Atheismus

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Richard Wurmbrand

ATHEISMUS – EIN WEG ?

Teil I:
Die Auffassungen über Gott sind sehr verschieden

Teil II: 35 Beweise der Existenz Gottes

  1. Das kosmologische Argument
  2. Das Argument vom Vorhandensein des Gottesgedankens in unserem Verstand
  3. Das theologische Argument
  4. Das historische Argument
  5. Das sittliche Argument
  6. Das Argument von der Bewegung
  7. Das Argument von den Prophetien
  8. Das Argument vom Denken auf höchster Stufe
  9. Das Argument von der Existenz der Glaubensfunktion
  10. Das Argument von der Voreingenommen­heit des menschlichen Verstandes
  11. Das Argument von der Tatsache der Unzwangsläufigkeit
  12. Das Argument von den Naturgesetzen
  13. Das Argument von den Ausnahmen bei den Naturgesetzen
  14. Das Argument von Wundern
  15. Das Argument von der Ausdehnung des Universums
  16. Das Argument vom zweiten Gesetz der Thermodynamik
  17. Das Argument von der Existenz von Gene
  18. Das Argument von der Existenz radioaktiver Elemente
  19. Das Argument von der Existenz schwarzer Löcher
  20. Das Argument von der Abstufung in allen Dingen
  21. Das metaphysische Argument des Anselm von Canterbury
  22. Das Argument von der Komposition aller Dinge in der Natur
  23. Das Zeugnis der besten Exemplare aller Dinge in der Natur
  24. Das Zeugnis von Wissenschaftlern
  25. Der Beweis von großer Kunst
  26. Das Zeugnis von Bauern
  27. Das Zeugnis von Tiererfahrungen
  28. Der Beweis von der Stillung unserer Bedürfnisse
  29. Der Beweis von künstlichen Satelliten
  30. Der Beweis von der automatisierten Industrie
  31. Der Beweis von erhörten Gebeten
  32. Das Argument von der Notwendigkeit eines ewigen Geistes
  33. Der Beweis von der Existenz des Bösen
  34. Das Argument vom Glauben eines Menschen
  35. Das Argument von der Unmöglichkeit, das Gegenteil zu beweisen
Teil I:
Die Auffassungen über Gott sind sehr verschieden

Ein Philosoph konfrontierte Rabbi Levi Yitzak von Berditschew einmal mit Argumenten, die die Existenz Gottes widerlegten. Der Rabbi hörte ihm lange und tief in Gedanken versunken zu; plötzlich blickte er sei­nem Gesprächspartner ohne Umschweife in die Au­gen und sagte leise: »Und was, wenn es doch wahr wäre, daß es Gott gibt? Sagen Sie mir, was wäre, wenn es doch stimmte?«
Der Philosoph war von diesen Worten mehr betrof­fen als von all den Argumenten für die Religion, die er bislang gehört hatte. Er erkannte, daß er in Gefahr war, und wurde gläubig, da er zum ersten Mal seine Verwundbarkeit und Verantwortlichkeit vor einem wirklichen Gott spürte.

*

Ein armer Mensch bekam eine Uhr geschenkt, die erste, die er je besessen hatte. Er war sehr stolz dar­über, bis eines Tages seine Freude angesichts der Er­kenntnis verblaßte, daß sie nicht die richtige Zeit an­zeigte.
Er brachte die Zeiger dem Uhrmacher zur Repara­tur. – »Aber ich brauche die ganze Uhr!« sagte der Uhr­macher.
Der Arme antwortete aufgebracht: »Sie wollen die ganze Uhr nur, damit Sie mehr Geld für die Reparatur verlangen können. Die Uhr ist vollkommen in Ord­nung. Nur die Zeiger müssen repariert werden.«

*

Auch im Leben läßt sich kein Problem isoliert lö­sen, ohne das Ganze zu berühren. In der Medizin nennt man das »Ganzheitsmethode« oder »Psychoso­matik«, die Erkenntnis, daß Körper, Seele und Geist im Krankheitsfalle oder bei Beschwerden mit betrof­fen sind. Ein guter Arzt behandelt nicht das Ge­schwür, sondern seine Ursache. Die Lösung sozialer Probleme muß ebenfalls die ganze Person mit einbe­ziehen, oder ein Scheitern ist so gut wie sicher.

Niemand ist eine Insel, isoliert von Familie, Gesell­schaft oder Universum. Das Gefühl zu jemandem oder zu etwas zu gehören, ist nicht nur für das Wohlbe­finden wesentlich, sondern ist eine unwiderlegliche Tatsache des Seins.

Die Frage ist, zu wem wir gehören.
Gibt es ein höheres Wesen, jemanden, der über uns steht? Gibt es vielleicht einen Gott, dem wir angehö­ren? Wir wollen diese Frage sine ira et studio angehen, ohne den religiösen beziehungsweise den atheisti­schen Standpunkt zu bevorzugen oder hinten anzustel­len.
Jede einseitige Untersuchung eines Problems ist ge­fährlich. Nur wer beide Seiten hört, sieht klar. Ein ein­seitiger Mensch bleibt im dunkeln.

Lenin hat einmal gesagt: »Um ein Problem wirklich zu kennen, müssen wir alle seine Aspekte und Zusam­menhänge ins Auge fassen und studieren. Wir werden das nie vollkommen erreichen können, doch die Be­mühung, alle seine Aspekte abzuwägen, bewahrt uns vor Irrtum und Täuschung.«
Es ist daher falsch und antileninistisch seitens kom­munistischer Länder, wenn sie nur atheistische Bü­cher als Lektüre zulassen. In anderen Ländern sind so­wohl religiöse als auch antireligiöse Bücher frei erhält­lich.

Mao schrieb: »Nur eine Seite von etwas zu sehen, bedeutet im Absoluten zu denken; bedeutet Probleme metaphysisch zu betrachten.« Da Kommunisten Geg­ner der Metaphysik sind, sollen sie doch die freie Mei­nungsäußerung gestatten!

Ein altes Sprichwort sagt: »Bewahre uns, Herr, vor einem Menschen, der nur ein einziges Buch liest!« Ich würde mich vor einem Menschen, der nur ein Buch liest, hüten, selbst wenn dieses Buch die Bibel wäre.

Ein Frosch in einem Brunnen sagte: »Der Himmel ist nicht größer als die Öffnung des Brunnens.« Rich­tig wäre es gewesen, wenn der Frosch gesagt hätte: »Der Teil des Himmels, den ich sehe, ist so groß wie die Öffnung des Brunnens.«

Der Himmel, den Atheisten von ihrer begrenzten Warte aus sehen, enthält keinen Gott, so wie der Him­mel manch eines engstirnigen Gläubigen kein Ver­ständnis für den Standpunkt des Atheisten birgt. Der Himmel ist jedoch selbst in der Naturwelt weitaus grö­ßer als der kleine Ausschnitt, den wir sehen.
Wir wollen daher unsere Sicht vergrößern und auf einer Stufe, die sich von der herkömmlichen Weisheit vergangener Jahrhunderte unterscheidet, über den Glauben an Gott kontra Atheismus sprechen.

*

Der italienische Schriftsteller Dino Buzzati erzählt folgende Legende: Iblis, der Todesengel, erschien Ein­stein, als dieser gerade an seiner Relativitätstheorie ar­beitete, und sagte: »Deine Zeit ist abgelaufen. Du mußt mir in die andere Welt folgen.« Einstein erbat sich eine Frist von einem Monat, innerhalb der er sein Werk vollenden wollte. Die Frist wurde gewährt. Nach Ablauf des Monats bat Einstein um einen weite­ren.
Schließlich beendete er sein Werk und ging getreu der Vereinbarung in einer Dezembernacht in den Park, um den Todesengel zu treffen. Einstein, der kei­nen persönlichen Ehrgeiz für Erfolg, Ruhm und Geld hegte, war damit zufrieden, daß er der Wissenschaft gedient hatte.
Iblis fragte ihn: »Hast du deine Arbeit beendet?«  –  »Ja.«

»Dann kannst du dableiben. Ich habe kein Interesse mehr an dir. Ich habe dich mit der Vorstellung des bevorstehenden Todes erschreckt, damit du schneller ar­beitest. Ich bin der Bote des Teufels. Ich weiß, daß du lauteren Herzens gearbeitet hast. Aber auf der Grund­lage dessen, was du entdeckt hast, werden Raketen und Killersatelliten entwickelt werden, um die Erde und ihre Bewohner zu zerstören. Wir fördern die Ent­wicklung einer Pseudowissenschaft, die nicht nur auf Wahrheit und Liebe ausgerichtet ist, sondern auch auf die Werke des Bösen. >Nur schnell, schnell< ist unsere Devise.«

Der Teufel möchte nicht, daß wir viel Zeit mit Nach­denken verbringen. Er hat einen Widerwillen gegen Tiefe. »Schicke uns nicht in die Tiefe«, baten die Teufel Jesus (Lukas 8:31).
Hierin sind sie ganz anders als Gott, der Oberfläch­lichkeit meidet und sich vor den Tiefen nicht scheut (Psalm 18:11).
»Schnell, schnell!« drängt der Teufel. »Baut Häuser, Städte, Staaten, Reiche, kulturelle, wissenschaftliche und politische Einrichtungen, Kirchen und Missio­nen! Tut große Dinge und tut sie schnell! Vergeudet eure Zeit nicht mit Feinabstimmungen oder Einzelhei­ten! Denn so könnt ihr mir bei der Entfachung des Feuers, des kosmischen Holocaust, der Götterdäm­merung behilflich sein, in der von Gottes Schöpfung nichts übrigbleiben wird.
Unser Dämonenheer wird als einziges überleben, und dann wird Gott uns wieder aufnehmen und nach unseren Bedingungen mit uns Frieden schließen müs­sen« (Buzzati).

Dieses Buch ist für jene gedacht, die nicht in Eile und, die, ehe sie ein Haus bauen oder einen Kampf austragen, sich zuerst hinsetzen, die Kosten berech­nen und über die letztlichen Konsequenzen dessen, was sie tun, nachdenken, so wie Jesus es gelehrt hat (Lukas 14:28, 31).
Jahrelang saß ich allein und, wegen schwerer Ket­ten, nahezu unbeweglich in einer sehr kleinen Gefäng­niszelle, ohne Bücher und Papier und ohne jemals mit jemandem sprechen zu können. Ich konnte nur den­ken. Ich konnte nur in die Tiefen zu dringen versuchen. Sei still und lausche!

*

Manche glauben an Gott und manche nicht. Man­che sagen anderen, sie sollen glauben oder nicht glau­ben. Einige gehen noch weiter: Sie versuchen andere zum Glauben oder Nichtglauben zu zwingen. Im Iran läßt Khomeini Menschen töten, weil sie nicht an Gott glauben; in Rußland werden Menschen von Kommu­nisten getötet, weil sie an Gott glauben.

Erwarten Sie daher keine einfache Lösung der Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht. Wenn es eine einfache Lösung gäbe, wäre diese Frage schon längst aus der Welt geschafft.

Der Streit ist um ein Wort, das Wort »Gott«, obwohl bezüglich des Begriffes »Gott« Einheit herrscht.

Im Hebrä­ischen gibt es den Ausdruck »Wort« nicht. Statt dessen wird das Wort »Davar« verwendet, welches »das Wirk­liche« oder auch »der Grund« bedeutet. – Unsere Sprache dient nicht dazu, Wirkliches zu übermitteln oder Gründe aufzudecken. Unsere Worte sind daher zerbrechliche Gefäße, die häufig in den Untiefen von Mißverständnissen und Uneinigkeit versinken. Kluge Worte kommen aus tiefem Schweigen.

Die Wirklichkeit übersteigt Streitigkeiten. Die Wirk­lichkeit übersteigt sogar Standpunkte für oder gegen die Wahrheit. Wenn einer Gott ist, kann Er sich selbst verteidigen.

Selbst jene, die für Gott sprechen, reden oft zuviel. Sie bemerken nicht, wenn sie, von Gott redend, dazu übergehen, von Seinen Eigenschaften zu sprechen. Eigenschaften, Attribute! Das lateinische Wort »Attri­but« bedeutet: jemandem etwas zuschreiben. Das Wort an sich zeigt schon, daß es nicht über Gott spricht, wie dieser an sich ist. Wenn es Ihn gibt, dann ist Er sicher nur wie Er ist (Exodus 3:14), und nicht so, wie wir meinen und sagen.

»Der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Es sei vor ihm stille alle Welt!« (Habakuk 2:20), heißt es in der Bibel.
Nur die Schweigsamen können die Wahrheit sa­gen, wenn sie, sehr selten, von Gott sprechen.
Es gibt eine letzte Wahrheit. – Wäre es daher nicht aufrichtig, wenn wir nach einer besseren letzten Wahrheit Ausschau halten als nach der, daß es keine letzte Wahrheit gibt?

Auf die Frage, ob es einen Gott gibt, würde der Atheist antworten: »Ein vernünftiger Mensch glaubt nur an das, was er sieht.«

Wenn man den Atheisten um eine genauere Erklä­rung ersuchen würde, würde dieser zweifelsohne seine Behauptung ein bißchen ändern. Offenbar glaubt auch er an die Sonne, auch wenn diese nicht scheint, an die Liebe, auch wenn er sie nicht spürt, oder an sei­nen Verstand, den er nicht sehen kann. Er glaubt an Behauptungen von Wissenschaftlern über Galaxien oder Mikropartikel sowie den Erklärungen von Histo­rikern über Ereignisse der Vergangenheit.

Prüfe selbst, ob es eine gewisse Antipathie ist, die dich Gottes Existenz ablehnen läßt. Furchtbares ist im Namen Gottes getan und große Dummheiten sind als Seine angebliche Offenbarung gepredigt oder ge­schrieben worden. »Gott« ist wirklich ein beflecktes, menschliches Wort. In Seinem Namen sind Standbil­der von Ungeheuern für heilig erklärt worden. In Sei­nem Namen sind Religionskriege, oft die erbittertsten und heftigsten, ausgefochten worden. In Seinem Na­men wurden Inquisitionen durchgeführt. Soldaten im Nationalsozialismus trugen Koppelschlösser mit der Aufschrift »Gott mit uns«.

Aus diesem Grund rufen Gläubige nie jemanden zu dem Wort »Gott«, sondern zu der Wirklichkeit, die »Gott« benannt wird. Es ist wichtig, sorgfältig zwi­schen Name und Wirklichkeit zu unterscheiden. Wer nicht gut unterscheidet, kann auch nicht gut denken.

Wir gebrauchen viele falsche Bezeichnungen in un­serer Sprache. „Glaube an Gott“ könnte auch eine fal­sche Bezeichnung sein. Mit Gott müssen wir den wah­ren Gott meinen, und nicht ein Phantasiegebilde.

Die Auffassungen über Gott sind sehr verschieden

Manche glauben an Gott nur als »den großen Baumeister des Universums«. Das ist eine neutrale Vor­stellung. Jeder hat recht, Juden, Christen, Moslems, Buddhisten. Einige haben überhaupt kein Dogma. Nicht nur, daß sie keine Wahrheit hätten; sie weigern sich ent­schieden, sie zu haben.

Lessing hat geschrieben: »Wenn Gott die ganze Wahrheit in seiner Rechten und den lauteren und stets aktiven Drang zur Wahrheit in seiner Linken hielte, obgleich mit dem Zusatz, mich immer und ewig zu täu­schen, und wenn er zu mir sagen würde: >Wähle!<, würde ich demütig in seine Linke fallen und sagen: >Vater, gib ihn mir! Die reine Wahrheit gebührt nur Dir allein.«< (G. E. Lessing, Duplik, 1977, Gesammelte Werke; V, 100)

Jeder normale Mensch möchte genau wissen, wel­ches Essen gut für ihn ist und welches giftig, welche Arznei ihn von seiner Krankheit heilt und welche sie verschlimmert. In der Mathematik und Wissenschaft möchten wir die Wahrheit wissen. Was die Religion an­belangt, erklären manche: »Wir wollen sie nicht. Kein Dogma, das heißt keine eindeutige Wahrheit in Sa­chen Religion!« Sie glauben lediglich an den großen Baumeister des Universums, der offensichtlich nicht groß genug ist, sich vorzustellen.

Wer immer sagt: »Ich lehne die Möglichkeit, bezie­hungsweise den Wunsch, zu einer unzweideutigen Wahrheit zu gelangen, ab«, erklärt damit: »Ich habe eine letzte Wahrheit, und es ist wünschenswert, daß man sie kennt. Diese ist, daß es keine letzte Wahrheit gibt.« Damit sind wir wieder an unserem Ausgangs­punkt angelangt.

