New Age u. Jehovas Zeugen

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Erich Brüning

Drei Systeme

–  Was verbindet Freimaurer, New Age und Jehovas Zeugen?  –

INHALT
1.  Die Pyramide als verbindendes Symbol
2.  Der »Plan« – seine Bedeutung in den drei Weltanschauungen
3.  Freimaurertum
7.  Der Illuminatenorden
8.  »Jehova«  –  das wiedergefundene Meisterwort
11. Der Tempel Gottes – freimaurerisch gedeutet
15. Fünf Versionen über Gottheit und Menschwerdung Jesu
16. New Age  –  was sich dahinter verbirgt
17. Verschwörung  –  Methode zur Systemveränderung
18. Parallelen zwischen New Age und Jehovas Zeugen

1. Warum dieses Buch geschrieben wurde

Bei meinen Vorträgen und Seminaren über Weltanschauungsfragen, speziell über die Wachtturm-Ideologie der Zeugen Jehovas, ob in Deutschland, Österreich, Schweiz oder Rumänien, wurde mir immer wieder die Frage gestellt: »Haben Jehovas Zeugen etwas mit Freimaurern und mit New Age zu tun? Gibt es zwischen ihnen Gemeinsamkeiten?«

Dieses Buch soll eine Antwort auf diese Frage geben. Das Freimaurertum und die New-Age-Bewegung haben zweifellos im Bewußtsein der Fragesteller und sicher auch bei vielen anderen Zeitgenossen einen bestimmten Stellenwert. Man vermutet in beiden Kreisen geheimnisvolle okkulte Praktiken, verbunden mit mystisch symbolhaftem Ritual. Diese Einschätzung kann weitgehend als den Tatsachen entsprechend angesehen werden.

Eine Besonderheit beider Systeme ist, daß in ihrer »Philosophie« und in ihren Zeremonien durchaus biblisches Vokabular verwendet wird. Allerdings so sinnverfremdet, daß zugleich eine pervertierte Version vom kommenden Reich Gottes entsteht, die mit der Königreichsherrschaft Jesu Christi nichts mehr zu tun hat.

Dabei wird das Königreich Gottes zu einer materialistischen Weltidee, ja zu einem Weltreich mit Einheitsreligion und luziferischer Totalherrschaft. Das ist die Maxime aller drei Ideologien, wie sie aber nur von den wenigsten erkannt wird.

Ein gemeinsames Bezugssymbol ist die Pyramide von Gizeh. Sie verbirgt nach Ansicht der Mystiker und Okkultisten kosmische Geheimnisse sowie einen geheimen göttlichen »Plan«. Die berühmte Spiritistin und Gründerin der Adyar-Theosophie, die Russin H. P. Blavatsky, besuchte einst die Pyramiden, und man sagt ihr nach, sie habe eine ganze Nacht in der Königskammer der großen Pyramide zugebracht, um durch Kontakt zu den Geistern dieser Kultstätte das Pyramidengeheimnis zu lüften.

Auch Ch. T. Russell, der Gründer der Wachtturm-Gesellschaft, besuchte die Pyramiden und entwickelte nach seiner Rückkehr und aufgrund der zeitgenössischen Forschungsergebnisse über dieses antike Monument seine »Pyramidenlehre«. Darin erklärt Russell, daß Gott allein ihm und seinen Freunden den »göttlichen Zeitplan« für die Menschen aus den Abmessungen der Pyramide offenbart hätte.

Seine »entdeckten Geheimnisse« mußten von den damaligen »Ernsten Bibelforschern« (heute Zeugen Jehovas) geglaubt und verkündet werden. Der Nachfolger Russells, J. F. Rutherford, räumte Ende der zwanziger Jahre mit dieser »Pyramidenlehre« auf. Die Ernsten Bibelforscher waren einer dämonisch inspirierten Doktrin aufgesessen.

Von all dem wissen die heutigen Zeugen Jehovas nichts. Kein Zeuge Jehovas ahnt, daß seine indoktrinierte Botschaft vom aufgerichteten Königreich, mit der sein Glaube steht oder fällt, ein Relikt der dämonischen Pyramidenlehre Russells ist.

Was soll mit diesem Buch erreicht werden?
Grundsätzlich soll das Buch als eine Methode verstanden werden, die transparent macht, was der normale Bürger nicht sehen und wissen kann: die Identität zwischen der Ideologie der Zeugen Jehovas, des Freimaurertums und des New Age.

Erst in der Gegenüberstellung mit den beiden durchaus mystisch-okkulten Systemen kann die Wachtturm-Organisation der Zeugen Jehovas richtig eingeschätzt werden. Dem Durchschnittsbürger soll mit diesem Buch signalisiert werden: Vorsicht im Kontakt und Gespräch mit Jehovas Zeugen, den Vertretern des weltgrößten amerikanischen Verlages »Wachtturm-Gesellschaft«.

Ebenso wie die zwei bereits erwähnten Ideologien mißbraucht auch die Wachtturm-Organisation das biblische Wort, indem sie eine eigene Bibelübersetzung herstellte, in welcher gewisse Passagen gegenüber dem biblischen Urtext zugunsten ihrer Lehren modifiziert bzw. gefälscht wurden. Die Tatsache wird auch von offizieller Seite, der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Stuttgart, bestätigt (idea vom 1. 2. 86).

Um den Totalitarismus, die Praktiken und Expansionsbestrebungen der Wachtturm-Gesellschaft sichtbar zu machen, wurden ihr die beiden Ideologien gegenübergestellt, die eine besonders große Affinität zur Wachtturmideologie aufweisen: das Freimaurertum und die New-Age-Bewegung.

Beim Freimaurertum von Totalitarismus zu sprechen, scheint im ersten Moment widersprüchlich, in Anbetracht der vielgerühmten Humanität und der freimaurerischen Maximen Toleranz und Freiheit. Wir müssen jedoch etwas weiter denken, nämlich an die angestrebte »Synarchie«, die Einheit zwischen Staat und Kirche. Das ist die zu erwartende Gegenkirche und die Regierung Luzifers.

Dadurch, daß die ideologischen Zusammenhänge zwischen Jehovas Zeugen und den beiden okkult-esoterischen Systemen aufgezeigt werden, soll eine kritische Distanzierung beim Kontakt mit Jehovas Zeugen signalisiert werden. Denn wenn eine Identität zwischen Jehovas Zeugen, den Freimaurern und New Age wirklich besteht, können die Zeugen Jehovas sich nicht Christen nennen.

Obwohl das Freimaurertum eine ethische Konzeption ist und New Age religiöse Züge trägt, tangieren beide das Christentum und übernehmen nur Vokabular und Thematik, um einerseits Humanitätsziele zu proklamieren, andererseits einen »kosmischen Christus« zu verkünden. In beiden Systemen wird das Reich Gottes als ein innerweltliches Reich, ähnlich dem »irdischen Paradies« der Zeugen Jehovas, verstanden.

Man darf sagen: Das »Paradies« der Zeugen Jehovas, der utopische Welttempel der Freimaurer und die Weltherrschaft eines mystischen Maitreya-Christus im New Age sind Pervertierungen des Tausendjährigen Friedensreiches Jesu Christi.

Die Pyramide als verbindendes Symbol
Das Pyramidensymbol hat innerhalb der drei aufgeführten Ideologien einen zentralen Stellenwert. Es ist der metaphysische Ausdruck einer Weltidee, die eine generelle Erfüllung in der Weltherrschaft des Antichristen finden soll. Das erinnert an die Weltherrschaftsbestrebungen zur Zeit des Turmbaus zu Babel.
Der pyramidenartige, himmelstürmende Bau war dort Ausdruck eines »einheitlichen« Wollens, »sich einen Namen« zu machen ohne Gott, nach der ewigen, luziferischen Maxime »Tu, was du willst«.

Die Spitze der Pyramide stellt den Kulminationspunkt, symbolisch den Sitz höchster Macht dar, wie das auch in der bekannten Abbildung der Pyramide auf der amerikanischen Ein-Dollar-Note zum Ausdruck kommt. Dieses Bild ist eine Art Gesamtschau, die metaphysische Erklärung des illuminatischen Weltplans, unter dem segnenden Blick der luziferischen Gottheit.

Die Pyramide als starkes Bild für Verknüpfung und Durchdringung steht treffend für die drei Systeme, um die es in diesem Buch geht. Das ideologische Einssein findet ebenfalls einen Ausdruck in dem New-Age-Begriff und -Motto »Einheit in der Vielfalt«.

Die drei Systeme stellen eine endzeitliche Gesamtbewegung dar, die letztlich ebenso vernichtet werden wird, wie die »Einheitsbewegung« zur Zeit des Turmbaus zu Babel. Gott zerstörte damals das »luziferische Einheitsunternehmen« und wird es in der Neuzeit wieder tun. Er veranlaßt die Initiatoren des »Einheitsreiches«, daß sie in »einem« Sinn handeln und dem »Tier«, der Manifestation Luzifers, ihr Reich geben, damit sich Gottes Verheißung erfüllt (Offb 17,17).

Die Ziele und Weltherrschaftsparolen der Zeugen Jehovas stimmen mit dem luziferischen »Plan« genauso überein, wie die der beiden anderen Systeme. Das Postulat »Novus ordo seclorum – neue Weltordnung« unter der Illuminatenpyramide ist nicht nur im Munde vieler Weltpolitiker, sondern auch Teil der Wachtturm-Botschaft der Zeugen Jehovas. Bewußt oder unbewußt arbeiten alle drei Ideologien auf ihre Weise an der Verwirklichung des luziferischen »Planes« – der Weltherrschaft mit Einheitsreligion.

Der versteckte Weltherrschaftsanspruch des Freimaurertums wird unter anderem mit den symbolischen Degenstichen des initiierten »Ritter Kadosch« (30. Grad) gegen Krone und Tiara symbolisiert. Die Realisierung dieser Symbolik »Degenstich« gegen die Tiara kam in der Französischen Revolution 1789 im Kampf gegen die Kirche zum Ausdruck, der »Degenstich« gegen die Krone im Kampf gegen die Monarchie im 18. und 19. Jahrhundert in Spanien und Italien.

Das Ringen ideologischer und metaphysischer Kräfte um die Weltherrschaft nähert sich immer mehr dem Höhepunkt. Lassen wir uns daher nicht täuschen von den Sirenenklängen, die ein Bilderbuchparadies der Zeugen Jehovas verkünden, oder von der Selbsterlösung des Menschen im New Age oder durch die Vision eines strahlenden Menschheitstempels der Humanität, der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Die beiden Bewegungen, Freimaurertum und New Age, sind ein unerwartet guter Spiegel, um die Bestrebungen der Wachtturm-Gesellschaft zu erkennen. Ziel des Buches ist es daher, aufzuzeigen, wie diese heimlichen Herrscher hin zu besagter großer erdumfassender Einheit immer mehr Menschen für ihre Zwecke einspannen.

Der freundlich lächelnde Straßenmissionar der Wachtturm-Gesellschaft an der Ecke, am Bahnhof oder an der Haustür täuscht sich und andere über die bitterböse Wahrheit hinweg, die hinter der Wachtturm-Ideologie steckt.

Den Menschen kurz vor und bald nach dem Jahre 2000 kann es nicht egal sein, wohin diese Welt treibt. Nach Humanismus, Materialismus und Liberalismus steht die Entchristianisierung unserer modernen Welt auf den Fahnen der drei besprochenen Systeme. Es wird nicht allein bei der bisherigen Säkularisierung bleiben, sondern man wird wahrlich nicht »kleinlich« verfahren im Falle eines Sieges. Demjenigen, der sich zu Christus bekennt und sich der herrschenden Doktrin der – allerdings vorübergehenden -Weltherrschaft nicht beugt, wird »kurzer Prozeß« gemacht (Offb 13,13-18).

Was hier besprochen wurde, geht nicht nur den Noch-Zeugen an, sondern auch den Freimaurer und den New-Age-Jünger. Sie können und sollen sich anhand geeigneter Quellen überzeugen, daß sie im Grunde einer Weltgemeinschaft angehören, die als eine weltumfassende, endzeitliche Gesamtbewegung zu verstehen ist.
Auch den zahlreichen Skeptikern biblischer Beweisführung sei es zugemutet, sich mit mir auseinanderzusetzen. Es lohnt sich. Was hier gesagt wird, ist nicht blauer Dunst. Es kann auch dem Fernstehenden zu weiterer guter Erkenntnis dienen.

In einem ersten Buch »Sind Jehovas Zeugen Christen?« (E. Brüning. Verlag Liebenzeller Mission, 1990) ging es bereits um die Durchdringung der drei besprochenen Systeme, die ich als eine ideologische bezeichnen möchte. Dabei sehe ich in der Ideologie eine Kraft, die sich gerne des Verstandes und einer logischen Sprache bedient. Die Ideologie verfährt letztlich auch nicht anders als »die Religionen«. Sie will genauso (geistliche) Bedürfnisse stillen, aber oft in einer anderen »Chiffre« oder in der Sprache eines neuen »Codes«.

 

2. Der »Plan« – seine Bedeutung in den drei Weltanschauungen

Der Begriff »Plan« hat innerhalb dieser Thematik einen spezifischen Sinn. Er ist eine luziferische Intention mit dem Ziel: Weltherrschaft und Einheitsreligion. Der Sachverhalt dieses »Plans« hat deshalb immer weit- und kosmopolitische Konsequenzen.

Unabhängig voneinander sprachen sowohl Illuminaten als auch New Age und Wachtturm-Organisation von einem solchen Ziel. Daher reflektiert jedes System in seiner Zielvorstellung im Grunde den Generalplan Luzifers. Jede Aktivität ist eine inspirierte Operation Luzifers zur Verwirklichung seines Planes: Weltreich im Widerstand gegen Gottes künftiges Friedensreich.

Zur Durchführung seines »Plans« setzt Luzifer funktionelle Organisationen und hochkarätige Personen als Vorreiter ein, wie zum Beispiel den weltberühmten Aufklärer H. G. Wells, einen Vorreiter des New Age. In seinem bekannten Werk »Weltverschwörung – Aufruf zur Weltrevolution« gibt Wells die Marschrichtung an. Sein »Plan« wird von der »Frankfurter Zeitung« laut Buchumschlag wie folgt beurteilt: »Wells . . . entwirft einen genialen Plan zur Schaffung neuer Lebensgemeinschaften . . .«

Darin gibt er klare Direktiven, mit denen sich New-Age-Anhänger identifizieren. Das Endziel, wie es New-Age-Anhänger formulieren, lautet, die Erde für Luzifer in Besitz zu nehmen und einen Weltstaat mit Einheitsreligion unter einem »Messias« zu errichten.

Hierzu H. G. Wells: »Der Weltstaat wird seine eigenen wissenschaftlichen Methoden der Vorbeugung haben müssen, solange es auf unserem Planeten Menschen geben wird, die mit Fahnen, Uniformen und Waffen herumlaufen . . .«  –  »Die wichtigste politische Idee, die politische Strategie, besteht darin, die bestehenden Regierungen zu schwächen, sie sich einzuverleiben oder zu beseitigen.« – Der letzte Satz läßt keinen Zweifel über Wells Weltanschauung aufkommen, ebensowenig wie über seine Inspirationsquellen.

Ähnlich artikuliert ist der »Plan« der Illuminaten. Im Handbuch der Bayrischen Geschichte (Max Spindler, Bd.II) sind Praktiken und Ideen der Illuminaten beschrieben. Dieser freimaurerische Orden pflege Okkultismus, Satanismus und betreibe den Umsturz von Regierungen und Religion sowie Auslösung von Chaos mit Hilfe von Kriegen und Revolutionen, heißt es unter anderem. Den weiteren Darlegungen sei vorausgeschickt, daß ein Großteil der im folgenden verwendeten Hintergrundinformationen über die besprochenen Systeme bekannter Insiderliteratur entnommen sind.

In den nächsten Abschnitten werden die Praktiken und Methoden des »Plans« im Freimaurertum, im New Age und in der Wachtturm-Ideologie beschrieben.  

Der »Plan« im Freimaurertum

Die Durchführung des »Plans« im Freimaurertum erfolgt keineswegs auf organisierte, sondern auf natürliche Weise über die Mitglieder, die in ihren Berufspositionen, in Politik, Wirtschaft, Kunst und Erziehung, ihren Einfluß geltend machen. Das große Ziel ist ihnen vorgegeben: Der Bau des humanitären »Menschheitstempels«, sprich »Neue Weltordnung«, d. h. Aufrichtung einer »Synarchie«, einer Weltordnung unter einer Regierung und einer Religion.

Zitat: »Wie dem auch sei, im Schoß dieser und ähnlicher Geheimgesellschaften wurden die Keime für das gelegt, was man später Synarchie nannte, das heißt, einen einheitlichen Weltstaat mit einer einheitlichen Regierung, die als Gegenkirche geplant sind.« (Athanasius – und die Kirche unserer Zeit, von Bischof Dr. Rudolf Grafer, S.31)

Dazu der aufschlußreiche Kommentar des Freimaurers Yves Marsaudon:

»Wir Freimaurer der Tradition gestatten uns das Wort eines berühmten Staatsmannes zu verdeutlichen und zu akzentuieren, indem wir es den Umständen angleichen: Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Muselmanen, Hinduisten, Buddhisten, Freidenker und gläubige Denker sind bei uns nur Vornamen. Unser Familienname ist Freimaurer.« (Athanasius – und die Kirche unserer Zeit, Dr. Rudolf Grafer, S.40)

Das ist die Maxime des »Planes«, die in dem amerikanischen Staatssiegel in den Worten »Novus ordo seclorum – Neue Weltordnung« ihren Ausdruck findet.

Bereits am 7. Dezember 1988 gebrauchte Gorbatschow den Begriff »Neue Weltordnung« in seiner Rede vor der UNO. Am 25. September 1990 wies Schewardnadse auf die Bedrohung der »Neuen Weltordnung« durch Saddam Hussein hin.

Ende September 1990 meinte Bush, daß in Helsinki die Grundlage für eine »Neue Weltordnung« gelegt werden sollte. Der amerikanische Präsident Bush ist wie sein Vorgänger Ronald Reagan Freimaurer und weiß sehr wohl um die Bedeutung des Begriffes »Neue Weltordnung«.

Neben solchen historischen Fakten freimaurerischer Weltpolitik, die zur Verwirklichung des großen »Planes« beitragen, gehörte auch die Idee des Völkerbundes, die von Hochgradfreimaurern bereits während des ersten Weltkrieges diskutiert und später realisiert wurde. Nachfolgerin dieses Staatenbündnisses wurde nach dem zweiten Weltkrieg die UNO. Beide Institutionen wurden Schrittmacher in Richtung »Neue Weltordnung« (»Die Freimaurer«, E. Lennhoff, S. 460ff. und Intern. Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner, Stichwort »Völkerbund«). Die »Gesetzestafeln« für die Menschenrechte wurden bereits 1789 erstellt. Sie fanden eine Fortsetzung in der UNO-Menschenrechtserklärung. Auch der 1. Artikel der UNO-Charta trägt als Überschrift die freimaurerischen Maximen der Französischen Revolution: Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit.

Zusammenfassung: Der »Plan« im Illuminatentum beziehungsweise Freimaurertum hat den Namen »Synarchie« – neue Weltordnung und Weltregierung mit Einheitsreligion. Das bedeutet ein künftiges totales Kontrollsystem zur Überwachung aller Erdressourcen mit zentral gesteuertem Wirtschafts- und Finanzwesen.

Wie allerdings in dieser »Neuen Weltordnung« die hochgelobten Prinzipien »Humanität« und »Toleranz« gepflegt werden sollen, bleibt völlig offen.

Der »Plan« im New Age

Die New-Age-Strömung ist, wie schon erwähnt, in ähnlicher Weise Schrittmacher für eine neue Weltordnung mit Einheitsreligion. Die Linien und Konturen des »Planes« tangieren die freimaurerische Linie.

Die New-Age-Prophetin A. Bailey äußerte: »Der Plan ist fertig und steht zur sofortigen Anwendung und intelligenten Ausführung bereit; die Arbeiter sind da, und die für das Werk notwendige Kraft entspricht den Erfordernissen.«

»Die Methode der Hierarchie ist die, durch Einzelmenschen und Gruppen zu wirken und darauf hinzuarbeiten, daß geistiges Erkennen und Wissen in einem solchen Ausmaß verbreitet wird, daß die Menschen überall die innere Regierung des Planeten als Tatsache anerkennen werden. Gemeinsam werden sie daran arbeiten, das Reich Gottes zu errichten, hier auf Erden in sichtbarer Form – nicht in ferner Zukunft und in einem vagen Himmel.«

Dazu C. Cumbey in ihrem Buch »Die sanfte Verführung«, S.18: »Der Plan beinhaltet die Einsetzung eines >Messias< sowie die Errichtung einer Weltregierung und einer neuen Weltreligion unter Maitreya. Im einzelnen gibt es zahlreiche politische und wirtschaftliche Ziele . . . Die Ausführung des Plans der Anhänger der New-Age-Bewegung, die Einnahme der ganzen Welt für Luzifer, befindet sich im letzten Stadium.«

Es dürfte wenig bekannt sein, daß die beiden Weltkriege luziferisch inspirierte Konzeption waren. A. Bailey erklärt in ihrer Publikation »Die sanfte Verführung«, S.88: »Die Meister arbeiten in Übereinstimmung mit dem großen Plan, der in der geschichtlichen Vergangenheit der Menschheit entstand . . . ein Plan, der wegen der menschlichen Selbstsucht die grauenvollen Schrecken des Weltkrieges (1914-1945) notwendig machte.«

Ein wahrhaft teuflischer Plan. Die erwähnten »Meister« (Dämonen) inspirierten zu allen Zeiten Männer zu planmäßigen, weltumwälzenden Aktionen wie Kriege und Revolutionen, auch religiöser Art. Ähnlich werden am »Tage Gottes« zur gegebenen Zeit die »Großen Männer« von Satan zu dem Krieg von »Harmagedon« (Offb 16, 13. 16; 17, 17) inspiriert.

Der »Plan« hat im New Age den Namen »Neue Weltordnung mit Einheitsreligion« unter dem Maitreya-Christus. Es ist ein totales Kontrollsystem zur Überwachung aller Erdressourcen und mit einem zentral gesteuerten Wirtschafts- und Finanzwesen. (»Der konziliare Prozeß«, Beyerhaus/v. Padberg).

Der »Plan« in der Wachtturm-Ideologie der Zeugen Jehovas

Die Konturen des großen »Planes«, wie sie im Freimaurertum und im New Age sichtbar sind, werden auch in der Wachtturm-Politik erkennbar. Die Wachtturm-Organisation strebt ebenso wie die anderen beiden Systeme eine neue Weltordnung oder Weltregierung mit Einheitsreligion an.

Nach Aussage der Zeugen Jehovas liegt die Weltherrschaft schon fast in den Händen der Neuen-Welt-Gesellschaft (Wachtturm-Organisation). Sie bezeichnet sich bekanntlich als eine »mächtige Nation«, die die Erde in Besitz nehmen wird. (Wachtturm vom 15.6.1984, S.19).

