Heilmagnetismus u. Homöopathie

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 Kurt E. Koch


Heilmagnetismus und Homöopathie

Kein Gebiet der Grenzwissenschaften oder auch der medialen Praktiken hat mir soviel Kopfzerbrechen verursacht wie der Heilmagnetismus. Dass dieses Sachgebiet auch anderen Autoren Kummer bereitet hat, sehe ich an den Veröffentlichungen anderer Reichgottesarbeiter. Dazu einige Beispiele.

Otto Markmann schrieb in seiner Broschüre „Die okkulten Heilweise der Homöopathie“ auf S. 32: „Einen ethisch neutralen Heilmagnetismus gibt es nicht.“ Pfarrer Dr. Rudolph ist genau auf Gegenposition. In seinem Buch „Die geheimnisvollen Ärzte“ lässt er den Heilmagnetismus gelten.

Gehen wir den anstehenden Fragen nach, indem wir uns zum Ursprung des heilenden Magnetismus, vielmehr zu seinem Entdecker wenden. Den ersten Ansatzpunkt zu der heilenden Kraft des Magnetismus findet man schon bei Paracelsus. Er stellte den Grundsatz auf, dass gleichartige Dinge sich anziehen. Die bewirkende Kraft nannte er Magnet (lat. magnes, magnetis). Eine weitere Stufe dieser Vorstellung finden wir bei Abbé Lenoble, der 1771 eine Heilbehandlung mit Stahlmagneten einführte. Populär wurde diese Methode dann durch Franz Anton Mesmer, der die Methode Lenobles wirksam ausbaute.

Mesmer wurde 1734 in Itznang am Bodensee geboren. Er studierte zuerst Jura in Wien. Nach einigen Jahren hatte er diesen trockenen Stoff über und sattelte um auf Medizin. 1766 promovierte er zum Doktor der Medizin. Die Grundsubstanz seiner Dissertation „De influxu planetarum in hominem“ (Einfluss der Planeten auf den Menschen) ist die Astrologie. Die Theorien, die er in dieser Arbeit entfaltete, sind zum Teil bei Paracelsus entlehnt. Mesmer meint, dass zwischen den Planeten und der Erde ein gegenseitiger Einfluss bestehe, in den auch Tiere und Menschen einbezogen sind. Diesen Einfluss nannte Mesmer „animalischen Magnetismus“, weil seiner Meinung nach die Tiere am meisten für diese wechselseitigen Einwirkungen empfänglich seien. Bei dieser Hypothese Mesmers stehen wir vor einer Grundposition vieler magischer Systeme. Der Kosmos ist durchweht von einem Uräther, einem Fluidum, das physikalisch nicht nachzuweisen ist. Es ist eine Weltbeseelung, eine kosmische Kraft, eine feinstoffliche elektromagnetische Energie oder, wie sie Brunner nennt, eine „biokosmische Energie“. Der griechische Arzt Hippokrates (460-377 v. Chr.) nannte sie „vis medicatrix naturae“ (heilkräftige Kraft der Natur). Bei den indischen Jogis heißt diese Kraft „Prana“. Freiherr von Reichenbach, Chemiker und Naturphilosoph (1788-1869), nannte sie „Odische Kraft“ oder einfach „Od“. Die Chinesen bezeichneten diese Kraft oder Strömung „Chi“, das bei der Akupunktur eine Rolle spielt. Die Kahuna-Zauberer, auf deren Tätigkeit ich auf Haiti stieß, nennen diese kosmische Kraft „Mana“. Diese magische kosmische Kraft oder Strömung, die rational nicht nachweisbar ist, hat mit den physikalisch erfassten kosmischen Strahlen nichts zu tun.

Nahezu alle Medien, Zauberer, Pendler, Naturheiler, okkulten Praktiker geben als Quelle ihrer Kraft den Kosmos oder die Natur an. Die religiös gefärbten Okkultisten nennen Gott als den Ursprung ihrer Kräfte und Gaben. Mesmer machte die Planeten für die magnetische Zirkulation zwischen diesen Himmelskörpern und den Lebewesen auf Erden als Ursache verantwortlich. Als er entdeckte, dass von seiner eigenen Person beruhigende und heilende Wirkungen ausgingen, machte er das geschäftstüchtig zu Geld. In Wien entfaltete er eine Praxis, die großen Zulauf bekam. Je mehr Menschen ihm nachliefen, desto mehr schwoll auch der Widerstand der Schulmediziner an. So brach „der Wunderdoktor“ in Wien seine Zelte ab und siedelte nach Paris über.

Das leicht entflammbare französische Volk nahm seine Theorie willig auf. Die Reichen und Vornehmen drängten sich in seiner Praxis. Da Mesmer dem großen Andrang nicht gewachsen war, ließ er seine Patienten um einen großen Zuber sitzen, der mit magnetisiertem Wasser gefüllt war. Der „Wundertäter“ entwickelte sich zum Großverdiener. Die Regierung sah sich gezwungen, eine Kommission zur Überprüfung zu bilden, die seine Methoden als Scharlatanerie verwarf. Das Volk reagierte anders und sah den Widerstand nur als Neid der Schulmediziner an. In Frankreich setzten sehr unruhige Zeiten ein. Im Volk gärte und brodelte es. Es waren die letzten Jahre vor der furchtbaren Revolution der Jahre 1789-1793. Das Interesse an der magnetischen Heilung verlor sich. Alle Wundertäter mit einem kometenhaften Aufstieg verlieren nach geraumer Zeit ihren Glanz und Schein. Mesmer verließ Frankreich und kehrte zum Bodensee zurück, an dem er aufgewachsen war. Er starb 1815 in Meersburg.

Der Mesmerismus hat Wandlungen durchgemacht. Otto Markmann schreibt (S. 12): „Die preußisch-deutsche Phase ist von der Wiener und Pariser Phase dadurch unterschieden, dass die Errungenschaften des Okkultismus wie Hypnose, Hellseherei, Traumeingebung und Geisterbeschwörung hier in die Magnetotherapie aufgenommen worden sind.“ Seiner Entstehung und Entwicklung nach ist der Mesmersche Heilmagnetismus eine okkulte Bewegung, die natürlich abzulehnen ist. Eine weitere Wandlung scheint mir im 20. Jahrhundert eingetreten zu sein. Mesmer und seine Extravaganzen waren passe. Was blieb, waren und sind die Mesmerschen Striche, mit der eine Hypnose eingeleitet wird. Es blieb aber noch mehr, nämlich die Vorstellung, dass es Menschen gibt, die heilende Hände haben. Um das Auflegen von Stahlmagneten geht es nirgends mehr. Aber das Phänomen der kraftausströmenden Hände ist auf der ganzen Welt zu finden. Ich habe unzählige Beispiele dazu. Nur einige wenige Orientierungen dazu.