Es gibt eine letzte Wahrheit. – Wäre es daher nicht aufrichtig, wenn wir nach einer besseren letzten Wahrheit Ausschau halten als nach der, daß es keine letzte Wahrheit gibt?

*

Auf die Frage, ob es einen Gott gibt, würde der Atheist antworten: »Ein vernünftiger Mensch glaubt nur an das, was er sieht.«

Wenn man den Atheisten um eine genauere Erklä­rung ersuchen würde, würde dieser zweifelsohne seine Behauptung ein bißchen ändern. Offenbar glaubt auch er an die Sonne, auch wenn diese nicht scheint, an die Liebe, auch wenn er sie nicht spürt, oder an sei­nen Verstand, den er nicht sehen kann. Er glaubt an Behauptungen von Wissenschaftlern über Galaxien oder Mikropartikel sowie den Erklärungen von Histo­rikern über Ereignisse der Vergangenheit. Er würde sich sodann korrigieren: »Ein vernünftiger Mensch glaubt nur an das, was er selbst oder andere sehen kön­nen. Wenige haben beispielsweise Zugang zu atoma­ren Anlagen oder riesigen Sternwarten, aber manche haben die Dinge gesehen. Deshalb kann ich daran glauben.

Der Gläubige könnte daraufhin sagen: »Wir befin­den uns in derselben Lage. Wenige nur können be­haupten, sie seien heilig oder sie hätten ein reines Herz, was die Voraussetzung ist, um Gott zu schauen. Manche haben jedoch Gott geschaut. Die alten Propheten sagen, daß sie Gott geschaut hätten. Jesus hat gesagt, Er komme von Gott. Deshalb können wir glauben.«

Ich weiß, daß es das Land Tibet gibt, obwohl ich es noch nicht gesehen habe. Ich weiß, daß manche Men­schen sehr gütig sind, wenn auch nur vom Hörensa­gen: ich glaube, daß es meinen Gott gibt, auch wenn ich selbst Ihn noch nie gesehen habe.

Wie viele Zeugen haben wir dafür, daß Hannibal oder Dschingis-Khan tatsächlich gelebt haben? – Nur sehr wenige, aber dennoch haben wir keinen Zweifel daran. Für die Existenz Gottes gibt es wesentlich mehr Zeugen.

In der Nacht sehen wir viele Sterne am Himmel; sie verschwinden jedoch von unserer Sicht, sobald die Sonne aufgeht. Können wir behaupten, tagsüber seien keine Sterne am Himmel? Wenn wir Gott nicht sehen können, durchlaufen wir vielleicht gerade die Nacht der Unwissenheit in dieser Sache. Es ist vorei­lig, zu behaupten, es gäbe Ihn nicht.

Prüfe selbst, ob es eine gewisse Antipathie ist, die dich Gottes Existenz ablehnen läßt. Furchtbares ist im Namen Gottes getan und große Dummheiten sind als Seine angebliche Offenbarung gepredigt oder ge­schrieben worden. »Gott« ist wirklich ein beflecktes, menschliches Wort. In Seinem Namen sind Standbil­der von Ungeheuern für heilig erklärt worden. In Sei­nem Namen sind Religionskriege, oft die erbittertsten und heftigsten, ausgefochten worden. In Seinem Na­men wurden Inquisitionen durchgeführt. Soldaten im Nationalsozialismus trugen Koppelschlösser mit der Aufschrift »Gott mit uns«.

Aus diesem Grund rufen Gläubige nie jemanden zu dem Wort »Gott«, sondern zu der Wirklichkeit, die »Gott« benannt wird. Es ist wichtig, sorgfältig zwi­schen Name und Wirklichkeit zu unterscheiden. Wer nicht gut unterscheidet, kann auch nicht gut denken.

*

Wir gebrauchen viele falsche Bezeichnungen in un­serer Sprache. „Glaube an Gott“ könnte auch eine fal­sche Bezeichnung sein. Mit Gott müssen wir den wah­ren Gott meinen, und nicht ein Phantasiegebilde.

Es gibt die Wahrheit. Es gibt die Wahrheit über die Wahrheit, die, um von den Menschen verstanden zu werden und um der Unwahrheit entgegenzuwirken, angepasst, verändert und gemildert wird. Dann gibt es die Darstellung der Wahrheit über die Wahrheit in leicht verständlicher Form auf verschiedenen Ebenen, damit sie von Kindern, Unwissenden, ge­wöhnlichen Menschen und Genies verstanden werden kann. Dies Ganze wird die Wahrheit über die Wahrheit über die Wahr­heit. Sie einfach »Wahrheit« zu nennen, ist eine falsche Bezeichnung. Nur die Wahrheit ist die Wahrheit, nicht ihre Anpassung oder menschliche Sprachhülle.

Wer kann die Wahrheit fassen? Wer weiß genug über sie, um sie in Abrede zu stellen? Sie übersteigt unsere Standpunkte und Spekulationen.

Plato hat geschrieben: »Ein Mensch muß sieben Jahre still für sich forschen, bis er die Wahrheit erfährt, aber er braucht vierzehn Jahre, um zu lernen, wie er sie seinem Nächsten vermitteln kann.«

Ich weiß nicht, warum Plato gerade die Zahl vier­zehn wählte. Warum beschloß Alexandre Dumas, daß der Held in seinem Roman »Der Graf von Monte Christo« ebenfalls vierzehn Jahre im Gefängnis sitzen sollte?

Nachdem ich vierzehn Jahre eines auf fünfundzwan­zig Jahre lautenden Urteils abgesessen hatte, wurde ich unerwartet aus der Haft entlassen. Geschah das deshalb, weil ich meine Lektion gelernt hatte und nun wußte, wie ich die Wahrheit lehren sollte?

Gott ist die Wahrheit. Jesus sagte: »Ich bin die Wahr­heit.« Die Bibel ist ebenfalls die Wahrheit, und sie spricht von der Schönheit der Heiligkeit Gottes. Fromme Menschen nennen die Kirche die Säule der Wahrheit.

Werde ich nach vierzehn Jahren Gefängnis in der Lage sein, diese Wahrheit auf ansprechende und über­zeugende Art zu vermitteln?

*

Die Welt ist komplizierter, als es den Anschein hat. Die Wirklichkeit ist schwerer zu deuten, als wir es glau­ben möchten. Unser Wissen ist weniger zuverlässig, als wir meinen. Eine allgemein als wahr angenom­mene Behauptung kann möglicherweise nur relativ ge­sehen wahr sein, da die Wahrheit viele Seiten hat.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die klassische Ge­schichte von den Blinden und dem Elefanten: Auf die Frage, wie er sich einen Elefanten vorstellte, hatte je­der Blinde eine andere Antwort. Einer befühlte das Bein des Elefanten und sagte: »Der Elefant ist so et­was wie ein Baum.« Ein anderer tastete den Rüssel des Elefanten ab und sagte: »Ein Knochen«. Ein drit­ter ergriff den Schwanz und sagte: »Eine Schlange«! Kein einziger von ihnen hatte jedoch eine Vorstellung davon, wie ein Elefant in Wirklichkeit aussieht.

Nur die vollkommene Seele kann die Wahrheit ganz und absolut sehen, und das nur, wenn sie das ganze Universum in einem einzigen Akt ewigen Wissens überblickt.

Meinte Jesus das, als Er sagte: »Selig sind, die rei­nes Herzens sind; denn sie werden Gott schauen« (Matthäus 5:8), Gott, in dem alle ihr Sein und ihr Tun haben?

Gott schauen? Gibt es einen Gott?

*

Gott ist Gott. Unter dem Begriff »Gott« verstehen wir eine allmächtige Person beziehungsweise Macht, die das All lenkt und die das Objekt unserer positiven oder negativen Gedanken und Gefühle ist. Ich bin das Subjekt, Er ist das Objekt.

Wenn ich so über Ihn denke, stellen sich große Wi­dersprüche ein.

Warum verhindert Er nicht Erdbeben, Wirbel­stürme, Kriege, Blutvergießen, Armut und Sünde, wenn Er allmächtig und auch barmherzig ist? Wenn Er die Macht hat, Unheil abzuwenden, und es trotzdem nicht tut, hat Er keine Entschuldigung.

Viele Juden sagen: »Ich habe geglaubt, bis Millio­nen von uns von Hitler vergast wurden. Soll sich doch Gott jetzt ein anderes Volk aussuchen!«

Gott hat keine Entschuldigung. Vielleicht braucht Er keine. Entschuldigt sich ein Töpfer bei dem Ton für das, was er aus ihm formt; dafür, daß er das von ihm Geformte in den brennenden Ofen schiebt, damit es hart wird?

Gottes Kraft ist in der Tat von ganz anderer Art. Es gibt viele Arten von Kraft: nukleare, atomare, kalori­sche, elektrische, mechanische, geistliche.

Gott ist Geist. Seine Macht muß daher geistlicher Art sein. Diese Energie unterscheidet sich von ande­ren Energiearten insofern, als sie keinen Zwang aus­übt. Sie ist keine zwingende Ursache, der eine be­stimmte Wirkung folgen muß.

Vielleicht ist Er allmächtig in Seiner Macht zu über­zeugen, zu lehren, zu überreden, Beispiele zu geben, eine von Erziehern, Pfarrern und Schriftstellern ver­wendete Macht. Gott zwingt die Menschen nicht, gut zu sein, aber Er zeigt Seine Allmacht dadurch, daß Er ein kleines Kind in einer Krippe wird, ein Wanderpre­diger, der Liebe oder Haß auslöst, ein Mensch, der zwischen Räubern gekreuzigt wird und alles mit Liebe erduldet. Und aufgrund Seines höchsten Opfers hat Er die Macht, viele Menschen in vielen Ländern für Liebe und Güte zu gewinnen.

Gott ist nicht eine Art Supermann, der immer als deus ex machina erscheint, um Menschen in Not zu retten. Er ist vielmehr ein allmächtiges, gelassenes, heiteres, geduldiges Wesen, das Menschen überzeugt, eben diese Eigenschaften aus Seiner freigebigen Hand entgegenzunehmen.

Es gab einen Zeitpunkt, da Er ein Wort sprach und das ursprüngliche Chaos ein geordnetes Universum wurde. Er hauchte einer sog. Lehmfigur den Odem ein, und sie wurde eine lebendige Seele.

Er trat mit Seinen Geschöpfen in Verbindung, und sie wurden Heilige.

Er hat die Macht, zu den Menschen durchzudrin­gen, zu ihnen zu sprechen, sie zu überzeugen, zu ver­ändern und in alle Ewigkeit glücklich zu machen.

Ihre Glückseligkeit rührt nicht daher, daß sie von all ihren Mühsalen befreit würden, sonder daher, daß sie in ihrem Wesen so werden wie Er.

Gott ist nicht eine Macht in dem Sinne, daß Er ei­nen Menschen vor dem Sterben bewahrt (obwohl es solche Ausnahmen gegeben hat). Tatsache ist, daß uns das Leben oft wie eine Harpyie reitet, ein Stachel und eine Plage. Beim Sterben aber lockert sie ihren Griff, und wir sehen sie verwandelt in Gestalt eines schönen Mädchens. Alles Leiden, das wir erduldet haben, wird ein Grund zur Freude.

Jesus, der menschgewordene Gott, wollte ungeach­tet all Seiner Macht im Himmel und auf Erden äußere Umstände nicht ändern, einen sehr schmerzhaften Tod am Kreuz nicht umgehen. Indem Er Sein Schick­sal mit Liebe und Vergebung annahm, zeigte Er viel­mehr, daß wir den Tod nicht zu fürchten brauchen. Ist diese Angst einmal überwunden, wird das Leben selbst reicher, wie Er es jenen verheißen hat, die Ihm nachfolgen.

Es ist ein großer Nachteil, wenn man Gott nicht kennt, aber ein noch größerer Nachteil ist es, wenn wir die falschen Schlüsse aus unserem Irrtum ziehen.

In gewisser Hinsicht ist das ganze Leben ein Wagnis, da wir als Menschen nicht die Zukunft voraussagen können. Ich weiß nicht, ob die Heirat, die ich erwäge, mich glücklich machen wird, und ich weiß auch nicht, ob ich glücklicher wäre, wenn ich ledig bliebe. Ich weiß nicht, was mir die Laufbahn, die ich eingeschla­gen habe, bringen wird. Ich weiß nicht mit Bestimmt­heit, ob das Essen, das ich gerade verspeist habe, mir bekommen wird: Aber wir alle treffen Entscheidun­gen, gestützt auf Vermutungen.

Laßt uns bezüglich der Existenz Gottes ebenso vor­gehen.

Laßt uns »spielen«, wie Blaise Pascal vor­schlägt. Dieser sagt tatsächlich: »Wenn ich mein Ver­trauen in Gott setze und dieser nicht existiert, verliere ich nichts außer die sündigen Annehmlichkeiten, auf die ich verzichten muß und die in jedem Fall schädlich sind. Wenn es Ihn aber gibt, oh, dann habe ich ewige Freude gewonnen.«

Bereits im Jahre 1912 schrieb Lenin in einem Brief an Gorki: »Millionen von Gewaltakten, Krankheiten und Epidemien sind weniger gefährlich als der geringste Gedanke an einen Gott … Gott ist der persönliche Feind der kommunistischen Gesell­schaft.«

Lenin schrieb auch: »Religion ist eine Art geistli­cher Wodka, in dem die Sklaven des Kapitals ihre menschlichen Merkmale und ihre Ehrfurcht vor ei­nem irgendwie würdevollen menschlichen Leben er­tränken.« Einige Menschen denken wie er; andere im Gegenteil glauben an Gott.

Für dich mag es vielleicht zweifelhaft sein, ob es ei­nen Gott gibt, aber die folgende jüdische Geschichte gibt es mit Sicherheit:

Ein Rabbi stellte einem Mann in seiner Gemeinde folgende Frage: »Zwei Männer kommen in ein Haus durch den Kamin. Der eine von ihnen ist schmutzig, der andere sauber. Welcher von beiden wäscht sich?«

Der Jude antwortet: »Zweifellos der schmutzige.«

»Nein«, sagt der Rabbi. »Da der schmutzige Mann sieht, daß der andere sauber ist, vermutet er, daß auch er sauber sei. Der saubere Mann, der am anderen den Schmutz sieht, glaubt, daß er schmutzig sei, und wäscht sich.«

»Jetzt habe ich eine zweite Frage«, fährt der Rabbi fort. »Zwei Männer kommen in ein Haus durch den Kamin. Der eine von ihnen ist schmutzig, der andere sauber. Welcher von beiden wäscht sich?«

Der Jude antwortet: »Jetzt weiß ich es: der sau­bere.«

»Nein«, sagt der Rabbi. »Der saubere Mann be­trachtet prüfend seine Hände und seine Kleidung und sieht, daß sie sauber sind. Warum soll er sich da wa­schen? Der andere Mann sieht, daß er überall schmut­zig ist, und wäscht sich.«

Der Rabbi stellt eine dritte Frage: »Zwei Männer kommen in ein Haus durch den Kamin. Der eine ist sauber, der andere schmutzig. Welcher wäscht sich?« Verzweifelt sagt der Jude: »Beide!«

»Falsch«, antwortet der Rabbi. »Wenn zwei Männer durch einen Kamin kommen, wie kann da einer sau­ber bleiben? Hast du nicht gemerkt, daß die Frage tö­richt ist?«

Jedes menschliche Fragen nach Gott ist töricht. Wenn es keinen intelligenten Schöpfer gäbe, gäbe es auch kein intelligentes Wesen, das Fragen stellt oder den intelligenten Schöpfer verneint. Gott existiert ganz einfach. Selbst die Behauptung, daß es Ihn gibt, ist eine Herablassung auf die Unsinnigkeit gewöhnli­chen Denkens.

*

Ich spreche über Gott. Wenn es einen Gott gibt und ich Sein Geschöpf bin; so ist das reine Verwegenheit. Er ist ein ewiger Geist, während ich ein Mensch aus Fleisch und Blut bin. Er ist ewig, während ich vergäng­lich bin.

Andererseits, wenn es keinen Gott gibt, bin ich das Produkt des zufälligen Zusammentreffens von Mole­külen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß dieses Zufallsprodukt die Wahrheit kennt?

Wenn der Atheismus recht hat, wenn es keinen ewi­gen Gott und kein ewiges Leben gibt, wenn wir als Folge zufälliger Bewegungen von Molekülen der Ma­terie entstanden, die auch nur als Zufall vorhanden ist, wenn der Tod sowohl für den Ungläubigen als auch den Gläubigen das Ende bedeutet, wenn letztlich nicht bloß die ganze Menschheit, sondern auch die Erde und das ganze Universum in einem Prozeß na­mens Entropie »den Bach hinuntergehen« wird, ist al­les nichtig.

