Die „Dritte Welle“ – W.Bühne

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Die „Dritte Welle“

Die „drei Wellen des Heiligen Geistes“ im Überblick

 

Von Wolfgang Bühne

 

Bevor ich auf die Entstehungsgeschichte, Theologie und Praxis der „Dritten Welle“ eingehe, möchte ich einen kurzen Überblick über die Geschichte der sog. „drei Wellen des Heiligen Geistes“ geben, um die Gemeinsam­keiten, aber auch die Unterschiede der „drei Wellen“ zu zeigen.

Führer der heutigen Charismatischen Bewegung , und Gemeindewachstumsbewegung teilen ihre Geschichte in drei große Perioden ein, die sie mit „Wellen des Heiligen Geistes“ bezeichnen. Unter einer Welle verstehen sie eine außerordentliche Bewegung, die eine große und besondere Menschenschicht erreicht und das bestehende geistliche Klima wesentlich verändert.

 

Die erste Welle ‑ die Pfingstbewegung

Die erste Welle hat ‑ so sagt man ‑ vor etwa 90 Jahren, also um die Jahrhundertwende, auf fast allen Kontinenten die Christenheit bewegt und zur Entstehung der Pfingstge­meinden geführt.

Damals wurden die Lehren und Praktiken in bezug auf Gei­stestaufe, Zungenreden, usw. von einem großen Teil der Evangelikalen zunächst dankbar als eine Antwort auf ihre Bitte um Erweckung begrüßt. Als es dann aber an einigen Orten zu merkwürdigen Entgleisungen kam, wurde die Bewegung besonders in Deutschland von führenden Evan­gelikalen sehr kritisch beurteilt und teilweise scharf abge­lehnt, so daß die Geschwister, welche diese „Welle“ als von Gott geschenkt ansahen, mehr oder weniger gezwungen waren, ihre neuen Erkenntnisse und Erfahrungen in eigenen Kreisen, den etwa 1909 entstandenen Pfingstge­meinden, zu praktizieren.

 

Die zweite Welle ‑ die Charismatische Bewegung

Etwa 50 Jahre später ‑ also um 1960 ‑ begann die von den USA ausgehende zweite Welle, die sich zunächst auf die Episkopalkirche (Dennis Bennet), dann auf die Luthe­rische Kirche (Larry Christenson), die meisten Freikirchen und etwa seit 1966 auch auf die katholische Kirche er­streckte. Die Erfahrungen der „Geistestaufe“ bzw. „Geist­erneuerung“ usw. werden seitdem öffentlich praktiziert und gelehrt.

In Deutschland begann diese Bewegung, die bald „Charis­matische Bewegung“ genannt wurde, etwa um 1963. Damals waren es vor allem Pfarrer Arnold Bittlinger (der damalige Leiter des Volksmissionarischen Amtes der Pfäl­zischen Landeskirche) und der Baptistenprediger Wilhard Becker (Leiter der Ruferbewegung), die in Deutschland den Boden für die zweite Welle vorbereitet haben.

Ziel der Charismatischen Bewegung war nicht die Bildung neuer charismatischer Gemeinden, sondern die Ver­breitung charismatischer Erfahrungen in allen beste­henden Volks‑ und Freikirchen.

Heute kann man sagen, daß sich die Evangelische und Katholische Kirche und die meisten Freikirchen der Charis­matischen Bewegung geöffnet haben, auch wenn in ein­zelnen Ortsgemeinden dieser Kirchen ein anderer Stand­punkt vertreten wird und man sich gegen eine charisma­tische Durchdringung wehrt.

 

Die dritte Welle

Die dritte Welle, bekannt als „power evangelism“, begann Anfang der 80iger Jahre und geht vor allem von der Gemeindewachstumsbewegung in Verbindung mit C. Peter Wagner und John Wimber aus. Auch diese Welle hat interessanterweise, wie die beiden vorausgegangenen, ihren Ausgangspunkt in Kalifornien. Sie vermeidet aller­dings weitgehend die Begriffe „pfingstlerisch“ oder „cha­rismatisch“ und zielt auf die Gruppen, die bisher von keiner „Welle“ erfaßt wurden: Die Fundamentalisten und konservativen Evangelikalen, die bisher nichtcharisma­tisch sind.

„Eines der Merkmale der Dritten Welle ist das Fehlen von Uneinigkeit schaffenden Elementen. Viele Gemeinden, die weder aus der Pfingstbewegung kommen noch einen charismatischen Hintergrund haben, fangen an, für Kranke zu beten und erleben Gottes heilende Kraft“ (C.P.Wagner).

Mit dieser „dritten Welle“ soll das letzte Bollwerk fallen, das den beiden ersten Wellen widerstanden hat.

Hier in Deutschland sind das vor allem die Gemeinschafts­kreise, welche im Gnadauer Verband zusammenge­schlossen sind, einzelne fundamentalistische Freikirchen und die sog. Brüderbewegung, die als besonders hartnäckig und resistent einge­stuft werden.

Die Vorgeschichte dieser „Welle“ ist eng mit dem Namen zweier Männer verbunden, die diese, Bewegung geprägt haben: C. Peter Wagner und John Wimber.

 

C. Peter Wagner

C. P Wagner wird als „Vater“ der weltweiten Gemeinde­aufbaubewegung vorgestellt. Er ist Gründungsmitglied der Lausanner Bewegung, war zeitweise Präsident des Lau­sanner Kommitees und doziert seit 1971 als Professor am „Fuller Theological Seminary“ in Pasadena (Kalifornien). Er hatte bereits 16 Jahre Missionsdienst in Bolivien hinter sich, als er 1967 Donald McGavran, den Gründer der „Fuller School of World Mission“ und Gründer der Gemeindeaufbaubewegung, kennenlernte. Rückblickend auf seinen Missionsdienst äußerte Wagner, daß er sich nicht an eine einzige Situation erinnern könne, wo die Kraft des Heiligen Geistes durch ihn „hindurchgeflossen wäre, um Kranke zu heilen oder Dämonen auszutreiben“.

Er selbst nannte neben mangelndem Glauben und halbher­ziger Hingabe vier weitere Hindernisse, die er für die Ursachen seiner Kraftlosigkeit hielt:

1. „Ich war ,Dispensationalist… ich war gründlich gelehrt worden, daß Zeichen und Wunder, seit es den Kanon der Schrift gab, nicht mehr nötig wären, um die Auf­merksamkeit der Ungläubigen auf Jesus zu ziehen…

2. Ich hatte eine antipfingstlerische Haltung. In meinen Kreisen war es üblich, die Pfingstler als Betrüger zu betrachten… die Theologie der Pfingstler erschien uns einfach zu oberflächlich…

3. Ich hatte eine eingeschränkte Vorstellung von Gottes Kraft…

4. Meine Weltanschauung war vom säkularen Huma­nismus geprägt… Ich weiß noch, wie ich glaubte, ein Teil meiner Missionsarbeit bestände darin, die Eingebo­renen zu überzeugen, daß Krankheiten durch Bazillen verursacht würden und nicht durch böse Geister, wie sie in ihrem Aberglauben annahmen…“

Weiter nennt C.P Wagner vier Gründe dafür, warum er heute kein Dispensationalist mehr ist und weshalb er seine Haltung den Pfingstlern gegenüber geändert hat:

 

1. Eine Begegnung mit Stanley Jones

Mitte der 60er Jahre, als Wagner noch „seperatistischer Fundamentalist“ war, wurde Jones, der bekannte Indienmissionar, nach Bolivien eingeladen. Wagner, der zu dieser Zeit an einer eiternden, nicht heilenden Ope­rationswunde litt, besuchte sehr skeptisch eine Predigt Jones, nach welcher dieser anschließend für anwesende Kranke betete. Am folgenden Morgen war die Wunde Wagners geheilt.

2. Die Beobachtung von wachsenden Gemeinden

C.R Wagner hatte von D. MacGavran gelernt, Wachs­tumsprinzipien zu entdecken, und untersuchte Ende der 60er Jahre das explosionsartige Wachstum einer Pfingstgemeinde in Chile, wobei ihm sein eigener Standpunkt immer zweifelhafter wurde. 1971 unter­richtete Wagner am „Fuller Seminary“ und schrieb als Ergebnis seiner bisherigen Wachstumsstudien das Buch „Spiritual Power and Church Growth“.

 

3. Mitarbeit in einer Pfingstgemeinde

Mitte der 70er Jahre unterrichtete Wagner über einen längeren Zeitraum in einer klassischen Pfingstgemeinde („Church of God“) die Prinzipien des Gemeindewachs­tums. Dabei erkannte er an den Männern und Frauen, die er unterrichtete, „Dimensionen der Kraft Gottes“, nach denen er sich sehnte. „Jedesmal, wenn ich von dieser Gemeinde nach Hause kam, war ich geistlich erfrischt. Manchmal wünschte ich mir, ich wäre auch ein Pfingstler!“

4. John Wimber taucht auf

1975 lernte er J. Wimber kennen, der damals noch Pastor einer Quäkergemeinde war und sich für einen Kurs über Gemeindeaufbau angemeldet hatte. Am Ende der zweiten Woche erkannte Wagner die Begabung Wimbers als Leiter und Berater für Gemein­deaufbau und überredete ihn, seine Gemeinde zu ver­lassen und sein Mitarbeiter am neuaufgebauten „Fuller Institut of Evangelism and Church Growth“ zu werden.

Es entwickelte sich nun eine enge Freundschaft zwi­schen Wimber und Wagner, die auch bestehen blieb, als Wimber zwei Jahre später seine Mitarbeit aufgab, um die „Vineyard Christian Fellowship“ in Anaheim zu gründen.

1982 wurde C.P Wagner beauftragt, einen Kurs über „Zeichen und Wunder“ an der „School of World Mission“ durchzuführen. Die Verantwortung dafür sollte er als Professor übernehmen, die Vorlesungen sollte J. Wimber halten. Dieser Kurs wurde unter dem Namen „MC510″ weit bekannt.

Wimber vermittelte jedoch nicht nur trockene Theorie, sondern verband seinen Unterricht mit praktischen Übungen im Gebets‑ und Heilungsdienst. Wagner selbst wurde bei einem solchen Dienst von seinem hohen Blut­druck befreit und begann nun selbst Kranken die Hände aufzulegen und für sie zu beten.

 

Die „Dritte Welle“

Nachdem C.P Wagner sich nun endgültig von „anticharis­matischen“ Vorurteilen befreit hatte, leitete er in der „nichtcharismatischen“ traditionellen „Lake Avenue Con­gregational Church“ eine Sonntagschulklasse von Erwach­senen, in welcher er mit zwei Schülern Wimbers einen „wir­kungsvollen Heiligungsdienst“ begann.

