Jerusalem (Marius Baar)

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Marius Baar

 

JERUSALEM

 

Jerusalem, der Zankapfel

Der von Jimmy Carter diktierte Friede zwischen Israel und Ägypten hatte die ablehnende Stellungnahme der arabisch‑islamischen Welt zur Folge. Es wäre absurd zu glauben, die gegenwärtige Ölkrise sei reiner Zufall. Sie wurde nach der arabisch‑islamischen Konferenz eingeleitet, die im Mai 1979 in Marokko stattfand.

Das Hauptthema dieser Konferenz war die Befreiung Jerusalems. Es wurde ein Geheimplan aufgestellt, wonach das Öl als Waffe und Druckmittel zur Befreiung Jerusalems eingesetzt werden soll. Jerusalem, al Quds (die Heilige), darf nicht länger im Besitz der Ungläubigen bleiben, diese Stadt muß um jeden Preis erobert werden. Kein Opfer is zu hoch, forderten die Teilnehmer dieser Konferenz in Marokko, und als sie sich verabschiedeten, riefen sie sich zu: Nächstes Jahr in Jerusalem! Um zu zeigen, wie ernst es ihnen war, drohten sie unter anderem damit, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Kanada abzubrechen und Wirtschaftssanktionen zu verhängen, falls die Regierung in Ottawa ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen sollte. Dies würde natürlich für alle Länder gelten, die es wagten, durch solche Maßnahmen Jerusalem als die Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Also war der Prophet Sacharja kein Schwarzmaler, als er vor etwa 2500 Jahren voraussagte, Jerusalem würde für alle Völker zum Taumelbecher werden. Die Völker um Jerusalem herum, also die arabische Welt, sind besonders betroffen (Sacharia 12, 2). Alle Völker werden versuchen, das Problem Jerusalem zu lösen; wer sich aber heranwagt, dem wird es zum eigenen Verderben werden (Sacharia 12, 3). Der Sohn nach dem Fleisch, Ismael, beansprucht also das Land und insbesondere Jerusalem…

Dazu einige Auszüge aus dem Heft »Muslime, unsere Nachbarn«, herausgegeben im Auftrag der Kommission Gemeindedienst für Weltmission und Ökumene des Deutschen Evangelischen Missionsrates.

Diese Zeilen zeigen uns den Anspruch der Mohammedaner auf Jerusalem. Da sie den Islam als die höchste und letzte Offenbarung Allahs ansehen, beanspruchen sie diese Stadt mit geistlicher Autorität.

Die meisten Christen sind überrascht, daß Jerusalem und Palästina den Mohammedanern ähnlich viel wie den Juden bedeutet (vgl. Sure 21, 71 und 17.1). Wenn Mohammedaner während der vorgeschriebenen Gebetszeit viele Male täglich die erste Sure beten, denken sie bewußt oder unbewußt an Jerusalem. Sie wissen zum Beispiel aus dem Koran, daß die Gebetsrichtung ursprünglich nach Jerusalem und nicht nach Mekka wies.

Im Mittelpunkt der ersten Sure steht die Erinnerung an den Tag des Gerichts. Er verbindet sich für manche Mohammedaner mit Jerusalem, denn nach einer alten Überlieferung wird Gott hier sein Endgericht halten. Manche frommen Moslems sehen die Kämpfe in Palästina heute als die Vorbereitung des Weltendes an. Überhaupt hat der Palästina‑Konflikt das Interesse aller, vor allem der arabischen Moslems, verstärkt auf Jerusalem gerichtet. Millionen von Arabern singen heute mit der libanesischen Sängerin Fairus ihr Jerusalem‑Lied:

Für dich, du Stadt des Gebetes ‑ bete ich.
Für dich, du Glanz der Wohnungen, du Blume der Städte.
O Jerusalem, du Stadt des Gebets…

Im letzten Vers des Liedes kommt dann aber auch die Mahnung an das Ende:

Der glühende Zorn kommt. Mit schrecklichen Rennrossen kommt er, und geschlagen wird werden das Antlitz der Gewalt.
Der Tempel gehört uns ‑ Jerusalem gehört uns.
Mit unseren Händen werden wir den Glanz Jerusalems zurückbringen.
Mit unseren Händen nach Jerusalem Frieden ‑ Frieden …

Was ist der Grund für diese starken Gefühle? Der Tempelplatz, von dem das Jerusalem‑Lied spricht, ist der Ort um den Felsen Morija, seit altersher eine Gedenkstätte, die an den Stammvater Abraham erinnert. An dieser Stelle wurde nach der Tradition der Sohn Abrahams vor der Opferung bewahrt. Für Moslems ist die Abraham‑Geschichte genauso wichtig wie für Juden; denn sie verstehen sich gleichfalls als Söhne Abrahams. Der Islam knüpft an die alttestamentliche Offenbarung an und sieht sich als Erbe der biblischen Verheißungen.

Diese enge Verbindung zur Bibel und damit zu Jerusalem kommt in einem zentralen Ereignis im Leben des Propheten Mohammed zum Ausdruck, das die Moslems nach Jerusalem verlegen. Sure 17 berichtet von der nächtlichen Entrückung und Himmelfahrt des Propheten. Mohammed wurde von Jerusalem aus entrückt, eben vom Felsen Morija.

Später entstanden an dieser Stelle zwei der ältesten und ehrwürdigsten Bauwerke des Islam: die Al‑Aqsa‑Moschee und der sogenannte Felsendom. Beide beherrschen bis heute die Silhouette Jerusalems. In allen Jahrhunderten kamen mohammedanische Pilger hierher. Der Tempelplatz ist der drittheiligste Ort des Islam neben Mekka und Medina. Jerusalem heißt auf arabisch »die Heilige«.

Schon früh wurde die Stadt dem »Haus des Islam« einverleibt: 638 besetzte sie der Kalif Omar ohne Blutvergießen oder Zerstörung. Seitdem gehört Jerusalem ‑ mit Aus­nahme der Zeit der Kreuzzüge ‑ zur arabisch‑islamischen Welt. Charakteristisch verschmelzen islamisch‑religiöse und arabisch‑weltliche Einflüsse: Islamische Mystiker und Theologen haben hier gewirkt: Handel und Wandel in der Altstadt sind bis heute typisch arabisch. Die große Mehrheit der Bewohner des ursprünglichen Jerusalem besteht aus Moslems. So setzen sich arabische Moslems aus nationalen Gründen, aber auch aus religiöser Überzeugung zusammen mit Mohammedanern in der ganzen Welt energisch für die Erhaltung des islamisch‑arabischen Jerusalem ein. Sie bestreiten nicht, daß Christen, vor allem auch arabische Christen, wie Juden eine intensive Beziehung zu dieser einmaligen Stadt besitzen. Die Moslems wehren sich jedoch dagegen, daß Jerusalem heute einseitig unter jüdischer Oberhoheit steht und zielstrebig israelisiert wird. Sie wollen, daß die Mehrheit der mohammedanischen Bewohner politische Selbstbestimmung erhält und Jerusalem für alle Moslems, auch für die, die heute nicht hinreisen können, zu einer offenen Stadt wird. Jerusalem soll zum Ort der Begegnung werden, wo Anhänger der drei Religionen zusammenleben…

Mit Jerusalem verknüpft sich für manche Mohammedaner auch die Erwartung des Weltendes. Nach einer Tradition wird am Weltende der große Irreführer auftreten, dessen Figur an den biblischen Antichristen erinnert. Aber Jesus wird vom Himmel herabkommen, um ihn zu töten. Nach der Eingliederung der Menschen in die mohammedanische Gemeinde erschallen zwei Trompetenstöße: der erste verkündet allen noch lebenden Wesen das Ende, der zweite weckt alle Toten auf. Dann kommt das große Endgericht, in dem Gott selbst jeden Menschen zur Rechenschaft ziehen wird. Alle Worte und Taten werden gewogen. Nur der kann vor Gott bestehen, der das Glaubensbekenntnis des Islam spricht. Die Glaubenden ziehen dann über das Höllenfeuer hinweg in das Paradies. Das Leben dort wird in prachtvollen Bildern geschildert: ein paradiesi­scher Zustand bis in alle Ewigkeit für die Gerechten, das ewige Höllenfeuer für die Ungerechten.

