Antichrist u. Wiederkunft Jesu

image_pdfimage_print

René Pache

DIE WIEDERKUNFT JESU

 

Auszug: Kapitel 4

Der Antichrist

Ohne Zweifel wird die größte Menschengestalt der Endzeit die sein, welche die Bibel den Antichrist nennt. Er soll eine solch große Rolle spielen, daß wir alles über ihn Gesagte genau erforschen müssen.

I. Wer ist der Antichrist?

Es ist der letzte große Führer, den sich die Menschheit in der Endzeit geben wird, der sie in der letzten Empörung gegen Gott und Seinen Christus anführt. Jesus war zugleich der vollkommene Mensch und Gottes Ebenbild auf Erden. Aber die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht und haben Ihn verworfen. Bald wird der Übermensch auftauchen, der Satans ganze Macht verkörpert. Seine Brutalität mit List verdeckend, wird dieser falsche Christus die Völker verführen, so daß sie ihm als ihrem Heiland zujubeln. Paulus nennt ihn den „Menschen der Sünde“, weil er die höchste Potenz des Sünders sein wird. Er wird mit seinem Gefolge zum Vollmaß alles Bösen kommen, das der Mensch, einzeln oder kollektiv, erreichen kann. Die Sünde der Menschen soll sich im Menschen der Sünde ganz entfalten. Der Antichrist wird in der Tat der größte Gegner des Herrn sein, der je unter den Menschen aufgestanden ist.

 

II. Wird der Antichrist wirklich eine Person sein?

Manche halten den Antichristen nur für ein System, ein verderbliches Prinzip, das in der Welt verbreitet ist, einen bösen Kollektivgeist, der sich in der Endzeit offenbaren wird. So hätten wir nach einigen Auslegern nicht das Auftreten eines Menschen von Fleisch und Blut zu erwarten, der in sich alle Weissagungen über den Antichristen verwirklichen würde. Dagegen sind wir auf Grund zahlreicher Bibelstellen vom Antichristen als einer Person überzeugt. Um jedes Mißverständnis zu zerstreuen, beachten wir zuerst, daß die Schrift hier vier Dinge unterscheidet:

 

1. Den Geist des Antichristen.

„Jeder Geist, der nicht bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists, von welchem ihr habt gehört, daß er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt.“ 1. Joh. 4,3. Der Geist des Antichristen ist in Wirklichkeit der Geist der Verneinung, der Jesus Christus ablehnt, und den der Teufel seit dem Sündenfall dem menschlichen Herzen einbläst. Gewiß, dieser Geist ist jetzt schon in der Welt, aber das hindert nicht, daß er eines Tages im „Menschen der Sünde“ Person wird.

Es ist somit wichtig, daß sich jeder von uns schon heute vor einem solchen Geist hüte. Johannes sagt: „Wer Sünde tut, der ist vom Teufel.“ So kann man auch sagen, daß etwas vom Antichristen in uns allen steckt: es liegt in unserer Natur, den Geist des Hochmuts, der Herrschsucht, der Empörung und der Kritik Gott gegenüber zu hegen, dagegen den Geist der Nachsicht und der grenzenlosen Bewunderung für unser ICH!

 

2. Die Vorläufer des Antichristen

Der letzte Antichrist wird nur der Gipfel einer langen Linie von Feinden Gottes sein. Balak und Bileam, der gottlose König und der ungetreue Prophet, die eifern, das Volk Gottes zu verfluchen, sind so Typen des Antichristen und des falschen Propheten der Endzeit. 4. Mose 22‑24. Wir haben schon oben gesehen, daß uns Daniel in Antiochus Epiphanes einen Typ des kommenden Übermenschen zeichnet. Dan. 8,9‑26; 11,21‑45. Zur Zeit des Apostels Johannes waren Menschen, nachdem sie eine fromme Maske getragen hatten, zu offenen Feinden Christi geworden. (1. Joh. 2,18‑19. 22; 2. Joh. 7.) Die Urgemeinde hat schon damals falsche Apostel und falsche Propheten gekannt. Der falsche Christus und der falsche Prophet der Endzeit werden an der höllischen Macht ihrer Verführung und dem unerhörten Grad ihrer Verderbtheit zu erkennen sein. Zu allen Zeiten haben die Christen an Personen, die sich in der Geschichte durch ihre Feindschaft gegen das Evangelium, ihre Verfolgung der Gläubigen und ihre Selbstüberhebung hervortaten, Vorläufer des Antichristen gesehen. Wir wollen als Beispiele hier nur Nero, Mohammed, bestimmte Päpste und gewisse Diktatoren unserer Zeit anführen. Sicher ist, daß Männer wie Hitler, Stalin und Mao eine ganze Reihe von antichristlichen Zügen in sich vereinigten. Den Diktatorengeist, Vermessenheit, Verfolgung der Juden und der Christen, Entwicklung eines wahrhaft mystischen Kults seiner Person, welterschütternde Eroberungen und eine fast totale Erfassung des politischen, wirtschaftlichen und religiösen Lebens seiner Untertanen. In den verflossenen Jahren schien es wahrlich, als wohnten wir der Generalprobe des großen Enddramas schon bei, das sich bald auf der Weltbühne abspielen wird.

Neben den oben angeführten Namen könnten wir noch viele an­dere nennen, „denn es sind nun viele Widerchristen geworden“. 1. Joh. 2,18. Aber alle, die in der Vergangenheit oder Gegenwart auftraten, waren nur Wegbereiter für den letzten, größten unter ihnen.

 

3. Die Person des Antichristen.

a) Für Johannes ist ein Antichrist eine Person. Die Antichristen seiner Zeit waren falsche Christen und Feinde Gottes, die dadurch entlarvt wurden, daß sie die Gemeinde verließen. Und der Apostel sagt weiter: „Ihr habt gehört, daß der Widerchrist kommt“, d. h. ein Mensch wie die ersten Widerchristen, aber viel mehr zu fürchten. 1. Joh. 2,18‑19.

b) Paulus gibt dem Antichristen Namen, die sich nur auf eine Person beziehen lassen, 2. Thess. 2,4. 8: der Mensch der Sünde; das Kind des Verderbens (vgl. den Namen für Judas, Joh. 17,12); der Widersacher; er läßt sich als Gott anbeten; der Boshaftige.

c) Daniel spricht immer von derselben Person als einem König, der den Allerhöchsten lästern, die Heiligen zerstören und die Herrschaft ausüben wird. 7,24‑26. Er wird unglaubliche Verwüstungen anrichten, unerhörten Erfolg haben und bis zu seinem plötzlichen Ende voll Dünkels sein. 8,23‑25. Er wird die Juden betrügen, im Tempel den Greuel der Verwüstung aufrichten und daher der »Verwüster« genannt werden. 9,27. Dieser König wird tun, was er will, »wider den Gott aller Götter greulich reden«, den Krieg zu seinem Ruhm machen und Palästina erobern, wo er zuletzt vernichtet wird. 11,36. 38. 41. 45. Die Rolle und die Taten, die Daniel dem Antichristen zuschreibt, wären sinnlos, würden sie nicht von einer Person durchgeführt werden.

d) Die Offenbarung spricht in genau demselben Sinn. Sie nennt den Antichristen das (wilde) »Tier«, im Gegensatz zu Jesus Christus, dem »Lamm«. Das Tier ist aber offensichtlich ein Mensch aus Fleisch und Blut: dieser läßt sich anbeten, lästert Gott, verfolgt die Heiligen und beherrscht die ganze Welt. 13,4‑7. Wie wir gesehen haben, wird das Tier später ausdrücklich ein König genannt, der mit Hilfe von zehn Diktatoren regieren wird. 17,11‑12. Zuletzt wird dieser König lebendig in den feurigen Pfuhl geworfen; nach tausend Jahren ist er noch dort und wird mit dem Teufel und dem falschen Propheten »Tag und Nacht gequält werden, von Ewigkeit zu Ewigkeit.«19,20; 20,10. Alle Wesen, die in den mit Feuer und Schwefel brennenden Pfuhl geworfen werden, sind solche, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind. 20,15. Es ist klar, daß kein »System« oder »Prinzip« in die Hölle geworfen oder gar ewig gequält werden könnte.

e) Einen guten Beweisgrund liefert uns endlich Jesu Wort: »Ich bin gekommen in Meines Vaters Namen, und ihr nehmet Mich nicht an. So ein anderer wird in seinem eigenen Namen kommen, den werdet ihr annehmen.« Joh. 5,43. Jesus, der Gesandte des Vaters, war der vollkommene Mensch. Der Antichrist, das Werkzeug des Teufels, wird der vollkommen verderbte Mensch sein. In der Person eines Menschen, der ganz von ihm besessen ist, wird Satan seinen letzten, furchtbaren Angriff wagen. Wenn wir die Laufbahn gewisser früherer und moderner Vorläufer des Antichristen betrachten, fällt es uns leicht, uns das Wesen des zuletzt in Fleisch und Blut kommenden Antichristen selbst vorzustellen. Jede Idee verkörpert sich schließlich in einer oder mehreren Personen, die so deren vollkommene Vertreter werden. Hätte die Bibel ihn auch nicht angekündigt, ruft doch die Geschichte nach einem Antichristen, der am Zeitenende die Empörung gegen Gott bis zur letztmöglichen Grenze treibt.