Beispiel 101 In Süddeutschland begegnete ich einem Heilmagnetiseur, der aktiver Christ und Mitglied einer landeskirchlichen Gemeinschaft war. Wir kamen auf seinen Heilmagnetismus zu sprechen. Er meinte, es sei eine natürliche Gabe, denn er sei beim Beten und Bibellesen nicht behindert. Er informierte mich, dass seine magnetische Kraft nur für eine oder zwei Behandlungen am Tag ausreiche. Dann fügte er den ausschlaggebenden Satz hinzu: „Wer mit seinem Magnetismus mehr als zwei Patienten am Tag behandelt, hat seine Steckdose unten, oder er ist ein Scharlatan.“ Damit war gemeint, dass solche Magnetiseure den verbrauchten Heilmagnetismus auf okkulte Weise ergänzen, denn von zwei Patienten am Tag kann kein Heilpraktiker leben.

Ein anderer Magnetiseur meinte, er könne nur drei, höchstens vier Personen am Tag behandeln, dann sei seine Kraft aufgebraucht. Pfr. Modersohn ist vermutlich wie ich damals durch solche Beispiele, dass Heilmagnetiseure gläubige Christen sind, zu der Annahme gekommen, dass es einen neutralen Heilmagnetismus gäbe, der ohne Gefahr in Anspruch genommen werden könne. Man kann Modersohn nicht einen Strick daraus drehen wollen und mit schneidender Schärfe sagen: „Hier hat Modersohn geirrt.“ Dieser Pfarrer war ein von Gott reich gesegneter Mann, der Tausende von Menschen in der Seelsorge hatte und über eine große Erfahrung verfügte, mehr als seine Kritiker es ausweisen können. Es spielt hier ein Gesichtspunkt herein, den mir einmal ein Christ in USA nannte: „Our theology is life related“ (= unsere Theologie ist lebensbezogen). Er war kein Ketzer, er meinte nur, unser theologisches Denken ist von der Bibel geprägt und von unserer Erziehung und Entwicklung mit beeinflusst. Oetinger hat das 1765 mit einem Buchtitel ähnlich ausgedrückt. Diese Veröffentlichung heißt „Theologia ex idea vitae deducta“ (= eine Theologie, die von der Idee des Lebens abgeleitet ist). In einem Beispiel gesagt, kann das heißen: Ein junger Mensch, der in einer überzeugten Baptistenfamilie großgeworden ist, wird eine andere Taufauffassung haben als ein Landeskirchlicher. Bevor ein Mensch zu einer selbständigen Glaubensüberzeugung kommt, ist er bereits durch Elternhaus, Schule und Umwelt beeinflusst und geprägt worden.

Dieses Buch befand sich schon in der Druckerei, als mir Professor Dr. Rohrbach „Moderne Denkmöglichkeiten in der Medizin“ zusandte (Haug Verlag, Heidelberg 1975). Rohrbach ist als Mathematiker und Naturwissenschaftler wohlbekannt und besitzt unter den gläubigen Christen einen guten Ruf. Sein Beitrag zur Homöopathie bringt ein beachtenswertes Moment. Er unterscheidet zwischen dem Teilchenaspekt und dem Wellenaspekt in der Beurteilung dieser etwas dubiosen medizinischen Teilwissenschaft. seinen Vortrag über

Dem naturwissenschaftlichen Laien ist diese Unterscheidung in bezug auf das Licht auch bekannt. Je nach der Versuchsanordnung kann das Licht als Wellenbewegung oder als bewegte Körperchen aufgefasst werden. Im Blick auf die Homöopathie regt Rohrbachs Unterscheidung den Kritiker der Homöopathie an, seine Ausgangsposition neu zu überdenken. Wer nur den Teilchenaspekt in seine Erwägungen einbezieht, kommt natürlich zwangsweise zu einer Ablehnung der großen Verdünnungen.

Der Wellenaspekt, auf den Rohrbach bei der Homöopathie hinweist, zeigt eine Möglichkeit, den Prozess der „Dynamisierung“ der homöopathischen Medikamente neu unter die Lupe zu nehmen. Im Gespräch sagte mir Professor Rohrbach: „Es ist noch kein Beweis, nur eine Möglichkeit.“ Auf jeden Fall wird hier klar, dass mit den Denkmaßstäben des überholten Weltbildes ein Veto gegenüber der Homöopathie nicht ausreichend begründet werden kann. Auf meine Frage, ob mit dem Wellenaspekt die sogenannte kosmische Aufladung der Medikamente erklärt werden könne, antwortete Rohrbach, dass hier große Vorsicht geboten sei. Er könne damit nicht einig gehen. Damit deckt sich die Meinung des Naturwissenschaftlers mit der des gläubigen Theologen.

Außerdem muss ich in dieser Situation bekennen, dass mir in 50 Jahren meiner seelsorgerlichen Tätigkeit keine negativen Auswirkungen bei solchen gläubigen Homöopathen und Heilmagnetiseuren bekannt geworden sind. Ein total sicherer Beweis ist das aber nicht, da ich ja meistens nur eine negative Auslese zu Gesicht bekomme. Wo es gut geht, brauchen solche Menschen meinen Rat und Hilfe nicht. Vor 30 Jahren hatte ich bei der Niederschrift des ersten Teiles dieses Buches nur 600 seelsorgerliche Beispiele zur Verfügung, heute bei der Abfassung des zweiten Teiles sind es Tausende von Berichten. Der Überblick ist heute besser. Das damals angegebene Verhältnis 10 zu 1 kann ich jetzt nicht mehr aufrechterhalten. Jetzt müsste ich schon eine Verhältniszahl von 98 zu 2 angeben. Gemeint ist, dass unter 100 Heilmagnetiseuren vielleicht noch 2 sind, die natürlich arbeiten. Das wird zwar im Verband der Naturheilkundigen einen Sturm auslösen. Auf diesbezügliche Angriffe kann ich nur entgegnen: Ich fand den Heilmagnetismus in beinahe allen Fällen in der berüchtigten Querverbindung zu okkulten Heilmethoden, wie es in dem vorangegangenen Kapitel dargestellt worden ist. Außerdem ist der Ausdruck „natürlich“ ein dehnbarer Begriff. Ich kann also den vor 30 Jahren aufgestellten Satz von dem schmalen Bereich eines ethisch neutralen Heilmagnetismus kaum noch aufrechterhalten. Bei der Verhältniszahl 2 zu 98 oder 4 zu 96 ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering.