Es ist interessant, daß diese Broschüre nicht erwähnt, was in der Bibel über Jerusalem und Israel gesagt wird. Israel wurde aus der Geschichte ausgeklammert, sowohl das Volk wie das Land und auch der Segen. Das christliche Abendland und deren geistliche Führer begehen eine zweifache Sünde:

1. Sie haben das inspirierte Wort der Wahrheit verlassen. 2. Sie haben sich dadurch dem zugewandt, der in seinem eigenen Namen kommt. Sie werden verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können. Darum sendet ihnen Gott kräftigen Irrtum, daß sie der Lüge glauben (2. Thessalonicher 2, 10‑11). Deshalb wird die Welt den, der in seinem eigenen Namen kommen wird, annehmen; denn er bringt ihnen das, was Jesus, der vom Vater kam, zu bringen sich weigerte, nämlich: Reichtum, Wohlstand, Brot und Spiele.

 

Jerusalem ‑ Taumelbecher und Laststein der Nationen

Siehe, ich mache Jerusalem zum Taumelbecher für alle Völker ringsum, und auch gegen Juda wird es gehen bei der Belagerung Jerusalems. Und es soll geschehen an jenem Tage, daß ich Jerusalem zum Laststein für alle Völker machen werde, ‑ alle, die ihn heben wollen, werden sich daran wundreiben. Und alle Nationen der Erde werden sich gegen sie versammeln (Sacharia 12, 2.3). Man darf nie vergessen: Jerusalem wird die letzte Hochburg sein, die dem Satan durch Vermittlung des Antichristen zufallen wird, darum sollten wir auf all das achten, was sich in dieser Stadt, und insbesondere an heiliger Stätte abspielt.

König Faisal fühlte sich bis zu seinem Tode im Jahre 1975 als Verteidiger aller heiligen Stätten der Moslems. Er wies immer wieder darauf hin, daß auch Jerusalem eine heilige Stadt des Islam ist und historisch mindestens so sehr Stadt der Araber wie der Juden sei. Sein Wunsch war, in der Al‑Aqsa‑Moschee beten zu können, die der Kalif Abdul Melik (685‑706) erbaute. Dieser schuf auch die Kubbet es Sachra, den Felsendom mit seiner Kuppel von 20 Metern Durchmesser und 30 Meter Höhe auf dem Tempelplatz in Jerusalem. Religionen werden heute unterschätzt. Aber längst sind religiöse Bindungen von sozialen nicht mehr zu trennen, und längst sind auch Religion und Politik unentwirrbar miteinander verstrickt. Die Moslems sind über die ganze Welt verstreut. Bekanntlich ist es mit den Juden genauso.

Auf dem Zionistenkongreß in Karlsbad sagte Nahun So­kolow 1922: Eines Tages werden wir Jerusalem zur Friedenshauptstadt der Welt machen! Und dem Jewisch Chronicle vom 16. Dezember 1949 zufolge, sagte der spätere Premierminister Israels, Ben Gurion: »Jerusalem ist nicht nur die Hauptstadt Israels und damit des Welt‑Judentums, es wird ein geistliches Zentrum für die ganze Welt werden«. ‑ Aus «Macht der Religion.«

(Anton Zischka, Europas bedrohte Hauptschlagader, Kümmerly + Frey, Bern)

Im Juni 1979 veröffentlichte »Die Welt« einen Artikel unter der Überschrift: »3000 Prinzen träumen vom Einzug in Jerusalem«. Peter M. Ranke, Dschidda, schrieb u. a.:

 … Nach dem stürmischen Frühjahr haben sich König Khaled und die Prinzen, einschließlich des Kronprinzen und seiner einflußreichen Brüder, nun in den letzten Wochen auf politische Grundsätze geeinigt, die dem Haus der Sauds und ihrem Reich eine nationale und religiöse Aufgabe zuweisen und als Kitt dem gesamten Prinzen‑Clan neuen Zusammenhalt verleihen sollen: Jerusalem als Schicksalsfrage der Araber. Wir werden keine Anstrengung scheuen, um die heiligen Ansprüche der arabisch‑islamischen Nation auf Jerusalem zu verwirklichen, erklärte Innenminister Prinz Naif in Tunis. Und vor ihm hatten König Khaled und der Kron­prinz geschworen: Wenn Jerusalem Märtyrer fordert ‑ wir sind bereit.

