Die Kunst der Ehe – Wilder-Smith

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Arthur E. und Beate Wilder-Smith 

 

Kunst und Wissenschaft der Ehe

 

–  Der Text ist leicht gekürzt. Auch die Hervorhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im
   Januar 2013  –

 

Inhaltsverzeichnis

 

Kapitel 1

Allgemeines über die Sexualität  

Biologische Muster
Der Mechanismus von Geschlecht
Proportionen in Sex
Materialistische Sexaufklärung
Der Anfang und die Weiterführung einer echten Ehe

 

Kapitel 2

Schwangerschaftsabbruch            

Allgemeines         
Die heutige Praxis von Abtreibung
Was geschieht mit den abgetriebenen Babys?

 

Kapitel 3

Die Praxis von Sex

Unmäßigkeit in Sex
Die Gesellschaft, die alles zulässt
Schwangerschaft und Ankunft von Kindern
Disziplin und heutiger Geist             
Der Einfluss des Materialismus auf Sexgesinnung     

 

Kapitel 4

Das Verhältnis des jungen Christen zu ungläubigen Eltern und Verwandten

Einige prinzipielle Fragen
Einige rein praktische Angelegenheiten
Mode, Lebensstandard, Vergnügungen und Gesetzlichkeit

Kapitel 5

Die Wahl eines Ehepartners         

Äußerliche Umstände       
Christliche Veranstaltungen            
Christliche Bildung            
Die Wahl selber  
Die Gesinnung Christi in der Wahl
Der Ernst einer Wahl
Wahl, Unzucht und Petting

Kapitel 6

Kindererziehung

Früherziehung und Ernährung
Umwelt und Erbanlage
Seelenhygiene in der Familie
Familie und Bibel              
Glauben und Denken
Erziehung und Anstand
Frauenemanzipierung und Ritterlichkeit

Kapitel 7

Das Verhältnis zum anderen Geschlecht

Die drei Ebenen
Ärztliche Befunde
Geschlechtsverkehr zwischen Verlobten
Warum die Frau die Kinder bekommt und nicht der Mann
Zeugung und Erschaffung (Schöpfung)
Die Jungfrauengeburt des Herrn Jesus
Enthaltsamkeit und Sublimierung
               

 

Allgemeines über Sexualität

1) Biologische Muster

Fast die ganze biologische Welt pflanzt sich durch das Zusammenkommen der Geschlechter, also durch Sex fort. Einige biologische Spezies weisen Ausnahmen auf. So z. B. die Arten, die sich rein vegetativ oder durch Zellteilung (Mitose) fortpflanzen. . . .

Einzelne Arten befruchten sich selbst („endogener Sex“). Gewisse Pflanzenarten gehören in diese Kategorie. Beide Geschlechtsorgane kommen in einem Individuum vor, so daß männliche und weibliche Formen dieser Arten für den Austausch des Samens nicht zusammenkommen müssen. Das Sexleben ist hier endogen (im Individuum) und nicht exogen (zwischen Individuen). Wiederum andere biologische Arten sind hermaphrodit. Jedes Individuum besitzt zur gleichen Zeit männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Aber die Befruchtung wird im Individuum (endogen) nicht vollzogen. Zwei Individuen dieser Art müssen geschlechtlich zusammenkommen, wobei beide Individuen männlichen Samen austauschen. Nach diesem gegenseitigen Austausch legen beide Individuen befruchtete Eier. … Jedes Tier legt also Eier, und jedes Tier funktioniert zur gleichen Zeit als männliches und als weibliches Wesen.

 

2) Der Mechanismus des Geschlechts

Der Mechanismus des Geschlechts – die Art und Weise des Zusammenkommens der Geschlechter, um den männlichen Samen zu übertragen, und die Methodik der Entwicklung der Zygote (des befruchteten Eies), sei sie innerhalb oder außerhalb der Mutter (oder des Vaters) – ist sehr wichtig. Die physische Weise der Befruchtung des Eies bei Tieren und Pflanzen, wo und wie die Zygote sich entwickelt, ist das Alpha und das Omega der Kategorisierung der Tiere und der Pflanzen in ihren Familien nach heutiger biologischer Nomenklatur. Auch bei Menschen ist der Mechanismus des Geschlechts für biologische Zwecke maßgebend. Nach diesem Mechanismus zu urteilen, sind wir Menschen Plazentasäugetiere. D. h., wir ernähren das Embryo an einer Plazenta (= Mutterkuchen) in einer Gebärmutter und dann nach der Geburt an der Brust mit Milch.

Damit wird zum Ausdruck gebracht, daß wir Menschen, biologisch gesehen, anderen Plazentasäugetieren in diesem Punkt ähnlich sind. Besonders die Menschenaffen (Primaten) weisen auf diesem Gebiet Ähnlichkeiten mit Menschen auf. Die Gruppe der Primaten schließt den Menschen in sich.

Bei unserem Geschlechtsleben kommt aber darüber hinaus vieles hinzu, das bei den Tieren, selbst bei den Primaten, nicht vorhanden ist. Denn der rein physische Mechanismus von menschlichem Sex stellt nur einen Aspekt der menschlichen Fortpflanzung dar. Bei uns Menschen ist die rein physische Seite des Geschlechts schon wichtig, doch in keiner Weise das Alpha und das Omega des Phänomens. Sie ist wichtig, doch ist sie anderen Überlegungen in einer Weise untergeordnet, die bei nichtmenschlichen Organismen nicht der Fall ist. Tiere verkehren geschlechtlich zu einem großen Teil auf der Basis von Instinkten und Hormonen miteinander. Bei gewissen höheren Tieren spielen natürlich soziologische Faktoren eine zusätzliche Rolle. Als Beispiele können gewisse Affenarten zitiert werden. Bei weniger entwickelten Säugetieren und Vogelarten nimmt die relative Bedeutung von Hormonen und Instinkten zu.
Die rein physische, hormonale, instinktive Seite von menschlichem Sex ist zusätzlichen geistigen und auch geistlichen Faktoren untergeordnet. Auf diese zusätzlichen Einflüsse müssen wir ein wenig eingehen.

Menschlicher Sex wird von drei Hauptfaktoren bedingt:

a) Vom Körperlichen, Biologischen, Instinktiven, was wir Ebene 1 nennen möchten. Hier spielen Hormone, Gerüche, Alter, der Kalender und andere biologische Einflüsse ihre Rollen – ähnlich wie bei den Tieren. Diese Ebene 1 wird direkt wie in der sonstigen biologischen Welt von Chromosomen und von der Genetik (weniger vom Bewusstsein) gesteuert. Hier verhält sich der Mensch wie das Säugetier und wie der Primat. Geschlechtliche Attraktivität (Schönheit) wirkt auch mit auf dieser Ebene 1.

b) Vom Kulturellen, Intellektuellen, Bildungsmäßigen und Ästhetischen (Seele), was wir als Ebene 2 bezeichnen möchten. Es ist nicht immer möglich, Ebene 1 von Ebene 2 strikt auseinanderzuhalten, denn auf dieser Ebene können männliche und weibliche Schönheit des Körpers und der Seele mit eine geschlechtliche Rolle spielen. Ebene 2 kann, wenn ihr Einfluss stark genug ist, zur Praxis des Sexes auf Ebene 1 führen. Ebene 1 und 2 sind also stark miteinander verwoben. Bildung, Rasse, geistige Inter essen sind auf Ebene 2 von starker Bedeutsamkeit und stellen eine Hauptbasis der Ehe in der zivilisierten Welt dar.

Besonders junge, unerfahrene Menschen können Ebene 1 (körperliche, geschlechtliche Schönheit) mit Schönheit der Seele (Ebene 2) verwechseln, was dann zu unpassenden Ehen führen kann. Die Grenzen zwischen den zwei Gebieten sind gar nicht leicht auseinanderzuhalten. Ein Mann kann Frauen auf Ebene 1 anziehen, wobei die Frauen keine Klarheit darüber haben, ob es sich lediglich um Ebene 1 (oder auch um Ebene 2) handelt. Die Situation kann auch umgekehrt sein – ein Mädchen kann einen jungen Mann mit Hilfe von Kleidung, Schminke und anderen Äußerlichkeiten anziehen, ohne daß er darüber im klaren ist, daß die ganze Attraktion sich auf Ebene 1 abspielt, was zu einer Katastrophe in einer späteren Ehe führen kann,

c) Vom Geistlichen (= Ebene 3). Diese Ebene ist vielen Menschen praktisch unbekannt und wird auch von christlich gesinnten Menschen oft völlig außer acht gelassen. Worin besteht diese geistliche Ebene?

Nach der heutigen allgemein in führenden naturwissenschaftlichen Kreisen akzeptierten Ansicht besteht der Mensch bloß aus Körper. Solche Positivisten leugnen die Existenz der Entität, die früher Psyche (Seele) genannt wurde.

Nach der Bibel bestehen wir aber aus drei Teilen oder Entitäten, die schwer auseinanderzuhalten sind, nämlich
Leib, Seele und Geist. Paulus schreibt diesbezüglich an die Thessalonicher: „Der Gott des Friedens selbst heilige euch durch und durch, und unversehrt möge euer Geist und Seele und Leib in untadeliger Weise bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus bewahrt werden!“ (1. Thess. 5.23). Der Urtext gebraucht das griechische Wort „pneuma“ für „Geist“, das Wort „psyche“ für „Seele“ und „soma“ für „Leib“.

Das Wort „pneuma“ bedeutet „Geist“ des Lebens, wird aber auch benutzt, um den Begriff „Geist“ und „Geister“ wiederzugeben. Geist bedeutet eine immaterielle Entität, die nicht der Mensch oder die menschliche Persönlichkeit (Seele) ist: Der Geist ist auch das Bindeglied oder Wahrnehmungsorgan zwischen der biologischen Schöpfung und dem Schöpfer.

„Psyche“ bedeutet „Seele“, „Ego“, „Persönlichkeit“ oder Charakter“.  Im allgemeinen kann man die beiden Begriffe „pneuma“ und „psyche“ auseinanderhalten, obwohl es Fälle gibt, bei welchen man die Begriffe auswechseln kann.

Was hat aber all das mit Ehe zu tun? In der idealen Ehe werden alle drei Bestandteile des Menschen, Leib, Seele und Geist, zusammenwirken, um eine Einheit und Harmonie zu bilden. Wenn der Geist der Bestandteil des Menschen ist, der bei der Wiedergeburt als Christ zum Leben geweckt wird, dann werden natürlich Atheisten als geistlich tot in ihren Sünden angesehen. Sie sind dem Geist nach tot. Ihre Körper und ihre Seelen können sehr lebendig sein, ihr Geist aber ist tot „Und euch, die ihr tot waret durch eure Übertretungen und eure Sünden,… hat Gott mit Christus lebendig gemacht.“ (Epheser 2:1).

Der Mensch, der Gott weder in der Schöpfung noch in Christus erkennt, ist also ihm gegenüber geistlich tot. Ein solcher Mensch „lebt“ aus Seele und Körper allein. Er ist „zweidimensional“; denn der Geist des Menschen stellt das Bindeglied zwischen Gott und Menschen dar. Und dieses Bindeglied wird erst mit der Versöhnung durch Christus lebendig, so daß der Mensch erst dann „dreidimensional“ wird. Erst durch die Wiedergeburt fängt der Mensch an, als dreiteiliges Lebewesen – Geist, Seele und Leib – zu funktionieren.

Aus diesem Grund befindet sich der bewußte Christ in bezug auf die Ehe in einer Sonderlage. Wenn er eine gottgewollte und gotterfüllte Ehe schließen will, wird er sich eine Lebensgefährtin aussuchen, die auch eine Christin ist. Das gläubige Mädchen wird sich einen Mann wählen, der bewusst gläubig ist: Die Frau ist frei, „sich mit wem sie will zu verheiraten, nur geschehe es im Herrn“ (1. Kor. 7.39). Die Bibel hat guten Grund, auf diese Bedingungen zu bestehen, denn zwei Menschen können nie richtig zusammen harmonieren, wenn sie dreidimensional nach Leib, Seele und Geist nicht zusammenpassen.

Wenn der eine Partner in einer Ehe entschiedener Christ ist und der andere nicht, können die beiden keine geistbedingte Gemeinschaft erleben. Aus obigen Gründen entstehen oft Schwierigkeiten, wenn in einer ungläubigen Ehe nach der Eheschließung ein Ehepartner sich für Christus entscheidet Es entstehen leicht Spannungen, wie eine neue Unausgeglichenheit (Dimension), die vorher nicht vorhanden war, nach der Bekehrung des einen Partners entsteht. In solchen Fällen ist große Liebe und Geduld am Platz. Bei Spannungen dieser Art soll der gläubige Teil sich vom ungläubigen Teil der Ehe nicht trennen, solange der ungläubige Teil sich nicht trennen möchte (1. Kor. 7.12).

Wenn ein junger Christ bewusst, mit offenen Augen einen entschieden ungläubigen Partner heiratet, handelt er natürlich außerhalb des Neuen Testaments.

Die Ehe und das eheliche Verhältnis sind dazu da, auf sinnbildliche Art und Weise das Verhältnis von Christus zu seiner Brautgemeinde darzustellen. Gott ist eine Trinität, die aus Gott Vater, Gott Sohn und Gott heiligem Geist besteht. Diese ganze Trinität der Gottheit liebt uns Menschen, die wir auch eine Trinität aus Leib, Seele und Geist darstellen. Innerhalb dieses Bildes einer Trinität werden sich christliche Bräute und Bräutigame lieben. Wenn aber das geistliche Element in einem Eheverhältnis nicht vorhanden ist, dann geht das Sinnbild der dreifaltigen, dreidimensionalen Liebe Gottes zu uns verloren. Die „dreifaltige“ Liebe in der Ehe nach Geist, Seele und Leib kann der Bräutigam seiner nichtchristlichen Braut nicht erweisen, denn die Gemeinschaft des Geistes kann nicht vorhanden sein, wenn der Geist eines Partners noch tot in Sünden und Übertretungen liegt.

Obwohl es christlich ist, wenn ein gläubiger junger Mann ein gläubiges Mädchen heiratet und umgekehrt, bedeutet das noch nicht, daß irgendein christlicher junger Mann irgendein christliches Mädchen heiraten kann und dabei glücklich wird. Die geistliche Seite ist sicher sehr wichtig – ja, nach der heiligen Schrift maßgeblich. Doch sind eben auch die beiden anderen Ebenen eines Menschen zu berücksichtigen, ehe man an eine Ehe denken darf. Bildung, intellektuelle Interessen und auch der Leib spielen bei Christen wie auch bei Nicht-Christen ihre bedeutsame Rolle in zwischenmenschlichen und ehelichen Verhältnissen.

Zu einem vollkommenen Sexleben gehört die Mitwirkung von Leib, Seele und Geist bei beiden Partnern. Zur Vollkommenen sexuellen Gemeinschaft ist Harmonie auf allen drei Gebieten notwendig. Dies ist der Fall, auch wenn die geistliche Seite das ganze Eheverhältnis steuert. Der rein körperliche Aspekt von Sex (Ebene 1) wird also von Ebene 2 und 3 aus stark bedingt Bei der menschlichen Spezies sollte Ebene 3 über Ebenen 1 und 2 den Vorrang nehmen. Ebene 1 des Geschlechtes darf nicht allein ausschlaggebend sein. Sie ist wichtig, sollte aber über die beiden anderen Ebenen nicht herrschen. Bei den Tieren wird diese Rangordnung nicht eingehalten – der Körper, Ebene 1, bedingt Geschlecht. Bei Hurerei und Unzucht unter Menschen herrscht das Tier, Ebene 1, vor. Aus diesem Grund vertiert Unzucht (freier Sex) den Menschen.

In gewissen Schulen in Deutschland werden, wie wir hören, die rein körperlichen Bewegungen des geschlechtlichen Verkehrs eingeübt und vor den Schülern demonstriert. Solche Übungen sollen als Vorbereitung auf eine spätere Ehe (oder als Basis des freien Geschlechts) dienen. Gerade solche Übungen sind aber in Wirklichkeit nichts anderes als pornographisch und pervers, denn:

1) sie sind absolut unnötig. Jedes Paar kennt sie entweder instinktiv oder erlernt sie im Umgang miteinander. Es ist sogar besser, solche Bewegungen vorher nicht geübt zu haben, denn ein Teil des Eheglücks besteht im gegenseitigen Sichkennenlernen gerade auf diesem Gebiet Jedes Ehepaar lernt auf diese Weise gemeinsame Geheimnisse, die sie verbinden. Welcher Mann möchte ein Mädchen heiraten, das auf diesem Gebiet „einstudiert“ ist? Oder natürlich auch umgekehrt.

 2) Solche körperlichen Bewegungen variieren von Paar zu Paar und sind nicht ein spezieller Ausdruck ihrer inneren Gemeinschaft. Sie sind eine „Parabel“ ihres inneren Verhältnisses zueinander. Diese Parabel kann man in einer Schule vor Jungen und Mädchen nicht einstudieren, das wäre Prostituierung eines Ehegeheimnisses.

3) In einer christlichen Ehe sind sie ein Ausdruck einer dreidimensionalen Ehegemeinschaft, die allgemein von Jugendlichen, die für ein Eheverhältnis noch unreif sind, einfach nicht verstanden werden können.

Das rein körperliche „Ausprobieren“ des anderen Geschlechts seitens Unverheirateter nennt die Bibel Unzucht, obwohl man es heute „freien Sex“ nennt. Das Wort Gottes nimmt dies so ernst, daß Unzucht als Grund zum Ausschluß aus dem Reich Gottes genannt wird, denn sie macht das Heiligste unheilig: „Fliehet die Unzucht! Jede andere Sünde, die ein Mensch begeht, ist außer dem Leib: der Unzüchtige aber sündigt gegen seinen eigenen Leib“ (1. Kor. 6:18). „Ihr sollt nicht Gemeinschaft haben mit jemandem, der sich Bruder nennen läßt und ein Unzüchtiger ist“ (1. Kor. 5:11). „Weder Unzüchtige noch Götzendiener werden das Reich Gottes ererben.“ (1. Kor. 6:9). Das Wort „Unzüchtige“ ist eine Bezeichnung für diejenigen, die außerhalb der Ehe geschlechtlichen Verkehr (also „freien Sex“) ausüben. Wiederholt werden solche mit „Hunden“ klassifiziert, die vom Reiche Christi ausgeschlossen werden, weil sie das Heiligste, Schönste unter den Menschen zur Schweinerei machen (vgl. auch Matth. 5:32,15:19, Apg. 15:20,15:29,21:25,1. Kor. 5:1, 6:13,6:18, 7:2, 2. Kor. 12:21, Gal. 5:19, Eph. 5:3,Kol. 3:5,1. Thess. 4:3 etc.).

Der Abfall des Westens vom christlichen Glauben wurde verständlicherweise mit einer Ausbreitung von freiem Sex oder Unzucht begleitet. Gerade Sünden auf diesem Gebiet des Geschlechtes haben vergangene Zivilisationen und Kulturen vernichtet, wie sie jetzt im Begriff sind, unsere Kultur zu töten.

 

3) Proportionen in Sex

Menschlicher Sex sollte also aus einer Harmonie der drei menschlichen Ebenen oder Dimensionen bestehen, wobei jede Ebene in ihrer Priorität und in ihren Proportionen voll zur Geltung kommt. Wenn man die Proportionen dieses „Gebäudes“ oder dieses „Bildes“ vom Sex verzerrt, erhält man natürlich ein Zerrbild oder eine Karikatur des ganzen Sexlebens.

Als ich vor einigen Jahren meinen Vorlesungssaal betrat, um vor vielen Studenten eine Vorlesung zu halten, leuchtete mir an der großen grünen Tafel eine wunderliche Zeichnung entgegen. Die Studenten bogen sich bei meinem Kommen förmlich vor Gelächter. Ich brauchte auch nicht lange herumzurätseln, bis ich die Ursache entdeckte. Denn die Zeichnung an der Tafel zeigte eine ganz gelungene Karikatur von mir selbst. Natürlich erkannte ich mich sofort wieder: Der Schnurrbart, die Glatze, die Brille, die Nase, das Kinn, der Kittel und der schlechtgebundene Schlips, waren auf den ersten Blick alles erkenntlich. Aber warum das herzliche Gelächter – sonst lachte man bei meinem Erscheinen nicht? Alles, die übertriebene Nase und Glatze, der Schnurrbart, ja der Gesichtsausdruck war richtig und doch falsch. Die Züge waren mir sehr ähnlich, aber die Proportionen des Ganzen waren falsch. Es waren die verzerrten Proportionen, die die Zeichnung lustig machten. Denn die falsch proportionierten Züge produzierten die Karikatur – und die Karikatur erzeugte die Heiterkeit. So lachten wir alle über den gelungenen Witz.

Die sogenannte Sexaufklärung, die unserer Jungend überall in den Schulen und auch Hochschulen ausgeteilt wird, stellt oft eine Karikatur von Sex dar. Denn man klärt die Jugend über den körperlichen Mechanismus von Sex (Ebene 1) auf. Man lehrt sogar, daß diese Ebene die Hauptbasis der Ehe ist. Bei Tieren mag dies auch zutreffen, nicht aber bei Menschen. Um Sex zu ermöglichen, müssen männliche und weibliche Leiber existieren. Aber die wirkliche Basis (oder wenigstens ein wichtiger Teil davon) des Zusammenlebens der Geschlechter ist viel breiter. Bei Menschen ist das oft dargestellte Sexbild (Sex besteht nur aus einem körperlichen Akt) deshalb eine Karikatur des eigentlichen. Menschen, die auf der Basis von Aufklärung dieser Art eine Ehe schließen, laufen die Gefahr, ihre menschliche Spezies zu verlieren! So lernen sie auf der Ebene von Tieren zu denken.

Schulkinder werden überall, selbst in den unteren Schulklassen, über  „Sex“ dieser Art „aufgeklärt“. Sie lernen die physische Basis von Sex, als ob der Körper des Mannes oder der Frau allein die „Liebe“ ausmacht. Es ist klar, daß der Körper bei Menschen sowie bei Tieren die Basis von Sex bietet. Doch ist es vollkommen einseitig, die Praxis von Sex so hinzustellen, als ob sie grundsätzlich nur von der körperlichen Seite her gesteuert wird. Diese Karikatur von Sex ist auch leider kein Witz mehr, sondern eine schreckliche Tragik. Denn dadurch erhalten Kinder eine karikierte, tierische Basis für ihr späteres Leben als Ehemänner und Ehefrauen. Ist es verwunderlich, daß es so viele Ehescheidungen gibt?

 

4) Materialistische Sexaufklärung

Heutzutage geht man in der „Sexaufklärung“ weiter. In aller Öffentlichkeit wird diskutiert, wann und wie man die ungeborenen Kinder, die aus solchem „Sex“ empfangen werden, töten darf. Kinder entstehen innerhalb und auch außerhalb der Ehe oft als Ergebnis von misslungener „Sexaufklärung“ auf der Basis von Ebene 1. Es wird z. B. gelehrt, daß Sex genauso ein Bedürfnis ist wie der Appetit auf Lebensmittel, dem entsprochen werden muß. Wenn dann ein unerwünschtes Kind als Ergebnis dieses „natürlichen Appetits oder Triebs“ entsteht, darf man es innerhalb einer bestimmten Frist auf Wunsch der werdenden Mutter allein vernichten.

Diese Einstellung entstammt einer falschen materialistischen Vorstellung von Sex. Zwei Körper kommen demnach im geschlechtlichen Verkehr zusammen, wobei ein dritter Körper, ein Mensch, entsteht. Zwei Bündel von Chemikalien erzeugen ein drittes Bündel, ein Kind. Diesen unerwünschten Stoff, dieses Kind, darf man so wegwerfen oder töten, genau wie man überflüssiges Essen (auch Chemikalien) in den Fäzes (Kot) ausscheidet. Sex und Appetit auf Essen sind beide bloß körperliche Bedürfnisse. Deshalb darf man ohne weiteres ihre Folgen ebenso wegwerfen. Man vergisst dabei, dass die Basis eines Menschen auf keinen Fall auf seiner bloßen Stofflichkeit (Chemikalien) beruht. Dies behaupten wir aus folgenden Überlegungen:

Die Materie eines menschlichen Körpers tauscht sich in regelmäßigen Zeitabständen aus. Bei Menschen dauert der Austausch ca. sieben Jahre, je nach dem Alter. Der Stoff, aus dem unser Körper gebaut ist, wechselt sich also regelmäßig aus, obwohl wir, die Personen, die wir im Körper wohnen, die gleichen bleiben. Meine Identität bleibt aber konstant. Materiell gesehen, ist mein Körper identitätsmäßig ständig im Fluss. Wenn der Materialismus als Philosophie richtig ist („es gibt nichts außer der Materie“), müsste sich meine Identität mit dem Wechsel meines Stoffes auch verändern. Dies ist aber nicht der Fall.

Was sorgt für die Konstanz der Identität eines Menschen (oder eines Tieres oder einer Pflanze), wenn seine Materie, sein Stoff, nicht konstant bleibt? Ausschließlich der genetische Code, d. h. die Ordnung, die Information, auf seinen 46 Chromosomen. Information ist also für die Identität wichtiger als die bloße Materie. Aber, wendet man ein, selbst der Stoff, aus dem die Chromosomen sind, die den Code tragen, bestehen,

 

wechselt sich regelmäßig aus. Diese Tatsache stellt natürlich genau das unter Beweis, was wir oben ausgeführt haben, nämlich daß nicht der Stoff, der
im Flusse ist, die Identität und das Menschsein bestimmt, sondern ein rein geistiger, gedanklicher Begriff, ein Code oder eine Information, die auf Materie nur gespeichert ist.

Diese Idee kann man vielleicht so erklären: das Papier eines Buches kann leicht vergehen. Wenn das geschieht, vergeht zur gleichen Zeit der Code, die Information des Buches. Die Information, das Thema eines Buches, kann aber, ehe das Papier eines Buches vergeht, abgeschrieben werden. So bleibt die Idee, die Information, die Geschichte eines Buches erhalten, auch wenn das Papier, das den Inhalt des Buches trug, nicht mehr ist. Die Information kann dann auf neuem Papier gespeichert werden. Oder sie kann auf Tonband, Videoband oder Mikrofilm gespeichert werden. Auf diese Weise bleibt das Buch an sich gleich, obwohl die Materie des Buches, das Papier, anders ist.

Auf gleiche Weise verstehe ich die Auferstehung von den Toten. Nach der Bibel war der Mensch, ehe er auf Erden erschien, eine Idee, ein Thema, Information in Gottes Gedanken. Diese Information wurde dann in Fleisch und Blut realisiert, so wie ein Buch auf Papier realisiert wird. Wenn nun Fleisch und Blut verwesen und der Mensch stirbt, kann Gott in der Auferstehung die Idee nehmen, und sie auf anderem, neuem „Stoff“ realisieren. Dieser neue Stoff, auf dem der auferstandene Mensch „reitet“, ist nicht wie die jetzige zeitliche Materie, sondern ewig. So ist der „Inhalt“, das „Thema“ des auferstandenen Menschen (die Idee hinter ihm, die Information), das gleiche wie vorher. Er ist der gleiche Mensch, nur auf andere „Materie“ geschrieben. Das gleiche „Ego“, „Ich“ oder die gleiche „Psyche“, der gleiche Mensch, die gleiche Identität liegt vor, nur diesmal „reitet“ die zugrundeliegende Idee auf einem „Auferstehungsleib“. Die gleiche „Blaupause“, die mein „Ich“ ausmacht, ist vorhanden, nur auf einem anderen Träger. So ist die Auferstehung der Toten nach der Bibel zu verstehen.

Die verschlüsselten Gedanken auf meinen Genen bestimmen, wer ich bin, – nicht die bloße Materie auf der diese Gedanken reiten. Diese Gedanken auf unseren Chromosomen enthalten so viel „Geist“ oder Information, daß man 1000 Bände von je 500 Seiten benötigen würde, um sie in einem normalen Buch festzuhalten. Tausend Bände von je 500 Seiten würden kaum die Information oder das „Geistesgut“ speichern können, die meine Identität als Mensch konstant machen. Das „Papier“, die Materie, die diese 1000 Bände bildet, ist für den Inhalt an Information nicht maßgeblich. Die Information ist unvergleichlich viel wichtiger als die Materie des „Papieres“, auf der sie geschrieben steht. Die Information, das Thema, der Geist des Buches, könnte genau so gut auf magnetischem Band wie auf Papier gespeichert werden. Ob auf magnetischem Band oder auf Papier, die Botschaft, das Thema der daraufgespeicherten Information, bleibt gleich. Auf ähnliche Art und Weise bleibe ich, mein Ego, meine Identität als Person konstant – ganz gleich, ob ich im Leibe lebe oder nach dem Tode in der Auferstehung weiterlebe.

Nun, diese auf Chromosomen und Genen gespeicherte Information, diese Blaupause der materiellen Basis meiner Psyche und meines Körpers, bestimmt mein Wesen, und das des Tieres und der Pflanze. Der Stoff an sich, aus dem der Leib gebaut ist, bleibt von zweitrangiger Bedeutung. Die Idee, der Code, die Information, das Thema, das auf dem Stoff geschrieben steht, ist wichtiger als der bloße Stoff. Letzterer ist nur Informationsträger und stellt als solcher selber nie Information her. Sie, die Information, wird immer von Geist – und nie direkt von Stoff- geliefert.

So bildet codierte Information, codierter „Geist“ auf Genen und Chromosomen gespeichert, die verschiedenen lebenden Spezies, wie Menschen, Tiere und Pflanzen. Sie sind alle realisierte Gedanken, die in einer Blaupause in Codeform auf Stoff festgehalten werden. Diese Blaupause speichert Idee oder „Geist“, der imstande ist, ganze Organismen zu bauen und zu erhalten.

Aber warum gehen wir auf all das in einem Buch über Ehe ein? Weil die individuelle Blaupause des Menschen, des Tieres oder der Pflanze bei dem geschlechtlichen Zeugungsakt zustande kommt. Der neue Mensch, die neue Idee, entsteht bei der Empfängnis. Der neue Mensch oder die neue Blaupause eines neuen Menschen ist halb im väterlichen Spermium und halb im mütterlichen Ei verborgen. Die Fusion dieser Teile bildet den neuen Menschen, die neue Zusammenstellung der Ideen hinter einem bisher nie dagewesenen Menschen.

Die Idee hinter dem neuen menschlichen Wesen lag „kristallisiert“ im befruchteten Ei, d. h. in der Zygote, vor, denn als der Same vom Vater mit dem Ei der Mutter verschmolz, da fand eine neue geistige Schöpfung statt – die Blaupause eines neuen Wesens. Wenn man also einmal eine Zygote, ein befruchtetes, menschliches Ei, zur Entstehung bringt, bringt man die Blaupause, die Identität eines neuen Menschen, zur Entstehung. Diese Blaupause ist der menschlichste Teil eines Menschen, denn sie stellt die Idee, die schöpferische Idee, hinter jedem individuellen Menschen dar, die in Materie realisiert wird. Später wird die Idee zum Bewusstsein aufwachen. Selbst die Art und Qualität unseres Bewusstseins wird wahrscheinlich von dieser Blaupause aus gesteuert, denn sie bedingt die eigentliche Identität eines Menschen von der Zygote an bis zum Grab.

Die ganze schöpferische Arbeit, die Entropiesenkung, die erforderlich ist, um einen neuen Menschen zu bauen, liegt in der Zygote. Die schöpferische Arbeit Gottes also liegt in der genetischen Information vor. Sie enthält Gottes Information in materieller Handschrift.

Aus diesem Grund allein schon ist größter Respekt vor dem Leben – auch vor dem ungeborenen, keimenden Leben – geboten. Die Entwicklung des Eies zum erwachsenen Menschen hin erfordert eigentlich keine neue schöpferische Arbeit. Die Entwicklung des Eies stellt nur eine Entfaltung des schon Bestehenden dar mit Hilfe von günstigen Energie- und Umweltbedingungen. Die ursprüngliche Bildung der gespeicherten Information durch die Koppelung des Spermiums mit dem Ei stellt die eigentliche schöpferische Arbeit dar.

Wenn man über die nötige molekularbiochemische Bildung verfügt, um ein wenig von dieser codierten Information zu lesen, wird man über die Weisheit und schöpferische Kraft Gottes staunen, die es verstand, so viel Information in einer derart raffiniert miniaturisierten Form so niederzuschreiben, daß sie in jedem Ei leicht abgeschrieben werden kann. Der neu empfangene Mensch ist eigentlich eine neue Kombination bereits geschriebener Information. Die neue Kombination war prinzipiell im ersten Menschen schon enthalten, kam aber durch geschlechtlichen Verkehr so zusammen, daß eine neue Kombination dieser Information geschah. So muß es eine sehr ernste Angelegenheit sein, wenn man eine menschliche Zygote oder einen menschlichen Fötus bewusst verdirbt. So sagt der Mensch „nein“ zu dem, wozu Gott „Ja“ sagte. Die neue Blaupause eines Menschen, zu dem Gott „Ja“ sagt, verwirft der Mensch. Vernichtung einer neu entstandenen Leibesfrucht ist Vernichtung eines Aspektes der schöpferischen Arbeit Gottes. Denn die Entwicklung einer Zygote im Mutterleib ist lediglich die Entwicklung einer schon vollbrachten schöpferischen Tat Gottes.

Im Lichte dieser neueren Erkenntnis wird man verstehen, warum die Bibel es so sehr ernst nimmt mit dem Thema Unzucht. Menschliche Zeugungsakte verwirklichen den Mechanismus Gottes, neue Kombinationen seiner schöpferischen Tätigkeit zu realisieren. Der Mensch darf sich an Gottes Schöpfungstätigkeit beteiligen, indem er neue Möglichkeiten göttlicher Gedankengänge in neuen Kombinationen produzieren darf. Der Mensch darf sich in Gottes schöpferische Tätigkeit „einmischen“ und daran teilnehmen. Gott hat diese menschliche Seite seiner eigenen Schöpfertätigkeit mit großer Freude und Genugtuung verbunden. Die tiefsten und edelsten Gefühle und Ziele des Menschen sollen mit dieser „göttlichen Tätigkeit“ verbunden sein. Selbst Vater und Mutter verlässt der Mensch, um bei seinem Ehepartner zu sein. Hier sollen die höchsten menschlichen Eigenschaften zum Vorschein kommen, denn der Mensch beteiligt sich an Gottes Werk.

Weil dieses schöpferische Werk eines Menschen so hoch ist, wird dessen Prostituierung in der Unzucht so sehr verwerflich sein. Sex kann einen Menschen zu unerhörten Leistungen und Höhen bringen. Missbrauchter Sex kann ihn deshalb zu den tiefsten Tiefen hinabstürzen. Und weil Gott in seinen Schöpfungsarbeiten in Treue handelt, wird es vom Menschen erwartet, daß er darin auch treu ist. Der Mann soll Mann von einer Frau sein. Die Frau soll ebenfalls Frau von einem Mann sein. Freier Sex verwischt dieses Bild der Treue Gottes in Sexverbindungen vollkommen.   Doch bleibt Gott treu. Der Mensch, der seinen Wegen nachfolgt, wird also auch besonders auf diesem Gebiet treu sein.