Die ganze Geschichte wird ein Ende haben, ohne daß eine einzige Seele übrig bleibt, die sich dafür inter­essieren würde, was mit der Menschheit in der kurzen Zeitspanne, in der sie zufällig existierte, geschehen ist.

Wenn es einen Gott gibt, braucht Er nicht verteidigt zu werden. Wenn es Ihn nicht gibt, wen greife ich an? Ein Hirngespinst? Warum stellen wir nicht andere Märchen in Frage?

Den Glauben an Gott angreifend, erweist der Atheismus sich selbst einen schlechten Dienst.

Ein russischer Bauer wurde gefragt: »Glauben Sie an Gott?« Er sagte: »Ja, natürlich.«

»Warum glauben Sie an Ihn? Haben Sie Ihn schon einmal gesehen?«

»Nein, aber ich habe auch noch nie einen Japaner gesehen. Ich glaube aber, daß es Japaner gibt, weil un­sere Armee gegen sie Krieg geführt hat. Und ich glaube an Gott, weil unsere Regierung einen so erbit­terten Krieg gegen Ihn führt. Kämpfen Sie gegen ein nichtexistentes Wesen?«

*

Ich weiß, es ist anmaßend von mir, über dieses Thema zu schreiben. Doch obwohl ich ängstlich zur Feder greife, glaube ich, daß mich nahezu fünfzig Jahre des Studiums und der Meditation über dieses Thema zu der Hoffnung ermächtigen, daß ich einen nicht ganz unbedeutenden, wenn auch geringen, Bei­trag auf diesem Gebiet leisten kann.

Dieses Buch ist vermutlich nicht für jedermann von Interesse. Ein Musikstudent sagte vor dem Empire State Building, einem der höchsten Gebäude in New York, zu seinem Freund: »Wie schön das Kind da drü­ben auf der anderen Straßenseite pfeift!« Sein Ge­fährte wunderte sich. »Wie kannst du das bei all dem Lärm hören?« Der Musiker warf eine Münze auf das Pflaster. Sogleich traten mehrere Personen hinzu. Der Beweis war erbracht: Jeder hört das, was ihn interes­siert.

Die an Geld interessiert sind, hören das Klimpern einer Münze. Die an Musik Interessierten hören sogar das Rascheln von Blättern, die der Wind aufwirbelt. Die nach der Wahrheit dürsten, werden in diesem Buch etwas Nützliches finden.

Das, was ich schreibe, ist nur für Menschen, die nach Wissen stre­ben, die das Licht der Wahrheit der Dunkelheit der Unwissenheit vorziehen.

Manche glauben, die Existenz Gottes sei nur eine ethische Frage: Wir brauchen die Vorstellung von Gott, weil ohne sie die Moral zusammenbricht.

Ungarische Kommunisten drehten einen Film mit dem Titel »Die Spiralleiter«. Er handelt von einem Ehemann mit zwei Kindern. Als guter Kommunist und guter Arbeiter wird er von der Partei für kulturelle Zwecke von einer Provinzstadt nach Budapest geschickt. Infolge der in Budapest herrschenden Woh­nungsnot muß er eine Zeitlang seine Familie zurück­lassen. Er verliebt sich in seine Sekretärin und läßt seine Familie im Stich.

In einer Szene – er ist gerade mit seiner Geliebten im Bett – fragt er: »Hast du keine Gewissensbisse, daß du meine Familie entzweist?«

Sie antwortet: »Als ich ein Kind war, lehrte man mich, meine Leidenschaften zu bezähmen, weil es eine Belohnung im Königreich des Himmels für dieje­nigen gäbe, die so handeln, und eine Strafe in der Hölle für diejenigen, die nicht so handeln. Ich glaube aber nicht mehr an solche Dinge. Warum sollte ich dann auf meine Lust verzichten oder mir wegen deiner Familie Sorgen machen?«

Dostojewski hat es bereits in den »Brüdern Karama­sow« gesagt: »Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt.« Es wäre daher wohl wünschenswert, Gott zu er­finden, wenn es Ihn nicht gäbe, damit die Ge­sellschaft funktionieren und überleben kann.

»So nicht«, antwortet Jesus überraschend. »Wenn es keinen Gott und keinen Himmel gibt, soll es jeder wis­sen. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich’s Euch gesagt.« (Johan­nes 14.2)

Angenommen, Gott existiert nicht, sollen wir, da es keinen Meister, keinen Richter gibt, die wenigen Freu­den, die das Leben bietet, so schnell wie möglich aus­kosten? Auch eine andere Schlußfolgerung ist mög­lich.

*

Im siebzehnten Jahrhundert, als der Atheismus im jüdischen Volk noch nahezu unbekannt war, sagte ein Jude zu seinem Rabbi: »Ich glaube nicht an Gott.«

Da umarmte ihn der Rabbi und sagte: »Wie ich dich beneide! Um deinen Seelenzustand ist es so viel besser bestellt als um meinen. Wenn ich einen Menschen sehe, der krank, arm oder in Not ist, tröste ich mich mit dem Gedanken: >Gott wird ihm schon helfen!< Da du aber nicht an Gott glaubst, mußt du ihm helfen. Es liegt allein an dir, das zu tun, was Gott täte, wenn es Ihn gäbe. Lebe so, und du wirst Licht finden.«

Als mein Sohn Mihai etwa fünf Jahre alt war, sagte er etwas ähnliches: Er hörte, wie ich für eine arme Fa­milie betete. Er unterbrach mich: »Warum das Pro­blem Gott sagen? Greif in die eigene Tasche und gib dein Geld den Armen!«

*

Gott hat alles erschaffen, und alles existiert durch Seine selbstexistente Macht. »Denn in Ihm leben, we­ben und sind wir« (Apostelgeschichte 17:28).

Nur Er existiert wahrhaft. Die Sprache zwingt mich, mich selbst mit »ich« anzureden, doch eigentlich hätte nur Gott das Recht, das Wort »Ich« zu sagen. Ich exi­stiere nur »in Ihm.« Wissenschaftler, Gläubige wie auch Atheisten, sind sich einig: »Es gibt nur einen.« – Wer ist dieser eine?

*

Gibt es einen Gott oder nicht?

Niemand weiß, warum die Schöpfung entstanden ist, und warum das Universum sowohl aus Materie als auch Geist besteht.

Atheisten und Gläubige wissen auf viele Fragen keine Antwort.

Viele werden aufgrund der zahlreichen unbeantwor­teten Fragen zu Atheisten.

Die Menschheit ist vom Jagen mit Pfeil und Bogen und vom Töten mit einem Stein zum Vernichten mit ei­ner Atombombe übergangen. Wo ist Gott in diesem Bild? Sartre scheint recht zu haben, wenn er die Beob­achtung macht, daß »die Geschichte voranschreitet, ohne um sich selbst zu wissen«, sonst hätte sie diesen blutigen Weg nicht eingeschlagen.

Die Bibel sagt, daß Gott kein Unrecht sehen kann. Wie kann Er dann den Anblick dieser schlechten Welt ertragen und sie in ihrer Schlechtigkeit weitermachen lassen?

Des weiteren sagt die Bibel, daß kein Mensch le­bend Gott schauen kann (2. Mose 33:20). Doch sie vervollständigt diesen Gedanken ein paar Verse weiter unten, indem sie sagt, daß wir nur Seine Rückseite se­hen können (Vers 23). Während die Zukunft für uns ein Rätsel bleibt, können wir Ihn nur in vergangenen Ereignissen sehen.

Christen glauben, daß am Ende der Geschichte ein Licht scheinen wird, das alles Vergangene erhellt. Doch der vor uns liegende Weg ist schwer und die Ant­wort liegt in weiter Ferne. Die Dunkelheit von heute läßt den Atheismus nicht nur in kommunistischen Län­dern entstehen, sondern auch in vielen Teilen der west­lichen Welt.

Wenn es in der Heiligen Schrift heißt, daß Gott Jona von einem Fisch verschlingen ließ (Jona 2,1), könnte Er vielleicht auch diese große Flut des Atheismus vor­bereitet haben, die so viele Menschen verschlingt?

Atheisten bemerken, daß Christen beten: »Dein Reich komme.« Der gewöhnliche Mensch kann nicht ermessen, wie schrecklich es für einen König sein muß, ohne ein Königreich zu sein.

Wie viele Menschen scharen sich um die entthron­ten Könige Rumäniens, Bulgariens, Griechenlands oder des Iran? Warum sollen wir uns da wundern, daß Gott nicht mehr Anhänger hat? Es ist vielmehr ein Wunder, daß Er überhaupt so viele Ihn Liebende hat! Er ist der einzige König ohne Königreich, den Millio­nen Menschen preisen und anbeten.

Da Er ein König ohne Königreich ist – zumindest ei­nes in dieser Welt sichtbaren Königreiches -, bedeutet das Mit-Gott-Sein anscheinend, daß man vieler Freu­den beraubt ist.

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt Jesus von einem jungen Mann, der vom rechten Weg abkam und dann wieder in sein Vaterhaus zurückkehrte. Vol­ler Freude ließ der Vater Musikanten kommen und aus diesem Anlaß ein Fest geben. Als der ältere Bruder des verlorenen Sohnes von der Arbeit kam und die Musik hörte, erkundigte er sich nach dem Grund. Mu­sik war in seines Vaters Haus selten zu hören.

Musik ist auch in unserem Vaterhaus selten. Die Ihm treu sind, stöhnen unter ihrem schweren Kreuz. Können wir jemandem Vorwürfe machen, der den Weg schweren Leidens meidet und den von Glück und Freude vorzieht? Nachtigallen und Lerchen möchten lieber singen.

Nicht für jede atheistische Einstellung trägt der Atheist die Schuld.

Niemand tritt einem Glauben bei. Man schließt sich dem Gläubigen an. Wenn Menschen unseren Glauben nicht annehmen, könnte dies auch daran liegen, daß die Christen selbst ihn nicht praktizieren.

Von Jesus steht geschrieben, daß Er Gottes Eben­bild ist (Hebräer 1:3), doch Er entäußerte sich dessen (Phìlipper 2:7). Christen beten, daß Sein Name gehei­ligt werde, weil Er selbst nicht genug um Seinen guten Ruf bedacht zu sein scheint. Da Er sich erniedrigt, kann man es Atheisten in gewissem Sinne nicht ver­übeln, wenn sie in Ihm nicht den König erkennen.

Aber nicht nur Gott ist schwierig zu verstehen. Die ganze Wirklichkeit ist unfaßbar. Ein Atom ist ein Rät­sel, desgleichen eine Pflanze, ein Mensch, ein Talent.

Christen opfern für Christus ihren Intellekt, wie sie ihre Zeit, ihr Geld, ihr Leben opfern. Sie sind ohne Begierde. Sie sind mit dem zufrieden, was sie verste­hen können. Bezüglich des Rests begnügen sie sich da­mit, das Geheimnis als Geheimnis anzunehmen.

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Der Atheismus hat seine guten Gründe. Doch die Menschen entwickeln viele Arten, mit der Wirklich­keit umzugehen. Die Religion dürfte ebenfalls einige gute Gründe haben. Willst du sie nicht in Betracht zie­hen?

Wenn nicht, dann nimm bitte zur Kenntnis, daß wir bereit sind, deinen Mut zu würdigen, besonders wenn du in einer christlichen Umgebung lebst.

In einer Ansprache vor Schülern führte ein Bischof einmal folgendes Beispiel für sittlichen Mut an: »Ein Junge, der vor allen anderen im Schlafsaal niederkniet und betet, ehe er zu Bett geht.« Sodann fragte er die Jungen, ob sie sich noch ein anderes Beispiel vorstel­len könnten. »Ja«, piepste da ein Stimme.»Ein Bi­schof, der in einem Schlafsaal voller Bischöfe in sein Bett hüpft, ohne vorher zu beten.«

Atheisten sollten andererseits gewillt sein, den Mut von Gläubigen anzuerkennen.

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Ein aus Uganda zurückgekehrter Missionar er­zählte folgende Geschichte:

Seine Kirche veranstaltete einen Bazar. Doch an­statt die Geschenke zuvor zu Dekorationszwecken ab­zugeben, brachten die Gläubigen sie erst am Sonntag­morgen. Als der Gottesdienst aus war, und der Missio­nar den Berg von Geschenken betrachtete, glaubte er, etwas zu hören. Er schaute das Kirchenschiff hinunter und erblickte ein kleines afrikanisches Mädchen.

Der Missionar fragte: »Möchtest du mich spre­chen?« Sehr scheu trat das kleine Mädchen vor und sagte: »Bitte, ich möchte auch etwas geben!« Darauf­hin zog es eine Tasche unter seiner armseligen Klei­dung hervor, öffnete sie und holte eine Handvoll Sil­ber und Gold nach der anderen heraus, bis sich ein ganzer Silberberg auf dem Tisch angesammelt hatte, der mehr wert war als all die anderen Geschenke zu­sammen.

Der Missionar sagte: »Das hättest du nicht tun sol­len. Sag uns, woher du das Geld hast, und wir werden es zurückbringen!«

Da brach das Kind in Tränen aus. »Es gehört alles mir.« Der Missionar rief aus: »Das kann doch nicht dein Geld sein. Dazu bist du viel zu arm.«

Es stellte sich heraus: Das Mädchen hatte sich als Sklavin verkauft, um der Kirche Geld zu spenden.

Selbstaufopfernd wie Gott zu werden, so zu wer­den, wie Gott wäre, wenn es Ihn auf Erden gäbe, ist ein ausge­zeichneter Weg, Gott zu finden. Das hat der Rabbi empfohlen. Hast du es je versucht?

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Auch die biblischen Vorstellungen von Gott stellen nicht alle Menschen von heute zufrieden. In der Heiligen Schrift sind Vorstellungen von Gott enthalten, die nur für einen kleinen Teil der Gesellschaft annehmbar sind. Je mehr man sich in die Bibel vertieft, um so größer werden tatsächlich die Schwierigkeiten.

Die Richter Jesu konnten sich auf die gegen Ihn aussagenden Zeugen nicht verlassen, weil sie in einigen Details unterschiedlicher Meinung waren. Aber auch kein einziger Seiner Chronisten sagt die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

Der heilige Paulus gibt offen zu, daß er die Wahrheit seiner Zuhörerschaft anpaßt: Den Juden ist er wie ein Jude, und denen, die ohne Gesetz sind, wie einer, der ohne Gesetz ist (l. Korinther 9:20,21). Er gesteht auch, daß er unterschiedliche Dosen von Wahrheit verabreicht: geistliche Milch für die einen und kerniges Fleisch für die anderen.

Wenn man sich mit der Heiligen Schrift in ihren Originalsprachen beschäftigt, nehmen die Schwierigkeiten zu. Gott wird »kadosh« ‑ heilig ‑ genannt. Im Hebräischen bedeutet dieses Wort jedoch auch »lasterhaft.« Gott eignet sich eine zweideutige Bezeichnung zu.

Er mag vielleicht einen guten Grund dafür haben; nämlich um zu zeigen, daß Er sich in Seiner Barmherzigkeit mit den schlechtesten Menschen identifiziert, und daß sie Zugang zu Ihm haben können.

Doch das vereinfacht es für einen Atheisten nicht, Ihn anzunehmen.

Was soll ein Mensch, der den Frieden liebt, mit einem Seiner Namen »Herr der Heerscharen« oder einfacher »Gott der Heere« anfangen?

Was soll einer, der die Tugend liebt, mit der Tatsache anfangen, daß Männer wie David und Jehu in der Bibel gepriesen werden, die weit davon entfernt waren, Beispiele für Tugendhaftigkeit zu sein?

Im Alten Testament, das ja zur Zeit Christi die ganze Bibel war, ist vieles nicht einfach zu verstehen. Warum waren Tieropfer nötig? Warum beschloß Gott nach dem Sündenfall von Adam und Eva, sie in Felle zu kleiden? Warum wurde Abels Opfer ‑ ein unschuldiges Lamm ‑ von Gott angenommen und Kains Opfer der Früchte des Feldes abgelehnt? Warum war es viele Jahrhunderte später, als die jüdischen Sklaven sich anschickten, Ägypten zu verlassen, notwendig, das Blut eines Lammes auf die Türschwellen und Türpfosten zu streichen, um gerettet zu werden?

Außerdem lesen wir, daß Gott Dürren und Hungersnöte über das Land kommen ließ. Einmal schickte Er einen Todesengel, der in einer Nacht ein assyrisches Heer von 185.000 Mann zerschlug.

