Die Hure Babylon – Offb.17

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 René Pache

DIE WIEDERKUNFT JESU CHRISTI

Auszug: Kapitel 6   Die große Babylon

 

A. Was bedeutet »Babylon« in der biblischen Sprache?

I. Der Turm von Babel
In 1. Mose 11 kommt der Name Babel (oder Babylon) zum ersten Mal in der Schrift vor. Nach der Sintflut hatte Gott die Menschen aufs neue gesegnet und ihnen zweimal den Befehl gegeben: »Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet die Erde!« 1. Mose 9,1.7. Aber als die Menschen zahlreich geworden waren, beschlossen sie, sich Gottes Befehl zu widersetzen. Sie sprachen: »Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder.« Da fuhr Gott hernieder, verwirrte ihre Sprache und zerstreute sie fern in alle Länder, und sie mußten vom Bau ablassen. Daher heißt ihr Name »Babel« (von einem Wort das »verwirren« bedeutet) 1. Mose 11,4‑9. Das Gericht über den Turmbau zu Babel trug schwere Folgen: es bekundet den Willen Gottes, die Einheit der Rasse, die sich dem Dienst des Bösen ergeben hatte, zu brechen. Seitdem trennen Sprache, Vorurteile und Entfernung die Völker. Dadurch verhindert der Herr das verfrühte Auftreten des Antichristen. Sobald Er in der Endzeit die Einigung der Welt zuläßt, tritt der erwartete große Übermensch auf den Plan.

So ist es nicht erstaunlich, daß nach dem Gericht von 1. Mose 11 die ganze Bibel hindurch dem Namen Babel die Idee von einer großen Zusammenballung der Welt zur hochmütigen Auflehnung gegen Gott anhaftet.

II. Die große Babylon der Offenbarung
Unter der Führung des Antichristen werden sich die Menschen ein letztes Mal, dem Himmel zum Trotz, an einen Turmbau von Babel machen. In dem Augenblick, da Gott Sich rüstet, sie endgültig durch Seine Gerichte zu zerstreuen, vereinigen sie sich und organisieren den Widerstand gegen Ihn. Unter dem Druck des Antichristen tun sie das auf allen Gebieten:

a) In der Politik errichten sie ein absolutes Weltreich;

b) In der Religion verwirklichen sie endlich die Einheit der Menschen in dem allerschlimmsten, offenkundig gegen Gott gerichteten Götzendienst;

c) Auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet richten sie ein totalitäres Regime auf, welches das Einzel‑ wie das Gesamtleben beherrscht.

Diese ungeheure Organisation der menschlichen Sünde will der Herr nun brechen und vernichten. Im bilderreichen Stil der Offenbarung versinnbildlicht Johannes das Handeln der Menschen auf den genannten Gebieten wie folgt:

a) Das Tier und sein Reich stellen die politische Welt der Endzeit dar, Offb. 13,16.10;

b) Die Hure Babylon stellt die ungläubige, religiöse Welt dar, 17,15;

c) Die große Stadt Babylon stellt die wirtschaftliche und soziale Welt, so wie Gott sie sieht, dar; 18,10.18‑19.

Das sind, kurz gesagt, drei Bilder von ein und demselben Turm von Babel, den die Zivilisation ohne Gott baut. Wir wollen nun sehen, was uns Johannes über die Hure Babylon lehrt.

 

B. Die Hure Babylon

I. Wieso stellt die Hure die abgefallene, religiöse Welt dar

»Und einer der sieben Engel … redete mit mir und sprach. Komm, ich will dir zeigen das Urteil der großen Hure, die an vielen Wassern sitzt… Sie hatte einen goldenen Becher in der Hand, voll Greuel und Unsauberkeit ihrer Hurerei, und an ihrer Stirne geschrieben einen Namen, ein Geheimnis: die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. Offb. 17,1.4‑5.

1. Der Ausdruck »Hure« wird im geistlichen Sinne gebraucht.

Der allegorische Stil der Offenbarung gebraucht den Ausdruck, wie er vielfach in der Sprache der alten Propheten vorkommt, z. B.: »Hast du gesehen, was Israel, die Abtrünnige, tat? Sie ging auf alle hohen Berge und unter alle grünen Bäume und trieb daselbst Hurerei… Wie Ich der abtrünnigen Israel Ehebruch gestraft und sie verlassen und ihr einen Scheidebrief gegeben habe; dennoch fürchtet sich ihre Schwester, die verstockte Juda, nicht, sondern geht hin und treibt auch Hurerei. Und von dem Geschrei ihrer Hurerei ist das Land verunreinigt; denn sie treibt Ehebruch mit Stein und Holz.« Jer. 3,6.8‑9. »Wie geht das zu, daß die fromme Stadt (Jerusalem) zur Hure geworden ist?« Jes. 1,21. Und im NT schreibt Jakobus: »Ihr Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, daß der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist?« 4,4‑5.

Nur eine Ehefrau kann zur Ehebrecherin werden. Im geistlichen Sinn lassen sich diese Ausdrücke auf solche anwenden, die sich Gott einmal geweiht hatten. Die »große Hure« ist die abgefallene Kirche, die Jesu Christi Eigentum zu sein gelobte und nun mit der Welt Ehebruch treibt. So ist die Hure das Sinnbild der verweltlichten Religion; sie verkörpert die ganze Untreue, Heuchelei, Götzendienerei und Verfolgungssucht der religiösen Welt seit ihrem Bestehen, besonders aber, wie sie sich in der Endzeit gibt. Die große Babylon ist das weltliche System geistlicher Verwirrung, heuchlerischer Wollust und kirchlicher Korruption in ihrer ganzen Scheußlichkeit.

2. Die Hure stellt tatsächlich etwas anderes als die politische Macht der Endzeit dar.

Manche Ausleger (besonders katholische) wollten in Offb. 17 und 18 nur das Gericht über das heidnische Rom eines Nero sehen, das aus Klugheit »Babylon« genannt und als Sinnbild für jede politische Macht genommen wird, welche die Kirche unterdrückt. So sagt z. B. Kardinal Bellarmin: »Rom wird in der Offenbarung Babylon genannt.« Kardinal Baronius gibt zu, daß »nach Auffassung aller Rom in der Offenbarung des Johannes Babylon genannt wird«. Bossuet stellt fest, daß »die Züge so deutlich sind, daß man in dem Bild von Babylon mit Leichtigkeit Rom erkennen kann«.

Aber das so gesehene Rom kann nicht das Rom der früheren heidnischen Kaiser sein. Die Prophezeiung spricht von der Endzeit, und wir haben gesehen, daß dann alle politische Macht der Erde in den Händen des Antichristen und seiner Verbündeten liegen wird. Offb. 13,7; 17,12‑13. Nun sind es aber gerade diese, die schließlich die Hure verfolgen und mit Feuer verbrennen. 17,16. Die politische Macht wird die falsche Religion verfolgen, nachdem sie diese eine Zeitlang unterstützt und sich ihrer bedient hat. Später wird die politische Macht ihrerseits durch das Kommen Jesu in Herrlichkeit vernichtet werden.

Gehen wir nun zu Beweisgründen über, die uns in dem angegebenen Sinn noch auffälliger erscheinen!

II. Inwiefern ist die Hure ein satanisches Gegenbild zu der Braut des Lammes?

Wir haben schon darauf hingewiesen, wie sehr Satan Gott nachäfft:

Er stellt Christus ‑ den Antichristen,
dem Heiligen Geist ‑ den falschen Propheten,
der Gemeinde ‑ die Hure gegenüber.

