Sanfte Verführung der Gemeinde (A.Seibel)

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Alexander Seibel

 

Die sanfte Verführung der Gemeinde

 

Inhalt

Passivität  –  Segen oder Fluch?

Die Identitätstheorie
Nachfolge Jesu und Gebet, aktiv oder passiv?
Wort oder Bild?
Passivität in christlichen Strömungen
Die wachsende Woge der Passivität
Das Fallen auf den Rücken
Verlust der Selbstkontrolle
Handauflegung unbiblischer Art
Parallelen zwischen New Age und charismatischer Bewegung
Wachsende Infiltration
Die Erfahrung der Exkursion der Seele
Die Renaissance der Mystik

Heilungsdienste – Bereicherung oder Verführung?

Ein populärer Heilungsdienst
Die Geistheiler und ihre Begleitsymptome
Wie wurde der Heilungsauftrag wiederentdeckt?
Ein biblischer Heilungsauftrag?
George Bennett und seine Heilungserfahrungen
John Wimber und die »Dritte Welle des Heiligen Geistes«
Der Einfluß von Agnes Sanford
Wunderheiler
Ermutigt die Bibel zu Wunderberichten?
Ist alle Heilung göttlich?
Der Sog der Verführung

Zeichen und Wunder

Worauf es ankommt

 

Vorwort

Irrationale Erlebnisse sind im Moment in einem unglaublichen Aufwind und breiten sich geradezu epedemiartig aus. Fast gleichzeitig erreicht die Drogenwelle eine Dimension ungeahnten Ausmaßes. Parallel dazu ist in christlichen Kreisen eine neue Begeisterung für »spirituelle« Erlebnisse und berauschende Erfahrungen festzustellen.

Sind diese Entwicklungen rein zufällig, oder gibt es Zusammenhänge? Besteht möglicherweise eine Verbindung zwischen Drogenvergangenheit und charismatischen Erlebnissen? Wie ist die sich besonders durch die New-Age Bewegung ausbreitende Passivitäts- und Meditationswelle einzuordnen?

Wir erleben im Moment einen zunehmenden Drang von Menschen, sich von einer übersinnlichen Welt lenken und steuern zu lassen. Ist es nun bei Christen notwendigerweise jedes Mal der Heilige Geist? Der Autor des vorliegenden Buches zeigt hier Gesetzmäßigkeiten auf, die jeden kritischen Leser nachdenklich stimmen werden.

Neben der konsequenten Hinwendung zum Übersinnlichen ruft eine ständig kränker werdende Menschheit immer eindringlicher nach Heilung. Heilung für den eigenen Leib und die Seele, aber auch Heilung der Natur, Heilung für den sterbenskranken Globus.

Zu den zahlreichen New Age Therapeuten und Wunderheilern rückte in den letzten Jahren eine weitere Gruppe ins Rampenlicht der Öffentlichkeit, die sich auch aufs übersinnliche Kurieren versteht. Es sind christlich religiöse Heiler Charismatiker, extreme Pfingstler. Sie hantieren mit Zeichen und Wundern und wollen dadurch nicht nur Menschen an Leib und Seele gesundmachen, sondern die hilfesuchenden Kranken auch zu einem ewigen Seelenheil geleiten. Sie führen das »Wort Gottes« im Munde und mahnen ihr Publikum zur Buße und Umkehr von ihrem sündigen Leben und zu einem Glauben an Jesus Christus.

Von außen betrachtet unterscheiden sich diese Heilphänomene allerdings kaum von denen der New Age Heiler oder Geistheiler. Das Übersinnliche präsentiert sich in wichtigen Teilen hier wie dort gleich.

Doch diese Zeichen und Wunder weisen eindeutig in eine andere religiöse Richtung, in die christliche. Was ist von dieser Sorte von Heilern zu halten? Kann man sich ihnen guten Gewissens anvertrauen? Welche biblischen Informationen können herangezogen werden, um das Wirken der »christlichen Geistheiler« zu beurteilen? Dieses Buch will allen Fragenden und Zweifelnden unterstützend zur Seite stehen, die hier Orientierung und Hilfe suchen.

Ulrich Skambraks

 

Zum Geleit

Vorliegendes Buch ist das Ergebnis mehrerer Ausarbeitungen zu aktuellen Fragen. Besonders die Themen Heilung und Heilungsdienste haben immer größere Anziehungskraft und entwickeln eine gewisse Eigendynamik. Daneben beobachtet man eine zunehmende Verunsicherung der Gläubigen gegenüber diesen neuen Betonungen. Ist es tatsächlich der Ausdruck von mehr Vollmacht, oder sollte es gar eine noch subtilere Verführung sein?

Doch auch das Phänomen der Rückenstürze in charismatischen und Heilungsversammlungen beunruhigt die Gemeinde und wirft Fragen auf. Deswegen bin ich auch immer wieder um Stellungnahmen gebeten worden.

Hier liegt nun eine Zusammenfassung und Überarbeitung der verschiedenen Themenbereiche vor: eine Zusammenstellung, bei der besonders der Abschnitt über die Heilungsdienste auch getrennt von den vorigen Ausführungen gelesen werden kann.

Es ist mein Wunsch und Gebet, daß das Buch dem Leser ermöglicht, aktuelle Strömungen biblisch zu beurteilen. Es soll dazu Mut machen, das Schwert des Geistes, das Wort Gottes, neu zu ergreifen. Möge es darin vielen zum Segen werden.

Alexander  Seibel

 

Passivität  –  Segen oder Fluch?

»Trance« ist in unseren Tagen zu einem Modewort geworden. So sah man am Rande der Berliner Sommer Uni ganze Schlafsäle voll Feministinnen  »in Trance«. Im Zustand der Hypnose möchte man aus der Tiefe der weiblichen Seele die bevorstehende Katastrophe meditieren.

Meditation ist ebenfalls ein Modewort geworden. So werden in einer christlichen Seelsorgetherapie Zen-Meditation und meditative Selbsterfahrung empfohlen. »Traumarbeit«, Traumdeutung ist ebenso aktuell geworden wie gruppendynamische Spiele, Autogenes Training, Atemübungen usw. Auf einer Woge der Zustimmung und bald schon Begeisterung umarmt man angesichts zunehmender seelischer Konflikte immer mehr Methoden, die in ihrem Grundcharakter Passivität als Wurzel haben, und man erhofft sich darin Heilung in einer verunsicherten Zeit.

Erwähnenswert ist dies deshalb. weil solche Methoden auch sehr stark in Kirchen und Freikirchen eingedrungen sind und viele Gläubige sie kritiklos akzeptieren. Selbst Yoga-Meditation scheint manch einem Christen der Schlüssel zum seelischen Gleichgewicht. Man wird an die Klage Gottes im Propheten Jeremia erinnert: »Mein Volk tut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben.« (Jer 2,1 3).

Kann man solchen Methoden gegenüber nun neutral bleiben? Sind sie nicht zunächst positiv anzusehen, wenn doch erwiesenermaßen etliche dadurch subjektive Erleichterung erfahren haben? Wie viele strahlende Gesichter schwärmen von den großen Vorzügen der TM. Kann man hier für Christen nicht auch manches verwerten und das beste in einem christlichen Rahmen nun den Gläubigen empfehlen? Oder sollten gar Gefahren damit verbunden sein?

Um dies näher zu beleuchten soll auf das Wesen der Passivität eingegangen werden. Einblicke in Verbindung mit diesem Phänomen vermitteln vielleicht die Forschungsergebnisse von weltlichen Wissenschaftlern. In Zusammenhang mit der Gehirnforschung haben u. a. die Namen Wilder-Penfield und Sir John Eccles weltberühmtheit erlangt. Eccles ist Nobelpreisträger und vielleicht die größte Kapazität auf diesem Gebiet. An den Ausführungen seines Buches Das Ich und sein Gehirn kann man nun erkennen, wie die Identitätstheorie der Materialisten falsch ist.

 

Die Identitätstheorie

Was ist nun mit dieser Theorie gemeint? Das materialistische Weltbild, das in unseren Tagen in verschiedenen Facetten und Verkleidungen in die Vorstellungen der Menschen eingesickert ist, gestattet nicht die Existenz einer unsichtbaren Wirklichkeit oder einer unsichtbaren, eigenständigen Persönlichkeit, die man mit Seele oder Geist bezeichnen könnte. Die Persönlichkeit des Menschen sei demnach nur die Summe der hochkomplizierten elektrochemischen Abläufe des Gehirns. Mein Gehirn ist folglich identisch mit meiner Person. Ohne Gehirn gibt es keine Person, und wenn das Gehirn erstirbt, wird nach dieser Theorie auch die Persönlichkeit des Menschen ausgelöscht.

Die beiden erwähnten Wissenschaftler haben nun erkannt, daß Ansicht überhaupt nicht den Tatsachen entspricht. Ihre Forschungsergebnisse brachten sie zur Erkenntnis, daß unser Gehirn vielmehr mit einer hochkomplizierten Maschine verglichen werden kann, die sich aber nicht selber steuert, sondern von unsichtbarer Seite bedient wird.

Bei dieser »Bedienungsgröße« handelt es sich gewissermaßen um eine unsichtbare Person. Sir John Eccles nennt es das »Selbst«. Diese beiden Forscher haben erkannt, – es soll hier so deutlich formuliert werden -, daß das Gehirn selber nicht denken kann. Was  tatsächlich denkt, ist eine unsichtbare Seinsgröße, die als übergeordnete Instanz sich des Gehirns wie einer Maschine bedient. Das Gehirn wurde, grob gesprochen, mit einem Klavier verglichen. Entscheidend ist somit, wie dieser Vergleich eindrücklich zeigt, nicht das Klavier selber, sondern wer es bedient, sozusagen darauf spielt. Unser »Ich« denkt mittels des Gehirns, so wie ein Programmierer mit seinem Computer zusammenarbeitet.

Aus diesen Zusammenhängen wird auch folgendes verständlich: Nicht nur mein Geist kann die komplizierte Maschinerie des Gehirns bedienen, sondern auch ein anderer Geist oder »Geist« schlechthin. Auch duldet die Natur hier eigentlich keinen neutralen Bereich. Wenn der Mensch selbst es ablehnt, sein Gehirn zu betätigen, sich also in einen Zustand der Passivität versetzt, dann wird eben jemand anderer (Geist) sich dieses Organs bedienen.

Mit dieser Tatsache hängt das Phänomen von Zwangs- und Lästergedanken zusammen. Es ist dies in unseren Tagen vielmehr verbreitet, als man allgemein annimmt. Menschen erhalten Gedanken, Bilder, Eingebungen gegen ihren Willen aufoktroyiert. Christen, die sich aus der Drogenszene heraus bekehrt haben, wissen davon zu berichten, wie sie anfänglich noch von Zwängen, ungewollten Bildern und »flash backs « geplagt worden sind. Dave Hunt formulierte es folgendermaßen:

»Als eine Maschine, die auch ein Geist bedienen kann, hat der Nobelpreisträger und weltbekannte Hirnforscher Sir John  Eccles das menschliche Gehirn bezeichnet. Normaler ist meine Persönlichkeit der «Geist«, der mein Gehirn bedient. Aber wenn ich mich in einen veränderten Bewußtseinszustand begebe und einer Macht die Kontrolle übergebe, die ein Spiritist oder Meditationslehrer eine kosmische Kraft nennt oder ein Medium als einen Geist bezeichnet, dann hindert nichts diesen neuen »Geist«, mein Gehirn zu steuern und darin Erlebnisse hervorzurufen. die mir zwar sehr real vorkommen, in Wirklichkeit aber gar nicht stattfinden.«

Nachfolge Jesu und Gebet  –  aktiv oder passiv?

Ein Missionar, der öfters in Indien weilte, erzählte mir persönlich: »Wenn man in Indien zu einer Wahrsagerin geht, sagt sie als erstes: >Make your mind blank< (Mach deinen Verstand leer)«! Man hört heute in wachsendem Maße von Gurus, Meditationslehrern, Therapeuten, Gruppendynamikern u. a. Vorschläge wie: Öffne dich, laß dich fallen, entleere dich, versenke dich, schalte deinen Verstand aus, laß dich gleiten usw. Außerdem verlangen der Hypnotiseur und der Spiritist. daß man sich einfach passiv einem anderen Willen oder Geist aussetzt bzw. ausliefert. So gesteht jeder Hypnotiseur, daß er dort nichts ausrichten kann, wo man ihm willentlich aktiv widersteht.

Die Nachfolge Jesu und das Gebet sind nun das absolute Gegenteil von den oben erwähnten Vorschlägen. Es heißt: Ringet, bittet, suchet, klopfet an, jaget nach, widersteht, fliehet, nahet euch zu Gott, laufet in dem verordneten Kampf und als genaues Gegenteil zu Passivität: Wachet oder seid wachsam.

Diese beiden grundlegenden Tatsachen sollen hier besonders gegenüber gestellt werden. Der Heilige Geist erleuchtet den Verstand und aktiviert unseren Willen, der falsche Geist schaltet den Verstand aus und bewirkt   je nach Art der Infiltration verschieden stark – Zwang. Der Heilige Geist macht wachsam, der falsche Geist passiv. Der Heilige Geist beeinflußt das Herz (Röm 5,5) des Menschen, der verführerische Geist bedient sich des Leibes.

Der Heilige Geist bewirkt Selbstkontrolle. Es heißt in Gal. 5,22 bei der Auflistung der Geistesfrucht u. a. »enkrateia«, welches auch mit Selbstkontrolle wiedergegeben werden kann. Der falsche Geist sucht die Direktkontrolle. Der Heilige Geist bewirkt also, daß ich immer besser diese Maschinerie bedienen, immer klarer denken kann, er wird aber nie direkt hineinschalten. Dies gehört in den Bereich des Zwanges. Gott aber respektiert seine Schöpfungsordnung und hat sich hier selbst eingeschränkt, weil Er seine Geschöpfe liebt und keinen Menschen manipuliert.

Einige deutliche Beispiele sollen diese Gesetzmäßigkeiten demonstrieren: In dem Buch: »Der Verkehr mit der Geisterwelt« schreibt der Spiritist Greber unter der Überschrift: »Die Ausbildung der Medien« folgendes:

»Er beginnt mit einem kurzen Gebet, hält eine Lesung aus Heiligen Schrift und denkt über das Gelesene nach. Darauf hält er seine Hand mit einem Bleistift auf ein vor ihm liegendes Blatt Schreibpapier und verhält sich abwartend ohne irgendwelche geistige Spannung. Wird er zur Niederschrift von Gedanken gedrängt, die mit großer Bestimmtheit ihm inspiriert werden, so schreibt er sie nieder. Wird seine Hand durch eine fremde Kraft in Bewegung gesetzt, so gibt er nach.«

Bibel erklärt: Widerstehet!

Ein junger Mann erzählte mir von seinem persönlichen Werdegang bzw. Irrweg, bevor er zu Jesus fand. In dieser Zeit der Suche praktizierte er auch Zen Meditation. Auf einmal, so berichtete er, verlor er die Kontrolle über Arme und Beine. Verlust der Selbstkontrolle ist das beinahe klassische Charakteristikum – vorausgesetzt natürlich, daß physiologische Ursache vorliegt – falscher Geister.

Friedrich Nietzsche, der sich für einmalig inspiriert hielt, sagte: »Ich habe nie eine Wahl gehabt«.

Vielleicht ist in diesem Zusammenhang ein Zitat aus dem Buch »Jugend in Trance?« angebracht:

»Trance nennen wir einen Zustand, in dem der Mensch nicht mehr die vollständige Kontrolle über sich selbst besitzt. Um in Trance zu verfallen, genügt schon das Starren in eine mit Wasser gefüllte Glaskugel oder das konzentrierte Betrachten eines weißen Kreidekreises auf einem schwarzen Fußboden. Es bedarf dazu also keineswegs unbedingt der Anwesenheit eines Hypnotiseurs. Der Effekt der Autosuggestion oder Selbsthypnose ist allgemein bekannt.«

Durch ständiges Wiederholen von Silben oder Worten erzielt man ähnliche Resultate. Dies ist die Technik von TM (Mantra) oder auch des »Chantens« der Krischna Anhänger. Durch diese Monotonie (das Wort Hare Krischna soll pro Tag 1728 Mal wiederholt werden) kommt es zu einer Entleerung des Verstandes. Die fremde Macht erfaßt dann den Menschen, der so dazu die Voraussetzung geliefert hat. Das Opfer gerät in Trance, Verzückung oder Ekstase, wirkt wie berauscht und verliert oft genug die Selbstkontrolle. Auch das Wort Begeisterung hat hier seine Wurzel.

Wort oder Bild?

Auch Gläubige können solche Effekte durch fromm getarnte Meditation erreichen. Ein passives Entleeren kann sich auch durch das anhaltende Starren in eine Kerze oder auf einen Meditationsgegenstand einstellen. Gerade in der Mystik ist dies vorherrschend. Auch das ständige (geistlose) Wiederholen frommer Silben und Worte, z. B, Halleluja, vermag solche Phänomene zu bewirken. Diese Ausführungen sollen nun andererseits nicht so verstanden werden, daß wir vor Gott nicht mehr stille werden dürfen. Wir sollen unsere »stille Zeit« einhalten, doch nie mit einem passiven oder leeren Verstand. Es sei hier nur an Psalm 1 oder Josua 1, 8 erinnert, wo erwähnt wird, wie man über Gottes Wort nachdenken und es auswendig lernen soll.

Geistliche Wahrheiten aber werden über den Verstand bzw. den Sinn und nicht über das Gefühl vermittelt. Wer Gottes Wort hört und versteht, der bringt viel Frucht (Mt. 13, 23). »Wer Ohren hat, der höre«, sagt der Herr Jesus wiederholt. Es heißt nicht, »wer Augen hat, der sehe«. Deswegen lehrt die Schrift auch die Erneuerung des Sinnes (Röm. 12,2) und ein verstandesmäßiges Prüfen (Eph. 5, 10). Das »Verstehen, was des Herrn Wille ist« (Eph. 5, 17), bezeichnet ein Erkennen, das aus gehörten bzw. gelesenen Wort Gottes gespeist wird. Dasselbe griechische Wort syniemi findet sich auch in Mt. 13, 23, in Luk. 24, Vers 45. Wörtlich heißt es dort von Jesus: »Er öffnete ihnen den Sinn, die Schriften zu verstehen (synienai)«. Es bedeutet ein Verstehen des Herzens, wie Er es in Mt 13,15 buchstäblich, wenn auch in diesem Fall negativ, formuliert.

Letztlich ist dies ein Ergebnis des Lesens der Bibel und des Gehorsams gegenüber dem Anspruch der Heiligen Schrift. Dann öffnet der erhöhte Herr durch seinen Geist auch heute das Verständnis für sein Wort. Denn »die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben» (Joh. 6, 63), erklärt der Herr Jesus.

Die dem Auge angebotenen Bilder jedoch speisen primär in die alte Natur und der übermäßige Bildkonsum prägt den gefühlsmäßigen ichbezogenen Bereich und bewirkt Emotionalisierung, Passivität sowie zunehmende Verstandesfeindlichkeit. Doch gerade im Verstehen, so ermahnt Gottes Wort, sollte man vollkommen sein (l. Kor. 14,20). Bezüglich der Entwicklung in den letzten Tagen redet die Bibel von »Menschen mit zerrütteten Sinnen, untüchtig zum Glauben« (2. Tim 3, 8).

Diese verstandesfeindliche Tendenz zeichnet sich immer mehr ab. Früher hieß es noch: »Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider dich sündige« (Ps. 119, 11). Heute heißt es vermehrt: »Ich bete besonders viel in Zungen, damit ich nicht sündige.« Dies aber illustriert sehr deutlich die Verlagerung von der Ratio zum Irrationalismus, letztlich vom Wort zum Bild. Wir leben in einem nachliterarischen Zeitalter. Früher war das größte Machtmittel das Wort, heute ist es über Fernsehen und Video das erlebnishafte Bild geworden. Früher sagte man: Es steht geschrieben. Heute hört man immer öfters: Ich habe erlebt.

