzigen Stunde“ dieses Handels-Zentrum der Welt (18, 9. 18-19), so daß der gesamte Welthandel aller Länder durch diesen Kriegsbrand vernichtet ist, da es im Reiche des Antichristen keinen freien Handel geben kann, wie wir vorhin sahen. So ist denn der private Welt-Wirtschaftshandel durch diesen Kriegsbrand zerschlagen und für immer vernichtet (18, 17).

 

80. Die eisernen Rosse

Die große Welt-Handelsstadt wird in nur einer einzigen Stunde, ganz offensichtlich durch einen überfall aus der Luft, einem Flugzeug-Bombenkrieg des Antichristlichen Staates, vernichtet.

Da aber greifen während eben dieser Zeit – sei es zugleich oder kurz zuvor oder bald hernach (die Bibel berichtet nicht genau, wann die Zeit sei) – noch ganz andere unheimliche Mächte aus der Luft her die Menschen an.

In der Offenbarung schildert Johannes uns furchtbare Überfälle:

„Da waren Heuschrecken . . . sie gleichen völlig zum Krieg gerüsteten Pferden . . . Sie haben Zähne wie Löwenzähne. Und Panzer haben sie wie von Eisen, und ihre Flügel klirren wie ein Zug von Panzer-Kriegswagen. Und sie tragen einen Schwanz . . . gestachelt . . . worinnen ihre wuchtige Kraft liegt, mit der sie fünf Monate lang die Menschen strafen. Ihr König ist der Engel der abgründigen Tiefe, der Vernichter. Es waren zweimal Zehntausende mal Zehntausenden. Sie tragen Panzer als wären sie von Feuer, tief-dunkelblau und wie von Schwefel. Ihrem Maul entströmt Feuer und Rauch und Schwefel. Ihre wuchtige Kraft liegt in ihrem Maul und in ihren Schwänzen“ (Off. 9, 7-19).

Sie fliegen in großen Schwärmen hoch durch die Luft wie Heuschrecken, sind aber groß und stark wie Pferde, und sind eisengepanzert. Diese Vergleiche meinen offensichtlich eine besondere Art von Kriegsflugzeugen: sie haben eiserne Flügel und speien aus ihrem Maul und Schwanz Feuer und Tod.

Wenn wir die Offenbarung aber recht verstehen, so sind es doch nicht menschliche Flugzeuge. Sondern in den irdischen Krieg greifen himmlische Mächte (Dämonen) ein – einstweilen aber (wie es scheint) von den Kriegführenden noch unerkannt, die den Völkern aber grausames Entsetzen einflößen (9, 20).

Fünf Monate lang quälen diese fremden unbekannten Flugwesen die Menschheit, jedoch nicht in geordnetem Kriege, sondern hier und da unheimlich die Menschen verwundend, aber auch zunehmend mehr und mehr die Menschen mordend. Der dritte Teil der Menschheit wurde getötet (18), und ihr König wird Apollyon, der Verderber, genannt. (Vers 11)

 

81. Harmageddon

Doch dadurch, daß die große Stadt zerstört worden ist, ist der Krieg noch keineswegs beendet. Das Huren-Reich wehrt sich verzweifelt. Beide Staatswesen sind gleich gottlos: das eine in frecher Gottesleugnung, das andere in frivoler Sinnenlust. So stehen sie beide unter dem gleichen Gottesfluch.

In beiden Reichen aber wohnen Scharen von Gotteskindern, die von dem Antichristen oder der Sinnenlust sich nicht ver­führen lassen, sondern still in ihren Gemeinden auf den kommenden Tag, den sie schon ahnen, warten.

Das Huren-Reich, das so heimtückisch ohne Kriegserklärung in dem wahnsinnigen Blitz-Luftkrieg angegriffen worden war, sammelt jetzt seine Heere. Die Hauptstadt zwar ist zerstört und zu einem rauchenden Ruinenfeld geworden. Das Reich aber hat noch Bestand und rüstet sich zum Gegenschlag.

Der Antichrist steht in Jerusalem. Er war offenbar vom Süden her, von Ägypten, gekommen. So gehört vermutlich Ägypten in den Bereich des Tier-Reiches.

Die Kriegsheere des Huren-Reiches müssen demgemäß wenn sie dem Antichristlichen Heer in Jerusalem begegnen wollen – vom Norden her heran marschieren. Sie kommen wahrscheinlich von Zypern her und aus der Türkei, und dringen nun durch Syrien hindurch immer weiter nach Süden vor, derweilen vom Süden her, aus Ägypten, die antichristlichen Heere zum Norden vorstoßen.

Da das Huren-Reich wahrscheinlich gewaltige Scharen von Streitkräften anrücken läßt, kommen die Völker des Antichristen ihm vom Osten her zur Hilfe. Ihr Kriegszug wird ihnen durch einen merkwürdigen Umstand erleichtert: durch eine durch nichts zu erklärende Natur-Entwicklung trocknet der gewaltige Euphrat-Strom so völlig aus, daß die Heere mit ihren Panzern ungehindert vom Osten aus durch die Wüste hindurch – nördlich am Toten Meer vorbei – nach Jerusalem, wo der Antichrist mit seinen Heeren weilt, stoßen können, ihm zur Hilfe. Ihre Macht und Rechtshoheit übertragen sie dem Antichrist, so daß er über eine schier unübersehbare Schar von Völkern und Kriegs-Heeren gebietet (Off. 16, 12 und 17, 13).

Doch will der Antichrist dem Feind nicht in Jerusalem begegnen, sondern zieht ihm nordwärts entgegen. Und vom Norden her ziehen die Kriegsheere des Huren-Reiches südwärts dem Feind entgegen.

Bei Megiddo, unweit der Stadt Nazareth, stoßen die beiden Heere aufeinander, drunten in der Ebene, unterhalb der Berge. Der Berg von Megiddo heißt auf hebräisch: Har-Mageddon. Der Kampf der letzten Kriegsschlacht aller Weltgeschichte kann beginnen (Off. 16, 16).

 

82. Der Sieg des Antichristen

Noch stehen die Heere in Harmageddon – die Heere, die soeben noch bereit waren, in zwei Heerlager zerspalten, sich gegenseitig fürchterlich zu morden. Jetzt aber sind sie plötzlich geeint – und eine unbändige Freude ergreift die Soldaten, weil sie den mörderlichen Krieg mit ihren inzwischen zu höchster Grauenhaftigkeit entwickelten fürchterlichsten Waffen nicht zu kämpfen brauchen. Und die Männer beider Heerlager – soeben noch grimmige Feinde, nun aber Freunde – jubeln dem Antichristen zu, der sie in letzter Minute geeint hatte, und der durch seine herrliche Hoheit und Klugheit den Krieg für immer überwunden hat, so daß jetzt die ganze Welt nur noch Ein Reich, nur Ein Staatswesen geworden ist, in dem unzerstörbarer Friede herrscht. Es ist der Friede des Antichristen in einem Reich, in dem Gott abgesetzt und der Antichrist als göttliches Wesen angebetet und auf den Altären verherrlicht wird.

Noch stehen die Kriegsheere vereint in Harmageddon als eine herrliche Heerschau des Antichristen und seiner unendlich erhabenen Macht: nun ein Heerlager des Friedens, den Satan ihnen geschenkt hat, und Soldaten des Friedens, die auf der Wacht sind, den Frieden zu hüten, den Frieden des satanischen antichristlichen Reiches. –

„Da öffnet sich der Himmel und hervor tritt ein weiß-leuchtendes Pferd, auf dem Einer reitet – ER heißt der Treue und Wahrhaftige . . . der nun den Krieg führen wird“ (Off. 19, 11).

