Welt in Flammen – B.Graham

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 Billy Graham

 

Welt in Flammen 

1.  Flammen außer Kontrolle
2.  Die alte Unmoral
3.  Unsere psychologischen Ängste
4.  Nationaler Götzendienst
5.  Sucher in einer brennenden Welt
6.  Wer bin ich?
7.  Die fatale Krankheit des Menschen
8.  Wie spricht Gott?
9.   Der unausweichliche Christus
10. Die Torheit Gottes
11. Die Auferstehung Christi ‑ das Funda­ment
12. Jesus Christus wird wiederkommen
13. Die Zeichen des Endes

 

EINFÜHRUNG

Am 17. Juli 1945 wurde die Wüste von Neu‑Mexiko um 5.30 Uhr morgens in ein Licht getaucht, das heller schien als tau­send Sonnen. Ein Wissenschaftler, der dies beobachtete, fing an zu weinen. »Mein Gott«, rief er aus, »wir haben die Hölle geschaffen.« Von diesem Tage an ist unsere Welt eine andere geworden. Wir sind in einen neuen Geschichtsabschnitt ein­getreten ‑ vielleicht in den letzten.

Dieses Buch versucht, unsere moderne »Welt in Flammen« zu beschreiben. Feuer kann reinigen, aber es kann auch zer­stören. Die Welt hat auch früher schon in Flammen gestanden, aber nur in begrenzten Gebieten. Unsere heutige Welt ist klein geworden. Binnen weniger Stunden kann man alle Teile der Welt mit dem Flugzeug erreichen, und binnen Sekunden sogar auf der Radiowelle. Das hat zur Folge, daß Spannungen und Entspannungen sich viel stärker ausbreiten. Bricht irgendwo das Feuer des Krieges und des Aufruhrs aus, dann springt es schnell über die nationalen Grenzen und kulturellen Unterschiede hinweg und wächst zu einem Großbrand aus.

Dieses Buch will weniger all die Brandherde schildern, als vielmehr nach den Ursachen der Spannungen fragen, die den Bränden Nah­rung geben.

Einige Wirtschaftsführer meinen, die Ursache für den Welt­brand liege in der ungerechten Verteilung der Wirtschaftsgü­ter. Manche Diplomaten meinen, die Ursache für die Span­nungen in der Welt seien politischer Natur, und wir könnten unsere Probleme lösen, wenn wir mit allen Völkern in Freund­schaft lebten. Manche Pädagogen sind der Ansicht, daß die Ursache der weltweiten Spannungen in dem Mangel an Bil­dung zu suchen ist, und daß in dem Augenblick Frieden die ganze Welt erfüllen wird, wenn wir jedem Menschen die glei­chen Ausbildungsmöglichkeiten bieten können. Sie behaupten, wenn ein Mensch besser Bescheid wüßte, würde er auch besser handeln. Soziologen sind der Überzeugung, daß die Brutstätte allen Übels und aller Not die schlechte Umwelt sei, so etwa die armseligen Lebensbedingungen in den Vorortslums oder in armen ländlichen Gegenden. Es gibt nur ganz wenig Philoso­phen, Politiker, Wissenschaftler und Soziologen, die Jesu pro­phetische Geschichtsschau annehmen, wie sie im 24. Kapitel des Matthäus‑Evangeliums niedergeschrieben ist. Wer die bi­blische Sicht akzeptiert, findet es höchst aufregend zu beob­achten, daß der Mensch haargenau das ist, was die Bibel von ihm sagt.

Die Bibel beschreibt den Menschen als einen Rebellen ge­gen Gott. Aber sie offenbart uns auch, daß Gott den Menschen liebt, trotz seiner Rebellion. Gott  beschloss, die Menschheit vor der Selbstzerstörung zu bewahren, und sandte seinen Sohn Jesus Christus, um sie zu retten und zu erlösen. Dieses Erlösungs­werk wurde auf Golgatha vollbracht.

Schließlich sieht die Bibel eine neue Welt in Frieden und Gerechtigkeit. Da wird es weltweiten Frieden geben und es wird eine neue soziale Ordnung geben. Ein neues Zeit­alter wird anbrechen und ein vollständig neuer Mensch wird da sein, in dem sich kein falscher Stolz, kein Haß, keine Gier und kein Vorurteil finden.

Das wird der Höhepunkt der menschlichen Geschichte sein. Das Königreich Gottes wird triumphieren. Die Schrift sagt: »Wir erwarten aber einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt.«

Bis diese neue soziale Ordnung durch Gottes direktes Ein­greifen anbricht, wird die Welt von einer Krise in die andere stürzen.

»Welt in Flammen« versucht, zum Menschen in seiner ge­genwärtigen Lage zu sprechen, ihm zu zeigen, wie er sich aus der Umklammerung befreien und dem Sog in die dunklen Ab­gründe unserer Zeit widerstehen kann.

 

1. FLAMMEN AUSSER KONTROLLE

Kurz vor seinem tödlichen Flugzeugabsturz besuchte ich Dag Hammarskjöld in seinem Büro im Haus der Vereinten Natio­nen. Er machte einen niedergeschlagenen Eindruck. Aus sei­nem Fenster New York überschauend, sagte er ruhig: »Ich sehe keine Hoffnung für einen dauerhaften Weltfrieden. Wir haben uns so angestrengt und haben so jämmerlich versagt.«

Dann hielt er einen Augenblick inne, blickte mich an und sagte: »Wenn die Welt nicht in den nächsten Jahren eine geist­liche Neugeburt erlebt, wird die Zivilisation untergehen.«

Jean Paul Sartre, der französische Existentialist, sagte: »Aus dem menschlichen Dilemma gibt es keinen Ausweg.«

Überall in der Welt züngeln die Flammen. Das Dach droht einzustürzen. Der Mensch ist von allen Seiten von einem Feuer umgeben, über das er die Kontrolle verloren hat. Wo liegen die Herde des Brandes, der uns von allen Seiten bedroht und vernichten will?

Die Bevölkerungszunahme

Die gegenwärtige Bevölkerungsexplosion erschreckt jeden Ein­sichtigen. Das Anwachsen der Bevölkerung ist beängstigend. Der britische Historiker Arnold Toynbee kennzeichnete dieses Dilemma folgendermaßen: »Sollte ein Atomkrieg ausbrechen, dann werden zu wenig Leute übrigbleiben, um die Zivilisation aufrechtzuerhalten; sollte ein solcher Krieg aber nicht ausbrechen, dann wird es zu viele Menschen geben, sie werden das Leben auf diesem Planeten unerträglich und unmöglich ma­chen.« Die Statistiken zeigen unerbittlich, mit welcher Ge­schwindigkeit die Geburtenrate die Todesrate übersteigt.

Die Welt steht vor einem biologischen Problem genauso wie vor einem politischen. Werden wir in der Lage sein, genü­gend Einsatzbereitschaft, Weisheit und Mitgefühl aufzubrin­gen, um mit diesem ständig wachsenden Problem der Über­bevölkerung fertig zu werden?

Die Gesetzlosigkeit

Die Bibel sagt, daß Sünde Unrecht sei (1. Joh. 3,4). Jesus wies darauf hin, daß sich am Ende der Geschichte in der ganzen Welt Rebellion gegen Gesetz und Ordnung ausbreiten werde. Rebellion und Gesetzlosigkeit herrschen jetzt bereits auf der Erde, wie es die Welt bisher noch nie gekannt hat. Kinder rebellieren gegen ihre Eltern, so daß manche Eltern tatsächlich vor ihren eigenen Kindern Angst bekommen. Junge Leute rebellieren gegen ihre Lehrer. Studenten rebellieren gegen die Universitätsleitung. Es gibt organisierte Versuche, den Dienst der Polizisten lächerlich und verächtlich zu machen.

Organisiertes Verbrechen ist in vielen Ländern das größte Geschäft. Einer der größten Schieber Amerikas brüstete sich damit, »das organisierte Verbrechertum sei größer als die Re­gierung der Vereinigten Staaten«.

Das Verbrechertum hat einen Bruttoverdienst von fast 10 Prozent des amerikanischen Volkseinkommens aufzuweisen und bildet praktisch einen Staat innerhalb des Staates. Es kostet den Staat mehr als alle pädagogischen und sozialen Be­mühungen zusammengenommen. Darüber hinaus gibt es noch unorganisierte Verbrecher, was genauso schlimm, wenn nicht noch schlimmer ist. Der Pesthauch der Kriminalität droht unsere Gesellschaft zu verschlingen; in dem gleichen Maße, in dem die Zahlen des Verbrechens zunehmen, stürzen die mora­lischen Fundamente unserer Nation zusammen.

Während der vergangenen Jahrzehnte haben wir gelernt, die Moral sei etwas Relatives. Jetzt ernten wir die Früchte. Die Verbrecherstatistik erreicht astronomische Zahlen. Die Einrichtungen, die das Recht durchsetzen sollen, haben aber weder genug Geld noch genug Personal, um die Verbrecher auch nur annähernd in Schach zu halten. Niemand scheint eine Antwort zu haben. Eine weitere Flamme, die sich unserer Kontrolle entzogen hat.

Der Rassenkampf

Ein führender Soziologe glaubt, daß wir innerhalb weniger Jahre in einen bitteren Rassenkrieg verwickelt sein werden.

Als Schwarzer geboren zu sein ‑ oder als Jude, als Orientale oder als Weißer ‑ kann einem in manchen Gegenden unerträgliche Lasten aufbürden, während diejeni­gen, die zufällig als Glied der gerade herrschenden Mehrheit geboren werden, Vorrechte genießen, die sie häufig gar nicht zu würdigen wissen. Es besteht ein allgemeiner Zug der mensch­lichen Natur, alle die zu hassen und zu diskriminieren, die anders aussehen, die anders reden, die eine andere Nationalität haben als man selbst. Rassenvorurteile sind nicht auf den südlichen Teil der Vereinigten Staaten oder auf die Südafrikanische Union beschränkt. Man findet sie unter den Israelis und Arabern, unter den Franzosen und Algeriern, un­ter den Indonesiern und Malaien.

Großbritannien hatte sich immer gerühmt frei zu sein von Rassenvorurteilen. Als aber Tausende von Farbigen auf die britische Insel zogen, stellten die Engländer plötzlich fest, daß sie voller Vorurteile waren. Sogar die britischen Wahlen wur­den von den Rassenvorurteilen beeinflußt. Das gleiche gilt von Russland. Dort studierte eine relativ kleine Zahl afrikanischer Studenten, aber viele von ihnen verließen wie­der dieses Land, weil sie sich über Rassendiskriminierung zu beklagen hatten. Das Rassenvorurteil ist ein weltweites Pro­blem.

Auf dem Gebiet der Rassenvorurteile gibt es so viel Heu­chelei, daß es schwierig ist, einen Anfang zu finden. Christus verkündigte die Würde des Menschen und die Möglichkeit der Bruderschaft aller Menschen in ihm. Die Bibel sagt eindeutig, daß Gott die Person nicht ansieht. Das schließt jede Theorie rassischer Überlegenheit aus und macht alle Menschen in den Augen Gottes gleich.

Der christliche Glaube liegt häufig mit der Tradition im Streit. Jesu größte Sorge waren die Pharisäer, die nicht von Liebe, sondern von Rücksichtnahme auf ihre Traditionen ge­leitet wurden. In gleicher Weise ist auch die Diskriminierung am stärksten in jenen Gebieten, die an die Tradition gebun­den sind.

Wir können das Rassenproblem durch Gesetzgebung allein nicht aus der Welt schaffen. Einen oder zwei Tage nach der Annahme der Bürgerrechte im Jahre 1964 trat der damalige Senator Hubert Humphrey auf mich zu und sagte: »Billy, Ge­setzgebung allein vermag es nicht. Es muß letztlich aus dem Herzen kommen.« Wie recht er hatte! Es erfordert Liebe, Ver­ständnis und Geduld auf beiden Seiten.

Nur eine Lösung gibt es für das Rassenproblem und das ist eine lebendige persönliche Begegnung mit Jesus Christus. In Christus ist die Trennwand niedergerissen. Da gibt es keinen Juden und keinen Heiden mehr, weder weiß noch schwarz noch gelb noch rot. In Jesus Christus könnten wir eine große Bruderschaft werden.

Die rote Flamme

In der großen Diskussion, die gegenwärtig im Westen über den Kommunismus geführt wird, gibt es zwei Anschauungen. Die eine betrachtet die kommunistische Gefahr rein äußerlich als chinesische oder russische militärische Aggression und ter­ritoriale Expansion. Die andere Anschauung betrachtet die kommunistische Gefahr als rein innere Angelegenheit, eine Gefahr durch Umsturz und Infiltration. Beide Gefahren sind Wirklichkeit.

Die Kommunisten glauben an einen Endsieg. Den planen sie und daraufhin arbeiten sie. Ihre Überzeugung, sich auf ei­nem vorbestimmten Weg zu befinden, und ihr Glaube an den Endsieg haben fast etwas Religiöses an sich. Getrieben von solch einem fanatischen, brennenden Wunsch zu gewinnen, ist den Kommunisten für ihre Sache kein Opfer zu groß.

Wir sagen, daß der Kommunismus eine große Herausforde­rung für das Christentum sei. Ideologisch ist er es. Aber kein System kann ernsthaft von irgendeinem äußeren Feind be­droht werden, solange es nicht von einem inneren Feind ge­schwächt wurde. Der Kommunismus wird niemals den Sieg erringen, es sei denn, das Christentum versagt. Lenin sagte einmal: »Die Religion ist eine Art geistlicher Gin, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschsein und ihren Anspruch auf ein würdiges Menschenleben ertränken.« Lenins Fehler war, daß er die Geschichte ebenso ignorierte wie die Lehre der Bi­bel. Die russische Kirche unter den Zaren hat Lenin und sei­nen Nachfolgern nur eine Karikatur echten Christseins ver­mittelt. So hatte er, wenn man sich seine Umgebung und seine Zeit vor Augen hält, zum Teil recht mit dem, was er sagte.

Für wie viele sogenannte Christen der »freien Welt« sind Christus und die Kirche nicht der zentrale Inhalt ihres Lebens, sondern eine Spritze, die ihnen der Pfarrer beim Gottesdienstbesuch am Sonntagmorgen verpasst. Als ginge man zum Zahn­arzt: Der Patient seufzt erleichtert auf, wenn der Pfarrer sein »Amen« sagt, und damit ist die wöchentliche Behandlung vor­über. Solange wir die Menschen nicht eines Besseren belehren können durch eine neue Hingabe, die der der Kommunisten gleich ist oder sie gar übertrifft, solange kämpfen wir in einer verlorenen Schlacht.

Das Ziel der Kommunisten ist die Liquidation der Religion, die nach ihrer Überzeugung ein Produkt des kapitalistischen Systems ist. Sie wissen nicht, daß die christliche Religion mit Jesus Christus anfing, der alles andere als ein wohlhabender Amerikaner oder Europäer war. Er war ein armer vorderasiati­scher Zimmermann. Die Bibel sagt: »Obwohl er reich war, wurde er um euretwillen arm, damit ihr durch seine Armut reich würdet« (2. Kor. 8, 9). Er wurde in einer geliehenen Fut­terkrippe geboren. Er sagte: »Die Füchse haben Gruben und die Vögel des Himmels haben Nester; der Sohn des Menschen dagegen hat nicht, wo er sein Haupt hinlegen kann« (Lukas 9, 58). Er feierte sein letztes Abendmahl in einem gemieteten Raum. Er ritt nach Jerusalem hinein auf einem geliehenen Esel. Er wurde gekreuzigt und in einem zur Verfügung ge­stellten Grab begraben.

Obgleich er sich weigerte, eine Klasse gegen die andere aus­zuspielen, lesen wir, daß die einfachen Leute ihn gern hörten. Doch sorgte er sich genauso um die Bourgeoisie wie um das Proletariat. Er widmete dem reichen Jüngling genauso viel Zeit wie dem blinden Bettler, und er sorgte sich um Nikode­mus genauso wie um den lahmen Mann am Teich Bethesda.

Die kommunistische Gefahr ist eine Wirklichkeit, aber auch die christliche Erwartung ist eine Wirklichkeit. »Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen; und die Pforten des To­tenreichs werden nicht fester sein als sie« (Matth. 16, 18), sagt Christus. Das gilt der Kirche, wenn sie stark, lebendig, wahr und geisterfüllt bleibt. Wenn wir es aber zulassen, daß unser christlicher Glaube mit Materialismus verfälscht, durch Säku­larismus verwässert und mit einschmeichelndem Humanis­mus vermischt wird, dann können wir gegenüber einem System nicht mehr bestehen, das geschworen hat, uns zu beerdi­gen.

Es ist meine Überzeugung, daß Gott den Kommunismus als ein Gericht über den Westen gebrauchen könnte. Die Sünden des Westens sind heute so groß, daß das Gericht unvermeid­lich ist, es sei denn, die Völker tun Buße. Gott hat früher schon Gericht geübt. »Wohl sandte der Herr, der Gott ihrer Väter, durch seine Boten Mahnungen an sie früh und spät, weil er sein Volk und seinen Tempel schonen wollte. Aber sie ver­spotteten die Boten Gottes und verachteten seine Worte und verhöhnten seine Propheten, bis daß der Zorn des Herrn wi­der sein Volk entbrannte, unheilbar. Er ließ den König der Chaldäer wider sie heranziehen . . .« (2. Chron. 36, 15‑17). – Eine ähnliche Situation erkennen wir in der Welt heute.

Die unkontrollierte Wissenschaft

Es ist eine ironische Tatsache, daß die Wissenschaft, die sich die Lösung von Problemen zum Ziel gesetzt hat, selbst zu ei­nem Problem geworden ist. Die Wissenschaft hat uns das elektrische Licht gegeben, das Automobil, das Flugzeug, das Fernsehgerät und das Elektronengehirn, aber dieselbe Wissen­schaft hat uns die Wasserstoffbombe gegeben. Autos sind sehr nutzbringend für Transportzwecke und dienen zum Vergnü­gen, aber die andere Seite der Medaille ist, daß Zehntausende von Menschen allein in Amerika jedes Jahr durch Autounfälle sterben. Kaum hatten die Wissenschaftler das Atom gespal­ten und zum erstenmal die Energie seines Kerns freigesetzt, da wurde diese große wissenschaftliche Errungenschaft bereits dazu verwandt, um Leid und Tod auf Hiroshima und Naga­saki herabregnen zu lassen.

Das Problem der Wissenschaft liegt in ihrem Missbrauch. Weil der Mensch so ist, wie er ist, werden wissenschaftliche Errungenschaften häufiger zur Zerstörung als zum Aufbau verwertet. Wir können nicht eher auf eine Lösung dieses Pro­blems hoffen, als nicht des Menschen moralischer Fortschritt seinem intellektuellen Fortschritt entspricht.

Das politische Dilemma

Ein europäischer Politiker sagte kürzlich: »Wenn der Teufel ein Universalmittel für die Probleme der Welt anbieten wür­de, dann würde ich ihm gern folgen.« Das ist genau das, was nach den Verheißungen der Bibel eines Tages geschehen wird. Wenn die Völker ihre Probleme nicht mehr lösen können, wird der große Antichrist erscheinen, voller Charme und Raffinesse, wie man es vorher nie erlebt hat. Die ganze Welt wird ihm folgen und ihn anbeten.

Mittlerweile wird die politische Ära beherrscht von den Er­eignissen und Veränderungen nach dem ersten Weltkrieg 1914‑18. Die Demokratie begann zu blühen, aber auch die Diktatur. Wir erinnern uns alle, wie Präsident Franklin Roo­sevelt der ganzen Welt die vier Freiheiten versprach, Freiheit des Glaubens, der Rede, von Furcht, von Mangel, doch heute gibt es weniger Freiheit als je zuvor. Das politische Klima der ganzen Welt ist mehr und mehr von Unbeständigkeit erfüllt, und in der Welt brodelt es wie in einem Hexenkessel. Auf­ruhr, Demonstrationen und Revolutionen fast jeden Tag und überall. Selbst in England und Amerika haben sich die Leute zum Sitzstreik und zur Demonstration für alles Mögliche bereitgefunden.

Deutlich bezeugt die Geschichte, daß kein Staat und keine Regierung immerdar blühen. Es ist auch wahr, was Will Du­rant sagte: »Keine große Nation ist jemals überwunden wor­den, bis sie sich selbst zerstörte.« Republiken, Königreiche und Imperien leben und sterben. In Amerika sind wir nahe daran zu sehen, wie eine Demokratie außer Rand und Band gerät.

So sieht die moderne, internationale Szene aus mit ihren Problemen auf dem Gebiet der Bevölkerung, des Verbrechens, der Rassen, des Kommunismus, der Wissenschaft und der Politik. Sie komplizieren das moderne Leben und sorgen dafür, daß in der Welt, in die unsere jungen Männer und Mädchen hinausgehen, die persönlichen Freiheiten durch alle möglichen einschränkenden Maßnahmen immer mehr begrenzt werden. In dem Maße, wie die Welt kleiner wird, werden unsere Pro­bleme größer. Die heutige junge Generation hat nichts zu erwarten als Krisen, Blutver­gießen, Krieg, Haß, Habsucht, Sexualisierung und Kämpfe, mit deren Hilfe sich die Welt ohne das Klima des Friedens an die Gegebenheiten anzupassen versucht.

Wir wissen mehr über wirtschaftliche Zusammenhänge als je zuvor, aber die Welt leidet unter Armut und Hunger. Wäh­rend wir uns auf dem Mond umsehen, haben wir noch nicht einmal die Grundprobleme der Erde gelöst. Krieg und Revo­lution schweben über unseren Häuptern wie ein Damokles­schwert. Die Psychiater und Psychotherapeuten versprechen uns eine gesunde und ganze Persönlichkeit, aber es gibt mehr Nervenkrankheiten und psychische Verirrungen als je zuvor.