Damit ist nicht gemeint, daß Erlebnisse prinzipiell schlecht seien oder negiert werden sollen. Jeder, der Jesus treu nachfolgt, wird Erfahrungen mit seinem Herrn machen. Doch unser Glaube gründet sich nicht auf Erfahrungen oder Gefühle, sondern auf das Wort Gottes und Tatsachen. Auch sind Gefühle nicht immer abzuwerten oder grundsätzlich negativ. Was man jedoch heute sehen kann, ist eine zunehmende Verlagerung der Betonung und der Schwerpunkte. Man ist immer mehr erfahrungs-  und gefühlsorientiert. Auch kann der Heilige Geist zweifellos Gefühle bewirken. Jedoch rufen umgekehrt Gefühle und eine emotionalisierte Atmosphäre nicht das Wirken des Heiligen Geistes hervor.

Auch sollen diese Ausführungen nicht den Eindruck erwecken, daß der Verstand die letzte Instanz des Menschen sei, geistliche Wahrheiten zu akzeptieren. Diese ist das Herz des Menschen, seine wahre, innere Persönlichkeit, der auch der Verstand untergeordnet ist. Doch es spielen sich die göttlichen Gehorsamsschritte über den Filter des erneuerten Verstandes ab, wodurch die Persönlichkeit des Menschen respektiert wird. Ein Umgehen oder Ausschalten des Verstandes aber bedeutet das Nichtbeachten der Persönlichkeit bzw. des Willens des Menschen. Dies aber ist dem Heiligen Geist fremd.

Passivität in christlichen Strömungen

Diese Gesetzmäßigkeiten der Passivität findet man auch bevorzugt in den pfingstlichen und charismatischen Kreisen. Wenn dies nun so deutlich gesagt wird, soll damit nicht ein Urteil über die Gotteskindschaft gefällt werden. Auch echte Kinder Gottes können einen verführerischen Geist empfangen und manipuliert werden. wie 2. Kor. 11,4 zeigt. Auch kann ein Kind Gottes sich passiv machen. Petrus meint nicht Gläubige, wenn er die Warnung ausspricht: »Seid nüchtern und wachet: denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge.« 1 Petr. 5.8).

In diesen Kreisen meint man nun gewöhnlich, daß der Heilige Geist sich des Menschen wie eines Mediums bedienen müsse und direkt aus ihnen spreche. Deswegen beginnen alle diese Strömungen – und dies kann man nun tatsächlich so pauschal feststellen -, immer mit den Weissagungen: »So spricht der Herr« oder eben mit dieser direkten Anrede des angeblichen Heiligen Geistes an die Anwesenden.

So hat es sich beim Beginn der klassischen Pfingstbewegung 1906 in Los Angeles abgespielt, so verlief und verläuft es bei der charismatischen Bewegung, die um 1960 ihren Anfang genommen hat, so ereignete es sich bei dem Aufbruch katholisch charismatischen Bewegung, der in das Jahr 1967 fällt.

Diese Formulierung, »so spricht der Herr«, gibt es allerdings nicht im Neuen Testament. Es handelt sich um eine rein alttestamentliche Ausdrucksweise.

Die Briefe des Apostels Paulus, Johannes oder Petrus sind Gottes Wort, beginnen aber nicht mit dieser Einleitung: »So spricht der Herr«. Letztlich ist die Inspiration ein Geheimnis, doch kann man erkennen, wie sich die Pesönlichkeit des Schreibers enttfaltet. Der Heilige Geist verbindet sich in harmonischer Weise mit dem Menschen, schaltet aber seine Persönlichkeit nicht aus, noch umgeht er sie oder gebraucht sie in mediumistischer Weise. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang ein Zitat von Watchman Nee angebracht:

»Der Christ muss ganz klar verstehen, dass alle seine Äußerungen das Resultat seines eigenen Denkens sein müssen. Jedes Wort, das den Denkprozess umgeht, ist von bösen Geistern formuliert worden.«

Mit dieser Vorstellung, nun im direktesten Sinne ein Werkzeug des Heiligen Geistes zu sein, ist oft das starke Sendungsbewusstsein in diesen Bewegungen verbunden, das sich nur zu oft in völliger Unbelehrbarkeit äußert.

Erwähnenswert ist vielleicht, dass sich diese Phänomene auch schon im Montanismus finden, jenem einflussreichen schwarmgeistigen Aufbruch im 2. Jahrhundert nach Christus.

»Ein Phrygier namens Montanus wurde vom Geist ergriffen und verkündete zusammen mit zwei Frauen Prisca (der Jesus in Gestalt einer Frau und in leuchtendem Gewand erschien) und Maximilla im Zustand der Ekstase, in dem das normale Bewusstsein ausgeschaltet war, Worte des Parakleten. Gegen die eigentümlich Form dieser Kundgebungen erhoben andere Christen Protest: diese ekstatische prophetische Verkündigung erfolgte nämlich nicht in der dritten Person wie die der biblischen Propheten, sondern war direkte Rede des Geistes selbst, dem der Mund des Propheten als Instrument diente.«

Gerhard Meier schreibt in seinem Bibel Kommentar zu Matthäus 24, V, 5, im Zusammenhang mit der durch falsche Christusse:

»Es ist nicht auszuschliessen, dass auch Eingebungen darunter fallen, bei denen Glieder der Gemeinde aufstehen und im Ich-Stil scheinbar Worte Christi weitergeben.«

Infragestellung dieser Manifestationen wird nicht selten mit Kritik an Gott selber gleichgesetzt, der ja direkt gesprochen habe, und nur zu oft wird daraus die Lästerung des Heiligen Geistes konstruiert. Doch diese Überzeugungen sind das Ergebnis einer falschen Anthropologie und Pneumatologie, die diesen schwarmgeistigen Strömungen zugrunde liegen.

Diese schwerwiegenden Aussagen sollten anhand einiger Zitate von zum Teil Schlüsselleuten belegt werden. Barratt, den man den Vater der europäischen Pfingstbewegung nennen kann, denn durch ihn kam das Pfingstfeuer von Los Angeles nach Europa, berichtet mit eigenen Worten über seine Geistestaufe wie folgt:

»Die Kraft kam so plötzlich und mächtig, dass ich am Boden lag und für einige Zeit unaufhörlich in Zungen redete … Es schien, als ob eine eiserne Hand über meinen Kiefern lag. Sowohl Kiefer als auch Zunge wurden von dieser unsichtbaren Kraft bewegt.«

Ganz offen liegen hier die Gesetze der Direktkontrolle durch eine andere Macht zutage.

Über den Beginn der klassischen Pfingstbewegung schreibt G. H. Lang u.a., wie eine Frau bei solch einer erwecklichen Versammlung trancegleich zum Klavier  schritt. Ihr Mann, wohlwissend, dass seine Frau nicht Klavier spielen konnte, hatte den Deckel eigens geschlossen, Sie öffnete jedoch diesen und spielte tadellos. Was war wirklich geschehen?

Die biologische Maschine dieser Frau diente einem fremden Geist als Werkzeug, um dieses Musikinstrument zu bedienen. Die Frau war hier Medium im direktesten Sinne.

Arnold Bittlinger, den man in gewissem Sinne den Vater der charismatischen Bewegung auf deutschem Boden nennen kann, schreibt in seinem Buch »Glossolalia«:

»Viele Christen haben die Erfahrung gemacht, daß »es« in ihnen ständig betet   auch wenn sie schweigen oder wenn sie mit ihren Gedanken bei der Arbeit sind.«

Mit diesen falschen Vorstellungen über das Wirken des Heiligen Geistes hängt auch zusammen, daß Anhänger dieser Strömungen mit Berufung auf 1. Korinther 14 meinen, der Heilige Geist bete direkt in ihnen oder durch sie in direkter Form. Doch muß man hierzu sagen, daß das Wort Heiliger Geist im ganzen Kapitel 14 dieses Briefes überhaupt nicht vorkommt.

Paulus schreibt ausdrücklich: »Denn wenn ich in Zungen bete, so betet mein Geist« (1 Kor 14.14). Die »Gute Nachricht« übersetzt hier leider bereits falsch, wenn sie diese Stelle wiedergibt mit: »Wenn er in solchen Sprachen redet, betet der heilige Geist in ihm.« Nun ist zwischen dem menschlichen und Heiligen Geist solch ein gewaltiger Unterschied, eben wie zwischen Mensch und Gott, daß es wirklich nicht Nebensache ist, hier die Geister zu verwechseln.

In dem Informationsdienst »Arbeitskreis Christlicher Publizisten« heißt es zum Thema Zungenrede:

«Das wird manchmal so beschrieben, als ob Kiefer und Zunge sich selbständig machten und sich der Kontrolle durch den Verstand entziehen. Ein Zungenredner: >Es ist nicht mein Verstand, der die Worte formt. Mir kommt es so vor, als stünde ich beobachtend neben mir und hörte mir zu.<«

Der Heilige Geist bewirkt, daß ich selber bete, selber aktiv Gott anrufe usw. Der Geist Gottes wird nicht Passivität oder gar Faulheit unterstützen.

Ein junger Mann, der vor seiner Bekehrung stark, in Autogenes Training verstrickt war, berichtete, wie einer der Schlüsselsätze dieser Technik lautet: »Es atmet mich«. Dies soll nicht so verstanden werden, als dürfe unser Atemzentrum uns nicht steuern, sind wir doch auch im Schlaf nun körperlich passiv und werden buchstäblich geatmet. Hier ist vielmehr das Einüben einer passiven Grundhaltung gemeint, die zu den Gesetzmäßigkeiten der (Selbst)Hypnose und/oder Passivität überleitet.

Kathryn Kuhlman, nun wahrlich keine Randfigur der charismatischen Szene, erklärte selbst:

»Du bist darin so unter der Salbung, daß buchstäblich deine Ohren hören   denn Er predigt durch deinen Mund …, Er hat mittels meiner Lippen gesprochen und meine Ohren haben es gehört und ich wußte, es war nicht K. Kuhlman.«

Immer wieder stößt man bei diesen »Geistgesalbten« auf die typischen Phänomene des Mediumismus und Spiritismus. Ähnlich zeigen sich auch bei Paul Toaspern die wiederum klassischen Symptome des automatischen Schreibens. So berichtet er mit eigenen Worten über den Empfang von Botschaften nach einer Handauflegung durch Steve Lightle:

»Nach einer Gewitternacht wurde ich … wach und fühlte es wie einen Befehl, etwas aufzuschreiben. Das Niederschreiben, bei dem mir kein Reflektieren oder Untermischen eigener Gedanken erlaubt war, geschah in einer drängenden Eile, in etwa zwölf bis vierzehn Minuten … Gegen den Inhalt eines der Abschnitte und gegen einen Begriff wollte ich mich sträuben, aber ich hatte nur aufzuschreiben und wußte genau, was zu schreiben war.«

Der Koreaner Yonggi Cho, Pastor der größten Kirche der Welt – vom Standpunkt des Gemeindewachstums einer der erfolgreichsten Verkündiger, die je gelebt haben -, berichtet über seine Geistestaufe:

»Plötzlich wurde es hell im Zimmer. Wellen wie Rauch rollten herein. Ich war vor Ehrfurcht ergriffen. Ich dachte, dass das Haus in Flammen stände und versuchte, um Hilfe zu rufen, aber ich brachte keinen Ton heraus. Verzweifelt schaute ich mich um, und sah zwei Füße neben mir. Ich schaute hinauf und sah ein weißes Kleid,. Dann schaute ich in ein Gesicht, das wie eine starke Sonne war, von der Lichtstrahlen ausgingen. Ich wußte immer noch nicht, wer es war, bis ich die Dornenkrone sah. Sie durchstach seine Schläfen, und Blut lief herunter. Jetzt wußte ich, daß es Jesus Christus war. Seine Liebe schien über mich zu strömen … Herrliche Freude kam aus meinem Innern. Meine Zunge und Lippen begannen zu sprechen. Ich versuchte aufzuhören, aber es schien, als ob eine andere Person sie kontrollierte und sich ungestüm äußern wollte. Ich wußte nicht, was es war, aber ich stellte fest, je mehr ich sprach, umso besser fühlte ich mich.«

Von der französischen Mystikerin Madame Guyon berichtet Dr. Kurt Hutten, wie sie in ihrer Autobiographie folgendes mitteilt:

»Ich schreibe nicht aus meinem Geiste, sondern durch den inneren Geist. Griff ich zur Feder, so wußte ich kein Wort von dem was ich schreiben würde; und auch nachher nicht, was ich geschrieben hatte. Es floss in Strömen des inneren Lichts gleichsam aus der Tiefe hervor und nahm nicht den Weg über meinen Kopf. Die Geschwindigkeit, mit der ich schrieb, war so groß, daß mein Arm anschwoll und ganz steif wurde … Ich schrieb Tag und Nacht ununterbrochen, wobei die Hand kaum Schritt halten konnte mit dem diktierenden Geist.«

Gottfried Mayerhofer, Nachfolger des berühmten Schreinmediums Jakob Lorber, schildert in einem Brief die Art des Empfangens seiner Botschaften:
»Ich bin immer ganz passiv bei solchen Mitteilungen, weiß höchst selten, um was es sich handelt …«

Dr. Toaspern ist nun einer der einflussreichsten Leute innerhalb der charismatischen Bewegung in der DDR, Yonggi Cho Vertreter extremer Pfingstlehren, sogar von weltweitem Einfluß innerhalb der evangelikalen Christenheit.

Es ist tatsächlich so, daß in diesen charismatischen Aufbrüchen die Phänomene des fromm getarnten Spiritismus zu erkennen sind. Deswegen ist diesen Strömungen gegenüber auch keine neutrale Haltung möglich, wie sie heute leider immer mehr als der Weisheit letzter Schluß in den Gemeinden und von verantwortlich Stellen empfohlen wird.

Es entspricht dies allerdings viel mehr dem pluralistischen Zeitgeist, der im Zuge der geistlichen Entspannungspolitik vor allem den Toleranzbegriff umarmt.

Die wachsende Woge der Passivität

Vielleicht wird es ersichtlich, warum der Herr Jesus seine Wiederkunftsreden immer mit der Warnung vor Verführung beginnt und uns zu besonderer Wachsamkeit ermahnt. In den letzten 5 Versen von Markus 13 gleich viermal. Eine richtige Welle der Passivität ergießt sich über unsere Generation und Kultur. Yoga, Autogenes Training, Gruppendynamik, TM, die asiatische Meditationsmethoden, vieles vom Fernsehen, die Drogenkultur, die New-Age-Bewegung, harte Beat- und Rockmusik, besonders ab einer gewissen Lautstärke, beruhen auf oder führen zur Passivität.

Der Grundsatz ist immer der gleiche. Der Mensch lehnt es ab, selber etwas zu tun (schreiben, beten usw.) und liefert sich dadurch einer fremden Macht aus. die er für wohlwollend oder göttlich hält, in Wirklichkeit aber dämonisch ist.

Bei zunehmender Intensität der Passivität kann diese Macht den Menschen immer mehr erfassen und kontrollieren. Der Betreffende stürzt dann manchmal zu Boden, wird »erschlagen« oder »ruht im Geist«, wie im Zusammenhang mit der Tätigkeit von beispielsweise Kim Kollins nun das Hinstürzen der Anwesenden bezeichnet wird.

Das Fallen auf den Rücken

Von den Teilnehmern nun, die in solch »erwecklich«-charismatischen Versammlungen zu Boden stürzen, fällt der überwiegende Teil nicht nach vorne, sondern immer häufiger auf den Rücken. Gibt es dazu biblische Beispiele, oder wie ist dies von der Heiligen Schrift her Zu beurteilen‘?

Nun wird in Gottes Wort immer wieder davon berichtet, wie Menschen in Ehrfurcht vor dem lebendigen Gott auf ihr Angesicht fallen. Abraham (1 Mos 17.3), Mose und Aaron (4 Mos 17,10), Josua (Jos 7,10). Petrus (Mt 17,6), der Samariter (Luk 17,16) und viele andere. Von der Anbetung vor dem himmlischen Throne Gottes wird zweimal ausdrücklich gesagt, wie man dabei auf das Angesicht fällt (Offb 7,11 und 11,16).

1 Kor 14 wird als Beleg für die besonderen charismatischen Gottesdienste immer wieder zitiert. Gerade dieses Kapitel aber spricht davon, daß vom Heiligen Geist überführt, der Betreffende auf sein Angesicht fallen würde (Vers 25).

Von daher ist es eher bemerkenswert. daß sich in diesen Strömungen, die sich bevorzugt auf den Korintherbrief berufen  in gewisser Hinsicht das genaue Gegenteil manifestiert. Die Menschen fallen auf den Rücken und müssen von besonderen »Auffängern« vor Schaden bewahrt werden. Für diese Art Dienste oder Amt gibt es kein biblisches Beispiel. Wir lesen nirgends in der Heiligen Schrift, daß, wenn der Herr Menschen heilte oder anrührte, sich seine Jünger in Auffangstellung unter die Zuhörermenge mischten.

Gibt es jedoch Hinweise in Gottes Wort für das Fallen auf den Rücken? Die Bibelstellen, die davon berichten, deuten an, daß bei solchen Ereignissen ein Gericht Gottes vorliegt. Als der Hohepriester Eli die Nachricht erfährt, daß die Bundeslade von den Philistern geraubt worden ist, fällt er rücklings vom Stuhl und erschlägt sich (1 Sam 4,18). Gott hatte dies vorher als Gericht angekündigt (1 Sam 2,34 und 3,11).

In Jesaja 28 spricht Gott ab Vers 7 von dem Gericht über die falschen Propheten. Der 13. Vers sagt schließlich: »… daß sie hingehen und rücklings fallen, zerbrochen, verstrickt und gefangen werden.« Dies ist um so mehr bemerkenswert, als die Verse unmittelbar davor (Vers 11 12) von Paulus in 1 Kor 14 zitiert werden.

Eine allegorische Deutung läßt vielleicht 1 Mos 49,17 zu: Durch den Biß der Schlange fällt der Reiter auf den Rücken.

Der Teufel als der »Affe Gottes« wirkt oft genug das Gegenteil des Heiligen Geistes. So ist es bekannt, daß in Satanszirkeln als lebende Altäre die Menschen (gewöhnlich Frauen) auf dem Rücken liegen.

Es bedeutet dies Aufdecken der Blöße vor Gott. Deswegen durfte im Alten Testament der Altar nicht auf Stufen errichtet werden: »Du sollst nicht auf Stufen zu meinem Altar hinaufsteigen, daß nicht deine Blöße aufgedeckt werde vor ihm« (2 Mos 20,26).

Der Mensch, der sich vor Gott aufs Angesicht wirft, verdeckt seine Blöße.  Wer aber auf dem Rücken liegt, deckt sie auf. Es ist der Geist des Widersachers, der den Menschen entblößt (Offb 16,15), nie und nimmer aber ist so etwas das Wirken des Heiligen Geistes.

Auch weiß man von der Missionsgeschichte, wie Menschen durch das Wirken des Heiligen Geistes auf den Rücken fallen. So wird in dem Buch »Chinas Märtyrer« berichtet, wie die Chinesen, die am Boxeraufstand teilnahmen, sich einem besonderen Ritual unterzogen. Der betreffende Initiand mußte sich in einen Kreis stellen, sich verbeugen und Beschwörungsformeln so lange aufsagen, bis der angerufenen Geist kam und von ihm Besitz nahm, wobei er rücklings platt auf die Erde fiel. Er geriet in Trance und erwachte erst wieder aus diesem Zustand, wenn der Zeremonienmeister seine Stirn berührte.