 

83. Die Entrückung

Denn jetzt ist die Stunde gekommen, „die Gott, der Vater, in der nur Ihm eigenen Macht festgesetzt hat“ (Apg. 1, 7). An jenem Tage, da die gewaltigen Kriegsheere in Har-Mageddon aufmarschiert sind, „gibt Gott den Befehl, auf den hin (drohen im Himmel) der Erzengel ruft und Gottes Posaune dröhnt“ und auf diesen Posaunenschmetter und Erzengelruf hin „kommt Christus vom Himmel hernieder“ (1. Thess. 4, 16).

Über die Entrückung erfahren wir nur in 1. Thess. 4. Doch erinnert Paulus 2. Thess, 1, 10 offenbar noch einmal an das, was er 1. Thess. 4 gesagt hatte, meint dort also auch die Entrückung. Daß sie zusammenfällt mit Jesu Wiederkommen, wie es 2. Thess. 2, 8 geschildert wird, ist unzweideutig, da niemals irgendwo in der Bibel davon die Rede ist, daß Jesus zweimal wiederkommen werde. Und 2. Thess. 2, 8 ist von demselben Gericht gesprochen, von dem hernach der Evangelist Johannes uns so genauen Aufschluß gibt in Off. 16 und 19. So fallen also Entrückung und Harmageddon zeitlich zusammen – wenn auch nicht auf den Augenblick, so doch in dem Sinne, daß es beide Male dieselbe Wiederkunft Jesu ist. Und daß 2. Thess. 1, 10 und 2, 8 dasselbe meinen, sollte deutlich zu verstehen sein aus dem Zusammenhang 2. Thess. 1, 8-10, wo das Gericht über den Antichristen in Vers 8 und die Entrückung in Vers 10 als gleichzeitig dargestellt werden. In 1. Thess. 4 wollte Paulus mit Absicht nur über das zukünftige Erleben der Gläubigen berichten, ohne sich für die weitere große Welt zu interessieren. Im 2. Thessalonicherbrief hingegen will er die künftige Welt-Entwicklung insgesamt darstellen. So reden beide von demselben Ereignis. Und 2. Thess. 1 bringt Paulus zunächst bündig kurz die Darstellung des Gerichtes bei Jesu Wiederkommen, um sodann in 2. Thess. 2 alle diese Dinge breiter zu entfalten und zu zeigen, warum des Herrn Wiederkommen noch so lange sich hinzieht. Und da nun 2. Thess. 1, 10 die Verklärung der Heiligen darstellt – was doch ohne Zweifel die Entrückung meint -, geschieht also die Entrückung in eben derselben Wiederkunft Jesu, in der ER den Antichristen schlägt.

Aber hiervon merken die Heere in Har-Mageddon im ersten Augenblick noch nichts. Doch allenthalben in den Ländern der Erde geschehen erstaunliche wunderbare Dinge: Männer und Frauen, die längst verstorben waren, die aber in ihrem Leben gläubig fest zu Jesu gehört hatten, stehen aus ihren Gräbern auf 1. Thess. 4, 16). Vielleicht sieht die Welt hiervon nichts, aber manche gläubigen Jesus-Jünger sehen diese auferstandenen Heiligen umher wandeln.

Und dann – wahrscheinlich nur ganz kurze Zeit später – faßt ein furchtbarer Schrecken die Welt: Christus kommt wieder!

Denn unversehens erblicken die Menschen auf den Wolken des Himmels ein erschreckendes Bild: auf den Wolken steht ER! (Matth. 26,64). Sogleich begreifen die Menschen: das ist Christus! Von wilder Angst gepeinigt, fliehen sie davon in Verstecke und Höhlen (Off. 6, 16). „Und alle Familien auf Erden werden wehklagen, weil jedes Auge Ihn schauen muß“ (Matth. 24, 30; Off. 1, 7).

In unsäglicher Freude aber stürzen die Gläubigen, Jesu treue Jünger, aus ihren Häusern heraus, auf die Straßen und Felder, um ihren wunderbaren Herrn zu sehen. Ein unbeschreiblicher Jubel erfüllt ihre Herzen. Freude und Wonne werden sie ergreifen (Jes. 35, 10), wenn sie zum Himmel empor blicken und Ihn sehen, auf den sie so lange schon gewartet hatten. Sie sehen Ihn, und in unnennbarer Sehnsucht schauen ihre Augen empor – sie möchten ihren herrlichen Heiland fassen und Ihm ganz nahe sein, Ihm begegnen.

Jesus aber fährt über den Himmel dahin (Luk. 17, 24). Wer nie an Ihn geglaubt hatte, muß Ihn jetzt sehen und in zitterndem Schreck begreifen, daß das Gericht naht und daß Jesus wahrhaftig König ist aller Welt.

Doch betritt Jesus noch nicht die Erde, sondern weiter fährt ER auf den Wolken, über die weite Erde hin.

Und gleich hernach wird ein neues entsetztes Erstaunen die Menschen schütteln: wo Jesus vorüber fuhr auf den Wolken des Himmels, sind Seine Gläubigen entschwunden. Niemand findet sie mehr – sie sind entrückt (1. Thess. 4, 17).

Denn während Jesus auf den Wolken hoch im Himmel erscheint, sendet ER Seine Engel aus biß in die letzten Weltenwinkel hin, bis in die verlorensten Dörfer oder Landstriche. Dort suchen die Engel alle, die an Jesu gläubig sind, bis sie auch den letzten herbeigeholt haben, und führen sie dem Herrn entgegen, hinauf in die Luft, auf die Wolken, zu Jesu (Matth. 24, 31).

Und alle jene Gläubigen, die aus ihren Häusern heraus auf die Straßen oder in die Gärten unter dem offenen Himmel gelaufen waren, erfaßt plötzlich ein unendlich wundersames Erstaunen: sie werden empor gehoben, hoch hinauf in die Luft – sie begreifen nicht wie, aber sie fühlen beseligt, daß sie aus den Plagen des Lebens, von dieser kriegeswütigen Erde enthoben, hinaufgerückt werden, hin zu Jesus, zum Himmel empor. Frei schweben sie durch die Lüfte, und ihre Augen blicken gläubig froh auf ihren Herrn, dem sie immer näher entgegen gezogen werden, – bis sie in seiner seligen Gegenwart sind, „und bleiben alsdann allezeit bei Ihm“ – während das gottlose und christuslose Volk vor Ihm entsetzt in die Höhlen und dunklen Winkel sich versteckt (1.Thess. 4, 17; 2.Thess. 1, 10).

Und das alles geschieht so plötzlich, so unerwartet, daß die Leute mitten in der alltäglichen Arbeit von Jesu überrascht werden (Matth. 24, 40; Luk. 21, 34).

Doch während Jesus mit den Seinen, die zu Ihm hinauf entrückt wurden, auf den Wolken über den Himmel hin fährt, über die Lande hin, kommen die Menschen wieder aus ihren Verstecken heraus. Und da sie nun Jesum nicht mehr sehen, weil ER auf den Wolken des Himmels weiter gefahren ist, dünkt es die Leute, als habe ein schrecklicher Traum sie verstört, der nun aber wieder vergangen ist – sie greifen wieder nach ihrer Lust oder nach ihrer Arbeit – und für eine kleine, nur noch ganz kurze Zeit läuft die Welt weiter.

