Homosexualität (M.Seemann)

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– Homosexualität –
Veranlagung, Schuld oder legitime Selbstverwirklichung?

– Eine ethische Auseinandersetzung –
von Michael Seemann

Lange Zeit hatte ich mich mit dem Thema Homosexualität nur theoretisch beschäftigt. Diverse Bücher, Artikel in Zeitungen und Zeitschriften sowie Sendungen im Fernsehen waren mir dabei wertvolle Informationsquellen gewesen. Aber dann hatte ich Ende September diesen Jahres ein Erlebnis, durch das die Thematik dieses Referates eine neue, ganz praktische Bedeutung für mich gewonnen hat. Kurz vor Vorlesungsbeginn machte ich einen Tagesausflug in meine Heimatstadt München, in der ich geboren bin. Ich wollte dort alte Freunde treffen, einen Stadtbummel machen und dann abends, als krönenden Abschluß, das Oktoberfest besuchen. Da ich an diesem Tag in der ganzen Stadt unterwegs sein wollte, kaufte ich mir ein Tagesticket für die U-Bahn.

Wer in München schon einmal U-Bahn gefahren ist, der weiß, auf was für ein Abenteuer ich mich dabei eingelassen hatte. Es gibt in München zwar viele U-Bahn-Linien, deren Zugang und Richtung sind aber sehr schlecht ausgeschildert. Und so stand ich schon nach einiger Zeit kopfschüttelnd im Münchner Untergrund und versuchte verzweifelt, eine bestimmte U-Bahn-Linie zu finden. Als ich gerade dabei war, intensiv eine wirre Karte des Münchner U-Bahn-Netzes zu studieren, wurde ich plötzlich von einem Mann mittleren Alters angesprochen. Er hatte mich während meines Suchens schon prüfend gemustert, aber ich hatte mir nichts dabei gedacht.

„Wo wollen Sie denn hin?“ fragte der Mann. Ich nannte ihm den gewünschten Zielort. Daraufhin machte mich der Mann darauf aufmerksam, daß ich falsch sei. Er könne mir aber den richtigen U-Bahnsteig zeigen, er sei zufällig in der gleichen Richtung wie ich unterwegs. Die Sache kam mir zwar etwas seltsam vor, aber ich war ganz dankbar, jemanden gefunden zu haben, der sich auskannte.

Und so marschierte ich geduldig neben dem Mann her. Dabei fragte er mich, was ich denn in München wolle. Offenbar hatte er mich schnell aufgrund meines Dialekts als Tourist erkannt. Ich erzählte ihm kurz von meinen Plänen. „Wo wollen Sie heute Nacht wohnen?“ fragte mich mein Gegenüber beiläufig. „Nirgends“, antwortete ich ihm. „Kurz nach Schließung des Oktoberfestes setzte ich mich ins Auto und fahre heim“.

Und nun kam etwas, das mich total verblüffte. „Das muß nicht sein“, sagte der Mann. „Sie können doch bei mir übernachten“.

Mir wurde leicht mulmig zumute. „Warum bieten Sie mir das an?“ fragte ich ihn. „Nun“, bemerkte der Mann herausfordernd, „für einen netten jungen Mann habe ich immer ein Zimmer frei. Wir können doch gemeinsam aufs Oktoberfest gehen und auch hinterher noch interessante Dinge gemeinsam machen … „

Ich war sprachlos. Es war das erste Mal, daß ich einem Menschen gegenüberstand, der sich ganz offen als Homosexueller zu erkennen gab, der kein Geheimnis daraus machte, wie er fühlte und was er wollte – auch sexuell wollte.

Und dieser Mann sah nicht so aus, wie ich mir einen Homosexuellen vorgestellt hatte (affektiert, Lederjacke, weibische Stimme – Klischees), er sah aus, wie viele andere Männer auch, war modisch gekleidet, sprach ruhig und sachlich und machte einen freundlichen Eindruck.

Irgendwie wußte ich nicht, wie ich ihm begegnen sollte. Ich machte ihm deutlich, daß ich seiner „Einladung“ nicht Folge leisten könne. Ich erzählte ihm von meinem Christsein, daß ich mich Gottes Geboten unterordnen wolle und wie mir Jesus zum persönlichen Gegenüber geworden ist.

Daraufhin hatte es der Mann plötzlich eilig, er verabschiedete sich kurz und war schnell in den Menschenmengen der U-Bahn verschwunden, wohl auf der Suche nach einem willigeren Opfer.

Dieser Vorfall hat mich sehr nachdenklich gemacht. Auf der Heimfahrt wurde mir bewußt, daß ich nur sehr theoretisch um Homosexualität und die damit verbundenen Probleme wußte und mir kaum Gedanken gemacht hatte, wie man mit Homosexuellen umgeht oder ihnen helfen kann. Zu eindeutig war mir immer der Gedanke gewesen, daß Homosexualität unnormal sei und von Gott abgelehnt werde. Zu selbstverständlich war es mir immer erschienen, daß es normal sei, heterosexuell zu sein. Und nun wurde ich mit einem Mann konfrontiert, der anders, der schwul war. Ich erinnere mich auch des Gefühls, das ich gegenüber dem Homosexuellen empfand – da war eine Mischung aus Verwunderung, Betroffenheit und – Abscheu.

Die Frage jedoch, die mich am meisten bewegt hat, ist auch Thema dieses Referates. War dieser Mann nur durch eine Veranlagung zur Homosexualität determiniert worden oder hatte er sich frei dazu entschieden? Hatte er sich mit seinem Lebensstil vor Gott schuldig gemacht oder war seine Homosexualität eine legitime Form, sich selbst zu verwirklichen?

Ich werde versuchen, in meinem Referat auf diese Fragen einzugehen und sie zu beantworten.

 

A. Grundlegende Vorbemerkungen

A.1 Definition von „Homosexualität“

Der Begriff Homosexualität wurde vermutlich zuerst von dem ungarischen Arzt K.M. Benkert im Jahre 1869 in die Diskussion eingeführt. Er war ein Vorkämpfer für die Anerkennung der Homosexualität (er war selbst homosexuell) und kämpfte, wie er sagte, für das freie Recht auf gleichgeschlechtliche Sexualausübung

Verschiedene Wörterbücher definieren „Homosexualität“ ähnlich wie Benkert:

– Magee (Arzt und Psychiater) schreibt in seinem Buch „Einer unter zwanzig“: „Homosexualität bezeichnet die sexuellen Beziehungen zwischen Partnern desselben Geschlechts, gleichviel ob zwischen Männern oder zwischen Frauen. Für die homosexuelle Frau gibt es eine eigene Bezeichnung (Lesbierin), für den homosexuellen Mann nicht“.

– Wörterbuch der medizinischen Fachausdrücke: „Homosexualität – sexuelle Kontakte unter gleichgeschlechtlichen Partnern“.

Auch bei vielen christlichen Autoren sind ähnliche Beschreibungen des Begriffs „Homosexualität“ zu finden. So schreibt z.B. John White in seinem Buch „Eros – Segen oder Fluch?

„Ein homosexueller Akt ist dazu bestimmt, zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts einen sexuellen Orgasmus zu bewirken. Ein Homosexueller ist ein Mann oder eine Frau, die homosexuelle Akte vollziehen“.

Alle diese Definitionen betonen sehr stark das Verhalten des Menschen. „Derjenige, der gleichgeschlechtliche Sexualkontakte vollzieht, ist homosexuell“.

Gegen diesen Standpunkt wird jedoch von den Betroffenen entschieden Einspruch erhoben. Homosexualität sei sehr viel mehr als der bloße Sexualakt. So schreibt der Diplom-Psychologe Thomas Grossmann, der in der Beratung Homosexueller und deren Angehörigen steht:

– „Homosexualität bedeutet – als Mann einen Mann und als Frau eine Frau zu lieben.

– Gegenüber Angehörigen des Geschlechts zärtliche Gefühle zu haben;

– sich sexuell stärker oder ausschließlich durch gleichgeschlechtliche Partner angezogen zu fühlen;

– als Mann Freude am Anblick von Männern zu haben und als Frau die Ausstrahlung einer Frau zu mögen.“

Der letzte Punkt ist natürlich sehr hart formuliert. Bin ich allein schon deswegen homosexuell, weil mir als Mann ein anderer Mann sympathisch ist oder ich sagen kann: „Der sieht aber gut aus“? Wäre dann nicht in jeder Freundschaft ein homosexuelles Element enthalten? Grossmann bejaht dies. Der Mensch sei von Natur aus bisexuell. Wenn „zwei Mädchen Arm in Arm gehen oder wenn ein Vater mit seinem Sohn schmust, ist strenggenommen Homosexualität im Spiel“.

Jedenfalls weichen Grossmann – und daneben viele Homosexuelle — deutlich von der Betonung des Verhaltens, des Tuns (Sexualakt) ab und betonen das Emotionelle, das Gefühl als Grundlage der Homosexualität. Sehr oft wird dabei der Begriff Homosexualität mit dem Begriff Homophilie ersetzt.

Aber auch diese Definition ist nicht unumstritten. Viele Betroffene lehnen sie ebenfalls ab, da durch sie der Eindruck entstehe, als spiele die Homosexualität bei gleichgeschlechtlichen Partnern keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

Einen Ausweg aus dieser Diskussion fand der Holländer Hermann van de Spijker mit seiner Wortschöpfung Homotropie. Dieses Wort ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet „auf das Gleiche gerichtet sein“ Spijker bezeichnet konsequenterweise die Heterosexualität mit Heterotropie.

Nach dem Schweizer Theologen G. Looser umfaßt sowohl der homotrope als auch der heterotrope Zustand drei Ebenen: die personale, die erotische und die sexuelle Ebene. In der Homotropie sei die personelle Ebene die Homophilie, die erotische die Homoerotik und die sexuelle die Homosexualität. „Homotropie schließt nichts aus, sondern alles ein“ (G.Looser).

Wir haben es also hier mit drei Definitionen zu tun, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen (Verhalten = Sexualakt/ Homophilie auf emotionelle Bindung/Homotropie auf ein Zusammenwirken von Sexualakt und Gefühl).

Welche ist nun zutreffend?

Die Betonung des Verhaltens hat ihre Schattenseiten. Der holländische Arzt und Psychologe van den Aardweg macht mit Recht deutlich, daß „nicht alle sexuellen Kontakte oder Manipulationen mit Mitgliedern des gleichen Geschlechts im eigentlichen Sinn des Wortes homosexueller Natur sein müssen. Jungen können vorübergehende Kontakte mit gegenseitiger Selbstbefriedigung mit anderen Jungen haben und in einigen nicht-westlichen Kulturen mögen Menschen aus rituellen Gründen gleichgeschlechtliche Sexualakte unterhalten, ohne daß diese Verhaltensweisen die charakteristischen Merkmale einer echten homosexuellen Motivation aufweisen“. (G.I.M. van den Aardweg, Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen – Analyse und Therapie, 1985). Auch die Betonung des Emotionellen als bestimmenden Faktor der Homosexualität hat ihre Schwachpunkte. Wer homosexuelle Partnerschaften idealisiert („die einzig wahre Partnerschaft“, „die reinste Form der Liebe“) und so das Erotische in den Hintergrund stellt, der geht an den Tatsachen vorbei.

So bleibt nur die dritte Definition übrig, die der Homotropie. Wenn ich hier den Begriff „Homosexualität“ gebrauche, dann deswegen, weil er allgemein üblich ist, um gleichgeschlechtliche Beziehungen zu beschreiben. Er ist aber stets als Synonym zu Homotropie zu verstehen. Homosexualität, um bei diesem weitverbreiteten Begriff zu bleiben, ist also mehr als der gleichgeschlechtliche mechanische Geschlechtsakt und mehr als eine idealisierte „Liebe“ zum gleichen Geschlecht, bei welcher der Sexualakt kaum vorkommt, sondern wie van Aardweg formuliert: „eine erotische und gefühlsmäßige Neigung zum eigenen Geschlecht, die mit einer Verminderung der erotischen Neigung zum anderen Geschlecht einhergeht“. Dabei kann unterschieden werden zwischen einer passageren (vorübergehenden) Homosexualität, die etwa während einer Entwicklungsphase in der Pubertät vorkommen kann, und einer chronischen, d.h. bleibenden Homosexualität.

 

A.2 Arten der Homosexualität / Typen der Homosexualität

Die Art und Weise, wie bei der Definition des Begriffes „Homosexualität“ unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden, beweist eindrücklich, daß es den typischen Homosexuellen nicht gibt (z.B. den weichlichen Mann mit der weiblichen Stimme, die vermännlichte Frau etc.).

Befürworter und Gegner der Homosexualität sind sich darüber einig, daß viele Stufen und Varianten der Homosexualität existieren.

Der Amerikaner Alfred Kinsey befragte zwischen 1938 und 1953 mehr als 10.000 amerikanische Männer und Frauen über ihr sexuelles Verhalten. Seine Ergebnisse faßte er in einem Modell zusammen, das sieben verschiedene Gruppen von Menschen unterscheidet.

Gruppe 0 besteht aus allen Menschen, die ausschließlich heterotrope Neigungen haben, Gruppe 6 aus Menschen mit ausschließlich homotropen Neigungen, die bisher nur homoerotische Erfahrungen haben. Gruppe 6 enthält also Menschen, die 100-Prozent unserer Definition von Homotropie entsprechen.

Die Gruppen 1-5 sind nach Kinsey Zwischenformen, in denen Menschen mehr oder weniger homotrope Neigungen haben, bei denen aber immer noch ein mehr oder weniger großer Rest heterotroper Neigungen vorhanden ist, d.h. die eine Vorliebe für das eigene Geschlecht haben, aber dennoch beim anderen Geschlecht eine gewisse Befriedigung suchen und finden. Die Angehörigen der Gruppen 1-5 sind also bisexuell.

Dieses Schaubild illustriert deutlich, wie viele unterschiedliche Stufen der Intensität homosexueller Neigungen existieren. Auch van den Aardweg stimmt an diesem Punkt mit Kinsey überein. Wie Kinsey unterscheidet er Menschen, die hundertprozentig homotrope und hundertprozentig heterotrope Neigungen haben. Neben diesen beiden Gruppen unterscheidet er Menschen, bei denen Phasen mit heterosexuellem und Phasen mit homosexuellem Interesse einander abwechseln.

Auch bleibt festzuhalten, daß die Ausrichtung homosexueller Menschen oft sehr unterschiedlicher Art ist. Es gibt homosexuelle Menschen, die möglichst viele Kontakte suchen, die also den Schwerpunkt auf den Sexualakt legen und oft zufällige Begegnungen für eine Nacht haben. Bei ihnen wissen die Partner oft kaum etwas voneinander.

Andere versuchen, den Schwerpunkt auf eine stabile, gefühlsmäßige Partnerschaft, bis hin zu einer Art Heirat zu legen (ungeachtet dessen, ob sie eine solche Beziehung wirklich durchzuhalten vermögen).

Es gibt homosexuelle Menschen, die eine ganz bestimmte Art von Partnern bevorzugen, etwa hinsichtlich ihres Körperbaus, ihres Benehmens oder Alters (z.B. Fixierung auf Jugendliche bzw. ältere Männer), andere haben verschiedene Typen von Partnern, denen ihre Präferenz gilt. Manche sind überhaupt nicht wählerisch, sie nehmen, was sie bekommen.

Einige Typen von Homosexuellen sind ausgesprochen feminin, viele jedoch sind äußerlich von ihrer Umwelt nicht zu unterscheiden.

Dieser kurze Abriß macht deutlich, daß es den Homosexuellen nicht gibt, daß man also die Homosexuellen nach der bevorzugten Art des Partners, der Stärke des Geschlechtstriebes u.a. Eigenschaften unterscheiden kann.

Das TIME Magazin unterscheidet u.a. folgende Typen von Homosexuellen

Der auffällige Homosexuelle:

Damit sind Menschen gemeint, die sich bewußt nach dem landläufigen Klischee eines Homosexuellen benehmen und darstellen, um damit ihre Homosexualität zum Ausdruck zu bringen. Als Beispiel wird dazu im TIME Magazin u.a. der hüftschwingende Kellner mit dem laschen Händedruck und der etwas hohen Stimme angeführt. Auch Menschen mit einer bestimmten Art von Kleidung (Lederkleidung, Ketten, Pink als bevorzugter Farbe etc.) und Transvestiten gehören dieser Gruppe an. Diese offenkundigen Homosexuellen werden sehr häufig auch von anderen Homosexuellen spöttisch belächelt.

Der militante Homosexuelle:

Auch er tritt aus der Anonymität heraus und steht zu seiner Überzeugung. Er tut dies nicht, indem er versucht, den Klischees über Homosexuelle zu entsprechen, sondern durch aktives Handeln in der Gesellschaft. Er proklamiert militant die Gleichstellung mit den Heterosexuellen und versucht auf jede nur denkbare Weise, seine Lebenseinstellung zu rechtfertigen. Häufig sind dabei Versuche, zu beweisen, jeder Mensch sei mehr oder weniger homosexuell veranlagt, die homotrope „Liebe“ zu idealisieren und über jede andere Form von Liebe zu stellen. Der militante Homosexuelle ist für Gegenargumente taub und ist nicht bereit, über eine Änderung seiner sexuellen Orientierung nachzudenken. Er betont, Opfer einer gesellschaftlichen Diskriminierung zu sein und vergleicht sich häufig mit anderen unterdrückten Gruppen wie Juden oder Schwarzen.

Der verborgene Homosexuelle:

90 % der Homosexuellen halten ihre Neigung verborgen, ausgenommen sind ihre gleichgeschlechtlichen Partner, Liebhaber und hin und wieder ihre Psychiater. Sie geben sich unauffällig und konservativ. Weder ihre Ehepartner, Kinder oder Bekannte wissen etwas von ihren Neigungen. Sie kommen aus allen Klassen und Berufen und leben nach außen hin ein konventionelles Leben. Sie haben einen Kreis von Freunden, die sie heimlich treffen. Viele bekannte Persönlichkeiten mit homosexuellen Neigungen zählen zu dieser Gruppe.

Der bisexuelle Homosexuelle:

Viele verheiratete Homosexuelle täuschen Befriedigung beim Geschlechtsakt mit ihren Ehepartnern vor. Dies ist natürlich für homosexuelle Frauen leichter als für homosexuelle Männer. Aber auch diejenigen, die eine Vorliebe für das eigene Geschlecht haben, und dennoch beim anderen Geschlecht eine gewisse Befriedigung suchen und finden, gehören dieser Gruppe an.