Die Idee, daß jeder mit jedem Mädchen ein Kind zeugen darf, nur um sich selbst auszulassen, woraufhin das Mädchen ohne weiteres das empfangene Kind vernichten lassen kann, stellt eine Diffamierung der Treue Gottes dar. Dies bringt uns zum Thema des Schwangerschaftsabbruches, das wir in Kapitel 2 behandeln möchten. Doch, ehe wir zu diesem Thema übergehen, müssen wir über die gegenseitige Vergebung reden, denn die Kunst und die Wissenschaft von jeder Ehe ist von Persönlichkeiten abhängig, die Vergebung brauchen.  

 

5) Der Anfang und die Weiterführung einer echten Ehe

Das Zusammenleben in einer Ehe ist sicher eine Kunst und auch eine hohe Wissenschaft. Es gibt Paare, die in dieser Kunst begabter sind als andere. In jeder Kunst und in jeder Wissenschaft gibt es Regeln und Gesetze, die man zuerst kennenlernen muß. . . . Das Eheverhältnis verlangt viel Wissen und erfordert ständig neues Wachstum und neue Erkenntnisse in der Ehe. Aber nicht nur das: in beiden Ehepartnern muß die Charakterstärke vorhanden sein, immer wieder neuen Erkenntnissen gemäß zu handeln und zu leben. Nur so kann eine Ehe mit Glück und mit ständig neuem Erfolg gekrönt werden.

Wenn wir bedenken, wie normalerweise eine Ehe anfängt, werden wir besser verstehen, wie sie im richtigen Geist weitergeführt werden kann. Ein junges Mädchen begegnet einem jungen Mann. Auf einmal wird beiden klar, daß sie sich gegenseitig anziehen. Diese Zuneigung kann plötzlich oder auch langsam realisiert werden, je nach den Charaktereigenschaften des Paares. Dazu kann man diesen Zustand des Verliebtseins mit Worten sehr schlecht beschreiben.

Das Verliebtsein ist deshalb schwer zu beschreiben, weil es u. a. eine Sinneserfahrung ist. Der Geschmack von Erdbeeren stellt eine Sinneserfahrung da. Dieser Geschmack ist den meisten von uns wohl bekannt, doch kann ihn niemand mit Worten in irgendeiner Sprache beschreiben. Wir alle kennen Fliederduft, doch könnte man auch diese Sinneserfahrung nicht mit Worten beschreiben. Die Sinneserfahrung des Verliebtseins kann ebenso wenig mit Worten beschrieben werden, sie ist ein Geheimnis derer, die sie erlebt haben. Das Herzklopfen bei der Erscheinung der Geliebten, das Glücksgefühl, die strahlenden Gesichter und die große Geduld und Nachsicht, die zwischen den Verliebten herrschen, sind Nebenerscheinungen des Verliebtseins, aber nicht das Verliebtsein selber. Auch wenn vorübergehendes Gereiztsein, ja Zank zwischen Verliebten vorkommen, charakterisiert Geduld und Nachsicht den Zustand des Verliebtseins.

Wenn die beiden Verliebten zusammen sind, ist es, als ob ein geheimer Appetit zwischen den beiden gestillt wird. Ihre gegenseitige Gegenwart befriedigt sie gegenseitig.  Kurz, das Verliebtsein bedeutet ein Paradies für ihn, wenn sie bei ihm ist – und natürlich auch umgekehrt.

In den meisten Fällen hält aber leider dieser Zustand, dieses Paradies, nicht an. Persönlich glauben wir, daß es anhalten soll und kann, und zwar unter ganz bestimmten Umständen, die wir jetzt beschreiben möchten. Die Statistiken zeigen, daß das Geheimnis dieses Dauerzustandes den meisten Menschen nicht bekannt ist. Denn die Großstadtbehörden Amerikas und Europas zeigen, daß mehr Ehen geschieden als geschlossen werden. Also, in über 50 % der Ehen endet das Paradies des Verlobt- und Verliebtseins in einem Ehescheidungsverfahren vor einem Richter. Verliebte zanken sich vor der Eheschließung – hier geht es um die sogenannten »Lovers‘ Quarrels« – und Eheleute, die das Verliebtsein und dessen Paradies gemeinsam kannten, erleiden in der Ehescheidung Eheschiffbruch. Wie kommt das? Wie könnte man diese Katastrophe vermeiden?

Die Tatsache besteht, daß Menschen sich auf dem Tanzboden oder im Büro verstellen können. Während der Verlobung und später in der Ehe kann man sich nicht permanent verstellen, so daß ernsthafte Auseinandersetzungen vorkommen können. Im Büro oder auf dem Tanzboden kann er galant und höflich sein, zu Hause kann er aber auf die Dauer alles andere als ein Gentleman sein. Wenn die Mutter der angehenden Braut letztere bittet, das Haus zu fegen oder bei dem riesengroßen Aufwasch zu helfen, kann ihr Verehrer schnell ihren wirklichen Charakter erkennen. Wie der junge Mann mit seiner Mutter zu Hause umgeht, wird der jungen Dame klarmachen, wie er mit ihr später umgehen könnte. All diese Dinge, die mit dem besseren Kennenlernen zusammenhängen, können zu Zank und zu Ernüchterung führen, wobei das Verliebtsein schnell abkühlen kann.

Diese Seite menschlichen Charakters zeigt uns eine große Grundwahrheit der zwischenmenschlichen Beziehungen . . . vor und speziell in der Ehe: Die Basis aller zwischenmenschlichen Beziehungen muß in der gegenseitigen Vergebung verankert sein. Liebe ist stark. Schuld ist aber meist stärker. Deshalb muß man im Zusammenleben einen Weg finden, um die Schuldfrage zu lösen. Jede Frau kann andere Frauen und Männer ärgern und ihnen gegenüber gehässig sein. Die meisten Männer können grob und unfeinfühlig sein. Mann und Frau, beide können anderen gegenüber schuldig sein – besonders aber dem Ehepartner gegenüber.

Wenn Mann und Frau nun in der nächsten Nähe der Ehe zusammengejocht sind, müssen beide einen Weg kennen, diese Frage der gegenseitigen Schuld zu lösen. Das große Problem also der zwischenmenschlichen Beziehungen in und außerhalb der Ehe bleibt das Problem der Vergebung der Schuld. Und diese Schuld muß nicht nur Vergebung erfahren, getilgt werden, sie muß vergessen werden. Gott kann vergessen. Wir müssen es auch lernen, sonst bleibt die Narbe der Schuld, auch wenn die Schuld Vergebung erfahren hat.

Vergeben ist praktisches Christentum. Ein Christ, der nicht vergeben kann, hat die Praxis des Christentums noch nicht verstanden. Mann und Frau lernen in der christlichen Wiedergeburt und Bekehrung zu Christus diese Art Vergebung, und zwar bei Gott selber. Denn Gott versöhnte die Welt mit sich selbst am Kreuz (Röm. 5:10, 2 Kor. 5:10-20, Kol. 1:20). Wenn wir Christen sind, haben wir also angefangen zu lernen, was Versöhnung und Vergebung bedeuten, denn Christus hat uns gezeigt, was das Wesen der Vergebung ist. So besitzt speziell eine christliche Ehe die Basis der Permanenz in der Versöhnung und Vergebung.

Diese Erkenntnis ist für eine Ehe absolut grundlegend. Wenn zwei Menschen, zwei Ehepartner, wirklich ein Organismus, d. h. ein Leib sein wollen, dann müssen sie in der Vergebung leben, denn beide sind Sünder und Sünde trennt – innerhalb wie auch außerhalb der Ehe. Sünde trennt auch einen Organismus, der ein Leib ist. Vergebung schafft die trennende Sünde wieder weg, so daß die beiden wirklich eins werden nach Leib, Seele und Geist. . . . Nur so kann man ein Paradies auf Erden erleben; und deshalb muß jedes Ehepaar immer wieder »ja« zueinander sagen. Ein Paradies herrscht nur dort, wo Menschen leben, die Vergebung erfahren haben und deren Schuld getilgt ist.

 

 

Kapitel 2

Schwangerschaftsabbruch

 

 

1) Allgemeines

Als Gott am Anfang die Menschen erschuf, war seine ganze Trinität am Schöpfungswerke tätig: „Lasset uns Menschen in unserem Ebenbilde machen…“ (1. Mose 1:26). Der Mensch ist also im Ebenbilde des dreieinigen Gottes erschaffen worden. Wenn nun der Mensch an die Gründung einer Familie denkt, kann er seine Kinder so zeugen, wie Gott selber uns zeugte – mit seinem ganzen Wesen nach Leib, Seele und Geist. Wenn der Mensch Kinder ausschließlich körperlich und aus körperlicher Lust zeugt, fehlt in dem Akt etwas Maßgebendes. Die Kinder sind dann nur nach dem Willen des Fleisches gezeugt worden. . . . Wir sind ja unserem menschlichen Wesen nach nicht so gebaut, daß wir die schöpferische Vereinigung der Geschlechter nur auf der Basis des Körperlichen allein zufriedenstellend erleben können. Die Vereinigung sollte in der Kraft des Leibes, der Seele und auch des Geistes geschehen, wenn die volle Befriedigung und das volle Glück zweier Menschen, die sich gegenseitig ausliefern, erreicht werden soll.

Ein hoher Prozentsatz der Abtreibungen und Schwangerschaftsabbrüche finden nach außerehelichem Geschlechtsverkehr statt. Aber der Verkehr kann auch innerhalb der Ehe auf rein materieller Basis stattfinden. Die pure Befriedigung des Körpers ist dann die Triebfeder solchen Verkehrs. Teilweise aus diesem Grund kann das Glück geschlechtlichen Verkehrs dieser Art ausbleiben. Hurerei macht vielen Menschen den Geschlechtsverkehr ekelig. Für Unzucht gilt das gleiche, denn sie ist eine ekelerregende Karikatur des Wirklichen und entspricht nicht dem ganzen Menschen. Deshalb kann verkehrte Geschlechtspraxis zu somatischen wie auch zu psychosomatischen Krankheiten führen.

Obiges hängt zusammen mit dem ganzen Problem des Schwangerschaftsabbruches, insoweit man den körperlichen Verkehr mit dem anderen Geschlecht pflegen will. Doch will man die Folgen, die Pflichten und die Verantwortung eines solchen Verkehrs meiden. Die sogenannte Fristenlösung, wonach eine Frau selber entscheiden kann, ob sie ihr Kind gebären will, entstammt einer rein materialistischen Sexauffassung und Weltanschauung. Man rechnet nur mit Ebene 1 als Basis und Bedeutung des geschlechtlichen Verkehrs, was natürlich eine Karikatur darstellt. Wenn Kinder als ein Resultat des harmonischen Zusammenspiels zweier Menschen auf allen drei Ebenen ihres Seins hervorgehen, werden wohl weniger Kinder unverantwortlich durch Lust allein gezeugt werden. Man wird das sichtbare Siegel dieses Glückes, das Kind, nicht so leicht vernichten wollen. Das Problem des Schwangerschaftsabbruches ist deshalb primär oft ein Problem des „freien“ oder unverantwortlichen Geschlechtsverkehrs.

Die Folgen der Fristenlösung sind kaum auszudenken: eine menschliche Zygote besitzt die 46 menschlichen Chromosomen und gehört somit der menschlichen Spezies an. Man ist bereit, Menschen in embryonaler Form, Individuen, die keine Gelegenheit hatten, ihre normale Entwicklung zu erleben, wie Kot wegzuwerfen: Nur weil das Baby unerwünscht und augenblicklich „nutzlos“ ist, nimmt man ihm das Recht aufs Leben. Es verliert das Leben, ausschließlich weil es anderen, besonders aber der eigenen Mutter, zur Last fallen würde. Wie lange wird es dauern, bis man aus der gleichen Überlegung auch alte Menschen verschwinden lässt? Eines Tages wird man so tun, wie die unzivilisierten Stämme im Dschungel taten – sie überließen ihre Kranken und Alten den wilden Tieren, weil sie ihnen zur Last fielen. Bei der Abschaffung des ungeborenen Kindes ist die Lage in Wirklichkeit noch schlimmer als bei den Kranken und Alten.

Denn der Kranke und Alte kann sich normalerweise mit Worten verteidigen. Das Baby kann nicht einmal ein Wort zu seiner eigenen Verteidigung und zu seinem Recht auf Leben sagen. Es genügt, daß die Mutter ihr Kind verschwinden lassen will. Sie muß sich vor niemandem verantworten. Heute schon spricht man nicht nur von Abtreibung, sondern auch von Sterbehilfe und Euthanasie. Hitler vergaste die Geisteskranken und die Geistesschwachen (Kinder und Erwachsene), und zwar aus der gleichen Überlegung, die hinter der Fristenlösung liegt: Die Geistesschwachen wie die Kinder fallen anderen zur Last, man will sie nicht mehr ertragen. Bei dieser Einstellung verliert man mindestens eine große Tatsache aus den Augen. Christus lehrte uns, daß wir das, was wir den Kranken, Schwachen oder Minderbegabten an Liebe erweisen, dem Schöpfer selber erweisen.

Diese Art Liebe lässt er nie unbelohnt. Wie viele Menschen würden einen großen Segen mitten in ihrer Arbeit erfahren, wenn sie für ihre alten, schwachen Eltern persönlich sorgen würden, statt sie einfach in irgendeinem lieblosen Altersheim zu versorgen? So auch mit den kleinen Kindern. Eine Zivilisation, die nicht gewillt ist, ihre Alten, ihre Kranken und ihre Babys zu tragen und zu pflegen, befindet sich schon auf dem Weg der rapiden Degenerierung. Egoismus, der sich in freiem Sex und fakultativer Abtreibung oder Kindertötung manifestiert, ist der Beweis für diese Degenerierung.

Die einzige Frage, die zu beantworten wäre, ist, wie lange unsere Zivilisation kraft ihres Momentums aus der Vergangenheit noch durchhalten kann? Die Geschichte lehrt uns, daß der Zerfall einer Zivilisation schnell erfolgt, nachdem einmal ihre geschlechtliche Moral in Stücke gegangen ist. Alte Zivilisationen, die ihre Alten, ihre Kranken und ihre Kinder töteten, starben immer plötzlich und auch radikal aus.

Wie grenzenlos ist doch der Egoismus einer Zivilisation, die bereit ist, ihre Kinder zu töten, nur damit die Geschlechtspartner in den Genuß von einigen Augenblicken Geschlechtsverkehr auf Ebene 1 kommen! Das wehrlose, ungeborene Kind hat die beiden nie darum gebeten, gezeugt zu werden. Die größte Schöpfung auf Erden, der Mensch in der Form eines Fötus, wird geschlachtet und weggeworfen, weil Mutter und Vater zum Genuß von Sex Ja sagen, zum Wunder eines Babys aber Nein sagen. Der Umgang mit Tieren wird in unserer Zivilisation gesetzlich besser geschützt als der Umgang mit ungeborenen Menschen. . . .

 

2) Die heutige Praxis von Abtreibung

Wer die Arbeit einer Abtreibungsklinik kennt, wird verstehen, warum solche Kliniken heute große Schwierigkeiten haben, Schwestern und auch Ärzte für ihre Geschäfte zu finden. Schwestern und Ärzte lassen sich doch ausbilden, um das Leben zu erhalten und nicht, um ungeborene Babys hinzurichten.

Hören wir das Zeugnis einer Schwester (nach dem Bericht von Werner Stoy „Abtreibung – einziger Ausweg?“ Brunnen Verlag, Giessen und Basel, 1973, Seite 63): Streit zwischen Regierungsrat und Gynäkologieschwestern des Kantons Solothurn. Die Regierung wird von sozialdemokratischen Frauen unter Druck gesetzt, die genehmigten Schwangerschaftsabbrüche (von 317 waren 225 bewilligt worden) nicht mehr in anderen Kantonen ausführen zu lassen. Die Gynäkologieschwestern (katholische, protestantische und freie) lehnen die Assistenz bei legalem Schwangerschaftsabbruch ab und drohen mit Kündigung, wenn solche Eingriffe in den Spitälern mit Hilfe anderer Schwestern durchgeführt werden. Aussage einer nichtkatholischen Schwester: „Ich möchte jedem wünschen, einmal dabei zu sein, wenn so ein sechsmonatiger Fötus herausgezogen wird. Die Schwestern müssen dieses schreiende und zappelnde Ding richtiggehend töten und beseitigen.“ Auf Befragen halten sechs Chefärzte Schwangerschaftsabbrüche wegen Opposition der Schwestern für undurchführbar, zwei lehnen ihn aus ethisch-religiösen Gründen ab.“

Werner Stoy führt weiter aus: „In unserem Jahrhundert sind durch Abtreibung mehr Menschenleben geopfert worden – und zwar ausschließlich Frauen und Kinder – als in allen Kriegen dieses Jahrhunderts.“ Der gleiche Autor schreibt weiter (loc. cit. S. 18): „Deshalb ist Abtreibung der scheußlichste Eingriff, den ein Gynäkologe auszuführen hat ( so der Giessener Gynäkologe Professor Kepp).

Verständlich, wenn man Zanders Schilderung hört, wie der Embryo zerstückelt wird und dann die Beinchen, die Brust, der Kopf und so weiter zum Vorschein kommen. Dieses Erlebnis ist wohl der Grund, weshalb Gynäkologen im Vergleich zu praktischen Ärzten hinsichtlich der Abtreibung zurückhaltender sind. Ein Arzt (Dervolowsky) schlägt deshalb einen „Exekutionsberuf“ für die Abtreibung vor, nach dessen Geschäft dann erst der Arzt, nun aber in seiner eigentlichen Berufung, heilend tätig sein würde. Wie mühen sich doch Ärzte, das Leben defekter Kinder zu erhalten. Man verfolge, was z. B. für frühgeborene Kinder oder solche mit Hirnhautentzündung getan wird. Und dann soll ein völlig gesundes Kind „weggemacht“ werden? Es ist darum verständlich, wenn sich manche Ärzte gegen die Verpflichtung abzutreiben wehren (vor allem Ärzte und Operationsschwestern im Staatsdienst.)“

Wenn natürlich der Abbruch der Schwangerschaft früh genug vorgenommen wird, muß man das Baby nicht zerstückeln. Es wird einfach lebendig durch eine Saugvorrichtung abgesogen und weggeworfen. Im Prinzip ändert das nichts an der Tatsache, daß man ein gesundes, menschliches Kind so wie Kot wegwirft und vernichtet, obwohl die Vernichtung weniger „metzgerhaft“ vor sich geht.

Das Tötungsverbot ist allgemein auch heute noch in Kraft. Selbst die Bundesrepublik ist zum Schluss gekommen, daß sie als Staat für den Schutz des ungeborenen Kindes verantwortlich ist. Wie alle unmündigen und kranken Bürger, die sich selbst nicht verteidigen können, hat das ungeborene Baby das Recht auf den Schutz des Staates, und der Staat hat die Pflicht, das keimende Leben unbedingt zu schützen. Wenn nun eine Mutter bereit ist, ihr eigenes Kind zu töten, wird sie sehr oft unter späteren Gewissensnöten leiden. Nur ein Drittel hat vorher (vor der Abtreibung) keine Bedenken. Nach dem Eingriff sind die religiösen und moralischen Bedenken sehr viel stärker. „Da schoß es mir durch den Kopf: Mörderin! Es verfolgte mich Monate, ja Jahre… ich hatte immer Angst vor der Strafe Gottes“. „Ich schäme mich vor mir selber… ich habe mir geschworen, daß ich es nie wieder tun werde, und sollte ich noch so viele Kinder bekommen.“ „Ich habe schon zwei Selbstmordversuche gemacht, weil ich seelisch nicht über die Abtreibung hinwegkomme.“ „Von seelsorgerlicher Seite werden Schuldgefühle bestätigt.“ „Bei einigen Frauen stellen sich sogar psychische Störungen ein“ (Werner Stoy, loc. cit Seite 24-25).

 

3) Was geschieht mit den abgetriebenen Babys?

Ein Kind ist sechs Monate nach der Empfängnis meist lebensfähig. Meistens muß man Frühgeburten von sechs Monaten in einen Inkubator tun, aber mit richtiger Pflege gedeihen sie oft gut. Da aber das Kind von der Empfängnis an lebt, müssen alle Formen der Abtreibung töten. Abtreibung heißt also immer Tötung des Kindes.

In gewissen Fällen muß man, wie oben gesagt, das Kind im Mutterleib zerstückeln. Gegen diese Zerstückelung wehrt sich das Kind natürlich. Es tut ihm weh, getötet zu werden! Denn schon sehr früh ist das Kind ein kleines Persönchen. Gibt man einem ungeborenen Kind von 4-5 Monaten einen „Puff“ im Mutterleib, wird es oft so reagieren, daß es das Däumchen in den Mund steckt, um sich Trost zu holen.

In vielen Fällen kann man, wie schon bemerkt, das Kind durch eine besondere Saugvorrichtung, die man in die Gebärmutter bis zum Fötus einleitet, absaugen. Das so abgesaugte Kind ist aber immer noch am Leben und muß irgendwie vernichtet werden. Mit der Zeit erstickt es und stirbt wegen Mangel an Blutzufuhr von der Mutter durch den Mutterkuchen.

Experimentelle Naturwissenschaftler empfinden oft, daß die Verschwendung von abgetriebenen Fötussen auf diese Art und Weise nicht zu verantworten ist. Man soll, meint man, die Fötusse irgendwie für das Wohl experimenteller Medizin auswerten. Diese Überlegung brachte es dazu, daß man viel mit solchen zum Tode verurteilten Fötussen experimentierte, bis das ganze Problem durch Zeitungen vor die Öffentlichkeit gebracht wurde. Die Naturwissenschaftler meinen, daß es genau so gut zu verantworten ist, mit dem Fötus vor dem Tod zu experimentieren zum Wohl der Menschheit, als das Baby im Wasserklosett herunterzuspülen, was man als Verschwendung von biologischem Material ansieht.  . . .

Die übliche Methode lebende Fötusse umzubringen, besteht darin, daß man ihnen die Sauerstoffzufuhr unterbindet. Man kann es so machen wie bei unerwünschten neugeborenen Kätzchen – ein Eimer Wasser setzt dem Geschrei oder dem Gezappel nach einigen verzweifelten Krämpfen ein Ende. Wenn die Fötusse noch sehr klein sind, spült man sie lebend im Wasserklosett hinunter – so respektiert man einen werdenden Menschen, ein Geschöpf Gottes. Wenn der Arzt sparsam ist und solche Verschwendung „guten biologischen Materials“ nicht sehen kann, benützt er die Fötusse, oft noch am Leben, für biologische Versuche, wie wir weiter unten ausführen. Man muß klar vor Augen halten, daß mehr Menschen (Fötusse) auf diese Art und Weise in diesem Jahrzehnt vernichtet wurden als in den beiden letzten Kriegen. Wenn man Gott anklagt, weil er das Morden in Kriegen nicht stoppt, muß man sich fragen, warum der Mensch das gleiche tut, und zwar an vollkommen schutzlosen Babys? Ist der Mensch (vornehmlich der Materialist) nicht ein Heuchler, wenn er gerade das selbst tut, was er bei Gott nicht entschuldigen kann? Er behauptet oft, daß er an Gott nicht glauben könne, weil dieser das Morden in Kriegen nicht verhindert. Doch sind die gleichen Menschen oft die ersten, die das Recht der Frau verteidigen, ihrem eigenen harmlosen Baby das Leben zu nehmen. Wo bleibt die Logik einer solchen Denkweise?  . . .

Viele Wissenschaftler sind der Überzeugung, daß man lebende Fötusse für experimentelle Zwecke nicht benutzen darf – man müsse die Fötusse zuerst töten, ehe man experimentiert! Bis Mai 1975 hatten weite Kreise unter amerikanischen Naturwissenschaftlern ein Moratorium (Forschungsstop) für Versuche mit lebenden menschlichen Fötussen angeordnet. Dann wurde dieser Stopp aufgehoben (Science News, 107, 3. 5. 75, Seite 285), so daß die Regierung Forschungsgelder für Experimente mit menschlichen lebenden Fötussen wieder liefern darf. Der Grund für diese Aufhebung des Verbots ist interessant: kein Versuch, den ein Naturwissenschaftler mit lebenden Fötussen billigen würde, ist so grausam wie einige Methoden der Abtreibung selbst, nämlich Abtreibung durch Zerstückeln bei lebendem Leibe, oder Abtreibung durch osmotischen Schock (Tötung mit konzentrierter Salzlösung, mit der man das lebende Baby überflutet und ertränkt, oder chirurgische Exstirpation = Zerstückelung). Wenn also Abtreibung, die so grausam ist, erlaubt ist, dann besteht kein Grund mehr, humanere Experimente mit lebenden Fötussen zu verbieten, die in der Abtreibung solche Grausamkeiten schon erlebt haben! Also, weil eine schlimme Folterung (Abtreibung) erlaubt ist, müssen alle weniger schlimmen Folterungen (Experimente) auch erlaubt sein!

 

 

Kapitel 3

Die Praxis von Sex

1) Unmäßigkeit in Sex

Die Vereinigung der Geschlechter erfordert von beiden Partnern Kraft. Schon aus diesem Grunde darf das Ehebett keine Stätte der Ausschweifung werden. Übermäßigkeit im Geschlechtsverkehr wird die Körper der Partner überfordern und so den Körper schwächen. Obwohl es Zeiten gibt, wo Zurückhaltung nicht am Platz ist, gibt es auch Zeiten, wo Zurückhaltung direkt geboten wird. Jedes Paar verfügt über verschiedenartige Kräfte, so dass jedes Paar vor Gott klar werden muß, welches Maß das richtige für sie ist. Es gibt ganze Völker, besonders im Nahen Osten, die ziemlich regelmäßig zweimal oder gar mehr die Nacht geschlechtlichen Verkehr praktizieren. Das Ergebnis ist, daß ihr Leben oft eine Last ist – sie sind ständig erschöpft und können kein normales Arbeitspensum leisten. Solche Disziplinlosigkeit
und Übermäßigkeit vernichtet nicht nur ein Ehepaar, sondern auch ein Volk. Wie die heilige Schrift uns lehrt, gibt es Zeiten für alles, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit sich zu meiden (Prediger 3:5). Gott hat uns Menschen mit Vernunft ausgerüstet, so daß wir wissen dürften, wann die Zeit für dies und auch für jenes gekommen ist.

Wenn man jeden Tag ein Festessen erhält, bleibt für den Sonntag kein Festessen mehr übrig! Nach einer Periode des Fastens oder Hungerns genießt man das Festmahl doppelt. Aber auch das beste Festmahl ekelt uns an, wenn wir es jeden Tag bekommen! Mäßigkeit und Zurückhaltung erhöhen jeden Genuß – auch den Genuß von Sex. Dies gilt auch für geschlechtlichen Verzicht während der Verlobungszeit. In der späteren Ehe werden Partner, die Verzicht geübt haben, mehr Freude aneinander erleben, als Paare, die sich alles erlaubten. Besonders für Paare, die verzichteten, wird das Fest wirklich zum Fest.

Man muß bedenken, daß die Frau ihrem monatlichen Zyklus unterworfen ist. Hier soll der Mann Rücksicht nehmen. Denn eine Folge des Frauseins ist die Tatsache, daß sie sich nicht immer so wohl fühlt wie der Mann. Aus diesen und anderen Gründen ist die Frau auch schwächer als der Mann: „Desgleichen Ihr Männer, wohnet einsichtig zusammen mit dem weiblichen Teil als dem schwächeren und erweiset ihnen Ehre als solchen, die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, damit euere Gebete nicht gehindert werden „(1. Petr. 3:7). Erhörliches Beten ist also zum Teil davon abhängig, daß der Mann seiner Frau Ehre erweist. Um erhörlich beten zu können, sollte der Mann sozusagen ritterlich mit seiner Frau umgehen. Sie ist wegen ihrer Physiologie schwächer. Das heißt keineswegs, daß sie nicht gleich viel wert ist.

Die Frauenrechtlerinnen können Propaganda machen, wie sie wollen, um unter Beweis zu stellen, daß Mann und Frau gleich sind. Die Tatsache bleibt aber, daß sie nicht gleich sind. Das will aber unter keinen Umständen heißen, daß die Frau minderwertiger sei. Keine Frau will „Mannweib“ sein. Wenn man sie zu einer Arbeit zwingt, die Männerkräfte verlangt, erniedrigt man sie. Es ist auch immer ein Zeichen der Degenerierung einer Kultur, wenn die Frauen die schweren Straßen- und Feldarbeiten verrichten müssen, während die Männer tagsüber das ganze Jahr hindurch ihre Zeit in den Teehäusern verschwatzen, wie z. B. in der Türkei oft der Fall ist. Das bedeutet gar nicht, daß die Frauen nicht arbeiten sollen. Der Mann soll Arbeit seiner besonderen Kraft gemäß verrichten – und die Frau gleicherweise.

Wir stellen also fest, daß die Weiblichkeit der Frau so geartet ist, daß ihr besondere Rücksicht und Ehre zusteht. Die Harmonie in der Ehe geht oft dadurch verloren, daß die Männer ihre Ritterlichkeit der Frau gegenüber im Laufe der Jahre vergessen. Die Frauen auf ihrer Seite vergessen die Ladies zu sein, die sie einst waren – oder sein wollten!

Eine weise ältere englische Dame sagte mir einmal, wenn ein Mensch, eine Familie oder eine Nation auf dem Gebiete der geschlechtlichen Moral labil ist, dann seien sie auf allen anderen Gebieten auch labil. Es müsse auch so sein, denn alle drei Ebenen eines Menschen oder einer menschlichen Kultur beeinflussen einander gegenseitig. Ein falsches Verhältnis auf Ebene 1 wird im Laufe der Zeit Ebenen 2 und 3 in Mitleidenschaft ziehen. Dies gilt für den Einzelnen, sowie für die Familie und die Nation. Wenn unser Denken auf Ebene 2 zu einer Verachtung von Ebene 1 führt (was bei gewissen Askesen der Fall sein kann), dann werden Ebenen 1 und 3 in Mitleidenschaft gezogen. Alle drei Ebenen des
Menschen sollen einen großen Akkord darstellen. Wenn eine Ebene mit der anderen nicht harmoniert, dann kann es leicht zu einer großen Dissonanz in der menschlichen Trinität kommen. Aus diesem Grund müssen alle drei Ebenen bei beiden Ehepartnern harmonieren. Zu dieser Harmonie gehören natürlich viel Vernunft und auch Disziplin beiderseits.

 

2) Die Gesellschaft, die alles zulässt

Heute leben wir in einer Gesellschaft, die alles zulässt. Eine Folge dieser Tatsache ist natürlich, daß eine Lehre, die Disziplin, Zurückhaltung und Ordnung verlangt, nicht gefragt wird. Da aber wir Menschen von einem Gott der Disziplin, Zurückhaltung und Ordnung erschaffen wurden, kommen wir ohne diese Eigenschaften nicht gut aus. Ein Mensch, der in Undiszipliniertheit, Unordnung und Ausgelassenheit lebt, entspricht nicht seinen eigenen Bedürfnissen. Deshalb wird er auch frustriert. Er erfüllt sein Wesen nicht.

Diese Tatsache des menschlichen Wesens (Bedürfnis nach Disziplin und Ordnung) reicht bis in das intimste Eheverhältnis hinein. Durch alle Probleme und auch Freuden in der Ehe und im Eheverhältnis sollte der Mann der sein, der seiner Ehegattin disziplinierte Ehre erweist. Diese Ehrerweisung in all den Kämpfen des Lebens, besonders in der Kindererziehung, bei Krankheiten und wirtschaftlichen Nöten zu beachten, ist nicht immer leicht. Durch Erfahrung und Disziplin kann sie geübt werden. Die Ehepartner sind sich ja zur gegenseitigen Hilfe und Ergänzung gegeben. Der Ehemann ist vor Gott für die geistliche, seelische und körperliche Entwicklung seiner Frau verantwortlich, und die Ehefrau genauso für das allseitige Gedeihen ihres Mannes. Hermann Claudius drückt das so schön aus:

„Nun aber ist es so,
daß Gott mich ohne dich nicht sieht
und dich nicht ohne mich,
was immer auch geschieht.
Des bin ich froh.“

 

3) Schwangerschaft und Ankunft von Kindern

Kinder in die Welt setzen, fordert von einer Frau (sowie auch von einem Mann!) körperliche und auch psychische Kraft. Wenn ein Mann wirklich eins ist mit seiner Frau, wird auch er durch diese großen Ereignisse in Anspruch genommen. Allerlei Beschwerden körperlicher und auch seelischer Art sind mit der Geburt eines Kindes verbunden.

Zuerst muß man bedenken, daß eine Schwangerschaft eine große Umwälzung im Stoffwechsel einer Frau mit sich bringt. Ihre Periode bleibt aus, was einen Wechsel im ganzen Hormon-Haushalt des Körpers hervorruft. Dieser Wechsel beeinflusst die Psyche. Viele Frauen leiden unter Brechreiz während der ersten drei Monate einer Schwangerschaft. Kaum haben sie ihr Frühstück zu sich genommen, da fängt der Reiz an. Gerade um diese Beschwerden zu bekämpfen, wurde vor Jahren Contergan (Phthalidomid) verschrieben. Das Resultat war, daß viele Kinder mit verstümmelten Beinen und Armen zur Welt kamen. Contergan griff das empfindliche Gewebe, das die Glieder im Fötus bildet, an. Die Kinder waren sonst normal.

Während der Schwangerschaft ist jede Frau gegenüber Drogen und allen anderen Einflüssen empfindlicher als sonst. Das Baby, das sie trägt, wird von den Speisen, der Luftverunreinigung (Nikotin etc.), von Drogen und Giften, die die Mutter einnimmt (Alkohol, Nikotin, Kaffee etc.), stark beeinflusst. Je jünger das Baby im Mutterleib, desto empfindlicher ist es gegen alle Gifte und Drogen. Deshalb soll eine werdende Mutter nicht rauchen und auch wenig Alkohol einnehmen. Kopfwehpillen und Schlafmittel soll sie, wo nur möglich, auch vermeiden.