Sehen wir jetzt, was die beiden letzteren Figuren unterscheidet:

1. Die Gemeinde wird die Braut, das Weib des Lammes genannt. Offb. 21,9. – Die Hure ist in ihrer Untreue das Weib des Tieres geworden. Offb. 17,3. Die Verbindung des falschen Christentums mit dem Antichristentum.

2. Die Gemeinde ist Christus untertan, wie ein Weib ihrem Mann. 1. Kor. 11,3; Eph. 5,23‑24. – Die Hure »sitzt« auf dem Tier, sie vermag es eine Zeitlang zu beherrschen. Offb. 17,3.

3. Die Gemeinde wird das neue Jerusalem, die heilige Stadt, genannt; so nimmt sie ihren Namen von der irdischen Stadt, wo Gottes Gegenwart gewohnt hatte. Offb. 21,9‑10. – Die Hure wird die große BabyIon genannt, eine Erinnerung an die hochmütige, gottfeindliche Stadt, deren König das Bild Satans selbst ist. Offb. 17,5; Jes. 14,4. 12‑14.

4. Die Gemeinde ist himmlischen Ursprungs: sie fährt von Gott hernieder, mit Seiner Herrlichkeit gekrönt. Offb. 21,2. Wie Christus ist sie nicht von dieser Welt. Job. 17,16. – Die Hure ist ganz von dieser Welt. Johannes sieht sie in der Wüste; sie hat sündhafte Beziehungen zu den Großen dieser Erde und begehrt alle weltlichen Freuden, nämlich Ehre, Genuß, Berauschung, Reichtum und Macht. Offb. 17,3.2.4.15.

5. Die Gemeinde ist arm, besitzt weder Silber noch Gold, auch sind nicht viele Mächtige oder Vornehme in ihr. Ap. 3,6; 1. Kor. 1,26. – Die Hure schmückt sich mit kostbaren Gewändern, mit Gold, Edelsteinen und Perlen. Offb. 17,4.

6. Die Gemeinde wird den Namen Gottes an ihren Stirner tragen. Offb. 22,4. – An der Stirn der Hure steht ,die große Hure, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden« geschrieben. Offb. 17,5. (In Rom trugen die Buhlerinnen an der Stirn ihren Namen auf goldenem Band.)

7. Die Gemeinde ist ein Geheimnis, zuvor verborgen in Gott, dann durch Christus den Aposteln geoffenbart; das Geheimnis der Gemeinde ist auch das Geheimnis Christi, so eng ist ihre Verbindung. Eph. 3,4‑10; 5,31‑32. – Auch im Hurenweib und im Tier liegt ein Geheimnis. Offb. 17,5.7 (darauf kommen wir später zurück).

8. Die Braut des Lammes enthält sich jeder Gewalttat; schlägt man sie auf die rechte Wange, so bietet sie die linke dar; sie ist wie ein Schaf mitten unter den Wölfen. Matt. 5,39; 10,16. – Die Hure ist trunken vom Blut der Heiligen und der Zeugen Jesu. 17,6. Die falsche Religion ist in der Tat stets eine Verfolgerin gewesen (S. z. B. Matt. 23,33‑35). Kain, der eben Gott geopfert hat, tötet seinen Bruder. Die falschen Propheten töten die wahren. Die Pharisäer und der Hohepriester töten Jesum.

9. Die Gemeinde ist ein Organismus, geschaffen und lebendig gemacht durch den Geist Gottes, der die Gläubigen aus allen Rassen und Völkern sammelt. 1. Kor. 12,13.27; Offb. 5,9. – Die große Babylon ist eine Weltorganisation, allen mit Gewalt aufgezwungen und getrieben vom Geiste Satans. Offb. 13,4.15; 17,15.

10. Das Merkmal der Gemeinde ist die Anbetung des Lammes. Offb. 5,12‑14. – Das Merkmal der Hure BabyIon ist die Anbetung des Tieres. 13,8.

11. Die Gemeinde wird durch Jesus Christus in einem Augen­blick erlöst und in den Himmel gehoben. 1. Kor. 15,51‑52; 1. Thess. 4,16‑17. – Babylon wird in einer Stunde gerichtet und vernichtet. Offb. 18,10; sie wird durch den Antichristen getötet und verbrannt. 17,16.

12. Die wahre Kirche kann erst nach der Ausrottung der Abgefallenen als solche vor den Augen aller erkannt werden. Nach der Vernichtung der großen Hure findet im Himmel die Hochzeit des Lammes statt. Die Braut des Lammes schmückt sich mit ihren Festgewändern und setzt sich mit Ihm auf den Thron. Offb. 19,1‑2.7‑8; 3,21.

Diese vielen Vergleichspunkte scheinen uns klar zu beweisen, daß die Hure die falsche Kirche auf Erden darstellt.

 

III. Das Geheimnis des Weibes und des Tieres.

»Und hatte an ihrer Stirn geschrieben einen Namen, ein Geheimnis: Die große Babylon… Und ich verwunderte mich sehr, da ich sie sah. Und der Engel sprach zu mir: Warum verwunderst du dich? Ich will dir zeigen das Geheimnis von dem Weibe und von dem Tier, das sie trägt.« Offb. 17,5‑7.

In der Endzeit muß alles auf die letzte Entscheidung hinreifen. Am Ende aber wird die wahre Gemeinde, das Salz der Erde, nicht mehr da sein, um der völligen Zersetzung zu wehren. Dann wird sich die Sünde zynisch am hellen Tage ausbreiten und das Geheimnis des Weibes und des Tieres« ans Licht kommen. Der Antichrist wird den ganzen Egoismus und Zwang, die jeder irdischen Herrschaft zugrunde liegen, unverhüllt zeigen. Nach der Entlarvung der Hure wird die Welt bestürzt alle Verbrechen, allen Betrug, alle Heuchelei, die hinter der falschen Religion steckten, erkennen. Wie gemein ist doch dieses Geheimnis des Weibes und des Tieres!

IV. Die Hure ist das Meisterwerk Satans.

Wir haben gesehen, wie unwiderstehbar und gefährlich der Antichrist ist. Aber zu der Zeit, die wir nun untersuchen, geht er in seiner Lästerung und Verfolgung offen vor. Die Hure dagegen ist viel falscher. Hinter einer gewissen frommen Fassade, mit Prunk und imponierendem Zeremoniell, verlockt und verführt sie die Seelen auf dem ganzen Erdkreis. Offb. 17,2; 18,23b. Sie zieht die Menschen von Christus ab und zur Weltlichkeit, Unmoral und Götzendienerei hin. Dieses gigantische System geistlicher Prostitution ist das Gemeinste, das je unter der Sonne gesehen wurde. Satan hätte nichts Verruchteres, nichts Gefährlicheres erzeugen können.

V. Die große Babylon ist die Mutter aller Hurerei und aller Greuel auf Erden.

Offb. 17,5. Die Hure stellt nicht eine einzelne untreue Kirche dar. Sie ist die Zusammenfassung ‑ oder die Quelle (die »Mutter«, sagt Johannes) ‑ aller falschen religiösen Systeme, aller kirchlichen Gewaltherrschaft, aller finsteren Ketzerei, aller häßlichen Sekten, alles erniedrigenden Heidentums, aller Heuchelei und aller Götzendienerei. Wohlverstanden, die falschen Christen sind vor Gott viel verwerflicher und viel schuldiger als die Fetischisten und Moslems; denn ihre Erkenntnis und ihre Untreue sind viel größer. Darum gehören sie als erste zu Babylon.