Auch aus heidnischen Religionen kennt man solche Phänomene. So schreibt Rabi Maharaj in seinem Buch »Der Tod eines Guru« unter der Worterklärung Shakti Pat: »Bezeichnet die Berührung des Guru, gewöhnlich seiner rechten hand an der Stirn des Anbetenden, die übernatürliche Wirkungen hat … Durch Verabreichung des Shakti Pat wird der Guru zum Kanal der Urkraft, der kosmischen Kraft, welcher das ganze Universum zugrunde liegt … Die übernatürliche Wirkung des Shakti durch Berührung des Guru kann den Anbetenden zu Boden werfen, oder er kann ein helles Licht wahrnehmen und eine innere Erleuchtung oder sonstige mystische oder psychische Erfahrung machen.«

Karl Guido Rey berichtet in seinem Buch »Gotteserlebnisse im Schnellverfahren« wie die Mesmeristen ihre Schüler in Hypnoseexperimenten rücklings fallen ließen. Sie bezeichneten es »als Experimente der magnetischen Anziehungskraft.«

Abgesehen davon, wo Menschen aus rein körperlichen Gründen zu Boden sinken, weil schwach oder gar ohnmächtig werden,  was hier natürlich nicht gemeint ist, muß festgestellt werden, wie es sich hier nicht um ein neutrales Phänomen handelt. Es treten Wirkungen einer transzendenten, geistlichen macht auf. Die Bibel aber ordnet übernatürliche Phänomene nicht neutral ein, sondern nennt sie entweder göttlich oder dämonisch. Hier aber ist der Befehl an die Jünger Jesu, die Geister zu prüfen.

Manchmal wird noch als biblischer Beleg von charismatischer Seite für diese Phänomene  Johannes 18. 6 angeführt: »Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin’s! wichen sie zurück und fielen zu Boden.« Zwar heißt es nicht ausdrücklich, daß sie rücklings fielen, doch ist dies hier nicht völlig auszuschließen.

Auch John Wimber, Amerikas derzeit bekanntester Heilungsevangelist, beruft sich auf diese Stelle. Nun sollte man erstens beachten, daß zwischen dem Herrn Jesus und einem Menschen, auch wenn er noch so ein brennender Christ ist, ein bedeutender Unterschied besteht. Doch von einfachen Textzusammenhang her kann man in dem Abschnitt aus Joh. 18 erkennen, daß dies nicht Leute waren, die mehr Geistesausrüstung oder Hingabe an jesus suchten, sondern im Prinzip seine Todfeinde waren. Sie wollten ihn gefangen nehmen und hinrichten lassen. Insofern kann es sich hier bestenfalls nur um ein Gerichtszeichen handeln, was wiederum mit dem oben Gesagten übereinstimmt.

Bei Reinhard Bonnke, dem deutschen Pfingstprediger, treten solche Machtwirkungen des Zurückfallens mit tranceähnlichen Begleiterscheinungen in massiver Fülle auf. Zwei Beispiele von vielen:

»Ich weiß, was mit mir geschah, während ich vorne stand. Alles, woran ich mich erinnern kann, ist, daß eine Welle der Kraft mich von Kopf bis Fuß durchströmte. Ich muß zu Boden gefallen sein, denn dort erwachte ich nach geraumer Zeit. Oder: Da war zum Beispiel die schwergewichtige Zigeunerfrau, die sich auf ihren Krücken daherschleppte. Ich betete mit ihr und die Kraft Gottes warf sie zu Boden.« (Rey, Gotteserlebnisse im Schnellverfahren)

Manch ein Teilnehmer an solchen Versammlungen kann erst wieder aufstehen, wenn ihn die Seelsorgehelfer anrühren. Dies erinnert in gerichtsmäßiger Vorschattung an Jeremia 25, 27, wo es heißt: »Trinkt, daß ihr trunken werdet und speit, daß ihr niederfallt und nicht aufstehen könnt vor dem Schwert, das ich unter euch schicken will.«

Dieses »Ruhen im Geist« ist sehr oft von Zungenreden begleitet. Jesaja 29, 4 charakterisiert den Geist, der hier tatsächlich wirkt: »Dann sollst du erniedrigt werden und von der Erde her reden und aus dem Staube mit deiner Rede murmeln, daß deine Stimme sei wie die eines Totengeistes aus der Erde und deine Rede wispert aus dem Staube. «

Verlust der Selbstkontrolle

Auf ähnlicher Ebene liegt die Erfahrung von Demos Shakarian, dem Begründer der »Geschäftsleute des vollen Evangeliums« (GdvEI). Bei seiner Geistestaufe wird er schließlich zu Boden gezogen:

»Ich sank zu Boden und lag dort völlig hilflos, unfähig aufzustehen, um ins Bett zu gehen.«

Hier übt die fremde Macht direkt ihren Herrschaftsanspruch aus. Der Heilige Geist bewirkt Selbstkontrolle   gerade in dem Kapitel über die Geistesgaben wird ausdrücklich erklärt, wie »die Geister der Propheten den Propheten untertan sind« (1 Kor 14,32) -, in diesem Fall jedoch geschieht das Gegenteil, und ein Mensch verliert die Kontrolle über sich selber. Davon rührt auch das schwerwiegende Wort »Besessenheit« her, daß nämlich jemand anderer von mir Besitz ergreift und mich kontrolliert. Man kann selber nicht mehr ausführen, was man will.

In Eph 5,18, wo wir den Befehl lesen, voll Heiligen Geistes zu werden, wird auch ermahnt, Trunkenheit zu vermeiden, weil dies zur Ausschweifung (asotia) führt. John Stott erwähnt zu diesem Begriff:

»Das griechische Wort asotia … beschreibt eigentlich einen Zustand, in dem eine Person sich nicht >retten< oder kontrollieren kann. Weil nämlich Trunkenheit den Verlust der Selbstkontrolle bewirkt, deswegen schreibt Paulus, dies zu vermeiden. Es wird impliziert, daß der gegenteilige Zustand, nämlich das Erfülltsein mit dem Geist, keinen Verlust der Selbstkontrolle zur Folge hat.«

Es wird auch hier deutlich, daß man in diesen Bewegungen (Demos Shakarian kommt aus der klassischen Pfingstbewegung und ist über seine GdvEI voll in die charismatische Strömung integriert) sich einem Geist ausliefert und einer Macht dient, die im Gegensatz zum Geiste Gottes stehen. Paulus erklärt es als Kennzeichen des fremden Geistes, der im Heidentum wirkt, daß Menschen umfallen. weggezogen werden, keine Selbstkontrolle mehr ausüben (1 Kor 12,2). »Ihr wißt, daß ihr, als ihr zu den Heiden gehörtet, zu den stummen Götzenbildern hingezogen, ja, fortgerissen wurdet.«

Mit der Berufung auf das Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist, treten nun bei den Charismatikern Symptome auf, die das genaue Gegenteil zum Wirken des Geistes Gottes offenbaren. Aus der möglichen Fülle von Belegstellen seien zwei erwähnt. Das in Amerika innerhalb dieser Strömungen einflußreiche Ehepaar Charles und Frances Hunter schreibt in dem Buch: »Wie man Kranke heilt«:

»Ich habe meinen Augen nicht getraut, aus seinen (Charles) Fingerspitzen schossen etwas 10 cm bläuliche Flammen … Als Charles herunter rannte, um ihnen die Hände aufzulegen, war die Kraft Gottes so stark, daß sie in Wellen zu Boden fielen. Als er die Stirnseite des Auditoriums halb entlanggegangen war, hob er seine Hände, um einige zu berühren, und sofort fielen etwa dreißig bis vierzig Menschen gleichzeitig unter der Kraft … Es war eine >Heilig-Geist-Bombe<! Charles bahnte sich den Weg durch die Menge, und die Menschen fielen überall um.«

Ähnliche Phänomene, wo Leute abrupt die Selbstkontrolle verlieren, ereignen sich bei Versammlungen mit John Wimber. Er erzählt auf einer Kassette die Geschichte seiner Gemeinde in Yorba Linda, Kalifornien. Wörtlich berichtet er von dem angeblichen Kommen des Heiligen Geistes:

»Der heilige Geist fiel auf uns … Ich ging auf eine Frau zu, um für sie zu beten und sie flog davon .. bam! Gegen die Mauer sauste sie, über eine Couch, knallte über den Tisch und eine Lampe und prallte in die Ecke … Dabei hatte sie Genickschmerzen, für die sie mich ersuchte zu beten. Jemand anderer fiel gegen mich und traf mich an der Brust und sprach dabei in Zungen wie ein Maschinengewehr … Ich dachte mir, was haben wir hier losgelassen? Dies ist ja unheimlich! In dem Moment, wo sie mich berührten, fielen wir beide zu Boden, und da war so ein Empfinden, als ob jemand unsichtbar gegenwärtig wäre. Gott! … Ich ging nach Hause und fühlte mich fast wie betrunken … Ich sagte zu Carol: >Ich denke, etwas geschieht mit uns<, und kaum hatte ich das gesagt, sauste ich schon zu Boden! … Ein Mädchen fiel so hart, ich dachte: O nein, sie stirbt ja! Sie schlug mit ihrem Kopf auf den Stuhl, Tisch und Boden auf. Bam! Bam! Bam! … Dann brauchten wir eben Auffänger.«

 

Handauflegung unbiblischer Art

Sehr oft treten diese Phänomene in Verbindung mit dem raschen Auflegen der Hände auf. Dieses vorschnelle Handauflegen ist ein Kennzeichen praktisch aller schwärmerischen Strömungen. Nicht, daß man Handauflegung generell ablehnen müßte oder sollte. Es wird auch in der Heiligen Schrift darüber berichtet. Aber die einzige Stelle im Neuen Testament, die Handauflegung mit einer Befehlsform verbindet, ist keine Ermutigung, sondern vielmehr eine Warnung: In 1 Tim 5,22 mahnt der Apostel, »niemandem die Hände zu schnell aufzulegen.« Paulus gibt auch die Begründung dazu: »Mache dich nicht fremder Sünden teilhaftig, halte dich selbst rein.« Zwar ist der Skopus hier wahrscheinlich primär das Einsetzen der Ältesten, doch lässt sich im allgemeinen Sinne daraus auch eine generelle Anweisung ableiten.

Es ist eine leidvolle Tatsache: Träger falscher Geister legen in der Regel vorschnell ihre Hände auf. Der Heilige Geist aber wird normalerweise nicht durch die Hände von Menschen weitergereicht, weil  er Gott ist und Gott sich bekanntlich nicht von Mensch Händen dienen läßt (Apg 17,25). Den Heiligen Geist gibt nur Gott (Apg 5,32). Paulus vergleicht sogar die Ansicht oder Lehre, den Heiligen Geist anders als durch Glauben bzw. Gehorsam zu empfangen, mit Verzauberung bzw. Behexung (Gal 3,1-2).

Im Fall eigenmächtiger Handauflegung wollen Menschen letztlich über Gott verfügen. Dies aber ist das Wesen der Magie. Die immer stärkere Ausreifung magischen Denkens, auch unter frommem Deckmantel, gehört aber leider zu dem Erscheinungsbild unserer letzten Tage und von New Age. Wie aktuell New Age auch für gewisse Bereiche der Christenheit geworden ist, soll im folgenden Abschnitt versucht werden aufzuzeigen.

Parallelen zwischen New Age und charismatischer Bewegung

Ist zwischen zwei so scheinbar grundverschiedenen Strömungen überhaupt eine geistliche Verwandtschaft gegeben? Kann man hier tatsächlich Parallelen aufzeigen? Das sind berechtigte Fragen.

Es soll nun anhand einiger Beispiele gezeigt werden, wie hier doch zum Teil verblüffende Ähnlichkeiten vorhanden sind. Dies bezieht sich nicht nur auf die parallele Betonung von angeblich gewaltigen Ausgießungen des Heiligen Geistes. Während von christlicher Seite die Prophetie von Joel zur Erklärung nun vermehrt auftretender übernatürlicher Befähigungen bei Gläubigen herangezogen wird, berufen sich die New-Age-Jünger auf die sogenannte Geistesausgießung des Wassermanns. Diese bewirke angeblich eine Bewusstseins-Erweiterung, die die Menschen mit besonderen esoterischen Kräften wie gaben ausrüste. Auffallend ist auch hier, wie sehr beide Richtungen die Heilung betonen.

Auf die Prophetie von Joel Bezug nehmende Voraussage von David Wilkerson beispielsweise, liest sich fast wie eine christlich verbrämte Vorwegnahme des New-Age-Programms zur spirituellen Erleuchtung:

»Gemäß Gottes Wort können wir annehmen, daß es eine begrenzte Zeit geben wird, in der es möglich ist, daß jeder Mensch ein >überwältigendes Erlebnis< mit dem Heiligen Geist macht: Jeder Mohammedaner und jeder Jude; Politiker, führende Männer und Diktatoren; … Jeder Kriminelle hinter Gittern, jede Prostituierte auf der Straße …« (Jesus Christus-Felsengrund, S.69; Verlag Joh. Fix, Schorndorf, 1973).

David Wilkerson hat auch viel Gutes und Zutreffendes wie Aufrüttelndes gesagt, doch hier hat er sich ganz offensichtlich, bedingt durch das falsche Verständnis der Prophetie bei Joel, verführerischen Eingebungen geöffnet. Die zweite Geistesausgießung in den letzten Tagen ist ein Ereignis, das für den Überrest Israels verheißen ist (Jes 32,15; Hes 39,28; Sach 12,10) und nicht für die Gemeinde, über die der Heilige Geist längst ausgegossen ist (Titus 3,6).

Eine Geistesverwandtschaft ist auch bei den Techniken für den erstrebten Empfang dieser angeblich göttlichen Kräfte erkennbar. Die New-Age-Bewegung ist besonders gekennzeichnet von Passivität und »Traumreisen« in das Innere des Menschen. In einem Prospekt, in dem »bep«, d.h. »Bewusstseins-Erweiterungs-Programm«, angepriesen wird, heißt es beispielsweise zur Erlangung solcher »Erleuchtungen«: »Die Herstellung einer Gedankenleere ist der Idealfall … Je mehr Sie sich entspannen und es »geschehen lassen«, umso besser und plastischer wird ihr eigenes geistiges Bild sein.« Solche Anleitungen sind die konsequente Folge der wachsenden Woge der Passivität.

Auf gleicher Ebene wie die Vorschläge der Befürworter des »Neuen Zeitalters« ist die Anleitung des Pfingstpredigers Dornfeld, wenn er unter der Überschrift, den Heiligen Geist empfangen, u.a. erklärt:

»Öffne nur deinen Mund wie ein hungriges kleines Rotkehlchen… Drittens nun atme ein und aus, so tief wie du kannst. Tue das so lange, bis du die Gegenwart Gottes spürst.“

Völlig auf der Geistesebene von New Age sind auch folgende Verse des vielgelesenen Autors Ulrich Schaffer: „gott ist die anziehungskraft der erde ist die luft ist die berührung zweier gedanken in mir glaubt es und ich folge ihm“.

Don Basham, einer der Hauptlehrer von Jugend mit einer Mission, empfiehlt in einem Seminare zum Empfang der Zungenrede und Geistestaufe folgendes:

»Alles fertig. Das ist der erste Schritt: >Atme ein< den Heiligen Geist und glaube, dass er in dich gekommen ist … Nachdem ich das Gebet für euch gebetet habe und ihr den Mund geöffnet habt und den Heiligen Geist einatmet, werde ich es sagen, dass du es herauskommen lassen, sollst«.

Gott wird zu einer unpersönlichen Kraft, die man durch Atem  oder Meditationstechniken in sich aufnimmt. Diese Kraft wird oft genug körperlich in Form von Energie wahrgenommen. Machmal hat man den Eindruck, als wäre man an eine elektrische Kraftquelle angeschlossen. Oft wird auch berichtet, wie eine Wärmeempfindung den Körper durchströmt. So schreibt der Vater der charismatischen Bewegung, Dennis Bennett, nach dem Empfang seiner Geistestaufe folgendes von seiner Frau:

»Nein, antwortete sie. Aber etwas Eigenartiges geschah. Ich schlief fest, als du Hause kamst: aber als du deine Hand an die Haustürklinke legtest, fuhr eine Art Kraftstrom – anders kann ich es nicht nennen –  durchs Haus und weckte mich«.

Ähnliche Phänomene kennt auch der bereits erwähnte faszinierende Heilungsevangelist John Wimber. Er schreibt wörtlich:

»Meine Hände prickeln gewöhnlich und sind warm, und ich fühle so etwas wie Elektrizität aus ihnen herauskommen, wenn ich ein befehlendes Wort spreche. Dies veranlaßt mich, Empfindungen wie Prickeln und Hitze zu verstehen als eine Salbung des Heiligen Geistes an mir, um zu heilen«.

Noch handgreiflicher werden diese Phänomene bei folgender Begebenheit: Anne Watson ist die Frau des vor wenigen Jahren an Krebs verstorbenen berühmtem englischen Charismatikers David Watson. Trotz einer Weissagung von John Wimber, daß er von dem Tumor genesen werde, verstarb er an dieser bösartigen Krankheit. Anne Watson berichtet u.a. von ihrem geselligen Zusammensein mit John Wimber: »Einmal zum Beispiel, als wir aus einem Restaurant kamen. wo wir mit John, Carol (Wimbers Frau) und einigen anderen gegessen hatten, fingen meine Hände an zu zittern. John nahm sie und legte sie David (Watson) mit den Worten auf, es sei schade, die ganze Kraft zu verschwenden. Dieses Zittern hielt manchmal eine lange Weile an.«

Soll das das Wirken des Heiligen Geistes sein, der bekanntlich eine Person und nicht eine unpersönliche Kraftwirkung ist? Hier wird man eher an eine spirituelle »Akku-Batterie« erinnert, die verschieden stark anzapfbar und offensichtlich unkontrollierbar anhaltend Energie abgibt, die noch dazu vergeudet werden kann?

Solch ein Gottesbild entspricht vielmehr den religiösen Vorstellungen der Hindus und Schamanen und paßt nahtlos in unser zunehmendes Okkultzeitalter.

Von daher überrascht es nicht, daß die New Age Bewegung auf die charismatischen Phänomene aufmerksam wird. Beispielsweise bringt die Zeitschrift »Das Neue Zeitalter« unter der Überschrift »Wunderheilung vor dem Altar« einen begeisterten Bericht über Pastor Kopfermanns Heilungsgottesdienst in Hamburg. Bezeichnenderweise heißt es von den Handauflegungen zwecks Heilung:

»Wie anschließend von den Gruppenmitgliedern zu erfahren ist, strömt Wärme von den Händen aus, wohltuende Wärme.«

Die theosophisch geprägte Zeitschrift »Der Templer« berichtet eher ausführlich unter der Schlagzeile »Stichwort: Geistheilung« über den charismatischen Gottesdienst in der Hauptkirche St. Petri:

»>Jesus Christus gab den Auftrag zu heilen. Was er vollbrachte, sollen wir vollbringen.< Applaus. Kopfermann: >Gott geht durch die Reihen und wird euch anrühren<. … Kopfermann: >Die Hand soll auf die Stelle gelegt werden, wo Heilung erwünscht ist, soweit es der Takt erlaubt<«.

Theodore Roszak, ein weltlicher Fachmann und Vertreter der New-Age-Bewegung, zählt in seinem Buch «Das unvollendete Tier« auf, was seiner Meinung nach zu dieser Strömung hinzuzurechnen ist. Dort heisst es u.a.:

»Neuer Pfingstglaube und Charismatische Gemeinden innerhalb der Großkirchen«.

Noch deutlicher stellen Bach und Molter als New-Age-Kritiker folgendes fest: »Wer heute Probleme hat, die er allein nicht mehr bewältigen kann, geht nicht mehr zum Pfarrer, sondern zum Psychologen oder in eine der vielen Formen von Selbsterfahrungsgruppen. Gegenwärtig tritt sogar eine neue Dimension verstärkt in den Vordergrund: Yoga, Zen-Meditation, Pfingst- oder charismatische Bewegung, Okkultismus, Spiritismus, Übersinnliches, Astrologie oder Seelenwanderung«.

