Der charism. Dominionismus

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 Georg Walter

Der charismatische Dominionismus

In den USA ist wie in Deutschland die Trennung zwischen Religion und Staat in der Verfassung verankert. Dennoch sind weite Teile des US-amerikanischen Evangelikalismus von dominionistischem Gedankengut beeinflusst. Dominionisten vertreten die Überzeugung, dass die gesamte Gesellschaft für das Evangelium und christliche Werte erreicht werden muss. In ihrer extremen Ausprägung, die sich nicht damit zufrieden gibt, eine Gesellschaft nach Maßgabe ihres christlichen Verständnisses zu verändern, steht die Errichtung eines Gottesstaates, also einer Theokratie: Eine oder mehrere von Gott berufene Personen verfügen über eine religiös legitimierte Staatsgewalt und regieren eine Nation auf der Grundlage christlicher Überzeugungen.

Im englischsprachigen Raum ist die Lehre, dass die christliche Herrschaft auf alle Gebiete der Gesellschaft ausgedehnt werden soll, unter der Bezeichnung Dominion Theology (Dominionismus), Christian Reconstructionism (Rekonstruktionismus) und Kingdom-Now-Theology (Reich-Gottes-Jetzt-Theologie) bekannt geworden. Man trifft sowohl in der pfingstlich-charismatischen Bewegung als auch unter nicht-charismatischen Evangelikalen auf diese Lehren.

Der große Einfluss der Evangelikalen in den USA auf Politik und Gesellschaft ist nicht vergleichbar mit der des deutschen Evangelikalismus, der bislang im Vergleich zu den USA als unbedeutende Kraft anzusehen ist. Indes hat der Dominionismus auch unter deutschen Evangelikalen – oftmals nur latent – Fuß gefasst; dabei spielt der Einfluss der dominionistischen Strömungen aus den USA auf den deutschen Evangelikalismus eine besondere Rolle.

Über den Einfluss des konservativen Christentums der religiösen Rechten in den USA schreibt der landeskirchliche Beauftragte für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dr. Richard Ziegert: „Hartmut Lehmann… hat eben noch einmal in seiner Einschätzung des… für ihn ‚verblüffenden Transfers von religiösen Motiven in eine religiös fundierte politische Mission unterstrichen’:… ‚Ein Vergleich zwischen der Bedeutung der Religion in Europa und in Amerika ist deshalb so wichtig, weil wir es hier mit zwei völlig unterschiedlichen Ausprägungen des Verhältnisses zur Religion innerhalb der ‚westlichen Welt’ zu tun haben … Während es in Europa … seit den 1960er Jahren zu einer tief greifenden, umfassenden und in den Konsequenzen durchaus radikalen Säkularisierung gekommen ist, spielen religiöse Argumente nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen und politischen Leben in den USA inzwischen eine derart große theatralisch-maskenhafte Rolle, dass… die Trennung von Kirche und Staat, zu fallen scheint.“

Trotz einer Reihe von Beobachtungen Richard Ziegerts, denen man durchaus zustimmen kann, muss man seiner These, dass radikale Evangelikale Deutschland unterwandern, in wesentlichen Punkten widersprechen. Ziegerts Thesen blieben selbst unter evangelischen Pfarrern nicht unwidersprochen. Gerhard Gronauer, ehemaliger Doktorand der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, setzte sich im Deutschen Pfarrerblatt 9/2003 in einem Artikel mit dem Titel Eine Auseinandersetzung mit Richard Ziegerts Fundamentalismusschelte – Ob radikale Evangelikale Deutschland unterwandern? kritisch mit den Ansichten Ziegerts auseinander (im Zuge des von Ziegert veröffentlichten Artikels Die EKD Kirchen angesichts der Globalisierung).