VI. Besteht eine Beziehung zwischen der Hure und Rom?

Zu allen Zeiten haben Ausleger in Offb. 17 einen Hinweis auf die Kirche gesehen, deren Mittelpunkt Rom ist. Zu diesen gehören nicht nur protestantische, sondern auch katholische Verfasser vor und nach der Reformation (z. B., um nur einen zu nennen, der Jesuit Lacunza, Ben-Ezra genannt). Diese Meinung ist so weit verbreitet, daß wir sie näher untersuchen und sehen müssen, worauf sie beruht.

 

1. Die »Hure ist die große Stadt, die das Reich hat über die Könige auf Erden«. Vs. 18.

Welche konnte zur Zeit, da Johannes schrieb, diese große Hauptstadt anders sein als Rom? Wenn er ihr den mystischen Namen Babylon gab, so geschah das erstens in Erinnerung an den Kampf, in dem im AT Babylon und Jerusalem miteinander lagen, und zweitens aus Klugheit, da es verwegen gewesen wäre, derlei Dinge offen über die mächtige Hauptstadt, den Stolz der Römer, zu sagen.

 

2. Das Weib sitzt auf sieben Hügeln.

Die auf sieben Hügeln erbaute Welthauptstadt ist unbestreitbar Rom. Merkwürdigerweise hat man kaiserliche Medaillen aus jener Zeit gefunden, die Rom ausgerechnet als ein Weib abbilden, das auf sieben Hügeln sitzt. Jahrhundertelang haben die römischen Dichter um die Wette Rom die »Stadt auf den sieben Hügeln« genannt. Und wer die Geschichte des Papsttums kennt, weiß, daß es ohne seinen Sitz in Rom undenkbar wäre, den es seit etwa 1500 Jahren innehat.

 

3. Das Weib wird vom römischen Reich getragen, das hier im Tier abgebildet ist.

Im Kapitel über den Antichristen sahen wir, daß das Tier mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern (wie das vierte Tier von Daniel) das wiederhergestellte römische Reich vorstellt. Tatsächlich wurde nach der Bekehrung Konstantins die sog. Römische Kirche Jahrhunderte hindurch vom römischen Staat getragen und gleichsam ihm ganz nachgeformt:
1) sie trägt sogar den Namen Roms;
2) wenn der Sitz der Kirche nach Rom statt nach Jerusalem oder Antiochien verlegt wurde, so geschah es, weil jene Stadt die Hauptstadt des Reiches war.
3) Es ist bekannt, daß der Sitz der Bistümer und Erzbistümer nach der Bedeutung der Städte zur Römerzeit bestimmt wurde: so ist z. B. heute noch der Erzbischof von Lyon, nicht der von Paris, der Primas von Gallien.
4) Unveränderlich bleibt in Wort, und sogar in Schrift, Latein die Sprache der Römischen Kirche.

4. Das Weib sitzt auf Völkern, Scharen, Nationen ,und Sprachen. Vs. 15.

Das heißt, daß sein Einfluß allumfassend ist. Und gerade das bedeutet das Wort »katholisch«.

5. Das Weib ist mit Scharlach und Purpur bekleidet.

Die Gewänder der höchsten Würdenträger der Kirche sind genau von dieser Farbe.

6. Das Weib ist mit Gold, Edelsteinen und Perlen geschmückt und hat einen goldenen Becher in der Hand. Vs. 4.

Der Papst trägt nicht eine, sondern drei aufeinandergesetzte Kronen (die päpstliche Tiara), die mit einer Überfülle von Edelsteinen und Perlen besetzt sind. Nichts gleicht dem Reichtum und Luxus der Paläste (der Vatikan enthält 11000 Säle und Zimmer), der Kirchen, der Priestergewänder, der Schätze gewisser Hochaltäre für den römischen Kult.

7. Das Weib ist trunken vom Blut der Heiligen und der Zeugen Jesu. Vs. 6.

Niemand hat so wie die Römische Kirche die Gläubigen verfolgt. 1179 beschloß das Papsttum beim dritten Laterankonzil, die Ketzer auszurotten. Darum bot es vom XIII.‑XV. Jahrhundert alle Kräfte auf, sie restlos zu vertilgen.

Die Albigenser, die Waldenser, die Hussiten wurden im Namen Jesu gefoltert und verbrannt. Zur Zeit des von Innozenz III. gegen die Albigenser erklärten heiligen Kriegs wurden z. B. in Béziers in einer Kirche, wohin das Volk geflüchtet war, 7000 Leichen gezählt. So konnte sich Rom zu Beginn des XVI. Jahrhunderts rühmen, allen Widerstand in der Christenheit gebrochen zu haben, – da brach die Reformation aus!

Dann floß das Blut von neuem: In Spanien (wo die Inquisition 600 Jahre wütete), in Italien, Frankreich, den Niederlanden, usw. Die Bibel war verboten; wer eine im Hause hatte, kam auf die Galeeren oder zeitlebens in den Kerker. Die angewandten Foltern zeugten von einem raffinierten Sadismus. Das päpstliche Rom jener Epoche hat das heidnische Rom an Grausamkeit weit übertroffen, aber auch an Verantwortung, da es weit mehr Erkenntnis hatte und Anspruch auf Christlichkeit machte. ‑ Zugegeben, diese Dinge gehören der Vergangenheit an! Aber die Römische Kirche hat nie offiziell ihr Bedauern oder ihre Reue darüber kundgetan. Im Gegenteil, anläßlich des Blutbades in der Bartholomäusnacht ließ sie eine Medaille mit dem Bild eines Engels vom Himmel prägen, wie er dieses unerhörte Werk vollführt. An dem Tag sagte der Papst in einer Kirche öffentlich Gott Dank für diesen wunderbaren Sieg über die Feinde Christi. Ein Papst, Pius V., wurde heiliggesprochen, den das Brevier als einen unnachsichtigen Inquisitor rühmt. Im selben Brevier steht eine Lektion für den 30. Mai, in welcher der heilige Ferdinand (Ferdinand III., König von Kastilien und Leon) für den Eifer gelobt wird, womit er die Ketzer verfolgte, indem er mit den eigenen Händen Holz zum Scheiterhaufen trug, um die Verurteilten zu verbrennen.