Noch ein anderes Argument veranlasste mich, den Heilmagnetismus kritischer zu sehen als früher. Ich muss dazu einen Parallelvorgang erwähnen. In der Skala der medialen Kräfte ist die Rutengängerei am schwächsten. Hier sind die Auswirkungen geringer als bei den anderen medialen Praktiken. Und dennoch ist die Rutenfühligkeit medial, auch wenn das nicht erkannt wird, und sogar bekannte Männer Gottes mit der Rute arbeiten. Beim Heilmagnetismus ist es ähnlich. Es gibt einen ganz starken Heilmagnetismus bis hin zu einer ganz schwachen Form. Und dennoch scheint auch die ganz schwache Form medial zu sein, auch wenn der Träger ein aktiver Christ ist. Als Beispiel für die ganz schwache Form mag die Fähigkeit des Mannes dienen, den ich erwähnt habe. Ein Beispiel für die ganz starke Form erlebte ich auf den Philippinen. Es ist ein Bericht, den ich schon in einem anderen Buch gegeben habe.

B 102 Auf den Philippinen nahm ich von einem Missionar einen Bericht auf, der einen einheimischen Stammeshäuptling betraf. Dieser Datu (= Führer) hatte „heiße Hände“, die er zum Segnen und zum Fluchen verwenden konnte. Was einem westlichen Menschen unglaubhaft vorkommt und dennoch Wahrheit ist, ist die Tatsache, dass Datu in seinen bloßen Händen Eier abkochen konnte. Datu wurde Christ, und die Kraft seiner Hände war sofort erloschen. Ein sensationshungriger Amerikaner, der diesen Bericht gehört hatte, wollte Datu fotografieren. Er gab dem ehemaligen Heiden einige Dollar und bat um ein spezielles Foto. Datu sollte in der einen Hand die Bibel und in der anderen Hand ein Ei halten. Der Christ willigte ein, aber schon nach kurzer Zeit warf er das Ei weg und sagte: „Es geht nicht, die Kraft kommt zurück.“

Es gibt starke Medien, die mit einer Hand eine fotografische Platte belichten können, ein Zeichen dafür, dass ihrer Hand eine Energie entströmt. Noch stärkere Medien können sogar nur mit einer gedanklichen Konzentration einen Film belichten. Davon hörte ich auf einer karibischen Insel, auf der ich zusammen mit einem Dolmetscher eine Vortragstour hatte. Mein Begleiter warnte mich vor dem Haus eines Zauberers und sagte: „Mache hier keine Aufnahme. Wenn der Zauberer dich sieht, belichtet er deinen Film, wie er es bei anderen Besuchern getan hat.“ Den Parapsychologen ist das Belichten eines Films durch Mentalsuggestion oder durch eine Energie ausströmende Hand bekannt. Zum Thema Handauflegung verweise ich auf das ausgezeichnete Buch von Dr. med. Pfeifer „Gesundheit um jeden Preis“, S. 65 und S. 70.

Ein noch stärker umstrittenes Gebiet der Heilkunde ist die Homöopathie. Klären wir zuerst die Begriffe der verschiedenen medizinischen Richtungen. In der Medizin spricht man von der Allopathie, Phytologie, der Homöopathie und der Biochemie. Allopathie (gr. allos: anderer – pathos: Leiden) ist der Name für die Schulmedizin. Christian Hahnemann, der als „Pionier-Arzt“ hartnäckig gegen die Schulmedizin vorging und sie manchmal verächtlich Allöopathie nannte, soll Ausgangsstation für den Ausdruck Allopathie gewesen sein. Die klassische Medizin stellt eine Therapie dar, die den Krankheitssymptomen mit entgegengesetzten Mitteln beikommen will. Die Phytologie (gr. phyton: Pflanze – logos: Kenntnis) ist die Pflanzenheilkunde. Es handelt sich dabei um eine Krankheitsbehandlung mit getrockneten Pflanzen oder deren Extrakte. Natürlich hat der Schöpfer in viele Pflanzen Heilkräfte hineingelegt, die wir dankbar gebrauchen dürfen. Leider gibt es die Phytologie in Reinform nur noch ganz selten. In den meisten Fällen wird diese Heilmethode mit okkulten Praktiken, zum Beispiel Pendeln, verquickt. Es sei noch einmal gesagt, dass Therapieformen mit okkulten Querverbindungen nicht akzeptabel sind! Die Homöopathie (gr. omoios: gleich – pathos: Leiden) wurde 1790 von dem Arzt Samuel Hahnemann entwickelt. Er verfolgte den Grundsatz „Ähnliches mit Ähnlichem“ zu heilen. Similia similibus curanter „Gleiches wird mit Gleichem geheilt“. Das Verfahren bedeutet, die Krankheiten in niedrigen Dosen mit den Mitteln zu behandeln, die in höheren Dosen die gleichen Erkrankungen hervorrufen. Die

Die Biochemie (gr. bios: Leben) ist die Lehre von den chemischen Vorgängen der organischen Welt. Dieser Nebenzweig der Homöopathie, von Dr. W. Schüßler (1821-1898) entwickelt, führt alle Krankheiten auf Störungen des Mineralstoffwechsels zurück. Zu ihrer Behebung gibt der Biochemiker Gaben von 11 verschiedenen Mineralsalzen mit 5 Ergänzungsstoffen.

Nach dieser Begriffserklärung folgt nun zuerst eine persönliche Stellungnahme zu den verschiedenen Heilmethoden.
Vor der medizinischen Wissenschaft habe ich eine ganz große Hochachtung. Was heute auf dem Gebiet der Chirurgie vollbracht wird, grenzt ans Wunderbare. Ich habe aber nicht die gleiche Hochachtung vor jedem Doktor der Medizin. Der Dr. med. gibt heute keine Sicherheit mehr, dass man gegen jeden Mißbrauch auf dem okkulten Gebiet geschützt ist. Es muss auch festgehalten werden, dass es heute in den USA viele Doktoren und medizinische Helfer tief im Satanismus bzw. Hexentum verstrickt sind.