„Ich bemerkte Gaben der Fürbitte, der Seelsorge, der Heilung, der Dämonenaustreibung, der Prophetie, der Organisation, Unterscheidung der Geister, Worte der Erkenntnis und anderes mehr.“

Da man diese Klasse nicht als „charismatisch“ bezeichnen wollte und doch eine alternative Bezeichnung brauchte, prägte man den Begriff „Dritte Welle“. „Damit wollen wir ausdrücken, daß wir ähnlich wie die Pfingstbewegung (die erste Welle) und die Charismatische Bewegung (die zweite Welle) Gottes übernatürliche Kraft erfahren, jedoch nicht Teil dieser beiden ersten Wellen sind und sein wollen.“

Interessant ist, wie C. P. Wagner seinen besonderen Auftrag sieht und auf welche Weise ihm seine ,Berufung’ deutlich wurde:

„Ob der Name ,Dritte Welle’ sich durchsetzt oder nicht, wird sich herausstellen. Der Dienst wurde jedoch im November 1983 von verschiedenen Seiten bestätigt. Ich bekam unabhängig voneinander von ganz unterschied­lichen Menschen fünf Prophetien, die alle etwas Ähn­liches besagten. Gott hat mich offensichtlich dazu berufen, sein Botschafter zu sein. Damit die Gemeinde Jesu Christi aufgebaut wird, soll ich denen Gottes Macht verkündigen, die bisher keinerlei Erfahrung damit gemacht haben. Und ich soll diesen Dienst in einer ,nichtpbngstlerischen` und ,nichtcharismati­schen` Weise tun. Die Prophetien enthielten jedoch auch eine Warnung vor den Angriffen des Feindes… Der Herr hatte mich nämlich auch wissen lassen, daß ich auf Satans schwarzer Liste ziemlich weit oben stünde. Im Januar 1983 wurde nach einem Seelsorgege­spräch mit John Wimber die Kraft eines bösen Geistes gebrochen, der mir seit Jahren Kopfschmerzen verur­sacht hatte, die mich sehr behinderten. Im März versuchte der Teufel, mich zu töten, indem er mir eine Leiter unter den Füßen wegzog … Dieses Ereignis weckte in uns die Vermutung, daß der Feind böse Geister in unser Haus geschickt hatte. Dies bestätigte sich später, als meine Frau Doris in unserem Schlaf­zimmer tatsächlich einen solchen Geist sah. Unter der Führung des Heiligen Geistes gebrauchten George Eckart und Cathy Schaller die Gaben der Unter­scheidung und der Dämonenaustreibung und reinigten das Haus von mehreren bösen Geistern. Seit der Zeit wurden wir nicht mehr belästigt.“

1984 kam Yonggi Cho, Pastor der ‚weltgrößten’ Kirche (Central Gospel Church in Seoul), um als langjähriger Freund Wagners die jährlichen Vorlesungen über Gemein­deaufbau zu halten. Cho hatte davon gehört, daß Wagner inzwischen die besondere Gabe hätte, „durch Gebet Beine zu verlängern“ und wurde Augenzeuge, wie durch das Gebet Wagners das verkrüppelte Bein eines koptischen Pastors geheilt wurde. „Gott wirkte nachhaltig, das Bein wuchs, und zum ersten Mal seit dem Unfall konnte der Pastor darauf stehen.“

C. Peter Wagner hat als Nachfolger Donald McGavrans inzwischen 30 Werke veröffentlicht, die vor allem die Themen „Gemeindewachstum“ und „Mission“ behandeln. Auch in der deutschen Gemeindewachstums-bewegung ist er als der „führende Denker der weltweiten Gemeindeauf­baubewegung“ durch seine Bücher „Die Gaben des Geistes für den Gemeindeaufbau“, „Der gesunde Auf­bruch“ und durch zahlreiche Artikel in „Gemeinde­wachstum“ bekannt geworden.

John Wimber

Wolfram Kopfermann, der J. Wimber als „eine Leitfigur innerhalb der Christenheit des Westens“ bezeichnet, hat aus seiner Sicht die Bedeutung Wimbers mit folgenden Sätzen beschrieben:

„In seiner Person begegnen sich drei für die Zukunft des Protestantismus wichtige Ströme: die evangelikale Bewegung, von der Wimber herkommt und der er sich weiter zurechnet; die Gemeindewachstumsbewegung, zu deren begabtesten Repräsentanten in den USA er bis heute gerechnet wird, und die Heilig‑Geist-­Bewegung des 20. Jahrhunderts, in deren vorderster Reihe er seinen Dienst tut. So könnte er für viele zu einer integrierenden Gestalt werden.“

Wimber selbst erzählt, daß er als Heide in der 4. Gene­ration erzogen wurde und als junger Mann Musik zu seinem Lebensinhalt wählte. Er stieg ins Musikgeschäft ein und machte als Jazz‑ und Rock‑’n’Roll‑Musiker Karriere. 1962 geriet er in eine Krise, als sich seine Frau Carol mit ihren drei Kindern von ihm trennte und mit Scheidung drohte. In seinem Kummer begann John eine religiöse Erfahrung zu suchen und fing an zu beten. Seine Frau gab ihm darauf eine neue Chance, verband aber als Katholikin ihr Angebot mit der Forderung, sich in der kath. Kirche trauen zu lassen.

Kurze Zeit später kamen Wimber und seine Frau durch einen Hauskreis zum Glauben und traten darauf in eine Quäker‑Gemeinde ein, in der John bald zweiter Pastor und Carol Älteste wurde.

John begann kurz nach seiner Bekehrung in Zungen zu reden, wurde aber damals von seiner Frau gewarnt. Siebzehn Jahre später hatte Carol Wimber einen Traum, in dem sie eine Predigt gegen den Gebrauch von Geistes­gaben hielt. Beim letzten Punkt wurde sie jedoch von einem Hitzeschlag getroffen:

„Die Hitze durchlief meinen ganzen Körper und kam schließlich aus meinem Mund heraus. Ich wachte auf und sprach in einer anderen Sprache.“

Während dieser Zeit war John am Fuller‑Institut für Evan­gelisation und Gemeindewachstum tätig.

1976 begannen die Wimbers innerhalb der Quäkerge­meinde mit einem Hauskreis, dem bald 125 Personen ange­hörten. 1977 verließ Wimber mit etwa 150 Leuten die Quäker und gründete eine Gemeinde, die sich heute „Vineyard Christian Fellowship“ nennt und deren Pastor er wurde. 1988 gehörten bereits über 235 Gemeinden mit etwa 80.000 Mitgliedern zu dieser Gemeinschaft.

In den folgenden Monaten hatten die Wimbers den Ein­druck, daß ihnen die Kraft Gottes noch fehlte, und so begannen sie darum zu beten.

Eines Tages, nachdem John über Geistestaufe gelehrt hatte, betete er auf Wunsch der Zuhörer mit ihnen unter Handauflegung. Carol berichtet davon:

„Von seinen Händen strömte eine unglaubliche Kraft. Wenn er Menschen berührte, fielen diese einfach um. Für John war es, als ob aus seinen Händen eine geist­liche Kraft ausströmte, ähnlich wie Elektrizität. Es war das erste Mal, daß John tatsächlich fühlte, wie Kraft von ihm ausging.“

Wenige Tage später erlebte John, daß auf sein Gebet hin ein junges Mädchen geheilt wurde ‑ ihr zu kurzes Bein begann zu zittern und zu zucken, bis es die normale Länge hatte. Als sich John nach dieser Heilung zu Hause mit seiner Frau austauschte, sagte er zu ihr, während er sich ein Glas Milch einschenkte: „Ich glaube, wenn man das Wort Gottes lehrt, dann wird der Heilige Geist…“ Weiter kam John nicht; nachdem er „Heiliger Geist“ gesagt hatte, sackten ihm plötzlich die Beine weg und er konnte sich nur noch gerade an der Theke festhalten. Er schaute erstaunt und lachend zu Carol auf und sagte: „Ich glaube, wir werden noch einiges erleben, Carol.“

Die Geburtsstunde von „power evangelism“

Muttertag 1981 war es dann soweit: die Gemeinde war auf 700 Mitglieder angewachsen und erlebte, daß auf das Gebet eines jungen Mannes hin Hunderte von jungen Leuten plötzlich zitterten, umfielen und in Zungen redeten. Als Carol in die Nähe dieser „Erschlagenen“ kam, spürte sie die Kraft, die von ihren Körpern ausging: „ …es war so etwas wie Hitze oder Elektrizität.“

John, der zuerst sehr unsicher war, wie er die Geschehnisse beurteilen sollte, verbrachte die folgende Nacht damit, in Büchern und in der Bibel zu lesen, um eine Erklärung zu finden. Schließlich, um fünf Uhr morgens, schrie er zu Gott: „Herr, wenn dies alles von dir ist, dann laß es mich bitte wissen.“ Unmittelbar danach klingelte das Telefon und ein befreundeter Pastor meldete sich mit den Worten:

“Verzeih, daß ich dich schon so früh anrufe, aber ich muß dir etwas Merkwürdiges sagen. Ich weiß auch nicht, was es bedeutet, aber Gott hat mir gesagt, ich soll dir sagen: Es ist von mir, John.“

Diesen Anruf sah John als die Bestätigung Gottes an, und alle Zweifel wichen. Seitdem sind „Zeichen und Wunder das er­ste, was den Besuchern unserer Gemeinde ins Auge fällt.“

1983 gründete Wimber die Organisation „Vineyard Mini­stries International“, die Veranstaltungen im In‑ und Ausland zu den Themen Gemeindewachstum, „power evangelism“, Heilungsdienst und Vollmächtiges Gebet durchführt. In Europa fanden in den vergangenen Jahren Konferenzen in England, Schottland, Irland, Frankreich, Schweden, Deutschland und in der Schweiz statt.

Nach eigenen Angaben hat J. Wimber mit seinem Team in Europa etwa 100.000 kirchliche Mitarbeiter schulen können. Die Zahl der Teilnehmer seiner Konferenzen schätzt er weltweit auf etwa 400‑500.000.

Die Zielrichtung der „Dritten Welle“

Sowohl C.P Wagner, als auch J. Wimber stimmen in der Überzeugung überein, daß die „ Dritte Welle“ vor allem die konservativen, nichtcharismatischen Evangelikalen erreichen soll, die bisher von den beiden ersten Wellen nicht oder nur kaum berührt wurden.

John Wimber:

„Das Gesicht der evangelikalen Gruppen und Gemeinden ist dabei, sich zu verändern, und es ver­ändert sich schnell. Fundamentalisten und konservative Evangelikale, die nichtcharismatisch sind, können es sich nicht mehr leisten, die beiden ersten Wellen des Heiligen Geistes in diesem Jahrhundert zu ignorieren… Die meisten Fundamentalisten, wenn auch nicht alle, stehen außerhalb der beiden ersten großen Wellen des Heiligen Geistes und halten an einer fünfzig Jahre alten Kritik über pfingstliche Exzesse fest. Ich glaube, daß viele in ihrer Opposition gegen Pfingstler und Charis­matiker um so lauter werden, je stärker das Wirken des Heiligen Geistes um sie herum anwächst. Einige werden jedoch auch gesalbt und umgewandelt werden.

Die zweite Gruppe, die konservativen Evangelikalen, zeigt bereits Anzeichen dafür, daß sie das Ziel der neuen Welle ist, der dritten Welle des Wirkens des Hei­ligen Geistes in diesem Jahrhundert. Mit konservativ evangelikal bezeichne ich eine Gruppe der Evangeli­kalen, die nichtcharismatisch, aber nicht unbedingt anticharismatisch ist. Zu dieser Gruppe habe ich viele Jahre lang gehört.“

Unterschiede zu den ersten beiden Wellen

J. Wimber sieht einen wesentlichen Unterschied zu den ersten beiden Wellen darin, daß in der „Dritten Welle“ nicht nur hauptsächlich „hauptamtliche Pastoren“ (Erste Welle) und „laienverantwortliche“ Hauskreis‑ und Zellgruppenleiter (Zweite Welle), sondern „alle Chri­sten für den Dienst in der Kraft Gottes ausgerüstet“ werden.

„Anstatt nur Evangelisten, Heilungsprediger oder Hauskreisleiter auszubilden, werden in der ,Dritten Welle’ alle Christen für den Dienst in der Kraft des Geistes ausgerüstet, besonders für persönliche Evange­lisation und göttliche Heilung.“

„Wenn ich einer der Leiter der ,Dritten Welle’ bin und wenn der Dienst der Vineyard‑Gemeinden charakteri­stisch ist für das, was die ,Dritte Welle’ ausmacht, dann ist dies eine Welle der Ausrüstung. Mit ,Ausrüstung’ meine ich, daß es eine Welle ist, in der alle Christen ermutigt werden, für Kranke zu beten und alle Gaben einzusetzen. Aus diesem Grunde führe ich Schulungsse­minare und nicht Heilungsgottesdienste durch. Mein Ziel ist, daß der ganze Leib Christi den Dienst der Heilung aufnimmt. Ich möchte nicht, daß er auf einige wenige Glaubensheiler beschränkt bleibt.“

 C.P Wagner nennt als besonderes Merkmal im Unter­schied zu den beiden ersten Wellen „das Fehlen von Unei­nigkeit schaffenden Elementen“. Weiter sagt er: „Ein Haupterkennungsmerkmal der ,Dritten Welle’ ist es, Spal­tungen um jeden Preis zu vermeiden.“

Wimber ist besonders von diesem Aspekt begeistert, weil seine „höchste Priorität der Wunsch nach Frieden und Einheit im Leib Christi“ ist und zitiert D.G. Bloesch:

„Der einzige geistliche Weg zu dieser Einheit (unter Christen) ist eine Rückkehr zu der Botschaft und Lehre der Bibel mit gleichzeitiger Zuhilfenahme der Tradition der gesamten Kirche.“

Also Bibel und Tradition, das alte Prinzip der röm. kath. Kirche, soll diese Einheit möglich machen. Daher findet man in Wimbers Büchern kaum ein abgrenzendes Wort und man wundert sich dann auch nicht, wenn er als kirchenge­schichtliche Kronzeugen für „power evangelism“ sowohl Papst Gregor I., Tertullian (Montanist), Ignatius von Loyola (Gründer der Jesuiten) als auch die Wunderhei­lungen in Lourdes heranzieht.