Das Durchleuchten des Abdomens einer schwangeren Frau ist für das Baby gefährlich. Die ionisierenden Strahlen sind (oft erst nach Jahren) krebserregend. Viele Frauen leiden während dieser Zeit (und auch nachher) an Krampfadern, so daß sie nicht viel auf den Beinen sein sollen. Während des Stillens können Störungen seelischer Art auftauchen, die mit der Laktation zusammenhängen. Meist verschwinden diese Störungen mit der Zeit von selbst. Gut ist es für Kind und Mutter, wenn die Mutter das Baby 6-12 Monate selbst ernährt. Babys, die Muttermilch an der Brust bekommen, sind bedeutend weniger für Infektionen und Magendarmstörungen anfällig als Flaschenkinder. Auch psychisch sind Brustkinder oft ausgeglichener als Flaschenkinder, denn die Ernährung an der Brust verleiht einem Kind eine Geborgenheit, die das Flaschenkind entbehrt. Auf der anderen Seite darf das Stillen eine Frau nicht zu stark überlasten. Die Laktationshormone sind für eine Mutter auch von Vorteil, und das Stillen erfüllt sie. Die Hormone beruhigen sie und gleichen psychisch aus.

Theoretisch könnte eine Frau zwischen dem Alter von ca. 16 Jahren bis zum ca. 50. Lebensjahr alljährlich ein Kind bekommen. Diese theoretische Möglichkeit würde aber nicht nur ihre biologischen und psychischen Kräfte erschöpfen, sondern auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Familie – und auf lange Sicht diejenigen unseres Planeten – weit überfordern.

So tritt das Problem der Geburtenregelung an alle Eheleute heute heran. Klar ist es, daß die einen weniger Kinder bekommen, als sie möchten. Andere Ehepaare bekommen gar keine Kinder und können nichts dafür. Wieder andere Ehepaare sind zu fruchtbar. Das Geburtenregelungsproblem liegt bei denen vor, die über eine zu große Fruchtbarkeit verfügen. Wie sollen sich solche Ehepaare verhalten? Sie müssen vor Gott und untereinander abmachen, wieviel Kinder sie verantworten können und als Gabe aus Gottes Hand annehmen dürfen. Kinder sind eine Gabe des Herrn (Psalm 127:3-5). Die Eltern müssen überlegen, zu wieviel Kindern die Kraft der Frau (und des Mannes) reicht und wieviel Finanzkraft hinter der Familie steht, um den Kindern eine gute Erziehung bieten zu können.

Das verantwortungslose Zeugen von Kindern ist die Krankheit, an der die moderne undisziplinierte Welt mit am meisten leidet. Ein Mensch, der in Indien, Pakistan oder Afrika zu Tode hungert, setzt Kinder in die Welt, die dann zwangsläufig zu Grunde gehen, weil der Vater weder sich selbst noch seine armen Kinder ernähren kann. Diese Handlungsweise ist grausam, stellt aber ein typisches Bild der Entwicklungsländer dar. Selbst die Tiere regeln in vielen Fällen ihre Familien automatisch nach dem Maß der vorhandenen Ernährung. Man muß gewissermaßen die Familie so mit Vernunft planen, wie man sonst das Familienleben und Geschäftsleben plant. Es ist klar, daß man auf diesem Gebiet nicht alles lückenlos planen kann, doch können wir wohl überlegen, was zu verantworten ist und was nicht.

Viele Christen lieben das Wort Familienplanung nicht – und oft mit Recht, denn das Wort ist mit einem unangenehmen Beigeschmack behaftet. Es ist von gewissen politischen Richtungen mißbraucht worden. Einige Organisationen führen solche Planung mit Hilfe vonVerhütungsmitteln, Pessaren und auch Abtreibungen durch. Das lehnen wir entschieden ab. Die Frage stellt sich also, wie man eine Familie planen kann, daß sie innerhalb der Kraftgrenzen der Familie bleibt, ohne daß sie zu den obengenannten Kunstgriffen Zuflucht nimmt. Unter allen Umständen ist es unser Anliegen, bezüglich Familienplanung und Eheethik innerhalb der biblischen Ethik zu bleiben. Und zur gleichen Zeit soll unsere gottgegebene gesunde Vernunft auch in der Ehe und in der Familie ihre Rolle spielen.

Das Hauptproblem der heutigen Geburtenregelung ist dadurch entstanden, daß Sex durch Filme, Radio, Fernsehen und „Sexaufklärung“ in der Schule so dargestellt wird, wie er in Wirklichkeit nicht ist. „Liebe“ und Sex werden als Triebe hingestellt, die im Prinzip unwiderstehlich sind. Sie sind wie eine ansteckende Krankheit, der man keinerlei Widerstand leisten kann. Weil nun der Sextrieb unwiderstehlich und hauptsächlich körperlich bedingt ist, muß man ihm nachkommen. Der nächste Schritt in der Argumentation folgt schnell – wir sind so gebaut, daß wir rein körperlich Sex haben müssen – wir haben nicht nur das Bedürfnis nach Sex, wir haben auch das Recht, körperlichen Sex voll zu genießen, genau wie wir das Bedürfnis danach haben.

So entsteht die Idee von freiem Sex. Genauso wie wir das Recht auf das tägliche Brot haben, so haben wir auch das Recht auf freien Sex, wie wir wollen. Diese Einstellung ist grundsätzlich nicht wahr. Genauso wie Menschen eine Zeitlang freiwillig auf das Essen verzichten können, so können wir auch auf Geschlechtsverkehr verzichten. Jeder Hungerstreik und jeder Fastentag beweist, daß freiwilliger Verzicht auf Appetit möglich ist. So auch bei Sex. Die Seele ist prinzipiell imstande, den Körper zu beherrschen.

Nur eine psychisch degenerierte Zivilisation wagt, das Gegenteil zu behaupten. Jeder Mensch, der davon überzeugt ist, daß er nicht fasten kann, dort wo doch Essen vorhanden ist, wird auch nie über die innere Kraft verfügen, erfolgreich zu fasten. Viele Frauen, die nicht stillen wollen, können tatsächlich nicht stillen! So auch im Geschlecht Wenn wir davon überzeugt sind – wie fast jeder Hollywood-Film und fast jede Radio- und TV-Show uns beweisen will -, daß wir freien Sex haben müssen, dann werden wir ihn auch tatsächlich haben müssen. Die Degenerierung unserer Kultur zur Widerstandslosigkeit auf dem Gebiet von Sex ist teilweise durch diese Propaganda zustandegekommen. Aber wenn man verzichten will, darf man sich nicht in Versuchung begeben.

Das Volk, das freien Sex praktiziert, wird bald nicht imstande sein, sich politisch oder militärisch zu verteidigen. Die innere und damit die äußere Zersetzung geht schnell vor sich. Mens sana in corpore sano! Ein Volk, das weder in bezug auf Essen, Trinken oder Geschlecht zu verzichten versteht, kann von entschlossenen Politikern leicht erobert werden, weil es auch körperlich krank und schwach wird. So wurden alte Zivilisationen zu Grunde gerichtet. Und so wird auch unsere Kultur vor unseren Augen zerstört.

Verzicht fängt in der Familie und in der Ehe an. Dort lernt man das, was man später im öffentlichen Leben ausübt. Gerade hier haben wir auch den Schlüssel zur Planung einer Familie nach den vorhandenen Kräften. Daß Verzicht dieser Art prinzipiell möglich ist, geht aus der Tatsache hervor, daß jeder Mann und jede Frau zu bestimmten Zeiten des monatlichen Zyklus auf Verkehr verzichten kann und muß. Und die Tatsache, daß jedes Ehepaar nur zu bestimmten Zeiten des weiblichen Zyklus fruchtbar ist, bietet einen Schlüssel zur Geburtenregelung an, den uns Gott in die Hände gegeben hat (siehe Anhang). Aber Selbstdisziplin ist für die Benützung selbst dieses Schlüssels erforderlich. Die Disziplinlosigkeit unserer heutigen Erziehung, in der Familie wie auch in der Schule, muß dafür verantwortlich gemacht werden, daß Abtreibungen, Verhütungsmittel, Pessare, Pillen, usw. für Geburtenregelung Verwendung finden.

Unser Problem der Geburtenregelung in der heutigen Kultur ist also wiederum eher ein Problem der Seele als des Körpers. Die eigene Psyche regiert nicht mehr über den eigenen Körper. Unsere Erziehung in der Schule und durch die Massenmedien ist tendenziös geworden. Der Körper – die Materie – herrscht über den Geist und die Psyche statt umgekehrt. Unsere Kultur hat den Versuch gemacht, das Leben und die Biologie nur anhand der Materie zu erklären. Ist es also verwunderlich, daß die Psyche, die Seele unserer Kultur, dabei Schaden erlitten hat? Die Seele (und der Geist) kann den Körper disziplinieren. Statt dessen herrschen der Leib und seine Lüste – und verderben den Charakter.

Wenn ein Mann oder eine Frau sieht, daß der Ehepartner ihn oder sie so sehr liebhat, daß sie ihn oder er sie schont und ehrt, werden sie sich noch mehr respektieren und lieben. Wenn er sich trotz starker Zuneigung zurückhält, werden sie sich verstehen. Die Bibel empfiehlt uns praktisch die gleiche Maßnahme, die Zurückhaltung, die wir oben empfohlen haben: „Entziehet euch einander nicht, es sei denn etwa nach Übereinkunft eine Zeitlang, um Muße zum Gebet zu haben und (nachher) wieder zusammenzukommen, damit euch nicht der Satan wegen eurer Unenthaltsamkeit versuche“ (1. Kor. 7:5).

Die Idee, daß der Geschlechtstrieb etwas Unwiderstehliches ist, stellt das Resultat jahrelanger Propaganda der Filmindustrie und der Massenmedien dar. Sicher ist das Geschlecht der stärkste Instinkt, den wir besitzen. Doch kann ein Ehepaar übereinkommen, eine Zeitlang auf Verkehr zu verzichten. Was unter Beweis stellt, daß Disziplin und Vernunft möglich sind – auch bei Sex! Sicher kostet es Überwindung, auf ein Wienerschnitzel zu verzichten, besonders wenn man sehr Hunger hat Es ist aber ein Beweis von Charakterstärke, wenn man doch, trotz allem, verzichten kann. Und Verzicht unter solchen Umständen erzeugt beiderseitigen Respekt. Zu bestimmten Zeiten im Zyklus müssen beide Ehepartner sowieso auf Verkehr verzichten, was unter Beweis stellt, daß Sex nicht unwiderstehlich ist.

Das Problem der Überbevölkerung der Erde sollte gerade auf dieser Ebene gelöst werden. Menschen sind (wenigstens theoretisch!) vernunftbegabte Wesen. Man kann sie zu allerlei Lehren erziehen! Obengenannte materialistische Lebensanschauungen haben aber offenbar die meisten Menschen in ihrer Überzeugung bestätigt, daß der Mensch genauso hilflos vor Geschlecht d. h. vor seinem Körper oder der Materie steht wie die Tiere. Wenn nun der Darwinismus und die Evolutionstheorie uns lehren, daß wir nur hochentwickelte Tiere sind (weil wir angeblich von Tieren abstammen), werden wir den Geschlechtstrieb genauso wenig überwinden können wie Hund und Hündin, wenn die Hündin läufig ist. Erziehung und Aufklärung über unser wahres Wesen und unsere wirkliche menschliche Würde im Ebenbild Gottes würde eine etwas konkretere Basis für die Überwindung des großen Problems der Überbevölkerung liefern. Erst dann könnte der Mensch nach menschlicher Würde und Vernunft auf Ebene 2 und 3 handeln, statt das Problem nur auf der Basis seiner tierischen Triebe auf Ebene 1 und der Verhütungstechnik lösen zu wollen.

Innerhalb der oben abgesteckten Grenzen wird das christliche Ehepaar Kinder froh aus Gottes Hand nehmen. Sie sind ein Geschenk Gottes, und selig ist der Mann, der seinen Köcher voll derselben hat (Ps. 127:5). Jedermann muß aber wissen, wie groß sein Köcher ist – und ob er ihn schon voll hat oder nicht. Kinder sind ein großes Geschenk Gottes. Gott hat uns drei Söhne und eine Tochter geschenkt, wofür wir beide von Herzen dankbar sind. Durch unsere Kinder haben wir viel gelernt und überaus großen Segen empfangen. Wenn sie geraten, ist die Freude tief und befriedigend. Diese Freude kennen nur Eltern, die ihre Kinder als Geschenk Gottes lieben, für sie beten und auch opfern.

 

4) Disziplin und heutiger Geist

Unsere Zivilisation hat in letzter Zeit viele Propheten hervorgebracht, die wie Bert Brecht, die absolute Freiheit des Menschen verkündigen, ausschließlich das zu tun, wozu man gerade Lust hat. So überwinden wir angeblich Komplexe. Bert Brecht und seine Freunde lehren, daß wir in dieser Hinsicht absolut keine Rücksicht auf andere zu nehmen brauchen. Die Struktur unserer heutigen Welt ist eben so, daß man nicht „gut“ sein kann, wofür ein etwaiger Schöpfergott die Schuld tragen muß. Er machte die Welt doch so.

Es ist lehrreich zu erfahren, wie solche Propheten der Freiheit, wie Bert Brecht ihre Frauen in der Ehe behandelten, denn ihre intime Ehepraxis gibt eine gewisse Widerspiegelung ihrer Philosophien. So heiratete Brecht seine erste Frau als sie von ihm schon schwanger war (Hochzeit am 3.11.22, Geburt der Tochter am 12. 3. 23. Am 3. 11. 24 wurde noch dazu ein Sohn geboren).

Ehe er heiratete, hatte er von einer anderen Frau ein uneheliches Kind. Am 22. 11. 27 hat er sich von seiner Frau scheiden lassen, nachdem er einige Jahre eine Bekanntschaft mit Helene Weigel gepflegt hatte. Diese Bekanntschaft fing schon vor der Geburt des Sohnes seiner Frau an. Im Jahre 1929 heiratete Brecht Helene Weigel.

In Brechts Werken, besonders in den früheren, findet man eine Verpflichtungslosigkeit anderen Menschen, besonders Frauen gegenüber, die direkt ekelerregend ist: „Aber Anna war oft müde und beneidete jeden, der seine Tage zubringen durfte in Trägheit nicht zu kaufen und stolz, in Zorn geratend über jede Rohheit, hingegeben seinen Trieben, ein Glücklicher, liebend nur den Geliebten und offen nehmend, was immer er braucht“. (Brecht, Marianne Kesting, Rowohlts Monographien, 1959, Seite 73). Marianne Kesting kommentiert: „Diese Verse enthalten das Brechtsche Lebensrecht, das in Baal noch als anarchischer Lebenswille formuliert alle seine Werke als grundsätzliche Forderung an die Gesellschaft durchzieht“.

Brecht und seine Freunde wissen nicht, was eine Verpflichtung mit sich bringt. Der Grundpfeiler jeder menschlichen oder auch tierischen Gesellschaft ist aber und bleibt Selbstdisziplin und die Rücksicht auf die Gesellschaft (nicht nur auf sich selbst). Der gleiche Grundpfeiler besteht in der Organisation der mehrzelligen Organismen, die wir Menschen, Tiere oder Pflanzen nennen. Denn die Zellen, die solche Organismen aufbauen, müssen gewisse Rechte, die sie als Zygote (oder Urzelle) besaßen, stark einschränken, sonst könnte kein Organismus zustande kommen noch existenzfähig sein. Die Zellen meines Herzens oder meiner Haut dürfen ihre ursprüngliche Freiheit als Zygote nicht walten lassen, sonst würde jede Herzzelle und jede Hautzelle sich zu einem total neuen Organismus entwickeln. Denn jede Herzzelle und jede Hautzelle besitzt die genetische Information, um einen ganzen Menschen zu bauen. Nun, ein neuer Mensch in meinem Herzen – oder in meiner Haut – würde weder dem Herzen noch der Haut gut bekommen! Jede differenzierte Zelle muß also auf die Gesellschaft der umliegenden Zellen des Organismus Rücksicht nehmen. Ohne die Rücksichtnahme und den Willen zur Einschränkung der Zellen könnte kein Mensch – auch keine Pflanze und kein Tier – existieren. Dieser Wille zur Selbsteinschränkung der Zellen ist also ein Grundpfeiler der zellularen, biologischen Gesellschaftsordnung.

Keine Gesellschaftsordnung, sei sie menschliche, soziale Gesellschaft oder biologische, zellulare Ordnung kann ohne diesen Grundpfeiler der Selbsteinschränkung lebensfähig sein. Gesellschaft unter Menschen sowie Gesellschaft unter Zellen in mehrzelligen Organismen, kann nicht existieren, wenn jeder Mensch oder jede Zelle gerade das macht, wozu er (oder sie) Lust empfindet Doch verlangt gerade das die Philosophie von Brecht und seinen Freunden. Wenn eine Zelle in einem Organismus beginnt, gerade das zu tun, wozu sie Lust hat, ist damit eine Art Krebs entstanden.

Deshalb ist die „Philosophie“ von Brecht der Inbegriff der Krankheit, die wir Krebs nennen. Jede Zelle vermehrt sich bei Krebs nach Herzenslust und nicht nach den Bedürfnissen des Körpers. Wenn man nicht schnell genug handelt, indem man durch einen chirurgischen Eingriff den Klumpen solcher Zellen (Tumor) gründlich und radikal ausschneidet, muß der ganze Organismus an Krebs zugrunde gehen. Denn Krebs ist, wie Brechts Philosophie des Anarchismus, „ansteckend“. Einzig und allein radikale Chirurgie kann dort helfen. Es kommt sehr selten vor, daß eine solche Krankheit von selbst heilt, indem Krebszellen sich „umbesinnen“ und anfangen, wieder Rücksicht auf ihre Mitzellen zu nehmen. Rücksicht lernen sie nie wieder, nachdem sie einmal krebsartig geworden sind.

Brechts Philosophie, gerade das zu tun, wozu man Lust hat, muß also die Gesellschaft (auch Ehegemeinschaften) zersetzen, die sie hegt. Die einzige sichere Methode, dieser Brechtphilosophie zu begegnen, besteht darin, sie gründlich aufzudecken, wie ein guter Chirurg einen Tumor aufdeckt, und sie dann radikal auszuschneiden.

Es ist erstaunlich, daß in der Bundesrepublik Deutschland Brecht viel mehr gelesen und gelehrt wird, als die alten deutschen Klassiker. Wir hörten von einer Abiturientin, daß ihre Klasse 44 Stunden Brecht Unterricht erhielt Den alten Klassikern wurden insgesamt 4 Stunden gewidmet. In einer solchen Unterrichtsatmosphäre ist es also garnicht verwunderlich, wenn das Lebensrecht ungeborener Kinder nicht mehr respektiert wird. Brechts „Die Maßnahme“ soll dazu dienen, das Lebensrecht selbst Erwachsener zu verunsichern! Bei dieser Lebensanschauung wird selbst das Leben von Meerschweinchen im Labor besser geschützt als das Leben des werdenden Kindes im Mutterleib. Sicher hat das Tier das Recht auf Leben und das Recht, nicht gequält zu werden. Warum aber soll ein werdendes Kind, das in Gottes Ebenbild gestaltet ist, weniger Recht genießen als ein Tier?

Disziplin und Zurückhaltung in der Ehe sind genauso Gebot wie Disziplin und Zurückhaltung in der Gesellschaft und in der Biologie. Unsere modernen Propheten haben aber gerade diese Grundpfeiler alter Gesellschaft entzwei gebrochen. Niemand scheint heute daran zu denken, daß Disziplin in der Ausübung von Sex das Problem der Überbevölkerung lösen würde. Man sucht pharmakologische Lösungen (die Pille), mechanische Lösungen (Pessare, Kondome etc.) und Tötung der durch Disziplinlosigkeit gezeugten Kinder. Die Lösung durch Vernunft und Selbstdisziplin (d. h. durch Menschsein) ist die einzige menschenwürdige Lösung, die aber heute so unmöglich erscheint, daß man sie nicht ernsthaft in Betracht zieht Der Grund, warum sie undurchführbar ist, liegt natürlich in der Tatsache, daß eine große Mehrzahl der Menschen heute ausschließlich auf Ebene 1, d. h. wie die Tiere lebt. Deshalb ist der Mensch ein Spielzeug seiner Triebe geworden. Eine disziplinierte Trinität auf Ebenen 1,2 und 3 kennt er nicht. Die Menschen scheinen im Begriff zu sein, ihre menschliche Spezies als vernunftgesteuerte Wesen ganz zu verlieren. Sie leben dementsprechend auf Ebene 1, wie die lieben Tiere. Nicht nur in bezug auf Sex, sondern auch in bezug auf Wirtschaft und Kriegführung!

 

5) Der Einfluß des Materialismus auf Sexgesinnung

An dieser Stelle müssen wir einen kurzen Zusatz zum Thema Sex und Materialismus hinzufügen. Damit meinen wir natürlich nicht die Art von Materialismus, die man dem bloßen Egoismus gleichsetzen kann. Unter Materialismus verstehen wir hier die Philosophie, die bewußt die Überzeugung vertritt, daß Materie die einzige Realität ist, die existiert. Begriffe wie „Seele“ oder „Geist“ gibt es nach dieser Philosophie nicht. Sie sind nur ein Niederschlag physiologischer, körperlicher Funktionen, also Funktionen von Materie. Diese materialistische Einstellung ist natürlich heute, wissenschaftlich gesehen, absolut untragbar. Moderne Physiker – und auch einige Biologen – sind davon überzeugt, daß Materialismus dieser Art passé ist. Aber die Folgen eines materialistischen Glaubens besonders auf Sex interessieren uns, weil heutzutage eine große Mehrheit der Menschen in unseren Schulen und Universitäten immer noch zu Materialisten erzogen wird.

Ein Hauptpfeiler des Kommunismus ist ja der dialektische Materialismus. Über den dialektischen Teil des Materialismus brauchen wir hier keine Zeit zu verlieren, denn Dialektik findet sich überall in der Natur. Aber der Materialismus an sich stellt ein ganz anderes Problem dar. Was für Auswirkungen dürfte man bezüglich Sex erwarten als Ergebnis des heute vorherrschenden Materialismus? Erstens glaubt der überzeugte Materialist, daß Materie die einzige Realität darstellt. Seele und Geist existieren als Entitäten für ihn nicht. Infolge dieser Tatsache wird er, wenn er konsequent ist, auf Ebene 1 allein seinen Sex praktizieren. Andere Ebenen kennt er nicht. Wenn man ein Beispiel für diese Sachlage sucht, lese man das Werk von Bert Brecht „Baal. Der böse Baal der Asoziale“. Hier blüht Ebene 1 von Sex in all ihrer widerlichen Einseitigkeit. Die Reaktion eines jeden sauber denkenden Menschen darauf, der seine „Spezies“ bewahren will, muß die „Nux vomica“ – (Brechnuß) Reaktion sein und nichts anderes! Brecht und seine Sex-Philosophie ist natürlich eine direkte Folge seines Materialismus und seines Atheismus.

 

 

Kapitel 4

Das Verhältnis des jungen Christen zu ungläubigen Eltern und Verwandten

 

1) Einige prinzipielle Fragen

Viele junge Menschen aus der nichtchristlichen Welt werden heute durch gesegneten missionarischen Einsatz in Radio, Freizeiten und durch Evangelisation für Christus gewonnen. Diese gute Arbeit bringt aber für die jungen Menschen Komplikationen, die von anderen Gläubigen aus christlichen Familien oft gar nicht verstanden werden. Denn die Mehrzahl der Eltern und Verwandten dieser frisch aus der nichtchristlichen Welt gewonnenen Jugend stehen dem Evangelium gegenüber fern. Vielfach haben solche Eltern und Verwandte gar keinen Sinn für das neue Leben ihrer Kinder und legen ihnen deshalb alle möglichen und unmöglichen „Steine“ in den Weg.

Wie soll sich nun die neu gläubig gewordene Jugend in dieser schwierigen familiären Lage verhalten? Die Bibel gibt uns Richtlinien für das Verhalten von Jugend, die von ihren Eltern und ihrer Familie nicht verstanden wird. Der Herr Jesus stand gerade in der Pubertät – er war ca. 12 Jahre alt. In einem heißen Klima werden Kinder früher reif als bei uns im Norden. Es wird uns ausdrücklich berichtet, daß seine Eltern ihn nicht verstanden. Er hatte in Jerusalem Arbeit zu tun, wofür die Eltern kein Verständnis hatten. (Lukas 2:49). Obwohl Maria seine Handlungsweise garnicht verstand, bewegte sie alle seine Worte in ihrem Herzen. Erst nach der Auferstehung von den Toten glaubten Maria und ihre Familie an ihn. Vorher zeigten seine Geschwister nur Unverstand ihrem Bruder gegenüber (Mark. 3:21, Joh. 7:5). Es wird erwähnt, daß sie erst später seine Jünger wurden (Matth. 13:55, Mark. 6:3, Apg. 12:7, 15:13, 21:18, 1. Kor. 15:7, Gal. 1:19,2:9,12, Jak. 1.1.) Der Herr Jesus wurde also von seiner Familie nicht verstanden, obwohl er immer ein Vorbild war. Wir sind oft keine so guten Vorbilder, so daß wir im Gegensatz zu Jesus Christus deshalb auf berechtigten Widerstand in der Familie stoßen.

In der Familie kennt jedes Familienmitglied das andere ganz genau. Dort gibt es wenig wirkliche Geheimnisse. Alle Schwächen, Unzulänglichkeiten, Untugenden und auch Tugenden sind innerhalb einer Familie offenbar und bekannt. Unsere eigenen Geschwister würden wohl kaum auf den Gedanken kommen, uns für „Heilige“ zu halten! Sie kennen uns zu gut! Eine Mutter kennt die Schwächen ihres Kindes durch und durch – auch wenn sie ihren Sohn oder ihre Tochter schützt. Bezeichnend ist es also, daß die Mutter vom Herrn Jesus, Maria, erst nach seiner Auferstehung von den Toten seine Jüngerin wurde. Das gleiche gilt auch für seine Brüder Jakobus, Joseph, Simon und Judas. Maria als Frau wußte ganz genau, daß Joseph nicht der Vater ihres ersten Sohnes war. Sie wußte auch, daß kein anderer Mann mit ihr vorehelichen Verkehr gehabt hatte. Sie wußte, daß sie vollkommen keusch gewesen war, und sagte das sogar dem Engel (Matth. 1:20,25, Lukas 1:34). Einen Engel lügt man nicht an! Folglich wußte sie, daß kein Mensch Vater ihres Kindes war. Maria glaubte auch an das Wort des Engels zu ihr – daß der Heilige Geist „Vater“ des Herrn Jesus war. Sie war die einzige menschliche Person (außer Jesus selber), die auf diesem Gebiet genau Bescheid wußte. Wenn sie gewußt hätte, daß der Ausspruch des Engels nicht stimmte, und sie ihm nichts gesagt hätte, wäre sie eine unvorstellbare Heuchlerin gewesen, als sie später Jüngerin ihres eigenen Sohnes wurde. Diese Tatsache war ein Bekenntnis, daß Jesus, ihr Sohn, Sohn Gottes und nicht Sohn Josephs war!

Maria kannte auch die Aussprüche ihres Sohnes bezüglich seiner eigenen Person und Abstammung. Er nannte sich Gottes Sohn und sagte, daß er existierte, ehe Abraham war (Joh. 8:58). Er sprach von der Herrlichkeit, die er beim Vater hatte, ehe der Grund der Welt überhaupt gelegt wurde (Joh. 17:5). Er sagte, wer ihn sähe, der habe den Vater gesehen (Joh. 14:9). Es gibt eine Fülle von anderen Aussprüchen, die in die gleiche Richtung deuten, nämlich, daß Jesus wußte und sagte, er sei in der Tat Gottes Sohn und deshalb an der Gottheit selbst teilhaftig. Über das spätere Leben von Joseph, dem Vater der Geschwister Jesu, hören wir wenig. Joseph wußte auch, daß er nicht der leibliche Vater des Herrn Jesus war. Er wollte sich von Maria trennen, als er entdeckte, daß sie schwanger war. Maria sagte dem Engel ganz ausdrücklich, daß sie mit keinem Mann irgendwelchen Verkehr gehabt hatte (Luk. 1:34). Wahrscheinlich starb Joseph früh, so daß der Herr Jesus früh die Versorgung der Familie übernehmen mußte. Als ältester Sohn arbeitete er dann als Zimmermann (oder vielleicht als Baumeister).

Diese Familienverhältnisse Jesu Christi bieten uns ein gutes Bild seiner Jugend. In einer kinderreichen, später vaterlosen Familie war er der Älteste. Familiennöte kannte er! Seine frommen Eltern verstanden seine Aufgabe nicht. Trotz dieses Mangels an Verständnis blieb der Herr Jesus seinen Eltern untertan. (Luk. 2:51). Gerade im schwierigsten Alter in und nach der Pubertät gehorchte der Herr seinen Eltern. Er war ca. 12 Jahre alt, als er bei den Ältesten in Jerusalem zurückblieb, um Fragen zu stellen und zu beantworten. Von der Lebensperiode zwischen Pubertät und seinem Hervortreten vor dem Volk mit ca. 30 Jahren hören wir nur das eine Wort über ihn: er war seinen Eltern unter-
tan!

Obwohl wir wissen, daß Maria ihn nicht immer verstand, war er ihr untertan! Von diesen Begebenheiten seiner Jugend können wir mancherlei lernen. Es war sicher Gott wohlgefällig, daß der Herr Jesus seinen Eltern untertan war. Denn Jesus tat immer das Gott-Wohlgefällige. So wird es auch heute Gott wohlgefallen, wenn gläubige Jugend ihren Eltern untertan ist… selbst wenn die Eltern sie nicht immer verstehen. Jesus ging diesen Weg auch. Das bedeutet nicht, daß der Herr Jesus so gehorsam war, daß er auf Geheiß seiner Eltern gesündigt hätte. Er lebte nach klaren Richtlinien, indem er Menschen gab, was Menschen gehörte, und Gott, was Gott gehörte. Sicher trug Jesu Art und Lebensweise in seiner Familie dazu bei, daß seine Mutter und seine Geschwister später zum Glauben fanden. Denn sie erkannten an Jesu Gehorsam in der Familie die Erfüllung des Gesetzes Gottes. Aus Liebe zu Jesus werden Kinder Vater und Mutter auch ehren wollen – auch wenn letztere noch ungläubig und vielleicht schwierig sind. Eltern sind Eltern, ob gläubig oder ungläubig, und verdienen als solche Ehre, auch wenn sie schwierig sind. Wie soll sich nun praktisch z.B. ein junges gläubiges Mädchen verhalten, wenn sie in die Bibelstunde oder in den Gottesdienst gehen möchte und ihre Eltern es ihr nicht erlauben? Im allgemeinen soll sie ihnen gehorchen, das ist klar. Andererseits lehrt uns die Bibel, daß wir unsere Versammlung unter Gottes Wort nicht vernachlässigen dürfen. (Hebr. 10:25).

Nach der Bibel sollte sie also gehen. Die Frage ist aber: Wie? Trotzig jähzornig und eigenwillig soll sie ihren Willen nicht durchsetzen. Auch ein Christ kann sich auf völlig ungerechte, ungottselige Art und Weise durchsetzen. Dabei nimmt man den Eigenwillen als Deckmantel für Gottes Willen. Es kann sein, daß die Eltern der Überzeugung sind, daß ihre Tochter unter der Jugend nicht immer unter genügender Aufsicht steht, oder daß sie dort keinen passenden Mann bekommt! Durch Gebet und Vorbild kann sich manches Elternherz mit der Zeit ändern. Die Lage ist natürlich anders, wenn die Eltern direkte Antichristen sind. Solange die Tochter von den Eltern finanziell abhängig ist und unter ihrem Dach wohnt, soll sie so weit wie nur möglich gehorchen, um den Eltern ein Vorbild zu sein. Wenn sie unter Gebet mit den Eltern so umgeht, kann Gott auch in solchen Fällen Wunder tun. Diese Situationen sind Glaubensproben für junge Menschen und sollen auch Gegenstand des Gebets in der Gemeinde sein.

Natürlich gibt es klare Fälle, wo es besser ist, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen (Apg. 5:9). Doch bleibt die allgemeine Regel, daß man den Eltern untertan sein soll. Feste Regeln können in solchen Lagen gefährlich sein. Solange man einen biblischen Standpunkt in der Liebe vertritt, wird man nicht entgleisen, auch wenn man Fehler begeht. Im allgemeinen forderten die Apostel die Jünger immer wieder auf, der Behörde gehorsam zu leisten (Titus 3:1, Eph. 6:1 [Eltern] Kol. 3:20-22 [Eltern und Diener], 1. Petr. 3:6 [Eheleute]). Doch als die Behörde den Aposteln die Verkündigung des Evangeliums verbieten wollte, da zeigten die Apostel sofort einen klaren, endgültigen Standpunkt. Sie gehorchten nicht und gaben der Behörde auf der Stelle zu verstehen, sie hätten nicht die geringste Absicht zu gehorchen: „Man muß Gott mehr gehorchen als dem Menschen“ (Apg. 5:29). Die Grundhaltung gläubiger Kinder gläubigen und ungläubigen Eltern gegenüber ist: Gehorsam – bis zu einem gewissen Punkt. Dieser Punkt ist oft schwer genau zu definieren. Doch wenn ein Kind zu klarer Sünde gegen Gott und sein Wort aufgefordert wird, dann muß es seine endgültige Wahl gegen den Gehorsam treffen. Der betreffende Punkt muß sehr klar sein, die Aufforderung zur Sünde muß sehr eindeutig sein, ehe man das Gebot des allgemeinen Gehorsams und der Liebe Eltern gegenüber verlässt.

 

2) Einige rein praktische Angelegenheiten

Ungläubige Eltern fühlen sich durch das „Anpredigen“ (lies „Zeugnisablegen“) seitens ihrer frisch zum Glauben gekommenen Kinder oft stark abgestoßen. Sicher spielt in bestimmten Fällen ein schlechtes Gewissen eine Rolle. Aber man muß solche Eltern auch richtig verstehen. Sie sind erfahrener als ihre Kinder und meinen, daß deren neugefundener Glaube mit Unerfahrenheit, ja mit Naivität zusammenhängt. Da müssen die Kinder die Reife der Eltern anerkennen und ihnen Verständnis entgegenbringen.

Kaum sind Sohn oder Tochter zum Glauben an Christus gekommen, da fangen sie an, Eltern und Verwandte zu belehren! Diejenigen, die in den Augen der Eltern und Verwandten kaum aus der Wiege hervorgekrabbelt sind, fangen mutig an, über die tiefsten, ja über die letzten Fragen Vorträge zu halten! Es ist für ältere Menschen überhaupt schwierig, neue Erkenntnisse, besonders von jüngeren Menschen anzunehmen, ganz besonders von den eigenen Kindern! Sogar ältere Professoren können es oft schwerlich vertragen, wenn jüngere Kollegen das Vorlesungspult besteigen! Gerade diese Schwierigkeit verstärkt sich, wenn Buben oder Mädchen von 15-20 Jahren plötzlich anfangen, ihren Eltern Vorlesungen zu halten! Ihre Kinder, die nach ihrer Meinung kaum trocken sind, wollen den weißen Stein des Philosophen gefunden haben! Dazu kennen die Eltern alle Schwächen und Mängel ihrer Kinder – auch wenn sie sie liebhaben! Nun, ob die ungläubigen Eltern dem Zeugnis ihrer Kinder Glauben schenken oder nicht, wird davon abhängig sein, wie die Kinder nachher, nach ihrer Bekehrung, zu Hause in der Familie leben und sich benehmen. Wenn die Kinder wirklich nach ihrer Bekehrung verträglicher, netter, ordentlicher und rücksichtsvoller zu Hause geworden sind, dann werden die Eltern auf den neuen Glauben der Kinder eher hören.