B 103 In meiner Briefsammlung habe ich wiederholte Anfragen mit der Bitte um Auskunft über einen Arzt im süddeutschen Raum, der nur mit Hilfe eines Blutstropfens die Diagnose stellt. Der Patient braucht nicht einmal zur Sprechstunde zu kommen, es genügt, wenn er auf einem Briefbogen oder einem Glasträger einen Tropfen Blut einsendet. In der Tat lassen sich aus dem Blut viele Werte bestimmen, aber nicht aus einem einzigen Tropfen. Dieser Arzt, der seiner sicheren Diagnosen wegen überlaufen ist, führt keine Laboruntersuchungen durch, sondern er bestimmt die Diagnosen psychometrisch. Der Blutstropfen ist für ihn nur der Induktor.

Haargenau die gleiche okkulte Hellsehdiagnose betreibt ein dänischer Arzt, der auch Patienten aus Deutschland und der Schweiz hat.

B 104 Wiederholt hatte ich auch andere Ärzte in der Seelsorge, die zusätzlich zur medizinischen Diagnose den Pendel oder eine okkulte Form der Irisdiagnose benutzten. Einer von diesen Ärzten war viermal in meiner Sprechstunde. Er gab mir nicht nur Veröffentlichungsrecht, sondern händigte mir sogar einen fünfseitigen, mit der Schreibmaschine geschriebenen Bericht aus mit der Bitte, in seinem Namen vor den okkulten Diagnosen zu warnen.

B 105 Sogar über einen Fall einer psychokinetischen Diagnoseform wurde mir von einem schwäbischen Arzt berichtet. Mein Berichterstatter informierte mich über einen seiner Kollegen, der auf folgende Weise Diagnosen stellte. Jener Arzt gab jeweils dem Patienten ein Fläschchen mit einem Medikament in die Hand. An dem Fläschchen war ein Draht angeschlossen, der über ein Voltmeter lief. Die zweite Elektrode hatte der Patient in der linken Hand zu halten. Diese Art von Medikamentenbestimmungen betreiben auch manche Heilpraktiker. Was bei dem Arzt das Besondere ist, er hat die mediale Kraft, das Voltmeter auch ohne die beiden Elektroden zum Ausschlag zu bringen. Für den Patienten ist es eindrucksvoll, wenn das Voltmeter einen großen Ausschlag zeigt und ist dann von dieser Diagnose überzeugt. – Bei der Elektroakupunktur werden die Nadelköpfe auch mit einem Draht verbunden, durch den ein Schwachstrom geschickt wird.

Diese Beispiele rechtfertigen das alte Sprichwort: „Trau, schau wem!“ Wir leben heute in einem okkult verseuchten Zeitalter, in dem man die Augen offen halten und wachsam sein muss. Prof. Köberle sagte: „Es sieht aus, als ob wir in ein magisches Zeitalter eintreten würden.“

Meine Stellung zur Phytologie sei nur kurz angedeutet. Mein Herz ist weit offen für die Natur und die Pflanzen. In meiner Kindheit schon machte mich meine Großmutter auf einzelne Pflanzen und deren Heilwirkung aufmerksam. Die erste Pflanze, die ich von ihr kennen lernte, war Huflattich. Der lateinische Name schon zeigt, für was er gut ist: Tussilago heißt hustenvertreibend (tussis: Husten – agere: vertreiben). Ein anderes Kräutlein lernte ich besonders im Alter schätzen. Es ist die Melisse (Melissa officinalis). Der Name kommt vom griechischen melissa (= Biene) oder meli (= Honig). Diese Pflanze zählt zu den besten Futterpflanzen für die Bienen. Mir dient sie in Zeiten schlechten Schlafes. Sie ist bekömmlicher als Schlaftabletten und in der Wirkung lang anhaltend.

Zu den Kräutern also mein volles ja, aber sie dürfen unter keinen Umständen mit okkulten Praktiken, etwa dem Pendeln, verquickt sein. Das ist bereits im Zusammenhang mit Pfarrer Künzli erwähnt worden. Da meine Sammlungen eine unüberschaubare Menge an Einzelheiten enthalten, will ich noch zwei Beispiele anfügen, die den Mißbrauch der Phytologie zeigen.

B 106 Ein Mann wurde als Kind gegen Lähmungserscheinungen von einem Naturheilkundigen behandelt. Der Heiler benutzte ein geweihtes Kräuterbüschel und machte in den drei höchsten Namen Schwenkbewegungen gegen den Patienten. Das Kind wurde kräftig und stark. Im Alter von 50 Jahren bekam der Mann aber plötzlich einen unerhörten Laufdrang. Tag und Nacht marschierte er in der Wohnung umher und musste in die Nervenheilanstalt verbracht werden, obwohl sein Geist völlig klar war.

Hier haben wir die Verbindung der Kräuteranwendung mit Weißer Magie. Die späten Auswirkungen sind kein Zufall, sondern sogar symptomatisch für derartige Heilmethoden.

B 107 Eine andere „Phytologie“ kann man jedes Jahr beim Viehabtrieb in den Alpen beobachten. Am 1. September ziehen die Sennen mit der Herde talwärts. Nicht nur der alten Sitte wegen, sondern als wirksamer Liebeszauber binden die ledigen Sennen drei Kräutlein von der Gebirgsweide ins Seil der Leitkuh. Das ist weniger als Schmuck gedacht, sondern soll dem Sennen Glück in der Liebe bringen. Das ganze Brauchtum in den Wäldern, auf den Bergen und in den Gebirgstälern ist abergläubisch und magisch durchsetzt.

Verlassen wir das Gebiet der Phytologie. Es gibt einen rechten Gebrauch der Pflanzen und Heilkräuter, die der Schöpfer uns beschert hat, und es gibt einen Mißbrauch in der Kombination Pflanzen plus Medialität und Magie. Von der Homöopathie habe ich von Jugend auf nichts gehalten. Ich sagte manchmal ironisch: „Die Homöopathie ist für Menschen, die sich einbilden, krank zu sein, und dann nach Einnahme der homöopathischen Mittel durch die zweite Einbildung von ihrer ersten Einbildung wieder frei werden. Eine Hilfe ist es dann aber trotzdem, wenn ein Mensch von seinen fixen Ideen loskommt.“ Heute halte ich diese schnoddrige Bemerkung nicht mehr aufrecht. Ich habe ja inzwischen auch von guten Erfahrungen der Homöopathie gehört. Ein Beispiel dazu.

