Eine dunkle und helle Seite von Kraft?

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Dave Hunt

 

Eine dunkle und eine helle Seite von Kraft?

Die wichtigste Grundlage des Okkultismus ist der Glaube, dass das Universum von einer unendlichen Macht durchdrungen ist und wer in die entsprechenden Geheimnisse eingeweiht ist, sich diese Kraft zu seinen eigenen Zwecken nutzbar machen könne. Wie diese Kraft zu beherrschen ist, variiert unter den einzelnen Schulen des Okkultismus. Bei manchen kommt es vor allem darauf an, mit Geistwesen oder bestimmten Tieren in Kontakt zu treten, die als Hüter dieser Kraft fungieren und sie über oder an diejenigen vermitteln, die ihre Diener werden. Bei anderen reagiert diese Kraft (von der man außerdem glaubt, sie sei eine Quelle alles Wissens – aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) auf bestimmte Rituale, Zeremonien oder geheime Techniken, die erlernt werden können und an jede neue Generation von Eingeweihten weitergegeben werden.

Die Vorstellung von einer unpersönlichen Kraft ist natürlich verlockend. Wie viel attraktiver ist es, durch Beherrschung dieser Kraft zu seinem eigenen Gott zu werden, als statt dessen einem persönlichen Schöpfer verantwortlich zu sein! Der persönliche Gott der Bibel verlangt Gehorsam – und Ungehorsam hat seine Konsequenzen. Vergebung muss auf gerechter Grundlage geschehen, d. h. die Strafe für die Sünde muss gezahlt werden. Eine Kraft hingegen weiß nichts von Moral, da sie unpersönlich ist; sie steht allen zur Verfügung, die die Gesetze oder Rituale befolgen, aufgrund derer sie funktioniert. Man muss kein gerechter oder religiöser Mensch sein, um die Elektrizität zu benutzen; ebenso verhält es sich mit dieser imaginären »Kraft«. Sie erhebt keinen höheren moralischen Anspruch als die Gravitation, doch vermutlich ist sie der Schlüssel zu aller Macht und allem Wissen.

Okkultisten jeder Couleur behaupten, es gäbe eine positive und eine negative Seite dieser »Kraft« – eine »helle« und eine »dunkle« Seite, wie Obi Wan in Krieg der Sterne sagt. In der Magie werden ganz ähnliche Begriffe gebraucht: »weiße« Magie und »schwarze« Magie. Und so ist es bei den Stammeskulten und -religionen von Eingeborenen rund um die Welt, in allen Kulturkreisen und zu allen Zeiten. Der berühmte Medizinmann der Lakota, Archie Fire Lame Deer (der vom Basketball-Trainer Phil Jackson und vielen anderen Prominenten hoch bewundert wird), sagt im Zitat am Anfang dieses Kapitels genau das.

Eine geheimnisvolle unsichtbare »Energiequelle«?

Dass es im Universum geheimnisvolle Kräfte gibt, kann wohl niemand bestreiten. Der Atomkern wird von einer Kraft zusammengehalten, die das menschliche Begreifen übersteigt, doch irgendwie liefert sie die Energie für die Elektronen in der Atomhülle. Das Universum steckt voller Geheimnisse, die für die Wissenschaft unerklärlich sind.

Obwohl wir wissen, dass es Gravitation und Elektrizität gibt und wir sie beobachten und messen und sogar zu unseren Zwecken nutzen können, weiß die Wissenschaft doch nicht, worin diese Kräfte eigentlich bestehen und wo sie herrühren. Die Wissenschaft sagt uns, dass alles aus Energie entstanden ist und dass Energie weder geschaffen noch vernichtet werden kann, doch die Wissenschaft kann uns nicht sagen, was Energie an sich ist, wie sie entstanden ist, was die Quelle ihrer Kraft ist oder warum sie bestimmten Gesetzen folgt. Der Physiker Lambert Dolphin schreibt:
Der Atomkern enthält positiv geladene und neutrale Teilchen … Die gegenseitige elektrostatische Abstoßung zwischen den gleichartigen positiven Protonen würde den Kern auseinander treiben …
Somit gibt es eine aktive, dem Universum auferlegte Kraft, die die Grundbausteine der materiellen Welt aktiv in jedem Augenblick zusammenhält, Tag für Tag, Jahrhundert um Jahrhundert.

In ähnlicher Weise wäre zu erwarten, dass die angeregten Elektronen, die den Kern umgeben, ihre gesamte Energie schnell verstrahlen und in den Kern stürzen, wenn es nicht eine unsichtbare Energiequelle gibt, die dem entgegenwirkt.

Was ist diese »unsichtbare Energiequelle«? Und welche »Intelligenz« steht dahinter? Offensichtlich hat keine Kraft irgendeine Intelligenz. Dass in der Natur mehrere Kräfte produktiv zusammenwirken, ist ein starker Hinweis auf eine unendliche Intelligenz hinter allen Dingen.

Die Tatsache, dass jede Kraft, sei es Gravitation oder Elektrizität, an bestimmte Gesetze gebunden ist (die wiederum alle miteinander kooperieren), ist ein hinreichender Beweis dafür, dass keine individuelle »Kraft« das Gesamtgeschehen beherrscht. Es ist eindeutig so, dass alle Kräfte einer vorrangigen Intelligenz unterworfen sind, die sie erschaffen hat. Ebenso wenig kann jemand die Behauptung aufrechterhalten, eine »Seite« der Kraft, entweder die »helle« oder die »dunkle«, sei stärker als die andere. Somit ist die Situation hoffnungslos, denn niemals wird eine der beiden Seiten triumphieren. »Gut« und »böse« wären so tatsächlich bedeutungslose Begriffe.

Ein grundsätzliches Problem: Macht korrumpiert

Wenn außerdem allen Dingen und allen Lebewesen eine okkulte Kraft innewohnt, wie Archie Fire Lame Deer es behauptet, dann würde dies in keiner Weise Friede und Einigkeit für die Menschheit bedeuten, sondern das völlige Gegenteil.
Wenn »Macht [Kraft] korrumpiert und absolute Macht absolut korrumpiert«, ist die Aussicht einer Menschheit, die eine unbegrenzte okkulte Macht entfaltet, eher erschreckend als ermutigend. Die Versuchung, nach immer größerer Macht zu streben, um den großen Wettstreit zu gewinnen, würde anscheinend bei jedem zu unausweichlicher Korruption führen, sogar bei denjenigen, die angeblich die »helle Seite der Kraft« gebrauchen.