 

III. Welcher Gegensatz läßt sich zwischen Christus und dem Antichristen herausheben?

Jesus ist der Messias, vom Vater gesandt, die Welt zu erretten und Sein Reich zu errichten; der Antichrist ist der falsche Messias, vom Feinde erweckt, sich der Wiederkunft Christi zu widersetzen und die Menschen zu verderben.

Jesus ist Gott, der Mensch wird; der Antichrist der Mensch, der sich zum Gott macht. Versuchen wir, dem Vergleich zwischen diesen beiden großen Gegenspielern nachzugehen.

 

Der Antichrist

1. Er ist das Ebenbild Satans, der ihn sendet. Johannes zeichnet ihn in der Gestalt eines Tieres mit 7 Köpfen und 10 Hörnern, ähnlich dem großen, roten Drachen, der den Teufel darstellt. Offb. 12,3; 13,1; 17,3.

2. Der Antichrist ist die zweite Person der teuflischen Trinität: Drache (der Teufel), Tier und falscher Prophet. Offb. 16,13. Es gibt also einen Anti‑Gott, einen Anti‑Christus und einen Anti‑Geist.

3. Der Antichrist steigt aus dem Abgrund, um den Willen des Teufels auszuführen. Offb. 11,7; 17,8. Er kommt in seinem eigenen Namen. Joh. 5,43.

4. Der Antichrist ist wie ein wildes Tier, das in sich die List des Leoparden, die Kraft des Bären und die Grausamkeit des Löwen vereinigt. Offb. 13,2.

5. Der Antichrist empfängt seine Kraft, seinen Thron und seine Macht direkt vom Teufel. Offb. 13,2. Sein Kommen »geschieht nach der Wirkung Satans in allerlei lügenhaften Wundern«. 2. Thess. 2,9.

6. Der Antichrist scheint eine Art Auferstehung oder wunderbarer Heilung an sich erleben zu sollen, welche dann die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf ihn lenkt. Offb. 13,3 12. (der Ausdruck
    »tödlich wund« ist im Griechischen derselbe wie das beim Lamm verwendete Wort »geschlachtet« Offb. 5,6).

7. Der Antichrist wird es erreichen, daß die ganze Welt ihn anbetet: Und sie beteten das Tier an… Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an.« Offb. 13,4.8. Solche Weissagungen überraschen
    uns nicht, da wir es erlebt haben, daß ganze Völker den Übermenschen anbeteten, der sie in den Ruin stürzte.

8. Der Antichrist wird die Welt mit seinen lasterhaften Reden in Erstaunen setzen. Offb. 13,7 Dan. 7,8.

9. Die Herrschaft des Antichristen soll nur dreieinhalb Jahre dauern (zweiundvierzig Monate, 1260 Tage) Offb 13,5; 12,6.14.

10. Der Antichrist wird »der Mensch der Sünde« genannt, er wird der »Boshaftige« in höchster Potenz sein, das Geheimnis der Bosheit in Vollendung. 2.Thess.2, 3.7‑8, Er verkörpert alles Schlechte
      und Unvollkommene am Menschen; darum ist seine symbolische Zahl die des Menschen 6, dreifach wiederholt: 666.

11. Der Antichrist wird die Gewalt empfangen über jeden Stamm, jedes Volk, jede Sprache, jede Nation. Alle Bewohner der Erde werden ihn anbeten. Offb. 13,7‑8. Er wird die einzige Weltdiktatur
      aufrichten, die der Herr nur für kurze Zeit zulassen wird.

12. Der Antichrist hat eine Hure zum Weibe, die abgefallene Kirche, die er zuletzt mit Feuer verbrennen wird. Offb. 17,1‑16.

Christus

Jesus sagt: »Wer Mich sieht, sieht den Vater.« Joh. 14,9. Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes und das Abbild Seines Wesens. Kol. 1,15; Hebr. 1,3.

Jesus ist die zweite Person der himmlischen Dreieinigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Joh. 1,1; 2. Kot. 3,17.

Jesus kommt vom Himmel herab, um den Willen Gottes zu tun. Er kommt im Namen Seines Vaters. Joh. 6,38; 5,43.

Jesus ist das für uns geschlachtete Lamm, voller Sanftmut, Unschuld und Gnade. Offb. 5,6‑9. Die Menschen wollten sich nicht vom Lamm retten lassen, so werden sie vom Tier zerrissen werden.

Jesus kann sagen: »Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden…« »Alle Dinge sind Mir übergeben von Meinem Vater.« Matth. 28,18; 11,27. ‑ Satan hatte dem Heiland vergeblich alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit angeboten. Matth. 4,8‑10. Im Antichristen wird er einen Menschen finden, der ganz gewillt ist, dieses Angebot anzunehmen und ihm Leib und Seele auszuliefern.

Auf Grund Seiner Auferstehung wurde Christus als der Sohn Got­tes in Kraft erwiesen. Röm. 1,4. Gott wird die Welt durch den von Ihm bestimmten Menschen richten und hat dies aufs gewisseste bewiesen, indem Er Ihn von den Toten auferweckte. Ap. 17,31.

Jesus hat Sich den Gläubigen zur Anbetung dargeboten. Bei Seiner Geburt beteten Ihn die Weisen an. Matt. 2,11. Auch Seine Jünger, mitsamt dem ungläubigen Thomas, beteten Ihn an. Luk. 24,52; Joh. 20,28. Aber die meisten Menschen haben Ihm diese höchste Ehrung verweigert, die sie dem Antichristen vorbehielten. Nichtsdestoweniger werden sich nach dem Erscheinen Christi in Herrlichkeit »alle Kniee vor Ihm beugen und alle Zungen bekennen, daß Er der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters. « Phil. 2, 10‑11.

Von Jesus konnte man sagen: »Es hat nie ein Mensch geredet wie dieser.« Joh. 7,46. Aber Seine Worte waren voller Sanftmut und Liebe.

Jesus Christus ist der Heilige Gottes, der vollkommene Mensch, wirklich einer der unseren, doch ohne Sünde. Hebr. 2,17; 4,15. Den Juden mit den Worten vorgestellt. »Sehet, welch ein Mensch« ist tatsächlich das Beste am Menschen in Vollendung. Er verkörpert das Geheimnis der Gottseligkeit selbst. 1. Tim. 3,16. Darum ist Seine symbolische Zahl in der Offenbarung die der Vollkommenheit: 7.

Gott wird Seinem Sohn die Nationen zum Erbe geben, und der Welt Enden zum Eigentum. Ps. 2,8. Und Daniel sagt: »Der gab Ihm Gewalt, Ehre und Reich, daß Ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. « 7,14.

Christus steht als Braut die Gemeinde zur Seite, heilig und unsträflich, die Er zu Sich in die Herrlichkeit erheben wird. Eph. 5,25‑27.

Ein solcher Vergleich ist ein erschreckender Beweis dafür, in welchem Maße Satan Gott nachzuäffen vermag. Sein falscher Messias ist ein greuliches Zerrbild vom wahren Christus. Und daß die Menschheit Jesus verwirft, um sich dem Antichristen auszuliefern, zeigt, bis zu welchen Tiefen der Verworfenheit sie zu sinken vermag.

 

IV. Die Verführung durch den Antichristen

Durch Verführung und List brachte Satan unsere ersten Eltern zu Fall. 2. Kor. 11,3. Hat er seinen falschen Heiland, den Antichristen, hervorgebracht, so wird er wieder, kraft einer unerhörten Verführung, die ganze Menschheit dazu bringen, vor ihm niederzufallen. »Er selbst, der Satan, verstellt sich zum Engel des Lichtes. Darum ist es nichts Besonderes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Prediger der Gerechtigkeit.« 2. Kor. 11,14‑15.

Wir haben es gesehen, wie der Herr uns wiederholt vor dieser furchtbaren Verführung warnt. (Matt. 24,4‑5. 11. 24‑25.) Offenbar gehen diese Weissagungen vor allem in dem letzten falschen Christus und seinem falschen Propheten in Erfüllung. Durch allerschlimmsten Betrug suchen diese dann die Menschen zu überführen, und zwar:
die Völker: daß endlich der Welt ein Heiland nach ihrem Herzen gegeben ist;
die Juden: daß ihr so lang erwarteter Messias nun vor ihnen steht;
die Christen sogar: daß der wahre Christus in der Gestalt des großen Übermenschen der Endzeit wiedergekommen ist.

Der Erfolg dieses Betruges wird verheerend sein. Jesus wiederholt eindringlich: »Und werden viele verführen … und werden viele verführen . . , daß verführt werden (wenn es möglich wäre) auch die Auserwählten.« Und Johannes verkündet, daß alle Erdbewohner unter der Wirkung eines Massenwahns den Antichristen anbeten werden; durch die Zeichen des falschen Propheten verführt, werden sie ein Bild des Tieres machen und es als Gott verehren. Offb. 13,8.14‑15.