B 108 Eine Mutter schrieb, dass ihr Kind an einem schweren Darmleiden erkrankt war. Hausarzt und Facharzt arbeiteten mit allopathischen Medikamenten. Mit dem kleinen Patienten wurde es immer schlimmer. Da suchte die Mutter in ihrer Verzweiflung einen vielgerühmten Homöopathen auf, der sie anwies, sofort alle allopathischen Mittel abzusetzen. Dem Kind sei damit die ganze Darmflora zerstört worden. Er verordnete homöopathische Arznei, und siehe da, das Kind erholte sich langsam und wurde wieder gesund.

Der Schulmediziner und Antihomöopath wird sagen wollen: Die Heilung muss nicht die Auswirkung der homöopathischen Mittel gewesen sein. Das Kind wäre vielleicht nach Absetzen aller Medikamente durch eine folgende Umstimmung des Organismus auch ohne die homöopathischen Tropfen gesund geworden. Möglich ist das. Ich kenne einen solchen Fall aus meiner Seelsorge.

B 109 Bei einer Evangelisation kam eine Mutter sehr bekümmert zur Aussprache. Ihr Säugling hatte eine colitis, die bösartig verlief (colitis ulcerosa). Ich zeigte dieser Frau den Weg zu Jesus Christus. In ihrer Not war sie bereit, eine Entscheidung für Jesus Christus zu treffen. Wir beteten auch gemeinsam für das kranke Kind. Ich gab ihr nicht den Rat, die verordneten Medikamente abzusetzen. Einen solchen Rat habe ich noch nie in meinem Leben gegeben. Die Mutter nahm sich aber auf dem Heimweg vor, mit allen allopathischen Mitteln aufzuhören. Daheim betete sie nochmals für das Kind, vernichtete die Arznei und gab dem Kind eine normale Babynahrung. Der kleine Patient erholte sich zusehends und wurde gesund, wie mir die Mutter später mitteilte.

Hier hat also das Absetzen der allopathischen Mittel einen Umschwung und den Beginn einer Heilung verursacht. Der ungläubige Arzt wird diesen Ausgang einer Verachtung der Schulmedizin der natürlichen gesunden Lebenskraft des Kindes zuschreiben. Dürfen die Christen hier nicht auch an die Erhörung der Gebete denken und auch an die Auswirkung der Bekehrung der Mutter?!

Wir fragen nun: Welchen Charakter hat die Homöopathie und welche Stellung nimmt sie unter den Heilmethoden ein? Sehen wir uns zunächst den Gründer an. Samuel Hahnemann, 1755 in Meißen geboren, war ein begabter Schüler, so dass sich ihm die Möglichkeit bot, in Leipzig, Wien und Erlangen Medizin zu studieren. Mit 22 Jahren trat er einem Freimaurerorden bei. Mit den Logen habe ich mich, durch die Seelsorge gedrängt, seit Jahren befasst. Ich sehe es als unvereinbar an, dass Christen Freimaurer sein können! F. C. Endres schreibt in seinem Buch „Das Geheimnis der Freimaurerei“ auf S. 19: „Der Priester spricht anstelle Gottes den Verbrecher der Sünde ledig. Wie einfach ist das! … Die Macht der Sündenvergebung liegt im Menschen selbst.“ Diese Sätze hörte ich auch bei unseren modernen Theologen, die erklärten: „Sündenvergebung kann nur bedeuten, dass der Mensch sich selber annimmt in seinem Sosein.“ Das wurde in Bad Boll bei einer Konferenz gesagt.

Hahnemanns Leben ist voll düsterer Ereignisse. In 30 Jahren hat er 27mal die Wohnung gewechselt. Nirgends fand er Frieden. Bei seinen Kindern folgte eine Katastrophe nach der anderen. Ein Sohn wurde geisteskrank und verschwand spurlos. Zwei Töchter starben früh. Drei Töchter wurden geschieden. Zwei Töchter wurden ermordet. Mit 80 Jahren heiratete er zum zweiten Mal eine 45 Jahre jüngere Französin. Wahre Freunde hatte er nie. Er überwarf sich mit allen. Dem Christentum stand er fern. Den chinesischen Philosophen Konfuzius verehrte er als Lehrer, der den Weg zu Gott zeigt. Jesus Christus nannte er einen Erzschwärmer. Das ist der Mann, dessen medizinisches System heute noch in Deutschland von etwa 1000 Ärzten anerkannt und befolgt wird (Die Zahl kann sich natürlich jetzt geändert haben).

Welches sind nun die Grundvoraussetzungen der Homöopathie? Es sind drei Positionen zu nennen. Bei der Begriffserklärung wurde Punkt 1 schon genannt. Es sei hier mit den Worten von Dr. med. Pfeifer wiederholt: „Die Homöopathie ist die Behandlung, die darin besteht, dass der Kranke ein Medikament bekommt, das im Versuch am Gesunden ähnliche Symptome auslöst, wie sie beim Kranken vorliegen.“

Der zweite Grundsatz der Homöopathie ist die Verdünnungslehre. Hahnemann meinte, mit der kleinsten Arzneimenge auszukommen. Die Verdünnungen bezeichnet er mit dem Buchstaben D (= diluere: auflösen, Lösung herstellen). Eine Verdünnung von D 10 bedeutet 1 Kubikzentimeter auf 10 Milliarden Kubikzentimeter. Die Homöopathen kennen Verdünnungen bis zu D 1000, vereinzelt sogar bis D 5000. Das findet sich in dem Buch von F. Gauß, einem gelehrigen Schüler von Hahnemann. Der Titel heißt „Wie finde ich das passende Heilmittel?“

Die Physiker sagen, dass bei einer Verdünnung von D 23 kein Molekül der Ursubstanz mehr in der Mischung zu finden ist. Verdünnungen, wie sie Gauß nennt (z.B. D 1000) bedeuten eine Potenz mit tausend Nullen. In der einfachen Mathematik hat eine Quadrillion 24 Nullen, eine Centillion 600 Nullen. Zahlen mit tausend Nullen gibt es nur in der Astronomie oder vielleicht in der Kernphysik. Auf Erden gibt es sonst keine Vergleichsmöglichkeit. Ich weiß nicht, ob alle Weltmeere zusammengenommen soviel Wassertropfen haben, dass eine Potenz mit tausend Nullen herauskommt. Und solche Verdünnungen sollen noch wirksam sein? Ein humorvolles Beispiel dazu.