Die beiden Offenbarungsquellen: Bibel und christliche Erfahrung

Zur Beurteilung der „Dritten Welle“ ist es sehr wichtig zu wissen, daß C.P Wagner und J. Wimber nicht nur Bibel und Tradition, sondern auch Bibel und Erfahrung als die beiden Offenbarungsquellen der Theologie bezeichnen.

John Wimber:

„Einige Wahrheiten in der Bibel können wir erst dann verstehen, wenn wir bestimmte Erfahrungen gemacht haben. Ich habe festgestellt, daß dies auch für „Heilung“ zutrifft. Als ich noch nicht erlebt hatte, daß Menschen geheilt werden, konnte ich viele der Schrift­stellen über Heilung nicht verstehen… So gebraucht Gott also unsere Erfahrungen, um uns ein größeres Ver­ständnis von dem zu vermitteln, was er in der Schrift lehrt. Und vielfach veranlaßt er uns durch Erfah­rungen, Elemente unserer Theologie und Weltanschauung über Bord zu werfen oder sie zu ver­ändern.“

C.P Wagner:

„Theologie ist im Grunde nicht mehr und nicht weniger als ein menschlicher Versuch, das Wort und das Handeln Gottes in einer vernünftigen und systemati­schen Weise zu erklären. Die zwei wesentlichen Quellen hierfür sind die Bibel und die christliche Erfahrung.“

Diese Überzeugung ist auch der Grund dafür, daß neuer­dings viel von einer „intimen Gemeinschaft mit Jesus“ die Rede ist, welche die Voraussetzung dafür sei, besondere „Offenbarungen“ und  „Worte der Erkenntnis“ zu be­kommen. 

Das Erscheinungsbild

Wenn der bekannte evangelikale Theologe J. I. Packer die Charismatische Bewegung charakterisiert als „eine Art Chamäleon, das sich der theologischen und frommen Färbung seiner Umgebung anpaßt und die Farbe ändern kann, wenn sich diese Faktoren verändern, so trifft dieser Vergleich auch auf die „Dritte Welle“ und besonders auf J. Wimber zu. Um die Zielgruppe der konservativen Nichtcharismatiker zu erreichen, hat Wimber beste Voraus­setzungen. Er kennt die Denk‑ und Argumentationsweise der Evangelikalen und Fundamentalisten und bezeichnet sich sogar selbst als „Dispensationalist“, obwohl er die für die meisten Dispensationalisten nicht zu akzeptierende Auffassung vertritt: „Im NT ist Israel mit der Kirche Christi identisch“ und in den Dispensationalisten die hartnäckigsten Gegner seiner Auffassungen sieht:

„Die hartnäckigsten Verfechter der Lehre vom Auf­hören der Zeichen und Wunder sind die Dispensationa­listen. Sie glauben an bestimmte Heilszeiten: Zeit­räume innerhalb der Geschichte, in denen Gott auf besondere Weise wirkte. Durch die Scofield Bibel, in deren Fußnoten der Dispensationalismus stark zu Wort kommt, hat sich die Theorie vom Ende der Wunder unter Millionen englischsprachiger evangelikaler Christen und Fundamentalisten verbreitet.“

Wimber hat außerdem richtig erkannt, daß viele Evange­likale sich weniger an den Lehren und Praktiken, als vielmehr an dem Auftreten der Charismatiker stoßen. Er selbst schreibt über die bekannteste ’Fernseh‑Heilerin’ Kathryn Kuhlman: „Mir war ihre Sprache zu affektiert, und ihre Kleidung erschien mir zu extravagant. Ihre Art war theatralisch und ihr Auftreten mystisch…  ihr persönlicher Stil hielt mich eher davon ab, Gottes Werke zu sehen, als daß er mich dem nähergebracht hätte“. Doch beeilt er sich anschließend in Klammern zuzufügen: „Inzwischen schätze ich K. Kuhlman und habe von ihr gelernt“.

Auch die Heilungsgottesdienste anderer Charismatiker fand er empörend:

„Carol und ich besuchten auch einige Heilungsgottes­dienste… Wir waren empört, denn wir hatten den Ein­druck, daß die Glaubensheiler nur wegen des finan­ziellen Gewinnes an den Menschen interessiert waren. Obwohl offensichtlich einige Menschen geheilt wurden, konnten wir nicht glauben, daß diese Hei­lungen durch Gott geschahen; wir waren davon über­zeugt, daß Jesus nie so ein Spektakel veranstalten würde. Die Heiler waren gekleidet wie für eine Theater­aufführung, sie schubsten die Menschen, so daß diese hinfielen, und nannten dies dann noch die ’Kraft Gottes’. Und Geld ‑ sie wollten immer noch mehr Geld und sagten den Menschen, daß sie geheilt würden, wenn sie nur Geld geben würden.“

John Wimber tritt daher in seinen Veranstaltungen anders auf. Auf dem Frankfurter Kongreß 1988 hielt er sich weit­gehend im Hintergrund und trat nur ‑ es sei denn, daß er predigte ‑ kurz vor, um die Teilnehmer zu begrüßen. Nicht auffällig, eher lässig gekleidet, bewegte er sich ungezwungen unter den Anwesenden. Die Beschreibung ’Teddybär’ trifft tatsächlich auf ihn zu; er ist ein gemüt­lich‑väterlicher Typ, vertrauenerweckend und in keiner Weise arrogant. Die sonst meist übliche Show auf charis­matischen Veranstaltungen fehlte, keine Ekstase, kein Auf­peitschen der Gefühle durch Wortschwall und Lautstärke, keine Bettelei um Geld.

Auch die Vorträge seiner Mitarbeiter waren sachlich, in manchen Punkten sogar sehr ausgewogen und manchmal selbstkritisch, so dass dem nichtcharismatischen Zuhörer viele Vorurteile genommen wurden und die Möglichkeit, dass er sich dem anschließenden, allerdings dann sehr emotionalen Heilungs- und Befreiungsdienst öffnete, sehr real war.

Wimbers Lehren über „power evangelism“

Was ist nun „power evangelism“?

Wimber definiert diesen Begriff so: „Eine Darstellung des Evangeliums, die sowohl rational ist, aber auch den Bereich des Rationalen übertrifft. Sie geht einher mit dem Erweis der Macht Gottes durch Zeichen und Wunder und läßt so Gottes Größe erfahrbar machen.“

Nach Wimbers Überzeugung sind „Zeichen und Wunder die Visi­tenkarte des Reiches Gottes“ und nicht an die Zeit Jesu und der Apostel gebunden. „Power evan­gelism ist eine spontane, vom Geist eingegebene und bevollmächtigte Darlegung des Evangeliums. Übernatür­liche, sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes gehen ihr voraus und unterstützen sie. Gewöhnlich äußert sich Gottes Macht in Worten der Erkenntnis… Heilungen, durch prophetische Rede und Befreiung von bösen Geistern. Bei der power‑evan­gelism wird der Widerstand gegen das Evangelium durch übernatürliche Ereignisse überwunden.“

Wimber lehrt, daß auch in unserer Zeit sichtbare Zeichen wie Dämonenaustreibungen, Krankenheilungen und Totenauferweckungen die Kennzeichen des anbrechenden Reiches Gottes sind, das sich, so Wimber, jetzt noch ‑ bis zur Wiederkunft Jesu ‑ auf „feindlichem Territorium“ befindet. Nach seinen Auffassungen kommt es zu einem Zusammenprall der Mächte Gottes und des Teufels, wenn power evangelism praktiziert wird. Dabei würde es häufig, zu Begegnungen und Kämpfen mit Dämonen kommen.

„Wenn das Reich Gottes in direkten Kontakt mit dem Reich der Welt kommt (Jesus trifft auf Satan), dann gibt es einen Zusammenstoß. Und gewöhnlich ist auch dieser ohne Ordnung und unberechenbar ‑ für uns schwierig zu lenken.“ 

Positiv muß an dieser Stelle allerdings bemerkt werden, daß Wimbers Auffassungen vom Reich Gottes verbunden sind, mit einer klaren Verkündigung der Nachfolge Jesu, die sich wohltuend abhebt von dem, was heute nicht nur in charismatischen Kreisen gepredigt wird:

„Eine falsche Verkündigung des Evangeliums wird Christen hervorbringen, die falsche Einstellungen haben oder im besten Fall schwach sind. Das ist heute nur allzu oft der Fall. Statt des Rufes zur Herrschaft Christi und zum Eintritt in seine Armee hören die Men­schen ein auf das Ego gemünztes Evangelium: komm zu Jesus und laß dir in dieser oder jener Not von ihm helfen, laß dir ein erfülltes Leben geben, schöpfe deine Möglichkeiten aus. Das ist nicht das Evangelium vom Reiche Gottes, das Christus verkündigte und für das man einen hohen Preis zahlen muß: ,Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten` (Mark. 8,35).“

Der Zweck von „power evangelism“

Nach Wimbers Überzeugung werden mit power evan­gelism Vorurteile und Widerstände der Ungläubigen über­wunden, so daß es zu zahlreichen Bekehrungen kommt und eine „große Bereitschaft, dem Anspruch Christi Folge zu leisten“, entsteht. Weiter lehrt er, daß oft die sichtbaren Zeichen zuerst an denen wirksam werden, die evangeli­sieren und danach erst an den Menschen, die erreicht werden sollen:

„Sichtbare Zeichen der Macht Gottes, die zur Bekehrung führen, ereignen sich oft zuerst an denen, die evangelisieren, und danach erst an Menschen, die evangelisiert werden. An Pfingsten waren die Men­schen ’außer sich, ratlos’. Viele von ihnen traten jedoch augenblicklich auf die andere Seite: sie wurden Teil­haber an Gottes Gnade. Wenn Nichtchristen erleben, wie Gott seine Macht an einem Christen offenbart, so öffnen sie sich dadurch auf übernatürliche Weise dem Evangelium vom Reich Gottes.“ – „Selten wurde Gemeindewachstum allein durch die Ver­kündigung bewirkt.“ 

Wimber begründet seine Auffassungen mit dem Wirken Jesu, dem Auftrag und Dienst der Apostel (vgl. Luk. 9,1‑6; Mark. 16,15‑18) und mit folgenden Zeugen der Kirchenge­schichte:

Irenäus (140‑203), Augustinus (354‑430), Franz von Assisi (1181‑1226), den Waldensern, Martin Luther (1483‑1546), Ignatius von Loyola (1491‑1556), Teresa von Avila (1512­-1582), den Quäkern, den Hugenotten, John Wesley, den Wundern in Lourdes, der Erweckung in Los Angeles Azusa Street (1909).

Als Zeugen für Zeichen und Wunder in unserem Jahr­hundert nennt Wimber Reinhard Bonnke, Erlo Stegen, Prophet Harris, Jacques Girad, Tommy Hicks und Suba Rao.

Bei diesen Personen fällt auf, daß Wimber auch solche dazu zählt, die den Gebrauch von Sakramenten zur Heilung emp­fehlen und der „Fürbitte bei den Reliquien der Heiligen“ große Bedeutung beimessen.