Natürlich werden die Charismatiker von den New AgeLeuten vereinnahmt. Auch nicht jeder Anhänger der pfingstlichen oder neopfingstlichen Strömung bejaht die Exzesse aus den eigenen Reihen. Trotzdem sind die Phänomene auffallend ähnlich.

So schreibt beispielsweise Arnold Bittlinger, durch den die Charismatische Bewegung nach Deutschland kam, in einem Artikel unter dem Thema: »Geistgewirkte Krankenheilung in der Bibel und heute« u, a. folgendes:

»Die Gabe der Heilung, die in uns liegt, muß erlernt und weiter entwickelt werden, ebenso wie auch andere Gaben.«

Dies aber erinnert in verblüffender Parallele an das »Bewusstseins-Erweiterungs-Programm« der New-Age-Jünger, wo man ebenfalls lehrt, daß die Gaben und Kräfte (auch die übernatürlichen) angeblich in einem schlummern und nun entfacht werden sollen.

Auch bei den oben im Zusammenhang mit den Heilungsdiensten von John Wimber und Wolfram Kopfermann erwähnten Hitze  bzw. Wärmeempfindungen, handelt es sich nicht um physische Reaktionen dem Heiligen Geist gegenüber, wie beschwichtigend versucht wird zu erklären. Abgesehen davon, daß dies nicht in der Bibel zu finden ist. kennen vielmehr die New Age Anhänger diese Phänomene nur zu gut und sehen darin ein positives Wirken der kosmischen Kräfte, der heilenden Energien bzw. der »göttlichen« Schwingungen, die gewöhnlich körperlich wahrgenommnen werden.

Eines der neuesten Bücher von John Wimber heißt sogar »Die Dritte Welle des Heiligen Geistes«. Auch die New-Age Bewegung redet in unseren Tagen von einer 3. Welle, die nun in ihrem Sinne um sich greift.

So ist es leider keine Übertreibung, gerade mit Blick auf viele Schlüsselleute dieser Bewegung, wenn man diese schwarmgeistigen Strömungen als eine christlich verbrämte Form der New-Age Bewegung bezeichnet.

Dies gipfelt sogar darin, daß die Theosophen, deren Begründerin Madame Blavatsky fast als geistige Mutter der heutgen New Age Bewegung bezeichnet werden kann, in einer Beurteilung der charismatischen Bewegung sich höchst lobend dazu äußern:

»Die Gebetshaltung, die Gnade und Wunder produziert, war und ist noch immer … Magie   ob bewußt oder unbewußt … Meine Erfahrung ist, daß die gegenwärtige Charismatische Erneuerungsbewegung ein Schritt seitens der christlichen Gemeinschaft zu den Idealen ist, wie sie Helena P. Blavatsky aufgezeigt hat. Zugegeben, sie setzen einen persönlichen Gott voraus, aber auch dies ist auf einen Heiligen Geist ausgedehnt, der auch als unpersönlich betrachtet werden kann.«

Wachsende Infiltration

Die Basis der Einflußnahme der Finsternis wird selbstverständlich (leider) durch schwere Sünden verbreitet. Okkultismus. Droge, sexuelle Entartung gestatten einen immer festeren Zugriff auf die jeweilige Person. Wogen dieser Art haben leider unsere Generation heimgesucht. Immer mehr ist es dadurch der verführerischen Macht ermöglicht, die Direkteinflußnahme auszuüben. Sie greift auch das Nervengerüst ihrer Opfer an. Auf manche »beseligende« Erfahrung, begleitet mit schönsten Visionen und Auditionen, folgte nur zu oft ein Nervenzusammenbruch oder geistige Zerrüttung. Andererseits kann man auch beobachten, wie der Schwarmgeist im Fleich endet. Nach manch euphorischer und übergeistlicher Phase, begleitet von den scheinbar himmlischsten und frömmsten Eingebungen und Erscheinungen, folgen nur zu oft Ehebruch oder gar noch schlimmere Entgleisungen des »frommen« Fleisches.

In diesem Zusammenhang wird man an einen Brief von Jung-Stilling erinnert, der wegen seiner  Aktualität, beinahe 200 Jahre alt, hier noch erwähnt werden soll. Jung-Stilling schrieb wegen des Führers der damaligen »Inspirierten«, Prediger Rock, folgendes:

»Ich habe Rocks Schriften gelesen und bin von Herzen überzeugt, daß er es treu und redlich gemeint hat. Aber lieber Herzensbruder, der Heilige Geist bedient sich nicht der Ohnmachten, Konvulsionen (Zuckungen) und Verlust des Bewußtseins, wenn er Zeugnisse an die Menschen verkünden lassen will. Mir sind viele männlich und weibliche Personen bekannt geworden, die auch solche Zuckungen bekamen, dann in eine Entzückung gerieten und so die herrlichsten und heiligsten Bibelwahrheiten auf die schönste und heiligste Weise aussprachen, sogar zukünftige Dinge voraussagten, die pünktlich eintrafen. Aber allmählich und am Ende ging es kläglich und oft schändlich aus, und nun zeigte es sich, daß sich ein falscher Geist in einen Engel des Lichts verstellt hatte.«

Jedenfalls vermag der fremde Geist wie ein Instrument das eroberte Gehirn zu bedienen, und dementsprechend hören deren Opfer Stimmen, haben Gesichte usw. Dies nimmt auch in der christlichen Literatur in ertaunlichem Maße zu. Visionen, »himmlische« Offenbarungen, Engel- und Jesuserscheinungen und dergleichen treten immer häufiger auf. Hier soll das freie Wirken Gottes nicht eingeschränkt werden. Er vermag durchaus in besonderen Fällen jemand hörbar anzurufen, doch sind solche Ereignisse die Ausnahme und nicht die Regel.

Die okkulte Quelle ist manchmal nur zu offensichtlich. Doreen Irvine, einst Königin der schwarzen Hexen, bekehrt sich und erlebt ihre Geistestaufe mit Zungenreden. Mike Warnke, vormals Agent und Priester Satans, bekehrt sich und erfährt ebenfalls seine Geistestaufe. Merlin Carothers verkehrt in spiritistischen Zirkeln und hat später eine Vision, wie Jesus vor ihm kniet und wird auch sonst ständig über Gesichte und Stimmen gesteuert. Susan Atkins, ehemalige Braut von Charles Manson und vormals in schlimmste Okkultsünden verstrickt, bekehrt sich und »Jesus« erscheint vor ihr in hellster Lichtgestalt.

Der schon erwähnte Don Basham schreibt in seinem Buch »Befreie uns vom Bösen«, wie er sogar als Bibelschüler und bereits Zungenredener arglos (er hat dies dann später durchschaut) regelmäßig spiritistische Séancen besuchte. Seine oben erwähnte Praktiken zum Empfang der Geistestaufe erinnern dementsprechend wiederum mehgr an fromm getarnten Spiritismus oder eben New-Age denn an Lehren der Bibel.

Es wird höchste Zeit, daß die Gläubigen endlich erkennen, welche Gesetzmäßigkeiten sich hier tatsächlich abspielen und warum die Charismatiker unter den Rauschgiftsüchtigen solche »Erfolge« haben und warum Leute mit Drogen- oder okkulter Vergangenheit so schnell in charismatischen Kreisen wiederzufinden sind und warum diese Strömungen in Ländern der Dritten Welt, vor allem in der Hochburg des Spiritismus, nämlich Südamerika, solch phänomenales Wachstum verzeichnen.

Gerade der Korintherbrief, der wegen mangelnder Gemeindezucht geschrieben wurde, zeigt nur zu deutlich die Gesetzmäßigkeiten der Vermischung. Die beiden klassischen Quellen sind Unzucht bzw. Hurerei und Götzendienst. So ermahnt Paulus eben diese Gläubigen, weil sie darin verstrickt waren, der Unzucht und dem Götzendienst zu fliehen (1 Kor 6,18 und 10,14).

Wegen dieser Vermischung betonten die Korinther auch besonders das Zungenreden. Paulus jedoch drängt es in seiner Darlegung in 1 Kor 14 systematisch zurück. Heute haben wir eine Porno- und Okkultwelle, und dementsprechend aktuell sind heute wiederum die »korinthischen« Zustände geworden.

Diese höchste Form der widergöttlichen Vermischung findet sich in 1 Kor 5,5. Das Fleisch dieses Gläubigen ist im Griff Satans, dennoch ist der Geist durch Bekehrung Eigentum des Herrn. So zeigt es jedenfalls dieser Vers. In gewisser Hinsicht ist diese Epistel der Standardbrief der Vermischung, die ja auch allegorisch in Form des Sauerteigs erwähnt wird, der alles zu durchsäuern pflegt  1 Kor 5,6.

So kann man dem Herausgeber des »The Trumpet Sounds for Britain«, David E. Gardner, nur zustimmen, wenn er feststellt: »Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß auch ein anderer Geist in der charismatischen Bewegung am Wirken sein muß, der definitiv nicht der Geist von  Jesus ist, auch wenn der Heilige Geist ebenfalls mitwirkt.«

Das Durchbruchserlebnis für den falschen Geist ist häufig die Erfahrung der Zungenrede, die mit der biblischen Gabe des Sprachenredens verglichen wird, leider aber eine Imitation des Verführers sein dürfte. Wie sehr diesem Erlebnis eine Schwellenfunktion zukommt, um Gläubige für Eingebungen der irrationalen Welt und damit verbundener mangelnder Selbstkontrolle zu konditionieren, wird von den Vertretern dieser Strömungen erstaunlich ungeschminkt zugegeben. So erklärt Wolfram Kopfermann in einem Kurs zur Heilung in der Kraft des Geistes:

»Die transrationalen Geistesgaben sind nicht vom Willen und Verstand her geprägt. Die Glossolalie ist zugleich eine Schwellengabe. Die Schwelle ist der Übergang von einem Raum zum anderen. Wir betreten damit ein Land, wo wir den Boden unserer gedanklichen Selbstkontrolle verlassen. Darum ist diese Gabe für die allermeisten Christen so wichtig. Wenn sie auf dem Wege über die Glossolalie über diese Schwelle gegangen sind, dann haben suie es leichter, auch für andere Gaben des transrationalen Typs zu bitten. Darum ist es richtig, daß diese Gabe in der charismatischen Bewegung so hoch geachtet wird …«

Die Ahnungslosigkeit vieler ist heute notvoll, und gerade eine Kenntnis der Gesetzmässigkeiten der möglichen Vermischung und der Phänomene der Passivität könnte hier manche Zusammenhänge aufschließen und manchen Durchblick vermitteln, wie Verführung verhindern.

Die Gefahr der Exkursion der Seele

Bei noch größerer Einflußnahme seitens der Finsternis vermag diese fremde Macht sogar die Seele des Menschen, also sein Selbst oder Ich, aus dem Leib, der biologischen Maschine, herauszuziehen. Man nennt dies Exkursion der Seele. Es ist ein bekanntes Phänomen des Okkultismus und Spiritismus. Das Tibetanische Totenbuch ist voll von solchen Berichten, die Yogis vermögen dies zu bewerkstelligen, und auf gleicher Ebene sind auch die Sterbeerlebnisse, die durch Elisabeth Kübler-Ross und Raymond Moody weltweite Publizität erfahren haben.

Raymond Moody hört immer eine Stimme, die er als göttlich versteht. Das gewohnte und vertraute Vernehmen einer Stimme wird im Spiritismus als Kontrollgeist bezeichnet. Kübler-Ross hat mehrmals Exkursionen der Seele erfahren und weiß von mindestens drei Kontrollgeistern zu berichten. Eigentlich ist sie durch bald sämtliche okkulte Phänomene hindurchgegangen.

Auch C. G. Jung hatte solch ein Sterbeerlebnis. Dies sollte nicht unbedingt überraschen, war er doch ein aktiver Spiritist, der offen zugab, seine Psychologie und Archetypenlehre aus spiritistischer Literatur abgeleitet zu haben. Er hatte ebenfalls einen Kontrollgeist (Philemon) und schrieb das Vorwort zu dem Tibetanischen Totenbuch, das natürlich seinen spiritistischen Lehren entsprach.

Solche Leute berichten jedenfalls, wie sie sich selber sitzen oder liegen sehen und den Eindruck haben, zu schweben. Erwähnenswert ist dies deshalb, weil diese okkulten Phänomene auch in die christliche Literatur Einzug gehalten haben.

Wiederum sind es in erster Linie die Charismatiker, die diese hochgradigen Okkultphänomene als göttliche Geisteswirkungen einstufen.

So erfährt Demos Shakarian diese Exkursion der Seele: »Und dann war die Vision vorbei. Ich merkte, wie ich auf die Erde zurückkehrte. Unter mir war Downey in Kalifornien. Dort war unser Haus. Ich konnte mich selbst sehen, kniend, …«

Nun sind die Geschäftsleute des vollen Evangeliums, deren Gründung auf obige Vision zurückgeht, keine Randerscheinung, sondern eine Gruppe, die die charismatische Bewegung unterstützt und populär gemacht hat, wie kaum eine andere. Auch Volkhard Spitzers gesamte Olympiaaktion, die nun allerdings anders kam, als er in der angeblich göttlichen Vision zu sehen vermeinte, wäre ohne den einflussreichen und finanzkräftigen Arm dieser Gruppe erst gar nicht möglich geworden.

Roland Buck, dem wir das im Leuchter-Verlag erschienene Buch »Begegnungen mit Engeln« verdanken, sieht sich selber nach der Rückkehr aus dem angeblichen Thronsaal Gottes von hinten über seinen Schreibtisch gebeugt sitzen.

In dem Buch »Allah mein Vater?« von Bilquis Sheikh liest man von ähnlichen Erfahrungen. Auch Kathrin Kuhlman weiß davon zu berichten.

Die Renaissance der Mystik

In diesem Bereich der Verführung über eine Woge der Passivität gehört auch das Wiederaufleben der Mystik. Sie ist schon von ihrer Definition her der ideale Nährboden für Passivität. Ihr liegt das griechische Wort »myein« zugrunde, was sich schließen oder verschließen, insbesondere der Augen und den Mund, bedeutet. Man gleitet in eine passive Stille und wird so für übernatürliche Erfahrungen konditioniert.

Friso Melzer empfiehlt in diesem Zusammenhang: »In solchen Übungen sind Verstand und Wille ausgeklammert; der Übende ist empfangsbereit und läßt sich gefallen, läßt sich widerfahren, was ihm geschieht.«

Dies sind wiederum klassische Gesetze der Passivität. Solche im religiösen Gewand betrogenen Opfer empfangen oft eine Fülle von »himmlischen« Eingebungen, auch Träume, nicht ahnend, daß sie durch diese Methoden den satanischen Mächten ihr leibliches Instrumentarium (Gehirn) zur Bedienung überlassen haben.

Viele große »Heiligen« der katholischen Kirche waren tatsächlich irregeführte Medien einer fremden Macht und hatten Symptome von (zeitweiliger) Besessenheit. So litt Teresa von Avila dauernd an Ohrensausen und Schwindelanfällen; sie konnte fast zwei Jahrzehnte kaum essen. Herzattacken und Nervenschmerzen führten nahezu zum Tode. Catarina von Siena erlebte in einer Exkursion der Seele eine Führung durch Paradies, Hölle und Fegefeuer.

Viele Lehren der kath. Kirche, wie beispielsweise das Fegefeuer oder das Fronleichnamsfest, gründen sich auf solch mediale Visionen. Der Katholizismus ist durchzogen mit frommem Spiritismus (Gebete für Verstorbene, Fegefeuer) und Mystizismus, und dementsprechend erfahren diese Kräfte in unserem endzeitlichen Gefälle eine ganz neue Popularität.

Die mystische Grundströmung des Schwarmgeistes vermag sich nahtlos mit katholischen Dogmen zu verbinden, wie die katholisch charismatische Bewegung so eindrücklich zeigt. In dem von Siegfried Großmann herausgegebenen Buch »Der Aufbruch« heißt es u.a.: »Bei allen fanden wir eine große Liebe zur Eucharistie, und manche, auch Mädchen und junge Männer, sagten uns, daß sie die Liebe zur Gottesmutter neu gefunden haben und oft den Rosenkranz beten. Auf meine Frage, warum in den »prayer meetings« selten von Maria die Rede ist, sagten sie, dies geschehe aus Rücksicht auf die nichtkatholischen Christen, die mit ihnen beteten.«

Die mystische Sakramentslehre des Katholizismus geht völlig parallel mit den charismatischen Erlebnissen.

»Die Erfahrung zeigt, daß viele Christen aufgrund ihrer charismatischen Erfahrung eine tiefere Beziehung zu den Sakramenten, vor allem zur Eucharistie, gewinnen.«

Noch eindrücklicher ist folgendes Zeugnis aus dem Buch »Zen – ein Weg für Christen«, wo der Autor folgende Erlebnisse berichtet: » … andere ums Gebet und die Handauflegung und wieder andere um die Geistestaufe baten. Ich erhielt die Geistestaufe … Ich glaube, daß die Sakramente dieselbe Wirkung haben können … Immerhin erkannte ich durch die Pfingstbewegung die Parallelen zwischen Zen-Satori und christlicher Bekehrung oder Metanoia.« (William Johnston, Zen – ein Weg für Christen, Topos Taschenbücher, p.118-120).

Auf dieser Basis der Erfahrung ist es möglich, alle Menschen zum gemeinsamen »Gotteserlebnis« der Welteinheitskirche zu führen.

Die Bildmeditation, besonders die Ikonen der Ostkirche, sind das ideale Sprungbrett für Passivität und die damit verbundene Macht. Es wird verlangt, daß man sich diesen Bildern überlässt, und dementsprechend sind gerade in der orthodoxen Ostkirche Visionen und Stimmenerlebnisse ein zum religiösen Leben der Heiligen gehörendes Phänomen. Das Klosterwesen hat seinen Ursprung in diesem mystischen, synkretistischen Verständnis einer nur zu oft passiven Absonderung. Die extremste Form ist der Säulenheilige.

Nicht das Klosterwesen, auch viele Kommunitäten (nicht alle) haben ihre Wurzel in mystischer, passiver Frömmigkeit. So behauptet Roger Schütz, der für seinen synkretistischen Ökumenismus bekannte Ordensgründer von Taizé, folgendes: »Um nicht in der Trockenheit des Schweigens stehenzubleiben, sollten wir sehen, daß das Schweigen Wege zu unbekannten schöpferischen Möglichkeiten eröffnet. In der weiten Tiefenschicht der menschlichen Person, im Unterbewußtsein, betet Christus weit mehr, als wir es uns vorstellen können. Verglichen mit der Unmeßlichkeit dieses verborgenen Betens Christi in uns, ist unser artikuliertes Gebet nur ein kleiner Teil. Das Wesentliche des Gebets vollzieht sich vor allem in einem großen Schweigen.«

Doch die Reformation begann nicht damit, daß ein Mann ins Kloster ging, wie die heutige mystische Frömmigkeit immer wieder nahelegt, sondern dadurch, daß ein Mann aus dem Kloster austrat und all diesen subjektiven Erlebnissen die Autorität des Wortes Gottes entgegenhielt. »Die Schrift allein.«

 

Teil 2

Heilungsdienste  –  Bereicherung oder Verführung?

Immer mehr wird man heute mit dem Anspruch konfrontiert, man habe nur das »halbe« und nicht das »volle« Evangelium, wenn man nicht die Kranken heilt. Angeblich schließe die Evangeliumsverkündigung auch den Heilungs¬auftrag mit ein. »Predigt und heilt« laute der biblische Missionsbefehl. Gott begleite auch heute noch die Verkündigung seines Wortes mit übernatürlichen Machtwirkungen, Zeichen und Wundern. Der Chor der Stimmen, der dies fordert und früher eher schwach zu vernehmen war, schwillt heute immer lauter an und ist unüberhörbar geworden.