B 110 Ich bin mit einem fähigen Chirurgen bekannt, der Herzoperationen durchgeführt hat. Seine Frau war chronisch leidend. Die besten Internisten konnten ihr nicht helfen. Da sagte ein Kollege zu dem Chirurgen: „Probiere es doch mit der Homöopathie. Schaden kann es ja nicht.“ Der Chirurg lachte und antwortete: „Das heißt, ich schütte einen Teelöffel eines Medikamentes in die Ostsee, rühre es um und benutze die Mischung als Arznei.“ Der Kollege antwortete: „Probieren geht über studieren.“ Der Chirurg befolgte als Ungläubiger diesen Rat. Die Frau nahm homöopathische Mittel in großer Verdünnung und genas. War das nur eine Placebowirkung? Bei der Frau eines hochqualifizierten Arztes ist dies kaum anzunehmen. Es muss also noch ein anderes Geheimnis hinter der Homöopathie stecken. In der Tat, so ist es.

Der dritte und entscheidende Grundsatz der Homöopathie ist die Potenzierung oder auch Dynamisierung genannt. Beide Ausdrücke haben die gleiche Bedeutung. Potentia und potestas heißt lateinisch Kraft. Griechisch dynamis bedeutet das gleiche. Das Wesen der Homöopathie ist die Aufladung mit kosmischer Kraft. Ich erinnere daran, was ich bei den Weleda-Heilmitteln geschrieben habe. Die homöopathischen Grundsubstanzen werden durch Schwingungen, durch Verschütteln oder durch Verreiben mit Kräften aus dem Universum aufgeladen. Sie sind die eigentlichen heilenden Faktoren. Die kosmischen Kräfte sind das generelle Eingangstor für alle magischen Vorgänge. Die Homöopathie weist damit zumindest ihre Verwandtschaft mit den magischen Heilmethoden aus.

Hahnemann ist ein jüngerer Zeitgenosse von Mesmer. Die Grundeinstellung beider ist die gleiche. Mesmer erklärte, dass der Mensch sich mit der Kraft des erdmagnetischen Feldes aufladen kann. Zu diesem Zweck soll man sein Bett genau in der Nord-Süd-Richtung aufstellen. Dann kann der Mensch sich nachts im Schlaf mit neuen Kräften aufladen lassen. Es müsste dann aber nicht die geographische, sondern die magnetische Nord-Süd-Richtung sein. – Hahnemann dagegen will nicht die Kraft des erdmagnetischen Feldes ausnutzen, sondern die kosmische Kraft der Gestirne. In beiden Fällen handelt es sich um mediale Vorgänge, die bei den Patienten nicht ohne Folgen bleiben.

Bei all diesen Erörterungen erhebt sich immer dringlicher die Frage: Kann ein christlicher Arzt homöopathisch arbeiten, und darf ein Christ homöopathische Medikamente benutzen? Die Antwort ist nicht mit Ja oder Nein zu entscheiden. Ich selbst würde nie homöopathische Medizin nehmen. Das Problem ist aber komplizierter, als wir annehmen.

Genau wie der Heilmagnetismus hat auch die Homöopathie Wandlungen durchgemacht. Es gibt Homöopathen, die den weltanschaulichen Hintergrund Hahnemanns ablehnen. Sie wollen nichts mit den kosmischen Kräften zu tun haben und verordnen nur niedere Potenzen bis zu D 6, wo anzunehmen ist, dass von der Urtinktur, der Grundsubstanz, noch etwas in der Medizin enthalten ist. Schwieriger wird das Problem wie im Fall von zwei homöopathischen Freunden, die Ärzte sind, und als Christen für ihre Patienten und für die Heilbehandlung beten.

Dazu kommt noch ein Gesichtspunkt. Die Verdünnungen werden von Fabriken vereinfacht und mechanisch hergestellt. Bei dem harten Konkurrenzkampf muss heute alles Nebensächliche weggelassen werden. Der mystische Vorgang der kosmischen Aufladung fällt einfach weg. Es kann sowieso niemand feststellen, ob in einem Präparat „noch kosmische Energie zusätzlich hineingepackt ist“. Was ich in diesem Abschnitt schreibe, ist nur eine Vermutung, keine Behauptung. Ich möchte nicht wegen Falschaussagen vor den Kadi geschleppt werden.

Ich habe nicht den Mut, gläubigen, betenden Ärzten ein Veto an ihre Praxistür zu hängen. Neuerdings sage ich ihnen: „Lest das Buch von dem gläubigen Arzt Dr. Samuel Pfeifer ,Gesund um jeden Preis‘, dann betet um Klarheit und seid bereit, Gott zu gehorchen, wenn Er eine Entscheidung verlangt.“ Damit drücke ich mich um die Verantwortung, die mir zu schwer ist.

Ganz wohl ist es mir nämlich bei dem rückhaltlosen Nein bei der „reformierten Homöopathie“ nicht. Es gibt in der Wirtschaft, Industrie und Technik viele Erfindungen und Entdeckungen, die von Okkultisten, Atheisten und Spiritisten gemacht worden sind. Wir müssten hier auch unser Veto entgegensetzen. Einige Beispiele:

Der Christ, der einen Dieselmotor fährt, müsste damit aufhören, denn Diesel war ein Atheist. Wer Kunde beim Versandhaus Quelle ist, müsste sich einen Rückzieher überlegen, denn Quelle hat ein sechsbändiges Werk über die magischen Geheimwissenschaften und mehr herausgebracht. Das gleiche bei dem sonst gediegenen Verlag „Das Beste“, der auch zweifelhafte Sachen herausgebracht hat. Überhaupt müsste das Reisen mit der Bahn, mit dem Auto, mit dem Flugzeug eingestellt werden, weil in all diesen Branchen Ingenieure mitgewirkt haben, die Spiritisten und Okkultisten gewesen sind. Zum Beispiel war der Raketenerfinder Hermann Oberth auch Spiritist. Wer ein Liebhaber der Schumannschen Musik ist, müsste die Noten dieses Komponisten vernichten, denn Schumann war ein aktiver Spiritist. Auch Brahms wäre abzulehnen, weil er sich von Schumann in den Spiritismus hineinziehen ließ.