Deutlich genug liegen die Ziele der Zeugen Jehovas auf politischer Ebene. Die Augenwischerei, propagandistische und subversive Aktionen als »christliche Feldzüge« zu deklarieren, ist der Wachtturm-Gesellschaft bis heute gelungen. Der einzelne Zeuge durchschaut ihre Politik nicht. Er ist manipuliert und zu einem »ideologischen Blindgänger« im wahrsten Sinne des Wortes gemacht worden.

Zu dieser Thematik nehmen die »Vierteljahrhefte für Zeitgeschichte« Stellung. Unter dem Thema »Die Ernsten Bibelforscher im Dritten Reich« schreibt Michael H. Kater, daß die Ernsten Bibelforscher ihre Weltanschauung immer schon für ein politisches Faktum hielten, das zu verkörpern sich alle Mitglieder bemühten. Dazu wörtlich: »Da die Zeugen Jehovas nach 1933 überdies darauf verfielen, ihr staatstheoretisches Weltbild in einer Antithese zum Nationalsozialismus zu konstruieren, war ihnen die Opposition der neuen Machthaber gewiß.«

Dr. K. Hutten bekräftigt diese Feststellung in seiner Schrift »Grübler – Seher – Enthusiasten«: »Folgenschwer war auch die Auffassung, daß in Gestalt der
>Neuen-Welt-Gesellschaft< das zukünftige Königreich Gottes
schon in die jetzige Welt der Nationen hereinragte. Sie (die
Neue Welt-Gesellschaft) ist also nicht nur eine religiöse
Vereinigung, sondern eine neue Nation ( . . .) Sie tritt als die
Nation Gottes in Konkurrenz zu den untergehenden Nationen.«

Die Folgen dieser Selbstdeutung in der Hitlerära sind bekannt. Bis heute hat sich daran nichts geändert: »Das Königreich, dem Jehovas Zeugen in erster Linie die Treue halten, ist tatsächlich eine richtige Regierung . . . diese Regierung hat auch richtige Untertanen, die eine wachsende Nation bilden . . . dieses messianische Königreich wird >die ganze Erde füllen<, nachdem es alle weltlichen Regierungen zermalmt haben wird« (Wachtturm vom 15.6.1984, S.19).

Es ist derselbe Jargon wie bei H. G. Wells, dasselbe Ziel und dieselben Methoden wie im New Age. Der »Plan« heißt in der Neuen-Welt-Gesellschaft: Aufrichtung eines irdischen Paradieses oder Neue-Welt-Regierung – mit Wachtturm-Religion. Ziele, Methoden und Praktiken der drei Systeme sind integriert in den »Generalplan« Luzifers. Nicht nur durch äußerliche Begriffsverwandtschaft, sondern real geistig, ideologisch.

Abschließend noch zwei Thesen, die aufhorchen lassen: Der New-Age-Prophet David Spangler verkündet unter anderem, wer sich weigern würde, den »Christus« (Maitreya/Manifestation Luzifers) anzunehmen, würde auf eine andere Dimension außerhalb jedes körperlichen Daseins geschickt. Das heißt im Klartext, wird aus dem Weg geräumt.

Eine ähnliche Sprache spricht auch die Wachtturm-Organisation und erklärt: »Diejenigen, die keine gerechte Herrschaft wünschen, werden beseitigt werden.« (Wachtturm vom 15.6.1984, S.19).

Die Wachtturm-Schrift »Schriftstudien« (Bd. 7, S.413) bemerkt über jene, die sich nicht unterordnen würden: »Sie werden auf barmherzige Art in einem Nu elektrisch hingerichtet, nicht gequält.«

Danken wir Gott und Jesus Christus schon jetzt dafür, daß Er sein Reich aufrichten wird. Bis dahin allerdings werden noch viele den Verführern zum Opfer fallen. Wir wollen Sie davor warnen.

 

3. Freimaurertum

Über Anfänge und Entstehung der Freimaurerei schreibt Marcel Valmy (Freimaurer) in seiner Dokumentation »Die Freimaurer«, daß die Ursprünge bis ins mystische Dunkel des Mittelalters, in jene Epoche, in der Aberglauben und Rätselhaftes sich zu einer Atmosphäre des Geheimnisvollen vermengten, hineinragen. Freimaurerei fuße wie die Kirche auf alter Tradition.

Ein Kommentar des Einbandes von Valmys Buch erklärt, die Freimaurerei sei eine internationale Bruderschaft, die sich einer humanitären Geisteshaltung und der Toleranz verschrieben habe, über alle Schranken der Religion, der Nationalität, der Rasse oder politischen Anschauung hinweg. Die geistigen Grundlagen und esoterischen Wurzeln gehen sowohl auf Traditionen der antiken – vornehmlich der ägyptischen – Mysterienkulte wie auf religiöses Gedankengut des Alten und Neuen Testaments zurück.

Valmy erklärt im weiteren, die freimaurerische Geisteshaltung sei ein kräftiges »Dennoch«, denn das »Licht leuchte in der Finsternis«, die es niemals besiegen wird. Wörtlich: »Einer trat auf . . . von Gott gesandt. Johannes hieß er. Der kam zum Zeugnis, vom Lichte Zeugnis zu geben. Von ihm entlehnt das Gros der Freimaurerei den Namen. Man spricht von Johannis-Maurerei

Das sind neutestamentliche Denkkategorien. Damit beruft sich die Freimaurerei auf Worte Johannes des Täufers, der vom »Licht« zeugte. Allerdings hat Johannes von Christus als dem Licht gezeugt, das die »Dunkelheit« nicht erfaßt hat. Was meinen die FM für ein »Licht«, das die Finsternis nicht besiegt, wenn sie Jesus Christus gar nicht als dieses Licht akzeptieren? Hier versteht sich das Freimaurertum als das »Licht«.

Die Botschaft und das Anliegen des Freimaurertums ist Aufruf zum Versöhnungs- und Verständigungswerk des Kosmopolitismus, da doch alle Menschen gleichermaßen Brüder seien.

Das ist aber nicht die christliche Botschaft. Der Begriff »Brüder« ist nicht im Sinne Christi zu verstehen, der seine Brüder gerade aus dieser Welt herausrief (Joh 17,14).

Was ist Freimaurertum?

»Die >Freimaurerei< ist ein >öffentliches Geheimnis<, das nicht >verraten< und nicht >erklärt< werden kann. Die Freimaurer meinen, daß es >erlebt werden muß<, und viele von ihnen fügen hinzu, Freimaurerei sei ein Weg und kein Ziel, ja, das Ziel sei der Weg . . .
Stets aber war die Freimaurerei auf eine Emanzipation des Menschen gerichtet, verfuhr nach den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, diente den Prinzipien von Humanität und Toleranz.« (A. Giese, »Die Freimaurer«, S.9)

H. Miers ergänzt Freimaurerei als: »Bruderschaftsbewegung ausgewählter Mitglieder, welche unter Anwendung bildlicher (symbolischer), größtenteils dem Bauhandwerk und der Baukunst entlehnten Formen für das Wohl der Menschheit wirken wollen, indem sie sich und andere geistig und sittlich zu veredeln suchen, um dadurch einen allgemeinen Menschheitsbund herbeizuführen, den sie unter sich im kleinen bereits darstellen . . .
Die freimaurerische Arbeit ist daher keine Frage des Wissens oder Verstehens, sondern ausschließlich des Zuhörern und der Einwirkung von Symbolen, die bei entsprechender Hingabe zuerst das Unterbewußtsein ansprechen und dann den Menschen langsam umformen . . . «

Symbole und Rituale

»Symbole zu erleben und Rituale mitzuvollziehen ist auch nicht jedermanns Sache . . . Ein Symbol ist ein Objekt in seiner höchsten Bedeutung. Nicht jeder Gegenstand kann diese Bedeutung anzeigen . . .

Die gleiche Dreiecksform deutet im kirchlichen, im christlichen Raum auf den dreieinigen Gott, das Dreieck ist sein Symbol: >ein Objekt in seiner höchsten Bedeutung< . . . Die maurerischen Symbole . . . sind keine geheiligten Symbole im religiösen, dogmatischen Sinn; mit Ausnahme des großen Baumeisters aller Welten, dem Symbol für das Unerforschliche – für Gott.«

»Ebenso sind Symbole, an deren Bedeutung man nicht herangeführt wird, ohne Wirkung. Erkannte, erlebte Symbole aber, ebenso wie ernst genommene Rituale, haben, nach Meinung der Freimaurer, die Kraft, auf Dauer zu wirken.« (A. Giese, S.48).

Esoterik

»Als esoterisch wird alles bezeichnet, was sich im Inneren, im Menschen (mit der Maurerei und überhaupt) vollzieht; esoterisch kann und soll die Erörterung und das Erlebnis des Rituals sein, als esoterisch sind Symbole zu betrachten, esoterisch ist dem Maurer das Erfahrbare an seelischen, geistigen, emotionalen Vorgängen; sein stets sich vertiefendes Wissen um Mensch und Welt, verbunden mit der Ahnung des Unerforschlichen.«( (A. Giese).

Exoterik

»Aber schon die Willensbildung, die moralisch-sittlichen Verhaltensweisen, die sich der Maurer auferlegt, sind exoterisch in ihrer Auswirkung. Auch alle Aktivitäten, reale Handlungen. Aktionen, z. B. karitative Maßnahmen, Spenden, Hilfeleistungen . . . Verbesserungen in der Welt. . . können als exoterischer Bereich maurerischer Arbeit bezeichnet werden.«

»Der Maurer versucht Exoterik und Esoterik zu vereinen; was immer er anstrebt, er wird es unter einem ganzheitlichen Konzept tun – oder zu tun versuchen.« – (A. Giese, S.48-53).

Freiheit

»Die Freiheit des Freimaurers gründet sich auf Erkenntnis und Wissen. Deshalb lehnt er jeden Dogmenzwang ab und findet den Begriff seiner Freimaurerei eingeschlossen in den Worten von der Glaubens- und Gewissensfreiheit, die er für sich beansprucht und die er anderen gegenüber nach dem Grundgesetz der Toleranzidee zu üben verpflichtet ist.« (Lennhoff-Posner: Int. Freimaurer-Lexikon, S. 525).

Soweit die freimaurerische Definition und die Absage an Dogmen-, Glaubens- und Gewissenszwang. Damit ist grundsätzlich im Freimaurertum jeglicher Glaubensansicht Tür und Tor geöffnet. Die Loge ist damit Wegbereiter des Synkretismus. Wie lautet dagegen die christliche Definition von Freiheit: Freiheit, die Gott schenkt durch Jesus Christus, ist die Erlösung von Sünde und Tod. Daher konnte Paulus in Galater 5,1 sagen: »Zur Freiheit hat uns Christus befreit.«

Das ist keine durch Wissen und Erkenntnis erworbene Freiheit, sondern es ist jene, über die Jesus Christus zu seinen Jüngern in Johannes 8,36 sagt: »Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.«

Das ist die Freiheit in Christus Jesus, die Gott schenkt – ohne Verdienst, allein aus Gnade. Da aber Gott und Christus im Freimaurertum relativiert werden, wird der Freimaurer diese Freiheit kaum begreifen oder erfahren können. Es sei denn, er sagt sich von den mystischen Riten und Symbolen und deren »Kraftwirkung« los, um sich zu Christus zu bekehren.

Die freimaurerischen Riten und Symbole sind wie eine Droge, der man sich immer und immer wieder bedienen muß, um sie »zu erleben«. Daher ist die freimaurerische »Freiheit« in Wahrheit Unfreiheit und Gebundenheit.

Gleichheit

Die Definition lautet: »Die Gleichheit unter Freimaurern liegt im Brudernamen verankert. In der Loge sind alle Brüder gleich. Das profane Leben setzt seine Unterschiede. Die Loge verwischt bei der Arbeit das Rangverhältnis und will für die Zeit der Vereinigung alle Brüder auf derselben Waagerechten versammeln. Aus dieser Gleichheit in der Loge ergeben sich für den Freimaurer Verpflichtungen für das profane Leben.« (Lennhoff/Posner: Int. Freimaurer-Lexikon, S. 610ff.).

Das Gleichheitsprinzip außerhalb der Loge anzuwenden (d. h. im profanen Leben), bringt seine Probleme mit sich. Das Allzumenschliche hindert uns allzumal daran. Distanz vom Klassendenken mag während des gemeinsam erlebten Rituals möglich sein. Später nimmt »die Welt« den »alten Adam« wieder in ihre Arme. Ethisches Bemühen allein reicht zum »Gleichsein« nicht aus.

Existentielles Gleichsein, von dem die Bibel spricht, kann nur im »Anziehen des Christus« erfolgen. Der Apostel Paulus erklärt dazu treffend im Galaterbrief, Kapitel 3,27ff.: ». . . die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.«

Nicht im feierlichen Ritual des »Schließens der Bruderkette« wird Gleichheit erreicht, sondern ausschließlich »in Jesus Christus«.

Selbst im Freimaurertum wird das Gleichheitsprinzip nicht durchgehalten. Es besteht zum Beispiel absolute Ungleichheit zwischen den sogenannten Blauen und Roten Logen, bedingt durch die unterschiedlichen Erkenntnisgrade.

Valmy bestätigt dieses Faktum selbst. Schon dadurch weist die vielgerühmte »Bruderkette der Gleichheit« eine Unterbrechung auf.

Brüderlichkeit / Bruderschaft

Der Begriff Bruder hat im Freimaurertum, wie in vielen andern Gemeinschaften, seinen Stellenwert. Zuerkennung der Bruderschaft erfolgt in der Loge durch ein besonderes Ritual. Auf den Namen Bruder gründet die im Bunde herrschende Bruderliebe. In der gegenseitigen Bezeichnung als Brüder liegt eingeschlossen ein gesteigerter Grad des Entgegenkommens in allen Lebenslagen durch die anderen Brüder. Und nun folgt ein für Christen bedenklicher Satz: »Eine mehr esoterische Ableitung des Brudernamens geht hervor aus der gemeinsamen >Gotteskindschaft<.« (Lennhoff-Posner).

Ohne überheblich sein zu wollen, von was leiten Freimaurer ihre Gotteskindschaft im Sinne der Bibel ab? Bei einer Relativierung Gottes und seines einziggezeugten Sohnes Jesus Christus, wie im Freimaurertum üblich, kann von Gotteskindschaft keine Rede sein. Deswegen ist auch die Begriffserklärung anfechtbar, die da lautet: »Gotteskindschaft, die Heilslehre, daß alle Menschen Kinder Gottes sind. Die angelsächsische Freimaurerei, insbesondere die amerikanische, vertritt die Auffassung, daß die Gotteskindschaft allein dem Bruderschaftsgedanken lebendigen Inhalt verleiht, daß die Bruderschaft der Menschheit auf die Gotteskindschaft gegründet ist. (. . .) In christlichen Systemen gilt als Ziel des Bundes das Erlangen der Gotteskindschaft durch die Bruderliebe“ (Lennhoff/Posner).

Diese Definition entspricht nicht dem biblischen Verständnis der Gotteskindschaft und ist absolut irreführend, denn die biblische Heilslehre spricht nur von Gotteskindschaft bei erfolgter geistlicher Wiedergeburt. Das dürfte für die gesamte Menschheit kaum zutreffen.

Gotteskindschaft ist unmittelbar verbunden mit der geistlichen Wiedergeburt im Sinne der Bibel. Sie ist Eingliederung in den »geistlichen Organismus des Leibes Christi« (2Kor 5,17). – Johannes 1,12.13 weist auf die Voraussetzung der Gotteskindschaft hin. Und Paulus erklärt es mit den schon erwähnten Worten (Gal 3,26): »Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.«

Hier geht es durchaus um den biblisch dogmatischen Glauben, der im Freimaurertum abgelehnt wird. Das Freimaurertum anerkennt eben nicht die Ausschließlichkeit des biblisch-christlichen Glaubens als die einzige Offenbarungswahrheit zur Erlösung der Menschen.

Toleranz

Die Toleranzidee ist eines der wesentlichsten Postulate des Freimaurertums. In ihm gibt es keine Schranken nationaler, politischer und religiöser Art, wenn man nur guten Willens ist, die Arbeit im Bund dem rein Menschlichen zu widmen.

Man hält es für ratsam, sich zu einer Religion zu verpflichten, in der alle Menschen zu einem gemeinsamen Ja finden. Dadurch würde die Maurerei Mittelpunkt der Vereinigung, wogegen sonst Einzelpersonen auf Distanz bleiben müssen. (Lennhoff/Posner).

Die Religion, zu der sich alle Menschen bekennen, gibt es nicht. Sie aber ist reales Ziel des Illuminatentums (Freimaurer).

Das hat mit der christlichen Botschaft nichts zu tun, sondern ist vielmehr Synkretismus, den Gott hasst. Im Christentum richtet sich alles auf die Person Jesus Christus aus, die jedoch im Freimaurertum relativiert wird. Die biblische Lehre steht im Gegensatz zur Toleranzidee. Denn Christus betont ausdrücklich: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!« Das ist ein veritabler Satz. Daneben gibt es keinen zweiten Weg. Gott duldet neben sich keine anderen Götter. Hier muß Philosophie schweigen und menschliche Erkenntnis sich beugen vor seiner Größe und Allmacht.

 

4. Symbolik und Ritual im Freimaurertum

Um das Freimaurertum in seiner Tiefe zu erfassen, ist eine Kenntnis seiner Symbolik und Riten unerläßlich. Der okkult-mystisch bis religiöse Charakter wird gerne bestritten, weil das Freimaurertum keine Religion sein will. Es gibt durchaus, wenn auch profaniert, biblische Perspektiven, wie aus Lennhoff/Posner unter dem Stichwort »Das Anziehen des neuen Menschen« hervorgeht. Der Abschnitt artikuliert das Mysterium christlicher Wiedergeburt auf freimaurerische Weise.

Zitat: »Der Myste legt ein anderes (vom Alltagsgewand verschiedenes) Kleid an und zieht damit symbolisch einen anderen Menschen (den >neuen Adam<) oder einen anderen Leib an. Der alte Leib stirbt und bleibt zurück. Der Reine und Verwandelte tritt über die heilige Schwelle. Nachher aber tritt der alte Mensch wieder an seine Stelle.«

Das ist mystische Verwandlung, unheilige Irreführung. Die Wiedergeburt nach christlichem Verständnis ist die »neue Kreatur in Christus«, wie sie Paulus in 2 Korinther 5,17 beschreibt. Das ist existentielles neues Leben. Der Freimaurer A. Giese bezweifelt, ob ein Mensch wiedergeboren werden kann. Das sei nicht zu entscheiden. Und weil die christliche Wiedergeburt im Freimaurertum in Frage gestellt oder nicht geglaubt wird, inszeniert man ein esoterisches Ritual, eine profane Nachahmung der geistlichen Wiedergeburt. Das ist eine Verzerrung des Evangeliums.

Ein anderes bedeutsames freimaurerisches Ritual ist die Initiierung in den Meistergrad. Sie ist auf den Mythos des ermordeten salomonischen Tempelbaumeisters Hiram-Abiff hin angelegt, wobei in der Initiation eine mystisch symbolische Auferstehung des Tempelbaumeisters Hiram-Abiff verstanden wird. Ein esoterisches, nur für »Eingeweihte« verständliches Erlebnis.

Bei der symbolischen Logenarbeit werden die bekannten alten Handwerksgeräte der Steinmetze, Winkel, Wasserwaage, Lot und Zirkel benutzt. Weitere Symbole finden sich auf den sogenannten Lehrteppichen. Zum Beispiel das Tetragramm (JHWH) oder das große »G« (für Gott), die Jakobsleiter, der Davidstern (Hexagramm, auch Schlüssel Salomos genannt), der siebenarmige jüdische Leuchter, die beiden Säulen des salomonischen Tempels, genannt »Jachin« und »Boas« usw.

In den meisten Bildkompositionen dominiert das Dreieck mit dem Auge im Mittelpunkt und gelegentlich die Cheopspyramide von Gizeh mit der mystischen Sphinx.

Es liegt im Wesen der Freimaurerei, die Bilder, die als Symbole dienen, zu vergeistigen. Ein Beispiel dafür sind die beiden salomonischen Tempelsäulen. An sich sind sie kein Symbol, sondern tragende Elemente am heiligen Tempel. Begegnen sie uns aber im Freimaurertum, so stehen sie symbolisch für die Charaktereigenschaften »Stärke« und »Festigkeit«, denen der Freimaurer nachstrebt. Sie versinnbildlichen aber ebenso »Gerechtigkeit« und »Wohlwollen«, »die Grundpfeiler der Humanität, auf die der Maurerbund sich stützt«.

Interessant ist, was über Symbol und Ritus zugesagt wird:

»Nach dem Glauben der Mysterienbünde sind die Symbole die Mittler zwischen dem Suchenden und seinem Ziel, zwischen Mensch, Bund und Gott. . . Symbole und Ritus sind der sinnlich-geistigen Natur des Menschen unentbehrlich, sie bedeuten ihm Stellvertretung hoher und höchster Wesenheiten, sie helfen ihm, diese letzten Beziehungen zwischen sich und dem All stufenförmig zu erleben.«

Das ist Mystizismus, der Versuch, mit dem All zu verschmelzen, wie es die Mystiker versuchen, was aber auch in Anthroposophie und im New Age versucht wird. Grundsätzlich besteht auch hier eine Relativierung der Bibel und Verführung zum Okkultismus. Das Symbol bekommt Fetischcharakter.

Paulus erklärt dagegen in 1 Timotheus 2,5 ausdrücklich, daß nur einer Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, der Menschensohn Christus Jesus und keine Symbole.

So sieht der Maurer nicht mehr den Symbolgegenstand an sich, sondern die Verkörperung übernatürlicher Wesenheiten und erfährt, wenn das Symbol oder das Ritual ernst genommen und kultisch erlebt wird, eine auf Dauer wirkende Kraft. (Giese/FM,S.48). Daraus entsteht geistiges Gebundensein. Man liefert sich einer geistigen Macht aus, die nicht neutral ist. Hier berühren wir den Bereich der Magie, den Einfluß dämonischer Mächte, deren Wirkung von Bilder- oder Reliquienverehrung her bekannt ist.

Solche okkulten Bindungen gibt es im New-Age-Kult ebenso wie im religiösen Bereich der Zeugen Jehovas. Ich denke dabei an die Faszination des »treuen und verständigen Sklaven«, die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas, der man eine geradezu göttliche Verehrung zollt. Ich denke aber auch an die kultische Wassertaufe der Zeugen, die eine Initiation in die Organisation bedeutet, von der behauptet wird, sie werde vom Geist geleitet (von welchem Geist?). Hier könnte man von einer Art Versiegelung sprechen.

Daß eine Machtwirkung und Bindung durch Ritual und Symbol erfahrbar ist, kann jeder »Aussteiger« mehr oder weniger bezeugen. Denn sich von seinen kultischen Bindungen zu befreien, kostet oft jahrelangen, beständigen Kampf. Eine totale Befreiung ermöglicht nur das kostbare und starke Blut Jesu. Nur Jesus Christus widersteht den dunklen Mächten, denen heute immer mehr Menschen zum Opfer fallen.

 

5. Das »Vaterunser« der Freimaurer

Folgendes Gedicht ist eine Profanierung des biblischen »Vaterunsers«, eine Vermischung freimaurerischer Ideologie mit biblischen Worten. Die Ethik des Inhalts ist unbestritten, aber Toleranzdenken und Synkretismus der Freimaurer sind deutlich artikuliert.