So zitiert er Augustinus:
„Manchmal wird behauptet, daß die Wunder, von denen Christen sagen, daß sie sich ereignet haben, nicht mehr geschehen … Die Wahrheit ist, daß auch heute noch im Namen Christi Wunder getan werden, manchmal durch seine Sakramente und manchmal durch die Fürbitte bei den Reliquien seiner Hei­ligen.“

Heilungsdienst

Zu den wichtigsten Zeichen von „power evangelism“ zählt Wimber die Krankenheilung. Er berichtet, daß Gott ihm gesagt habe: „Ja, die Christen sind genauso dazu berufen, die Kranken zu heilen, wie sie dazu berufen sind, zu evan­gelisieren. Er sieht in öffentlichen Krankenheilungen eine wirksame Unterstützung der Evangelisation und die Ausbreitung des Reiches Gottes:

„Ein weiterer Grund, für Kranke zu beten, ist der, daß Heilung die Evangelisation unterstützt. Heilung ist ein ’Evangeliums‑Förderer’. Dies habe ich von den Stu­denten aus der Dritten Welt gelernt… die behaupteten, es sei einfacher, für die Heilung von Menschen zu beten, als ihnen von Christus zu erzählen. Aber Men­schen von Christus zu erzählen, nachdem sie geheilt worden sind, sei sehr einfach.“ – „Unser Ziel, wenn wir für Kranke beten, ist, daß diese geheilt werden und daß sich als Folge davon das Reich Gottes ausbreitet.“

Wimber erzählt, wie seine frühere ablehnende Haltung Krankenheilungen gegenüber durch eine Vision korrigiert wurde, die sein Leben „mehr als alle anderen Erfah­rungen“ verändert habe:

„Plötzlich sah ich in meiner Vorstellung eine Wolkenbank, die sich quer über den Himmel zu erstrecken schien. Doch diese Wolkenbank sah anders aus als alle, die ich je zuvor gesehen hatte. So fuhr ich an den Stra­ßenrand, um die Erscheinung genauer zu betrachten. Ich entdeckte, daß es gar keine Wolkenbank war, sondern eine Honigwabe, aus der Honig tropfte. Unter der Wabe standen Menschen in unterschiedlicher Haltung. Manche zeigten Ehrfurcht; sie weinten und streckten ihre Hände aus, um Honig aufzufangen und ihn zu essen. Sie boten sogar anderen Menschen von ihrem Honig an. Eine ganz andere Reaktion zeigte eine zweite Gruppe von Menschen; diese Leute waren verärgert, versuchten sich vom Honig zu reinigen und beschwerten sich darüber, daß alles klebte. Ich erstarrte vor Ehrfurcht; was sollte das bedeuten? ’Herr, was ist das?’, fragte ich.

Er antwortete: ,Das ist mein Erbarmen, John. Für manche Menschen ist es ein Segen, aber für andere ist es ein Hindernis. Es ist genug da für jeden. Flehe mich nie wieder um Heilung an. Das Problem liegt nicht bei mir. Es liegt bei euch’…  Dieses Erlebnis bewegte mich sehr tief; es veränderte mein Leben mehr als alle anderen Erfahrungen, die ich, seitdem ich Christ war, gemacht hatte. Seit jenem Tag habe ich eine ganz andere Sicht von Heilung.“

Weitere Impulse für seinen Heilungsdienst kamen von Pater Francis MacNutt und seinen Büchern, aus denen Wimber oft zitiert und dessen Buch „Die Kraft zu heilen“ an alle Teilnehmer seiner Konferenz über „Zeichen und Wunder und Gemeindewachstum“ 1985 in Sheffield ver­teilt wurde. MacNutt bezeichnet sich selbst als ’christ­licher Humanist’. Seine Bücher machen deutlich, daß er u.a. an die Heilkraft der Sakramente, besonders der Eucharistie, glaubt.

Zu den Autoren, die Wimber oft zitiert und die seine Auf­fassungen geprägt haben, gehört auch die mit MacNutt freundschaftlich verbundene Agnes Sanford und der C. G. Jung‑Schüler Morton Kelsey, der ‑ wie Dave Hunt in seinem wichtigen Buch „Die Verführung der Christenheit“ nachweist ‑ „den Heiligen Geist mit dem ’Ich’ gleichsetzt und schamanistische, psychische Kraft zu den Gaben des Heiligen Geistes rechnet“.

Kelsey, dessen Bücher teilweise auch in deutscher Sprache im Franz‑Verlag/Metzingen erschienen sind, vertritt fol­gende Überzeugung:

„Hellsichtigkeit, Telepathie, Vorauswissen von Ereig­nissen, Psychokinese und Heilungen konnten im Leben von vielen religiösen Führern und fast bei allen christ­lichen Heiligen beobachtet werden … Das ist genau die­selbe Art der Geisteskraft, wie Jesus sie auch besaß.“  „Jesus war ein mächtiger Mann. Er war größer als alle Schamanen. Meine Studenten fangen an, die Rolle Jesu zu verstehen, wenn sie die Bücher ’Schamanismus’ von Mircea Eliade und ’Die Reise nach Ixtlan’ von Carlos Castaneda lesen… Das ist genau die gleiche Art der Psi­-Kraft, wie sie Jesus selbst auch hatte.“

Die Definition von Krankheit

Übereinstimmend mit vielen Pfingstlern und Charisma­tikern lehrt Wimber, daß Krankheit eine Auswirkung und Folge der Sünde und eine Waffe Satans und seiner Dämonen ist.

„Krankheit wird im NT als eine Auswirkung und Folge der Sünde betrachtet und ist daher in ihrem Ursprung böse, ein Zeichen der Herrschaft Satans.“

„Die Christen des ersten Jahrhunderts sahen Krankheit als Werk des Satans, als Waffe seiner Dämonen und als ein Mittel, mit dem das Böse die Welt regiert.“

Allerdings sieht Wimber ‑ im Gegensatz zu vielen anderen Heilungspredigern wie Oral Roberts, K. Hagin und Kenneth Copeland ‑ nicht in jeder Krankheit die direkte Folge einer Sünde oder eines Ungehorsams.

„Anders als im AT sind im NT nur die wenigsten Krank­heiten eine direkte Folge konkreter Sünden des Kran­ken … Es gibt auch Krankheiten, die nicht durch Sünde zu erklären sind. Viele Krankheiten werden von Satan verursacht.“

Wimber, der selbst an einem Herzschaden, zu hohem Blut­druck, Magengeschwüren und Übergewicht leidet und zugeben muß: „Ich wünschte, ich könnte schreiben, daß ich inzwischen vollkommen geheilt bin und keine körper­lichen Beschwerden mehr habe. Doch dies ist leider nicht der Fall“, kommt durch seine eigene Erfahrung zu fol­gender Erkenntnis:

„Die Situation des Epaphroditus, Timotheus, Tro­phimus und Paulus ‑ sowie meine eigene ‑ ist demü­tigend und erinnert uns daran, daß sich unsere voll­kommene Erlösung erst bei Jesu Wiederkunft offen­baren wird. Wir wissen, daß Jesu Sühnetod uns Heilung für den Leib gebracht hat; wenn Gott nun aber nicht jede Bitte um Heilung erhört, so haben wir trotzdem nicht das Recht zu folgern, daß unser Glaube oder Gottes Treue mangelhaft seien.“

„Vor langer Zeit habe ich beschlossen, daß es besser ist, wenn ich für hundert Menschen bete, als wenn ich über­haupt nicht um Heilung bete und daher auch kein Mensch geheilt wird.“

Dennoch bleibt Wimber der Auffassung, daß Sünde und Unglauben in den meisten Fällen daran schuld sind, wenn keine Heilung eintritt und gibt ansonsten folgende Erklärung dafür ab, warum nicht alle geheilt werden, für die gebetet wird:

„Meine Schlußfolgerung ist, daß Heilung nicht in der­selben Weise im Sühneopfer enthalten ist wie die Errettung. Trotzdem möchte Gott heilen, und mein Vor­schlag ist, daß es im Rahmen der Reich‑Gottes‑Arbeit Zeiten der Ebbe und Zeiten der Flut gibt. Auf diese Weise ließe sich auch die Frage beantworten, warum zu gegebener Zeit nicht alle geheilt werden, und es würde uns helfen, zu verstehen, daß viele aus anderen Gründen nicht geheilt werden.

Wenn ich auf meine Erfahrung mit Gottes Wirken zurückblicke, sehe ich solche Ebbe‑ und Flut‑Bewe­gung. Es gibt Zeiten, in denen durch Gottes heilende Gegenwart Unglaubliches geschieht, und es gibt Zeiten, in denen kaum eine Heilung erfolgt. Heilung ist daher eine Nebenerscheinung des Sühneopfers und findet eine bessere Erklärung in der Reich‑Gottes­Theologie.“

Die Praxis

In der Praxis sieht der Heilungsdienst so aus, daß Wimber möglichst im Beisein von weiteren Christen, „die Glauben haben“, für den Kranken betet, während er oder die Mitar­beiter die Hände auf oder in die Nähe der kranken Körper­stelle legen.

„Immer, wenn ich für Kranke bete, suche ich unter den Anwesenden nach Menschen, die Glauben haben ‑ Mitglieder des Gebetsteams, der Kranke selbst, Ver­wandte, Freunde und natürlich ich selbst. Wenn ich diese Menschen gefunden habe, weise ich sie an, ihre Hände auf oder in die Nähe der Körper­stelle zu legen, die Heilung braucht, und dann bitte ich Gott, mit seiner heilenden Kraft zu wirken.“

Diese Handauflegung ist meistens mit einer Übertragung von Hitze‑ und Energieströmen verbunden. Interessant ist die erste Erfahrung mit diesen Energieströmen, die Wimber des Nachts, während er schlief, ausströmte:

„Sie (Carol Wimber) hatte Schmerzen in ihren Schultern, verursacht durch rheumatische Arthritis. Diese Schmerzen sollten nun der Prüfstein sein. Eines Nachts, als wir in einer Hütte in den Bergen waren, wartete sie, bis ich eingeschlafen war, und legte dann meine Hand auf ihre Schulter. Sie sagte: ’So, Herr, jetzt bist du dran’. Sie spürte einen Strom von Hitze und Energie in ihrer Schulter, und die Schmerzen ver­schwanden. Sie war geheilt. Ich wachte auf und wun­derte mich, warum meine Hand so heiß war.“

Das folgende Beispiel ist typisch für Wimbers Heilungs­dienst. Während einer Heilungskonferenz in einer Göte­borger Baptistengemeinde hatte er ein „Wort der Erkenntnis“, daß eine Frau, die erst an diesem Tag aus dem Krankenhaus entlassen war, von Brustkrebs geheilt werden sollte:

„Nun stand eine Dame auf, die einen langen, dunklen Wollmantel trug, und sagte: ,Das stimmt, das bin ich’. Ich bat sie, zum Gebet nach vorne zu kommen, und dann forderte ich andere, die sich frei dazu fühlten, auf, für sie zu beten.

Drei Männer aus der ersten Reihe standen auf, zwei stellten sich hinter die Dame, einer trat vor. Nun bat ich die Frau, ihre Hände über ihrer Brust zu falten, und ich fragte sie, ob sie damit einverstanden wäre, wenn einer der Männer seine Hand auf ihre Hände lege… Die Männer, die hinter der Dame standen, legten ihr die Hände auf die Schultern. Dann trat ich einen Schritt zurück und sagte, sie sollten warten, bis ich beten würde.

Aber bevor die Übersetzerin ihnen diese Anweisungen geben konnte, war ich plötzlich so von Glauben erfüllt, daß ich in Englisch laut rief: ’Sei geheilt in Jesu Namen!’ Ich hatte die Worte kaum ausgesprochen, da kam Gottes Kraft über die vier Menschen; sie begannen zu schwanken und fielen dann zu Boden! Es war, als wäre Gottes heilende Kraft durch die Frau in die drei Männer geströmt oder umgekehrt… Die vier standen auf, sie weinten und priesen Gott, und zu einem späteren Zeitpunkt berichtete die Frau von ihrer Heilung.“

Worte der Erkenntnis

Unter diesem Begriff versteht Wimber Erfahrungen und Praktiken, die voll anderen Christen teilweise mit Hell­sehen bezeichnet werden.