Durch den Einfluss der angelsächsischen Länder ist es in einigen Teilen Europas Mode geworden, daß junge Menschen, die frisch zum Glauben gekommen sind, in Massenveranstaltungen Zeugnis davon ablegen. Das ist zu begrüßen und ist durchaus biblisch. Doch sollten sich solche Zeugnisse nicht so anhören, als ob mit dem Betreffenden die Weisheit sterben wird! Zeugnisablegen ist richtig, doch sollten alle Worte des Zeugnisses wahr sein und durch Taten im Lebenswandel bestätigt werden. Es ist vielleicht gut, wenn man sich zu Hause zuerst eine Zeitlang bewährt, ehe das öffentliche Zeugnis erfolgt.

Wenn der junge Sohn des Hauses, der Christ geworden ist, seine gleichgesinnte Auserwählte den ungläubigen Eltern vorstellt, muß man folgendes bedenken: Alle Eltern schauen sich die zukünftigen Schwiegerkinder kritisch an, besonders wenn die Kinder bewusste Christen sind und sie nicht. In einem solchen Fall darf die angehende Schwiegertochter nicht gleich eine Predigt halten. Es ist besser, der Schwiegermutter praktisch an die Hand zu gehen und ihr, wo sie nur kann, im Haushalt zu helfen und zu dienen. Wenn die Schwiegereltern offen sind, kann sie bezeugen, was sie glaubt. Eltern im allgemeinen brauchen keine Predigten. Sie müssen meist ohne Worte gewonnen werden.

Das gleiche gilt natürlich für den angehenden Schwiegersohn bei seinen noch nicht gläubigen künftigen Schwiegereltern. Die wichtigste Parole bleibt: nur keine großen, lehrhaften Worte fallen lassen! Ich weiß, man soll Farbe bekennen! Die Fahne muß gehißt werden! Doch kann man dies am effektivsten zuerst durch Taten und Wesen ausrichten. Erst wenn man durch Taten und Gesinnung die künftigen Schwiegereltern auf rein menschlicher Ebene gewonnen hat, darf man die Hintergründe dieser Gesinnung verraten. Es ist gut, Zeugnis abzulegen. Aber es ist nicht gut, falsches Zeugnis abzulegen! Und gerade das tut man, wenn man mit hohen Worten ein Zeugnis ablegt, das nicht waschecht ist.

In all diesen Problemen können wir uns die Weisheit Salomons schenken lassen: „Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit“ (Pred. 3:7). Nach meiner Beobachtung kann ein junges Mädchen durch ihre Gesinnung und tatkräftige Hilfsbereitschaft die Herzen der Schwiegereltern für das gesprochene Wort öffnen. Ihr freundliches, heiteres, echtes, liebes Wesen überwindet, so daß die Eltern ins Fragen kommen. Dann erst ist es an der Zeit, mit dem Wort zu beginnen. Die Bibel lehrt obige Art von Priorität sehr direkt: „Gleicherweise, ihr Frauen, seid untertan (untergeordnet) euren Männern, damit, wenn etliche dem Wort nicht gehorsam sind, sie durch den Wandel ohne Wort gewonnen werden, wenn sie euren Wandel in Scheu und Zucht beobachten.“ (1. Petr. 3:1).

 

3) Mode, Lebensstandard, Vergnügungen und Gesetzlichkeit

Obwohl viele Menschen großen Wert auf Kleider, Mode, Lebensstandard, Autos, Fußball, Fernsehen etc. legen, empfinden sie den Hang zu solchen Äußerlichkeiten beim Christen oft als abstoßend und inkonsequent. Im allgemeinen sind bei Nichtchristen Eitelkeit, teure Kleider und Schmuck, viel Geldausgeben für den Friseur (nebst viel Zeitverlust) durchaus selbstverständlich. Eine junge Christin, die ständig im Friseursalon sitzt, sich wie Jesebel schminkt, ständig neue Pelzmäntel trägt und hohe Rechnungen für Hotels und Restaurants verursacht, deren Lebenswandel wird mit Recht als unchristlich betrachtet Die Welt erlaubt sich selbst eine solche Lebensweise, – nicht aber dem konsequenten Christen!

Es gibt selbstverständlich nichtchristliche Ehepaare, die in jeder Hinsicht vorbildlich sind, gesunde Ansichten vertreten und nicht verschwenderisch leben. Solche muß man loben wo man nur kann. Es hat absolut keinen Sinn, Ehepaaren mit einer derart guten Gesinnung auf diesem Gebiet darauf hin anzupredigen, daß gute Werke dieser Art sie nicht zu Christen machen. Der Ansatzpunkt zu einem wirklichen Gespräch liegt eher bei der Gewinnung ihrer Liebe, ihres Respektes und ihres Vertrauens, indem man zugibt, daß ihre Sparsamkeit und gesunde Vernunft im biblischen Sinn liegt. Man soll unter keinen Umständen alle „guten“ Werke verdammen, die sie tun, nur weil sie nicht gläubig sind.

Das Neue Testament bestätigt die Gedanken über Äußerlichkeiten, denn der Apostel Petrus, ein verheirateter Mann, schreibt: „Euer Anliegen sei nicht der äußere Schmuck durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Gewändern, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Wesen des sanftmütigen und stillen Geistes! Das ist köstlich vor Gott“ (1. Petr. 3,3-4).

Der Sinn der Arbeit liegt darin, die Familie zu ernähren, zu erziehen und zu bilden. Es sollte aber auch regelmäßig etwas für Reichsgottesarbeit und die Armen zurückgelegt werden: „… sondern (man) mühe sich vielmehr und schaffe mit seinen Händen, was gut ist, damit (man) dem Bedürftigen etwas zu geben habe.“ (Eph. 4:28). Eine verschwenderische, anspruchsvolle Lebensweise wirkt dem Prinzip des Arbeitens, um leben und geben zu können, entgegen und ist somit unbiblisch. Darüber hinaus stört eine solche Lebensweise die Empfindungen vieler vernünftiger Menschen, die Nicht-Christen sind.  . . .

Aus diesem Grund ist allgemeine Sparsamkeit zu empfehlen. Der Herr Jesus, selbst als er das große Wunder der Speisung der Fünftausend vollbrachte, ließ die Überreste nicht umkommen, sondern sammeln. Nun, nach einem solchen Wunder könnte man sich wohl fragen, ob solche Sparsamkeit wirklich nötig war. Jesus hätte doch mit einem Wort genug Brot und Fische leicht herbeigeschafft, um noch einmal Fünftausend Menschen satt zu bekommen! Warum hat er auf die Überreste Wert gelegt?

Die Antwort ist nicht weit zu suchen. Das Wunder der Speisung geschah mit Hilfe seines schöpferischen Logoswortes, womit er nie verschwenderisch umgeht. Sicher ging er großzügig damit um, aber nie verschwenderisch. Denn eine Verschwendung der heiligen, schöpferischen Kraft Gottes wäre undenkbar. Lieber als die Frucht dieser Kraft des Wortes, des Logos, zu verschwenden, ließ der Herr Jesus, unser Heiland und Vorbild, die Abfallkörbe herumschicken, um alles, was übrig war, aufzulesen. Das Wort darf nie verschwendet werden.

Vor einigen Jahren war unsere ganze Familie bei einer englischen Familie zu Gast, die ein großes Gut und eine große Familie besaß. Natürlich griffen wir alle bei der Küchenarbeit tüchtig zu, denn wir waren eine zusätzliche Belastung von sechs Personen. Da wollten wir nicht einfach genießen, sondern auch helfen. Wenn man in der Küche hilft, kann man es leider nicht vermeiden, daß man sieht, wie es in der Küche zugeht! Jeden morgen befanden sich im Mülleimer tadellose fertige Spiegeleier, Stücke Schinken, Toast etc. Man hatte sie weggeworfen, weil jemand keinen Appetit darauf hatte. Das Eigelb war zu hell oder die Kinder hatten ihren Frühstückswunsch geändert. Ganz frische Brote, Toast in Mengen, nebst schön gebratenem Speck verschwanden ohne Aufschub in den genannten Mülleimer – genug um eine zusätzliche Familie reichlich zu ernähren. Nicht einmal die Schweine bekamen die Leckerbissen, denn es kostete zu viel Mühe, das Eßbare von den leeren Konservenbüchsen getrennt zu halten.

Noch etwas schockierte unsere Kinder sehr. Die Kinder der Gastgeberfamilie betrachteten solche Verschwendung als „Statussymbol“. Dadurch wurde bewiesen, daß sie reicher waren als andere Menschen, die sparen müssen. Sie sagten das auch, als wir einmal zu zeigen versuchten, daß es nicht nötig ist, die Hälfte einer Kartoffel beim Schälen wegzuwerfen, sondern sie dünn zu schälen. Wir wurden einfach ausgelacht.

Dazu kam noch die traurige Tatsache, daß die Familie tief in Schulden steckte, so daß sie bald darauf das ganze schöne Gut verkaufen mußte.

Die gleiche Art der Verschwendung haben wir vielerorts in den USA beobachtet. In den sieben Jahren, die wir dort verbrachten, hat uns diese Wegwerfgesinnung mit am meisten gestört. Ungeöffnete oder frisch geöffnete Konservenbüchsen, ganze Brote und bebutterte Brotschnitten mit Fleischbelag darauf findet man vor jedem Würstchenstand. Die jetzige wirtschaftliche Krise ist sicher zum Teil eine Folge ähnlicher unchristlicher Verschwendung und Mißbrauch der Rohstoffe und Ernährungsstoffe unserer Welt… besonders in der Vergangenheit. Rohmaterialien sind rar geworden, sodaß auch die wohlhabenden Nationen von jetzt an sparen müssen. Wie gut ist es also, wenn ein Ehepaar christliche Sparsamkeit den Kindern von frühester Jugend an in der Familie vorlebt.

Wie kann ein Jünger Jesu, mit einem solchen Vorbild des Herrn vor sich, mit dieser verschwenderischen Welt mitvergeuden? Der Jünger Jesu muß deshalb die Produkte und die Rohmaterialien der Schöpfung Gottes auch sparsam und verantwortlich handhaben. Unser kostbarstes Rohmaterial ist natürlich unsere persönliche Zeit! – Nicht vergeuden! Heute werden auch Weltmenschen eine solche Gesinnung zu schätzen wissen! Und was man spart, kann gleich für das Reich Gottes verwendet werden. Hier müssen viele gläubige Menschen gründlich und anders als bisher denken lernen. Wir gehen anderen Zeiten entgegen! Unsere Verschwendung in der Vergangenheit rächt sich – wie alles sich mit der Zeit rächt, was nicht biblisch ist

 

4) Schlusswort

Noch ein letztes Wort zu obigem Gesamtthema! Es soll niemand meinen, daß obige Anschauungen gesetzlich und kleinlich sind. Man kann sie zwar so auslegen, wenn man es will. Folgende Geschichte dient zum Beweis, daß man nicht gesetzlich sein darf. Wir kennen eine christliche Organisation, die unter den NATO Streitkräften missionarisch tätig ist. Von dieser Organisation sagte uns einmal ein NATO-General, daß sie die zuverlässigsten, fleißigsten und auch wertvollsten Menschen unter seinem Kommando erfasse. Wir wissen, daß sie nebenbei zu den fleißigsten Betern und Bibellesern gehören. Man findet überall unter den NATO-Streitkräften Soldaten und Offiziere, die sie zum Glauben an den Herrn Jesus geführt haben.

Wie tun solche Menschen ihre Reichsgottesarbeit? Sie holen ihre Kameraden, geistig gesehen, dort ab, wo sie sind und nicht dort, wo sie sie haben möchten! Wie meinen wir das? Sie gehen mit den Männern, für die sie beten, mit zum Fußball, gehen mit zum Autorennen (der Nürburgring kommt in ihren Glaubensgeschichten oft vor!). Sie spielen Baseball oder Fußball mit ihren ungläubigen Kollegen. Sie sind auch bereit, einen Kollegen zu einem guten Film zu begleiten, oder einen Fußballmatch im Fernsehen anzuschauen. Alle diese Tätigkeiten üben diese Menschen mit nur einem Ziel aus: Nicht-Christen in ihrem Interessenkreis zu begegnen und abzuholen. Sie vergnügen sich nicht selbstsüchtig mit diesen Dingen, sondern gebrauchen sie strikt als Dienst. Sonst sind sie sehr sparsam mit Zeit und Geld für ein eigenes Vergnügen. Sie beten und lesen viel und versuchen, bei ihrer beruflichen Arbeit ein Vorbild zu sein. Sie sind eifrig im Studium der Bibel und lernen ganze Kapitel auswendig, so daß sie Gottes Wort immer frisch zur Hand haben.

 

Kapitel 5

 

Die Wahl eines Ehepartners

 

Zu der Wahl eines Ehepartners oder einer Ehepartnerin gehört natürlich die Notwendigkeit einer sozialen, gesellschaftlichen Begegnung der beiden Geschlechter. Irgendwie muß man sich doch kennen lernen, ehe man an eine Wahl denken kann! Das Problem ist also das des sich gegenseitigen Kennenlernens!

 

1) Äußere Umstände

Wenn der junge Mann (oder das junge Mädchen) gläubige – und auch verständige – Eltern hat, wird das Problem des Kennenlernens erheblich erleichtert. Haben beide Geschlechter eine lebendige christliche Gemeinde hinter sich, ist das Begegnen auf sozialer Ebene auch weniger schwierig. Eltern und auch leitende Glieder einer Gemeinde (Männer sowie Frauen) müssen absolut diskret sein! Dazu gehört viel Weisheit seitens der Eltern oder Gemeindeglieder. Aber die jungen Männer und die jungen Mädchen müssen auch taktvoll und verständig sein!

Viele junge Leute lassen sich auf dem Gebiet von Geschlecht und der Wahl eines Ehepartners gar nichts sagen, was sehr unklug ist. Intelligenz wird als die Fähigkeit, von der Erfahrung (anderer) zu profitieren, definiert. Um auf dem Gebiet einer Ehewahl intelligent zu sein, müßte man von der Erfahrung anderer profitieren! Wer sich auf diesem Gebiet gar nichts sagen läßt, muß per definitionem unintelligent sein! Gefühle spielen natürlich eine starke Rolle in der Frage der Partnerwahl, doch sollen Weisheit und Verstand eine ebenso große Rolle einnehmen.

Allgemein herrscht in der heutigen Kultur die Ansicht, das Verliebtsein überfalle einen wie eine Grippe. Man kann eben nichts dagegen tun, man ist mehr oder weniger passiv dabei. Die Überzeugung stammt teilweise von Hollywood und den heutigen Illustrierten und wird fleißig propagiert.

Sicher ist das Verliebtsein eine starke Emotion. Es braucht einen aber nicht vollkommen passiv wie eine Grippe zu überfallen. Selbst einer Grippe gegenüber kann man viel tun durch Vernunft. Man kann durch ein gesundes Leben (richtige Kost, frische Luft, Vermeiden von Übermüdung und infizierten Menschen) vielen unnötigen Grippen entgehen. So kann ein Christ mit Hilfe seiner Vernunft auch beim Verliebtsein vieles tun, das ihn „vielen unnötigen und bösen Grippen“ des Verliebtseins entgehen läßt, indem er die richtigen Ideale eines Partners gemäß der Bibel seinem Herzen einprägt, die richtigen jugendlichen Kreise aufsucht und die Plätze der Sünde meidet. Wenn nun die Vernunft bei meiner Liebeswahl aktiv mittätig ist, dann darf ich mich auf das stärkste verlieben. Dieses Verliebtsein ist unwiderstehlich und soll das auch sein. Die Erziehung von frühester Jugend auf durch eine weise, liebende, intelligente Mutter kann die maßgebliche Rolle der Vernunft in Liebesangelegenheiten bedingen.

Es gibt viele schöne junge Mädchen, die einen Mann geschlechtlich anziehen – also auf der körperlichen Ebene. Ein schöner stark entwickelter Körper bedeutet aber lange noch nicht, daß die dazugehörige Seele und der Geist auch schön und edel sind. Da kann man sich unendlich täuschen und für immer todunglücklich werden. Was nützt ein schönes Äußeres, wenn nicht selbstlose Liebe, Wahrhaftigkeit, Opferbereitschaft, Selbstdisziplin, gemeinsame Interessen und Ziele, etwa gleiches Intelligenzniveau, Ausgeglichenheit, Fleiß, Höflichkeit, ein dankbarer Geist, ein Herz für die Not anderer und Liebe zu Gottes Wort da sind? Denn diese Faktoren bestimmen das nahe Zusammenleben über die Jahre viel mehr als ein schönes Aussehen.  . . .

Wie in der Geschichte der Gemeinde Jesu immer der Fall gewesen ist, soll die christliche Familie und die christliche Gemeinde ein wahres Zentrum auch von Bildung im besten Sinn des Wortes werden. Junge Männer und junge Mädchen, die in solchen Kreisen verkehren, erhalten einen ganz anderen Einblick in das Wesen des christlichen Familienlebens als Menschen, die nur ab und zu zu großen Massenevangelisationen gehen. Wenn sie diese Art Familienleben vor der Ehe kennen lernen, werden sie bewußt oder unbewußt sich einen Lebenspartner aussuchen, der die gleichen Vorstellungen über christliches Familienleben hegt. Beide angehenden Partner sehen die Freuden aber auch die Mühen eines solchen Lebens. Sie wissen, was es für die Hausmutter bedeutet, wenn unerwartete Gäste plötzlich ohne Anmeldung (selbstverständlich nicht durch eigene Schuld, denn der rücksichtsvolle gebildete Christ meldet sich an und ab und ist der Hausordnung gegenüber feinfühlend) auftauchen. Bei solchen Überraschungen gehen Jungen und Mädchen der Hausmutter zur Hand und helfen ihr, wo sie nur können.

Wo findet man also eine bessere Vorbereitung in ein Leben des Dienstes Gottes und des Menschen als in einer solchen christlichen Familie, die als Prinzip Gastfreiheit walten läßt. Besonders die Mutter gestaltet die ganze Atmosphäre in einer Familie und von ihrer Freude und Opferbereitschaft hängt alles ab. Weh dem jungen Mann, der eine eitle, anspruchsvolle, egoistische Frau heiratet, die an nichts anderes denkt als an ihre eigenen Ansprüche, Friseur, Kleider und eigene Ruhe und Schönheit! Und wehe dem Mädchen, das einen Mann heiratet, der nur an sich selbst und seine Ansprüche, Stand und Rechte denkt! Wenn beide Partner dem Herrn Jesus so hingegeben sind, wie der Herr Jesus uns hingegeben war, dann erst kann man eine Familie gründen, die ein Stück Paradies auf Erden ist – auch wenn es mancherlei Mühen und Arbeit zur gleichen Zeit gibt.  . . .

Im Büro kann sich ein Mädchen jahrelang verstellen. Ihr gelingt das zu Hause weniger leicht. Ein gastfreies Haus bringt zwar mehr Arbeit und Mühe für Vater und Mutter mit sich. Die Jungen und Mädchen können jedoch durch solche plötzlich auftauchenden Notlagen in der Familie lernen, wie man erfinderisch wird, besonders wenn die unangemeldeten Gäste auftauchen. Die Notlagen sind eine Gelegenheit mehr, die Praxis christlicher Liebe, Disziplin und christlichen Fleißes an den Tag treten zu lassen. Gerade die Ausübung dieser Eigenschaften trägt zu ehelichem und familiärem Glück bei.

2) Christliche Veranstaltungen

Hat ein junger Mann oder ein junges Mädchen sich direkt aus der „Welt“ heraus zu Christus bekehrt und keine gläubigen Eltern, die ein gastfreies christliches Haus führen, dann kann für die jungen Leute die gesellschaftliche Situation erschwert sein. Solche Eltern werden es wahrscheinlich nicht erlauben, daß sich ihre gläubige Jugend zu Hause trifft. Da muß die Jugend nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten.

Gerade aus diesem Grund sind christliche Veranstaltungen wie Sommer- oder Winterlager sehr wichtig. Sie bringen Familien und junge Leute auf ganz natürlicher Ebene ungezwungen zusammen. Skilager mit Bibelarbeit abends und Kurzbibelschulen, an denen intensive Bibelarbeit auf familiärer Basis getrieben wird, fallen in die gleiche Kategorie. Sie sind oft Meilensteine im Leben junger – und auch älterer – Christen. Zur gleichen Zeit bieten sie gesunde Erholung und wenn sie im Ausland stattfinden, erweitern sie den Erfahrungshorizont der Teilnehmer. Wenn nun der junge Mann oder das junge Mädchen, das keine christliche Familie hinter sich hat und deshalb kein christliches Familienleben kennt, an einem solchen Lager teilnimmt, kann er oder sie christliche Familien auf diese Weise von „innen“ kennen lernen. Dies kann zum Anschluß an eine Familie in der Heimatstadt fuhren, die seine eigene Familie, die nicht gläubig ist, ein wenig ersetzt. Eine lebendige Gemeinde mitten in der Stadt bietet natürlich eine große Möglichkeit, andere christliche Jugend kennen zu lernen, und zwar in einem bewußt christlichen Milieu. Diese Art sich kennen zu lernen, ist besonders günstig, wenn die Gemeinde wirklich wie eine Familie im neutestamentlichen Sinn und nicht wie ein Verein zusammenkommt. Junge Menschen, die sich direkt aus der „Welt“ zu Christus bekehren, finden in solchen Gemeinden eine Heimat und zur gleichen Zeit eine christliche Familie, in der sie wie ein eigenes Kind verkehren können. Wie richtig ist es doch, daß die christlichen Gemeinden sich wirklich auf der Basis einer neutestamentlichen Familie treffen!

Man denke an die Berichte über die Lebensweise der Gläubigen in der Apostelgeschichte, wo die Christen sich gegenseitig hin und her in den Häusern und den Familien trafen, um dort am gemeinsamen Tisch das Brot zu brechen (Apg. 2.46). Im Haus, in der Familie hielten sie ihre Gebetsgemeinschaften, legten die Bibel aus und praktizierten christliche Gemeinschaft. Sobald jemand gläubig wurde, wurde er oder sie in diesem familiären Kreis aufgenommen.

Auf diese Weise werden alle drei Ebenen (Geist, Seele und Leib) des Menschen gepflegt und gestärkt. Besonders wichtig ist es in einer Gemeinde, für junge Menschen aus weltlichen Verhältnissen so zu sorgen. Denn was sie in einem solchen Milieu lernen, wird später in ihren eigenen christlichen Familien, wenn sie heiraten, weitervererbt Diese gemeindliche und familiäre Praxis ist auch die Basis von vielen Erweckungsgegenden in Deutschland und Europa. Gruppen von christlichen Familien leben so, wie wir es oben geschildert haben. Eben diese Lebensweise zieht unbekehrte Menschen stark an, sicher so stark wie gute, mächtige Predigten. Denn beide bezeugen die Gnadengaben des Geistes Gottes.

 

3) Christliche Bildung

Auch die 2. Ebene des Menschen, seine Psyche oder Seele, wird in solchen Kreisen gepflegt. Hier können sich junge Menschen in Hausmusik weiterbilden und mit den geistigen Interessen anderer gebildeter Menschen und vertraut werden. Gemeinschaft mit anderen Menschen auf dieser Ebene in der Familie bildet den ganzen Menschen. Gerade dazu ist Gemeinschaft schlechthin da. Sie ist eine gottgegebene Gabe.

Unsere Eltern sorgten besonders im Teen-Alter dafür, daß wir eine vielseitige Ausbildung und Bildung erhielten. Sie schickten uns auf gute Schulen, besuchten mit uns naturwissenschaftliche, philosophische und Kunstveranstaltungen. Danach diskutierten sie mit uns zu Hause über das Gebotene vom biblischen Aspekt aus.

Etwas vom Schönsten ist das gemeinsame Musizieren einer Familie oder mit Freunden von guter, edler Musik. Was verbindet diese Art Gemeinschaft eine Familie! Oder das gemeinsame Lesen eines guten Buches, je nach Altersgruppe und Interesse! Wir lasen fast jeden Abend mit unseren vier Kindern voll Begeisterung die Narnia-Bücher von C. S. Lewis.  . . .

Die 3. Ebene – die Gemeinschaft des Geistes – muß natürlich auch vorhanden sein und gepflegt werden. Die Stärkung der 3. Ebene findet im Bibelstudium, Gebet und in Gesprächen mit Gleichgesinnten, ebenfalls in der Familie statt.

Nehmen wir nun an, daß junge christliche Menschen die 3 Ebenen verstehen und auch pflegen. Wie sollen solche nun eine Wahl eines Ehepartners praktisch vornehmen? Wie sollen sie ihre Prioritäten festlegen?

 

4) Die Wahl selber

Um eine gute Wahl zu treffen, muß man alle drei Ebenen auf denen menschliche Gemeinschaft gedeiht, ständig vor Augen haben. Fangen wir mit Ebene 1, dem Körper, an!

a) Ebene 1 Die meisten jungen Männer neigen zu einem bestimmten Typ Mädchen, der ihm rein menschlich gesehen am meisten entspricht. Das gleiche gilt für das Mädchen. Merkwürdigerweise neigen oft große, lange Männer zu kleineren niedlichen Frauen. Aber auch da sind die Geschmäcker verschieden! Das äußere Aussehen der beiden Partner spielt also eine Rolle. Die meisten Männer suchen eine hübsche Frau. Das Umgekehrte gilt natürlich auch! Dann spielt auf Ebene 1 das Alter eine Rolle, was man nicht übersehen darf. Die meisten Männer wollen keine Frau haben, die so alt aussieht, daß man sie für ihre Mutter halten könnte! Da ein Mädchen körperlich und psychisch allgemein früher als ein Junge reif wird, ist es im Großen gesehen gut, wenn der Mann einige Jahre älter ist als seine Braut. Sonst besteht die Neigung, daß das Mädchen ihren Mann bemuttert statt seine Frau sein zu wollen. Die Ausübung der wichtigen Ritterlichkeit und Höflichkeit in der Ehe fällt natürlich auch leichter, wenn der Mann etwas älter und reifer ist als die Frau.  . . .

Heutzutage muß man auf der Basis von Ebene 1 noch etwas erörtern. Es handelt sich um die Rassenfrage. Westliche Kulturen sind multirassische Kulturen geworden. In den USA und in England ist dieser Aspekt der dortigen Kulturen augenblicklich sehr akut Die Schwarzen und die Puertoricaner und ihr Verhältnis zu den anderen Amerikanern haben Probleme mit sich gebracht, die nicht leicht zu lösen sind. In England hat die fast unbeschränkte Einwanderung von Pakistanis und Schwarzen aus Jamaika ähnliche Probleme auftauchen lassen.

Die Bibel lehrt, daß man Rassendiskriminierung nicht durchführen darf. Gott hat alle Menschen aus einem Blut gemacht (Apg. 17:26), so daß die Menschheit eine Einheit bezüglich Spezies darstellt. Alle Rassen sind sicher vor ihm gleichwertig. Damit hat aber Gott nicht gesagt, daß ich jeden Menschen oder jegliche Rasse heiraten darf, nur weil alle Menschen vor ihm gleichwertig sind. Die Eheschließung setzt eine Wahl oder Diskriminierung im positiven Sinn voraus, so daß eine Wahl auch bezüglich Rassenfragen gestattet ist. In den multirassischen Gesellschaften von heute ist diese Wahl sehr wichtig geworden. Ich glaube nicht, daß die Ehewahl, die jeder treffen muß, irgendetwas mit Rassendiskriminierung, „Rassenreinheit“ oder „Blut“ zu tun hat. Keine Rasse ist „rein“. Vielmehr hat die Ehewahl mit den drei erwähnten Ebenen zu tun. Gelbe Menschen wohnen heute neben den Weißen und Rote (Indianer, nicht Kommunisten oder Maoisten!) neben den Schwarzen. Da muß man die Basis für eine stichhaltige Wahl auch bezüglich Rasse, soweit sie Ehewahl betrifft, in Händen haben.

In bezug auf Ebene 1 (Körper und deshalb auch Rasse) muß man vor einer Eheschließung folgendes bedenken. Sind die rassischen Unterschiede so groß, daß sie auf Ebenen 1 oder 2 unüberbrückbar sind? Bei Mischlingen sind diese Unterschiede teilweise durch die schon stattgefundene Vermischung der Rassen weniger groß, so daß Harmonie auf Ebene 1 wahrscheinlich eher möglich sein wird. Sind dagegen die Probleme der Unterschiede, rein körperlich gesehen, sehr groß, dann muß Vorsicht walten. Auch wenn die Braut und der Bräutigam die Unterschiede überwinden können (Liebe kann sehr stark sein), muß man bedenken, daß z. B. Ehen zwischen Japanern und Kaukasiern oft Kinder produzieren, die bedeutend weniger lang leben als Kinder aus rein japanischen oder rein kaukasischen Ehen. Rein genetisch gesehen, sind die Kinder aus Mischehen dieser Art oft schwächlich. . . .

Auch wenn beide Eltern, die aus 2 verschiedenen Rassen stammen, die Kluft auf Ebenen 1 und 2 (rassisch und gesellschaftlich) zu überbrücken verstehen und harmonisch zusammenleben, leiden oft die Kinder sehr darunter. Sie haben natürlich mit der freien Ehewahl der Eltern nichts zu tun gehabt Sie müssen das Joch tragen, das ihnen die Eltern zwangsläufig auferlegt haben. Aus diesem Grund entsteht oft Bitterkeit in den folgenden Generationen von Mischlingen, auch wenn die Eltern selber, die die Wahl freiwillig trafen, glücklich sind.

Ebenfalls auf Ebene 1 muß man die Frage der Familiengesundheit im allgemeinen berücksichtigen. Heute weiß man, daß gewisse Krankheiten (Zuckerkrankheit, zum Beispiel) genetisch bedingt sind. Somit werden sie auf die Kinder vererbt, ob es die Eltern wollen oder nicht. Der Körper trägt die ganze genetische Veranlagung des Menschen. Wenn also Zuckerkrankheit in der Familie eines der beiden Ehepartner liegt, kann sie in den Kindern früher oder später zum Vorschein kommen. Jugendzuckerkrankheit ist viel gefährlicher als die Krankheit, die nach dem 40. Lebensjahr auftritt Noch dazu muß man bedenken, daß all die anderen Beschwerden, die mit „Zucker“ assoziiert sind (Kreislaufstörungen, Sehbeschwerden etc.) mit auftauchen können. Der ganze Krankheitskomplex wird durch fehlende genetische Informationen verursacht Die Information, die einem selber fehlt, kann man seinen Kindern und ihrem Erbgut nicht schenken! Man kann nur das den Kindern weitergeben, was man selber an genetischer Information besitzt. All das muß man in bezug auf Ebene 1 bedenken, wenn man eine Ehe schließt. Es gibt aber auch andere vererbbare Krankheiten.

Wenn Syphilis, Schwachsinn oder Epilepsie in der Familiengeschichte eines Partners liegen, soll man eine Eheschließung reiflich überlegen. Wir kennen eine Familie, die aus 7 Kindern und Vater (F) und Mutter (E) bestanden… 5 Töchter (zwei waren außerordentliche hübsche Mädchen) und zwei Söhne, die identische Zwillinge sind. Zwei der fünf Töchter sind schwachsinnig. Eine andere Tochter starb (nicht schwachsinnig) ziemlich früh. Beide Söhne sind jetzt schwer zuckerkrank, beide sind leberkrank und fast blind. Der Vater (F) dieser Familie kam aus einer kerngesunden Familie und starb als rüstiger alter Mann in seinem 97. Lebensjahr.

Als junger Mann hatte er sich in ein außerordentlich hübsches Mädchen (E) verliebt, deren Eltern aber beide schwer geschlechtskrank waren – der Mann hatte mit Dirnen unmoralisch gelebt und litt an tertiärer Syphilis, woran er auch in großem Elend starb. Er hatte seine Frau auch angesteckt. Man hätte nie geahnt, daß eine so hübsche Tochter (E) aus einem derart kranken Elternpaar hervorgehen könnte. Der junge Mann (F), der sich in das bildhübsche Mädchen (E) verliebte, kannte ihre Familiengeschichte gut. Auf den Rat seines Vaters ging er deshalb zu seinem Arzt und fragte ihn, ob er das Mädchen (E) heiraten dürfe. Der Arzt machte ihn darauf aufmerksam, daß das seine Wahl sei. Wahrscheinlich würden aber seine Kinder, die aus dieser Ehe hervorgingen, an den Folgen der Krankheit der Eltern zu leiden haben.

Der Arzt meinte sogar, daß Schwachsinn auftauchen könnte und machte ihn auf die Folgen von Trunksucht in folgenden Generationen aufmerksam. Die Ehe zwischen F und E wurde also mit offenen Augen geschlossen, mit den oben erwähnten Resultaten.

Nun, die Eltern F und E führten ein glückliches Eheleben. Doch überschattete die Krankheit der Kinder ihre Ehe. Der Vater war ein sensibler Mann und litt ein ganzes leben lang unter  diesem Schuldgefühl, besonders als er das Elend seiner schwachsinnigen Kinder ansehen musste. Dazu kam noch, dass die Söhne ein ausgesprochen schlechtes Verhältnis zu ihrem Vater hatten. . . .

Ferne sei von uns zu behaupten, der junge Mann hätte auf das hübsche Mädchen verzichten müssen. Der Zweck, warum wir diese Tatsache aufzählen, ist nur der: man muß sehr gut überlegen, was man tut, wenn man zur Eheschließung schreitet. Auch nachdem man die Sachlage gut überlegt hat und kein offenbares Hindernis zu einer Eheschließung vorliegt, können Krankheit und Not uns alle überraschen. Ob diese Nöte vorhersehbar sind, oder ob sie uns überraschen, ist aber nicht einerlei. Alle Nöte sollen im Geist der Geduld Jesu getragen werden. Doch soll man es womöglich vermeiden, Krankheiten kommenden, unschuldigen Generationen aufzubürden.

b) Ebene 2 ist, wie wir schon ausführten, das Gebiet der Seele oder der Psyche des Menschen. Hier spielen Familienverhältnisse, Bildung, Interessen und Intelligenz schlechthin die maßgebliche Rolle. Ebene 1 bedingt den Körper des Menschen. Ebene 2 bedingt dagegen die ganze Gedankenwelt des Menschen. Der Körper beeinflusst die Seele und umgekehrt natürlich, so daß man Seele und Körper nicht getrennt behandeln darf. Wie beeinflusst meine Gedankenwelt, meine Psyche meine Wahl des Ehepartners? Folgende Beispiele werden diese Frage besser klären als tausend Theorien:

Auf Ebene 2 wird ein berufsmäßiger Straßenfeger etwas Mühe haben, wenn er eine hochkultivierte Prinzessin heiratet. Sicher gibt es hochintelligente Straßenfeger! Aber im allgemeinen würden sie, Prinzessinnen und Straßenfeger, auf Ebene 2 kaum zusammenpassen. Natürlich sind auch auf diesem Gebiet Wunder möglich. Die Liebe, sagt ein englischer Spruch, ist blind, aber die Ehe öffnet einem die Augen! Unser Straßenfeger wird auf Ebene 2 mit seiner Prinzessin wahrscheinlich große Schwierigkeiten zu überwinden haben! Die Prinzessin auch!