Die meisten der lebenden Experten, der Analytiker, Histo­riker, Wissenschaftler, Philosophen und Politiker, stimmen darin überein, daß der Mensch krank ist. Aber die entschei­dende Frage ist, ob wir überhaupt noch zu retten sind? Gibt es noch eine Hoffnung? Es sind die Experten, nicht das Volk, die solche Fragen stellen und derartige Vorahnungen zum Ausdruck bringen. Es ist das typische Erkennungsmal einer untergehenden Kultur, daß das Volk sich dessen gar nicht be­wußt ist, was vorgeht. Der Durchschnittsbürger fühlt sich recht wohl in seiner Sattheit und ist genauso uninteressiert wie ein Silberfisch, der es sich in einem Karton abgelegter po­litischer Zeitschriften bequem gemacht hat. Er stellt keine Fra­gen, denn seine sozialen Vorteile, die ihm seine Regierung ge­währt, geben ihm ein falsches Gefühl der Sicherheit. Das ist seine Not und seine Tragödie. Der moderne Mensch ist zu ei­nem Zuschauer der Weltereignisse geworden, die er auf sei­nem Fernsehschirm beobachtet, ohne persönlich betroffen zu sein. Er läßt die gewaltigen Ereignisse unserer Zeit vor seinen Augen vorübergleiten, während er in einem gemütlichen Ses­sel sitzt und sein Bierchen trinkt. Er scheint sich gar nicht des­sen bewußt zu sein, was ihm eigentlich fehlt. Er begreift nicht, daß sich seine Welt in Flammen befindet, und daß er auf dem besten Wege ist, mit verbrannt zu werden.

Mitten hinein in diesen Missklang von Untergangsprophe­zeiungen trifft das Wort Gottes. Die Bibel sagt, daß es noch nicht zu spät ist. Noch ist Zeit, daß Gott eingreifen kann. Aber es wird eine Zeit kommen, wo es wirklich zu spät ist, und wir nähern uns dieser Zeit mit rasender Schnelligkeit !

 

2. DIE ALTE UNMORAL

Heutzutage sind sämtliche Gebiete unseres Lebens vom Zwie­licht der Unmoral durchzogen. Sie läßt niemanden unberührt. In Unterhaltung und Vergnügung liegt das Hauptgewicht auf dem Sex. Selbst Männer der Kirchen fangen an, von einer »neuen Moral« zu sprechen, die besser zu unserer Zeit passen soll, nachdem es ihnen nicht gelungen ist, die Ursache dieser Krankheit zu lokalisieren und ein Gegenmittel zu finden. Aber die sogenannte »neue Moral« ist nichts anderes als die alte Unmoral, nur etwas modernisiert.

Hinweise für diese moralische Auflösung unserer Gesellschaft zeigen sich, wo man hinsieht. Ein Mitglied des Senats der USA sagte mir unlängst: »Jedesmal, wenn wir einen neuen Untersuchungsausschuß einsetzen, sticht er in ein Wes­pennest« Man gewinnt den Eindruck, daß haargenau eintrifft, was Jesus prophezeit hat: »Denn wie die Tage des Noah wird die Wiederkunft des Sohnes des Menschen sein« (Matth. 24, 37). Er meinte damit, daß die gleiche moralische Entartung charakteristisch sein würde für jene Zeit, die unmittelbar dem Ende der Geschichte vorausgeht.

Die Sorge um die moralische Auflösung des westlichen Menschen ist nicht beschränkt auf Soziologen, Psychologen, Prediger und Professoren. Auch politische Führer, Militärs, Geschäftsleute und Gewerkschaftsführer sind darüber besorgt. Selbst Zeitungsverleger sind beunruhigt, wie etwa Jenkin Lloyd Jones von der Tulsa Tribune, der vor einer Konferenz von Zeitungsverlegern erklärte, daß unser Volk entschieden habe, Sünde sei größtenteils Einbildung. Wir sind förmlich verzaubert durch die Psychologie, die meint, der Mensch sei ein Produkt seiner Vererbung und ein Opfer seiner Umge­bung.

Über Hollywood sagte Jones: »Kann jemand leugnen, daß die Filme schmutziger sind als je zuvor? Aber man nennt es nicht Schmutz. Man nennt es Realismus. Warum lassen wir uns von ihnen zum Narren halten? Warum nicken wir eulenhaft, wenn sie uns erzählen, Obszönität sei nur eine gewagte Kunstform und Unzüchtigkeiten seien in Wahrheit nur sozial­kritische Anmerkungen?«

Angesichts dieser legalisierten Pornographie scheint das Ge­wissen Amerikas bereits gelähmt zu sein. Aber schlimmer noch als unsere Heuchelei auf dem Gebiet der Kunst, der Li­teratur und der Bilder ist der Zusammenbruch unserer morali­schen Grundsätze. Wir sind unempfindlich geworden für rü­pelhaftes Benehmen auf der Bühne und für die Glorifizierung des Nachtlebens. Wir scheinen nicht zu spüren, wie unsere Jugend geradezu betrunken gemacht wird mit Gewalttaten, Zynismus und Sadismus, die durch das Fernsehen in das Wohnzimmer, sogar schon in den Kindergarten hineinge­pumpt werden. Es verschlägt uns nicht mehr die Sprache, wenn unzüchtige Literatur mit schlüpfrigen Erzählungen, die in ein Bordell gehören, die Listen unserer Bestseller füllt. Man wirft uns vor, wir wollten uns an den Wirklichkeiten vorbeidrücken, indem wir sie kennzeichnen als das, was sie sind: Unmoral, Degene­ration und Hurerei. Es sind nicht nur amerikanische Wirk­lichkeiten. Es sind Wirklichkeiten, die die Fahne fast jeder Nation unter der Sonne beflecken.

Sexualität

Es ist immer ein Zeichen untergehender Zivilisationen gewe­sen, daß sie von der Sexualität beherrscht wurden. Wenn die Menschen ihren Weg aus den Augen verlieren, ihren Zweck, ihren Willen, ihre Ziele, und auch ihren Glauben wie die alten Israeliten, dann betreiben sie »Hurerei«. Es ist eine Abwei­chung vom Wege, die weder Denken, noch Charakter, noch Selbstbeherrschung verlangt. Ein Historiker sagte mir: »Die moralische Verdorbenheit des Westens wird uns vernichten!«

Pornographie

Unsere westliche Gesellschaft ist mit der Zeit so erfüllt wor­den von Sexualität, daß sie durch alle Poren des nationalen Lebens sickert. Früher woben die Schriftsteller dieses Thema ganz vorsichtig und fast unmerklich in ihre Erzählungen ein als einen Teil des Lebens. Heute beherrscht dieses Teilgebiet das Ganze; es ergießt sich aus den Federn großer und kleinerer Leuchten ein Strom von perversen, niedrigen und sogar obszö­nen Schriften, der überall versickert wie die Abwässer aus ei­ner undichten Kanalisation. Sexualität ist das Hauptthema überall.

Die Frage ist jetzt: Schließt die Freiheit der Rede und der Presse auch das Recht ein, die Gedanken der Menschen mit Hilfe der Massenmedien zu verderben und damit jeder Form sexueller Perversion und Immoralität Tür und Tor zu öffnen? Wir haben Gesetze, die in unseren Städten offene Abwässer­kanäle und Sickergruben verbieten. Warum sollten wir nicht auch Gesetze haben, die Pornographie und Obszönität verbie­ten? Viele haben dies mutig versucht, aber sie stolperten über die Definition des Wortes »Obszönität«. Wenn wir uns nicht über die Länge eines Meters einigen können, so liegt das dar­an, daß wir unser Maß verloren haben. Niemand hat den mo­ralischen Maßstab verbessern können, der dem Menschen in den Zehn Geboten gegeben wurde. Pornographie ist all das, was Unzüchtigkeiten so wiedergibt, daß unreine Gedanken und Wollüste hervorgerufen werden. Der sogenannte künst­lerische Realismus als Leitstern mancher Gruppen der Filmindustrie in Europa und Amerika ist nichts anderes als Obszönität, Schmutz, Korruptheit und Pornographie, die unsere Jugend vergiften. Kein Wunder, daß schon die Sech­zehnjährigen auf sexuellem Gebiet mit allen Wassern gewa­schen sind.

Wir verderben Vorstellungswelt und Geschmack einer gan­zen Generation. Liebe wird pervertiert zur Lüsternheit. Das Empfindungsvermögen wird so verhärtet, daß Verbrechen und internationale Greuel als Selbstverständlichkeiten empfunden werden.

Auf diese Weise gestatten wir es, daß der Teufel trium­phiert. Der Prophet Jeremia warnte: »In Schanden stehen sie da, denn sie haben Greuel verübt; doch Scham kennen sie nicht, wissen nichts von Beschämung. Darum werden sie un­ter den Fallenden fallen; zur Zeit, da ich sie heimsuche, wer­den sie stürzen, spricht der Herr« (Jer. 6, 2).

Altertumswissenschaftler berichten uns, daß eines der Sym­ptome einer untergehenden Zivilisation die geschlechtliche Verkehrung sei. Männer werden weibisch und Frauen männ­lich, nicht nur in Äußerlichkeiten, auch in ihren grundlegenden Charaktereigenschaften.

Perversion

Hand in Hand mit der Geschlechtsverkehrung tritt in unserer heutigen Gesellschaft die unheilvolle zunehmende Perversion in Erscheinung. Sie nimmt solche Formen an, daß die altmo­dischen Sünden im Vergleich dazu geradezu harmlos erschei­nen. Nichts kann die Tatsache aber ändern, daß Gott Perver­sion Sünde nennt. ». . . damit sie keine Entschuldigung ha­ben . . . Deshalb gab sie Gott dahin in schändliche Leiden­schaften; denn die Frauen unter ihnen verwandelten den na­türlichen Verkehr in den widernatürlichen. Gleicherweise ver­ließen auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau und entbrannten gegeneinander in ihrer Begierde, so daß Män­ner mit Männern Schande trieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfingen« (Röm. 1, 20‑27).

Auf jedem Gebiet unseres sozialen Lebens sehen wir, wie das Gesetz der nachlassenden Befriedigung in unserer sexuel­len Besessenheit unvermeidlich wirksam ist. Viele suchen ir­gendwie ihre Befriedigung, um dann am Ende herauszufinden, daß sie beim nächsten Mal die Dosis verstärken müssen, um dieselbe Befriedigung zu finden. In dem Maße, wie der Reiz nachlässt, halten sie nach neuen Mitteln Ausschau und nach anderen Erlebnissen, um einen vergleichbaren Reiz zu empfin­den. Der Wollüstling wird gequält von Schuldgefühl und Reue. Sein Leben ist gesättigt von intensiver Anspannung, unnatürlichen Gefühlen und inneren Konflikten. Seine Lei­denschaften sind hemmungslos, und das Endergebnis ist Ver­zweiflung. Während er das Gesetz Gottes und die Norm der Gesellschaft ablehnt, belastet er seine Seele durch eine mit dem Tode spielende Spannung.

Dr. Sorokin sagt: »Die ge­schwächte körperliche, gefühlsmäßige und geistliche Verfas­sung des Wollüstlings macht ihn gewöhnlich unfähig, das Verschiedenerlei der Belastungen zu ertragen, und schließlich bricht er unter ihrem Gewicht zusammen. Oft endet er als Psychoneurotiker oder gar mit Selbstmord.«

Das Erschütterndste aber in der ganzen Situation ist die Haltung mancher Pfarrer. Die Zeitschrift Time meldet: »Kirchenmänner beginnen ihre Hal­tung zu ändern. Sie warnen nicht mehr, wenn Jungen und Mädchen ihren natürlichen biologischen Trieben nachgeben und ihre Experimente machen. Sie sagen nicht mehr: Halt, ihr tut unrecht!, sondern: Hat es Sinn?« Viele Pfarrer sind sehr nachsichtig bei vorehelichem Geschlechtsverkehr.

Wir leben in einem Zeitalter des moralischen Relativismus. Es gibt aber gewisse Gebiete, wo uns die Heilige Schrift kein Feilschen gestattet. In all den Jahrhunderten hat es nicht die geringste Veränderung im Wesen Gottes oder in seiner Hal­tung zur Sünde gegeben. Die Bibel lehrt von Anfang bis Ende, daß Ehebruch und Unzucht Sünde sind. Sie sagt: »Irret euch nicht! Weder Unzüchtige, noch Götzendiener, noch Ehebre­cher, noch Lustknaben, noch Knabenschänder . . . werden das Reich Gottes ererben« (1. Kor. 6, 9). Daran ändert die Hal­tung moderner Geistlicher nichts.

Unehrlichkeit

Ich erlebte im Bundesgerichtshof die Verhandlung gegen ein höchst angesehenes Mitglied der Ärzteschaft, das bewußt und absichtlich seine Einkommensteuer gefälscht hatte. Er wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Seuche der Unehrlichkeit greift in jedem Beruf um sich, ihre Zunahme dürfte selbst den apathischsten unter uns in Alarm versetzen. Es schockiert, daß junge Amateursportler ihre Ideale und ethischen Grundsätze den Halbstarken und Gangstern verkauften. Seit Jahren war es bekannt, daß das Berufsboxen weitgehend von Betrügern durchsetzt ist, und wenige waren überrascht, als bei Untersuchungen herauskam, daß es weithin üblich ist, aus betrügerischer Absicht Kämpfe zu verlieren.

Als ich kürzlich einmal vom Flugplatz mit einem Taxi in eine Großstadt fuhr, sagte mir der Taxichauffeur: »Beste­chungsgelder sind gang und gäbe in allen Kreisen der Stadt. Wenn ein Geschäft nicht gut zahlt, dann wird einfach die Straße vor dem Haus aufgegraben und ein Jahr lang so ge­lassen. Wenn ich mein Auto inspizieren lasse, muß ich 25 $ unter dem Tisch bezahlen. Der Mann, der das Geld entgegen­nimmt, behauptet, er bekommt nur 5 davon. Nehmen Sie die Bestechungsgelder weg und die Wirtschaft der Stadt bricht zusammen.«

Walter Lippman sagte: »Amerika ist dabei, eine neue Mo­ral anzunehmen, die Lügen und Betrügen gestattet.«

Warum herrscht solche Unehrlichkeit in allen Gebieten un­seres Lebens? Russell Kirk gibt die Antwort: »Öffentliche und private Ehrlichkeit sind zum Teil das Ergebnis religiöser Überzeugungen . . . wenn aber dieser religiöse Zwang verfällt, . . . neigt der Durchschnittsbürger zum Betrug.«

Eine untergehende Kultur

Jede Seite unserer Tageszeitungen macht deutlich, daß wir uns in einer Zeit geistiger und geistlicher Dekadenz befinden. Alte Werte werden verachtet und das Empfinden für Sinn und Da­seinszweck ist aus dem Leben vieler Menschen verschwunden. Die einzigen Ziele der westlichen Welt sind anscheinend Er­folg, Wohlstand, Sicherheit, Vergnügen und Komfort. Wenn wir unsere Zeit nach den Gemälden moderner Künstler beur­teilen, dann sehen wir nur wahllose Farbkleckse ohne jeden erkennbaren Sinn oder Plan. Theater, Roman‑ und Film­schriftsteller liefern ihre unverfälschte Dosis von Gewalt, Sexualität und Mord. Man kann wahrlich von einer kranken Generation sprechen, die der Heilung bedarf. Die Ursache un­serer Not kennzeichnet der Dramatiker Tennessee Williams: »Wir haben eine sehr geringe Vorstellung von unserer eigenen Würde sowie der uns geziemenden Anständigkeit.«

Wir haben allen Grund, nach Rettung zu schreien, nach Ret­tung vor uns selbst! Der Prophet Hosea mahnte das Volk sei­ner Tage: »Säet euch Gerechtigkeit, erntet nach dem Maß der Liebe! Brechet euch einen Neubruch der Erkenntnis, indem ihr den Herrn sucht, auf daß er komme und euch Heil regnen lasse« (Hos. 10, 12).

Der Riss im Damm weitet sich immer mehr aus, aber wie zu den Tagen Noahs vor der Flut, geht das Leben wie gewohnt weiter. Nur wenige merken auf, und kaum einer wird alar­miert. Jedoch wird die Gleichgültigkeit nicht die Katastrophe aufhalten. Das Volk zu Noahs Zeiten erwartete auch kein Ge­richt ‑ und dennoch kam es! Wenn die Schlagzeilen schwarz und unheilvoll werden, steigt der Verkauf von Alkohol und von Nervenberuhigungsmitteln, und Millionen versuchen, der ernsten Wirklichkeit der bedrohenden Gefahren zu entfliehen.

Unsere geistige Situation ist für Gott keine Überraschung. Die Worte des Apostels Paulus, die er an eine dekadente rö­mische Gesellschaft geschrieben hatte, gelten genauso gut uns: ». . . weil sie Gott zwar kannten, ihm aber doch nicht als Gott Ehre oder Dank erwiesen . . .«. Wenn jemals ei­ner Generation Wissen von Gott überliefert wurde, dann uns. Wir aber werfen das herrliche Erbe weg.

Paulus fährt fort: ». . . sondern in ihren Gedanken in eitlen Wahn verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wur­de. Während sie vorgaben, weise zu sein, wurden sie zu Toren . . .« (Röm. 1, 21-22). In einer dekadenten Gesellschaft ist der Wille zu glauben, zu widerstehen, zu ringen und zu kämp­fen verlorengegangen. An die Stelle des Widerstandes trat der Wunsch, sich anzupassen, sich treiben zu lassen, nachzugeben und aufzugeben. Das war so in Rom und das ist so bei uns.

Paulus sagte: »Sie haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild gleich dem vergänglichen Menschen« (Röm. 1, 28). Der Humanismus wurde zum Gott unserer Zeit. Huxley nennt das »menschliche Kontrolle menschlicher Bemühungen in Übereinstimmung mit mensch­lichen Idealen.« Das moderne Glaubensbekenntnis »Ich glau­be an den Menschen« ist die Umkehrung der biblischen Theo­logie.

Daher gab sie Gott in den Gelüsten ihrer Herzen in Un­keuschheit dahin, so daß sie ihre Leiber untereinander schän­deten« (Röm. 1, 24). Das heißt nicht, daß Gott aufgegeben hat, sondern daß Gott den Menschen dahingegeben hat an unreines und ungerechtes Tun. Wenn dies geschieht, sind wir in größter Gefahr.

Dreimal heißt es in diesem Abschnitt des Römerbriefes, daß Gott den Menschen hingegeben hat. Wenn Gott den Men­schen dahingibt, dann bleibt nur noch eins übrig ‑ das Ge­richt. Wenn wir unseren gegenwärtigen Kurs weiterverfolgen, wird das moralische Gesetz »der Tod ist der Sünde Sold« (Röm. 6, 23) auch unserer Gesellschaft den Tod bringen.

 

3. UNSERE PSYCHOLOGISCHEN ÄNGSTE

Ein führender Mathematiker besuchte mich unlängst in mei­nem Hotelzimmer. Ich konnte es spüren, wie das Gewicht sei­ner persönlichen Probleme so schwer geworden war, daß er nahe vor dem Zusammenbruch stand. Er stand in Gefahr, ein weiterer Fall für die Statistik der alarmierend zunehmenden Geisteskrankheiten zu werden.

Das intellektuelle Klima des modernen Menschen ist para­dox. Unsere technische Entwicklung schafft wahre Wunder der Wissenschaft, versagt aber bei der Befriedigung unserer inner­sten Bedürfnisse. Sie versieht unsere Füße mit Rädern, aber unsere Herzen mit Ängsten und Beklemmungen. Wir können heutzutage länger leben, aber nicht besser. Wir leben beque­mer, aber nicht zufriedener.

In den USA leiden acht Millionen Menschen an irgendeiner Form von Geisteskrankheit. Viele der psychisch Erkrankten sind buchstäblich herzkrank. Ihre Erkrankungen beruhen nicht auf Ge­hirnschäden. Man verliert nicht seinen Verstand, auch zerbre­chen nicht die Nerven in den sogenannten Nervenzusammen­brüchen. Man verliert sich selbst! Man versinkt in einer Welt, die man sich selbst geschaffen hat, um der wirklichen Welt zu entkommen.

Flucht

Millionen sind eifrig dabei, ihre Köpfe in den Sand zu stecken, indem sie versuchen, den bedrückenden Wirklichkeiten des modernen Lebens zu entrinnen.

Wirklichkeitsflucht kann vielerlei Formen annehmen. Die abgespannte Hausfrau geht auf einen Einkaufsbummel, eine andere nimmt Zuflucht zu einer heimlichen Liebesaffäre. Eine der auffälligsten Fluchtarten ist der Alkoholismus, der sich zur nationalen Katastrophe entwickelt.

Jede Woche erhalten wir in unserem Büro in Minneapolis Tausende von Briefen, von denen mehr als die Hälfte mit häuslichen Problemen zu tun hat, davon wiederum die Hälfte mit Trunksuchtsproblemen. Das Trinken ist eines unserer ern­stesten sozialen Probleme geworden. Im Grunde ist es nur der Versuch, den Verantwortlichkeiten des Le­bens auszuweichen. »Jedesmal wenn ich mich mit meinem Mann streite, rast er in die nächste Kneipe«, schreibt eine Frau aus Iowa.

Millionen von Schlaftabletten werden Abend für Abend ge­schluckt. Millionen von Beruhigungspillen besänftigen uns tagsüber. Millionen von Belebungspillen sollen uns in den Morgenstunden nach den viel zu kurzen Nächten wachhalten.

Angst

Die Geschichtsschreiber werden vielleicht einmal unsere Zeit das »Zeitalter der Angst« nennen. Obwohl wir in mancherlei Beziehung weniger Veranlassung zur Sorge haben als frühere Generationen, machen wir uns mehr Sorgen. Obwohl wir we­niger Anlaß zur Angst haben, ängstigen wir uns mehr. Schwielen an den Händen waren die Kennzeichen der Pioniere, aber zerfurchte Stirnen sind das Merkmal des modernen Men­schen.

Die Pioniere klagten schon mal darüber, daß sie »fertig« seien vor körperlicher Erschöpfung, unsere Not aber ist der er­höhte Blutdruck. Das ganz auf das Diesseits ausgerichtete In­teresse erlaubt dem Menschen keine Besinnung, kein Ruhen mehr.