Vorweg muß deutlich gesagt werden, daß in keiner Weise der Eindruck vermittelt werden soll, als könne Gott heute nicht mehr heilen. Zwar muß gesehen werden, daß unser Leib in diesem Äon noch nicht erlöst ist (Röm 8,23). Dies geschieht erst mit der Vollendung der Gemeinde (1 Kor 15,51 55). Deswegen ist es unhaltbar zu behaupten (wie es zu den dogmatischen Aussagen der Pfingstbewegung gehört), das Kreuzesopfer Jesu schließe jetzt schon auch die Heilung von unseren Krankheiten ein. Dennoch heilt der lebendige Gott auch heute noch wann, wo und wie Er will. Ich selber weiß von Heilungen – selbst von Krebs – im Rahmen der Anleitungen nach Jakobus 5,14 16.

Ein populärer Heilungsdienst

Doch in unseren Tagen offenbart sich mehr und mehr ein Heilungsdienst ganz besonderer Art. Heilungsevangelisten wie John Wimber, Reinhard Bonnke, Wolfram Kopfermann, Yonggi Cho und andere sprechen eine ständig zunehmende Zahl von Christen an.

John Wimber ist ein sympathisch wirkender Mann von faszinierender Ausstrahlung, der sicherlich nur das Beste für die Gemeinde beabsichtigt. Doch entheben uns selbst eine große Massenbegeisterung und edle Motive nicht von der Verpflichtung, die Geister zu prüfen. So deutet der Herr Jesus mit keinem Wort etwa eine Dämpfung des Geistes dadurch an, daß die Gläubigen zu Ephesus »geprüft haben, die da sagen, sie seien Apostel, und sind’s nicht« (Offb 2,2). Im Gegenteil, sie werden dafür gelobt.

Wie geschah nun bei John Wimber die Hinwendung zur charismatischen Bewegung, bei dem Mann, der heute viel¬leicht am meisten zur Ausbreitung der Heilungsdienste innerhalb der Christenheit im Westen beiträgt? Über seinen Werdegang konnte man u. a. folgendes in einer englischen Zeitschrift lesen:

»Bevor er soweit war, ihre Ansichten zu teilen (Seine Frau hatte sich vor ihm der charismatischen Strömung geöffnet, Anm.), wollte seine Frau wissen, ob er die Gabe der Hei¬lung habe. Eines Nachts, während er schlief, nahm sie seine Hand, legte sie auf ihre rheumatische Schulter und betete, >OK, Herr, nun tue es!< Eine Woge von Hitze strömte plötzlich in ihre Schulter und John Wimber wachte auf, seine eigene Hand heiß und pulsierend.«

Was soll man von dieser Art Heilung halten? Dies erinnert eher an den medialen Berührungskontakt bzw. Sympathiezauber, als an ein biblisches Heilungswunder. Die Persönlchkeit Wimbers bzw. sein Wille ist zweifelsfrei umgangen. Er ist als Schlafender buchstäblich Medium einer Geistes¬kraft, die ihn wie einen Kanal benützt und durchströmt. Geistliche Wahrheiten aber werden bekanntlich über den Verstand und nicht über das Gefühl vermittelt. Umgehen oder Ausschalten des Verstandes aber bedeutet das Nichtbeachten der Persönlichkeit bzw. des Willens des Menschen. Wie bereits gesagt, ist dies dem Heiligen Geist völlig fremd.

Die Geistheiler und ihre Begleitsymptome

Auch die Hitzeempfindung ist eine altbekannte Begleiterscheinung von Geistheilem bzw. Geistheilungen. Dies soll an einigen Zitaten belegt werden.

Harry Edward, Englands berühmtester Geistheiler, erklärte, daß die Geister verstorbener Menschen durch seine Hände wirkten. Auf die Frage, wie er und der Patient den Heilvorgang wahrnähmen, antwortete er: »Vor allem Wärme   dort, wo man die Hand auflegt. Sowohl Heiler als auch Patient spüren das. Es muß sich dabei irgendein Energieumsatz abspielen.«

Über den in Deutschland tätigen Geistheiler Starczewski hieß es in einer Tageszeitung:

»Er heile Krankheiten nicht selbst, sondern als Medium mit Hilfe einer besonderen kosmischen Strahlkraft, einer gebündelten Wärme, die durch seine Hände fließe, als Medium von Geistern aus dem Jenseits, sagt er.«

Paul Uccusic, Fachautor über esoterische Themen und Geistheilung, schrieb unter dem Titel »Die heilende Kraft der Hände«:

»Bei der Direktbehandlung wird der Heiler in der Regel seine Hände, die stärkste seiner Waffen im Kampf gegen die Krankheit, bemühen … Die meisten Heiler spüren die Kraft in Armen und Händen, und sie wissen auch, daß die Kraft nicht aus ihnen selbst kommt; aber dennoch wirkt sie mittels der Hände … Bei diesem Verfahren, dem Handauflegen, spürt der Kranke meist eine Wärme, die das Gewebe und die Knochen durchdringt und die Schmerzen in der Regel bald zum Verschwinden bringt. Der Kranke glaubt, die Hände des Heilers seien warm; aber das ist unrichtig: er spürt einfach die Kraft.«

Ständig wird betont, wie diese Heilungskräfte eine göttliche Gabe zum Wohle der Menschheit seien. Mit dieser Überzeugung verbindet sich oft ein selbstloser Einsatz.

Man kann nun berechtigterweise fragen, was denn dieser offensichtliche Mediumismus mit den christlichen Heilern zu tun habe?

Zunächst fällt auf, wie an einigen Beispielen der Heilungsevangelisten und führender Charismatiker bereits aufgezeigt, daß die Symptome (Wärme etc.) verblüffend ähnlich sind. Doch berechtigt das zu solchen Schlußfolgerungen?

Wie wurde der Heilungsauftrag wiederentdeckt?

Dazu soll kurz und ohne Anspruch auf Vollständigkeit skizziert werden, durch welche Schlüsselleute der angebliche Auftrag zu heilen »wiederentdeckt« und in den Gemeinden verkündet wurde. Das Thema Heilung war schon immer eine Domäne der Pfingst- und späteren charismatischen Bewegung, doch wie drang es in die etablierten Kirchen und Freikirchen ein? Denn Tatsache ist, daß die Thematik Heilung erst in den letzten Jahrzehnten oder eigentlich Jahren so an Aktualität gewonnen hat.

Man liest weder von Missionaren des vorigen Jahrhunderts, noch bei solchen, die sich noch früher hinauswagten wie Bartholomäus Ziegenbalg oder William Carey, daß sie neben ihrer Verkündigung auch Heilungsdienste abgehalten hätten. So schrieb David Livingstone in einem Brief:

»Meine Praxis ist hier außerordentlich groß. Gegenwärtig habe ich Patienten, die mehr als 200 km weit hergekommen sind, um sich von mir behandeln zu lassen. Viele sehr schlimme Fälle wurden vor mich ge¬bracht, und manchmal war mein Wagen von Blinden, Hinkenden und Lahmen förmlich belagert. Welch ein gewaltiger Erfolg würde erzielt, wenn einer der siebzig Jünger hier wäre, um sie alle mit einem Wort zu heilen!   Übrigens sind sie ausgezeichnete Patienten. Da gibt es kein Gejammer. Bei einer Operation sitzen selbst die Frauen unbeweglich.«

Gerade auf diese Aussendungsbefehle an die zwölf bzw. siebzig Jünger beruft man sich heute immer häufiger zur biblischen Legitimierung des Heilungsauftrages. David Livingstone, einer der gesegnetsten Missionare überhaupt, wußte nichts von dieser »Vollmacht des Heilens«. Hatte auch dieser einmalige Diener Gottes nicht das »volle« Evangelium?

So ist es auch von diesem historischen Standpunkt erwähnenswert, was Roland Brown in seiner Biographie »Gott ist gut, Jesus ist wunderbar« in diesem Zusammenhang, es war das Jahr 1924, schreibt:

»Ich malte mir aus, wie herrlich es wäre, wenn wir jemanden berühren könnten und der Herr ihn heilen würde. Allerdings hatte ich bisher von solchen Heilungen in unserer Zeit nicht gehört. Auch in Predigten kam dieses Thema nicht vor; ich kannte auch kein Buch darüber und keinen Zeitschriftenartikel. In mir lebte der große Wunsch, daß das, was bei den Anfängen des Christentums geschehen war, auch heute geschehen sollte.«

Roland Brown lebte damals in Chikago. Teilweise waren noch Nachwirkungen der großen Erweckung unter D. L. Moody, der dort so segensreich gewirkt hatte, vorhanden. Ist es möglich, daß die damalige Christenheit solch einen angeblich wesentlichen Aspekt der Verkündigung einfach außer acht gelassen hat?

Wer waren nun die Schlüsselleute für die Wiederentdeckung dieser »verschollenen« Gabe? Cameron Peddie, schottischer Pfarrer der anglikanischen Kirche, nannte sein Buch, in dem er die Krankenheilung als bleibenden biblischen Auftrag vertrat, bezeichnenderweise »Die vergessene Gabe«. Er schreibt von seinen Wahrnehmungen der »Heilungskräfte«:

»Der, der die Behandlung durchführt, ist sich dabei stets dessen bewußt, daß Kraft durch ihn strömt (wenn er dafür in seinem Inneren genügend empfänglich ist), und der Patient spürt ein eigenartiges Hitze  oder Kältegefühl. Die Hitze, die an den kranken Stellen entsteht, ist manchmal so stark, daß der Patient die Bemerkung macht: >O, es brennt ja geradezu!<«

Aus welcher Quelle bezieht nun Cameron Peddie seine Gabe und seinen Auftrag? Bei ihm ist der spiritistische Einfluß ganz offensichtlich. Er gibt zu, wie er 1942 zu einem Medium ging:

»Allmählich schienen sich ihre Gesichtszüge zu wandeln und ein östliches Aussehen anzunehmen. Sie befand sich im Trancezustand … Wir hatten das Gefühl, in der Gegenwart eines Engels zu sein – gewiß nicht in der eines Teufels. Sie legte meiner Frau die Hände auf … Die spiritualistischen Medien heilten im Namen und in der Kraft vertrauter Geister, die nicht unbedingt böse, aber körperlose Geister waren.«

Seine Berufung, den Heilungsauftrag in der Kirche wieder bekannt zu machen, spielte sich folgendermaßen ab:

»Ich sagte zu Gott: Vater, ich bin noch immer im Dunkeln … Wie kann ich da meinen Mitbrüdern den Heilungsauftrag recht weitergeben? Wenn ich mein Schlafzimmer betrete, werde ich die Bibel öffnen. Bitte laß die ersten Worte, die ich dort sehe, eine Botschaft sein, die mir Weisung gibt.  …Ich zeigte mit dem Finger auf einen Vers und wollte ihn gerade lesen, als sich drei Seiten von selbst einzeln umblätterten, eine nach der anderen, als ob sie von einer unsichtbaren Hand bewegt worden wären.«

Diese Berufung zum Heilungsauftrag ist hier jenseits allen Zweifels eine mediale Steuerung, ein Werk verführerischer Geister, die gemäß 1 Tim 4,1 am Ende der Tage besonders aktiv sein werden.

Ein biblischer Heilungsauftrag?

Als Beleg für den Heilungsauftrag zitiert man die Passagen aus den Evangelien, nämlich Mt 10,5 ff. und Luk 10,9. Dies aber war vor Golgatha und stand ganz offensichtlich in Beziehung zu Israel (besonders Mt 10,5 6). Im Missionsbefehl von Mt 28, wo (ganz im Gegensatz zu Mt 10) ausdrücklich gesagt wird, nun unter alle Völker zu gehen, wird ein Heilungsauftrag dagegen mit keiner Silbe erwähnt.

Auch findet sich der vollendete Ratschluß für die Gemeinde nicht primär in den Geschichtsbüchern oder gar Evangelien (das Wort Gemeinde wird nur dreimal in den vier Evangelien erwähnt), sondern in den Briefen. Vom Römer  bis Judasbrief wird jedoch kein einziges Mal befohlen, daß die Gläubigen Kranke heilen sollen.

Warum wird bei der Evangeliumsverkündigung   selbst in der Apostelgeschichte   den Zuhörern immer nur Vergebung der Sünden angeboten und nie Heilung von Krankheiten angesprochen? Hätte dann nicht z. B. Petrus im Hause des Kornelius sagen müssen: »Von diesem bezeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen« (Apg 10,43) und (nun in diesem Sinne fortfahrend) Heilung von ihren Krankheiten erfahren? Sollten die Apostel solch einen wesentlichen Bestandteil des Verkündigungsauftrags vergessen haben zu erwähnen?

Besonders der 1. Johannesbrief zeigt den Grund des Kommens unseres Herrn, erwähnt die Warnung vor Verführung und befiehlt das Prüfen der Geister. Dieser Brief zeigt die biblischen Kriterien für den Gläubigen. Dort nun, wo der Grund für Jesu Kommen erwähnt wird (1 Joh 3, Verse 5 und 8 usw.) steht diese Aussage immer in Verbindung mit der Sünde. Kein einziges Mal heißt es, daß Jesus erschienen sei, um die Kranken zu heilen. »Darin besteht die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden« (1 Joh 4,10). Dies wäre eine sonderbare Auslassung, wenn es einfach für selbstverständlich erachtet werden sollte, daß die Gemeinde zu heilen hat.

George Bennett und seine Heilungserfahrungen

Auch George Bennett, Priester der anglikanischen High Church, verkündigt mit Berufung auf die gleichen Bibelstellen den Heilungsauftrag. Auf der Rückseite seines Buches »Heilung brauchen wir alle«, heißt es bezeichnenderweise: »In unseren Tagen entdeckt die Kirche neu ihren Auftrag zu heilen.«

Es ist also nicht etwas, das immer schon durch die Jahrhun¬derte der Kirchengeschichte praktiziert wurde, sozusagen seit Beginn der Gemeinde oder der Reformation, sondern etwas, das neu auf uns zukommt.

Zunächst sind George Bennetts Ansichten, die er in seinem Buch vertritt, eine Vermischung von Heilungsdienst und kirchlicher Sakramentslehre. Besonders aufschlußreich ist der Abschnitt seines Buches, wo er erläutert, wie man die Krankheiten erfühlen bzw. die Krankheitsherde mit den Händen feststellen kann. Wörtlich heißt es:

»Eine >andere< Empfindung mag auch die Fähigkeit sein, durch Intuition oder Berührung die kranken Stellen im Körper eines Leidenden ausfindig zu machen. Manchmal spürt der Ausübende in seinen Fingerspitzen, daß die Stellen, die geheilt werden sollen, heiß sind oder sich >tot< anfühlen. Der >Heiler< weiß dann unwillkürlich, wie lange er seine Hände über dem kranken Körperteil halten sollte. Manchmal vibrieren seine Hände, wenn die schöpferischen Energien Gottes durch sie hindurchströmen. Später berichtet der Leidende vielleicht, daß er eine >Glutwelle< oder so etwas wie einen elektrischen Strom verspürte, der durch ihn hindurchlief. Ein derartiges Geschehen hat als solches keine Bedeutung; es ist nur die äußere Erscheinungsform des Wirkens der wirklichen Kraft im Innern   obwohl es sehr beunruhigend sein kann, wenn es das erste Mal auftritt.«

Dies sind nun wiederum unzweifelhafte Symptome des Mediumismus, nicht des Wirkens des Heiligen Geistes. Interessanterweise erklärt George Bennett unmittelbar danach, wie sich diese »Gabe«, die Krankheiten mit den Händen zu erfühlen, auswirkt:

»Der >Heiler< spürt, daß er von dieser Kraft in eine ganz andere, wunderbare Welt versetzt wird, die sich nicht richtig erklären läßt. Er mag manchmal darüber erschrocken sein. und unsicher werden, … Auch stellt er fest, daß er selbst verwundbarer gegenüber den Verletzungen in seinem Leben und den Zugriffen des Bösen wird.«

Auch hier werden die Zusammenhänge durch solche Selbstzeugnisse offensichtlich.

John Wimber und die »Dritte Welle des Heiligen Geistes«

Diese Wahrnehmungen einer Wärme bzw. Hitze werden auffallend häufig in dem von John Wimber herausgegebenen Buch »Die Dritte Welle des Heiligen Geistes« erwähnt. So schreibt seine Frau Carol über das Kommen des angeblichen Heiligen Geistes.

»Aber ich wußte, daß Gott zu uns gekommen war. Ich war sehr glücklich, denn ich hatte so lange um Gottes Kraft gebetet. Ich hatte es mir etwas anders vorgestellt, aber Gott gab uns seine Kraft eben auf diese Weise. Ich stand auf, ging umher und hielt meine Hände in die Nähe der Men¬schen, die auf der Erde lagen. Ich konnte die Kraft spüren, die von ihren Körpern ausging, es war so etwas wie Hitze oder Elektrizität.«

In diesem Zusammenhang erscheint erwähnenswert, daß auch Katholiken, die nun angeblich von der Himmelkönigin Maria geheilt worden sind, die gleichen Begleitsymptome erleben. Ein gelähmter Mann, der in Lourdes geheilt wurde, berichtet, wie er am ganzen Körper eine starke Hitze verspürte. Danach konnte er aus dem Rollstuhl aufstehen.

Überrascht es da noch sonderlich, daß John Wimber in seinem Buch »Vollmächtige Evangelisation« sogar Lourdes im positiven Sinne anführt? Angeblich soll es ein Ort sein, wo Gottes zeichenhaftes Wunderhandeln erfahrbar ist.

In demselben Buch erklärt Amerikas bekanntester Heilungs¬evangelist wörtlich:

»Manchmal bekomme ich Schmerzen in verschiedenen Teilen meines Körpers. Das zeigt mir an, welche Krankhei¬ten Gott bei anderen heilen will.«

Auch dafür gibt es keine biblische Parallele, doch sind solche Phänomene den Geistheilern nur zu gut bekannt.

Aus dem Glauben an den persönlichen Gott der Bibel wird mehr und mehr die Wahrnehmung einer unpersönlichen Kraftwirkung, die sich in erster Linie physisch bemerkbar macht. In Wimbers Buch »Die Dritte Welle des Heiligen Geistes«, das übrigens eine wahre Fundgrube für solche Phänomene darstellt, berichtet seine Frau Carol:

»So ging John im Zimmer umher und betete für uns. Von seinen Händen strömte eine unglaubliche Kraft. Wenn er die Menschen berührte, fielen diese einfach um. Für John war es, als ob aus seinen Händen eine geistliche Kraft strömte, ähnlich wie Elektrizität. Es war das erste Mal, daß John tatsächlich fühlte, wie Kraft von ihm ausging.«

Wie oben dargelegt, mißachtet dieser Geist, der leider als Heiliger Geist angesehen und angesprochen wird, die Persönlichkeit bzw. die Selbstkontrolle des Menschen. So erzählt Carol von ihrem Mann gleich danach:

»John ging zum Kühlschrank, weil er ein Glas Milch trinken wollte. Während er sich die Milch einschenkte, sagte er: >Ich glaube, wenn man das Wort Gottes lehrt, dann wird der Heilige Geist …<  John konnte seine Gedanken nicht mehr ausführen. Als er >der Heilige Geist< sagte, sackten ihm plötzlich die Beine weg, und er konnte sich gerade noch an der Theke festhalten. Die Milch spritzte überall herum. Er schaute überrascht und lachend zu mir hoch und sagte: >Ich glaube, wir werden noch einiges erleben, Carol Kay<.«

Hier noch ein weiteres Beispiel zu diesen Phänomenen der sogenannten »Dritten Welle« des Heiligen Geistes. Terry Virgo, Pfingstprediger aus England, schreibt über ein Gebetstreffen in Südafrika:

»Während wir für sie beteten, fiel auf einmal mit Macht der Heilige Geist … Etliche fielen unter der Kraft Gottes zu Boden, und einige fingen heftig an zu zittern. Ein junger Mann wurde mit Macht auf dem Boden hin und her geworfen, er bewegte sich wie ein aufs Trockene geworfener, zappelnder Fisch. Es war undenkbar, daß er die körperlichen Verrenkungen selber machte. Seit jenem Abend hat sein Leben einen ganz neuen Glanz bekommen.«

Hier wird zugegeben, wie eine andere Kraft den Menschen kontrolliert.