Im Weiteren soll besonders der charismatische Dominionismus der Neuen Apostolischen Reformation ( NAR) beleuchtet und darauf hingewiesen werden, wie so populäre Führer wie C. Peter Wagner und Dutch Sheets die Verbreitung der unbiblischen dominionistischen Theologie in den Evangelikalismus vorantreiben. Bereits im Jahre 1975 empfingen Bill Bright, der Gründer von Campus für Christus, und Loren Cunningham, der Gründer von Jugend mit einer Mission, bei einem gemeinsamen Essen eine „Offenbarung“ von Gott, wonach „die Kultur von sieben Einflüssen oder sieben ‚Bergen’ in der Gesellschaft geprägt ist, die das Denken verändern (mind molders). Wenn wir (Christen) jede dieser gesellschaftlichen Bereiche für Christus verändern können, werden wir unsere Kultur für Christus gewinnen.“

Diese sieben Bereiche der Gesellschaft – auch als die „7 Sphären“ oder „7 Berge“ bezeichnet – sind: (1) Politik, (2) Wirtschaft, (3) Medien, (4) Kunst und Unterhaltung, (5) Bildung, (6) Familie und (7) Religion. Martin Erdmann wirft in seinem Artikel Die Neo-Kuyperianischen Sphären die Frage auf: „War es reiner Zufall, dass Loren Cunningham und Bill Bright fast identische geistliche Visionen hatten, in denen Gott ihnen neue Wege aufschloss, um alle Nationen unter die Herrschaft Gottes zu bringen? Teilte Gott ihnen wirklich ‚gesellschaftliche Kategorien’ mit, die den ‚sieben Sphären des kirchlichen Einflusses’ entsprechen würden? Oder könnte man vielleicht vermuten, dass sich beide die wesentlichen Eckpunkte der Lehren Abraham Kuypers zu eigen gemacht haben?“

Erdmann gibt die Antwort auf diese Frage: „Die letzte Möglichkeit mag das wahrscheinlichere Szenario sein, denn Kuyper ist für die Propagierung des modernen Konzepts der ‚Sphären-Souveränität’ bekannt geworden.“ 4 Und weiter führt Erdmann aus: „Es ist interessant, festzustellen, dass das von Chuck Colson und Nancy Pearcey geschriebene Buch How Now Shall We Live (Tyndale, 1999) als eine der wichtigsten Ressourcen in der Selbstdarstellung dieser Bewegung zitiert wird. Auf dem Weblog des Acton Instituts wird Richard Mouw, Rektor des Fuller Theological Seminary, ebenso als ein Befürworter des Neocalvinismus erwähnt. Obgleich die meisten Christen meinen, dass diese Bewegung sich aus dem Calvinismus entwickelte, wo es ursprünglich tatsächlich Fuß fasste und aufblühte, hat sie sich seit Jahrzehnten im Fuller Theological Seminary eingenistet und Kuypers Lehren grundsätzlich neu gestaltet. Einige Generationen evangelikaler Studenten sind mit dieser neuen Form des Neocalvinismus im Vorlesungssaal konfrontiert worden. Die gesamte evangelikale Welt wurde dadurch nachhaltig beeinflusst.“5 (Hervorhebung durch den Autor)

Der niederländische Theologe, Staatsmann, Autor und Journalist Abraham Kuyper (1837-1920) vertrat die Ansicht, dass es Gottes Ziel war, die Kultur zu verherrlichen. Gottes Gnade war für alle Menschen da und griff ihrer Ansicht nach tatsächlich jeden Tag in die Ereignissen der Geschichte ein. Letztlich sollte die allgemeine Gnade in Form eines irdischen Königreiches Gottes triumphieren. „Sphären-Souveränität“ war die Bezeichnung für die Vorstellung, dass alle Bereiche der Gesellschaft unter Gottes Kontrolle stehen.

In dem oben angeführten Zitat Erdmanns wird der entscheidende Einfluss erwähnt, den das Fuller Theological Seminary auf den gesamten Evangelikalismus hatte (und noch hat). Im Zusammenhang mit dem Fuller Theological Seminary stoßen wir auf eine Person, die einerseits von diesem neovangelikalen Seminar beeinflusst wurde und andererseits den Evangelikalismus entscheidend prägte. Diese Person ist C. Peter Wagner.

C. Peter Wagner (geb. 1930) war zunächst Missionar einer evangelikalen Missionsgesellschaft, für die er in Südamerika tätig war. 1971 wurde er als Dozent für Gemeindewachstum und Weltmission an das Fuller Theological Seminary in Pasadena, Kalifornien berufen. 1981 löste er Donald McGavran als Rektor der Fakultät ab. Beide Männer wirkten überdenominationell und übten enormen Einfluss über die USA hinaus auf globaler Ebene aus.