Es ist ein Kardinalfehler zu meinen, daß Ebene 1 – Geschlecht, Schönheit und Libido – den Hauptpunkt bei der Ehewahl darstellt. Ebene 1 hält oft weniger als 6 Monate durch, wenn sie allein alles bestimmt. Vom rein körperlichen Geschlecht allein kann weder Mann noch Frau leben! Aber junge Menschen glauben das nicht! Ein überzeugter Vegetarier wird Mühe haben, mit einem überzeugten Metzgermeister eine ausgeglichene Ehe zu führen – selbst wenn beide Partner fromme Christen sind. Die Gedankenwelt der beiden Partner, Ebene 2, klafft zu weit auseinander. . .

Bei der Wahl einer Lebensgefährtin sollte der Mann bedenken, daß die Seele, der Charakter, die Interessen und die Bildung seiner angehenden Frau die Gestaltung der Atmosphäre im Heim bestimmen werden. Ihre Interessen brauchen mit denen des Mannes nicht identisch zu sein. Es ist oft sogar gut, wenn sie nicht identisch sind. Doch sollte zwischen den Interessen der Frau und des Mannes Harmonie bestehen. . . . Wollen wir die Lage so zusammenfassen: es ist nicht wichtig, daß die Bildung oder Ausbildung der beiden Ehepartner identisch sind. Es ist wichtiger, daß die verschiedenen Bildungsgrade der beiden Partner harmonisch sind. Wenn beide Partner eine identische Ausbildung besitzen, könnte es eher zu Eintönigkeit in der Ehe kommen. Denn letztere können nur da sein, wo Verschiedenartigkeit vorhanden ist. . . .

c) Ebene 3 Auch in bezug auf Ebene 3 gelten ähnliche Überlegungen. Identische christliche Erkenntnisse (gleiche Konfession z. B.) sind für eine glückliche Ehe nicht unbedingt erforderlich, obwohl sie eine große Hilfe sein können. Wichtig jedoch ist es, daß beide Ehepartner, ihren verschiedenartigen Erkenntnissen gemäß, in der Ehe und Familie zuerst das Reich Gottes nach Gottes Wort allein suchen (Matt. 6:33). Dieses „zuerst“ muß auch bezüglich Konfession unbedingt gelten, sonst geht alles schief. Dann erst wird Gott so antworten, daß er alle seine Verheißungen, die von der Erfüllung dieser Bedingung abhängig sind (das Reich Gottes in allen Dingen zuerst), in eine solche Ehe und Familie hineinschenkt. Dann werden auch Konfessionsunterschiede der Bibel gemäß ausgebügelt werden.

Zu einer Ehe genügt es nicht, daß beide Ehepartner einfach „gläubig“ sind. Natürlich, Gläubigsein auf Ebene 3 ist eine wichtige leitende Bedingung, die erfüllt werden soll, wenn man an eine Ehe denkt. Aber man soll Ebenen 1 und 2 neben Ebene 3 auch berücksichtigen. Man sollte als Christ „im Herrn“ heiraten, das ist das Gebot Gottes. Wichtig ist es aber auch, daß die beiden unter Ebene 3 liegenden Ebenen zur Geltung kommen. Um eine ideale Ehe gründen zu können, muß man alle drei Ebenen auf Harmonie in beiden Partnern ernsthaft prüfen und dafür sorgen, daß Kompatibilität auf allen diesen Gebieten vorliegt.

Alle diese Überlegungen rühren daher, daß der Mensch als eine wirkliche Dreieinigkeit von Gott erschaffen wurde. So sollte in einer Ehe eine Dreieinigkeit mit einer anderen Dreieinigkeit harmonieren. Aus diesem Grund wird der Kuhhirt, der Christ ist, nicht gerade die Prinzessin oder die Künstlerin zur Frau nehmen wollen, wie wir schon erwähnten. Diese Überlegung hat mit Klassenunterschieden im üblichen Sinne des Wortes nichts zu tun. . . . Es geht um Bildungsgrade – und zwar um Bildungs- und Erkenntnisgrade zweier Menschen auf Ebene 2 und 3.

Nachdem man obige Vorbehalte auf Ebenen 2 und 3 geprüft hat, lasst uns zu unserer ursprünglichen Frage bezüglich der Basis einer Ehewahl auf Ebene 3 zurückkehren. Was sind nun die Überlegungen, die für eine Ehewahl auf Ebene 3 maßgeblich sein dürfen?

A) Offenbar sollten die Wahlüberlegungen rein christlich sein, denn wir behandeln unter diesem Abschnitt Ebene 3 bei Christen. Deshalb müssen die beiden angehenden Ehepartner wiedergeborene Menschen sein, die durch Vergebung ihrer Sünden neutestamentliche Christen geworden  sind. Sie sind  also Menschen, die durch das Blut Christi Eigentümer Gottes sind. Dies soll jede christliche Wahl auf Ebene 3 absolut bedingen.

B) Es gibt aber viele Christen, die durch Mangel an Erkenntnis oder Entschiedenheit ein laues Leben führen. Persönlich glaube ich, daß ein laues christliches Leben oft eine schlechtere Basis für eine Ehe bietet als gar kein Christentum. Denn, wie soll man errettet werden, wenn man Gottes Sohn vernachlässigt? Durch die Lauheit und die damit verbundenen Kompromisse entstehen Spannungen und Frustrierungen, die in einer nichtchristlichen Ehe praktisch unbekannt sind. In einer nichtchristlichen Ehe gibt es die frustrierenden Kompromisse und Spannungen zwischen Christentum und Welt gar nicht. Aus diesem Grund würde ich persönlich einen zusätzlichen Maßstab, den wir schon erwähnten, für eine christliche Ehewahl anlegen. Beide angehenden Ehepartner müssten sich ernsthaft prüfen, inwieweit sie in allen Dingen zuerst das Reich Gottes suchen. Inwieweit das Reich Gottes in ihrem Umgang mit ihrem Körper, in ihrem Studium, Geschäft, Beruf, Schule und Familie an erster Stelle steht.

C) Um Punkt B ganz zu erfüllen, müsste man einen weiteren Maßstab anlegen: anhand von welchem Maßstab darf ich annehmen, daß ich das Reich Gottes in allen Dingen zuerst suche? Wie kann ich mich ganz praktisch bezüglich dieses Punktes prüfen? Es ist meine persönliche Überzeugung, daß man hier den gleichen Maßstab anlegen muß, wie der Herr Jesus es selber tat: Er wurde Mensch, um an seinem Körper, durch sein Leben und seine Handlungsweise, die Bibel, das Wort Gottes und ihre Prinzipien zu erfüllen. Das heißt, daß er an seiner eigenen Person, in allem, was er tat und dachte, die Gesinnung des Lammes Gottes nach der Bibel realisierte. Das Wort Gottes war seines Fußes Leuchte und das Licht auf seinem Weg.

Jetzt wird also Punkt C klarer: der wirkliche Christ wird sich ein Mädchen zur Frau aussuchen, das die Gesinnung der Bibel in ihrem Leben ganz ausleben möchte. Ebenfalls wird das wirklich gläubige Mädchen einen Ehepartner aussuchen, der mit ihr und ihrer späteren Familie die ganze Bibel so liebt, daß sie das Wort in allen ihren gemeinsamen Wegen realisieren können. Denn eine solche Familie wird schnell das Zentrum von geistlichem Leben werden.

Ein junger Mann, der ein solches Mädchen auswählt, (sie wird ihm in Gottes Vorsehung geschenkt), wählt sich ein fruchtbares Leben aus. Ebenso das junge Mädchen. Es nimmt geistliches Leben an, denn die Gesinnung der Bibel ist die Basis aller wahren Gnadengaben. Auf diese Weise vermehrten sich die Christen in der Apostelgeschichte: „Das Wort des Herrn wuchs und mehrte sich“ (Apg. 12:24).

Denn das Wort ist Geist und Leben. Wo kein Wort Gottes ist – oder wo ein geschwächtes, verdünntes Wort ist – da ist kein – oder nur ein geschwächtes – Leben. Es ist sicher besser, als Christ auf eine Ehe zu verzichten, als auf eine Ehe einzugehen, die keine Harmonie kennt. Unsere Erfahrung seit 35 Jahren ist immer wieder die gleiche gewesen: wo man in irgendeiner Gemeinde, sei sie kirchlich oder freikirchlich, geistliches Leben findet, da wird dieser Geist der Erweckung immer von einzelnen Familien getragen, die das Wort über alles lieben.

 

5) Die Gesinnung in der Wahl

In diesem Absatz drücken wir den gleichen Gedanken des vorhergehenden Absatzes etwas anders aus: der gläubige junge Mann oder das gläubige junge Mädchen, suche sich einen Ehepartner aus, der die Gesinnung Jesu nach Philipper 2 in seinem Leben zum Vorschein kommen lässt. Nun, die Gesinnung Jesu bestand darin, daß er lebte, um das Wort Gottes an seinem Leib zu erfüllen. Man kann diesen Gedanken aber mit den Worten des 2. Kapitels des Philipperbriefes anders ausdrücken! Jesus Christus erwies sich als Heiland der Welt, indem er auf seine Position und seinen Status als Schöpfer und Sohn Gottes verzichtete. Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an. In Knechtsgestalt ging er freiwillig zum Kreuz, um das Heil der Welt zu erringen: „Diese Gesinnung heget in euch, die auch in Christus Jesus war, der, als er in Gottes Gestalt war, es nicht für einen Raub hielt, wie Gott zu sein, sondern sich selbst entäußerte, indem er Knechtsgestalt annahm, und dem Menschen ähnlich wurde: und der Erscheinung nach wie ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz“ (Phil. 2:5-8).

Da besitzen wir eine klare Lebensrichtung, nach denen wir auch einen Ehepartner auswählen können, und zwar im Sinne von Ebene 3. Nehmen Sie also nach diesen Richtlinien keinen, der bei der Arbeit nicht zupacken will, der seine Hände vor lauter Würde nicht schmutzig machen will. Nehmen Sie, junger Mann, kein Mädchen, das nicht zupackt, das ständig nach Mode, Schminke, Kleidern und Äußerlichkeiten schaut. Nehmen Sie, junges Mädchen, keinen Partner, der seine Zeit für alles andere als für Arbeit, Reichgottesarbeit, Bibellesen und Gebet hergibt. Die Zeiten sind ernst, der Herr steht vor der Tür eines jeden von uns. Ein ganz kleiner Verkehrsunfall kann uns in einigen Sekunden vor sein Angesicht führen, wo wir für unsere Tätigkeit Rechenschaft abgeben müssen.

Nehmen Sie jemanden, der ständig bereit ist, sich zu erniedrigen, weil der Herr Jesus das gleiche tat. Nehmen Sie keinen, der ständig die Rolle des großen Herrn Direktors spielen will – auch nicht einmal, wenn es um die Rolle eines großen Missions- oder Evangelisationsdirektors geht!

Kurz zusammengefasst, suchen Sie sich jemanden aus, der nach Philipper 2 die Gesinnung Jesu vorlebt Und wenn Sie niemanden finden, der auf diesem Gebiet Phil. 2 entspricht, dann bitten Sie den Herrn der Ernte, Ihnen einen solchen Partner in den Weg zu senden. Er erhört gern Gebete dieser Art, die zu seiner Ehre sind.

 

6) Der Ernst einer Wahl

Ein letzter Punkt wird diesen Abschnitt abschließen. Eine Ehewahl muß tatsächlich eine Wahl sein. Wenn man durch die ständige Tätigkeit und Propaganda von Hollywood und Sexaufklärung in der Schule, Fernsehen und Radio zu der Überzeugung gelangt, daß das Verliebtsein einfach wie eine Krankheit oder die Grippe über einen kommt, und daß man dieser Krankheit keinen Widerstand leisten kann, dann verfügt man über keine wirkliche Wahl. Man wählt die Grippe nicht! Verliebtsein kann der Vernunft untergeordnet sein, auch wenn der Kampf sehr hart ist. Damit wollen wir unter keinen Umständen gesagt haben, daß Liebe nicht die stärkste Empfindung ist, derer ein Mensch fähig ist. Sie ist die stärkste und kann auch die beste Empfindung sein. Was wir gesagt haben wollen, ist, daß auch das Sicht-Verlieben in ein Mädchen (oder einen jungen Mann) Sache von höherer Vernunft sein darf. Liebe ist zwar blind, doch öffnet einem Gott und sein Wort den Verstand – auch in Liebesangelegenheiten!

 

7) Wahl, Unzucht und Petting

Man muß bedenken, daß in einer Ehe ein Partner dem anderen für das Leben total ausgeliefert ist. Es gibt Geheimnisse in der Ehe, die ein Außenseiter nicht verstehen kann noch soll. Aus diesem Grund hat es wenig Sinn, wenn ein Partner sich bei Außenseitern über den anderen Partner beklagt. Das sich bei anderen in Ehestreitigkeiten Beklagen kann sich leicht zu einer Art „Ehebruch“ entwickeln, denn es vertieft – oder kann vertiefen – eine schon bestehende Kluft zwischen den beiden. So wird die Lage in der Ehe verschlimmert – wenn der Mann erfährt, daß seine Frau zu Dritten läuft, um sich über ihn zu beklagen, was beweist, daß sie ihm gegenüber nicht mehr volle Treue erweist. Dies schließt Seelsorge bei den Eheleuten keineswegs aus.

Wenn man verheiratet ist, ist man dem Wesen einer richtigen Ehe nach einander vollständig ausgeliefert. Das sich bei Dritten Beklagen bedeutet in Wirklichkeit, daß man sich von diesem Total-Ausgeliefertsein in der Liebe zurückziehen möchte. So wird das intimste Verhältnis beschädigt oder verletzt. Aus diesem Grund darf man keinen Partner wählen, zu dem man nicht unbedingtes, völliges Vertrauen haben kann. Nur hundertprozentige rückhaltlose Liebe und Treue zueinander können ein solches Vertrauen zueinander entwickeln.

Zu einer Ehewahl gehört heute leider sehr oft das sich gegenseitig „Ausprobieren“ (sexuell gesehen). Wie wir bereits erwähnten, bezeichnet die Bibel eine solche Art „Ausprobierung“ als „Unzucht“. Abgesehen davon ist eine derartige Praxis, eine Frau oder einen Mann zu wählen, nicht viel besser als ein Kuhhandel. Soll man wirklich meinen, daß man einen Partner auf der Basis einer solchen körperlichen Handlung aussuchen kann? Wenn eine Frau meint, daß sie eine solche „Prüfung“ bestehen muß, ehe der Mann sie nimmt, wird sie, um sich mild auszudrücken, in jeder Hinsicht entwürdigt.

Die Bibel nennt eine solche Praxis „Unzucht“ und zählt sie zu den Sünden, die Menschen vom Reich Gottes ausschließen. (Gal.5:19-21,1. Kor. 6:13,18,1. Kor. 10:8, 1. Kor. 7:2, Eph. 3:3, 1. Thess. 4:3). Die Tatsache bleibt, daß sexueller Verkehr nur und ausschließlich für die gedacht ist, die sich innerlich und äußerlich fürs Leben total und exklusiv ausliefern wollen. Unzucht stellt also eine Art Prostituierung der Gedanken Gottes über die passende Begleiterscheinungen (körperliches, geistiges und geistliches Glück, die höchsten „Satori“) zu der Zeugung (Erschaffung mit menschlicher Teilnahme) neuer Menschen durch Menschen. Sie sind für Paare reserviert, die fürs Leben „paaren“. Gott hat die Erzeugung neuer Menschen mit großem Glück auf körperlicher, geistiger und geistlicher Ebene verbunden. Der Missbrauch vom körperlichen Glück und seine Trennung von anderen Ebenen des Glückes stellt Unzucht dar. Einen so tiefgreifenden Verstoß gegen Gottes Ordnung im Glück der Schöpfung klassifiziert Gott als „Porneia“ („Pornographie“) = Unzucht.

Die gleichen Überlegungen gelten natürlich auch für Petting, das dort praktiziert wird, wo verliebte Paare sich gegenseitig oft bis zum sexuellen Höhepunkt reizen. Weil solche Intimitäten direkt zu weiterer Unzucht mit ihren Folgen reizen, soll man sie vermeiden. Denn solcher Verkehr ist meist kasual und keineswegs der Ausdruck einer exklusiven Harmonie zwischen dem Paar auf allen drei Ebenen. Man will körperliches Glück, ohne geistige oder geistliche Harmonie in Betracht zu ziehen… oder die erste Ebene von den beiden anderen Ebenen trennen. Wie kann man Petting rechtfertigen, wenn man zur gleichen Zeit den Herrn um die Gnade bittet, nicht in Versuchung gebracht zu werden? „Führe uns nicht in Versuchung“ kann man nur dann von Herzen beten, wenn man sich selber nicht in Versuchung begibt.

In gewissen sogenannten „progressiven“ Kreisen Deutschlands empfiehlt man, daß die Schulkinder kopulative Körperbewegungen – mit und ohne Partner – einüben. Diese Überlegungen sollen sie auf eine spätere erfolgreiche Ehe vorbereiten. Auch diese Idee muß als pornographisch abgelehnt werden, und zwar aus folgenden Gründen:

1) Eheglück ist oft von ursprünglicher Unwissenheit (Nicht-Wissen) auf diesem Gebiet abhängig. Bei Unwissenheit begreifen beide Partner, daß sie keinen vorehelichen Sex getrieben haben.

2) Ein Teil des Glücks einer Ehe ist von vorhergehender Reinheit auf diesem Gebiet abhängig. Kein Partner will einen Mann oder eine Frau haben, die „vorher“ mit allen Wassern gewaschen wurden.

3) Kinder sind für solche .sexuellen Erfahrungen, wie man sie bei Bewegungen dieser Art einübt, noch nicht reif. Triebe aufzuwecken, die noch schlummern, hindert die gesunde spätere Entwicklung derselben. Information und Übung auf diesem Gebiet sollen ausschließlich in der Ehe selber gesammelt werden. Das gemeinsame Lernen auf diesem Gebiet in der Ehe schafft Geheimnisse in der Erfahrung der beiden Ehepartner, was den beiden zusätzliche Ehegemeinschaft schenkt. Diese geheime Exploration in einer geheiligten Ehe ist ein wichtiger Punkt, der durch die vielen, trivialen und oft unverschämten Veröffentlichungen (auch in christlichen Kreisen) vernichtet wird. Man beschreibt, mit welchen körperlichen Bewegungen ein Mann den sexuellen Akt durchführt, was absolut überflüssig ist und nur als pornographisch bezeichnet werden kann. Bücher werden so verkauft, das ist klar. Ob dadurch Eheleuten und anderen geholfen wird, ist eine ganz andere Frage.

 

 

Kapitel 6

Kindererziehung

 

1) Früherziehung und Ernährung

Kinder sind eine Gabe des Herrn und selig ist das Paar, dem sie geschenkt sind. Es kann natürlich der Wille Gottes sein, daß einem Paar keine geschenkt werden. Da werden dem Paar andere Aufgaben anvertraut werden. Kinder sind unbedingt eine große Aufgabe, die viel Kraft, Weisheit, Ausdauer und auch finanzielle Mittel verlangen. Die erfolgreiche Erfüllung von vielen Aufgaben bereitet Freude und Genugtuung; die Erfüllung der „Kinderaufgabe“ stellt keine Ausnahme dar. Also, jedes Paar, mit oder ohne Kinder, hat eine Aufgabe, man muß sie nur finden.

Aus den Evangelien geht klar hervor, daß der Herr Jesus Kinder verstand und liebte (Mark. 10:13, Mark. 9:36, Lud. 9:47, 48). Auf ähnliche Weise lieben Ehepaare die Kinder, die sie gezeugt haben und die deshalb von ihrem Gebein – und möglicherweise Geist von ihrem Geist – sind. Gläubige Eltern sehen sie als teure Geschenke Gottes an, die er ihnen zur Erziehung und zur Bildung anvertraut hat.

Es folgt, daß Kinder eine große Verantwortung (und auch eine Freude) für die Eltern darstellen, denn an unserer Erziehung der Kinder werden wir selbst geprüft, ob wir treu und weise sind, Gottes Familie, Gottes Gemeinde vorzustehen. Nur die Väter, die gläubige Kinder großgezogen hatten, wurden für den Ältestendienst und andere Dienste in der Gemeinde zugelassen (1. Tim. 3, Titus 1,2). So ist die Kindererziehung gewissermaßen eine Bewährungsprobe Gottes für die Eltern.

Junge Ehepaare wissen bei ihrem ersten Kind oft nicht, wie man mit dieser Erziehung anfangen soll. Heute leben wir in einem Zeitalter, in dem alles zugelassen wird. Da lässt man eben alles zu, auch beim Kleinkind. Nichts könnte falscher sein, denn auch ein Kleinkind lernt schnell, die Mutter (und den Vater!) um den Finger zu wickeln. Kinder, auch Kleinkinder, sind im allgemeinen nicht barmherzig, sie plagen und drängen, bis sie sozusagen selbst einen Engel außersich bringen würden! Schon in den ersten Wochen des Lebens lernen sie die Mutter einschätzen. Da rufen sie die Mutter alle drei oder vier Stunden die ganze Nacht, weil sie Durst haben. Wehe der Mutter, die immer nachgibt! Sie ruiniert sich selbst und ihr Kind. Komplexe beim Kind entstehen eher als Ergebnis der Nachgiebigkeit als der liebenden Strenge – eine Erkenntnis, die heute überall fehlt!

Viele Eltern wissen nicht, daß die Basis der ganzen charakterlichen Erziehung eines Kindes bis zum 5. Lebensjahr gelegt worden ist. Die ersten fünf Lebensjahre sind für das spätere Leben absolut maßgebend. So versündigt sich eine Mutter (oder ein Vater) an seinem anvertrauten Baby, wenn die Mutter in diesen Jahren durch Arbeiten-Gehen-Müssen das Kleinkind vernachlässigt. Selbstverständlich, wenn das Familienleben durch Armut und finanzielle Schwierigkeiten gefährdet wird, muß die Mutter zur Familienkasse beitragen. Doch tut sie das auf Kosten der ganzen Zukunft ihres Kindes. Wenn die ersten fünf Jahre für die grundlegende Erziehung des Kleinkindes richtig ausgenutzt worden sind, dann wird man später im Leben weniger Mühe mit dem Kind erwarten müssen. Aber die liebende Nähe der gerechten, vernünftigen Mutter ist für das Gedeihen des Kleinkindes unbedingt erforderlich, wenn es im späteren Leben maximal geraten soll.

Es ist eine bekannte physiologische Tatsache, daß das Kleinkind während des Spielens immer wieder die Spielzeuge liegen lässt und zu seiner Mutter geht, um dort psychologisch „aufzutanken“. Nachdem es das getan hat – es muß einige liebe Worte und Gesten der Mutter (oder ihre Nähe einfach) in Empfang nehmen – geht es wieder ganz befriedigt zu seinem Spielzeug zurück. Es muß aber immer wieder die Bestätigung der Liebe und der Nähe der Mutter erfahren. „Erziehe den Knaben seiner Weise (d. h. der Natur des Knaben gemäß) nach: er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird“ (Sprüche 22:6).

In den ganz frühen Monaten wird die Liebe, die Wärme und die Nähe der Mutter durch das Stillen unterstrichen oder gar vermittelt. Nichts kann dieses Verhältnis des Stillens ersetzen, weder für das Kind noch für die Mutter. Physiologisch werden durch die Muttermilch Immunkörper vermittelt, so daß das Kleinkind gegen Infektionen aller Art geschützt wird. Psychologisch „tankt“ das Kind durch das Stillen auf. Die Milch verleiht dem Kind Schutz gegen körperliche Krankheit, das Stillen gibt ihm psychologischen Schutz. . . .

Erfahrene Kinderärzte können heute das Kleinkind unter anderen Kleinkindern erkennen, das den nahen intimen Brustkontakt mit der Mutter im Frühstadium des Lebens entbehrte. Ihr Verhalten ist eben etwas anders als das des Kindes, das den natürlichen, nahen Kontakt mit der Mutter genießen durfte.  . . .

Erfahrene Kinderärzte in Amerika betonen heute, daß das Baby, das an der Brust gelernt hat, sich der Wärme und Liebe der Mutter anzuvertrauen, zur gleichen Zeit lernt, sich anderen Menschen anzuvertrauen. In der heutigen Welt muß man mit Vertrauen sehr vorsichtig sein, denn viele Menschen sind leider nicht vertrauenswürdig. Da muß man allgemein zurückhaltend sein. Doch ist es eine schlimme Sache, wenn ein Mensch ohne die Fähigkeit groß wird, sich anderen, vertrauenswürdigen Menschen anzuvertrauen. Es gibt natürlich viele Fälle, die Ausnahmen zu dieser Regel darstellen.  . . .

Für eine Mutter selber hat die Brusternährung Vorteile, wobei man aber einiges beachten muß. Es ist z. B. vorteilhaft, daß keine Flaschen sterilisiert, warm gemacht und zubereitet werden müssen, was besonders günstig auf Reisen ist. Pudermilch, Heizvorrichtung und Maße müssen dann nicht mitgenommen werden. Jederzeit kann die Mutter ihr Kind einfach an die Brust legen und es stillen. Dazu hat die Milch immer die richtige Temperatur und Konzentration. So lange sie keine Gifte zu sich nimmt, wie Tabak, Alkohol oder Medikamente und sich nicht aufregt, bekommt ihre Milch dem Kind (Ausnahmen kann es hier natürlich geben). Zu beachten ist noch, daß das Stillen die Mutter in vielen Fällen erschöpft. Sie darf nicht zu viel körperliche Arbeit verrichten, Spannungen können ihr die Milch nehmen. Peinliche Sauberkeit ist erforderlich, sonst können Infektionen in die Brust eindringen, so daß Mastitis entstehen kann. Luftzüge und Kälte müssen während der Laktation vermieden werden. Erschöpfung und Neigung zu Mastitis können auch Folgen davon sein, daß zuviel Milch abgenommen wird. Dies kann besonders der Fall sein, wenn die Mutter zur gleichen Zeit einen großen Haushalt fuhren muß. Als Eltern glauben wir aber, daß die Mühen des Selber-Ernährens die Freude und die Gesundheit des Kindes wert sind. Kinder, die so gepflegt werden, sollen im späteren Leben ihrer Mutter Ehre erweisen, daß sie für ihr Wohl so viel auf sich nahm.

Von rein medizinischer Seite her gesehen, muß man aber noch einen Vorteil erwähnen. In Japan und Italien stillten bis vor kurzem fast alle Mütter ihre Babys. In diesen Ländern war Brustkrebs auch praktisch unbekannt. In westlichen Ländern kannte man vor hundert und mehr Jahren fast keinen Brustkrebs. Es hat sich nun herausgestellt, daß die Brustkrebsanfälligkeit einer Frau mit abnehmender Stillzeit steigt. Je länger eine Frau stillt, desto geringer ihre Brustkrebsanfälligkeit. Mit der Zunahme des Verkaufes von Baby-Milch in Italien nahm die Brustkrebsanfälligkeit parallel zu. Das gleiche gilt jetzt für Japan. Das gleiche Bild wiederholt sich in allen Ländern, in denen das Stillen zugunsten der Flaschenernährung abgeschafft wird.  . . .

 

2)Umwelt und Erbanlage

Wie sollen Vater und Mutter und Geschwister, wenn einmal der neue Erdenbürger glücklich zur Welt gekommen ist, an das wichtige Problem des Zusammenlebens mit dem kleinen neuen Organismus herangehen? Jeder Organismus ist das Resultat einer Wechselwirkung zwischen zwei Faktoren.

Erstens spielt seine Erbanlage, seine Charakteranlage, die er von Vater und Mutter und Vorfahren erhalten hat, eine maßgebliche Rolle. Diese Erbanlage ist in seinen Chromosomen niedergeschrieben, und zwar in einer codierten Form. Der Code ist praktisch (abgesehen von Mutationsmöglichkeiten und Umlagerungen) nach der Empfängnis unabänderlich. Er ist ein „geschriebenes“ Buch, das die Instruktionen enthält, nach denen der Körper sich selbst bauen soll, und bleibt von der Empfängnis bis zum Tod konstant (abgesehen von Unfällen, Mutationen oder Umlagerungen).

Zweitens: Diese Erbanlage kommt aber nur dann optimal zur Entwicklung und zur Entfaltung, wenn ihre Umwelt, biologisch und psychisch gesehen, günstig ist. Diese Umwelt ist nicht nur körperlich zu beurteilen, obwohl körperliche Faktoren wie Ernährung, frische Luft, Bewegung etc. eine große Rolle spielen. Psychische Faktoren wie „Atmosphäre“ in der Familie, Verhältnis von Vater zu Mutter, Bruder zu Schwester, können bei der Charakterentwicklung eines Kindes eine große Rolle spielen. Die Grundcharakterzüge sind natürlich von den Chromosomen und ihren Instruktionen abhängig. Doch werden diese Instruktionen durch die Umwelt, in der sie zur Entwicklung kommen, stark beeinflusst.

Von frühester Kindheit an ist das kleine Baby ein ausgeprägter Charakter. Jetzt muß die Umwelt in der Familie auf die vererbten Eigenschaften einwirken, so daß sie entwickelt und erzogen werden. Sobald das Baby etwas von Sprache verstand – was sehr früh geschieht – pflegten wir jeden Abend, als es im Bett lag, eine angepasste, spannende biblische Geschichte zu erzählen. So bekamen alle unsere Kinder sehr früh ein lebendiges Verhältnis zur Bibel alten und neuen Testamentes. Wie liebten unsere Kinder die Geschichten von David und Goliath, von Davids Flucht vor Saul und den wilden Jagden auf den Bergen, von Davids Begegnungen mit Saul in der Höhle und im Lager während der Nacht: Alle schliefen fest, was David die Gelegenheit gab, Sauls Spieß und Wasserkrug zu stehlen!

Diese Geschichten kann man für Kinder schön spannend ausschmücken, so daß sie ein festes Verhältnis zu den Personen der Bibel bekommen. Und die gruselige Geschichte der Hexe von Endor und Saul! Man kann diese Geschichte so bringen, daß jedes Kind drin lebt und ein Verhältnis, ein natürliches Verhältnis dazu bekommt Wir kennen keine Geschichten, die besser geeignet sind, ein Kind zum Lesen und zum Überlegen zu bringen, was eine ausgezeichnete geistige Erziehung nach sich zieht. Aber man muß recht früh anfangen und Ausdauer mit dieser Methode haben. Ich weiß, daß es jeden Abend etwas anderes zu tun gäbe, als den Kindern eine halbe Stunde spannende Geschichten zu erzählen. So beginnt aber ein Kind Charakter und Taten zu vergleichen, zu überlegen und sich ein Urteil zu bilden. So gewinnt es auch ein richtiges Verhältnis der Liebe und Verbundenheit zum Vater und zur Mutter (oder Tante). Der Vater, der dafür keine Zeit hat, darf sich später im Leben nicht fragen, warum seine Kinder wenig Gewicht auf seine Meinung und seine Weisungen geben!

Wir kennen eine fromme Christin, die ihren Kindern harmlose Freuden als „unchristlich“ verbietet. So erlaubt sie es z. B. ihrem kleinen Sohn nicht, Märchen zu lesen. Um was für einen Reichtum beraubt sie da den Kleinen! Zumal die meisten Märchen von Grimm und Andersen in den Kindern sehr stark den Sinn für Tugend und Untugend, Gut und Böse prägen, also ihnen eine sittliche Basis für das Leben schaffen, und zwar im christlichen Sinne in der Form von Gleichnis oder Parabel.

Man denke da besonders an die Narnia-Märchen von C.S. Lewis. Auch Jesus bediente sich Gleichnissen und Parabeln, um Wahrheiten klarzumachen. Es ist klar, daß ein Märchen niemals die biblischen Geschichten ersetzen kann, es vermag sie aber bedeutend zu ergänzen, weil es oft die gleichen Grundwahrheiten übermittelt. Natürlich gibt es auch verwerfliche Märchen. Da müssen gläubige Eltern weise auswählen, genau wie mit anderer Literatur. Durch den Umgang mit auf christlicher Moral fundierter Literatur lernen die Jugendlichen Literatur gegenüber ein kritisches Urteil zu entwickeln und nicht später alles zu „schlucken“, was ihnen in den Schulen angeboten wird.

Das, was die Kinder so früh lernen, bleibt beim Kind bis zum Grab. Spätere Begebenheiten vergisst das Kind, diese frühsten Eindrücke vergisst es nie. Als unser drittes Kind, Clive, später ins Internat nach England kam, musste er beim Pfarrer eine Prüfung über Bibelkenntnisse ablegen – und zwar eine Prüfung ohne jegliche Vorbereitung. Er war das einzige Kind im ganzen Internat, das jede Frage aus dem Alten Testament richtig beantwortete. Der Pfarrer fragte ihn, wie er all das im Kopf behalten könne. Clive gab zur Antwort, daß er diese Dinge immer schon gewusst hätte! Er habe sie nie „erarbeitet“! Wenn Kinder später im Leben den Weg Christi nicht gehen, fragt man sich, inwieweit ihre Erziehung in frühester Kindheit in Ordnung war. Es kann natürlich Fälle geben, wo die Eltern wirklich in allen Dingen vorbildlich waren, und doch weichen die Kinder später ab. Auf alle Fälle soll man so früh wie möglich anfangen, den Kindern Gottes Wort interessant, lebendig und heilig darzustellen. So erhalten die Kinder ein Verhältnis zur Bibel und zu den Eltern. – Man kann die Erbanlage eines Kindes nicht ändern, man kann sie aber durch eine günstige Umwelt zur besseren Entfaltung bringen, als normalerweise der Fall sein würde.