Einer meiner Freunde, ein bekannter Verleger, schrieb mir zu dieser Problematik einen langen Brief. Leider kann ich ihn aus Raumgründen nicht übernehmen. Die Tendenz seines Briefes ist: Wenn wir anfangen, den Ursprung unserer täglichen Gebrauchsgüter und aller technischen Errungenschaften zu erforschen, was bleibt dann noch übrig, das wir ohne Bedenken in Anspruch nehmen dürfen? Das 19. und 20. Jahrhundert hat uns epochemachende Erfindungen beschert: drahtlose Telegrafie, Radio, Fernsehen, Flugtechnik, Raumfahrt, Computertechnik, Kernphysik, Herzverpflanzung und vieles andere. Wie viele Gottlose, Hurer, Spiritisten, Atheisten hängen mit diesen Entwicklungen zusammen. Mit diesen Fragen soll nichts verharmlost werden, aber es geht darum, dass wir nicht übers Ziel hinausschießen und Dinge ablehnen, die uns zum Wohle dienen. – Sehe zu, wo ein jeder bleibe!

Es wurden nun mit einem Podiumscheinwerfer der Reihe nach angeleuchtet: Allopathie – Phytologie – Homöopathie. Der Vollständigkeit halber muss noch die Biochemie kurz angestrahlt werden.

Entwickelt wurde die Biochemie von dem Arzt Dr. Schüssler (1821-1898), der aus der Asche verbrannter Organe seine Erkenntnis gewonnen haben will. Die Störungen des Mineralstoffwechsels, die er als Ursache der Krankheiten ansieht, will er mit hohen Verdünnungen homöopathischer Medikamente beseitigen. Der Vorgang der Verdünnung als Prinzip der Dynamisierung ist bereits kurz dargestellt worden. Es wird hier nicht wiederholt.

Mit der Biochemie hatte ich als kleiner Junge eine angenehme Erfahrung. Meine Mutter hatte sich biochemische Tabletten gekauft. Ich war damals ein Junge von sieben oder acht Jahren mit einem dauernden Hunger nach Süßigkeiten. In der Abwesenheit der Mutter probierte ich eine solche Tablette. Da sie süß schmeckte, aß ich die halbe Schachtel leer. Meine Mutter war hinterher entsetzt und meinte: „Hoffentlich schaden sie dir nicht!“ So war es auch, mein Organismus zeigte keine Reaktion. Ein Beweis für die Verwendbarkeit der biochemischen Erzeugnisse ist das nicht. Es sei aber vermerkt, dass die Schulmedizin nichts von der Biochemie hält.

ANHANG aus SEELSORGE UND OKKULTISMUS

Die aussersinnliche Beeinflussung

b. Der Heilmagnetismus

Eine weitere Form der ASB ist die Anwendung der magnetischen Bestreichung. Geschichtlich ist dazu folgendes zu sagen: 1771 führte der französische Abbé Lenoble eine neue Heilbehandlung durch Belegen oder Bestreichen der kranken Körperstellen mit Stahlmagneten ein. Man könnte Lenoble daher als den Begründer von der Heilwirkung des unbelebten Magnetismus bezeichnen. Einen Schritt weiter in dieser Frage führte Mesmer, der die Lehre vom animalischen oder tierischen Magnetismus vertrat. Mesmer lehrte, dass der gesunde Mensch sich aus dem magnetischen Kraftfeld der Erde magnetisch volladen und dann durch Bestreichen mit den Händen kranke Menschen heilend beeinflussen könnte. Lenobles und Mesmers Anschauungen wurden von dem englischen Arzt Braid in andere Bahnen gelenkt. Er erklärte, es handle sich nicht um eine magnetische, sondern um eine seelische Beeinflussung und nannte das Hypnose. Von dieser Zeit an lagen beide Richtungen im Widerstreit. Die Vertreter der Hypnose sagen, der animalische Magnetismus sei nur eine Vorstufe des Hypnotismus. Das „magnetische Fluidum“ habe sich als Irrtum erwiesen. Dieser Anschauung gegenüber stehen die Forschungsergebnisse des Chemikers Frh. v. Reichenbach, der glaubte nachweisen zu können, dass vielen anorganischen und organischen Körpern eine von ihm „Od“ genannte „Lohe“ entströme, die „Sensitive“ als Licht wahrnehmen könnten. Reichenbach hat viele Kritiker unter den Fachgelehrten, aber auch viele Anhänger in der Zunft der Magnetiseure und Magnetopathen, ferner aber auch unter der Gruppe der wissenschaftlichen Verfechter der Radiästhesie und der Parapsychologie. Auf jeden Fall kann die Fragestellung nach der Ausscheidung einer unbekannten „Phosphoreszenz“ oder eines „magnetischen Fluidums“ oder „magnetischer Transferte“ nach der Meinung ernsthafter Forscher nicht einfach mit der Handbewegung abgetan werden, wenn wir auch über die physikalische Seite dieses Vorganges noch wenig wissen. Neuerdings ist Prof. Farny in Genf einem physiologischen Vorgang auf die Spur gekommen, der in der Richtung der angedeuteten Fragestellung verläuft. Es handelt sich um eine Art „elektrische Verladung“, die ihren Ursprung in der aus den Hautporen erfolgenden insensiblen Perspiration hat, bei der mit der Ausscheidung von Fettsäuren die aus dem Blut stammende Emanation von Plus- bzw. Minusionen austritt. Einen gewichtigen Beitrag zu dieser Frage gibt Tischner durch etwa 250 Versuche über die Ausscheidung des Empfindungsvermögens.