1982 begegnete C. Peter Wagner dem Gründer der Vineyard Bewegung, John Wimber. Wimber war ein charismatischer Pastor, der die Bedeutung von Zeichen und Wundern in der Evangelisation betonte. Die unter seiner Führung im Jahre 1978 entstandene Bewegung ist unter anderem als die „Zeichen und Wunder-Bewegung“ (signs and wonders movement) bekannt geworden, die bis heute selbst unter Charismatikern nicht unumstritten ist. Zu den 2500 Vineyard Gemeinden weltweit gehören ca. 45 Gemeinden im deutschsprachigen Raum.

Schnell entwickelte sich nicht nur eine Freundschaft zwischen C. Peter Wagner und John Wimber, sondern Wagner öffnete sich dem charismatischen Gedankengut und Geist und sollte einige Jahre später selbst eine neue Bewegung gründen, die als die Neue Apostolische Reformation (NAR) bis heute über eine enorme Anhängerschaft verfügt. Wagner gründete ein „Netzwerk von vollmächtigen Aposteln und Propheten“ und bezeichnete diese Bewegung zunächst als Post-Denominationalismus, also die Zeit nach den christlichen Denominationen (und Kirchen), in der es keine organisierten religiösen Institutionen mehr gibt. 1996 entschied sich Wagner, dieser Bewegung den Namen NAR zu geben. 2008 erfolgte eine weitere Namensänderung: Aus der NAR wurde die USAR, die United States Alliance for Reformation – Allianz für Reformation in den USA, die eine neue Phase der „apostolischen Strategie“ einläuten soll, um die Herrschaft Christi auf Erden zu erreichen.

Die USAR entstand durch „göttliche Offenbarung“ des Propheten Chuck Pierce und wird von C. Peter Wagner als obersten Apostel geleitet. Ihm unterstellt sind die drei Mitgründer Chuck Pierce, Dutch Sheets und Robert Henderson, die seit langem als „Apostel“ und „Propheten“ in der NAR tätig sind. In seinem Buch The Church in the Work Place (Gemeinde in Wirtschaft, Bildung und Politik) beschreibt Peter Wagner, wie die „7 Berge“ oder „7 Sphären“ oder „7 Pforten“ der Gesellschaft transformiert werden können und nimmt Bezug auf Cunningham und Bright (Regal, 2006, S.112).

Der „Apostel“ Os Hillman, Gründer von Reclaiming the 7 Mountains of Culture (ein dominionistischer Dienst, der die „7 Berge der Kultur“ wieder für Gott zurückgewinnen will) hielt vom 6.-8 Februar 2009 eine Konferenz ab unter dem Thema 2009 Church in the Workplace – Reclaim 7 Mountains of Culture International Conference, an der Vertreter von 14 Nationen teilnahmen.

Auf der Webseite von Os Hillman trifft man auf einen Konferenzbericht unter dem Titel: Change Agents Gather in Atlanta, GA USA to Consider Culture Changing Strategies (Change Agents [Erneuerer, Betreiber des Wandels, Innovatoren, ein gängiger New Age Ausdruck!] versammeln sich in Atlanta, um Strategien zu einem Wandel in der Kultur zu betrachten).

In diesem Konferenzbericht heißt es:

„Change Agents aus 13 Nationen und 30 US-Bundesstaaten versammelten sich für die Konferenz 2009 Church in the Workplace – Reclaim 7 Mountains of Culture International Conference. Das Ziel der Konferenz war es, Männern und Frauen zu einem Verständnis zu verhelfen, wie christliche Führer in Wirtschaft, Bildung und Regierung (marketplace) zu Katalysatoren werden, um die Kultur mit ihren 7 strategischen Bergen für Jesus Christus einzunehmen…“

Auf der Webseite des prophetischen Dienstes Elijah List (NAR), wo ebenfalls für diese Veranstaltung geworben wurde, wird deutlich, dass man besonders die junge Generation erreichen will: „In diesem Jahr haben wir besondere Veranstaltungen für alle unter 30 Jahre. BITTE, sofern ihr kommen könnt, bringt eine Person unter 30 Jahren mit. Es gibt für alle Studenten und Personen unter 30 Jahre eine Ermäßigung. Wir müssen die nächste Generation in dieser Botschaft unterweisen. Dies lernen sie nicht in der Schule und nicht einmal in der Gemeinde.”