Als die Israeliten unter der Führung Josuas, der von Gott zu Moses Nachfolger bestimmt worden war, in das Land Kanaan zogen, wurde ihnen befohlen, nicht nur Männer und Frauen zu töten, sondern auch Kinder.

Als ich die Geschichten von Josua meinem sechsjährigen Sohn vorlas, meinte dieser: »Gott hat diese Dinge befohlen, ehe Er Christus wurde.«

Wir mögen vielleicht über diese Erklärung eines Kindes lachen, aber es gab eine Zeit, da Gott Grausamkeit zugeschrieben wurde ‑ im Gegensatz zu Christus, der Seine Liebe offenbarte. Warum dieser Unterschied?

Um das Ganze noch mehr zu komplizieren, hat die Kirche in ihr Arsenal der Wahrheit noch andere Dinge aufgenommen, wie Kardinal Newman selbst schreibt: »Die Benutzung von Kirchengebäuden, und diese wiederum bestimmten Heiligen geweiht und zeitweilig mit Baumzweigen geschmückt, Weihrauch, Lampen und Kerzen, Votivgaben bei Genesung von einer Krankheit, Weihwasser, Zufluchtsstätten, Feiertage und Kirchenjahr, die Benutzung von Kalendern, Prozessionen, Wettersegen, Meßgewänder, die Tonsur, der Ring bei der Eheschließung, das Sich‑nach‑Osten Wenden, spätere Bildnisse, vielleicht der Kirchengesang und Kyrieeleison, sind samt und sonders heidnischen Ursprungs und durch ihre Aufnahme in die Kirche angesegnet worden.«

Wir geben somit zu, daß es für einen Atheisten nicht leicht ist, zu Gott zu kommen. Wir können den Atheisten gut verstehen. Er ist nicht allein, wenn er sich schwierige Fragen in bezug auf Gott stellt. Gläubige und sogar Heilige haben weit mehr über Ihn gefragt, als Atheisten dies jemals tun.

Die heilige Theresa von Avila, eine der hingebungsvollsten Lehrerinnen der christlichen Kirche, die das viele Leid beobachtete, welches dem Gläubigen widerfährt, sagte: »Oh, mein Herr, wie wahr ist es doch, wenn man sagt, daß du, sobald dir jemand einen Dienst erweist, ihn mit großer Drangsal belohnst.« Hiob und David beklagten sich bei Gott wegen ähnlicher Ungerechtigkeiten.

Christen wissen etwas Besseres, als zu behaupten, sie hätten alle Antworten und das ganze Licht. Sie geben nicht nur das Vorhandensein von Licht und Fin­sternis zu, sondern auch das von Zwielicht. Wenn Jesus davon spricht, »voll des Lichtes« zu sein, meint Er damit lediglich »den hellen Schein einer Kerze« (Lukas 11:33), und nicht starke Scheinwerfer oder Laserstrahlen.

Das Christentum steht unter Dauerstress, bedingt durch ungelöste Probleme. Jeder Christ ist ein Kreuzträger. Wenn er kein anderes Kreuz zu tragen hat, erträgt er quälende Fragen, die bis zu seinem letzten Atemzug eine Last für ihn sind. Was das Ganze noch schwieriger macht, ist der Umstand, daß er nicht einmal jetzt nach einer Antwort sucht, da er weiß, daß die Antworten außerhalb dieser Welt liegen.

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Als Kaiphas, der Hohepriester und Richter Jesu, mit Zeugen konfrontiert wurde, die sich gegenseitig widersprachen, besaß er die Weisheit, Jesus direkt zu fragen. Das ist auch die einzige Lösung unserer Probleme. Jesus lebt heute und man kann Ihn fragen. Stelle deine Fragen Ihm direkt! Ich habe das so gemacht und eine erstaunliche Antwort bekommen:

Es ist offensichtlich, daß es Gott nicht gibt. Wie könnte ein liebender und allmächtiger Gott die Auschwitz- und Gulag‑ Vernichtungslager anordnen oder gar zulassen? Man gelangt jedoch nur dann zur Wahrheit, wenn man das Offensichtliche aufgibt. Es ist offensichtlich, daß die Erde sich um die Sonne dreht. Die ganzen Erfahrungen der Menschheit bestätigen diese »Tatsache«. Wir haben die Wahrheit jedoch nur entdeckt, indem wir das Offensichtliche in Frage stellten. Es ist auch offensichtlich, daß wir in einer materiellen Welt leben. Die Wahrheit ist, daß wir in einem leeren Raum leben, in dem Elementarteilchen umherschwirren, die, im Verhältnis zu ihrer Größe, so weit voneinander entfernt sind wie die Erde von der Sonne.

»Es mag daher offensichtlich sein, daß es Gott nicht geben kann, aber suche die Wahrheit außerhalb des Offensichtlichen.«

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An diesem Punkt sollte es klar geworden sein, daß ich so manches Argument gebracht habe, das Atheisten nie anführen. Ich habe das aus einem Übermaß an Liebe für sie getan. Die Wahrheit ist, daß die meisten Atheisten überhaupt kein Argument haben.

Jonathan Swift hat geschrieben: »Es ist sinnlos, wenn wir versuchen, mit logischen Gründen einen Menschen aus einer Sache heraus zu ziehen, in die er sich nie hineingedacht hat.« Deshalb werde ich alle oben aufgeführten atheistischen Argumente nicht beantworten.

Es könnte den Anschein haben, daß manche Menschen zufällig Atheisten sind, so wie andere zufällig Gläubige sind. Tatsächlich sind Atheisten oft nicht einmal so sehr Gottesleugner als vielmehr Menschen, die sich von Gott verleugnet fühlen. Sie suchen dann Vernunftgründe für ihre tragische Situation.

Sie sind wie der Fuchs in Äsops Fabel, der, als er die Trauben betrachtet, die er nicht erreichen kann, zu dem Schluß kommt: »Sie sind sicher sauer. Ich will sie gar nicht haben.« Viele leugnen Gott, weil sie Ihn nicht erreichen können.

Und so werde ich einfach sagen, daß es Gott gibt. Wir müssen das wegen der Armut der menschlichen Sprache wiederholen, obgleich wir erkennen, daß es eine Tautologie ist, wenn man sagt: »Gott existiert.« Im Worte »Gott« ist bereits »Existenz« mit einbegriffen.

Simone Weil, die tiefgründige jüdisch‑christliche Schriftstellerin, hat gesagt: »Wenn auf einer völlig von der übrigen Welt abgeschnittenen Insel nur Blinde le­ben würden, wäre Licht für sie dasselbe wie das Übernatürliche für uns. Licht wäre nichts für sie. Licht schlägt nicht, ist nicht schwer und kann nicht gegessen werden. Für sie würde Licht schlichtweg nicht existieren.«

Doch ob die Blinden das Licht nun erkennen oder nicht, das Licht macht es, daß Pflanzen und Bäume, ‑ trotz des Gesetzes der Schwerkraft, in die Höhe wachsen. Ohne Licht würden wir nichts zu essen haben.

Im Kino kann man alle Arten von Ereignissen stundenlang auf der Leinwand verfolgen. Wenn plötzlich das Licht ausfällt, gibt es keine Ereignisse mehr. Obwohl das Licht mit dem Filmgeschehen nichts zu tun haben mag, gibt es ohne Licht keine Handlung.

Blinde haben nur vier Sinne anstatt fünf wie andere Menschen. Könnte einem Atheisten nicht ein Sinn fehlen, den Gläubige besitzen? Für den Blinden würde Licht dem Reich der Metaphysik angehören. Für einen Atheisten ist der Glaube an die Existenz Gottes, der für Christen so natürlich ist wie der Glaube an die Existenz alles anderen, gleichfalls eine metaphysische Vorstellung.

Gläubige betrachten Gott nicht als eine Art Versicherungsgesellschaft, die ihnen Sicherheiten gegen die Mißgeschicke des Lebens anbietet. Er bietet vielmehr die Herausforderung, Ihn in Liebe und Selbstaufopferung nachzuahmen.

Er ist weder ein Allheilmittel gegen alles Böse noch der Löser aller Probleme. Er, der die Liebe und die Wahrheit ist, beruft Menschen zu dem großen Abenteuer, die Gipfel zu erklimmen und andere zu erheben. Die Religion fordert einen auf, zu kämpfen und zu opfern. Religion, die nicht das Tragische mit einschließt, ist nicht Religion.

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Nach all diesen Ausführungen fordern wir Atheisten auf, ihre kleinen Egos beiseite zu legen, wenn sie die Wahrheit erkennen wollen. Das Ich hat keinen Platz bei der Suche nach Wahrheit.

Welcher Krankheitskeim würde sich ‑ wenn er denken könnte ‑ mit Pasteur verbünden? Er würde ihn für einen Hitler halten. Wenn dieser Krankheitskeim aber erkennen könnte, daß seine Benützung bei Tierversuchen und seine Vernichtung nötig sind, um eine bessere Welt zu schaffen, die über seine Erfahrungen hinausgeht, würde er vielleicht bereitwillig sein Schicksal aufnehmen.

Was, wenn unser Leiden ein Opfer ist, das für eine höhere Sache notwendig ist? Noch besser ‑ was, wenn unser irdisches Leiden in dieser armseligen Welt uns befähigt, all die Freuden und Vorteile dieses Opfers in einer jenseitigen Existenz zu erkennen, der wir durch sie teilhaftig werden?

So kann ich einen Gott verstehen und Ihn nicht nur in Seinem Schöpfungswerk anbeten, sondern auch in Seinem Zerstörungswerk. Wir beten Ihn als den Einen an, der tötet und Leben spendet (l. Samuel 2:6), der zerstört und aufbaut, und zwar in dem Prozeß der Errichtung Seines ewigen und glorreichen Königreiches, an dem wir Gläubige, die wir heute leiden müssen, eines Tages teilhaben werden.

Es ist belustigend, wenn ein Kind, das man zwingt, Möhren und Erbsen zu essen, weil diese Vitamine enthalten, fragt: »Warum hat Gott die Vitamine nicht in Süßigkeiten und Eiskrem gegeben?« Ein Kind kann entschuldigt werden, daß es die anstehenden Probleme nicht versteht.

Erwachsene sollten jedoch das Gute nicht mit dem rein Angenehmen verwechseln.

Falsche Vorstellungen entstehen, wenn man nur die Existenz dieses Lebens zugesteht. Das ist so, wie wenn einer von Bangladeschs hilflosen Millionen behaupten würde: » Es gibt nur ein Leben des Hungerleidens. Ein besseres Leben kann es nicht geben.« Oder wie wenn ein Embryo im Mutterleib zu dem Schluß käme: »Dieser finstere Ort ist die ganze Existenz. Außerhalb dieser wässerigen Schutzhülle gibt es kein Leben.«

Wir verzweifeln, wenn wir unsere Existenz auf das enge, von unseren Sinnen wahrgenommene und nur vom Verstand erfaßte Gefängnis beschränken. Mit der Zeit bezweifeln wir nicht nur die Möglichkeit eines anderen Lebens, sondern wir wollen es nicht einmal mehr, wie ein im Hungerstreik befindlicher Mensch nach den ersten fünf oder sechs Tagen jegliches Hungergefühl verliert.

Wir haben die Sicherheit, daß es ein anderes Leben gibt, weil es einen Gott gibt, der es schenken kann.

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Christen wissen, daß Gott verborgen bleibt, auch wenn Er sich in der Bibel offenbart hat. Das lateinische Wort »revelatio« hat zwei Bedeutungen, nämlich Offenbarung und Wiederverdeckung. Christen wissen über die Herrlichkeit, die hinter dem Schleier verborgen ist.

Lakaien sind oftmals besser gekleidet als Prinzen. Für die meisten Menschen ist das Wirkliche und Fühlbare verlockender als ein unsichtbarer Gott. So entstand der Götzendienst. Wir aber wollen uns nicht vom Schein verführen lassen, ganz gleich wie augenfällig oder schön er sein mag. Wir suchen den Unsichtbaren, der das Sichtbare mit soviel Glanz versehen hat.

Wir freuen uns über das wenige, das wir über Ihn wissen können, auch wenn wir dem heiligen Bonaventura beipflichten, der gesagt hat: »Ouod de Deo scire possimus, quid non fit, non quid fit« ‑Wir können über Gott nur das wissen, was Er nicht ist und nicht das, was Er ist.«

Andere Denker sind zu demselben Ergebnis gelangt. Nikolaus von Kusa hat gesagt: »Der Verstand weiß, daß er Dich nicht kennt, weil er weiß, daß man Dich nicht kennen kann, weil das Unerkennbare nicht erkannt, das Unsichtbare nicht gesehen und das Unerreichbare nicht erreicht werden kann.« Und weiter: »Wenn jemand ein Konzept entwickeln sollte, mit dem man Dich erfassen könnte, wüßte ich, daß dieses Konzept nicht von Dir ist, denn jedes Konzept endet an der Mauer zum Paradies . . . So auch, wenn jemand sagen sollte, er würde dich verstehen und eine Möglichkeit anbieten würde, Dich zu verstehen, ist dieser Mensch doch fern von Dir . . . da Du absolut über all den Vorstellungen stehst, die ein Mensch haben kann.«

Goethe hat gesagt: »Über den Höchsten läßt sich nicht sprechen. «

Tersteegen hat geschrieben: »Ein Gott, der verstanden wird, ist kein Gott. Du darfst nicht so plausible Erklärungen über Ihn abgeben, als ob du das Geheimnis, das Ihn umgibt, verbannen wolltest. «

Und Pascal: »Wenn Atheisten doch nur zuerst die Religion, die sie bekämpfen, kennen lernen würden, ehe sie sie bekämpfen! Unsere Religion rühmt sich nicht, daß sie eine klare Anschauung von Gott habe, daß sie Ihn ohne einen Schleier sieht. Im Gegenteil, wir sagen, daß die Menschen in Finsternis und fern von Gott sind, daß Er unserem Wissen verborgen ist, und daß sogar der Name, den Er in der Heiligen Schrift hat, Gott verbirgt.«

Obwohl kein Mensch Gott gesehen hat, ist alles von Ihm, für Ihn und in Ihm.

Doch die Tatsache, daß ein Wesen nicht nach unserer Vernunft handelt, beweist nicht, daß es unexistent wäre. Der heilige Paulus schreibt kühn über die Torheit Gottes, aber er weiß, daß Er ist, und er liebt Ihn so, wie Er ist.

Er ist allzeit gegenwärtig, auch wenn viele Seiner Kinder qualvoll sterben. Christen sind Ihm treu, auch wenn Er sie anscheinend im Stich läßt. Hiob sagt: »Auch wenn Er mich tötet, werde ich Ihm vertrauen. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt.«

Er wußte, daß es besser war, einen geliebten Gott zu haben als einen ungeliebten. Jedes Wesen reagiert besser auf Liebe, umsomehr Gott, der Liebe ist.

Christen lieben Gott nicht wegen dem, was sie von Ihm bekommen können ‑ Erfolg, Talent oder Gesundheit. Sie lieben Ihn wie Er ist.

In dem Film »Gott ist ein Monster« sagt Ingrid Bergman: »Ich suchte einen Gott, der mich liebte. Erst als ich mich in dieselbe Situation versetzt sah wie der Eine, der am Kreuz sagte: >Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?<, wußte ich, daß es einen Gott gibt.«

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Es gibt nur vier Lösungen der Frage nach dem Ursprung des Universums:

  1. Die buddhistische Lösung, daß das Universum eine Illusion ist. Das löst aber nicht die Frage, wer die Illusion geschaffen hat. Wie ist sie entstanden? Wie kommt es, daß es einen Verstand gibt, der diese Illusion hegt, und ‑ was ein noch größeres Wunder ist – daß es einen Verstand gibt, der groß genug ist, um zu erkennen, daß das Universum illusorisch ist?
  2. Die Vorstellung, daß das Universum spontan aus nichts entstanden ist. Doch ein Nichts, das eine Welt hervorbringt, ist nicht ein Nichts.
  3. Das Universum besteht seit jeher. Das aber würde dem zweiten Gesetz der Thermodynamik widersprechen. Ein solches Universum wäre infolge zunehmender Entropie heruntergekommen, und alles hätte dieselbe niedrige Temperatur, weil das Verhältnis von nicht verfügbarer zu verfügbarer Energie ständig steigt.
  4. Das Universum ist erschaffen worden. Es gibt einen Gott, und auf Sein Geheiß entstand, was Astronomen gern den »Urknall« nennen, durch den Materie, Energie, Raum, Zeit und die Gesetze der Physik selbst ins Dasein gerufen wurden.

Wir wissen heute, daß das Universum nicht seit jeher besteht. Es wird anerkannt, daß es einen Anfang hatte und ein Ende haben wird. Wie ist es dann entstanden?