Sein bekanntestes Beispiel ist sein Erlebnis im Flugzeug, als er dort einen Mann mittleren Alters sah:

„Als meine Augen gerade zufällig in seine Richtung blickten, sah ich etwas, was mich aufschrecken ließ. In sehr klaren, deutlichen Buchstaben glaubte ich das Wort ’Ehebruch’ über sein Gesicht geschrieben zu sehen. Ich blinzelte, rieb mir die Augen und sah nochmals hin. Es stand noch da! ’Ehebruch’. Ich sah es ‑ nicht mit meinen natürlichen Augen, sondern vor meinem geistigen Auge… Es war der Geist Gottes, der mir dies offenbarte.“

„Worte der Erkenntnis“ spielen auch in Wimbers Heilungs­dienst eine wichtige Rolle. Manchmal sieht er über einigen Menschen „leuchtende Lichtkegel“, die ihm anzeigen, welche Personen geheilt werden sollen, oder er spürt an seinem Körper Schmerzen, die ihm deutlich machen, welche Krankheiten bei anderen vorhanden sind.

„Während einer der Veranstaltungen (in London) sagte mir Gott, daß jemand unter den Zuhörern als Folge von Diabetes blind sei. Die Erkenntnis bekam ich dadurch, daß ich in meiner Vorstellung ein Bild von dem Auge des Mannes sah, und dabei fiel mir das Wort Diabetes ein. Manchmal bekomme ich Schmerzen in verschie­denen Teilen meines Körpers. Das zeigt mir an, welche Krankheiten Gott bei anderen heilen will. Es kommt auch vor, daß ich blitzartig die Probleme eines Men­schen erkenne…“

J. Wimber definiert diese Gabe so:

„Ein ’Wort der Erkenntnis’ bedeutet, daß Gott uns in einer speziellen Situation seine Weisheit offenbart oder uns Einblick in diese Situation gewährt… Gott kann zum Beispiel Einzelheiten über das Leben eines anderen Menschen oder Sünde offenbaren, er kann vor Gefahrensituationen warnen und so einen Menschen schützen. Er kann die Gedanken eines anderen offen­baren, Heilung ankündigen oder Weisungen geben.“

„Ruhen im Geist“

Ein weiteres Phänomen, welches auch in den Veranstal­tungen anderer Charismatiker wie Kathryn Kuhlman, Kim Kollins, Reinhard Bonnke usw. auftrat bzw. auftritt, ist das „Ruhen im Geist“. Wimber definiert dieses Phänomen fol­gendermaßen:

„Dieses Phänomen, daß Menschen umfallen und manchmal mehrere Stunden auf dem Rücken oder auf dem Bauch liegen bleiben„ kennen wir nicht nur aus vielen Berichten der Kirchengeschichte, sondern es tritt auch heute häufig auf. Die meisten Menschen verspüren dabei ein Gefühl der Ruhe und großer Gelas­senheit in bezug auf ihre Lebensumstände. Gewöhnlich lassen sich nachträglich weder positive noch negative Auswirkungen feststellen. Gelegentlich kann dieser Zustand zwölf bis achtundvierzig Stunden anhalten; in solchen Fällen wird von den Menschen berichtet, daß sie eine tiefgreifende geistliche Veränderung erlebt haben.

Dramatisch kann es sein, wenn ein Pastor oder ein geist­licher Leiter in dieser Weise umfällt; manche scheinen regelrecht vom Geist auf ihr Angesicht geworfen zu werden und bleiben dann auf dem Bauch liegen. Es hat auch einige Fälle gegeben, bei denen ein Pastor etwa eine Stunde lang rhythmisch seinen Kopf auf den Boden geschlagen hat… Die Veränderungen, die einer solchen Erfahrung folgen, können sehr groß sein. Es scheint, als ob gerade Pastoren durch dieses Erlebnis neue Vollmacht und Wirksamkeit für ihren Dienst erfahren.“

Manchmal ist diese Erfahrung verbunden mit Zungen­reden, Visionen und dem sog. „Heiligen Lachen“. Murray Robertson, Pastor einer Baptistengemeinde in Neu­seeland, berichtet aus eigener Erfahrung, wie auf einer Konferenz über „Zeichen, Wunder und Gemeinde­wachstum“ seine Hand plötzlich stark zu zittern begann, „so als ob ich einen Preßluftbohrer festhalten würde“ und anschließend passierte folgendes:

„John Wimber sprach weiter: ’Einige von Ihnen stehen schon lange im Dienst und sind müde geworden und haben den Mut verloren. Der Heilige Geist wird kommen und Sie erfrischen’. In mir stieg ein Lachen auf, doch da der Augenblick dafür völlig unpassend war, unterdrückte ich es. ’Der Geist wird in Wellen kommen’, sagte Wimber, ’jede Welle wird mehr Men­schen mit hineinnehmen als die vorherige’. In den ersten Reihen fingen einige Menschen an zu lachen. Dann jemand an einer anderen Stelle. Das ist bestimmt die Erfrischung des Geistes, dachte ich ‑ und konnte mein eigenes Lachen nun auch nicht mehr unter­drücken. Diese Freude im Heiligen Geist breitete sich etwa zehn Minuten lang im ganzen Raum aus und ver­ebbte dann wieder. Diejenigen, die gelacht hatten, wurden stil ‑ bis auf mich. Ich konnte einfach nicht auf­hören. Und schließlich konnte ich auch nicht mehr stehen! Ich fiel zuerst nach vorne, dann nach hinten, und zum Schluß lag ich auf dem Boden, rollte hin und her und hielt mir vor Lachen die Seite. Inzwischen war ich umringt von Zuschauern, ich lieferte eine gute Unterhaltungsshow! Es war interessant, daß ich mich selbst auch gleichermaßen beobachten konnte. Ich wußte, was geschah ‑ Monate, ja vielleicht Jahre der Enttäuschung im Dienst wurden aus meinem Leben herausgeschwemmt… Ich lachte etwa eine dreiviertel Stunde lang. Als ich schließlich aufhörte, kam ein Kollege, ein sehr guter Freund von mir, legte mir die Hand auf den Kopf und sagte: ’Herr, gib ihm noch mehr davon’ ‑ und ich mußte noch einmal dreiviertel Stunde lang lachen! Danach flehte ich ihn an, nicht mehr für mich zu beten, meine Rippen schmerzten schon von all dem Lachen!

Am nächsten Tag traf ich kurz mit John Wimber zusammen und erzählte ihm, meine Rippen täten mir immer noch weh. Er berichtete öffentlich allen Teil­nehmern davon ‑ und fügte hinzu, ich sei der erste ’Heilige Lacher’, den er aus den Reihen der Baptisten kennengelernt habe.“

„Befreiungsdienst“

Ebenso wie viele Nichtcharismatiker sieht Wimber eine wichtige Aufgabe darin, Nichtchristen wie Christen von Dämonen zu befreien. Begegnungen und Kämpfe mit Dämonen sind für Wimber „inzwischen nichts Ungewöhn­liches mehr“, weil sie seiner Meinung nach immer dann auftreten, wenn „das Reich Gottes auf Satans Reich stößt“.

Die erste Dämonenaustreibung praktizierte Wimber 1978, als ein junger Mann ihn verzweifelt bat, seiner Freundin zu helfen, welche wild um sich schlug und tierische Laute von sich gab:

„Das Mädchen (d.h. eher etwas in dem Mädchen) redete. ’Ich kenne dich’, waren die ersten Worte, die mich angreifen sollten ‑ in einer krächzenden, grau­sigen Stimme ‑ ’und du weißt nicht, was du tun sollst.’ Ich dachte: ’Du hast recht.’ Dann sagte der Dämon durch Melinda: ’Du kannst nichts mit ihr machen. Sie gehört mir.’ Ich dachte: ’Du irrst dich.’

Dann begannen zehn Stunden geistlichen Kampfes, in dem ich die Mächte des Himmels anrief, um Satan zu überwältigen. Der äußerte sich auf verschiedene Weise, es roch nach Fäulnis, Melinda rollte ihre Augen… Ich war entsetzt und hatte große Angst. Aber ich weigerte mich, den Kampf aufzugeben.

Ich glaube, der Dämon verschwand am Schluß, weil ich ihn zermürbte ‑ ganz bestimmt nicht, weil ich Erfahrung im Austreiben böser Geister gehabt hätte. Seit der Zeit habe ich viel über die Begegnung mit Dämonen gelernt. Ich glaube, wenn ich damals gewußt hätte, was ich heute weiß, so hätte diese Begegnung nicht länger als eine Stunde gedauert… Begegnungen und Kämpfe mit Dämonen sind für mich inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr.“

Wimber lehrt, daß auch Christen, die in Sünde fallen und darin leben, von Dämonen beherrscht werden können. Deshalb ist der „Befreiungsdienst“ ein wichtiger Teil jeder Konferenz.

„Doch wenn Christen in Sünde fallen und diese nicht bekennen, können auch sie unter den Einfluß böser Geister geraten, ja sogar von ihnen beherrscht werden… Das NT lehrt, daß Christen, die in Sünde leben, in der Gefahr stehen, dem Satan übergeben zu werden… Christen können auch durch ererbte Dämonen gebunden sein (Dämonen, die von den Eltern auf die Kinder übergehen) oder durch Dämonen, die sie sich auf irgendeine andere Weise zugezogen haben.“

Die Befreiung von dämonischen Mächten kann bei einem Christen nach Wimbers Auffassung „durch Selbst‑Befreiung geschehen, wo der einzelne, ohne Gebetsunterstützung anderer Menschen, selbst die Bindung zerbricht, oder durch brüderliche bzw. pastorale Befreiung.“ 

„Komm, Heiliger Geist“

Während J. Wimber die „Geistestaufe“ im Sinne vieler Pfingstler und Charismatiker als „zweite Erfahrung“ in Verbindung mit Zungenreden ablehnt und lieber von „Erfüllung mit dem Heiligen Geist“ spricht, so vertritt er doch einige Auffassungen, die auch von Charismatikern teilweise kritisiert werden und die für seine „Heilungs‑ und Befreiungsdienste“ von großer Bedeutung sind.

Im allgemeinen folgt nach der Predigt oder dem Referat Wimbers und seiner Mitarbeiter der praktische Teil, der mit der Bitte: „Komm, Heiliger Geist!“ eingeleitet wird. Nach einer kurzen Zeit der Stille offenbart dann angeblich der Heilige Geist ‑ je nach Seminar oder Konferenz-Thema ‑ dämonische Bindungen, Krankheiten, seelische Verlet­zungen usw. Der „Heilige Geist“ wird also als eine Macht außerhalb von uns angerufen, um seine Ankunft oder Gegenwart dann durch bestimmte Reaktionen in den Anwesenden zu signalisieren.

„Wenn wir geistliches Sehvermögen besitzen, so können wir Gottes Wirken erkennen und bei dem Hei­lungsprozeß als Gottes Mitarbeiter dienen. Wir hören auf Gottes Stimme und bitten den Heiligen Geist zu kommen. Die meisten Menschen zeigen bestimmte see­lische und körperliche Reaktionen, die darauf hin­weisen, daß der Heilige Geist da ist.

Einige dieser Reaktionen sind deutlich erkennbar: Weinen, Schreien, länger anhaltendes, überschweng­liches Lobgebet, Zittern, große Ruhe, Zucken, Umfallen, Lachen und Springen.“ 

Vermittlung von „Gaben“ durch Handauflegung

Wimber ist überzeugt, daß auch heute Geistesgaben und geistliche Vollmacht durch Handauflegung übertragen werden können. Die biblischen Vorbilder sieht er in Mose und Elia, die auch ihre „Vollmacht“ an andere weiter­gegeben haben. John Wimbers erste Erfahrung mit der Gabenübertragung hat seine Frau Carol beschrieben:

„Johns große Frage war, wie er anderen helfen konnte, Gottes Kraft und Gegenwart in derselben Weise zu erfahren, wie er sie selbst immer mehr erlebte. Wir hatten noch nicht erkannt, daß man das, was Gott einem selbst gibt, durch Handauflegung anderen wei­tergeben kann.