Wie kann sich die so verstandesstolze Menschheit derart begaunern lassen? Nur die Schrift gibt uns die Antwort darauf: »Der Boshafte, dessen Zukunft geschieht unter der Wirkung Satans mit allerlei lügenhaftigen Kräften und Zeichen und Wundern, und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden, dafür daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben aufgenommen, auf daß sie selig würden. Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, daß sie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit.« 2. Thess. 2,9‑12 (S. auch 2. Kor. 4,3‑4!). Ein furchtbares Wort: Alle Verführungskünste Satans könnten die Seelen nicht irreführen, wenn Gott sie nicht selbst mit Blindheit schlüge! Sechsmal verhärtete Pharao sein Herz, dann aber heißt es fünfmal, der Herr selbst verhärtete ihm das Herz. 2. Mose 7,13. 22; 8,11. 15. 28; 9,7 und 9,12; 10, 1. 20. 27; 11, 10. So wird Gott auch denen, die bewußt der Wahrheit nicht glauben und Lust an der Ungerechtigkeit hatten, »kräftige Irrtümer senden, daß sie glauben der Lüge«. Das ist dann für die rebellischen Menschen die schlimmste Strafe. In der Meinung, endlich ihren Erlöser zu finden, werden sie sich blindlings ihrem größten Feind ausliefern. Erst, wenn es zu spät ist, werden sie ihren Irrtum erkennen.

Wollen die Gläubigen der Verführung des Antichristen widerstehen, bedürfen sie einer übernatürlichen Kraft und Weisheit. Wir behaupten sogar, wir müßten jetzt schon imstande sein, dieser Verführung zu widerstehen, da sie sich bereits überall geltend macht, 1. Joh. 4,1. 3. Allerseits sehen wir die großen Geistesströmungen sichtbar werden, welche die Menschheit zum Ende ihrer Laufbahn bringen werden. Wer jetzt nicht Buße tun und das Evangelium annehmen will, kann beim kommenden Angriff des Irrgeistes nicht mehr klar sehen. Wiederholen wir es: Nachdem wir es miterlebt haben, wie vor kurzem vom Erd­boden verschwundene Diktatoren große Völker in einen Zwangswahn hineintrieben, können wir uns vorstellen, was bald auf dem ganzen Erdball geschehen wird. Dann wehe denen, die der Heilige Geist nicht erleuchtet, und die dann, jeder göttlichen Erkenntnis bar, Wahrheit und Irrtum nicht zu unterscheiden vermögen! Blind und von Blinden geführt, stolpern sie allesamt hinein in den Schlund greulichster Verführung.

 

V. Die Offenbarung des Antichristen

»Und alsdann wird der Boshafte offenbart werden, den der Herr umbringen wird mit dem Geist Seines Mundes.« 2. Thess. 2,8. Im Urtext heißt es in Wirklichkeit: der Boshafte wird »apokalypsiert«, d. h. öffentlich enthüllt, entlarvt. Vorher war die Bosheit ein Geheimnis. Die Sünde war etwas Verstecktes, Geheimes, Lichtscheues, das sich schämte und tarnte, eine Maske trug und heuchlerisch war. Aber mit dem »Menschen der Sünde« tritt das Böse ohne jede Maske ans helle Licht.

Der Antichrist wird »das Kind des Verderbens« genannt. 2. Thess. 2,3. (Dieser Ausdruck wird sonst nur auf Judas angewandt). Er ist der »Boshafte«, oder genauer, »der Gesetzlose«, der Anarchist. Außerdem heißt er »das Tier«, weil menschliche Bestimmungen nicht ausreichen, um seine Bestialität auszudrücken. Der Antichrist verwirklicht völlig das berüchtigte Wort: »Das Christentum hat den Menschen seine ganze Bosheit ausschwitzen lassen.« Er ist der Totalausdruck der Sünde der abgefallenen Menschheit.

Professor F. Godet schreibt darüber: »Der völlige Sieg des Guten kann durch das Kommen des Herrn erst errungen werden, wenn sich das im Menschenherzen verborgene Böse in der Erscheinung des großen Gegners von Gottes Reich in seiner kurzen Herrschaft ganz geoffenbart hat, so daß der höchste Sieg des Guten zugleich die Endniederlage des Bösen im Augenblick seines Höchststandes sein wird … Darnach, könnte man Herz und Geist des Menschen noch so auspressen, man holte nicht e i n e gute Tat noch e i n Verbrechen mehr, nicht e i n Stückchen mehr Wahrheit oder Lüge, Frömmigkeit oder Lästerung heraus.« So läßt Gott Weizen und Unkraut zur Vollreife kommen, um jenen für Seine Scheunen zu sammeln und dieses im Feuer, das nie erlischt, zu verbrennen. Matt. 13,30. Die Ernte der Erde kann erst nach ihrer vollen Ausreifung stattfinden. Offb. 14,15.

 

VI. Wird der Antichrist ein Jude sein?

Verschiedene Ausleger sind dieser Meinung. So glaubte Irenäus (im Jahre 180 n. Chr.) auf Grund von 1. Mose 49,16‑17, daß er aus dem Stamme Dan kommen würde, und weil dieser Stamm bei der Auf­zählung in Offb. 7,4‑8 fehlt. Wir persönlich ‑ aber ohne Bestimmtes aussagen zu können ‑ wären nicht erstaunt, wenn diese Person ein Jude wäre, und zwar aus folgendem Grunde:

Der Antichrist wird sich den Israeliten als den von ihnen erwarteten Messias vorstellen, und verführt, werden sie ihn anerkennen. »Er wird aber vielen den Bund stärken eine Woche lang.« Dan. 9,27. Es soll bisher 64 falsche Messiasse gegeben haben, die alle mehr oder weniger Erfolg beim Volk Israel hatten. (S. z.B. Ap. 5,36‑37.) Wie Jesus die Aufnahme des Antichristen durch die Juden voraussagt, haben wir schon einmal erwähnt: »Wenn ein anderer kommt in seinem eigenen Namen, den werdet ihr aufnehmen.« Joh. 5,43. Nun wäre es unerklärlich, daß die Israeliten einen Nichtjuden als ihren Messias annehmen sollten.

 

VII. Was bedeutet die Zahl 666?

»Es kann niemand kaufen oder verkaufen, er habe denn das Malzeichen, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit: Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.« Offb. 13,17‑18.

Diese Stelle hat schon viel Tinte gefordert und viele widersprechende Deutungen hervorgerufen. Wir maßen uns nicht an, eine neue zu bringen. Doch mögen einige Erklärungen nützlich sein. Johannes sagt: »Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres.« Im Griechischen dienen nämlich die Buchstaben des Alphabets auch als Zahlen. Alpha bedeutet eins, beta zwei, usw. Man kann also bei irgend einem Namen den Zahlenwert eines jeden Buchstabens addieren und so mit der Summe zu der Zahl des Namens gelangen. Der Name des Antichristen wird als Summe die Zahl 666 ergeben. Bei allen Personen der Geschichte, die Antichristen zu sein schienen, wurde diese Berechnungsweise versucht. Durch mehr oder weniger geschickte Anordnung der Buchstaben und Titel dieser Personen gelang es, die Zahl 666 herauszufinden, wie bei Nero, Mohammed, dem Papst, Napoleon und sogar Hitler und bei vielen andern. Nach unserer Ansicht sind diese Deutungen verfrüht, weil sie sich alle widersprechen. Wir sind davon überzeugt, daß die wahren Gläubigen in der ganzen Welt den letzten, großen Antichristen erkennen werden, wann er kommt. Der Heilige Geist wird ihnen genug Licht schenken, die Zahl seines Namens sicher und einmütig zu errechnen. Bis dahin laßt uns warten und nüchtern sein!

Aber es gibt einen anderen, ebenso richtigen Weg, glauben wir, diese berühmte Zahl 666 zu verstehen. Wir haben ihn schon bei unserem Vergleich zwischen Christus und dem Antichristen angedeutet. Johannes nennt die Zahl 666 »eines Menschen Zahl«. Es ist klar, daß es in der Offenbarung symbolische Zahlen gibt. So drückt die Zahl 7 die Fülle, die Vollkommenheit aus und wird meist für Gott und für Jesus Christus verwandt: das erwürgte Lamm hat 7 Hörner und 7 Augen, das sind die 7 Geister Gottes. Offb. 5,6. ‑ Die Zahl 6 dagegen bezieht sich auf alles Menschliche: die 24 Ältesten; die 12 Stämme Israels, die 12 000, die 144 000. usw. Sechs ist die ausgesprochene Zahl für die Unvollkommenheit, immer unter der Zahl 7, der Vollkommenheit. Der Antichrist mag sich in seinem Hochmut maßlos erheben und aufblähen, seine Eroberungen bis an die Enden der Erde ausdehnen, sich als Gott anbeten lassen, ‑ doch wird all sein Tun den Stempel der Unvollkommenheit und der innersten Ohnmacht tragen: seine Zahl ist und bleibt die Zahl des Menschen in dreifacher Wiederholung: 6‑6‑6!