Die Divergenzen zwischen Freimaurertum und biblischem Christentum sind aus dem Gedicht erkennbar und zugleich unüberbrückbar.

»Ich rufe Dich!
Dem Myriaden Sonnen brennen,
Den tausend Herzen Vater nennen,
Ich rufe Dich! . . .

Wo ist der Name, der die Gottheit nennt?
Ihn jede Zunge anders kennt,
Ich preise Dich!

Ob man Dich Isis, Allah, Bramah heißt,
Wie Dich der Mensch – und wie der Seraph preist:
Ein Name nennt Dich nicht . . .

Zum Demourgos sich der Grieche sehnt,
So feier‘ auch ich, Baumeister aller Welten,
Mit Namen Dich! Du wirst Dein Kind nicht schelten.
Es betet: Geheiligt werde Dein Name! . . .

Halleluja, großer Meister! Deine ew’gen Säulen stehn . . .
Leit auch mich auf sicherm Wege durch der Wogen Element,
Bis ich schaue Dich als Meister in dem großen Orient,
Bis ein J. mir die Tore öffnet, Deines Tempels Hallen,
Wo von nah und fern die Brüder zu dem Sonnenaltar wallen . . .«

Deutlich erkennbar sind die kritischen Punkte, in denen Toleranz, Synkretismus und Mystizismus deutlich zu erkennen sind.

Toleranz: Jede Zunge darf Gott auf ihre Weise bekennen und mit dem ihr bekannten Namen anrufen.

Synkretismus: Es spielt keine Rolle, ob die ägyptische Göttin Isis oder der mohammedanische Gott Allah oder der indische Gott Brahma angerufen wird, immer ist der »Große Baumeister der Welten« gemeint, die Gottheit, die im Freimaurertum alle Götter in sich vereint.

Der biblische Gott offenbarte sich den Israeliten unter dem Namen JHWH, Christen rufen Gott in dem Namen Jesu an. Er ist der einzige und wahrhaftige Gott. Ein Greuel ist es seinen Augen, ihn mit heidnischen Göttern zu identifizieren, wie im Beispiel der israelischen Baalspriester. Es hat Konsequenzen (1.Kön 18,21.39).

Die Zeile: »Geheiligt werde Dein Name!« hat dialektischen Charakter. Welcher Name soll denn geheiligt werden, wenn kein Name (d. h. kein Mensch) den wahren Namen Gottes kennt?

Mystisch-heidnisch: Der große Orient ist eine mystische Analogie des Himmels, ebenso der Sonnenaltar, der an Sonnenanbetung erinnert, hier aber wohl für das »Licht« steht, dem der Freimaurer nachstrebt.

Das Gedicht ist freimaurerische Philosophie. In ihm wird die ideologische Verführung deutlich, wie sie auch im New Age geschieht oder bei den Zeugen Jehovas. Die Lehren und Schriften sind moralisch und ethisch ausgewogen, haben jedoch mit dem biblischen Worte Gottes nichts zu tun.

 

6. Gedanken zu den »21 Freimaurerthesen bis zum Jahr 2000«

Die »21 freimaurerischen Thesen bis zum Jahre 2000« reflektieren die Grundzüge freimaurerischer Philosophie. Aus verständlichen Gründen können an dieser Stelle nur einige Prinzipien behandelt werden, die die freimaurerische Konzeption besonders deutlich machen.

Für den Inhalt der Thesen verantwortlich zeichnen Rechtsanwalt und Notar Gerhard Grossmann und Professor Dr. phil. Alfred Schmid, beide Frankfurt a. M. im Auftrag von Vorstand, Großbeamtenrat und Distriktsmeister der Großloge A. F. und A. M. v. D., Frankfurt am Main. (M.Adler/Kirche u.Loge, S.105).

These 1 lautet: »Philosophische Ideen und Systeme weltanschaulich-religiöser Art, die alleinige Verbindlichkeit beanspruchen können, gibt es nicht.«

Die Behauptung ist kategorisch und ihrem Charakter nach genau das Gegenteil von dem, was sie nicht sein will: nämlich dogmatisch.

Die Geschichte beweist sehr wohl, daß es einen Verbindlichkeitsanspruch in weltanschaulich-religiöser Art gibt, nämlich, wenn sie heilsgeschichtlich verstanden wird. Ein klassisches Beispiel dafür ist Israel in Vergangenheit und Gegenwart. Sein historisch vorhergeschriebener Weg ist in der Bibel nachprüfbar. Damit besitzt die biblische Botschaft sehr wohl Verbindlichkeit.

Weitere Beweise biblischer Prophetie sind die gegenwärtigen politischen und religiösen Weltereignisse. Würde der Freimaurer die Illuminatenpyramide im Lichte der Bibel betrachten, könnte er ihre Symbolik besser verstehen. Denn gerade die metaphysische Aussage über eine künftige »Neue Weltordnung« geht ihrer Erfüllung entgegen, um dann, gemäß biblischer Prophetie, von Gottes Reich unter Jesus Christus abgelöst zu werden. Von daher besitzt die freimaurerische Idee des »Welttempels der Humanität« paradoxerweise durchaus den verpönten Verbindlichkeitscharakter.

Der Christ hat es gelernt, Geschichte biblisch einzuordnen. Geschichte ist für ihn Bestätigung göttlicher Vorhersage. Dadurch haben Bibel und die biblische Botschaft für ihn Absolutheitsanspruch.

Selbst Gott ist entgegen der freimaurerischen Auffassung dogmatisch und warnt vor jeder Art Synkretismus und Synergismus.

Die Ideologie der Freimaurer mit ihrem humanistisch-toleranten Denken führt von der Anerkennung der Souveränität und des Absolutheitsanspruchs dieses geoffenbarten Gottes weg, hin zu anderen Göttern, hin zu eigenen Meinungen bis hin zum Selbsterlösungsstreben. Der Toleranzgedanke relativiert Gott und sein Wort. Daher könnte ein entschiedener Christ niemals Freimaurer sein. In den sogenannten »Alten Pflichten«, einer Art Grundgesetz der Freimaurer, wird der Toleranzgedanke wie folgt formuliert:

a. »So hält man es jetzt für ratsam, sie (d. h. die Maurer) bloß zu der Religion zu verpflichten, in welcher alle Menschen übereinstimmen, und jedem seine Meinung zu lassen . . .«

b. »Denn wir gehören als Maurer bloß zu der oben angeführten allgemeinen Religion, auch sind wir von allen Nationen, Zungen und Sprachen.«

c. »Zwei Grundsätze bezeichnen vor allem unser Streben: Gewissensfreiheit und Duldung . . .«

zu a) Es gibt keine Religion, in der alle Menschen übereinstimmen. Höchstens in der »Freimaurer-Religion« mit ihrer Toleranzidee, die den Ausspruch des Freimaurers Friedrich des Großen akzeptiert: »Jeder soll nach seiner Fasson selig werden«.

Unter dem Toleranzaspekt können sich natürlich die »Götter« aller Religionen tummeln und in »Einheit« den »Großen Baumeister der Welten« verehren. Diese widergöttliche, synkretistische Konzeption steht gegen Gottes Gebot, keine anderen Götter neben ihm zu haben.

zu b) Das Freimaurertum bekennt sich weltweit zu der oben erwähnten »Toleranz-Religion«. Im Grunde ist das eine Reaktion auf die Dogmatik eines desolaten Kirchenchristentums im Zeitalter der Aufklärung. Trotzdem finden sich in der freimaurerischen Ritualisierung eine Menge profaner Aspekte mit biblisch-religiösen Akzenten.

zu c) Freimaurerische »Gewissensfreiheit« entspricht der »Freimaurer-Religion« und umgekehrt. Christliche Gewissensfreiheit dagegen heißt Leben in und mit Christus. Heißt Hingabe und Liebe zu Gott, zu seinen Gesetzen und Geboten. Wenn ohne biblisch-göttliches Gesetz und Dogma gedacht und gehandelt wird, kommt es zu einem Individualismus, der schließlich besagt: »Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz« (A. Crowley).

Ein abschließender Kommentar gilt der 20. These der Freimaurer: »Die Freimaurerei hütet sich davor, in den letzten philosophischen Grundfragen dogmatische Positionen zu beziehen. Unkritischer Idealismus kann leicht zu selbstgenügsamer Weltentrückung führen, blanker Materialismus birgt die Gefahr der Vereinfachung in sich. Die Materie mag denkfähig sein; wie sie aber denkt, verrät sie uns nicht.«

Eine absolut indifferente Aussage. Man hütet sich vor einer dogmatischen Stellungnahme, warnt aber zugleich vor Kritiklosigkeit und Krudität und gesteht der Materie eventuelle Denkfähigkeit zu. Das letztere ist zweifellos ein materialistischer Denkansatz.

Sicher, jeder weiß, absolute philosophische Schlüsse zu ziehen ist schwierig. Viele Fragen zu unserem modernen Weltbild müssen unbeantwortet bleiben. Gültige, schlüssige Antworten auf unsere Fragen gibt jedoch der Gott der Geschichte in seinem inspirierten Wort, der Bibel.

Das Freimaurertum ist, zusammenfassend gesagt, eine Ideologie mit moralischer und ethischer Konzeption, eine Weltanschauung, die das Christentum tangiert und stellenweise auch in Anspruch nimmt (Vokabular, Themengegenstände etc.), letztlich aber im Tempelbau der Humanität das Reich Gottes als ein idealistisches, innerweltliches versteht und interpretiert. Von daher ist Freimaurertum als antichristliche Ideologie zu verstehen.

 

7. Der Illuminatenorden

In der Aufklärungszeit entstand außer den freimaurerischen Bünden und Brüderschaften eine sehr wirksame, antikirchliche Vereinigung – der Illuminatenorden. Er wurde 1776 von dem Professor für Kirchenrecht, Adam Weishaupt, in Ingolstadt gegründet.

Die Besonderheit dieser Geheimgesellschaft war ihr starker Einfluß auf Kirche und Gesellschaft.

Die folgenden Darlegungen sind der gekürzten Schrift von Dr. Graber, Dozent für Kirchengeschichte und Bischof von Regensburg, in »Reich Gottes oder Weltgemeinschaft«, entnommen. (P. Beyerhaus/W. Künneth, S. 206).

Demnach gibt es eine Art freimaurerisches Prinzip: »Die Freimaurerei macht nicht die Revolution; sie bereitet sie vor und setzt sie dann fort.«

Die französische Revolution ist dafür ein einmaliges Beispiel. Die Einflußnahme des freimaurerischen Illuminatenordens darauf ist historisch belegt. »Wie dem auch sei, im Schoß dieser und ähnlicher Geheimgesellschaften wurden die Keime für das gelegt, was man später Synarchie nannte, das heißt einen einheitlichen Weltstaat mit einer einheitlichen Regierung, die als Gegenkirche geplant ist. Doch davon später. Jedenfalls stellt die Französische Revolution ein wichtiges Glied im luziferischen Plan dar.« (Dr. R. Graber, S. 200).

Dr. Graber zitiert aus dem Werk des Freimaurers Y. Marsaudon, das mit einer Widmung an Papst Johannes XXIII. versehen war, folgendes: »Wir Freimaurer der Tradition gestatten uns das Wort eines berühmten Staatsmannes zu verdeutlichen und zu akzentuieren (transposer), indem wir es den Umständen angleichen: Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Muselmanen, Hinduisten, Buddhisten, Freidenker und gläubige Denker sind bei uns nur Vornamen. Unser Familienname ist Freimaurerei.«

Damit ist eigentlich alles gesagt.

Die Mittel, die von den Illuminaten eingesetzt wurden oder werden, um die angestrebten Ziele zu erreichen, beschreibt das »Handbuch der bayrischen Geschichte«, (Bd.II, München,1966, S.1028): »Am 1. Mai 1776 wurde in Ingolstadt der Orden der Illuminati von Adam Weishaupt gegründet . . . unter dem Deckmantel der Münchner Freimaurerloge wurden okkulte Praktiken geübt. . . Dieser als atheistische Institution gestiftete Orden der Illuminati pflegte nicht nur Okkultismus und Satanismus, sondern verfolgte auch politische Ziele:

1. Den Umsturz der Regierungen und Religionen, besonders des Christentums;
2. Die Auslösung eines Chaos mit Hilfe von Revolutionen und Kriegen, um dann selbst die Macht zu ergreifen und eine Weltherrschaft mit Satanismus als verbindliche Staatsreligion aufzubauen.
Mitglieder seines Ordens wurden zum Beispiel Voltaire, Mirabeau, Robespierre . . . Die wichtigsten Strömungen, die aus der Gedankenwelt der Illuminati mit ihrem Satanismus und daher Gottes- und Christenhaß hervorging, sind der Kommunismus, der Anarchismus, der Nationalsozialismus und der Faschismus.«

Ein wahrhaft luziferischer Plan. Darüber hinaus finden sich ähnliche Dokumente in der Schrift von Pierre Virion in »mystere d’iniquite«, die Dr. Graber in seiner Publikation erwähnt:

»Pierre Virion vor allem gebührt das Verdienst, auf diese Geheimgesellschaften in seinen Schriften aufmerksam gemacht zu haben. Wenn man nur einen Bruchteil dessen liest, was Virion aus all den heute so ziemlich verschwundenen Schriften der geheimen Wortführer zusammengetragen hat, so ist man überrascht, erstaunt und entsetzt (. . .) daß alle diese destruktiven Gedanken insgeheim auf ein einheitliches Ziel ausgerichtet sind, nämlich die Gegenkirche oder die >neue< Kirche zu schaffen. (. . .) Es handelt sich hier um die Summe von Geheimmächten aller >Orden< und Schulen, die sich zusammengetan haben, um eine unsichtbare Weltregierung zu bilden.«

Dieser Kommentar reflektiert geradezu den symbolischen Inhalt des Illuminatensiegels der amerikanischen Ein-Dollar-Note. Die Pyramide mit dem allgegenwärtigen Auge, der »Erleuchtung« durch die »reine Doktrin Luzifers«, den Segensworten, daß unter dem Allgegenwärtigen Auge das Werk weitergeht beziehungsweise gelingen wird, und schließlich die Worte unter der Pyramide »novus ordo seclorum« – neue Weltordnung, beides ist als Symbol im Sinne freimaurerischer Esoterik »ein Objekt in seiner höchsten Bedeutung« (A. Giese, S. 47).

Dieses Symbol signalisiert auf solche Weise täglich vielen Millionen Menschen, bewußt oder unbewußt, den »Plan« der Illuminaten – die »Neue Weltordnung«.

Heute ist dieser Begriff in aller Munde, vom Politiker bis zum Mann auf der Straße. Zufall? Presse, Rundfunk und Fernsehen signalisieren diesen Begriff längst und nehmen damit Einfluß auf die Meinungsbildung des Publikums. Hierzu ein abschließender Kommentar aus:

»Eine Punktation als Orientierungshilfe, AKV Informat. Wien, Nr. 1/1989. Prantner. Über das gegenwärtige >Denken und Handeln der Hochgradfreimaurer< wird gesagt: >Ihr Einfluß reicht in die internationale Staatenwelt, weltpolitische Organisationen, vor allem aber in das Geistesleben von Kunst und Erziehung und Unterricht, in die Welt der Funk- und Printmedien, seit etwa 20 Jahren in die archaische, neubelebte Sphäre von Naturreligionen, die sich zu Sekten formieren und Menschen aller Standes-, Berufs- und Lebenskreise mit der Sinnfrage der menschlichen Existenz konfrontieren und magisch-rituelle Lösungen anbieten. Im Bereiche der industriellen Wirtschaft, der freien akademischen Berufe sowie unter Hochschullehrern, Philosophen, Juristen und Ärzten sowie Bankiers und der hohen Beamtenschaft finden sich zahlreiche blaue Maurer, die >im geheimen< auch in roten Perfektionslogen arbeiten.«

Ein treffender Satz Valmys hierzu lautet (in »Die Freimaurer«, S. 26), man könne zu allem eher sagen, die Geister, die die Freimaurerei rief, wurde sie nicht mehr los. Dieser recht offene Kommentar eines Freimaurers sagt einem Insider genug. Eine Einflußnahme auf die Entwicklung der Französischen Revolution kann kaum in Abrede gestellt werden. 

Illuminatische Prinzipien und Begriffe

Wie und wo bestehen Berührungspunkte oder Übereinstimmungen zwischen Illuminatentum und Jehovas Zeugen? Zunächst rein äußerlich in der Anwendung gleicher Begriffe, gleicher Zielsetzung und Moralität.

Ein Begriffsbeispiel: »Neue Welt«. Das Wort erfährt eine Bedeutungserweiterung wesentlich in der Weltpolitik, wie »Neue Welt«-Ordnung oder »Welt«-Wirtschaftssystem usw. Das Wort ist also mehr oder weniger ein Inbegriff ideologischen Denkens, dessen Ziel eine »Neue-Welt«-Regierung oder »Neue-Welt«-Ordnung ist.

Das Illuminatentum signalisiert die Worte »Neue Welt« in der Pyramide mit dem Begriff »novus ordo seclorum« – »Neue Weltordnung«. Wo implizieren den Begriff Zeugen Jehovas? Zunächst in ihrer Selbstbezeichnung »Neue-Welt«-Gesellschaft. Mit welcher Begründung nennen sie sich so?

Nach ihrer Lehre existiert seit 1914 der »neue Himmel« und seit 1919 die »neue Erde« – für sie ein »Neues Welt«-System. Teil dieses von Jehova bewirkten Systems ist die »Neue-Welt-Gesellschaft« der Zeugen Jehovas. Ihre Führung versteht sich faktisch als »Neue-Welt«-Regierung, stellvertretend für Jesus Christus.

Die willkürliche Organisationsbenennung »Neue-Welt«-Gesellschaft deutet auf ihr Ziel und ihre Selbsteinschätzung. Ebenfalls zu ihrem Repertoire gehört der Begriff »Neue-Welt«-Übersetzung. Das ist eine Bibel, die für die ideologischen Ziele der »Neuen-Welt«-Gesellschaft zugeschnitten ist. Die Beispiele könnten fortgesetzt werden. Verbale Übereinstimmungen zwischen Illuminatentum und der Wachtturm-Ideologie bestehen offensichtlich.

Andere Berührungspunkte beider Systeme sind Regeln und Prinzipien. Maxime des Illuminatenordens waren Gehorsam und Ergebenheit, wie sie im Grunde aber nur Gott zustehen.

Nach denselben Prinzipien wird die »Neue-Welt«-Gesellschaft der Zeugen Jehovas heute noch geführt: absoluter Gehorsam, Ergebenheit und totale Hingabe an die Organisationsführung.

Hierzu weitere Schriftbeispiele aus der bekannten Illuminatenschrift »Das verbesserte System der Illuminaten« von Adam Weishaupt (M. Weishaupt, Bd.1, 1787), und aus diversen Schriften der Zeugen Jehovas: »Wir fordern Unterwürfigkeit und Gehorsam . . . weil wir Führer sind durch unbekannte Länder und Gegenden; weil man uns Einsicht und Erkenntnis zutraut und solche von uns erwartet.« (M. Weishaupt, Bd.1, S.76),

»Es ist gebieterische Pflicht. . . mit der Neuen Weltgesellschaft Schritt zu halten . . . weil sie nun bald ihre Glieder durch den Krieg von Harmagedon . . . in eine heile Welt führen wird.«… Indem wir Gott ehren . . . daß wir seine von ihm gebilligte Organisation hingebungsvoll anerkennen.« (Wachtturm 1956, S. 464).

»Wir fordern, daß alle Beförderungen von uns allein abhängen. Wir allein können wissen, wer so ist, wie wir ihn brauchen . . . Jeder, der über verzögerte Beförderung murrt, dessen Absichten sind unrein.« (A. Weishaupt, S.80).

»Auch müssen wir Demut offenbaren und dürfen nicht daran denken, uns selbst zu befördern.« (Wachtturm-Schrift: Erwachet, 1. September 1982, S.25).

»Du sollst wissen, hören, lesen, um sodann zu tun.« (A. Weishaupt, S.81).

»Wenn wir Jehova und seine Organisation lieben . . . werden wir . . . alles glauben . . . was der Wachtturm darreicht.« (Wachtturm-Schrift »Zum Predigtdienst befähigt«/156).

Die Beispiele sollten genügen, nachfolgend aber noch eine Reihe Wachtturm-Zitate, die den absolutistischen Charakter der Wachtturm-Organisation aufzeigen. Bei ihrer Mißachtung erfolgt der Ausschluß aus der Gemeinschaft.

»Es kann nicht zu sehr betont werden, daß wir die theokratische Organisation Jehovas erkennen müssen. Wenn das Leben eines Menschen von einer bestimmten Handlungsweise abhängig ist, sollte er ihr mit Freuden folgen, selbst wenn sie, weil er sich demütigen muß, seinen Stolz verletzt. Das gilt besonders in bezug auf die Anerkennung der theokratischen Organisation und ihrer Art des Wirkens unter der Hand Gottes.« (Wachtturm, 1.11.1954, S. 656).

»Indem wir Gott ehren und ihm dadurch die höchste Achtung erweisen, daß wir seine von ihm gebilligte Organisation hingebungsvoll anerkennen, werden wir in einem glücklichen, erfreulichen Verhältnis zur Organisation bleiben und uns mit ihr jetzt vieler Dienstvorrechte erfreuen.« (Wachtturm, 1. November 1954, S. 699).

»Es ist gebieterische Pflicht, daß jene, die in der neuen Welt der Gerechtigkeit zu leben wünschen, mit der »Neuen-Welt-Gesellschaft« Schritt halten. Warum? Weil sie nun bald alle ihre Glieder durch die größte Drangsal, den Krieg von Harmagedon, sicher hindurchbringen und sie in eine neue, heile Welt führen wird, die Gott schafft und in der sich die Menschheit des ewigen Friedens, der Wohlfahrt und des Glücks erfreut.« (Wachtturm, 1956, S. 484).

»Nur diese Organisation wirkt im Interesse des Vorhabens Jehovas und zu seiner Lobpreisung. Nur für sie ist Gottes heiliges Wort, die Bibel, kein versiegeltes Buch. Wahre Christen schätzen es daher sehr, mit der einzigen Organisation auf der Erde verbunden zu sein, die die tiefen Dinge Gottes versteht.« (Wachtturm, 1.10.1973, S. 593).

»Daher ist der Wille des Sklaven der Wille Jehovas. Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott.« – »Gottes Wort, die Bibel, ist ein Buch, das Organisation lehrt. Es veranlaßt und ermutigt uns auf jegliche Weise, die theokratische Organisation dem eigenen Ich voranzustellen, sie anzuerkennen und sich durch dick und dünn loyal an sie zu halten.« (Wachtturm, 1.11.1954, S. 668).

»Folglich ist die Bibel ein organisatorisches Buch und gehört der Christenversammlung als Organisation, nicht irgendwelchen Einzelpersonen, sie mögen noch so aufrichtig glauben, sie könnten sie auslegen. Aus diesem Grunde kann die Bibel getrennt von der sichtbaren Organisation Jehovas nicht richtig verstanden werden.« (Wachtturm, 15.1.1968).