Kann es ohne einen Schöpfer eine Harfe geben, geschweige denn einen zwitschernden Vogel?

Wissenschaftler sehen es jetzt als wahrscheinlich an, daß es ihnen bald gelingen wird, einen Virus synthetisch herzustellen. Sie glauben, daß sie in der Lage sein werden, auf diese Weise aus unbelebten Partikeln Leben zu erzeugen.

Diese Behauptung ist jedoch nicht richtig. Um Leben synthetisch herstellen zu können, benötigen sie materielle Gegenstände, Chemie‑ und Physikkenntnisse und menschliche Kreativität. Ohne letztere könnte nichts bewerkstelligt werden. Ziegel allein ergeben noch kein Haus. Als erstes braucht man einen Architekten und einen Plan.

Der Darwinismus kann die Evolution nicht erklären. Was für einen Beitrag gibt herrliche Musik der Evolution? Menschen können ohne sie leben.

Wie sind dann der Kanarienvogel, die Lerche und die Nachtigall entstanden? In der Natur wie auch im Leben des Menschen zeigt es sich, daß Energie auch für das, was zum biologischen Überleben nicht notwendig ist, aufgewendet wird.

Nach dem Darwinismus ist die menschliche Sprache das Ergebnis zufälliger Mutationen. Damit jedoch ein Mensch sprechen kann, müssen große Veränderungen gleichzeitig im Gehirn, Nacken, Kiefer, Mund und in der Zunge stattfinden. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit eines derartigen, zufälligen Zusammentreffens?

George Gallup, der Dekan der amerikanischen Meinungsforscher, hat geschrieben, er könne Gott statistisch beweisen.

Man nehme beispielsweise nur einmal den menschlichen Körper mit seinen Blutgefäßen, die Tausende von Kilometer lang sind. Würde jemand behaupten, das Straßennetz der Vereinigten Staaten sei spontan entstanden? Die Blutgefäße des Menschen mit ihren geordneten Funktionen sind jedoch weitaus komplizierter. Die Behauptung, daß dieses Körpernetz ‑ geschweige denn andere menschliche Systeme ‑ nur durch Zufall entstanden sein soll, ist eine statistische Ungeheuerlichkeit.

Gott wird in der Natur und im Leben nicht weniger herrlich offenbart als in der Bibel.

Energien, Materie und Gesetze in der Himmelssphäre sind wie die auf unserem Planeten. Auf der Erde durchgeführte Experimente geben Auskunft über die Sterne. Gott hat ein Universum erschaffen, das wir, wenn wir es begreifen wollen, verstehen können.

Einstein hat gesagt: »Das Unfassbarste am Universum ist, daß es faßbar ist.«

In seiner Nobelpreisrede sagte Max Delbruck im Jahre 1969: »Die Wahrheit, Kinder, ist, daß wir alle in einem Spiel von Marionetten, von Puppen, mitwirken. Das Wichtigste in einem solchen Spiel ist, daß man die Idee des Autors nicht aus den Augen verliert.«

Pascal legte in »Gedanken« richtig dar: »Die Natur weist einige Vollkommenheiten auf, um zu zeigen, daß sie das Bildnis Gottes ist, und Mängel, um zu zeigen, daß sie nur Sein Bildnis ist. Die Natur ist so beschaffen, daß sie überall einen verlorenen Gott offenbart.«

Laßt uns daher den großen Gott suchen, den wir verloren haben, der ein Universum aus nichts geschaffen hat. Es ist nämlich bezeichnend, daß das Universum nicht nur vom Schöpfer spricht, sondern auch von dem Nichts, aus dem es erschaffen wurde.

In einem Teelöffel Wasser sind etwa so viele Moleküle enthalten, wie es Teelöffel Wasser im Atlantik gibt. Kein von Menschenhand gebauter Computer könnte berechnen, wie viele es sind.

Wenn wir andererseits so viele Eisenatome eng aneinander binden könnten, wie die USA Einwohner haben ‑ rund 200 Millionen ‑, würden wir eine nur zwei Zentimeter lange Kette erhalten. Wenn einen das stutzig macht, möge man die Tatsache bedenken, daß das Atom weiter geteilt werden kann, und daß es in der Hauptsache aus leerem Raum besteht, so wie die Moleküle, die aus Atomen bestehen.

Wir haben jedoch lediglich die Tür zur Komplexität geöffnet. Um die Mitte dieses Jahrhunderts stellte man sich das Atom wie ein Sonnensystem vor: in der Mitte ein aus Protonen und Neutronen bestehender Kern, wobei Elektronen diese nukleare »Sonne« wie Planeten umkreisen.

Protonen, Neutronen und Elektronen in verschiedenen Verbindungen erklärten, je nach dem Element, das sie bildeten, das ganze Geheimnis der Materie. Das Atom, das auf Griechisch »das Unteilbare« bedeutet, war gespalten worden. Hier hatte es den Anschein, als hätte sich unser Forschen erschöpft. Die drei Komponenten des Atoms waren fundamental und unteilbar.

Zehn Jahre später wurden rund 100 weitere Elementarteilchen entdeckt, ein wahrer Partikelzoo.

Zu jener Zeit stellten zwei Wissenschaftler, Gell­-Mann und Zweig vom kalifornischen Institut für Technologie, fest, daß sie alle ein paar gemeinsame Muster aufwiesen, was sich am besten so erklären ließ, daß man sich vorstellte, die Gebilde, die noch immer die falsche Bezeichnung »Elementarteilchen« tragen, seien gar nicht elementar. Sie verdanken ihre Verschiedenheit den unterschiedlichen Verbindungen von fünf noch kleineren Gebilden, »Quarks« genannt. Derzeit sieht man sie als die grundlegenden Komponenten der Materie an. Jedes Gebilde hat seinen eigenen Namen bekommen, aber nicht mehr »Mesonen« oder »Leptonen«, wie es bei den »Elementar«‑Teilchen der Fall war. Derartige Bezeichnungen schienen für diese neuen Entdeckungen unzulänglich zu sein.

Die Namen, die nüchterne Wissenschaftler den verschiedenen Quarks gegeben haben, sind zumindest außergewöhnlich: »Anmut«, »Wahrheit«, »Schönheit«, »Farbe« und »Wohlgeruch«.

Wie bei der Eiscreme gibt es verschiedene Arten von Quarks. Es gibt Oben‑ und Untenquarks und wundersame Arten von Quarks. So zum Beispiel ergeben zwei Obenquarks und ein Untenquark das Elementarteilchen Baryon.

Es gibt auch Antiquarks, so wie es für jedes Elementarteilchen eine Antipartikel gibt.

Wo es Gott gibt, gibt es auch den Teufel; ohne einen Antichristen hätte es Christus nicht geben können. Für einen, der sich in der Physik auskennt, sollte das offenkundig sein.

Gell‑Mann und Zweig wußten jetzt zwar vieles über das Quark ‑ aber nicht, ob es wirklich existierte. Sein Dasein vorauszusetzen, war für mathematische Operationen sehr nützlich, so wie die Hypothese »Gott« vieles im Universum erklärt. Warum sollen wir daher nicht mit einer Hypothese beginnen?

Die beiden Wissenschaftler hatten lange Zeit mit Quarks gearbeitet, ehe sie wußten, ob sie nur mathematische Funktionen oder wirkliche Gebilde waren.

Heute ist ihre Existenz eindeutig bewiesen. Man kann auch eine eindeutige Gewißheit über die Existenz Gottes haben.

Auch du kannst Gott entdecken.

Laplace, der ein gläubiger Christ war, hat gesagt: »Ich brauche die Hypothese >Gott< nicht.« Das bezog sich auf das damals bekannte Universum. Doch seit seiner Zeit ist es weitaus komplizierter geworden: Die »unteilbaren« Partikel bestehen aus »Anmut«, »Schönheit« und »Wahrheit«. Als nächstes stellt sich für die Wissenschaft ‑ nicht für die Theologie ‑ die Frage, was »Wahrheit«, »Schönheit« und »Anmut« ist. Forscher schauen vielleicht in die Bibel und entdecken, daß das alte Bezeichnungen für Christus sind.

Unser Zeitalter ist nicht mehr so, wie das von Laplace. Wir brauchen die Hypothese »Gott.«

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Von der Kompliziertheit der Natur bis zu ihrer scheinbaren Intelligenz ist es nur ein kleiner Schritt. Mäterlinck hat in seiner »Intelligenz der Blumen« geschrieben:

»Wann wird es uns gelingen, einen so stabilen, dünnen und sicheren Fallschirm wie den des Löwenzahns zu konstruieren? … Die unterschiedlichen Entwicklungsstufen von Pflanzen in bezug auf Befruchtung usw. folgen genau der Grundlinie von Erfindung und Fortschritt bei uns. Einer schwerfälligen Vorrichtung folgt eine einfachere … Es hat wirklich den Anschein, als ob den Pflanzen auf dieselbe Weise Ideen kommen würden wie uns … Die Pflanzen tasten in derselben Dunkelheit umher und stoßen auf dieselben Hindernisse. Sie scheinen unsere Geduld, Standhaftigkeit und Eigenliebe zu besitzen, dieselbe unterschiedliche und modifizierte Intelligenz, nahezu dieselben Hoffnungen und dieselben Ideale. Sie kämpfen, wie wir selbst, gegen eine große, gleichgültige Umgebung, was ihnen schließlich hilft.«

Damit wir uns aber nicht von Mäterlincks Begeisterung davontragen lassen, wollen wir uns daran erinnern, daß der Mensch die Pflanzen anbauen muß.

Gott hat eine unvollendete Welt geschaffen, damit wir an der Freude der Schöpfung teilhaben können. Er erschuf Flüsse; wir müssen Brücken über sie bauen. Er hat Wälder, Rohmaterialien, unfertige Produkte zur Verfügung gestellt ‑ alle erdenklichen Möglichkeiten für uns, das zu verbessern, was Er gegeben hat.

Der Mensch kann jedoch nur neu ordnen und umgestalten. Er kann nicht erschaffen.

Ein nachdenklicher Mensch hat nur eine einzige wirkliche Wahl: Entweder leben wir in einem totgeborenen, selbstabortiven, absurden Universum, in dem alle menschlichen Bemühungen erstickt werden und sich als umsonst und sinnlos herausstellen, … oder das Universum kommt von einem gedankenvollen Gott und weist auf ein herrliches Königreich des Friedens, der Liebe und der Klarheit hin. Vor eine solche Wahl gestellt, kann nur der Tor sagen: »Es gibt keinen Gott«.

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Alphons von Liguorie hat in seinem »Dialog zwischen einem christlichen Priester und einem Gläubigen« geschrieben: »Menschen, die Tiere, das Meer, die Berge, die Pflanzen und andere derartige Dinge sind sicher alles erschaffene Geschöpfe, die ihre Existenz von einem Ersten Prinzip ableiten. Wenn diese nämlich nicht seit jeher existiert hätten, hätten sie sich nicht ein Sein geben können, das sie nicht zuvor schon hatten. Etwas Nichtexistentes kann nichts tun. Deshalb müssen sie ihre Existenz aus einer anderen Welt bekommen haben. Und diese Quelle muß ihre Existenz von sich aus in einer Vergangenheit ohne Anfang haben.

Wenn sie nämlich von etwas anderem hervorgebracht worden wäre, wäre sie nicht für Dinge verantwortlich, wie es der Fall wäre, wenn sie das Erste Prinzip oder der Schöpfer wäre, sondern sie wäre ein Geschöpf wie alle anderen Dinge. Wir sprechen daher von einem Ersten Prinzip. Sie wäre nicht ein solches Prinzip, wenn sie keine Vergangenheit ohne Anfang hätte. Wenn sie nämlich nicht seit ewig existiert hätte, hätten sie sich nicht Existenz geben können. Dieses Erste Prinzip nennen wir >Gott<, und Er, der Seine Existenz von sich aus hat, besitzt alle Vollkommenheit, die man nur haben kann. Wenn man wirklich voraussetzt, daß Er von niemandem abhängig ist, wird es niemand anders gegeben haben, der Ihm hätte zuteilen können, welche Vollkommenheiten Er haben könnte, Seine Rolle besteht darin, allen Dingen ihre jeweilige Rolle oder entsprechenden Vollkommenheiten zu verleihen. Wir sollten daher zu dem Schluß kommen, daß Er ein Gott von unendlicher Weisheit ist, der um alles Gegenwärtige, Vergangene und Zukünftige weiß, um Dinge, die sein werden, und um Dinge, die möglich sind; daß Er ferner ein Gott von unendlicher Macht ist, der tun kann, was immer Er will‑, daß Er von unendlicher Güte und somit unendlich heilig und gerecht ist …

Wenn diese Welt allein aus Materie entstanden ist, und die Welt durch jene Kräfte, die dieser Materie innewohnen, ins Dasein gerufen worden ist, was jeglichen Sinnes entbehrt, dann würden wir sagen müssen, daß alles durch Zufall geschehen ist und weiterhin geschieht. Wir sehen aber in dieser Welt eine Ordnung, wie sie mit einer solchen Schönheit und Beständigkeit nicht hätte entstehen oder erhalten werden können, außer durch einen Verstand, der unendliche Weisheit besitzt.

Wir sehen, wie die Sonne fortwährend ihre Bahn zieht ‑ Jahr für Jahr. Wir sehen die Tiere, die immer ihre eigene Art hervorbringen. Wir sehen die Bäume, die stets dieselben Früchte tragen und immer in derselben Jahreszeit. Wer könnte jemals glauben, daß der Zufall, der keinen Verstand besitzt, diese Welt gemacht und eine so feste Ordnung in ihr bewahrt haben könnte? Denn die Erhaltung dessen erforderte und erfordert ständig große Intelligenz.

Die Gott leugnen, könnten zur Antwort geben, daß diese ganze Ordnung das Werk der Natur sei. Die Antwort darauf lautet, daß die Natur entweder keinen Verstand besitzt ‑ und ich wiederhole, daß eine Natur ohne Verstand niemals diese Welt hervorgebracht haben könnte, deren Gestaltung höchste Intelligenz erforderte, oder daß die Natur (von der sie reden) über eine reine, vollkommene Intelligenz verfügt ‑ und ich antworte, daß eine solche Natur eben jener Gott ist, der die Welt erschaffen hat und den wir anbeten.«

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Alphons von Liguori hat ferner gesagt: »Was stellen wir uns vor, wenn wir den Namen Gottes gebrauchen? Wir suchen nach einem höchst vollkommenen Wesen. Wir können uns nichts Besseres vorstellen. Wenn Gott der höchste Herr sein soll, muß Er über grenzenlose Weisheit, grenzenlose Macht und alle anderen Vollkommenheiten verfügen, und diese müssen alle unendlich sein.

Wollen wir nun unterstellen, daß es viele Götter gibt, so sind diese Götter entweder nicht alle gleich, jeder vom anderen abhängig, oder einer von ihnen ist der höchste, unabhängig und am vollkommensten, und die anderen sind von Ihm abhängig und folglich weniger vollkommen. Wenn wir unterstellen, daß sie alle gleich und abhängig sind, müssen wir sagen, daß keiner von ihnen der wahre Gott ist, denn keiner von ihnen wäre so überaus vollkommen, wie Gott es sein muß. Wie wir nämlich bereits gesagt haben, bedeutet Gott zu sein, der Höchste an Vollkommenheit zu sein … Wenn Gott dieser Höchste ist, muß es nur Ihn allein geben und keinen Ihm Gleichgestellten.

Wenn wir im übrigen zwei höchste Wesen gelten lassen wollten, wäre keines von beiden das Höchste und keines von beiden wäre daher Gott … Aus diesem Grund hat Tertullian gesagt: >Wenn Gott nicht einer ist, gibt es Gott nicht. Denn um wahrhaft Gott zu sein, darf es niemanden geben, der ebenso groß ist; wenn es nämlich so jemanden gäbe, würde jemand Ihm gleichkommen, und wenn Ihm jemand gleichkäme, wäre Er nicht der Höchste.< (Contra Marcionem)

Wenn es ferner mehr als einen höchsten Gott gäbe, wäre keiner von ihnen allmächtig, denn wenn einer von ihnen etwas frei und ungehindert tun wollte, dann könnten ihn die anderen daran hindern. Wenn sie ihn daran hindern könnten, wäre er nicht über alle Maßen mächtig.

Außerdem wäre keiner von ihnen allwissend und allweise, da jeder um alles wüßte. Wenn keiner von ihnen ein Geheimnis verbergen könnte, wäre er nicht allmächtig. Wenn er es andererseits verbergen könnte, wären die anderen nicht allwissend.