Nach dem Psychoanalytiker Erich Fromm macht die mo­derne Lebensweise aus den Menschen ängstliche und lieblose Schattengewächse. Er sagt: »Die meisten Amerikaner glau­ben, daß unsere Verbrauchsgesellschaft mit ihren vergnü­gungssüchtigen und mit Düsenflugzeugen reisenden Leuten das größte Glück für die größte Zahl Menschen schaffen kann. Im Gegensatz dazu glaube ich, daß unsere Lebensweise zu Angst, Hilflosigkeit und schließlich zur Auflösung unserer Kultur führt. Könnte es nicht sein, daß unser Traum von dem materiellen Wohlstand sich eines Tages als Schaum erweist?«

Freizeit

Ein anderes Problem für Millionen in der westlichen Welt ist die Freizeit. Wir halten es vielleicht nicht dafür. Aber die Psy­chologen und Soziologen werden sich darüber klar, daß dies Thema vielleicht das allergrößte psychologische Pro­blem der nächsten Generation werden könnte.

Da wo die Freizeit bereits eine Wirklichkeit ist, heißt das neue Problem: Langeweile. Vor einiger Zeit besuchte ich ei­nen Wohlfahrtsstaat, wo mir ein Kirchenführer sagte: »Wir haben in der Kirche für bessere Lebensbedingungen und hö­heren Lebensstandard gekämpft. Jetzt haben wir in unserem Lande Sicherheit von der Wiege bis zum Grabe, aber wir se­hen uns den psychologischen Problemen der Langeweile ge­genüber, die genauso groß und zerstörerisch sind wie die alten sozialen Probleme des letzten Jahrhunderts.«

Arnold J. Toynbee antwortete auf die Frage, ob die Ab­schaffung der Armut eine Gewähr dafür biete, daß Amerikas Zivilisation weiter wächst: »Nein. Im Zeitalter der Automa­tion ist mehr nötig. Ich glaube, die Hauptfrage ist, was die Amerikaner mit ihrer Freizeit tun. Eines Tages werden die Menschen nur noch wenige Stunden am Tage arbeiten und mehr und mehr Freizeit haben. Wenn sie diese nur am Fern­sehschirm oder an den Spielautomaten verbringen, wird die Zukunft der amerikanischen Zivilisation nicht sehr gesund sein.«

Die Freizeitaussichten von morgen werden größer sein als die Arbeitsprobleme heu­te. Ein Psychiater sagte: »Die große Mehrheit unserer Bevöl­kerung ist weder gefühlsmäßig noch psychologisch reif für freie Zeit.

»Zwiedenken«

Wie konnte sich die Psychose entwickeln, die unsere heutige Gesellschaft plagt? Vielerlei hat dazu geführt, darunter auch der Verlust des religiösen Glaubens, falsche Erziehung, Verweichlichung, Unentschlossenheit. In seinem Buch 1984 be­schreibt George Orwell, was er unter »Zwiedenken« versteht. Dies ist an sich keine neue Idee, denn die Bibel sagt: »Ein zwiespältiger Mann ist unbeständig in allen seinen Wegen« (Jak. 1, 8). Als Volk befinden wir uns in einem Zustand der Zwiespältigkeit. »Zwiedenken« oder Zwiespältigkeit ist die Fähigkeit, zwei einander widersprechende Glaubensüberzeugungen in sich zu haben und beide zugleich anzunehmen. Wir sprechen zwei Sprachen zur gleichen Zeit. Wir sagen, wir seien ein christliches Volk, aber ein Großteil unserer Literatur, unserer sozialen Maßnah­men und unserer tiefsten Interessen sind alles andere als christlich. Sie sind völlig säkularisiert.

In seinem Buch Der moderne Mensch und seine Zukunft schreibt Erich Fromm: »Während die Menschen an Gott glauben, kümmern sie sich aber nicht um Gott. Das heißt, sie machen sich keine Ge­danken über geistlichen Problemen. Die meisten Menschen sagen, sie glauben an Gott und damit auch an Gottes Grundsätze der Liebe, der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Demut. Aber diese Ideen haben wenig Einfluß auf unser Verhalten. Die meisten von uns werden beherrscht von dem Verlangen nach größerem materiellen Komfort, nach Sicher­heit und Prestige.«

»Gruppendenken«

Außer diesem »Zwiedenken« werden wir heute von einer neuen Denkmethode bedrängt, dem »Gruppendenken«. Die Verlockung der Gleichheit, der Sicherheit und der Anerken­nung treibt uns in bestimmte Formen des Denkens, der Hand­lung und des Verhaltens. Wir denken, handeln und reden wie die Menschen um uns herum. Eine unserer tiefsten Ängste ist, daß wir »Außenseiter« genannt werden können.

Das hat uns den abschüssigen Weg zum Konformismus ge­führt und uns der Originalität unserer Gedanken, der Indivi­dualität unserer Persönlichkeit und der konstruktiven Hand­lung beraubt, auch in unserm religiösen Leben.

Vance Packard stellt fest: »Für die große Mehrheit der ame­rikanischen Christen bedeutet der Kirchgang eine nette Ge­pflogenheit ordentlicher Leute am Sonntag. Er fügt dem so­zialen Stand ein paar Ellen hinzu, indem man sich mit der so­zialen Gruppe zusammentut, mit der man gern identifiziert sein möchte. Selbst jene, die ihren Gottesdienst ernst nehmen, möchten doch häufig dabei auch von Leuten ihrer Art umge­ben sein.«

Es ist nicht einfach, sich vom »Gruppendenken« zu lösen in einer Zeit, wo einem die Fernsehreklamespezialisten die bislang gebrauchte Aspirin‑Marke madig machen und mit klingenden Glocken und unheimlichen Tönen ihre verheerenden Wirkungen auf unseren Magen darstellen, um eine andere Marke zu empfehlen.

Der Druck des »Gruppendenkens« beeinflußt unsere Stimm­abgabe bei der Wahl, unseren Einkauf bestimmter Markenar­tikel im Lebensmittelgeschäft, die Autotypen, die wir fahren, ja auch die Art unseres religiösen Glau­bens.

Als zum Beispiel vor mehreren Jahren ein Schauspieler in einem Film rosa Sekt verlangte, löste er damit eine kleine Re­volution in der Wein‑Industrie aus. Überall im Lande wurden die Restaurants durch die plötzliche Nachfrage nach diesem exotischen Getränk in Erstaunen versetzt. Die Film‑ und Fern­sehstars bestimmen unsere Kleidung, unsere Manieren, un­sere Redeweise und sogar unser moralisches Verhalten. Das komfortable Badezimmer, das Ein‑Hand‑Telefon und die Ja­lousien sind alle in Hollywood entstanden und wurden spä­ter zu einer Selbstverständlichkeit. Dies sind nur die ober­flächlichen Symptome der Suggestionskraft. Film und Fernse­hen führen und dirigieren mit gleicher Leichtigkeit die Ge­danken der Menschen über politische, moralische und soziale Fragen von Bedeutung. In der Dunkelheit eines Wohnzim­mers oder Theaters, wo die Leute entspannt sitzen und auf­merksam den vorüberhuschenden Bildern folgen, sind die psy­chologischen Voraussetzungen gegeben, um dem Geist Ideen einzuflößen. In Versuchen an Oberschülern und Studenten ist der Nachweis erbracht worden, daß sich ein Film‑ oder Fern­sehprogramm wie eine Gehirnwäsche auswirken kann.

Die Lüge

Der Geist unserer Generation ist für die Lüge vorbereitet wor­den. Im 2. Thessalonicherbrief spricht die Bibel vom Kommen des Antichristen: » . . . dessen Auftreten sich als Wirksamkeit des Satans kundgibt durch Machttaten, Zeichen und Wunder der Lüge und durch jede Art von Ungerechtigkeit für die, wel­che verloren gehen . . .« (2. Thess. 2, 9). Film, Fernsehen, Radio, sinnliche Literatur und billige Magazine haben sich zusammengetan, um es der Masse fast unmöglich zu machen, selbständig zu denken. Angesichts des Zusammenbruchs der Familie und der ständigen Vergiftung unseres täglichen Lebens mit Hilfe jeder Quelle der Unterhaltung und Belehrung ist es kein Wunder, daß die Menschen bereit wer­den, alles anzunehmen außer der Wahrheit, ja daß sie auch Lügen glauben und schließlich der Lüge.

Sind wir auf dem Wege, eine Roboter‑Gesellschaft zu wer­den, die von Massenmedien gesteuert, von Konformismus ge­drängt und von politischen Manövern gestoßen wird?

Die Bibel sagt vom Menschen: »Du machtest ihn wenig ge­ringer als die Engel, mit Ehre und Hoheit kröntest du ihn. Du setztest ihn zum Herrscher über das Werk deiner Hände, alles hast du ihm unter die Füße gelegt« (Ps. 8, 5. 6. 7).

Jesus Christus verleiht dem einzelnen Würde und Wert. Er sagt: »Was nützt es dem Menschen, die ganze Welt zu ge­winnen und sein künftiges Leben einzubüßen?« (Mk. 8, 36). Christus lehrte, daß in den Augen Gottes eine Menschenseele so viel wert ist wie die ganze materielle Welt! In Gottes Au­gen ist der einzelne das allerwichtigste. Wenn Christus einen Menschen aufruft, ihm nachzufolgen, dann ruft er ihn aus der Gruppe heraus. Christus kann die Leere füllen. Er kann deine Persönlichkeit wiederherstellen.

 

4. NATIONALER GÖTZENDIENST

Vor einiger Zeit fragte ich einen Studenten der Universität von Nord‑Carolina, ob er an Gott glaube. »Ja«, sagte er, »ich habe meine eigenen Götter.«

Die Götzen des westlichen Menschen sind der Humanismus, der Materialismus und der Sexus. Götzendienst wird fast un­willkürlich mit Aberglauben, Magie, Zauberei und Götzen aus Stein und Holz in Verbindung gebracht. Unsere modernen Götzen sind geistig verfeinert, kultiviert, modisch und intellektuell.

Wenn sich ein Volk von dem wahren lebendigen Gott sei­nes christlichen Erbes abkehrt, dann setzt es falsche Götter an seine Stelle. Der Mensch ist seinem Wesen nach religiös. Er muß irgendeinen Gott haben. Russell Kirk hat sehr richtig beobachtet: »Letzten Endes wird die Kraft einer Nation oder Zivilisation nicht in Raketen oder Divisionen gemessen, son­dern in ihrem Glauben, sei er nun falsch oder wahr.«

Götter in Eigenproduktion

Die Kluft zwischen einer wirksamen Beziehung zu dem Gott der Bibel und unserem gegenwärtigen Götzendienst kann am besten an der Haltung der Studenten beobachtet werden.

Die Mehrzahl der Studenten von heute bekennt einen Glau­ben an Gott, aber damit meinen sie nicht den Glauben an ei­nen persönlichen Gott. Für sie ist ein persönlicher Gott ohne Bedeutung. Sie sind vielmehr geneigt, sich ihren Gott oder ihre Götter selbst zu machen.

Zum Teil rührt diese Schwierigkeit daher, daß die Kirche ihre Jugend während der kritischen Jahre vernachlässigt hat, als sie geistliche Führung am meisten benötigte. Der durch­schnittliche Universitätsstudent hat nur eine Karikatur Got­tes in seiner Vorstellung. Er hat kaum eine Vorstellung von dem, was die Bibel über Gott oder über unsere moralische Verantwortung ihm gegenüber lehrt. Darum lehnt er den bi­blischen Gott ab. Da er aber irgendwie einen Gott haben muß, schafft er sich selber einen Gott während seines Studiums. Das mag ein gutes Staatsexamen sein, oder die Eroberung schöner Mädchen, oder athletischer Mut, oder Rebellion. All dies kann ihm zum Ersatz werden für Gott. Darum kennen Tausende von Studenten keinen echten Glau­ben an Gott.

Der Götzendienst der Massen

Ein echter Humanist singt mit Swinburne: »Ehre sei dem Menschen in der Höhe.« Das ist der neue Götzendienst unse­rer Zeit, intellektuell, vergeistigt und ‑ in höchstem Maße organisiert. Die Humanisten werden geradezu kämpferisch, besonders in Großbritannien. Mit Hingabe kreisen sie das Christentum ein. Julian Huxley sagte, wenn der Humanismus weitere Kreise erreichen wolle, müsse er eine Religion wer­den. L. F. J. Ross, ein anderer Humanist, schlägt vor, eine ein­fache humanistische Bibel und humanistische Choräle zu schaffen, denen auch zehn Gebote für Humanisten hinzuge­fügt werden könnten sowie humanistische Bekenntnisformen für Gruppen und für einzelne . . . der Gebrauch von hypnoti­schen Techniken . . . von Musik und anderen Mitteln . . ., die während humanistischer Gottesdienste der Zuhörerschaft ein tiefes geistiges Erlebnis vermitteln könnten, so daß sie er­frischt und von ihrem humanistischen Glauben inspiriert wie­der herauskommen.«

Dann haben wir in Amerika noch einen Götzendienst, der in der Zeitschrift Look kürzlich »die Lobhudelei der Jugend« genannt wurde. Offensichtlich bedrückt von ihrer Unfähig­keit, mit der jüngeren Generation Kontakt zu pflegen, versu­chen viele Erwachsene, sie nachzuahmen. In zunehmendem Maße versuchen Frauen, der Mode unserer neuen Zeit zu fol­gen und auszusehen wie Teenager.

Der Mensch betet die Wissenschaft an

Unser Zeitalter der Wissenschaft und der Technik hat als Drittes einen Glauben an die Wissenschaft hervorgebracht, mit dem es den biblischen Glauben ersetzt. Das Kernzeitalter hat zum großen Teil den Glauben reduziert, der in früheren Zeiten tief mit der Kultur verwoben war. Ein Wissenschaftler sagte einmal: »Die Weltanschauung des Kernzeitalters hat für Gott keinen Platz. Der Mensch von heute findet keinen Gott in seinem Reaktor, auch findet er keinen, wenn er durch das Fernrohr blickt.« Es gibt neue Kräfte in der Wissenschaft, die eher auf den Druck eines Knopfes am Altar eines Rechenautomaten reagieren als auf das Wort eines unserer Gebete an den Altären unserer Kir­chen. Wir halten Kräfte in unseren Händen, die unserem be­grenzten Verstande genauso groß erscheinen wie die, die wir früher einmal Gott zuschrieben. Für viele sind das bereits göttliche Kräfte, und in einer neuen Weise hören wir auch heute wieder die Worte der Schlange, wie sie unseren Urel­tern zuflüsterte: »Ihr werdet sein wie Gott« (1. Mose 3, 5).

Aber genauso wenig wie die anderen Götter unserer Gene­ration vermag auch die Wissenschaft, die tiefen Sehnsüchte der menschlichen Seele zu befriedigen. Je mehr der Mensch lernt, desto weniger weiß er. Auf diese Weise sind viele un­serer führenden Wissenschaftler dazu gekommen, ihren Glau­ben an Gott zu bekennen.

Der Mensch betet die Dinge an

Eine vierte Art unseres Götzendienstes ist die Anbetung von Dingen. Ich überlasse es den Psychologen, herauszufinden, welch tieferer Beweggrund dahinter liegen mag, daß wir nach materiellen Dingen unter Hintanstellung alles anderen ver­langen.

In der Madison Avenue hat man herausgefunden, daß es am meisten einbringt, wenn man die gesamte Werbung auf jenen eigensten Zug der menschlichen Natur ausrichtet ‑ den Stolz. Blättern Sie nur in unseren Zeitschriften und achten Sie einmal auf die farbenprächtigen Anzeigen. Häufig appel­lieren sie nicht so sehr an die Brauchbarkeit eines Gegenstan­des, als vielmehr an den Stolz des Käufers. Bacon schrieb ein­mal: »Das Glück der Großen besteht nicht in dem Gefühl, daß sie glücklich seien, als vielmehr in der Vorstellung, für wie glücklich andere Leute sie halten.«

So sehen wir gelangweilte Leute in eleganten Autos daher­fahren, immer auf der Suche nach Gelegenheiten, nicht so sehr um einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, als viel­mehr die Leute zur Bewunderung zu veranlassen. Stolz be­steht nicht in dem Wunsch, reich zu sein, sondern reicher zu sein als der Nachbar. Es genügt nicht aufzufallen, man will mehr auffallen als die andern.

 

5. SUCHER IN EINER BRENNENDEN WELT

Die Bibel sagt, daß der Mensch als Ebenbild Gottes anfing und daß er dann seinen Weg verlor. Ein ausgezeichnetes Bild für die verfahrene Situation des Menschen von heute war ein Schild an der Rückseite eines Autos: »Folgen Sie mir nicht. Ich habe den Weg verloren.«

Die Welt brennt auf jedem Erdteil und in jedem Land, und es gibt viele, die nach einem Ausweg suchen. Auf allen Gebieten sucht der Mensch nach der Wahrheit. Der Mensch sucht nach wissenschaftlicher Wahrheit, nach Univer­salheilmitteln, nach Erklärungen und Hilfen für seine tiefsten Bedürfnisse.

Wie sieht es nun mit den großen Fragen um Leben und Tod aus?

In jedem Kulturkreis ist der Mensch mit der ewigen Suche beschäftigt. Während meines Studiums habe ich mich zum Teil mit Anthropologie beschäftigt. Wir studierten primitive Gesellschaftsformen. Aber niemals haben wir irgendwo in der Welt einen Stamm gefunden, ganz gleich, wie primitiv er war, der sich nicht mit dieser Suche befaßt hätte. Es ist das Bemühen, Zweck und Sinn im Leben zu finden. Es ist die Su­che nach Wahrheit und Wirklichkeit.

Ich bin überzeugt, daß die Krawalle, Streiche und häufig auch die Verbrechen junger Leute nur Symptome dieser Suche sind. Ich habe viele Demonstrationen für die verschiedensten Sachen überall in der Welt beobachtet und immer habe ich diese »Suche« auf den Gesichtern der Demonstranten gese­hen.

In der Halle des Ukraine‑Hotels in Moskau sagte ein Mann: »Ich habe zwei Kriege mitgemacht, eine Menge Veränderungen er­lebt, aber etwas ist immer das gleiche geblieben.« Neugierig fragte ich: »Und das wäre?« »Das menschliche Herz«, ant­wortete er und tippte auf seine Brust. »Ganz gleich, welche Regierungsform oder Ideologie wir gerade haben mögen, das Herz verlangt immer nach Frieden.«

Der Besitzer eines Luxushotels in Miami Beach gestand mir: »Billy, ich besitze alles, was ein Mensch nur an materiel­len Gütern besitzen kann. Ich dachte, ich hätte das Ziel er­reicht, aber nun bin ich all dessen überdrüssig. Mein ganzes Leben lang habe ich mich nach diesen Dingen gesehnt; jetzt, wo ich sie besitze, erscheinen sie weniger wert, als ich gedacht hatte. Ich glaube, das Leben ist mehr als materieller Besitz.« Er hatte recht. Jesus sagte: »Niemand lebt davon, daß er viele Güter hat« (Lk. 12, 15).

In Indien sagte ein überzeugter Hindu zu mir: »Ich brau­che hier etwas«, und damit deutete er auf sein Herz. So lau­tet der Schrei aller Menschen zu allen Zeiten: »Ich brauche hier etwas!«

Am Ende des ersten Weltkrieges glaubten wir alle, wir hät­ten die Antwort gefunden. Die Wissenschaft hätte ihr Ziel erreicht. Der »Krieg zur Abschaffung des Krieges« war beendet. Der Völkerbund war gegründet worden. Der Fortschritt wur­de zum Gott des Zeitalters. Überall regierte der Optimismus. Aber schon im Anfang der zwanziger Jahre hatten wir alle den Eindruck, als wäre die Geschichte ins Gegenteil zurück­geworfen worden. Das Verbrechen nahm zu, die Moral wank­te, und der Glaube verschwand. Dann kam die wirtschaftliche Depression. Faschismus und Nationalsozialismus entstanden, die Atombombe explodierte ‑ und Millionen waren in dem blutigsten Krieg der Geschichte umgekommen. Als der Spuk vorbei war, wachten wir mit einem Kater auf, der »Schrec­kensbilanz«.

Die Selbstprüfung des Menschen

Während sich der Westen mit der tröstlichen Lehre von den menschlichen Errungenschaften selbst in Schlaf gelullt hatte, ging in Rußland eine große Revolution vor sich. Der Ham­mer schlug zu und die Sichel sammelte auf, bis eine neue so­ziale Ordnung mit dem Namen Kommunismus als eine der mächtigsten Ideologien aller Zeiten hervortrat. Sie wurde für das Christentum zur größten Herausforderung der ganzen 2000 Jahre. Der Kommunismus war eine fanatische Religion, die Fragen stellte und Antworten erheischte. Überall in der Welt fingen die Studenten an, Fragen zu stellen wie nie zu­vor. Fragen, die wir längst für beantwortet hielten, wurden erneut gestellt. Was ist der Mensch? Woher kommt er? Wozu ist er da auf diesem Planeten? Wohin geht er? Gibt es einen Gott? Und wenn es einen Gott gibt, hat er sich dem Menschen offenbart? Kann der Mensch Gott erkennen? Hat Gott etwas mit dem täglichen Leben zu tun? Spielt Gott überhaupt eine Rolle?

Glaube kontra Intellektualismus

Wir leben in einer Zeit, wo man sehr stolz ist auf seinen In­tellekt. Die Bibel sagt, daß der Mensch durch seine Weisheit Gott nicht finden könne. Hiob wird gefragt: »Kannst du Got­tes innerstes Wesen erfassen?« (Hiob 11,7). Beachten wir, er wird nicht gefragt: »Kannst du Gott finden?« Damit sollte gesagt werden, daß der Mensch mit seiner be­grenzten geistigen Fähigkeit die Tiefe des innersten Wesens Gottes nicht erfassen kann. Es ist möglich, Gott zu finden. Aber es ist unmöglich, die Unendlichkeit seines Wesens zu erfassen. Mit anderen Worten, der Mensch würde Gott gern in ein Laboratorium bringen. Wir würden ihn gerne inner­halb der Grenzen unseres kleinen Gehirns einsperren. Das ist natürlich unmöglich. Wir können nicht einmal die Existenz Gottes beweisen, obwohl wir wissen, daß er existiert.