Ein Generalpostulat

»Offensichtlich kann eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen nicht lediglich auf einem Glauben an Gott, an die Bibel und an Jesus Christus beruhen . . . Eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen erfordert, daß man die Gesamtheit der wahren Lehren der Bibel akzeptiert, einschließlich jener biblischen Glaubensinhalte, die nur Jehovas Zeugen vertreten.« (Wachtturm, 1.4.1986, S. 31).

Mit diesem Postulat werden Gott, Jesus Christus und die Bibel relativiert.

8. »Jehova« – das wiedergefundene Meisterwort

Zum Verständnis des Begriffs »wiedergefundenes Meisterwort« gehört ein kurzer Abriß der Freimaurerlegende von der Ermordung Hiram-Abiffs, des legendären Baumeisters des Salomonischen Tempels.

Die Legende berichtet, daß Hiram-Abiff von drei Gesellen erschlagen wurde, die aus egoistischen Gründen in den Besitz des Meisterwortes, dem Paßwort des Tempelbaumeisters, kommen wollten. In seiner Bedrängnis, unmittelbar vor seinem Tod, riß Hiram das goldene Dreieck mit dem Meisterpaßwort von seinem Hals und warf es, damit es den Mördern nicht in die Hände fallen sollte, in ein Gewölbe. Auf der Suche nach Hirams Leiche entdeckte man das Gewölbe und fand darin das goldene Dreieck mit dem Meisterwort: Jehovah.

Das Freimaurertum benutzt den Begriff Jehova auch in Form des Tetragramms in ihren Lehrteppichen. Unter diesem »Paßwort« sollen der Menschheitstempel und die »Neue Weltordnung« gebaut werden. Symbolhaft ist dieser Aspekt in dem amerikanischen Siegel auf der Dollarnote in Form der Pyramide dargestellt.

Auch Jehovas Zeugen versuchen auf ihre Weise, unter dem Namen »Jehova« an einem Menschheitstempel, einer »Neuen Weltordnung«, zu arbeiten. Da der Name Jehovah in beiden Weltanschauungen eine geradezu mystische Rolle spielt, sollte beachtet werden, daß das hebräische Tetragramm seine biblisch-historische Erfüllung bereits hatte. Daher findet auch eine Anrufung Gottes mit dem Namen Jehova in der christlichen Botschaft nicht mehr statt. Biblisch-historisch gesehen, hatte das Tetragramm (JHWH) seinen Stellenwert ausschließlich im Alten Testament.

Obwohl es fast 7000mal in den hebräischen Schriften erscheint, lehrte Jesus seine Nachfolger, Gott weder mit Jahwe noch mit Jehova anzureden. Es gibt keinen Beweis dafür, daß Christus seinen Vater je mit diesem Namen angeredet hätte. Für ihn und seine Nachfolger war Gott der Vater und wurde mit »Abba – lieber Vater« angeredet.

Freimaurern sollte es jedoch zu denken geben, daß die Hiram-Legende in die Zeit Salomos hineinspielt und zu dieser Zeit der Name Jehova in der vorliegenden Vokalisierung kaum auf Hirams goldenem Dreieck gestanden haben konnte. Denn frühestens um 1270 n. Chr. wurde die Vokalisierung Jehova von dem spanischen Franziskanermönch Raimundus gebraucht, und um 1500 n. Chr. in der gleichen Form von dem Franziskanermönch Galatin.

 

9. Ch. T. Russell – vom christlichen zum freimaurerischen Denken

Als Ch. T. Russell, Gründer der Wachtturm-Gesellschaft, seinen christlichen Hintergrund verlassen hatte, begann er ein eigenes Lehrgebäude zu errichten. Seine Botschaften und »Prophezeiungen« sind nichts Originäres. Sie sind mehr oder weniger ein Kaleidoskop bereits vorhandener Anschauungen, Lehren oder Theorien. Seine Thesen weisen aber bald freimaurerischen Einfluß auf. Seine Proklamationen verhießen: Ein goldenes Zeitalter, ein irdisches Paradies, keine Hölle, alle Menschen werden auferstehen zu einem neuen Leben usw.

Die Darlegung soll keine Schmälerung des Menschen Russell sein, denn im Grunde war auch er, wie viele aufrichtig Suchende, ein Opfer der Verführung. Russell beschreibt den Einflußmoment seines geistlichen Umdenkens selbst recht genau:

»Der Anfang unserer Erzählung fällt in das Jahr 1868, in welcher Zeit der Verfasser (von Zions Watch Tower), der schon seit einigen Jahren ein geweihtes Kind Gottes und ein Glied der Kongregationalisten-Kirche sowie des Christlichen Vereins junger Männer war, anfing, hinsichtlich des Glaubens an manche Lehren, die man seit langem für wahr gehalten, erschüttert zu werden.
Als Presbyterianer erzogen und in dem Katechismus unterrichtet, wurde ich. . . gar schnell eine Beute der Vernunftlehre des Unglaubens, sobald ich anfing, selbständig zu denken. Doch das, was zuerst ein völliger Schiffbruch des Glaubens an Gott zu werden drohte, wurde unter Gottes Vorsehung zum Guten gewendet, und so erlitt nur mein Vertrauen zu menschlichen Glaubensbekenntnissen und Systemen der falschen Bibelauslegung Schiffbruch . . . Anscheinend durch einen Zufall geriet ich eines Abends in ein staubiges, schwärzliches Versammlungslokal in Allegheny, Pa. . . . Dort hörte ich erstmals etwas über die Ansichten der Adventisten (Second Adventists), und zwar von Jonas Wendel. Bald begann ich zu erkennen, daß wir irgendwie nahe vor dem Schluß des Evangeliumszeitalters lebten . . . Wir erkannten . . . wie alle aus dem Grab aufgeweckt werden müssen . . . dies als Wiederherstellungswerk, von welchem in Apostelgeschichte 3,21 die Rede ist.« (Wachtturm-Gesellschaft: Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S.14).

Russell geriet mit etwa 18 Jahren, während einer Glaubenskrise, an eine Splittergruppe der Adventisten. Noch in der Zeitschrift »Wachtturm« 1907 spricht Russell von seinem Freund Jonas Wendel. Etwa um 1870 begann er eine eigene Bibelstudiengruppe aufzubauen und driftet wenig später unter dem Einfluß eines anderen Splitteradventisten, N. H. Barbour, ins »prophetische Sektierertum« ab. (Franz, R.: Der Gewissenskonflikt, S.142).

Mit 29 Jahren (1881) gründete er die »Zions-Wachtturm-Traktat-Gesellschaft«, um seine Schriften drucken und verbreiten zu lassen. »Prophezeiungen« nehmen einen breiten Raum in seinen Publikationen ein. Er selbst besaß weder bibelwissenschaftliche Vorbildung noch Kenntnisse der hebräischen und griechischen Sprache. Das lediglich als Feststellung, die in seinen Darlegungen manches entschuldigt. Seine Selbsteinschätzung und der Erwählungsglaube sowie der Glaube an seine »prophetische Gabe« waren beachtlich. Hierzu ein Zitat:

»Es ist wahr, es heißt große Dinge erwarten, wenn man behauptet, wie wir es tun, daß in den kommenden sechsundzwanzig Jahren alle gegenwärtigen Regierungen gestürzt werden . . . betrachten wir es als feststehende Wahrheit, daß das schließliche Ende der Reiche dieser Welt und die volle Herrschaft des Königreichs Gottes um 1914 vollzogen sein wird.« (Wachtturm-Gesellschaft: Schriftstudien, Bd.2, S.99).

Sehr viel später, erst etwa um 1931, mußte die WTG (Wachtturm-Gesellschaft) bekennen: »Das ganze Volk des Herrn blickte dem Jahre 1914 mit freudiger Erwartung entgegen. Als diese Zeit gekommen und vorübergegangen war, da bemächtigte sich seiner große Enttäuschung, Kummer und Traurigkeit, weil er so viel über 1914 ausgesagt hatte, was da alles geschehen werde, und seine Prophezeiungen sich nicht erfüllt hatten.« (WTG: Licht, Bd.1, S.199).

Schon bald stand Russell mit seinen unbiblischen und ideologischen Anschauungen den christlichen Konfessionen konträr gegenüber. Seine Aversion gegen die Kirchen entsprang mehr oder weniger dem Einfluß freimaurerischer Ideologie. Vorbilder mögen die Illuminaten und Freimaurer wie A. Pike und Mazzini gewesen sein. (Queensborough: Occult Theocracy, Bd.1, S.539).

 

 10. Russells freimaurerisches Symbolverständnis

Die Lehren und Schriften Russells waren in Wort und Bild freimaurerisch pointiert. Seine allegorischen Umdeutungen sind eine Mixtur aus biblischer Thematik und freimaurerischer Symbolik. Bei dieser Feststellung ergibt sich folgende Frage: Kann man die geistige Einstellung einer Person aufgrund ihres Milieus, gewisser Äußerlichkeiten wie Reden und Wortschatz erkennen? Wir würden sagen: vordergründig ja.

Zum Beispiel: Wenn sich jemand ein Kreuz an die Wand hängt, über die Bibel spricht und biblische Vorträge hält, darf man annehmen, daß man es mit einem Christen zu tun hat.

Wenn sich eine Person das Kreuz-Krone-Emblem des freimaurerischen Tempelritter-Ordens in seinem Büro an die Wand hängt, den Sonnendiskus, Symbol der Hochgradfreimaurer auf seinen wichtigsten Publikationen in Goldprägedruck anbringen läßt, Gott nach freimaurerischer Auffassung als »Großen Baumeister der Welten« tituliert, den Tempel Gottes allegorisch umdeutet als Pyramide im Sinne der Freimaurer, sich dabei auf die Pyramide von Gizeh beruft, die Gemeinde Jesu einen geheimen Orden nennt, Jesus Christus als den Großen Meister Freimaurer bezeichnet oder als größten Tempelritter, die »144.000« (Offb 7,4) zu Tempelrittern erklärt, sich selbst als freien Freimaurer bezeichnet, darf man hier annehmen, daß man es mit einem Freimaurer zu tun hat?

Das Kreuz-Krone-Emblem

Das Kreuz-Krone-Emblem ist ein Symbol des Tempelritter-Ordens. Benutzt wird es auch von den beiden okkulten Gemeinschaften »Christliche Wissenschaft« und »Adyar-Theosophie«. »Die »Adyar-Theosophie« (eine Philosophie aus Christentum, Buddhismus und Gnosis) bildete das Symbol unter anderem auf der Titelseite ihrer Zeitschrift »Auf dem Wachtturm« ab. Russell plazierte das gleiche Symbol auf der Titelseite seiner Wachtturm-Zeitschrift. Daher ähnelten sich äußerlich beide Publikationen. Allerdings wurde das Kreuz-Krone-Emblem nach 1930 von den »Wachtturm«-Titelseiten entfernt.

Russell verwendete das Kreuz-Krone-Emblem als Wandschmuck in seinem Büro, auf Wachtturm-Titelseiten, am Bug der Lokomotive bei der Transcontinental-Tour 1913, bei der Pyramide an seinem Grab uam.

Bekanntlich fand nicht nur die »International Biblestudents Convention« in Freimaurersälen unter dem Kreuz-Krone-Emblem statt, sondern selbst noch aus den 1970er Jahren wird berichtet, daß Zeugen Jehovas die Freimaurerhallen als Treffpunkt und Veranstaltungsort für ihre Vorträge bevorzugten. Wieso gerade dort?

Das Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1973 schreibt: »Bis zum Jahre 1901 war die Gruppe in Glasgow, die zuerst in Schwester Ferries Wohnung zusammenkamen, für die Räumlichkeiten zu groß geworden und verlegte ihre Zusammenkünfte in die Freimaurersäle.«

Das Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1976 schreibt: »Unterdessen hielt Bruder Johnston in Durban regelmäßig jeden Sonntagabend biblische Vorträge im Freimaurersaal, Smith Street.«

Das Einverständnis zur Benutzung der Logenräume durch die Wachtturm-Gesellschaft weist auf gemeinsame Interessen hin. Von diesem Hintergrund her ist Russells Propagierung des Kreuz-Krone-Symbols verständlich. Auf jeden Fall ist eine Identifizierung mit Freimaurertum unverkennbar.

Die letzte Platzierung dieses Symbols erfolgte an einer heidnischen Miniaturpyramide, die man an Russells Grab aufgestellt hatte. Das zeigt, daß Russell das Freimaurersymbol höher schätzte, als das christliche Kreuz, das Symbol für Tod und Auferstehung Jesu Christi.

Der ägyptische Sonnendiskus auf Russells Publikationen

Sonnendiskus nennt man die geflügelte Sonnenscheibe, ein altägyptisches Symbol des Gottes Horus. Man findet es zumeist über Türen und Toren der Tempel zur Abwehr des Bösen. Eine Sage lautet, daß Horus in Gestalt einer Sonne mit bunten Flügeln seinen Widersacher Set bei der Stadt Edfu besiegt habe (MEYERS-Lexikon).

Fritz Springmeier schreibt (Springmeier, F.: The Watchtower & The Masons, S.113), daß die geflügelte Sonnenscheibe von den 33-Grad-Freimaurern als Symbol benutzt wird und daß allein sie die Bedeutung kennen. Der Sonnendiskus spielt als Symbol in okkulten Weltanschauungen sowie in der Magie eine Rolle. Man findet ihn daher sowohl auf der theosophischen Schrift »Theosoph« als auch auf dem Titel der Schrift »Orden vom Rosen-Kreuz (AMORC), Die Kathedrale der Seele«, S. 57.

Der Diskus ist das Symbol der ägyptischen Trinität Osiris, Horus und Isis. Über der Opferszene auf einer ägyptischen Stele ist der Sonnendiskus abgebildet. Die Stele befand sich im Besitz des Satanisten A. Crowley und wird heute im Gebäude der OT-Anhänger in Zürich aufbewahrt.

Daß Russell nichts von dem Sinn, der Bedeutung und Herkunft dieses Symbols gewußt hätte, kann kaum angenommen werden. In seiner umfassenden Bibliothek gab es zweifellos darüber genügend aufklärende Schriften. Die Verwendung des Sonnendiskus signalisiert seine Verbindung zur Freimaurerei ebenso, wie die Verwendung des freimaurerischen Kreuz-Krone-Emblems des Tempelritter-Ordens.

Es hätte Bibelchristen fragend machen müssen, als bei der Zweitauflage der sechs Bände »Schriftstudien« auf den Titelseiten plötzlich das Symbol der ägyptischen Trinität, der »Sonnendiskus« abgebildet wurde. Ausgerechnet auf den Schriften, von denen Russell behauptete, sie seien »der lang verlorene Schlüssel zur Erkenntnis, der dem gläubigen Volk Zutritt zu dem verborgenen Geheimnis gebe«. Was waren das für Geheimnisse?

Hierzu zwei Zitate aus dem 3. Schriftstudienband, welche das »Geheimnis«, den Zeitpunkt des Beginns der »großen Drangsal« mittels ominöser Zahlenexperimente darzulegen versuchten. Die beiden Zitate sind der fast in Vergessenheit geratenen »Pyramidenlehre« entnommen:

»Und ferner sehen wir, daß diese Vorratskammer (die Pyramide/Verf.) der Erkenntnis . . . absichtlich versiegelt gehalten worden ist. . . und daß ihr großer Baumeister wußte, daß ihr Zeugnis notwendig werden würde . . .«

»Wenn sie (die Pyramide) in der Tat sich als eine Bibel in Stein ausweist, wenn sie eine Urkunde der geheimen Pläne des großen Baumeisters der Welt ist. . . dann sollte sie und wird sie in voller Übereinstimmung mit seinem geschriebenen Worte stehen . . .«

Eine esoterisch freimaurerische Artikulierung der Zitate kann kaum bestritten werden. Es muß zu denken geben, daß auf der Titelseite des Schriftbandes in Goldprägedruck das mystisch-ägyptische Kultsymbol, der Sonnendiskus, prangt. Und gerade unter diesem Symbol macht Russell »geheimnisvolle« falsche Zeitvorhersagen, die er unkorrekterweise in der 2. Auflage des Bandes, ebenfalls unter dem magischen Symbol des Sonnendiskus, stillschweigend verändert. Wie sah die Veränderung aus?

Die »abwärtsführende Passage« innerhalb der Pyramide (von einem bestimmten Punkt aus gemessen) betrug in der ersten Auflage der Schriftstudien 3416 Zoll. In der Zweitauflage fügte Russell kommentarlos 41 Zoll hinzu. Über dieses Faktum schreibt F. Stuhlhofer in seiner Schrift »Charles T. Russell und die Zeugen Jehovas«: »Das hinter dem Betrug stehende Motiv ist die Verschiebung des Beginns der großen Drangsal von 1874 auf 1914/15, (das Jahr 1874 stellt dann nur noch den Beginn der Ernte dar).«

Hatte der »Sonnendiskus« auf diese Abänderung etwa Einfluß genommen? In diesem Zusammenhang erinnert die Aussage von Loge-Großmeister Giese an besagte Symbolkraft, die auf Dauer wirkt. Dazu noch A. Bailey, die New-Age-Prophetin, die behauptet, wer Symbolik richtig versteht, erhält auch Macht, am göttlichen »Plan« mitzuarbeiten. Sie meint damit nicht den biblischen Gott, sondern das unpersönliche »Es«, das in der Freimaurerei als »Großer Baumeister der Welten« verehrt wird, den Russell in seinen Schriften erwähnt und fälschlich mit Jehova bezeichnete.

Großer Baumeister aller Zeiten

Das biblische Verständnis über die Dreieinheit Gottes, das Russell einst besaß, war ihm verlorengegangen. Durch sein eigenwilliges Heraustreten aus den orthodoxen Lehren der Bibel und unter dem späteren Einfluß des Freimaurertums änderte sich sein Gottesbild völlig. Er verwendete denn auch bald in seinen Schriften außer der falschen Gottesbezeichnung Jehova den freimaurerischen Gottestitel, wie er in folgender Formel benutzt wird: »Im Namen des allmächtigen Baumeisters der Welten, der unendlichen Schöpfer- und Erhalterkraft des Alls.«

Die Bezeichnung »Allmächtiger Baumeister der Welten« ist ein Titel, mit dem jeder Freimaurer, gleich welcher Religion, »seinen Gott« anrufen kann. Man beruft sich fälschlich auf Hebräer 11,10, wo Gott als Baumeister der himmlischen Stadt erwähnt wird. (Alpina, Ausg. 2/75, S. 21).

Hier handelt es sich jedoch nicht um den »Allmächtigen Baumeister der Welten«, um ein »Es«, eine »Erhalterkraft«, sondern um den persönlichen, dreieinigen Gott der Bibel.

Russell führte den falsch vokalisierten Gottesnamen »Jehova« etwa um 1882 in die Wachtturm-Lehre ein. (WTG: Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 22). 1886 und später erscheint der Name »Jehova« in Russells »Schriftstudien« in Verbindung mit dem freimaurerischen Gottestitel »Großer Baumeister der Welten«.

Fazit:

1. Russell bekannte durch die Verwendung des Titels »Großer Baumeister der Welten« seine freimaurerische Gesinnung. Daher lehnte er den dreieinigen Gott ab.

2. Beide Gottesbezeichnungen, »Jehova« und »Großer Baumeister der Welten«, verwendete Russell erst nach einem 12jährigen Bibelstudium. Diese späte Entscheidung für den Namen Jehova läßt freimaurerischen Literatureinfluß vermuten. Darin wurde der Name längst benutzt.

Eine lehrmäßige Ablehnung des dreieinigen Gottes fällt wesentlich in Band 5 Schriftstudien (1903) auf. Darin vertritt Russell den Monotheismus der Juden und spricht von »dem großen Jehova«.

Kommentar zur Dreieinheit Gottes:

Grundsätzlich fällt es einem Bibelchristen genauso schwer, sich Gott anthropomorphisch (menschengestaltig) zu denken, wie es einem Antitrinitarier nicht möglich ist, Gott als Dreieinheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist zu verstehen.

Die unterschiedlichen Auffassungen sollten nicht zu einseitiger Überheblichkeit und Rechthaberei führen. Es ist Sache des biblischen Verständnisses. Denn wie Gott an sich ist, weiß niemand. Aber wie Gott auf uns zukommt, beschreibt die Bibel so, daß es selbst ein Antitrinitarier begreifen kann. Hierzu die Verständnisformel: Gott offenbart sich durch den Sohn im Heiligen Geist.

Was heißt das? – Jesus erklärt es selbst mit den Worten in Johannes 14,23: »Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.«

Frage: Wie können beide göttliche Personen in uns Wohnung nehmen?  –  Antwort: Im Heiligen Geist.

So sind der Vater und der Sohn eins im Heiligen Geist oder der Heilige Geist ist die Offenbarung des Vaters und des Sohnes in Einheit.

Die trinitarische Frage ist kein arithmetisches Problem, sondern eine Frage biblischen Verständnisses. Russell entschied sich nach dem Verlassen des christlichen Glaubens gegen die Dreieinheit Gottes und damit auch gegen die Gottheit Jesu. 

 

11. Der Tempel Gottes – freimaurerisch gedeutet

In einer 15seitigen Ansprache deutet Russell, freimaurerisch akzentuiert, die Pyramide von Gizeh symbolisch als »Tempel Gottes« oder Gemeinde Jesu. Als Architekt und Erbauer des Pyramidenmonuments nennt Russell Gott in freimaurerischer Weise »Großen Baumeister der Welten«.

Das Publikum, vor dem Russell sprach, setzte sich aus Freimaurern, Ernsten Bibelforschern und Gliedern der unterschiedlichsten Denominationen zusammen. Einleitend erklärte Russell, daß man sich in einem der Freimaurerei geweihten Gebäude befände. Die Ansprache ist ein heterogenes Sammelsurium von biblischen Begriffen und freimaurerischer Weltanschauung. Biblisches Christentum und Freimaurertum lassen sich nicht harmonisieren.

Russells Einleitungsworte zu seinem Vortrag:

»Das Thema für heute Nachmittag, liebe Freunde, finden wir in den Worten des Apostel Paulus, >denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr< (1. Kor 3,17). Als Christen-Bibelstudenten aus allen Denominationen, so scheint es, haben wir etwas in unserem Glauben, das in Sympathie und Harmonie mit jeder Denomination auf der ganzen Welt steht.

Sprechen unsere presbyterianischen Freunde von der Erwählung? Wir mehr. Haben unsere methodistischen Freunde die Doktrin der freien Gnade? Wir mehr. Verstehen unsere baptistischen Freunde die Wichtigkeit der Taufe? Wir mehr. Schätzen unsere Freunde die Privilegien der Individualität in der Kirchenleitung? Wir mehr. Verstehen unsere freimaurerischen Freunde etwas vom Tempel und auch davon, Tempelritter zu sein? Wir mehr. Glauben unsere römisch-katholischen und unsere anglikanischen Freunde an eine universale Kirche? Wir mehr.

Mit anderen Worten, es scheint, als ob die Botschaft des Wortes Gottes mehr oder weniger unterteilt worden ist und jede Denomination einen Teil der Wahrheit aufgegriffen hat und um dieses bißchen Wahrheit viel Irriges angesammelt hat. Aber wir sind froh, daß sie dieses wenige an Wahrheit haben. Wenn sie nicht einmal einen Teil der Wahrheit gehabt hätten, hätten sie überhaupt nicht bestehen können.