Außerdem kann man die Wahrheit, daß ein einziger Gott die Welt regiert, daraus ersehen, daß hier unten eine derart einheitliche und beständige Harmonie erkennbar ist. Das befähigt uns zu der Einsicht, daß es einen alleinigen Herrscher gibt, der alles lenkt.«

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Feuerbach, einer von Marx‘ Lehrern, hat erklärt, daß es Luther gewesen sei, der ihn zu der erstaunlichen Einsicht geführt habe, daß eher der Mensch einen Gott erschafft, wie er ihn haben will, als daß Gott den Menschen nach Seinem Ebenbild erschafft. Feuerbach sagt oft von sich im Spaß: »Ich bin Luther Nummer zwei.« Seine Rechtfertigung war Luthers Erklärung, daß »der Glaube der Schöpfer der Gottheit ist«. Er unterließ es jedoch, Luthers Beobachtung vollständig zu zitieren: »Der Glaube ist der Schöpfer der Gottheit, nicht als Person, sondern auf Erden.«

Das Spiegeln der Sonne auf einem See beweist die Existenz der Sonne. Ähnlich beweist das Spiegelbild Gottes in einem reinen, menschlichen Herzen die Existenz Gottes. Durch sein Gedanken‑ und Gefühlssystem erschafft der Mensch den inneren Gott, so wie eine bestimmte Anordnung der Oberflächenmoleküle des Sees eine deutlich sichtbare Sonne im Wasser bewirkt. Doch dies beweist nicht die Nichtexistenz Gottes, wie Feuerbach mutmaßte.

Es ist der wahre Gott, der die größten Werke der Kunst und Literatur eingegeben hat. Was wären Dante, Michelangelo, Raphael und Bach, wenn es keinen Gott gegeben hätte, der ihnen ihre Höchstleistungen eingegeben und die zum Ruhme seines Namens geschaffenen Werke gesegnet hätte?

Lenin hat gesagt: »Man kann kein Kommunist sein, wenn man nicht von all jenen Reichtümern Besitz ergreift, die die Menschheit geschaffen hat«, aber religiöse Reichtümer schloß er nicht mit ein.

Ein Ideal ist nur der tiefste Sinn für künftige Wirklichkeit. Und das Ideal der Religion, der Vereinigung mit dem unsichtbaren Gott, ist die Vorahnung geistlicher Wirklichkeit.

Lodge argumentierte folgendermaßen: »Unsere höchsten Gedanken sind wahrscheinlich der Wirklichkeit am nächsten. Sie müssen Stufen in Richtung der Wahrheit sein, sonst wären sie uns nicht eingefallen und als die höchsten erkannt worden.«

Wir dürfen der Wirtschaft der Natur vertrauen. Sie vergeudet ihr Material nicht! Sie hat weder das Rind auf der Weide noch den Fisch in der See mit einer Erwartung geschaffen, die deren Beschränkungen übersteigt. Warum hätte sie dann an den Menschen den grenzenlosen Reichtum von Erwartung, geistlichem Verlangen oder des Glaubens verschwendet?

Warum wäre ein endliches, in Zeit und Raum lebendes Geschöpf auf den Gedanken gekommen, ein ewiges Wesen zu erfinden?

Warum hätte der Verstand von Sündern eine Religion ersonnen, die den Menschen sagt, daß sie nicht sündigen sollen?

Ohne einen Gott, der ihn schenkt, könnte es keinen Glauben geben. Die Existenz des Glaubens an einen geheimnisvollen Gott ist in sich selbst ein Geheimnis, einwunder, da es so viele Tatsachen gibt, die ihm zu widersprechen scheinen.

Seit Jahrhunderten singen Christen: »Von Sieg zu Sieg wird Jesus Sein Heer führen«, obwohl die Kirche enorme Niederlagen erlitten hat und noch erleidet. Christen, gespalten in Hunderte von Konfessionen, sagen alle: »Wir glauben an die eine, heilige Kirche«, und verkündigen einen Glauben, der im Widerspruch zur Wirklichkeit steht. Sie glauben das, was dem Verstand absurd erscheint, was bedeutet, daß der Glaube selbst eine andere Wirklichkeit ist, ein anderer Weg des Wissens als das Denken.

Der Glaube benötigt keine Beweise. Der Glaube ist ein Beweis für die Existenz Gottes. Es gibt keine andere Möglichkeit zu erklären, warum Menschen, die in einer bösen Weit leben, an einen guten Gott glauben.

Der Glaube braucht wie die Liebe kein verbürgtes Wissen. Ein Romeo braucht keinen Beweis, daß Julia sein Verlangen stillt. Julia selbst verkörpert den Beweis.

Da das menschliche Auge begrenzt ist, hat die Wissenschaft nach neuen Möglichkeiten des Sehens gesucht. Das Sehvermögen wurde durch Vergrößerungsgläser, Röntgenstrahlen, Elektronenmikroskope und computergesteuerte Tomographie erweitert. Wir erleben heute eine Explosion neuer Sichtgeräte, bei denen sich nur noch Techniker auskennen. Mit ihrer Hilfe sehen wir Wirklichkeiten, die die Fähigkeiten des Auges übersteigen.

Der Glaube ist nur eine Möglichkeit mehr, wei­ter zu sehen, als das menschliche Auge reicht. Mit Hilfe des Glaubens sieht man die Welt Gottes.

Wie die Liebe, bedarf auch der Glaube keiner wissenschaftlichen Formulierung.

Verneint man die Wissenschaft, wenn der Verliebte die Geliebte nicht zuerst wiegt und mißt, oder sich nicht nach der Blutgruppe, dem Grundstoffwechsel, dem Hormonhaushalt oder den Bakterien im Darm der Geliebten erkundigt?

Soll das doch die Medizin machen! Die Liebe dient ganz einfach und gibt ihr Leben für den geliebten Menschen.

Wissenschaftliche Theologie im Christentum ist daher papperlapapp.

Glaube einfach an Gott, ohne die Logik und Wissenschaft gelehrte Fragen stellen zu lassen. Du wirst es nie bereuen.

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Als ich in einem kommunistischen Gefängnis war, drohte mir einmal ein mit einem Gummiknüppel bewaffneter Offizier: »Wage es noch einmal, in der Gefängniszelle von Gott zu sprechen, und du wirst deinen Teil bekommen! Was für einen Beweis hast du überhaupt, daß es einen Gott gibt?«

Ich antwortete: »Es ist schwierig, einem Menschen, der einen Stock in der Hand hält, Beweise zu geben. Ein Stock kann den Kopf, der den Beweis enthält, zerschlagen.

Lassen Sie mich aber nur eine einzige Frage stellen: Ich selbst kenne unzählige Atheisten, die in ihrer Todesstunde bedauerten, daß sie nicht geglaubt hatten, und Buße taten. Im letzten Augenblick riefen sie Gott! oder Jesus! oder Maria! oder Mohammed! Können Sie sich aber einen sterbenden Christen vorstellen, der es bedauert, daß er gläubig gewe­sen ist und fleht: Darwin! … Marx! … Voltaire! … kommt und befreit mich vom Glauben?

Der Mensch wird von seinen eigenen Gedanken gelenkt. Auf welche von ihnen soll er sich aber verlassen? Wie alles andere, kennt auch das Denkvermögen Höhen und Tiefen. Manchmal sind wir ganz oben, ein anderes Mal tief unten oder schlichtweg dumm. Wir müssen unseren Gedanken vertrauen, wenn diese in Höchstform sind. Das ist der Fall, ‑ der Philosoph Jaspers nennt es >Grenzsituationen<, wenn die Seele beim Anblick von etwas Schönem begeistert ist oder im Augenblick großer Gefahr, wie beispielsweise beim Hinübertreten in eine unbekannte Welt, dringend nach Antwort sucht. Dann arbeitet der Verstand am eifrigsten. In diesem Augenblick gibt es keine Atheisten.

Wenn der Mensch den Tod auf sich zukommen sieht, ist er von Scheu ergriffen. Er tritt ein in das große Geheimnis. Gläubige entsagen in diesem Augenblick ihrem Glauben nicht, aber Atheisten geben häufig ihren Unglauben auf, weil zu glauben das rechte Ding ist.«

An jenem Tag blieben mir Schläge erspart.

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Ich glaube, daß es einen Gott gibt, und daß Er überaus vertrauenswürdig ist. Ich denke da an ein Argument, das eine rätselhafte Reaktion geben dürfte.

Die Bibel erklärt sich zu einem von Gott eingegebenen Buch. Doch dieser Gott ist sehr merkwürdig. Er hat biblischen Autoren eingegeben, in ihre Bücher ganze Kapitel mit Klagen gegen Ihn aufzunehmen, als ob Er die Menschen aufforderte, sich Erleichterung zu verschaffen, indem sie alle ihre Beschwerden bei Ihm abladen.

Man braucht nur Hiob 16:11 ‑ 14, Psalm 88, Klagelieder 3 und andere derartige Teile der Heiligen Schrift zu lesen. In diesen Abschnitten fällt kein Wort zur Verteidigung Gottes.

Man bedenke folgende Worte des Propheten Jeremia:

»Ich bin der Mann, der Elend sehen muß durch die Rute des Grimmes Gottes«.
»Er hat mich geführt und gehen lassen in die Finsternis und nicht ins Licht«.
»Er hat seine Hand gewendet gegen mich und erhebt sie gegen mich Tag für Tag«.
»Er hat mir Fleisch und Haut alt gemacht und mein Gebein zerschlagen«.
»Er hat mich ringsum eingeschlossen und mich mit Bitternis und Mühsal umgeben.«.
»Er hat mich in Finsternis versetzt wie die, die längst tot sind«.
»Er hat mich ummauert, daß ich nicht heraus kann, und mich in harte Fesseln gelegt«.
»Und wenn ich auch schreie und rufe, so stopft er sich die Ohren zu vor meinem Gebet«.
»Er hat meinen Weg vermauert mit Quadern und meinen Pfad zum Irrweg gemacht«.
»Er läßt mich den Weg verfehlen, er hat mich zerfleischt und zunichte gemacht«.
»Er hat seinen Bogen gespannt und mich dem Pfeil zum Ziel gegeben«.
»Ich bin ein Hohn für mein ganzes Volk und täglich ihr Spottlied«.
»Er hat mich mit Bitterkeit gesättigt und mit Wermut getränkt«.
»Er hat mich auf Kiesel beißen lassen, er drückte mich nieder in die Asche« (Klagelieder 3:1 ‑ 16).

So beklagt sich ein Prophet Gottes. Er treibt Propaganda gegen seinen Gott, und Gott wiederum macht es in der ganzen Welt bekannt. ‑ Ein Gott, der zulässt, daß ein Prophet Ihn in Seinem heiligen Buch als einen beschreibt, der »auf mich gelauert hat wie ein Bär und wie ein Löwe im Verborgenen«, ist mit Sicherheit vertrauenswürdig. Er wird die Wahrheit vor mir nicht verbergen.

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Wenn du wenig über Gott weißt, dann höre auf deine innere Stimme, Gewissen genannt. Sie warnt dich, daß jemand auf das schaut, was du tust. Wer ist dieser Jemand? Die Reue ist einer der Beweise für die Existenz Gottes.

Atheisten wie auch Gläubige kennen die Qual, die sich einstellt, wenn man etwas Unrechtes getan hat. Vor wem klagen sie sich an? Wem gestehen sie Ihre Schuld? Sie kennen auch die Augenblicke der Erleichterung, wenn sie spüren, daß ihnen vergeben wurde. Wer vergibt?

Ein Klopfen spät abends an der Tür bedeutet, daß jemand draußen im Dunkeln ist. Das Gewissen beweist die Existenz Gottes.

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Wir glauben an Wunder. Während die Naturgesetze die gewöhnlichen Gedanken Gottes widerspiegeln, stellen Wunder Seine außergewöhnlichen Gedanken dar. Nicht jeder erkennt Wunder, aber jeder hat schon merkwürdige »Zufälle« erlebt. Zufälle sind einfach kleine Wunder, bei denen Gott anonym bleibt.

Einstein besuchte einmal den Vater des berühmten Geigers Yehudi Menuhin, der damals trotz seiner erst sieben Jahre bereits ein Konzertvirtuose war. In einem Gespräch mit dem Vater bestritt Einstein die Existenz Gottes.

Da mischte sich das Kind ein: »Herr Einstein, ich werde Seine Existenz beweisen.«

Der große Wissenschaftler blickte belustigt auf den Jungen. »Gut, ich werde dir zuhören. «

Yehudi holte seine Geige hervor und spielte auf seine einmalige, meisterhafte Weise. Als er geendet hatte, sagte Einstein: »Es gibt einen Gott. Wie könnte dieses Kind so geigen, wenn es Ihn nicht gäbe?«

Für diejenigen, die keine Wunder anerkennen, sollten die einfachen Tatsachen der Natur sowie die Feinheiten ihres Verstandes und ihrer Seele genügen, um sich vor Gott zu verbeugen. Sie sollen aber vorsichtig sein, daß sie sich vor dem einen wahren Gott verbeugen.

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Angeblich soll die Wissenschaft im Widerspruch zur Religion stehen. Seltsamerweise weiß Albert Einstein, der größte Wissenschaftler dieses Jahrhunderts, dessen Name das Universum trägt, nichts von diesem Widerspruch.

Obwohl er auf dem Gebiet der Religion bestimmt kein Fachmann war, ist es für unsere Zwecke lediglich wichtig zu wissen, daß er auf der Seite der Religion stand. »In ihr«, so sagt er, »spürt der einzelne die Nichtigkeit menschlicher Wünsche und Vorhaben sowie die Majestät und wunderbare Ordnung, die sich in der Natur und in der Gedankenwelt offenbaren.«

Er forderte, daß die Wissenschaft und Kunst diese Gefühle im Menschen wecken und am Leben erhalten sollen. Er schrieb: »Die kosmische Religion ist der gewaltigste und edelste Impuls zu wissenschaftlichem Forschen … Das Schönste und Tiefste, das der Mensch erfahren kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Wer es nicht erfahren hat, kommt mir wie tot, zumindest aber wie blind vor … DasWissen und die Existenz des für uns Unerforschlichen, der Offenbarungen tiefster Vernunft und strahlender Schönheit, zu denen unser Verstand nur in seiner ursprünglichsten Form gelangen kann, dieses Wissen und Gefühl ist wahre Religiosität … Meine Religiosität besteht in einer demütigen Bewunderung für den unendlich überlegenen Geist, der sich in dem Wenigen offenbart, das wir mit unserem schwachen und vergänglichen Verstand über die Wirklichkeit wissen können.«

Die Wissenschaft wagt der Religion nicht zu widersprechen, da sie, von allen Disziplinen am besten weiß, wie wenig sie eigentlich weiß.

Newton hat geschrieben: »Ich weiß nicht, was für einen Eindruck die Welt von mir haben mag, aber mir selbst kommt es so vor, als ob ich nur ein Junge gewesen wäre, der am Strand spielt und sich damit zerstreut, daß er hin und wieder einen hübscheren Kieselstein oder eine schönere Muschel findet, während der große Ozean der Wahrheit vollkommen unentdeckt vor Ihm liegt.«

Die Aussage, die Wissenschaft widerspreche der Religion, ist so, wie wenn man sagen würde, daß ein dreijähriger Junge, der am Strand spielt, ihr widerspricht.

Wo sind denn eigentlich die antireligiösen Behauptungen der Wissenschaft? Unsere Auseinandersetzung wird nicht mit der Wissenschaft ausgetragen, sondern mit Wissenschaftlern.

Wissenschaftler sind nur sehr kleine Geschöpfe auf einem winzigen Staubkörnchen des Universums …

Wo ist denn die reine, nichtreligiöse Wissenschaft? Einstein sagt in Die Welt, wie ich sie sehe: »Wir haben große Schwierigkeiten, uns die Erfahrungswelt vor Augen zu führen ohne die Brille der althergebrachten (d. h. mystisch‑religiösen, begrifflichen) Interpretation. Eine weitere Schwierigkeit ist, daß unsere Sprache auf Worte zurückgreifen muß, die untrennbar mit diesen ursprünglichen (d. h. religiösen) Vorstellungen verknüpft sind.«

Die Wissenschaft selbst ist so sehr mit der ganzen religiösen Anschauung verbunden und umgekehrt, daß der Ausspruch, die Wissenschaft widerspreche der Religion, auf dasselbe hinausläuft, wie wenn man sagen würde, die Religion widerspreche der Religion.