Wie vermittelt nun John Wimber die Gabe der Heilung? Wir haben schon erwähnt, wie sich diese Kraft primär im seelisch körperlichen Bereich manifestiert. Lassen wir aus diesem mehrfach zitierten Bestseller »Die Dritte Welle …« jemanden zu Worte kommen, der dies buchstäblich am eigenen Leibe erfahren hat.

Unter dem bemerkenswerten Titel »Darüber kann man lachen«, schildert der Neuseeländer Murray Robertson seine Ausrüstung für den Heilungsdienst folgendermaßen:

»>Alle, die der Herr zum Dienst der Heilung beruft, werden an ihrem Körper eine Reaktion merken<, fuhr John Wimber fort. >Wenn Sie dies merken, dann kommen Sie nach vorne, und wir werden für Sie beten.<  …Da begann meine rechte Hand plötzlich stark zu zittern, so als ob sie einen Preßluftbohrer festhalten würde… Darum ging ich nach vorne. Für alle, die nach vorne gekommen waren, wurde gebetet … In mir stieg ein Lachen auf, doch da der Augenblick dafür völlig unpassend war, unterdrückte ich es. >Der Geist wird in Wellen kommen<, sagte Wimber, >jede neue Welle wird mehr Menschen mit hineinnehmen als die vorherige.< In den ersten Reihen fingen einige Menschen an zu lachen … Diejenigen, die gelacht hatten, wurden still   bis auf mich. Ich konnte einfach nicht aufhören. Und schließlich konnte ich auch nicht mehr stehen! Ich fiel zuerst nach vorne, dann nach hinten, und zum Schluß lag ich auf dem Boden, rollte hin und her und hielt mir vor Lachen die Seite. Inzwischen war ich umringt von Zuschauern, ich lieferte eine gute Unterhaltungsshow! … Ich lachte etwa eine dreiviertel Stunde lang. Als ich schließlich aufhörte, kam ein Kollege, ein sehr guter Freund von mir, legte mir die Hand auf den Kopf und sagte: >Herr, gib ihm noch mehr davon<   und ich mußte noch einmal eine dreiviertel Stunde lang lachen! Dann flehte ich ihn an, nicht mehr für mich zu beten, meine Rippen schmerzten schon von all dem Lachen!«

Der Brite H. E. Alexander, Gründer der Action Biblique, schrieb schon vor Jahrzehnten über die Phänomene des christlichen Spiritismus unmißverständlich deutlich – fast zu deutlich, jedoch für das gerade Zitierte möglicherweise nicht übertrieben:

»Hast du noch nie starke, physisch seelische Empfindungen, Verzückungen und seelisch geistliche Gemütserregungen gehabt? Hat dich ein außergewöhnliches Zittern befallen? Wurdest du zur Erde geworfen und bliebest auf deinen Knieen liegen oder krochest du herum, indem du glaubtest, unter der Wirkung des Heiligen Geistes zu stehen? Sei versichert, daß in diesem Augenblick Satan von deinem Körper ganz oder teilweise Besitz genommen hat, der damit ein Medium des Geistes >des Engels des Lichts< wurde … Dabei wähnst du, daß die, welche dich vor dieser schreckli¬chen Gefahr warnen, gegen den >Heiligen Geist sündigen<, indem sie sich dem Wirken Gottes entgegenstellen. Dein Leben steht in direkter Verbindung mit der Dämonenwelt und dies im Namen Gottes!«

Es war Prof. Peter Wagner, der John Wimber zu Vorlesungen am Fuller Theological Seminary (Kalifornien) berief. Nach dem theoretischen Teil wurde der Heilungsdienst gleich praktisch ausgeführt. John Wimbers Einfluß hat dadurch eine viel größere Plattform erhalten. So nahm an diesen Kursen auch der angesehene christliche Psychiater Dr. John White teil, Autor vieler einflußreicher und erfolgreicher Bücher. Leider beweist auch er wenig Unterscheidungsvermögen, wenn er über die Heilung des verletzten Beines eines Studenten im positiven Sinne berichtet:

»Der junge Mann hatte sein Gesicht erhoben, es glänzte ein wenig von Schweiß. Die Augenlider zuckten. Nach einer Weile begannen sein Kopf und seine Oberarme zu zittern, zuerst nur leicht, dann immer stärker. Schon bald zitterte sein ganzer Körper, und zwar so stark, daß man befürchten mußte, er würde das Gleichgewicht verlieren und zu Boden stürzen. Seine Krücke polterte zu Boden, und zwei Studenten liefen zu ihm, um ihn vorsichtig auf den Boden zu legen, wo er noch stärker zu zittern begann…  Inzwischen schlug das rechte Bein des jungen Mannes in alle Richtungen aus und gab dabei einer Aktenmappe einen kräftigen Schubs, so daß diese über den Boden rutschte. Ich machte mir Sorgen, weil das linke Bein (das ich fälschlicherweise für das verletzte hielt) angewinkelt unter dem Bein lag, das wild hin und her zuckte. Ich bat die Studenten, die am nächsten bei dem jungen Mann saßen, das Bein vorsichtig unter dem anderen wegzuziehen. Als sie dies versuchten, wurden sie scheinbar ebenfalls von dem Zittern ergriffen, so daß sie meiner Bitte nicht nachkommen konnten. Nach fünf bis sieben Minuten hörte das Ganze wieder auf …«

Der vorhin erwähnte Dr. Peter Wagner ist Professor für Gemeindewachstum am Fuller Theological Seminary »School of World Mission«, Pasadena, Kalifornien. Seine Arbeiten zum Thema Gemeindewachstum sind so zahl  und einflußreich, daß man ihm schon den Namen »Mr. Church Growth« (Mr. Gemeindewachstum) gegeben hat. Der Einfluß von Peter Wagner auf die weltweite evangelikale Bewegung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Nun liest man bereits in seinem Beitrag zu dem schon mehrfach zitierten Buch von John Wimber »Die Dritte Welle des Heili¬gen Geistes« eher merkwürdige Dinge. Zunächst meint er, besonders im Visier Satans zu sein:

»Der Herr hatte mich nämlich auch wissen lassen, daß ich auf Satans schwarzer Liste ziemlich weit oben stände. Im Januar 1983 wurde nach einem Seelsorgegespräch mit John Wimber die Kraft eines bösen Geistes gebrochen, der mir seit Jahren Kopfschmerzen verursacht hatte, die mich sehr behinderten. Im März versuchte der Teufel, mich zu töten, indem er mir eine Leiter unter den Füßen wegzog. Aus drei Meter Höhe fiel ich mit dem Kopf zuerst auf den Betonboden.«

Unmittelbar danach nahmen die angeblichen Geisterangriffe noch sonderbarere Formen an: »Dieses Ereignis weckte in uns die Vermutung, daß der Feind böse Geister in unser Haus geschickt hatte. Dies bestätigte sich später, als meine Frau Doris in unserem Schlafzimmer tatsächlich einen solchen Geist sah.«

Dieser Mann versucht nun dank seines großen Einflusses, die Prinzipien des Heilungsdienstes und Gemeindewachstums   verbunden mit Zeichen und Wundern   in die von der charisma¬tischen Bewegung noch nicht tangierten Kreise systematisch einzuschleusen. Sein letztes Buch, »How to Have a Healing Ministry Without Making Your Church Sick« (Regal, 1988), behandelt wiederum das Thema Heilungsdienste und wie diese von den Gemeinden in die Praxis umgesetzt werden können. Die deutsche Ausgabe trägt den Titel »Der gesunde Aufbruch« (Wolfgang Simson Verlag, 1989).

In einer jüngsten Veröffentlichung behandelt nun Peter Wagner das Thema »Territorial spirits and world missions«, wo er sich besonders mit dämonischen Aktivitäten in Zusammenhang mit der Ausbreitung des Evangeliums auseinandersetzt. Dieser Artikel enthält manch Richtiges und zu Beherzigendes. Allerdings finden sich auch eine Menge absonderlicher Berichte und Begebenheiten. So erzählt Peter Wagner von einer Südamerikanerin namens Rita Cabezas, deren Dienst darin besteht, die Namen der Hierarchie Satans zu erforschen.

»Ich werde nicht ihre Methoden beschreiben, nur möchte ich erwähnen, daß alles mit ihren umfangreichen Psychologischen- und Befreiungspraktiken seinen Anfang nahm und später sich bis zum Empfang von Worten der Erkenntnis und Offenbarung entwickelte. Sie entdeckte, daß direkt unter Satan weltweit sechs Fürstentümer stehen, namens Damian, Asmodeo, Menguelesh, Arios, Beelezebub und Nosferasteus. Unter jedem, so berichtet sie, sind sechs Regenten für jedes Land.«

Dann werden u. a. auch die sechs Namen der für die USA zuständigen Regenten aufgezählt, die angeblich folgendermaßen lauten: Ralphes, Anoritho, Manchester, Apolion, Deviltook und ein Ungenannter.

Hier meint man offensichtlich, die Tiefen Satans erkannt zu haben (Offb. 2, 24).

Vollends offenbar aber wird der fromme Spiritismus bei folgendem Bericht, den Peter Wagner im Zusammenhang mit dem berüchtigten »Bermuda Dreieck« zustimmend wiedergibt:

»Kenneth McAll verbrachte viele Jahre als Missionsarzt in China und kehrte danach nach England als beratender Psychiater zurück. In China begann er einen Befreiungsdienst und engagierte sich durch umfangreiche Untersuchungen und Veröffentlichungen zu diesem Thema. 1972 fuhren er und seine Frau mit dem Schiff durch das Bermuda Dreieck. Viele Schiffe und Flugzeuge waren dort spurlos verschwunden, aber sie dachten, daß so etwas ihnen nicht widerfahren könne. Es geschah. Ein gewaltiger Sturm überwältigte sie, doch glücklicherweise wurden sie gerettet. McAll entdeckte durch seine Nachforschungen, daß im Bermuda Dreieck Sklavenhändler an die zwei Millionen Sklaven, die entweder zu krank oder zu schwach waren, um verkauft werden zu können, über Bord geworfen und danach noch Versicherungsgelder für sie eingestrichen hatten. Er hatte den Eindruck, daß Gott ihn anleitete, etwas zu unternehmen. McAll versammelte mehrere Anglikanische Bischöfe, Priester und andere in ganz England, um eine Jubiläums Eucharistiefeier im Jahre 1977 abzuhalten. Eine andere wurde kurz danach auf der Bermudainsel selber gefei¬ert. Die erklärte Absicht war, >die spezielle Befreiung all derer zu erlangen, die ein unzeitgemäßes Ende im Bermuda Dreieck erfuhren<. Als Resultat davon wurde der Fluch aufgehoben. McAll berichtete 1982,  >Von dem Zeitpunkt der Jubiläumsmes¬se bis jetzt   5 Jahre   hat sich kein unerklärlicher Unfall im Bermuda Dreieck ereignet<.

Gemeindewachstum und geistliche Kampfführung vorangetragen durch Messen für Verstorbene?

Inzwischen bekam Peter Wagner nicht nur das Charisma der Krankenheilung, sondern auch die besondere Gabe, zu kurze Beine verlängern zu können. Seine Geistestaufe erhielt er bei Yonggi Cho, von dem im »Dictionary of the Pentecostal und Charismatic Movements« berichtet wird, daß ihm bei seiner Bekehrung Jesus als Feuerwehrmann erschien.

Yonggi Cho ist Koreaner und Pastor der größten Kirche der Welt. Sein Bestseller »Die vierte Dimension« ist aber eher, wie Dave Hunt eindrücklich aufzeigt, eine Apologetik des Okkultismus bzw. christlich verbrämtes Schamanentum denn biblisches Christentum. So schrieb die englische Zeitschrift » Sword & Trowel« einen ganzen Artikel über Yonggi Chos Heilungstechniken unter der Überschrift »Occult healing bu¬ilds the world’s largest church« (Okkultheilung baut die größte Kirche der Welt).

Ähnlich äußert sich Hank Hanegraaff. In seinem neuerschienenen Buch »Christianity in Crisis« stellt er unumwunden fest:

»Chos Vorstellung des vierdimensionalen Denkens ist nichts anderes als Okkultismus. In seinem Bestseller >Die vierte Dimension< offenbart Cho sein Abweichen von der historischen christlichen Theologie und sein Eindringen in die Welt des Okkultismus.«

 

Der Einfluß von Agnes Sanford

Als Schlüsselfigur für die Wiedereinführung der Heilungsdienste in die Hauptgruppierungen der amerikanischen Christenheit gilt Agnes Sanford. Vielleicht gibt es kaum eine Frau in diesem Jahrhundert, die einen so großen Einfluß auf die heutige Christenheit in Amerika ausübte, wie diese Lehrerin und Autorin vieler erfolgreicher Bücher. Sie ist die entscheidende Wegbereiterin zur Ausbreitung der »vergesse¬nen Gabe«.

Francis MacNutt, ein katholischer Pater, wurde ebenfalls durch Agnes Sanford zu diesem Heilungsdienst motiviert. Er war einer der ersten Katholiken, der sich in der charismatischen Erneuerung engagierte und einer der ersten, der Gebet für Heilung in Gebetsgruppen praktizierte. Er schreibt dazu:

»Diese Schulen wurden von Pastor Ted Sanford und seiner Frau Agnes gegründet, um die Geistlichen davon zu über¬zeugen, daß der Heilungsdienst Teil des normalen Auftrags eines jeden Pastors sein sollte. Obwohl ihr Gatte vor ein paar Jahren starb, hat Frau Sanford das Werk des Unter¬richts weitergeführt und ist vielleicht mehr als jeder andere für die Erneuerung des Heilungsdienstes in den großen Denominationen Amerikas verantwortlich.«

In ihrem Buch über die Heilungsgaben des Geistes schreibt sie:

»Beim Zungenreden wird nun diese Macht, die im Unbewußten aller Menschen verborgen liegt … zum Leben erweckt, so daß das Unbewußte Verbindung aufnehmen kann mit dem Unbewußten eines anderen, der irgendwo auf dieser Erde lebt, oder mit jemandem, der früher hier gelebt hat oder erst in der Zukunft leben wird …«

In einem weiteren bedeutenden Werk, »Heilendes Licht«, wird die spiritualistische Verstrickung, die fromme Verbun¬denheit mit Totengeistern, noch offensichtlicher.

»Auch die >Geister der vollendeten Gerechten<, für die wir vielleicht gebetet haben, als sie noch auf Erden waren, sind Gegenwart (Hebr 12) und wirken durch uns, denn die Brücken, die von Geist zu Geist gebaut werden, dauern über den Abgrund des Todes hinüber … In der Bitte um sein Kommen und in der Mitarbeit der anderen »Heiligen« erleben wir einen Machtzustrom. Viele von uns empfinden ihn als einen wirklichen Strom voller Leben, der ins Inner  ste des Körpers dringt und durch das Rückgrat aufwärts steigt. Er ist so kräftig, daß wir gezwungen sind, uns ganz gerade zu halten und ganz leicht und ruhig zu atmen. Für eine kleine Weile können wir vielleicht auch nicht sprechen … Diese Fülle muß weitergegeben werden.«

Wie sich die Heilungsmethoden dieser Frau auswirken, kann man wiederum in dem Buch »Die Dritte Welle des Heiligen Geistes« nachlesen. Mike Flynn, Priester einer Episkopalkirche in Kalifornien, schreibt im Zusammenhang mit Agnes Sanford:

»Es gab einige Dinge, die mich beunruhigten, und ich beschloß, Agnes Sanford aufzusuchen … Agnes, die hinter meinem Stuhl stand, sagte, sie würde trotzdem für mich beten. Sie ließ mich wissen, daß sie beim Beten zitterte. Ich sollte mich davon nicht stören lassen. Sie legte mir die Hände auf den Kopf und war eine Weile still.«

Danach praktiziert er die typischen Visualisierungen, wo der Jesus des Wortes durch einen Jesus des Bildes bzw. der Vorstellung ersetzt wird. Eine Frau, die mit Schwierig¬keiten und Problemen zu ihm in die Seelsorge kommt, wird folgendermaßen »geheilt«:

»Ich hatte mir angewöhnt, mir Jesu Gegenwart bildlich vorzustellen. Überall, wo ich war, konnte ich ihn auf dem Thron sitzen sehen. So blickte ich zu Jesus. Er erhob sich von seinem Thron, kniete sich neben die Frau, legte den rechten Arm um ihre Schulter, griff mit seiner Linken in ihr Herz und holte etwas heraus, das wie eine schwarze, gallertartige Masse aussah. Diese Masse tat er in sein eige¬nes Herz, wo sie schrumpfte, bis sie sich in nichts auflöste. Dann griff er erneut in sein Herz und holte eine weiße Masse heraus, die er vorsichtig in das Herz der Frau legte, an die Stelle, wo vorher die dunkle Masse gewesen war. Schließlich wandte sich Jesus mir zu und sagte: >Tu das< … Innerhalb der nächsten Jahre betete ich in ähnlicher Weise für Hunderte von Menschen und lehrte viele diese Art des Gebets.«

Diese Methode der »Inneren Heilung« bzw. Visualisierung, nämlich die Überzeugung, daß man durch eine bildliche Vorstellung Jesu seiner göttlichen Kräfte teilhaftig wird, hat durch Agnes Sanford eine überaus große Verbreitung gefunden. Dave Hunt legt in seinem Bestseller >Die Verfüh¬rung der Christenheit< dar, wie diese Visualisierungstechniken der heidnischen Welt und besonders den Schamanen bekannt sind und einen direkten und schnellen Zugang in die Geisterwelt vermitteln. Abgesehen davon, daß es un¬denkbar ist, daß der erhöhte Herr, vor dem sich einmal alle Kniee beugen müssen, nun selber vom Thron herabsteigt und sich bei einer Frau hinkniet.

Diese Methode der Visualisierung empfiehlt auch Richard Forster in seinem vielgelesenen Buch »Nachfolge feiern«. Beispielsweise soll man sich vorstellen, wie man seinen Leib verläßt und immer tiefer in den Weltenraum ver¬schwindet, bis man schließlich nur noch in der warmen Gegenwart des ewigen Schöpfers verweilt. Richard Forster aber gehört zu den vielen Bewunderern von Agnes Sanford. Er schreibt:

»Agnes Sanford und mein lieber Freund, Pfarrer Bill Vas¬wig, haben mir sehr geholfen, die Bedeutung der Phantasie für die Fürbitte besser zu verstehen.

In dem Buch »Nachfolge feiern« finden sich auch sehr empfehlenswerte Passagen, doch tragisch ist wiederum die teilweise vorhandene Naivität gegenüber Strömungen und Gestalten, die die Gemeinde Gottes zerstörten und verfolgten. So empfiehlt er die Exerzitien des Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens, und versteigt sich sogar zu der Behauptung:

»Sein (Ignatius, Anm.) dünnes Büchlein über Meditations¬übungen mit seiner Betonung der Phantasie (imagination) hatte einen unglaublich positiven Einfluß zum Guten im 16. Jahrhundert.«

In diesem Jahrhundert aber begann dank Ignatius von Loyo¬la und seiner Jesuiten die Gegenreformation, in deren Folge Abertausende von Nachfolgern Jesu getötet wurden.

Jedenfalls sind durch Agnes Sanfords übergroßen mediumi¬stischen Einfluß fast alle charismatischen Kreise, die Heilung propagieren, durchsäuert worden. So war sie eine beliebte und häufige Sprecherin bei Camp Farthest Out, dessen internationaler Direktor der oben erwähnte Roland Brown war. Auch Larry Christenson verdankt seine neop¬fingstlichen Impulse wesentlich dem Buch »Heilendes Licht«, wie er im Vorwort zur deutschen Auflage anerken¬nend schreibt.