 

84. Jesus tritt auf den Zion

Kurz zuvor waren durch Jerusalems Straßen die beiden mit sonderlichen Vollmachten ausgerüsteten Propheten Jesu, die Zwei Zeugen, gewandert, die aber vom Antichrist ermordet worden waren (Off. 11).

Jesus nun, der aller Welt sichtbar auf den Wolken über den Himmel hinfuhr und Seine Gläubigen zu sich hinauf gezogen hatte, – Jesus tritt jetzt vom Himmel hernieder auf den Berg Zion, wo die Gläubigen aus Israel um Ihn sich sammeln (Off. 14, 1), die Gemeinde derer, die durch die Zwei Zeugen sich zu Buße und Bekehrung hatten rufen lassen: es sind hundertundvierundvierzigtausend Gläubige aus dem Volke Israel, die durch die Predigt der Zwei Zeugen zu Jesu als ihrem Erlöser hingefunden hatten. Die große Menge des Volkes Israel aber hatte der Predigt der beiden Zeugen zwar zugehört, nachdenklich und aufmerksam (wie sich hernach gleich zeigen wird), aber sie hatten dennoch nicht geglaubt und sich nicht bekehrt. (Zur Zahl 144000, ob sie symbolisch oder wirklich zu verstehen sei, ist nicht auszumachen. Ehe man aber rasch solche Zahlen fort-symbolisiert, bedenke man immerhin, daß die 12 Jakob-Söhne. die 12 Stämme, die 12 kleinen Propheten und Jesu 12 Jünger nicht symbolische Zahlen sind, sondern wirklich jeweils 12 waren).

 

85. Israels Bekehrung

Doch kann das Ende nicht eher kommen, bevor nicht das ganze Volk Israel im Glauben zu Jesu hingefunden hat (Röm. 11, 26). Die zwei Zeugen hatten Sein Kommen vorbereitet. Daß aber schon zuvor, ehe Jesus auf den Zion tritt, ganz Israel vom Glauben ergriffen sein werde, sagt die Bibel niemals, sondern meint, daß es nur jene 144000 sein werden, die Ihm schon im Glauben angehören, bevor ER selbst kommt.

Doch ist das Volk nun durch die zwei Zeugen so zubereitet, daß es seinem Erlöser und Herrn zufallen kann in eben dem Augenblick, da ER, sichtbarlich vom Himmel hernieder steigend, den Zion betritt.

Und eine unnennbare Wehmut überfällt das ganze Volk Israel, wenn sie nun unversehens auf dem Berge Zion Den stehen sehen, den ihre Väter zuvor auf dem Berge Golgatha (gleich neben dem Zion) durchbohrt hatten, und von dem ihnen wenige Jahre zuvor die beiden ermordeten Zeugen so eindringlich gepredigt hatten. Sie hatten zwar den beiden Zeugen zugehört, aber sie hatten ihnen nicht geglaubt – und nun sehen sie den Mann mit den durchbohrten Händen lebendig und leibhaftig auf dem Zion stehen – da erfüllt eine tiefe Wehklage das ganze Land ob ihres Unglaubens und ob des Golgatha-Frevels ihrer Väter vor Zeiten (Sach. 12, 10-14).

Und in Buße und Reue weinen und klagen sie und bekehren sich zu ihrem König Jesus. „Danach werden die Kinder Israel umkehren und den Herrn, ihren Gott, und David ihren König, suchen und werden sich bebend zu dem Herrn und zu Seiner Güte flüchten am Ende der Tage“ (Hosea 3, 5).

Und das ist das Zeichen, daß nun die Zeit heran genaht ist, da die Toten wieder lebendig werden (Röm. 11, 15).

 

86. Der Harmageddon-Krieg

Vom Zion aus wendet sich Jesus nun nach Har-Mageddon, wo die zwei Heere in fröhlicher Eintracht sich verbrüdern und dem Antichrist göttliche Verehrung darbringen.

Offenbar – so scheint es uns beim Lesen jener Bibelabschnitte – haben diese Heere und der Antichrist nicht wahrgenommen, daß Jesus vom Himmel her wiedergekommen ist. Sicherlich haben sie irgendwelche Nachrichten gehört und Gerüchte über die merkwürdige Erscheinung eines seltsamen Mannes am Himmel und über das plötzliche Verschwinden der Gläubigen – aber sie lachen über solche törichten Narrheiten und glauben nichts.

Da sehen zu ihrem maßlosen Erstaunen diese antichristlichen Kriegsheere, die aus allen Staaten der Erde sich hier zuhauf vereinigt haben, daß ein fremdes Heer sie angreift. Wo gibt es denn auf der Erde noch einen Staat (so fragen sie sich tödlich erschrocken), der aus der Luft herunter Soldaten gegen dieses brüderlich vereinigte Welt-Heer entsenden und es angreifen kann? Der Antichrist und seine Hunderttausende von Soldaten müssen meinen, daß Fallschirm-Jäger in schier unendlichen Scharen, die aus irgend einem revolutionären Staat hergeflogen sind, sie überfallen – aber niemand weiß, aus welchem Staat und woher sie kommen, und nirgendwo sind die feindlichen Flugzeuge zu sehen. Welches Land wollte es denn wagen, jetzt, da alle Welt dem Antichrist zujubelt, und alle Völker zum großen weltweiten Friedensbund sich vereinigt haben, Revolution zu entfachen?

Aber nein, sie ahnen ganz wohl, daß diese Streiter nicht aus irgend einem Erdenland herkommen, sondern daß jetzt Gott gegen sie streitet. Sie ahnen Furchtbares. Aber sie wollen es nicht wahrhaben. Sie reden sich ein, es sei ein freches Volk, daß sich gegen den großen Frieden, den Weltfrieden, der soeben ausgerufen wurde, empört. Und so nehmen sie den Kampf auf. Sie ahnen es zwar, aber sie wissen es dennoch nicht, und sie wollen es nicht glauben, daß sie jetzt gegen Christus streiten.

Aber freilich können sie auch gar nicht begreifen, daß es himmlische Engel sind, die jetzt so plötzlich die antichristlichen Heere angreifen – so wie auch vorzeiten Josua durchaus nicht erkennen konnte, daß ein Engelfürst vor ihm stand, als er einen Streiter vor sich stehen sah, der ganz einem irdischen Soldaten glich. Denn die himmlischen Engel sehen – wenn sie auf die Erde treten – ganz so aus wie wir Menschen, nur erhabener, gewaltiger oder glänzender, dennoch aber ganz uns Menschen ähnlich (Josua 5, 13).

Aber, ob sie nun begreifen oder nicht – die antichristlichen Scharen in Har-Mageddon müssen sich dem Kampf stellen, gleichgültig woher die angreifenden Heere kommen, die aus der Luft hernieder über dieses antichristliche Welt-Heer herniederstürzen und es angreifen.

 

87. Der tobende Endkampf

„Das Tier und die Erdenkönige und ihre Kriegsheere werden zuhauf vereint, um den Krieg zu führen gegen Den, der auf dem Throne saß und gegen Seine Heerscharen“ (Off. 19, 19). „In ihren Gedanken sind die Könige sich ganz einig, und ihre Macht übertragen sie dem Tier (dem Antichristen) und führen mit dem Lamm (Jesus Christus) Krieg“ (17, 13).

Der Kampf tobt – jedoch ist er schnell beendet – aber grausig! „Es ist als dringe aus Jesu Munde ein Schwert – so schlägt ER die Völker – ja, mit eisernem Stabe weidet ER sie“ (19, 15).