Eine begrenzte Abkehr von Amerika wird einkalkuliert, die Bedrohung durch die Sowjets gilt nicht mehr als so aktuell, alles wird dem neuerwachten Glaubenseifer unterstellt: Nur islamische Araber sollen über Jerusalem und Palästina herrschen. Nichts anderes heißt es, wenn die Saudis von umfassender und gerechter Friedenslösung einschließlich Jerusalems und der Rechte der Palästinenser sprechen.

Im Westen hat man diese Wendung, ja die Verschärfung der Entwicklung in Nahost durch das verstärkte Engagement der Saudis für den kämpferischen Islam noch gar nicht recht begriffen. Aus den alten Propheten‑Städten Mekka und Medina ziehen die Saudis wieder mit dem grünen Banner des Islams gegen Jerusalem ‑ zunächst nur mit Worten. Aber sollten wir nicht verstehen, daß sie es wirklich ernst meinen, dann sagen sie leise lächelnd, so wie zu mir ein Scheich in Dschidda: Wir haben das 01, ihr dürft bei uns arbeiten.  (SAD)

 

Morija – Tempelplatz

Und Salomo fing an, das Haus des Herrn zu bauen zu Jerusalem, auf dem Berge Morija, wo er seinem Vater David erschienen war, an dem Orte, welchen David bestimmt hatte, auf der Tenne Ornans, des Jebusiters (2. Chronika 3, 1).

An dieser Stelle wurden nach dem Gesetz Moses einige Jahrhunderte lang Opfer dargebracht, bis die Zeit erfüllt war und bis der Sohn Gottes sagte:

Opfer und Gaben hast du nicht gewollt,‑ einen Leib aber hast du mir zubereitet. Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. Siehe, ich komme, in der Buchrolle steht von mir geschrieben ‑ daß ich tue, o Gott, deinen Willen (Hebräer 7 0, 5‑7).

Da durch das einmalige Opfer Jesu der Glaubende in alle Ewigkeit geheiligt ist, hat der Tempel mit seinen Opfern seine Daseinsberechtigung verloren.

Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden, so daß keiner mehr sein wird; die Stadt aber samt dem Heiligtum wird das Volk eines zukünftigen Fürsten verderben, und sie geht unter in der Überschwemmung, und der Krieg, der bestimmt ist zu ihrer Zerstörung, dauert bis ans Ende (Daniel 9, 26).

Doch am Ende der Zeit wird diese Stätte wieder Bedeutung erhalten, denn dort wird die Macht residieren, die in der letzten Jahrwoche herrschen wird (Daniel 8, 9). Der Felsen Morija war Zeuge vieler Opfer, die nach dem Gesetz dargebracht wurden, und die als Vorschatten auf das Kommen des Lammes Gottes, das der Welt Sünde trägt, hindeuteten. Hier erhebt sich jetzt eines der Weltwunder ‑ der Felsendom ‑ bewundert von Christen, (die ihre Schuhe ausziehen, bevor sie eintreten), Moslems und Juden. Auf dem Fries, der von der Kuppel überragt wird, kann man Koranverse in einer sehr schönen arabischen Schrift neben dem Glaubensbekenntnis des Islam lesen:

La illah illa Allah (Es ist kein Gott außer Allah)

Auch folgende Koranverse stehen auf dem Fries:

Gelobt sei Allah, der weder einen Sohn gezeugt, noch einen Gefährten im Regiment hat, noch einen Beschützer aus Schwäche. Rühme seine Größe! O Volk der Schrift, überschreitet nicht euren Glauben und sprechet von Allah nur die Wahrheit. Der Messias Jesus, der Sohn der Maria, ist der Gesandte Allahs, und sein Wort, das er in Maria legte, Geist von ihm. So glaubet an Allah und an seinen Gesandten und sprechet nicht: Drei! Stehet ab davon, gut ist es für euch. Allah ist nur ein einiger Gott. ‑ Preis ihm! Er hat keinen Sohn! Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und Allah genügt als Beschützer… (Koran 4, 169)

Der Felsendom in Jerusalem. ‑ Jeder, der den Felsendom betreten will, muß seine Schuhe ausziehen. Aber nicht etwa, um die Teppiche zu schonen, sondern um Allah seine Reverenz zu erweisen. Mancher christliche Tourist würde diesen Akt der Ehrerbietung wohl nur mit schlechtem Gewissen vollziehen, wenn er wüßte, was auf dem Fries rund um den Felsendom in arabischer Sprache geschrieben steht:

»Es ist kein Gott außer Allah! Gelobt sei Allah, der weder einen Sohn gezeugt noch einen Gefährten im Regiment hat noch einen Beschützer aus Schwäche. Rühme seine Größe… «

Und Friede auf den Tag meiner Geburt und den Tag, da ich sterbe, und den Tag, da ich erweckt werde zum Leben! Dies ist Jesus, der Sohn der Maria ‑ das Wort der Wahrheit, das sie bezweifeln. Nicht steht es Allah an, einen Sohn zu zeugen. Preis Ihm! Wenn er ein Ding beschließt, so spricht er nur zu ihm »Sei!« und es ist. Und siehe, Allah ist mein Herr und euer Herr,‑ so dient ihm; dies ist ein rechter Weg (Koran 19,34‑37).

Sollte uns diese Inschrift nicht zu denken geben? Ist das nicht das greuliche Reden dessen, der sich auflehnt gegen alles, was Gott gehört, und gegen den Gott aller Götter? (Daniel 11, 37 und 2. Thessalonicher 2, 4). Ist es nicht ein greuliches Reden, eine Lästerung Gottes? (Daniel 11, 36).

Machen diese Verse über dem Felsen Morija nicht Gott zum Lügner? Widersprechen sie nicht seinem inspirierten Wort und auch dem menschgewordenen Wort?

Dieses Gebäude ist eines der wichtigsten der islamischen Welt und ein ausdrückliches Zeugnis gegen die Dreieinheit Gottes.

 

Tempel Gottes oder Greuel der Verwüstung

Die satanischen Unternehmungen des kleinen Horns (Daniel 8, 9) werden sich in der Endzeit in Juda (Judäa) abspielen, denn dort befindet sich die heilige Stätte. Das Tier wird sie entweihen, nachdem (im Jahre 70 nach Christus) der Opferaltar und das Heiligtum zerstört wurden (Daniel 8, 11). Ein Greuel der Verwüstung wird ihre Stelle einnehmen. So lautete die Prophezeiung Daniels vor nahezu 2500 Jahren, die auch Jesus bestätigte (Matthäus 24, 15; Markus 13, 15).

Als Paulus um das Jahr 50 seinen Brief an die Thessalonicher schrieb, stand der Tempel noch, und Paulus hat gewiß nicht mit seiner Zerstörung gerechnet. Paulus sah prophetisch den Menschen der Sünde im Tempel (2. Thessalonicher 2,4). Der Apostel konnte aber nichts von einer Moschee wissen, da der Islam noch nicht existierte und Felsendom sowie Al‑Aqsa-Moschee erst ca. 600 Jahre nach der Prophezeiung des Paulus gebaut wurden. Paulus hat nur mit anderen Worten gesagt, was Daniel und Jesus Christus schon prophezeit hatten. Wichtig ist sicher nicht der Bau an sich, sondern der Geist, der in dieser Zeit an der heiligen Stätte herrschen wird.

Wir haben also keinen Grund zu der Annahme, daß Paulus anderer Ansicht ist als Daniel und Jesus Christus, die ja im Blick auf die Endzeit nicht vom Tempel, sondern vom Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte reden.