Hier stehen wir vor einem grundsätzlichen Problem des Okkulten: unbegrenzte Macht, die von »weißen Magiern« zu »guten Zwecken« eingesetzt wird und zum »Bösen« von »schwarzen Magiern«. Doch wer soll »gut« und »böse« definieren? Wer die Kraft beherrscht, kann sie zu seinen eigenen Zwecken verwenden, für das, was er in seinem Leben erreichen will, entgegen den Wünschen und Zielen aller anderen. Wenn es keinen persönlichen Gott der Liebe, Heiligkeit, Gerechtigkeit und Autorität gibt, der sich in Verantwortung um das Universum kümmert, kann eine »Kraft« oder »Macht« der Erde niemals Frieden bringen. Gleiches müßte von der ganzen »Human-Potential«-Bewegung zugegeben werden. Macht führt nicht zum Frieden, sondern nur zu größeren Konflikten.

Die Bibel sagt, dass Gott ein persönliches Wesen von unendlicher Liebe, Weisheit und Macht ist, der den Menschen nach seinem eigenen moralischen und geistlichen Bild geschaffen hat und demgegenüber der Mensch verantwortlich ist. Im Gegensatz dazu bietet der Okkultismus das Versprechen, jeder könne zu gottähnlicher Macht gelangen und so sein eigener Gott werden. Einige Okkultisten glauben natürlich, sie müßten sich an diese Geistwesen wenden, die angeblich all diese Kräfte unter Kontrolle haben. Aus dieser Vorstellung entwickelten sich komplexe Regelwerke, wie man die Gunst der Götter erlangen kann und diese Regeln wurden in Form okkulter Rituale von Initiation zu Initiation weitergegeben.

Man kann leicht einsehen, dass die Lehre des Positiven Denkens in den Kreisen der Geschäftswelt, unter Akademikern und Psychologen ein Aufruf ist, sich an die »helle« Seite zu wenden und die »dunkle« Seite dieser Kraft zu meiden. Das gilt auch für das »Positive Denken« bzw. »Denken in Möglichkeiten«, das in der Christenheit von Norman Vincent Peale und seinem Hauptjünger Robert Schuller populär gemacht wurde. Und Gleiches gilt ebenso für das »Positive Bekenntnis« (das Aussprechen vom »Wort des Glaubens«) heutiger führender Charismatiker. Sie meinen, der Geist (oder die Zunge) jedes Menschen könne ein Kanal für diese Kraft werden, so dass alles, was man denkt oder laut ausspricht (»Positives« oder »Negatives«), geschehen wird.

 

Gott wegerklären

In gleicher Weise hat die Wissenschaft versucht, die Ordnung des Universums als Folge unpersönlicher Gesetze zu erklären. Doch es ist kein Naturgesetz bekannt, dem das Bewußtsein unterworfen wäre, und keine Gesetze der Physik können seine Existenz erklären. Um das Eingeständnis einer »Intelligenz« hinter der Natur zu umgehen, vermuten fundamentalistische Evolutionisten hypothetisch ein »organisierendes Prinzip«, das dem Atom eigen ist.

Organisation braucht intelligente Planung und Anweisung. Diesem »organisierenden Prinzip« werden alle Eigenschaften Gottes zugeschrieben, außer der Fähigkeit, die von ihm hervorgebrachten Geschöpfe gerecht zu richten. Diese Fähigkeit muss mit Vehemenz abgestritten werden, um ihren schrecklichen Konsequenzen zu entgehen. Tatsächlich wird diese unpersönliche Macht im Menschen personifiziert, wo sie geheimnisvoll verborgen wohnt als sein angeblich unendliches Potenzial.

In gleicher Weise bestehen viele moderne Theologen auf »Wahrheit« ohne göttliche Inspiration. Sie bestreiten, dass die Bibel Gottes unfehlbares Wort ist und versprechen sich dennoch Lektionen von ihr über die »Mythen«, die sie enthalten soll. »Mythen« zu verehren verlangt aber anscheinend eine weit größere Leichtgläubigkeit als der Glaube an die von Gott geoffenbarte Wahrheit. Der bekannte Mythologe Joseph Campbell sagte:
Der Mensch neigt dazu … Naturkräfte zu personifizieren. Unser westliches Denken sieht Gott als letztliche Quelle oder Ursache der Energien und Wunder des Universums an. Aber im orientalischen Denken – und auch im Denken der Naturvölker – sind die Götter zumeist vielmehr Manifestationen und Übermittler der Energie, die letztlich unpersönlich ist. Sie selbst sind nicht ihr Ursprung.
Der Gott ist der Kanal dieser Energie. Und die Kraft oder Qualität der vermittelten oder repräsentierten Energie bestimmt den Charakter und die Funktion des Gottes. Es gibt Götter der Gewalt, es gibt Götter des Mitleids … Personifizierungen der jeweiligen Energien …
Und dann fragen Sie: »Nun, es muss doch jemanden geben, der diese Energie erzeugt?« Warum müssen Sie diese Frage stellen? Warum kann das höchste Geheimnis nicht unpersönlich sein?

Die vier Lügen der Schlange

Das höchste Geheimnis kann nicht unpersönlich sein, weil etwas Unpersönliches nicht denken, planen, organisieren oder kreieren kann. Doch derartige Fähigkeiten sind absolut notwendig, um das Universum und insbesondere intelligentes Leben ins Dasein zu rufen. Nur persönliche Wesen können erkennen, dass es ein Geheimnis gibt, und keine unpersönliche »Kraft« könnte persönliche Wesen hervorbringen. Die »Neigung des Menschen« das Unbelebte zu personifizieren, ist nicht, wie Campbell behauptet, eine rein menschliche Angewohnheit des Aberglaubens oder Wunschdenkens. Tatsache ist, dass das rationale Denken eine rationale Erklärung für das Universum verlangt, und rationales Denken muss persönlich sein.