Wie der Kampf ausgefochten wird, darüber erfahren wir nichts. Aber wir wissen freilich, daß der Satan selbst dem Antichristen eine satanische Macht überreicht hatte (13, 2), und daß der Antichrist und sein Lügen-Prophet große Wunderzeichen zu wirken vermögen (13, 13). Und wenn sie sich nun mit verzweifeltem Mute wehren, so muß es sich gräßlich auswirken. Der Kampf wird entsetzlich toben.

Furchtbare Erschütterungen durchzittern die Erde unter diesen Kämpfen der antichristlichen Heere, die vom Satan aufgepeitscht werden zu wilder Wut und hemmungslosen Zerstörungen. Es ist in Wahrheit der Kampf zwischen Satan und Christus, zwischen Satans Engeln und Jesu Engeln.

Wir ersehen, welche zerstörenden Kräfte den Menschen zur Verfügung stehen, wenn sie vom Satan besessen sind. Und der Satan sieht diese Erde als sein Eigentum an, wie er deutlich genug in der Versuchungsgeschichte zu Jesu gesagt hatte (Luk. 4, 6) – nun kämpft er um sein vermeintliches Eigentum, um seinen Raub, um diese Erde, die er Gott geraubt hatte. Und lieber wird er es mit ansehen, daß die Erde so entsetzlich zerbricht, als daß er sie Jesu freiwillig überläßt. Es wird ein entsetzlicher Kampf sein zwischen den Engeln Jesu und den Engeln des Satan (Judas 6). Denn die Satans-Engel werden in die antichristlichen Heere als böse Dämonen hineinfahren und kämpfen (Off. 16, 13), sie werden diese antichristlichen Soldaten zu fanatischstem Trotz und wilden Zerstörungs-Orgien aufhetzen, daß sie mit letzter verzweifelter Verbitterung gegen Christus und Seine Engel sich wehren, daß darüber die Erde in grausame Qualen fällt und eine wahnsinnige Zerstörung über sie entsetzlich dahinfährt.

Derweilen aber jubeln die Erlösten, die aus diesen Plagen eben zuvor zu den Wolken hoch entrückt wurden und dort bei dem Herrn Jesus weilen. Sie jubeln, weil der Herr, der die Engel befehligte, nun den Antichristen und seine Heere dennoch besiegen wird: deren verzweifelte Gegenwehr und fürchterliche Zerstörungen, die sie über die Erde bringen, werden ihnen nichts helfen können: Jesus ist stärker, Jesu Heere besiegen den satanischen entsetzlichen Feind (Jes. 24, 14).

 

88. Das Gericht über den Satan

Denn gegen die Heerscharen Jesu vermag der Antichrist mit allen seinen kriegsgeübten Heeren nichts: sie werden endlich doch besiegt und völlig bezwungen, daß es für sie auch kein Entrinnen mehr gibt: „das Tier wurde überwältigt, und mit ihm der falsche Prophet. Und die Übrigen wurden getötet durch das Schwert dessen, der auf dem Throne saß“ (Off. l9, 20).

Jesu Schwert aber ist das Schwert Seines Mundes (Off. 1, 16). Und das bedeutet: Sein Wort, das strenge Befehlswort an Seine himmlischen Begleiter, die für Ihn den Kampf auskämpfen und denen niemand widerstehen kann.

Der Antichrist und sein Lügenprophet werden, da sie nun überwältigt sind, „lebendig in den feurigen Pfuhl geworfen, der in Schwefel brennt“ (Off. 19, 19).

Auf der Erde aber liegen die Leichen der Erschlagenen, der zahllosen Soldaten des Antichrists und des Huren-Reiches (Hes. 38-39). Und die Drachenschlange des Paradieses, die der Satan ist, wird durch einen Engel gebunden und auf tausend Jahre in die abgründige Tiefe gestürzt. Und die Tiefe wird hinter ihm verschlossen und versiegelt (Off. 20, 2).

So besucht Jehova an diesem entsetzlichen Gerichtstage das Heer der Himmelshöhe in Himmelshöhen und die Könige der Erde auf der Erde. Sie werden verhaftet abgeführt, in tiefem Schlund gebunden und eingeschlossen im Gefängnis – dennoch aber sollen sie nach langer Zeit noch einmal besucht werden (Jes. 24, 21-22).

Das Heer der Himmelshöhe sind der Satan und seine Engel, die der Apostel Paulus die Herrscher dieser dunklen Welt, die bösen Geister im Himmelsraum, nennt (Eph. 6, 12), und die nun auf tausend Jahre verhaftet und gebunden in finsteren Tiefen liegen.

Jesus aber herrscht als König auf Zions Berg in Jerusalem (Jes. 24, 14. 23).

Nach langer Zeit aber soll (wie wir in diesen Worten des Jesaja erfahren) der Satan noch einmal besucht werden und in Freiheit kommen. Tausend Jahre hat er in seiner Verhaftung Zeit, seinen Trotz zu bedenken und sich zu bekehren.

Dann, nach tausend Jahren, soll ihm noch einmal die Tür aufgetan werden, ob er vielleicht Demut vor Gott und Christus gelernt hat.

 

89. Das Tausendjährige Reich

Die Toten aber, die während der langen Jahrhunderte, seitdem Jesus auferstand, im Glauben gestorben waren, „die wurden (schon kurz zuvor, als Jesus auf den Himmelswolken wieder gekommen war) wieder lebendig und herrschen nun Königen gleich mit Christus tausend Jahre lang“ (Off. 20, 4), derweilen Christus auf dem Berge Zion „allen Völkern ein kräftiges Mahl bereiten wird“. Und hatte der Unglaube in den vorherigen Jahrhunderten wie ein Schleier auf den Völkern gelegen, daß sie die Geheimnisse Gottes und Jesu Christi nie zu begreifen vermochten, so „vernichtet ER nun auf diesem Berge den Schleier, der alle Völker verschleiert, und die Decke (des Unverständnisses), die alle Völker bedeckt (Jes. 25, 6-7). Die verfluchte Stadt (Off. 17) ist für immer zerstört (Jes. 25, 2), aber Zion wurde nun zur festen Stadt, in der ein rechtschaffenes Volk wohnt. Und Gott „wird dafür Sorge tragen“, daß, dem Volke jenes tausendjährigen Reiches „Frieden zukomme und unumstößlich bleibe“ (Jes. 26, 1-3).

Daß nun die wieder auferstandenen Jesus-Jünger im tausendjährigen Reich die Herrschaft führen, besagt aber doch noch nicht, daß dieses Reich der Aufenthaltsort der Seligen sei. Nach dem, was Kap. 91 zeigt, scheinen im tausendjährigen Reich nur richtige irdische Menschen dieser Zeitlichkeit zu wohnen. Die Bibel aber sagt uns nicht so Genaues über diese Zeit, daß wir ganz klar sehen könnten. Auch aus dem, was wir Jesaja 24-27 und 65 erfahren, ebenso wie Jes. 11, ist es eben doch ein irdisches Reich und durchaus nicht mit dem Himmelreich zu verwechseln. Doch wie Mose und Elia zur Verklärung auf die Erde kamen und mit Jesu redeten, so werden diese Heiligen auch im tausendjährigen Reich in die Geschicke hineinreden und sie lenken. Man mag sich auch an das erinnern, was Jesus über die 10 und 5 Städte im Gleichnis der anvertrauten Pfunde sagte, Luk. 19, 17.