Das Christentum kann niemals auf den Verstand reduziert werden. Das ist eine der Schwierigkeiten, die ich mit man­chen Theologen habe, die aus dem gesamten Inhalt des christlichen Glaubens eine intellektuelle gymnastische Übung ma­chen wollen. Wenn der Mensch Gott finden soll, muß er in schlichtem kindlichen Glauben kommen, sich seinem offenbar­ten Wort völlig unterwerfen. Das Wort »Glaube« wird allein im Johannesevangelium 92 mal angewandt. Das zeigt, welch großen Nachdruck die Bibel auf den Glauben legt.

Ein Freund von mir hatte sich während seines Studiums vorgenommen, noch bevor er 25 Jahre alt wäre, Millionär zu sein. Er wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er war am Ziel. Er heiratete eine wunderschöne Frau und konnte sagen: »Liebe Seele . . . habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!« (Lk. 12, 19). Doch inmitten ihres Reichtums waren bei­de sehr unglücklich. Aus Neugier kamen sie zu einer unserer Veranstaltungen und folgten dem Aufruf, Jesus Christus anzunehmen. Christus verlangte eine Entscheidung, einen Sprung. Sie taten diesen Sprung und sind heute zwei der strahlendsten Christen, die ich kenne.

Die unblutige Revolution

Sie kennt keine Fanfaren, keine Zeitungsschlagzeilen, keine Propaganda; und dennoch verändert sie den Lebensweg von Tausenden.

Dr. Fred Smith, der Biochemiker, war in Großbritannien er­zogen worden und hatte einen Lehrstuhl auf der Universität von Minnesota inne. Dr. Smith kam zu einer unserer Veranstaltungen, um die »Show« zu sehen. Mit Hilfe der Wissen­schaft hatte er nach Antworten auf die tiefsten Fragen seines Herzens gesucht, an diesem Abend fand er die Antwort.

Nikodemus war ein Intellektueller. Auch er hatte sich ein philosophisches und theologisches System ausgearbeitet, und es war ein gutes System. Es hatte sogar einen Glauben an Gott eingeschlossen. Was aber sagte Jesus diesem Intellektuel­len? Er sagte etwa folgendes: »Nikodemus, es tut mir leid, aber ich kann es dir nicht erklären. Du hast etwas kennenge­lernt, das nicht in dein System paßt. Du hast gesehen, daß ich gut bin. Und du hast gehört, daß ich sagte, ich bin Gott, und daß ich in der Vollmacht Gottes handle. Nikodemus, für dich ist das nicht logisch. Es tut mir leid, ich kann es nicht erklären. Du musst einfach von neuem geboren werden« (Joh. 3,1‑5).

Mit anderen Worten, Nikodemus mußte von neuem begin­nen, und zwar ohne von seiner Logik Gebrauch machen zu können. Er mußte einen Neuanfang machen, ohne das, was Jesus sagte, in sein System einbauen zu können. Er mußte ei­nen Schritt des Glaubens in ein neues System tun.

  

6. WER BIN ICH?

Vor langer Zeit sagte Sokrates: »Erkenne dich selbst!« Der moderne Mensch wird von dieser Frage nach sich selbst noch mehr beunruhigt als der Philosoph der Antike. Viele unserer modernen Denker fragen sich, ob der Mensch überhaupt er­kennbar sei. Das Dilemma des modernen Menschen ist es, daß er nicht weiß, wer er ist und welche Bedeutung sein Leben hat.

Auf meinen Reisen durch die ganze Welt haben manche Wahrheiten einen großen Eindruck auf mich gemacht. Eine Wahrheit ist, daß der Mensch überall auf der Welt der gleiche ist. Seine Hoffnungen, Träume, Probleme und Sehnsüchte sind im wesentlichen dieselben, ob er sich im Herzen Afrikas oder Amerikas befindet. Eine andere Wahr­heit ist die Erkenntnis, daß der Mensch im wesentlichen heute nicht anders ist als vor tausend Jahren. Die Umstände ändern sich, aber die menschliche Natur bleibt in ihrem Wesen die gleiche.

Der Mensch ist auf Gott hin geschaffen

Die Bibel sagt uns, daß Gott den Menschen nach seinem Eben­bild geschaffen hat. Das augenblickliche Sein des Menschen entspricht nicht seinem ursprünglichen. Gott schuf den Men­schen nach seinem Bilde. Das war kein körperliches Bild, denn Gott ist Geist. Der Mensch trägt die Züge Gottes in seinen geistigen und sittlichen Möglichkeiten und als Gemeinschaftswesen. Gott gab dem Menschen Willensfreiheit. Der Mensch unterscheidet sich von allen anderen Geschöpfen auf der Welt. Er gehört zu derselben Seinsordnung wie Gott selbst. Wir können Gott erkennen, weil wir nach seinem Bilde geschaffen wurden. Wenn wir nicht wie Gott wären, könnten wir ihn auch nicht erkennen.

Adam und Eva waren vollkommen. In Prediger 7, 3o heißt es: »Gott hat die Menschen recht geschaffen.«
1. Mose 1, 31 zeigt, daß der Mensch sittlich vollkommen war. Am Anfang gab es keine Sucht, keine Gier und keinen Haß.

Weil der Mensch geistig, sittlich und liebevoll wie Gott war, darum war er auch frei. Er konnte denken, konnte ver­stehen, er war gut, er empfand Liebe und er konnte wählen. Er hatte die Fähigkeit, das Rechte zu wählen, aber er hatte auch die Möglichkeit, das Böse zu wählen. Diese Freiheit Adams wird in dem Gebot Gottes gleichsam vorausgesetzt. »Von allen Bäumen im Garten darfst du essen; nur von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen, von dem darfst du nicht essen; denn sobald du davon issest, musst du sterben« (1. Mose 2, 16). Wenn der Mensch nicht das Fal­sche hätte tun können, warum mußte er dann gewarnt wer­den? Wenn er aber nichts anderes als sündigen könnte, warum sollte er dann bestraft werden? Der Mensch besaß die Fähig­keit, zu sündigen oder nicht zu sündigen.

Ein Tier hat Bewußtsein, aber der Mensch hat Selbstbewusstsein. Wenn ein Hund z. B. sagen könnte, »Ich bin ein Hund«, dann würde er aufhören, ein Hund zu sein. Das Tier vermag nicht sein » Ich« von seinen Empfindungen zu unter­scheiden. Der Mensch ist ein selbstbewusstes und sich selbst beherrschendes Wesen, geschaffen nach dem Ebenbild seines Schöpfers und befähigt zu freien moralischen Entscheidungen zwischen Gut und Böse.

Die Gemeinschaft des Menschen mit Gott

Im Anfang waren Gott und Mensch Freunde. Sie gingen mit­einander und sprachen miteinander. Sie entwickelten große Pläne, wie dieser Planet bevölkert und entwickelt werden könne. Der Planet Erde war dazu ausersehen, Gottes Herrlich­keit vor dem ganzen Universum darzustellen. Er sollte das Zentrum der Handlungen Gottes sein in seiner Gemeinschaft mit den Menschen.

Es ist ganz offensichtlich, daß Gott die Gemeinschaft mit seinem Geschöpf, dem Menschen, wollte. So war der Mensch geschaffen zu einem großen Zweck, mit einer hohen Bestimmung. Der Mensch sollte Gottes engster Freund sein, sein Partner in der Pflege und Entwicklung der Erde.

Gott schuf den Menschen nicht als eine Maschine. Der Mensch war kein Roboter. Er war ein »Ich«. Er besaß Würde. Er konnte wählen, ob er die Freundschaft und Gemeinschaft Gottes wollte oder nicht. Gott wollte sein Geschöpf dazu nicht zwingen. Er wollte die Liebe und Gemeinschaft des Men­schen, der sich frei entschied, Gott zu lieben.

So hat Gott von Anfang an die Liebe und Freundschaft des Menschen erprobt. Darum hat er auch den Baum in den Gar­ten gesetzt. Er sagte: »Von allen Bäumen im Garten darfst du essen, nur von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen darfst du nicht essen; denn sobald du davon issest, musst du sterben« (1. Mose 2,16). Gott wollte den Men­schen mit dem »Baum des Lebens« belohnen, wenn er gehor­sam war, aber für den Ungehorsam drohte er mit der Todes­strafe.

Gott in der Mitte haben bedeutet Leben, innere Kraft und Frieden, tiefe Befriedigung und unvergängliche Freude, die nur jene kennen, die Christus kennen. Mit ihm können sogar die Nöte und Leiden des Lebens zum Mittel dieser inneren Freude werden, die selbst im Leid jubiliert.

»Ohne Christus wissen wir nicht, was unser Leben wirklich ist, noch unser Tod, noch Gott, noch wir selbst«, schrieb Pas­cal. Mit Jesus Christus können wir es wissen.

 

7. DIE FATALE KRANKHEIT DES MENSCHEN

Jede Zeitung oder Zeitschrift, die wir aufschlagen, liefert Beweise für das Kranksein der Menschen ‑ Haß, Lüsternheit, Gier, Selbstsucht tun sich täglich tausendfach kund. Allein die Tatsache, daß wir Polizisten, Gefängnisse und Soldaten haben, ist ein Beweis dafür, daß irgend etwas ganz falsch ist. Paulus spricht von der Krankheit des Menschen als von dem »Ge­heimnis der Sünde«.

Was ist Sünde? Um es einfach zu sagen, Sünde ist alles, was dem Willen und Gesetz Gottes widerspricht.
Die schwierige Frage ist, wo kommt das Böse und die Sünde her und warum hat Gott es zugelassen?

Die Bibel lehrt, daß die Sünde nicht bei dem Menschen begonnen hat, sondern bei dem Engel, den wir als Satan kennen. Genau ist der Ursprung der Sünde nicht bekannt. Nur hier und da bekommen wir ei­nen Einblick in die Antwort der Bibel auf dieses Rätsel. So finden wir in Hesekiel die Beschreibung eines großen, herrli­chen Wesens, von dem der Prophet sagt:

»Dem schützenden Cherub gesellte ich dich bei auf dem heiligen Gottesberg . . . du wandeltest unsträflich in deinen Wegen von dem Tage dei­ner Erschaffung an, bis Unrecht an dir erfunden ward« (Hes. 28, 14). In unbekannter Vergangenheit wurde in dem Herzen eines der großartigsten Geschöpfe des Himmels Sünde gefunden. Wie die Sünde dorthin geriet, wird uns nicht ge­sagt.

Im Buch Jesaja haben wir einen anderen Hinweis auf den Ursprung des Bösen:

»Wie bist du vom Himmel gefallen, du strahlender Morgenstern! Wie bist du zu Boden geschmettert, du Besieger der Völker! Du hattest bei dir gesprochen: Zum Himmel empor will ich steigen, hoch über den Sternen Gottes aufrichten meinen Sitz, will thronen auf dem Götterberg im äußersten Norden! Ich will über Wolkenhöhen emporsteigen, dem Höchsten mich gleichstellen. Doch ins Totenreich wirst du hinabgestürzt, in der Grube tiefsten Grund« (Jes. 14, 12­-15).

Hier war die Sünde Luzifers, die in seinem Herzen ge­funden wurde, aber es wird nicht erklärt, wie sie dort hinge­raten war.

Aufruhr gegen Gott

Sünde ist Aufruhr gegen Gott. Es ist das Aufrichten einer fal­schen Unabhängigkeit, statt des »Lebens für Gott« ein »Le­ben für sich selbst«.

Wenn wir fragen, wie die Sünde in die Menschheit geraten ist, wird die Bibel weit ausführlicher. Sie lehrt, daß die Sünde mit all ihren weltweiten Auswirkungen durch die Tat eines Menschen in die Welt kam. Dieser eine Mensch war Adam, und diese seine Tat war das Nehmen der Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, was Gott verboten hatte (Röm. 5, 12‑19; 1. Mose 3, 1‑8; 1. Tim. 2, 13) Gott gab dem Menschen das Geschenk der Freiheit. Der Mensch konnte wählen, entweder Gott zu dienen und ihn zu lieben, oder aber gegen ihn aufzubegehren und zu versuchen, seine Welt ohne Gott zu bauen. Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bö­sen diente zur dreifachen Prüfung.

Es bestand aber bereits ein Bruch in der Schöpfung in der Person Satans, der ein Engelfürst war. Von dieser bösen Quelle her kam die Ver­suchung des Menschen.

Viele Jahr­hunderte später stand Christus vor der gleichen dreifachen Versuchung in der Wüste. Er behielt den Sieg und zeigte da­mit, daß es dem Menschen möglich ist, den Verlockungen des Daseins zu widerstehen (Matth. 4, 1‑11). 

Nach der Bibel ist also das Hauptproblem des Menschen geistlicher Art. Gott bot ihm Herrschaft und Macht an, wenn er sich dem göttlichen Gesetz unterwarf. Satan bot ihm Erkenntnis und Gottgleichheit an, wenn er Gott nicht gehorchen würde. Obgleich der Lohn des Gehorsams den des Ungehorsams weit überwog, entschied sich der Mensch dennoch zum Ungehorsam.

Was war das Ergebnis? Satan hatte dem Menschen die Er­kenntnis des Guten und Bösen versprochen, und verdreht hat er auch Wort gehalten. Tatsächlich erkannte der Mensch durch seine Sünde, was böse ist und was gut gewesen wäre. Da er mit Absicht sündigte, mußte er nun auch vom Baum des Le­bens abgetrennt werden. So trat der geistliche Tod in die Menschheit ein, und die Hölle, die Trennung von Gott, fing im Paradies an.

Sowohl Satan als auch Adam hatten Gottes Gesetz heraus­gefordert. Sie haben nicht das Gesetz, sie haben sich selbst an dem Gesetz zerbrochen. Wie Gott gewarnt hat: » . . . denn so­bald du davon ißt, mußt du sterben« (1. Mose 2, 17). Das Er­gebnis war der Tod, wie vorausgesagt. Das Leben der Schön­heit, der Freiheit und der Gemeinschaft, wie Adam es gekannt hatte, war vorbei. Seine Sünde führte zu einem lebendigen Tod. Die Natur wurde verflucht, und das Gift der Sünde infi­zierte die gesamte Menschenfamilie. Die ganze Schöpfung wurde in Unordnung gebracht. Das geschenkte Paradies war verloren; die Erde ein Planet in Rebellion.

Was ist Sünde?

Mehrere Wörter im Neuen Testament werden mit »Sünde« übersetzt. Eins der häufigsten ist »hamartia«. Es bedeutet »Zielverfehlung«. Da nicht einer von uns in der Lage ist, alle Gesetze Gottes zu allen Zeiten zu erfüllen, sind wir alle sol­che, »die das Ziel verfehlen«. Die Bibel sagt bereits über den Anfang des Menschengeschlechts: »Alles Fleisch hatte seinen Wandel verderbt auf Erden« (1. Mose 6, 12). Nach König David: »Alle sind sie entartet und miteinander verdorben; kei­ner ist, der Gutes tut, auch nicht einer« (Ps. 14, 3). Jesaja, der Prophet, bekannte: »Wir alle irrten umher wie Schafe, wir gingen jeder seinen eigenen Weg« (Jes. 53, 6). Und König Salomo erklärte: »Denn es ist kein Mensch, der nicht sündigt« (2. Chron. 6, 36).

Entscheidung zur Sünde 

Wenn wir das Alter der Zurechnungsfähigkeit erreicht haben und vor die Wahl zwischen Gut und Böse gestellt werden, entscheiden wir uns alle irgendwann einmal bewußt zum Zorn, zur Lüge, oder zu einem selbstsüchtigen Akt. » In der ganzen Welt«, sagte ein Löwenbändiger, »gibt es keinen zah­men Löwen. Der Löwe kann sich heute sehr gut benehmen, und morgen ist er ein wütender Wirbelwind.« Niemand von uns kann seinem Herzen wirklich trauen. Die Bibel drückt das sehr anschaulich folgendermaßen aus: »Die Sünde lauert vor der Tür« (1. Mose 4, 7). Sind nur die rechten Voraussetzun­gen gegeben, dann ist jeder von uns fast jeder Sünde fähig.

Ein Mensch kann durchaus gute sittliche Eigenschaften ha­ben. Er kann ein Gentleman im wahrsten Sinne des Wortes sein. Doch sagt die Bibel, daß jedem Menschen die Liebe zu Gott fehlt, die die Grundforderung des Gesetzes ist, das heißt, er zieht sein Ich Gott vor.

Die Folgen der Sünde

Die Bibel lehrt, daß die Sünde den Verstand beeinflußt. »Ein natürlicher Mensch aber nimmt die Dinge, die des Geistes Got­tes sind, nicht an . . . und er kann sie nicht erkennen, weil sie geistlich beurteilt werden müssen« (1. Kor. 2, 14). Ein Mensch mag in anderen Dingen genial sein und von geistlichen Din­gen nicht die geringste Ahnung haben. Die Bibel sagt, daß sich ein Schleier über seinem Verstand befinde. Bevor er zu Chri­stus bekehrt werden kann, muß dieser Schleier gelüftet wer­den. Dies geschieht durch die Kraft des Heiligen Geistes. Das Evangelium von Jesus Christus ist nicht antiintellektuell. Es verlangt sogar den Gebrauch des Verstandes, aber der Ver­stand ist von der Sünde beeinflußt. Er dient einem aufrühreri­schen Willen. Schließlich aber muß ein Mensch seinen Ver­stand der Herrschaft Christi unterordnen. Während der ver­gangenen Jahre habe ich zahllose Intellektuelle beobachtet, die sich dem Evangelium öffneten. Viele von ihnen haben es zu­erst mit dem Kopf versucht. Aber das funktionierte nicht. Der ganze Mensch ‑ Verstand, Wille und Gefühl ‑ muß sich der rettenden Initiative Gottes öffnen.

Die Bibel sagt auch, daß die Sünde den Willen beeinflußt. Jesus sagt: »Jeder, der Sünde tut, ist der Sünde Knecht« (Joh. 8, 34). Zahllose Menschen leben unter der Tyrannei des Stol­zes, des Neides, der Selbstsucht, oder sie leben vielleicht auch in den Fesseln des Alkohols, der Beruhigungsmittel und Nar­kotika. Wieder andere tun Dinge, die sie nicht tun wollen und können es nicht lassen. Sie sind Sklaven geworden. Sie schreien nach Freiheit, scheinbar vergebens. Christus sagte: »Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen« (Joh. 8, 32). Er ist die Wahrheit. Er kann frei machen.

Die Sünde beeinflußt auch das Gewissen. Die Bibel spricht von dem Betrug der Sünde. Wenn man einen Frosch in heißes Wasser setzt, wird er sofort herausspringen. Setzt man aber den Frosch in lauwarmes Wasser und erhitzt es langsam, kann man ihn zu Tode kochen, ohne daß er herausspringt. Genauso ist es mit der Sünde. Es gab eine Zeit, wo wir noch von gewis­sen Sünden beunruhigt wurden und ein schlechtes Gewissen hatten, etwa als wir in der Schule abschrieben. Aber jetzt plagt uns das Gewissen kaum noch. Ein rationalistisches System hält das Gewissen ruhig. Im ersten Kapitel des Römerbriefes schreibt der Apostel Paulus, daß »Gott sie dahingegeben ha­be«, weil die Menschen sich ihren Sünden ausgeliefert hatten.

Dies ist eins der schrecklichsten Ergebnisse der Sünde. Schwarz wird weiß genannt und weiß schwarz. Man weiß nicht mehr den Unterschied zwischen Gut und Böse. Ich habe Menschen kennengelernt, die notorische Lügner waren. Sie haben so lange gelogen, daß sie gar nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden konnten.

Die Totalität dieser Infektion wird in jedem Teil der Bibel geschildert. Sie spiegelt sich auch in jeder Zeitung, die wir lesen, in jedem Radio‑ und Fernsehprogramm, das wir hören. So wird also der Mensch als vollständig verderbt beschrieben. Das heißt nicht, daß er vollständig sündig und hoffnungslos und unverbesserlich schlecht sei, ohne jeden Funken Gutes. Es heißt, daß die Sünde das gesamte Leben des Menschen infi­ziert, seinen Verstand verdunkelt, seinen Willen geschwächt und seine Gefühle verkehrt hat. Er ist Gott entfremdet wor­den und braucht Wiederherstellung.

Der Tod

Die Bibel sagt: ». . . wie den Menschen bevorsteht, einmal zu sterben, dann aber . . .« (Hebr. 9, 27). Die Bibel lehrt, daß »al­les seine bestimmte Stunde habe . . . geboren werden . . . und sterben . . .« (Pred. 3, 2). So erklärt die Bibel ganz eindeutig, daß Gott bereits für jeden Menschen eine Ver­abredung mit dem Tod getroffen hat. An vielen Stellen spricht die Bibel von der Kürze des Lebens, daß es sei »wie ein Ge­schwätz« ‑ Das ist der Tod, den wir alle vor Augen haben. Doch nicht ihn starb Adam, »sobald du davon issest«. Gott verbannte Adam aus seiner Nähe. So­bald du von Gott getrennt bist, »mußt du sterben«. So starb Adam. So starb Jesus mit dem Schrei: ». . . warum hast du mich verlassen!«, damit wir leben können.

Es gibt noch einen dritten Tod. Er kommt auf den Men­schen zu. Wenn Jesus davon spricht, warnt er: ». . . und diese werden in die ewige Strafe gehen . . .« (Matth. 25, 46). Jesus sagte auch: »Der Sohn des Menschen wird seine Engel aus­senden, und sie werden aus seinem Reich alle sammeln, die ein Ärgernis sind, und die, welche tun, was wider das Gesetz ist, und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heu­len und Zähneknirschen sein« (Matth. 13, 41‑42).