Unleugbar liegt all dem die eine Tatsache zugrunde, daß Verfolgungen nicht nur zur vergangenen Geschichte der Römischen Kirche, sondern auch zu ihrem Dogma gehören. Das Töten der Ketzer ist in die unfehlbaren, unwiderruflichen Dekrete ihrer Generalkonzilien als Pflicht eingetragen (des 3. und 4. vom Lateran). Bellarmin, einer der meistgehörten Kirchenlehrer, weist auf die Notwendigkeit der Verbrennung der Ketzer hin‑. »Die Erfahrung lehrt, daß es keinen anderen Ausweg gibt. Denn die Kirche ist langsam vorgegangen und hat alle Mittel versucht. Zuerst hat sie nur in den Bann getan. Dann legte sie auch eine Geldbuße auf und danach die Verbannung. Zuletzt sah sie sich zur Todesstrafe gezwungen. Denn die Ketzer machen sich nichts aus dem Bann. Droht man ihnen mit einer Geldbuße, so fürchten sie weder Gott noch Menschen. Wirft man sie ins Gefängnis oder schickt man sie ins Exil, so verderben sie die Nebenmenschen mit ihren Worten und ihren Büchern. Darum bleibt nur ein Ausweg: sie zeitig dahin zu befördern, wohin sie gehören.« (S. Guinness, S. 36‑37)

Derselbe Verfasser sagt noch dazu: »Alle Anordnungen Roms gegen die Ketzerei, alle seine Verfolgungsdekrete, bleiben unverändert in seinem Karton: nichts ist aufgehoben worden.« Rom hat Millionen von Heiligen gemartert. Seine Verfolgungsedikte gehen über die ganze Zeit seines Bestehens. Kardinal Lépicier, Professor der heiligen Theologie an der Propagandaschule in Rom, schrieb 1908: Wer sich öffentlich zur Ketzerei bekennt kann nicht nur in den Bann getan, sondern auch mit Recht getötet werden, damit sein ansteckendes Beispiel nicht den Anlaß zum Verderben vieler anderer gebe. Wahrlich, »ein böser Mensch«, sagt Aristoteles, »ist schlimmer und schädlicher als ein Tier«: Wenn es also nicht schlecht ist, ein Waldtier, besonders ein schädliches, zu töten, so kann es auch ein gutes Werk sein, einen Ketzer, der die göttliche Wahrheit lästert und ein Feind des Seelenheils anderer ist, seines schädlichen Lebens zu berauben. . . Wenn dieses Mittel (der Kirchenbann) erfolglos ist, übergibt die Kirche den Ketzer dem weltlichen ‑ geistlichen ‑ Gericht, damit ihn der Tod vom Erdboden vertilge… Ja, noch mehr, man kann es nicht leugnen, daß die Kirche, in absolutem Sinn, das Recht hat, die Ketzer mit dem Tode zu bestrafen, selbst wenn sie Buße tun.« (De stabilitate et progressu dogmatis. Dieses Buch hat 1910 bei Papst Pius X. lebhaften Beifall gefunden.) Der Syllabus (röm.kath. Handbuch), den Pius IX. 1864 herausgab, enthält eine Liste von 80 Irrtümern, die der Papst feierlich verdammt. Im Artikel 15 heißt es: »Verflucht sei, wer sagt: Jeder Mensch hat das Recht, die Religion zu wählen und zu bekennen, die er für die wahre hält« (also offizielles Verurteilen der Gewissensfreiheit). Artikel 24: »Verflucht sei, wer sagt: Die Kirche hat nicht das Recht, Gewalt anzuwenden.« Professor Wilfred Monod, der diese Stellen zitiert, sagt dazu: »Die Kirche stellt nichts in Abrede, sie wartet nur auf eine günstige Gelegenheit, diese Thesen des Syllabus anzuwenden.« (Du Protestantisme, S. 171‑173.)

Als Johannes das Weib sah, trunken vom Blut der Heiligen und der Zeugen Jesu, »da verwunderte er sich sehr«. Offb. 17,6. Bei den Greueln des Antichristen war er nicht erstaunt gewesen. 13,7.15. Sie waren genau das, was man von einem solchen Satansgenossen erwarten konnte. Aber daß es mit einer sog. christlichen Kirche so weit kommen konnte, mußte Johannes wohl erschüttern.

8. Das Weib begehrt die Unterstützung und den Verkehr der Könige.

Es wird vom Tier getragen, welches das Römische Reich darstellt, und sitzt auf seinen sieben Köpfen, »welche sind sieben Könige«. 17,3.9‑10. In der Tat erhob das Papsttum lange den Anspruch auf die Oberhoheit über die weltliche Macht. Jahrhundertelang hat es Könige und Kaiser ein‑ und abgesetzt, und jedermann weiß, welche Behandlung Heinrich IV., dem Kaiser des »Heiligen Römischen Reichs«, in Canossa zuteil wurde. Die Römische Kirche hat stets die Verbindung von Thron und Altar angestrebt (um die Politik zu beeinflussen). Als sie es selbst nicht mehr wagte oder vermochte, gegen ihre Opfer zu wüten, hat sie es verstanden, den »weltlichen Arm«, d. h. die Macht des Staats, in Bewegung zu setzen, um jene zu foltern oder zu verbannen. Man braucht nur der Rolle zu gedenken, welche Könige wie Ludwig XIV. von Frankreich oder Philipp II. von Spanien auf ihr Geheiß spielten.

Angesichts all dieser erstaunlichen Andeutungen sind wir sicher, daß die Römische Kirche ‑ jedenfalls die des Mittelalters und der Inquisition ‑ einen breiten Raum im Babylon der Offenbarung einnimmt (abgesehen ‑ wir betonen es nochmals ‑ von den vielen wahrhaft Gläubigen, die in ihrem Schoße sind). Soll das heißen, daß der Seher nur diese Kirche hier im Auge hat? Wir haben dies bereits verneint und werden nun sehen, weshalb.

VII. Welchen Raum nehmen die andern abgefallenen Konfessionen in der großen Babylon ein?

Die Hure stellt nicht lediglich eine bestimmte Gruppe von Abgefallenen dar, sondern alle falsche Religion auf Erden. Es hat viele falsche Christen bei den Katholiken gegeben, aber ebenso bei den Protestanten, den Orthodoxen, und anderswo. Geistlichen Ehebruch begehen alle, die ihr Herz zwischen Gott und der Welt teilen, Jak. 4,4; die bei einem strengen Dogma die Bekehrung ablehnen; die vom Glauben an die Bibel abweichen, indem sie die Gottheit Jesu Christi und die Sühnekraft Seines Bluts leugnen; alle, welche Andersgläubige verfolgen (wie es die Griechisch‑Orthodoxen und leider auch manche Protestanten getan haben); diese alle gehören unleugbar zur Babylon.

Wir wollen nun nicht andere richten und den einen oder anderen Vers der Offenbarung auf sie anwenden. Wir wollen uns ernstlich fragen, ob unsere eigene Gemeinde treu und nicht weltlich und schläfrig geworden ist, und ob wir selbst lebendige Glieder am Leibe Christi sind! Ist dem nicht so, so könnte das Gericht Babylons über uns kommen.

VIII. Welches wird das letzte Stadium der Hure Babylon sein?

Das gibt eine Ära des Totalitarismus und des Kollektivismus auf der ganzen Linie. Die ganze Menschheit wird sich wie e i n Mann unter das politische und wirtschaftliche Joch des Antichristen beugen. Das religiöse Gebiet wird von derselben Zentralisierung betroffen. Weiter oben fanden wir, daß die politische Einheit der Menschen beim Turm zu Babel an Gottes Gericht zerbrach. Der Herr verwirrte die Sprache der Menschen und zerstreute sie über die ganze Erde; dieser Zustand wird bis zu dem Tage dauern, da Er dem Antichristen auf kurze Zeit erlaubt, eine Weltherrschaft aufzurichten. Die religiöse Welt nimmt eine ähnliche Entwicklung. Anfänglich war die Christenheit geeint, aber sie verfiel rasch und nutzte gerade ihre Einheit dazu, das römische Babylon des Mittelalters zu bauen, das in Hochmut und Feindschaft gegen die Bibel die Gläubigen verfolgte. Im 16. Jahrhundert hat Gott die Kirche gerichtet, indem Er ihre übertünchte Fassade einstürzen ließ und »die Sprache der Christen verwirrte«. Seitdem gibt es keine sichtbare Einheit mehr, im Gegenteil, die Kirchen, Sekten und allerlei Bewegungen nehmen ständig zu. Trotzdem sind und bleiben die wahren Christen auf einer geistlichen Ebene geeint. »Seid fleißig, zu halten die Einheit im Geist!« Eph. 4,3. Gleichwohl wird die religiöse Welt, so wir die Weissagungen recht verstehen, zur selben Zeit wie die politische zu einer sichtbaren Zwangseinheit gelangen: dies geschieht im zwiefachen BabyIon der Endzeit, unter der Ägide des falschen Propheten und des Antichristen.