 

3) Seelenhygiene in der Familie

Auf noch etwas haben wir Eltern von frühester Kindheit in der Familie geachtet. Bei der heutigen Anspannung kann in der Familie leicht ein hartes Wort fallen. Mutter ist überarbeitet. Vater hat Sorgen aller Art. Das Baby schreit. Da reißen ab und zu die Nerven auch in der bestgeregelten Familie. Dies ist besonders der Fall, wenn die Familie auf engem Raum zusammengepfercht ist. Moderne Wohnungen sind auf Maß gebaut, angeblich damit die Miete nicht zu horrent wird. Alle tierischen Organismen weisen Stress auf, wenn der ihnen zugedachte Wohnraum zu eng ist. Da muß es zu Explosionen kommen, auch wenn die Familie sonst im Frieden Gottes lebt. Der Friede Gottes wird die Spannungen herabsetzen, doch sind gewisse Grenzen vorhanden, die nicht überschritten werden dürfen. Moderne Wohnungen beachten diese Grenzen oft zu wenig.

Wir kennen diese Not sehr gut, denn, als wir in Genf wohnten, stand uns nur eine winzig kleine dreieinhalb Zimmer Wohnung zur Verfügung. Dort in Genf bekamen wir zu Hause unser viertes Kind. Damals genossen wir den Luxus einer Haustochter, die zu uns zur Ausbildung kam. Sie wohnte in einem halben Zimmer – kaum mehr als ein Korridor mit einer Tür darin. Zwei Kinder schliefen mit uns im Schlafzimmer und eins in der Wohnstube. Unter uns wohnten sehr empfindliche Nachbarn, die den leisesten Lärm heftig beanstandeten durch Klopfen und Schimpfen. Das Haus war modern – und extrem hellhörig. . . .

Unter solchen strapaziösen Lebensbedingungen können einem die Nerven durchgehen. Wir haben deshalb sehr darauf geachtet, daß wir uns gegenseitig immer prompt entschuldigten, wenn etwas vorgekommen war, was wir als Christen nicht verantworten konnten. Diese gegenseitige „Katharsis“ (Ausräumen von Schuld) haben die Kinder sozusagen mit der Muttermilch eingesogen. So haben sie von Kind auf erfahren, daß man zu etwaigem Unrecht, das man getan hat, unbedingt stehen muß. Danach muß man sich gebührend entschuldigen, und zwar vor Gott und den Menschen. Sie lernen auch, daß eine ernsthafte Entschuldigung von der verletzten Seite immer angenommen wird. Durch diese Praxis unter uns Menschen lernten sie auch, daß Gott immer im Namen Jesu vergibt und gut macht, wenn echte Buße – eine ernsthafte Entschuldigung – vorlag.

So lernen die Kinder grundlegende göttliche Wahrheiten anhand des Vorbildes, das sie in ihren Eltern sehen. Wenn man den Ernst dieser Tatsache überlegt – wie oft haben wir Eltern versagt – sieht man, daß Gott die Familie dazu benutzt, um göttliche Prinzipien zu lehren. Kein Wunder also, daß die Atheisten aller Nationen die Familie und das christliche Familienleben zu vernichten suchen. Ein Kind, das die Vergebung Gottes in der Familie nie erfahren hat, weil es in irgendeinem staatlichen Institut erzogen wurde, findet es viel schwerer, auf das Angebot des Evangeliums einzugehen.

Die Kommunisten wie auch die Faschisten haben die christliche Familie als ihren Feind betrachtet, weil sie ihren Allmachtsanspruch über Menschen in Frage stellte. Gott, der Vater, nimmt den ersten Platz in der Familie ein und nicht irgendwelche atheistische Ideologie. Die Familie soll der Ort sein, wo Menschen jung und alt, Gott durch Anschauungsunterricht am ehesten kennen lernen. Man muß aber bedenken, daß nicht nur atheistische Kommunisten die Familie durch Gewalt zerstören.

Im Westen werden die wirtschaftlichen Verhältnisse durch die Lohnforderungen der Gewerkschaften und durch die zu hohen Gewinne der Kapitalisten derart zusammengedrängt, daß Vater und Mutter verdienen gehen müssen, damit die Familie durchkommt. Die hohen Lohnforderungen bringen Arbeitslosigkeit und deshalb auch Inflation mit sich. Beide zerstören das Familienleben, indem die Mutter mitverdienen muß. Es ist für die Familie natürlich unverantwortlich, wenn die Mutter (oder Vater) Extraarbeit nur deswegen annimmt, damit die Familie ein extra Auto, ein extra Fernsehgerät oder andere Luxusartikel bekommt. Es kommen jetzt aber immer häufiger Situationen vor, in denen die Mutter neben dem Vater arbeiten muß. Die Familie und Kleinkinder müssen dann tagsüber in Kinderhorte gegeben oder anderen irgendwie überlassen werden. Wir schreiben nichts gegen solche Einrichtungen, die viel dazu beitragen können, um eine Mutter zu entlasten. Doch, wenn sie zur Auflösung der jungen Familie führen, sind sie schlecht.

 

4) Familie und Bibel

Das Kind, das in einer christlichen Familie groß wird, besitzt Vorteile gegenüber anderen Kindern, die dieses Vorrecht nicht haben. Innerhalb der christlichen Familie, wenn die Familie neutestamentlich lebt, erhält das Kind ganz früh ein vertrautes Verhältnis zur Bibel, das andere Kinder nur von ferne sehen können. Natürlich, wenn eine Familie sich christlich nennt und nicht danach lebt, wird das Kind vom Christentum und von Christen gründlich abgestoßen werden. In einer Familie, die nach dem Neuen Testament zu leben versucht, lernt das Kind sehr schnell, daß die Familiengemeinschaft sich um die zentrale Wahrheit der historischen und gegenwärtigen Bibel sammelt.

In dieser Gemeinschaft und in diesem Wort findet das Kind einen absoluten Anker für die Psyche, wogegen andere Kinder oft nur relative Werte kennen. So lange die Eltern solcher Kinder sie in der biblischen Liebe erziehen, wird dieser absolute Anker sie nicht dogmatisch im negativen Sinne des Wortes gestalten.

Später besucht das Kind aus gläubiger Familie den Biologieunterricht in der Schule oder Universität. Da erlebt es oft einen sehr großen Schock – man lehrt dort, daß die Menschen keine Schöpfung Gottes seien. Sie seien alle per Zufall ohne Schöpfungstat oder Plan Gottes entstanden. Auch alle anderen Lebewesen, die Tiere und alle Pflanzen seien ebenfalls spontan aus dem Chaos der Urmaterie und nicht nach dem Plan Gottes entstanden. Der Mensch sei bloß ein höher entwickeltes Tier, lebt deshalb wie ein höheres Tier und stirbt ebenfalls wie ein Tier – ohne Plan und ohne Zukunft.

Kommt ein solches Kind in den Geologieunterricht, erlebt es wiederum einen Schock. Die Erde ist sehr alt, lernt es, Billionen von Jahren alt. Nach dem biblischen Bericht würde man meinen, daß die Erde und die Lebewesen viel jünger seien. Die Geschlechtsregister aus dem 1. Moses bestätigen die Ansicht, daß Adam vor relativ kurzer Zeit lebte. Eva stammt nach dem heutigen naturwissenschaftlichen Bericht nicht aus Adams Seite (also vegetativ), so daß Adams Ausspruch über Eva nur sehr sinnbildlich zu verstehen sei – „Gebein von meinem Gebein“ sagte Adam zu Eva, als sie vor ihm erschien. Wiederum wird am total biblischen Glauben des jungen Mannes oder des jungen Mädchens gerüttelt.

Kommt der junge Mann oder das junge Mädchen in den Soziologieunterricht, findet man ähnliche traumatische Erlebnisse, wenn auch in etwas anderer Form. Die Geschichten der Nationen werden durch die dialektischen Prinzipien von Marx und Engels erklärt und nicht von irgendeinem Gott, der sich im Himmel aufhält „und die Nationen persönlich und bewusst „lenkt“. So geht ein „Ernüchterungsprozeß“ in den jungen Menschen vor, wenn sie aus dem Einfluss des behüteten Elternhauses herauskommen. Dieser „Ernüchterungsprozeß“ kann für den biblischen Glauben sehr traumatisch sein, wenn der junge Mann keine Verteidigungsargumentation von seinen Eltern, seinem Pastor oder sonst jemandem erhalten hat. Oft nimmt er dem jungen Menschen seinen Glauben an Gott und sein Wort.

Man muß bedenken, daß ein Glaube, der auf Nichttatsachen und Mythen aufgebaut ist, nicht sehr lange gedeihen wird. Er kann nicht sehr echt sein, wenn ein paar wissenschaftliche Tatsachen ihn so leicht zerstören! Lohnt es sich also, einen solchen Glauben, der wissenschaftlich nicht stichhaltig ist, zu behalten?

Wenn eine christliche Familie ihr Kind gründlich unterrichtet hat, werden diese traumatischen Schocks weniger schädlich sein, selbst wenn das Kind später zur Universität kommt. Denn am Elterntisch wird man gerade diese Probleme durchdacht und durchsprochen haben. Die Familiengemeinschaft ist teilweise dazu da, um das Kind auf all diese Probleme recht früh aufmerksam zu machen, so daß es später imstande ist, die Antworten auf Probleme selbst zu finden. Nur so wird der Glaube eines Kindes gut fundiert. Wir haben oben erwähnte Probleme ganz früh, je nachdem die Kinder fähig waren, am Tisch besprochen. Früh wussten die Kinder, daß die Welt draußen anders denkt als wir. Ganz früh sagten wir ihnen, wann die Welt anders denkt, und warum wir eben christlich denken. Als die Kinder dann in der Schule mit all ihren Problemen des Unglaubens in Kontakt kamen, waren sie keineswegs überrascht, sie erwarteten sie sogar. Sie verstanden sie schon – wenigstens teilweise. Sie hatten sie schon bewusst oder unbewußt bei uns am Familientisch in kasueller Unterhaltung bearbeitet. Sie wussten, daß die Tatsachen der Naturwissenschaften den christlichen Glauben nicht zerstören.

Eigentlich bereiten weder die Naturwissenschaftler noch ihre Tatsachen dem bibelgläubigen Kind Sorgen. Es sind viel eher die Probleme der Interpretation dieser Tatsachen, die brennend sind. Die Meinung wird heute vielfach vertreten, daß man dumm sein muß, wenn man konsequenter Bibelchrist sein will. Dies ist in Wirklichkeit gar nicht der Fall. Denn man muß im Gegenteil sehr vielseitig denken und überlegen können, Tatsachen erwägen, wenn man konsequenter Bibelchrist sein will. Leider kann nicht jeder Vater und jede Mutter imstande sein, die verzwickten Fragen der ungläubigen Naturwissenschaftler zu beherrschen. Dafür kann aber jeder Vater und auch jede Mutter wissen, wo berufene Literatur zu finden ist, die die oben geschilderten Probleme biblisch behandeln. Aber nicht nur die Naturwissenschaften bereiten dem gläubigen Kind Mühe. Moralische und literarische Fragen beschäftigen es auch.

Als unsere Kinder unter dem Einfluß eines kommunistischen Deutschlehrers in der Schule kamen, wurde Bert Brecht in fast jeder Stunde ad nauseam gelehrt. Brechts Materialismus und Kommunismus beschäftigte die Kinder unter dem Einfluß dieses Lehrers viel mehr als Goethe oder Schiller. Dazu kam noch, daß der Lehrer als Lehrer ausgezeichnet war – ein Mann, der sein Fach weit besser verstand als viele sogenannte christliche Lehrer. Er war richtiggehend engagiert in seinem Brechtglauben. Da las meine Frau zu Hause Brechts Werke mit den Kindern zusammen: „Der gute Mensch von Sezuan“, „Baal. Der böse Baal der Asoziale“, „Die Maßnahme“ und wie sie alle heißen und besprach sie mit den Kindern. So lernten die Kinder am Familientisch die falschen, verderblichen Lehren von Brecht beurteilen und somit bekämpfen. Es gab rege Diskussionen in der Klasse, weil die Kinder nicht alles „schluckten“, was der Lehrer sagte.

Sie hatten alles vorher untersucht und überlegt, so daß der Lehrer sie nicht einfach mit Autorität überschwemmen konnte. Dies war für die Kinder und für den Lehrer heilsam. Meine Frau hat aber immer darauf bestanden, daß die Kinder höflich und zurückhaltend vor dem Lehrer antworteten, so daß er von den Kindern nicht abgelehnt wurde.

Auf diese Weise entsteht nicht nur eine bessere naturwissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch eine tiefe Familienverbundenheit. Eltern und Kinder lernen das Denken zusammen, was alle Familienglieder verbindet. Sie nehmen zusammen den intellektuellen Kampf gegen Atheismus auf. Sie lernen früh die Kunst des selbständigen Denkens. Anstatt alles zu schlucken, was ihnen erzählt wird, lernen sie kritisch denken, denn ihre Eltern haben ihnen am Tisch gezeigt, wie man die Fakten prüft und auseinandernimmt.

In der Schule werden heute nur zu oft fertige Meinungen gelehrt, statt daß man lehrt, wie man Meinungen anhand von Tatsachen bildet. Gerade weil dies oft der Fall ist, müssen die Eltern am Familientisch den Kindern diese hohe Kunst der Überzeugungsbildung beibringen.  . . .

In der westlichen Welt fängt ein Kind mit dem ernsthaften Lernen viel zu spät an. Vor allen Dingen soll man schon vor der Pubertät verschiedene Sprachen erlernen. Vor der Pubertät lernt ein Kind eine Fremdsprache viel leichter als nachher. Wenn der Engländer mit 13-14 Jahren Französisch zu lernen beginnt, kann er die Sprache nie ohne Akzent erlernen. Bekommt dagegen das Kind die Gelegenheit, mit Kindern seines eigenen Alters Französisch auf dem Spielplatz zu erlernen, wird es ganz anders die Fremdsprache erfassen. Wenn es eine Fremdsprache erlernt hat, wird es viel leichter eine dritte Sprache meistern. Aber das Kind muß mit Fremdsprachen beginnen, wenn es physiologisch dazu am reifsten ist, nämlich vor der Pubertät.

Die Russen fangen früh genug mit der Fremdsprache an. Wir haben viel vom Familientisch als Standort nicht nur des Essens und des Trinkens geschrieben, sondern auch als Quelle der Familienbildung. In der westlichen Welt war dies unbedingt der Fall bis vor 20-30 Jahren. Dann kam das Radio und das Fernsehen, welche den Familien erlaubten, vorgekaute Unterhaltung am Tisch oder im Sessel zu genießen. Natürlich, wenn die Familie nur von vorgekauten Meinungen im Radio oder Fernsehen lebt, wird der wirkliche Fortschritt in der Bildung zu wünschen übrig lassen. . . . So entsteht die typische amerikanische Familientischpraxis – die Familie kommt relativ selten geschlossen zum Tisch. Jedes Familienmitglied geht getrennt, gerade wenn es nach Hause kommt oder Lust dazu hat, zum Kühlschrank, macht eine Büchse auf und ißt für sich. Auf diese Weise verschwindet die Tischkultur in einer Familie, obgleich die Praxis bequem und der Hetze des modernen Lebens angepaßt ist! Auch in den USA gibt es hier natürlich viele Ausnahmen. An noch etwas muß man denken. Wenn alle Menschen immer die gleichen Nachrichten und die gleichen Meinungen über alle Themen hören, fangen sie mit der Zeit an, schablonenhaft zu denken. Meinungen werden genormt und Menschen können sehr leicht der Propagandamaschine eines modernen Staates zum Opfer fallen. Dr. Goebbels von Hitlers Propagandaministerium verstand diese Kunst der Manipulierung der öffentlichen Meinung nur zu gut.

Die Sowjets sind Meister dieser Kunst

Man muß andere Quellen der Information benutzen, um diese Gefahren zu vermeiden. Wenn die Familie regelmäßig Missionare und andere Menschen einlädt, berichten diese über ihre persönlichen Erfahrungen, die oft ganz anders sind als die, die man im Radio und Fernsehen hört. Mit dieser Vielseitigkeit von Informationsquellen erhalten die Kinder die Möglichkeit, sich eine ausgeglichene Meinung über Weltfragen zu bilden. Bevor wir diesen Absatz abschließen, müssen wir einen weiteren Feind des Familientisches mit seiner Bildung erwähnen. Das heutige Leben ist derart hastig geworden, daß junge Menschen kaum mehr imstande sind, ruhig an einem Tisch zu sitzen. Kommt das Wochenende, müssen sie Hunderte von Kilometern fahren, um sich zu „entspannen“. Sie „ersitzen“ in ihren Autos all die Berge, die durch Straßenbau „ersitzbar“ sind. Dadurch entbehren sie das Familiengespräch am Tisch und seine ganz natürliche Bildung. Gerade diese Art von Betriebsamkeit verdrängt das ruhige, konkrete Denken, das mit anderen Menschen so oft am Tisch geschieht

 

5) Glauben und Denken

In der Schule wird jedes Kind mit gewissen Fakten konfrontiert, die, wie man meint, den biblischen Glauben beeinträchtigen.

Wenn nun das Kind die Eltern liebt und den gleichen Glaubensweg wie die Eltern gehen möchte, wird es in einen inneren Zwiespalt kommen. Laßt uns konkret werden. Der Herr Jesus sprach von Adam und Eva als von geschichtlichen Personen. Wenn nun Jesus Gottes Sohn und deshalb der Inbegriff aller Wahrheit ist, muß das Kind eine Entscheidung treffen. Entweder kannte der Herr Jesus die wirkliche Geschichte der Welt nicht (denn die Personen Adam und Eva existieren nach Darwinscher Theorie nicht. Jesus hat sich also getäuscht, war also nicht allwissend und somit nicht Gott) oder der Herr Jesus wusste, daß Adam und Eva keine geschichtlichen Personen waren, behielt aber diese Erkenntnis für sich und paßte sich der damaligen Massenmeinung an. Dies wäre aber unaufrichtig und unwahrhaftig gewesen. Nun, ein Gott der Wahrheit (Jesus), der unwahrhaftig ist, ist undenkbar. Spannungen dieser Art zwingen viele Kinder, ihren Glauben an Jesus Christus als Sohn Gottes aufzugeben. Sie müssen das tun, um ihre intellektuelle Redlichkeit zu wahren. Andere Kinder lösen das Problem, indem sie ihren Glauben von Tatsachen trennen – sie „glauben“ naiv und blind trotz der „Tatsachen“. So kann ein Glaube unecht und unehrlich werden.

Die Lage ist klar: Wenn Jesus an die Historizität von Genesis glaubte, die, nach der Wissenschaft zu urteilen, unwahr ist, dann war er nicht Gottes Sohn. Viele Kinder sehen diesen Impass. Die Logik würde ihren Glauben vernichten. Deshalb retten sie sich in einen blinden Glauben, der mit historischen Fakten wenig gemeinsam hat. Man muß die Augen schließen und blind glauben. So wird der Glaube eher eine Sache des Unverstandes als des Verstandes. Es ist klar, daß selbst der frommste Christ nicht alles verstehen kann. Wenn man aber behauptet, daß der Glaube den Verstand ausschalten muß, dann kommt man auf gefährlichen Boden. Denn die Bibel behauptet immer, daß sie auf historische Tatsachen gegründet ist – Tatsachen wie das Leben, der Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus. Wenn diese historischen Tatsachen nicht die Basis meines Glaubens bilden, wenn ich glauben kann, ohne diese Tatsachen als Basis meines Glaubens zu haben, dann wird mein Glaube Sache des Unverstandes und nicht des Verstandes, was unbedingt unbiblisch wäre.

Weil man solche Überlegungen oft außer acht gelassen hat, kommen viele Kinder aus gläubigem Haus in große Schwierigkeiten in Glaubensfragen. Sie können leicht zu dem Schluß kommen – viele haben diesen Schluß bereits gezogen -, daß der Glaube ihrer Eltern auf Unwisssenheit, Unkenntnis der Tatsachen gegründet ist. Wüssten die Eltern einige naturwissenschaftliche Tatsachen, würden sie ihren dummen Glauben aufgeben: das ist die Einstellung vieler studierter Kinder aus gläubigem Haus. So fangen die Kinder an, die Intelligenz und die intellektuelle Redlichkeit aller Gläubigen (und ihrer Eltern) in Frage zu stellen. So lernen sie, auf ihre Eltern und andere Christen herabzuschauen. Diese sind eben zu dumm, deshalb glauben sie. Wenn nun mein Glaube auf Dummheit und Unwissenheit aufgebaut ist, dann ist er ein dummer, naiver Glaube!

Ist aber ein biblischer Glaube dumm und naiv? Viele meinen heute, daß dies der Fall ist. Kann aber ein dummer, naiver Glaube eine ganze Welt erneuern, wie der Glaube der Apostelgeschichte es tat? Es war Wilberforces biblischer Glaube, der ihn dazu brachte, von England aus den Amerikanern bekannt zu geben, überall, wo die Engländer irgendeinen Sklaven fanden, würden sie diesen befreien. Gladstone, der englische Ministerpräsident unter Königin Viktoria, Wesley, der England vor der französischen Revolution bewahrte, Whitfield, der die amerikanischen Kolonien revolutionierte, alle wiesen einen absolut biblischen Glauben auf.

Spurgeon, Moody und Sankey haben den gleichen Glauben geteilt, der alles andere als naive Folgen hatte oder dumm war! Wenn das moderne Kind zum Schluß kommt, daß der Glaube seiner Eltern (und von Wilberforce, Wesley, Whitfield, Gladstone etc.) naiv und dumm ist, muß das Vertrauensverhältnis zwischen gläubigen Eltern und ihrem Kind beeinträchtigt werden. Das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind ist die Basis des Familienglückes. So würde also die Basis des Familienlebens zerstört und Familiengemeinschaft auseinandergehen. Wenn eine gläubige Familie anfängt, an den Grundtatsachen und der absoluten Historizität der Bibel zu zweifeln, da muß man früher oder später mit einem Bruch in der Familiengemeinschaft rechnen – denn ihre Basis ist nicht mehr sicher – sie ist eben dumm – naiv!

Viele Eltern ängstigen sich gerade über dieses Auseinanderfliegen ihrer Familiengemeinschaft durch das Studium ihrer Kinder, und mit Recht. Denn sie haben unter ihren Freunden immer wieder das gleiche gesehen. Der Sohn oder die Tochter gehen zur Universität, und dort verlieren sie ihren christlichen, biblischen Glauben. Sie wollen das oft so vermeiden, indem sie ihre Kinder einfach nicht auf die Hochschulen schicken, was eine negative Lösung zu diesem Problem darstellt. So erweckt man den Eindruck, daß unser Glauben nur dort florieren kann, wo Unwissenheit und Dummheit herrschen. Wenn man die Unwissenheit durch ein Universitätsstudium beseitigt, beseitigt man zur gleichen Zeit den Glauben! Mit Recht spottet die Welt über eine solche Einstellung, denn sie entwertet den christlichen Glauben!

Die wirkliche Lösung findet man in einer vernünftigen Auseinandersetzung mit all diesen Fragen in der christlich gebildeten Familie, ehe das Kind überhaupt studiert. Deshalb müssen sich christliche Eltern durch Lesen, Bibelarbeit und Studium immer weiterbilden. …damit sie sich und ihren Kindern wirklich helfen können, mit all diesen Problemen rechtzeitig fertig zu werden. Deshalb müssen die Eltern dafür sorgen, daß guter Lesestoff über all diese Probleme im Haus vorrätig ist. Sicher soll der Hauptlesestoff die Bibel sein. . . . Auf diese Weise lernen die Kinder den Glauben der Eltern schätzen und respektieren. Ihr christlicher Glaube war also doch wohl durchdacht und fundiert! Noch ein letztes Wort über Kultur und Lesestoff am Tisch.

Das Bibellesen am Tisch soll mit Liebe und vor allen Dingen mit Geschmack und Inhalt geschehen! Die Aufgabe der Hauseltern ist also, dafür zu sorgen, daß die ganze Familie regelmäßig inhaltsreiche leibliche, geistliche und geistige Speise bekommt. Leib, Seele und Geist können nur dann gedeihen, wenn am Tisch wirklich etwas Grundlegendes für alle drei Ebenen geboten und verdaut wird. Unter einer solchen Tischgemeinschaft wird die Familie und ihre Gemeinschaft wachsen und gedeihen.

 

6) Erziehung und Anstand

In der heutigen sozialistischen Welt gibt es viele Christen, die der Überzeugung sind, daß jegliche Art von Anstand, Umgangsformen, Höflichkeit und auch Ehrfurcht vor anderen älteren Menschen einem vergangenen Zeitalter angehört. Form jeglicher Sorte kann, ihrer Meinung nach, nur eine äußere Politur sein. Weil sie nur äußerlich ist, muß sie auch heuchlerisch sein. So sind in den Augen vieler, besonders junger Menschen alle Anstandsformen entschieden abzulehnen, weil sie nur Äußerlichkeiten sind und deshalb im Prinzip heuchlerisch. Ein Christ darf keine Heuchelei praktizieren, deshalb darf er keine Anstandsformen ausüben! Der Ministerpräsident wird Willi genannt und der Rektor der Universität Hans! So versucht unsere heutige Gesellschaft ohne Anstand und Höflichkeit zu leben. Bert Brecht lehnt auch jede Form von Anstand und Lieblichkeit mit seinen marxistischen Freunden entschieden als Heuchelei ab. Jeder muß sich nach Brecht und Co. geben, wie er gerade ist

So gibt sich auch jeder, wie er ist, mit dem Ergebnis, daß man heute das leere, hohle, brutale Innenleben vieler in all seiner Häßlichkeit, Korruptheit und Geringschätzung anderer in den „Umgangsformen“ der heutigen „Kultur“ klar und unverblümt vor Augen sieht. Niemand nimmt auf andere Rücksicht, jeder setzt sich einfach durch. Das Überleben der „Tüchtigen“ (lies Brutalen) ist maßgebend, so sind wir, meint man, aus tierischen Vorfahren, Menschen geworden. Nur so kann man am Leben bleiben! Diese Einstellung muß natürlich die ganze menschliche Kultur gründlich brutalisieren. All das wäre konsequent und richtig, wenn Höflichkeit und Anstand nichts anderes als äußere Formen sind. Die Bibel lehrt aber, daß Höflichkeit, Freundlichkeit und Achtung vor dem Nächsten nicht äußere Form zu sein brauchen, sondern Ausdruck einer inneren Geschliffenheit und Rücksicht. Sie lehrt, daß Höflichkeit eine innere Frucht der umformenden Tätigkeit des Heiligen Geistes Gottes in uns sein soll: „ Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit (oder Höflichkeit), Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit…“ (Gal. 5, 22-23).

Frucht wächst als Ausdruck des Innenlebens gewisser Organismen und Bäume. Pflaumen pflückt man nicht auf Distelgewächsen und Äpfel nicht an Brombeersträuchern. Wenn nun Höflichkeit eine Frucht des heiligen Geistes ist, wird der Mann, der voll des Heiligen Geistes ist, durch seine Höflichkeit charakterisiert. Die Höflichkeit ist ein ganz natürlicher Ausdruck des Geistes, der in ihm wohnt und sein Leben dirigiert. Freundlichkeit, Enthaltsamkeit, Treue in Freundschaften werden ebenfalls die Frucht des gleichen Geistes sein. Eine freundliche Milde (neben geistgewirkter Entschiedenheit natürlich) wird den Mann kennzeichnen, der vom Geist Gottes ergriffen worden ist. Wenn nun Anstand und Höflichkeit ein Herauswachsen einer inneren Frucht darstellen, dann sind sie keine Heuchelei mehr. So entstanden eigentlich die Höflichkeitsformen unserer ursprünglich christlichen westlichen Kultur.

Die Menschen im Westen kannten die Bibel und ihre Frucht, versuchten danach zu leben und wurden freundlich und höflich, weil die Frucht des Geistes aus ihnen herauswuchs, genau wie die Äpfel auf dem Apfelbaum. Nur mit hochentwickelten Umgangsformen kann eine komplizierte, technische Gesellschaft funktionieren. Wenn jeder im Stadtverkehr rücksichtslos und unhöflich ist, funktioniert z. B. der moderne Autoverkehr nicht mehr und kommt schnell zum Stillstand. Wenn niemand treu ist und jeder schwindelt, wo er nur kann, kann man keinen Bankscheckverkehr ausüben. Jeder ist untreu und unterschreibt unverantwortlich Schecks. Weil man eine allgemeingültige Vertrauensbasis hatte, wurde fast die ganze Wirtschaft in den USA anhand von Privatscheckverkehr geführt – ohne Bargeld. Versuchen Sie, das gleiche in der Türkei z. B. zu tun!

Die Frucht des Geistes, die wir Treue nennen, braucht man, damit Verkehr dieser Art funktionieren kann. Die Schrift lehrt uns auch, daß einer den anderen höher achten soll als sich selbst (Phil. 2:3). Wenn man das wirklich als Frucht des Geistes Gottes tun möchte, wird man dafür sorgen, daß man nicht nur in der Wirtschaft so handelt. Auch in der Unterhaltung wird man anderen z. B. nicht ständig ins Wort fallen! Vor einiger Zeit versuchte ich mit einem sehr wichtigen Herrn Direktor ein Gespräch über innere Dinge zu führen. Nach einer Stunde gab ich den Versuch auf. Obwohl er ein lieber, gläubiger Mann ist, fiel er mir ständig ins Wort, so daß ich ihm keine Information zu vermitteln vermochte. Viele jüngere Christen haben derart Wohlgefallen an dem Ton ihrer eigenen Stimme, daß sie Zeit beim Reden und Vorträgehalten einfach nicht einhalten können. Sie stehlen anderen ihre Zeit – nicht nur den Zuhörern, sondern auch den Rednern, die nach ihnen reden müssen. So achten sie andere nicht höher als sich selbst. Noch etwas müssen wir erwähnen, was zu diesem Thema des Anstandes gehört.

Einmal kam bei uns ganz unverhofft eine christliche Familie zu Besuch. Wir hatten gerade unsere Mahlzeit beendet und waren beim Geschirrwaschen. Es war Sonntag gegen 13.30 Uhr. Da fragte ich höflich, ob sie schon zu Mittag gegessen hätten. Nein, die Kinder hätten Hunger! Zwei Buben und ein Baby waren mit den Eltern. Wir hatten nicht viel Auswahl im Haus, um den unverhofften Gästen ein Essen zuzubereiten. So begaben wir uns in die Küche, öffneten einige Büchsen – alles, was wir auf Lager hatten – und bereiteten ihnen ein nettes Essen aus Champignons und Hackfleisch. Als das Essen nach 20-30 Minuten aufgetischt wurde, riefen beide Buben laut und einmütig „UUH – UUH! Das essen wir nicht! Das ist ekelig, lieber essen wir nichts als das!“ Das war sehr peinlich!

Wir sagten, daß es leider nichts anderes gäbe. Da setzten sich unsere Kinder zu ihnen an den Tisch und fingen an, mit Begeisterung das Extraessen verschwinden zu lassen. Als die beiden Buben das sahen, wollten sie es auch probieren. Es schmeckte ihnen ausgezeichnet und sie aßen alles ratzekahl weg! Es mangelte dieser Familie an Takt und Disziplin! Höflichkeit ist oft nur ein Ausdruck von Selbstdisziplin. Deshalb klassifiziert die Schrift Höflichkeit mit Enthaltsamkeit (Gal. 5).

Im Grunde genommen ist die wichtigste Regel für den zwischenmenschlichen Bereich die Achtung vor dem Mitmenschen (Phil. 2:3). Höflichkeit resultiert daraus! Es ist unbedingt erforderlich, daß Eltern ihren Kindern von kleinauf im Geist der Heiligen Schrift gute Umgangsformen beibringen und vor allem selber vorleben. Durch die Erziehung zur Höflichkeit hilft man dem Kind beträchtlich im richtigen Umgang mit Menschen. Ich weiß, wie sehr ich mich über einen manierenlosen, undisziplinierten jungen Besuch – er mag noch so talentiert und auf seine Art gutmeinend sein – ärgere, der zuerst durch alle Türen spaziert, als erster am Tisch sitzt und vor der Hausfrau als erster zu essen anfängt, ohne Aufforderung halb liegend im besten Sessel versinkt (dafür muß ein älterer Mensch auf dem Stuhl Platz nehmen), jedem laut ins Wort fällt, alles besser wissen will, niemand anderen zu Wort kommen läßt. Wenn eine Dame oder eine ältere Person das Zimmer betreten, bleibt er sitzen, leistet der Hausfrau nicht die geringste Hilfe, sondern spricht noch ständig Extrawünsche aus. Jede Frau betrachtet er als seine persönliche Dienerin. Was nützt es, wenn dieser Gast die Bibel vorwärts und rückwärts auswendig und fromme Reden schwingen kann. Er lebt den Geist der Bibel nicht und ist ein vollkommener frommer Egoist, ohne es zu wissen. Was für ein Genuß ist dagegen ein gut erzogener Gast im Hause . . . Das Wort Gottes sagt uns zu diesem Thema (Philipper 4,8): „Allem, was wahr, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, dem denket nach!“

 

7) Frauenemanzipierung und Ritterlichkeit

Früher wurden die Buben dazu angehalten, Mädchen gegenüber ritterlich und zurückhaltend zu sein. Heute benutzt der Bube das Mädchen und läßt es dann fallen nach dem Vorbild von Bert Brecht in „Baal. Der böse Baal der Asoziale“. Es ist klar, daß die Mädchen die gleichen Rechte, die gleichen Löhne und die gleiche Behandlung wie Männer genießen sollen, wenn sie Gleiches leisten. Deshalb sagen sich viele junge Männer mit Recht, wenn die Mädchen alle männlichen Rechte haben wollen, warum sollen sie besondere frauliche Rechte genießen? Warum soll der junge Mann das Mädchen immer frei halten, wenn sie das gleiche verdient wie er? Früher war das anders. Weil Mädchen weniger oder gar nichts verdienten, wurden sie von jungen Männern überall freigehalten. Die soziale Gesetzgebung hat das heute gründlich geändert. Gleichzeitig führt dies zu einer gewissen Nivellierung des Verhältnisses zwischen jungen Männern und jungen Mädchen.