Die eigentliche Botschaft von Reclaiming the 7 Mountains ist auch bekannt als „Dominion Process“ (Dominionismus-Prozess) und wird folgendermaßen definiert:

„Der Prozess, bei dem Gott die Menschheit gebraucht, Seine Königsherrschaft auf Erden aufzurichten und die Herrschaft (dominion) über die Erde anzutreten. Es ist ein zweifacher Prozess. Erstens, Gott schafft und erlöst eine gesegnete Nachkommenschaft (blessed seed). Dann macht er sich diese gesegnete Nachkommenschaft zu einem Instrument, um Seine Königsherrschaft auf Erden aufzurichten, indem sie (die gesegneten Nachkommen) die Herrschaft (dominion) über die Erde antreten.

Die gesegnete Nachkommenschaft bezieht sich auf die Irrlehre der geoffenbarten Söhne Gottes, die besagt, dass eine neue Generation, eine super-spirituelle Rasse der Endzeit zu ‚Überwindern’ wird, um Satan letztlich von der Erde zu vertreiben.

Eine Hauptaussage dieser Lehre ist, dass die Gemeinde dies mit dem Evangelium alleine nicht zustande bringen kann. Die Gemeinde muss zunächst die Sphären der Gesellschaft beherrschen und den Staat in ihren Dienst nehmen, um die Nationen dieser Welt zu transformieren und zu reformieren.“

Die Personen, die sich der „gesegneten Nachkommenschaft“ zurechnen, bezeichnen sich als „heimliche Agenten“ (stealth agents)! Jesus hatte niemals eine geheime Evangelisationsstrategie im Sinn, als er seine Jünger mit dem Auftrag in diese Welt sandte, das Evangelium zu verkünden. Offen sandte er sie aus, und offen sollten sie das Evangelium verkünden.

Der „Prophet“ Dutch Sheets, langjähriger Weggefährte von C. Peter Wagner und Mitbegründer der neuen apostolisch-prophetischen Allianz (USAR), verschickte eine Reihe von E-Mails, in denen er den Dominionismus der NAR propagierte. Darin wird die dominionistische Strategie sehr deutlich, die 7 Sphären oder 7 Berge der Gesellschaft für Christus einzunehmen. Neben den 6 säkularen Sphären (Bildung, Wirtschaft…) gehört auch die 7. Sphäre der Religion zu den gesellschaftlichen Bereichen, die es zu erobern gilt.

Bei Dutch Sheets wird besonders deutlich, wie er die Sphäre der Religion als Brücke versteht, die diese spirituelle Sphäre mit den 6 säkularen Sphären verbindet. Eine neue christliche Religion entsteht. Dutch Sheets schrieb bezüglich einer Einladung zu einer Konferenz vom 30. März – 2. April 2008 unter anderem:

“Lasst mich Euch einige Statistiken mitteilen, von denen ich glaube, dass sie alarmierend sind. In der Generation meines Urgroßvaters wurde uns gesagt, dass 65% der Menschen echte Gläubige waren, sie nannten sich nicht nur Christen, sondern besuchten regelmäßig ihre Gemeinden und engagierten sich für Christus. In der Generation meines Vaters sank diese Zahl von 65% auf 35%. Heute in meiner Generation sind es noch 15%. Aber die alarmierendste Statistik ist, dass es unter der jungen Generation (USA) wahrscheinlich gerade noch 4% sind, die sich als wahre Nachfolger Jesu betrachten…. Trotz der Aufbrüche und Erweckungen, trotz der charismatischen Bewegung usw. haben wir viel an Boden verloren.
Ich bin kein Schwarzseher… Ich glaube, dass Gott dabei ist, eine große Erweckung in den USA zu schenken….
Ich glaube, dass dies bald geschieht. Ich glaube, es wird etwas in Bewegung setzen, was ich Reformation nenne…

Als ich den Herrn suchte, gab er mir einige Strategien…
Ich möchte in den nächsten Monaten vier oder fünf oder vielleicht sechs Dinge beginnen, von denen ich glaube, dass der Herr sie gebraucht um Erweckung und Reformation zu bringen…
Einige von euch wissen, was die USAR ist, einige von euch wissen es nicht. Man kann kein Mitglied der USAR werden. Es ist kein neues apostolisches Netzwerk, dem man sich anschließen kann und dem gegenüber man verantwortlich ist. Es ist einfach eine Strategie, die der Herr mir offenbarte, als ich auf eine Offenbarung von Chuck Pierce einging, der mir sagte: ‚Ich glaube, der Herr wird eine Strategie geben, einen neuen Weinschlauch – der die apostolische und prophetische Bewegung und die Gebetsbewegung miteinander verbinden wird, damit alle diese Dinge zusammenwirken können…

Eines der Bilder, die Gott mir im Zusammenhang mit der USAR gegeben hat, war Israel. Jeder Stamm sollte über sein Gebiet herrschen… Wir haben Regionen, Städte und Staaten, die Gott uns zugewiesen hat.
Ich glaube, ich bin an einem Punkt in meinem Dienst angelangt…, wo Gott mir mehrere Strategien gibt und sie zusammenfließen lässt, um sie umzusetzen.