Man hat also einen kleinen Teil der Wahrheit genommen, ihn mit Theorien umgeben und eine separate Kirche gegründet. Gott sagte nie, daß man eine separate Kirche gründen sollte. Er befahl nie, eine Baptistengemeinde oder eine presbyterianische oder methodistische Kirche usw. zu gründen.

Der Herr wollte eine Kirche schaffen, und er wollte, daß diese eine Kirche nicht nur einen Bruchteil der Wahrheit, sondern die ganze Wahrheit haben sollte. Wir tadeln hier nicht unsere Freunde und Nachbarn, denn wir erinnern uns, daß wir vor nicht allzulanger Zeit noch ganz ähnlich dachten. Aber ohne irgendjemand tadeln zu wollen, sind wir froh, daß wir einen vernünftigen und harmonischen Weg sehen, indem wir alle kirchlichen Glaubensbekenntnisse und >Zäune< verlassen, die das Volk Gottes so lange getrennt haben und zusammenkommen auf der Ebene der Bibel und allem, was in der Bibel steht – und nur in der Bibel.

Ist das nicht beglückend für uns? Ist es nicht das, was uns als internationale Bibelstudenten beim Studium des Wortes Gottes so viel Segen bringt? Ja, das stimmt. So freue ich mich, daß ich hier vor Delegierten aus den Küstenstädten und aus weiteren 35 Staaten sprechen darf.

Ich freue mich, die besondere Gelegenheit zu haben, einiges über Dinge zu sagen, in denen wir mit unseren freimaurerischen Freunden übereinstimmen, denn wir befinden uns hier in einem Gebäude, das der Freimaurerei geweiht ist. Und auch wir sind Freimaurer. Ich bin ein freier Freimaurer. Ich bin ein freier und anerkannter Freimaurer, wenn ich das in voller Länge ausführen darf. Das ist es, was unsere freimaurerischen Brüder uns sagen wollen, daß auch sie freie und anerkannte Freimaurer sind. Das ist ihre Art, es so darzustellen.

Nun, ich bin ein freier und anerkannter Freimaurer. Ich glaube, wir alle sind es. Aber nicht gerade im Stil unserer freimaurerischen Brüder. Wir haben keinen Streit mit ihnen. Ich werde kein Wort gegen freie Freimaurer sagen. Tatsächlich sind einige meiner besten Freunde Freimaurer, und ich schätze es, daß es einige wertvolle Wahrheiten gibt, die unsere freimaurerischen Freunde besitzen.

Ich habe manchmal mit ihnen gesprochen und sie haben gefragt: Wie kommt es, daß du über alle diese Dinge Bescheid weißt? Wir haben gedacht, daß niemand darüber Bescheid wisse, ausgenommen diejenigen, die zu unserer höchsten Logik Zugang haben?

Ich sagte, daß ich mit dem Großen Meister, dem Herrn selbst, konferiert hätte, und geheime Informationen durch den Heiligen Geist erhalten habe sowie Führung bezüglich dessen, was die Bibel sagt. Und das beinhaltet alle Wahrheit, ich glaube auf jedem Gebiet. Und so kommt es, wenn wir zu unseren freimaurerischen Freunden über den Tempel und seine Bedeutung sprechen oder darüber, gute Freimaurer zu sein, oder über die große Pyramide, die das eigentliche Symbol ist, und über ihre Bedeutung, so sind unsere freimaurerischen Freunde erstaunt.

Jemand, der eine lange Zeit Freimaurer war, kaufte neulich viele Bücher über die große Pyramide und schickte diese – ich bin sicher – an die tausend Freimaurer. Er bezahlte sie und verschickte sie auf eigene Kosten. Es war sein Wunsch, daß den Freimaurern etwas über die große Pyramide klarwerden sollte, weil sie daran sehr interessiert waren.

Aber wir werden heute Nachmittag nicht über die große Pyramide sprechen, sondern über die freie und anerkannte Freimaurerei – die biblische Freimaurerei, meine lieben Freunde.«

Soweit die Einführungsworte Russells. Seine weiteren Darlegungen können wegen der Länge der Ansprache nur auszugsweise wiedergegeben werden.

Auszüge aus der Ansprache:

»Der große Meister unseres Hohen Ordens der Freien und anerkannten Freimaurerei, der Herr Jesus Christus, legte das Fundament. . . Er ist die Grundlage für hohes und anerkanntes Maurerhandwerk und alles, was sich darauf bezieht. Er gründete diesen großartigen Orden, dem wir angehören, den Orden der Freien und anerkannten Freimaurerei. Er ist der große Meister, und wir sollen keinen anderen anerkennen. . . .

Nein, nur das Fundament wurde gelegt. Und hier haben wir das wahre Bild der Pyramide, bei der das Fundament im Himmel gelegt wurde, der oberste Stein, wie der Apostel sagt. Wir müssen uns erinnern, daß alle diese Bilder unnatürlich sind, denn es sind himmlische Bilder. So wurde der oberste Stein, Jesus, zuerst gelegt, und alle anderen Steine müssen zu ihm hinaufgebaut werden . . .

Ihr wißt, daß die Spitze der Pyramide selbst eine perfekte Pyramide ist, und alle Steine darunter stehen mit dem obersten Stein in einer Linie. Dieser oberste Stein ist, wie die Bibel sagt, der Eckstein Jesus. Das Fundament, zu dem wir hinaufgebaut werden, anstatt hinunter . . .

Und was dann? Das nächste, aus dem sich unsere Freimaurer-Freunde und auch wir uns viel machen, ist die Verherrlichung des Tempels. Das ist auch in der Freimaurerei eine große Sache . . .

Ja, tausend Jahre Segen wird die Welt durch diesen großartigen Tempel, den Gott vorbereitet, erfahren. Tausend Jahre lang werden diese Tempelritter Segen unter allen Familien auf der ganzen Erde verbreiten . . . Würdest du gern einer dieser Tempelritter auf der himmlischen Ebene werden? Ich sage nichts gegen die irdischen Tempelritter . . .

Wenn du denkst, es ist der Wille Gottes, daß du dich den >Odd Fellows< anschließt. . . schließe dich den Odd Fellows an. Wenn du fühlst, du möchtest ein Mitglied des freien und anerkannten Ordens der Freimaurer werden und du fühlst dich als Nachfolger Christi noch nicht frei oder freimaurerisch genug, Gott segne dich, entscheide selbst . . .

Aber jetzt spreche ich über die große Ordnung der Freimaurerei, von der Jesus der große Meister ist. In diesen Orden kann man nur auf besondere Weise eintreten . . . Von der Zeit an, da du ein Mitglied des königlichen Priestertums wirst, ein lebendiger Stein, ein Mitglied der königlichen Kunst der Freimaurerei . . .

Meinst du, daß die Gemeinde des Herrn ein geheimer Orden ist? Ja sicher ist sie das. Sie ist der wunderbarste geheime Orden, den die Welt je gekannt hat . . . Das Geheimnis Gottes ist noch nicht vollendet, sagt die Bibel. Dieses Geheimnis Gottes, das er seit Beginn der Welt geheimgehalten hat, wird nicht vor dem Schall der siebten Posaune vollendet werden.

Die Bibel sagt, daß die Gemeinde das Geheimnis ist. Das Geheimnis wird in der Gemeinde offenbart.

So können wir durch die Welt gehen und die Welt erkennt uns nicht, wie sie auch den Herrn nicht erkannte. Erkannte die Welt den großen Freimaurer, als er hier war? Nein. Tötete die Welt den großen Meister-Freimaurer? Ja.

Auch die Freimaurerei hat ihren führenden Freimaurer, der getötet wurde. Es ist dasselbe Bild. Die Freimaurer nehmen diesen ersten Freimaurer an, weil er ein Geheimnis besaß. Ihre Theorie besagt, daß dieser erste Freimaurer geheime Pläne für den Tempel besessen habe. Als er getötet wurde, ging das Geheimnis des Tempels verloren. Daher können bestimmte Grundzüge bis zu seiner Auferstehung nicht vervollständigt werden.

So erklären die Freimaurer als eine Körperschaft theoretisch, daß sie auf die Rückkehr jenes ersten Meister-Freimaurers warten, der sein Leben in den Tagen Salomos verlor, wegen des Geheimnisses. So warten auch du und ich als Unter-Freimaurer auf die Rückkehr unseres Meister-Freimaurers, der sein Leben ebenfalls in Verbindung mit dem Geheimnis des Tempelbaus, der Gemeinde, dahingab. So könnten wir noch weitere Analogien finden . . .

Es ist interessant, auch etwas über die Grade unserer Freimaurerei zu wissen. Es gibt einige, die nur den Einstiegsgrad erreichen und nie bis zur Perfektion weitergehen . . . Wenn wir dann unter denen sind, die das Recht haben, in die Geheimnisse des Herrn einzutreten, die zu seinem hohen und anerkannten Orden der Freimaurerei gehören, müssen wir zu höheren Graden weitergehen, weil das Wissen in den ersten Graden noch sehr gering ist.

Da die Geheimnisse dieses Ordens geistlich wahrgenommen werden, seht ihr, daß es Geheimnisse gibt, die niemand auf der Welt herausfinden kann. Hierin haben unsere freimaurerischen Freunde große Schwierigkeiten, ihre Geheimnisse vor Außenstehenden zu bewahren. Aber in seiner großen geheimen Gesellschaft hat es Gott so festgelegt, daß du alles darüber sagen kannst und der andere es nicht versteht, es sei denn, er besitzt den geistigen Schlüssel dazu . . .

Nur solche, die in dieses göttliche Mauerwerk hineinkommen, haben die geistliche Führung. Es ist etwas, das nur an eine Klasse reichlich gegeben wird, und sonst für niemand bestimmt ist. . . 

Ich frage mich, wie viele von uns hier den ersten Schritt getan, den ersten Grad erreicht haben. Ich frage mich, wie viele weitergegangen sind zum zweiten und dritten Grad? Ich frage mich, wie viele in die Ritterschaft eingetreten sind und Tempelritter wurden . . . Ihr wißt, daß man in Freimaurerorden von Stufe zu Stufe fortschreitet und dabei mehr und mehr lernt. So gibt es denn Freimaurer im 32. Grad, die viel mehr wissen als die im 14. und 16. Grad . . .

So ist es auch im geistlichen Tempel. Der Apostel drängt uns, höher zu steigen. Er sagt, wir sollen in der Gnade und in der Erkenntnis wachsen und dem Herrn charakterlich ähnlicher werden, ihm, dem großen Hauptbefehlshaber, dem großartigen Hohenpriester unserer Berufung, dem größten aller Tempelritter . . .«  –  Soweit die Auszüge aus Russells Tempelansprache. 

Im folgenden einige Begriffserklärungen als Hinweis auf Verbindungen zum New Age.

Begriffe wie »Tempelritter«, »Geheimorden« oder »Geheimnisse«, die nur mittels eines Schlüssels verstanden und eingeordnet werden können, auf die »Gemeinde Jesu« anzuwenden, ist verdächtig und anfechtbar. Wie sagt doch Paulus in 2. Korinther 4,2: »Wir vermeiden schändliche Heimlichkeit und gehen nicht mit List um, fälschen auch nicht das Wort Gottes; sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott.«

Was sich mit Geheimnissen umgibt, ist aus biblischer Sicht gefährlich und ist zu hinterfragen.

In seiner pointierten Darlegung bekannte Russell: »Ich bin ein freier Freimaurer.« Es muß hier nicht polemisiert werden, ob Russell initiierter Freimaurer war oder nicht. Seine Weltanschauung, die Verehrung freimaurerischer Embleme, die Anwendung freimaurerischen Vokabulars und Umdeutung biblischen Gedankenguts in freimaurerische »Theologie« dürften zur Beurteilung der Grundhaltung Russells genügen. Man spricht hier auch von »Maurer ohne Schurz«.

Bemerkenswert war Russells Hinweis auf seine »mystische Erfahrung« mit dem »Großen Meister« (Jesus Christus?), mit dem er selbst konferiert und geheime Informationen durch den Heiligen Geist erhalten haben will. Ähnliche Berichte sind von der amerikanischen Theosophin H. P. Blavatsky oder der New-Age-Prophetin A. Bailey bekannt, die ebenfalls mit ihren »Meistern« (anonyme Autoritäten der Geisterwelt) »konferierten«, das heißt Befehle oder Informationen empfingen. Über Russells Zugehörigkeit zu einer Loge weist auch das Drei-Punkt-Symbol vor seinem Namen in dem Freimaurerverzeichnis in »Lady Queenborough« hin.

Bedeutsam ist Russells Zitat, das die New-Age-Anschauung deutlich tangiert: »Und hier haben wir das wahre Bild der Pyramide, bei dem das Fundament im Himmel gelegt wurde . . . So wurde der oberste Stein, Jesus, zuerst gelegt. . . Ja, tausend Jahre Segen wird die Welt durch diesen großartigen Tempel, den Gott vorbereitet, erfahren. Tausend Jahre lang werden diese Tempelritter Segen unter allen Familien auf der ganzen Erde verbreiten . . .«

Russell spricht hier von den »144 000« Israeliten (Offb 14,1.4), als seien sie für den Himmel »erkauft«. Gemäß seiner Auffassung sind sie »Söhne Gottes«, gemäß seiner allegorischen Deutung sind sie »Tempelritter in der Loge des Herrn«. Sie sollen herrschen mit dem »Christus« und ihren Einfluß auf die Erde für tausend Jahre geltend machen.

Man vergleiche diese Konzeption mit der Version von A. Bailey aus ihrer Schrift »Die geistige Hierarchie tritt in Erscheinung«: »Jene Gottessöhne, die uns die Gottesliebe offenbaren, kommen aus dem Zentrum, dem Christus den Namen >das Reich Gottes< gegeben hat. . . Hier weilen die >Geister der Gerechten< . . . (Hebr 12,23), hier ist die geistige Heimat der Führer der Menschheit, hier leben und wirken die Hierarchen, die Gottes Pläne ausführen und das irdische Geschehen beaufsichtigen . . . Man nennt sie die geistige Hierarchie, die Wohnstätte des Lichts, das Zentrum, wo sich die Meister der Weisheit aufhalten, die Große Weiße Loge.«

Das sind verblüffende Übereinstimmungen in Wort und Vision, aber durchaus antichristliche Versionen. In beiden Anschauungen sind die »Gottessöhne« nicht leiblich auferstandene Christen, sondern Geistwesen. In beiden Konzeptionen existiert eine »himmlische Loge«, die sich der Menschheit in »Liebe« zuwenden soll.

Die Pyramide – Gottes Tempel?

Was veranlaßte Russell, den »Tempel Gottes« oder den »geistlichen Christus« auf die heidnische »Pyramide von Gizeh« umzudeuten oder daraus den freimaurerischen »Menschheitstempel« zu machen?

Kurz gesagt, der »Tempel Gottes« wird vom Heiligen Geist aus den Leibesgliedern Christi erbaut, der »Menschheitstempel« ist ein Humanitätsgedanke. Das bedeutet, die gesamte Menschheit, deren »Vornamen« Katholiken, Protestanten, Buddhisten, Hinduisten usw. heißen, wird schlußendlich den »Familiennamen« »Freimaurer« tragen, um diesen »Tempel« auszumachen. (W.Künneth/P.Beyerhaus: Reich Gottes oder Weltgemeinschaft, S. 206).

Gegen Russells Tempeldeutung stehen folgende biblische Aussagen:

a) Epheser 2,20 sagt, daß der Grund des Baus die Apostel und Propheten sind, wobei Jesus der Schlußstein ist, der dem Tempel praktisch den statischen Halt verleiht. Wer Gebäude in Jerusalem mit den runden Steinkuppeln kennt, weiß, daß der Schlußstein in der Mitte die statische Aufgabe hat, die Kuppel selbsttragend zu machen. Das hat mit Pyramidenbau nichts zu tun.
b) 1 Petrus 2,5 spricht von einem geistlichen Haus und in Vers 8 vom »Eckstein« oder dem »Fels des Ärgernisses« (Christus), auf dem aufgebaut wird. Beide Bilder weisen auf ein Tempelfundament, das auf Erden gelegt wurde und nicht im Himmel.

Russells Pyramidendeutung fordert unsere christliche Aufmerksamkeit. Denn man muß wissen, wie oben schon erklärt, daß das Symbol der Pyramide im Freimaurertum kosmopolitischen Sinn und nichts mit dem Tempel Gottes zu tun hat.

Russell: »Die Große Pyramide, glauben wir, ist das hauptsächlichste dieser Zeichen und Wunder, und sie beginnt jetzt in ihrer eigenen Sprache zu den Gelehrten zureden und durch diese zu allen Menschen.«  –  »Sie stellt den vollendeten Plan Gottes dar, wie er am Ende des Tausendjahrtages sein wird. Die Krone derselben wird Christus sein, das anerkannte Haupt über alle, und jeder andere Stein wird genau in diesen glorreichen, vollkommenen und vollständigen Bau eingefügt sein. Der ganze Prozeß des Meißelns, Polierens und Einpassens wird dann vollendet sein . . . Wenn die Pyramide als Ganzes den vollständigen Plan Gottes repräsentiert, so repräsentiert ihr Eckstein an der Spitze Christum . . . «

Diese Interpretation entspricht dem freimaurerischen Menschheitstempel, der sich, wie erwähnt, aus sämtlichen Religionen zusammensetzen soll. Könnten wir nun annehmen, daß Christus an dieser »synkretistischen« Pyramide den »Schlußstein« bildet? Auch der Begriff »Großer Baumeister der Welt«, in Verbindung mit dem Bau der Menschheitspyramide, dem Tempel der Humanität, ist freimaurerische Philosophie. »Großer Baumeister der Welt« ist Synonym für die maurerische Gottheit, eine Relativierung Gottes.

Russell: »Das Zeugnis dieses >Zeugen dem Jehova im Lande Ägyptern< und das des geschriebenen Wortes, weisen mit Bestimmtheit auf den schließlichen Zusammenbruch der alten Ordnung der Dinge in den >Abgrund< der Vergessenheit hin, und auf die glorreiche Herstellung der neuen Ordnung und Christo Jesu, dem großen Haupteckstein des ewigen Baues Gottes.«

Mit diesem Zitat schließt sich langsam der Kreis zu einer Beurteilung der Weltanschauung Russells, beziehungsweise seiner freimaurerischen Grundstimmung. Geradezu symbolhaft steht am Ende des dritten Bandes in der »Pyramidenlehre« der Begriff »Neue Ordnung«. Er steht ebenso unter dem »Großen Siegel« der amerikanischen Dollarnote und dürfte Russell bekannt gewesen sein. Das angestrebte Ziel des Freimaurertums geht daraus hervor mit den Worten: »novus ordo seclorum«. Dieses Ziel drückte Russell ebenfalls in seiner Pryramidenphilosophie aus.

Die Illuminatenpyramide

Am 14. Dezember 1789 unterzeichnete der erste Präsident der Vereinigten Staaten, George Washington, als Freimaurer den Vorschlag zu einer Nationalbank. Später erschien auf der amerikanischen Dollarnote das »Große Siegel« mit der Illuminatenpyramide. Die Spitze der Pyramide, das lichtumstrahlte »Allsehende Auge«, ist in der Freimaurerei das Symbol für die Gottheit, die man »Allmächtiger Baumeister aller Welten« nennt.

Die Worte »annuit coeptis« bedeuten soviel wie: »Das Unternehmen wird von Erfolg gekrönt oder gesegnet werden.« Welches Unternehmen? Natürlich die Errichtung des »Welttempels« mit einer »novus ordo seclorum«, einer »Neuen Weltordnung« unter illuminatischer Herrschaft.

Die Pyramide trägt am Fuße das Gründungsdatum des Illuminatenordens MDCCLXXVI / 1776. Gründer war der Illuminat Professor Adam Weishaupt, dessen Ziel Weltherrschaft mit Satanismus als verbindliche Staatsreligion war.

Die Zeitalterpyramide Russells

Die Strahlenspitze symbolisiert dort ebenfalls, wie in der Illuminatenpyramide, den Sitz der Gottheit. Russel verstand darunter, wie schon erwähnt, seinen »Christus«. Diese strahlende Pyramidenspitze hat unwahrscheinliche Ähnlichkeit mit dem strahlenden »Allsehenden Auge« der Illuminatenpyramide. – Der Pyramidenteil unterhalb der Spitze wird von Jehovas Zeugen heute jedoch anders interpretiert.

Beide Pyramidendarstellungen symbolisieren eine »Neue Weltordnung«. Russell bekannte sich sinnigerweise dazu in seiner »Pyramidenlehre«, indem er schreibt, daß die »alte Ordnung« zusammenbricht und eine glorreiche »neue Ordnung« unter dem »Haupteckstein« (Christus) erstehen wird.

Das ist ideologischer Gleichklang, der auch in der Verwendung der freimaurerischen Symbole Kreuz und Krone und des geflügelten Sonnendiskus, Symbol der Hochgradfreimaurer, zum Ausdruck kommt.

Die Pyramide als Bild der Verknüpfung

Die Pyramide ist hier metaphysischer Ausdruck ideologischer Machtstruktur und zugleich ein Bild der Verknüpfung. Die drei Ideologien, um die es in diesem Buch geht, verwenden das Symbol, aber interpretieren es jeweils auf ihre Weise.

Eines der aussagestärksten Pyramidensymbole dürfte die 13stufige Illuminatenpyramide mit der strahlenden Spitze und dem allsehenden Auge sein, die auf der amerikanischen Ein-Dollar-Note abgebildet ist. Metaphysisch stellt sie den vollendeten Welttempel des Freimaurertums dar und zugleich die Weltherrschaft Luzifers. Die Spitze, Kulminationspunkt »göttlicher« Macht, symbolisiert die Gottheit.

Bei meinen Darlegungen mußte ich an Orwells Roman »1984« denken, an die satanische Macht des »Großen Bruders«, die sich fortwährend manifestiert in dem »Teleschirm«, vor dem man kaum ausweichen kann – der alles sieht, wie das allsehende Auge der Pyramide. Interessant ist, daß Orwell den Sitz des »Ministeriums für Wahrheit«, er nannte es »Miniwahr in Neusprech«, als ein riesiges pyramidales Bauwerk beschreibt, aus weißem Beton, das Terrasse um Terrasse 300 Meter hoch gegen den Himmel gebaut war. Auch hier reflektiert das Pyramidensymbol als Sitz satanischer Herrschaft. Eine realistische Vision antichristlicher Weltherrschaft.

Zur Interpretation der Pyramidenspitze in den verschiedenen Systemen: Freimaurer sehen darin die Gottheit des »Allmächtigen Baumeisters der Welten«, im New Age versteht man darunter eine unpersönliche »Gottheit«, in der Wachtturm-Ideologie nach Ch. T. Russell verstand man darunter »Jesus Christus«.

Daß unter dem Pyramidensymbol seit der Unabhängigkeitserklärung der Staaten von Nordamerika 1776 ein Siegeszug des Freimaurertums begann, kann kaum bestritten werden. Von den 56 Unterzeichnern der Gründungsurkunde waren mindestens 15 Freimaurer. Der erste Präsident der USA, George Washington, war ebenfalls Freimaurer. Der Präsident, der das amerikanische Großsiegel mit der Illuminatenpyramide auf die Dollarnote brachte, war der Freimaurer F. D. Roosevelt.