Darüber hinaus wird die Vorstellung einer Kraft mit heller und dunkler Seite dadurch entkräftet, dass die auf okkulte Weise empfangenen Offenbarungen, auf denen das Okkulte basiert, persönlicher Natur sind. Bei diesen manifestiert sich nicht nur eine bloße Kraft, sondern diese Kraft wird begleitet von einer in sich schlüssigen Philosophie, die unausweichlich mit vermittelt wird. Zudem kann diese Philosophie auf eine persönliche Quelle zurückgeführt werden: die Schlange bzw. Satan. Eines der verblüffendsten Phänomene, die jeder feststellt, der das Okkulte untersucht, ist die erstaunliche Entsprechung zwischen einerseits den Lügen, mit denen der Bibel zufolge die Schlange im Garten Eden Eva betrog (1Mo 3,1-5) und andererseits der einstimmigen Philosophie, die allem Okkultismus zu Grunde liegt. Dabei handelt es sich um die folgenden vier Punkte:

1.) Gott ist keine Person, sondern eine Kraft. Diese Aussage wird zwar nicht direkt getroffen, doch eigentlich steckt sie in jedem Satz, den Satan von sich gibt. »Hat Gott wirklich gesagt?«, so stellt er den Glauben an einen persönlichen Gott in Frage, der Adam und Eva das Essen von einem bestimmten Baum untersagte. Die Logik war unbestreitbar. Warum sollte die Frucht eines speziellen Baumes schädlich sein, wenn doch die Früchte aller anderen Bäume das Leben erhielten? Sie alle wuchsen auf demselben Boden. In allen Dingen war dieselbe Kraft – im Erdboden, in den Bäumen, in der Frucht und auch im Menschen selbst.

2.) Der Tod ist nicht real; wir sterben in Wirklichkeit nicht. Weil die Kraft in allen Dingen auch in uns wohnt, können wir nicht sterben; wir betreten nur einen »neuen Zyklus«. Diese Lüge wurde natürlich als Re¬inkarnationslehre im östlichen Mystizismus und als Geisterglaube im westlichen Mystizismus weiterentwickelt. Das ist die Botschaft, mit der alle so genannten »klinisch Toten« zurückkommen: Der Tod ist nicht real und es gibt nichts zu befürchten – kein Gericht, nur Liebe und Annahme und eine fortgesetzte, stets aufwärts strebende Evolution.

3.) Die Bestimmung des Menschen ist, einer der Götter zu werden. Wir evolvieren weiter zu immer höheren Wesen und werden schließlich den Gipfel der Evolution erreichen: die Gottheit.

4.) Das Geheimnis ist Erkenntnis von Gut (die »helle Seite« der Kraft) und Böse (die »dunkle Seite« der Kraft). Das war sicherlich das überzeu¬gende Argument, mit dem Satan Eva überredete, von der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Mit uns ist alles bestens, abgesehen von unserer Denkweise. Die Kraft ist bereits in uns, nur wissen wir es nicht und müssen noch »erleuchtet« werden.

Der Zusammenhang zwischen der Philosophie der Schlange und dem Okkulten ist leicht zu erkennen. Beispielsweise bietet die Ausgabe vom Januar 1931 der Zeitschrift The Occult Digest ein Buch an mit dem Titel Die Kraft der Schlange. Der Artikel verspricht 700 Seiten detaillierter Instruktionen für das Erreichen der »Schlangenkraft« mittels Kundalini Yoga zusammen mit »Fotos von Yoga-Haltungen … und einer Erklärung der Schlangenkraft«.
Dieselbe Ausgabe beinhaltet eine Werbung der Rosenkreuzer, die die Entwicklung eines »sechsten Sinnes« verspricht, »der Sie zum Meister Ihres Schicksals macht«. Ein anderer Artikel trägt die Überschrift »Ist der Tod notwendig?« und erklärt: »Jeder Denker stimmt zu, dass die alte Welt anscheinend am Rande einer ›mentalen‹ oder ›spirituellen‹ Entdeckung oder Erweckung steht, die womöglich ohne weiteres jede so genannte Tatsache bezüglich des Lebens und des Todes umstürzen kann.«

Die offensichtliche Parallele zur biblischen Geschichte aus dem Garten Eden ist sicher zumindest faszinierend. Dieselbe 1931er Ausgabe von Occult Digest enthielt Artikel über Reinkarnation und über den Empfang von Botschaften aus der Geisterwelt sowie Artikel, die versprachen, dass die Entwicklung dieser okkulten Kräfte zur Gottheit des Einzelnen führen würden – dasselbe Versprechen, mit dem die Schlange Eva verführte.
Die Geschichte vom Garten Eden ist kein Mythos, sie ist historische Wahrheit. Wie sonst wäre es zu erklären, dass seit dem Sündenfall Evas Nachkommen genau denselben Lügen leidenschaftlich und leichtgläubig nachgelaufen sind, mit der der Bibel zufolge auch Eva selbst von der Schlange getäuscht wurde? Genau diese Lügen sind es, die die Grundlage des Okkulten bilden.
 

»Recht« und »Unrecht«

Einige praktizierende Hexen behaupten, die von ihnen herangezogene Kraft könne nur auf wohltätige Weise gebraucht werden. Welche Kraft ziehen dann aber »schwarze Magier« heran? Außerdem schreibt diese Behauptung anscheinend einer unpersönlichen Kraft moralische Eigenschaften zu. Die trugschlüssige Vorstellung einer dem Kosmos innewohnenden Kraft mit einer »hellen« und einer »dunklen« Seite, die zu einer »weißen« und einer »schwarzen« Magie führen, hat viel Verwirrung gestiftet.