Seit einigen Jahren ist eine deutliche Neigung festzustellen, alle kleineren Kirchen zu immer größeren kirchlichen Einheiten zu verschmelzen. Gott will immer mehr die geistliche Einheit aller Glieder am Leibe Christi offenbaren, gegen die wir alle schwer gesündigt haben. Aber Satan bereitet auch die unechte Einheit der abgefallenen Kirche vor. Die ganze religiöse Welt ist in Bewegung. Man spürt, daß tiefgreifende Umwälzungen innerhalb der Christenheit, des Judentums, des Islam, des Buddhismus, des Brahmanismus usw. im Gange sind. W. Mauro schrieb in seinem Buch »Der Höhepunkt der Zivilisation« (vor 1914 herausgekommen): »Auf allen Seiten sehen wir einen Traum aufsteigen, wohl aus den zahllosen Unternehmungen des Jahrhunderts entstanden: den eines Großbundes der Kirchen, dessen Prinzipien so weit gefaßt sind, daß alle Erdbewohner den ihnen zusagenden Platz darin finden.« (S. 29.) Ferner weist er auf den schon damals bestehenden Internationalrat der Unitarier (Protestanten, welche die Gottheit Christi und die Trinität leugnen) und anderer »Freidenker« hin. Zu einer Tagung dieses Rates in Boston fanden sich Vertreter aus dem Judentum, dem Islam und dem Brahmanismus zusammen (S. 53). Seitdem sind noch mehr Versuche in dieser Richtung unternommen worden. Zuletzt zitiert Mauro die Meinung Dr. Brodas, eines amerikanischen liberalen Theologen: »Die neuen religiösen Bewegungen werden dazu kommen, sich in immer größeren Verbänden zu vereinen, bis zu dem unvermeidlichen Augenblick, da aus den Trümmern der alten Glaubensformen, wenn die großen religiösen Weltkrisen zu Ende sind, ein einziger Weltbund der Religion zu einer grandiosen Endsymphonie aufsteigen wird:

 »Die Kirche des Menschen.«

Als Johannes in Offb. 17 die abgefallene Kirche erschaut, unter­streicht er zweierlei:

1. Das Weib übt seinen Einfluß auf die ganze Welt aus: »Die Erdbewohner sind trunken vom Wein ihrer Hurerei, und sie sitzt auf den Völkern, Scharen, Nationen und Sprachen.« V. 2. 15. Das Weib scheint also der kirchliche Weltbund geworden zu sein, von dem wir eben sprachen.

2. Der Mittelpunkt dieses großen Endbundes wird Rom sein, die Weltstadt mit den sieben Hügeln. Man darf sich daher wohl fragen, ob er nicht unter der Ägide der Römischen Kirche entstehen wird. Diese scheint in der Tat allein die religiöse Weltorganisation zu besitzen, die das Gerüst für den Bund aller Religionen abgeben könnte. Vor 50 Jahren gab W. Scott folgende Meinung ab: »Daß die aufgeklärten Völker des modernen Europa am Ende wieder unter die Herrschaft des Weibes (des Papsttums) kommen, das ist die offenbare Tatsache, die aus diesem Kapitel (Offb. 17) hervorgeht, so bedrückend und traurig diese Wahrheit auch sein mag.« Gehen die Katholiken in den protestantischen Ländern deshalb so aggressiv vor, weil sie dies ahnen? Vorbereitet wurde ihnen der Boden durch den Liberalismus und die Kritik, die den Glauben an die Bibel, das alleinige Bollwerk evangelischen Glaubens, untergraben haben. Rom zielt offen auf die »Bekehrung« Englands hin, zum mindesten zunächst bei der anglikanischen Hochkirche. Sein Traum ist auch die Katholisierung der Vereinigten Staaten. Andererseits spricht man viel von einer nötigen Blockbildung gegen die Antireligion, und zwar aus der gemeinsamen Front aller Kirchen und der gegenseitigen Annäherung aller Konfessionen. Kommt eine solche Annäherung wirklich zustande, so wird nicht Rom die Zugeständnisse machen.

Hier ist z. B. ein Auszug aus einer von Pater C. Boyer am 22. März 1947 an der Universität Rom über das Problem der Einigung der Kirchen gehaltenen Rede: Er sprach als offizieller Vertreter der Gesellschaft »Unitas«, deren Präsident er ist. »Die christliche Weit teilt sich in zwei fast gleiche Teile: auf der einen Seite in den römisch‑katholischen Block, auf der anderen in dreihundert verschiedene Denominationen! Die wahre Einigung fordert die Einheit der Lehre, des Glaubens, des Oberhauptes, des Kultes; diese Einheit kommt nur durch Anerkennung der Autorität der katholischen Kirche zustande. Sie ist die »große Mutter«, bereit, alle noch verirrten Schafe in die gemeinsame Hürde aufzunehmen. Was die »Dissidenten« des Ostens (die griechisch‑orthodoxe Kirche) betrifft, so scheinen die Unterschiede nicht unüberbrückbar. Die Schwierigkeiten beginnen bei den »Protestanten«, die viel schwerer zu bearbeiten sind. Aber es regt sich auf dieser Seite … Die Haupt­sache ist, daß die Einigungsbestrebungen im Lager der »getrennten Brüder« nicht letzten Endes zu einer antirömischen Blockbildung führen. Denn diese dürfen zwangsläufig nur bei Rom enden.« (Le Cri d’alarme ‑1. 2. 48.)

Denken wir noch an das über den falschen Propheten Gesagte, der das letzte große religiöse Haupt sein wird; es wäre nach all dem nicht erstaunlich, wenn er seinen Sitz in Rom hätte.

Wenn die Organisation der »Kirche des Menschen« auf Erden gelungen ist, wird sie ganz dem unreinen Weib der Offenbarung gleichen. Am Zeitenende wird die Hure alles, was Johannes über sie verkündigt, in unerhörter Weise zur Vollendung bringen: die gemeine Verbindung mit der bestehenden politischen Macht, den maßlosen Luxus, den scheußlichsten Götzendienst, die zügelloseste Unsittlichkeit, die furchtbarsten Verfolgungen. In dem Augenblick wird ihr Ende nahe sein.

IX. Welches Gericht wird die Hure treffen?

Gott hat die Entschleierung des Geheimnisses der Babylon zugelassen, um ihre Strafe zu beschleunigen. Man wird immer durch seine Sünde selbst bestraft. Die Hure hat sich in gemeinster Weise dem Antichristen zu seinen Zwecken ausgeliefert. Sie bediente sich seiner Macht, um ihre eigene Rachsucht zu befriedigen, während sie große Hilfsgelder bezog, um ihren Luxus und ihr sündhaftes Leben zu finanzieren. Der Schein‑Haushalt (des Antichristen) mit der Hure kann nicht von Bestand sein, und das Verbrechen folgt auf die Wollust.