Daß Mose und Elia so gehandelt hatten, wußten wir, bezogen dies aber noch nicht auf unsere eigene Situation. Dann sprach Gott zu John. Er sagte ihm, er solle andere Menschen für den Dienst salben: So lud John an einem Sonntagmorgen am Ende des Gottesdienstes die Menschen nach vorne ein, die sich danach sehnten, in ihrem Dienst mehr Vollmacht zu haben. Er ließ sie ihre Schuhe ausziehen und salbte sie mit Öl, so wie es in 3. Mose steht ‑ am rechten Ohr, am rechten Daumen und an der großen Zehe des rechten Fußes. (Auf diese Weise hatte Mose Aaron und seine Söhne für den Dienst geweiht). John legte ihnen auch die Hände auf, um die Gabe der Heilung weiterzugeben. Am Anfang war er etwas unsicher, aber er wußte genau, daß Gott ihm aufgetragen hatte, so zu handeln. Danach lud er alle Kranken ein, nach vorne zu kommen. Die Menschen, für die er gerade gebetet hatte, sollten nun für sie beten. Das, was geschah, versetzte uns in Staunen ‑ viele wurden geheilt.“

Er selbst berichtet, welche negativen Erfahrungen damit verbunden waren, als er sich einmal eine Zeitlang wei­gerte, seine Gaben anderen durch Handauflegung weiter­zugeben:

„Ich erinnere mich noch gut daran, wie Gott mir zum ersten Mal die Gabe der Erkenntnis gab ‑ Fakten und Informationen über spezielle Situationen, Menschen oder Dinge, von denen man nur auf übernatürlichem Wege Kenntnis erlangen kann. Ich wußte die geheimsten Gedanken der Menschen. Diese Gabe gefiel mir, und da sie sonst keinem anderen in der Gemeinde verliehen war, begann ich stolz zu werden.

Dann sagte mir Gott, daß ich die Gabe weitergeben solle; das hieß, ich sollte anderen die Hände auflegen und dafür beten, daß auch sie diese Gabe empfingen. Ich sprach nur ein einfaches Gebet: ’Herr, bitte gib diesen Menschen Worte der Erkenntnis’, worauf die meisten Menschen Worte der Erkenntnis empfingen. Doch dann begann Satan mir einzuflüstern, daß ich selbst die Gabe verlieren würde, wenn ich fortführe, sie weiterzugeben. So hörte ich auf, für andere um diese Gabe zu bitten; in den nächsten vier Monaten empfing ich selbst allerdings kein einziges Wort der Erkenntnis mehr. Schließlich ging ich zu einigen Freunden und bat sie, für mich zu beten, daß die Gabe wieder in mir lebendig würde. Gott erhörte ihr Gebet.“

Nach Wimbers Überzeugung ist es nicht so, daß jeder Christ eine oder mehrere Gaben hat, sondern daß Geistes­gaben in besonderen Situationen verliehen werden.

„Viele lehren, daß jeder Christ ein oder zwei Gaben als seinen Besitz hat. Man wird aufgefordert, ’seine Gabe zu entdecken’, dahinter steht die Annahme, daß nur einige wenige zu besonderen Diensten wie zum Beispiel Heilungsdienst berufen sind. Diese Lehre ‑ daß jeder Christ nur ein oder zwei Gaben besitzt und sich in seiner Wirkungsmöglichkeit auf diese Gaben beschränken muß ‑ halte ich für falsch… „

Wimber folgert aus 1. Kor. 12, daß die Gaben in erster Linie nicht den einzelnen Gliedern, sondern der ganzen Gemeinde gegeben sind und daher „allen alle Gaben zur Verfügung stehen“.

„So kommt es also vor, daß in Situationen, wo spezielle Nöte vorhanden sind, dem einzelnen besondere Gaben verliehen werden. Das heißt, die Gaben werden dem einzelnen in konkreten Situationen gegeben, damit er sie zum Segen für andere einsetzt. Daraus ergibt sich auch, daß jeder Christ für einen Kranken beten kann … Der Heilige Geist offenbart sich, er salbt Christen mit Gaben, um konkreten Nöten abzuhelfen. In gleicher Weise wird auch die Gabe der Heilung ver­liehen.“

„Wenn ich mit Evangelikalen über den Heiligen Geist spreche, so frage ich sie, ob sie den Geist empfangen haben, als sie wiedergeboren wurden. Wenn sie mit Ja antworten (und das sollten sie), sage ich ihnen, daß sie jetzt nur noch eins zu tun brauchen: sie müssen dem Heiligen Geist Raum geben, sie müssen nur zulassen, daß er ihnen alle Gaben geben kann, die er geben möchte. Ich lege ihnen dann die Hände auf und sage: ’Sei erfüllt mit dem Geist’ ‑ und das geschieht.“

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Artikel „Evangelisation in der Kraft des Geistes ‑ Eindrücke vom John Wimber Kongreß in Frankfurt“ von Siegfried Großmann, dem langjährigen Leiter der Rufer‑Bewegung und des baptistischen Arbeitskreises „Charisma und Gemeinde“. Er schildert darin seine Eindrücke und Beob­achtungen in bezug auf die Übertragung der Gaben:

„Ich teile die Auffassung, daß wir mehr und bewußter die vorhandenen Gaben des Heiligen Geistes wahr­nehmen und um ihre Erweckung bitten sollten ‑ und sicher hat dieser Kongreß vielen dazu die Möglichkeit gegeben. Aber warum mußte dann der Eindruck ver­mittelt werden, jeder Christ habe im Prinzip jede Gabe und werde sie bekommen, wenn er nur darum bitte?

Um dieses Problem zu beschreiben, zitiere ich etwas ausführlicher aus einer Vormittagsveranstaltung mit McClure:

Der Redner ruft alle auf, nach vorn zu kommen, die Buße tun wollen, damit der Heilige Geist auf sie fällt. Es kommen einige hundert nach vorne. McClure: ’Der Herr ist stolz auf dich und wird dir wunderbaren Erfolg schenken.’ Es folgt ein Gebet mit der Bitte, daß der Heilige Geist neu auf sie falle, damit Zeichen und Wunder geschehen. Die Atmosphäre ist ruhig, gesammelt und sehr erwartungsvoll. McClure fordert alle auf, welche die Gabe der Evangelisation emp­fangen möchten, ihre Hand zu heben. ’Empfangt die Gabe der Evangelisation.’ Es folgt ein Sprachengebet, dessen Auslegung die Zusage ist, daß der Geist jetzt diese Gabe schenkt… Als zum Schluß die Möglichkeit gegeben wird, um die Gabe der Heilung zu bitten, melden sich mehr als die Hälfte der Teilnehmer. McClure sagt auch jetzt die Erhörung dieser Bitte zu. Er schließt: ’Ich sage dir an Christi Statt: Heile die Kranken, treibe die Dämonen aus, predige das Evan­gelium. Empfangt diese Gabe von Christus.’ Dann dankt der Redner Jesus für die Erhörung dieses Gebetes, und die Versammlung antwortet mit langem Beifall. Bei den einzelnen Gebetsanliegen, vor allem beim Gebet um die Gabe der Heilung, hatte es im Publikum viele kleine Gruppen gegeben, in denen man sich gegenseitig durch Handauflegung segnete, ein­zelne Teilnehmer reagierten durch Umfallen oder durch einen inneren Zustand, bei dem sie durch Lachen geschüttelt wurden…

Am Freitagabend fordert John Wimber alle Pastoren, Hauskreisleiter und in der Gemeinde Verantwortlichen auf, nach vorn zu kommen. Er sagt, daß er gerade für geistliche Leiter eine besondere Gabe bekommen habe, Vollmacht weiterzugeben. ’Ich weiß auch nicht warum. Aber es hilft.’ Dann betet er wiederholt: ’Komm, Heiliger Geist.’ In der Stille hört man ein­zelne, oft langgezogene Schreie, hier und da gibt es Unruhe, weil jemand zu Boden gefallen ist ‑ und ein­zelne verfallen in ein zwanghaft wirkendes Lachen. Wimber: ’Erschreckt nicht, dies ist der Heilige Geist.’  … Am letzten Abend führte John Wimber den größten Teil der Versammlung zum ‑ wie er es formulierte ‑ hei­ligen Lachen und im weiteren Verlauf zu ausgelassener Bewegung und zum Tanzen. Auch hier, wie beim größten Teil des Kongresses, hatte ich ambivalente Ein­drücke…  Aber mich störte, daß dieses psychische ’Durchbruchserlebnis’, das durchaus massensuggestive Züge hatte, als ’Durchbruch des Heiligen Geistes’ aus­gegeben wurde. Hier wird das Charisma zu leicht mani­pulierbar.“

 

Paul Yonggi Cho ‑ Pastor der „weltgrößten Kirche“ in Seoul/Korea

Im Unterschied zu C.P Wagner und J. Wimber kann man P. Yonggi Cho nicht zu den Gründern der „Dritten Welle“ zählen. Doch hat Cho durch seine Gemeindewachstumser­folge, seine Bücher und Vorträge auf vielen internationalen Konferenzen großen Einfluß auf die Pfingstbewegung, Charismatische Bewegung und auf die „Dritte Welle“ aus­geübt. C.P Wagner bezeichnet Cho als seinen „langjäh­rigen Freund“; der jährlich zu den Gastvorlesungen an der „Fuller School of World Mission“ in Pasadena einge­laden wird. Viele Lehren P. Yonggi Chos sind von den Leitern der „Dritten Welle“ übernommen worden.

P Yonggi Cho, Pastor der „Yoido Kirche für volles Evan­gelium“ mit über 700.000 Mitgliedern (Stand: 1989), stammt aus einer buddhistischen Familie.

Mit 18 Jahren wurde er krank und man stellte fest: Tuber­kulose im Endstadium. Man gab ihm noch 3‑4 Monate zu leben. Auf dem Sterbebett wurde er von einer jungen Christin besucht, die ihn schließlich überreden konnte, das Neue Testament zu lesen. Als Folge davon bekehrte er sich.

Auch körperlich wurde er geheilt, sodaß er nach sechs Monaten sein Krankenbett verließ und nie wieder Probleme mit Tuberkulose hatte. Y. Cho schloß sich daraufhin einer pfingstlichen Gemeinde in Busau an, und nach Abschluß einer Bibelschule gründete er 1958 in einer Stadt außerhalb von Seoul eine Gemeinde und schließlich in Seoul selbst die jetzige Gemeinde, durch deren enormes Wachstum Cho unter den Christen in aller Welt bekannt wurde.

Das Geheimnis dieses Wachstums wird von vielen Gemeindewachstumsexperten in dem intensiven Gebetsleben der Gemeinde gesehen. Cho berichtet, daß jedes Jahr etwa 300 000 Mitglieder seiner Gemeinde den eigenen „Gebetsberg“ aufsuchen, um dort intensiv für bestimmte Anliegen zu beten.

„Ungefähr 60% von ihnen gehen, um für die Taufe im Heiligen Geist und die Gabe der Zungenrede zu beten. Die nächst größere Gruppe geht, um für die Lösung von Familienproblemen zu beten und die dritte Gruppe betet dort für Heilung.“

Cho selbst legt dem Zungenreden in seinem Leben großen Wert bei:

„Ich bete auch viel in Zungen. Die Zungenrede ist die Sprache des Heiligen Geistes, und wenn ich in Zungen spreche, erfahre ich Seine Anwesenheit in meinem Bewußtsein. In meinem Gebetsleben spreche ich mehr als 60 % der Zeit in Zungen. Ich bete in Zungen, wenn ich schlafe. Ich wache auf, in Zungen betend. Ich bete in Zungen, während ich die Bibel studiere, und ich bete in Zungen während meiner Andachten. Wenn ich irgendwie die Gabe der Zungenrede verlieren sollte, glaube ich, daß mein Dienst um ca. 50 % beschnitten würde. Wann immer ich in Zungen rede, behalte ich den Heiligen Geist in meinem Bewußtsein … Das Sprachen­gebet hilft mir deshalb, ständig mit dem Heiligen Geist in Kontakt zu stehen.“

Inzwischen ist Y. Cho in vielen Ländern ein begehrter Kon­ferenzredner und seine Bücher sind in mehreren Sprachen erschienen. Als Gründer von CGI (Church Growth International) ist er nicht nur in Pfingst‑ und Charismati­schen Kreisen, sondern auch in der Gemeindewachstums­bewegung eine einflußreiche Persönlichkeit geworden.