Das ganze Konzept einer »dunklen« und einer »hellen« Seite der Kraft entstammt dem fernöstlichen Mystizismus. Es findet sich im Hinduismus, in dem es keine Sünde gibt, kein Recht und Unrecht und in dem das Dharma jedes Menschen individuell ist. Es findet sich im Buddhismus und Taoismus im Glauben, es gäbe eine übersinnliche Kraft oder ein Chi, das durch yin/yang ausgedrückt wird, von denen keines dem anderen überlegen ist und keines richtig oder falsch ist, sondern beide in Harmonie zueinander stehen müssen.

Akupunktur beispielsweise ist der Versuch, yin und yang im Körper in Einklang zu bringen. William Devine, Vorsitzender der Kalifornischen Gesellschaft für Akupunktur, sagte:
So ist orientalische Medizin. Man bringt einen Patienten; fünf verschiedene Ärzte sehen sich ihn an und kommen zu fünf verschiedenen Diagnosen und keine davon ist falsch.

Den Aussagen von »Ramtha« zufolge (einem 30.000 Jahre alten Krieger, den J. Z. Knight channelt), können wir von der Vorstellung eines richtenden Gottes befreit werden, wenn wir verstehen, dass »es keine Sünde gibt und deshalb keinen Grund für Schuld«. Wenn natürlich niemand Unrecht hat, dann hat auch niemand Recht. Der ganze Gedanke, dass jemand den Anspruch stellt, Recht zu haben, ist in der amoralischen Gesellschaft von heute verdammungswürdig. In einer bekannten Talkshow beharrte Wade Davis darauf: »So etwas wie Recht oder Unrecht in Sachen Religion gibt es nicht … das ist es, woraus Kriege hervorgehen.« Doch Jesus Christus sagt: Wer ihn ablehnt, hat nicht nur Unrecht, sondern ist für ewig verloren. Zwischen Jesus Christus und der Welt des Okkulten muss eine klare Entscheidung getroffen werden.
 

Die vorgetäuschte Toleranz

Das Leugnen von Recht und Unrecht bringt die logische Konsequenz mit sich, dass jede Meinung in gleichem Maße gültig sein muss. Dieser Nonsens tarnt sich als Toleranz, ist aber in Wirklichkeit die schlimmste Form von Intoleranz, weil dadurch auf raffinierte Weise alle anderen Ansichten eliminiert werden. Ein anschauliches Beispiel ist jemand, der vorgibt, mit jedermann übereinzustimmen und darauf besteht, dass selbst die krassesten Unterschiede nur eine Frage der »Auslegung« sind. Diese angebliche Toleranz gegenüber anderen Ansichten entkräftet ironischerweise alle anderen Auffassungen – nicht durch einen Frontalangriff, aber durch die unhöfliche Weigerung, sie ernst zu nehmen. Ein Kontrahent, der eine andere Ansicht vertritt und bereit ist, über die strittigen Fragen zu diskutieren, ist höher zu achten als jemand, der angeblich alles tole¬riert und nichts ablehnt und den eigentlichen Unterschied zwischen zwei opponierenden Meinungen leugnet.
Für viele ist eine solche »Jeder-gewinnt«-Einstellung der einzig gangbare Weg und zum Schaden unserer Schüler hat sie auch an den öffentlichen Schulen Einzug gehalten. Aber wenn »Verlierer« aus unserem Wortschatz gestrichen wird, dann muss auch »Gewinner« weichen. Aus Ent¬täuschung über Psycho-Programme, die soziale Probleme lösen sollten, aber niemanden aufgrund seiner Fehler zur Verantwortung zogen, schrieb
T. H. Fitzgerald in einer Psychologie-Zeitschrift:
Bei AHP [Gesellschaft für humanistische Psychologie] habe ich immer noch den Eindruck … dass irgendwie jeder »aus seiner Perspektive« Recht hat, weil es keinen höchsten Gebieter geben kann. Dennis Jaffe schreibt … über die »Suche nach Vorzüglichkeit«, aber wenn es etwas Vorzügliches geben soll, dann muss es auch Unvorzügliches geben. Und was würden wir sagen, wenn wir es auf der Straße treffen …?

Sogar die Sprache der Diskussion über Moralfragen ist durch die psychologische Heuchelei und das Vokabular des positivistischen Scientismus verdorben worden.

Eines der bekanntesten Beispiele für diese absolute Intoleranz, die sich geschickt als völlige Toleranz tarnt, findet sich in der verbreiteten Floskel: »Wir sind alle auf verschiedenen Wegen zum selben Ziel.« Diese Äußerung hört sich zwar an wie Toleranz gegenüber falschen Vorstellungen, doch sie repräsentiert eindeutig die höchste Form von Intoleranz. Obschon »verschiedene Wege« großzügig toleriert werden, wird auf keinen Fall zugestanden, dass sie zu unterschiedlichen Zielen führen, denn jeder – egal auf welchem Weg er sich befindet – muss zum selben Ziel gelangen.

So räumt diese anscheinend tolerante Vorstellung von »verschiedenen Wegen« keine Möglichkeit eines anderen Zieles ein. Die Bibel sagt hingegen in wahrer Toleranz, dass es zwei Ziele gibt – Himmel und Hölle – und diese Ziele niemandem aufgezwungen werden. Jeder kann sich persönlich entscheiden. Wer in den Himmel gelangen möchte, hat jedoch nur einen Weg zur Wahl: durch Jesus Christus und seinen Tod und seine Auferstehung, sein Erlösungswerk für die Sündenschuld, die Gottes unendliche Gerechtigkeit einfordert.

 

Die erdrückende Umarmung

Genau durch die philosophische Spitzfindigkeit der »Alle-Wege«-Theorie ist der Hinduismus an seinen Ruf als tolerant gegenüber allen Religionen gelangt. Der Hinduismus akzeptiert tatsächlich alle anderen religiösen Überzeugungen, doch dabei werden diese alle durch eine »erdrückende Umarmung« in den Hinduismus absorbiert. Was immer der Hindu in seiner sprichwörtlichen Toleranz scheinbar akzeptiert, verliert seine frühere Identität und wird in eine hinduistische Gestalt umgeformt. Der Hinduismus hat beispielsweise keine Probleme damit, Jesus Christus anzunehmen. Bei 330 Millionen Göttern ändert es schließlich nichts, wenn man noch einen weiteren hinzufügt. Und so kann es unter Hindus zu Tausenden von scheinbaren Bekehrungen kommen, bis in der christlichen Missionsarbeit deutlich herausgestellt wird, was am Hinduismus falsch ist und die Einzigartigkeit Jesu verdeutlicht wird, die ihn von allen Hindugöttern unterscheidet.