Während dieser tausend Jahre darf der Tod nicht herrschen – „ER vernichtet den Tod für immer“ (Jes. 25, 8).

Dennoch kann es auch in diesem seligen Reiche noch die Möglichkeit geben, daß ein verfluchter Sünder um seiner Sünde willen stirbt (Jes. 65, 20, wo wahrscheinlich an diese kommende Zeit gedacht ist).

Die Herrschaft über dieses Reich, das so weit ist, wie die Erde reicht, tragen in ihren Händen die auferstandenen Jesusjünger, die „selig und heilig als Priester Gottes“ (Off. 21, 6) mit Christus zusammen vom Zion aus regieren. Christus aber ist König dieses Reiches, tausend Jahre lang (Off. 20, 4).

In dieser Zeit erfüllen sich die alten Weissagungen vom wiederkehrenden Paradies. Der Immanuel-Gott-mit-uns, von dem Jesaja redete (7, 14 und 9, 5), trägt nun die Herrschaft: „Frieden waltet ohne Ende auf Davids Thron in Seinem Reich, das ehrenstark und in Gerechtigkeit dasteht“ (9, 6):

da verweilt der Wolf beim Schäflein, der Panther legt sich hin zum Lamm, Kalb und junger Löwe und Rind alle beieinander sie weidet ein kleines Kind.
In’s Kreuzottern-Versteck fassen die Jüngsten mit ihrer Hand. Niemand tut Böses – keinerlei Schaden auf Meinem ganzen heiligen Berge! Denn voll ist das Land von Erkenntnis Jehovas! – (Jes. 11, 6-9 und 65, 25).

Über die Menschen, die während jener tausend Jahre auf Erden leben werden, erfahren wir in der Bibel nichts. Doch ist die Erde (wie wir gleich hernach sehen werden) voller Menschen, die vom Teufel-Versucher nicht mehr verführt werden, weil der Satan im Abgrund verhaftet liegt. Daß die Menschen in jener Zeit aber dennoch auch sündigen können, wenn sie wollen, zeigte uns vorhin Jesaja (65, 20). Doch die wilde Flut der Sünden, wie sie jetzt in diesen unseren Jahrhunderten über die Erdenlande verheerend hinströmt, ist gebannt, und das weite Erdenreich wird vom Zion her beherrscht, wo das Erdenvolk „den König in Seiner Schönheit erblickt“ (Jes. 33,17), den Lehrer, der gerecht herrschen wird (Jes. 32, 1), wie Jesaja in seinen späteren Predigten Ihn uns so wundervoll gezeigt hat.

Das Tausendjährige Reich ist ein durchaus irdisches Reich. Es ist ein Staatswesen, so wie es unter den jetzt gegebenen irdischen Verhältnissen sein kann, wenn Jesus Christus als König herrscht und die Sünde nicht aufkommen kann, wenn Krankheiten beiseite getan und der Tod in die Ferne gestoßen (aber dennoch nicht ganz aufgehoben) ist. Doch ist das Tausendjährige Reich nicht die Heimat der Seligen. Sondern es ist ein letztes Gnaden-Angebot Gottes und Jesu Christi an die Menschheit. Es ist eine Zeit der Bewährung für die lebende, irdische Menschheit, aber nicht der Gnadenort der vollendeten Gerechten.

 

90. Die Heimat der Seligen

Unsere Hoffnung im Tode ist nicht erst die Auferstehung am Jüngsten Tage und nicht das Tausendjährige Reich, sondern das Vaterhaus im Himmel droben, das uns sogleich bei unserem Sterben aufnimmt, so wie Jesus es für Seine Jünger und alle, die gläubig Ihm sich anvertrauen, errichtet hat.

Wenn die Gläubigen sterbend von der Erde scheiden, so sind sie bei Christus, so daß das Sterben ihnen nur Gewinn bringt (Phil. 1, 21-23), so wie der arme Lazarus (Luk. 16) und der Schächer am Kreuz am Karfreitag sogleich hinaufgehoben wurden in das Vaterhaus – denn für Seine Jünger hat Jesus den Tod vernichtet (2. Tim. 1, 10). ER erlöst sie in Sein himmlisches Reich hinein (2. Tim. 4, 18). Und nicht das irdische Jerusalem, das im tausendjährigen Reich die Hauptstadt der Welt sein soll, ist unsere Hoffnung, sondern unsere Heimat haben wir im Himmel (Phil. 3, 20). Das Jerusalem droben ist unsere Mutter (Gal. 4, 26).

Es ist eindeutige biblische Lehre, daß die Seele der Gläu­bigen im Tode nicht stirbt. Der Leib zwar muß friedlich im Grabe ruhen – „aber meine Seele wirst DU (Gott) der Todestiefe nicht überlassen. DU gibst Deinen Freund nicht hin, daß er in Grabestiefen hinunter blicken muß“ (Ps. 16, 10). Und unzweifelhaft ist die Stunde schon jetzt da – denn Jesus selbst hat es gesagt – wo die Toten den Ruf des Gottes-Sohnes hören; und die ihn hören, werden leben! (Joh. 5, 25) – und das nicht erst am Ende aller Tage, sondern schon jetzt. Wenn wir daher jetzt hier sterben, so ist gar kein Zweifel, daß Jesus uns sogleich hinüber ruft vor Gottes Angesicht.

Wenn nun die Bibel von der Auferstehung um Jüngsten Tage spricht, so meint sie, daß wir, die wir an Christus glauben, nicht in den ewigen Tod versinken sollen, dem alle verfallen müssen, die nicht im Buche des Lebens eingeschrieben stehen (Off. 20, 14-15). Auch dieser ewige Tod bedeutet nicht Vernichtung und Bewußtlosigkeit, sondern er bedeutet die Qual des Feuersees, in dem der Satan und der Antichrist hausen mit Allen, die Jesum verworfen haben durch willentlichen Unglauben, um sich an den Antichristen zu klammern.

Die Auferstehung am Jüngsten Tage bedeutet den Ruf vor Gottes Gericht hin.

Dennoch werden wir, die Gläubigen, längst schon, seit dem Tage unseres Sterbens, in dem seligen Vaterhause droben wohnen, um aber hernach, bei Jesu Wiederkommen, Ihn zu begleiten und – wie wir in den nächsten Kapiteln sehen werden – im Jüngsten Gericht von Ihm vor dem Zorn errettet zu werden und an Seiner, des Richters, Seite als Seine Mit-Richter zu stehen.

 

91. Satans letzter Kampf

„Und wenn dann die tausend Jahre vergangen sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis befreit“ (Off. 20, 7).

So wie Christus die Toten besucht hatte und ihnen predigte, als ER gestorben war, um sie zu Gott heimzuführen, so wird auch jetzt „nach langer Zeit der Satan noch einmal besucht“ (Jes. 24, 22). Wir dürfen nach diesen Bibelworten vermuten, daß der Satan besucht wird, um ihm noch einmal Gnade anzubieten. Tausend Jahre lang hatte er Zeit, seinen Trotz zu bedenken – nun will Gott ihm die Heimkehr anbieten, wenn Satan willig ist, sich zu beugen.

Jedoch zeigt es sich sogleich, daß während seiner tausendjährigen Haft der Satan keine Demut gelernt hat; sondern emsig betreibt er ohne Verweilen, kaum aus der Haft entlassen, sein altes Werk. Die weit über die ganze Erde hin verstreuten Menschen versucht er, zu einer Revolution aufzuwiegeln gegen den König auf dem Berge Zion, Jesus Christus.