Arnold Bittlinger, zusammen mit Larry Christenson der Vater der charismatischen Bewegung auf deutschem Boden, veröf¬fentlichte in seiner Schrift »…und sie beten in anderen Sprachen« einen Artikel von Agnes Sanford unter dem Titel »Erfahrungen mit dem Sprachenreden.«

In dem Gaben Test von Christian Schwarz wird unter dem Charisma der Auslegung des Zungenredens Agnes Sanford als Autorität für die Existenz dieser Gabe zitiert. Dies ist nur eines von etlichen Beispielen bei diesem Test, wo man bezüglich der diakritischen Gabe dieser Gemeindewachstums¬strategen größte Fragezeichen setzen muß.

Körperliche Heilung empfiehlt auch Morton Kelsey, der mit Agnes Sanford eng verbunden war. Eines seiner Hauptwerke trägt den Titel » Healing and Christianity« (Heilung und Chri¬stentum). Kelsey gibt zu, wie ihm seine Methode durch das Studium von C. G. Jung erwachsen ist. Jungs wissenschaftliche Karriere aber begann durch spiritistische Sitzungen mit seiner Cousine Helly Preiswerk. Kelsey empfiehlt sogar den Kontakt mit Verstorbenen.

»Dank Jungs Eintreten für die aktive Phantasie und seinem Verständnis der Toten, die in Wirklichkeit weiterleben, konnte ich dieses besondere Zusammentreffen mit meiner (toten) Mutter erleben … es erschien mir alles ganz echt.«

Was ist dann von John Wimbers Unterscheidungsgabe zu halten, wenn auf seinen Büchertischen die Werke von Agnes Sanford und Morton Kelsey zum Verkauf angeboten werden? Ja, er preist sogar dieses zutiefst mediumistische Werk >Heilendes Licht< in seinem jüngst erschienen Buch >Heilungsdienst praktisch< als »den Klassiker unseres Jahrhunderts über die Thematik der göttlichen Heilung« an.

Übrigens greift auch Arnold Bittlinger in der bereits genann¬ten Veröffentlichung unter der Überschrift »Glossolalie   psychologisch betrachtet« Morton Kelsey positiv auf.

»In der Schule C. G. Jungs wird die Glossolalie erklärt als eine Sprache, die aus dem Kollektiv Unbewußten kommt. So schreibt z. B. der Jung Schüler Prof. Morton Kelsey: >Bei der Glossolalie geschieht ein echtes Bewußtwerden von Inhalten, die aus den tiefsten Schichten des Kollektiv Unbe¬wußten kommen.< (M. Kelsey, Tongue Speaking, New York 1964, S. 199).«

Bittlinger weiter:

»Nach dieser Meinung wäre also das Sprachenreden ein Ausdruck des Kollektiv Unbewußten, das die gesamte Menschheit miteinander verbindet. Dies war auch mein Eindruck, als ich zum ersten Mal dem Phänomen des Sprachenredens begegnete. Dadurch könnte auch das Phänomen der Xenoglossia erklärt werden.«

C. G. Jung aber hat seine Lehre von dem Kollektiv Unbe¬wußten bzw. den damit verbundenen Archetypen, wie oben kurz erwähnt, aus spiritistischer Literatur abgeleitet. Der nicht unbedeutende Einfluß von C.G. Jung, nach all den positiven Erwähnungen führender Leute der Neopfingstbewe¬gung überrascht es auch keineswegs, wird von charismatischer Seite offen zugegeben: »C.G. Jung spielt bei vielen Verantwortlichen der charismatischen Erneuerung eine wich¬tige Rolle.«

Eingedenk der Tatsache, daß durch Arnold Bittlinger die charismatische Bewegung in Deutschland Fuß faßte, stellt sich erneut die Frage, um welchen Geist es sich bei dieser Bewegung handelt, wenn hier ohne Bedenken Personen als Autoritäten herangezogen werden, die sich offenkundig aktiv mit dem Spiritismus befaßt haben.

Diese Vermischung mit unbiblischen Strömungen wird durch eine jüngste Veröffentlichung von Arnold Bittlinger noch deutlicher.

Um einen Eindruck von der Schlüsselrolle und Lehrauffassung zu vermitteln, die sich mit dieser Person verbinden, möchte ich noch zwei Zitate voranstellen. So schreibt Wolfram Kopfer¬mann:

»Ein eigenes Schrifttum der evangelischen Gemeinde Erneue¬rung ist noch im Entstehen begriffen. Hinzuweisen ist bisher auf einige Veröffentlichungen von Arnold Bittlinger, vor allem zum Gesamtgebiet der Charismen, speziell auch zum Thema Sprachengebet, die als Standardwerke gelten. Überhaupt kommt Bittlinger das Verdienst zu, schon in den sechziger Jahren die Anliegen der charismatischen Bewegung theolo¬gisch so reflektiert und dargelegt zu haben, daß sie von vielen sonst kritischen deutschen Zuhörern bzw. Lesern aufgenom¬men werden konnten.«

Zum Phänomen des Zungenredens erklärt Arnold Bittlinger:

»Glossolalie ist sehr häufig das Phänomen, durch das Menschen Zugang zur Dimension des Charismatischen finden …. Im Privatgebet spielt die Glossolalie innerhalb der Charismatischen Bewegung eine bedeutende Rolle. Millionen von Christen, darunter viele Pfarrer, Priester und Bischöfe, haben durch die Glossolalie Zugang zu einem verinnerlichten Beten gefunden   ohne daß sie diese Gabe in einem öffentlichen Gottesdienst praktizieren. Man kann deshalb zweitens sagen: >Ohne Glossolalie gäbe es keine Charismatische Erneuerung<.

»In Verbindung mit meiner Forschung im Bereich der Charis¬matischen Erneuerung, der ökumenischen Spiritualität und der Tiefenpsychologie, bin ich allmählich in Verbindung mit nicht¬christlichen geistlichen Erfahrungen und Praktiken ge¬kommen.

Seit 1962 habe ich Forschungen über die Charismatische Er¬neuerung angestellt. Ich war ein Mitglied des inneren Teams im Dialog zwischen der römisch katholischen Kirche und der pfingstlich/charismatischen Erneuerungsbewegung. Ich war auch als Berater für die charismatische Erneuerung beim Weltkirchenrat tätig.

Im Zuge meiner Nachforschungen begann ich mich für die afrikanischen unabhängigen Kirchen zu interessieren, wo ich eine harmonische Vermischung von traditionellen afrikani¬schen und christlichen Elementen vorfand. Als ich entdeckte, daß viele charismatische Elemente dieser Kirchen ihre Wurzel in vorchristlichen Traditionen hatten, begann ich auch nach charismatischen Elementen in anderen Religionen Ausschau zu halten. Ich entdeckte, daß vor allem die Charismata der >Heilung< und der >Prophezeiung< in solchen Religionen manchmal überzeugender waren als in der charismatischen Erneuerungsbewegung   wenigstens soweit sie von der nordamerikanischen Art des Christentums beeinflußt ist. Im Scha¬manismus fand ich faszinierende Parallelen zu dem Dienst Jesu, den ich immer mehr als einen Archetypus des Schamanen erkannte. Bezüglich »Heilung« war ich besonders beeindruckt durch den ganzheitlichen Zugang zur Heilung, den ich unter den Indianern fand. Das hat mich motiviert, zu solch einem Zugang auch für unsere christlichen Heilungsdienste Mut zu machen.

Bezüglich >Prophetie< bin ich beeindruckt von Erfahrungen im Hinduismus. Einige unserer europäischen >Propheten< ent¬deckten und entfalteten ihre prophetische Gabe unter dem Einfluß von indischen Gurus. Auch andere charismatische Erfahrungen haben ihre manchmal eindrücklichen Entspre¬chungen in anderen religiösen Traditionen (z.B. >Beten im Geist< im Japa Yoga). Ich bin davon überzeugt, daß die charismatische Erneuerungsbewegung noch bedeutender wird   besonders für die Mission der Kirche   wenn sie auch die charismatischen Gaben von anderen Religionen ernst nimmt.

Seit 1966 habe ich in der Arbeit einer ökumenischen Akademie mitgewirkt, die auch mit einer ökumenischen Kommunität verbunden ist. Ein Hauptanliegen dieser Arbeit besteht darin, eine ökumenische Spiritualität zu entwickeln. Aber wir waren auch an der Spiritualität anderer Religionen interessiert. So hatten wir beispielsweise eine Konferenz zu dem Thema der Bedeutung von Abraham als eine Wurzel des Glaubens im Judaismus, Christentum und Islam und auch eine Konferenz über afrikanische, indische und jüdische Spiritualität mit Refe¬renten dieser Traditionen. Wir hatten auch Konferenzen über das chinesische I Ging und das Tibetanische Bardo Gödol (Tibetanische Totenbuch, Anm.). Aber unser Hauptanliegen ist, zu unseren eigenen keltischen und alemannischen Traditio¬nen zurückzugehen und sie wiederum zu beleben, um sie in unseren christlichen Glauben integrieren zu können.« – Soweit A. Bittlinger –

Nun werden sich zweifellos die meisten Charismatiker von solchen Aussagen distanzieren. Auch Wolfram Kopfermann lehnt diesen Synkretismus entschieden ab. Dennoch ist die Entwicklung Bittlingers fast ein Paradebeispiel für die Manife¬station des verführerischen Geistes dieser Strömungen und für die damit verbundene Öffnung zu immer bibelfremderen Quel¬len. Erst sind die charismatischen Erfahrungen im evangelikal¬-protestantischen Lager scheinbar bibeltreu verpackt. Dann entdeckt man auf einmal bereichernde spirituelle Elemente in der katholischen Kirche, danach in der Liturgie der orthodoxen Kirche und letztlich findet man ähnliche oder identische » Spiri¬tualität« in anderen Religionen und heidnischen Kulten über die gemeinsame religiöse Erfahrung. Über charismatische Auf¬brüche führt es in den ökumenischen Dialog, schließlich zurück zur katholischen Kirche und danach ins reine Heidentum.

Wunderheiler

Auch Oral Roberts verkündigt ganz entschieden den Hei¬lungsauftrag. Schon seit Jahrzehnten hält er seine Heilungsfeldzüge. Er hat sich allerdings durch seine Methoden, den Leuten Spendengelder aus der Tasche zu ziehen, mehr als ein Wolf im Schafspelz denn als demütiger Diener Christi ausgewiesen. So verschickte er Gebetstücher und sogar »heiliges Wasser«, das richtig angewandt alle möglichen Probleme heilen sollte.

William Branham erschien ein Engel, angeblich aus der Gegenwart Gottes, der ihm mitteilte, er habe die Gabe der Glaubensheilung. Branham leugnete die Trinität und glaubte, daß uns das Wort Gottes in dreifacher Weise gegeben sei: Durch den Tierkreis, durch die ägyptischen Pyramiden und durch die Heilige Schrift.

Er war einer der entschiedensten Verfechter der notwendi¬gen Heilung und Übertragung des Geistes durch Handauflegung. Er hatte unglaubliche Heilungskräfte und spürte oft Hitze in den Händen, wenn er die kranke Seele berührte. Durch seine starken okkulten Fähigkeiten konnte er bei Leuten, die er überhaupt nicht kannte, ihre Krankheiten wie Sünden durch mediale Eingebung erkennen. Die Bewegung, die ihm am meisten ihre organisatorische Basis zur Verfü¬gung stellte, waren die »Geschäftsleute des vollen Evangeli¬ums« (GdvEI).

Als Branham starb, schrieb Demos Shakarian, der Gründer der GdvEI: »Rev. Branham machte öfters die Feststellung, daß die einzige Gemeinschaft, der er angehörte, die der GdvEI war.«

Sicherlich ließe sich noch manch anderes aufschlussreiche Beispiel anführen. Doch praktisch ausnahmslos stößt man auf dasselbe Grundmuster.

Greift man durch diese Lehren und Praktiken des Heilungs¬auftrages nicht auf Quellen zurück, die womöglich höchst gefährlich sind? Nach Offb 13, Vers 3 wird einmal ein Heilungswunder in aller Welt Munde sein: Der antichristli¬che Übermensch wird von einer tödlichen Wunde geheilt, worüber alle Welt verwundert sein wird. Ein Blick in die weltliche Literatur verrät, daß das Thema Heilung, beson¬ders im Rahmen von New Age, die beherrschende Thematik ist. Die Hexen behandeln in ihren Seminaren ganz selbstverständlich Themen wie: Intuition, Prophetie, geistige und spirituelle Heilung. Geschieht hier womöglich eine eschato¬logische Hinführung zu den übernatürlichen Manifestationen des kommenden Verführers (Offb 13,13 14), und zwar sowohl im weltlichen wie im christlichen Bereich? Wir erleben ja in unseren Tagen einen wahren Dammbruch des Spiritismus. Die Tageszeitung »Die Welt« spricht sogar davon, wie »der Satan das Lebensgefühl dieser Generation verkörpert«. Das Totenreich hält machtvollen Einzug.

So erklärte John Wimber in einer Botschaft an seine Gemein¬deglieder vor kurzem:

»Es werden Männer auftreten, die den Herrn Jesus Christus gesehen haben und die die Zeichen und Wunder eines Apostels tun werden. Wir haben Männer dieser Art seit dem ersten Jahrhundert nicht gehabt. Doch wenn Gott dies zu Beginn verwendet hat, warum soll er es nicht am Ende gebrauchen?… Weiter wird es ein neues Verständnis des Übernatürlichen geben. Engelerscheinungen werden in Versammlungen zum Normalen gehören und auch der Herr selbst wird in den kommenden Monaten und Jahren erscheinen. Hei¬lungen werden so selbstverständlich werden, daß sogar Kinder imstande sein werden, sie auf regelmäßiger Basis durchzufüh¬ren… sogar Auferstehungen von den Toten werden zum Allge¬meingut werden… Ihr werdet Heilungsevangelisten erleben, die ihre Hände hochheben und Licht wird aus ihren Händen hervorgehen. Wenn dieses Licht irgend jemanden trifft, der krank ist, dann wird er sofort geheilt sein. Ihr werdet amputier¬te Arme und Glieder nachwachsen sehen, wenn das Licht aus der Hand des Evangelisten sie trifft.«

Teilnehmer an den Kongressen mit John Wimber und Reinhard Bonnke berichten von starken psychischen Erfahrungen wie Ruhen im Geist, Berauschung, unerhörtes Glücksgefühl, »La¬chen und Weinen im Geist« usw. Ist John Wimbers »Dritte Welle« und die Begleiterscheinungen von anderen Heilungs¬evangelisten etwas Neues?

Den Befürwortern dieser »Power Evangelisationen« soll nicht eine Passage vorenthalten werden, die in dem Klassiker über geistliche Verführung »War on the Saints« nachzulesen ist. Unter der Thematik, wie sich ein falscher Geist auch unter Kindern Gottes während der Verkündigung manifestieren kann, berichten die Autoren Evan Roberts (das begnadete Werkzeug der Erweckung von Wales) und Jessie Penn Lewis mit zum Teil verblüffender Vorwegnahme aktueller Ereignisse:

»Die Mehrzahl der Anwesenden mag die eingeschlichene Mi¬schung gar nicht erkennen. Einige fallen zu Boden, unfähig, die spannende Erregung länger zu ertragen. Andere werden von einer übernatürlichen Gewalt umgeworfen. Und wieder andere fangen an, ekstatisch zu schreien. Der Redner verläßt die Plattform und geht an einem jungen Mann vorüber, der sich eines Gefühls der Berauschung bewußt wird, das ihn lange nicht loslässt. Mehrere lachen in einem Überschwall der Selig¬keit. Einige haben wirklich Hilfe und geistlichen Segen durch die Auslegung des Gotteswortes erhalten und das durch die ungetrübte Wirkung des Heiligen Geistes, ehe dieser >Höhe¬punkt< erreicht wurde. Aus diesem Grund nehmen sie nun die nachfolgenden seltsamen Erscheinungen als >von Gott< hin. Sie können nicht die zwei total verschiedenen >Strömungen< durch denselben >Kanal< unterscheiden. Zweifeln sie die Ausartun¬gen an, so fürchten sie, gegen ihre innere Überzeugung zu kämpfen, die ihnen sagt, daß der Anfang göttlich war. Andere wissen wohl, daß ihr geistliches Urteil die besagten Kundge¬bungen ablehnen muß, aber um des erhaltenen Segens willen unterdrücken sie ihre Bedenken und sagen: >Wir können zwar diese körperlichen Erscheinungen nicht verstehen. Aber es ist nicht nötig, alles zu verstehen, was Gott tut. Wir wissen nur, daß die Verkündigung der Wahrheit von Gott war und unserem Bedürfnis entsprach. Niemand kann die Aufrichtigkeit und die reinen Motive des Redners in Frage stellen… darum, obgleich wir das Übrige nicht verstehen und zugeben, daß es uns abstößt, dennoch muß alles von Gott sein.<  Dieses Streiflicht beleuchtet den Zustand der Mischung, in den z.B. die Gemein¬de seit der Erweckung in Wales geraten war; denn beinahe ohne Ausnahme hat sich in jedem Land, wo neues Leben durchbrach, nach kurzer Zeit ein verführerischer Geist mit dem wahren vermengt. Und ebenso wurde beinahe ohne Ausnahme das Unechte mit dem Echten zusammen angenommen, weil die Gläubigen die Möglichkeit derartiger konkurrierender Einflüs¬se nicht ahnten.«

Auch ist von keiner noch so falschen Religion bekannt, daß sie nicht Heilung in irgendeiner Form in ihrem Angebot hätte. Zurecht beklagt Peter May:

»Die Betonung, die gegenwärtig auf Heilungen gelegt wird, wirkt neurotisierend. Das Äußere, das Sichtbare und das Zeitliche werden in den Mittelpunkt gerückt, während das Innere, das Unsichtbare und das Ewige vernachlässigt werden. Hier werden wir vom positiven Wert des Leidens abgelenkt… Hinzu kommt, daß der, dem es um Zeichen und Wunder geht, das Sofortige und das Spektakuläre in den Mittelpunkt rückt und die Pflege der chronisch Kranken vernachlässigt. Diese Einseitigkeit läßt falsche Erwartungen bezüglich der Gesundheit und des Wesens der Erlösung aufkommen und untergräbt die Heilsgewissheit derer, die nicht geheilt werden. Im Blick auf die geistliche Gesundheit der Kirche sind diese Fakten von erheblicher Bedeutung.«

Ermutigt die Bibel zu Wunderberichten?

In der Bibel wird uns davon berichtet, wie jemand aus dem Totenreich missionieren wollte. Seine Absichten waren echt und gut gemeint. Es handelt sich um den reichen Mann, der in Lukas 16, die Verse 19 31 erwähnt wird. Er möchte einen Toten, nämlich Lazarus, auferstehen lassen, um seine fünf Brüder zu warnen. Bei solch einem Wunder, so meint er, würden die Menschen nicht mehr zweifeln können und Buße tun.

Er bekommt zur Antwort: »Sie haben Mose und die Prophe¬ten, mögen sie die hören«.

Doch dies ist dem reichen Mann eindeutig zu wenig, und aus dem Totenreich kommt das Nein gegenüber dem Worte Gottes: >Nein, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, werden sie Buße tun.<  Sein Vorschlag lautete, nun mit anderen Worten: Die Bibel ist gut, aber das Wort genügt nicht. Wir brauchen Zeichen, Wunder, Heilungen, Visionen, Totenauferweckungen usw., dann wird wirklich etwas für das Reich Gottes geschehen. Dann wird es atemberaubendes Gemeindewachstum geben. Dann werden die Menschen glauben und sich bekehren.