Wenn dieser Unterschied nicht absolut deutlich gemacht wird, kön¬nen Hindus scheinbar »Jesus annehmen«, aber sie nehmen nicht den Jesus der Bibel an, den Jesus, der Gott ist und Mensch wurde und der einzig und allein »der Weg, die Wahrheit und das Leben« ist. Der »Jesus«, den ein Hindu annimmt, ist nichts weiter als ein Avatar unter Tausenden. So nimmt der Hinduismus dadurch, dass er »Jesus annimmt«, den Jesus der Bibel weg und ersetzt ihn durch seinen eigenen falschen Christus.

Eine solche Täuschung ist ein hauptsächliches Ziel von okkulten Wesen, die mit der Menschheit kommunizieren. Die Worte des »Jesus«, der Barbara Marx Hubbard ein »vollmächtiges Wiedergeburts-Erlebni« vemittelte, und des Jesus, der der Psychologin Helen Schucman Ein Kurs in Wundern diktierte, stellen eine sehr geschickte Perversion dessen dar, was der Jesus der Bibel zu sagen hat. Gleiches gilt für das Buch Urantia, das angeblich von einer »Kommission von 24 spirituellen Administratoren im Einklang mit einem Auftrag, der von hohen göttlichen Autoritäten (den ›Alten an Tagen‹) erteilt wurde« und die Bibel völlig verdreht, insbesondere im Hinblick auf Jesus Christus. Bei allen solchen Mitteilungen von »höheren Wesen« findet sich eine Umdeutung von Aussagen, die den historischen christlichen Glauben entkräftet und ihn durch ein hinduistisch-buddhistisches Pseudochristentum ersetzt, das dem Okkulten in die Hände spielt. Mit der zunehmenden Ausbreitung dieser Auffassung werden wir Zeugen der Vorbereitung der künftigen Weltreligion.

Diese vorgetäuschte Toleranz wird mitsamt ihrer Geringschätzung der Wahrheit vom heute bekanntesten Fernsehprediger Robert Schuller den Massen aufgetischt. In seiner scheinbaren Toleranz erklärt Schuller, dass »wir die gute Religion von der schlechten Religion daran unterscheiden können«, dass die gute »positiv« ist. Er hat die Religionsführer aufgerufen, »was immer ihre Theologie ist … ihren Glauben in positiven Begriffen auszudrücken … Führungspersonen aller Religionen [sollen] vereint alle Kräfte mobilisieren … um die positive Kraft [zu verkünden] … von religiösen Werten, die die Weltgemeinschaft aufbauen«.

Die Tatsache, dass die Lehren von Hinduismus, Buddhismus, Islam, Katholizismus und Evangelikalismus in so entscheidenden Punkten einander widersprechen,
ist offensichtlich nichts, worum man sich sorgen müßte, solange jeder Glaube »in positiven Begriffen« ausgedrückt wird. Alle Religionen, so denkt Schuller anscheinend, stellen ebenbürtig gültige Werte dar, »die die Weltgemeinschaft aufbauen«. Der Antichrist selbst hätte an einem solchen schwammigen New-Age-Trick nichts zu verbessern!

 

Okkultismus macht sich unter Evangelikalen breit

Die Invasion des Okkulten in die evangelikalen Gemeinden hinein ist eine der schockierendsten Tatsachen unserer Zeit. Das Streben nach Ökumene und der damit verbundene Versuch, eine Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch zu vermeiden und alle Auffassungen zu akzeptieren, ist dabei ein wesentlicher Faktor. Es sollte klar sein, dass die Idee der mentalen Kraft (die Vorstellung, positives oder negatives Denken würde eine eigene Realität erschaffen) nur eine andere Form von der »dunklen und hellen Seite der Kraft« sind. Einer der einflußreichsten Verfechter dieser Auffassung, der zudem einen großen Einfluß auf die evangelikale Christenheit ausübt, ist der bekannte und erfolgreiche Wall-Street-Manager Sir John Marks Templeton, Stifter des Templeton-Preises für den Fortschritt der Religionen.

Templeton
und seine neuheidnischen Ansichten wurden zuerst 1986 von Robert Schuller in die Christenheit eingeführt, der auch weiterhin für sie eintritt. Schullers Zeitschrift Possibilities (»Möglichkeiten«) plaziert Templeton auf sein Titelblatt und widmet sein Titelthema einem Interview mit Templeton. Darin gibt er seine von Einheit/Religiöse Wissenschaft/New Age geprägten Auffassungen zum Besten: »Ihre spirituellen Prinzipien haben Ihnen Wohlstand gebracht … materieller Erfolg kommt … wenn man mit dem Unendlichen in Einklang steht … Der Geist Christi wohnt in jedem Menschen, ob derjenige es weiß oder nicht … nichts existiert außer Gott.« Diese Irrlehren wurden von Schuller an ein riesiges Publikum von Lesern verbreitet.

Der pantheistische Glaube, dass »nichts existiert außer Gott«, ist die Grundlage der »Mind-Science«-Sekten. Er besagt Folgendes: »Gott ist alles und Gott ist gut; deshalb ist alles gut.« Somit existiert Schmerz, Krankheit und Tod gar nicht. Sie sind nur Projektionen des negativen Denkens derer, die sich vorstellen, so etwas zu erfahren. Um von dieser Täuschung befreit zu werden, muss man sein Denken vom Negativen (der »dunklen Seite«) zum Positiven (der »hellen Seite«) ändern. Das ist die Theorie hinter dem Buch Die Kraft positiven Denkens, dem Bestseller von Norman Vincent Peale, das die evangelikale Christenheit jahrelang stark beeinflußt hat.