Die Religion kann in ihrem Verhältnis zur Wissenschaft sehr ruhig sein. Als Einstein einmal Kardinal Faulhaber einen Besuch abstattete, fragte er ihn: »Was würden Sie tun, wenn die Mathematik den Beweis erbringen würde, daß Ihr Glaube falsch ist?« Der Kardinal erwiderte: »Ich würde abwarten, bis die Mathematiker ihren Rechenfehler gefunden haben.«

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Nehmen wir aber an, die Wissenschaft widerspreche der Religion: Wäre es dann unvereinbar, wenn man beide akzeptieren würde? Warum muß man konsequent sein? Die Wissenschaft selbst ist nicht mehr konsequent; sie selbst lehrt Widersprüchliches.

Werner Heisenberg sagt in Schritte über die Grenze: »Es läßt sich wahrscheinlich allgemein sagen, daß wir in der Geschichte des menschlichen Denkens die fruchtbarsten Entwicklungen dort gehabt haben, wo zwei unterschiedliche Denkweisen aufeinander getroffen sind. Diese unterschiedlichen Denkweisen dürften ihre Wurzeln in verschiedenen Bereichen menschlicher Kultur oder in verschiedenen Perioden, in verschiedener kultureller Umgebung oder verschiedenen religiösen Traditionen haben. Wenn sie wirklich zusammentreffen, wenn sie zumindest so weit miteinander in Berührung kommen, daß ein gegenseitiges Sich‑Beeinflussen stattfindet, können wir hoffen, daß neue und interessante Entwicklungen nachfolgen.«

Das Atom wird, nach Bedarf, sowohl als ein Partikel als auch eine Welle angesehen. Niemand hat je ein Atom gesehen oder den Ort eines bestimmten Atomes angeben können. Man kann es mit einem Punkt vergleichen, der ein Gebilde ohne Dimensionen ist.

Ein Wissenschaftler lebt auf zwei Ebenen. In seinem Labor ist die Welt, mit der er sich befaßt, ein Gewirr von Atomen, Protonen, Elektronen, Neutronen. Seine Ehefrau ist auch eine Ansammlung solcher Gebilde, die mit Sicherheit nicht Liebe entfachen. Sobald er jedoch zu Hause ist, vergißt er die Wissenschaft, und seine Frau wird zu einem lieben Partner.

Ebenso braucht ein Wissenschaftler bezüglich seines geistlichen Lebens nicht wissenschaftlich vorzugehen. Im Labor kann er die Zusammensetzung von Materie erforschen, und in der Kirche kann er den Geist der Liebe verehren, der das All regiert.

Die Wissenschaft hat die Forderung nach unbedingter Folgerichtigkeit über Bord geworfen. Laßt uns in anderen Bereichen auf sie verzichten! Eine Seele kann den in der praktischen Religion verehrten menschenähnlichen Gott mit den erhabenen metaphysischen Vorstellungen vom unfaßbaren Gott verschmelzen lassen. Wir können auch von Liebe inspirierte, widersprüchliche sittliche Haltungen vereinen.

Die Wahrheit sitzt auf einem Stuhl mit vier Füßen, wovon die Wissenschaft nur ein Fuß ist. Die anderen sind Vernunft, Glaube und Intuition. Die Wahrheit nährt sich auch von der Phantasie.

Aus diesem Grund lassen wir uns nicht so leicht aus der Fassung bringen, wenn ein Zweig der Wissenschaft eine Zeitlang anscheinend der Religion widerspricht. Er wird seine Kenntnisse erweitern und es schließlich eines Tages, wann immer auch, bestimmt besser wissen.

In der Antike und im frühen Mittelalter wußten die Menschen noch nicht, was man heute über die Menschheit und den Kosmos weiß. Das Schloß kannten sie zwar nicht, aber sie besaßen den Schlüssel, welcher Gott ist. Heute haben viele zwar beste Beschreibungen über das Schloß, aber sie haben den Schlüssel verloren. Die richtige Lösung ist die Vereinigung von Religion und Wissenschaft. Wir sollten sowohl im Besitz des Schlosses als auch des Schlüssels sein.

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Nehmen wir also an, daß es einen Gott gibt. Gut, wer ist Er? Was meinen wir, wenn wir »Gott« sagen?

Auf diese Fragen gibt es nur eine einzige mögliche Antwort: Gott ist Gott. Jede Beschreibung von Gott ist nur eine Beschreibung von Ihm, und nicht Gott. Jede Aufzählung der Eigenschaften Gottes ist eine Aufzählung Seiner Eigenschaften, und nicht Gott.

Der Name »Gott« ist nicht Gott, ebensowenig wie ich mein Name bin. Nur Gott ist Gott.

Da Gott über jedem anderen Geschöpf steht, bekommen alle über Ihn in Worte gemachten Behauptungen, die auf andere Geschöpfe anwendbar sind, einen unterschiedlichen Sinn. Was ein Häftling und ein Millionär als gutes Essen bezeichnen, sind zwei verschiedene Dinge. Für einen primitiven Menschen ist eine Beethoven‑Symphonie keine gute Musik.

Wie ist Gott? In der Bibel steht geschrieben, daß »Er … anzusehen war gleichwie der Stein Jaspis und Sarder« (Offenbarung 4:3). Wenn du dich fragst, warum Er mit einem Stein verglichen wird, lautet die richtige Antwort hierauf, daß du, wäre ein anderer Vergleich benutzt worden, dieselbe Frage gestellt hättest. In der Bibel wird Gott auch »Mann«, »Krieger« und »Weingärtner« genannt. Er wird mit einem »brüllenden Löwen« verglichen usw., um zu zeigen, daß Gott als allem ähnlich verstanden werden kann.

In »Exodus Rabbah« wird uns berichtet, daß Rabbi Josua ben Perachiah gefragt wurde, warum Gott zu Mose aus einem Dornbusch gesprochen habe. Er erwiderte: »Alles, was Gott tut, kann in Frage gestellt werden, aber ich werde dich nicht ohne eine Antwort gehen lassen. Gott hat diesen kargen, kleinen Strauch gewählt, um dich zu lehren, daß es keinen Platz auf Erden gibt, an dem Gott nicht zugegen sein kann, nicht einmal ein Dornbusch.«

Luther versuchte, die Frage zu beantworten »Was bedeutet es, einen Gott zu haben?« oder »Was ist Gott?«: »Gott ist der Eine, von dem man alles Gute erwartet und erhält und bei dem man in jeglicher Not Zuflucht sucht. Einen Gott zu haben bedeutet daher nichts anderes, als aufrichtig an Ihn zu glauben und Ihm zu vertrauen. Nur die Art und Weise, wie ich in meinem Herzen glaube und vertraue, bestimmt, ob ich einen Gott oder einen Abgott habe. Wenn dein Glaube und Vertrauen echt und recht sind, hast du deinen wahren Gott. Wenn dein Vertrauen falsch und unecht ist, ist der wahre Gott nicht da, weil die beiden zusammengehören, Glaube und Gott. Der Eine, an den du dein Herz hängst, und dem du vertraust, ist wirklich dein Gott.«

Das ist keine Definition, weil wir Gott zu wenig kennen, um Ihn definieren zu können. Ein französisches Sprichwort sagt: »Un dieu de fini est un dieu fini«, ein definierter Gott ist ein toter Gott.

Wir sind mit dem Wenigen zufrieden, das uns durch den Glauben gewährt wird.

Die Bibel sagt, daß für Gott ein Tag wie tausend Jahre ist, und tausend Jahre wie ein Tag. Dem ist so, weil Er außerhalb der Zeit lebt. Ähnlich ist ein Gramm im Zustand der Schwerelosigkeit wie tausend Kilos.

Eines Tages wird es für uns keine Zeit mehr geben. Wir werden bei Ihm sein. Dann werden wir wissen.

Bis dahin belästigen wir Ihn nicht mit Fragen, vor al­lem nicht mit all unseren Warums und Wozus. Da Gottes Welt zeitlos ist, läßt sie sich nicht ohne weiteres in Ursache und Wirkung einteilen. Die Frage »Warum?« gehört einem anderen Bereich an und ist daher religiös nicht zu beantworten.

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Anstatt zu versuchen, in unergründbare Tiefen hinabzusteigen, sollten wir unser Bestes tun, um Gott Ehre zu bringen. Wenn jemand wissen möchte, wie Gott ist, soll er einen wirklichen Gläubigen betrachten. Suche den Menschen, der Gott am ähnlichsten ist, der so ist, wie Gott wäre, wenn Er auf Erden wandeln würde, und du wirst ein wenig davon erfahren, wer Er ist.

Viele haben Gott im Himmel gesucht. Ihr Suchen war zum Scheitern verurteilt. Wie kann man erfolgreich jemanden suchen, dessen Namen, Aussehen und Wohnsitz man nicht kennt?

Gott lebt unter vielen Gestalten und Namen, wie einer, der nicht entdeckt werden möchte. Niemand hat Ihn je gesehen. Wir haben weder ein Photo von Ihm, noch Seine Fingerabdrücke. Seinen ehemaligen Tempel in Jerusalem gibt es nicht mehr, desgleichen die liebende Urkirche, in der alle Gläubigen ein Herz und eine Seele waren.

Es gibt nicht die geringste Möglichkeit, einen solchen Gott zu finden.

Aber Er findet uns, und Er fordert uns auf, wiedergeboren zu werden und ein neues Leben zu beginnen, wie Gott es leben würde, wenn Er auf Erden wäre.

Der unsichtbare Gott wird in denen sichtbar, die durch den Glauben von einer Herrlichkeit zur anderen in Sein Bild verklärt werden (2. Korinther 3:18).

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Diamanten und andere kostbaren Juwelen werden in Safes aufbewahrt und nur selten, und dann nur unter großen Sicherheitsvorkehrungen, ausgestellt. Sind sie weniger wirklich, weil man sie geheim aufbewahrt? Auch der Glaube hat seine Geheimnisse. Das Schloß, das für seine Sicherheit garantiert, findet man in den Worten Jesu, der gesagt hat: »Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen« (Matthäus 7:6).

Selbst in diesem Buch könnte ich die Sünde begehen, zu weit zu gehen, und dadurch zu sündigen. Doch die Liebe zu Atheisten und der Wunsch nach ihrem Heil haben mich veranlaßt, das Unzulässige zu tun, das Unaussprechliche zu sagen und das Unerklärliche zu erklären.

Gott braucht keine Verteidigung. Mein Eifer und meine Ungeduld, dich auf der Seite Gottes zu sehen, zwingen mich, diese Zeilen zu schreiben.

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Auf die Frage, was Gott vor der Erschaffung der Welt getan hat, antwortete Luther trocken: »Zuvor saß Gott in einem Wald und schnitt Ruten, mit denen er diejenigen züchtigen wollte, die dumme Fragen stellen.«

Dies war nicht ernst gemeint. Das einzige, was wir über Gott vor der Erschaffung der Welt wissen, ist das, was Er selbst offenbart: daß Er einen Sohn hatte, den Er liebte und verherrlichte (Johannes 17:5), und daß der Heilige Geist von ihnen beiden ausging. Wir nennen das die »Dreifaltigkeit.«

Aristoteles hat geschrieben: »Das Dreigeteilte umfaßt einen Anfang, eine Mitte und ein Ende und ist daher geeignet, den Gedanken von Vollendung auszudrücken. Es liefert uns auch eine Grundform für die Raumverhältnisse.«
Im Christentum ist die Vorstellung von Trinität jedoch weitaus sorgfältiger durchdacht.

Gott ist höchste Güte. Unter »Gott« versteht man ein Wesen, wie man sich ein Höheres nicht vorstellen kann. Da Er gut ist, muß Er Liebe zeigen. Keiner zeigt Liebe, wenn er nur sich selbst liebt. Wenn Gott liebt, muß es immer den Liebhaber, den Geliebten und die Liebe gegeben haben:

Vor der Erschaffung der Welt muß es eine Trinität gegeben haben.

Ein Wesen kann nur für einen Gleichgestellten höchste Liebe empfinden. Die geliebte Person in der Trinität muß dem Vater gleichgestellt sein. Gott wäre nicht vollkommen, wenn Er nicht mit einem anderen Seinen ganzen Ruhm teilen würde.

Es gibt jedoch noch etwas Größeres und Höheres, als nur eine andere Person zu lieben, nämlich diese beiderseitige Liebe mit jemand anderem zu teilen, so daß jede Person Anteil hat an der Liebe, die sie gibt, und an der Liebe, die sie empfängt. Wieder würden die beiden all ihren Ruhm mit einer dritten Person teilen müssen. Und die drei müssen einander ebenbürtig sein. Die Wonne des Liebens und Geliebtwerdens muß von den beiden mit der dritten Person geteilt werden, die wiederum all ihre Liebe teilen würde. Drei sind vonnöten, um vollkommene Liebe zu verkörpern und zu teilen. Das ist die einzige annehmbare Vorstellung von Gott. Gott muß dreifaltig sein.

Gott ist eins, sagt die hebräische Bibel. Eins ist Gott, heißt es wortwörtlich im griechischen Original des Neuen Testamentes. Einheit schließt jedoch Dreifaltigkeit nicht aus. Es trifft nicht zu, daß eins nicht gleich drei sein kann.

Das ist das Maximale, was wir über Gott sagen können. Wir kennen nicht einmal die Struktur eines Atoms. Wie können wir die Einzelheiten über die Dreifaltigkeit wissen?

*

Wenn man von Einheit spricht, bedeutet das nicht, daß es keine Spannungen zwischen den Personen der Dreifaltigkeit gibt. Wenn es keine Spannungen gäbe, wozu bräuchte man dann die Liebe? Liebe ist das Überbrücken von Verschiedenheit. Wenn es keine Verschiedenheit gäbe, warum wäre dann die Frage der Einheit unter den Personen der Dreifaltigkeit wichtig? Einheit muß nur dann begründet werden, wenn es Individualität gibt.

Jesus, der Sohn Gottes, betete im Garten Gethsemane zum Vater, daß der bittere Kelch, gekreuzigt zu werden, von Ihm genommen werde. Doch der Vater kommt dem Wunsch Seines Sohnes nicht nach. Der Prophet Jesaja hat geschrieben: »Der Herr wollte Ihn zerschlagen« (Jesaja 53: 10). Nach Seiner Auferstehung sagte Jesus zu Seinen Jüngern, daß der Heilige Geist erst nach Seinem Weggehen auf sie herabkäme, als ob die zwei nicht auf unserem Planeten zusammen sein könnten.

Die Kreuzigung des Gottessohnes auf Seines Vaters Erde war das dramatischste Ereignis der Geschichte. Jesus rief in Seiner Pein am Kreuz: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« In diesem Äußersten aber wurden die Liebe und Einheit zwischen den beiden erhöht, wie die nachfolgenden Worte Jesu zeigen: »Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.«

Vater, Sohn und Heiliger Geist sind einander ebenbürtig aber nicht miteinander identisch. Zwischen einer gotterfüllten, christuserfüllten und geisterfüllten Person besteht ein Unterschied.

Eine gotterfüllte Person umfängt das ganze Univer­sum. Für eine christuserfüllte Person ist einfach Gott plus der Mensch eins. Während Gott reine Einheit ist, ist Christus der Mittler zwischen zwei Parteien. Angelus Silesius hat geschrieben: »Ohne den Menschen ist Gott nicht eins. « Die christuserfüllte Person ist historisch begrenzt. Sie ist an eine Episode in der Existenz der Erde gebunden: an das Leben Christi.

Nach Seiner Auferstehung fragte Jesus zwei Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus waren: »Was ist in den letzten Tagen in Jerusalem geschehen?« ‑ Vieles war geschehen: Stürme hatten getobt, die Natur war erschüttert worden, die Erde hatte gebebt und eine überirdische Finsternis war über das Land hereingebrochen. Kinder waren zur Welt gekommen, Menschen waren gestorben; Männer hatten in ihren Berufen gearbeitet, Frauen die Mahlzeiten zubereitet. Jerusalem hatte viele Besucher gesehen, die alle in diese Ereignisse mit hineingezogen worden waren.

Aber diese Jünger waren christuserfüllt. Als sie daher gefragt wurden, was in Jerusalem geschehen sei, berichteten sie nur, was Jesus widerfahren war.

Christus ist ein aus vielen einzelnen Personen bestehendes Wesen. Die Bibel sagt, daß jeder Gläubige ein Glied Seines Leibes ist.

Der geisterfüllte Mensch wird gänzlich von den Dingen des Heiligen Geistes in Anspruch genommen. Die Bibel spricht davon, wie er im Licht geht und »die Früchte des Geistes sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Wider solche ist das Gesetz nicht«, schreibt der Apostel Paulus (Galater 5:22,23).

»Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde … und schuf sie als Mann und Frau« (l. Mose 1:27). Er ist der Ursprung des Höchsten und Besten in Frau und Mann. Die Eigenschaften eines jeden wurden von Gott gegeben.