Die Bibel lehrt aber, daß Mädchen und Frauen nicht so wie Männer zu behandeln sind. Sie sagt, daß ein Mann seine Frau als Frau ehren soll (1. Petr. 3,7), wenn seine Gebete erhört werden sollen. Auf der anderen Seite betont sie, daß die Frau ihrem Mann Untertan sein soll. (Eph. 5,24). Die Frau ist dem Mann unbedingt gleichwertig, doch ist sie dem Mann nicht gleich. Man will heute keinen Unterschied machen zwischen Mann und Frau. Gleiche Arbeit soll bei Mann und Frau gleich entlöhnt werden, was sicher richtig ist. Doch zu meinen, daß alle Menschen, Frauen und Männer gleich sind, ist offenbar Unfug. Sie sind es nicht, auch wenn sie alle in Gottes Augen gleichwertig sind. Die Frau ist das schwächere Gefäß (1. Petr. 3,7). Physiologisch gesehen, weil sie eine Frau ist, muß sie zu besonderen Zeiten mit besonderer Rücksicht behandelt werden. Die heutige Idee, daß Mann und Frau so gleich sind, daß z.B. der Mann die Kinder genau so gut versorgen kann wie seine Frau, die mittlerweilen arbeiten gehen kann, um den Lebensunterhalt herbeizuschaffen, führt ins Unglück. Sicher kann ein Mann dem Baby die Flasche genau so gut halten wie eine Frau. Sicher kann der junge Mann genau so gut den Aufwasch machen wie die Frau. Aber der Mann kann die Atmosphäre im Heim und in der Familie nicht so schaffen wie die Frau. Er hat andere Aufgaben, die er besser erfüllen kann, als einen Haushalt zu pflegen. Dies ist eine einmalige Eigenschaft einer Frau und nicht die eines Mannes. Sicher kann der Mann die Familie gesellig machen, doch kann er nie und nimmer die Frau und Mutter ersetzen und sie nicht den Mann und Vater.

Jeder muß nach seinem besonderen Amt geachtet und gepflegt werden – die Frau nach ihrem fraulichen Amt und der Mann nach seinem. Mann und Frau können dafür sorgen, daß Anstand im Sinne der Frucht des Geistes in der Familie gepflegt wird. Es liegt aber immer besonders in den Händen der Frau, auf feine und taktvolle Weise das Familienleben so zu lenken, daß keiner sich vordrängt und keiner zu kurz kommt. Von ihren Augen können die Kinder oft ablesen, was sich in der Familie oder jeder Situation ziemt oder nicht ziemt. Solche Feinfühligkeit gehört zur Familienordnung, Wo solche Feinfühligkeit und die damit verbundene Ritterlichkeit gelebt werden, braucht es weniger Emanzipation der Frau, weil niemand unterdrückt wird. Goethe schreibt in seinem Torquato Tasso: „Willst du erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an.“

 

Kapitel 7

Das Verhältnis zum anderen Geschlecht

Vor hundert und mehr Jahren war man davon überzeugt, daß unverheiratete junge Menschen beider Geschlechter sich nur unter Aufsicht Dritter treffen durften. Daher stammt die Sitte der Anstandsperson (oder des „Anstandswauwaus“). Sicher ging diese Sitte oft zu weit und war mit Prüderie und Heuchelei verbunden. Genau so sicher ist es aber, daß das Pendel heute zu weit in die andere Richtung ausgeschlagen ist. Die Jugend beider Geschlechter trifft sich heute paarweise nicht nur ohne Aufsicht dritter Personen. Sie trifft sich, um freien Sex zu praktizieren. Oft werden private Zimmer zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt. Man „probiert“ sich, wie man sagt, beiderseitig geschlechtlich aus, ohne die geringsten Hintergedanken an eine Eheverbindung. Junge Paare leben ohne weiteres zusammen, ohne eine feste Ehe zu beabsichtigen. Die Praxis von freiem Sex bringt aber allerlei Schwierigkeiten und Frustrierungen mit sich. Wie soll sich der junge Christ zu dieser Entwicklung auf dem Gebiet des freien Sexes verhalten?

1) Die drei Ebenen.

Das Geschlecht wurde dem Menschen nicht gegeben, um bloß für den Genuß des Augenblickes zu sorgen. Sex ist mit der langjährigen Verantwortung für die Fortpflanzung der Rasse verbunden. Schon deshalb ist kasualer Sex Unfug. Die geschlechtliche Vereinigung soll die Harmonie zweier Menschen auf allen drei Ebenen ihres lebenslänglichen Daseins darstellen. Die dauerhafte Erfahrung von Harmonie auf drei Ebenen bringt große Freude, Erfüllung und Befriedigung beiderseits mit sich, sie kann aber von Verantwortlichkeiten und Pflichten nie getrennt werden. Ein Paar, das sich auf drei Ebenen harmonisch und dauerhaft ausliefert, erfährt ein Glück, das ein wachsendes Geheimnis des Paares ist und bleibt. Die Befriedigung, die Erfüllung und die Freude können aber nie ohne entsprechende Verantwortlichkeit erlebt werden. Diese dreifache Harmonie kann natürlich nur bei denen erfahren werden, die sich nach Leib, Seele und Geist fürs Leben immer wieder ausliefern und auch gegenseitig bereit sind, für die natürlichen Folgen von natürlichem Geschlecht dauerhafte Verantwortung nach Leib, Seele und Geist zu tragen.

Ehepaare, die nach ihrer Eheschließung zu Christus finden, bezeugen, daß mit ihrer beiderseitigen Hingabe an den Herrn Jesus ein völlig neues Glück, eine neue Dimension, in ihr Eheverhältnis eintrat Es handelt sich um ein Glück, das das Paar vorher nie gekannt hatte. Harmonie und Einssein auf 2 Ebenen kann beglückend sein. Harmonie auf drei Ebenen bringt eine ganz neue Dimension in eine Ehe. Wenn nun unverheiratete Paare kasualen geschlechtlichen Verkehr auf Ebene 1 praktizieren, wirkt das Erlebnis nachträglich oft abstoßend für beide. Gegenseitige Verachtung über gegenseitige Disziplinlosigkeit kann Entfremdung hervorrufen, so daß die körperliche Zuneigung sich in eine Verachtung und Abneigung verwandelt. Die Geschichte von Amnon und Tamar illustriert diesen Aspekt vorehelichen Verkehrs. Amnons glühende „Liebe“ und Zuneigung zu Tamar verwandelte sich direkt nach seinem Geschlechtsverkehr mit ihr sofort, radikal und plötzlich in einen ebenso glühenden Haß und eine tiefe Abneigung (2. Sam 13). Seine ursprüngliche Zuneigung zu Tamar geschah ausschließlich auf der Basis von Ebene 1, die offenbar nicht ausreichte, um eine Ehe im richtigen Sinne des Wortes zu bilden.

„Liebe“ auf Ebene 1 allein erzeugt oft Abneigung. Ein Blick in B. Brechts „Baal“ wird diese Behauptung vollkommen bestätigen. Nach ausgelebter Lust wurden ihm alle Partnerinnen regelmäßig ekelerregend. Wenn nun unverheiratete Jugendliche, die wenig von Ebene 2 und gar nichts von Ebene 3 auf geschlechtlichem Gebiet erfahren haben, auf geschlechtlichen Verkehr (Ebene 1) eingehen, entsteht eine vollkommene Einseitigkeit, d. h. eine Dissonanz im Paar. Der Körper geht auf etwas ein, das von den anderen Ebenen nicht getragen wird. Das Resultat ist, das die rein körperliche Zuneigung überlastet und beschädigt wird: Abneigung entsteht oft plötzlich. Eine Zeitlang danach wird die ganze Idee des Geschlechtes abstoßend und der Verkehrspartner ekelig; denn diese Art von geschlechtlichem Verkehr ist eine monodimensionale Karikatur der normalen dreidimensionalen Wirklichkeit im Geschlechtsleben. Der monodimensionale Verkehr findet bloß auf dem Niveau des Tieres statt. Somit verliert der Mensch de facto seine dreidimensionale menschliche Spezies, denn er praktiziert das, was unter dem Niveau seiner Spezies liegt. Er wird zur Bestie und zum Triebtier. Er entehrt sich selbst und beraubt sich seiner eigenen Würde. (Vergl. „Baal. Der böse Baal der Asoziale“ von B. Brecht oder „Ostpreußisches Tagebuch“, Hans Graf von Lehndorff, dtv. 1967).

Er erlebt hier einen zweiten „Sündenfall“. Der erste Sündenfall degradierte den Menschen so, daß er aus dem Paradies Gottes ausgestoßen wurde – der Mensch starb auf der 3. Ebene seines Wesens, lebte aber als Körper und Psyche weiter. Im „2. Sündenfall“ wird der Mensch zu einem Zustand und Niveau hinuntergestoßen, der mit dem des Tieres zu vergleichen ist. Er verliert sozusagen seine menschliche Spezies, seine Seele (Ebene 2). Er lebt nur nach den Prinzipien der körperlichen Lust. Der Apostel Paulus schreibt, daß der Mensch, der Unzucht treibt, sich an seinem eigenen Leib (nicht nur an seiner Seele) versündigt (1. Kor. 6:18). Das griechische Wort, das mit dem deutschen Wort „Unzucht“ übersetzt wird, ist „porneuo“, welches Wort mit unserem Wort Pornographie verwandt ist. Unzucht oder „porneuo“ heißt einfach menschlicher, geschlechtlicher Verkehr zwischen Unverheirateten. Zu dieser Art Geschlechtsverkehr schreibt der Apostel Paulus: „Fliehet die Unzucht. . . der Unzüchtige sündigt gegen seinen eigenen Leib. Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und daß ihr euch nicht selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft worden: so verherrlicht nun Gott mit eurem Leib“. (1. Kor. 6:18-20).

Der Leib ist da, um Gott eine Wohnstätte zu bieten und um ihn zu verherrlichen. Unzucht aber verunehrt Gott, denn der Leib gehört dem Herrn. Gott kann in keinem verunreinigten Tempel Wohnung nehmen. Die Bibel spricht also unmißverständlich gegen freien Geschlechtsverkehr zwischen Unverheirateten. Außerehelichen Verkehr zwischen Verheirateten nennt die Bibel Ehebruch.

Wenn wir bloß hochentwickelte Tiere nach der Evolutionslehre sind, warum sollen wir nicht ab und zu uns so auslassen wie gewisse Tiere? Aber beim Menschen kann Geschlechtsverkehr früher oder später zum Kind führen. Ein Menschenkind, ein Baby, darf aber nur dort geschenkt werden, wo beide Eltern auf allen Ebenen harmonieren, damit sie mit den Strapazen der Kindererziehung fertig werden können. Auch müssen beide Eltern über die wirtschaftlichen Mittel verfugen, um ihr Kind ernähren und ausbilden zu können. Ein großes Elend der heutigen Welt des freien Geschlechtsverkehrs besteht darin, daß Tausende von Kindern jährlich auf diese Welt kommen, die unerwünscht, unversorgt, ungepflegt und ungeliebt sind. Gott ist die Liebe.

Deshalb hat er die verantwortliche Zeugung von Kindern mit großer Liebe auf drei Ebenen verknüpft. Auf diese Weise sollte das menschliche Kind in eine Oase der Liebe in einer lieblosen Welt hineingeboren werden. Damit diese Liebe für das Kind stark genug sein kann, muß sie in einer Harmonie auf drei Ebenen bei den Eltern entstehen. Wir brechen durch diese gottgewünschte Mauer der versorgenden Liebe, wenn wir Kinder nur auf der Basis von Ebene 1 auf die Welt setzen. Aber auch wenn durch den Geschlechtsverkehr keine Kinder gezeugt werden, was mit modernen Verhütungsmitteln leicht  bewirkt werden kann, bleibt freier Sex vom göttlichen Standpunkt aus ein Unding. Solcher Verkehr ist eine Karikatur des Eigentlichen, denn Sex soll das totale, innere Einssein des Paares fürs Leben auf körperliche Weise versinnbildlichen. Sie werden zu einem Fleisch, untrennbar in- und – miteinander verschmolzen. Vor- und außerehelicher Verkehr versinnbildlicht alles andere als diese permanenete Verbundenheit für Lebzeiten. Seine Ausübung verhöhnt Mann und Frau. Wenn zwei Menschen sich körperlich außerhalb der Ehe vereinen, tun sie ihrem eigenen menschlichen Wesen tiefsten Schaden an. Sie erwarten so viel vom Verkehr und erhalten nur eine Verhöhnung des Wirklichen. So entstehen Ekel und chronische Enttäuschungen. Denn die Vereinigung muß auf allen drei Ebenen für Lebzeiten stattfinden, um vollkommen befriedigend und glückspendend zu sein.

 

2) Ärztliche Befunde

Ärzte haben wiederholt entdeckt, daß Unzucht eine Verletzung des ganzen Menschen mit sich bringt. Durch Unzucht haben sich physische Krankheiten wie Syphilis und Gonorrhöe im Westen epidemisch ausgebreitet. Die Erreger dieser Krankheiten sind auch zu einem erschreckenden Maße gegen Penicillin und andere Antibiotika resistent geworden. Die Medizin steht also jetzt vielfach machtlos dieser Epidemie mit all ihren Folgen gegenüber. So gehen die genannten Krankheiten wie ein Lauffeuer durch die Reihen der Jugend in der westlichen Welt.

Die Folgen (körperlich und psychisch) für die Generation, die darunter leidet, sind ernst. Doch viel ernster sind die Folgen für die kommenden Generationen. Bei syphilitischen Eltern können die Kinder blind geboren werden. Viele andere Symptome von jungen Kindern gehen auf Syphilis zurück und sind manchmal unheilbar. Diese Schäden treten zuweilen nach einigen Generationen immer noch auf.

Unzucht bringt aber nicht nur ansteckende physische Krankheiten mit sich. Sie verursacht auch die bereits erwähnten psychosomatischen Störungen. Durch den Mißbrauch ihrer Körper im vorehelichen Geschlechtsverkehr verderben sich viele das wirkliche spätere eheliche Glück. Wenn eine Braut entdeckt, daß ihr Mann Dutzende von vorehelichen Verbindungen mit vielen anderen Mädchen auf Ebene 1 schon erlebt hat, entsteht sehr oft in ihr ein Ekel vor ihrem Mann und vor ehelichem Verkehr mit ihm. Das gleiche gilt auch für den Mann, wenn er entdeckt, daß seine Frau keine Jungfrau war, als er sie heiratete, sondern sich anderen Männern vor ihm ausgeliefert hat. Geschlechtsverkehr schlechthin wird durch jeglichen Sexmißbrauch ekelig (vgl. B. Brecht!). Aus diesem Grund können viele, auch christliche Eheleute, nie eine glückliche eheliche Verbindung finden. Es gibt zahlreiche Christen, die chronisch zu den Ärzten laufen, weil sie die größte Mühe haben, in ihrem ehelichen Verkehr einen Höhepunkt zu erreichen. Es kann sein, daß die Frau tief in ihrem Herzen ihren unzüchtigen Mann verachtet – oder er sie -, was normalen glücklichen Verkehr verdirbt. Ein solches Ehepaar kann sich gegenseitig nie das geben, was beide brauchen … nämlich die exklusive, gegenseitige Hingabe auf allen drei Ebenen. Aber gerade das kann sich das Paar geben, das rein in die Ehe hineinging. Eine ähnliche Situation kann bei Geschiedenen entstehen. Hier gibt es natürlich Ausnahmen, denn manche sind unschuldig geschieden. Da kann Gott gutmachen, was Menschen frevelhaft mißbraucht und deshalb verdorben haben. Der Mensch ist nicht für Unzucht, d.h. für geschlechtlichen Verkehr außerhalb oder vor der Ehe geschaffen. Wenn er es trotzdem tut, entsteht in ihm selbst nur Ekel davor – statt der großen Freude des natürlichen dreidimensionalen Verkehrs.

3) Geschlechtsverkehr zwischen Verlobten

In der modernen Welt wird es allgemein als selbstverständlich angesehen, daß Verlobte oder Paare, die vor der Verlobung stehen, sexuellen Verkehr praktizieren. In diesem Sinne gehen verlobte und noch nicht verlobte Paare zusammen zelten, sie übernachten in Hotels zusammen, unternehmen zusammen weite Reisen. Niemand findet etwas dabei. Und warum sollte man etwas dabei finden? Die Überzeugung besteht, daß Sex und Sexgenuß genau so notwendig und natürlich sind wie das Essen und das Genießen von Essen. Sex ist doch ein rein natürliches Phänomen, so natürlich wie Essen und Trinken. Ohne Sex kommt man genau so wenig aus wie ohne Essen und Trinken. Das ist die heutige Einstellung.

Warum soll man etwas dabei finden? Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Der Schöpfer, der uns erschuf, hat uns so gebaut, daß wir am besten nach Leib, Seele und Geist gedeihen, wenn unserem Sexleben andere Schranken gesetzt werden als Essen und Trinken. Ein Mann ist für eine Frau gebaut – und eine Frau für einen Mann. Wenn man Pluralität in das Sexleben einbaut, gedeiht der Mensch nicht, wie Gott es plante. Selbst Salomo, der weiseste aller Menschen, musste diese Tatsache bitter lernen.

Warum sollte aber das junge Paar, das sich verloben will, oder sich schon verlobt hat, auf sexuellen Verkehr bis nach der tatsächlichen Eheschließung verzichten? Stellen wir die Frage anders: Warum soll das Paar auf Verkehr verzichten, bis das Establishment ihm die Genehmigung dazu in der Eheschließung gibt? Viele junge Paare lehnen sich gegen die Hegemonie der Landeskirche und des Staates auf diesem Gebiet auf. Sie lehnen diesen amtlichen Trauschein und diese Zeremonien ab.

Die Landeskirche bestimmt den Glauben der Masse nicht mehr – sie (die Kirche) lebt nur noch von den Almosen und Kirchensteuern einer unwilligen Masse des Volkes. Auch der Staat hat, wie die Landeskirche, seine Glaubwürdigkeit teilweise verloren. Denn viele moderne Staaten werden heute von ehemaligen Terroristen geführt, die ihren Staat durch Gewalt eroberten und mit Hilfe der Polizeigewalt das Regiment führen. Man blicke nach dem Osten (und nach dem Westen), überall sieht man das gleiche Bild. Die Fürsten in der Vergangenheit waren oft auch nicht viel besser! Wie der Herr Jesus selber sagte, ergreifen die, die die Macht über uns haben, die Gewalt und nennen sich dann Wohltäter des Volkes (Luk. 22:25). Auch für ihre Trauscheine verlangen sie Gebühren, auf die der heutige Mensch keinen Wert mehr legt, denn er ist aufgeklärt! Unsere modernen Ehen sind unsere eigene Sache, für die wir keine Genehmigung solcher „Wohltäter“ brauchen! Wenn die Ehe von einem Establishment anerkannt werden muß, das sicher auf unser Geld und meist auf die Macht der Polizei aufgebaut ist, dann verzichten wir auf eine Genehmigung unserer Ehe vor einer solchen Behörde, sei sie zivil oder kirchlich! So denken viele heute!

Junge Paare sind heute besser orientiert über diese Dinge als früher. Sie hören ständig Radio und sehen jeden Tag Fernsehen – und respektieren Autorität wenig! Deshalb distanzieren sie sich von behördlichen Trauscheinen und kirchlichen Zeremonien. Aus diesen und ähnlichen Gründen sagen sich viele moderne Paare, daß ihre Ehe sie allein angeht und das kein Establishment irgendwelcher Art dazwischenzufunken hat. Wir lieben uns, wollen einander treu bleiben, wir leben deshalb einfach ohne weiteren Aufschub zusammen wie Mann und Frau! Wir lehnen Autorität und Hegemonien, seien sie staatlich, zivil oder kirchlich, als heuchlerisch entschieden ab.

Obwohl wir oben geschilderte Einstellung sehr gut verstehen, können wir sie als Christen nicht ganz billigen. Denn im Alten Testament ist die Einrichtung, die wir Ehe nennen, von Gott unter gewissen Bedingungen eingesetzt worden. Die Paare fingen nicht einfach an, miteinander zu leben, wie man es heute tut. Sie fingen erst an, als Ehepaar zusammenzuleben, nachdem sie einzeln und freiwillig vor ihrer Sippe bekannt hatten, daß sie hinfort als Mann und Frau bis zum Tode zusammenleben wollten, und von Gott eingesegnet worden waren. Selbst Rebekka durfte die lange Reise zu Isaak nicht anfangen, bis man sie öffentlich vor der Gemeinde der Verwandten und Freunde befragt hatte, was sie persönlich wegen Isaak beabsichtige. Als sie sich eindeutig und freiwillig zu ihm bekannte, dann erst durfte sie reisen. (1. Mose 24). Die Zeremonie vor der Sippengemeinschaft wurde also als Notwendigkeit und auch als Vorbedingung für eine Ehe angesehen. Dies ist auch die biblische Einstellung von Genesis bis zu der Offenbarung. Auch heute soll das christliche Brautpaar in einer öffentlichen Zeremonie den Segen Gottes auf ihren Bund erbitten, und zwar vor dem Zusammenleben.

Man darf also Zeremonien, die eine Gelegenheit zum öffentlichen, freiwilligen Bekenntnis zur Ehe bieten, nicht einfach ablehnen, wenn man innerhalb der Gesinnung des Wortes Gottes leben will. Sie sind biblisch und gehören zur gottgewollten gesellschaftlichen Ordnung. Der Wille zur Ehe soll vor Freunden und Familiengliedern öffentlich bekannt werden. Eine solche biblische Ehe wird nicht provisorisch geschlossen, bis man sieht, ob man zueinander passt. Eine biblische Ehe wird, ehe sexueller Verkehr beginnt, geschlossen, bis der Tod die beiden trennt.

Offenbar ist es gut, wenn ein Paar sich öffentlich und freiwillig zueinander bekennt, ehe es zusammenlebt. Denn das öffentliche Bekenntnis schützt beide Seiten. Wenn man sich schämt, dies in einer öffentlichen Zeremonie vor Freunden und der Familie zu tun, fehlt etwas in einem Verhältnis. Zu dem, was man tut, muß man auch öffentlich stehen.

Besonders unverantwortlich ist es, wenn ein Paar zusammenleben will, ohne sich permanent aneinander zu binden, auch wenn man behauptet, man will sich gegenseitig nur „ausprobieren“. Denn in der „Probe“ sind sie bereits ein Fleisch geworden. Diese Situation ist ganz anders als die, die wir oben geschildert haben, wo ein Paar zusammenleben will, aber ohne öffentliche Zeremonie. Hier handelte es sich um kasualen Verkehr, bei dem keine bindende Absicht für eine spätere Ehe eine Rolle spielt. Man will sich ohne Verpflichtung „ausleben“. Und zwar sind heute oft die Aggressiven die Mädchen, die durch unanständige Kleidung, durch aufdringliches Benehmen, unsaubere Worte und Gebärden den Mann bewußt reizen und sich ihm anbieten. Vor den Reproduktionsfolgen kann sich ein Mädchen heutzutage schützen. Jede sexuelle Eroberung ist für sie ein Triumpf! Früher war es eher umgekehrt.

Warum machen wir diese Unterschiede zwischen kasualen und permanenten Verhältnissen bei Liebespaaren? Der Grund ist einleuchtend: ein junger Mann und ein junges Mädchen können auf Ebene 2 und 3 miteinander verkehren, ohne auf ein sexuelles Verhältnis auf Ebene 1 einzugehen. Das Paar kann gesellschaftlich und auch auf geistlicher Ebene in einer christlichen Familie oder in einer christlichen Gemeinde sehr gut verkehren, um sich besser kennenzulernen. Dieser Verkehr bietet die natürliche Basis menschlichen Verkehrs und auch die Gelegenheit, eine noch nähere Bekanntschaft anzubahnen. Wenn ein Paar dann festgestellt hat, daß sie auf Ebene 2 und 3 zusammengehören, erst dann entsteht eine Basis für Verkehr auf Ebene 1 in der Ehe. Aber der sexuelle Verkehr (Ebene 1) gehört nach der Bibel einzig und allein in eine Ehe und bietet nie eine Basis, auf Grund welcher ein Paar erfahren kann, ob es auf Ebenen 2 und 3 zusammengehört. Geschlechtlicher Verkehr soll eine Folge von Gemeinschaft auf Ebenen 2 und 3 sein und nicht die Basis von Gemeinschaft auf Ebenen 2 und 3. Das Paar, das sich gegenseitig auf Ebene 1 „ausprobiert“, um zu erfahren, ob es für eine Ehe zusammenpaßt, stellt die natürliche Reihenfolge in der Entwicklung einer Gemeinschaft zwischen Mann und Frau auf den Kopf. Das letzte Gemeinschaftsgebiet, das sich entwickelt, muß das Körperliche sein. Ein Teil der modernen Jugend beginnt mit dem, was zuletzt kommen soll.

Warum betonen wir diesen Unterschied im Verhältnis zwischen Verlobten und Ehepaaren? Ganz einfach, weil die Bibel die gleiche Betonung herausstreicht. Im Fall von Joseph und Maria haben wir bereits festgestellt, daß während der Verlobung absolut kein sexueller Verkehr stattfand. Die Tatsache der Jungfrauengeburt Jesu (eine zentrale Doktrin der Heiligen Schrift) ist von der absoluten Abstinenz Josephs und Marias auf diesem Gebiet während der Verlobungszeit abhängig. Die Bibel gibt sich aus, des Schöpfers verbindliches Wort an uns zu sein. Wenn sie auf diesem Gebiet ungenau Bericht erstattet, wie kann man ihr auf den anderen Gebieten Vertrauen schenken?

Wir wissen, daß der Schöpfer selber die Einrichtung der Ehe und des sexuellen Verkehrs erfand. Da der Herr Jesus derjenige ist, durch den Gott die ganze Welt, und alles, was darauf ist, erschuf, hat Jesus persönlich die Einrichtung der Ehe erfunden und entwickelt (Eph. 3:9). Seine Worte über den Ursprung der Ehe sind deshalb doppelt wichtig für Jünger Jesu: „Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen, daß der Schöpfer sie von Anfang an als Mann und Weib geschaffen und gesagt hat: „Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weib anhangen, und die zwei werden ein Leib sein“? Somit sind sie nicht mehr zwei, sondern sie sind ein Leib. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ (Matth. 19:4-7).

Der Herr Jesus selber sagt uns hiermit, daß die körperliche Verbindung zwischen Mann und Frau eine transzendente Verbindung auf höherer Ebene bewirkt. Mann und Frau stellen im sexuellen Verkehr eine organische Einheit zwischen ihren Körpern her, die nicht mehr aufzulösen ist. Sie werden eins. Deshalb wurde anfänglich nicht an die Möglichkeit einer Ehescheidung gedacht. Eine Ehescheidung würde eine so tiefgreifende chirurgische Operation darstellen, daß sie in Jesu Augen praktisch nicht durchführbar ist. Das Paar ist in den Augen Gottes eins geworden und dieses Einssein wird durch die eheliche Verbindung symbolhaft und dem Wesen nach dargestellt.

Wenn nun junge Menschen sich einfach gegenseitig „ausprobieren“, machen sie das tiefste, transzendenteste Bild des inneren, permanenten Einssein nach Leib, Seele und Geist zunichte. Deshalb müssen Unzucht, Ehebruch und vorehelicher Verkehr vor Gott, dem Erfinder ehelichen Verkehrs, immer ein Frevel sein, der den Menschen nach Leib, Seele und Geist vernichtet. Natürlich, Buße und Bekehrung kann durch Jesu Blut auch solchen Frevel aus dem Weg schaffen, doch bleibt immer eine große, häßliche Narbe in der Seele der Betreffenden zurück.

Die Sünde selber kann Vergebung erfahren, doch bleiben ihre permanenten Folgen nicht aus. Das eheliche Verhältnis ist für einen Mann und eine Frau gedacht, und zwar bis der Tod die beiden scheidet. Moses machte Ausnahmen wegen des Herzens Härtigkeit, doch waren Scheidung, Ehebruch, Unzucht und Unkeuschheit außerhalb der Herrlichkeit der Schöpfung Gottes, wie sie am Anfang gedacht wurde.

 

4) Warum die Frau die Kinder bekommt und nicht der Mann

Vom biologischen Standpunkt aus ist es nicht ganz selbstverständlich, daß der weibliche Teil einer Spezies die Kleinen bekommt. Gewisse nichtmenschliche Spezies teilen das Problem der Reproduktion und des Kindergebärens anders ein, wie wir schon gesehen haben. Das kleine Seepferd löst das Problem so, indem das Männchen die Eier vom Weibchen übernimmt und sie nicht nur befruchtet, sondern sie in seine eigene Bruttasche steckt, wo er sie schützt und ernährt Dann, wenn sie reif sind, bringt er sie durch männliche Geburtswehen lebend zur Welt. Vögel, Reptile besonderer Art, gewisse Fischarten und Piatypus (ein primitives Säugetier) legen Eier. In vielen Fällen brüten die Eltern die Eier nicht aus, sondern überlasse sie sich selbst. Es ist ein relativ rares Phänomen, daß das Weibchen die Eier in sich, wie beim Menschen, ausbrütet und dann so lange pflegt. Warum aber dieses langwährende und intime Verhältnis zwischen Mutter und Kind bei uns Menschen? Die Bibel gibt uns zwei Antworten auf diese Frage:

1) Das intime, langwährende Verhältnis zwischen Mutter und Kind beim Menschen soll uns Anschauungsunterricht über unsichtbare Dimensionen vermitteln. Wir können die transzendenten Dimensionen nicht wahrnehmen, und doch sollen wir etwas über sie wissen, denn früher oder später gehen wir alle ins Transzendente ein. Wir stammen auch aus dem Transzendenten. Deshalb sollen wir mit den Prinzipien dieser Dimension während unserer Lebzeit vertraut werden. Die transzendenten Dimensionen stellen die Sphäre dar, aus der wir stammen und für die wir erschaffen wurden. An der Sorge einer Mutter für ihr Kind, an ihrem intimen lange Zeit währenden Verhältnis zu ihrem Kind, sollen wir Gottes immerwährende Sorge für uns wahrnehmen, die wir nicht direkt sehen können, weil er transzendent ist und wir nicht. Der erste Grund ist also der des Anschauungsunterrichtes. Es ist natürlich klar, ein so hochentwickeltes Wesen wie ein menschliches Kind braucht viel mehr Zeit zum Wachstum und zur Entwicklung als Tiere, die ein so komplexes Schicksal und hohe Bestimmung nicht vor sich haben wie Menschen. Deshalb sorgte Gott in der Biologie des Menschen für diese überaus lange Entwicklung, indem er ein Mutter-Kind-Verhältnis menschlicher Art plante. Deshalb versuchen Atheisten wie die Kommunisten und auch die Nationalsozialisten das Mutter-Kind-Verhältnis und das Familienleben schlechthin zu kürzen oder zu vernichten. Sobald wie möglich nach der Geburt, wird das Kind von der Mutter weggenommen, so daß das Baby nie erfährt, wie eine Mutter für es sorgt und es liebt. Dann wird das Kind sein Leben lang Mühe haben, die Liebe Gottes und seine Fürsorge zu verstehen und zu erleben. Der Anschauungsunterricht einer Familie fehlt ihm für immer.

2) Der zweite Grund besteht darin, daß die Rolle der Frau beim Kindergebären und bei der Kindererziehung einen Ausgleich zwischen Mann und Frau darstellen soll, und zwar folgendermaßen: Am Anfang als Gott die Menschen erschuf, entstand Adam zuerst. Dann wurde Eva aus Adams Seite genommen. Sie wurde nach dem Genesisbericht aus Adams Rippe gebaut. Hat sich die Bibel auf einen biologischen Ast hinausgelassen, indem sie diese Aussage über Eva und Adams Rippe machte? Persönlich glaube ich als Naturwissenschaftler und Christ, daß man diese Aussage historisch hundertprozentig annehmen darf. Die biologischen Gründe dafür habe ich in meinem Buch „Grundlage zu einer neuen Biologie“ ausführlich angegeben. Die moderne Theologie möchte dem biblischen Bericht keinen Glauben schenken, weil sie bis jetzt kaum imstande war, das Problem im Lichte der modernen Erkenntnis auf dem Gebiet der Molekularbiologie und des genetischen Codes zu untersuchen. Rein theoretisch gesehen kann man den Genesisbericht nur annehmen oder ablehnen, je nachdem wie man zur Historizität der Bibel steht. Bis vor 20 Jahren stand auch die biologische Wissenschaft kopfschüttelnd vor der biblischen Berichterstattung über Eva und Adams Rippe. Mit der Enträtselung des genetischen Codes ist es jetzt möglich geworden, die biblischen Aussagen als historisch wahr in allen Einzelheiten anzunehmen. „Grundlage zu einer neuen Biologie“ gibt nähere Details über dieses Problem.

Nach der Bibel nahm also die Frau ihren Ursprung vegetativ aus Adams Seite: Sie verdankt ihr Sein dem Leib Adams, sie kam also durch Adam zustande und wurde für ihn gebildet. Wie die Schrift sagt, kam also die Frau durch den Mann (1. Kor.11:7-12). Körperlich wurde sie Adams Seite entnommen. Wie Adam selber sagte: „Dies ist nun endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch. Die soll Männin heißen: denn vom Mann ist sie genommen“ (1. Mose 2:23). Nach der biblischen Berichterstattung stammt die Frau also stofflich materiell vom Mann ab. Sie ist sein Fleisch und sein Gebein. Ihre ganze Grundlage liegt also im Manne.

Wenn nun die Geschichte der Frau so bliebe, könnte es so aussehen, als ob die Frau dem Manne total untergeordnet sei. Sie würde sozusagen sekundär sein, was nach der Schrift nicht der Fall ist. Sie ist durchaus eine ebenbürtige Gehilfin – nicht seine Sklavin. Um einen Ausgleich zu schaffen, hat nun der Herr es so verordnet, daß Eva, die vegetativ vom Körper des Mannes abstammte, die Mutter aller Lebenden wurde (1. Mose 3:20). Adam „gebar“ Eva (auf nichtsexuelle Art und Weise) aus seiner eigenen Rippe. Eva gebiert auf sexuelle Weise alle Menschen, Frauen und Männer. So entsteht der vollkommene Ausgleich zwischen dem Wesen des Mannes und dem Wesen der Frau.

Aber es war die Frau, die in die Versuchung kam und dem Satan nachgab. Eva wurde vom Satan versucht und nicht Adam, so daß der Sündenfall durch die Frau zustande kam. (1. Timotheus 2:14). Infolge dieser Tatsache könnte die Frau ewig geknechtet werden, wenn nicht noch ein Ausgleich geschaffen worden wäre. Um diesen weiteren Ausgleich zugunsten der Frau zu verwirklichen, brachte die Jungfrau den Herrn Jesus, Gottes Sohn zur Welt, durch den die Erlösung und Befreiung aus dem Sündenfall geschah. So entstand die Frau aus dem Körper des Mannes: alle Menschen aber entstehen aus dem Leib der Frau, beide, Männer und Frauen. Durch die Frau drang die Sünde in die Welt: durch die Frau kam aber der Heiland (Retter) von Sünde auch zur Welt. So herrscht eine vollkommene Dialektik zwischen dem Wesen und der Funktion von Mann und Frau. Sie sind vollkommen gegeneinander und füreinander ausgeglichen. „Denn ein Mann soll das Haupt nicht verhüllen, da er ein Abbild und ein Abglanz Gottes ist: die Frau aber ist Abglanz des Mannes. Der Mann stammt ja nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen erschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen… denn wie die Frau vom Manne stammt, so ist auch der Mann durch die Frau, aber alles kommt von Gott.“ (1. Kor. 11:7-12).