Templeton ist Evolutionist, Pantheist, Universalist und Okkultist, der den Gott der Bibel und Christus als einzigen Erretter ablehnt und behauptet, Himmel und Hölle seien Bewußtseinszustände, die wir hier auf der Erde erschaffen, Wahrheit sei relativ und der christliche Glaube habe keine Bedeutung mehr. Doch in evangelikalen Kreisen steht dieser Mann in hohem Ansehen. Er war Mitglied im Gremium des Theologischen Se¬minars von Princeton und gehörte 15 Jahre lang dem Leitungsgremium der Amerikanischen Bibelgesellschaft an, obwohl er die Bibel als Gottes Wort ablehnt. Norman Vincent Peale bezeichnete Templeton als »den bedeutendsten Laien der christlichen Kirche unserer Zeit«.

Templetons Buch Discovering the Laws of Life (»Die Gesetze des Lebens entdecken«) aus dem Jahr 1994 ist reinster Okkultismus. Doch anstatt davor zu warnen, widmet Christianity Today diesem Buch die gesamte Rückseite seiner Ausgabe vom 24. April 1994 und hat sich bei seinen Lesern bis heute nicht dafür entschuldigt. Unter der Überschrift »Wird Millionen von Lesern inspirieren« enthielt diese Werbeanzeige die Empfehlung von fünf Prominenten, die im Klappentext des Buches genannt werden: Norman Vincent Peale (der auch das Vorwort schrieb), Robert Schuller, Billy Graham sowie zwei bekannte katholische New-Age-Vertreter. Hier einige beispielhafte Auszüge aus dem Buch:

»Hinter diesem Buch steht mein Glaube, dass die grundlegenden Prinzipien zur Führung eines »edlen Lebens« … aus allen religiösen Traditionen abgeleitet werden können – aus der jüdischen, muslimischen, hinduistischen, buddhistischen und anderen ebenso wie aus der christlichen …
Wir haben die Kraft, alles zu erschaffen, was wir in unserem Leben brauchen und diese Kraft in uns ist die Kraft des Geistes … Es gibt ein Gesetz des Lebens …: »Gedanken, die wir in unserem Geist hegen, werden sich in der äußeren Welt auf ihre eigene Weise reproduzieren …«

Astronauten sind in den Weltraum gereist … [und] haben keine Hinweise auf einen Himmel mitgebracht. Und wo Bohrungen in die Erde eindrangen, stießen sie nicht auf die Hölle, sondern auf Öl … spirituelle Theoretiker neigen dazu, [Himmel und Hölle] als Bewusstseinszustände aufzufassen …

Mit unseren Entscheidungen und Einstellungen schaffen wir uns un¬seren eigenen Himmel und unsere eigene Hölle hier auf der Erde … Der einzige Ort, wo wir den Himmel finden können, ist unser eigenes Herz … Unsere angeborene Güte ist ein essentielles Faktum unserer Existenz … Wenn wir diese Wahrheit erkennen, werden wir den Himmel auf Erden erleben … Wenn unser Handeln spontan aus der Güte unseres Wesens entspringt, finden wir Frieden in der Gegenwart Gottes in uns. Seien Sie ehrlich. Seien Sie wahrhaftig. Lieben Sie alle Teile Ihres Selbst … Die Gottheit in Ihnen … befindet sich auf dem Weg zur Vollkommenheit.

Die Empfehlung seitens Peale und Schuller, die beide jahrelang dieselbe okkulte Philosophie verbreitet haben, überrascht uns nicht. Aber dass Christianity Today, Chuck Colson, Billy Graham und Bill Bright ebenfalls Templeton anpreisen, ist ein schockierendes Indiz für die kompromittive Haltung unter führenden Evangelikalen.
 

Aufruf zur intellektuellen Redlichkeit

Jeder hat das Recht, Christus persönlich abzulehnen, aber es ist intellektuelle Unredlichkeit der schlimmsten Art, darauf zu bestehen, Jesu Lehren seien völlig kompatibel mit hinduistisch-buddhistischen pantheistischen Philosophien. Das muss so sein, folgert ein Autor, weil »alle New Ager, die ich getroffen habe, Jesus lieben und Buddha und Krishna und jeden, ungeachtet der Rasse oder Sprache oder religiösen Vorliebe«.

Die Vorstellung, eine überzeugungslose »Liebe« (die zu schwach zum Korrigieren anderer ist) würde irgendwie die Frage nach Wahrheit, Recht und Unrecht und nach gesunder Lehre überflüssig machen, ist ein grundlegender Irrtum. Echte Liebe korrigiert vielmehr diejenigen, die einem schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Irrtum zum Opfer gefallen sind.

Die okkulte Unterwanderung der abendländischen Gesellschaft ist eine direkte Folge der »wissenschaftlichen« Erosion des Glaubens an das transzendente Wesen Gottes. In der westlichen Welt praktizieren heute Mil¬lionen Transzendentale Meditation. Dabei ist die Bezeichnung transzendental ein einziger Schwindel. TM ist pantheistisch und leugnet somit einen transzendenten Gott. TM führt tief ins Innere, um das »wahre Selbst« zu finden. Unsere Gesellschaft ist geradezu selbst-besessen geworden, besessen von einem Selbst, das angeblich zur Gottheit evolvieren soll.
 

Eine wichtige Unterscheidung

Man glaubt, die »Kraft« sei der leitende Faktor hinter der Evolution. Wir haben gesehen, dass Evolution mathematisch unmöglich ist. Außerdem kann sie niemals das menschliche Bewußtsein erklären. Ein Gespür für moralische Verantwortung kann nicht in physiologischen Begriffen erklärt werden. Der Mensch kann nicht einfach Produkt evolutionärer Kräfte sein, die auf die Materie eingewirkt haben. In der Natur gibt es keine Ethik und keine Moral. »Gut« und »Böse« läßt sich nicht auf Galaxien oder Atome oder Naturkräfte wie Gravitation oder Elektrizität oder übersinnliche Kräfte (sofern es solche gibt) anwenden.