Der verzweifelte Homosexuelle:

Er ist über sein homotropes Verlangen verzweifelt und möchte – anders als der militante Homosexuelle – davon loskommen (z.B. wegen gesellschaftlichen Drucks oder weil der Betreffende gerne eine Familie gründen würde). Er kommt jedoch von seinem Verlangen zum gleichen Geschlecht nicht los und wird immer wieder zu flüchtigen homosexuellen Erlebnissen gedrängt. Auch zu einer engeren Bindung ist er nicht fähig.

Der Gelegenheits-Homosexuelle:

Dazu zählen solche, die sich ohne Gefühle homosexuell betätigen: Drogensüchtige, die sich als Strichjungen anbieten, um Geld zu verdienen; Häftlinge, die keine andere Möglichkeit haben oder zum Sex gezwungen werden etc.; Menschen, die nur bzw. hauptsächlich mit Mitgliedern des eigenen Geschlechts zusammen sind bzw. sein müssen (z.B. Internatsschüler etc.).

Diese Gruppen sind nur der Versuch, verschiedene Typen der Homosexuellen schematisch darzustellen. Natürlich sind die Übergänge zwischen den einzelnen Gruppen fließend und die genannten Eigenschaften als beispielhaft und nicht als absolut anzusehen. Aber auch hierbei wird deutlich, wie vielfältig das Spektrum der Homosexualität ist. 

A. 3 Zur Geschichte der Homosexualität

Gleichgeschlechtliche Beziehungen hat es fast zu allen Zeiten gegeben. Bereits bei den Ägyptern, Babyloniern und Assyrern waren homosexuelle Beziehungen bekannt, wenn auch nicht allgemein akzeptiert. In Ägypten galt es als äußerste Demütigung für einen Mann, geschlechtlich „gebraucht“ und mißbraucht zu werden (vgl. Passagen im ägyptischen Totenbuch). Auch zeigen verschiedene mittelassyrische Gesetze eine ablehnende Haltung gegenüber der Homosexualität. Bei den Griechen der Antike war vor allem die homotrope Neigung zu jungen Männern und heranwachsenden Jugendlichen verbreitet. Aber auch hier war dies nicht allgemein akzeptiert und normal. Die Satiren über die Homosexualität in den Komödien des Aristophanes und die Gesetze gegen die Homosexualität in Sparta und Athen belegen dies.

Bei den Juden war die Homosexualität ausdrücklich verboten. Ich werde später darauf eingehen. Bei vielen Völkern, die Israel umgaben, war die Homosexualität bekannt (so z.B. in Kanaan und Ägypten).

Auch in der Umwelt des Neuen Testamentes gab es homotrope Kontakte. So geißelt Paulus ausdrücklich diese Beziehungen im römischen Reich. Während seiner Missionsreisen muß er auch von den in Kleinasien praktizierten Formen der „Knabenliebe“ erfahren haben.

In der Zeit nach Christus entwickelte sich mehr und mehr eine zunehmende gesellschaftliche Ablehnung homosexueller Praktiken.

So wurde beispielsweise im Jahre 1290 in Britannien ein Gesetz erlassen, aufgrund dessen ein überführter Homosexueller bei lebendigem Leibe verbrannt werden mußte. Heinrich VIII. änderte im Jahre 1533 die Hinrichtungsart, aber erst 1861 wurde die Todesstrafe durch eine lebenslange Freiheitsstrafe ersetzt. Auch in Holland wurden zur Zeit calvinistischer Strenge zwischen 1670 und 1732 viele Homosexuelle hingerichtet.

Dennoch ist hier zu bemerken, daß es auch weite Bereiche in der christlichen Welt gab, in denen die Homosexualität wie auch die Prostitution geduldet wurde. So haben z.B. Papst Leo sowie das Konzil von Paris 1202 eine humanere Haltung gegenüber der kleinen Minderheit der Homosexuellen gefordert. Auch wird berichtet, daß es während langer Zeiten im Feld bei Kriegszügen sowie innerhalb der Abgeschiedenheit von Klostermauern immer wieder Fälle von Homosexualität gegeben habe. An dieser Stelle sei auch kurz auf die islamischen Völker hingewiesen, die bis heute homosexuelle Handlungen sehr oft mit der Todesstrafe verfolgen. Daneben gibt es in vielen Kulturen eine Art ritualisierte oder kultische Homosexualität. Sie gehört z.B. zu den Initiationsriten, bei denen ein junger Mann in die Gemeinschaft von Kriegern aufgenommen wird und durch den homosexuellen Akt symbolisch die Kraft eines älteren Kriegers übertragen bekommt.

Vor mehr als einem halben Jahrhundert plädierte der ungarische homosexuelle Arzt Dr. Benkert für eine Enttabuisierung der Homosexualität und für ihre völlige Gleichstellung mit heterosexuellen Lebensformen.

Der Schriftsteller Oscar Wilde versuchte in viktorianischer Zeit, sich über die öffentliche Moral hinwegzusetzen, indem er ein öffentliches homosexuelles Verhältnis mit einem jungen britischen Aristokraten begann. Er wurde angeklagt und später ins Gefängnis gesteckt. Schließlich starb er einsam und verarmt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Frankreich Zeuge einer bitteren Auseinandersetzung zwischen dem pädophilen Schriftsteller André Gide und seinen Gegnern, um die Normalität homosexueller Liebe zu Kindern. Gide hatte schon 1924 ein Buch mit dem Titel „Corydon“ geschrieben, indem er die unvergleichliche Reinheit und die natürlichen Qualitäten homosexueller pädophiler Liebe rühmt. Bis zum Jahr 1967 konnte ein Mann, dem homosexuelle Praktiken nachgewiesen wurden, in England dazu verurteilt werden, den Rest seines Lebens im Gefängnis zu verbringen. Nach diesem Datum wurde ein Gesetz eingeführt, das Männern über 21 Jahren, die sich homosexuell betätigten, nicht mehr unter Strafe stellt.

Auch in Deutschland stellte der §175 Strafgesetzbuch die homosexuelle Betätigung unter Strafe. Mit Gefängnis wurde derjenige bestraft, der mit einem Abhängigen oder einem noch nicht einundzwanzig Jahre alten Mann homosexuelle Handlungen vornahm sowie derjenige, der gewerbsmäßig Homosexualität trieb (Strichjungen etc.) Ähnliche Rechtslagen bestanden in Österreich und Finnland. In anderen Staaten, wie der Schweiz und Schweden, war die Strafbarkeit homosexueller Beziehungen zwischen erwachsenen Männern abgeschafft worden.

Mit der sexuellen Revolution in den 60er und 70er Jahren dieses Jahrhunderts trat ein starker gesellschaftlicher Wandel in der Sexualethik ein, von dem auch das Gebiet der Homosexualität betroffen wurde.

Die Unterdrückung der sexuellen Triebe durch Normen und ethische Maßstäbe wurde gebrandmarkt und die Triebbefreiung zum obersten Ziel erhoben. Die Unterdrückung der Lust wurde als Ursache des Bösen und der Ursache aller Aggressivität angesehen. Deshalb wurde versucht, alles, was die Lust hindert, aus dem Wege zu räumen: Scham, ethische Regeln etc. Alles, was der Lust dient, wurde für gut erklärt. So konnte und sollte nach diesen Maßstäben auch die Homosexualität ohne Scham, grenzenlos und lustbetont ausgelebt werden. Am 1.9.1969 wurde in Deutschland der §175 dahingehend modifiziert, daß Homosexualität unter Erwachsenen keinen strafbaren Tatbestand mehr darstellt.

1973 beschloß die American Physiatric Association, ihre frühere Position der Homosexualität als emotionale (vorher: -elle) Störung aufzugeben. Seit der „sexuellen Revolution“ sind in der ganzen westlichen Welt organisierte homosexuelle Bewegungen entstanden, die gegen die Benachteiligung Homosexueller kämpfen und sich für die Unterstützung des homosexuellen Lebensstils einsetzen. Diese Bewegungen werden von vielen Politikern und Künstlern unterstützt. Mehrere Räte christlicher Kirchen haben Erklärungen abgegeben, in denen die Gleichstellung von Homosexualität und Heterosexualität gefordert wird.

So äußerte sich beispielsweise die Rheinische Kirche in Deutschland im Jahre 1970 in einem Thesenpapier folgendermaßen: „Die Homosexualität wird erst dann zur Sünde, wenn sie nicht in sittlich verantwortlicher Weise praktiziert oder gemeistert wird … So wie der Mann in der Frau die ‚Gehilfin‘ für sein Leben erkennen darf und soll, so vermag der Homosexuelle dies in dem gleichgeschlechtlichen Partner zu erfahren … Auch zwischen Homosexuellen gibt es eine tiefe Körper, Geist und Seele umfassende Liebe“.

Auch Bischof Lohse, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), hat sich in diesem Zusammenhang zu Wort gemeldet: „Wir haben gelernt, daß wir Menschen wegen ihrer Homosexualität nicht diskriminieren dürfen. Sie müssen einen Platz in der Gesellschaft und in der Kirche haben“.

In vielen Zeitungen wird immer wieder propagiert, die Wissenschaft habe die Normalität der Homosexualität schlüssig nachgewiesen. Auch in Fernseh- und Kinofilmen werden immer wieder homosexuelle Handlungen als etwas Natürliches dargestellt. In allen größeren Städten sind Bars, Kinos, studentische Verbindungen und Buchläden für Homosexuelle entstanden. Vielfach gehen homosexuelle Organisationen auch auf die Straße, um für ihre Ziele zu demonstrieren.

In Amerika gibt es bereits christliche Kirchen und Gemeinden, welche die Homosexualität als legale Form der Selbstverwirklichung akzeptieren, und die teilweise sogar von Homosexuellen gegründet worden sind.

Auch innerhalb der evangelischen Kirche gibt es maßgebliche Tendenzen, die Homosexualität als gleichberechtigte Lebensform anzunehmen. Der Heidelberger Sozialethiker Prof. Hungar, den ich selbst während meines Studiums dort gehört habe, setzt sich vehement dafür ein, homosexuelle Pfarrer in der Kirche zu akzeptieren. Ebenso sind innerhalb der theologischen Fakultäten Homosexuelle zu finden. So wurde u.a. eine Selbsthilfegruppe „Homosexuelle und Kirche“ gegründet, die Christen innerhalb der Landeskirche und der evangelikalen Gemeinden Mut machen will, zu ihrer Homosexualität zu stehen. Das Bekenntnis dieser Gruppe wird in der Broschüre „Evangelikal und homosexuell“ deutlich beschrieben: „Homosexualität ist kein Verhängnis und keine Sünde, sondern gottgeschaffene Lebensform. Thank God I’m gay — Gott sei Dank bin ich schwul“.

In mehreren europäischen Ländern wird darüber diskutiert, eine Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern anzuerkennen, in Schweden und Dänemark ist dies bereits der Fall. Die SPD in Deutschland unterstützt dies ausdrücklich, die Grünen gehen sogar so weit, die Abschaffung aller Verbote gegen die Sexualität mit Kindern zu fordern. Allein die katholische Kirche bildet in der allgemeinen Tendenz zur Akzeptanz der Homosexualität eine Ausnahme. In der Erklärung der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre hat sie z.B. 1975 deutlich gemacht: obgleich homosexuellen Menschen mit Verständnis begegnen werden sollte, sei ihre Lebensweise dennoch als unnatürlich (contra naturam) zu betrachten. Auch wenn die allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz der Homosexualität noch nicht vorhanden ist, bekennen sich doch immer mehr Menschen zu ihrer Homosexualität.

Fazit: Die „Homosexualität ist normal“-Ideologie ist in weiten Teilen der „intellektuellen und halbintellektuellen Schichten unserer Gesellschaft vorherrschend … Es gilt als progressiv und modern, zu ihren Anhängern zu gehören … Dennoch ist zu bezweifeln, ob diese Ideologie von der Öffentlichkeit allgemein geteilt wird … Es ist in der Tat höchst unwahrscheinlich, daß die Mehrheit der Bevölkerung (trotz langjähriger Propaganda durch die Massenmedien) so weit gebracht werden kann, die homosexuelle Kondition als vollkommen normal zu betrachten, auch wenn ein hohes Maß an Toleranz vorhanden sein mag. … Mit anderen Worten: Trotz all ihrem Einfluß auf die heutige Gesellschaft wird die Idee „Homosexualität ist normal“ wahrscheinlich doch nur die Einstellung einer gewissen intellektuellen Elite bleiben“.

 

A.4 Zahlen zur Homosexualität

Konkret faßbare Zahlen über die Verbreitung der Homosexualität in der Gesellschaft sind kaum zu erhalten, das Zahlenmaterial, das kursiert, basiert auf Schätzwerten.

Der berühmte Kinsey-Report stellt in diesem Zusammenhang eine Ausnahme dar. Alfred Kinsey hat, wie schon erwähnt, zwischen 1930 und 1959 Tausende weißer amerikanischer Männer und Frauen nach ihren sexuellen Vorlieben befragt. Nach seinen Angaben antworteten 4 % der befragten Männer, daß sie ausschließlich homotrop orientiert seien, weitere 6% sagten aus, sie seien zwischen ihrem 16. und 65. Lebensjahr mindestens drei Jahre mehr oder weniger ausschließlich homotrop ausgerichtet gewesen. Insgesamt gaben etwa 37 % der Befragten an, zwischen der Pubertät und dem Greisenalter in irgendeiner Form homosexuelle Erfahrungen gemacht zu haben.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf das bereits erwähnte Diagramm von Kinsey zurückkommen:

Nach Kinseys Angaben besteht also die Gruppe 6 (ausschließlich homotrop orientiert) aus 41% der Befragten. 37% aller Befragten sind noch bisexuell, gehören also zu 1–5. Insgesamt wären nach Kinsey also 41% aller Befragten mehr oder weniger homosexuell veranlagt (1-6). Der Prozentsatz homotroper Frauen war im Ganzen etwas geringer als der der Männer. Kinsey bemerkte hierzu, es gebe ein Drittel bis halb so viele Lesbierinnen wie männliche Homosexuelle. Aber zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr stieg nach seinen Untersuchungen die Anzahl ausschließlich homotrop orientierter Frauen dann aber doch — wie bei Männern – auf 4% der Befragten an.

Allerdings wurde Kinsey von mehreren Seiten vorgeworfen, eine selektive Auswahl seiner Forschungsobjekte getroffen zu haben. Deshalb hätten seine Ergebnisse eine so hohe Zahl anormaler Fälle aufgewiesen. Der hohe Prozentsatz an mehr oder weniger homosexuell orientierten Personen bei Kinsey (4%) ist deshalb auch stark anzuzweifeln.

Heute erhärtet sich in medizinischen Kreisen die Annahme, daß die Zahl homosexueller Menschen etwa 5% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Darin sind aber alle Stufen homosexueller Neigungen mit inbegriffen. Auch die Auflagenhöhen gewisser Magazine und Zeitschriften, die speziell für den homosexuellen Markt bestimmt sind, bestätigen diese Annahme.

Norman Pittenger, der sich stark für eine liberale theologische Haltung gegenüber homosexuellen Menschen einsetzt, geht ebenfalls davon aus, daß – bezogen auf die Situation in England – 5% der britischen Männer und Frauen latent oder völlig homosexuell veranlagt sind.|36|

F.E. Kenyon dagegen geht nur von einem zahlenmäßigen Verhältnis von einem unter 25 Männern (4%) und einer unter 45 Frauen (2,22%) aus.

Wie gesagt, diese Zahlenangaben sind nur Schätzwerte. Man kann selbst in Umfragen und Untersuchungen nicht in einen Menschen hineinsehen. Wie viele Homosexuelle es im Gesamten gibt (viele halten ihre Neigung ja strikt verborgen), ist nicht definitiv zu bestimmen. Jedoch besteht zwischen Befürwortern und Gegnern der Homosexualität ziemliche Einigkeit, daß der Wert von 5% nicht übertrieben ist und, soweit dies abschätzbar ist, zutrifft.

Ich möchte nun versuchen, die trockenen Zahlenwerte bildhaft zu verdeutlichen. Wenn man von einem Anteil der Homosexuellen an der Gesamtbevölkerung von 5% ausgeht, hat dies ganz praktische Konsequenzen:

– Bei einer geschätzten Zahl von 80 Mio. Deutschen im vereinten Deutschland wären dann ca. 4 Mio. mehr oder weniger homosexuell.

– Ein Prediger, der vor 200 Leuten spricht, muß damit rechnen, daß neun bis zehn Menschen unter seinen Zuhörern homosexuell veranlagt sind.

– Um es noch provozierender und deutlicher auszudrücken: Unter 100 FETA-Studenten könnten fünf mit homotropen Neigungen sein — statistisch gesehen!

 

B. Ursachen der Homosexualität

Wir kommen nun zum zweiten Hauptpunkt. Ist die Homosexualität Veranlagung oder gibt es andere verursachende Faktoren? Ist der Nachweis führbar, daß bestimmte Menschen durch ihr Erbgut oder durch andere Faktoren schon vor ihrer Geburt dazu bestimmt sind, homosexuell zu sein — ob sie es nun wollen oder nicht?

Wenn dies so wäre, so hätte dies einschneidende Konsequenzen. Ein Mensch, der durch seine Gene, Hormone, durch angeborene Verhaltensmuster oder ähnliches zur Homosexualität determiniert wäre, könnte dann für seine homotrope Veranlagung nicht zur Rechenschaft gezogen werden, er wäre auch nach ethischen Maßstäben nicht für sein Handeln verantwortlich.

Die Naturwissenschaft hat sich in den letzten Jahren verstärkt bemüht, herauszufinden, ob es eine solche determinierende Ursache gibt, die bestimmt, ob jemand homo- oder heterosexuelle Neigungen hat. Einige dieser postulierten Ursachen sollen hier kurz angesprochen werden.

Eine umfassende Auseinandersetzung mit den verschiedenen Thesen über eine determinierende Ursache der Homosexualität würde den Rahmen dieses Referates sprengen. Es gibt verschiedenste Thesen über eine determinierende Ursache der Homosexualität, die aber hier nur angerissen werden sollen.

B.1. Hat Homosexualität eine genetische Ursache?

Im Jahre 1952 untersuchte Prof. Kallmann vierzig Zwillinge und verglich die dabei erzielten Ergebnisse mit denen von zweieiigen Zwillingen. Eineiige Zwillinge haben bekanntlich ein identisches Erbgut, da sie sich aus einer Eizelle entwickeln, zweieiige dagegen haben ein unterschiedliches Erbgut, weil sie aus zwei verschiedenen Eizellen entstehen. Kallmann fand heraus, daß sich bei den zweieiigen Zwillingen 11,5% der Zwillingsbrüder von Homosexuellen als ausschließlich oder vorwiegend homosexuell einstuften. Dagegen hatten nach seinen Untersuchungen eineiige homosexuelle Zwillinge zu 100% einen homosexuellen Zwillingsbruder. Kallmann glaubte aus diesem Ergebnis die Erblichkeit der Homosexualität herauslesen zu können.