Die biblische Lehre besagt also, daß der Mensch sich verän­dert hat, daß er etwas ist, was er gar nicht sein sollte. Das verlangt nach Wiederherstellung, und diese Wiederherstel­lung muß radikal sein. Sie muß dem Men­schen eine neue Richtung geben.

Die Notwendigkeit einer geistlichen Wiedergeburt ist selbst dem oberflächlichen Betrachter offenbar. Die Wiederherstel­lung des Menschen muß da beginnen, wo er gefallen ist. Er hat sein Ich erwählt statt Gott. Wenn er wiederhergestellt werden will, muß er Gott wählen. Der Mensch lebt unter dem Todesurteil. Dieses Urteil kann nur aufgehoben werden, wenn er durch einen freien Akt seines eigenen Willens die vollstän­dige Umkehrung seiner ursprünglichen Wahl vornimmt.

Der erste Hinweis auf das Evangelium steht in 1. Mose 3, 15: »Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nach­wuchs: er wird dir nach dem Kopfe treten, und du wirst ihm nach der Ferse schnappen.« Das ist die erste Verheißung der Errettung! Zum erstenmal spricht Gott von seinem Sohn, in dessen Erlösungstat Satans Kopf zertreten werden wird.

So bereitet Gott vor, wozu der Mensch völlig machtlos ist ‑ seine Errettung. Alle moralischen Kräfte des einzelnen und alle sozialen Formen der Gemeinde erweisen sich als unzurei­chend, die Errettung durch Gott in Christus ist der einzige Weg zur Erlösung des Menschen.

G. K. Chesterton sagte vor einer Generation: »Das christli­che Ideal ist nicht erprobt und für mangelhaft befunden wor­den, es wurde für schwierig befunden und darum gar nicht erst erprobt.«

Das Heilmittel der Erlösung

Von Anfang an hat der Mensch versucht, das Heilmittel für seine Krankheit, die Sünde, selbst herzustellen. Aber nur Gott kann die Diagnose der Krankheit des Menschen recht stellen und nur er kann auch das Heilmittel beschaffen. Und Gott er­wählte das Blut als das Mittel zur Erlösung des Menschen. Der Apostel Johannes schrieb, daß Jesus Christus »uns durch sein Blut von unsern Sünden erlöst hat« (Offb. i, 5).

Blut ist hier das Symbol des Lebens, das für die Sünde ge­opfert wurde. »Denn die Seele des Fleisches ist im Blute, und ich habe es euch für den Altar gegeben, daß man euch damit Sühne erwirke; denn das Blut ist es, das durch die in ihm wohnende Seele Sühne erwirkt« (3. Mose 1.7, ii). Durch das ganze Alte Testament hindurch wird berichtet, daß Gott als Opfer für die Sünde das Leben eines fehlerfreien Tieres for­derte, dessen Blut auf dem Altar vergossen werden mußte. Diese Opferungen wurden vorgenommen im Hinblick auf den Tag, an dem ein bleibendes Opfer vollbracht werden würde. »Durch sie erfolgt alljährlich eine Erinnerung an die Sünden. Denn unmöglich kann Blut von Rindern und Böcken Sünde hinwegnehmen« (Hehr. 10,3. 4).

Als Jesus Christus (Gott war in Christus) sein Blut am Kreuze vergoß, lieferte er sich dem Tode aus als ein ewig gül­tiges Opfer für die Sünde des Menschen. Ein für allemal sorg­te Gott in vollständiger und vollkommener Weise für die Hei­lung der Sünde des Menschen; ohne das Blut Christi ist sie tatsächlich eine tödliche Krankheit.

Als Jesus zum letzten Abendmahl mit seinen Jüngern zu­sammensaß, sagte er: »Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden« (Matth. 26, 28).

Die Apostel bestätigen dies wiederholt:

Paulus schrieb: ». . . in diesem haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Übertretungen . . .« (Eph. 1, 7).

Petrus schrieb: »Ihr wißt ja, daß ihr nicht mit vergängli­chen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid von eurem nichtigen Wandel, der euch von den Vätern her überliefert war, sondern mit dem kostbaren Blute Christi als eines untadeligen und unbefleckten Lammes« (1. Petrus 1, 18. 19).

Johannes schrieb: »Das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde« (1. Joh. 1, 7).

Jeder Mensch muß seine Wahl treffen zwischen den zwei Wegen ‑ dem Weg des Menschen oder dem Weg Gottes. Der eine ist die Bemühung, sich selbst zu heilen und seine eigene Erlösung zu erwirken, der andere Weg ist die Rechtfertigung durch den Glauben an das Blut Jesu Christi.

 

8. WIE SPRICHT GOTT?

Wenn ein Raumfahrzeug von seinem Raumflug zurückkehrt, muß es durch eine sogenannte black‑out‑Periode von etwa vier Minuten Dauer, in denen alle Funkverbindungen unter­brochen sind. Das kommt durch die ungeheure Hitze, die bei der Rückkehr des Raumfahrzeugs in die Erdatmosphäre ent­steht.

Die Bibel lehrt uns, daß sich der Mensch auch in einer geist­lichen black‑out‑Periode befindet. Geistlich gesehen, ist er blind. »Wir tappen wie die Blinden an der Wand, wie ohne Augen tasten wir; wir straucheln am Mittag wie in der Däm­merung, sitzen im Finstern wie die Toten« (Jes. 59, 10).

Geistlich gesehen, ist der Mensch auch taub. ». . . das wi­derspenstige Geschlecht, das . . . Ohren hat zu hören und doch nicht hört« (Hes. 12, 2). Jesus ging sogar so weit zu sagen: »Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht gewinnen lassen, wenn einer von den To­ten aufersteht« (Luk. 16, 31).

Geistlich gesehen, ist der Mensch sogar tot. ». . . die ihr tot wart durch eure Übertretungen und eure Sünden . . .« (Eph. 2, 1).

Es gibt also eine wunderbare Welt der Freude, des Lichts, der Harmonie, des Friedens und der Zufriedenheit, für die Millionen von Menschen blind, taub, ja sogar tot sind. Sie sehnen sich nach Heiterkeit, sie suchen nach Glück, aber sie scheinen es niemals zu finden.

Während der ganzen Zeit aber spricht Gott und ruft Gott. Der Fernseher mag im Zimmer stehen, kalt, dunkel und leb­los. Aber das liegt nicht an der Fernsehindustrie. Sie strahlt ihre Programme aus, und ihre Sendestationen sind vollstän­dig in Ordnung. Sie müssen Ihren Fernseher einstellen. Sie müssen ihn auf den richtigen Kanal schalten. Gott sendet seine Botschaft der Liebe ebenso. Aber Sie müssen einschalten und bereit sein zuzuhören, seine Botschaft zu empfangen und ihr dann zu gehorchen.

Viele Menschen wollen gerne hören, was Gott sagt, aus reiner Neugierde. Sie möchten es dann untersuchen und in ihren eigenen Reagenzgläsern auseinanderpflücken. Für diese Men­schen wird Gott weiterhin der große kosmische Unbekannte »irgendwo draußen« bleiben. Er nimmt nur Verbindung auf mit denen, die bereit sind, auf ihn zu hören, ihn zu empfan­gen und ihm zu gehorchen. Jesus sagte, daß wir so demütig wie kleine Kinder werden müssen, und Gott hat sich häufig gerade den Schwachen und Demütigen geoffenbart ‑ einem Hirtenjungen David, einem rauhen Wüstenprediger Johannes dem Täufer, den Hirten, die auf ihre Herde aufpaßten, einem Mädchen namens Maria.

 Wie spricht Gott? Wie kann ein blinder Mensch sehen? Wie kann ein tauber Mensch hören?

Von Anfang an sprach Gott zum Menschen. Adam hörte die Stimme des Herrn im Garten Eden. Abel hörte sie, und seine Antwort zeigt, daß auch ein Mensch, der von der Sünde gezeichnet ist, hören kann. So fing Gott schon ganz am An­fang an, durch Offenbarung eine Brücke zwischen ihm selbst und dem Menschen zu bauen.

Die Offenbarung in der Natur

»Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkün­digt das Werk seiner Hände. Ein Tag sagt es dem andern, und eine Nacht tut es der andern kund, ohne Sprache, ohne Worte, mit unhörbarer Stimme« (Ps. z9, 2‑q.). Die Natur spricht ihre eigene Sprache, wenn sie von der Existenz Gottes redet. Vor einiger Zeit sagte mir ein Wissenschaftler, er müsse einfach an Gott glauben, wenn er ernsthaft nachdächte über die majestä­tische Ordnung des Universums und seine unwandelbaren Ge­setze. Ihm war klargeworden, daß Gott durch die Natur spricht.

Als mein Sohn Ned geboren wurde, durfte ich während der Entbindung dabei sein. Unmittelbar vor der Geburt blickte mich der Doktor an und sagte: »Ich habe Tausende von Babys entbunden, aber noch nie habe ich aufgehört, über das Wun­der der Geburt immer zu staunen. Wie jemand die Existenz Gottes ableugnen kann, wenn er so etwas gesehen hat, ver­stehe ich nicht.«

Wenn die menschlichen Erkenntnisse in unserer Zeit gewal­tige Sprünge voran machen, dann bedeutet das nicht Entdec­kung neuer Dinge, es heißt nur, daß sich unser Verständnis erweitert hat und unsere Fähigkeit, das anzuwenden, was be­reits vorhanden ist. Der Mensch entdeckt immer wieder Wel­ten, die neu sind für ihn, aber nicht neu für Gott. Die Statisti­ken der Astronomie wecken in uns Ehrfurcht. Der Raum des Universums ist so groß, daß man schätzt, daß es mehr als eine Milliarde Milchstraßen gibt. Diese Milchstraßen sind im Durchschnitt zwanzigtausend Lichtjahre lang, und viele von ihnen sind mehr als zwei Millionen Lichtjahre entfernt. Das zu begreifen ist für unseren Verstand unmöglich.

Sieht man in ein Mikroskop, so entdeckt man ein anderes Universum, das so klein ist, daß nur das Elektronenmikroskop es überhaupt finden kann. Die Wissenschaftler erkennen, daß die Miniaturwelt einer einzigen lebenden Zelle genauso er­staunlich ist wie der Mensch selbst.

Die Offenbarung im Gewissen

Das Gewissen wurde als das Licht der Seele beschrieben. Es ist unser zartester Ratgeber und Lehrer, unser treuester Freund, und manchmal unser ärgster Feind. Keine Strafe und keine Belohnung sind vergleichbar mit denen des Gewissens. Die Schrift sagt: »Des Menschen Gewissen ist die Leuchte des Ewigen« (Sprüche 20, 27). In sei­ner »Kritik der reinen Vernunft« sagte Immanuel Kant, daß es zwei Dinge gebe, die ihn mit Ehrfurcht erfüllten ‑ der ge­stirnte Himmel und das Gewissen in der Brust des Menschen.

Das Gewissen legt mit seinen verschiedenen Graden der Empfindlichkeit Zeugnis für Gott ab. Es ist ein Spiegel Gottes in der Seele des Menschen. Ohne Gewissen wären wir wie ein Schiff ohne Ruder mitten auf See oder wie eine Fernlenkra­kete ohne Lenksystem.

Die Offenbarung in der Schrift

In der Offenbarung, der Bibel, hat Gott gesprochen. Und die­ses gesprochene Wort hat noch jede Kritik einer menschlichen Feder überlebt. Es hat den Angriffen der Skeptiker, der Agno­stiker, der Atheisten standgehalten. Es hat niemals vor den Erfindungen der Wissenschaft kapitulieren müssen. Es bleibt überlegen in seiner Offenbarung der Erlösung. Je mehr die Archäologen ausgraben und je mehr die Wissenschaftler ent­decken, um so stärker ist die Wahrheit der Bibel bestätigt.

Die Schreiber der Bibel erheben wiederholt den Anspruch, daß Gott ihnen ihren Stoff gab. Zweitausendmal heißt es al­lein im Alten Testament, daß Gott sprach. In den ersten fünf Büchern finden wir folgende Ausdrücke:

»Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm«
»Der Herr sagte zu Noah«
»Gott sprach zu Israel«
»Dies sind die Worte, die der Herr gesprochen hat«
»Der Herr redete und sprach«
»Das Wort des Herrn«

Immer und immer wieder gebrauchten die Propheten des Alten Testaments folgende Aussprüche:

»Höre das Wort des Herrn«
»So spricht der Herr«
»Ich hörte die Stimme des Herrn«
»Das Wort des Herrn geschah zu mir«

Entweder sprach Gott zu diesen Männern, oder sie sind die konsequentesten Lügner, die die Erde je gesehen hat. Mehr als zweitausendmal über ein Thema zu lügen, scheint un­glaublich. Und mehr als zweitausendmal haben die Schreiber der Bibel gesagt, daß Gott diese Worte gesprochen habe!

Jesus zitierte häufig das Alte Testament. Er hat niemals zum Ausdruck gebracht, daß er an der Schrift zweifelte. Die Apostel führten ständig die Schrift an. Paulus sagte: »Alle Schrift, von Gott eingegeben, . . .« (2. Tim. 3, 16). Petrus sagte: »Denn niemals ist eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht worden, sondern durch den Heiligen Geist getrieben, haben Menschen von Gott aus geredet« (2. Petr. 1, 21).

So spricht Gott zum Menschen durch die Schrift. Darum ist es so wichtig, daß man sie selber liest. Viele bekommen die Bibel nur aus zweiter Hand und haben daher ein Zerrbild des­sen, was sie sagt, nur ungefähre Vorstellungen über ihre Leh­ren. Auf Universitäten und Colleges bin ich immer wieder er­staunt darüber, wie wenig die Studenten von den wirklichen Lehren der Bibel kennen. Sie meinen sie zu kennen, aber das ist nicht der Fall.

Die Offenbarung in Jesus Christus

Schließlich spricht Gott in der Person seines Sohnes Jesus Christus. ». . . hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet durch den Sohn« (Hebr. 1, 2). Die Vorstellung, daß Gott ei­nes Tages diesen Planeten besuchen würde, ist alt, wahrschein­lich ein mündliches Überbleibsel der ursprünglichen Offenba­rung Gottes an Adam, als er die Errettung verhieß (1. Mose 3, 15). Ganz ungefähre Bezugnahmen darauf finden wir in den meisten Weltreligionen. Das zeigt uns, daß der Mensch irgendwann einmal gehört hat, Gott werde die Erde besuchen. Doch erst »als die Zeit erfüllet war«, als alle Voraussetzungen gegeben waren, »sandte Gott seinen Sohn, von einem Weibe geboren« (Gal. 4, 4).

An diesem ersten Weihnachtsabend in Bethlehem »ist Gott geoffenbart worden im Fleisch« (1. Tim. 3, 16). Diese Offen­barung geschah in der Person Jesu Christi. Die Bibel sagt über ihn: »denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leib­haftig« (Kol. 2, 9). Dies ist die vollständige Offenbarung, die Gott der Welt gab. Wenn du wissen willst, wie Gott ist, dann blicke nur aufmerksam auf Jesus Christus. In ihm wird nicht nur die Vollkommenheit all dessen dargestellt, was es bereits in der Schöpfung gab ‑ Weisheit, Vollmacht, Majestät ‑, son­dern auch die Vollkommenheit der Gerechtigkeit, der Barm­herzigkeit, der Gnade und der Liebe. »Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns« (Joh. 1,14).

Seinen Jüngern sagte Jesus: »Glaubet an Gott und glaubet an mich« (Joh. 14, 1). Diese Glaubensfolge ist unvermeidlich. Wenn wir an das glauben, was Gott machte und was Gott sagte, werden wir auch an den glauben, den Gott sandte.

Wir werden nicht aufgefordert, alles zu verstehen, aber wir werden aufgefordert zu glauben. »Diese aber sind aufgeschrie­ben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr dadurch, daß ihr glaubt, in seinem Namen Leben habt« (Joh. 20, 31).

Jede Hoffnung auf Gott, jede Aussicht auf das ewige Le­ben, jede Erwartung des Himmels, jede Möglichkeit einer so­zialen Ordnung ‑ alles ist an Jesus Christus gebunden. Wenn wir zu Jesus Christus kommen, lernen wir Gott selbst kennen. Unser begrenztes, verdunkeltes Leben empfängt das Licht aus der ewigen Gegenwart Gottes, und wir erkennen, daß es noch eine andere Welt gibt, jenseits der Verwirrung, der Begren­zung und Verzweiflung dieser Welt.

 

9. DER UNAUSWEICHLICHE CHRISTUS

Eine der entscheidendsten Fragen an jeder Universität lautet: »Wie stehst du zu Jesus Christus?« Der moderne Student kann ihm nicht ausweichen. Er muß sich klar werden, ob Christus und sein Evangelium tatsächlich etwas bedeuten, ob er in die­ser modernen Zeit etwas zu sagen hat. Was wir über Christus denken, beeinflußt unser Denken und bestimmt unser Handeln.

Geschichte, Philosophie, Theologie, sogar die Naturwissen­schaften werden befragt, was sie über Jesus Christus zu sagen haben. Die Berichte der ersten Christen werden genau auf ihr Zeugnis über ihn untersucht. Archäologen graben nach wei­teren Entdeckungen. Was D. S. Cairns im ersten Teil dieses Jahrhunderts sagte, bleibt auch für die letzten Dekaden rich­tig: »Die historische Persönlichkeit Jesu hat sich fast mit der Kraft einer neuen Offenbarung in das Bewußtsein der Kirche gehoben. Es stimmt, daß dieses Jahrhundert die große Per­sönlichkeit sieht wie noch kein Jahrhundert vorher.«

Manche sagen, Jesus Christus sei ein Mensch gewesen, bei dessen Geburt nichts Übernatürliches geschehen sei und seine Auferstehung sei nur eine Halluzination der Apostel gewe­sen. Andere sprechen von einem christuslosen Christentum. Sie sagen, was man über das Christentum denkt, habe nichts mit dem historischen Christus zu tun. Sie irren sich!

Das Christentum ist für immer mit der Person Christi ver­bunden. Carlyle hat dies auch erkannt, wenn er sagt: »Wäre die Lehre von der Göttlichkeit Christi verlorengegangen, dann wäre das Christentum verschwunden wie ein Traum.« Lecky sagt dazu: »Das Christentum ist kein moralisches System. Es ist die Anbetung einer Person.«

Wenn religiöse Führer die Berührungspunkte zwischen dem Christentum und den nichtchristlichen Religionen suchen, wird die Frage nach der Person Christi ganz besonders wich­tig. Das Christentum wird heute wie nie zuvor mit anderen Religionen verglichen. Selbst manche christlichen Führer sind für Synkretismus, für die Erarbeitung eines moralischen Systems, das alle Religionen der Welt zusammenbringen könn­te. Viele sind bereit, einige Lehren der Bibel dafür aufzugeben.

Die Einzigartigkeit Christi

Was ist denn am Christentum so anders? Was brachte es in die Welt, was nicht schon vorher dagewesen wäre? Die Einzigartigkeit Christi, die überlegene Offenbarung Gottes! »Denn Gott versöhnte in Christus die Welt mit sich selber« (2. Kor. 5, 19). Das ist die zentrale Tatsache unseres christli­chen Glaubens.

Etwa siebenhundert Jahre vor Christi Geburt sagte der Pro­phet Jesaja: »Siehe, das junge Weib ist schwanger und gebiert einen Sohn« (Jes. 7, 14). Die Schrift lehrt, daß Jesus Christus keinen menschlichen Vater hatte. Wenn er einen menschlichen Vater gehabt hätte ‑ »was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch« (Joh. 3, 6) ‑, dann hätte er alle Sünden und Schwächen ererbt, die wir Menschen haben. Aber er wurde nicht auf natürliche Weise empfangen, sondern durch den Heiligen Geist, der die Jungfrau Maria überschattete. Jesus Christus steht als der eine Mensch da, der rein aus der Hand Got­tes kam. Er konnte sagen: »Wer unter euch überführt mich einer Sünde?« (Joh. 8, 46). Er war der einzige Mensch seit Adam, der sagen konnte: »Ich bin rein.«

Die Göttlichkeit Christi

Jesus Christus war der einzigartige, göttliche eingeborene Sohn Gottes. Niemand wurde jemals das, was Jesus war, weil nie jemand so geboren worden war wie er.

Vom Anfang bis zum Ende bezeugt das Neue Testament die Göttlichkeit Jesu Christi. Der Apostel Thomas nannte ihn »Mein Herr und mein Gott« (Joh. 20, 28).

Er hat göttliches Leben. »In ihm war Leben« (Joh. 1, 4). »Ich bin . . . das Leben« (Joh. 14, 6). Er ist unwandelbar. »Je­sus Christus ist gestern und heute derselbe und in Ewigkeit« (Hebr. 13, 8).

Er ist die Wahrheit. »Ich bin . . . die Wahrheit« (Joh. 14, 6).

Er ist heilig. »Daher wird auch das Heilige, das gezeugt wird, Gottes Sohn genannt werden« (Luk. 1, 35). »Wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Heilige Gottes bist« (Joh. 6, 69). ». . . heilig, frei vom Bösen, unbefleckt, von den Sün­dern geschieden« (Hebr. 7, 26).

Er war lange bevor die Zeit begann. »Ehe denn Abraham war, bin ich« (Joh. 8, 58). ». . . er ist vor allem« (Kol. 1, 17). »Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende« (Offb. 21, 6).

Ihm werden alle Taten Gottes zugeschrieben. ». . . einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn« (1. Kor. 8, 6). »Alles ist durch ihn und auf ihn hin ge­schaffen« (Kol. 1, 16). »Deiner Hände Werk sind die Him­mel« (Hebr. 1, 10).

Ihm wurde Anbetung und Verehrung zugewiesen wie sonst nur einer Gottheit. »Und anbeten sollen ihn alle Engel Got­tes« (Hebr. 1, 6). »Damit in dem Namen Jesu sich beuge jedes Knie . . . und jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus der Herr ist« (Phil. 2, 10). ». . . unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus! Ihm gebührt die Ehre, jetzt sowohl als am Tage der Ewigkeit« (2. Petr. 3, 18).