Eine Kraft mit hellen und dunklen Seiten
läßt keine Unterscheidung zwischen einem physikalischen und einem moralischen Gesetz zu. Doch eine solche Unterscheidung ist äußerst wichtig. Ein moralisches Gesetz kann nicht zum eigenen Nutzen verwendet werden, ein Naturgesetz hingegen sehr wohl. Moralische Gesetze können nicht als Quelle persönlicher Bevollmächtigung herangezogen werden, was in der New-Age-Bewegung das hauptsächliche Ziel ist. Allgemeingültige, für alle verbindliche moralische Gesetze können nur vom höchsten Gott des Supranaturahlen Monotheismus vorgeschrieben werden, der selbst und mit seinem eigenen Charakter den Maßstab für Gerechtigkeit, Liebe, Reinheit und Güte definiert.

Im Gegensatz zum östlichen Mystizismus lehrt der christliche Glaube,
dass die unendlich gerechten moralischen Gesetze Gottes verletzt wurden und dass der endliche Mensch die unendliche Schuld nicht bezahlen kann. Aufgrund seiner Rebellion verdient der Mensch die ewige Trennung vom Schöpfergott. Gott selbst könnte die von seiner Gerechtigkeit eingeforderte unendliche Schuld bezahlen, aber weil er keiner von uns ist, würde dies nicht geschehen. Deshalb wurde Gott in seiner unendlichen Liebe durch jungfräuliche Empfängnis Mensch, sodass er als Gott und Mensch in einer Person die volle Schuld bezahlen konnte, wie sein Gesetz sie einforderte. Dieses Werk vollbrachte er am Kreuz.

Der triumphierende Ruf Jesu unmittelbar vor seinem Tod – »es ist vollbracht« – ist im griechischen Grundtext ein zuschreibender Ausdruck (teleo, eine Schuld löschen). Die unendliche Strafe für die Sünde ist be¬zahlt. Der Bibel zufolge ist alles, was dem Menschen noch zu tun übrig bleibt, zu bekennen, dass er als Sünder verdient, was Christus an seiner Stelle erlitten hat und die Vergebung anzunehmen, die als Geschenk von Gottes Gnade und Liebe angeboten wird.

Das okkulte Evangelium ist dagegen von einer offensichtlichen Leere gekennzeichnet. Die einzige Errettung, die es anbietet, ist eine Kraft, um die Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen und die eigenen Wünsche zu erfüllen. Gerechtigkeit und Wahrheit fehlen gänzlich. Mit Yogaübungen oder sonstigen Bemühungen um einen höheren Bewusstseinszustand und Zugang zu dieser Kraft kann man noch nicht einmal eine Busfahrkarte bezahlen, geschweige denn die ewige Schuld der Sünde. Der Kraft in der hinduistischen, buddhistischen oder New-Age-Philosophie fehlt die gerechte Grundlage für die Vergebung, nach der sich jedes aufrichtige Herz sehnt. Sünde wird nicht anerkannt, und selbst wenn, dann gibt es weder einen Gott, gegen den gesündigt wurde, noch einen gerechten Weg für den Sünder zur Vergebung.

Die Antwort der okkulten Philosophie auf die tiefsten Sehnsüchte und Bedürfnisse des Menschen ist eine Lüge. Anstatt mit Liebe gefüllt zu werden, der größten Tugend und höchsten Erfahrung, läßt die okkulte Lehre uns mit einem Vakuum zurück. Die Kraft des okkulten Magiers aus Krieg der Sterne ist kein besserer »Gott« als die unpersönlichen Kräfte, die im materialistischen Universum des Atheisten am Werk sind. Sir Arthur Eddington argumentiert:
»Wenn aus dem Herz des Menschen, erstaunt über das Geheimnis der Existenz, der Schrei aufsteigt: »Was soll das alles?«, ist die Entgegnung … keine wahre Antwort: »Es geht um Atome und das Chaos; um ein Universum aus glühenden Kugeln, die auf die bevorstehende Verdammnis zurollen.«
 

 

Ein Konflikt zwischen Gott und Satan

In allen Einzelheiten stellt die Bibel den Einen vor, den sie als den wahren Gott bezeichnet, den Schöpfer des Universums. Sie spricht auch von Satan, dem Gegenspieler Gottes und des Menschen. Satan erscheint als Schlange, die Eva mit der Verheißung verführt, dass sie Unsterblichkeit und Göttlichkeit erlangen werde, wenn sie Gott ungehorsam ist und ihr folgt. Weil dieser Verführer zum Bösen der Drahtzieher hinter der falschen Religion dieser Welt ist, wird er der »Gott dieser Welt« genannt (2.Kor 4,4). In der ganzen Bibel ist er bekannt als »der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erd¬kreis verführt« (Offb 12,9).
Heute halten sich viele als zu gebildet, als dass sie die Geschichte vom Garten Eden wörtlich nehmen. Evas Gespräch mit einer sprechenden Schlange kennzeichnet die Geschichte gewiß als Mythos. Ein solcher Aberglaube kann nur primitiven Menschen zugemutet werden. Jeder Versuch, sie heute zu lehren, würde als Beleidigung des modernen Menschen aufgefaßt, so argumentiert man.

Doch gerade die Skeptiker, die zu intelligent sind zu glauben, dass Satan durch eine Schlange zu Eva sprach, empfehlen die Spiritualität amerikanischer Indianer. Sie haben anscheinend kein Problem zu glauben, dass indianische Medizinmänner zu allen Arten von Tieren reden und sich manchmal sogar in eine solche Kreatur verwandeln. Und versuchen nicht sogar einige unserer führenden Wissenschaftler, sich mit Schimpansen und sogar Delphinen zu unterhalten? Hören wir noch einmal auf Dr. John Lilly:
Delfine sind ein Beispiel für hohe fremde Intelligenz und dafür habe ich mit verschiedenen Leuten gekämpft, seit ich 1961 mein erstes Buch zu diesem Thema veröffentlichte: Mensch und Delphin. Aber jetzt kämpfe ich nicht mehr mit ihnen. Sie denken um; sie fangen an, kognitive Psychologie auf Delfine anzuwenden.