Diese Zahl enthält aber auch das Endliche des Fortschritts, den Abschluß der Kultur, … sie ist die Summe, das Drei‑Dimensionale, Länge, Breite und Höhe des menschlichen Tuns. Wie man auch immer diese Dimensionen berechnet, man landet immer bei 6 … Diese Zahl versinnbildlicht die Überlegenheit des Menschen, der sich auf Gottes Platz hinaufgeschwungen hat, auf dem Gipfel seines Werks thront und in seinem Größenwahn ausruft: Wie herrlich weit hat es der Mensch gebracht!

 

VIII. Welche Macht wird der Antichrist haben?

 

1. Die Macht des Antichristen wird übernatürlichen, teuflischen Ursprungs sein.
Satan hatte vergebens Jesus Christus alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit angeboten. Matt. 4,8‑10. Der »Mensch der Sünde« dagegen wird dieses Angebot annehmen und, ganz dem Bösen ausgeliefert, Kraft, Thron und große Vollmacht vom Teufel bekommen; das Tier »wird aus dem Abgrund steigen und in die Verdammnis fahren.« Offb. 13,2; 17,8. (S. auch Daniel 8,24 und 2. Thess. 2,9‑10) Nur dadurch läßt sich die verblüffende Laufbahn dieses Menschen erklären.

 

2. Gott selbst wird dem Antichristen erlauben, sein Reich aufzurichten.
Sogar die Bösen (Satan einbegriffen) müssen zur Erfüllung der Pläne Gottes beitragen. Die abgefallene Menschheit muß ernten, was sie gesät hat, und vor dem Gericht müssen die Menschen zeigen, wozu sie nur fähig sind. Deshalb wird Gott das Kommen des Antichristen zulassen und ihn als Geißel für die Völker benützen. Darum lesen wir in der Offb. viermal von ihm:

»und es ward ihm gegeben ein Mund, zu reden … Lästerun­gen …«
»und ward ihm gegeben, daß es mit ihm währte zweiundvierzig Monate lang. …«
»und ward ihm gegeben, zu streiten mit den Heiligen …«
»und ihm ward gegeben Macht über alle Geschlechter und Sprachen und Heiden. «13,5.7.

Um Israel zu schlagen, hat Gott einst den König von Assyrien als »Seines Zornes Rute« benützt, ihn selbst aber später streng bestraft. Jes. 10,5‑7,12. So wird der Herr auch den Antichristen zerschlagen, nachdem Er ihn eine kurze Zeit gewähren ließ. An dem Gericht, das der Antichrist und seine Verbündeten an Babylon vollziehen, können wir erkennen, daß diese menschlichen Gestalten unbewußt nur den Plan Gottes, den Er ihnen ins Herz gegeben, zur Ausführung bringen. Offb. 17,16‑17. Wenn also die größten Scheusale zu herrschen scheinen, so ist es doch der Herr, der sie lenkt und die Welt regiert.

 

3. Zuerst wird der Antichrist seine Macht auf die Länder von Daniels viertem Reich stützen.

a) Das ehemalige, wiederhergestellte Römische Reich wird den Antichristen auftauchen sehen.
Bei den vier von Daniel gezeichneten Weltreichen haben wir gesehen, daß der große Diktator der Endzeit aus dem Römischen Reich hervorgehen soll. Dan. 7,7‑8. 23‑25. In Wirklichkeit ist das Römische Reich, das Jesus gekreuzigt und die Juden zerstreut hat, schon lange verschwunden. Aber was sagt Johannes über das Tier, das Sinnbild dieser Regierung und ihres Oberhauptes: »Das Tier, das du gesehen hast, ist gewesen und ist nicht und wird wiederkommen aus dem Abgrund und wird fahren in die Verdammnis, und es werden sich verwundern, die auf Erden wohnen… wenn sie sehen das Tier, daß es gewesen ist und nicht ist und da sein wird … Und das Weib, das du gesehen hast, ist die große Stadt, die das Reich hat über die Könige auf Erden.« Offb. 17,8‑9,18.

Die Stadt, die zur Zeit des Apostels Johannes die Welt regierte, war Rom, und das Tier von Dan. 7 bedeutet sicherlich auch Rom. Die Völker, die einst unter dem römischen Joch standen, sind also dazu ersehen, eine Hauptrolle in der Endzeit zu spielen. Die Länder des Mittelmeerraums sind in der Tat als erste evangelisiert worden. Sie bekamen das meiste Licht und tragen daher die meiste Verantwortung vor Gott. Schon lange waren sie im Bereich der Religion, des Denkens, der Kunst und der Technik vorherrschend. Auf ihrem Boden entstand die moderne Zivilisation, die sog. „christliche“, besser gesagt, die westliche. Auch ist im letzten Jahrhundert den von diesen Ländern ausgegangenen Völkern die Beherrschung fast der ganzen Erde zugefallen. Nach der Weissagung werden eben diese Völker der Macht des Antichristen als Sprungbrett dienen und mit ihm als erste von Gottes furchtbaren Gerichten ereilt werden.

Unter den Völkern des Römischen Reiches darf man übrigens, wie wir meinen, nicht nur solche verstehen, die innerhalb seiner alten Grenzen wohnen, sondern auch die, welche direkt daraus hervorgegangen sind und dieselbe Zivilisation vertreten. Zweifellos haben z. B. Nord- und Südamerika, wie auch Australien, ganz und gar teil an der europäischen Kultur und Lebensart. Der Antichrist könnte, wie es uns scheint, ebenso gut auf der einen wie auf der anderen Seite des Atlantik auftauchen, ohne daß sich etwas an der Deutung der Prophetie ändern würde.

b) Der Antichrist wird sich an die Spitze eines Zehnkönigsbundes stellen. ‑ In der Endzeit muß das Römische Reich, wie gesagt, in neuer Gestalt wiedererstehen. In den ersten Jahrhunderten seines Bestehens war es eine Einheit. Dann war es lange in zwei Teile geteilt (die beiden Schenkel des Bildes, Dan. 2,33), von denen das Ostreich bis 1453 bestand. Vor der Wiederkunft Christi soll es in der Form eines Zehnstaatenbundes wiederkommen (die zehn Zehen des Bildes und die zehn Hörner des Tieres), Dan. 7,24. Die Häupter dieses Bundes werden in der Offb. eigenartig beschrieben, 17,12‑13.17. Was sind das für »Könige, die das Reich noch nicht empfangen haben, aber wie Könige eine Zeit Macht haben?« Heutzutage nennen wir solche Menschen Diktatoren. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß Diktatoren um das Mittelmeer und viel weiter hinaus aufgetreten sind, und dies zu einer Zeit, die eben erst von Schlagwörtern wie »Demokratie« und »Freiheit« begeistert war.

Aber noch mehr: Die Weissagung spricht nicht von einzelnen Diktatoren, sondern von einem Bund von zehn Häuptern unter einem Oberhaupt, dem Antichristen. (S. Offb. 17,17!) Haben wir uns nicht in den letzten Jahren daran gewöhnt, von den »Vereinigten Staaten von Europa« zu sprechen, oder von einem »lateinischen Block«, der die Mittelmeer‑ und angelsächsischen Länder umfaßt? Winston Churchill konnte sogar schreiben: Ich sehe nicht ein, warum »sich nicht unter der Ägide einer Weltorganisation ein Bund der Vereinigten Staaten von Europa bilden könnte, der das Festland einen würde, wie es seit der Römerzeit nie mehr der Fall war.« (Gazette de Lausanne, 4. 12. 45.) Bis 1953 haben die Verhandlungen über eine Vereinigung von Westeuropa große Fortschritte gemacht, aber noch keine greifbare Gestalt angenommen. Viele einsichtige Politiker hoffen jedoch auf baldigen Erfolg. Wir wissen nicht wieviel Zeit zur Erfüllung der Weissagungen noch erforderlich ist. Aber sicherlich darf man feststellen, daß die Weltlage in großen Linien jetzt der von der Schrift vorausgesagten merkwürdig ähnlich ist.

 

4. Der Antichrist wird seine Macht durch unaufhaltsame Eroberungen ausdehnen und aus der rohen Gewalt einen Götzen machen.

Auf die westlichen Völker gestützt, wird der Antichrist sein Reich auszudehnen suchen. Er wird es mit »Blitzkriegen« machen, die wir gerade kennen gelernt haben: »Siehe, das vierte Tier war greulich und schrecklich und sehr stark und hatte große, eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und das übrige zertrat’s mit seinen Füßen… Es wird aufkommen ein frecher und tückischer König… Er wird greulich verwüsten, und es wird ihm gelingen, daß er’s ausrichte. Er wird die Starken samt dem heiligen Volk verstören.« Dan. 7,7; 8,23‑24. (S. auch 11,36.40.)