Seine Kirche und das von ihm aufgebaute „World Mission Center“ sind das Reiseziel zahlreicher Studienreisen der Gemeindewachstumsgruppen.

Die Predigten und Bücher Chos behandeln vor allem einige Themen, die das Besondere seines Dienstes aus­machen und als das Geheimnis seines Erfolges angesehen werden:

–          Positives Denken, Motivation, Erfolg

–          Visualisierung (Träume und Visionen) und die „vierte Dimension“

–          Die schöpferische Kraft des gesprochenen Wortes

Die Botschaften Chos über diese Themen und seine Erfahrungen mit diesen Lehren zeigen, daß viele Parallelen zu den Lehren und Praktiken John Wimbers und anderen Männern der Dritten Welle bestehen. Ich möchte zunächst versuchen, aus den Büchern von Y. Cho zu zeigen, was er lehrt, ohne seine Theorien zu bewerten.

 

1. Positives Denken / Motivation

Y. Chos Ausführungen über Erfolg und Wohlstand erinnern stark an die Predigten Robert Schullers, welcher der zur Zeit bekannteste Fernsehprediger der Welt sein dürfte. Seine Predigten werden sonntäglich von über 200 Fernsehsendern übertragen. Schuller hat es wie kein anderer verstanden, die Philosophie des positiven Denkens unter den Evangelikalen zu verbreiten.

Schullers Interpretation von Kreuz, Sünde und Selbstver­leugnung sieht so aus:

„Die herkömmliche Deutung der Worte Christi, daß wir ’unser Kreuz auf uns nehmen sollen’, muß dringend reformiert werden… Also ist die Verkündigung des Denkens in Möglichkeiten die positive Verkündigung des Kreuzes!  …Jesus Christus war der größte Denker in Möglichkeiten, den die Welt je gesehen hat. Wagen wir es, ihm nachzufolgen?“

„Ich glaube; nichts ist im Namen Christi oder unter der Fahne des Christentums getan worden, was sich auf die menschliche Persönlichkeit so zerstörerisch ausgewirkt hat und daher der Evangelisation so sehr im Wege stand wie die oft plumpe, ungeschickte und unchristliche Stra­tegie, daß man erst einmal versucht, den Leuten klarzu­machen, wie verloren und sündig sie sind.“

Schuller, welcher überzeugt ist, daß das Kreuz Christi „den Ego Trip heiligen“  wird und daß Jesus das Kreuz trug, um „seine Selbstachtung zu heiligen“, gehört zu den Pre­digern, die Yonggi Cho begeistert und wohl auch geprägt haben:

„In Amerika hat Dr. Robert Schuller über das ganze Land verteilt eine große Zuhörerschaft. Der Grund ist, daß er immer über ’Möglichkeitsdenken’ predigt, indem er Glauben, Liebe und Hoffnung in die Herzen seiner Zuhörer legt. Wenn ich in den Staaten bin und an einem Sonntag irgendwo in einem Hotel bin, und wenn ich ein christliches Fernsehprogramm sehen möchte, schaue ich Dr. Schullers ’Stunde der Kraft’ an. Ich weiß, ich kann darauf vertrauen, daß er mir Glauben, Liebe und Hoffnung in mein Herz legt. Seine Predigt baut mich auf. Ich habe einigen Predigern zugehört, darunter auch Predigten von gut bekannten Evangelisten, und wenn ich sie höre, schalte ich das Programm aus. Sie verdammen die Leute ständig, und dann fühle ich mich so deprimiert, daß ich nicht einmal beten möchte.“

Daher ist es auch naheliegend, daß R. Schuller das Vorwort zu Chos Buch „Die vierte Dimension“ (engl. Ausgabe) geschrieben hat. Hier haben sich zwei Männer gefunden, die es verstanden haben, ein Thema auf verschiedene, aber wirkungsvolle Weise an den Mann zu bringen. Folgende Auszüge aus den Büchern von Yonggi Cho zeigen die gei­stige Verwandtschaft mit Robert Schuller und Norman Vincent Peale:

„Der Heilige Geist wiederholte immer wieder: Du bist ein Kind des Königs, eine wichtige Person. Handle wie der große Boß, der du bist!“

„’Hier kann es nicht geschehen. Hier ist ein zu harter Boden.’ Diese negativen Aussagen müssen aus unserem Vokabular verschwinden, ein für allemal. Stattdessen müssen wir anfangen, die Sprache des Hei­ligen Geistes zu sprechen und ein neues Erfolgsdenken in den Köpfen unserer Leute aufbauen.“

„Um andere zu motivieren, sich etwas zuzutrauen, müssen wir selber ein Erfolgsdenken haben, nicht nur in unseren Worten, sondern auch in unserer ganzen Lebens­weise. Viele Gemeinden haben eine Stillstandhaltung, weil ihr Pastor kein besonderes Selbstimage besitzt. Aber ein gesundes Selbstwertgefühl ist die Grundvoraus­setzung für seine leitende Funktion. Die Ursache eines mangelhaften Selbstwertgefühls kann etwa das folgende sein: keine attraktive Erscheinung, mangelhafte Aus­bildung, zu wenig Disziplin, einfache Herkunft, wenig Können und schlechte Gesundheit. Diese Liste könnte man noch lange fortsetzen, aber die genannten Beispiele sind repräsentativ für die Ausreden, die jemand mit man­gelndem Selbstwertgefühl von sich gibt.“

„Was war der Schlüssel zu unserem praktischen Geschäftserfolg? Wir haben unsere Gemeindeglieder gelehrt, wie sie die Kräfte ihrer vierten Dimension ein­setzen können. Sie stellen sich ihren Erfolg bildlich vor. Wir befassen uns nicht mit negativem Denken, sondern auf­grund unseres positiven Denkens sprechen wir auch positiv.“

Obwohl Y. Cho ‑ und das fällt positiv auf ‑ persönlich einen „einfachen Stil“ lebt und von sich sagt, „alles, was ich übrig habe, gebe ich unserem internationalen Missionsdienst“, so predigt er doch anderen ein Wohlstandsevangelium:

„Ich glaube, daß es Gottes Wille ist, daß wir geistlich, leiblich und finanziell im Wohlstand leben.“

„Armut ist ein Fluch Satans. Gott möchte, daß sein ganzes Volk erfolgreich und gesund ist, so wie es ihren Seelen wohlgeht (3. Joh. 1,2).“

„Was meine eigene Erfahrung betrifft, so ist das erste, was ich jeden Morgen ‑ wenn der neue Tag ohne Wesen und Gesicht an mich herantritt ‑ tue, daß ich diesem Tag einen Namen gebe und sein Wesen bestimme; so gebe ich diesem Tag ein ’Gesicht’. Ich pflege zu sagen: ’Vater, ich danke dir, daß du mir diesen neuen Tag schenkst. Neuer Tag, dein Name sei ’Erfolg’. Heute von frühmorgens bis spät am Abend wirst du mir mit erfolg­reicher und großer Wirksamkeit dienen.’  Dann wird mir dieses Geschöpf, der Tag, sicherlich mit weitge­hendem und tiefgreifendem Erfolg dienen.“
 

2. Visualisierung, Visionen und Träume

Norman Vincent Peale, einer der Väter des positiven Denkens, nannte die Visualisierung „das positive Denken um eine Stufe weiterentwickelt“.

Im Okkultismus, in heidnischen Religionen und teilweise auch in der Psychologie wird die Visualisierung als „Mate­rialisierung mit Hilfe der intensiven Bildvorstellung“ ver­standen und praktiziert. Man lehrt, daß bildliche Vorstel­lungen stufenweise entwickelt werden, „bis sie die Wirk­lichkeit so sehr bestimmen, daß sie schließlich selbst die Wirklichkeit werden“.

Die Theorie ist einfach und scheinbar plausibel: Die Natur­wissenschaften lehren, daß Materie in Energie verwandelt werden kann. Daher ist ihrer Meinung nach die Umkehrung auch möglich, daß Energie zu Materie wird. Da Gedanken und Geist Energie sind, soll also eine Mate­rialisierung durch bestimmte Bewußtseinstechniken oder durch schöpferische Phantasie möglich sein.

In den deutschen Übersetzungen von Yonggi Chos Büchern kommt der Begriff „Visualisierung“ selten vor, dafür aber entsprechende Begriffe wie Inkubation  (entwickelnde Einflußnahme), Visionen und Träume,  „das Unterbewußtsein entwickeln“, „intensive Vorstellungen“. Cho berichtet, daß ihm die Erkenntnisse über die vierte Dimension in Verbindung mit der Vorstel­lungskraft durch eine besondere Offenbarung Gottes geschenkt worden seien.

Als ehemaliger Buddhist kannte Cho Krankenheilungen durch Yoga und Meditation und wußte von Zusammen­künften der japanischen Sokakakai, bei denen Taube, Blinde und Stumme geheilt werden. Die Tatsache, daß innerhalb der christlichen Kirche im Gegensatz zu den orientalischen Religionen keine Wunder geschahen, brachte ihn in große Konflikte:

„Eines Tages war ich in großen Schwierigkeiten, denn viele unserer Christen maßen Gottes Wundertaten keine besondere Bedeutung bei. Sie sagten: ’Wie können wir an Gott glauben als ein absolut göttliches Wesen, wie können wir Jahwe‑Gott den einzigen Schöpfer im Himmel nennen? Wir sehen doch auch die Wunder im Buddhismus, im Yoga, bei den Sokakakai sowie in anderen orientalischen Religionen. Warum sollten wir behaupten, daß Jahwe‑Gott der einzige Schöpfer des Universums ist?’ …So brachte ich ihre Fragen in einem Gebetsanliegen vor Gott… Dann kam eine herrliche Offenbarung in mein Herz. Von dieser Zeit an begann ich, diese Begebenheiten durch Vor­träge in meiner Kirche in Korea zu erklären…

Da sprach Gott zu meinem Herzen: ’Sohn, so wie die zweite Dimension die erste einschließt und kontrolliert und die dritte die zweite umfaßt und unter Kontrolle hat, so umschließt auch die vierte Dimension die dritte und hält sie unter Aufsicht, wodurch sie eine Schöpfung der Ordnung und Schönheit hervorbringt.’

Der Geist ist die vierte Dimension. Jedes menschliche Geschöpf ist ebenso ein geistliches wie ein körperliches Wesen. Die Menschen haben die vierte Dimension genauso wie die dritte Dimension in ihren geistlichen Herzen.“

„Ein Traum oder eine Vision ist das Grundmaterial, das der Heilige Geist benutzt, um etwas für uns zu bauen. Die Bibel sagt: ’Wo keine Vision ist, geht das Volk zugrunde’ (Sprüche 29,18). Ohne Vision produziert man nichts.