Er vergab die Sünden, etwas, was nur Gott tun konnte. »Damit ihr aber wißt, daß der Sohn des Menschen Macht hat, auf Erden Sünden zu vergeben . . . Stehe auf, hebe dein Bett auf und geh in dein Haus!« (Matth. 9, 6).

Zweimal im Johannes‑Evangelium bezeichnet Jesus sich selbst als den Sohn Gottes, in Kap. 9, 37 und 10, 30. Er tut es erneut in Mark. 14, 61. 62 und an vielen anderen Stellen. Das Evangelium des Johannes beginnt mit einer majestätischen Erklärung, die 1. Mose 1 entspricht: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.« Das besagt, daß er Gott gleich ist. Wiederum sagt Johannes: »Und ich habe gesehen und bezeugt, daß dieser der Sohn Got­tes ist« (Joh. 1, 34). Nathanael sagte: »Rabbi, du bist der Sohn Gottes« (Joh. 1, 49). Genau dasselbe sagt auch Johannes 3, 16 und 18 und 19, 7. Ganz eindeutig erhob Jesus selbst den Anspruch, Gottes Sohn zu sein, Gott bestätigte ihn darin, und Jesu Zeitgenossen hielten ihn ebenfalls dafür.

Wenn das Neue Testament rettenden Glauben verordnet, dann bindet es diesen Glauben an die Gottheit Christi. Am Ende des Johannes‑Evangeliums schreibt der Apostel: »Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Chri­stus, der Sohn Gottes ist und damit ihr dadurch, daß ihr glaubt, in seinem Namen Leben habt« (Joh. 20, 31).

 

Zwei Dinge sind hier äußerst wichtig.

Erstens, der Inhalt unseres Glaubens ist Jesus Christus.

»Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, daß Je­sus der Christus, der Sohn Gottes ist« (Joh. 20, 31).
Es wird ausdrücklich betont, daß »Jesus sei Christus, der Sohn Gottes«. Das ist die höchste Offenbarung über Jesus. Der Inhalt des rettenden Glaubens ist nicht eine bestimmte Wahrheit, Glaubensbekenntnis genannt, obgleich Glaubens­bekenntnisse sehr wichtig sind. Der Inhalt des Glaubens ist eine Person ‑ Jesus Christus. Diese Person ist nicht nur die historische Person, die wir als Jesus Christus kennen, sondern es ist die prähistorische und posthistorische Person Jesus Chri­stus, bekannt als der Sohn Gottes! Er ist »gestern und heute derselbe und in Ewigkeit« (Hebr. 13, 8).

Nach der Bibel müssen wir ihn als den Sohn des lebendigen Gottes »im Glauben« annehmen. Das klingt eng und intole­rant, und in einem gewissen Sinne ist es das auch. Manche unserer modernen Theologen würden nicht so weit gehen. Doch bei meinem langen Studium der Bibel bin ich zu dem Schluß gekommen, wir müssen glauben, daß Jesus der »Chri­stus sei, der Sohn des lebendigen Gottes«.

Als Jesus nach Hause zurückkehrte nach Nazareth, heißt es: »Und er vollbrachte dort nicht viele Machttaten um ihres Un­glaubens willen« (Mattb. 13, 58). Was war ihr Unglaube? Sie meinten, Joseph sei sein Vater und er nicht der Sohn Gottes.

Errettung ist ein Akt Gottes. Er wird von Gott eingeleitet und durchgeführt. Der Glaube, der errettet, wird gekennzeich­net als Glaube an Christus als den Sohn Gottes ‑ nicht als einen guten oder großen Menschen, sondern als den einzigar­tigen eingeborenen Sohn des lebendigen Gottes.

Der zweite wichtige Punkt in Joh. 20, 31 ist, daß die Wir­kung des Glaubenden an Jesus Christus »Leben« ist.
»Und damit ihr dadurch, daß ihr glaubt, in seinem Namen Leben habt.« Das Ergebnis eines solchermaßen richtig orien­tierten Glaubens wird als »Leben« beschrieben. Nach der Bibel ist der Mensch körperlich lebendig, aber geistlich tot. Die gan­ze Menschheit wird beschrieben als »tot in Übertretungen und Sünden« (Eph. 2, 1), d. h. sie sind tot Gott gegenüber, unfä­hig, wirkliches Leben hervorzubringen. Das kann nur von Gott getan werden. Sie können lediglich glauben und anneh­men. Hier wird von jenem Leben gesprochen, zu welchem Adam erschaffen war, das er aber wegen seiner Sünde verlor. Es ist das Leben, das Jesus hatte als der ewige Sohn Gottes. Dieses Leben wurde der ganzen Menschheit zugänglich ge­macht durch den Tod Christi am Kreuz. Er sagt: »Ich bin ge­kommen, damit sie Leben und reiche Fülle haben« (Joh. 10, 10). Das ist das Leben, das du haben kannst ‑ jetzt. Das ist »Christus in euch!« (nach Kol. 1, 27).

Die historische Wirklichkeit Christi

Das Leben Jesu war Gegenstand menschlicher Verehrung von den größten bis zu den geringsten Menschen. Ihre Einschät­zung Jesu schließt seine historische Wirklichkeit als Voraus­setzung ein. Rousseau sagte: »Wenn ein solches Leben wie das Christi erfunden worden wäre, wäre das ein noch größeres Wunder als das, das es war.« Ein anderer sagte: »Es hätte ei­nes Jesus bedurft, um einen Jesus zu gestalten.« Pascal schrieb: »Wir kennen Gott nur durch Jesus Christus. Ohne diesen Vermittler ist jede Verbindung zu Gott genommen.«

So ist also das ganze Christentum gegründet auf einer Per­son ‑ auf Jesus Christus. In Christus verkörpert sich das Evangelium. Er hat die höchsten Ansprüche erhoben ohne auch nur das geringste Anzeichen von Stolz und Ehrgeiz; da­gegen verriet er Einfachheit und die Autorität selbstverständ­licher Echtheit. Und wenn Jesus zu seiner eigenen Generation sprach, sagte er: »Denn wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben« (Joh. 8, 24).

Christus bezeichnet sich selbst als »das Licht der Welt«, als »der Weg, die Wahrheit und das Leben« und als »die Aufer­stehung und das Leben«. Er verspricht ewiges Leben jedem, der an ihn als den Erlöser glaubt. Als er angesichts des na­henden Todes und unter feierlicher Berufung auf den leben­digen Gott von einem religiösen Führer gefragt wurde: »Bist du der Christus, der Sohn Gottes?«, da antwortete er ruhig und bewußt: »Ja.« Dann sprach er von seiner herrlichen Wie­derkunft, gerade im Augenblick der tiefsten Erniedrigung. Und angesichts des offenbaren Triumphes der Mächte der Fin­sternis proklamierte er sich selbst als den göttlichen Herr­scher und Richter der Menschen (Matth. 26, 63-65).

Der Gott ‑ Mensch

Am Ende werden wir in dieser oder jener Form, zu diesem oder jenem Zeitpunkt vor die Frage gestellt werden: Was hältst du von Christus? Wessen Sohn ist er? Wir müssen auf diese Frage sowohl mit dem Glauben wie auch mit der Tat antworten. Wir müssen ihn annehmen oder ablehnen. Jesus machte es klar, wer er war, und warum er in diese Welt kam. Er fragte seine Jünger: »Für wen halten die Leute den Sohn des Menschen?« Sie gaben ihm viele menschliche Erklärungen. Dann fragte Jesus: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« Dar­aufhin antwortete Petrus mit der historischen Aussage: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes« (Matth. 16, 13‑16). Das ist der Gipfelpunkt des Glaubens. Dort muß eines jeden Glauben ruhen, wenn er auf Errettung hofft. An Christus kommt niemand vorbei.

 

10. DIE TORHEIT GOTTES

Als der Apostel Paulus nach Korinth ging, in die Stadt der In­tellektuellen, sagte er: »Denn ich beschloß, nichts unter euch zu wissen als Jesus Christus, und zwar als gekreuzigten« (1. Kor. 2, 2).

Für die Korinther war die Predigt vom Kreuz lächerlich und töricht. Aber Paulus sagt: »Denn das Törichte von seiten Got­tes ist weiser als die Menschen, und das Schwache von seiten Gottes stärker als die Menschen« (1. Kor. 1, 25). In dieser großen Weltstadt war das Kreuz Christi ein Stein des Ansto­ßes für die Kinder Israels ‑ und für die Heiden war es Tor­heit! Die intellektuellen Korinther verlangten nach etwas, das ihr Verstand begreifen könnte. Aber Paulus sagt, daß der na­türliche Mensch die Dinge Gottes nicht verstehen kann (1. Kor. 2, 14). Die Schrift lehrt, daß unser Verstand verfinstert ist, als Ergebnis unserer Trennung von Gott. Für einen »Außenstehenden« muß das Kreuz lächerlich und töricht erscheinen. Für diejenigen unter uns jedoch, die seine umwandelnde Kraft erfahren haben, ist es zum einzigen Heil­mittel geworden.

Vor langer Zeit fragte Paulus: »Wo ist ein Weiser? Wo ist ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortfechter dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Predigt die zu retten, die glauben« (1. Kor. 1, 20).

Das Sühnopfer

Durch den Tod Christi am Kreuz wurden Gott und Mensch wieder zusammengebracht. Wenn die Sünde des Menschen auf irgendeine Weise hätte vergeben werden können, hätte Gott seinen Sohn nicht an das Kreuz gehen lassen. Im Garten Gethsemane betete Jesus eine Nacht vor Golgatha: »Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber« (Matth. 26, 39). Aber es gab keinen anderen Weg. Und dann betete er: ». . . doch nicht wie ich will, sondern wie du willst« (Matth. 26, 39).

Die orthodoxe jüdische Religion wurde auf den Opferkult gegründet. Als Gott seinen Bund mit Israel schloß, demzu­folge er ihr Gott sein wollte (5. Mose 7, 6), wurde dieser Be­ziehung das Gesetz zugrunde gelegt. Aber das Volk konnte das Gesetz nicht halten. Das Gesetz wurde als eine Art Spiegel gegeben. Ich blicke in das Gesetz und sehe meine geistliche Situation. Ich sehe, wie ich es nicht schaffe, und das treibt mich zum Kreuz Christi, zur Vergebung. »So­mit ist das Gesetz nur ein Zuchtmeister für uns geworden bis zu Christus, damit wir aus Glauben gerecht gesprochen würden« (Gal. 3, 24).

Die Sünde mußte gesühnt werden, darum richtete Gott den Opferdienst ein, durch den der Mensch in ein rechtes Verhält­nis zu Gott gebracht werden konnte. Johannes der Täufer sag­te: »Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg­nimmt« (Joh. 1, 29). Unter dem jüdischen Gesetz opferten die Übertreter Lämmer und brachten sie Gott dar.

Die Opfer, die auf den hebräischen Altären dargeboten wurden, wiesen hin auf das Lamm Gottes, »das die Sünde der Welt hinwegnimmt«. Nicht weil Gott blutdürstig war, wur­den diese Opfer angeordnet, sondern um die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Ekelhaftigkeit der Sünde zu richten, und auf das Kreuz, wo Gott selbst ein Opfer darbringen würde, das den Erfordernissen seiner Gerechtigkeit auf ewig ent­sprach. »Christus aber ist nicht durch Blut von Böcken und Kälbern, vielmehr durch sein eignes Blut einmal in das Hei­ligtum hineingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt« (Hebr. 9, 12).

In seinem Sühnopfer für die Sünde starb Christus an der Stelle des schuldigen Sünders. In dem Leiden Jesu haben wir Gottes Teilhabe an dem Akt des Sühnopfers. Hier am Kreuz sehen wir die leidende Liebe Gottes, der die Schuld der Sünde des Menschen trägt, und das allein kann das Herz des Sünders zum Zerschmelzen und ihn zur Umkehr bringen. »Er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht« (2. Kor. 5, 21).

Das Kreuz Christi

Das Herzstück des Evangeliums sind das Kreuz und die Auf­erstehung. Jesus tat für den Menschen, was der Mensch für sich selbst nicht tun kann. Er tat es durch Kreuz und Auferstehung. Heute halten wir Ausschau nach philosophischen Allheilmitteln. Doch noch ist keine Lösung gefunden worden. Man kämpft noch immer mit denselben philosophischen Problemen, die schon Plato und Aristoteles beschäftigten. Wir suchen nach einem Weg aus unserem Dilemma, und überall in der Welt lesen wir das Schild »Kein Ausgang«. Aber das Kreuz bietet sich in unserer Hilflosigkeit als einzige Hoffnung an. Hier sehen wir die Ge­rechtigkeit Gottes vollständig befriedigt ‑ die Barmherzigkeit Gottes dem Sünder angeboten ‑ die Liebe Gottes zur Behe­bung jeder Not ‑ die Macht Gottes für jede Schwierigkeit ‑ die Ehre Gottes für jede Gelegenheit. Hier ist Kraft, um die menschliche Natur umzuwandeln, Kraft, um die Welt umzu­wandeln.

Tausende von Menschen leiden an Schuldkomplexen. Fast jeder spürt, daß er irgendwie unrecht hat, wie der kleine jun­ge, der sagte: »Ich glaube, ich bin falsch geboren worden.« Gott sagte vom Kreuz: »Ich liebe dich«. Er sagt aber auch: »Ich kann dir vergeben.« Das herrlichste und ergreifendste Wort in jeder Sprache ist das Wort »Vergebung«. In Christus hatte Gott eine Grundlage für die Vergebung. Weil Christus starb, kann Gott den Sünder rechtfertigen und immer noch gerecht sein.

Der Tod Christi am Kreuz war mehr als nur der Tod eines Märtyrers. Er war mehr als nur ein gutes Beispiel durch die Hingabe seines Lebens für die Mitmenschen. Er war das Op­fer, das Gott bestimmt hatte, das eine Opfer für die Sünde zu sein. Die Schrift sagt: »Ihn aber ließ der Herr treffen unser aller Schuld . . . aber dem Herrn gefiel es, ihn mit Krankheit zu schlagen« (Jes. 53, 6. 10). Weil Gott selbst Christus ge­sandt hat, um die menschliche Schuld zu bedecken, darum kann Gott auch den Sünder nicht zurückweisen, der Jesus Christus als Heiland annimmt. »Ihn hat Gott hingestellt als ein Sühnopfer durch den Glauben in seinem Blut« (Röm. 3, 25). Darum allein geht es an dem Abendmahlstisch in der Kirche. Jedesmal, wenn wir das Brot essen, denken wir an den Körper Christi, der für uns an das Kreuz genagelt wurde, und jedesmal, wenn wir den Wein trinken, denken wir an das Blut, das am Kreuz zur Sühnung unserer Sünden vergossen wurde.

Du magst sagen: »Aber ich verstehe das alles nicht.« Den­ke, jemand, der am Ertrinken ist, würde sagen: »Ich will den Rettungsring nicht anlegen, bevor ich nicht weiß, ob er aus Gummi oder Kork gemacht ist, und ob das Material auch stark genug ist, um mich zu halten!« Ohne Christus bist du über­haupt nicht in der Lage, das Geheimnis des Kreuzes zu ver­stehen. – Nimm im Glauben Jesus Christus als deinen Herrn und Heiland an, und das Kreuz wird dir das Kostbarste in al­ler Welt werden.

Der Beweis der Schuld

Wenn wir auf das Kreuz blicken, sehen wir mehreres. Erstens den eindeutigen Beweis für die Schuld der Welt.

Am Kreuz Christi erreichte die Sünde ihren Höhepunkt. Sie hat sich auf Golgatha am schrecklichsten gezeigt. Wir sehen dort das menschliche Herz bloßgelegt und in seiner Verderbt­heit völlig enthüllt. Es ist gesagt worden, wenn Christus heute wiederkäme, würde er nicht mehr gekreuzigt, sondern glor­reich empfangen werden. Christus kommt jeden Tag zu uns in der Bibel ‑ die wir nicht lesen, in den Kirchen ‑ die wir nicht besuchen, in der menschlichen Not ‑ an der wir vor­übergehen. Ich bin davon überzeugt, käme Christus heute wieder, würde er noch schneller gekreuzigt werden als damals vor 2000 Jahren. Sünde bessert sich genausowenig wie eine Krebserkrankung. Die menschliche Natur hat sich nicht geän­dert. Wenn wir auf das Kreuz schauen, hören wir das unaus­weichliche Urteil Gottes: »Alle haben gesündigt und ermangeln der Ehre vor Gott« (Röm. 3, 23).

Der Beweis, daß Gott die Sünde haßt

Zweitens: Am Kreuz finden wir den stärksten Beweis für Got­tes Haß gegen die Sünde.

Gott hat wiederholt gesagt, daß die Seele, die sündigt, ster­ben wird. Um ein klares Verständnis für Gottes Haltung ge­genüber der Sünde zu gewinnen, brauchen wir nur zu be­trachten, was der Tod Christi bezweckte. Die Schrift sagt: ». . . daß es ohne Blutvergießen keine Vergebung gibt« (Hebr. 9, 22). Hier wird klar gesagt, daß es keine Vergebung der Sünden geben kann, wenn unsere Schuld nicht bezahlt wor­den ist. Gott kann die Sünde nicht tolerieren. Er kann als der moralische Richter des Universums nicht einen Kompromiß dulden und gleichzeitig gerecht bleiben.

Es gibt viele, die die Sünde psychologischen Ursachen zu­schreiben. Viele sagen, sie seien nicht verantwortlich für das, was sie tun. Aber Gott sagt, wir sind verantwortlich. Das Kreuz zeigt, wie drastisch Gott mit der Sünde umgeht: »Er, der seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat . . .« (Röm. 8, 32). »Er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht« (2. Kor. 5, 21). Wenn Gott seinen eigenen Sohn an das Kreuz geben mußte, um die Strafe für die Sünde zu bezahlen, dann muß die Sünde tatsächlich sehr schwarz in seinen Augen sein.

Die Herrlichkeit der Liebe Gottes

Drittens: Wenn wir unter dem Kreuz stehen, sehen wir ein herrliches Bild von der Liebe Gottes.

»Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen ein­zigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe« (Joh. 3, 16). Paulus schreibt an die Christen in Rom: »Denn Christus ist, als wir noch schwach waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; denn für den Gütigen zu sterben nimmt vielleicht noch jemand auf sich. Gott beweist aber seine Liebe gegen uns dadurch, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren« (Röm. 5, 6‑8).

Eine junge Dame besuchte einmal meine Frau und mich. Sie hatte sich in einer unserer Evangelisationen zu Christus bekehrt und war in einen strahlenden Menschen verwandelt worden. Sie hatte bereits viele Schriftstellen auswendig ge­lernt und war so erfüllt von Christus, daß wir zwei Stunden lang saßen und zuhörten, wie sie ihr bewegendes Zeugnis gab. Immer und immer wieder sagte sie: »Ich kann nicht verstehen, wie Gott mir vergeben konnte. Ich bin eine so große Sünderin gewesen. Ich kann einfach die Liebe Gottes nicht verstehen.«

Die Grundlage der Bruderschaft

Viertens: Wenn wir am Kreuz stehen, sehen wir die Grund­lage für eine weltweite Bruderschaft.

Heutzutage wird viel über die allgemeine Vaterschaft Got­tes und die weltweite Bruderschaft des Menschen gesprochen. Die meisten Friedensappelle basieren auf der Idee der Bru­derschaft, durch die Schöpfung sei Gott der Vater von uns allen. Aber die Welt scheint blind zu sein für die Tatsache, daß man Christus als seinen persönlichen Retter angenom­men haben muß, um Gott wirklich als Vater zu haben. Nur so werden wir in die Familie Gottes hineingebracht.

Wo das Kreuz nicht wirkt, da herr­schen Verbitterung, Intoleranz, Aufruhr, böser Wille, Vorur­teil, Wollust, Gier und Haß. Innerhalb seines Wirkungsbe­reichs aber herrschen Liebe und Gemeinschaft, neues Leben und Bruderschaft. Die einzige menschliche Friedenshoffnung liegt zu Füßen des Kreuzes Christi, wo alle Menschen, ganz gleich, welcher Nationalität oder Rasse, zu einer neuen Bruderschaft werden können. Das Ziel des Kreuzes ist nicht nur eine volle und freie Vergebung, sondern auch ein umgewan­deltes Leben, gelebt in der Gemeinschaft mit Gott.

 

11. DIE AUFERSTEHUNG CHRISTI

Auf den Grabsteinen oder auch den alten Grabmälern in ei­ner Kirche sehen wir meistens die Überschrift: »Hier ruht. . .« Dann folgen der Name, das Datum des Todes und vielleicht noch einige lobende Hinweise auf die guten Eigenschaften des Verstorbenen. Aber wie verschieden davon ist die Inschrift auf dem Grab Jesu! Sie ist weder in Gold geschrieben noch in Stein geschnitten. Sie wurde von einem Engel gesprochen und ist das genaue Gegenteil von dem, was auf allen anderen Grabsteinen zu lesen steht: »Er ist nicht hier; er ist aufer­standen, wie er gesagt hat« (Matth. 28, 6).

Die bedeutendsten Ereignisse in der menschlichen Ge­schichte waren der Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Der Apostel Paulus sagt: »Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist ja unsre Predigt leer, leer auch euer Glaube . . . Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist euer Glaube nichtig, ihr seid noch in euren Sünden« (1. Kor. 15, 14 u. 17).

In den Dokumenten der ersten Christenheit finden wir als zentrales Thema des Zeugnisses der ersten Christen vor der Welt die Tatsache, daß Jesus Christus, der gekreuzigt wurde, auferstanden war von den Toten. Wir hören gewöhnlich nur zu Ostern eine Auferstehungspredigt. In der Predigt der frü­hen Apostel aber waren Kreuz und Auferstehung das stän­dige Thema. Kreuz und Auferstehung gehören zusammen. Ohne die Auferstehung ist das Kreuz bedeutungslos. Ohne die Auferstehung wäre das Kreuz eine Tragödie und eine Nie­derlage gewesen. Wenn die Knochen Christi verfault in ei­nem Grab lägen, dann gäbe es keine Frohe Botschaft, dann wäre die Dunkelheit der Welt tatsächlich schwarz, und das Leben hätte keine Bedeutung. Das Neue Testament würde zu einem Mythos. Das Christentum würde zu einer Fabel. Und Millionen Lebender und Toter würden zu Opfern eines gi­gantischen Schwindels.