Und das Entsetzliche geschieht: zahllose Menschen lassen sich hineinreißen in die Revolte: „Der Satan wird ausgehen die Nationen verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und den Magog – in einen Krieg wird er sie hineinführen. Zahlreich sind sie wie der Sand am Meer – so überrennen sie die Weiten der Erde und umzingeln die Heimat der Heiligen und die geliebte Stadt Jerusalem“ (Off. 20, 7-9).

Also gelingt es dem Satan, sogar die Menschen des tausendjährigen Reiches zu verwirren und dazu zu verführen, daß sie ihrem König Jesu trotzen – und nicht nur Etliche, sondern unheimliche Scharen. So ist also auch das letzte Gnaden-Angebot Gottes an die Menschen, das tausendjährige Reich, für Un­gezählte vergeblich gewesen: sie trotzen gegen Gott und Seinen Christus, sobald der Satan wieder an ihr Herz rühren kann.

Die Macht des Satan ist schrecklich, denn er war von Gott als mächtiger Engelfürst einst erschaffen worden. Und von früheren erbitterten Kämpfen zwischen dem Erzengel Michael und dem Satan, von einem harten Krieg, der im Himmel vor Zeiten ausgefochten wurde, erzählt die Bibel auch sonst (Off. 12, 7; Judas 9).

Jetzt nun, nach den tausend Jahren, ergreift den Satan ein höchster Zorn (vgl. Off. 1,2, 7) – er weiß, daß in diesem Kampf die letzte ewige Entscheidung fällt.

 

92. Erde und Sonne verbrennen

Daher begreifen wir, daß dieser Krieg an Furchtbarkeit alles, was je früher gewesen war, noch weit übertrifft.

„Und es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel hernieder und verzehrte sie“ (Off. 20, 9). Aber so furchtbar wird dieser Kampf sein, daß in jenem Feuer die ganze sichtbare Welt verbrennt und zerstört wird. Johannes sah in seiner Offenbarung „Einen, vor dessen Angesicht die Erde und der Himmel flohen“ (Off. 20, 11). „Da werden die Himmel krachend zerschellen, die Elemente verbrennen und verflüchtigen sich“, berichtet uns Petrus über diesen fürchterlichsten aller Tage, die die Welt je gesehen (2. Petr. 3, 10).

Denn so fest verklammert sich der soeben freigelassene Satan in diese Erde, daß die ganze Erde zerschellen muß, wenn Jesu Engel den Satan schlagen sollen. „Und der Teufel, der die Menschen verführt hatte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo auch das Tier ist und der falsche Prophet. Und sie werden gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Off. 20, 10).

Und wie es scheint, geschieht es durch das Feuer, das vom Himmel hernieder fiel, daß der jetzige Sternen- und Lufthimmel und unsere alte Erde vergehen müssen, so gründlich, daß sie hernach nicht mehr zu finden sind – vor dem Angesicht Jesu Christi.

 

93. Das Jüngste Gericht

„Und ich sah (schreibt Johannes) einen gewaltigen­ weißen Thron, und Einen, der auf dem Throne saß … und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Throne stehen, und Bücher wurden aufgetan …“ (Off. 20, 11-12).

Der Richter auf dem leuchtend-hellen Thron ist Jesus Christus, wie ER es selbst gesagt hatte: „dann wird ER auf Seinem glanzvollen Throne sitzen, und alle Völker werden vor Ihn hingeführt – und ER wird sie von einander sondern, so wie der Hirte die Schafe sondert von den Bösen. .. „Dann wird der König reden zu denen, die zu Seiner rechten Seite stehen: eilet herbei, ihr Gesegneten Meines Vaters! Ihr sollt das Reich erben, das für euch schon zubereitet wurde in der Urzeit, da die Welt entstand. Dann aber redet ER auch zu denen auf Seiner linken Seite: fort von Mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und für seine Engel schon vorbereitet ist (Matth. 25, 31).

Diese Sonderung aber, durch die etliche zur rechten und andere zur linken Seite gestellt werden, geschieht durch sorgsame Gerichtsurteile auf Grund der Bücher, die im Himmel über unsere Taten und all unser Wirken geführt werden (Off. 20, 12). Und dieses Gericht über jeden Einzelnen fällt Jesus nicht selbst, sondern hierfür hat ER seine Richter, die von Ihm zu diesem Richter-Dienst bestellt worden sind: die Heiligen, das heißt Seine getreuen Jünger, jene Menschen, die Ihm in den langen Jahrhunderten auf Erden gefolgt sind und gedient hatten (1. Kor. 6, 2). Gott „selbst richtet niemanden, sondern das ganze Gericht hat Gott dem Sohne Jesus Christus übergeben“ (Joh. 5, 22), und Jesus übergibt es nun wieder Seinen getreuen Jüngern (Matth. 19, 28), und es kann kein Zweifel sein, daß Jesu Gerichtsordnung und Jesu Gerichtsspruch gerecht sein werden (Joh. 5, 30).

 

94. Das Gericht über die Engel

Nicht nur die Menschen fallen unter Sein Gericht, sondern auch der Satan und jene Engel, die ihre Würde nicht bewahrten, sondern ihre Heimat verließen und dadurch zu Engeln des Satans wurden, über die aber die nicht gefallenen Engel selbst kein Verdammungsurteil zu fällen wagen (Judas 6. 9). Auch diese fallen unter das Gericht der Heiligen und werden ihr Urteil erhalten (1. Kor. 6, 3).

„Und der Satan wurde in den Feuersee geworfen …, wo auch der Antichrist und der Falsche Prophet ist..“ (Off. 20, 10). Und so gibt es keinen Ausblick der Hoffnung, ewig bleiben sie verflucht. Für diese entsetzlichen Drei wird eine ewige Höllenstrafe von der Bibel verkündet. Und für solche, die in ihrem Leben wider den heiligen Geist gesündigt haben (Matth. 12, 32), das bedeutet: die frivol ohne Scham und Hemmung dem Rufen des Geistes sich verschließen und Lästerworte gegen ihn reden.

 

95. Jesu Jünger im Gericht

Auch Jesu Jünger „müssen vor Christi Gerichts-Stuhl erscheinen, um zu empfangen, was sie ein jeder mit Seinem Leibe geschafft haben, ob es nun gut oder ob es schlecht war“ (2. Kor. 5, 10; Röm. 14, 10). Da wird dann an jenem Tage aufgehellt werden, wie eines jeden Tun gewesen war – das Feuer wird es klären (1. Kor. 3, 13).

Müssen nun auch alle Gläubigen durch dieses Gericht hindurch, so wissen wir aber doch, daß Jesus die Seinen „aus dem Zorn, der einstens kommen wird, herausreißen will (1. Thess. 1, 10). ER wird es nicht dulden, daß Seine Heiligen – und das sind wir, die wir an Ihn glauben – „vor Ihm getadelt werden“ (Eph. 1, 4). Es wird in diesem Gericht unversehens deutlich werden, „wie unerschöpflich reich Gottes Gnade uns in Christus gütig umfängt“ (Eph. 2, 7), und daß durch Ihn, durch Jesu Blut am Kreuz, „alles zu Gott hin versühnt wurde“ (Kol 1, 20), so daß wir alsdann „als Heilige ohne Tadel vor Ihm dastehen“ dürfen – wir, die wir unwandelbar im Glauben gegründet sind (Kol. 1, 22-23). „Die Anklageschrift“, jene Bücher, nach denen wir gerichtet werden, weil „sie uns anklagen, und die gegen uns gerichtet waren, hat Jesus ausgelöscht und an das Kreuz genagelt“ (Kol. 2, 14), so daß kein Gericht uns anklagen darf. Und Jesus selbst verwandelt die Seinen, die im Glauben Ihm sich anvertrauen, „daß sie Seinem verklärten Leibe ganz gleich werden“ (Phil. 3, 21) und daher von den alten Sünden an ihrem Leibe, und doch gewiß auch an ihrer Seele, nichts mehr zu sehen ist.