Doch dies war buchstäblich ein Vorschlag von unten, aus dem Totenreich. Und weil dieses Totenreich (der Machtbereich Satans) sich leider immer mehr in den letzten Tagen ausweitet (Offb 6,8), deswegen wachsen parallel damit die Vorschläge und Rufe nach großen Zeichen und mächtigen Taten. Man belegt aber damit nur, daß man auch aus einer fremden Quelle getrunken hat.

Der oben erwähnte Cameron Peddie schrieb schon über die damalige (während des Krieges) Situation in England: »Wenn unsere Pfarrer wüssten, wie viele aus ihrer Gemein¬de spiritualistische Medien aufsuchen, um sich von ihnen den Heilungsdienst erweisen zu lassen, wären sie be¬stürzt.«

Wen nimmt es da wunder, daß in England fast alle evangelikalen Kreise von der charismatischen Bewegung durchsäuert sind? Dort gibt es kaum noch Berührungsäng¬ste zwischen diesen Gruppen. Insofern muß man leider feststellen, daß die Geistheiler sowohl in der Welt wie auch fromm getarnt innerhalb der Gemeinde große Erfolge verzeichnen.

Diese Beziehung Totenreich und »Evangelisation mit Zeichen und Wundern« ist bei Benny Hinn, dem neuen Stern am amerikanischen »christlichen Fernsehhimmel« nicht einmal mehr getarnt. In einer Predigt vom 7. April 1991 offenbarte er, daß er das Grab von Amerikas berühmter Pfingstpredigerin, Aimee McPherson, Begründerin der einflussreichen »Foursquare Gospel Church«, besuchte:

»Ich fühlte eine unglaubliche Salbung . . .! Ich zitterte am ganzen Leib . . . zitterte unter der Kraft Gottes . . . >Lieber Gott<, sagte ich, >ich fühle die Salbung.< . . . Ich glaube, die Salbung verweilte über dem Körper von Aimee.«

Der reiche Mann muß jedenfalls zur Kenntnis nehmen, daß nicht ein Wunder die Menschen überführt, sondern das Wort Gottes: »Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstünde (Luk 16,31).«

Ist alle Heilung göttlich?

Walter Hollenweger ist entscheidender Bahnbrecher für die Pfingst  und charismatische Bewegung gewesen. Sein Buch »Enthusiastisches Christentum« hat wesentlich zur gesamtkirchlichen Anerkennung dieser Strömungen beige¬tragen.

Er verschleiert nicht einmal mehr diesen sich abzeichnen¬den Sachverhalt der Geistesverwandtschaft zwischen den Geistheilern und den Heilungsevangelisten. In seinem Referat über »Heilung« auf der »Konferenz über pfingstliche und charismatische Forschung« erklärt Prof. Walter Hollenweger ganz offen:

»>Alle Heilung kommt von Gott<, betonte Hollenweger und wollte keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen der Gabe der Heilung etwa bei den Geistheilem in der 3. Welt und der christlichen Heilungsgabe feststellen. Entscheidend sei der Kontext, in dem die Gabe ausgeübt werde.«

Auch in einem weiteren Bereich zeigt sich diese Geistes-Verwandtschaft. Es ist üblich, bei den Heilungsversammlungen mit John Wimber, Wolfram Kopfermann oder ande¬ren, daß die Hände auf die kranken Stellen gelegt werden, soweit es der Takt erlaubt. Biblisch ist dafür kaum ein Vorbild zu finden, besonders nicht bei dem Dienst der Jünger Jesu bzw. seiner Apostel. Jedoch einer der Ersten, wenn nicht der Erste überhaupt, der lehrte, daß man dem Patienten wohlwollend die Hände auf die kranke Stelle legen und dadurch, bei freundlichem Anblicken des Kran¬ken, Lebenskraft übertragen soll, war Franz Mesmer. Franz Mesmer aber ist der Begründer des sogenannten animali¬schen Magnetismus und Bahnbrecher des Spiritismus.

Ein magisches Denken verlangt immer einen Berührungs¬punkt, besonders den direkten Kontakt mit der erkrankten Stelle. Durch diesen sichtbaren Kontakt wird ein Wirken oder Hindurchströmen der Heilungskraft erwartet. Man wandelt nicht im Glauben, sondern im »berührenden« Schauen.

Kenneth Hagin, führender Wunderheiler der in Amerika zunehmend populärer werdenden Heilungsbewegung » faith movement«, spricht es ganz offen aus:

»Ich lege Hände auf durch Anleitung des Hauptes der Ge¬meinde, Jesus Christus, und im Gehorsam gegenüber dem Gesetz der Berührung und Übertragung. Der Kontakt meiner Hände überträgt die Heilungskraft Gottes … Da ist sie! … Sie wird euch alle heilen, wenn ihr es mit Glauben vermischt …«

Ähnlich formuliert es John Wimber bzw. seine Frau Carol: »Wir hatten noch nicht erkannt, daß man das, was Gott einem selbst gibt, durch Handauflegung einem anderen weitergeben kann.«

Hier ist der Heiler auch magischer Mittler. Mag er auch noch so oft zur Beschwichtigung leichtgläubiger Gemüter behaupten, nicht er könne heilen, sondern nur allein Jesus, so ändert dies nichts daran, daß er tatsächlich das Medium eines verführerischen Geistes ist, der durch ihn heilt und eben jenen Kontakt benötigt.

Der Sog der Verführung

Ergibt sich bei den angeführten Fakten nicht fast unausweichlich die Schlussfolgerung, daß diese Zeichen und Wunder in den Bereich der für die Endzeit angekündigten Verführungen fallen (2 Thess 2,9)? Daß diese Verführungen in den letzten Tagen besonders erfolgreich sein werden, hat uns das Neue Testament vorausgesagt (Mt 24,11 u. a.).

In eindrücklicher Weise führt Dr. Gerhard Maier in seinem Kommentar zu Matthäus, Kap. 24, aus:

»Es fällt auf, daß Jesus die Warnung vor den Verführern an die Spitze stellt. Verführung ist für die Gemeinde gefährlicher als Verfolgung. Verfolgung eint die Gemeinde, Verführung spaltet sie. Verfolgung läßt das Echte hervortreten, Verführung das Unechte triumphieren … Aber was ist das Furchtbarste in jener Zeit? Körperliche Leiden? Nein. Katastrophen und Kriege? Nein. Verfolgung? Nein. V. 23 27 geben die Antwort. Es ist die Verführung … Von daher versteht man, wie notwendig der Kampf gegen die Irrlehre ist.«

Dies erinnert an die Ermahnung, von der wir im Judasbrief lesen, »daß wir nämlich für den Glauben kämpfen sollen, der ein für allemal den Heiligen übergeben ist« (V. 3).

So möchte ich das ermahnende Wort von Wilhelm Busch, das er damals in Zusammenhang mit dem Wunderwirken des deutschen Heilungsevangelisten Hermann Zaiß aussprach, wiederholen:

»Der Teufel kann sich verstellen in einen Engel des Lichts, wie die Bibel sagt. Es kann also geschehen, daß eine Bewegung den Namen >Jesus< rühmt und doch einen >fremden< Geist, ein fremdes Feuer (3 Mose 10) hat … Wunder beweisen nichts. Denn nach Offenbarung 13,13 tut auch der Geist aus dem Abgrund Wunder … Nein! Mit diesem Geist wollen wir nichts zu tun haben … Unser Herz schreit nach Erweckung. Aber nicht auf diesem Wege der alten, wieder neu aufgelegten Pfingstbewegung. Nein! Auf diesem Wege nicht!«

 Zeichen und Wunder

Abschließend soll noch auf folgendes hingewiesen werden: Bei den heutigen Manifestationen von Zeichen und Wundern beruft man sich in der Regel auf die Apostelgeschichte. Man behauptet, weil Gott heute noch derselbe ist, deswegen geschehen auch in unserer Zeit diese übernatürlichen Machterweise.

Selbstverständlich kann der lebendige und allmächtige Gott übernatürlich wirken und eingreifen, wie und wann es Ihm gefällt. Doch es ist zunächst festzustellen, daß in den Abschnitten über die Wiederkunft Jesu die Begriffe »Zeichen und Wunder« nicht neutral oder gar positiv, sondern nur in Verbindung mit Verführung erwähnt werden. Daß unser Herr derselbe ist wie zu allen Zeiten, steht fest. Das bedeutet aber noch lange nicht, daß er auch heute noch genau so handelt.  Hebr 1,1: >Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den  Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn…<

Wir glauben der Heiligen Schrift aufs Wort, daß Gott die biblischen Wunder getan hat. Doch man kann feststellen, daß es im Laufe der Heilsgeschichte nur ganz bestimmte Zeitabschnitte gegeben hat, in denen göttliche Zeichen und Wunder ihre besondere Aufgabe hatten bzw. gehäuft auftraten. Für die Zeit der Urgemeinde z.B. gilt Hebr. 2,3 4: »Wie wollen wir entrinnen, wenn wir ein solches Heil nicht achten, welches zuerst gepredigt ist durch den Herrn, bei uns bekräftigt durch die, die es gehört haben. Und Gott hat dazu Zeugnis gegeben mit Zeichen und Wundern und Taten und Austeilung des Heiligen Geistes nach seinem Willen.«

Nun ist bekannt, daß der Herr gewöhnlich auf zwei oder drei Zeugen hin eine Sache bekräftigte, und in den Versen 3 und 4 haben wir nun die drei Zeugen des neuen Bundes.

Der erste Zeuge ist unser Herr Jesus Christus, »zuerst gepredigt durch den Herrn«. Darauf folgen die Apostel, die Augen  und Ohrenzeugen, die das Wort bestätigen, denn es heißt, »bei uns bekräftigt durch die, die es gehört haben«. Als dritter Zeuge wird Gott selbst erwähnt, der sein Wort mit Zeichen und Wundern bekräftigte. Warum nun soll Gott heute noch so wirken, nachdem das Zeugnis vollgültig abgeschlossen ist? Wenn wir diese Verse näher betrachten, so stellen wir fest, daß das Prädikat des Hauptsatzes passiv ist und im Aorist des Indikativs steht. Also liegt hier eindeutig eine Vergangenheitsform vor. Der Schreiber des Hebräerbriefes redet damit zu seiner Zeit schon in der Vergangenheit. Wohl steht der V. 4 dann in der Gegenwartsform, dieser ist aber ein genetivus absolutus, somit zeitlich dem Prädikat des Hauptsatzes zu  und untergeordnet. Die Vergangenheitsform in diesen Versen des Hebräerbriefes gibt uns eine Erklärung dafür, daß Gott zur Zeit Jesu und zu Beginn der Gemeindezeit so zeichenhaft handelte und wirkte. Wenn wir uns beispielsweise das Gerichtshandeln Gottes bei Ananias und Saphira in Erinnerung rufen (Apg 5), so ist offensichtlich, daß dies nicht die normale Form der Bestrafung von Sünde bei Gläubigen seitens des Herrn heute ist! Die Verse Markus 16,17 20b, die oft von Irrströmungen oder anderen sektiererischen Gruppen (Mor¬monen, Christliche Wissenschaft etc.) zitiert werden, münden ebenfalls zeitlich – jedenfalls in ihrem Zeichencharakter – in die Darlegung von Hebr 2,3 4 ein.

Wir müssen uns nun folgendes vor Augen halten: Genau die gleichen Begriffe von Hebr 2,4   nämlich Zeichen (semeion), Wunder (teras) und Krafttaten (dynamis)   die nur in fünf Bibelstellen als gemeinsamer Ausdruck vorkommen, finden wir, wenn auch in anderer Reihenfolge, in 2 Thess 2,9 wieder. Dort werden ja, wie bereits ausgeführt, die Wiederkunft Jesu und die unmittelbar vorausgehenden Ereignisse geschildert. Somit werden diese Zeichen, Wunder und Krafttaten, die zu Beginn der Gemeindezeit da waren, nochmals auftreten, aber mit anderem Vorzeichen. Und hier erfüllt die Charismatische Bewegung in gewisser Hinsicht Gottes Wort. Hätte man noch nie von solchen Strömungen gehört, müßte man allein schon aufgrund der biblischen Prophetie annehmen, daß genau so etwas kommen und sich ausbreiten muß. Doch ist diesmal die Quelle nicht aus Gott, sondern, wie der 9. Vers aus 2 Thess 2 unzweideutig sagt, aus Satan. Das zeigt auch die Geschichte der Pfingst  und Charismatischen Bewegung ziemlich deutlich. Wenn man auf den ersten Blick vielleicht versucht, im positiven Sinne an die Ereignisse der Urgemeinde zu denken   es werden ja auch dieselben Begriffe gebraucht  , so verbirgt sich doch etwas völlig anderes dahinter. Wenn nüchterne Seelsorger hinter die Kulissen dessen blicken, was sich zunächst so biblisch gebärdet, dann finden sie gewöhnlich eine okkulte Quelle. Wir haben bereits dargelegt, wie das einen guten Nährboden für das Verlangen nach Zeichen und Wundern und auch besonderen Charismen bedeutet.

Die Aussage von Hebr. 2,3 4 dürfte auch erklären, warum die Abschnitte der Bibel, die sich mit der Zeit vor der Wiederkunft Jesu befassen (was einigermaßen unseren Ta¬gen entspricht), die Begriffe Zeichen und Wunder, wie bereits kurz vermerkt, nur in Verbindung mit Verführung erwähnen.

So die oben erwähnte Stelle 2. Thess 2,9 10 oder Matth 24,24: »Sie werden so große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden« oder Offb 13,14: »… und verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen.« Siehe auch Offb 16,14 und 19,20.

Aus diesem Blickwinkel erscheinen die in charismatischen Kreisen immer wieder »strapazierten« Passagen der Bibel, nämlich Apg 2,17 18 als angebliche heutige Erfüllung der Prophetie bei Joel oder Mark 16, 17 18 in einem neuen Licht. Es handelt sich hier um den Beginn der Gemeinde¬zeit. Für das Ende der Gnadenzeit aber, wie oben dargelegt, ergibt sich ein völlig anderes Bild.

Interessanterweise greift auch der bekannte englische Bibellehrer und weitgereiste Missionar Michael Griffiths diese Verse aus dem Hebräerbrief auf. Im Zusammenhang mit der Gabe des Wunderwirkens schreibt er:

Wir sollten beachten, daß die Stelle in Hebr 2,4 nahelegt, Zeichen, Wunder, Machttaten und Gaben eine besondere Beglaubigung des apostolischen Zeugnisses für die Worte des Herrn Jesu sind, wobei Paulus den Korinthern erklärt, daß >die Zeichen eines Apostels unter euch geschehen sind in aller Geduld, mit Zeichen und mit Wundern und mit Taten<.  Ein starkes Argument kann davon abgeleitet werden, besonders wenn man Wunder mit Zeichen zur Bestätigung des Dienstes der ursprünglichen Apostel in Verbindung bringt, zu behaupten, daß die Gabe aufgehört habe … Lukas scheint absichtlich Beispiele ausgewählt zu haben, um die apostolischen Dienste von sowohl Petrus als auch Paulus zu beglaubigen. Gewiss ist in der Schrift als Ganzes das Wunderwirken im Alten Testament offenbar auf gewisse Perioden der Geschichte konzentriert, wie etwa der Auszug aus Ägypten und die Zeit von Elia und Elisa. Ähnlich kann argumentiert werden, daß wir erwarten können, daß der Dienst des Herrn Jesu und die Bekräftigung des apostolischen Zeugnisses solch eine Periode sein dürfte. Wir haben auch die relative Seltenheit der apostolischen Wunder wie das Auferwecken von Toten und die völlige Abwesenheit der Heilung von Aussatz und Blindheit (abgesehen von Paulus‘ zeitweiliger Blindheit) registriert. Doch während wir einerseits den relativen Mangel von Wundern erkennen, sollten wir andererseits uns offen halten für die Möglichkeit solcher Wunder heute, besonders vielleicht in der primitiven Pioniersituation, wo die Notwendigkeit für eine gewisse Bestätigung des apostolischen Zeugnisses gegeben sein mag … Ich muß jedoch aber auch berichten, daß ich Missionare in besonders schwierigen und harten Gebieten gekannt habe, die speziell um die Gabe des Wunderwirkens gebetet hatten. Mir ist kein Fall bekannt, daß dieses Gebet jemals erhört worden ist.«

Erklärt dies womöglich auch, warum man bei genauerem Überprüfen von solchen Fällen, die bei einem Heilungsfeldzug angeblich gesund geworden sind, gewöhnlich große Enttäuschungen erlebt?

So wird von folgendem Untersuchungsergebnis berichtet:

Nach einem Heilungsfeldzug von Dr. Price in Vancouver wurden 350 Fälle von Heilungen proklamiert. Verschiedene Christen taten sich zusammen, um die Wahrheit dieser Behauptung zu überprüfen. Die Resultate waren: 39 Fälle starben innerhalb von sechs Monaten an der Krankheit, von der sie angeblich geheilt worden waren; fünf der Fälle wurden geisteskrank; bei 301 Fällen stellte sich nach sechs Monaten heraus, daß sie keinen Nutzen empfangen hatten; viele gaben dies unumwunden zu; von fünf wurde berichtet, daß sie tatsächlich geheilt waren, doch litten sie an psychosomatischen Beschwerden, die auf psychiatrische Behandlung ansprachen.

 Worauf es ankommt

Nüchternen Christen und Gemeinden wird heute oft der Vorwurf gemacht: Euch fehlt Vollmacht, euch fehlt Kraft, es ist doch bei euch nicht so, wie es nach der Bibel sein sollte! Wenn wir aufrichtig sind, müssen wir uns unter diesen Vorwurf beugen. Jeder, der von sich aus sagen würde, bei mir ist alles in Ordnung, müßte sich doch wohl wie ein Heuchler vorkommen. Aber die Alternative für echtes Glaubensleben ist keineswegs die Schnellmethode des Handauflegens, der eilige Empfang eines >zweiten Segens< durch Berührung, um die >Geistestaufe< zu erhalten, Erlebnisse zu haben und Gaben, Charismen und Erfahrungen zu bekommen. Das alles führt letzten Endes zur Selbsterhö¬hung. Der biblische Weg, zu mehr Geistesfrucht zu kom¬men, ist ein anderer. Es steht nur einmal in der Bibel, daß der Vater läuft, daß der Schöpfer seinem Geschöpf mit Riesenschritten entgegeneilt, nämlich in der Geschichte vom verlorenen Sohn. Hier haben wir den Fall, wo jemandem der Segen, die Fülle und Gnade Gottes in >Windeseile< zuteil wird. Pastor Wilhelm Busch stellte einmal die Frage: Wem läuft der Vater entgegen? Den Großen dieser Welt, den Frommen oder den Kirchenchristen? Auf unser Thema bezogen müßten wir die Frage erweitern: Oder den Menschen, die nach mehr Geistesgaben, nach einer >Geistestaufe< oder nach mehr Erlebnissen streben? Nein, sondern der Vater läuft dem Sünder entgegen, der um Gnade fleht: >Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir< (Luk 15,21). Wenn wir so vor unseren Herrn treten, erhalten wir >in Eile< die Gnade, den Segen, die Fülle und die Kraft Gottes. Das ist der Weg zum Herzen Gottes, der Weg zu mehr geistlicher Kraft: Buße! In den Sendschreiben werden sehr beklagenswerte Zustände dargestellt. Es kann tatsächlich Rückschritte im Glaubensleben geben. Aber keiner der Gemeinden wirft der Herr Jesus vor, daß sie die Geistestaufe nicht empfangen habe oder womöglich zu wenig Gaben besitze. Jedoch mahnt er fünfmal: Tue Buße!

Möge der Herr uns Gnade schenken, dass wir täglich den Weg des Kreuzes gehen, den Weg des Zerbruchs und des Gehorsams, und daraus immer neu die Gnade, den Segen und die Kraft Gottes empfangen dürfen, um auch in diesen letzten Tagen überwinden zu können und in aller Nüchternheit ein Leben zu führen, das zur Ehre Gottes gereicht und Segensspuren hinterlässt.


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www.horst-koch.de

 

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