Einige dieser Strategien sind natürlich nur auf Deinen Bundesstaat ausgerichtet. Chuck Pierce, ich und andere wollen es für Dich auf den Punkt bringen, indem wir Dir sagen: ‚Hier können wir Dir helfen, die prophetische Salbung freizusetzen, damit Gott seine Strategien usw. offenbart.’ Was wäre, wenn ich sagen würde, dass Gott mir eine Strategie gegeben hat, wonach wir mindestens 1 Million junge Menschen pro Jahr freisetzen, damit sie ein Verständnis dafür bekommen, dass sie in die verschiedenen Bereiche unserer Kultur ausgesandt sind, um durch Gott jenen Bereich zu verändern?

In letzter Zeit wurde viel über die 7 Berge oder Säulen unserer Gesellschaft oder Kultur gesprochen, die alles andere beeinflussen: Religion, Familie, Kunst und Unterhaltung, Medien, Bildung, Regierung und Wirtschaft. Wir wissen, dass wir unsere Gesellschaft verändern können, wenn es uns gelingt, jeden dieser Berge zu verändern und das Reich Gottes wirklich bauen.

Was wäre, wenn ich sagen würde, dass Ihr jedes Jahr 1 Million junger Leute in diese Berge aussenden könntet mit einer echten Offenbarung von Gott, dass sie dorthin berufen sind…
Das wären 10 Millionen junge Leute in den nächsten zehn Jahren… Wir haben eine Strategie und wir werden sie dieses Jahr auf der Konferenz der USAR (USAR) kundtun…

Was wäre, wenn ich sagen würde, dass wir 23 Bundesstaaten ausgesondert haben, die eine gerechte Wurzel haben, die wir berufen und gebrauchen können, so wie Chuck Pierce es in seiner Vision gesehen hat.

Mit anderen Worten, diese Staaten haben etwas, was Gott dort getan hat – durch den Geist hat Er eine Wurzel dort geschaffen, die Leben freisetzen kann…

Wir glauben, dass es davon 23 Bundesstaaten gibt und dass es 27 Bundesstaaten gibt, die keine gerechte Wurzel haben. Was wäre, wenn ich sagen würde, wir haben einen Plan und setzen ihn in diesen 23 Staaten um, damit Erweckung und Reformation entsteht?…

Ich glaube und ich bin sehr davon überzeugt, dass Gott uns einen Plan gegeben hat, mit dem wir diese jungen Leute anstecken (infect) können, damit sie verstehen, dass sie berufen sind, diese Berge zu transformieren…”

C. Peter Wagner, Dutch Sheets und viele andere Vertreter der NAR propagieren und praktizieren seit Jahrzehnten die sogenannte geistliche Kriegführung, wonach dämonische Mächte ganze Städte, Regionen und sogar Staaten beherrschen und durch Gebetskampf, Jesu-Märsche und stellvertretende Buße besiegt werden müssen. Ist dieser Sieg über die territorialen Mächte der Finsternis erst einmal errungen, so diese charismatische Sonderlehre, ist der Weg frei für den Lichtglanz des Evangeliums: Menschen werden offen für die Frohe Botschaft und bekehren sich. Zu Recht muss die Frage nach der Effektivität dieser Methode gestellt werden, wenn Sheets nach Jahrzehnten geistlicher Kriegführung einräumen muss, dass es alarmierend ist, dass gerade noch 4% der Jugendlichen als echte Jünger Jesu gelten.