Aber es gibt gewichtige Argumente, die gegen diese These sprechen:

– Warum hatten die untersuchten Homosexuellen alle heterosexuelle Eltern und später, soweit sie Kinder hatten, heterosexuelle Kinder?

– Wenn Homosexualität erblich wäre, müßte sie in einigen Familien öfter vorkommen als in anderen. Das ist nicht der Fall.

– Van den Aardweg macht deutlich, daß sich Kallmanns Ergebnisse nicht verallgemeinern lassen. Es gebe viel zu viele Beispiele von eineiigen homosexuellen Zwillingen, die einen heterosexuellen Bruder hätten.

– Bei solchen eineiigen Zwillingen, die sich bezüglich der Homosexualität nicht glichen, konnten mit Hilfe biochemischer und physiologischer Tests keine Unterschiede festgestellt werden.

– Man muß außerdem bei eineiigen Zwillingen mit dem Bestreben rechnen, sich ihrem (homosexuellen) Zwillingsbruder identisch zu zeigen. Kallmann selbst hatte bei seinen Testpersonen sogar in kleinen Gesten und Gewohnheiten Ähnlichkeiten festgestellt.

Wenn man hierbei einen genetischen Faktor zugrundelegen würde, müßte man davon ausgehen, daß das menschliche Verhalten bis in kleinste Einzelheiten genetisch programmiert ist und das ist eindeutig auszuschließen (man bedenke z.B. den nachweisbar prägenden Einfluß der Erziehung auf das Verhalten!).

– Auch die überdurchschnittlich hohe Quote an Übereinstimmung bei zweieiigen Zwillingen (11, 5 % im Vergleich zu etwa 5 % homosexueller Menschen bei der Gesamtbevölkerung), ist ein Hinweis darauf, daß dabei andere als genetische Faktoren zugrunde liegen.

Bedenkt man, daß zweieiige Zwillinge sich in ihrer genetischen Struktur nicht weniger unterscheiden als normale Geschwister, so sind 11,5% ein erstaunlich hoher Prozentsatz an Übereinstimmung. Deshalb ist anzunehmen, daß hier z.B. Faktoren wie gleiche Erziehung, Versuch, den Bruder oder die Schwester nachzuahmen etc. die Ursache sind.

– Spätere Zwillingsforscher konnten die Ergebnisse nicht bestätigen.

Als Fazit bleibt zu dieser These festzuhalten: Es gibt bisher keinen wissenschaftlichen Beweis einer erblichen, genetisch bedingten Ursache der Homosexualität.

B.2. Gibt es eine hormonell bedingte Ursache der Homosexualität?

Diese Theorie wird u.a. von dem Ostberliner Professor Dörner vertreten, der den Einfluß bestimmter Hormone auf die sexuelle Entwicklung ungeborener Ratten entdeckt hat. Er spritzte schwangeren Ratten bestimmte Stoffe ein, welche die Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron hemme. Nach der Geburt benahmen sich die männlichen Ratten eindeutig weiblich. Nach Dörners Theorie sind auch beim Menschen vorgeburtliche Hormonschwankungen die Ursache der sexuellen Prägung. Männliche Homosexuelle hätten aufgrund eines Mangels an männlichen Geschlechtshormonen in einer kritischen vorgeburtlichen Phase ein sexuell weibliches Gehirn entwickelt.(Dörner, 1976).

Aber viele Mediziner widersprechen dieser These: Wenn Homosexualität hormonell bedingt wäre, dann dürfte es keine Unterschiede geben zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen bzw. zwischen Zugehörigen von Mehrlingsgeburten an sich (Zwillingen, Drillinge usw.) geben, da alle diese Personen im Mutterleib den gleichen hormonellen Bedingungen ausgesetzt waren. Diese Unterschiede sind jedoch augenfällig.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben auch ergeben, daß die Hoden männlicher Homosexueller in der Regel die gleiche Art und Zahl von Hormonen produzieren wie diejenigen heterosexueller Männer. Auch die Eierstöcke und andere hormonproduzierende Drüsen homosexueller Frauen produzieren in der Regel den gleichen Anteil an Geschlechtshormonen wie die heterosexueller Frauen.

Es gibt zwar auch Untersuchungen, die leichte Unterschiede im Testosteronspiegel von Homosexuellen im Vergleich zu Heterosexuellen festgestellt haben.

Diese Unterschiede können aber sehr wohl die Folge eines homosexuellen Verhaltens sein und müssen nicht zwangsläufig dessen Ursache sein. Van den Aardweg weist darauf hin, daß soziale Faktoren den Testosteronspiegel bei Menschen beeinflussen können. Somit können diese leichten hormonellen unterschiede als Folge der Homosexualität angesehen werden und nicht als deren determinierende Ursache.

Auch haben Untersuchungen bei Eunuchen, die im allgemeinen dazu neigen können, ihre männlichen Charakterzüge und das sexuelle Interesse an Frauen zu verlieren, ergeben, daß ihre Potenz erhalten blieb und sie Sexualverkehr haben konnten.

Auch Untersuchungen anderer Wissenschaftler haben keinen Nachweis auf eine hormonelle Ursache der Homosexualität erbracht.

Der holländische Arzt und Psychologe van den Aardweg kommt deshalb zu folgendem Ergebnis:

„Die Schlußfolgerung, zu der Prof. Perloff vor über 25 Jahren kam, daß noch keine überzeugenden Hinweise auf eine hormonelle Verursachung der Homosexualität gefunden worden sind, gilt noch heute. Wir haben keinen Grund, davon auszugehen, daß bei Menschen mit homosexuellen Interessen abnorme hormonelle Entwicklungen stattgefunden haben“.

B.3. Haben alle Menschen eine bisexuelle Anlage als angeborenes Verhaltensmuster?

Zunächst einige Vorbemerkungen zum Begriff „Bisexualität“:

Nach den Erfahrungen des holländischen Arztes van den Aardweg scheint die Mehrheit der homosexuellen Menschen sich zumindest manchmal heterosexueller Gefühle bewußt zu sein, auch wenn diese nur eine geringere Stärke oder Häufigkeit aufweisen. Etwa 70 % seiner homosexuellen Patienten gaben zu, manchmal heterosexuelle Gefühle zu haben, also bisexuell zu sein.

Der britische Arzt Westwood geht von einem etwas niedrigerem Zahlenwert aus, er bezeichnet nur 42 % der Homosexuellen als bisexuell. Nur etwa 10 % davon diagnostizierten bei sich eine Vorliebe für heterosexuelle Kontakte.

In verschiedenen Untersuchungen setzen verschiedene Forscher die Zahl der Bisexuellen zwischen 35 und 50 % an.

Van den Aardweg betont jedoch, daß der Anteil bisexueller Menschen unter den Homosexuellen höher anzusetzen sei, wenn man mit dem Wort „bisexuell“ „all jene Homosexuellen bezeichnet, die jemals heterosexuelle Impulse in irgendeiner Form erfahren haben, z.B. durch heterosexuelle Träume, Wunschträume oder Gefühle der Verliebtheit in der Pubertät“.

Sogenannte Bisexuelle haben also immer eine schwache heterosexuelle Neigung. Nach der Auffassung mancher Autoren, unter ihnen bekannte Psychoanalytiker, besitzt nun jeder Mensch eine angeborenen bisexuelle Anlage. Aus ihrer Sicht bestimmen kulturelle Faktoren, ob die hetero- oder die homosexuelle Seite zum Ausbruch kommt.

Durch eine einseitige Geschlechtserziehung („eine Frau/ein Mann tut das nicht“) werde in unserer Kultur gezwungenermaßen eine heterosexuelle Entwicklung eingeleitet und dabei der grundsätzlich vorhandene homosexuelle Teil im Menschen unterdrückt. In anderen Kulturen — oder bei anderen Familienkonstellationen — könne es jedoch genau umgekehrt sein.

Auch viele Homosexuelle sind Anhänger dieser Theorie, denn wenn jeder Mensch bisexuell, also in einer gewissen Ausprägung homosexuell ist, dann kann auch das Ausleben der Homosexualität nichts schlimmeres mehr sein und muß als legitime, normale Form der sexuellen Verwirklichung betrachtet werden.

Der Diplompsychologe Th. Grossmann formuliert diesen Ansatz folgendermaßen:

Es gibt keine ‚Homosexuellen‘, es gibt lediglich Menschen, die sich mehr oder weniger homosexuell verhalten, Homo- und Heterosexualität schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern sind Teile eines variantenreichen Beziehungsverhaltens bei Mensch und Tier“. Van den Aardweg hält diesen Standpunkt für vollkommen abwegig und begründet folgendermaßen:

– Wenn kulturelle Faktoren die sexuelle Entwicklung völlig prägen würden, so hätten die Chancen 50 zu 50 gestanden, daß die Menschen im Laufe ihrer geschichtlichen und kulturellen Entwicklung die heterosexuelle Seite ihrer Geschlechtlichkeit unterdrückt hätten. Wenn die heterosexuellen Interessen nicht natürlicherweise viel stärker gewesen wären, hätte das Überleben der Menschheit auf dem Spiel gestanden.

– Auch im Tierreich gibt es kein gleichstarkes bisexuelles Interesse an beiderlei Geschlecht, es herrscht eindeutig das heterosexuelle Interesse vor. Homosexuelles Verhalten im Tierreich kommt, so van den Aardweg, nicht aufgrund sexueller Triebe vor, sondern z.B. aus Gründen der sozialen Dominanz (wenn beispielsweise ein Leitwolf durch einen homosexuellen Akt seine Überlegenheit deutlich zum Ausdruck bringt) oder als Form der Aggressionsbefriedigung.

– es gibt keinerlei Nachweis, daß Menschen gleichzeitig homo- und heterosexuell sein können, vielmehr wechseln bei den sogenannten bisexuellen Phasen homosexuelle Phasen mit Zeiten heterosexueller Interessen ab.

– Auch ist nicht ersichtlich, daß alle homoerotischen Komponenten in unserer Kultur verdrängt werden. Viele Jungen z.B. „haben in irgendeiner Phase der Kindheit oder Pubertät (aus Neugier?) homosexuelle Kontakte, die sie aber beenden, sobald sie die Möglichkeiten des anderen Geschlechtes entdecken, ohne daß dabei auch die geringsten homosexuellen Sehnsüchte zurückbleiben“.

Die These, alle Menschen seien bisexuell, also mehr oder weniger homosexuell geprägt, ist somit klar zu verwerfen!

Ganz im Gegenteil, es muß betont werden, daß „die Entwicklung erotischer Wünsche von Natur aus unausweichlich auf das andere Geschlecht gerichtet ist, so daß der psychologisch und biologisch reife Mensch ausschließlich heterosexuelle Interessen haben wird“.

B.4. Wird Homosexualität durch Umwelteinflüsse geprägt?

Viele Wissenschaftler behaupten, die Homosexualität sei größtenteils auf Umwelteinflüsse in jungen Jahren und besonders auf den elterlichen Einfluß (falsche Erziehung) zurückzuführen. Die Homosexualität werde also von Erlebnissen und Prägungen durch Familie und Umwelt ausgelöst.

So könnten Mütter zur Homosexualität ihrer Kinder beitragen, wenn sie

– den dominanten Part in der Familie spielen;

– ihren Sohn gegen den Vater ausspielen; versuchen, ihr Kind auf eine überzogene Weise zu beschützen;

– eines ihrer Kinder bevorzugen;

– stark abweisend sind und ihrem Kind nicht genügend Liebe geben; versuchen, einen Jungen als Mädchen zu erziehen, weil sie sich stets ein Mädchen gewünscht haben und umgekehrt;

– ihr Kind zu stark bemuttern und es damit von sich abhängig machen;

– ihr Kind extrem puritanisch erziehen;

– gegenüber ihrem Kind ein sexuelles Verlangen zeigen;

– ständig den Launen ihres Kindes nachgeben und es mit zu großer Nachsicht erziehen;

– ständig ihren Sohn bevormunden und ihm so die Möglichkeit nehmen, selbständig zu werden und mit seiner Umwelt selbst zurechtzukommen;

– ihr Kind ständig kritisieren, ihm sagen, wie minderwertig es sei.

Väter könnten demzufolge zur Homosexualität ihres Kindes beitragen, wenn sie

– eine schwache, ängstliche oder unterwürfige Persönlichkeit haben;

– sich wie ein unselbständiges Kind verhalten und alle wichtige Entscheidungen (auch in Fragen der Kindererziehung) ausschließlich der Ehefrau überlassen;

– einen schwachen Charakter haben;

– eine desinteressierte und unpersönliche Beziehung zu ihrem Kind haben;

– ihren Sohn herablassend behandeln und ihn demütigen;

– ihr Kind auf grausame Weise bestrafen;

– einen Sohn dem anderen vorziehen, vielleicht den, der dem Vater am meisten ähnlich sieht;

– ständig Streit mit ihrer Ehefrau haben;

– ihre Ehefrau drangsalieren und unterdrücken;

– kein männliches Vorbild für ihren Sohn sind;

– sich für das Kind abstoßend verhalten (Alkoholismus etc.);

– ihre homosexuelle Neigung deutlich erkennbar ist;

Psychiater stimmen darin überein, daß sie noch kaum einen männlichen Homosexuellen gesehen haben, der ein gutes Verhältnis zu seinem Vater hatte. Nach van den Aardweg gaben 87 % seiner homosexuellen Patienten an, kein vertrauensvolles Verhältnis zu ihrem Vater gehabt zu haben.

Gesellschaftliche Faktoren, die zu einer homosexuellen Prägung beitragen können, sind:

– die Verweiblichung des Mannes bzw. die Vermännlichung der Frau (z.B. sichtbar in Kleidung und Mode: Männer mit Ohrringen und langen Haaren, Frauen in Männerkleidung, in (bewußt männlichen) Gewohnheiten: Frauen im Bodybuilding, Frauen, die in Männersportarten drängen, die strickende Abgeordnete im Bundestag etc.)

– die Zerstörung der Ehe;

– die Angst des Mannes vor den starken, feministisch orientierten Frauen, an die man nicht herankommt, die so abweisend und überlegen wirken;

– die nachgiebige Haltung der Massenmedien (Kino, TV, Zeitungen etc.) gegenüber der Homosexualität; die zunehmende Akzeptanz der Homosexualität in unserer Gesellschaft;

– die hohen Anforderungen, um sich als Frau gegenüber starker männlicher Konkurrenz durchzusetzen und umgekehrt;

– Einsamkeit;

– das Abgelehnt-Werden bzw. Spott und Hohn vom anderen Geschlecht;

– die Zerstörung der Familie;

– die Isolation des Einzelnen (zu den Geschwistern/Eltern/Bekannten etc.);

– langwierige körperliche Krankheiten, die sich auf das soziale Umfeld auswirken und vieles mehr.

Die Wissenschaftler betonen, daß nicht das Vorhandensein einiger weniger dieser Faktoren sich prägend zur Homosexualität auswirken, sondern daß zu einer solchen Prägung eine Kombination verschiedener Faktoren aus dem Umfeld der Familie und der Gesellschaft notwendig sind.

Nach einem Artikel des TIME Magazins entsteht das homosexuelle Verhalten „aus einer Kombination von mehreren Faktoren: einem schlechten Verhältnis zu den Eltern einerseits und längeren bösen Erfahrungen außerhalb des Familienkreises andererseits“.

Für diese Wissenschaftler ist die Homosexualität also eine durch bestimmte Einflüsse erworbene Kondition.

B.5. Der psychologische Ansatz van den Aardwegs

Ich werde in diesem Zusammenhang versuchen, die sehr umfangreichen Ausführungen des holländischen Arztes und Psychologen van den Aardweg, die er in seinem Buch „Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen“ darlegt, knapp zusammenzufassen.

Van den Aardweg baut mit seinen Ausführungen auf Grundlagen auf, die von den bekannten Psychologen Alfred Adler, Wilhelm Stekel, und besonders Johan Leonhard Arndt (1892-1965) vertreten wurden.

Daneben beschreibt er seinen Ansatz als „das Ergebnis fast zwanzigjähriger Forschung und der Behandlung von etwa 200 homosexuellen Männern und fünfundzwanzig lesbischen Frauen“.

Van den Aardwegs Kernsätze lauten: Homosexualität ist eine psychische Krankheit, eine emotionale Störung mit psychologischer Ursache (Neurose), die durch Erlebnisse in der Kindheit ausgelöst wird. Der homosexuelle Neurotiker wird geprägt von einem zwanghaften Selbstmitleid, das sich verselbständigt hat (Autopsychodrama). Dieses Selbstmitleid ist der auslösende Faktor der Homosexualität.

Nach van den Aardweg ist das zwanghafte Selbstmitleid jedoch nicht allein Auslöser der Homosexualität, sondern auch die Ursache der verschiedensten Neurosen:

„Homosexuelle haben … den zentralen pathologischen Mechanismus zwanghaften Selbstmitleids gemein mit Angstneurotikern (Phobikern), neurotisch Depressiven, Zwangsneurotikern und vielen Neurotikern, die an organischen oder somatischen Krankheiten leiden“.    

„Aus diesem Grunde sollte sich auch die Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber homosexuellen Menschen nicht von derjenigen unterscheiden, die an verschiedenen Formen der Neurose leiden“.

Diese sehr knappen und wohl etwas provozierenden Aussagen bedürfen einiger Erläuterungen.

Bevor van den Aardweg jedoch im Speziellen auf die Homosexualität eingeht, schickt er eine allgemeine Begründung seiner Selbstmitleidstheorie voraus.

Da diese Vorbemerkungen für das Verständnis der späteren Ausführungen van den Aardwegs über die Ursache der Homosexualität von eminenter Wichtigkeit sind, seien sie an dieser Stelle kurz wiedergegeben. Nach van den Aardweg reagiert ein Kind, das sich verletzt fühlt, wenn es von anderen abgelehnt wird oder sich nicht als geliebt empfindet, mit Selbstmitleid. Indem das Kind sich bedauert, empfindet es Mitleid mit sich, es kommt zu einer Art Selbsttröstung.

„Das Kind sieht sich so, als wäre es ein anderes Kind, das leidet. So empfindet es Mitleid mit sich selbst, wie es Mitleid mit einem anderen Kind hätte, das es leiden sähe. ‚Ach ich Armer!‘ klagt es ‚Niemand versteht mich. Ich bin ja so ein bemitleidenswertes, armes Geschöpf!'“

Durch sein Selbstmitleid und der daraus resultierenden Selbsttröstung fühlt sich das Kind besser. Daher wird es bei jeder Ablehnung oder Kränkung diese Methode des Selbstmitleides und der Selbsttröstung anwenden.