Voll Schrecken und Bewunderung wird die ganze Erde ausrufen: »Wer ist dem Tier gleich, und wer kann mit ihm kriegen?« Offb. 13,4.

Da er diese Siege seiner eigenen Kraft zuschreibt, wird der Antichrist die rohe Gewalt auf den Thron setzen: »Er wird den Gott der Festungen ehren; denn er wird einen Gott, davon seine Väter nichts gewußt haben, ehren mit Gold und Silber…« Dan. 11,38‑39. So wird er das Wort Habakuks zur Vollendung bringen: »Also muß ihre Macht ihr Gott sein.« 1,11. Haben wir nicht ganz Europa jahrelang der Gewalt und dem frisch‑fröhlichen Krieg das Wort reden hören? Ja, wir haben ihn gesehen, den Gott der Festungen, dem Moloch gleich auf einen Sockel erhöht, und wie eine Unmenge stolzer, kraftstrotzender Menschen ihn anbeteten! Denn immer wieder findet der Kult der Gewalt seine Anhänger und Schützlinge. Der Antichrist wird dies alles nur wieder aufnehmen und krampfhaft auf die Spitze treiben.

 

5. Der Antichrist wird zur Weltherrschaft gelangen.
Alle großen Eroberer suchten ihr Reich über die ganze Erde auszudehnen, wie z.B. Alexander, Cäsar, Napoleon, Hitler und Stalin. Einige Jahre lang lachte ihnen das Glück, und sie konnten zahlreiche Länder einnehmen. Aber plötzlich blies Gottes Atem auf ihr Kartenhaus, und alles stürzte ein. Nie hat Gott bisher einem einzelnen Menschen die Weltherrschaft gewährt. Aber die Bibel berichtet ausdrücklich, daß Er es einmal am Ende der Welt tun wird. Ganz kurze Zeit wird der Antichrist diesen alten Traum der Weltherrschaft verwirklichen, der in den Köpfen aller Fürsten steckt: »Das vierte Tier wird … alle Lande fressen, zertreten und zermalmen.« Dan. 7,23. »Und ihm ward Macht gegeben über alle Geschlechter und Sprachen und Heiden. Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an … Es machte, daß alle, welche nicht des Tieres Bild anbeteten, getötet wurden.« Offb. 13,7‑8. 15.

Daß wir heute am Vorabend einer Weltherrschaft stehen, ist leicht zu erkennen. Robert Hutchins, Professor an der Universität Chicago, hat erklärt: Wir werden demnächst noch furchtbarere Bomben als die Atombombe haben. Der Militärdienst ist zwecklos, da er den Massen nur den Gebrauch veralteter Waffen beibringen würde… Die Menschheit hat die Wahl zwischen Frieden und Selbstmord, und die einzige Lösung zur Verhinderung des Krieges ist die Errichtung einer Weltregierung.« (Gazette de Lausanne, 19. 2. 46.)

»Es ist klar, daß die Menschheit sich zu einer ganz neuen Auffassung des internationalen Lebens aufschwingen muß, sonst wird die uns bekannte Welt infolge einer Reihe unvorstellbarer Katastrophen verschwinden. Die Menschheit sieht sich vor dem Dilemma der Wahl: sich einigen oder untergehen! … Die einzige Lösung ist die, möglichst rasch eine Weltregierung zu schaffen, der die Staaten einen Teil ihrer Oberhoheit mit dem Auftrag abgeben, daß jene den Frieden durch Kontrolle der Atomenergie erhalte.« (G. Rigassi, Gaz. de Lausanne, 5. 1. 46.)

Bernard Baruch, amerikanischer Delegierter der Atomkommission der Vereinigten Staaten, hat gesagt: »Erklären wir den Atomkrieg nicht als ungesetzlich, so fällt die Welt ins finstere Mittelalter, ja noch mehr, in das Chaos zurück… Wir müssen rasch handeln. Zögern hieße vielleicht, sich zum Tod verurteilen.« (Le Monde, 10.10.46.)

Schließen wir mit einem Zitat ganz anderer Art, das davon redet, wie die großen Reiche ihren Schwerpunkt ständig von Ost nach West verlagert haben: »Wir haben die Ufer des letzten Ozeans erreicht. Der Stern der nach Westen vordringenden Weltreiche beendet seinen Lauf um die Welt in Amerika. Dort liefern wir die letzte Schlacht der weißen Rasse, ja der Menschenrasse überhaupt… Unterliegt Amerika, so ist die menschliche Rasse verloren und hat nur noch das Urteil des Allmächtigen zu erwarten, das ihr Andenken vom Erdboden tilgt.« (Worte eines amerikanischen Deputierten, 1911, zitiert von Vuilleumier.)

 

6. Der Antichrist wird eine politische, wirtschaftliche und religiöse Diktatur ausüben.
Auf allen Gebieten wird er ein totalitäres Regime einführen:

a) Auf politischen Gebiet wird er dem ganzen Erdkreis ein eisernes Gesetz aufzwingen, und alle Menschen werden vor ihm zittern. Offb. 13,3‑4.7.

b) Auf wirtschaftlichem Gebiet wird es nach Johannes genau so ein: »Der falsche Prophet macht, daß die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Knechte, allesamt sich ein Malzeichen geben an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, daß niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.« Offb. 13,16‑17. Beim heutigen totalitären Regime haben solche, die nicht Mitglied der Partei sind und sich weigern, den Tagesgötzen anzubeten, kein Recht zur Existenz. Man geht so weit, ihnen ihre Lebensmittelkarten und die Arbeitskarte zu entziehen; es bleibt ihnen noch das Konzentrationslager oder der Tod. So geschieht es auch unter der Herrschaft des Antichristen. Man wird den Weltboykott der Christen erleben. Ein Kollektivismus entsteht dann, der die ganze Welt umfaßt und ein Generalmonopol des vergötterten Staats aufrichtet. So steht jeder Warenhandel und jede Tätigkeit eines jeden einzelnen unter absoluter Kontrolle.

c) Auf religiösem Gebiet wird dieselbe Diktatur zu spüren sein. Da sich der Antichrist für Gott ausgibt, wird er seine Anbetung von allen Menschen fordern und erlangen; die dies verweigern, werden hingerichtet. (2. Thess. 2,4; Offb. 13,8.15.) Das gibt also den absoluten Totalitarismus, was die Sozialisten Gleichschaltung nannten, d. h. eine völlige Vereinheitlichung.

Daß alle Völker westlicher Kultur, die dem Unglauben verfallen sind, derart den Antichristen anerkennen, leuchtet uns ein. Aber wie können die anderen Völker in eine solche Bewegung hineingezogen werden, die Mohammedaner z. B., die so fanatisch an ihrem Glauben hängen? Aber merkwürdig, auch die Moslems erwarten eine geheimnisvolle Person, den »verborgenen Mahdi« der sich eines Tages als der mohammedanische Messias offenbaren, der Erde die Gerechtigkeit und dem Islam den Sieg bringen soll, indem er sich alle Ungläubigen unterwirft. Vielleicht gelingt es dem Antichristen, sich für diesen erwarteten Messias auszugeben und damit auch die Jünger Mohammeds um sich zu scharen (ohne von den Anhängern anderer Religionen zu reden!). Nach einer anderen Überlieferung glauben die Moslems auch an das Kommen eines einäugigen Menschen mit den Buchstaben KFR (Kafir = der Ungläubige) an der Stirn. Er wird alles außer Mekka und Medina zerstören und wird durch das Kommen Jesu Christi getötet, der nach zweiundvierzig Monaten alle Christen in den Schoß des Islam führen wird! Wir führen diese Überlieferungen nur an, um zu zeigen, wie tief die Enderwartung des wahren und des falschen Messias in aller Herzen verankert ist.

 

7. Die Aufrichtung dieses Regimes wird zuerst eine rasende Begeisterung hervorrufen, der aber die Endkatastrophe folgt
»Endlich hat die Menschheit den wiedergefunden, den sie durch die Jahrhunderte ersehnt und gesucht hat, den Übermenschen, der Gottes Majestät weit überstrahlt. Endlich kann sie sich an dem berauschen, der ihren geheimsten Süchten entspricht: denn das große Tier ist nach dem Bild der tierischen Instinkte unserer Herzen geschaffen … Der große Aufstand des Tieres gegen Gott ist die Summe all unseres Unglaubens im einzelnen. Die Menschen jubeln dem Tier zu, weil es sie mit seiner stolzen Machtentfaltung wieder an das alte irdische Evangelium glauben läßt: Jawohl, der Mensch ist stark; jawohl, er kann über sich selbst verfügen; jawohl, er kann sein Schicksal meistern und dem Tode trotzen.« (C. Brütsch, Die Apokalypse, S. 163)

Das Babylon der Endzeit wird von einem herrischen Geist regiert und mit fester Hand gehalten, der in seiner Person die verschiedensten Gaben seiner Rasse vereinigt. Er wird Soldat und Staatsmann, Redner und Finanzmann, Gelehrter und Demagoge, tyrannisch und liberal, geehrt und gefürchtet, verehrt und verhaßt sein. Ergänzen wir noch, daß er sicher in den geheimen bzw. okkulten Wissenschaften bewandert ist, um, wie es nicht anders möglich ist, mit der Kraft aus dem Abgrund angetan zu sein.