Wird der Mensch ewig leben?

Die große Frage zu aller Zeit war: »Wenn ein Mensch stirbt, wird er wieder lebendig werden?« Bei dem ersten Teil dieses Satzes gibt es kein »wenn«. » . . . wie den Menschen bevor­steht einmal zu sterben . . .« (Hebr. 9, 27). Die Frage ist: »Wird der Mensch wieder leben?«

Manche Leute sagen, der Mensch bestehe nur aus Knochen, Fleisch und Blut. Wenn wir sterben, passiere gar nichts. Wir würden auch nirgendwohin gehen. Staub komme zu Staub und Asche zu Asche.

Wir haben Wissenschaftler über das Leben nach dem Tode gefragt. Die meisten von ihnen sagten: »Wir haben keine Ahnung.« Die Wissenschaft beschäftigt sich mit Formeln und Reagenzgläsern. Aber es gibt eine Welt, über die die Wissen­schaft nichts weiß.

Weil viele nicht an ein Leben nach dem Tode glauben, sind ihre Schriften erfüllt mit Trauer und Pessimismus. Die Schrif­ten eines William Faulkner, James Joyce, Ernest Hemingway, Eugene O’Neill und vieler anderer sind angefüllt mit Pessi­mismus, Dunkelheit und Tragik.

Wie anders Jesus Christus, der sagt: »Ich bin die Auferste­hung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt, und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben« (Joh.11,25.26). Und wiederum sagt er: »Ich lebe, und auch ihr werdet leben« (Joh.14,19). Und wiederum: »Glaubet an Gott und glaubet an mich!« (Joh. 14, 1). Unsere Hoffnung der Unsterblichkeit gründet sich allein auf Christus ‑ nicht auf irgendwelche Wünsche, Sehn­süchte, Argumente oder Unsterblichkeitsgefühle. Doch die Hoffnung der Unsterblichkeit, die in Christus offenbart ist, stimmt mit all diesen großen Hoffnungen und Empfindungen überein. »Das Herz«, sagte Pascal, »hat eine Größe, die der Verstand nicht kennt.«

Die Bibel behandelt die Auferstehung Jesu wie ein Ereig­nis, das durch unsere körperlichen Sinne untersucht werden kann. Die Augen waren einbezogen, denn die Jünger sahen zahlreiche Erscheinungen Jesu unter den verschiedensten Vor­aussetzungen. In einem Falle erschien er vor einem einzelnen Jünger, zu einer anderen Zeit vor mehr als fünfhundert Men­schen. Die Auferstehung schloß die Ohren ein, denn die Jün­ger hörten Jesus predigen. Sie schloß das Gefühl ein, denn die Jünger wurden aufgefordert, Jesus zu berühren und auf diese Weise seine körperliche Wirklichkeit zu prüfen. Sie sahen ihn nicht nur, sie betasteten ihn und gingen mit ihm zusammen, unterhielten sich mit ihm, aßen mit ihm und prüften ihn. All dies nimmt die Auferstehungserscheinungen Jesu aus dem Bereich der Halluzinationen heraus als demonstrierbare phy­sische Tatsachen. Unser Glaube an die körperliche Auferste­hung Jesu Christi ruht auf der Grundlage einer historischen Tatsache. Sie ruht auf mehr Augenzeugenschaft als irgendein anderes Ereignis, das in dieser Zeit stattfand.

 

Historische Zeugnisse von der Auferstehung Christi

1. Der tatsächliche Tod Jesu

Manche sagen, Jesus sei gar nicht wirklich gestorben, sondern nur scheintot gewesen. Eine Auferstehung aber setzt den Tod voraus. Die Soldaten waren ganz sicher, daß Jesus tot war und sie nicht erst den Tod herbeiführen mußten durch einen Schlag oder durch Brechen seiner Beine wie bei den beiden Räubern. Es waren die Feinde, nicht die Freunde Jesu, die sei­nen Tod bescheinigten, und sie stellten es ganz sicher fest, als sie ihm einen Speer ins Herz stießen.

2. Die Grablegung Jesu

Der Leichnam Jesu wurde in feines Leinen gehüllt, mit Kräu­tern, wie es üblich war. Ein tatsächliches Grab wurde benutzt. Vor den Eingang des Grabes wurde sogar ein Stein gerollt, ein Siegel darauf gedrückt, und römische Wachen wurden davor­gestellt. Sie können unmöglich einen Geist beerdigt haben. Der Leichnam Jesu war körperlich und materiell.

3. Das leere Grab

Als die Jünger die Grabeshöhle betraten, in der sie wenige Tage zuvor den Leichnam Jesu beigesetzt hatten, war sie leer. Die Leichentücher waren zusammengelegt und geordnet, sie brachten zum Ausdruck, daß sie bei dem ordnungsgemäßen Weggang Jesu nicht mehr benötigt wurden. Als Jesus später seinen Jüngern erschien, besaß er einen Körper, denn er sagte: »Ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß ich es habe« (Luk. 24, 39). Er redete und hörte. Er beanspruchte Raum, aber benötigte keine Tür, um einzutreten. Es war der gleiche Körper in seiner verherrlichten geistigen Form, mit dem Jesus aus dem Grab stieg und es leer zurückließ.

4. Die leibliche Auferstehung

Es gab dreizehn verschiedene Erscheinungen Jesu in ganz ver­schiedenen Situationen.

Jeder Versuch, die körperliche Auferstehung Jesu zu wider­legen, sieht sich diesen Erscheinungen Jesu in seinem eigenen Körper gegenüber. Es war ein Körper, dem an das Kreuz ge­nagelten ähnlich wie auch unähnlich. Er war so ähnlich, daß er Nahrung zu sich nehmen konnte, sich unterhalten und Raum einnehmen konnte. Unähnlich war er in seinen Eigen­schaften. Er hatte beides, materielle und immaterielle Eigenschaften. Er konnte durch geschlossene Türen eintreten und verschwinden. Wissenschaftlich betrachtet, scheint dies nicht unglaubwürdig. »Keine materielle Substanz, eine Tür oder irgend etwas, ist fest. Es gibt immer Raum zwischen den Mo­lekülen, so daß es für einen derartigen Körper nicht schwieri­ger ist, durch einen anderen hindurchzudringen, als etwa die Vorstellung, daß ein Regiment bei einer Parade durch ein anderes hindurchmarschierte. Darüber hinaus aber war der Kör­per des auferstandenen Christus trotz seiner materiellen Fä­higkeiten geistig. Einer geistigen Substanz am nächsten kommt der Äther. Auch er scheint materielle und immateri­elle Fähigkeiten zu verbinden, da er in gewisser Hinsicht mehr einer festen Substanz als einem Gas ähnelt. Doch kann er durch materielle Substanzen hindurchdringen. Wir kön­nen unmöglich sagen, daß es unglaubhaft sei, daß Christi geistiger Körper durch verschlossene Türen gehen konnte. Geistige Dinge können durch materielle Substanzen hindurch­dringen (wie Röntgen‑Strahlen), sie sind im allgemeinen un­sichtbar, und dabei dennoch fähig, wenn sie wollen, Eigen­schaften der Materie anzunehmen, wie zum Beispiel Sichtbar­keit und Hörbarkeit. Eine kleine Veränderung der Lichtwel­len, die von einem Körper kommen, würden ihn für das menschliche Auge sichtbar machen, und ohne Frage könnte Gott, der Allmächtige, solch eine Veränderung in einem gei­stigen Körper vornehmen. Für einen solchen Körper ist fühl­bar werden oder Nahrung aufnehmen wirklich nicht wunder­barer als sichtbar oder hörbar werden.« (Father Doyle in »«The Truth of Christianity Series«.)

Im Bewußtsein dieser Augenzeugenschaft sagte Paulus zu König Agrippa: »Warum wird das für unglaublich bei euch geachtet, daß Gott Tote auferweckt?« (Apg. 26,8).

Mit einer erstaunlichen Häufigkeit bestätigt die Bibel die Tatsache der körperlichen Auferstehung Christi. Vielleicht ist die direkteste aller Aussagen der Bericht des Lukas in der Apostelgeschichte, wo er schreibt: »Und diesen erwies er sich nach seinem Leiden auch durch viele Beweise als lebendig, in­dem er ihnen während vierzig Tagen erschien und über das Reich Gottes redete« (Apg.1,3). Was werden wir mit diesen »vielen Beweisen« tun? Jemand fragte einmal meinen Mitar­beiter George Beverly Shea, wieviel er von Gott wüßte. Er antwortete: »Ich weiß nicht viel, aber das, was ich weiß, hat mein Leben verändert.« Wenn wir irgendeine geschichtliche Tatsache annehmen, dann müssen wir auch die Tatsache an­nehmen, daß Jesus Christus auferstand.

Die Auferstehung Christi war nicht einfach nur ein Nach­trag zu dem irdischen Leben Jesu, sie ist ein Glied in der Kette der Erlösungstatsachen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Diese schließen die Fleischwerdung ein, die Kreuzigung, die Aufer­stehung, die Himmelfahrt und die Wiederkunft.

Für unseren persönlichen Christenglauben ist die Auferste­hung äußerst wichtig. Der Schweizer Theologe Karl Barth sag­te: »Willst du an den lebendigen Christus glauben? Wir kön­nen an ihn nur glauben, wenn wir an seine leibliche Aufer­stehung glauben. Das ist der Inhalt des Neuen Testaments. Wir haben immer die Freiheit, es abzulehnen, aber nicht, es abzuändern, noch zu behaupten, daß das Neue Testament et­was anderes sagt. Wir mögen die Botschaft annehmen oder ablehnen, aber wir können sie nicht ändern.«

Die Auferstehung, das Fundament

Das ganze Christentum fällt zusammen, wenn man die Auf­erstehung ablehnt. Wie Paulus sagte: »Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist ja unsere Predigt leer, leer auch euer Glaube« (1. Kor. 15,14).

Die Botschaft des Evangeliums ‑ das heißt die Frohe Bot­schaft der Errettung ‑ hängt mit dem Glauben an die Aufer­stehung zusammen. Paulus schrieb: » …daß Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften, und daß er begraben und daß er auferweckt worden ist am dritten Tage, nach den Schriften« (1. Kor.15,1‑4).

Eine persönliche Heilserfahrung hängt mit dem Glauben an die Auferstehung zusammen. Paulus gab die Formel für den errettenden Glauben: »Denn wenn du mit deinem Munde Je­sus als den Herrn bekennst und mit deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat, wirst du gerettet werden. Denn mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, mit dem Munde aber bekennt man zur Seligkeit« (Röm.10,9).

Die neutestamentlichen Schriften sprechen eindeutig davon. Sie sagen: »Wir sahen seine Herrlichkeit.« ‑ »Diesen Jesum hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeugen.« ‑ »Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden.« ‑ »Ihr wer­det ihn sehen.« ‑ »Er erschien.« ‑ »Ich habe den Herrn Jesus gesehen.«

Jesus unterstrich mit seiner Auferstehung die Gültigkeit aller seiner Ansprüche und die Wirklichkeit aller seiner Wer­ke. Alles hängt an seiner Auferstehung von den Toten. An ihr entscheidet sich das Urteil über Jesu Recht oder Unrecht, Wahrheit oder Unwahrheit.

Was bedeutet die Auferstehung für uns?

Sie bedeutet die Gegenwart des lebendigen Christus. Er sagt: »Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt« (Matth. 28, 20). Er ist die Ga­rantie dafür, daß das Leben eine neue Bedeutung hat. Nach seiner Kreuzigung waren die Jünger verzweifelt und sagten: »Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen« (Luk. 24, 21). Un­ter ihnen herrschten Angst und Verzweiflung. Das Leben hatte Bedeutung und Zweck verloren. Als die Auferstehung offenbar wurde, erhielt das Leben einen neuen Sinn.

David Livingstone sprach einmal zu einer Gruppe von Studenten in der Universität Glasgow. Er trug an seinem Körper die Spuren seiner afrikanischen Kämpfe. Fast dreißig Krankheiten hatten ihn abgemagert und ausgemergelt. Sein linker von ei­nem Löwen zerschmetterter Arm hing schlaff an seiner Seite. Nachdem er seine Versuchungen und Anfechtungen beschrie­ben hatte, sagte er: »Soll ich Ihnen erzählen, was mich während all dieser Jahre in der Fremde aufrecht gehalten hat, un­ter Leuten, deren Sprache ich nicht verstand und deren Hal­tung immer undurchsichtig und oft feindselig war? Es war das Wort: ’Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.’ Auf diese Worte habe ich alles gesetzt, und sie ha­ben mich nie getäuscht.«

Sie bedeutet die Macht des lebendigen Christus. Seine Auf­erstehung macht es Christus möglich, sich mit allen Christen in allen Zeiten zu vereinen und ihnen Kraft zu seinem Dienst zu verleihen. Paulus betete, daß Gott ihm helfe, »zu erkennen ihn und die Kraft seiner Auferstehung« (Phil. 3,10). Seine Auferstehungsgegenwart gibt uns Stärke und Kraft für die Auf­gaben eines jeden Tages.

Sie bedeutet das Muster für unseren neuen Leib. Der aufer­standene Leib Jesu Christi ist das Vorbild dessen, wie unsere Leiber einmal sein werden, wenn auch sie von den Toten auf­erweckt werden. »Denn das Reich, in dem wir Bürger sind, ist in den Himmeln, und aus ihm erwarten wir auch als Heiland den Herrn Jesus Christus, der unseren Leib der Niedrigkeit verwandeln wird, so daß er gleichgestaltet wird seinem Leibe der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, mit der er auch alle Dinge sich untertan machen kann« (Phil. 3, 20. 21).

Sie bedeutet die Verheißung eines wiederkehrenden Erlö­sers. Der ganze Plan für die Zukunft hat seinen Schlüssel in der Auferstehung. Wenn Christus nicht von den Toten aufer­weckt ist, dann kann es auch kein Königreich und keinen wie­derkehrenden König geben. Als die Jünger am Ort der Him­melfahrt standen, empfingen sie von den Engeln die Gewiß­heit, daß Christus wiederkommen würde in Herrlichkeit. »Ihr galiläischen Männer, was stehet ihr da und blickt zum Him­mel auf? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel emporgehoben worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt in den Himmel fahren sehen« (Apg.1,11). Die Auferstehung bereitete das zukünftige Ereignis seiner Wiederkunft vor und bestätigte es.

 

12.  JESUS CHRISTUS WIRD WIEDERKOMMEN

In allen Büchern des Neuen Testaments, mit Ausnahme von vieren, wird von der Wiederkunft Christi gesprochen. Chri­stus berief sich ständig auf seine Wiederkehr, nicht nur sei­nen Jüngern gegenüber, sondern auch gegenüber anderen. Er sagte zu den Hohenpriestern: »Von jetzt an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels« (Matth. 26, 64). Je­der dreißigste Vers der Bibel erwähnt dieses Thema. In den 216 Kapiteln des Neuen Testaments wird 318mal davon ge­sprochen.

Die meisten alttestamentlichen Schreiber haben es prophe­zeit: Mose (1. Mose 33, 2); Hiob (Hiob 19, 25); David (Ps. 102, 16); Jesaja (Jes. 59, 20); Jeremia (Jer. 23, 5); Daniel (Dan. 7, 13); Sacharja (Sach. 14, 4) und viele andere.

Die Tatsache der Wiederkunft Christi wurde von allen Apo­steln in ihrer Predigt verkündigt ‑ von Petrus (Apg. 3, 21. 22; 2.Petr.1,7.13), von Paulus (Röm. 8, 23; 1.Thess. 4, 15‑17), von Johannes (1. Joh. 2, 28), von Jakobus (Jak.5, 7‑9), von Judas (Jud.14).

Die Bibel lehrt es. Die Apostel predigen es. Die kirchlichen Glaubensbekenntnisse bestätigen es.

Die größten und aussagekräftigsten Zeugnisse stammen von den Lippen Jesu selbst. Er sagte: »Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird . . .« (Matth. 25, 31); ». . . den Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels kommen sehen« (Matth. 24, 30); » Ihr wißt nicht, an welchem Tag euer Herr kommt« (Matth. 24, 42).

Drei griechische Wörter werden im Neuen Testament ge­braucht, um die Wiederkunft Christi zu beschreiben. Das erste ist » parusia«, das etwa die persönliche Gegenwart Christi meint, wenn er persönlich wiederkommt.

Das zweite griechische Wort ist »epiphaneia«, das soviel wie Erscheinung heißt. Es ist die Erscheinung eines Sterns aus der Dunkelheit heraus, der dort den ganzen Tag über gewe­sen war, aber für unsere Augen verborgen, und nun plötzlich bei Nacht erscheint.

Das dritte griechische Wort ist »apokalypsis«, das Enthül­lung bedeutet. Es ist die Enthüllung von etwas, das verbor­gen gewesen ist. Heute ist die Person Christi vor unseren Au­gen verborgen, wenn er auch durch den Heiligen Geist in un­seren Herzen gegenwärtig ist. Heute ist der Tag des Glau­bens. An jenem Tag wird er offenbar werden, dann kann man ihn sehen.

Die Schrift sagt, daß wir inmitten aller Verfolgung, aller Verwirrung, Kriege und Kriegsgerüchte einander zu trösten haben mit dem Wissen, daß Jesus Christus wiederkommen wird in Triumph, Herrlichkeit und Majestät.

Häufig denke ich abends beim Zubettgehen, daß Christus kommen könnte, bevor ich wieder aufwache. Wenn ich auf­stehe und auf die Morgenröte blicke, denke ich manchmal, dies könnte der Tag sein, an dem er kommt.

Die Bibel lehrt, daß die Wiederkunft Christi plötzlich, völ­lig überraschend geschehen und viele Leute unvorbereitet an­treffen wird. »Denn ihr selbst wißt genau, daß der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht« (1.Thess. 5, 2). Sie umfaßt eine Serie von Ereignissen, die sich während einer ziemlich langen Periode ereignen werden. Es sind viele, die hier zu beschreiben der Raum nicht zuläßt. Manche dieser Er­eignisse werden in der Schrift ganz klar umrissen, andere sind noch geheimnisvoll verborgen.

Der Prophet Jesaja sagte, als er auf diesen künftigen Tag blickte: »Und er wird genannt . . . Friedefürst. Groß wird die Herrschaft sein und des Friedens kein Ende« (Jes. 9, 6. 7). Christus wird einen dauerhaften Weltfrieden errichten, und er wird den Willen Gottes auf Erden wieder zur Geltung brin­gen. Das wird sein, wenn sein Gebet beantwortet werden wird: »Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Him­mel so auch auf Erden.« Der Himmel ist der Himmel, weil der Wille Gottes seine Ordnung ist. Die Erde wird himmlisch sein, wenn Gottes Wille ihre Ordnung ist.

 

13. DIE ZEICHEN DES ENDES

Als die Jünger eines Morgens mit Jesus allein waren auf dem Ölberg, stellten sie ihm drei Fragen: »Sage uns, wann wird dies geschehen, und was wird das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes der Welt sein?« (Matth. 24, 3). Die Jünger hatten es als Tatsache angenommen, daß Jesus wiederkommen wird, und nun wollten sie wissen, wann. Sie wollten auch wissen, ob irgendwelche Zeichen seiner Wiederkunft vorausgehen würden. Sie wußten, daß das Alte Testament eine Fülle von Zeichen seiner ersten Ankunft enthielt und daß Einzel­heiten seines Kommens genau prophezeit worden waren.

Würde die Welt die Zeichen des Alten Testaments studiert haben, dann hätte sie vom Kommen Jesu gewußt und ihn willkommen geheißen. Hunderte von Jahren, bevor Jesus ge­boren wurde, verkündete das Alte Testament, daß er vom Stamme Juda sein würde (1. Mose 49, 9), er in Bethlehem geboren werden würde (Micha 5, 2), er von ei­ner Jungfrau geboren werden würde (Jes.7, 14), er aus Ägypten gerufen werden würde (Hos.11,1) usw.

Jesus sagte seinen Jüngern, daß es Zeichen geben werde, auf die sie achten sollten, aber bei zwei Gelegenheiten warnte er sie davor, Daten festzulegen. »Über jenen Tag aber und jene Stunde weiß niemand etwas, auch die Engel in den Him­meln nicht, sondern allein der Vater« (Matth. 24, 36). »Euch gebührt es nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater nach seiner eigenen Macht festgesetzt hat« (Apg.1,7). Obgleich er sie also warnte, über die genaue Zeit seiner Wieder­kunft Spekulationen anzustellen, versicherte er ihnen, daß es nach der ganzen Schrift wie auch nach seinen eigenen Worten Zeichen geben werde, um denen, die »Augen haben zu sehen«, es deutlich zu machen, daß die Zeit nahe bevorsteht. »Wenn aber dies zu geschehen anfängt, so richtet euch auf und hebet eure Häupter empor, denn eure Erlösung naht« (Luk.21,28).

Jesus sprach von einer künftigen Generation, deren typi­sche Eigenarten das nahe bevorstehende Ende anzeigen wür­den. Mit anderen Worten, es wird eine »Generation X« an ei­nem bestimmten Punkt der Geschichte geben, die diese Zei­chen tragen wird. Diejenigen, deren Herzen durch Jesus Chri­stus umgewandelt worden sind, deren Verstand vom Heiligen Geist erleuchtet worden ist, werden in der Lage sein, die Zei­chen dieser Tage zu erkennen und die Leute zu warnen, wie es Noah tat. Es scheint heute so, daß jene Zeichen tatsächlich zum erstenmal seit der Himmelfahrt Christi eines neben dem anderen zu sehen sind.