E10 Einer tief hypnotisierten Dame gab er ein gefülltes Glas Wasser in die Hand und ließ sie ihre „Nervenkraft“ in das Glas Wasser ausscheiden. Nach fünf Minuten stellte er das Glas zu gleichen Gläsern auf die Seite und ließ eine dritte Person hereinkommen und die Gläser durcheinander stellen. Darauf stach Tischner mit einer Pinzette in die Gläser. Die VP gab jedes mal genau an, in welches Glas ihre Nervenkraft ausgeschieden war. Die Versuchsbedingungen, die hier nicht alle beschrieben werden, waren so angeordnet, dass die Phänomene wie Telepathie oder unwillkürliche Muskelbewegungen nicht in Frage kamen. Worin die Ladung des Glases bestand, konnte Tischner nicht sagen. Nur die Tatsache stand fest, dass die Ausscheidung einer Substanz erfolgt war.
Diese Experimente sollen nur die Voraussetzung für die Behandlung der seelsorgerlichen Probleme im Zusammenhang mit dem sogenannten Heilmagnetismus schaffen. In der Seelsorge geht es nicht um „magnetische Experimente“, sondern nur um die Behandlung der psychischen Störungen, die eventuell einer Heilbehandlung durch einen Magnetiseur folgen. Ein Beispiel soll die Reihe der Fragen eröffnen.
B50 Eine Frau mit nervösen Herzstörungen ließ sich vom Magnetiseur wöchentlich zweimal magnetisch bestreichen. Der Magnetopath fuhr mit den gespreizten Fingerspitzen der Wirbelsäule der Frau von oben nach unten entlang und machte dann mit der Hand Schleuderbewegungen, als wollte er etwas aus den Fingern schütteln. Die Frau spürte bei dieser Behandlung eine wohltuende Entspannung.
Den Mediziner interessiert, ob der Erfolg dieser Therapie auf einen suggestiven oder tatsächlich auf einen magnetischen Einfluss zurückzuführen ist. Für die Behandlung dieser Streitfrage bin ich nicht kompetent.
Den Parapsychologen interessiert in diesem Zusammenhang, mit welchem Phänomen man es bei diesem Heilmagnetismus zu tun hat. Die Fragen der geschichtlichen Einleitung sollen nicht wiederholt werden. Für die Tatsache, dass es sich im wesentlichen nicht um eine Suggestion, sondern um eine vitale Kraft handelt, spricht der Umstand der schnellen Erschöpfung eines Magnetiseurs. Die Magnetiseure betonen immer wieder, dass bei drei bis vier Heilbehandlungen im Tag ihre magnetische Kraft erschöpft sei. Sie können daher nur höchstens vier Patienten an einem Tag erfolgreich behandeln. Im Verlauf eines Tages regeneriert sich allerdings schnell die verausgabte Kraft.
In seelsorgerlicher Hinsicht sind viele solcher magnetischen Beahndlungen ohne Befund. Es lassen sich dann nur psychische Störungen nachweisen, wenn diese Gabe von charakterlich Minderwertigen zur Anwendung kommt, oder der Heilmagnetismus mit magischen Praktiken gekoppelt wird, ein Phänomen, das sehr häufig beobachtet wird. Ein derartiges Beispiel soll folgen.
B51 Ein Student kam zur Aussprache und bekannte seine seelischen Nöte. Er litt unter Depressionen, vereinzelten Zwangsvorstellungen, Widerwillen und Ekel gegen Gottes Wort, obwohl er Theologie studierte. Wenn er beten wollte, schnürte es ihm die Kehle zu. Diese Zustände hatte er als Kind, als Schüler und beim Beginn des Studiums nicht gehabt. Eine nervenärztliche Untersuchung führte zu keiner Klärung seines Leidens. Vermutlich war der Student selbst an dieser erfolglosen ärztlichen Behandlung schuld, da er dem Arzt eine peinliche Sache verschwieg.
Da ruckartig einsetzende Depressionen und Zwangsvorstellungen bei vorher nichtpsychotischen und nichtpsychopatischen Menschen häufig ein Symptom einer okkult bedingten psychischen Störung sind, wurde in dieser Richtung eine Anamnese durchgeführt. Es kamen erstaunliche Dinge ans Licht. Der Student geriet in einen Kreis junger Männer, in dem ein starker Magnetiseur verkehrte. Dieser Magnetiseur gab in diesem Kreis oft Beweise seiner magnetischen Kraft. Wer seine gespreizten Finger berührte, fühlte einen Schwachstrom pulsieren. Der Student geriet unter den Einfluss dieses Magnetiseurs und erlitt eine starke seelische Bindung. Die Hörigkeit wurde so stark, dass er schon nach Art einer telepathischen Fernwirkung (Mentalsuggestion) das Eintreffen des Magnetiseurs spürte. Einmal war ich selbst Zeuge dieser Vorahnung. Auf dem Weg zum Gottesdienst sagte der Student plötzlich zu mir: „Er kommt wieder.“ Wir setzten uns auf die Empore der Kirche, und obwohl der Magnetiseur ein völlig unkirchlicher und unchristlicher Mann war, tauchte er doch in der Kirche auf und ging an uns vorüber. Später war ich dann noch einmal im Kreis einiger Studenten Zeuge von dieser merkwürdigen, starken magnetischen Kraft dieses Mannes. Durch die Not des Studenten veranlasst und durch die persönliche Bekanntschaft des Magnetiseurs angespornt, war es mir ein großes Anliegen, dass der Student aus dem Bann suggestiver Verhaftung dem Magnetiseur gegenüber frei wurde. Acht Monate lang war ich fast zweimal in jeder Woche mit dem angefochtenen Studenten zusammen. Schließlich wurde er durch den Glauben an Jesus Christus von dieser Hörigkeit los. Damit verschwanden auch die Depressionen, Zwangsvorstellungen, Widerwille gegen Gottes Wort und Gebet.
Es ist eine Erfahrungstatsache der Seelsorge, dass in allen Fällen, bei denen Heilmagnetismus mit Magie oder Spiritismus gekoppelt wird, die schon zur Genüge bekannten Nachwirkungen auftreten. Oft sind die Magnetiseure geradezu gezwungen, außer dem Magnetisieren noch andere okkulte Praktiken wie Besprechen, Pendeln usw. auszuüben. Von vier Patienten, für die der tägliche „magnetische Vorrat“ reicht, kann der Magnetiseur nicht leben. Wenn er dann nicht als erfolgloser Heilpraktiker gelten will, muss der Magnetiseur sich noch anderen Heilmethoden zuwenden. Da viele Magnetiseure und Magnetopathen daher außer der Anwendung der natürlichen magnetischen Kräfte noch okkult arbeiten – zum Beispiel einen medialen Magnetismus entwickeln – ist vor jeder Behandlung durch solche Heilpraktiker gründlich die geistliche Einstellung des Betreffenden zu prüfen.
Weitere Beiträge zum Thema Alternative Heilmethoden unter:
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