Angesichts ihres vergötterten Helden vom Taumel erfaßt, glaubt die Menschheit die alte Verheißung des Verführers endlich in Erfüllung gehen zu sehen: „Ihr werdet sein wie Gott.“ 1. Mose 3,5.

H. G. Wells schreibt endlich über dieses Thema: »Um den sozialen Idealstaat zu bilden und zu erhalten, muß man einen Führer finden, der ihn zu leiten versteht und an Intelligenz das höchste menschliche Niveau übertrifft.« In der Meinung, diesen Mann endlich gefunden zu haben, wird die Menschheit sich hemmungslos diesem Glück ergeben. Die Massen lassen sich gern von einer starken Hand regieren: Sie werden sich mit Wonne dem größten Führer aller Zeiten beugen.

Nachdem Kriege Tausende von Jahren hindurch die Völker zerrissen haben, hungern diese nach Frieden und einer Sicherung. Regiert dann der Antichrist die Erde allein, so werden alle glauben, jeder Konflikt sei fortan ausgeschlossen und der Friede auf ewig gesichert. Da nun der Mensch vor allem Behaglichkeit und ein Wohlleben begehrt, wird wahrscheinlich der Antichrist, wenn er der Welt Frieden und Sicherheit aufgedrängt hat, alles daran setzen, einem jeden den größten Wohlstand zu sichern (um sich die Seelen desto leichter hörig zu machen). Vielleicht wird er ein großer Sozialreformer sein und hier Dinge erreichen, die den sogen. christlichen Gesellschaften nicht gelangen. (Man denke an die außerordentlichen Errungenschaften der Diktatoren unserer Zeit!) Die Seelen wollen von Natur etwas zum Anbeten haben: Nach Verwerfung des Herrn werden sie sich mit mystischer Glut dem Übermenschen hingeben und ihn ihren Heiland nennen.

Jede Religion möchte sich die ganze Menschenrasse erobern. Die religiöse Welt hat Heimweh nach einer sichtbaren Einheit, die sie verloren hat. Ist erst der alleinige Kult des Antichristen erzwungen worden, so wird die falsche Einheit in Hochmut über die Erde triumphieren. Alle falschen Religionen und Kirchen werden die falsche Ökumene bilden,  wie wir sie nennen könnten (denn wie es die wahre Ökumene des Leibes Christi gibt, so wird es auch ihre teuflische Karikatur geben). Dann gibt es hier auf Erden nur noch ein Volk, ein Reich, ein Haupt, einen Glauben, eine Kirche. In toller, mitreißender Begeisterung wird die ganze Welt schreien:

Einheit, Friede und Sicherheit!

Das Wort Gottes aber sagt: »Wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen.« 1. Thess. 5,3.

 

IX. Welche Haltung wird der Antichrist Gott gegenüber einnehmen?

Als Werkzeug des Widersachers hier auf Erden wird der Antichrist dem Herrn offen den Krieg erklären. Er wird den Höchsten lästern : »…und wird sich unterstehen, Zeit und Gesetz (Gottes Gesetz) zu ändern.« Dan. 7,25. Gott gegenüber wird er mit der Vermessenheit auftreten, von der öfters die Rede ist. 7,8. 11. 20. »Und es wuchs bis an des Himmels Heer und warf etliche davon und von den Sternen zur Erde und zertrat sie. Ja, es wuchs bis an den Fürsten des Heeres und nahm von ihm weg das tägliche Opfer und verwüstete die Wohnung Seines Heiligtums.« 8,10‑11. (Es ist nicht leicht, diesen Vers zu deuten, der sich auf den Krieg Satans in den himmlischen Örtern wie auch auf den seines Werkzeugs gegen die Vertreter Gottes auf Erden zu beziehen scheint.) Der Antichrist wird sich in diesen wahnsinnigen Kampf gegen den Herrn stürzen, wenn ihm der Hochmut den Verstand geraubt hat (s. z. B. auch Dan. 8,25; 11,36‑37). Seine schlimmste Sünde wird die sein: Nicht damit zufrieden, Gott anzugreifen, wird er nach den Worten des Paulus sich »über alles erheben, was Gott und Gottesdienst heißt, also daß er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott.« 2. Thess. 2,4. So unglaublich es erscheinen mag, so haben wir gesehen, daß es dadurch dem Antichristen gelingt, sich die Anbetung aller Erdbewohner außer der wahren Gläubigen zu gewinnen. Offb. 13,8. Das ist wohl der Greuel der Verwüstung, von dem Daniel spricht (9,27), und vor dem Jesus selbst Seine Jünger warnt. Matt. 24,15.

Solche Stellen werfen ein helles Licht auf eine allerjüngste Tatsache in unsrer Geschichte. Die Menschen sind immer religiös gewesen, und nie hat es auf Erden an den verschiedensten Kulten gefehlt; im Namen der Religion wurde man sogar oft zum Verfolger. Aber allmählich wuchs auf Erden ein Unglaube, der immer radikaler und angriffslustiger wurde. Zuerst begnügte man sich damit, »freireligiös« zu sein, dann wurde man ein »Freidenker« und hierauf ein ausgesprochener »Atheist«, der die Religionen allesamt über Bord warf. Endlich fing man an, offen den Kampf gegen Gott zu führen. Zum ersten Mal trat diese Bewegung während der großen Revolution in Frankreich in ihrer modernen Form auf. Jahrelang waren die antireligiösen Leidenschaften entfesselt. 40.000 Kirchen, Kapellen und Bethäuser wurden entweiht, und Kathedralen wurden in Ställe verwandelt. Der Sonntag wurde abgeschafft und durch das »Dekadi« (Zehnter‑Tag‑Feiertag) ersetzt. Eine Opernschauspielerin führte man als Göttin der Vernunft in einer Prozession umher und setzte sie auf den Altar der Notre‑Dame in Paris. Mit pompösen Worten verkündigte man das Ende der christlichen Religion und die Aufhebung aller Gottesdienste (Dekret vom 30. Brumaire, 3. Jahr), Massenweise verbrannte man heilige Bücher: in Rochefort war ein Scheiterhaufen aus 5‑6000 Büchern. In Lyon wurden allein an einem Tag 120 Priester zum Tode verurteilt. Erst 1797 wurde die Religion wieder anerkannt.

In unseren Tagen haben wir die Gottlosenbewegung in Rußland erlebt. 1928 gaben sie an, 250 000 für den aktiven Kampf gegen die Religion ausgebildet zu haben. Damals gab es 10 000 antireligiöse Vereine. Im selben Jahr fanden 700 antireligiöse Kundgebungen in Leningrad statt. In drei Monaten wurden 900 Kirchen geschlossen. Das Blatt »Der Gottlose«, antireligiöse Broschüren und Bücher wurden millionenweise verteilt. Vorerst scheint diese Aktion, die nur zum Teil gelang, etwas abgeflaut zu sein. Aber die Prophezeiungen lassen den Zeitpunkt voraussehen, da sie ihr Haupt wieder erheben und über die ganze Erde losbrechen wird. In der Hand des Antichristen wird sie das Mittel sein, alle Religionen gleichzuschalten und so den Weg zur Anbetung seiner Person allein zu bahnen.

Dieser Kult des Übermenschen, dem die Menschheit zuschreitet, ist an sich nichts Neues. Oft haben die großen Machthaber der Geschichte göttliche Verehrung von ihren Untertanen gefordert, ‑. z. B. die römischen Kaiser. In unseren Tagen wollte man 70 Millionen Japaner (sogar auch die Christen unter ihnen) zwingen, den Mikado und seine Ahnen anzubeten. Und unbestreitbar verstand es ein Diktator wie Hitler, einen mystisch‑religiösen Nimbus um seine Person zu weben. So fand er bei einem großen Teil seiner Untergebenen eine totalere Hingabe als viele Gläubige sie Gott darbringen.