Der Übermensch bedarf der Hilfe der falschen Kirche nicht mehr, hat er sich doch zu Gott gemacht, so daß er nach seiner Art sagen könnte: Die Religion bin ich! Darum kann er keinen Einfluß irgend einer geistlichen Macht mehr neben sich dulden. Vielleicht auch, daß er in seinem Kampf gegen Gott merkt, wie sich die Dinge allmählich gegen ihn wenden, und daß er in seiner List nach verantwortlichen Opfern sucht (die Zerstörungswut, die alle großen Schuldigen kurz vor ihrem Sturz überfällt!). So lassen der Antichrist und seine Alliierten es die Hure gewaltsam entgelten: »Und die zehn, Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, die werden die Hure hassen und werden sie wüst machen und bloß und werden ihr Fleisch essen und werden sie mit Feuer verbrennen. Denn Gott hat’s ihnen gegeben in ihr Herz, zu tun Seine Meinung und zu tun einerlei Meinung und zu geben ihr Reich dem Tier, bis daß vollendet werden die Worte Gottes.« Offb. 17,16‑17.

Wir haben schon Vorläufer dieses Gerichts erlebt. Während der Französischen Revolution mußte die Kirche, die durch Jahrhunderte die Zivilregierung zur Verfolgung aufgehetzt hatte, unsagbare Schrecken selbst durchmachen. In Spanien, wo Inquisition und Götzendienst so viele Verheerungen angerichtet haben, fing man plötzlich vor einigen Jahren an, Kirchen zu verbrennen, Klöster und Gräber zu schänden, Priester zu mißhandeln und zu töten. In Rußland hatte auch die orthodoxe Kirche die Mißbräuche der Zarenherrschaft gefördert, dem Volk die Bibel aus der Hand genommen und die evangelischen Gläubigen furchtbar verfolgt; und nun weiß jedermann, wie sie viele Jahre im Ofen der Trübsal verzehrt wurde. Es steht geschrieben, daß »das Gericht am Hause Gottes anfange«. 1. Petr. 4,17. Jetzt kommen solche Gerichte Gottes aus Barmherzigkeit, da es in allen diesen Kirchen noch fromme Seelen gibt, die gewillt sind, sich zu demütigen und aufzuwachen. Aber wenn der Antichrist die Hure zermalmt, gibt es kein Abwenden der Verdammnis mehr. Auf die abgefallene Kirche, das falsche Haus Gottes, werden als erste die Schläge des Endgerichts fallen.

Bevor wir dieses Kapitel des Entsetzens verlassen, wollen wir uns wieder ernstlich fragen: Ist meine Kirche lebendig oder tot, geheiligt oder verweltlicht, eifrig auf das Heil der Seelen bedacht oder in Luxus und Wohlleben eingeschlafen? Ist sie Jerusalem oder Babel?

Bin ich selbst ein Christ der Tat oder nur dem Namen nach? Bin ich wirklich wiedergeboren oder nur in ein kirchliches Register eingetragen? Habe ich teil am Leibe Christi, bin ich ein Glied Seiner Brautgemeinde, oder bin ich in meiner Heuchelei ein Glied … der Hure?

BABYLON, DIE WELTSTADT.

Das große Babylon, sagten wir, ist die ganze Zivilisation ohne Gott. Da am Ende alles gleichgeschaltet sein wird, ist es nicht erstaunlich, daß Babylon das Symbol erstens der abgefallenen religiösen, und zweitens der wirtschaftlichen und sozialen Welt sein kann, und zwar zu der Zeit, wo beide daran sind, unter das Strafgericht Gottes zu fallen. In der Tat ist in Offb. 17 und 18, wo der Name Babylon öfter vorkommt, dieser merkwürdige Unterschied zu finden.

a) Im 17. Kapitel ist Babylon die Hure, das unreine Weib: die beiden Ausdrücke kehren im ganzen neunmal wieder (V. 1. 3. 4. 6. 7. 9. 15.

b) Im 18. Kapitel wird Babylon nicht mehr die Hure, sondern die große Stadt genannt. Dieser Ausdruck wird sechsmal angewandt (V. 10 a und b. 16. 18. 19. 3 1. Dazu Offb. 16, 19 a und b; 17, 18, also neunmal im ganzen.).

Jede dieser so auseinandergehaltenen Benennungen hat sicher ihre eigene Bedeutung. Über Babylon, die Hure, haben wir gesprochen. Nun wollen wir sehen, was uns Johannes über Babylon, die große Stadt, sagt.

I. Die Groß‑Stadt stellt unsere ganze sozial‑wirtschaftliche Welt dar, die sich besonders auf die Städte konzentriert.

Wir sagten oben, daß Offb. 18 voller Ausdrücke wie »das große Babylon«, »die mächtige Stadt«, »die große Stadt« ist. Die alten Propheten gebrauchten den Namen der Hauptstadt Babylon, um das ganze erschreckliche Reich der Chaldäer zu bezeichnen. Denn diese stolze Stadt umschloß die Macht, die Herrlichkeit, den Reichtum und die Wissenschaft Babyloniens. Auch heute und mit noch mehr Recht können wir sagen, daß sich unsere ganze Zivilisation auf die Städte konzentriert, die immer mehr alles in sich aufsaugen. Stellt für uns nicht New York mit seinen elf Millionen Einwohnern das amerikanische Leben dar? Und London mit seinen sieben Millionen Einwohnern England und sein Weltreich? Und Paris Frankreich? Es handelt sich übrigens nicht nur um die großen Hauptstädte. Überhaupt entwickeln sich Industrie und Kunst in den Städten; da kann man genießen, Geld verdienen, zur Geltung kommen, leichter etwas lernen (so meint man wenigstens). Seit dem Anbruch der Mechanisierung der Zivilisation erleben wir immer mehr eine allgemeine Landflucht in die Städte.

Gott aber hatte das nicht gewollt: Er hatte Mann und Weib mitten in die Natur gestellt, in einen Garten, da Schönheit, Weite, Luft, Sonne, Blumen und Früchte einen herrlichen Rahmen bildeten. Es war Kain, der nach seinem Mord die erste Stadt baute, um hinter starken Mauern seine Schande und seine Angst zu verbergen. 1. Mose 4,17. Nach ihm hatten die sündigen Menschen immerzu die tolle Sucht, sich in unaufhörlich wachsenden Städten zusammenzufinden. So bauten sie aus Trotz gegen Gott die Stadt und den Turm von Babel (Babylon). 1. Mose 11,4‑8.

Seitdem hat sich diese Bewegung immer weiter entwickelt. Wo wird sie enden? Genau das will uns der Apostel Johannes sagen. Beachten wir noch, daß die »große Stadt« von Offb. 18 nicht das Symbol für eine einzige Stadt ist (nur Rom z. B.), sondern für alle Städte der Erde und ihre Zivilisation. Wiederholt wird der absolut weltweite Einfluß dieses Babylon erwähnt. »Denn von dem Wein des Zorns ihrer Hurerei haben alle Heiden getrunken.« Offb. 18,3.19. Keine der früheren oder heutigen Städte könnte den Anspruch auf eine solch beherrschende Rolle erheben. Die Gesamtheit der städtischen Zentren hingegen nimmt wohl diesen Platz in der Welt ein.