Die Zerstörung des Felsendoms und der Al‑Aqsa‑Moschee zu erwarten und zu hoffen, der Tempel würde dann aufgebaut werden, ist utopisch. Solange der Islam besteht, werden seine Anhänger den Tempelbau an dem für sie heiligen Platz nicht erlauben. Rechnen wir mit dem Wiederaufbau des Tempels, dann müssen wir mit der Vernichtung der heutigen Weltstruktur, einschließlich des Islam und der Ölmächte, und mit einer neu aufsteigenden Macht rechnen. Das aber würde die Endzeit in eine ziemlich weit entfernte Zukunft rücken.

Solange aber der Islam besteht, und besonders in seiner heutigen Kraft, wird keine Macht der Welt, auch nicht Israel, Ansprüche auf Jerusalem und den Tempelplatz verwirklichen können.

 

Der Tempel Israels

Der Tempel Israels, Jesus Christus, der in drei Tagen wiederaufgebaut wurde, ist durch ein Gebäude ersetzt, das vom Geist des Antichristen, von einer Macht beherrscht wird, die für eine Zeit die Welt und, wenn möglich, auch die Auserwählten verführt.

Wenn ihr sehen werdet… Wer das liest, der merke darauf! (Matthäus 24, 15)

Sehen wir es? Schon seit 400 Jahren hätte sich das christliche Abendland darauf einstellen können. Wenn es darauf gemerkt hätte, wäre es nicht in die Falle gelaufen.

Fünfmal am Tage erschallt über dem Felsen Morija der Ruf der Muezzin: Allah hu akbar, Allah hu akbar, das heißt: Allah ist der höchste Gott.

Dieser Kampf, der in der Endzeit um Jerusalem, und insbesondere um den Tempelplatz, ausgefochten wird, ist der Kampf gegen den Tempel, der zerstört und in drei Tagen wiederaufgebaut wurde, das heißt gegen den Sohn Gottes (Matthäus 26, 61 und 27, 40; Markus 4, 58 und 15, 29, Johannes 2, 19‑21). – Dieses Gebäude, an das man geschrieben hat, daß Allah der höchste Gott und über alle Götter erhaben ist, steht als Symbol gegen Jesus Christus und die Gemeinde, die sein Leib ist.

Hier liegen tiefe Wahrheiten verborgen, die wir um so bes­ser verstehen werden, je mehr wir am Wort Gottes festhalten. Alles wird sich materiell, geistig und geistlich um den Tempel des Herrn handeln. Das Sichtbare soll uns auf das Geistliche aufmerksam machen.

Er wird sich über alles erheben, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst als Gott erklärt (2. Thessalonicher 2, 4).

Es ist wichtig, daß wir den Sinn des Ausrufes der Moslems Al­lah hu akbar genau erkennen; ebenso aber auch den Inhalt des Glaubensbekenntnisses: Allah il Allah Mohammed rasul Al­lahi (Allah ist Gott und kein anderer, und Mohammed ist sein Gesandter).

Christus, der nach der Schrift der wahre Mittler zwischen Gott und den Menschen geworden ist und durch den wir den freien Zugang zu Gott haben, wird ausgeschaltet, und das an heiliger Stätte durch die Lehre des Koran.

Daniel schreibt über den Führer dieses Systems:

Und der König wird tun, was ihm beliebt, und wird sich erheben und großtun wider jeglichen Gott, und er wird gegen den Gott aller Götter unerhörte Worte ausstoßen, und es wird ihm gelingen, bis der Zorn vorüber ist,‑ denn was beschlossen ist, wird ausgeführt werden (Daniel 11, 36).

Der messianische Tempel aber wird vom Messias selbst erbaut:

Siehe, es ist ein Mann, dessen Name Sproß ist, denn er wird aus seinem Orte hervorsprossen und den Tempel des Herrn bauen. Ja, er wird den Tempel des Herrn bauen und königlichen Schmuck tragen und wird auf seinem Thron sitzen und herrschen (Sacharja 12‑13).

 

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