So kommt es allmählich zu einer Abkapselung von der „bösen“ Umwelt und zu einem ständigen Kreisen um die eigene Person. Das Kind wird zum „dramatischen Zentrum“ der Welt, es wird zu einem tragischen Helden, der von „seinem armen, kleinen Ich“ beherrscht wird.

Nach einiger Zeit werden dann, so van den Aardweg, die Gefühle des Selbstmitleids und der daraus resultierenden Selbsttröstung autonom. Das Kind kommt von selbst aus diesem Kreislauf nicht mehr heraus. Es muß, nicht absichtlich, sondern automatisch – Gründe „erfinden“, um sich selbst bemitleiden zu können. Selbst wenn das Kind erwachsen geworden ist, wird der Betroffene immer wieder mit dieser offenen Wunde aus der Kindheit konfrontiert sein (Minderwertigkeitskomplex) und in einem Teufelskreis gezwungen sein, sich den Gründen des kindlichen Selbstmitleides hinzugeben und in den Gefühlen der Selbsttröstung Linderung davon zu bekommen.

Diesen Kreislauf bezeichnet van den Aardweg mit dem Begriff „Autopsychodrama“, den er folgendermaßen beschreibt:

„Die Person, die einem Autopsychodrama unterworfen ist, fühlt, denkt und handelt teilweise wie ein Kind, das sich bemitleidet, d.h. genauso wie das Kind mit heftigem Selbstmitleid, das sie in der Vergangenheit einmal war“.

Dem Erwachsenen steht also in sich immer das Kind gegenüber, das gezwungen ist, sich seinem kindlichen Selbstmitleid hinzugeben – der Betroffene ist gewissermaßen eine Doppelpersönlichkeit.

„Das Erwachsene-Ich mit seinem Willen, seinen Gedanken und Gefühlen, seinem Planen und Handeln steht auf der einen Seite, auf der anderen Seite das Kind-Ich, das sich bemitleidet und dessen Denken und Fühlen sich sozusagen grundsätzlich und durchgängig auf der Ebene des Denkens und Fühlens eines Kindes bewegt, das sich fast immer beklagt“.

Diesen neurotischen Zustand definiert van den Aardweg als Klagesucht, die von einem ganz bestimmten Drama, also einem negativen Selbstbild oder Minderwertigkeitsgefühl verursacht wird.

Die Hauptklage eines Klagesüchtigen lege fest, um welchen Minderwertigkeitskomplex es sich dabei handele. („Ich bin so häßlich“ – Häßlichkeitskomplex/ „Ich mache nie etwas richtig“ – Tölpelkomplex etc.)

Nach diesen grundlegenden Vorbemerkungen zu seiner Selbstmitleidstheorie begründet van den Aardweg nun ausführlich, warum er auch die Homosexualität als Klagesucht versteht, die durch zwanghaftes Selbstmitleid ausgelöst wird.

Im homosexuellen Mann steckt, so van den Aardweg, ein Kind, dessen größter Komplex lautet: „Ich bin nicht so männlich, so kräftig, so stark etc. wie andere Jungen und Männer, deshalb werde ich nicht akzeptiert“.

Bei seinen Untersuchungen habe er diesen Minderwertigkeitskomplex „in der einen oder anderen Ausprägung“ bei jedem seiner homosexuellen Patienten nachweisen können.

Zu diesem Minderwertigkeitskomplex der unterentwickelten Männlichkeit könnten Umwelt- und Kindheitserlebnisse beitragen. Sie seien aber nicht Auslöser der Homosexualität, sondern nur {fk}begünstigende Faktoren{g}, die das Selbstmitleid, also die Ursache möglich machten. Van den Aardweg sieht die Entwicklung der Homotropie in drei Stufen:

„In der ersten Stufe entwickelt sich ein bestimmter Minderwertigkeitskomplex. Das Kind bzw. der Jugendliche fühlt sich weniger männlich als seine Altersgenossen oder sogar nicht zu der Männerwelt gehörig. Der Prozeß des Selbstmitleides und der Selbsttröstung kommt in Gang.

In der zweiten Stufe beginnt das Kind bzw. der Jugendliche zu all denen aufzuschauen, die nach seinem Empfinden männlich, robust, mutig und stark sind, die also all die Eigenschaften besitzen, die ihm zu fehlen scheinen.

Das Kind/der Jugendliche bewundert diese Personen und macht sie zu seinen Idolen.

Diese Vergötterung ist eine verstärkte Klage über sich selbst: „Ich bin nicht so wie der!“ Das Kind bzw. der Jugendliche denkt an seine Idole, vergleicht sich mit ihnen und träumt von ihnen.

In der dritten Stufe beginnt sich das Kind bzw. der Jugendliche in die „Objekte seiner Bewunderung“ zu verlieben. Es ist sein größter Wunsch, seine Idole anzufasssen, sie zärtlich zu berühren und selbst von ihnen Zärtlichkeiten zu empfangen.

So entsteht eine erotische Sehnsucht zum gleichen Geschlecht, die in Verbindung mit homoerotischen Tagträumen und Masturbation mit homoerotischen Phantasien zu einem homosexuellen Verlangen wird.

Dieses homosexuelle Verlangen ist, so van den Aardweg, nichts anderes als eine verzweifelte, übersteigerte Klage: „Wenn er, mein Idol, nur bei mir wäre, dann wäre die Not vorbei“. Es ist ein sehnsüchtiger Schrei nach Liebe und Anerkennung. Das Kind bzw. der Jugendliche glaubt und hofft, in der körperlichen, sexuellen Vereinigung mit seinem bewunderten Idol die Erfüllung seiner Sehnsüchte zu finden. Van den Aardweg macht aber ganz deutlich, daß dieses Verlangen nach Liebe immer unerfüllt bleibt. Trotz aller kurzen Glücksmomente, die der Betroffene in homosexuellen Beziehungen erleben mag, können seine emotionellen Bedürfnisse nie völlig gestillt werden, weil „die Quelle dieser Bedürfnisse, nämlich die Unzufriedenheit und das Selbstmitleid, unerschöpflich ist“.

Aus diesem Grund sieht van den Aardweg Ähnlichkeiten zwischen der Homosexualität und einer Zwangsneurose. Er beruft sich dabei u.a. auf M. Maltz, der viele Frauen mit einem Häßlichkeitskomplex untersucht hat. Diese Frauen hielten sich für unsagbar häßlich und hatten nur den einen Wunsch – den einer Schönheitsoperation. Aber selbst nach Erfüllung dieses Wunsches, als diese Frauen kaum wiederzuerkennen waren und ihre ganze Umgebung ihre Schönheit bewunderte, hatte sich an ihrem neurotischen Zustand nichts verändert. Ihr emotionales Defizit war dadurch nicht verschwunden. Viele dieser Frauen bestritten, daß sich durch ihre Operation ihr Zustand verbessert habe. Van den Aardweg zieht daraus die folgenden Schlußfolgerungen:

„Ebenso wird ein homosexueller Mann, der einen Freund gefunden hat, der ihn liebt, auch weiterhin darüber klagen, daß er von Männern nicht anerkannt werde, daß er nicht männlich, daß er minderwertig und einsam sei. Und er wird auf diese Weise neue Dramen in der Beziehung zu seinem Partner heraufbeschwören. Er wird ihm entweder Untreue vorwerfen oder selbst das Interesse an ihm verlieren und sich in einen anderen Mann verlieben. Streit und Eifersucht, das Drama, vom anderen abgelehnt zu werden, sind in homosexuellen Beziehungen an der Tagesordnung. Je stärker die Sehnsucht nach anderen Männern ist, umso weniger dauerhaft ist die Beziehung des homosexuellen Mannes zu seinem Freund.“

Ein Beleg dafür ist die Tatsache, daß homosexuelle Beziehungen in der Regel nicht lange halten und es immer wieder zu Untreue kommt, um bei anderen Männern vielleicht doch die endgültige Erfüllung zu finden.

Van den Aardweg wäre ein schlechter Arzt und Psychologe, wenn er nur eine Zustandsbeschreibung von Problemen liefern würde, ohne Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen.

Sein Therapieansatz ist aber nicht nur auf die Homosexualität bezogen. Ich habe bereits erwähnt, daß van den Aardweg das zwanghafte Selbstmitleid als Auslöser der verschiedensten Neurosen ansieht. Und so ist sein Therapieansatz auch auf die verschiedensten Arten der Neurose anwendbar.

Van den Aardweg vergleicht einen Neurotiker, der von seinem zwanghaften Selbstmitleid loskommen möchte, mit einem Süchtigen, der sich bemüht, seine Abhängigkeit zu überwinden.

Van den Aardweg schlägt deshalb als Therapieansatz vor, die „ständig wiederkommenden Impulse des Selbstmitleids zu ersticken und ihnen keine Gelegenheit zu geben, stark zu werden“. Es geht also um ein Aushungern dieser Impulse. „Je mehr das Selbstmitleid genährt wird, desto mehr schreit es nach neuer Nahrung, je weniger man es füttert, desto schwächer wird es“. Um diesen Prozeß des Aushungerns zu erreichen, sind in der Therapie van den Aardwegs verschiedene Schritte notwendig:

Als erstes sei es wichtig, dem Patienten die Ursache seiner Neurose klarzumachen, ihm also theoretisch zu erklären, was es mit dem Teufelskreis des zwanghaften Selbstmitleides auf sich habe.

Als zweites müsse der Patient dazu angeleitet werden, sich selbst zu beobachten und an sich selbst zu erkennen, wie der Prozeß ganz praktisch ablaufe. Dieser Schritt sei ein „langsam fortschreitender Prozeß“, die Selbsterkenntnis nehme mit der Zeit mehr und mehr zu.

Als dritten und entscheidenden Schritt bezeichnet van den Aardweg die Humortherapie. Es geht ihm darum, die zwanghaften Impulse des Selbstmitleides abzuschwächen, da dann die Möglichkeit bestehe, sie zu unterdrücken. Deshalb schreibt er dem Selbsthumor eine entscheidende Kraft zu. Durch die Methode der Überdramatisierung will er den Teufelskreis des Selbstmitleides durchbrechen. Überdramatisierung meint einen Dialog des Erwachsenen mit dem „Kind“ in sich, das sich selbst bemitleidet. Dabei muß der Erwachsene versuchen, das Handeln dieses Kindes zu rechtfertigen und diese Rechtfertigungsgründe so zu übertreiben, daß das Kind in ihm über sich selbst lachen muß. „Nach dieser Methode wird also der Grund für die Klage vor dem klagenden Kind übertrieben. Das fortschreitende Erweitern der Begründung für das Klagen löst in der Reaktion des Klienten einen gewissen Humor aus. Humorantworten wie Lachen, Lächeln, Grinsen zerstören den neurotischen Impuls, sich zu beklagen“.

Als Therapieziel versteht van den Aardweg die Wiederherstellung der Heterosexualität, was nicht schon dann erreicht ist, wenn „der Wunsch nach heterosexuellen Kontakten etwa so stark ist wie normalerweise bei einer Person gleichen Alters“, sondern erst dann, wenn „heterosexuelle Kontakte sowohl psychisch als auch physisch als befriedigender empfunden werden, als es die homosexuellen waren“. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß van den Aardweg die Homosexualität als eine psychische Krankheit (Neurose) ansieht, die einer Sucht gleichkommt, die aber dennoch heilbar ist.

Van den Aardwegs Ansatz ist deshalb so faszinierend, weil mit ihm nahezu alle Spielarten und Varianten der Homosexualität erklärt werden können. So ist dann z.B. der auf Kinder fixierte Pädophile jemand, der in seiner Kindheit von seinen Altersgenossen zutiefst verletzt wurde oder der große Defizite in seinem Verhältnis mit Gleichaltrigen hatte und der auf dem Weg der Kinderliebe versucht, diese Wunde seiner Kindheit zu schließen. Der Homosexuelle, der auf ältere Männer fixiert ist, kann als jemand gesehen werden, der in seiner Kindheit ein Defizit an väterlicher Liebe erlitten hat. In seiner Neigung zu älteren Männern sucht er einen Ersatz für die nicht erhaltene Vaterliebe.

Der Transsexuelle reagiert auf seine enttäuschte Selbstsicht, auf seine Unmännlichkeit: Wenn ich ein Mädchen wäre, könnte ich so sein wie ich bin. Selbst Extreme wie der Exhibitionismus (aus einer Angst vor Frauen resultiert die passive Entblößung der männlichen Geschlechtsteile vor Frauen, mit der stummen Bitte: „Bitte sieh meine Geschlechtsorgane an. Kannst Du mich nicht auch als Mann achten?“) und Sadismus (es erfolgt eine Identifikation des Schädigers mit seinem Opfer. Der Märtyrer tut dem Schädiger leid, denn er sieht sich selbst an dessen Stelle und dieses verborgene Selbstmitleid erregt ihn erotisch) können damit erklärt werden. Auch gibt es keine mir bekannte Biographie eines Homosexuellen, die nicht in den Ansatz van den Aardwegs paßt oder ihm gar widerspricht.

Wir haben uns nun lange mit den verschiedensten Thesen über die Ursache der Homosexualität beschäftigt. Als Fazit bleibt festzuhalten:

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für eine determinierende Ursache der Homosexualität. Weder genetische noch hormonelle Faktoren noch ererbte Verhaltensmuster (angeborene Bisexualität) konnten als Ursache der Homosexualität nachgewiesen werden.

Somit bleiben allein die Theorie van den Aardwegs und der Ansatz über familiäre bzw. gesellschaftliche Auslösefaktoren der Homosexualität übrig. Beide klingen logisch, sind aber ebenfalls nicht vollständig bewiesen bzw. beweisbar. In beiden Ansätzen wird der Homosexuelle als Leidender geschildert, der durch bestimmte Umstände in eine homotrope Neigung hineinrutscht. Beide Ansätze sehen diese Neigung aber nicht als endgültig an, sondern lassen Heilungsmöglichkeiten offen. Es fällt mir schwer, mich endgültig für einen dieser beiden Ansätze zu entscheiden, sie erscheinen gleich plausibel. Ich möchte sie deshalb nebeneinander stehen lassen. Die eigentliche Ursache, die Homosexualität erst möglich macht, ist aber meines Erachtens unerwähnt geblieben. Sie liegt in dem durch den Sündenfall gefallenen Menschen selbst, der sich von Gott und seinen Maßstäben losgesagt hat. Deshalb überläßt Gott diesen Menschen auch den Folgen seiner Sünde.

Somit sind die Homosexuellen nicht unverschuldet Leidende, sondern Menschen, die durch ihre Ablehnung Gottes und ihre Selbstvergötzung ihr Verhängnis selbst bestimmt haben.

C. Die Haltung der Bibel

Nachdem im vergangenen Hauptpunkt eine determinierende Ursache der Homosexualität ausgeschlossen werden konnte, stellt sich nun zwangsläufig die Frage nach deren Verantwortbarkeit. Ist Homosexualität eine legitime Form, um sexuelle Vorlieben auszuleben, um sich selbst verwirklichen zu können oder muß sie als Schuld bezeichnet werden? In diesem Hauptpunkt soll dieser Frage nachgegangen werden. Für eine christliche Ethik ist dabei der biblische Befund von entscheidender Bedeutung. Welche Aussagen macht die Bibel zur Homosexualität und wie sind ihre Aussagen zu werten? Es ist klar, daß in diesem Zusammenhang Befürworter und Gegner der Homosexualität zu Wort kommen müssen.

C.1. Homosexualität in der Bibel – drei unterschiedliche Ansätze von Befürwortern der Homosexualität

In Umgang mit den Aussagen der Bibel sind bei den Befürwortern der Homosexualität unterschiedlichste Argumentationsansätze zu finden. Gleichwohl lassen sich diese in drei Hauptansätze zusammenfassen.

C.1.1. Der „eisegetische“ (d.h. der hinein-interpretierende) Ansatz

Ein maßgeblicher Teil der Befürworter der Homosexualität versucht, die Homosexualität anhand der Bibel zu begründen. Dabei werden gewaltige Anstrengungen unternommen, um in verschiedene Bibelstellen eine positive Haltung zur Homosexualität hineinzuinterpretieren, um so das eigene Verhalten rechtfertigen zu können.

Dieser Gruppe von Homosexuellen geht es nicht um eine unvoreingenommene Exegese (= Auslegung) der Bibel zur Frage der Homosexualität. Ganz im Gegenteil: das zu erzielende Ergebnis („Homosexualität ist eine von Gott akzeptierte Lebensform“) liegt bereits definitiv fest, ehe die Bibel auch nur aufgeschlagen wird. Die Begründungen dieses Ansatzes sind größtenteils an den Haaren herbeigezogen. Ich will dies an einigen Beispielen verdeutlichen.

Prediger 4,11\1\ wird vielfach als eine Aufforderung zum Ausüben der Homosexualität verstanden.

Es wird sogar behauptet, Jesus selbst habe eine positive Einstellung zur Homosexualität gezeigt. Als Beleg wird Jesu Handeln an dem Knecht des Hauptmannes von Kapernaum erwähnt. Dieser Hauptmann hat einen kranken Knecht zuhause und bittet Jesus, ihn gesund zu machen. In allen drei Bibelstellen wird für das deutsche Wort „Knecht“ der griechische Ausdruck PAIS (= pais) gebraucht. PAIS hat verschiedene Hauptbedeutungen. So kann dieser Ausdruck mit „Jüngling, Sohn, Diener, Knecht“ wiedergegeben werden. Nur selten kommt dagegen in der griechischen Literatur die Bedeutung Lustknabe vor. Dieser Umstand wird jedoch begierig aufgegriffen. In dieser biblischen Geschichte gehe es dem Hauptmann nicht um die Heilung eines seiner Knechte, sondern um die Heilung seines homosexuellen Lustknabens. In der Heilung des Knechtes sei klar ersichtlich, welch eine „milde und gute“ Haltung Jesus gegenüber dem homosexuellen Hauptmann und seinem Lustknaben gehabt habe.

Häufig werden auch in biblische Berichte über enge freundschaftliche Beziehungen zweier Männer bzw. zweier Frauen homosexuelle Verhältnisse hineininterpretiert. Als Beispiele für solche homosexuellen Freundschaften werden dabei u.a. Ruth und Naomi, David und Jonathan, Jesus und Johannes sowie Paulus und Timotheus genannt.

Diese biblischen Berichte beschrieben „mit großer Liebe und Achtung“ den Umgang zweier gleichgeschlechtlicher Partner.

So berichte das Buch Ruth „von einer innigen Beziehung zwischen Ruth und ihrer Schwiegermutter Naomi“. In seiner „ausstrahlenden Wärme und menschlichen Nähe“ sei es „mit den Gedichten im Hohenlied der Liebe“ vergleichbar.