Und so zeigt es sich denn, daß wir unsere Gerechtigkeit nicht aus uns selbst haben, sondern daß Christus unsere Gerechtigkeit ist. Und es wird sich in diesem Gerichtsverfahren zeigen, daß niemand unter den Jüngern Jesu rein ist in seinem Wesen, sondern daß wir alle durch die Sünde gezeichnet und noch nicht vollkommen sind, daß also unsere Heiligung nicht in unserem Bemühen liegt, sondern daß nur Christus allein unsere Heiligung ist.

Wer aber seine Gerechtigkeit und Heiligung nicht in Christus gefunden und nie in seinem Leben im Glauben Ihm sich anvertraut hatte, der erhält seine Strafe nach gerechtem Urteil. Und ebenso auch jene, die zwar viel von ihrem Glauben geredet hatten, aber ihren Glauben nicht bewährten in der rechten Nachfolge Christi: der Nachfolge durch Glauben, Liebe, in der Wahrheit und in treuem Dienst.

 

96. Der letzte Feind

Des Satans fürchterliche Gewalt bewies sich darinnen, daß er die Macht über den Tod hatte (Hebr. 2, 14). Wenn nun Christus den Satan in dem letzten entsetzlichen Krieg vollends überwunden hat, dann ist dadurch auch der Tod überwunden. Denn der Tod ist einer der grausigsten Gesellen des Satan, der wie „ein Reiter auf fahlem Pferde“ durch das Land reitet, gefolgt von dem Lande der Toten, in das hinein er einen um den anderen derer, die er schlägt, stürzen läßt (Off. 6, 8).

Daß der Tod nicht ein bloßes Wort und nicht bloß das schlichte Aufhören des Lebens sei, sondern eine wirkliche Gestalt, ein Geselle des Satan, bezeugt die Bibel oft. „Im Totenlande, wo der Tod sie weidet“ (Ps. 49, 15). Manchesmal auch muß er dem Befehle Gottes gehorchen und als von Gott gewiesener Verderber durch das Land schreiten (2.Mose 12, 23). Oder er muß sich von dem Einzigen Mittler Jesus verweisen lassen, daß er einen Sterbenskranken doch nicht sterben lassen darf (Hiob 33, 22).

Nachdem der Teufel in den Höllenschlund gestürzt worden ist durch Jesu Gewalt, wird auch „der Tod und das Totenland in den feurigen Pfuhl geworfen“ (Off. 20, 14).

Und alsdann ist der Tod vernichtet, für ewig – der letzte Feind liegt im Höllenpfuhl ewig ohnmächtig.

 

97. Das neue Jerusalem

Die durch den Satan in diesem letzten entsetzlichsten Krieg so fürchterlich zertrümmerte Welt wird wieder neu erschaffen – so wie einst in der Urzeit Gott und Sein Vertrauter Jesus die vom Satan zerstörte Welt neu gestaltet hatten. Wie aber diese neue Welt jetzt am Ende der Zeiten erschaffen wird, darüber berichtet uns die Bibel nichts. Wir erfahren nur, daß es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben wird in wunderbarer Gestalt, als Heimat für die von Jesus Christus erlösten Menschen (Offb. 21,1).

Erstaunlich ist es uns, zu erfahren, daß es auf dieser neuen Erde kein Meer geben wird. Die Mächte der Unfruchtbarkeit und der Zerstörung, die wilden Wogen des Ozeans, haben auf der neuen Erde keinen Raum mehr.

Inmitten der neuen Erde liegt das neue Jerusalem. Wunderbare Dinge hören wir über diese Stadt: Nichts Böses findet sich in dieser Stadt, keine Unreinheit, kein Schmutz, nichts Gemeines. Darum wird von dieser Stadt ausgesagt, daß sie „wie ein köstlichster Stein aufstrahle, wie, ein kristallheller Jaspis-Edelstein. Sie ist wie von reinem Glase. Und die Stadt ist von lauterem Golde“ (21, 11. 18) – das soll ohne Zweifel bedeuten: es gibt dort keinen Raum, wo man seine Bosheit verstecken, und nichts, woran eine Unreinheit haften könnte. Wie das Gold keinen Schmutz an sich bindet und Glas nicht verdunkeln kann, so ist in dieser Stadt alles lichthell und rein.

So gibt es in dieser Stadt auch kein Dunkel, „weil Gottes Glanz ihr leuchtet, und ihre Leuchte ist das Lamm (Jesus Christus)“ (21, 23). Hier strahlt das Licht, in dem Gott wohnt, wohinein von uns irdischen Menschen niemand eindringen kann (1. Tim. 6, 16) – in jener n e u e n Welt aber sollen wir den Glanz schauen, der um Jesus leuchtete, ehe noch die Welt gegründet war, als ER noch vor Seiner Menschwerdung bei Gott weilte (Joh. 17, 24) – dort in dem ewigen Jerusalem der neuen zukünftigen Welt werden wir alle, deren Heimat im Himmel ist (Phil. 3, 20), in diesem göttlichen Lichte wandeln.

 

98. Vor den Toren der Stadt

Erstaunt aber sind wir, zu erfahren, daß diese Stadt „eine große und hohe Mauer hat mit zwölf Toren, auf denen zwölf Engel stehen“ (vermutlich doch als Wächter) (21, 12).

Also gibt es außerhalb dieser Stadt auch noch Raum, und offenbar – so muß man doch wohl vermuten – auch noch Menschen, die zwar nicht, wie die schlimmen Sünder, in den Feuersee verdammt sind, aber dennoch in die Stadt nicht hinein finden dürfen.

Die Mauer und die Perlen, das Gold und Glas, die Bäume mit ihren Gesundheit verleihenden Blättern, und manches andere in diesen beiden letzten Kapiteln der Bibel (Off. 21-22) mögen Gleichnis und Wirklichkeit vermengen. Denn freilich kann über himmlische und ewige Dinge nie zureichend durch menschlich-irdische Worte geredet werden. sondern bedarf es immer des Gleichnisses. Doch mag es auch sein, daß hierinnen viel mehr Wirklichkeit ausgesagt ist, als wir gemeinhin meinen. Wir jedenfalls können nichts weiter tun, als eben diese Worte auf uns wirken zu lassen, in der Erkenntnis, daß besser und zureichender niemals über die Ewigkeit und den Himmel geredet werden kann (da die Bibel es sonst ohne Zweifel getan hätte). Und so wissen nun auch wir nicht anders hierüber zu reden, als in eben diesen Worten der Bibel.

Die Tore dieser Stadt sind unentwegt offen (21, 25). So können wahrscheinlich (wir werden so vermuten dürfen) die Bewohner dieser Stadt frei aus- und eingehen – der weite Weltenraum liegt offen vor ihnen, da sie nun nicht mehr unter den Grenzen von Raum und Zeit stehen, sondern sich frei in den unermeßlichen Weiten der Welt bewegen können. Doch ihre Heimat, in die sie immer wieder zurückkehren dürfen, ist jene Stadt, die von den Mauern umhütet ist.