England und Amerika wurden im Laufe der Jahrhunderte zu Hochburgen des Freimaurertums. M. Valmy nennt beide Länder ein Eldorado harmonischer, ungehinderter freimaurerischer Entfaltung.

Einige interessante Beobachtungen zur Illuminatenpyramide finden sich in »Pyramid Power« von Max Toth, Greg Nielsen im Goldman Verlag, unter dem Hinweis auf P. Halls Schrift »Secret Teachings of all Ages«, Los Angeles, 1969. Hall weist auf den mystischen Akzent des »Großen Siegels« der USA hin. Auf Vorder- und Rückseite dominiert in auffälliger Weise die Zahl 13. Dabei zeigt die Rückseite die Abbildung der Illuminatenpyramide mit 13 Stufen und aus 13 Buchstaben, aus denen der Segen der Gottheit im Illuminatentum: »annuit coeptis« besteht. Die Vorderseite zeigt einen Adler, der in der einen Kralle 13 Pfeile hält, in der anderen einen Zweig mit 13 Blättern und 13 Früchten. Über dem Kopf des Adlers sind 13 Sterne (entsprechend der 13 Gouverneure) in Form eines Sechssterns (Hexagramm/Freimaurersymbol) angeordnet. Der Schild vor dem Adler ist in 13 Streifen unterteilt. Es kann kaum Zweifel darüber bestehen, daß hier die 13 symbolisch eingearbeitet wurde, entsprechend der 13 Stufen der Illuminatenpyramide.

 

12. Die Gemeinde Jesu – ein Geheimorden Gottes?

In »Pastor Russells Sermon« findet sich unter der Überschrift »Wer kann das Geheimnis Gottes kennen?« eine Stellungnahme Russells zu geheimen Gesellschaften und Geheimorden. Der Tenor der Darlegung ist – ähnlich seiner Tempelrede – geistige Verknüpfung der Gemeinde Jesu mit freimaurerischen Ordensprinzipien. Die Ausführungen zeigen, wie Russell auch hier freimaurerische Begriffe und Regeln mit biblischen Bildern und Gedanken verbindet. Es geht ihm darum, zu zeigen, daß es ganz normal sei, daß in der menschlichen Gesellschaft Geheimbünde existieren, denn Gott selbst sei Gründer einer Geheimordnung gewesen.

Und nun leitet er über den Orden der Freimaurer zu Gottes »Geheimorden«, der Gemeinde, zu Jesu Nachfolgern. Hier gäbe es, genauso wie bei den Freimaurern, unterschiedliche Geheimnisse, die je nach Intelligenzgrad und Anstrengung erkannt werden können. So wie man im Freimaurertum von einem niederen Grad zu einem höheren emporsteigt, so ist es auch in der »Geheimordnung Gottes«.

Für die Begründung seiner Auffassung legte Russell den Text Daniel 12,10 zugrunde: ». . . alle Gottlosen werden’s nicht verstehen, aber die Verständigen werden’s verstehen.«

Ausführungen der Ansprache

»In heidnischen Ländern, wie auch in christlichen, schließen geheime Gesellschaften einen großen Teil der Menschheitsfamilie ein. Outsider wissen zwar etwas über ihre allgemeinen Motive und Objekte, aber ihre speziellen Methoden, Hoffnungen, Bestrebungen und Ambitionen werden geheimgehalten.

Um diese Geheimhaltung zu erreichen, die Interessen der Vereinigung zu schützen und zu bewahren, werden Geheimhaltungen mit einem Eid verbunden. Manche Eide lassen einem das Blut erstarren. Die Meinungsfreiheit wird mittels Sanktionen gezügelt.

Es ist nicht meine Aufgabe, irgendeinen dieser Orden anzugreifen oder über ihre Verhaltensweisen herzuziehen. Ich beziehe mich hier nur auf sie und lenke eure Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß dies unter Menschen eine sehr gebräuchliche Methode ist, weil der allmächtige Gott selbst der Gründer einer >Geheimen Ordnung< ist.

Während es gewisse Übereinstimmungen gibt zwischen den menschlichen Geheimorden und der Geheimordnung göttlichen Ursprungs, werden wir, wie erwartet, herausfinden, daß die letztere allen anderen weit überlegen ist. . .

So wie es in einigen geheimen Ordnungen verschiedene Stufen und Grade gibt, zum Beispiel sind alle Freimaurer mit den Geheimnissen des ersten Grades vertraut, aber längst nicht alle Freimaurer kennen die Geheimnisse des 32. Grades. Und genauso ist es auch in Gottes Geheimorden. Dort gibt es Grundprinzipien der christlichen Doktrin, die alle, die zum Orden gehören, kennen müssen. Es gibt auch tiefere Geheimnisse Gottes, die nur jene kennen, die die Fortschritte im Wachstum an Gnade und Liebe gemacht haben (Hebr 6,1; 1. Kor 2,10).«

Diese Darlegungen haben durchaus esoterischen Charakter. Genau das bestätigt das zweibändige amerikanische Werk »Occult Theocracy« von Lady Queenborough/Gordon Pr., Russells Lehre enthalte ein okkultes Dogma. Der folgende Abschnitt ist eine Übersetzung des 98. Kapitels: »Die Bewegung der Internationalen Bibelforscher wurde vornehmlich mit dem Ziel gegründet, die untere Mittelklasse der Intelligenz der christlichen Gemeinschaften anzusprechen, zum Beispiel bestimmte Büroangestellte, Lehrer, Dienstleistungspersonal und Personen, die mit direkten Formen der Propaganda nicht erreichbar waren. Die Bewegung hatte in Amerika auch großen Einfluß unter den Schwarzen.«

1870 gründete Russell den Wachtturm, dessen alleiniger Herausgeber er war. Die Lehren Russells erklären aus der Bibel heraus zu beweisen, daß alle christlichen Kirchen böse und korrupt sind, daß die Heidenzeit 1914 endete und daß die Juden von nun an über die Erde herrschen sollten.

In Russells Lehren wird auch sorgfältig ein okkultes Dogma entwickelt, welches angeblich auf biblischen Voraussetzungen beruhen soll. Die römisch-katholische Kirche wird verdammt, von Rom spricht man nur als von Babylon. Der Papst und seine gesamte Priesterschaft werden zu Bevollmächtigten des Antichristen gerechnet, die nach der bekannten freimaurerischen Formel von Albert Pike, Mazzini und anderen der Vernichtung geweiht sind.

Weiterhin wird uns, vorgeblich mit »biblischer Autorität«, in einer Interpretation von Offenbarung 2,24 gesagt, daß »Satan ein Name ist, der auf Rom insofern angewandt werden kann, als er ihre Eigenschaften beschreibt.«

Die protestantische Episkopal-Kirche und andere christliche Kirchen sind in Russells sehr bildhafter Sprache die »Hurentöchter der Römischen Kirche« und »haben Hurerei getrieben«.

Russell interpretiert diese Ausdrücke als Vereinigung von Kirche und Staat, dem sich die Juden in aller Welt so erbittert widersetzen. Diese Kirchen kommen bei Russell nicht besser weg als die katholische Kirche. Er sagt voraus, daß unter der Herrschaft der alten Würdenträger (des jüdischen Sanhedrin) die Heiden, die dann noch an Christus glauben, Christi Herrschaft als eine unsichtbare anerkennen müssen. Gleichzeitig unterwerfen sie sich als Christen all der Mühsal, welche diese jüdischen Fürsten ihnen auferlegen wollen.«

Diese Beschreibung Russells und seines Dogmas und seiner Haltung gegenüber den Kirchen reflektiert die Wachtturm-Organisation in ihren Lehren und Praktiken. Wer die Wachtturm-Publikationen auch nach Russells Tod prüft, wird feststellen, daß sich das Grundkonzept kaum verändert hat. Außer in bezug auf die Einschätzung der Stellung Israels. 

 

13. Russells synkretistische Tendenzen

Wenn es darum geht, Russells Denkweise zu beurteilen und freimaurerische Akzente nachzuweisen, dann bilden seine eigenen Schriften dazu die besten Grundlagen.

Seine Lehrmeinungen sind teils doktrinär bis tolerant und synkretistisch. Er verstand sich als der einzige kompetente Bibelexeget. Zweifel daran kommen allerdings, wenn man feststellt, wie er einerseits biblische Grundsätze und Gesetze interpretiert (imperativisch), andererseits die Lehren der Freimaurer (tolerant) und den Glauben der Moslems (totalitär) toleriert und sogar behauptet, sie stünden auf dem Fundament des Alten Testaments, weil sie gleicherweise einen Messias erwarten. Immer wieder vermischen sich allegorische Bibeldeutung mit freimaurerischem Mythos und synkretistischen Tendenzen, wie das aus dem folgenden Auszug »Pastor Russells Sermon« deutlich hervorgeht. Der Abschnitt ist überschrieben:

»Das Ersehnte aller Nationen«

Es ist eine Auslegung des Bibeltextes Haggai 2,7: »Ja, alle Heiden will ich erschüttern, und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen.«

»Der große Messias, >König des Himmels<, ist lange von den zivilisierten Nationen erwartet worden. Rund 4500 Jahre haben die Juden auf ihn gewartet als den großen Propheten, vorausgeahnt und vorausgesagt von Moses (Apg 3,22).

Die Freimaurer haben 2500 Jahre auf dieselbe glorreiche Persönlichkeit gewartet, als Hiram-Abiff, den Großmeister der Freimaurerei, dessen Tod, Glorifizierung und zukünftige Erscheinung ihnen kontinuierlich vor Augen gehalten werden durch die Buchstaben auf ihrem Schlußstein (hier beweist Russell eine gute Kenntnis freimaurerischer Mythologie). Christen aller Schattierungen glauben allenfalls, je nachdem, wie sie mit der Bibel vertraut sind (Altes und Neues Testament), an einen großen Tempelbauer, der aufgrund seiner Treue zu den göttlichen Plänen für den geistlichen Tempel, die auserwählte Kirche, starb (1 Petr 2,4-5) . . .

Die Mohammedaner, die ebenfalls den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs sowie Davids und Salomos verehren, erwarten ebenfalls einen großen himmlischen Boten, um sie und alle Menschen durch die Errichtung eines himmlischen Königreiches zu segnen. Sie haben Jahrhunderte auf sein Kommen gewartet. Sie glauben, daß sein Königreich bevorsteht.

Ist es nicht an der Zeit, daß alle diese Menschen, die Gott fürchten und auf sein Versprechen hoffen, in einer Hoffnung, in einer Erwartung zusammenkommen sollten? Wenn sie jetzt mitfühlend aufeinander zugehen, werden sie sicherlich vieles entdecken, das in des anderen Hoffnung und Ziel zu schätzen ist …«

»Die Tatsache, daß Juden, Mohammedaner, Katholiken, Protestanten und Freimaurer alle zur Grundlage ihres Glaubens das Alte Testament der Heiligen Schrift haben, ist die Basis für ein besseres Verständnis, für das plädiert wird . . . Der Irrtum in der Vergangenheit war die allgemeine Bereitschaft, Aberglauben und Vorurteil sowie Fanatismus anzusprechen, eher als Tatsachen und Schrift. Wir müssen den Hebel umwerfen, um die guten Ergebnisse zu erhalten . . .«

Wir respektieren Freimaurer und Moslems als Personen, aber eine Vermischung mit ihren Weltanschauungen, wie es Russell vorschlug, kann es für Christen nicht geben. Wie Gott zur Zeit Israels auf synkretistische Kompromisse reagierte, zeigt uns das Beispiel der 450 Baalspriester am Berg Karmel (1 Kön 18,19ff.). Der Kommentar, daß Juden, Mohammedaner, Katholiken, Protestanten und Freimaurer das Alte Testament der Heiligen Schrift als Grundlage ihres Glaubens haben, ist anfechtbar. Wer die Einstufung der Heiligen Schrift durch den Islam kennt oder die Relativierung des Wortes Gottes im Freimaurertum, kann doch nicht behaupten, daß diese Anschauungen auf dem Fundament des Alten Testaments beruhen.

Der Vorschlag, aufeinander zuzugehen, um in den Hoffnungen und Zielen anderer etwas Gemeinsames zu entdecken, ist freimaurerisches Denken:

»Das unendliche Bemühen, Intoleranz abzubauen, bleibt eine der vornehmsten Ziele der Freimaurerei.«

Die heutige Tendenz, zu behaupten, Islam und Christentum hätten dasselbe Gottesverständnis, denn sie würden beide den einen Gott Abrahams anbeten, ist widersinnig in Anbetracht der mörderischen Verfolgungen, die Christen durch den Islam erdulden. Wer die islamische Religion und ihre Ziele wirklich kennt, weiß, daß die obigen Behauptungen nicht den Tatsachen entsprechen. Ein Vergleich zwischen Allah und dem dreieinigen Gott der Bibel ist ebenso unmöglich.

Der Gott Mohammeds ist nicht der Gott Jesu Christi. Christus wird im Islam nicht als zweite Person der Dreieinigkeit anerkannt. Der Glaube an seine Gottessohnschaft wird als »anstößig« empfunden und verneint. Von daher stellt sich die Frage: Wie kann man bei all den vielen Gegensätzlichkeiten von »Verbrüderung« und »Aussöhnung« sprechen, nur weil im Islam, dem Christentum und Freimaurertum eine Messiasgestalt erwartet wird? Kann man wegen dieser Messiaserwartung der verschiedenen Gruppen annehmen, daß es sich dabei um den Messias Jesus handle? Nein. So aber könnten Russells synkretistisch artikulierte Darlegungen verstanden werden. Seine Behauptungen, die erwähnten Religionen und Ideologien stünden auf der Grundlage des Alten Testaments, sind nicht haltbar.

Eine andere Darlegung aus »Pastor Russels Sermon« zeigt Tendenzen zur New-Age-Philosophie, in der Sünde nicht mehr Sünde im Sinne der Bibel ist. Russell stellt fest:

»In Wirklichkeit gibt es nur eine Hoffnung. Wenn man zugibt, daß die gesamte Menschheit unvollkommen ist, >geboren in Sünde und in Ungerechtigkeit entwickelt<, können wir trotzdem nicht der Doktrin der totalen Verdorbenheit zustimmen, daß in keinem Menschen Gutes ist, beziehungsweise in allen Menschen. « (S.501 Pastor Russells Sermon).

Russell vertritt hierin den freimaurerischen Humanitäts- und Toleranzgedanken. Dazu S. M. Pachtler, SJ, (M. Adler, S.15 in Kirche und Loge), ein Kenner des Freimaurertums, in seiner gründlichen Analyse über das Ideal und den Götzen Humanität, daß es ein Irrtum sei, zu behaupten: »Der Mensch, wie er heute geboren werde, sei von Natur aus gut. . .«  –  »Weiter kann sich der Mensch von Gott und der Offenbarung nicht mehr entfernen, als es in der Humanität geschieht.«

Russell steht mit seinen humanitären Anschauungen nicht auf dem Boden des Evangeliums, in welchem Paulus selbst bekannte, daß in ihm nichts Gutes wohne (Röm 7,18).

Ein letztes Beispiel für Russells synkretistisches Denken. Er identifiziert den Messias Jesus Christus mit mythologischen und religiösen Zentralfiguren.

Einige interessante Fragen

»Den himmlischen Messias, den die Juden mit >Michael< identifizieren, den großen Fürsten, der für dein Volk einsteht (Dan 12,1), erwarten die Mohammedaner ebenfalls und identifizieren ihn mit dem Mohammed der Vergangenheit.
Die Freimaurer erwarten dieselbe Persönlichkeit, und gemäß ihrer Tradition identifizieren sie ihn mit Hiram-Abiff, dem Großmeister der Freimaurerei.
Derselbe große Messias, Michael der Erzengel, der gegenbildliche Melchisedek, Priester sowohl als auch König, wird von uns identifiziert als >der Mann Jesus Christus<, der sich selbst als Lösegeld für alle gab, um zur gegebenen Zeit bezeugt zu werden (1 Tim 2,6) . . .« (Wachtturm, Mai 1912, S. 166-169 (engl.)

Hier werden jüdische, islamische, freimaurerische und christliche Zentralfiguren miteinander verquickt. Die Behauptung, daß der Erzengel Michael von den Juden als Messias erwartet wird, entspricht nicht der Messiaserwartung der Juden. Sie erwarten einen Davididen, einen Nachkommen Davids. Obwohl Jesus Christus der verheißene Messias aus der Linie Davids war, haben die Juden ihn nicht erkannt und warten weiterhin auf das Kommen eines davidischen Sprosses. Sie werden ihn allerdings in der Person Jesu erleben und nicht in der Person des Erzengels Michael. Russells Lehre ist also falsch, sie entspricht auch nicht dem Evangelium. Die Zeugen Jehovas vertreten die Ansicht Russells noch heute.

Auch die Behauptung, daß die Mohammedaner auf einen himmlischen Messias warten, wie die Juden, und ihn mit dem Mohammed der Vergangenheit identifizieren, irritiert. Zum Beispiel erwarten die sunnitischen Moslems den »Mahdi«, eine Führergestalt aus der Nachkommenschaft des Propheten (nicht den Propheten selbst), der diese Religion erneuern und zu einer herrschenden machen soll.

Die schiitischen Moslems erwarten den »Imam«, den künftigen Führer der Menschheit, der aus der Vergangenheit auftauchen und der einzig wirkliche Führer der Menschheit werden soll, um die endzeitliche Welteinheitsreligion aufzurichten.

Das erinnert an den »Maitreya« des New Age, der aus der Verborgenheit des Himalaja auftauchen soll, um die religiöse Einheit der Menschheit herbeizuführen. Dieser Maitreya-Christus ist die Messiasentsprechung aller Religionen, nach Ansicht der New-Age-Lehre.

Eine Identität zwischen den islamischen Führergestalten, dem mythisch-legendären Hiram-Abiff und dem Messias Jesus Christus besteht nicht.

Abschließend noch die Glaubensansicht Russells und der Zeugen Jehovas: »Das Königreich des Messias wird geistig sein«

»Frage: Was ist gemeint mit Königreich und Messias?

Antwort: Wir verstehen darunter, daß das Königreich des Messias ein geistliches sein wird, unsichtbar für Sterbliche, dennoch allmächtig für die Erfüllung der großen Dinge, wie im Gesetz und den Propheten versprochen wird. Das Reich, das er errichtet, wird unsichtbar für Menschen und wird den Platz des Reiches Satans einnehmen, das ebenfalls unsichtbar ist. Der König der Herrlichkeit wird den Fürsten der Finsternis ersetzen . . . « (Wachtturm vom 15. Mai 1912 (engl), S.5031).

Entgegen dieser Darstellung beschreibt die Bibel klar und deutlich ein sichtbares Wiederkommen Christi und den Aufbau eines sichtbaren Reiches. Dazu folgende Schriftbeweise:

Apostelgeschichte 3,21: »Der Himmel nimmt Jesus nur bis zu der Zeit auf, in der alles wiederhergestellt wird.«

Hebräer 1,6: »Dann wird Christus erneut in den Erdkreis eingeführt.«

Offenbarung 1,7: »Dann wird ihn jedes Auge sehen« (s. a. Jes 33,17).«

Matthäus 19,28: »Jesus wird auf dem Thron der Herrlichkeit sitzen, mit seinen zwölf Jüngern, um die zwölf Stämme Israels zu richten (regieren) und dazu die ganze Erde.«

 

14. Initiation oder Wiedergeburt?

Es bestehen symbolische Parallelen zwischen der Initiation eines Freimaurers in den »Meistergrad« und der Initiation eines Zeugen Jehovas in die »Organisation« durch die Wassertaufe. Das freimaurerische Meisterritual stellt symbolhaft den Tod und die Auferstehung des mythischen Tempelbaumeisters Hiram-Abiff dar. Das Untertauchen des Zeugen Jehovas im Wasser bedeutet gleicherweise ein geistiges Absterben und Wieder-Auferstehen. Das vergeistigte »Todes- und Auferstehungserlebnis« bewirkt in beiden Fällen nachweislich eine erkennbare Charakterveränderung. Das ist der wesentliche Sinn und Zweck einer Weihe.

H. Biedermann schreibt über das rituelle Wiedergeburtserlebnis der Freimaurer: ». . . Man löscht seine Vergangenheit aus, man setzt einem profanen Dasein ein Ende, um wiederum ein anderes erneuertes Leben zu gewinnen . . .
Wollte nicht auch einst das Ritual der Taufe ein echtes Eintauchen in das Wasser des Todes und des Lebens andeuten? . . .
In oder an dem Täufling stirbt etwas und etwas anderes gewinnt dadurch Leben, Freiheit, Herrschaft. Das ist der Grundgedanke, der in den Taufriten der zahllosen Taufgemeinden und Mysterienbünde mehr oder weniger vergeistigt zum Ausdruck kommt. . .« (Horneffer 1979 S. 93).

Dieses Verständnis betrifft auch das Taufritual und Tauferlebnis eines Zeugen Jehovas. Durch das Ritual erlebt er eine spürbare Bindung an die »durch den Geist« geführte Wachtturm-Organisation. Hierzu ein Zitat aus dem Wachtturm: »Das vollständige Untertauchen im Wasser ist ein passendes Symbol ihrer Hingabe an Gott. Während sie untergetaucht werden, sterben sie sozusagen ihrem früheren Leben gegenüber ab. Wenn sie aus dem Wasser herauskommen, ist es, als ob sie nun für einen neuen Lauf der Selbstaufopferung im Dienste Gottes lebendig werden.« (Wachtturm vom 15.6.1988, S. 29).

In beiden Weltanschauungen wird das Wort Jehova zu einer Art »Paßwort« oder Erkennungszeichen. In der Freimaurerei versteht man unter dem Begriff »Jehova« das »wiedergefundene Meisterwort«, das durch den Tod Hiram-Abiffs verlorengegangen war und wieder entdeckt wurde. Bei Jehovas Zeugen wird dieser Begriff fast zu einer Art Hypostase mit einem gewissen Eigenleben oder personalen Charakter.

Persönlichkeitsveränderung durch das Ritual

Zum geistigen Wachstum und zur Weiterbildung des Freimaurers gehören Selbsterkenntnis und das rechte Bemühen um die Veredelung des Charakters. Der Mensch kann und soll durch Erziehung »veredelt« werden, um als »behauener Stein« in den freimaurerischen Menschheitstempel eingefügt zu werden. Man nennt diese geistige Arbeit »Arbeit am rauhen Stein«.

Nach der Aufnahme in die Loge durchläuft der Freimaurer verschiedene Erkenntnisstufen. Vom »Lehrling« zum »Gesellen« bis hin zum »Meister«. Zur Logenarbeit gehören Vorträge, Gespräche und Riten, die das geistige Wachstum und den Wunsch nach höherer Erkenntnis, nach geistigem Licht, fördern.

Ähnlichen Zielen streben Jehovas Zeugen nach. Hierzu aus »Umwandlung der menschlichen Natur«: »Die Bibel spricht sogar davon, daß wir unsere Natur derart umwandeln können, daß dadurch unsere Persönlichkeit neu gestaltet wird . . . Der einzelne kann somit seine Persönlichkeit ändern . . . Wie wir gesehen haben, kann unsere Natur umgewandelt werden, wenn wir der machtvollen Botschaft der Bibel Gelegenheit geben, unser Leben zu beeinflussen.« (Wachtturm vom 1.11.1990, S. 4ff).