In dem oben erwähnten Werk schreibt Dr. A. Frey über die nationalsozialistische Weltanschauung: »Der >Mythos des zwanzigsten Jahrhunderts< verkörpert sich in der Person des >Führers<. Der Führer ist nicht lediglich ein zeitlicher Kaiser, er ist ein Messias, der Prophet des Tausendjährigen Reichs. Er ist Gott und Cäsar zugleich, und das berühmte Wort: >Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist<, wird hinfällig. Er ist eine Art metaphysischen Seins … Nach national‑sozialistischer Auffassung muß der Gehorsam gegen den Führer eine freiwillig gewährte Anhänglichkeit des Herzens sein, wie die Beugung der Christen unter Gott. Er ist daher mehr ein religiöser als ein politischer Akt, und der national‑sozialistische Staat ist mehr als ein Staat, er ist eine Kirche.«

Professor Hauer von Tübingen drückte sich in einer Taufliturgie des »neu‑deutschen Glaubens« folgendermaßen aus: »Die Wöchnerin dankt Gott und dem Führer für die Gabe dieses Kindes: Dank Dir, Führer und Freund! Du hast uns auf den rechten Weg zurückgebracht, da wir irrten. Du hast unsere Seelen gerettet«. 1934 formulierten die »Deutschen Christen« folgende  These: »Durch Hitler ist die Zeit des deutschen Volkes gekommen, denn Christus, unser Heiland‑Gott, ist unter uns mächtig geworden durch Hitler.« Und hier die Worte eines Führers derselben Bewegung. »Das deutsche Volk hat in den Märztagen 1933 sein Pfingsten erlebt, das wir nie vergessen werden. Der Gott der Liebe ist in der Gestalt des Heiligen Geistes auf uns herabgekommen, um uns den Glauben an die Unabhängigkeit und Ehre des deutschen Volks zu geben, den Geist der Selbstverleugnung, der nötig ist zum Dienst an unserem Boden, getreu der Idee des Dritten Reichs. Da erlebten wir das herrliche Kommen Gottes unter die Deutschen. Das Reich Gottes, in Staat und Kirche lange ohne Kraft, fand seine Lebensenergie in der Substanz des Nationalsozialismus wieder. Adolf Hitler hat die Pforte der germanischen Kirche geöffnet . . denn er schuf den deutschen Staat, er war die Kraft, die dem deutschen Volk das Leben wiedergeschenkt, er hat zur Offenbarung Christi geführt.« Die Herrschaft des Antichristen wird mit noch überspannteren Dithyramben begrüßt werden.

Übrigens geht der Zug der Zeit dahin, nicht nur einzelne Menschen, sondern den Staat selbst zu vergöttern. Wir haben es ebenso erlebt, daß Millionen sehr zivilisierter Menschen so weit kamen, daß sie ihr eigenes Volk (d. h. sich selbst) anbeteten und mit der Allmacht Staat einen Kult trieben. Im totalitären Regime wird dieser zu einem wahren Moloch, der alle Lebenskräfte des Volkes aufsaugt und den Einzelmenschen zermalmt. Hegel, ein großer deutscher Philosoph, konnte schon vor über hundert Jahren schreiben: »Der Einzelne existiert nur durch den Staat. Der Staat ist göttlich, der absolute Zweck, das Göttliche an Sich, das absolute Autorität und Majestät genießt.«

Auch Mussolini hat zu einem direkten Kult seiner Person ermuntert. Der »Große Faschistische Rat« schrieb in einem Aufruf: »Wir sind ihm gefolgt, wir folgen ihm, und wir werden ihm folgen, im Leben wie im Tod!« Eine faschistische Zeitung schrieb: »Unser Ideal kann nicht der Gott‑Mensch (Jesus Christus) sein, der liebt und leidet, das rechtfertigende Sühnopfer, das sich vom Hintergrund der Offenbarung der Hölle und der Prädestination abhebt. Sondern es ist der siegende Mensch‑Gott, der Held der hellenischen Sagen, Mithras, der triumphierende Gegner von Sonne und Stier; Siva, der schreckliche, tanzende Gott, die kosmischen Wesen, mächtig, strahlend, von Leidenschaften geläutert, wunschlos und in Mysterien geweiht … Merzen wir die christliche Idee von der Sünde aus! Wir leben nicht von der semitischen, aus Palästina importierten Tradition, sondern von der mittelländischen.« (de Heer)

Mit unseren eigenen Augen haben wir die Folgen solcher Theorien gesehen. Und doch scheint der kommende totalitäre Staat des Antichristen auf ähnlichen Theorien aufgebaut werden zu sollen. Das wird das logische Ende vom Wege sein, den die Menschen schon lange verfolgen, wie es auch Paulus den Römern ganz klar zeigt: »Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden; und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild, gleich dem vergänglichen Menschen … Sie, die Gottes Wahrheit haben verwandelt in die Lüge und haben geehrt und gedient dem Geschöpf mehr denn dem Schöpfer, der da gelobt ist in Ewigkeit.« Röm. 1,22‑25. Man wird immer durch seine eigene Sünde bestraft.

 

X. Welche Haltung wird der Antichrist zu den Juden einnehmen?

1. Er wird ihnen zuerst großes Wohlwollen vorheucheln.

Weiter oben haben wir gesehen, daß der Antichrist gut ein Jude sein könnte und sich nach Jesu Worten von den Juden als ihrem Messias wird zujubeln lassen. Joh.5,43. Daniel sagt, daß er mit mehreren für eine »Woche« (Jahrwoche, d. h. 7 Jahre) einen festen Bund schließen werde. 9,27. Zweifellos wird er sich für den Beschützer Israels ausgeben, der es vielleicht übernimmt, sie massenweise nach Palästina zurückzuführen und ihre nationale Macht wiederherzustellen. Man fragt sich, ob er nicht wieder den Tempel aufbaut und den Gottesdienst einführt.

2. Darnach wird der Antichrist die Juden furchtbar verfolgen.
Weiter sagt Daniel, daß der Antichrist nach dreieinhalb Jahren seinen siebenjährigen Bund brechen wird: »Mitten in der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhören. Und bei den Flügeln werden stehen Greuel der Verwüstung, bis das Verderben, welches beschlossen ist, sich über die Verwüstung ergießen wird.« 9,27. Dann vielleicht wird der Antichrist so weit gehen, daß er sich setzt in den Tempel Gottes (von den Juden wiederaufgebaut) . . . »und gibt sich aus, er sei Gott.« 2. Thess. 2,4. Damit wäre tatsächlich der Greuel der Verwüstung an der heiligen Stätte aufgerichtet. (Matth. 24,15.)

Dann wird eine unerhörte Verfolgungswut in den Antichristen fahren. Als Satans Helfershelfer auf Erden wird er natürlich versuchen, das alte Volk Gottes zu vernichten, dessen Wiederherstellung das Signal zu seinem eigenen Sturz geben soll. »Ich sah das Horn streiten wider die Heiligen, und es behielt den Sieg wider sie, bis der Alte kam und Gericht hielt für die Heiligen des Höchsten .. . Er wird die Heiligen des Höchsten verstören (in der Sprache des AT bedeutet das zunächst die Juden) und wird sich unterstehen, Zeit und Gesetz zu ändern (jedenfalls das jüdische Gesetz); sie werden aber in seine Hand gegeben werden eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit.« Dan. 7,21‑22. 25 (S. auch 8,24; 12,1. 6‑7.) Nachdem er von Israels schmachvoller Verwerfung des Guten Hirten geredet hat, kündigt Sacharia an, daß der ins Land kommen wird, welcher der böse Hirte in höchster Potenz sein wird: »Ich will einen Hirten im Land auftreten lassen, der sich um die verschmachtenden Tiere nicht kümmert, . . . aber das Fleisch der fetten verzehrt und ihnen sogar die Klauen abreißt. Wehe dem nichtsnutzigen Hirten, der die Herde im Stich läßt! Das Schwert komme über seinen Arm und über sein rechtes Auge!« Sach. 11, 16‑17. Und derselbe Prophet weissagt etwas später, daß dann zwei Drittel der Juden ausgerottet werden. Nach dem grauenvollen Hinmorden von Millionen Juden in Europa während des Hitlerregimes erscheint uns eine solche Prophezeiung nur zu leicht erfüllbar.

 

XI. Welches Los wird der Antichrist über die Christen bringen?

Die Christen unter den Völkern, die an der großen Trübsal teilnehmen müssen (nach der Entrückung der Gemeinde, wenn wir es recht verstehen), werden kein besseres Los haben als die Juden. Wenn geschrieben steht. »Ich sah das Horn streiten wider die Heiligen, und es behielt den Sieg über sie … Sie werden aber in seine Hand gegeben werden…« (Dan. 7,21.25), so bezieht sich das jedenfalls erst auf Israel, dann aber auch auf alle, die zu der Zeit Gottes Sache auf Erden ver­treten. Tatsächlich nimmt die Offb. dies wieder auf (und hat dabei zunächst die Christen im Auge): »Und ihm ward gegeben, zu streiten mit den Heiligen und sie zu überwinden«, und sagt weiter, daß alle, die das Bild des Tieres nicht anbeten, getötet werden. Offb. 13,7. 15. Man wird die Gläubigen auch aus dem Grunde verfolgen, weil sie durch die Verkündigung vom Kommen des Königs aller Könige eine Majestätsbeleidigung gegen den Antichristen begehen, da sie ja sein Regime verdammen und sein Ende voraussagen. Die Heilige Inquisition hat im Namen des Gottes der Liebe verbrannt und gefoltert. Die Sansculotten (Ohnehosen, in der französischen Revolution) haben im Namen der Freiheit die schlimmste Tyrannei aufgerichtet. Der Antichrist wird den furchtbarsten Gewissensdruck ausüben, unter dem Vorwand, die Menschen aus der Abhängigkeit von Gott zu erlösen. Dann ist es mehr denn je an der Zeit, nicht jene zu fürchten, die nur den Leib töten, sondern vielmehr Den, der Leib und Seele verderben kann in die Hölle (d. h. Gott). Matth. 10,28. Übrigens dürfen die Heiligen inmitten ihrer Drangsal mit Gottes Hilfe rechnen, der die Seinen im voraus mit Seinem Siegel versehen und der Trübsal ein Ziel gesetzt hat.