Der charismatische Dominionismus lehrt, dass das Zentrum jeder Gesellschaft der „Marktplatz“ (marketplace) ist, ein spezieller Ausdruck, den diese Bewegung für die Geschäftswelt, das Bildungswesen und die Regierung prägte. Diesen „Marktplatz“ gilt es für Christus zu gewinnen. Ein Ziel ihrer Strategie ist es, dass die christlichen Führungskräfte des Marktplatzes (marketplace leaders) dies als ihre Berufung erkennen. Für diesen Zweck wurden kommerzialisierte Missionswerke (marketplace ministries) geschaffen, d.h., christliche Missionswerke, die für kommerzielle Absichten instrumentalisiert werden. Das Lausanne Komitee für Weltevangelisation hat 2004 ein Dokument mit dem Titel Marketplace Ministry (Paper No 40) veröffentlicht, in dem eine lange Liste von ca. 40 kommerziellen Missionswerken aufgeführt ist.

Seit Jahrzehnten empfangen die Apostel und Propheten der NAR und anderer apostolisch-prophetischer Netzwerke und Bewegungen in und außerhalb der USA Visionen, Prophetien, Träume und Offenbarungen über eine kurz bevorstehende Mega-Erweckung. Immer neue Offenbarungen und Strategien werden einer leichtgläubigen charismatischen Zuhörerschaft präsentiert, und stets wird der Eindruck vermittelt, dass jeder, der sich die „Visionen“ der Apostel und Propheten zu eigen macht, an einer besonderen Berufung oder Salbung Gottes teilhat. Dieser elitäre und triumphalistische Geist macht die Zuhörer blind für den Ratschluss des geoffenbarten Wortes Gottes.

Zu den populärsten Vertretern der dominionistischen Szene, die mit ihren Lehren in Form von Büchern oder Konferenzen in Deutschland Fuß gefasst haben, gehören Rick Joyner (Morning Star Ministries), C. Peter Wagner (NAR/USAR), Cindy Jacobs (Generals International), Bill Hamon (Christian International Ministries Network), Dutch Sheets (NAR/USAR), Ed Silvoso (Harvest Evangelism), Che Ahn und Lou Engle (The Call), Loren Cunningham (Jugend mit einer Mission), Bob Jones und Paul Cain (Kansas City-Propheten) sowie Mike Bickle (Kansas City Fellowship/ IHOP).

Judas ermahnte die Empfänger seines Briefes für den „ ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben“ (Judas 3) zu kämpfen. Der christliche Glaube hat seine Grenzen in dem überlieferten oder geoffenbarten Wort Gottes. Das Griechische macht sehr deutlich, dass der Glaube „ein für allemal“ (gr. hapax) in Form der Heiligen Schrift überliefert wurde und dass es darüber hinaus keine weiteren Offenbarungen mehr gibt. Der ein für allemal überlieferte Glaube stellt einen einmaligen, abgeschlossenen Vorgang dar und fand seinen Abschluss mit der Niederschrift der Offenbarung.

Die sogenannten Apostel und Propheten beharren jedoch auf der Behauptung, dass Gott ihnen über das geschriebene Wort Gottes hinaus „neue“ Offenbarungen, Visionen und Träume gibt. Die unzähligen falschen Prophetien sind ein hinreichender Beweis dafür, dass sie aus ihrem eigenen Herzen reden. In den vielen nichtssagenden und allgemein gehaltenen Weissagungen ist nichts enthalten, was Gottes Wort nicht schon sagt. Und letztlich warnte Jesus in seiner Endzeitrede vor falschen Propheten und Wunderwirkern und unterweist uns, auf die Früchte von Menschen zu achten, denn daran erkennt man wahre und falsche Propheten und Lehrer.

Die angestrebte Verschmelzung der christlichen Gemeinde mit dem „Marktplatz“ im Allgemeinen und der Wirtschaft im Besonderen soll nach dominionistischer Lehre die Transformation der Erde ermöglichen. Nicht Christus schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde, sondern eine elitäre, vollmächtige Gemeinde – oder genauer gesagt, eine ganz besondere Elite von Aposteln und Propheten.

Regelmäßig tauchen neue Prophetien und Lehren auf, die die „Strategie des Planes Gottes“ entfalten sollen. Längst ist auch die Vermarktung von Konferenzen, Büchern und Lehrmaterial (Audio/DVD) zu einem milliardenschweren Markt vorangeschritten. Das auch in der NAR so populäre Wohlstandsevangelium tut das Seinige dazu. Vielleicht dämmert jetzt dem einen oder anderen der Sinn der Schriftstelle: „Denn eine Wurzel allen Übels ist die Geldliebe, nach der einige getrachtet haben und vom Glauben abgeirrt sind.“ (1Tim 6,10)

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