II. Der ganze Welthandel geht durch diese Groß‑Stadt.

1. In ihr befinden sich alle Kaufleute der Erde.

»Die Kaufleute sind reich geworden von ihrer großen Wollust … die Kaufleute der Erde weinen über sie … Die Händler solcher Ware, die von ihr sind reich geworden, werden von ferne stehen … denn deine Kaufleute waren Fürsten auf Erden …« 18, 3. 11. 15. 23.

2. Und aller Seehandel richtet sich auf »die große Stadt« hin.

»Und alle Schiffsherren und der Haufe derer, die auf den Schiffen hantieren, und Schiffsleute, die auf dem Meere hantieren … sprachen: die große Stadt, in welcher reich geworden sind alle, die da Schiffe im Meer hatten.« V. 17. 19.

3. Alle unter dem Himmel nur bekannten Lebensmittel werden in der großen Stadt verkauft und
    gekauft.

Die Händler zählen alle Waren auf, die sie in Babylon absetzen konnten, V. 12,13.16. Es sind (nach dem Urtext) vor allem Luxuswaren, Zeichen einer maßlosen Überzivilisation. Wahrlich, man verkauft alles in der großen Stadt!

Diese lange Liste gibt ein erstaunliches Bild vom Welthandel. Er vertreibt Waren aus alter Welt Enden und entwickelt immer raffiniertere Bedürfnisse, um immer neue Märkte zu schaffen. Der Name der Ware tut es nicht, wenn sie nur Käufer findet und etwas einbringt. V. 12. 13.

Als erstes bietet und sucht man Gold!

Als letztes verkauft man, was den geringsten Wert hat: Menschenseelen!

Beim Schluß dieses Inventars angekommen, fahren wir beim Lesen der letzten Waren zusammen: Leiber und Seelen der Menschen! In der großen Metropole, wo das Herz dieses gewaltigen Organismus schlägt, handelt man nicht nur mit Dingen, mit Metallen, Parfüms, Lebensmitteln; man kauft und verkauft nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern man verschachert auch Leiber und Seelen der Menschen: man kauft Sklaven, bezahlt Zuhälter und Dirnen; man betäubt die Gewissen, um geringes Geld verkauft man die Seelen. Während Gott die Menschen um den unermeßlichen Preis Seines geliebten Sohns erkauft hat, feilscht Rom um Menschenleben und kauft sie mit Rabatt. Hier bricht das große Verbrechen auf; hier sind, alle Jahrhunderte hindurch, dreißig Silberlinge der Preis für das Blut des Menschen. Und darum wird dieser ganze Riesenapparat, den Menschengeist geschaffen, zu einem höllischen Mechanismus, der sich nicht begnügt, mit toten Dingen zu jonglieren, sondern Menschenleben verachtet und Seelen verstümmelt.

III. In der großen Stadt berühren sich die Gegensätze: Reichtum und Luxus neben dem
     äußersten Elend.

Der Handel trägt ein, das Geld häuft sich und will ausgegeben sein. Wir haben gehört, welchen Raum der Überfluß im Handel der Hauptstadt einnimmt. Johannes betont zudem den schamlosen Luxus, der sich dort breit macht: »Die Kaufleute sind reich geworden von ihrer großen Wollust … die große Stadt, die bekleidet war mit köstlicher Leinwand und Purpur und Scharlach und übergoldet war mit Gold und Edelgestein und Perlen.« V. 3. 16. Diesem aufreizenden Luxus gegenüber stehen die oben erwähnten Elenden: als Ware für einen schändlichen Handel nennen sie weder Leib noch Seele ihr eigen, V. 13. ‑ Auch das charakterisiert unsere großen Massenanhäufungen. Die schreienden Gegensätze sind viel größer als auf dem Lande: auf der einen Seite Reichtum, Paläste, Schmuck, Schauspiele, tolle Verschwendung; auf der anderen Wohnlöcher, Lumpen, Hunger, Kälte, Schande, unnennbares Elend. Solche Zustände schreien zum Himmel.

 

IV. Die große Stadt ist das Zentrum entsetzlicher Verworfenheit.

»Sie ist eine Behausung der Teufel geworden und ein Behältnis aller unreinen Geister und ein Behältnis aller unreinen und verhaßten Vögel. Denn von dem Wein des Zorns ihrer Hurerei haben alle Heiden getrunken, und die Könige auf Erden haben mit ihr Hurerei getrieben … denn ihre Sünden reichen bis in den Himmel, und Gott denkt an ihren Frevel.« V. 2‑3. 5. Einst wollte die gottlose Menschheit zu Babel einen Ziegelturm bis an den Himmel errichten; nun erklärt Gott, daß der »Turm ihrer Sünden« bis an Seine Wohnung reiche!

Johannes fährt fort: »Und es werden sie beweinen und beklagen die Könige auf Erden, die mit ihr gehurt und Mutwillen getrieben haben … Durch deine Zauberei sind verführt worden alle Heiden; und das Blut der Propheten und der Heiligen ist in ihr gefunden worden, und aller derer, die auf Erden erwürgt sind.« V. 9.23‑24. »Babylon, die große Stadt, hat mit dem Wein ihrer Hurerei getränkt alle Heiden, … die große Hure, welche die Erde mit ihrer Hurerei verderbte.« Offb. 14,8; 19,2.

Sehen wir uns einige der Sünden der großen Stadt an:

1. Eine furchtbare Unsittlichkeit. 18,3.
2. Spiritismus und Geheimwissenschaften. 18,2.23.
3. Blutvergießen V.24
4. Hochmut V. 7; Jes. 47,7‑9.

Das Bild, das uns Johannes entwirft, ist ganz wahrheitsgetreu. Zu allen Zeiten waren die Städte ‑ oft unter glänzender Fassade ‑ Herde der Zersetzung. Man hat gesagt, daß sich wohl die Fehler, aber nicht die guten Eigenschaften summieren, wenn die Menschen zur Masse vereint sind. Durch die Bibel hindurch sehen wir, wie Gottes Zorn immer wieder den Städten, dem Stolz ihrer Völker, drohte: dem schon erwähnten Babylon, Ninive, Sodom, Gomorra, Rom, Korinth, usw. Lebten die heiligen Schreiber der Bibel heute unter uns, so würden sie in denselben Worten von allen unseren Großstädten reden.

Aber wir dürfen uns nicht einbilden, daß die Sünde nur in der Stadt zu Hause ist. Man braucht nur das Leben auf dem Lande und in der Provinz zu kennen, um sich klar zu sein, daß alle, »die auf Erden wohnen«, verseucht sind und gerne dem Beispiel der Hauptstädte folgen. Wenn das Gericht zuerst die Städte treffen wird, so kommt doch auch der übrige Teil des Landes an die Reihe.

 

V. Das Gericht über die große Stadt.

 

Als Zentrum der Zivilisation und der Sünde der Welt sind die Städte auch die Stellen, die am verwundbarsten sind. Wenn Gott die Erde straft, werden die Städte zu allererst zu leiden haben. Welche Strafgerichte werden sie treffen?