 

Einige Zeichen des Endes

1. Der geistige Zustand der Welt

Jesus sagte zwei Dinge, die den geistigen Zustand der Welt unmittelbar vor seiner Wiederkunft charakterisieren. Erstens, »auf Erden Angst der Völker, so daß sie sich nicht zu raten wissen« (Luk. 21, 25). Das heißt, sie werden unter Druck ste­hen. Es wird allgemeine Verwirrung herrschen, aus der es of­fenbar keinen Ausweg gibt. Das erinnert an die Schriften ei­nes Sartre, Camus, Huxley, Hemingway oder anderer moder­ner Schriftsteller.

Zweitens sagte er: »Dann werden viele einander verraten und einander hassen« (Matth.24,10). Die Psychiater haben so viel zu tun, daß sie selber schon Ner­venzusammenbrüche erleiden müssen, während sie verzwei­felt versuchen, unsere zerrütteten Nerven zu flicken. Familien brechen unter dem unbarmherzigen Druck des modernen Le­bens zusammen. In manchen Teilen der Welt, wo der Druck immer mehr zunimmt, werden die Familien tatsächlich von ihren eigenen Mitgliedern verraten.

2. Der sittliche Zustand der Welt

Von der Zeit Noahs steht geschrieben: »Die Erde ist voller Frevel von den Menschen her. So will ich sie denn von der Erde vertilgen« (1.Mose 6,13). Jesus sagte: »Und wie es in den Tagen Noahs zuging, so wird es auch in den Tagen des Sohnes des Menschen sein: sie aßen, sie tranken, sie heira­teten, sie wurden verheiratet« (Luk.17,26). Obwohl sie Gott durch Noah gewarnt hatte, waren sie so mit sich selbst beschäftigt und mit ihrer Gottlosigkeit, daß sie »es nicht merkten, bis die Sintflut kam und alle hinwegraffte« (Matth.24,39).

Jesus sagte auch: »Ebenso wie es in den Tagen Lots zuging: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanz­ten, sie bauten; an dem Tage aber, da Lot aus Sodom hinaus­ging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und ver­tilgte alle. Auf gleiche Weise wird es an dem Tage sein, da der Sohn des Menschen sich offenbart« (Luk.17, 28‑30).

Die Welt befindet sich in einer moralischen Aufweichung, wie sie nicht einmal in den Tagen Roms bekannt gewesen ist. Die Zeitschrift Time berichtete kürzlich von einem »Fest des freien Ausdrucks« in einem Pariser Jugendzentrum, wo junge Männer und Frauen vor Zuschauern Unsittlichkeiten von sol­cher Verderbtheit vollzogen, daß sie gar nicht beschrieben werden können. Das ist der Mensch, der tut, was er tun will. Das ist die menschliche Natur ohne Gott. Und das ist ein Zei­chen des Endes.

3. Der Abfall

Jesus sagte: »Und viele falsche Propheten werden auftreten und werden viele irreführen« (Matth.24, 11). »Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und auf irreführende Geister und auf Leh­ren von Dämonen achten werden« (1.Tim.4,1). Der Apostel Paulus warnte: »Denn es wird eine Zeit kommen, wo sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern sich nach ih­ren eigenen Begierden Lehrer in Menge verschaffen werden, um sich die Ohren kitzeln zu lassen; und von der Wahrheit werden sie die Ohren abwenden, dagegen sich zu Fabeln hin­wenden« (2.Tim.4,3). Das scheint auf eine Zeit hinzudeuten, wo große Mengen Menschen in den Kirchen zusam­mengebracht werden, die keine persönliche Begegnung mit Jesus Christus hatten. Sekten werden wachsen, falsche Lehren werden in die Gemeinde eindringen. Die Bibel wird unter schweren Angriffen stehen. »Denn gewisse Menschen haben sich nebeneingeschlichen, die für dieses Gericht längst vorher aufgezeichnet sind, Gottlose, die die Gnade unseres Gottes zur Ausschweifung verkehren und den alleinigen Herrscher und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen« (Judas1,4). Alte, längst bekannte Irrtümer bieten sich wieder an unter neuer Flagge, wie »die neue Moral«, die »neue Theologie« und »religionsloses Christentum«.

Der Apostel Paulus sagt: »Niemand soll euch auf irgend­eine Weise betrügen; denn wenn nicht zuerst der Abfall ge­kommen ist und der Mensch der Gesetzesfeindschaft sich of­fenbart hat, der Sohn des Verderbens…« (2.Thess.2,3). »Abfall« bezieht sich ganz offenbar auf die Preisgabe des Glaubens. Der Prophet Amos schrieb: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da sende ich einen Hunger ins Land, nicht Hunger nach Brot und nicht Durst nach Wasser, sondern das Wort des Herrn zu hören. Da schwanken sie von Meer zu Meer und schweifen von Nord nach Ost, das Wort des Herrn zu suchen, und finden es nicht« (Amos8,11). Statt eine Botschaft zu empfangen, die ihr geistliches Verlangen befrie­digt, werden sie eine Predigt über irgendein weltpolitisches oder soziales Problem hören oder eine Ansprache über Kunst und Literatur. Sie werden von einem Platz zum andern wan­dern, ihre Hoffnung wird sich in Verzweiflung kehren, und schließlich geben sie auf.

4. Ein Zunehmen der Gesetzlosigkeit

Jesus sagte: »Und weil die Gesetzesverachtung überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten« (Matth.24,12). »Das aber wisse, daß in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden. Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldgierig, prahlerisch, hochmütig, schmähsüchtig, den Eltern ungehorsam, verleumderisch, unenthaltsam, roh, dem Guten feind, verräterisch, verwegen, aufgeblasen, mehr die Wollust liebend als Gott, Leute, die eine äußere Form von Frömmigkeit besitzen, deren Kraft aber verleugnet haben. Und von diesen wende dich weg!« (2.Tim.3, 1‑5).

Unsere Zeitungen sind voll von Berichten über die aufbe­gehrende Jugend, Revolten gegen Regierungen und Aufstän­de in fast allen Ländern der Erde. Die Statistiken der Verbre­chen zeigen, daß auf der ganzen Welt die Gesetzlosigkeit in einem erschreckenden Maße zunimmt. Jesus lehrte, daß un­mittelbar vor dem Ende die Gesetzlosigkeit auf der ganzen Welt herrschen werde. Er sagte: »Wenn ihr aber von Kriegen hören werdet . . .« (Luk. 21, 9). Das Wort meint auch Auf­stände, Revolution, Gesetzlosigkeit und deutet dies als ein Zeichen des nahenden Endes unseres Zeitalters.

5. Das Auftreten der Spötter

»In den letzten Tagen werden Spötter mit ihrer Spötterei kommen, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Wiederkunft? Seitdem die Vä­ter entschlafen sind, bleibt ja alles so wie von Anfang der Schöpfung an« (2.Petr. 3,3). Viele, die sich Christen nen­nen, bezeichnen das alles als eine falsche Lehre, denn die Wie­derkunft Christi habe ja gar nicht stattgefunden, wie sie die junge Kirche erwartet hatte. Warum hat Christus dieser Er­wartung nicht entsprochen? Er sagte doch: »Wahrlich, ich komme bald.« Doch wörtlich übersetzt heißt diese Verhei­ßung: »Ich bin tatsächlich auf dem Wege.«

Wer an die Unvermeidlichkeit des menschlichen Fortschritts glaubt, findet es sehr schwer, an die Wiederkunft Christi zu glauben. Wenn wir glauben, daß der Mensch aus eigener Kraft vorangehen kann, dann werden wir niemals die Ver­heißung Christi akzeptieren, daß er wiederkommen und mit der Sünde ein Ende machen wird.

Andere weigern sich, an seine Wiederkunft zu glauben, weil das ihre eigenen Pläne und Träume durchkreuzt. Sie möchten essen, trinken und fröhlich sein ohne irgendeine Un­terbrechung ihres auf sich selbst konzentrierten Lebens. Dar­um weigerten sich die Spötter zu Noahs Zeiten, an die Flut zu glauben, vor der er sie vergebens gewarnt hatte.

6. Verfolgung

»Dann wird man euch der Drangsal preisgeben und euch tö­ten, und ihr werdet um meines Namens willen von allen Völ­kern gehaßt sein. Und dann werden viele abfallen und wer­den einander verraten und einander hassen« (Matth.24, 9).

»Ihr aber, sehet auf euch selbst! Man wird euch an die Ge­richte überliefern, und in den Synagogen werdet ihr geschla­gen werden, und vor Statthalter und Könige werdet ihr ge­stellt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis . . . Und ein Bruder wird den anderen zum Tode überliefern und ein Vater das Kind, und Kinder werden wider die Eltern auftre­ten und sie zum Tode bringen; und ihr werdet um meines Na­mens willen von jedermann gehaßt sein« (Mk.13,9). Achten wir auf den Nachdruck, den Jesus auf »um meines Na­mens willen« legt. Tausende von Christen gefährden ihren Glauben an Jesus Christus, indem sie ihn verleugnen. Selbst manche Geistliche unterlassen es, verweigern es sogar be­wußt, ein öffentliches Gebet mit dem Namen Jesu zu beschlie­ßen aus Angst, einen Ungläubigen vor den Kopf zu stoßen. Sie fürchten die Verfolgung, die man sich zuziehen könnte, wenn man Jesus Christus anerkennt.

7. Wohlstand

»Nun wohlan, ihr Reichen, weinet und jammert über die Drangsale, die über euch hereinbrechen! Euer Reichtum ist verfault und eure Kleider sind von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird zum Zeugnis wider euch sein und euer Fleisch verzehren wie Feuer. Ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen« (Jak. 5, 1‑3).

Während Millionen hungern, werden andere Millionen im­mer reicher. Die Lust am Golde, gefühllos und unbarmherzig, ist die letzte Entartung des degenerierten Menschen. Der Apo­stel sagte, dies würde ein Zeichen der »letzten Tage« sein.

8. Die Vorbereitung für Harmagedon

»Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören« (Matth. 24, 6). Es herrscht kein Zweifel, daß die Nationen der Welt alles vorbereiten, um eine der schrecklichsten Szenen im Drama des menschlichen Kampfes abrollen zu lassen, und daß die ganze Welt auf einen Krieg zutreibt, der gewaltiger ist als alles bisher Dagewesene. In der Schrift wird er bezeichnet als »die Schlacht von Harmagedon« (Offb. 16, 15. 16; Joel 3, 9‑I4) .

Der moderne Krieg ist die am höchsten entwickelte Wissen­schaft. Wir haben unsere Waffen vervollkommnet, aber wir haben nicht vermocht, die Menschen vollkommen zu machen, die diese Waffen gebrauchen. Menschen wie Hitler und Stalin war jedes Mittel recht, um die Welt zu besiegen. Können wir sicher sein, daß heute nicht solch ein Mensch lebt?

9. Friedenskonferenzen

»Wenn sie sagen werden: Es ist Friede und Sicherheit, dann kommt plötzliches Verderben über sie wie die Wehen über die schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen können« (1. Thess. 5, 3). Niemals zuvor wurde so viel von Frieden ge­sprochen. Die Welt sehnt sich verzweifelt nach Frieden, aber es scheint kein Frieden in Sicht zu sein.

Im zweiten Psalm fragt David: »Warum toben die Völker?« Weil sie nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen in die­sem Zeitalter der Gewaltanwendung und der drohenden Zer­störung. Im gleichen Psalm sagt er: »Könige der Erde stehen auf, und Fürsten ratschlagen miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten: Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Fesseln!« (Psalm 2,1-3). Dieses »Rat­schlagen miteinander« ist das verzweifelte Bemühen der Welt­führer, den Frieden zu festigen. Aber Gott ist bei ihrem Pla­nen fortgelassen worden. Der Friedefürst wird wegen des Frie­dens nicht befragt. Törichte Menschen verfolgen ihre eigenen Programme und erklären kühn, sie könnten die Probleme selbst lösen, ohne Gott.

10. Das Kommen des Weltdiktators

Es gibt so viele Bibelstellen, die auf die kommende Weltre­gierung unter der Herrschaft eines großen Antichristen hin­weisen, daß es schon wegen des fehlenden Raumes unmöglich ist, auf sie alle einzugehen. Offenbar muß der weltweiten An­nahme einer Ein‑Mann‑Regierung eine Vorbereitungszeit vor­angehen. Auf einer Friedenskonferenz in Washington betonte unlängst ein Redner nach dem anderen die Notwendigkeit und die Möglichkeit einer Weltregierung. In einer Vorlesung in Minnesota sagte Arnold Toynbee: »Angesichts der west­lichen Technik, die gleichzeitig die Entfernung aufgehoben und die Atombombe erfunden hat, ist das Zusammenleben wie eine einzige Familie die einzig mögliche Zukunft für die Menschheit.« Er fügte hinzu: »Die einzige Alternative, die menschliche Rache unwirksam zu machen, ist eine weltweite soziale Vereinigung aller Stämme, Nationen, Zivilisationen und Religionen.«

In der Bibel lesen wir: »Denn Gott hat ihnen ins Herz ge­geben, seine (das heißt des »Tieres«) Meinung auszuführen, und zwar eine Meinung auszuführen und ihre Herrschaft auf das Tier zu übertragen, bis die Worte Gottes erfüllt sein wer­den« (Offb. 17, 17). Lesen Sie auch 2. Thess. 2, 7‑17.

Paulus sagt ganz deutlich, daß durch die Zeiten hindurch eine gesetzlose Macht an der Arbeit gewesen ist und daß ge­gen das Ende der Zeiten, wenn die Leute Freude haben an der Ungerechtigkeit, derjenige, der diese Macht bisher aufgehal­ten hat, nämlich der Heilige Geist, sie nur noch so lange auf­halten wird, bis die Gläubigen hinweggenommen worden sind.

Dann darf dieser Supermensch, der die Inkarnation des Sa­tans ist und in der Bibel »Antichrist« genannt wird, die ganze Welt beherrschen. Die Bibel lehrt uns, daß eine Weltregierung einsetzen und ein Weltdiktator oder Präsident hervortreten wird. Die Fernsehkameras werden die Nachrichten durch die ganze Welt geben, daß ein Mann des Friedens, ein universel­ler Herrscher erwählt worden ist. Das Wort »Tier«» in Offen­barung 13 soll zum Ausdruck bringen, daß es ein Mensch gro­ßer Stärke sein wird, mit der Fähigkeit, seinen Willen der Welt aufzuzwingen. Die Bezeichnung »Tier« bedeutet nichts Widerwärtiges. Im Gegenteil, dieser Mann wird bewundert, gefürchtet und verehrt werden. Er wird mit einem Geschick herrschen, wie es die Welt nie gesehen hat. Vorübergehend wird er den Krieg beendigen, der die Erde verwüstet hatte. Er wird brillante wirtschaftliche Methoden entwickeln mit sofor­tigen Ergebnissen. Der Wohlstand wird wiederkehren. Über­all wird reichlich Geld vorhanden sein, und die Furcht, die alle Welt ergriffen hatte, wird der Hoffnung Raum geben. Alle werden sich diesem gewaltigen Genius und seiner Macht un­terordnen, und Millionen werden ihn tatsächlich als Gott anbeten. Er wird die ganze Menschheit regieren und fordern, daß seine Untertanen, bevor sie kaufen oder verkaufen kön­nen, sein Abzeichen tragen (Offb. 13, 17). Elektronengehirne werden ihm behilflich sein, das Leben jedes Menschen auf dem Erdball zu kontrollieren. Er wird die wahrhaftige Inkarnation des Bösen sein. Sein einziger Wunsch, sein einziger Ehrgeiz wird sein, jeden Gedanken an Gott von der Fläche des Erdbodens zu tilgen. Er wird Gott lächerlich machen und sich selbst über alles Göttliche erheben, was die Welt jemals ge­kannt hat.

Die Bibel sagt von diesem Weltherrscher: »Wider die Hei­ligen ist seine Klugheit gerichtet, und seine Ränke gelingen ihm; in seinem Herzen sinnt er auf Großes« (Dan. 8, 25). Sie lehrt weiter, daß sogar die Auserwählten Gottes verführt wer­den und daß einige seiner Nachfolger Leute sein werden, die sich Christen nennen.

11. Weltweite Evangelisation

»Und dieses Evangelium vom Reiche wird auf dem ganzen Erdkreis gepredigt werden allen Völkern zum Zeugnis, und dann wird das Ende kommen« (Matth. 24, 14).

Im Jahre 1500 wurde die Bibel nur in 14 Sprachen gedruckt. Im Jahre 1800 waren es 71, und im Jahre 1965 ist sie in mehr als 1250 Sprachen und Dialekten gedruckt worden. Dazu kön­nen wir noch das Radio und Fernsehen rechnen und auch die gehäuften Missionsprogramme der Kirchen seit dem Zweiten Weltkrieg. Es gibt nur noch wenig Stellen auf der Erde, wo das Evangelium heute nicht gehört werden kann. Auf Grund der modernen Verkehrsmittel, Nachrichtenverbindungen und sonstigen Techniken ist es zum erstenmal möglich, daß die Prophezeiung von Matth. 24, 14 erfüllt werden kann.

Wir wissen, Jesus Christus wird kommen. Ich weiß nicht wann. Ich kenne weder Stunde noch Tag, noch Monat, noch das Jahr. Gott allein weiß, wann er kommen wird. Aber die Bibel sagt, daß er wiederkommen wird. Es gibt keine Mög­lichkeit, daß die Völker der Welt die Probleme der mensch­lichen Natur lösen können, bis er wiederkommt.

Eines wissen wir, die Wiederkunft Christi ist heute näher als am Anfang unseres Glaubens. Es mag sein, daß viele die­ser Ereignisse eintreten werden, bevor unsere Generation abgeschieden ist. »Kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.« Was wir heute beobachten können, mag wohl die Vorbereitung für Gottes Eingreifen in die menschlichen An­gelegenheiten sein mit der Wiederkunft Christi. Paulus sagte den Christen: »Darum tröstet einander mit diesen Worten!« (1. Thess. 4, 18).

 

Was sollen wir tun?

Ein Christ ist nie hoffnungslos, es sei denn, daß er seine Nei­gungen auf die Dinge dieser Welt konzentriert hat. Wer ein Leben der Hingabe an Gott geführt und seine Schätze im Him­mel gesammelt und seine Neigungen den göttlichen Dingen gewidmet hat, der hat keine Veranlassung zur Verzweiflung oder Entmutigung. Was sollte angesichts der sich überstür­zenden Ereignisse deine Haltung sein?

 

1. Bereite dich vor mit Dringlichkeit

Jesus sagte: »Deshalb sollt auch ihr bereit sein! Denn der Sohn des Menschen kommt zu einer Stunde, wo ihr es nicht meint« (Matth. 24, 44). Bist du bereit, ihm zu begegnen, wenn er heute kommen sollte? An vielen Stellen ermahnt uns die Bibel, bereit zu sein. Du magst antworten, das sei ein Auf­ruf auf Grund von Furcht. »Aus Glauben erbaute Noah, als er eine göttliche Weisung über das, was man noch nicht sah, empfangen hatte, in der Furcht Gottes eine Arche zur Rettung seines Hauses« (Hebr. 11, 7). Noah war erschrocken vor den kommenden Ereignissen, und es war diese Furcht, die ihn dazu trieb, die Arche zu bauen.

2. Warte mit Geduld

»Denn Ausdauer habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tun und so die Verheißung erlangen mögt. Denn noch eine ganz, ganz kurze Zeit, so wird der, welcher kommen soll, kommen und nicht verziehen« (Hebr.10,36). Die dem Abraham und der Sarah verheißene Geburt Isaaks wurde lan­ge hinausgezögert; aber Gottes Verheißung erfüllte sich, wenn es auch unmöglich schien.

3. Wache mit Erwartung

Matthew Henry schrieb: »Warten heißt nicht nur glauben, daß unser Herr kommen wird, sondern auch wünschen, daß er kommt. Oft daran denken, daß er kommt und immer da­nach Ausschau halten als nach etwas ganz Gewissem, wenn auch Zeit und Stunde ungewiß sind.«

»Das Reich, in dem wir Bürger sind, ist in dem Himmel, und aus ihm erwarten wir auch als Heiland den Herrn Jesus Christus« (Phil. 3, 20). Der Apostel Paulus schrieb an Titus: ». . . und warten auf die selige Hoffnung und auf die Erschei­nung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und des Heilan­des Christus Jesus« (Tit. 2, 13). Als die Königin Viktoria ei­nen Pfarrer über die Wiederkunft Christi predigen gehört hatte, sagte sie: »Ich wünschte, er käme zu meinen Lebzei­ten, daß ich meine Krone nehmen und zu seinen Füßen legen könnte.«

4. Arbeite mit Eifer

»Wohl jenem Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei sol­chem Tun finden wird« (Matth. 24, 46). Manche Leute mei­nen, wenn Christus bald wiederkommt, warum sollten sie dann noch weiter arbeiten? Das war eins der Probleme der Thessalonicher, denen Paulus schrieb, um ihnen die Wieder­kunft Christi ganz gewiß zu machen. Er erklärte ihnen Ein­zelheiten der letzten Tage und rief sie dann auf, ans Werk zu gehen. Die Hoffnung auf die Wiederkehr Christi sollte uns nur um so intensiver arbeiten lassen, damit wir »nicht zuschanden werden vor ihm bei seiner Wiederkunft« (1.Joh. 2, 28).

Für den Christen wird die Wiederkunft Christi ein herrli­cher Augenblick sein, für die Menschen ohne Christus das größte Unglück, eine tragische Trennung, eine unvorstellbare Enttäuschung. Aber welch ein herrlicher Abschluß für die, die bereit sind. Die letzten Worte der Bibel lauten: »Ja, ich komme bald. Amen. Komm, Herr Jesu!« (Offb. 22, 20).

Originaltitel  WORLD AFLAME,  erschienen 1965.  1966 in das Deutsche übersetzt von Peter Schneider.

Der folgende Buchauszug wurde von Horst Koch zusammengestellt, im April 2003.

www.horst-koch.de  –  info@horst-koch.de

 

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