Ruth, eine Moabiterin, war mit Naomis Sohn, einem Juden verheiratet. Nach dem Tod ihres Ehemanns wird Ruth von ihrer Schwiegermutter aufgefordert, wieder in ihr Heimatland nach Moab zurückzugehen. Aber Ruth lehnt dies ab. Sie will Naomi nicht verlassen und spricht die berühmten Worte zu Naomi (Ruth 1,16f.)

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen, wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Jahwe tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden!“ (Ruth 1,16f.)

Aus diesen Worten leiten viele Homosexuelle eine homotrope Beziehung zwischen Ruth und Naomi her. Sie übersehen aber, daß Ruth hier mit diesen Worten eine Entscheidung trifft, sich trotz harter Lebensumstände zu Jahwe, dem jüdischen Gott, zu halten und nicht zu den heidnischen moabitischen Götzen zurückzukehren. Die genannten Verse sind als Ruths Bekenntnis zu Jahwe zu verstehen und keinesfalls als Begründung für eine homosexuelle Beziehung zu gebrauchen.

Auch David wird ein homosexuelles Verhältnis zu Jonathan, dem Sohn des Königs Saul, nachgesagt.

Grossmann sagt dies ganz offen: Dort, wo in der Bibel homosexuelle Partnerschaften auftauchten, wie etwa die Beziehung zwischen David und Jonathan, würden diese positiv dargestellt.

Aber trifft dies wirklich zu?

Als David aus dem Hause Sauls fliehen muß, besiegeln David und Jonathan noch einmal in einem Schwur vor Gott ihre Freundschaft und gegenseitige Loyalität:

„Und Jonathan ließ nun auch David schwören bei seiner Liebe zu ihm, denn er hatte ihn so lieb wie sein eigenes Herz.“ (1.Sam 20,17)

Beim Abschied warf David „sich auf sein Angesicht zur Erde und beugte sich dreimal nieder und sie küßten einander und weinten miteinander.“ (1.Sam 20,41).

Nachdem Jonathan im Kampf gefallen ist, hält David Totenklage über seinem Freund und klagt: „Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan, ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt, deine Liebe ist mir wundersamer gewesen, als Frauenliebe ist.“ (2.Sam 1,26)

Homosexuelle Ausleger gehen sogar so weit, den Konflikt zwischen David und Saul auf Sauls Eifersucht auf Davids „homosexuelles Verhältnis“ zu Jonathan zurückzuführen. So schreibt die Selbsthilfegruppe „Homosexuelle und Kirche“ in einem Faltblatt: „Saul ist wohl eifersüchtig gewesen und mißtrauisch David gegenüber, wegen dessen Beziehung zu Jonathan. David merkt es und will sich von seinem Freund zum Schutz seines eigenen Lebens trennen.“

Es ist jedoch geradezu absurd, aus diesen Bibelstellen ein homosexuelles Verhältnis zwischen David und Jonathan herauszulesen.

– David und Jonathan hatten ein brüderliches und kein homosexuelles Verhältnis (2.Sam 1,26).

– David war mehrfach verheiratet und hatte viele Kinder.

– Wenn die Bibel in dem brüderlichen Verhältnis zwischen David und Jonathan von Liebe (AHABA) spricht, so gebraucht sie eben nicht den Begriff für sexuelle Gemeinschaft (JADA)!

– Freundschaftliche Beziehungen hatten im Alten Testament eine wesentlich höhere Stellung als in der heutigen Zeit und umfaßten ganz unbefangen auch Zärtlichkeiten (Umarmen, Bruderkuß etc.) ohne daß dabei ein homotropes Verhalten hineinzuinterpretieren wäre.

– die Beschreibung der Freundschaft Davids und Jonathans mit den Worten „wundersamer als Frauenliebe“ wird ebenso für die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Saul und Jonathan benutzt.

Bräumer macht zu Recht deutlich, daß die Annahme eines homosexuellen Verhältnisses zwischen David und Jonathan nur dann möglich ist, „wenn ein Homosexueller seine subjektive Erfahrung zum Maßstab der Interpretation biblischer Texte macht“.

Dies gilt natürlich ebenso für eine angenommene homosexuelle Beziehung zwischen Jesus und Johannes (Johannes, der Jünger, den Jesus liebte, der beim letzten Abendmahl an der Brust Jesu lag) sowie zwischen Paulus und Timotheus. Ich möchte abschließend ein Zitat anführen, aus dem ganz deutlich wird, wie willkürlich viele Homosexuelle mit der Bibel umgehen:

„Es gibt auch Christen, die ihre Homosexualität nicht als etwas Fremdes und Sündhaftes betrachten, gegen das sie ankämpfen müssen. Sie vertrauen vielmehr darauf, daß Gott sie so annimmt, wie sie sind. Das gibt ihnen inneren Frieden und Lebensfreude, aber auch die Hoffnung, daß Homosexuelle innerhalb der christlichen Gemeinde eines Tages nicht mehr als ‚Aussätzige‘ angesehen werden. Der Grund ihrer Hoffnung ist die Überzeugung, die sie im Anschluß an ein Wort des Apostels Paulus formuliert haben (Gal 3,28): Es ist darum nichts mehr zu sagen, ob einer Jude ist oder Nichtjude, ob er Sklave ist, oder frei, ob Mann oder Frau, ob er – fügen wir hinzu – heterosexuell ist oder homosexuell. Durch eure Verbindung zu Jesus Christus seid ihr alle zu einem Menschen geworden“.

 

C.1.2. Der exegetische Ansatz

Dieser Ansatz ist bei weitem ernster zu nehmen, als der eben erwähnte. Er verschweigt nicht, daß mehrere Bibelstellen eindeutig die Homosexualität ablehnen und setzt sich mit ihnen auseinander.

Durch einen exegetischen Kunstgriff werden dabei aber diese Bibelstellen außer Kraft gesetzt.

Der exegetische Ansatz geht davon aus, daß die biblische Ablehnung der Homosexualität aus kultischen Gründen erfolgt. Aus der Umwelt des Alten Testamentes ist bekannt, daß die heidnischen Nachbarvölker Israels kultische Prostitution betrieben haben, die sowohl hetero- als auch homosexueller Art sein konnte. Die biblischen Verbote der Homosexualität seien nur in diesem Kontext zu verstehen, sie wollten verhindern, daß diese heidnischen Gebräuche auch in den Jahwe-Kultus Einzug hielten. Bräumer führt diesen Ansatz auf den jüdischen Religionsphilosophen Hans-Joachim Schoeps zurück, der besonders auf die kanaanäische Sitte der Tempelprostitution hingewiesen hat. Nicht die Homosexualität an sich sei im Alten Testament verboten, sondern die Teilnahme an den heidnischen Riten der kultischen Tempelprostitution, durch die die heidnischen Götzen (Baal, Astarte, Aschera usw.) dazu bewegt werden sollten, dem Land Fruchtbarkeit zu schenken (etwa im kanaanäischen Neujahrsfest). Nach Schoeps ist es ein „Treppenwitz der Religionsgeschichte“, aus diesem Tatbestand eine generelle Ablehnung der Homosexualität herleiten zu wollen: „Nein, das angeblich in der Bibel ausgesprochene göttliche Verbot der Homosexualität ist ein Mythos – und zwar ein falscher!“

Um es ganz deutlich zu machen: Nach diesem Ansatz geht es in den biblischen Verboten der Homosexualität nicht um den persönlichen Lebensstil des Einzelnen, sondern nur um die Reinhaltung der kultischen Beziehung zu Gott.

Die Bibel mache deshalb auch keinerlei Angaben zu einer homosexuellen Beziehung, die geprägt sei von Liebe, Verantwortung und gegenseitiger Treue. Weil dies so sei, habe der einzelne auch die Freiheit, solche Beziehungen (genauso wie Beziehungen heterosexueller Art) als gottgewollt anzusehen:

„Wir dürfen mit Fug und Recht feststellen, daß die Bibel keine Aussagen macht zu gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehungen, wie wir sie heute kennen. Die Bibel setzt sich mit kultischer Reinheit auseinander. Sie wendet sich gegen die Fremdgötter … Ja, sie unterstützt das heutige Menschenbild, das die Ganzheit des Menschen sucht. Sie bestärkt Beziehungen, in denen sich zwei liebende Menschen mit ihrer ganzen Persönlichkeit, ihren Stärken und Schwächen, ihrem Fühlen und Denken, ihren Hoffnungen und Ängsten, ihrem Geist, ihrer Seele, ihrem Körper und damit auch ihrer Sexualität einbringen. Unter diesem Anspruch fallen gleichermaßen die homosexuellen und heterosexuellen Beziehungen“.

Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt in einer genauen Untersuchung der biblischen Stellen über die Homosexualität zu diesem Ansatz Stellung nehmen.

 

C.1.3. Der situationsethische Ansatz

Im Gegensatz zur Ordnungsethik, die die Gültigkeit der biblischen Gebote betont und sie als Maßstab nimmt, um zu beurteilen, was richtig und falsch ist, setzt die Situationsethik einen neuen Schwerpunkt. Nicht mehr die Gebote Gottes stehen im Mittelpunkt, sondern die Liebe, die „die Erfüllung des Gesetzes“ (Mt 22,40; Röm 13,10) ist. Nichts, was aus Liebe zu Gott und zu dem Nächsten geschieht, kann nach diesem Ansatz falsch sein, die Liebe kann sich auch über Gebote hinwegsetzen. Alles, was aus Liebe getan wird, ist gut und als moralisch hochstehend anzusehen.

So wird in der Situationsethik die Liebe zum letztgültigen Maßstab. Dies ist schon deshalb möglich, weil Gott nur als Gott der Liebe angesehen wird, der die Menschen vorbehaltlos liebt. Das Bild eines richtenden Gottes, der Gebotsübertretungen, also Sünde straft, wird verworfen:

„Es fragt sich, ob es nicht … ein Sakrileg ist, aus einem gütigen Gott, den Jesus Christus gepredigt hat, einen buchhalterischen, sexfixierten, grämlichen Rächer zu machen. Da gewinnt das Evangelium Raum, wo es uns gelingt, den Blick frei zu kriegen auf den versöhnenden, annahmebereiten Gott, von dem das Neue Testament lehrt, daß er ‚die Liebe‘ ist. Da können wir Gott aus unseren Selbstbestrafungswünschen entlassen“.

Der Buchstabe des Gesetzes wird als Negativum abgetan, gleichzeitig wird „der Geist des Evangeliums“, die Liebe, hervorgehoben, durch den die Gesetze interpretiert, gegebenenfalls sogar aufgehoben werden.

Daher könne auch in Liebe gelebte und praktizierte Homosexualität nichts Schlechtes oder gar Sündhaftes sein, egal wie die biblischen Gebote auch lauten mögen. Hans Luther hat dies klar in seinem Artikel ‚Ethik für Homosexuelle‘ ausgedrückt: „Ich meine, wir sollten es lernen, uns nicht vom Buchstaben der Bibel erschlagen zu lassen, sondern aus den Buchstaben das Evangelium von Jesus Christus herauszuhören. Und das, was wir da hören, wird uns unser Lieben nicht verbieten, wird uns vielmehr auffordern, uns unsere Homosexualität nicht schmutzig machen zu lassen, sondern sie wert zu achten als unsere Sprache der Liebe“ John Stott deckt aber deutlich die Schwachpunkte des situationsethischen Ansatzes auf:

„Liebe ist nicht der letztgültige Maßstab … Niemand ist berechtigt, aufgrund der Qualität seiner Liebe zu einer anderen Person seinen Ehebund zu brechen. Die Qualität einer Liebe ist nicht der Maßstab, anhand dessen beurteilt werden kann, was gut oder richtig ist.“

„Die Liebesqualität einer homosexuellen Beziehung reicht nicht aus, um diese Beziehung zu rechtfertigen“.

„Die Liebe braucht als Richtlinie das Gesetz … Wer liebt, macht sich um das höchste Glück der geliebten Person Gedanken, das höchste Glück wird aber im Gehorsam gegenüber Gottes Geboten empfunden und nicht in deren Ablehnung“.

Wir haben nun die drei wichtigsten Denkansätze betrachtet, mit denen die der Homosexualität nahestehenden Ausleger an die Bibel herangehen. Als Fazit bleibt festzuhalten, daß alle drei Ansätze mit einem festgelegten Vorverständnis an die Bibel herangehen. Ohne die Richtigkeit dieses Vorverständnisses zu hinterfragen, versuchen sie dieses Vorverständnis anhand der Bibel zu verifizieren.

Diese Methode, an den Text der Bibel heranzugehen, ist jedoch völlig untauglich. Eine Exegese hingegen, die ihren Namen verdient, wird unvoreingenommen nach dem Standpunkt der Bibel fragen und sich an den Maßstäben der Bibel orientieren. „Es geht darum, in der Bibel das zu erkennen, was tatsächlich in ihr steht!“ Genau das soll nun im nächsten Unterpunkt geschehen. Dort sollen die biblischen Aussagen über die Homosexualität im Mittelpunkt stehen und nicht irgendwelche vorgefaßten Meinungen. Erst nach der ausführlichen Würdigung des Bibeltextes kann und soll eine Antwort auf die Frage dieses Hauptpunktes, „Ist Homosexualität Schuld oder legitime Selbstverwirklichung“, versucht werden.

 

C.2. Der biblische Befund zur Homosexualität

In diesem Zusammenhang möchte ich auf Hansjörg Bräumers hervorragende Ausführungen hinweisen. Er hat in seinem Buch „Lieben lernen“ sehr ausführlich und kompetent die biblischen Aussagen über die Homosexualität dargestellt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Auslegern, die von nur 4-5 Stellen in der Bibel ausgehen, die zur Frage der Homosexualität Stellung beziehen, macht Bräumer deutlich, daß diese Anzahl bei weitem größer ist.

Nach Bräumer finden sich „vom ersten bis zum letzten Buch der Bibel Worte Gottes zur Gleichgeschlechtlichkeit“, die er in sieben Gruppen unterteilt und zusammenfaßt.

Ich habe für diesen Punkt Bräumers Gliederung und Stellenauswahl übernommen und werde im folgenden auch häufig auf seine Ausführungen Bezug nehmen.

C.2.1. Geschichtliche Stellen

In vielen Bereichen ist die Bibel ein Geschichtsbuch. Es wird darin von dem geschichtlichen Handeln Gottes mit den Menschen und speziell mit seinem auserwählten Volk Israel berichtet.

Drei dieser historischen Stellen sind für unsere Fragestellung von Bedeutung, weil in ihnen aus der Geschichte deutlich wird, wie die Bibel die Homosexualität beurteilt.


a) Noah verflucht Hams Nachkommen wegen seiner Sünde

Gen 9 schildert, wie Gott mit Noah nach der Sintflut einen neuen Bund schließt. Gott will mit Noah einen Neuanfang in der Menschheitsgeschichte machen. Aber schon bald kommt es zu einem erneuten Sündenfall. Noah errichtet einen Weinberg, um Wein anzubauen. Am Ende liegt Noah total betrunken und völlig nackt in seinem Zelt. Als sein Sohn Ham dies sieht, hat er nichts Besseres zu tun, als seinen Brüdern davon Bericht zu erstatten. Diese gehen respektvoller mit ihrem Vater um. Um ihn nicht zu beschämen, nähern sie sich ihm mit abgewandtem Gesicht und bedecken seine Blöße.

Als Noah wieder bei Sinnen ist, segnet er seine Söhne Sem und Japhet und deren Nachkommen. Die Nachkommen Hams werden hingegen wegen dessen respektlosen Verhaltens verflucht.

Auf den ersten Blick scheint nicht ersichtlich zu sein, was diese Stelle mit Homosexualität zu tun hat. Nun, diese Stelle spricht nicht direkt von Homosexualität. Sie kann aber durchaus mit der Homosexualität in Verbindung gebracht werden.

Möglicherweise ist Hab 2,15 eine Anspielung auf das Geschehen in Gen 9: „Wehe dem, der seinen Nächsten aus Schalen und Schläuchen trinken läßt und ihn dadurch trunken macht, damit er seine Blöße sehe“.

Bräumer sieht deshalb den Grund des Fluches über Hams Nachkommen nicht allein in dessen Respektlosigkeit seinem Vater gegenüber, sondern auch in „dem lustvollen Betrachten des nackten Körpers eines Gleichgeschlechtlichen“.

Aus diesem Grunde wird auch verständlich, warum sich der Fluch Noahs nicht gegen Ham selbst, sondern gegen dessen Sohn Kanaan richtet. Kanaan ist der Stammvater der Kanaaniter, also der verdorbenen Ureinwohner Palästinas, bei denen homosexuelles Handeln in den verschiedensten Ausprägungen gang und gebe war. Somit kann durch diesen exegetischen Ansatz eine klare Weichenstellung Gottes in Bezug auf die Homosexualität gesehen werden, nämlich als eine vorgreifende Verurteilung der im kanaanäischen Volk üblichen homosexuellen Praktiken.

b) Der Untergang der Städte Sodom und Gomorrha

Deutlicher als in Gen 9 wird die Homosexualität in Gen 19 beim Namen genannt. Dort wird geschildert, wie Sodom und Gomorrha in einer großen Katastrophe dem Gericht Gottes verfallen.

Die Sünden Sodoms und Gomorrhas schreien zum Himmel, so daß Gott Boten (Engel) auf die Erde schickt, um die Gerichtsreife der beiden Städte zu prüfen (Gen 18,20f.). Diese beiden Engel kommen nun in Menschengestalt gegen Abend nach Sodom und werden von Lot, der im Stadttor sitzt, genötigt, doch nicht im Freien zu übernachten, sondern seine Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen.

Die Engel nehmen Lots Angebot an und kehren bei ihm ein. In der Nacht versammeln sich dann alle Bewohner Sodoms vor dem Haus Lots und verlangen von ihm, seine Gäste herauszugeben, damit sie von ihnen „erkannt“ werden könnten. Für das deutsche Wort „erkennen“ steht hier der hebräische Ausdruck JADA, der u.a. die Bedeutung „Geschlechtsverkehr praktizieren“ haben kann. Und in dieser Linie gibt dann auch Martin Luther den Nachsatz „damit wir uns über sie hermachen“ wieder (Gen 19,5). Die Sodomiter wollten Lots Gäste also homosexuell mißbrauchen. Lot will dies verhindern und seine Gäste, die unter dem Gastrecht stehen, schützen. In seiner Verzweiflung ist Lot sogar bereit, mit dem ‚Geist Sodoms‘ einen Kompromiß zu schließen und den Sodomitern seine beiden jungfräulichen Töchter als Ersatz für seine Gäste zu überlassen.