1. Die Arbeitslosigkeit. Offb. 18,9‑11.

2. Die völlige Vernichtung

a) Fünf Plagen werden sie vernichten. Es trifft sie Hungersnot (Einschränkungen), Feuer (Bomben, Flammenwerfer oder jede andere schreckliche Feuersbrunst), Leid (Verlust der Angehörigen), Tod (die eigene Vernichtung), Erdbeben der schlimmsten Art. V. 8. 18.  –  Und gerade diese Plagen haben unsere modernen Städte schon heimgesucht.

b) Ihr Untergang wird ebenso plötzlich wie vollständig sein. »Darum werden ihre Plagen auf einen Tag kommen.« V. 8.

Es ist furchtbar, daran zu denken, wie europäische Städte gerade auf diese Weise zerstört wurden. Der letzte Krieg wütete in allen städtischen Zentren von Bedeutung (in Deutschland sollen alle Städte mit über 20 000 Einwohnern verwüstet sein). Hier hat man auch am meisten unter der Hungersnot gelitten. Besonders auf die Städte wurden Millionen und aber Millionen Tonnen von Bomben abgeworfen; die Brandbomben haben furchtbare Verheerungen angerichtet; man warf riesige Mengen von Phosphor ab, um das zu verbrennen, was die Explosionen noch übrigließen. In einer Stadt wie Hamburg gab es mehrere hunderttausend Tote im Lauf einer einzigen Reihe von Angriffswellen. In wenigen Stunden wurde oft in prächtigen Städten, wie London, Berlin, Köln, Dresden, Stalingrad, Warschau, Mailand, Turin, ‑ um nur einige zu nennen ‑ nie wieder gutzumachender Schaden angerichtet.

Das ganze Industriegebiet wurde in einen Trümmerhaufen verwandelt. Die Flammen‑ und Rauchsäulen stiegen bis zu 6000 m Höhe und mehr, und nach manchen Luftangriffen noch tagelang. Millionen von Menschen haben so den Tod gefunden. Nur weit draußen auf dem Lande, in den abgelegensten Dörfchen, fühlte man sich etwas sicherer (wenn überhaupt). Seit der unheimlichen Entdeckung der Atombombe kündigt man noch viel Schlimmeres an. Eine Sonderkommission des amerikanischen Senats sprach kürzlich mit Gelehrten, die an der Her­stellung der neuen Waffe gearbeitet hatten. Diese Gelehrten haben bestätigt, daß ihre Wirkung furchtbar ist. Sie sagten, zehn Bomben von der Art, wie sie auf Japan abgeworfen wurden, genügten, um die Stadt New York völlig auszuradieren und jedes Lebewesen in dieser Stadt und in einem Umkreis von zehn Meilen auszutilgen.« (G. Rigassi, Gazette de Lausanne, 10. 11. 1945.) Was könnte man da erst sagen von der riesigen Wirkung der H‑Bombe? Einstein hat sogar von der möglichen Vernichtung der ganzen Menschheit gesprochen.

3. Dieses Strafgericht vollzieht sich nach Gottes Willen.

Die Greuel der heutigen Zerstörungen lassen manche Menschen fragen: »Warum erlaubt Gott so etwas?« Die Bibel antwortet: weil Gott heilig ist und nicht länger den Sieg des Bösen dulden kann. Seine Geduld ist zu Ende, und da die Menschen Sein Heil ablehnen, schickt Er selbst diese Strafgerichte auf die Erde. Dazu braucht Er den Menschen nur gewähren zu lassen, daß er erntet, was er gesät hat, und sich mit den eigenen Händen vernichtet. Darum lesen wir auch: »Und Babylon, der großen, ward gedacht vor Gott, ihr zu geben den Kelch des Weins von Seinem grimmigen Zorn … Und Gott denkt an ihren Frevel … Gott … hat die große Hure gerichtet, welche die Erde mit ihrer Hurerei verderbte, und hat das Blut Seiner Knechte von ihrer Hand gefordert.« Offb. 16,19; 18,5; 19,2. Heute mögen die Völker denken, sie seien das Opfer der Bosheit ihrer Feinde. In Wirklichkeit sind sie das Opfer ihrer eigenen Sünde, und Gott selbst ist es, der sie richtet.

VI. Gehet aus von Babylon!

»Und ich hörte eine andre Stimme vom Himmel, die sprach: Gehet aus von ihr, Mein Volk, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, auf daß ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen!« 18, 4.

Gott schlägt nie, wie gesagt, ohne daß Er den Menschen Zeit gegeben hat, Buße zu tun und sich in Sicherheit zu bringen. Vor der Sintflut ließ Er die Arche bauen, um alle Glaubenden zu retten. Vor der Zerstörung Sodoms zogen die Engel Lot und die Seinen aus der Stadt. Als Gott Ninive richten wollte, sandte Er zuvor durch Jona einen dringenden Warnruf an alle Einwohner. So ermahnt der Herr auch hier Sein Volk, eilends aus Babylon zu fliehen. Daraus kann man zweierlei Schlüsse ziehen:

1. Fliehet die Großstadt, die zerstört werden soll

Da Gottes Zorn besonders die Städte bedroht, so verlaßt sie und fliehet aufs Land. »Wenn ihr aber sehen werdet Jerusalem belagert mit einem Heer, so merket, daß herbeigekommen ist ihre Verwüstung. Alsdann, wer in Juda ist, der fliehe auf das Gebirge, und wer drinnen ist, der weiche heraus, und wer auf dem Lande ist, der komme nicht hinein. Denn das sind die Tage der Rache, daß erfüllt werde alles, was geschrieben ist.« Luk. 21,20‑22. Hatten wir das nicht auch tun müssen? Wir begannen mit der Evakuierung der Kinder, der Alten und der Kranken aus den bedrohten Städten, dann derer, die dort nicht unbedingt nötig waren. Und zuletzt war es der jammervolle Auszug eines ganzen Volkes von Flüchtlingen auf Straßen, die mit Maschinengewehrsalven bestrichen wurden. Wenn sich die Drohungen Gottes und der Atomwissenschaft erfüllen, wird man noch viel mehr die Städte, die Verkehrsknotenpunkte, die Industriegebiete fliehen, aber ohne daß irgendwo absolute Sicherheit zu finden wäre.

2. Fliehet vor allem die Verderbnis von Babylon!

»Geht aus von ihr, Mein Volk, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, auf daß ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen!« Offb. 18,4. Es ist nicht allen Einwohnern möglich, die Städte zu verlassen und der großen drohenden Gefahr zu entgehen. Aber Gott fordert von allen Seinen Kindern, wo sie auch in dieser sündigen Welt sein mögen, die furchtbare Verderbnis der Gesellschaft zu fliehen, deren Symbol Babylon ist. Man könnte dazu das Wort Christi anführen: »Ich bitte nicht, daß Du sie von der Welt nehmest, sondern daß Du sie bewahrest vor dem Übel.« Joh. 17,15.

Nur wer sich von den Sünden Babylons rein hält, wird ihrem Endgericht entgehen. Die einen werden, wie Henoch vor der Sint­flut, mit der Gemeinde entrückt werden, die anderen, wie Noah inmitten der Sintflut, wunderbar durch die große Trübsal hindurchgerettet.

Haben wir die Warnung des Herrn ernst genommen, und sind wir schon aus Babylon herausgegangen? Warten wir nicht damit, bis das Feuer vom Himmel gefallen ist, wie einst auf Sodom!

 Entnommen dem Buch DIE WIEDERKUNFT JESU CHRISTI, von Dr. René Pache. – Horst Koch, Herborn, im Jahre 2009

Fortsetzung folgt.

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