Die Wachtturm-Schrift »Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes« geht sogar so weit, daß sie behauptet, der Mensch könne das Gesetz der Sünde schließlich überwinden und eine dauerhafte Gerechtigkeit in sich selbst kultivieren, um dann in eigener Gerechtigkeit vor dem Gott der Heiligkeit stehen zu können.

Was sagt die Bibel über die neue Persönlichkeit?

Gegenüber beiden Anschauungen lehrt die Bibel sehr wohl, daß wir eine neue Persönlichkeit anziehen müssen. Nur ist dieses Anziehen nicht ein symbolischer Akt oder ein Verbessern unseres Charakters in eigener Kraft. Die neue Persönlichkeit anziehen im Sinn der Bibel heißt, zu einer neuen »Person« zu werden.

Da die von Adam ererbte Persönlichkeit nicht mehr erneuert werden kann, ermahnt Paulus in Epheser 4,24, den »neuen Menschen« anzuziehen, der nach dem Bilde dessen ist, der ihn erschaffen hat.

Dieser »neue Mensch« ist der »Christus«. Nach biblischem Verständnis ein geistiger Organismus, seine Gemeinde. In diesem Organismus werden Juden- und Heidenchristen eins, zu »einem neuen Menschen« (Eph 2,13.14).

Wie wird man Glied dieses Organismus? Durch Wiedergeburt und Taufe. Daher sagt die Schrift: »Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen« (Gal 3,27).

Die »Wiedergeburt« ist existentielles, von Gott geschenktes, neues Leben. Gott sendet den Geist seines Sohnes in das Herz eines Menschen (Gal 4,6). So wird er zu einer »neuen Kreatur in Christus« (2 Kor 5,17) und zieht auf diese Weise die neue Persönlichkeit an (Gal 3,27).

Dem steht das Internationale Freimaurer-Lexikon gegenüber: »Das Anziehen des neuen Menschen. Wie die alten Mysterienbünde« versinnbildlichen auch die Freimaurer die Verwandlung, die sie durch den Eintritt in den Bund zu erleben wünschen, durch das Kleid und durch gewisse Gemeinschaftsformen . . . zieht damit symbolisch einen anderen Menschen (den >neuen Adam<) oder einen andern Leib an. Der alte Leib stirbt oder er bleibt zurück; der >Reine und Verwandelte< tritt über die heilige Schwelle. Nachher tritt der alte Mensch wieder in sein Recht. Der Alltag gewinnt seine Macht zurück; der Bruder ist wieder ein unter das Joch der Notdurft gebeugtes Wesen.«

So muß denn der Freimaurer dieses »Erlebnis des Wiedergeborenseins« immer wieder symbolisch neu erleben, und es ist niemals die Wiedergeburt, die eine ewige Erlösung bringt, und die eben doch nur in Christus erfahren wird. In der Wiedergeburt schenkt Gott durch Christus existentielles, neues Leben. Das ist nicht symbolisch, das ist Realität. Das wahre Anziehen des neuen Menschen ist, wie bereits beschrieben, das Anziehen der Person Christi (Gal 4,6; Eph 4,24).

 

15. Fünf Versionen über Gottheit und Menschwerdung Jesu

Die biblische Version

Jesus war bereits als menschlicher Sohn vom Geist Gottes gezeugt worden und benötigte daher keine zweite Geistzeugung. Sowohl Russell als auch die Zeugen Jehovas relativieren Jesus Christus, denn sie stellen seine Göttlichkeit in Frage. Mit der Taufe des Johannes bezeugte Jesus lediglich seine Bereitschaft, die Sünden der Welt auf sich zu laden. Darum steigt er in das Wasser der Sünder und läßt sich taufen. Der Heilige Geist, der auf ihn herabkommt, ist kein Zeichen seiner geistlichen Wiedergeburt. Der menschgewordene Sohn Gottes war durch den Heiligen Geist von Anfang an mit seinem himmlischen Vater verbunden. Das Herabkommen des Heiligen Geistes und die Stimme des Vaters bestätigen ihn lediglich hörbar und sichtbar vor Johannes als Sohn, als Propheten und Messias.

Jesus Christus wurde nicht bei seiner Taufe im Jordan »geistgezeugter« Sohn Gottes. Er war es bereits von Ewigkeit her. Denn Johannes nannte ihn das »Wort«. Und das Wort war bei Gott und es war Gott (Joh 1,1).

Paulus und Johannes bestätigen die Gottheit Jesu.

Philipper 2,6: »Er, der in göttlicher Gestalt war (. . .) nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich . . ., er erniedrigte sich selbst (. . .)«

Kolosser 2,9: »Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.«

2. Korinther 5,19: »Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber.«

1. Johannes 5,20: »Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.«

Zwei Kommentare zur Gottheit Jesu

»Ohne Zweifel hat Jesus nicht 30 Jahre auf Erden gelebt ohne den Heiligen Geist. Aber der Heilige Geist, der seit 30 Jahren das Band der Gemeinschaft zwischen dem Vater und seinem menschgewordenen Sohn war, trat jetzt am Anfang seines öffentlichen Lebens zu ihm in ein neues Verhältnis.

Der Vater salbte ihn zum König durch den Heiligen Geist und zugleich zum Propheten, mächtig von Taten und Worten vor Gott und allem Volk. Es kann hier bei Jesus also nie und nimmer mit dem >Heiligen Geist< der Geist der Wiedergeburt gemeint sein. Jesus bedurfte keiner Wiedergeburt, er war eh schon heilig seit seiner Geburt (Lk 1,35). Es ist hier der Heilige Geist gemeint im Sinne der öffentlichen Ausrüstung für die Wirksamkeit, die der Herr nun beginnen soll.« (Matth.-Ev., S. 40, Wuppertaler Studienbibel).

»Aber wie wir es auch fassen, so jedenfalls haben wir den Menschen Jesus in seinem ganzen Dasein auf Erden zu sehen: >Gestalt Gottes< in >Gestalt eines Sklaven<. Das ist in keinem Denken zu fassen, hier versagen alle Kategorien der >Zweinaturenlehre<.

Die >Gestalt Gottes< und die >Art der Sklaven in Gleichheit der Menschen< ist gleichzeitig in Jesus da (. . .) Das eben ist die wahre Gottheit Jesu, alle >Gottheit< abzulegen und Sklavengestalt zu wählen. Es ist das, was gerade nur der kann, der an der Schöpfermacht Gottes Anteil hat.« (Wuppertaler Studienbibel Phil.-Brief, S.78)

Die Bibel läßt an der Gottheit Jesu keinen Zweifel. Sie ist historisches Dokument dafür, daß Gott in Jesus Christus den Menschen begegnete. Gott ist in seinem Sohn in die Geschichte der Menschheit eingetreten und nicht als eine zufällige Kraft kosmischer »Intelligenz«.

Die Version der Freimaurer

Der Freimaurer G. F. Lessing behauptete, es sei »unstreitig«, daß die ersten Christen »keinen solchen Sohn Gottes meinten, welcher mit Gott von gleichem Wesen sei«. Im allgemeinen wird Jesus im Freimaurertum lediglich als vorbildlicher Humanist verstanden. In der schwedisch-freimaurerischen Lehrart, aber auch in anderweitigen Interpretationen, erscheint Jesus in gnostischem Licht. Darin ist Jesus nunmehr ganz Mensch und wird als solcher zum »Christusträger«. Dank dieses »Christusgeistes« wird er »göttlicher Eingeweihter und Priester« (nach Lagutt (FM), bei M. Hohl-Wirz).

Jesus wird in der Freimaurerei als historische Gestalt betrachtet. Man darf sich über ihn ein eigenes Bild machen. Im übrigen herrscht im Freimaurertum die Ansicht, der Mensch sei von sich aus gerecht und bedürfe der Erlösertat Christi nicht. (Zuber, FM, nach M. Hohl-Wirz). Zudem wird im Freimaurertum ein Gott, der Gericht an den Menschen übt, abgelehnt. Und gerade Jesus ist es, der von seinem Vater das Gericht übertragen bekam (Joh 5,22.27).

Die Version des New-Age

Im New Age ist die Person »Jesus« mit dem »Christus« nicht identisch, so sagt A. Bailey: ». . . ein Lehrer erschien, ein Welterlöser, ein Erleuchteter, ein Avatar, ein Mittler zwischen Gott und Menschheit, ein Christus« (Bailey: Die Wiederkunft Christi, S. 12).

Dieser »Christus« hat mit »Jesus Christus« nichts zu tun. Er ist nur eine kosmische Macht, ein »Avatar«, der bei der Jordantaufe von der Person Jesus Besitz ergriff und sich in ihr manifestierte.

Was ist ein Avatar?

»Ein Avatar ist ein Leuchtender des Urlichtes, dessen wesenhafte Natur in der Fähigkeit liegt, Energie oder göttliche Kraft zu übertragen . . . begreiflicherweise ein großes Mysterium . . . in Verbindung mit diesen Avatars (oder göttlichen Sendboten) finden wir stets die Vorstellung, daß eine subjektive, geistige Ordnung existiert, eine Hierarchie geistiger Lebewesen, die mit der Fortentwicklung und Wohlfahrt der Menschen betraut sind . . . Solch ein Wesen war Christus.« (Bailey: Die Wiederkunft Christi, S. 9-11).

Wenn »Christus« als eine solche kosmische Kraft verstanden wird, welche Rolle spielt dann die Person Jesus bei der Erlösung der Menschheit? Im New-Age-Denken hat die Person Jesus für die Erlösung nur sekundäre Bedeutung. Als Werkzeug des »Avatars«, des Sendboten des »Urlichts«, empfing die Person Jesus die »Christusschaft«, das sogenannte »Christusbewußtsein«, um dadurch für Menschen Wegweiser zu dieser »Erkenntnis« zu sein.

Die Version Ch. T. Russells

In »Schriftstudien« erklärte Russell über Jesus Christus: »Als vom Weibe geboren, war dessen menschlich irdische Natur auf ihn übergegangen; er war >von der Erde irdisch<.«

Stimmt das? War er nicht Gottes Sohn von Ewigkeit und besaß himmlisches Leben? Auf Erden wurde er als ein Mensch geboren und war seinem Wesen nach Gott und Mensch – zwei Naturen. Wer die Gottheit Jesu bestreitet, verwirft Gott als den Vater Jesu Christi.

Der Evangelist Johannes sagte: »Der von obenher kommt, ist über allen. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde« (Joh 3,31).

Jesus kam von oben, vom Himmel. Er besaß göttliche Gestalt, nahm Knechtsgestalt an und wurde als ein Mensch erfunden (Phil 2,6.7). Dieses Geheimnis wurde Petrus durch Gottes Geist offenbart. Als Jesus die Frage an die Jünger richtete: »Für wen haltet ihr mich denn?«, antwortete Petrus spontan: »Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!« (Mt 16,5.16).

Russell glaubte nicht an die Gottheit Jesu. Daher interpretierte er ein bibelfremdes Evangelium über Sinn und Zweck der Taufe Jesu. Hierzu einige Passagen aus seinen »Schriftstudien«: »Unser Herr Jesus wurde bei seiner Taufe, seiner Weihung, durch den Geist gezeugt. . . und so werden auch die Glieder seines Leibes, seine Kirche . . . zur Zeit ihrer völligen Weihung >gezeugt<.«  –  »Unseres Herrn Taufe mit dem Heiligen Geiste war nicht allein für ihn selbst nötig, damit er teilhaftig werde der göttlichen Macht – der Geist war die göttliche Kraft in ihm und das Unterpfand seiner Empfängnis zur göttlichen Natur und seines Erbanspruches auf dieselbe – sondern es war außerdem auch angezeigt, daß eine äußerliche Kundgebung oder Anerkennung Jesu stattfinden werde, die anderen ermöglichte, in ihm den Gesalbten Gottes zu erkennen.«

Der Inhalt dieser beiden Zitate sagt, daß Jesus nur Mensch war und wie seine Nachfolger »vom Geist gezeugt werden« mußte, als »Erfordernis zum Empfang seiner göttlichen Natur« und seines »Erbanspruches«.

Die Version der Zeugen Jehovas

In der Lehre der Zeugen Jehovas setzt sich die Lehre Russells logischerweise fort. Im folgenden einige Zitate über den Sinn und Zweck der Taufe Jesu, wie sie die Wachtturm-Gesellschaft vertritt.

»Nachdem Jesus im Wasser getauft worden war, goß Jehova seinen Geist auf ihn aus. Dadurch wurde er geistgezeugt, was ihm das Recht gab, ein Gottessohn zu werden, er war nun >wiedergeboren<.« (Wachtturm vom 1.3.1969, S.158).

»Gott hatte Jesus dort durch seinen Heiligen Geist als einen geistgezeugten Sohn hervorgebracht. . . Auf diese Weise wurde Jesus nicht nur ein geistiger Sohn Gottes, sondern auch der Messias, der Christus oder der Gesalbte, der der König des Königreiches Gottes sein sollte . . . Jesus war durch Gottes Geist gezeugt worden, er war >wiedergeboren< worden. Als geistgesalbter Sohn Gottes blieb er bis zum Tode treu.« (Wachtturm vom 1.2.1982, S.6).

Die Gottheit Jesu wird also geleugnet, indem man behauptet, erst durch die Wassertaufe erfolgte seine Wiedergeburt, die ihm das Recht gab, Gottes Sohn zu werden. Gemäß dieser Ansicht kann kaum behauptet werden, daß Jehovas Zeugen die biblische Botschaft verkünden. Es ist die Philosophie des New Age, der Anthroposophie oder des Freimaurertums.

 

16. New Age – was sich dahinter verbirgt

Was ist der Hintergrund des Begriffs »Neues Zeitalter«? Diese Bezeichnung weist auf einen astrologisch abergläubischen Hintergrund.

Die New-Age-Prophetin Alice Bailey erklärt hierzu folgendes: »Wir leben in einer Übergangszeit. Das Fischezeitalter, das im Zeichen von Autorität und Glauben stand, geht zu Ende, und es beginnt das Wassermannzeitalter, das mehr Wert auf individuelles Verstehen und unmittelbares Wissen legen wird . . . Ergänzend möchte ich noch bemerken, daß durch gewisse astrologische Konstellationen neuartige Kräfte frei werden, die im ganzen Sonnensystem wirksam sind und unsere Erde beeinflussen . . . Ich hielt es für richtig, kurz die Situation in der heutigen Welt zu beleuchten, besonders im Hinblick auf esoterische, okkulte und mystische Gruppen sowie geistige Bewegungen.« (Bailey, A.: Die geistige Hierarchie tritt in Erscheinung, S.17).

Welche neuartigen, kosmisch astralen Kräfte meinte A. Bailey? Sind es nicht in Wahrheit jene Kräfte, die in der Bibel als die »Mächtigen und Gewaltigen«, als die Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, »oder die bösen Geister unter dem Himmel« genannt werden, die tatsächlich spürbar und erfahrbar sind? (Eph 6,12). Es sind jene Mächte, die in den Religionen als Götter und in der Bibel schlicht als Dämonen bezeichnet werden.

A. Bailey brachte esoterisch okkulte Gruppen mit diesen Mächten in Verbindung. Dadurch wird deutlich, von welchen Quellen das Denken und Handeln der New-Age-Anhänger beeinflußt wird. Es ist wissenswert, daß A. Bailey die dritte Nachfolgerin Helene Petrovna Blavatskys war, Gründerin der New Yorker Theosophischen Gesellschaft. Auch sie empfing ihre Inspirationen und Anweisungen bereits von »anonymen Autoritäten« der Geisterwelt, die man in der Theosophischen Gesellschaft »Meister« nennt. (Miers, A.: Lexikon des Geheimnisses, S. 274).

Von einem jener »Meister« erhielt auch A. Bailey Anweisungen zur Durchführung des »Planes«, der in ihrer Schrift »Die geistige Hierarchie tritt in Erscheinung« beschrieben wird. Dieser Plan enthält unter anderem Anweisungen zur Vorbereitung der »Wiederkunft Christi«. Hier ist allerdings nicht Jesus Christus gemeint, sondern der »Maitreya-Christus«. (Miers, A.: Lexikon des Geheimnisses, S. 61).

Im Laufe der Jahre gründete A. Bailey nach den Anweisungen ihres Meisters namens K. H. (Koot Humi) eine Reihe von Organisationen, die genau nach ihren Anweisungen arbeiten und prinzipiell dasselbe Ziel anstreben wie die erwähnte Theosophische Gesellschaft: »Einen Kern der allgemeinen Menschheit zu bilden, >ohne Unterschied von Rasse, Religion, Geschlecht, Kaste oder Farbe<. Dahinter steckt der aufklärerisch freimaurerische Weltbruderschaftsgedanke, der sich gegen den Absolutheitsanspruch des Christentums, gegen den Absolutheitsanspruch Jesu Christi richtet, also eine Weltbruderschaft, eine Welteinheitsreligion.« (Gassmann, L.: idea-Dokumentation 35/86).

Die bekanntesten New-Age-Organisationen, die an dem Plan aktiv arbeiten, beschreibt C. Cumbey in ihrer Schrift »Die sanfte Verführung«:

Lucis Trust: Unter dieser Schirmherrschaft arbeitet die »Lucis Verlagsgesellschaft« zur Verbreitung von A. Baileys Schriften, die »Arkanaschule« als Meditationsschulen, die »Triangles« als Dreier-Gebets- und Meditationsgruppen und diverse Meditationsgemeinschaften.

Gruppe der Neuen Weltdiener: Diese Gruppe dient als Vorhut zur »Wiederkunft Christi«. Eine äußere Gruppe verfolgt bewußt das Ziel, eine innere Gruppe empfängt lediglich die »Eingebungen der Hierarchie«, das sind die bereits erwähnten »anonymen Autoritäten«, nämlich Geister. Die Gruppe wurde 1925 von A. Bailey angeblich unter der »Leitung der Hierarchie« (kosmische Mächte) gegründet.

Planetarische Bürger: Das sind prominente Unterstützer auf dem gesamten Erdball. Mitglied ist unter anderem David Spangler. Selbst der bekannte frühere UN-Generalsekretär U-Thant war bei diesem Aufbau beteiligt. Die Organisation dient der Unterstützung der »Gruppe der Neuen Weltdiener«.

 

17. Verschwörung – Methode zur Systemveränderung

Wer die Publikation »Die offene Verschwörung – Aufruhr zur Weltrevolution« von H. G. Wells liest, erfährt, wie und bei wem am besten mit Verschwörungsaktionen angesetzt werden sollte. Wells empfiehlt zunächst gegenüber Militär und militärischen Einrichtungen eine subversive und passive Haltung einzunehmen:

»Ich nehme an, der erste öffentliche Akt von größter Tragweite wird der sein, daß die Mitglieder der Gruppen ihren Einfluß bekunden, jede militärische Verpflichtung abzulehnen, die dem Land durch militärische und diplomatische Kreise aufgezwungen werden.«

Wells fährt fort: »Die prinzipielle Ablehnung jedes Militärdienstes, der uns von den bestehenden Regierungen in ihrer künstlich unterhaltenen Rivalität auferlegt wird, bedeutet nicht unbedingt die Verwerfung eines militärischen Vorgehens gegen nationalistische Räuberbanden zum Wohle der >Weltgemeinschaft<.« Man lehnt also vom Staat gelenkte militärische Handlungen ab, ist aber bereit zu kämpfen, wenn es um die eigenen Interessen geht.

Der folgende Wachtturm-Kommentar »Warum Jehovas Zeugen keine Pazifisten sind« entspricht genau dieser Haltung: »Sie (Jehovas Zeugen) sind nicht gegen den Krieg zwischen den Nationen, und sie mischen sich nicht in die Kriegsbestrebungen der Nationen ein, noch treten sie irgend jemand in den Weg, der sich seinem Gewissen gemäß an solchen Bestrebungen beteiligen kann. Sie kämpfen nur, wenn Gott ihnen dies zu tun gebietet, weil es dann theokratische Kriegführung ist.« (Wachtturm vom 15.3.1951, S.84).

Fälschlich wird behauptet, Jehovas Zeugen lehnen den Militärdienst aus christlichen Gewissensgründen ab. Das stimmt nicht. Sie lehnen ihn aufgrund ideologischer Schulung ab, die ausschließlich auf das Ziel der »Weltherrschaft« und »Weltregierung« ausgerichtet ist.

 

18. Parallelen zwischen New Age und Jehovas Zeugen

Constanze Cumbey, Kennerin der New-Age-Szene, deckt in ihrer Schrift »Die sanfte Verführung« die New-Age-Bewegung als hintergründige, luziferische Endzeitbewegung auf. Beim Lesen ihrer Schrift zeigen sich weitere Parallelen zwischen Wachtturm-Ideologie und New Age:

C. Cumbey: »Sie (die New-Age-Anhänger) werden . . . durch raffinierte Methoden der geistigen Manipulation gefangen gehalten . . . sind unwissende und arglose Opfer der größten Verführung, die die Welt gesehen hat . . .« (S.14).

Wachtturm-Zitat: »Wenn wir Jehova und die Organisation seines Volkes lieben, werden wir nicht mißtrauisch sein, sondern werden, wie die Bibel sagt, >alles glauben<, nämlich alles, was der Wachtturm darreicht.« (Zum Predigtdienst befähigt, S. 156).

Die einen arbeiten mit »raffinierten Methoden«, die anderen mit rhetorischen »Tricks«. »Alles glauben, was die Bibel sagt, alles, was der Wachtturm darreicht.« Auf geschickte Weise wird hier die Wachtturm-Schrift der Bibel gleichgestellt.

C. Cumbey: ». . . eine Bewegung mit vielen Tausenden von Organisationen, die die Erde netzartig umspannen und eine »Neue Weltordnung« errichten wollen. (S.156).

Wachtturm-Zitat: »Jehovas Zeugen haben mit ihrer Zeugnistätigkeit buchstäblich die ganze Erde umspannt.« (Wachtturm vom 15.6.1984, S. 17).

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, daß Jehovas Zeugen die Erde mit ihrer Organisation umspannt haben. In über zweihundert Ländern sind sie aktiv oder haben ihre Büros und Zentralen eingerichtet. Es gibt kaum eine andere Organisation, die so effektiv arbeitet. Ein Beispiel: Die Verkündigerzahl der Zeugen Jehovas betrug 1972 in Italien 22196. Etwa 18 Jahre später betrug die Verkündigerzahl bereits 180000.

Die Wachtturm-Organisation bezeichnet sich selbst als eine »mächtige Nation«, die bald die ganze Erde füllen wird: ». . . wie in Daniel 2,44 vorhergesagt wird, wird Jehovas Königreich bald alle anderen Regierungen zermalmen und ihnen ein Ende bereiten und allein ewig herrschen.« (Wachtturm vom 15.6.1984, S. 19).

C. Cumbey: Anhänger der Bewegung (New Age) haben sogar mit Ausrottung aller Juden, Christen und Moslems gedroht… (Seite 19, Die sanfte Verführung).

Wachtturm-Zitat: ». . . wird das Ende über die Christenheit und über das Judentum kommen . . . Das bedeutet, daß auch die Christenheit und das Judentum bald nicht mehr sein werden.« (Rettung aus der Weltbedrängnis steht bevor, S. 227).