Die Bewohner Sodoms lehnen Lots Angebot wütend ab und versuchen sogar, sich an Lot zu vergehen. Aber in diesem kritischen Moment greifen die beiden Engel ein, schlagen die Sodomiter mit Blindheit und retten Lot.

Sodom und Gomorrha werden wegen ihrer himmelschreienden Sünde durch ein Gottesgericht vernichtet. Nur Lot und einige seiner Angehörigen kommen mit dem Leben davon.

Nach dem Verständnis vieler Ausleger spielt die Homosexualität eine wichtige Rolle für Gottes Gericht über Sodom und Gomorrha – sie wird als dessen auslösender Faktor gesehen.

Aber dies wird von Verfechtern der Homosexualität heftig bestritten. Aus der Tatsache, daß das hebräische Wort JADA häufig auch in der Bedeutung „kennen, kennenlernen“ gebraucht wird, folgert man, die Bewohner Sodoms hätten keineswegs die Absicht gehabt, Lots Gäste homosexuell zu mißbrauchen, sie hätten sie einfach nur „kennenlernen“ wollen. Lot habe als Ausländer seine Kompetenzen überschritten, indem er Fremden, „deren Absichten feindselig sein könnten … und deren Beglaubigungsschreiben noch nicht untersucht worden war“, die Gastfreundschaft gewährt habe. Aus Zorn über diesen Sachverhalt hätten die Sodomiten überreagiert und ihrerseits die Privatsphäre Lots mißachtet (D.S.Bailey). Die Schuld der Bewohner Sodoms in Gen 19 wird also allein im Bruch des Gastrechtes gesehen.

„Diese Schilderungen über die Sodomiter …, häufig verwendet als Kronzeugen gegen Homosexuelle, sprechen deutlich vom Bruch des schützenden Gastrechts … An gleichgeschlechtliche Beziehungen wird hier keineswegs gedacht“ (HUK). Aber dieser Erklärungsversuch ist nicht befriedigend:

– Warum hatte Lot vor den Sodomitern Angst, wenn diese seine Gäste nur „kennenlernen“ wollten?

– Die Tatsache, daß Lot seine jungfräulichen Töchter ersatzweise für seine Gäste den Bewohnern Sodoms überlassen wollte, weist deutlich darauf hin, daß ihre grundlegenden Absichten sexueller Natur waren.

– die Bibel beschreibt Lots Töchter, als Mädchen, die „noch keinen Mann erkannt hatten“. Hier wird das Wort JADA eindeutig mit der Bedeutung „Geschlechtsverkehr haben“ gebraucht. So ist es naheliegend, daß auch der Aufforderung der Sodomiter an Lot, die Gäste herauszugeben, damit diese sie „erkennen“ könnten, dieselbe Bedeutung zugrundeliegt.

– Warum sollte Lot die Sodomiter bitten, nichts Übles zu tun, wenn diese nur ganz harmlose Absichten hatten?

Die Bibel sagt ganz klar, daß in Sodom keine zehn Gerechten vorhanden waren. Bräumer faßt deshalb die Motivation der Sodomiter so zusammen:

„Alle, bis zum letzten Mann scharten sich um das Haus Lots und forderten die Herausgabe der beiden Gäste. Wie wilde Tiere waren die Sodomiter ‚von jung bis alt‘ (Gen 19,4) hinter Lots Besuchern her. Sie gebärdeten sich wie eine hemmungslose, wilde Bande, gierig wie Hyänen nach einem Stück Fleisch“.

Aus dem Zeugnis des Alten Testaments wird deutlich, daß die Vernichtung Sodoms und Gomorrhas nicht allein wegen ihrer Homosexualität erfolgte, sondern daß eine Vielzahl von Sünden zum Himmel schrieen: Heuchelei, soziale Ungerechtigkeit (Jes 1), Ehebruch, Betrug (Jer 24), Hochmut, Habgier (Hes 16), u.a. Dennoch ist in Gen 19 die Homosexualität als letzte auslösende Ursache für Gottes Gericht über Sodom und Gomorrha anzusehen.

c) Die Schandtat zu Gibea

In Buch der Richter, Kap. 19, wird eine Geschichte erzählt, die den Vorgängen in Sodom sehr ähnlich ist. Ein Levit ist mit seiner Nebenfrau gezwungen, in der jüdischen Stadt Gibea zu übernachten und dort das Gastrecht zu beanspruchen. Wie in Gen 19 versuchen „ruchlose Männer“ (Ri 19, 22), den Gastgeber zu zwingen, den Leviten herauszugeben, damit sie ihn „erkennen“ (JADA) könnten.

Auch in Gibea wollten die dort wohnhaften Benjaminiten den Gast homosexuell mißbrauchen. Der Gastgeber bietet (wie Lot in Sodom) seine jungfräuliche Tochter als Ersatz an. Schließlich übergibt der Levit der ruchlosen Meute seine Nebenfrau, damit diese sie sexuell mißbrauchen konnten. „Selbst das in Israel heilige Gastrecht“, das sich ja auch auf die Nebenfrau erstreckte, „war der Levit bereit zu verletzen, nur um die Bewohner Gibeas von Homosexualität abzuhalten“ (Bräumer).

Als Folge dieser Schandtat wird fast der ganze Stamm Benjamin in einem Strafgericht vernichtet.

Noch krasser als in Gen 19 ist hier der Ansatz zu verwerfen, es handele sich an dieser Stelle nicht um einen homosexuellen Vergewaltigungsversuch, sondern nur um einen Bruch des Gastrechts. Die Gibeaniter hätten den Leviten ja nur kennenlernen wollen.

– Die gebrauchten Adjektive „unrecht, schändlich, ruchlos“, die das Verhalten der Gibeaniter beschreiben, sind viel zu scharf, als daß sie nur auf einen Bruch des Gastrechtes angewandt werden könnten.

– Die erfolgte Massenvergewaltigung der Nebenfrau zeigt eindeutig die sexuellen Motive der Gibeaniter auf.

Ganz im Gegenteil, in Ri 19 wird von einem durch das Streben nach Homosexualität verursachten Gewaltverbrechen berichtet.

Nach dem holländischen Theologen Spijker suchten die Gibeaniter in dem Leviten ein neues Objekt ihrer Begierde. „Es ist allgemein bekannt, welche sexuellen Reize vor allem Ausländer auf sexuell Hemmungslose und Übersättigte ausüben“, dabei sei nur „an die Rolle der Ausländer in pornographischen Schriften“ zu denken.

C.2.2. Gesetzliche Stellen

Neben den geschichtlichen Stellen gibt es zwei wichtige Abschnitte aus Gesetzestexten, die ganz eindeutig zum Problem der Homosexualität Stellung nehmen

Lev 18,22: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen, wie bei einer Frau, es ist ein Greuel“.

Lev 20,13: „Wenn jemand bei einem Mann liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Greuel ist und sollen beide des Todes sterben. Blutschuld lastet auf ihnen“.

Diese beiden Gesetzestexte sind Bestandteil des Heiligkeitsgesetzes, das aus den Kap. 17-27 des Buches Leviticus besteht. Dieses Heiligkeitsgesetz gibt Anweisungen, wie sich das Volk Israel im Alltag verhalten soll, und zwar unter den Augen und in der Nähe des heiligen Gottes, der Israel für sich aus den Völkern ausgesondert hat. Nach Gottes Willen soll Israel bis in die Bereiche des täglichen Lebens hinein anders sein als die heidnischen Völker.

„Das Heiligkeitsgesetz ist Gottesrecht, das das Volk Israel nicht überschreiten durfte, ohne sich selbst zu zerstören. Die Gebote im Heiligkeitsgesetz haben allgemein gültigen Verpflichtungscharakter“.

Aus diesem Grund müssen die beiden Gesetzestexte zur Homosexualität als eine allgemeine Verurteilung der Homosexualität angesehen werden.

Beide Gesetzestexte stehen im Zusammenhang mit Geboten, die den Schutz der Ehe und der Familie und deren Reinheit nach den Maßstäben Gottes zum Ziele haben.

So sollen nach den Geboten des Heiligkeitsgesetzes nicht nur homosexuelle Praktiken, sondern auch Inzest, Sodomie sowie Ehebruch mit dem Tod bestraft werden (Lev 20,10ff).

„Die Todesstrafe für Homosexuelle wurde verhängt, weil Homosexualität im Alten Testament zu den ehewidrigen und ehezerstörerischen Handlungen gezählt wurde. Wie radikal das alttestamentliche Gesetz der Homosexualität entgegentrat, zeigt, daß bereits der Brauch mancher Homosexuellen, die Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen, verurteilt wird (Dtn 22,5 „Eine Frau soll nicht die Ausrüstung eines Mannes tragen, und ein Mann soll kein Frauenkleid anziehen, denn jeder, der solches tut, ist dem Herrn, deinem Gott, ein Greuel“).

Das Alte Testament wendet sich scharf gegen alles, was homosexuelle Vorlieben und Gewohnheiten fördert und die Konturen zwischen den Geschlechtern verwischt. Diese Haltung wird im Neuen Testament aufgegriffen, wenn etwa Paulus den Korinthern zur Haartracht von Mann und Frau Anweisungen gibt (1.Kor 11,6ff.).

Viele der Homosexualität nahestehende Ausleger sehen in den Aussagen der erwähnten Gesetzestexte in keinem Fall eine allgemeine Ablehnung der Homosexualität durch die Bibel. Die Bibel wende sich hier eindeutig nur gegen eine kultische Homosexualität, wie sie etwa bei heidnischen Religionen üblich war (Tempelprostitution u.ä.). Der heilige Gott wolle allein eine rituelle Reinheit im Kultus, als Form der Abgrenzung zu heidnischen Götzen.

In keiner Weise seien in den Gesetzestexten Aussagen über eine von Liebe geprägte „Lebensbeziehung“ zweier homosexueller Menschen enthalten.

Diese Ausleger übersehen, daß die zitierten Gesetzestexte in einem Kontext stehen, in dem es um die Reinheit des Ehe- und Familienlebens geht und eben nicht um die kultischen Reinheit, von der im nächsten Unterpunkt zu sprechen sein wird. In eindeutiger Weise zeigt Gott in den Gesetzestexten, wie die Reinheit des Ehe- und Familienlebens aussehen soll: Ehebruch, Sodomie, Inzest und Homosexualität unterliegen einem generellen Verbot Gottes.

Unter dieses umfassende Verbot der Homosexualität fallen auch homosexuelle „Liebesbeziehungen“. Auch Inzest, Ehebruch und Sodomie können in eine Form der „Liebesbeziehung“ eingebettet sein, gleichwohl sind und bleiben sie verboten!

 

C.2.3. Kultische Stellen

An sieben Bibelstellen wird im Alten Testament auf das Verhältnis von Jahwe-Kult und Homosexualität Bezug genommen. Aus der Umwelt des Alten Testaments ist bekannt, daß in den Israel umgebenden heidnischen Völkern kultische sexuelle Riten praktiziert wurden. Die dabei verehrten heidnischen Götzen (Baal, Aschera, Astarte) wurden unter anderem als Fruchtbarkeitsgötter angesehen. Durch rituelle Sexualakte (Tempelprostitution etc.) glaubte man, diese Fruchtbarkeitsgötter dazu bewegen zu können, nicht nur den Bewohnern, sondern auch dem Land Fruchtbarkeit zu spenden.

Diese Sexualakte schlossen sowohl hetero- als auch homosexuelle Praktiken ein. Die eben erwähnten Bibelstellen sind ein Beweis dafür, daß diese heidnischen Riten auch zu manchen Zeiten in das Jahwe-Heiligtum eingedrungen waren. Dies wird ganz besonders in Hos 4,13 deutlich. Dort spricht Jahwe durch den Propheten Hosea zu Israel: „Oben auf den Bergen opfern sie, und auf den Hügeln räuchern sie (heidnischen Götzen) … Ich will’s euch nicht wehren, wenn eure Töchter zu Huren und eure Bräute zu Ehebrecherinnen werden, weil ihr selbst abseits geht mit den Huren und mit den Tempeldirnen opfert und so das törichte Volk zu Fall kommt“.

Jahwes Stellung zur kultischen Prostitution wird in Dtn 23,18f. sichtbar: „Es soll keine Tempeldirne sein unter den Töchtern Israels und kein Tempelhurer unter den Söhnen Israels. Du sollst keinen Hurenlohn noch Hundegeld (= Hurenlohn eines homosexuellen Lustknaben, d. Verf.) in das Haus des Herrn, deines Gottes bringen aus irgendeinem Gelübde, denn das ist dem Herrn, deinem Gott, beides ein Greuel.“

Durch den König Rehabeam hielten viele heidnische Bräuche im Volk Israel Einzug, so auch die kultische Prostitution. Tempelhurer, homosexuelle männliche Prostituierte waren weithin verbreitet. Rehabeam begann, den von seinem Vater erbauten Tempel den Heiden preiszugeben (1. Kön 14,24f.).

Asa, ein Enkel Rehabeams, wendete sich vom Götzendienst ab und jagte die Tempelhurer aus dem Land, was deren Ausschluß aus der Gottesgemeinde bedeutete (1. Kön 15,12). Aber Asa schaffte es nicht, den Götzendienst völlig aus Israel zu entfernen, so blieben Teile der Tempelhurer im Land.

1. Kön 22,47 beschreibt, wie unter dem König Josaphat die übrig gebliebenen männlichen Prostituierten des Landes verwiesen wurden.

Während der umfassenden religiösen Reform unter dem König Josia wurden die Häuser der Tempelhurer, die sich am Tempel befanden, abgerissen (2.Kön 23,7). Wie dabei mit den Tempelhurern verfahren wurde, wird nicht erwähnt. Aber aus Hi 36,14 kann ihr gewaltsames Ende abgeleitet werden: „… so wird ihre Seele in der Jugend sterben und ihr Leben unter den Hurern im Tempel“.

Festzuhalten bleibt, daß all diese Stellen eindeutig jede Form der kultischen Prostitution ablehnen, unabhängig davon, ob sie auf hetero- oder auf homosexuelle Art und Weise ausgeübt wurde.

 

C.2.4. Die Verkündigung Jesu

Jesus nimmt in seiner Verkündigung nur indirekt zur Homosexualität Stellung und zwar an vier Stellen, in denen er die allgemeine sündhafte Verworfenheit der Sodomiter zur Sprache bringt (Mt 10,14f.; 11,32f.; Lk 10,10ff.; 17,28).

Aber selbst, wenn die homosexuellen Praktiken der Sodomiter nicht explizit von Jesus erwähnt werden, müssen sie doch als auslösende Ursache der Zerstörung Sodoms mitgedacht werden!

Aus der Tatsache, daß wir in den Evangelien von Jesus keine direkte Äußerung zur Homosexualität finden, haben viele homosexuelle Ausleger eine liberale Haltung Jesu zur Homosexualität herleiten wollen.

Dahingehend äußert sich der Diplompsychologe Grossmann:

„Jesus selbst hat nie ein Wort über Homosexualität verloren. Zumindest gibt es darüber keine Aufzeichnungen. Wer seine grundsätzliche Botschaft von der Menschenliebe verstanden hat, kann sich auch schwer vorstellen, daß Jesus die Liebe zwischen zwei Männern und zwei Frauen verurteilt hätte“.

Aber man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, daß Jesus ein Jude war und zum jüdischen Volk gesandt war. Er predigte also zu Menschen, die mit dem Alten Testament und seinen Geboten sehr gut vertraut waren. Wir haben bereits gesehen, wie eindeutig das Alte Testament zur Homosexualität Stellung bezieht. Jesus konnte dies also durchaus als bekannt voraussetzen. Auch nimmt er immer wieder auf die alttestamentlichen Gebote Bezug („Ihr habt gehört, was den Alten gesagt ist, ich aber sage euch …“).

Er macht deutlich, daß er gekommen ist, um das alttestamentliche Gesetz zu erfüllen, nicht aber um es aufzulösen. Schon allein deswegen kann nicht von einer liberalen Haltung Jesu zur Homosexualität ausgegangen werden.

 

C.2.5. Paulinische Stellen

Anders als in der Botschaft Jesu finden wir in Paulusbriefen deutliche Stellungnahmen zum Gebiet der Homosexualität. Dies wird dann verständlich, wenn man bedenkt, daß die Empfänger der Paulusbriefe Heidenchristen waren, deren „Umwelt im Blick der Moral um vieles duldsamer war als die der Juden, zu denen Jesus geredet hat“. Paulus, der die alttestamentlichen Schriften in- und auswendig kannte, nimmt deshalb auch bei der Beurteilung der Homosexualität kein Blatt vor den Mund.

Das Gewicht, das die Stellen der Paulusbriefe für unsere Fragestellung haben, wird auch in der Tatsache sichtbar, daß die Paulusbriefe, die ja oft direkt an eine Gemeinde adressiert waren, sofort nach ihrem Erhalt von der betreffenden Gemeinde sorgfältig vervielfältigt und an die anderen christlichen Gemeinden weitergeleitet wurden. So kann davon ausgegangen werden, daß die Aussagen der Paulusbriefe schon sehr früh in den christlichen Gemeinden bekannt und als allgemeingültige Richtlinien anerkannt waren.

Drei paulinische Stellen seien in diesem Zusammenhang angeführt:

a) Römer 1,25-27:

„Sie haben die Wahrheit Gottes in Lüge verwandelt und dem Geschöpf Verehrung und Gottesdienst dargebracht statt dem Schöpfer … Deswegen hat Gott sie in schandbare Leidenschaften dahingegeben. Denn ihre Frauen haben den natürlichen (Geschlechts-) Verkehr mit dem widernatürlichen vertauscht und ebenso haben auch die Männer den natürlichen (Geschlechts-) Verkehr mit ihren Frauen verlassen und sind in ihrer Wollust zueinander entbrannt, indem sie, Mann mit Mann, Schande trieben und so den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfingen“.

Paulus beschreibt im ersten Kapitel des Römerbriefs den Zustand der Menschen unter dem Zorn Gottes. Der katastrophale Zustand der Menschheit zeigt offenkundig, daß Gottes Zorn auf ihr ruht, daß Gott sich ihr widersetzt. Dies ist die Antwort auf das Handeln der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit verkehren (Röm 1,18). Bei den Menschen besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen Wahrheit und Lebenswirklichkeit. Wahrheit ist, daß die Menschen Geschöpfe Gottes sind, in der Schöpfung Gottes leben und alles, was sie haben von Gott, ihrem Schöpfer erhalten haben (Röm 1,19 und 20). Die Lebenswirklichkeit der Menschen aber ist, daß niemand Gott anerkennt und ihm die Ehre gibt. Ganz im Gegenteil, die Menschen haben sich willentlich von Gott losgesagt und sich selbst Götzen gemacht, ja sich sogar selbst vergötzt (Röm 1,22f.).