Und warum ist sie von Mauern umhütet? Warum wachen auf ihren Mauern an den Toren die Engel?

Wir wissen so wenig hierüber. Aber diese Berichte über die Mauer lassen uns ahnen, daß manche draußen vor den Toren stehen werden, die gerne hinein möchten und doch nicht dürfen. Es sind nicht jene, die für alle Ewigkeit in den feurigen Pfuhl hinein verdammt wurden – denn die werden in Ewigkeit ihrer Verdammung nicht entrinnen und lagern nicht vor den Toren der Stadt, sondern sind ihr unendlich weit entfernt, eingeschlossen in die Verdammung.

Diese aber, die draußen vor den Toren der Stadt warten, werden einmal doch noch hinein finden. „Und man wird den Glanz und die Ehre der Völker in die Stadt hinein tragen – jedoch nichts Gemeines, und niemand der Schimpfliches tut oder mit Lügen umgeht, darf in die Stadt hineinschreiten“ (21, 24-27). Der Glanz und die Ehre der Völker sind ohne Zweifel die Menschen dieser Völker. Denn alles Übrige der alten (jetzigen) Welt ist ja doch verbrannt in dem letzten Kampf zwischen Jesu Engeln und dem Satan. Also ist nichts mehr vorhanden an irdischen Gütern und Reichtümern. Und überhaupt: was sollte die Stadt wohl noch an irdischen Gütern benötigen, wo sie aus lauter Perlen und Gold erbaut ist? Und sie ist nicht ein Museum für vergangene nichtige Dinge. So ist offensichtlich, daß der Glanz der Könige die Zahl ihrer Untertanen ist, und die, nachdem das Totenland sie wieder hergegeben hat (20, 13), stehen nun vor den Toren, und warten, ob sie hinein gelassen werden. Es sind jene, die in ihrem Leben nie erfahren hatten, daß es einen Heiland Jesus gibt, oder die durch falsche Jesus-Jünger auf falschen Pfad geführt wurden, daß sie in die Irre liefen, ohne doch Schuld zu haben an ihrem Irrtum, weil sie von falschen Lehrern verführt wurden.

Vielleicht sind es auch jene, die zwar sich gläubig an Jesum hielten, Seinen Worten glaubten, aber in der Nachfolge die Heiligung vergaßen, und nun draußen noch stehend warten müssen, weil keine Lüge und demgemäß also auch kein Lügner und niemand, der Schimpfliches tut, durch die Stadttore zur Stadt hinein schreiten darf. Nun müssen sie, die die Erkenntnis und den Glauben hatten, aber in der Heiligung versagten und daher befleckt sind, sich reinigen lassen, so wie Paulus es uns erklärt: wenn jemandes Taten sich im Feuer des Gerichtes nicht bewähren, sondern verbrennen, so wird er bestraft werden, wenngleich er selbst zwar gerettet wird – aber wie durch das Feuer! (l. Kor. 3, 15; lies auch 5, 5).

Und warten müssen draußen jene, die während ihres Erdenlebens in eigenem Bemühen ihre Heiligung gesucht haben und nun erkennen müssen, wie vergeblich ihr Bemühen gewesen war, weil wir unsere Heiligung finden können nur in Christus. Nun müssen sie noch lernen, daß keine Vollkommenheit zu finden ist, als nur alleine jene, die Christus durch Sein Blut uns erfunden hat.

Denn inmitten der Stadt wachsen „Bäume, deren Blätter den Völkern Gesundheit schenken“ (22, 2). So kann also, was in Sünden krank war, gesunden – auch noch in der Ewigkeit.

Aber warten müssen alle jene, die auf solchem halben Wege stehen geblieben waren, bis alles Schimpfliche und die Lügen von ihrem Wesen abgefallen sind und sie von ihren Sünden gereinigt werden, auf daß sie doch noch zuletzt in das Lebensbuch des Lammes eingetragen werden mögen (21, 27). Und dann dürfen sie auch durch die Tore in die Stadt – zwar verspätet, aber dennoch am Ende selig hinein schreiten.

Jedoch gilt dieses nicht den frivolen Sündern und jenen, die durch eigene Schuld die Erkenntnis verwerfen und Jesum nicht erkennen wollen. Solche sollen sich keinen falschen Hoffnungen hingeben, als dürften sie vor den Toren der Stadt doch noch Gnade finden. Denn wer nicht im Lebensbuche eingetragen ist, das heißt, wer sich den Rufen Jesu verschloß und nicht glauben wollte, der wird in den feurigen Pfuhl geworfen zu dem Satan und dem Antichristen, „wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nie verlöscht“ (Mark. 9, 48; Off. 20, 15).

Aber eine ernste Warnung muß es allen sein, die an Jesum glauben und von den Glaubensdingen viel und schön zu reden wissen, aber nicht gelassen haben von der Lüge oder anderen schlimmen Dingen, durch die sie sich beständig – trotz ihres Glaubens – beflecken. Die werden draußen warten müssen, bis die Blätter der Bäume auch ihnen Gesundheit verleihen.

Die unendliche Seligkeit dieser Stadt liegt darinnen be­schlossen, daß wir verklärt dort stehen dürfen und schuldlos – dort in jener Stadt – Gottes und Jesu Antlitz schauen dürfen und ein volles Genüge finden, Gott in Seiner Gestalt zu erblicken – das ist die ewige Seligkeit, auf die wir warten dürfen (Ps. 73, 24 und 17, 15).

Denn inmitten der Stadt steht der Thron Gottes und Jesu Christi, von dem aus das Licht die ganze Stadt durchströmt. „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen“ (21, 3), – “… und sie werden Sein Angesicht sehen, und Sein Name wird auf ihren Stirnen sein. Und es wird keine Nacht mehr sein. … Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (22, 4).

 

Anhang

Zur Offenbarung des Johannes

Die Offenbarung ist eine Enthüllung, durch die aufgehellt wird, was nun schon bald geschehen soll (1, 1). Diese Geschichte der Endzeit, die in dem letzten Bibelbuch aufgehellt werden soll, ist aber unendlich weitschichtig. Denn die Offenbarung möchte alle Vorgänge vor Jesu Wiederkommen, wie sie sich abspielen in der Natur, in der Geschichte, in der Kirche und in der Völkerwelt, vor uns ausbreiten. Eine solche umfassende Darstellung kann aber nicht in Einem Flusse dargeboten werden. Darum mußte Johannes mehrfach wieder neu beginnen, um die Endgeschichte in diesen einzelnen Lebensbereichen aufzuzeigen.

So kommt es denn, daß in der Offenbarung viermal die Endgeschichte dargestellt wird bis hin zum Tage von Harmageddon. Die alsdann folgenden Geschehnisse werden in den letzten Kapiteln der Offenbarung in einer einfachen Linie uns vor Augen geführt bis hin zur Neuerschaffung der Welt und des neuen Jerusalem.

Das Buch JESUS – Sein Leben und Sein Wiederkommen wurde schon 1956 verfasst. Besonders die Ausführungen zum Antichristen und Falschen Propheten, zur Hure Babylon und zu Volk und Land Israel erfüllen sich ja deutlich vor unseren Augen. Die heutigen Umwälzungen im Nahen Osten zielen deutlich auf eine Auseinandersetzung um Jerusalem hin, die ja vom Propheten Sacharia in Kapitel 12 und 14 vorhergesagt ist.

Das Buch ist evtl. noch antiquarisch zu erwerben.

Horst Koch, Herborn, im September 2012

www.horst-koch.de

info@horst-koch.de

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