Träume und Visionen sind das Grundmaterial, mit dem der Heilige Geist arbeitet. Ich sage immer, daß Träume und Visionen die Sprache des Heiligen Geistes sind. Wenn man die Sprache nicht spricht, bringt es keine Frucht. Der Heilige Geist möchte mit uns reden, aber Er kann es nicht ohne unsere Träume und Visionen.. Wenn Gott in der Bibel irgend etwas für irgend jemanden tun wollte, hat Er immer zuerst Träume und Visionen in ihr Herz gelegt.“

Die Folgerungen aus diesen Erkenntnissen sehen so aus:

„Also können sie dadurch, daß sie ihre geistliche Sphäre der vierten Dimension durch Entwicklung kon­zentrierter Visionen und Träume in ihren Vorstellungen erforschen, über der Dimension ’brüten’ und sie ent­wickeln, indem sie auf sie Einfluß nehmen und sie ver­ändern. Das lehrte mich der Heilige Geist.“

„Wenn Ihnen Gott einmal eine Vision gegeben hat, dann müssen Sie lernen, sich Zeit zu nehmen, darüber zu ’brüten’. Sie müssen mit dieser neuen Vorstellung buchstäblich schwanger gehen, gleichgültig, was andere davon halten.

Das ist der Kern meiner christlichen Philosophie. Hierauf basieren alle Prinzipien der Arbeit für das Gemeindewachstum. Ich nenne dies ’Visionen und Träume’. Ich habe in der ganzen Welt viele Beispiele gesehen, wie die Anwendung von ’Visionen und Träumen’ tatsächlich das Vorstellungsvermögen eines Menschen erweitert.“ 

Alltagserfahrungen mit „Visualisierung“

Um deutlich zu machen, wie sich Chos Lehren über die vierte Dimension und Inkubation im Alltag auswirken, möchte ich einige Beispiele, die Cho in seinen Büchern erzählt, anführen.

Eines Tages kam ein Bäcker zu Cho, der um Fürbitte bat, weil seine Bäckerei trotz aller Bemühungen vor dem Konkurs stand. Cho berichtet:

„Nachdem ich für ihn gebetet hatte, erklärte ich ihm das Prinzip der Visionen und Träume. Ich sagte: ’Gehen Sie zurück in Ihre Bäckerei, Herr Ho. Stellen Sie sich vor, das Geschäft läuft wieder glänzend. Fangen Sie an, Ihr Geld zu zählen in der leeren Kasse. Und sehen Sie sich die Kundschaft an, die vor Ihrem Laden Schlange steht!’

…Nach ungefähr zwei Monaten kam ein lächelnder Herr Ho in mein Büro. ’Dr. Cho, Sie hatten recht. Ich habe es erst nicht verstanden, was Sie sagten. Ehrlich gesagt, ich habe das für verrückt gehalten. Aber Sie sind ein Mann Gottes, und ich glaube, dem Pastor muß man gehorchen. Jetzt müssen meine Frau und ich der Kirche einen Scheck überreichen’. Ich schaute nach unten und sah zu meinem Erstaunen einen Scheck über tausend Dollar. Es war sein Zehnter.“

Die folgende Geschichte spielte sich in Deutschland ab. Nach einem Vortrag kamen zwei Prediger zu Cho, in der Hoffnung, einen VW von ihm zu bekommen. Sein Rat lautete:

„ ’…Warum brüten Sie nicht jetzt gleich für einen?’ ’Wie sollen wir brüten?’, erkundigten sie sich staunend. ’Brüten ist ein wichtiger Vorgang beim Gebet’, erläu­terte ich. ’Wenn Sie immer hoffen, können Sie niemals brüten… Fangen Sie also an zu brüten. Schlagen Sie ihre Notizbücher dort auf, wo leere Seiten sind. Und nun wies ich sie an, ’Stellen Sie sich genau den VW vor, den Sie wollen. Wieviele haben darin Platz? Welche Farbe hat er?’

’Er ist grün und hat für vier Personen Platz’, gaben sie zur Antwort. ’Gut. Schreiben Sie das auf. Schließen Sie dann die Augen und stellen Sie sich den VW in Gedanken vor. Fangen Sie nun an, alle Möglichkeiten zu durchdenken, wie Sie genügend Geld zum Kauf des VW auftreiben könnten. Kleben Sie sich eine Beschreibung Ihres VW an die Wand in Ihrem Schlaf­zimmer. Lesen Sie den Zettel abends vor dem Schlafen­gehen… Stellen Sie sich vor, wie Sie einsteigen, den Zündschlüssel einstecken… Sagen Sie sich dann: Dies ist mein VW. Danken Sie Gott für Ihren VW und glauben Sie. Hoffnung trägt nicht den vollentwickelten Embryo einer Idee in sich, aber wenn wir mit Glauben über einer von Gott gegebenen Vorstellung brüten, ist da etwas Reales.“  –  Nach wenigen Monaten besaßen die beiden Prediger den ’ausgebrüteten’ VW und Cho erklärte dazu:

„Wir müssen das Prinzip des Brütens anwenden und so aus dem Embryo eines Gedankens die Realität eines Wunders werden lassen.“

Ähnlich verläuft die Geschichte, die Cho von einer Frau berichtet, die bisher vergeblich nach einem Mann gesucht hatte. Cho forderte sie auf, die gewünschten Eigenschaften ihres Traummannes zu notieren: die Nationalität, Größe, Körperform, Beruf, Hobby usw. Schließlich sagte er ihr, nachdem sie noch einmal die Liste ihrer Wünsche vorge­lesen hatte:

„Nun schließen Sie bitte ihre Augen. Können Sie ihren zukünftigen Gatten jetzt sehen? ’Ja’, erwiderte sie, ’ich kann ihn mir genau vorstellen.’

Okay, dann wollen wir ihn jetzt bestellen. Ehe Sie ihn nicht deutlich in Ihrer Vorstellung sehen, können wir ihn nicht von Gott erbitten, da Er nie antworten würde …

Dann bat ich sie noch: Schwester, nehmen Sie bitte dieses beschriebene Blatt mit nach Hause und kleben Sie es an einen Spiegel, und jeden Morgen und Abend lesen Sie es laut und preisen Gott für die Antwort.“

Nach einem Jahr war die Schwester mit dem bestellten Mann glücklich verheiratet. An ihrem Hochzeitstag nahm ihre Mutter das beschriebene Papier mit den zehn Punkten und las es den Gästen vor, um es danach zu zerreißen.

 

3. Die schöpferische Kraft des gesprochenen Wortes

Cho geht von der Theorie aus, daß das Sprachzentrum im Gehirn die Herrschaft über alle anderen Nerven besitzt. Diese Theorie hat er von einem Neurologen übernommen, der ihn davon überzeugt hat, daß das gesprochene Wort jemandem Kontrolle über seinen ganzen Körper geben und ihn nach eigenen Wünschen manipulieren könne. Der Neurologe erklärte u.a.:

„Wenn sich also jemand immer wieder einredet: ’Ich bin alt und erschöpft und kann das nicht tun’, dann rea­giert sofort die Kontrolle in der Sprechzentrale und gibt entsprechende Anweisungen, die das bewirken. Die Nerven reagieren dann: ’Ja, wir sind zu alt und sind bereit fürs Grab; laßt uns bereit sein, uns aufzulösen.’  Wenn jemand immer wieder sagt, daß er alt sei, dann wird diese Person tatsächlich bald sterben.“

Cho bekannte nach dieser Begegnung:

„Diese Unterhaltung hatte große Bedeutung für mich und hinterließ einen nachhaltigen Eindruck auf mein weiteres Leben, denn ich konnte daraus ersehen, daß der Gebrauch des gesprochenen Wortes eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Leben ist.“

Bedeutsam ist jedoch, daß Y. Cho behauptet, daß Gott selbst ihm auch dieses Prinzip offenbart habe. Während er im Anfang seines Dienstes predigte, sah er „auf dem Bild­schirm seines Inneren“, wie Menschen von Tuberkulose geheilt wurden, Tumore verschwanden, und Krüppel ihre Krücken wegwarfen, weil sie plötzlich wieder gehen konnten. Cho empfand diese Bilder zunächst als eine Störung Satans und sagte jedesmal: „Du Geist der Behin­derungen, verlasse mich! Ich befehle Dir auszufahren, verschwinde!“

„Doch dann hörte ich in meinem Herzen Gottes Stimme zu mir reden: ’Mein Sohn, das ist keine Behin­derung Satans; es ist das Verlangen des Heiligen Geistes, was du siehst: Es ist das Wort der Weisheit und der Erkenntnis. Gott möchte diese Menschen heilen, doch er kann es nicht tun, bevor du sprichst.“

Seit dieser „Offenbarung“ sprach dann Cho in den Ver­sammlungen alle Heilungen aus, die er in seinem Inneren sah. „Während ich also dastehe, zeigt mir der Herr die Hei­lungen, die stattfinden und ich rufe sie aus. Ich schließe einfach meine Augen und spreche los. Im Erkennen der Tatsache, daß sie geheilt sind, stehen Menschen auf.“

Diese Erfahrungen veranlaßten Y Cho zu folgenden Auf­forderungen:

„Beanspruchen Sie und sprechen Sie das Wort der Zu­sicherung; denn ihr Wort geht tatsächlich hinaus und ist schöpferisch. Gott sprach, und die ganze Welt kam zustande. Ihr Wort ist das Material, welches der Heilige Geist verwendet, um schöpferisch zu sein.“

Schließlich geht Cho noch einen Schritt weiter und lehrt, daß wir Kraft unseres gesprochenen Wortes die „Gegenwart Christi“ hervorbringen und „die Kraft Jesu“ freisetzen können:

„Jesus wird gebunden an das, was Sie aussprechen. Ebenso, wie Sie die Kraft Jesu durch Ihr gesprochenes Wort freisetzen können, so können Sie auch die Gegenwart Christi dadurch bewirken. Wenn Sie nicht das Wort des Glaubens klar aussprechen, kann Christus niemals freigesetzt werden.“

„Letztlich formt Ihr Wort Ihr Leben, denn Ihr Sprach­-Nervenzentrum kontrolliert alle Nerven. Darum ist das Sprechen in anderen Zungen das Anfangszeichen der Taufe im Heiligen Geist. Wenn der Heilige Geist das Sprachzentrum übernimmt, dann erfaßt er alle Nerven und kontrolliert den ganzen Körper. Wenn wir also in anderen Zungen sprechen, werden wir mit dem Hei­ligen Geist erfüllt… Geben Sie das Wort dem Heiligen Geist, so daß Er etwas dadurch schaffen kann. Dann führen Sie die Gegenwart Jesu Christi herbei und setzen sie frei durch Ihr gesprochenes Wort… Darum denken Sie daran, daß Christus von Ihnen abhängig ist und von Ihrem gesprochenen Wort, um Seine Gegenwart freizusetzen.“

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, daß Y. Cho sich zwar auf „Gottes Offenbarung“ beruft, aber keinen einzigen Bibelvers nennen kann, um diese Theorien zu stützen.

Um den Rahmen dieses Buches nicht zu sprengen, ver­zichte ich hier auf eine ausführliche biblische Beurteilung der Lehren und Praktiken von P Yonggi Cho und weise auf die Kapitel „Positives Denken“, „Visualisierung“ und „Evangelium und Wohlstand“ in dem Buch „Spiel mit dem Feuer“ hin.

Durch die Ausführungen Chos wird deutlich, daß er unter „Glauben“ etwas völlig anderes versteht, als was die Bibel darüber lehrt. Biblischer Glaube ist ein festes Vertrauen auf Gottes Zusagen und Verheißungen. Cho dagegen lehrt, daß Glaube eine „vierdimensionale Kraft“ ist, die man durch Visualisierung in sich selbst entwickelt, um damit Dinge zu schaffen, zu beeinflussen oder zu verändern.

P Yonggi Cho gibt zu, daß Yogis und Buddhisten diese Kräfte der „vierten Dimension“ nutzen, glaubt aber dennoch, daß diese Kräfte eine Gabe Gottes sind. Sicherlich ist das von Cho aufrichtig gemeint, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß er maßgeblich daran beteiligt ist, okkulte Praktiken christlich zu „taufen“ und zu verbreiten. Seine Gemeindewachstumserfolge und seine in einzelnen Bereichen gesunden Ansichten dürfen uns für diese äußerst ernste Tatsache nicht die Augen ver­schließen.

P Yonggi Chos Lehren über die „vierte Dimension“ zer­stören den biblischen Glauben. Deshalb muß Cho als Irrlehrer bezeichnet werden. 

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