Die Menschen machen sich ihre Maßstäbe selbst, nach denen sie leben wollen. Deshalb läßt Gott die Menschen die Folgen ihres sündigen Abfalls spüren und tragen. Gott hindert sie nicht daran, „in verworfenem Sinn zu tun, was nichts taugt“ (Röm 1,28ff.). Als Beispiel für die allgemeine Sittenlosigkeit stellt Paulus besonders den widernatürlichen homosexuellen Geschlechtsverkehr zweier Männer oder zweier Frauen heraus.

Nur in dieser Stelle (Röm 1,26) erwähnt die Bibel dabei explizit das Vorhandensein lesbischer Sexualbeziehungen.

Paulus lehnt jedoch homosexuelle Beziehungen radikal ab, durch sie werde die Verworfenheit der Menschen sichtbar.

Auf verschiedenste Art und Weise wird versucht, diese harten Worte des Paulus zu entkräften. So wird behauptet, Paulus beschreibe hier allein die griechisch-römische Welt mit ihrem Götzendienst. In seiner Verurteilung der Homosexualität lehne Paulus nur die mit diesem Götzendienst verbundene homosexuelle kultische Prostitution ab, nicht aber eine in Liebe gelebte homotrope Verbindung.

Dem ist zu entgegnen, daß in Röm 1 die Homosexualität ganz allgemein als eine Form von Sünde neben vielen anderen Formen (Habgier, Bosheit, Mord, Verleumdung etc.) dargestellt wird (Vers 28f.) und eindeutig einem Katalog von Sünden angehört, die „nicht-kultische Bedeutung haben“.

Eine reine Beschränkung auf kultische homosexuelle Prostitution ist deshalb zu verwerfen. Andere sehen in Röm1 nur eine Verurteilung einer kleinen Gruppe von Homosexuellen, nämlich von solchen, die „aus schierer Neugier oder übergroßer Begierde in homosexuelle Verhaltensweisen hineinschlittern“ und diese rücksichtslos und lasterhaft ausleben. Diese „Perversen“ seien Menschen gewesen, die „sich trotz ihrer heterosexuellen Veranlagung homosexuellen Praktiken hingaben“ und durch ihr schamloses Verhalten die Homosexualität insgesamt in Verruf gebracht hätten.

Nichts, aber auch gar nichts sei über „invertierte“ Homosexuelle gesagt, die generell homosexuell veranlagt, also dauerhaft und unwiderruflich homosexuell geprägt seien. Paulus gehe davon aus, daß sich der Mensch frei zwischen Hetero- und Homosexualität entscheiden könne, er wisse offensichtlich nichts von einer ausschließlichen homosexuellen Prägung.

„Paulus zeigt keinerlei Kenntnis einer dauerhaften homosexuellen Prägung, kennt keine homosexuelle Liebe. Wie aber soll homosexuelle Prägung in der Bibel verdammt sein, wenn sie gar nicht im Blickfeld war, weil sie der Forschung erst seit kurzem bekannt ist? An diesem Beispiel zeigt sich, daß auch das Urteil der Apostel damals von ihrem Wissensstand abhing“.

Dazu sind einige Bemerkungen zu machen:

– Der Ansatz, in Röm 1 werde nur die homosexuelle Perversion der Heterosexualität, nicht aber die Inversion der Homosexualität (ausgeübt von dauerhaft und ausschließlich homosexuell veranlagten Menschen) verurteilt, ist nicht schlüssig. Wenn Paulus von Männern spricht, die den natürlichen Verkehr mit der Frau aufgegeben haben, dann müssen nicht zwangsläufig heterosexuelle Männer gemeint sein, die ihre Frau verlassen haben, um sich der Homosexualität hinzugeben. Paulus beschreibt in Röm 1 vielmehr den generellen Zustand der Menschheit, die sich Gottes Schöpfungsordnung widersetzt (u.a. der Einsetzung der Ehe) und die geschlechtliche Lust widernatürlich durch Homosexualität auslebt. Dabei sind die pervertierte Heterosexualität wie auch homosexuelle Lebensformen gleichermaßen miteingeschlossen.

– Für eine determinierende, dauerhafte und unwiderrufliche Inversion gibt es bisher keinen wissenschaftlichen Beweis (vgl. FUNDAMENTUM 2/1991, S. 69-82).

Zwar werden vielfach homosexuelle Beziehungen ausschließlich gleichgeschlechtlich ausgelebt, aber die Betreffenden werden nicht durch eine determinierende Veranlagung dazu gezwungen.

– Die Behauptung ist absurd, Paulus habe nur einen beschränkten Wissensstand zur Frage der Homosexualität gehabt und rede nur von einer Pervertierung der Heterosexualität oder von kultischer, homosexueller Prostitution, wisse jedoch nichts von homosexuellen Lebens- und Liebesbeziehungen. Bräumer verdeutlicht, daß Paulus jede Form der Homosexualität verurteilt:

„Paulus waren mit Sicherheit nicht nur jene pervertierten homosexuellen Kontakte bekannt, von denen in der Literatur der Kaiserzeit die Rede ist, sondern auch die Liebesfreundschaften zwischen Männern, wie sie Horaz besingt, als seine Liebe für den ‚geliebten Knaben Ligurius‘. Während seiner Reisen durch Kleinasien muß Paulus von den damals praktizierten Formen der dorischen Knabenliebe gehört haben, und zweifellos waren ihm auch die Stellungnahmen einiger Moralphilosophen nicht entgangen, die die Knabenliebe als Signatur der Verworfenheit und einer zersetzten Kultur kritisierten“.

1. Kor 6,9f.:

„Wißt ihr nicht, daß keiner, der Unrecht tut, das Reich Gottes ererben wird? Irret euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch die, die sich zur Knabenliebe hergeben oder sie üben, weder Diebe noch Betrüger, auch keine Trunkenbolde, keine Verleumder und Räuber werden das Reich Gottes ererben.“

In dieser Stelle zählt Paulus in seinem „Lasterkatalog“ Gruppen von Menschen auf, die nicht ins Reich Gottes kommen werden. Und dabei erwähnt er auch zwei Gruppen von Homosexuellen:

– die, die sich zur Knabenliebe hergeben (griech. „malakoi“) und
– die, die Knabenliebe ausüben (griech. „arsenokoitai“).

Walter Bauer definiert diese beiden griechischen Begriffe folgendermaßen: Die „malakoi“ sind Menschen, die „weichlich sind, Lustknaben sind, also Männer und Jünglinge, die sich homosexuell mißbrauchen lassen“.

Die „arsenokoitai“ sind Personen, die „mit Männern und Knaben Unzucht treiben, Knabenschänder und Päderasten“.

Auch hier wird eine generelle Verurteilung der Homosexualität deutlich. „Der Ausdruck „asresnokoitai“ umfaßt jegliches homosexuelles Verhalten. Er ist zusammengesetzt aus den Worten für ‚männlich‘ und ‚Geschlechtsverkehr‘ und meint einfach nur den Vorgang der homosexuellen Vereinigung. Er enthält keinen Hinweis auf eine Unterscheidung zwischen Pervertierten und Invertierten oder zwischen einem flüchtigen homosexuellen Erlebnis oder einem von Liebe getragenen. Paulus hätte gezieltere Begriffe wählen können, z.B. paiderastes (Knabenliebhaber) oder paidophtoros (Knabenschänder) oder arrenomanes (mannstoll). Doch er wählte die allgemeinste aller Bezeichnungen“.

Jeder, der Homosexualität praktiziert, egal ob er dabei der aktive oder der passive Teil ist, hat nach dieser Stelle keinen Anteil am Reich Gottes, und in dieser Aussage sind auch die Lesbierinnen miteingeschlossen (vgl. Röm 1)

c) 1. Tim 1,9f:

„Wir wissen, das Gesetz ist gut, wenn man es nach dem Sinn des Gesetzes anwendet, mit dem Bewußtsein, daß das Gesetz nicht den Gerechten auferlegt ist, wohl aber den Gesetzlosen und Zügellosen, den Gottlosen und Sündern, den Heillosen und Unheiligen, den Vater- und Muttermördern, den Unzüchtigen, den Knabenschändern, den Menschenräubern, Lügnern und Meineidigen und allem, was sonst der gesunden Lehre widerstrebt, nach dem Evangelium von der Herrlichkeit …“

Auch in diesem Lasterkatalog bezeichnet Paulus die arsenokoitai (die homosexuelle Akte Ausübende) als solche, die gegen Gott und seine Gebote rebellieren und sich so sündhaft verhalten.

Ja, er macht sogar deutlich, daß sie auch dem Evangelium unvereinbar entgegen stehen.

„Alles in allem wird jedes homosexuelle Verhalten in den Schriften des Paulus als verwerflich dargestellt. Im Römerbrief gilt es als heidnisches Laster, im Korintherbrief als Barriere, die den Eingang ins Reich Gottes versperrt und im ersten Timotheusbrief als ein Vergehen gegen das Sittengesetz“.

C.2.6. Stellen im 2. Petrus- und im Judasbrief

In je einer Stelle aus dem 2. Petrus- und dem Judasbrief werden die Gründe für die Zerstörung der Städte Sodom und Gomorrha offen beim Namen genannt und mit der Homosexualität in Verbindung gebracht:

„Die Städte Sodom und Gomorrha ließ er (Gott) in Asche sinken und verurteilte sie zum Untergang und setzte den Gottlosen damit ein Zeichen, die künftig gottlos sein würden. Er errettete aber den gerechten Lot, der von dem ausschweifenden (oder: unzüchtigen) Wandel der Gesetzlosen gequält wurde, denn der Gerechte, der unter ihnen wohnte, mußte alles mitansehen und anhören und seine gerechte Seele von Tag zu Tag durch die Werke der Ungerechten quälen lassen“ (2. Petr 2,6-8).

„Auch die Engel, die ihren himmlischen Stand nicht bewahrten, sondern ihre Wohnstätten preisgaben, hat er (Gott) zum Gericht des großen Tages mit ewigen Ketten in Finsternis verwahrt. So müssen auch Sodom und Gomorrha und die umliegenden Städte, weil sie ähnlich wie jene Unzucht trieben und anderem Fleisch nachjagten, als warnendes Beispiel in ewigem Feuer büßen“ (Jud 1,6f.).

Diese beiden Stellen stellen einen klaren Bezug zur Homosexualität als auslösende Ursache der Vernichtung Sodoms und Gomorrhas her: Judas nennt den homosexuellen Vergewaltigungsversuch der Sodomiter ein „unzüchtiges und widernatürliches Treiben“. Mit den Worten „anderem Fleisch nachgehen“ wird die homosexuelle Absicht der Sodomiter ausdrücklich beim Namen genannt. Petrus verurteilt ausdrücklich den ausschweifenden gesetzlosen Wandel der Sodomiter und damit auch ihre homosexuellen Praktiken.

 

C.2.7. Stellen in der Offenbarung

„Aber den Feiglingen und Ungläubigen und den mit Greuel Befleckten, den Mördern und Unzüchtigen, den Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern ist ihr Teil in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, das ist der zweite Tod“ (Offb 21,8).

„Draußen bleiben die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut“ (Offb 22,15).

Wir haben diesen Hauptpunkt mit einem indirekten Zitat zur Homosexualität begonnen (Gen 9) und schließen ihn nun mit zwei weiteren indirekten Stellen ab. Johannes spricht in beiden Stellen die Homosexualität an, indem er alttestamentliche Begriffe gebraucht, die die Homosexualität miteinschließen. So erinnern die Worte „mit Greuel Befleckte“ an die alttestamentlichen Gebote, in denen sehr oft das sittenlose Handeln der Menschen als „Greuel für Gott“ geschildert und verurteilt wird (Ehebruch, Götzendienst, Sodomie usw., und auch Homosexualität! Lev 3,18.22; 20,13 u.a.). Die Gerichtsandrohung des feurigen Pfuhls scheint auch eine Erinnerung an das Gericht über Sodom und Gomorrha zu sein, das durch Feuer und Schwefel vom Himmel durch Gott vernichtet wurde.|47|

In der zweiten Stelle, einer Aufzählung bestimmter Gruppen von Menschen, die verlorengehen und nicht ins Reich Gottes eingehen werden, gebraucht Johannes einen auf den ersten Blick befremdlichen Begriff. Neben Zauberern, Lügnern, Götzendienern, Mördern und Unzüchtigen werden auch die Hunde nicht ins Himmelreich gelangen.

Was ist nun mit dem Begriff „Hunde“ gemeint?

Im Neuen Testament bezeichnet der Begriff kyon sehr oft die Tiergattung „Hund“, wobei die Hunde als unreine Tiere, die Menschenkot fressen, angesehen wurden.

Daneben wurde häufig auch die übertragene Bedeutung „die unreinen Heiden, die Ketzer“ gebraucht.|48|

„Im Alten Testament“ dagegen, „werden mit ‚Hunden‘ die männlichen Prostituierten bezeichnet. Die Dirnen bekommen einen Dirnenlohn, der zur Unzucht geweihte Buhler (hebr. KEDESCH) den Preis für einen Hund, das heißt den ‚Hundelohn‘ (Dtn. 23,19). Der Hundelohn ist der Mietpreis für einen männlichen Prostituierten. Die Bezeichnung ‚Hund‘ für einen Mann, der für homosexuelle Akte in den Tempeln zur Verfügung stand, ist bestätigt durch Inschriften, auf denen der geweihte Buhler (hebr. kedesch) häufig ‚Hund‘ genannt wird“.

Als Fazit einer unvoreingenommenen Exegesen der Stellen zur Homosexualität bleibt festzuhalten:

Die Bibel macht also in ihrer Deutung der Homosexualität keine Unterschiede zwischen kultischer homosexueller Prostitution, homosexuellen Gewalthandlungen, homosexuellen „Liebesbeziehungen“, Pädophilie, homosexueller Veranlagung etc. Jede Form der Homosexualität wird verworfen und als Übertretung der Gebote Gottes bezeichnet.

 

D. Schuld oder legitime Selbstverwirklichung?

Ist Homosexualität nur Schuld oder kann sie als legitime Selbstverwirklichung eines Menschen verstanden werden? Konkret gefragt – ist jener Homosexuelle, der mir in München gegenüberstand, nun einer, der vor Gott durch sein Tun schuldig geworden ist oder nur jemand, der sich einen anderen, aber dennoch legitimen Weg der sexuellen Selbstverwirklichung gewählt hat?

Es besteht kein Zweifel, daß für eine christliche Ethik zur Klärung dieser Frage nur ein Maßstab akzeptiert werden kann. Dieser Maßstab ist die Bibel.

Dabei ist die vorbehaltlose Bereitschaft, die Richtlinien für jedes menschliche Handeln aus dem Wortbestand der Heiligen Schrift zu gewinnen, von entscheidender Wichtigkeit. Jeder Ansatz, der Versucht, vorgefaßte Denkstrukturen (Situationsethik etc.) in die Bibel hineinzuinterpretieren, ist deshalb für eine christliche Ethik untauglich und zu verwerfen.

Es gilt, in der Bibel das zu erkennen, was tatsächlich in ihr steht. Wie wir im vorhergehenden Hauptpunkt nach einer ausführlichen Diskussion der verschiedensten exegetischen Ansätze gesehen haben, ist die Haltung der Bibel zur Homosexualität absolut eindeutig. Sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament gibt es keine Bibelstelle, welche die Homosexualität duldet, oder gar akzeptiert. Die Bibelstellen, aus denen versucht wird, eine biblische Toleranz, der Homosexualität herauszulesen, halten einer unvoreingenommenen, gründlichen Exegese nicht stand.

Die Bibel macht in ihrer Bedeutung der Homosexualität keine Unterschiede zwischen kultischer homosexueller Prostitution, homosexuellen Gewalthandlungen, homosexuellen „Liebesbeziehungen“, Pädophilie, homosexueller Veranlagung etc. Jede Form der Homosexualität wird verworfen und als Übertretung der Gebote Gottes bezeichnet.

Nach den Aussagen des Alten und Neuen Testaments muß deshalb jedes homosexuelle Handeln als Sünde, also als Schuld eingestuft werden.

Warum ist dies so? Mit welcher Begründung kann die Bibel die Homosexualität als Schuld bezeichnen?

Ich möchte dazu in drei Punkten Stellung nehmen:

1. Homosexualität ist Schuld, weil sie widernatürlich ist und Gottes Schöpfungsordnung entgegensteht.

Paulus sagt dies ausdrücklich so, es nennt in Röm 1,25-27 Homosexualität ein widernatürliches Verhalten. Paulus versteht unter Natur „nicht nur die leibliche Geschlechtlichkeit oder die menschliche Natur nach Leib Seele und Geist, sondern die Natur, wie sie der Schöpfer von Anfang an geplant und gewollt hat“. Den Maßstab für das, was natürlich ist, leitet Paulus aus der Schöpfungsgeschichte (Gen 1,27f.) her. Gott schuf die Menschen nach seinem Ebenbild und gab ihnen eine Bestimmung füreinander, als Mann und Frau. Die wird vor allem auch im Schöpfungsauftrag Gottes deutlich: „seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde“ (Gen 1,28)

Der holländische Theologe Spijker sagt hierzu folgendes: „Wenn Paulus sich nicht auf die Schöpfungsordnung, sondern auf die Natur beruft, verharmlost er die Homotropie nicht, oder entschuldigt sie gar, sondern er vergrößert die Anklage. Der seinem Begehren preisgegebene Mensch gefährdet die Schöpfungsordnung, er verfällt durch sein Handeln dem Chaos. Er lebt nicht in Harmonie mit der Natur als Schöpfungsordnung, sondern widernatürlich, d.h. nach der paulinischen Zusammenordnung von Natur und Schöpfungsordnung widersittlich und widergöttlich“.

Naturwissenschaftler haben in diesem Zusammenhang auch immer wieder darauf hingewiesen, daß es z.B. auch im Tierreich kein Pendant zur Homosexualität gibt. Zwar kann es dort ebenfalls in Extremsituationen zu homosexuellen Akten kommen, doch müssen diese „in Abhängigkeit von anderen als allein sexuellen Trieben erklärt werden“ (Van den Aardweg). Wenn etwa ein Rudelführer zum Zeichen seiner Überlegenheit an einem Rudelmitglied homosexuelle Akte vornimmt, so geschieht dies aus Gründen „der sozialen Dominanz oder der Neutralisierung von Aggression“.