 

5) Zeugung und Erschaffung (Schöpfung)

Als Gott die Welt erschuf, erschuf er etwas, was anders ist als er selbst. Die ewige, göttliche „Substanz“ ist anders als die nicht-ewige Substanz seiner Schöpfung. Seine Substanz ist ewig und transzendent. Der Stoff dieser Welt ist immanent und wurde von Gott erschaffen. Stoff ist nicht ewig. Die Materie dieser Welt hatte einen Anfang, Gott dagegen keinen. Deshalb, als Gott die Welt und den Stoff dieser Welt erschuf, brachte er etwas zustande, was anders ist als er selbst. Die Pantheisten lehren, daß der Kosmos Gott ist. Somit müsste man schließen, daß der Stoff dieses Kosmos mindestens etwas zu tun hat mit der „Substanz“ Gottes. Daß dies nicht der Fall sein kann, hat uns die moderne Physik längst bewiesen, denn kein Stoff ist ewig. Wenn Gott selbst der Stoff des Universums ist, müsste Gott auch vergänglich sein und nicht ewig. Gott erschuf also in der Erschaffung der Welt etwas anderes als sich selbst, außerhalb von sich selbst. Gott erschuf das Universum, ist aber nicht das Universum.

Wenn ich ein Auto baue, erschaffe ich etwas. Doch bin ich kein Auto. Wenn ich ein Radio bastle, oder ein Buch schreibe, bleibe ich persönlich unverändert, ich bin weder Radio noch Buch. Erschaffung setzt also voraus, daß man etwas anderes erschafft, als man selber ist. Es besteht ein stofflicher, wesensmäßiger Unterschied zwischen einem Schöpfer und seiner Schöpfung, ganz gleich, ob der Schöpfer Mensch oder Gott ist. Das ist die Basis von Schöpfung und Erschaffung.

Wenn ein Mann Kinder zeugt (nicht erschafft), pflanzt er sein eigenes Wesen fort. Das Gezeugte besteht aus dem gleichen Wesen und Stoff, die den Vater ausmachen. Zeugung ist also eine Art Erschaffung, doch mit dem Unterschied, daß bei Zeugung der Vater sein eigenes Wesen fortpflanzt. Ich erschaffe ein Radio, doch zeugt man ein Kind. Das Radio ist wesensmäßig anders als ich. Das Kind besitzt das gleiche Wesen wie der Vater.

Als nun Gott Adams Körper erschuf, war Adams Körper aus Stoff gebaut. Adams Körper unterschied sich deshalb von Gott. Adams Körper war also eine Schöpfung Gottes, er war stofflich, und somit anders als Gott. Als Gott seinen Geist in Adams Körper hineinblies, wurde Adam selber wesensmäßig Gott ähnlich, er bestand z. T. aus Gottes Geist, aus Gottes Substanz (Geist), weil Gott Geist ist. Adam wurde eine Person wie Gott, denn Gott ist persönlicher Geist. Adam ist persönlicher Geist geworden. Somit wurde er zur gleichen Zeit Schöpfung Gottes (Körper, weil erschaffen) und „Sohn“ (Kind) Gottes (Geist, weil gezeugt). Durch den Sündenfall wich der Geist Gottes von ihm, Adam starb und wurde bloß Schöpfung Gottes, Kind oder Sohn Gottes aber nicht mehr, sondern Kind des Teufels, der ihm seinen Geist der Finsternis einblies (Zeugung). So wurde Adam Sohn des Teufels, blieb aber Schöpfung Gottes… alles zur gleichen Zeit

In der Wiedergeburt wird dieses Verfahren reversiert. Der wiedergeborene Mensch wird durch Zeugung (Gottes Geist) wieder Sohn oder Kind Gottes genannt und wird der göttlichen Natur wieder teilhaftig. „Da seine göttliche Macht uns alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns vermöge seiner Herrlichkeit und Vollkommenheit berufen hat, durch die er uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch diese göttlicher Natur teilhaft würdet… (2. Petrus 1:3-4). In der Wiedergeburt wird der Mensch neu gezeugt von Gott und der göttlichen Natur teilhaftig, er ist wieder Sohn geworden und nicht nur Kreatur.

Da der Mensch in Adam am Anfang sündig wurde, verlor er die Kindschaft Gottes und wurde ein Kind des Satans. Sein Geist wurde Gott gegenüber tot – tot in Sünden und Übertretungen. Dies ist der natürliche Zustand der ganzen Menschheit. Von Natur aus können wir diesen Zustand nur weitervererben, denn unsere Kinder erben von uns einen Hang zur Sünde und wiederholen in jeder Generation die Tat Adams und Evas. Sie sind Kreaturen Gottes aber nicht Kinder Gottes. Deshalb muß in jedem Menschen eine Neuschöpfung durch den Geist Gottes in der Wiedergeburt (Zeugung) stattfinden, wenn ein Mensch, eine Kreatur Gottes, Kind Gottes werden will. Die Zeugung durch den Geist Gottes geschieht in der Buße und Bekehrung. Die Erschaffung geschieht in Adam und in der Empfängnis. Wenn er aber der göttlichen Natur teilhaftig und Kind Gottes werden will, muß er die Wiedergeburt oder Zeugung des Geistes Gottes erleben

6) Die Jungfrauengeburt des Herrn Jesus

Jetzt sind wir in der Lage die Notwendigkeit der Jungfrauengeburt des Herrn Jesus besser zu verstehen. Ein Kind entsteht, indem 23 Chromosomen im genetischen Code der Mutter sich mit den 23 Chromosomen des Vaters
paaren. So zeugen Vater und Mutter ein Menschenkind, das 46 Chromosomen besitzt. Das Problem ist: wie konnte Maria, die Mutter Jesu, ihrem Baby die 46 Chromosomen geben, ohne die 23 Chromosomen Josephs zu beanspruchen, die ihn zum Vater des Kindes machen würden?  . . .

Es heißt ganz klar, daß, obwohl Joseph nicht sein Vater war, Gott den Herrn Jesus durch den Heiligen Geist in Maria zeugte. Gott war sein Vater – genetisch gesehen. Der Heilige Geist kam über Maria und zeugte das Kind in ihr. Der Herr Jesus selber stand auch zu dieser Erklärung seiner Geburt. Dies bringt mit sich, daß der Leib des Herrn Jesus sicher eine Schöpfung Gottes durch Maria war. Der Herr Jesus wurde ausdrücklich gezeugt von Gott – heute habe ich dich gezeugt, ist die diesbezügliche Aussage der Bibel (Joh. 1:14,14, Joh. 3:16,18. Heb. 11:17, 1, Joh. 45, Hebr. 1:6). So war der Herr Jesus der göttlichen Substanz und Natur teilhaftig, die ganze Gottheit wohnte leibhaftig in ihm (Kol. 1:19).

Durch Maria war sein Leib eine Schöpfung Gottes, die menschlich geboren werden mußte. Durch die Zeugung durch Gottes Geist in Maria war und blieb der Herr Jesus die zweite Person der Trinität Gottes, der Sohn Gottes. Hier haben wir die ganze Verbindung zwischen Zeit und Schöpfung mit Ewigkeit und Zeugung durch den ewigen Geist Gottes. Wahrhaftig ein großes Mysterium!

Und dieses Geheimnis der Gottseligkeit in Jesus wird immer so bleiben, denn der Herr Jesus hat den Leib, den er durch Maria bekam, nie abgetan. Sein Fleisch sah die Verwesung nicht, denn keine Sünde wohnte je in ihm. So wurde sein Leib in der Auferstehung von Transzendenz überkleidet und Jesus bleibt der Gott-Mensch im Himmel, gestern, heute und in aller Ewigkeit der gleiche.

Da Gott Jesu Vater war, da Gott ihn „heute gezeugt hat“, nehme ich an, daß Gottes Geist einen übertragenen Vaterdienst bei seiner Zeugung ausführte. In der ganzen Biologie musste Gott die Ordnung der Chromosomen liefern, damit lebende Organismen den vollen Satz von Chromosomenordnung erhalten. Nun, Ordnung entsteht immer durch einen Geist. In der Schöpfung arbeitete Gottes Geist und erschuf Gottes Ordnung in Gottes Materie. Hier ist heiliger Boden, auf dem wir ehrfurchtsvoll treten müssen: Gottes Geist schrieb Jesu Schöpfungsgedanken im genetischen Code des Lebens, so daß Pflanzen, Tiere und Menschen entstanden.

Am Anfang erschuf Gott den Menschen, indem sein Geist die Materie so zu Chromosomen ordnete, daß sein Leib entstand. Dann wirkte Gottes Geist und blies Adams Leib den Odem in die Nase, so daß eine lebende Seele entstand. Wenn man diesen Vorgang in moderner Sprache fassen würde, müsste man sagen, daß Gott die Aminosäuren, Nukleinsäuren, Nukleotide, Ribose- und Phosphatmoleküle zu einer doppelten Helix ordnete. So entstand die grundlegende Ordnung des Leibes Adams, so entstand die Schöpfung Gottes, die wir Mensch nennen.

Dann kam aber der Geist Gottes wieder und blies ihm den Geist an; so wurde Adam gezeugt zum Sohn des lebendigen Gottes, der Geist ist. Diese Zeugung wurde aber durch den Sündenfall rückgängig gemacht, und Adam starb „geistlich“ an dem Tag nach dem Wort Gottes. Diese Zeugung muß jetzt in jedem individuellen Sohn Adams neu nachgeholt werden, indem Adams Söhne durch die Zeugung seines Geistes Gottes Söhne werden.  . . .

 

7) Enthaltsamkeit und Sublimierung

Es wird oft behauptet, daß Sex für einen Mann genau so notwendig sei wie das Essen und Trinken. Sex sei ein normaler
körperlicher Appetit, dem irgendwie entsprochen werden müsse, sonst werde man krank. Wenn man Sex, auch vor der Eheschließung, nicht praktiziere, werde man „komisch“ oder gar „unmoralisch“.

Behauptungen dieser Art sind ganz leere Behauptungen, denn sie entsprechen nicht den Tatsachen. Viele junge vitale Männer haben jetzt und in der Vergangenheit freiwillig auf Sex verzichtet. Sie sind nicht unnormal geworden. Oft haben sie sogar körperlich und psychisch davon profitiert. Der Herr Jesus heiratete nicht, er praktizierte kein Geschlecht. Paulus, der Apostel, verzichtete auch. In diesem Verzicht hat der Herr Großes geleistet – er brachte die Kraft zum freiwilligen Tod am Kreuz auf, was eine überaus große charakterliche Festigkeit an den Tag legte.

Der Missbrauch von Sex und Mangel an sexuellem Verzicht kann viel eher Abnormalitäten mit sich bringen. Dies gilt für den jungen Mann und für das junge Mädchen. Die Abnormalitäten durch Sexmissbrauch können rein psychischer Art oder auch körperlich sein. Aber echte Enthaltsamkeit hat, so viel ich weiß, nie etwas Abnormales hervorgebracht. Alte Erkenntnisse auf diesem Gebiet sind oft gesünder als manche moderne Theorien. Früher wusste man, daß sexuelle Enthaltsamkeit psychologische Sublimierungen mit sich bringen könnte, die zu einer Veredlung des ganzen Menschen führte. Die besten Dichter und Komponisten waren oft Menschen, die unter dem Einfluss von sexueller Enthaltsamkeit ihre Höchstleistungen zustande brachten.

Die Praxis von Sex kann sicher wie eine Art von „Sicherheitsventil“ bei der Jugend funktionieren. Durch Geschlecht lässt man sozusagen „Druck“ oder „Dampf“ ab. Der Mensch, der vor Gott und in Treue und Gehorsam zu Ihm bewusst auf Sex verzichtet, speichert mehr „Druck“ oder „Dampf“, die er dann für andere Aufgaben verwenden kann. Die Energie, die sonst der Praxis von Geschlecht zugute käme, wird in andere Kanäle geleitet, was man psychologische Sublimierung nennt Der junge Mann sublimiert seine Libido und leitet sie in andere Bahnen. Er komponiert oder dichtet in der Kraft dieser Energie.

Diese sublimierte Kraft sieht man in manchen künstlerischen Werken. Der Heilige Geist kann solche Kräfte heiligen und benutzen. So sind auch schönste Liebeslieder und geistliche Lieder entstanden. Eine Generation, die es nicht versteht, solche Schätze der Libido zu speichern, indem man bewusst verzichtet, wird Werke dieser Art nie zustande bringen. Die gespeicherte, sublimierte Kraft dazu fehlt. So entstehen die Flachheit und die schlechte Produktivität der heutigen Generation, die wenig von Disziplin, Enthaltsamkeit und Selbstverleugnung versteht. Der „Dampf“ einer solchen Generation wird in der Befriedigung aller Wünsche, auch der geschlechtlichen Wünsche, ständig verpufft.

Aus diesem Grund geht jedes Volk rapide zugrunde, das keine Enthaltsamkeit schlechthin kennt, und das sofort gleich alles, auch Sex, genießen muß. Ein Volk, das auf das Genießen schlechthin (also nicht nur von Geschlecht) nicht verzichten kann, wird keine gespeicherte, sublimierte Energie für Höchstleistungen auf Vorrat haben. Deshalb muß man heute immer mehr für immer weniger wirkliche Leistung bezahlen. Durch die Sucht des „Sofortvergnügens“ auf allen Gebieten, das allen menschlichen „Dampf“ ablässt, sinkt das „Manometer“ des Menschen auf Null – er ist so beschäftigt, sich selbst zu vergnügen, daß er fast nichts anderes fertigbringen kann, als sich selbst zu leben. So entsteht der fertige Egoist von heute. Er hat nur gerade Energie und Dampf genug, um seine eigene „Maschine“ laufen zu lassen, sein eigenes Vergnügungsleben zu führen.

Auf der andern Seite kann eine von Gott disziplinierte Ehepraxis ganz neue und auch andere Kräfte in einem Menschen zur Entwicklung bringen. Mancher junge Mann ist von Komplexen aller Arten durch eine gottgegebene Ehe befreit worden. Seine Psyche, auch die seiner Frau, kann in einer glücklichen Ehe zur vollen Entwicklung kommen, was im ledigen Zustand nicht der Fall war. Eine vor Gott geführte Ehe kann im Manne wie in der Frau ganz neue Kräfte freisetzen, die Mann und Frau so gestalten, daß sie buchstäblich innerlich neu werden.

Oft denke ich an das Wort der Sprüche, wenn ich diese Art der Befreiung durch eine gottgewollte Ehe sehe: „An einem wackeren Weibe – wer findet es? – hat man weit höheren Wert als an Korallen. Bei ihr steht vertrauend des Gatten Herz, des Gewinnes ermangelt er nicht Denn sie erweist ihm Gutes und nichts Böses die ganze Zeit ihres Lebens . . . Fernher gleich Kaufmannsschiffen holt sie ihre Nahrung. Gar frühe, noch bei Nacht, steht sie auf, gibt ihrem Hause die Speise und bestimmt das Tagwerk für die Mägde. Hätte sie gern einen Acker, sie kauft ihn, und vom Ertrag ihrer Hände einen Weinberg. In Kraft gürtet sie ihre Lenden und rüstig regt sie die Arme. Ja, sie erfährt, daß ihr Gewerbe gedeiht: auch bei Nacht erlischt ihre Lampe nicht. Liebreich bietet sie ihre Hand dem Elenden, streckt sie dem Armen entgegen. Näht sich selber die Decken, feinstes Leinen und Purpur ist ihr Gewand. Oben im Tor ist ihr Mann geachtet, wenn er bei des Landes Ältesten sitzt. Rüstige Kraft und Hoheit ist ihr Gewand; sie lacht des künftigen Tages. Sie öffnet den Mund zu verständiger Rede und freundliche Weisung ist auf ihrer Zunge. Tun und Treiben im Haus überwacht sie: Brot des Müßigganges isst sie nicht. Und ihre Söhne treten auf und preisen sie glücklich: ihr Gatte ist voll des Lobes: Viele Töchter halten sich wacker, doch du übertriffst sie alle.“ (Sprüche 31:10-29)

Verzicht auf die Praxis von Geschlecht kann eine große Sublimierung im Menschen hervorrufen, die ihn zu Großleistungen befähigt. Da wirkt Verzicht vor Gott wie ein Katalysator. Aber Ausübung von Geschlecht vor Gott kann auch tiefgreifende Veränderungen in einem Ehepaar hervorrufen. Die Erfahrung des Glückes der totalen, gegenseitigen Auslieferung beider Ehepartner kann ein Vorgeschmack des Paradieses Gottes sein. Denn Gott selber spricht vom Herrn Jesus als vom Bräutigam und den Gläubigen als von der Braut. Das Sinnbild ist nicht willkürlich. Der junge Mann oder das junge Mädchen, die auf das Glück des Geschlechtes verzichten, werden mit einer Sublimierung belohnt, die ein Geheimnis derer ist, die sie ausüben. Und die, die eine gottgewollte und gottdisziplinierte Ehe ausüben, erhalten ein Glück, das an das des Himmlischen Bräutigams mit seiner Braut erinnert. Dieses Glück ist auch ein Geheimnis derer, die in der Ehe in der Gesinnung Jesu zusammenleben. Und die Kinder, die aus einer solchen Ehe hervorgehen, bereiten den Eheleuten ein zusätzliches Glück, das ein Geheimnis der Kinder und der Eltern bleibt

Die Hauptsache bleibt also, daß Menschen die verzichten und Menschen die Sex von Gott annehmen, beide auf ihre verschiedenartige Weise die Wahrheit des Wortes Jesu erfahren: „Suchet vielmehr zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit! DANN werden euch alle diese Dinge hinzugefügt werden“ (Kleidung, Schönheit, Ernten, Leben die Fülle) (Matt 6:33).

 

Epilog

Sex, Liebe und Ehe sind Einrichtungen Gottes, die für unser Zeitraumkontinuum und nicht für andere Dimensionen oder Ewigkeit gedacht sind. Sterben und Vergänglichkeit haben im ewigen Zustand keinen Platz, so dass es dort auch keinen Sex und keine Ehe gibt. Sicher gibt es dort etwas besseres, das durch Sex und Ehe hier in der Zeit vorgespiegelt wird. Wo es aber keinen Tod und kein Altern gibt, da kann es keine Reproduktion durch Sex geben. Das Ehe- und Sexverhalten in der Zeit wird durch etwas Vollkommeneres in der Ewigkeit ganz sicher wiedergegeben werden. Dort werden sich ein Mann und seine Frau viel vollkommener gegenseitig geniessen als hier im Fleisch.

Das Sex- und Eheverhältnis in der Zeit wird vom Altern ständig überschattet. Wenn man bei der Trauung vor dem Altar steht, spricht der Pfarrer Worte aus, die uns an diese unwillkommene Tatsache erinnern: – „bis der Tod euch scheide“. Wir merken dann täglich die Erfüllung seiner Worte, das Näherrücken dieses Scheidens beschäftigt uns je mehr, je länger die Schatten des heranrückenden Abends und der Nacht werden. Die Kräfte fangen an nachzulassen. Die Freuden der Jugend verlangen einen immer höher werdenden Preis – man kann sich körperlich weniger leisten als früher. Deshalb empfinden manche Eheleute das Heranrücken des Abends als etwas Unangenehmes, als etwas, das man mit allen Mitteln fernhalten müsste. Man möchte die Runzeln entfernen lassen, die Haare färben, denn sie erinnern uns an den Abend. Man greift zur Schminkdose, um das heranrückende Alter vorläufig wenigstens zuzudecken. Man kleidet sich auffällig jugendlich. Niemand soll merken, daß die Schatten länger werden und die Nacht näher rückt.

Nun, was soll man zu dieser Einstellung sagen? Der Tod ist und bleibt der letzte Feind, der erst durch Tod und Auferstehung rückgängig gemacht wird. Bis zur Auferstehung und zum Wiederkommen des Herrn Jesu wird er unbesiegt bleiben. Unbesiegt ist er grausig und hässlich, er erinnert an Verwesung. Während des Älterwerdens feiert der Tod seine Siege. Menschen lassen die Freude ihres Lebens durch die Furcht des Todes überschatten. Älterwerden ist oft recht schmerzhaft. Selbst das schleichende Gefühl der herannahenden, progressiven Machtlosigkeit des Alters plagt den Menschen, der an Macht gewöhnt ist. Denn Macht macht sehr leicht machtsüchtig.

Auf der anderen Seite müssen wir bedenken, daß, auch wenn die Freuden und die Vitalität der Jugend der Neige entgegengehen, andere Freuden Begleiterscheinungen von wachsender Reife sein können… echte, neue Freuden, die man in der Jugend nicht genießen konnte, weil man über die nötige Reife dazu noch nicht verfügte. Dies setzt natürlich voraus, daß man tatsächlich reifer wird. Dann birgt das Alter mehr Freude in vielen Richtungen: z. B. an der Schönheit von Weisheit. Oder, so lange man den Sinn für schöne Musik während der Jugendzeit kultiviert hat, genießt man sie im Alter ganz anders als in der Jugend. Auch die Schönheit von Menschen und Tieren lernt man mit wachsender Reife besser genießen. Persönlich sagen uns die Tiefen der Bibel und ihre Aussagen über die Person des Heilandes jetzt viel mehr als früher.

Wenn man jung ist, meint man oft, daß das Altern dem Hässlichwerden gleichzusetzen ist. Später entdeckt man im alten Menschen, der ein Leben in der Nachfolge Christi hinter sich hat, eine milde, reife, verborgene Schönheit, die man früher übersah. Die jugendliche Vitalität geht der Neige entgegen, doch entsteht dafür eine Frische des Alters, die die Vitalität der Jugend ersetzt „Die auf den Herrn harren, empfangen neue Kraft, daß ihnen Schwingen wachsen wie Adler, daß sie laufen und nicht ermatten, daß sie wandeln und nicht müde werden“ (Jesaja 40:31).

Der Körper und seine Kräfte lassen nach. Das „Zelt“ (wie die Bibel den Körper nennt), in dem wir wohnen, wird dünn und baufällig und bekommt allmählich überall Risse, so daß es uns immer weniger vor dem rauhen „Wetter“ dieses Lebens zu schützen vermag. Es ist die Aufgabe von uns „Zeltbewohnern“, uns während der Zeit unserer Pilgerschaft in verweslichen Zelten auf das Wohnen in einem ewig währenden Zelt vorzubereiten! „Denn wir wissen, daß wir, wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen sein wird, einen Bau haben, den Gott bereitet hat, ein nicht mit Händen gemachtes ewiges Haus in den Himmeln. Denn deshalb seufzen wir auch, indem wir uns sehnen, mit unserer Behausung aus dem Himmel überkleidet zu werden, … damit das Sterbliche vom Leben verschlungen werde.“ (2. Kor. 5:1-5).

Wir werden also eines Tages unseren materiellen, verweslichen Körper gegen einen neuen Körper vertauschen. Der Zweck der Erschaffung des Menschen liegt gerade in diesem Austausch eines sich zersetzendes Leibes gegen einen permanenten, unverweslichen Körper ohne „Zeit“. Die menschliche, ewige Psyche wohnt jetzt in einem zeitbedingten Leib, der baufällig wird. Aber der Sinn der Erschaffung des Menschen ist und bleibt die Behausung der menschlichen Psyche in einer ewigen Wohnung, die nie baufällig oder alt wird. „Eben zu diesem Zweck hat uns Gott gemacht“ (2. Kor. 5:5).

Der Beweis dafür, daß dies Zweck und Ziel der Menschenschöpfung ist, liegt in der großen Tatsache, daß Gott uns als Angeld für die Wahrheit dieser Aussage seinen uns innewohnenden Geist gab. Heute ist das Christentum derart heruntergekommen, daß Christen mit Schärfe darüber argumentieren, ob der Geist mit der Wiedergeburt oder nachher als spezielle Gabe gegeben wird! Als ob ein Mensch nicht wüsste, wann der Heilige Geist persönlich in ihm Wohnung nahm! Wenn er vom Zeitpunkt dieses großen Ereignisses nichts Bestimmtes weiß, müsste man sich fragen, ob es überhaupt geschehen ist! Die Juden in der Wüste wussten sofort, wann Gottes Geist persönlich auf die Arche fiel, um bei ihnen mitten im Lager zu wohnen. Sie wussten auch, daß die Sünde ihn vertrieb – obwohl sie auch nach seinem Rückzug noch sein Volk blieben und auch hießen.

Diese Überlegungen geben uns einen Schlüssel zum Problem des Alterns. Unser verderbliches Zelt, unser Körper, wird durch ein besseres, bleibendes Zelt ersetzt. Dieser Tausch stellt den Sinn der Menschenschöpfung dar. Der Genuß des Wohnens in einem vorübergehenden verweslichen Körper wird durch den Genuß des Wohnens in einem besseren, herrlichen und ewigen, bleibenden Körper ersetzt. Gerade um diesen Wechsel zu erleben, hat Gott den Menschen erschaffen – daß wir ein besseres, ewiges Zelt nach dem Verschwinden des zeitlichen bekommen. Der Genuß des einen alten Zeltes bereitet uns aber auf den Genuß des zweiten neuen vor. Das Ablegen des ersten ist schwer, wenn wir vergessen, daß dieses Ablegen des alten Vorbedingung für die Annahme eines neuen ist Wenn wir unsere Blicke nur auf das Schwinden des ersten richten, wird das Schwinden schwer. Wenn wir aber die Symptome des Schwindens als Diagnose für das Herannahen des neuen interpretieren, dann dürfen wir uns über diese Symptome der Hinfälligkeit des alten Zeltes sogar freuen. Der Apostel Paulus schreibt genau das: wir wollen nicht, sagt er, entkleidet werden (sterben, den alten Leib ablegen), sondern wir wollen alle vom neuen Leib überkleidet und so verherrlicht werden. (2. Kor. 5). Gerade darin liegt das Ziel und der Zweck der Erschaffung des Menschen. Der uns innewohnende Geist ist Gottes Angeld für die Wahrheit dieser Aussage.

Im Lichte obiger Tatsachen können wir jetzt zwei Aspekte des Altwerdens berücksichtigen:

1) Der Christ wird wie alle anderen älter, doch darf er die Symptome des Alterns nicht als bloße Symptome des Zerfalls des Körpers betrachten, sondern als Symptome des bevorstehenden herrlichen „Zeltwechsels“. Durch diesen Tausch wird er seinem Herrn Jesus ähnlich.

2) Aber selbst diese Symptome des Altwerdens treten beim Christen oft langsamer auf als bei Nichtchristen. Denn der reifende Christ darf kraft seines Vertrauens zu seinem Herrn und kraft der Freude, die Gott denen gibt die vor ihm leben, eine immer wiederkehrende Frische erleben. Christen, die sich bewusst auf den Zeltwechsel vorbereiten, kriegen tatsächlich oft auch im Alter neue Energie und neue Freude. Denn die Kraft Gottes, die den Herrn Jesus von den Toten auferweckte, wirkt jetzt in den reifenden Kindern Gottes und wird auch sie von den Toten auferwecken: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Röm. 8:11). – „Daher werden wir nicht mutlos, sondern, ob auch unser äußerer Mensch zerstört wird, so wird doch unser innerer von Tag zu Tag erneuert“ (2. Kor. 4:16).

Die Botschaft von 2. Kor. 4:16 ist also, nicht mutlos werden, wenn der äußere Mensch Symptome des Altwerdens aufweist, denn der gleiche Geist Gottes, wohnt jetzt schon in dem reifenden Christen. Man müsste also erwarten, daß der Mensch, der diesen Geist bei Lebzeiten in sich hat, auffahren wird wie ein Adler, laufen wird und nicht müde wird. Der gleiche Geist wohnte auch in Mose, der mit 120 Jahren vital war. Seine Augen waren nicht dunkel und seine natürlichen Kräfte hatten nicht nachgelassen (5. Mose 34,7).

Wir kennen alte, reifende Gläubige, die bis zum Ende ihres Lebens rüstig, froh und vital bleiben. Junge Menschen sind froh, wenn sie mit solchen Alten Zusammensein dürfen. Jung und alt sind in diesem Fall alle beide recht jugendlich. Dieses Jungsein bedeutet nicht notwendigerweise, daß man rein physische, jugendliche Kräfte, Geschlechtskräfte wiederbekommt. Es bedeutet, daß eine Altersfrische blüht. Trotz der Schwäche des Körpers funkeln die Augen, der Geist ist rege und die Lebenslust bleibt, auch wenn man jederzeit bereit ist abzuscheiden, um beim Herrn zu sein. In dieser Kraft freut sich der alte Ehegatte über die Auserwählte seiner Jugend, die ihm treu alle Tage seines Lebens beigestanden hat. Sie freut sich ebenso ihres Mannes und liebt ihn noch viel inniger als am Tage ihrer Vermählung mit ihm. Die beiden kennen sich durch und durch, haben immer wieder trotz Schwierigkeiten Ja zueinander gesagt, haben die Fortschritte der Gnade Christi in ihrer Ehe gesehen und verfolgt. Sie wissen aus persönlicher Erfahrung, daß Gott auch die hoffnungslosesten Fälle vervollkommnet – denn ihr ganzes Leben hindurch haben sie gerade dieses Verfahren der Vervollkommnung (meist durch Leid, aber auch durch Freude) in ihrer eigenen Ehe und bei ihren Kindern beobachtet. Obwohl sie keine leiblichen Kinder mehr zeugen können, bringen sie doch noch junge Menschen durch die Wiedergeburt „zur Welt“ – in ihrem Haus und in ihrer Gemeinschaft finden Menschen das neue Leben im Herrn Jesus Christus. So sind sie fruchtbar bis ins hohe Alter.

Diese Frische im Alter ist eine Begleiterscheinung der geistlichen Reife. Selbst in Krankheit und in großer körperlicher Schwäche blüht sie. Sie ist eine Frucht des Geistes. Man kann sie nicht züchten, sie wächst von selbst an Bäumen, die Gott gepflanzt hat.

Trotz dieser Tatsache fürchten besonders unsere lieben Frauen das Hässlichwerden des Alterns. Eine Frau bleibt eben eine Frau trotz aller Geistlichkeit und Reife. Es liegt im tiefsten Grund der Seele einer Frau, alles schön machen zu wollen – und auch möglichst schön zu sein. Diese Empfindung ist geradezu ein Bestandteil ihres Wesens, das Männer selten ganz verstehen. So bleibt der gesunde Sinn für Schönheit bei einer Frau sicher eine gottgegebene Eigenschaft – so lange er sich nicht zur Eitelkeit ausartet.

Die Frau fürchtet also den Verlust ihrer jugendlichen Schönheit durch zunehmendes Alter. Sicher ist es, daß sie mit 70 Jahren nicht wie 17 aussehen wird. Wenn sie mit 70 Jahren wie 17 aussehen will, wirkt sie lächerlich. Was man dabei vergißt, ist die Tatsache, daß eine Frau von 70 Jahren, die eine innere Reife erworben hat, eine echte eigene Schönheit bekommt, die die von 17 Jahren übertreffen kann. Die beiden Arten von Schönheit sind natürlich grundverschieden. Aber genau wie es unter Männern Kenner von jugendlicher Schönheit unter Frauen gibt, so gibt es auch Kenner für die Frische der reifen Schönheit. . . .

Die Bibel erzieht uns dazu, alle Arten von Schönheit zu schätzen. Offenbar genoß der Herr Jesus die Schönheit der Kleinkinder, denn er nahm sie gern auf den Schoß und herzte sie (Mark. 10:16). Wenn nun der Meister sie schön findet, sollen wir versuchen, seine Gesinnung auf diesem Gebiet mit ihm zu teilen. Der Herr liebte den reichen Jüngling, als er ihn sah: „Da blickte ihn Jesus an, gewann ihn lieb…“ (Mark. 10:21). Gott hat seine Freude an den Menschenkindern. Auch zur Zeit ihres Alters trägt er sie, weil er sie liebt: „Der Jünglinge Zier ist ihre Kraft und der Schmuck der Greise das graue Haar“ (Sprüche 20:29).

Der Herr betrachtet also seine Kinder, ganz gleich wie alt sie sind, als seine Zier. Er will sie alle mit Heiligung schmücken und zieren, denn er liebt die Werke seiner Hände… und die Kinder seiner Zeugung. Er findet die verschiedenen Stadien ihrer Schönheit, die Schönheit des Babys, die des Kindes, die des Jünglings und des jungen Mädchens, die der Erwachsenen, der Mütter und der Väter, die des Alternden und nicht zuletzt die der Sterbenden: „Teuer in den Augen des Herrn ist der Tod (oder das Leben) seiner Frommen“ (Psalm 116:15). . . .

Wenn zwei Menschen in der Ehe zu lernen versuchen, wie man alt wird, werden sie die verschiedenen Stadien des Altwerdens so lieben und schätzen lernen, wie Gott es selber tut. Er findet die Frommen aller Alterstufen so schön, daß er sie seine Zier nennt. Die Augen auf Ihn gerichtet, wird man hier auf Erden etappenweise in sein eigenes, schönes Bild der Herrlichkeit umgewandelt, von einer Herrlichkeit zur anderen. Diese Herrlichkeit ist innerer Art, die aber äußerlich körperlich reflektiert wird: „Wir aber alle schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn und werden dadurch (durch dieses Schauen des Herrn Jesus im Wort der Bibel) in dasselbe Bild verwandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit wie von dem Herrn aus, welcher Geist ist“ (2. Kor. 3:18).

 

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A. E. Wilder-Smith (1915 -1995) studierte die Naturwissenschaften an der Universität Oxford und erhielt 1941 seinen Doktor in Organischer Chemie von der Universität Reading. 1945 – 49 betrieb er Krebsforschung als Countess of Lisburne Memorial Fellow am Middlesex Hospital, Medizin. Institut der Universität London. Er war Forschungsleiter der Pharmazeutischen Abteilung einer Schweizer Firma von 1951- 55 und las Chemotherapie und Pharmakologie an der Universität Genf 1955 – 64. Von der Universität Genf erhielt er 1964 einen Doktor der Naturwissenschaften. Im gleichen Jahr wurde ihm in Zürich von der E. T. H. sein dritter Doktortitel verliehen.

Prof. Dr. Wilder-Smith war Gastprofessor der Pharmakologie an der Universität von Illinois, am Medical Center, Chicago, von 1957- 58 und 1964 – 69, und lehrte 1960 – 62 als Gastprofessor der Pharmakologie am Medizinischen Institut der Universität Bergen in Norwegen. Von 1969 -71 arbeitete er als Professor der Pharmakologie in Ankara in der Türkei. Von 1970  -77 war er Drogenberater bei den U.S. NATO-Streitkräften in Europa.

In den letzten 20 Jahren seines Lebens unternahm er Vortragsreisen in der ganzen Welt und sprach in mehr als 1000 öffentlichen Auditorien und Gemeinden und hielt 370 Vorlesungen und Debatten an Universitäten.

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