 

XII. Welche Haltung wird der Antichrist zu Babylon, der falschen irdischen Religion, einnehmen?

Wenn wir im folgenden Kapitel die Deutung von Babylon, der großen Hure der Offenbarung, untersuchen, werden wir sehen, daß der Antichrist zur Befestigung seiner Herrschaft zuerst einen Bund zwischen Thron und Altar schafft und alle Kräfte der falschen Religion auf Erden für sich ausnützt. Seinerseits wird er die Tätigkeit der Hure mit seiner Autorität fördern, wie es die Bibel mit dem Tier ausdrückt, auf dem das unreine, mit Purpur und Scharlach bekleidete Weib sitzt. Offb. 17,3‑7. Der Antichrist wird also, unter der Bedingung, selbst wieder unterstützt zu werden, die falsche Kirche in ihrem Prunk, ihren Greueln und Verfolgungen ermutigen. Dafür wird die letztere ein mystisches Konzert der Lobpreisung um den Übermenschen inszenieren. Dieser aber wird bald einer solchen Krücke nicht mehr bedürfen. Geschoben von dem »Mörder von Anfang« , wird er sich in tollem Wüten gegen die falsche Religion und deren Anhänger, seine Verbündeten von gestern, wenden: »Die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, die werden die Hure hassen, werden sie wüst machen und bloß und werden ihr Fleisch essen und werden sie mit Feuer verbrennen.« Offb. 17,16.

 

XIII. Wie lange wird die Herrschaft des Antichristen dauern?

Alle großen Eroberer hofften, daß ihr Reich die Jahrhunderte überdauern würde. Hitler hat oft von seinem tausendjährigen Reich gesprochen. Wieviel mehr wird der zur Weltherrschaft gelangte Übermensch suchen, ein Werk für die Ewigkeit zu schaffen. Aber die Schrift sagt klar und bündig, daß sein Reich nur ein ganz kurzes sein werde.

Beachten wir zunächst, daß dem gottlosen Wirken des Antichristen zum voraus ein Ziel gesetzt ist. »Und ich sah das Horn streiten wider die Heiligen, und es behielt den Sieg wider sie, bis der Alte kam und Gericht hielt für die Heiligen des Höchsten … Siehe, ich will dir zeigen, wie es gehen wird zur Zeit des letzten Zorns, denn das Ende hat seine bestimmte Zeit.« Dan. 7,21‑22; 8,19; 11,36. 45.

Wieviel Zeit steht dem Antichristen vor diesem Ende zur Verfügung? Auf diese Frage antwortet die Bibel in vier Wendungen und an acht verschiedenen Stellen. Regieren soll der Antichrist:

1. »Eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit.« Dan. 7,25; 12,7; Offb. 12,14. Wir werden sehen, daß es sich um dreieinhalb Jahre handelt, so daß man sagen könnte: »eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit.«

2. »Die Hälfte der Woche.« Dan. 9,27. In der berühmten Prophezeiung Daniels von den 70 Wochen zählt jede Woche sieben Jahre. So entspricht die Hälfte der Woche dreieinhalb Jahren. Der Antichrist soll einen Bund auf sieben Jahre mit Israel machen, aber mitten in dieser Zeit sich gegen sie wenden. Dann beginnen die dreieinhalb Jahre der großen Trübsal.

3. »Zweiundvierzig Monate.« Offb. 11,2; 13,5. Diese Frist wird dem Tier zum Handeln gewährt. Das macht dreieinhalb Jahre.

4. »Tausend zweihundertundsechzig Tage.« Offb. 11,3; 12,6. Die jüdische Berechnung des Jahres zu 360 Tagen ergibt genau dreieinhalb Jahre.

Es wurde manchmal gefragt, ob diese Zahl der dreieinhalb Jahre nicht symbolisch zu verstehen wäre. Als Hälfte der Zahl sieben, der Zahl der Vollkommenheit, würde sie andeuten, daß der Antichrist inmitten seiner Laufbahn zertreten würde. Aber da die Bibel achtmal und in vier einander deckenden Wendungen die Zahl dreieinhalb Jahre angibt, so meinen wir, daß sie vorwiegend in buchstäblichem Sinn genommen werden sollte. Anders ließen sich eine solche Betonung und so viele Mittel zur Nachprüfung nicht erklären.

Warum liegt es Gott daran, solch genaue Angaben zu machen? Aus zwei Gründen: Erstens will Er bezeugen, daß Er der Herr ist und bleibt. Er wird es dem Antichristen erlauben, Ihm offen zu trotzen, doch nur für eine sehr kurze, vorausbestimmte Zeit. Zweitens will der Herr den Glauben derer stärken, welche die große Trübsal erdulden müssen. Ohne das Licht der Weissagung würden sie denken, das Böse werde ewig auf Erden siegen. Alle diese Texte sind da, um ihnen zu sagen: »Habt Mut und Geduld: die Herrschaft des Bösen wird nur dreieinhalb Jahre dauern.« Man muß zugeben, dreieinhalb Jahre sind eine lächerliche Zeit für die Dauer eines Weltreichs. Haben wir nicht vor kurzem etwas Ähnliches erlebt?

 

XIV. Welches werden Ende und Strafe des Antichristen sein?

Satan glaubte mit Hilfe des Antichristen zu triumphieren. Aber es ist ihm so wenig gelungen wie einst, da er Joseph als Sklaven verkaufen ließ und Jesus ans Kreuz brachte. Dieser sogen. Triumph wird in Wirklichkeit nur der Sturz des Feindes sein. Hat der Antichrist, indem er allen seine Herrschaft aufzwang, scheinbar der Welt Frieden und Sicherheit gebracht, wird er gezwungen sein, wieder zu den Waffen zu greifen. Am Ende der dreieinhalb Jahre erleidet seine Macht anscheinend einen Einbruch durch eine gewaltige Empörung der Völker, die sich sehnen, sein drückendes Joch abzuschütteln. Dann findet nach der Weissagung der letzte Krieg statt. Er wird weltumfassender sein als alle anderen und bei Harmagedon in Palästina zur Entscheidung kommen. Diese Schlacht wird ein übernatürliches Ende finden: Christus wird auf dem Ölberg erscheinen und Seine Feinde vernichten. Sach. 14, 2‑4. »Der Herr wird den Boshaftigen umbringen durch den Geist Seines Mundes« (allein durch Sein Wort). 2. Thess. 2,8. Und weiter sagt Johannes: »Und das Tier ward gegriffen und mit ihm der falsche Prophet, der die Zeichen tat vor ihm, durch welche er verführte, die das Malzeichen des Tiers nahmen, und die das Bild des Tiers anbeteten; lebendig wurden diese beiden in den feurigen Pfuhl geworfen, der mit Schwefel brannte.« Offb. 19,20. Da werden sie gequält von Ewigkeit zu Ewigkeit. Offb. 20,10. Das wird das tragische Ende des Schreckensmenschen sein, vor dem die ganze Erde erzitterte.

 

XV. Schlußfolgerung.

Kann man nun alle angeführten Texte über den Antichristen betrachten, ohne den Eindruck ihrer Zeitgemäßheit zu gewinnen?

Man sieht, daß wir mit Riesenschritten dem Auftreten dieser Person zueilen. Vergessen wir nicht, wie uns die Schrift vor der fast unwiderstehbaren Verführungskraft warnt, die sie ausströmt. Zweimal fügt sie besonders hinzu: »Wer das liest, der merke drauf…« Matt. 24,15; Offb. 13,9. Die Gläubigen müssen daher unbedingt die nötige Kenntnis von allem haben, was den Antichristen betrifft. Dann werden sie ihn erkennen und sich vor ihm hüten und, wenn vielleicht auch nicht den Leib, so doch die Seele durchretten können. Selbst wenn wir während der dreieinhalb Jahre seiner Herrschaft nicht mehr auf Erden sind, ist es wichtig, daß wir heute schon klar sehen, was sicher geschehen wird. Unsere innere Haltung und unser Wandel werden davon bestimmt sein, und wir werden ganz neuen Antrieb haben, unsere Nächsten, solange es noch Zeit ist, zu warnen. Haben wir schon persönlich zu dieser Frage Stellung genommen?

Entnommen dem Buch DIE WIEDERKUNFT JESU, von Dr. René Pache. – Horst Koch, Herborn, im Jahre 2009.

www.horst-koch.de

info@horst-koch.de

 

 

 

 

image_pdfimage_print