Van den Aardweg hinterfragt kritisch das „dubiose Dogma von der Natürlichkeit der Homosexualität“, das von vielen ihrer Anhänger vertreten wird: „Ist es wirklich so wahrscheinlich, daß die Natur diese ’normale Variante‘ hervorgebracht hat, die keine Möglichkeit zur Fortpflanzung bietet, aber dennoch die anatomischen und physiologischen Voraussetzungen dazu besitzt? Welchen Sinn sollte dies haben?“, und kommt als Naturwissenschaftler, der nicht von der Bibel her argumentiert, zu dem Schluß, daß die Biologie des Menschen und des Tieres nicht zur Homosexualität, sondern zur Heterosexualität angelegt ist. Es ist deshalb den Ausführungen des Sozialwissenschaftlers Kinsey deutlich zu widersprechen, der sagt: „Die Homosexualität ist seit Urzeiten ein wichtiger Bestandteil menschlicher sexueller Betätigung, schon allein deshalb, weil sie Ausdruck gewisser Urfähigkeiten des Tieres ist“.

In der katholischen Sexualethik hat das Argument der Widernatürlichkeit der Homosexualität großes Gewicht (nach der analogia entis: „Man kann aus der Natur nach Gott schließen“, das (die!?) in der katholischen Ethik als sehr wichtig angesehen wird). Als Beleg sei ein Zitat des Thomas von Aquin angeführt: „Jeder homosexuelle Akt ist gegen die Natur und widerspricht der rechten Vernunft, denn dabei sucht der Mensch sich in einer Weise geschlechtlich zu befriedigen, die die Möglichkeit der Fortpflanzung ausschließt“.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Es gibt einen gottgegebenen, natürlichen Hang zum anderen Geschlecht.

Amerikanische Evangelikale haben dies in einem Schlagwort provokativ formuliert: „Gott schuf Adam und Eve, nicht Adam und Steve!“

Homosexualität ist widernatürlich, steht der Schöpfungsordnung Gottes entgegen und muß somit als Schuld bezeichnet werden.

2. Homosexualität ist Schuld, weil sie die von Gott eingesetzte Lebensform, die Ehe zwischen Mann und Frau, in der allein nach Gottes Plan Sexualität ausgelebt werden kann und soll, aufhebt und ablehnt und an ihre Stellen die von Menschen eingesetzt Lebensform zweier gleichgeschlechtlicher Partner setzt.

In Gen 2 wird uns von der göttlichen Einsetzung der Ehe berichtet.

Adam, der von Gott geschaffene Mensch, fühlt sich im Paradies einsam. Als Ebenbild Gottes war Adam geschaffen worden und war deshalb ein geselliges Wesen. Da Gott ein Gott der Liebe ist, hat er den Menschen auch die Möglichkeit gegeben, selbst zu lieben und geliebt zu werden.

Gott erkennt deshalb, daß „es nicht gut ist, daß der Mensch alleine sei“ und „will ihm eine Hilfe schaffen, als sein Gegenüber“. (Gen 2,18) Dieses Gegenüber sollte Adam entsprechen und auch seine Sexualpartnerin sein (die beiden sollten ein Fleisch werden), um auf diese Weise die gegenseitige Liebe zu vervollkommnen und Nachkommen zu zeugen (John Stott).

Gott erfüllte dieses Bedürfnis des Menschen nach Gemeinschaft durch ein besonderes Schöpfungswerk. Die Geschlechter werden voneinander getrennt. „Aus der undifferenzierten Menschheit Adams gingen Mann und Frau hervor“.

Gen 2 macht deutlich, wie dieses Schöpfungswerk aussah: Im Gegensatz zu Adam, den Gott aus Staub gemacht hatte, erschuf Gott Eva aus Adam heraus. Diese Bemerkungen bilden Grundlage für die göttliche Einsetzung der Ehe. Als Adam Eva zum ersten Mal sieht, spricht er das „erste Liebesgedicht der Geschichte“: Das ist endlich Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Diese soll Weib heißen, weil sie vom Manne genommen ist“ (Gen 2, 23)

Die Schlußfolgerung daraus im folgenden Vers:

Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und wird seiner Frau anhangen und die beiden werden ein Fleisch sein. (Gen 2,24)

Dieser Bibelvers muß als Einsetzung der Ehe als göttliche Institution verstanden werden, in der menschliche, geistige und sexuelle Gemeinschaft erfahren werden soll:

In diesen beiden Versen kommt dreimal das Wort Fleisch vor („Fleisch von meinem Fleisch“, „ein Fleisch werden“). Dies ist nicht zufällig. Der heterosexuelle Umgang in der Ehe ist mehr als nur eine körperliche Vereinigung, er stellt vielmehr eine Wiedervereinigung zweier Menschen verschiedenen Geschlechtes das, die ursprünglich eins waren.“ Einst wurden sie voneinander getrennt, aber im Eheakt werden sie wieder zusammengefügt“ (Stott).

Durch diesen Ansatz ist auch das Geheimnis der heterosexuellen Intimität verständlich: John Stott sagt dies so: „Im heterosexuellen ehelichen Geschlechtsverkehr findet nicht nur eine körperliche Vereinigung statt, es handelt sich vielmehr um ein Verschmelzen komplementärer Persönlichkeiten, wodurch – inmitten der vorherrschenden Entfremdung – der Reichtum des menschlichen Daseins in seiner geschaffenen Einheitlichkeit neu erlebt wird“. Damit Mann und Frau aber wieder ein Fleisch werden können, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Diese Voraussetzungen sind von Gott vorgegebene Grundlagen der Ehe.

„Damit wird ein Mann“ (die Singularform zeigt, daß die Ehe die Vereinigung nur zweier Individuen ist) „seinen Vater und seine Mutter verlassen “ (wichtig ist hier eine öffentliche Handlung) „und wird seinem Weibe anhangen.“ (Liebe und Treue sind unabdingbar, die Ehe ist von Dauer und wird zwischen einem Mann und einer Frau vollzogen) „und sie werden ein Fleisch sein.“ (Geschlechtsverkehr ist das Siegel des Ehebundes)-J.Stott.

Jesus erkennt diese Grundlagen im Neuen Testament ausdrücklich an und zeigt, daß eine lebenslange Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau schon immer Gottes Absicht entsprach. Ganz deutlich wird dies in dem Satz: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden“. (Mk 10,4-9)

Als Zusammenfassung dieser Ausführungen möchte ich ein ausgezeichnetes Zitat von John Stott anführen:

„Die von Gott eingesetzte Ehe wird also in der Bibel als heterosexuelle Einehe definiert. Es geht hier um die Vereinigung eines Mannes mit einer Frau, und diese Vereinigung wird dauerhaft bezeugt (Verlassen der Eltern), dauerhaft besiegelt (seiner Frau anhangen) und körperlich vollzogen (ein Fleisch). Eine andere Art von Ehe oder Geschlechtlichkeit kennt die Bibel nicht, denn Gott hat keine andere Möglichkeit eingerichtet.

Jede sexuelle Beziehung, die von Gottes geoffenbarter Norm abweicht, erregt sein Mißfallen und führt letzten Endes zum Gericht.

Falsch sind also Polygamie und Polyandrie (weil sie gegen das Prinzip ein Mann und eine Frau verstoßen), zufällige sexuelle Begegnungen, vorübergehende Affären und Ehebruch, heimliches Verbindungen, (weil ihnen kein öffentliches Verlassen der Eltern vorausgegangen ist), viele Ehescheidungen (weil sie mit dem Prinzip des Anhangens nicht vereinbar sind und gegen Jesu Verbot der Scheidung verstoßen) und homosexuelle Partnerschaften (weil diese im Widerspruch dazu stehen, daß ein Mann seiner Frau anhangen wird)“(J.Stott).

Paulus macht dies ebenfalls deutlich in 1. Tim 1, 9. Dort zählt er einen Lasterkatalog auf, bei dem er an den zehn Geboten entlang geht. Zuerst nennt er solche, die sich an Vater und Mutter vergreifen, danach die, die sich am Leben vergehen, dann die Unzüchtigen und Knabenschänder, schließlich noch Menschenhändler, Lügner und Meineidige.

Bräumer schließt daraus, hier werde klar betont, daß homosexuelles Handeln gegen die Maßstäbe Gottes (Zehn Gebote) verstößt: „Diejenigen, die Homosexualität praktizieren, gehören zu denjenigen, die ehewidrig handeln und damit gegen das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ verstoßen.“

Alles in allem kann festgehalten werden, daß Gott für den Menschen nur eine einzige sexuelle Verbindung vorgesehen hat, die geschlechtliche Vereinigung eines Mannes mit seiner Ehefrau, die er als Fleisch von seinem Fleisch erkennt.

Jede andere Konstellation verstößt gegen Gottes Gebot und ist Schuld.

3. Das bewußte Verharren in der Homosexualität ist Rebellion gegen Gott und seine Gebote und damit Schuld.

Erinnern wir uns noch einmal kurz an den Ansatz van den Aardwegs, der die Homosexualität als zwanghafte Neurose beschreibt, durch die der Homosexuelle in einem Teufelskreis dazu getrieben werde, sich selbst wegen seiner Unmännlichkeit zu bemitleiden und dieses Selbstmitleid durch homosexuelle Kontakte zu kompensieren.

Kann man einen Menschen, der gegen seinen Willen zu etwas getrieben wird, überhaupt für sein Tun verantwortlich machen?

Grundsätzlich ist dazu zu sagen, daß jeder Mensch von Natur aus gegen Gott rebelliert (Sündenfall), sich von Gott losgesagt hat und getrennt von ihm nach eigenen Maßstäben lebt. Diesen Zustand nennt die Bibel Sünde. Die grundlegende Schuld des Menschen ist also seine Rebellion gegen Gott, die in vielen Punkten Auswirkungen hat (Selbstvergötzung, eigene Maßstäbe, Verbrechen, etc.). Gott läßt den Menschen die Folgen seines Abfalls spüren, er gibt ihn an die Sünde dahin (Röm 1).

Aus dieser Ursache heraus kann der Mensch in mancherlei Bindungen geraten (Süchte, psychische Krankheiten etc.), die nur dadurch möglich sind, weil diese Welt eine gefallene Welt ist. Und manchmal scheint es, als sei der Mensch in diesen Bindungen (z.B. Kleptomanie) nicht mehr für sein Handeln verantwortlich zu machen. Aber dem ist nicht so.

Jeder, der gebunden ist, hat die Pflicht, alles zu tun, was in seiner Macht steht, um seine Gebundenheit in den Griff zu bekommen und sie nicht zum Ausbruch kommen zu lassen. Auch wenn der einzelne von Kräften gehalten wird, die sich seiner Kontrolle entziehen, darf er sich nicht still in sein Schicksal ergeben, sondern ist verpflichtet, einen Ausweg zu suchen.

Selbst van den Aardweg bejaht diese Aussage in seinen Therapieansätzen zur Heilung Homosexueller von ihrer homosexuellen Neurose.

Wer sich mit seiner Gebundenheit abfindet und nichts gegen sie unternimmt, ja sogar seiner Gebundenheit mit einer herausfordernden, trotzigen Haltung sich noch rühmt, der steht unter dem Zorn und Gericht Gottes.

Jeder, der bewußt in der Sünde verharrt und sich von dem allmächtigen Schöpfer nicht davon befreien läßt, wird schuldig und ist voll für sein Handeln verantwortlich.

E. Konsequenzen, die sich aus der ethischen Beurteilung der Homosexualität ergeben

1. Wenn Homosexualität Schuld ist, dann sind wir Christen aufgefordert, als Sprachrohr Gottes klar Position zu beziehen und dies einer gefallenen Welt mitzuteilen. Ich bin mir dessen bewußt, daß wir uns dabei mit einer antichristlichen Theologie, sowie mit Menschen einer gefallenen Welt auseinandersetzen müssen und mit Spott, Häme und Angriffen zu rechnen haben.
Militante Angriffe, wie die Ian Harveys, werden kein Einzelfall bleiben, der mit einer beißenden Attacke die „vor Heiligkeit triefende Haltung“ der Christen gegenüber der Homosexualität geißelt: „Seitdem ich einige von denen bei der Arbeit erlebt habe, bin ich zu der Überzeugung gelangt daß ich mich leicht auf die Seite der Löwen hätte schlagen können, wenn ich seinerzeit im Kolosseum dabei gewesen wäre“.

Dies darf uns jedoch nicht davon abhalten, diese Auseinandersetzung aufzunehmen, sie muß geführt werden!
2. Wenn Homosexualität Schuld ist, dann haben wir dies auch in unseren Gemeinden deutlich zu sagen. Wir haben auch dort die Aufgabe, Tendenzen entgegenzutreten, die versuchen, aus falsch verstandener Barmherzigkeit den Mantel der Liebe über alles zu breiten und die alles als „normal“ und „legitim“ darstellen wollen.

Gerade in unseren Gemeinden dürfen wir diese Auseinandersetzung mit antichristlichen/antibiblischen Tendenzen nicht ausweichen, sie ist ein absolutes Muß!
3. In der Auseinandersetzung mit der Homosexualität ist jedoch klar zu trennen zwischen der Homosexualität und dem Homosexuellen. Eine ablehnende Haltung gegenüber der Homosexualität ist eine zwingende Notwendigkeit. Sie darf jedoch nicht dazu führen, daß Homosexuelle diskriminiert, abgeurteilt oder ausgegrenzt werden. Auch der Homosexuelle ist unser Nächster, dem Gottes Gnadenangebot gilt und der durch unsere Nächstenliebe etwas von der Liebe Gottes spüren soll.

Christus starb für alle, Männer und Frauen, für heterosexuelle und für homosexuelle. Sein Kreuz ist ein unauslöschliches Zeichen für den Wert, den jeder Mensch in Gottes Augen hat. Niemand ist aufgrund seiner homosexuellen Veranlagung weniger wert als andere. Dennoch verlangt das Evangelium die Veränderung!

Es geht also darum, dem Homosexuellen mit Nächstenliebe, ohne Diskriminierung zu begegnen, aber immer auch ohne ethische Nachgiebigkeit gegenüber der Homosexualität.

Zwischen „die Sünde hassen“ und den „Sünder lieben“ muß ein klarer Unterschied gemacht werden!
4. Der gefallene, sündhafte Mensch hat nur eine Chance zur Veränderung – die der Umkehr zu seinem Schöpfer, der ihm allein helfen kann. Nur in einer Neuordnung seines Lebens durch die Annahme des Heilsangebotes Gottes in Jesus Christus und der darauffolgenden Unterordnung unter Gott und seine Gebote hat der Homosexuelle die Möglichkeit, dem Gericht Gottes zu entkommen.
5. Der allmächtige Schöpfer kann auch mit einem direkten Eingriff einen Homosexuellen von seiner gleichgeschlechtlichen Neigung befreien.

6. Dort, wo dies geschieht, wo der betreffende Christ also immer noch homotrope Gefühle hat, ist klar zu unterscheiden zwischen der Versuchung zur Homosexualität und dem Nachgeben dieser Versuchung.

Im Jakobusbrief ist zu lesen: „Jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Wenn die Begierde dann empfangen hat, gebiert sie die Sünde, wenn aber die Sünde vollendet ist, gebiert sie den Tod“ (Jak 1,14f.). Das bloße Vorhandensein einer lustvollen Versuchung kann also noch nicht als Sünde bezeichnet werden, erst wenn die Versuchung ausgelebt wird, gebiert sie die Tatsünde.

Wir halten fest: Nicht die homosexuelle Versuchung, das homosexuelle Verlangen ist als Sünde zu werten, sondern allein das Nachgeben dieser Versuchung, das Handeln also, das der Schöpfungsordnung widerspricht.

7. Dem Christen, der seinen homotropen Gefühlen nicht oder noch nicht befreit ist, bleibt nach biblischen Maßstäben der Weg der sexuellen Enthaltsamkeit, wie z. B. auch Menschen, denen die Ehe versagt bleibt.

Literaturverzeichnis:

Van den Aardweg, G.I.M.: Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen – Analyse und Therapie, Hänssler, Stuttgart, 1985
Adler, A.: Das Problem der Homosexualität, Ernst Reinhard Verlag, München,
Arndt, L.L., Over Neurosen, Den Haag, 1955
Ders.: Genese en psychotherapie der neurose, Den Haag, 1958
Bayley, Derrick Sherwin: Homosexuality and the Western Christian Tradition,
Baker, Don: Ende eines Doppellebens, Brunnen, Basel, 1990
Bräumer, Hansjörg: Lieben wagen, Hänssler, Stuttgart, 1986
Coleman, Peter, Christian Attitudes to Homosexuality, 1980
Field, David: Homosexualität – was sagt die Bibel wirklich?, Edition Trobisch) IPS,
Fischer, Jochen (Hg.): Wörterbuch zur Sozialpädagogik, Aussaat-Verlag, Wuppertal, 1969
Ian Harvey: To Fall like Lucifer, Sidgewick and Jackson, London, 1971
HUK – Homosexuelle und Kirche: „Evangelikal und homosexuell“, Faltbroschüre; und: „Spricht die Bibel über Homosexualität?“, Faltbroschüre, Zürich, 1989
Grossmann, Thomas: Eine Liebe wie jede andere, Rowohlt Taschenbuch-Verlag,
Kenyon, F.E.: „Studies in Female Homoesexuality – Psychological Test Results“, in: Journal of Consulting and Clinical Psychology, 1968
Kinsey, A.C.: Report über weibliche und männliche Sexualität, Goldmann Verlag,
Looser, Gabriel: Gleichgeschlechtlichkeit ohne Vorurteil, Friedr. Reinhard Verlag, Basel, 1980
Maltz, M.: Psycho-cybnernetics, Prentice Hall, New York, 1960
Pittenger, Norman: Time for Consent: A Christian’s approach to Homosexuality, SCM Press, 1976
Stekel W.: Onanie und Homosexualität, Verlag Urban und Schwarzenberg, Wien,
Ders.: Psychosexueller Infantilismus, Verlag Urban und Schwarzenberg, Wien,
Stott, John: Homosexuelle Partnerschaften – warum gleichgeschlechtliche Partnerschaften für einen Christen unmöglich sind, Verlag der Francke-Buchhandlung, Marburg/Lahn, 1984
Werner, Roland: Homosexualität – ein Schicksal?, Brendow Verlag, Moers
White, John, Eros, Segen oder Fluch?, Verlag der Francke-Buchhandlung, Marburg/Lahn, 1989
Wilkerson, David und Don: Die unbequeme Generation, Leuchter-Verlag, Erzhausen, 1972

Der Autor:

Michael Seemann wurde 1964 in München geboren. Kurz vor seiner Einschulung zog seine Familie nach Ellendingen bei Pforzheim um. 1983 bestand er in Pforzheim das Abitur. Von 1984 an studierte er sechs Semester an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. 1987 wechselte er aus theologischen Gründen an die Freie Evangelisch-Theologische Akademie Basel, wo im selben Jahr sein Studium abschloß.

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