Jehovas Zeugen verkündeten bis etwa 1930, Israel würde als Volk Gottes in sein verheißenes Land zurückkehren. Annähernd 40 Jahre unterstützten die Zeugen Jehovas (früher Bibelforscher genannt), vertreten durch ihre Präsidenten Ch. T. Russell und J. T. Rutherford, den Zionismus. Als die Hitler-Ära nach 1930 langsam an Boden gewann, schwenkte die Wachtturm-Gesellschaft um. Das letzte prozionistische Wachtturm-Buch erschien 1929 und wurde bis in die dreißiger Jahre verbreitet. 1933 holte die Wachtturm-Gesellschaft zum Schlag gegen die Juden aus. (Erklärung Wilmersdorfer Turnhalle, 25.6.1933, Rechtfertigung, Bd. 2 (1932), S. 117).

Die heutigen Zeugen Jehovas erklären Israel als von Gott verworfen. 1931 nahmen sie zudem den Namen »Jehovas Zeugen« (Jes 43,10) an und deklarierten sich als neuzeitliches Volk Gottes.

C. Cumbey: »Die Bewegung (New Age) lehrt, daß man durch Initiation (Einweihung) und Werk gerettet wird und nicht durch Gnade und den Glauben an das Sühnopfer Jesu Christi.« (Seite 73, Die sanfte Verführung).

Wachtturm-Zitat: »Das Lösegeld . . .verbürgt keinem Menschen ewiges Leben oder ewiges Glück . . . verbürgt jedem Menschen eine zweite Gelegenheit. . . ewiges Leben zu erlangen.« (Göttlicher Plan der Zeitalter, S. 144ff).

Jehovas Zeugen lehren ebenfalls, Anspruch auf ewiges Leben muß verdient werden durch »Rechtfertigung des Namens Jehova«. Die Zeugen glauben wie im New Age, ewiges Leben durch Werk und eigene Gerechtigkeit zu bekommen. Ch. T. Russell lehrte, daß alle Menschen zur Auferstehung kommen müssen, um sich zu bewähren. Sie bekämen nochmals Gelegenheit wie Adam, den Gehorsam gegenüber Gott zu beweisen. Mit anderen Worten, die Sünde von Adam her ist ihnen selbst durch Jesu Tod am Kreuz nicht vergeben.

Wachtturm-Lehren und Glaubensinhalte der Zeugen Jehovas

1.  Es gibt keinen dreieinigen Gott – Dreieinigkeits-Broschüre: »Sollte man an die Dreieinigkeit glauben?«
2.  Jesus ist nicht Gott – Unterredungen, S. 242ff. = »Unterredungen anhand der Schriften«
3.  Heiliger Geist = Gottes wirksame Kraft – Unterredungen S. 174ff.
4. Jesus wurde als Sohn Gottes erschaffen, Paradiesbuch, S. 58 = »Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben«
5.  Jesus, auf Erden wiedergeboren – WT 1.3.63, S. 158,1.2.82,S.9.
6.  Jesus, nach Tod drei Tage nicht existent – WT 1.6.88, S. 13.
7.  Jesus, nicht leiblich auferstanden – Buch Unterredungen, S. 246ff.
8.  Wiederkunft Christi ist unsichtbar – Paradiesbuch, S. 142, Abs. 17.
9.  Es gibt keine Hölle – Wahrheitsbuch, S. 96 und 97 = »Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt«.
10. Tod ist Nichtexistenz – Paradiesbuch, S. 77.
11. Jesus, nur für 144000 Personen Mittler – Wachtturm vom 1. August 1979, S. 31.
12. 144000 Personen kommen in den Himmel – Paradiesbuch, S. 124, Abs. 14.
13. Jehovas Zeugen müssen sich ewiges Leben verdienen – Ewiges Leben . . ., S. 386-388.
14. Wachtturm-Gesellschaft – Stellvertreter des Herrn auf Erden – Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 148.

Diese Liste ist nur ein Teil der Wachtturm-Sonderlehren, die jeder Zeuge Jehovas glauben und verkünden muß. Die Titel der Wachtturm-Schriften sind wegen Platzmangel mit ihren Kurznamen angeben. Die genauen Titel lauten:

 

19. Jahreszahlen – Parallelen zwischen New Age und Jehovas Zeugen

Die New-Age-Prophetin A. Bailey und die Wachtturm-Ideologen operieren bei ihren »Prophezeiungen« mit gleichen Jahreszahlen. Versionen und Erwartungen sind unterschiedlich bis gleichlautend. Es stellt sich die Frage: Aus welcher Quelle stammen die »Inspirationen« der Jahreszahlen? A. Bailey spricht von »Meistern« (anonyme, geistige Autoritäten), die ihr diktierten. Ch. T. Russell erklärte, mit dem »Großen Meister« konferiert zu haben, J. F. Rutherford, der Nachfolger Russells, erklärt, daß »Engel« die Wachtturm-Führung inspirieren. Jesus sagte seinen Nachfolgern, daß sie der Heilige Geist führen, belehren und leiten werde (vgl. auch Joh 14,16; 1 Joh 2,27).

Version über das Jahr 1914

New Age: »Die Meister arbeiten in Übereinstimmung mit dem großen Plan . . . ein Plan, der wegen der menschlichen Selbstsucht die grauenvollen Schrecken des Weltkrieges (1914/1945) notwendig machte.« (A. Bailey, S. 800).

Hier wird der erste Weltkrieg als eine notwendige Maßnahme der »Meister« interpretiert. Wer sind diese »Meister«? Und warum mußten der erste und zweite Weltkrieg inszeniert werden?

In diesem Zusammenhang sei auf den ominösen Brief des Freimaurers und Illuminaten A. Pike an G. Mazzini vom 15. August 1817 hingewiesen. Darin werden minutiöse Pläne für die Inszenierung des ersten Weltkrieges 1914 dargelegt. »Geistige Verknüpfungen«, wie schon an anderer Stelle, können auch hier kaum bestritten werden.

Wachtturm- Version: Ch. T. Russell »prophezeite«, gestützt auf einige zeitgenössische »Zahlenexperimente« (J. A. Brown: The Even Tide, London, 1823), das Ende der Heidenzeit für das Jahr 1914. Seine selbstsichere Auslegung lautete: »In diesem Kapitel liefern wir den >biblischen Nachweis< . . . daß das volle Ende ihrer Herrschaft (Nationen) mit dem Jahre 1914 erreicht sein wird und . . . sechstens beweist es, daß die große >Zeit der Drangsal ihren schließlichen Höhepunkt erreicht haben wird.« (Ch. T. Russell, Bd. 2, S. 78).

Beide Versionen weisen in ihren Darlegungen auf die katastrophalen Ereignisse des Jahres 1914 hin und auf ein Eingreifen aus der »geistigen« Welt. Version über das Jahr 1919

New Age: A. Baileys »geistiger« Inspirator gibt zu bedenken: »Ich habe euch meine Pläne dargelegt. . . Seit 1919 bin ich euer Lehrer . . . »Möge ER, der Meister aller Meister . . . euch bei der Aufgabe helfen, die Menschheit in das Licht und in eine neue Zeit zu führen.«

Wer ist seit 1919 dieser Lehrer, der in die irdischen Belange eingreift?

Wachtturm-Version: »Durch seinen Heiligen Geist. . . leitete Jehova seine Leute bis zu einem gewissen Punkt. . . als der Tröster weggenommen wurde . . . als der große Richter sein Gericht begann im Jahre 1919.« (Bewahrung, S. 193).

In der Wachtturm-Schrift »Neue Himmel und eine neue Erde« heißt es: »Mit der Inthronisierung Jesu im Jahre 1914 traten die neuen Himmel in Erscheinung. Die neue Erde dagegen erst 1919.« (S. 320 und 323). – Hier werden beide Jahreszahlen (1914 und 1919) direkt zusammen genannt.

Version über das Jahr 1925

New Age: »Der stimulierende Impuls, der gegeben wurde, und das Licht, das sich nach der letzten hierarchischen Konklave im Jahre 1925 allmählich verbreitete, sind echt und wirksam gewesen . . . Die zweite Auswirkung . . . führte zur Zunahme und Vervollkommnung aller Verkehrs- und Kommunikationsmittel, wie Presse, Radio und Reisemöglichkeiten.«

Wachtturm-Version: »Wir sollten kurz nach 1925, dem letzten vorbildlichen Jubeljahr, die Auferweckung von Abel. . . Abraham . . . erwarten . . .«Es wird keine Herrschaften und Diener mehr geben . . . Denn alle Kräfte der Natur sind ihm (dem Menschen) Untertan und treiben alle möglichen Maschinen . . . Da gibt es einen kleinen Apparat auf der Spitze des Hauses, der zieht alle Kraft, die wir zum Betrieb unserer Maschinen benötigen, direkt aus der Luft. . .«

In beiden Versionen werden phantastische Errungenschaften auf Erden für das Jahr 1925 beschrieben. Unsichtbare Kräfte verhelfen inspirierten Menschen zu entsprechenden Erkenntnissen und Erfindungen.

Version über das Jahr 1975

New Age: »Ihr sollt pflichtbewußt alles tun, um jene menschlichen Denk- und Verhaltensweisen zu entwickeln und zu fördern, die notwendig sind, wenn es in der Welt 1975 wahren Frieden geben soll.« (A. Bailey, S. 396).

Das sind deutliche Anregungen oder Anweisungen zu vermehrten Anstrengungen, das Ziel zu erreichen, Frieden bis 1975.

Wachtturm-Version: »Sollten wir aufgrund dieses Studiums annehmen, daß im Herbst 1975 die Schlacht von Harmagedon vorüber sei und die langersehnte Tausendjahrherrschaft Christi beginnen wird?

Es ist daher nicht an der Zeit, gleichgültig zu sein . . . Wir können nicht über das Jahr 1975 hinaussehen . . .« (Wachtturm vom 15.11.1968, S. 691).

Auch in dieser Version ist Hauptaspekt: »Friede bis 1975.«

Die Übereinstimmungen sind verblüffend. Man könnte die Vergleichsreihe fortsetzen. Eine hintergründige, geistige Verknüpfung ist unverkennbar. Zumal die zwei Weltanschauungen völlig unabhängig voneinander mit Zahlen und Zeitereignissen operiert haben und zu fast gleichen Ergebnissen kamen. Die Ereignisse sind zu gewaltig, um von Menschen inszeniert zu werden. Man muß nach dem Urheber und »Planer« dieser Ereignisse fragen. Dazu regt die Version A. Baileys über die beiden Weltkriege an. So läßt sich daraus auf die »Informationsquelle« für Russell und seine Nachfolger schließen. Zweifellos sind geistige Verbindungen zu der »einen« Quelle erkennbar.

 

20. Jehovas Zeugen und die New-Age-Systemschau

Während meiner Studien zum vorliegenden Buch fiel mir die Wachtturm-Ausgabe vom 15. Juli 1980 in die Hände. Was ich beim Lesen entdeckte, wäre mir früher als Zeuge Jehovas selbst nie aufgefallen. Die Darlegung reflektierte typisches New-Age-Denken.

Der Artikel, betitelt »Eine Weltregierung – wo liegen ihre Hindernisse?«, intendiert die Überzeugung, daß die von der Wachtturm-Organisation proklamierte »unsichtbare Weltregierung«, in Zusammenarbeit mit der bereits bestehenden »Neuen-Welt-Gesellschaft« der Zeugen Jehovas, einmal für die Grundbedürfnisse der Menschheit sorgen wird.

Die »Systemtheorie« und die Auffassung über Lebenszusammenhänge stammen aus der Feder eines F. Capra, der bemüht ist, seine buddhistischen Erkenntnisse in eine mystisch transzendente Weltsicht umzusetzen. In seinem Buch »Wendezeit« schreibt er: »Jeder Organismus – von der kleinsten Bakterie über den weitesten Bereich der Pflanzen und Tiere bis hin zum Menschen – ist ein integriertes Ganzes und somit ein lebendes System«  –  »Auch gesellschaftliche Systeme weisen dieselben Grundaspekte auf – etwa wie ein Ameisenhügel, ein Bienenstock oder eine menschliche Familie.« – »Die neue Sicht der Wirklichkeit. . . beruht auf der Erkenntnis, daß alle Phänomene – physikalische, biologische, psychische, gesellschaftliche und kulturelle – grundsätzlich miteinander verbunden und voneinander abhängig sind.« (Wendezeit, von F. Capra, S. 294).  –  Diese Zitate spiegeln sich auch in den Wachtturm-Darlegungen wider.

Gemeinsame Begriffe bei Jehovas Zeugen, Freimaurern und New Age

Neue Weltordnung: In jüngster Zeit war der Begriff »Neue Weltordnung« bereits wiederholt im Munde prominenter Politiker, beispielsweise des damaligen amerikanischen Präsidenten Bush oder des früheren russischen Präsidenten Gorbatschow, der am 7. Dezember 1988 vor der UNO sagte: »Weiterer globaler Fortschritt ist jetzt nur noch möglich durch die Suche nach universeller Übereinstimmung in der Bewegung hin zu einer >Neuen Weltordnung<.« – »Novus ordo seclorum« – das ist die Maxime des Illuminatenordens und der New-Age-Bewegung.

Eine »Neue Weltordnung« ist bedingt durch eine Weltregierung mit totaler Machtbefugnis. Diesem Ziel ist man durch die Französische Revolution von 1789 und ihre ideologischen Folgeerscheinungen beachtlich nähergerückt, denn die utopischen Parolen von damals: »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit«, manifestieren sich seitdem bereits in der Überschrift des 1. Artikels der »UNO-Charta für Menschenrechte«. Auch der große Vordenker des New Age, H. G. Wells (gest. 1946), schrieb geradezu visionär über die Thematik »Weltstaat« und »Weltgemeinschaft«. In seiner berühmten Edition »Die offene Verschwörung – Aufruf zur Weltrevolution«, tauchen bereits Begriffe wie Weltordnung, Weltkontrolle, Weltstaat, Weltorganisation, Weltregierung und Weltgemeinschaft auf. Ebenso sehen wir dies bei der New-Age-Prophetin A. Bailey, die schon in den ersten Jahren des zweiten Weltkrieges über das Thema Weltordnung und Weltreligion schrieb.

Auch die Wachtturm-Gesellschaft bedient sich desselben Vokabulars wie die New-Age-Experten und das Illuminatentum. Damit steht sie auf der Seite der antichristlichen »Neuen-Welt-Architekten«. Wir sagten bereits, daß man eine Weltanschauung und ihr Ziel am Vokabular und den Begriffsanwendungen erkennen kann. Bemerkenswert ist, daß die Wachtturm-Gesellschaft bereits nach dem ersten Weltkrieg den Begriff »Neue-Welt-Gesellschaft« prägte. (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 119, 147).

Die Wachtturm-Organisation der Zeugen Jehovas benutzt aber nicht nur dieselben ideologischen Vokabeln, sondern plant ebenfalls im Falle von Widersetzlichkeiten in ihrer »Neuen Ordnung« dieselben Methoden anzuwenden, die New-Age-Führer in ihrer »Neuen Weltordnung« im Bedarfsfall anzuwenden gedenken.

Die Parallelen zwischen Illuminatentum, New Age und Wachtturm-Ideologie sind beachtlich.

»Neue Weltordnung«:

– Seit 1914 sammelt der vortreffliche Hirte, Jesus Christus, die Bürger der »Neuen Ordnung« ein.

– Als Bürger der »Neuen Ordnung« halten Jehovas Zeugen in erster Linie der himmlischen Regierung die Treue.

– Jehova führt sein Volk einer strahlenden »Neuen Ordnung« entgegen.

– Sie werden unter der Leitung des Königreiches eine gerechte »Neue Ordnung« aufbauen.

– Es wird sich dabei um eine »Neue Ordnung« oder »Weltordnung« oder einen neuen Bereich menschlichen Lebens
   handeln. (Wachtturm vom 1. Mai 1987, S. 31).

Zum Begriff »Weltregierung«:

– »Eine Weltregierung – wie sie zustande kommen wird«

– Angenommen, es gäbe einen Herrscher . . . könnte er eine Weltregierung zustande bringen?

– Gott hat erklärt, daß er für eine Weltregierung zuständig sei.

Der Begriff Menschenrechte:

– Unter der Überschrift »Menschenrechte – werden sie je verwirklicht« heißt es: ». . . und die Fürsten, die er (Jesus Christus)
   einsetzt, werden dafür sorgen, daß auf der ganzen Erde Recht und Gerechtigkeit herrscht.«

– »Wenn dieses Gebet Erhörung gefunden haben wird, werden die Menschenrechte auf der Erde gewahrt werden.« (WTG:
     Erwachet).

– »Das zeigt, daß es eine höhere Macht gibt, der die Rechte, die heute als Menschenrechte bezeichnet werden, am Herzen
    liegen.«

– »Er (Gott) hat verheißen, daß die Zeit kommen wird, in der alle Rechte des Menschen zum Wohle jedes einzelnen
    verwirklicht werden.«

– »Allerdings ist der Ausdruck >Menschenrechte< darin (gemeint ist die Bibel/d. Verf.) nicht zu finden. Doch die Rechte,
    die man heute als >Menschenrechte< bezeichnet, werden in der Heiligen Schrift vielfach erwähnt.« (ERWACHET: 8.12.
    1979, S. 12)

Stimmt das wirklich? Sympathisiert die Wachtturm-Schrift hier nicht mit der ideologischen Maxime des Freimaurertums von den Menschenrechten, wie etwa die Führer des »konziliaren Prozesses« mit der Postulierung »Gerechtigkeit – Friede und Erhaltung der Schöpfung«? Attribute, die erst im Tausendjährigen Reich Christi ihre Erfüllung finden, werden schon jetzt in ideologische Fahrwasser geleitet.

Zu Recht behauptet daher W. Künneth: »Die große Verheißung der Ideologie konzentriert sich in den Grundbegriffen >Gerechtigkeit, >Friede<, >Einheit<, >Freiheit, >Humanisierung< der Welt.« (Ideologien – Herausforderung an den Glauben, Peter Beyerhaus, S. 25).

Hierzu das Internationale Freimaurerlexikon: »Angenommene Erklärung der Menschenrechte der Französischen Revolution.«  –  »Alle Menschen sind von Natur frei und unabhängig. Jede Regierungsgewalt gehört allein dem Volk . . . daß die gesamte Maurerei die Verfechtung der Menschenrechte in ihre Verfassungen aufzunehmen habe.« (Lennhoff-Posner: S. 1025)

Lutz v. Padberg schreibt in »Der konziliare Prozeß«, daß die Französische Revolution die christliche Ethik als Grundlage für das Zusammenleben der Menschen für obsolet erklärte und daher die Maxime »Menschenrechte« ersetzte. Die Weiterführung der Idee der »Menschenrechte« kommt in dem bekannten Lied der »Internationale« zum Ausdruck, wo es unter anderem heißt: ». . . die >Internationale< erkämpft das >Menschenrecht<.« (Internationale Arbeitervereinigung von Kommunismus und Sozialismus).

Menschheitsfamilie

Nichts scheint logischer zu sein, als für die Gesamtheit aller Menschen die Bezeichnung Menschheitsfamilie zu gebrauchen. Denn bekanntlich stammen alle von einem Ur-Elternpaar ab. Begriffe sind aber leider nicht immer so eindeutig und wertneutral, wie es oft den Anschein hat.

Dazu ein Beispiel: Unter der Bezeichnung »Christus« versteht ein Durchschnittsbürger Jesus von Nazareth. Ein New-Age-Anhänger sieht darin eine kosmische Kraft, die in ihm das »Christusbewußtsein« bewirkt. Oder: Jemand behauptet, Jesus war der präexistente Gottessohn. Dagegen erklärt ein anderer, Jesus sei nur ein moralisch hochstehender Mensch gewesen.

Man sieht, Worte und Begriffe werden unterschiedlich interpretiert. Meist je nach Weltanschauung. Daher kann umgekehrt mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Begriffsverständnis einer Person auf ihre Weltanschauung geschlossen werden. Das trifft auch für die Verwendung des Begriffs Menschheitsfamilie zu.

»Menschheitsfamilie« ist ein entscheidender Begriff bei Freimaurern und Illuminaten, Krönung aller Aktivitäten bei der UNO und Ziel aller Vereinigungsbestrebungen der Weltkirche in Rom. In diesen Reigen stimmt die New-Age-Prophetin A. Bailey mit ein, indem sie an die Zusammengehörigkeit der »menschlichen Familie« erinnert oder von den »Brüdern in allen Ländern« spricht.

Hinzu kommen auch Jehovas Zeugen mit ihrer skurrilen Feststellung, daß die ganze Menschheit nach Harmagedon einen neuen, einen zweiten Vater haben wird. Sie sagen, daß Jesus der zweite Vater der Menschheitsfamilie wird, daß er die Vaterschaft für die Menschheitsfamilie übernimmt und das Paradies wiederherstellt. (WTG: Weltweite Sicherheit unter dem Fürsten des Friedens, S. 162 u. S. 169).

Eine weitere Aussage lautet: »Nein, eine vereinte Menschheitsfamilie ist kein Traum. Sie ist schon heute im Werden begriffen. Gehörst auch du dazu?« (Wachtturm vom 15. Juni 1984, S. 19).

Unübersehbar – Jehovas Zeugen verwenden den Terminus »Menschheitsfamilie« genauso gut wie das Freimaurertum und die New-Age-Bewegung.

Der Begriff »Menschheitsfamilie« ist jedoch unbiblisch. Der Terminus taucht lediglich in Ideologien auf, deren Ziel es ist, ein antichristliches Friedensreich, einen humanitären Menschheitstempel oder ein irdisches Paradies aufzurichten.

Christus sprach nirgends von einer Menschheitsfamilie, aber er sprach von seinen Brüdern. Wer ist das? ». . . wer sind meine Brüder? . . . Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester« (Mt 12,48.50).

Das ist genau das Gegenteil von dem, was einst Philipp Potter, ehemaliger Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen formulierte: »Eine Christenheit, die aus der Bruderschaft mit Christus lebt, sucht die Bruderschaft mit allen Menschen . . .«

Eine Bruderschaft aller Menschen mit Christus ist, wenn auch noch so gut gemeint, utopisch und unbiblisch. Christus hat das auch nie behauptet. Eine Bruderschaft mit Christus entsteht nur durch Wiedergeburt (Joh 3,3.5.7). Danach sind alle jene »Leib Christi« oder »Gemeinde«, aber niemals »Menschheitsfamilie«.

Schlusswort: Die Berührungspunkte zwischen Jehovas Zeugen, Freimaurern und New Age wurden in meiner Darlegung deutlich. Wenn es auch innerhalb der drei Ideologien noch etliche unterschiedliche Auffassungen gibt, stimmen sie jedoch in ihren Maximen überein. In über 21 gleichlautenden Begriffen, Lehrmeinungen und Zielen ist Kongruenz deutlich erkennbar. Vor allem wollte ich deutlich machen, dass es sich bei den drei Systemen nicht um biblische Anschauungen handelt, sondern um antichristliche Ideologien.

Erich Brüning, 1993.

 

Die Hervorhebungen im Text sowie ein leichte Kürzung wurden von mir vorgenommen.

Horst Koch, Herborn, im Juli 2015

info@horst-koch.de

www.horst-koch.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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