Die Sioux-Indianer, die Phil Jackson als seine Lehrer verehrt und deren Religion er angenommen hat, lehren, dass ihnen vor Jahrhunderten von einer hübschen Frau die »heilige Pfeife« gegeben wurde. Diese Frau be¬nutzte Schlangen für ihre Zauberei und verwandelte sich vor ihren Au¬gen in ein »junges rotbraunes Büffelkalb«, dann in einen »weißen Büffel«, dann in einen »schwarzen Büffel«, bevor sie schließlich verschwand. Schwarzer Elch erklärt, diese Geschichte »sollte nicht nur als ein Ereig¬nis in der Zeit verstanden werden, sondern auch als ewige Wahrheit«. Jackson, der den christlichen Glauben verwarf und zur amerikanischen Eingeborenen-Religion wechselte, hat anscheinend kein Problem damit, diese Geschichte als wörtliche Wahrheit anzunehmen.

Die Schlange und der Drache

Die Schlange und der Drache (die in der Bibel mit Satan identifiziert werden) sind die hauptsächlichen segenbringenden Gestalten sowohl in den Mythologien wie auch in fast allen Religionen. In der haitianischen Voodoo-Tradition beispielsweise ist die »große Schlange« die Quelle aller Weisheit und der Schöpfer des Universums, der den Regenbogen zur Frau nahm und aus dieser Verbindung Blut und alle Geschöpfe hervorbrachte. »Und dann, als letzte Gabe, lehrten sie die Menschen das Blut als Sakrament zu sich zu nehmen, auf dass sie zum Geist würden und die Weisheit der Schlange empfingen.«

Der Drache findet sich auf Tausenden von Tempeln in ganz Asien, während die Schlange die Religion von Indien beherrscht.
Im Hinduismus sind in den Haaren Shivas, eines der drei Hauptgötter, Schlangen eingeflochten. Yoga wird symbolisiert als ein aus Kobras zusammengefügtes Floß, und sein Ziel ist es, die Kundalini-Kraft zu erwecken, die sich zusammengerollt am unteren Ende der Wirbelsäule befindet. In den Tempeln im antiken Ägypten und Rom war der Körper des Gottes Serapis von den Windungen einer großen Schlange umwickelt. Zahlreiche weitere Beispiele könnten angeführt werden, von der gefiederten Schlange Quetzalcoatl, dem Retter-Gott der Mayas, bis zum alljährlichen Schlangentanz der Hopi-Indianer. Manly P. Hall, einer der besten Kenner des Okkulten (und selbst praktizierender Okkultist), schrieb:

»Schlangenverehrung ist in irgendeiner Form in allen Teilen der Welt zu finden. Die Schlangenhügel der nordamerikanischen Indianer; die in Felsen geritzten Schlangen Mittel- und Südamerikas; die verhüllte Kobra Indiens; Python, die große Schlange der Griechen; die heiligen Schlangen der Druiden; die Midgardschlange Skandinaviens; die Nagas von Burma, Siam und Kambodscha … die mythische Schlange des Orpheus; die Schlangen vom Orakel von Delphi … die heiligen Schlangen in den Tempeln Ägyptens; die Uraeus auf den Stirnen der Pharaonen und ihrer Priester – all diese zeugen von der universalen Verehrung der Schlange …
Die Schlange ist … Symbol und Prototyp des universalen Retters, der die Welt erlöst, indem er der Schöpfung die Erkenntnis seiner selbst verleiht … Sie wurde lange Zeit als Emblem der Unmoral betrachtet. Sie ist das Symbol der Reinkarnation …

In der griechischen Mythologie bildete eine um das orphische Ei gewundene Schlange das Symbol für den Kosmos. Ebenso waren in Delphi (jahrhundertelang Sitz des meistbesuchten und einflußreichsten Orakels der Antike, befragt von Machthabern so ferner Länder wie Nordafrika und Kleinasien) die drei Beine des oraklischen Dreifußes im inneren Heiligtum des Tempels mit Schlangen untereinander verknüpft. Oder denken wir als weiteres Beispiel an Äskulap, den griechischen und römischen Gott der Heilkunde, dessen Symbol ein von einer Schlange umwundener Stab ist, von dem das Symbol der heutigen Medizin, der Äskulapstab, abgeleitet wurde.

In seinen Tempeln wurde Äskulap aufgrund eines alten Mythos mit Schlangen verehrt. Dieser Mythos besagt, Äskulap habe aus dem Mund einer Schlange ein heilendes Kraut erhalten. Hier liegt eindeutig eine Pervertierung der Geschichte der Genesis vor: Die Schlange ist nicht der Verführer und Zerstörer, sondern der Retter der Menschheit, und tritt damit an die Stelle Christi. Bei Abschlußfeiern an medizinischen Hochschulen rund um die Welt, bei denen Gebete zum Gott der Bibel bzw. zu Jesus Christus nicht erlaubt sind, wiederholen die Graduierten heute immer noch beim Empfang ihres Doktortitels gemeinsam den hippokratischen Eid. Dieser beginnt mit den Worten: »Ich schwöre bei Apollo, bei Äskulap, bei Hygieia und Panakeia und bei allen Göttern und Göttinnen …«

In seinem Buch Halbzeit der Evolution stellt Ken Wilber heraus, dass die Schlange in Religionen in der ganzen Welt beständig als Symbol immer wiederkehrender Weisheit und ewigen Lebens dargestellt wurde. Zweifellos wird die Schlange, die einst zu Eva kam, überall mit dem Okkulten identifiziert und wird als Verkörperung der geheimnisvollen Kraft verehrt, die Okkultisten jeder Art gewinnen wollen. Die Bibel identifiziert hingegen die Schlange mit Satan und erklärt, dass diejenigen, die seine okkulten Kräfte suchen, schließlich feststellen werden, dass sie als seine Sklaven gefangen und ihre Seelen verloren sind.

Es scheint, dass die Ehre, die der Schlange in allen Kulturkreisen und Religionen erwiesen wird, eigentlich ein Zugeständnis ist, dass die »Kraft« hinter diesem Universum tatsächlich sehr persönlich ist. Sowohl die Bi¬bel als auch die Welt des Okkulten stimmen darin überein, dass es die Schlange wirklich gibt; uneins sind sie nur darin, ob sie des Menschen Freund oder Feind ist.

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