Im Jakobusbrief (1:18) wird der griechische Aus­druck »apegneseu«, gebären, in bezug auf Gott verwendet, obwohl dieser Ausdruck im Griechisch sonst ausschließlich in bezug auf eine Mutter gebraucht wird.

Hier haben wir einen weiblichen Ausdruck für Gott. Er ist ein Vater, aber nicht nur ein Vater. Im Propheten Jesaja (49:15) wird mit den folgenden unvergeßlichen Worten Gott mit einer Mutter verglichen: »Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will Ich doch deiner nicht vergessen.«

Der Glaube an Gott verändert vollkommen die Einstellung eines Menschen sowohl zum Leben als auch zum Tod.

Im antiken Griechenland erdrosselten Spartaner schwächliche Kinder. Nietzsche, der Lieblingsphilosoph Hitlers und Mussolinis, schimpfte über Kranken- und Waisenhäuser. Hegel sagte, der Mensch habe das unbestrittene Recht, durch den Tod allem Leiden ein Ende zu setzen. Heute macht das Thema »Euthanasie« Schlagzeilen.

Wenn man beweisen könnte, daß das Universum ohne Gott ist, hätten Nietzsche und Hegel recht.

In meiner Jugend war ich mir sehr sicher, daß es keinen Gott gäbe, doch das stimmte mich traurig. Ich wünschte, daß es einen Gott gäbe, und bedauerte, daß Er nicht existiert, weil jemand, der weiß, daß es einen Gott gibt, sich beschützt und behütet fühlt. In der Bibel bedeutet der Name von Gottes heiligem Berg Zion treffenderweise »Schutz.«

In dem Maße, in dem auch Atheisten das Gefühl haben, beschützt zu sein, haben sie sich unbewußt Gott zugewandt. Sie hatten sich nach Ihm gesehnt. Ihnen fehlen jedoch all die vielen großen und übernatürlichen Hilfen, die sich nur einstellen, wenn man an Ihn glaubt. Der Glaube, ohne den es unmöglich ist, Gott zu gefallen und in den Genuß der Gemeinschaft mit Seinen anderen Kindern zu kommen, kennzeichnet den Beginn des Heiles eines Menschen. Der Glaube an Gott bringt einen in den Bereich der Vergebung.

Ein Mensch, der als Erwachsener ohne Glauben stirbt, kann nach dem Gesetz Gottes normalerweise nicht erlöst werden, sondern überantwortet sich dem Höllenfeuer. Wenn er an Gott glaubt, hat er hingegen geistigen Frieden und die Antwort auf so manche Fragen über den Sinn des Lebens und was ihm folgt.

Wenn er einmal erfahren hat, was es bedeutet, an einen guten Gott zu glauben, schwindet seine Verzweiflung gänzlich. In der Tat ist Verzweiflung für einen Gläubigen Sünde, da er das ganze Leben so anzunehmen lernt, wie es auf ihn zukommt, weil er weiß, daß hinter dem düsteren Unbekannten Gott im Schatten steht und über die Seinen wacht.

Der Glaube an diesen guten Gott veranlaßt einen, Ihn fortwährend zu preisen. Die Unzufriedenheit mit den Ungerechtigkeiten des Lebens schwindet dahin wie Morgentau. Mühsal wird von einem weisen und wohlwollenden Vater zugelassen, den wir derzeit noch nicht verstehen. Das ist alles.

Niemand könnte uns überzeugen: »Alle Menschen stammen von Affen ab; wir sollen daher einander lie­ben.« Stalin, ein Bewunderer Darwins, zog den logischen Schluß aus dessen Buch: Der Mensch ist das Ergebnis eines erbitterten Lebenskampfes gegen andere Arten. In diesem Kampf überlebten die erbarmungslosesten. Daher werde ich erbarmungslos sein!

Nur der Glaube an einen Gott der Liebe, der unser gemeinsamer Schöpfer war, kann bewirken, daß wir einander lieben.

Der Glaube an diesen Gott macht einen tugendhaft.

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Es heißt, daß eine sündige Frau einmal den heiligen Ephräm zur Unzucht verführen wollte. Als Ephräm ihren bösen Plan durchschaute, sagte er zu ihr: »Komm mit!« An einen Ort mit vielen Menschen angelangt, sagte er: »Jetzt kannst du tun, was dir beliebt.« Sie antwortete: »Es wäre schmachvoll, es vor so vielen Menschen zu tun.« ‑ »Wenn wir uns vor den Menschen schämen«, kam die Erwiderung, »um wieviel mehr sollten wir uns dann vor Gott schämen, der selbst in der Dunkelheit Verborgenes sieht.« Da tat sie Buße und gabt ihre üblen Absichten auf.

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Niemand liebt Gott wirklich, wenn er Dinge liebt, die Gott verboten hat. Wer Gott nicht vor sich schützt, liebt Gott nicht. Wenn du eine ansteckende, abstoßende Krankheit hättest, würdest du deine Lieben vor jeglichem Umgang mit dir schützen. Da jede Begegnung Gottes mit einem Sünder Gott degradiert, achtet der wahre Gläubige darauf, daß er Gott nicht zu sehr mit seiner Gegenwart belästigt.

Gott ist allwissend, was bedeutet, daß Er alles weiß, was zum Bereich des Wissens gehört. Er sieht alles, was zum Bereich des Sehens gehört. Er hört alles, was zum Hören gehört. Wie steht es aber mit Überraschungen? Wäre Er vollkommen, wenn Er die Freude von Überraschungen nicht kennen würde und wenn es keine Notfälle gäbe, die neue Maßnahmen von Ihm erforderten?

Man kann gewissermaßen Dinge beobachten, und man kann die Kausalkette, in die sie einbezogen sind, kennen, doch nicht alles hat eine Ursache. Heisenberg hat den Begriff des »Indeterminismus« in die Physik eingeführt. Jesus sagt in bezug auf Seine Widersacher: »Sie hassen mich ohne Ursache« (Johannes 15:25).

Nicht jede menschliche Handlung hat eine Ursache. Wir haben schon gewisse Dinge Gott zu sagen. Auch wenn Er alles weiß, freut Er sich, meine Meinung zu hören. Er wünscht auch, daß Menschen mit Ihm auf Seinem Thron sitzen, von dem aus Er das Universum erschafft und lenkt (Offenbarung 3:21).

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Sogar einige Theologen sind der merkwürdigen Ansicht, daß es in Glaubensangelegenheiten kaum Beweise gäbe. Sie kennen die Beweise nicht ‑ das ist alles.

Es ist nunmehr an der Zeit, die Beweise der Existenz Gottes systematisch anzuführen. Auf einige Beweise möchte ich näher eingehen, andere werde ich nur erwähnen.

1. Das kosmologische Argument oder das Argument von Ursache und Wirkung.

Jedes Bauwerk zeugt von der Existenz eines Baumeisters oder eines Architekten. Selbst wenn man den Baumeister nicht kennt, ist die Tatsache, daß das Gebäude vorhanden ist, Beweis genug, daß er existiert.

Wir alle leben in einem ungeheuer großen Haus, Kosmos genannt. Das Werk »Welt« beweist die Exi­stenz einer wirkenden Ursache, eines weisen Architekten.

Heute können wir mit Hilfe von Atomuhren selbst winzigste Unregelmäßigkeiten der Bewegung der Erde feststellen. Man hat herausgefunden, daß diese Bewegung langsamer wird. Befürworter der Urknalltheorie für den Ursprung der Erde haben festgestellt, daß, rückblickend, die Länge des Tages sich um 0,002 Sekunden pro Jahrhundert verringert, was bedeutet, daß unser Tag alle 50.000 Jahre um eine Sekunde kürzer wird. Durch Zurückrechnen bis zu einem Tag mit Null‑Länge behaupten sie, das Alter der Erde herausgefunden zu haben: viereinhalb Milliarden Jahre.

Lange davor gab es den ersten Urknall, durch den das Universum entstanden ist.

Es war keine Explosion im üblichen Sinne. Es war nicht die Ausbreitung von Materie in einem existenten Raum. Raum und Zeit sind Eigenschaften von Materie. Beim ersten Urknall traten Zeit, Raum, Materie sowie alle ihre Gesetze und Kräfte gleichzeitig in Erscheinung.

Der menschliche Geist kann es nicht fassen, die menschliche Sprache kann es nicht in Worte kleiden.

Wenn man diese Theorie voraussetzt, muß es jemanden gegeben haben, der den Urknall auslöste.

Die von Augustinus gestellte Frage: »Was tat Gott, ehe Er das Universum schuf«, ist falsch und daher nicht zu beantworten. Es hat kein »Zuvor« gegeben. Die Zeit entstand zusammen mit der Materie. Vor dem Urknall gab es Gott, den Ewigen, ohne Zeit, ohne Raum.

Laßt uns die Wunder Seiner Schöpfung betrachten! Laßt uns einen Blick auf einen ihrer kleinsten Teile, unsere sehr kleine Sonne, werfen!

Wenn ihre gelieferte Gesamtenergie nur um ein paar Bruchteile zunähme, würde die Temperatur auf der Erde steigen: Die Gletscher würden schmelzen, der Meeresspiegel würde steigen und das Land überschwemmen, menschliches Leben würde zugrunde gehen. Wenn die Sonne aber ihre Leistung um ein paar Grade verringern würde, wären Kontinente von Gletschern bedeckt, und die Menschheit würde erfrieren.

Wer hat veranlaßt, daß die Sonne genau die richtige Temperatur hat? Ist es einfach so geschehen?

Ist es einfach so geschehen, daß Ziegel zusammen kamen und ein Haus bildeten? Ist es einfach so geschehen, daß Räderwerk, Hebel und Schrauben zusammenkamen und eine Uhr bildeten? Absurd, sagst du. Mit Sicherheit steckte ein Verstand hinter dem Bau des Hauses und der Uhr.

Der Verstand hinter der Sonne ist Gott.

Wenn das für die Verbreitung des Atheismus aufgewendete Geld und die geistige Energie darauf verwendet würden, wissenschaftliche Entdeckungen zu fördern, könnte das Sonnenlicht und die Sonnenenergie zur Lösung vieler bedrückender Weltprobleme herangezogen werden.

Wir lassen die Energie des Sonnenlichtes, die kostbarste Hilfsquelle allen Lebens, praktisch ungenutzt entweichen.

Die Photosynthese in Pflanzen fängt nur ein Zehntel Prozent der verfügbaren Energie ein. Der Rest wird vergeudet.

Um etwas einmal finanziell auszudrücken: Sonnenlicht im Wert von 500.000 DM ist vonnöten, um eine Fischmenge im Wert von 5 DM zu produzieren. Die jährliche Energienutzung des Menschen entspricht dem Wert von lediglich einer Stunde des Gesamtsonnenscheins, der die Erde badet. Gott hat uns auf Erden Reichtümer zur Verfügung gestellt, die wir als Seine Gaben gut nutzen sollten.

Laßt uns ein anderes kleines Gotteswunder betrachten: das Wasser. Es ist eines der einfachsten Moleküle, bestehend aus einem Atom Sauerstoff und zwei Ato­men Wasserstoff. Sein Molekulargewicht ist 18. Im Vergleich dazu besteht ein Molekül Insulin aus 777 Atomen und besitzt das Molekulargewicht 5733.

Der Verstand, der das Wasser so einfach gemacht hat, muß unglaublich scharfsinnig sein. Diese Einfachheit läßt das Wasser ungehindert durch Membranen lebender Zellen gleiten, ein Vorgang, der bei größeren Molekülen unmöglich ist.

Wasser besitzt stark auflösende Eigenschaften. Substanzen können nur in Wasser aufgelöst in und aus lebenden Zellen gelangen. So wird ihnen Nahrung zugeführt, um Leben zu erhalten und Abfallprodukte auszuscheiden.

Um der Menschheit am besten dienen zu können, besitzt das Wasser keinen ausgesprochenen guten Geschmack, um nicht Wassersucht zu erzeugen, und auch keinen schlechten Geschmack, um nicht auf Ablehnung zu stoßen. Die zwei Verbindungen, die in der Molekularstruktur dem Wasser am ähnlichsten sind, nämlich Hydrogensulfid (H2S) und Ammoniak (NH 2), sind ätzende Gase, die in bezug auf Geschmack, Geruch und als Giftstoffe lebenden Zellen abstoßend sind. (Auszug aus »Signs of the Times«, November 1980).

Man betrachte einmal das wirklich große Wunder, den Menschen. Die sechzig Trillionen Zellen des menschlichen Körpers wirken zusammen, um eine einmalige Persönlichkeit aus ihm zu machen. Keine zwei Menschen sind gleich. Selbst Fingerabdrücke sind einmalig. Wenn eine Fingerspitze verletzt wird, heilen die Windungen wieder zu ihrem vorherigen Muster nach.

Man denke an die Lunge mit ihren Millionen elastischer Membranensäcken. Oder man denke an die Fähigkeit des Knochens, nach Verletzung selbst zu heilen.

Wie kommt es, daß die Ansammlung lebender Zellen namens »Auge« so gut sehen kann wie die teuerste Kamera? Ist eine Kamera das Zufallsprodukt eines Evolutionsprozesses oder ist jede Kamera die Konstruktion eines intelligenten Wesens?

Wer hat das Gedächtnis gemacht, das auf Kommando Eindrücke der Vergangenheit aus den Milliarden Partikeln, die in der persönlichen Datenbank eines Menschen gespeichert sind, abrufen kann? Wer hat die Phantasie geschaffen, die Macht, die unter den unglücklichsten Umständen Freude geben kann, die sich sogar eine Welt ohne Gott vorstellen kann, wenn der Mensch dazu neigt?

Der menschliche Körper besteht zu zwei Drittel aus Wasser. Er enthält zwei Millionen Schweißdrüsen, die mit dem Wasser, das sie freigeben, um den Körper kühl zu halten, Abfallprodukte ausscheiden. …

Man könnte endlos lange über den Aufbau und die Funktionen des menschlichen Körpers staunen.

Niemand würde glauben, daß es eine Uhr ohne Uhrmacher gibt, und der menschliche Körper, geschweige denn das Universum, liefert unendlich mehr Hinweise auf einen intelligenten Schöpfer als eine Uhr.

Wenn hinter der Schöpfung kein Geist steht, wie kommt es dann, daß die Atmosphäre für unseren Atmungsapparat genau richtig ist und auch genau richtig, damit die Erde am Tage nicht versengt wird und in der Nacht nicht gefriert? Daß die Temperatur gerade die richtige bleibt, um Leben zu erhalten? Daß es eine Ozonschicht gibt, die genau richtig ist, um tödliche kosmische Strahlen aus dem Weltall zu filtern?

Die Neigung der Erde beträgt 23,5 Grad; diese ist genau richtig, um der Abwechslung von Eis und Fluten, sengender Hitze und beißender Kälte vorzubeugen.

Menschliches Leben wäre beispielsweise auf dem Merkur nicht möglich, welcher auf der einen Seite Temperaturen von über 400′ Celsius hat, während sich die andere Seite unter dem Null‑Grad‑Bereich bewegt.

Die eine Seite liegt immer in Richtung der Sonne, während es auf der anderen dunkel und kalt ist. Die Erde dagegen hat gerade die richtige Entfernung von der Sonne, um geeignetes Licht, Wärme und Kraft zum Leben zu empfangen. Alle diese Umstände deuten auf die Vorsehung und den Genius Gottes hin.

Ein Fuß‑ oder Fingerabdruck genügt manchmal für einen Polizisten, um einem Verdächtigen auf die Spur zu kommen. Doch das ganze Universum mit all seinen Wundern genügt für den Atheisten nicht, den Einen zu entdecken, der es mit dem Fingerabdruck Seiner Weisheit versehen hat. Er ist sowohl blind als auch taub. Und genauso wie ein Tauber nicht die Aufgabe hat, über Musik zu schreiben, und ein Blinder nicht die Aufgabe, ein Gemälde zu beschreiben, ist es nicht richtig, wenn Atheisten von Dingen sprechen, die ihnen verborgen sind.

Hören wir jetzt, was Darwin, der große Günstling von Atheisten, über den Atheismus sagt: »Die Unmöglichkeit, zu begreifen, daß dieses wunderbare Universum durch Zufall entstand, scheint mir das Hauptargument für die Existenz Gottes zu sein.«

Ein Atheist behauptete einmal, das Universum sei als das Produkt zufälliger Kräfte entstanden. Einer, der ihn das sagen hörte, erwiderte unhöflich: »Das ist doch barer Unsinn!«

Der Atheist war beleidigt. »Sie sollten bedenken, daß Sie mit einem Doktor der Philosophie sprechen!«

»Und wenn? Ein Doktorat ist doch nur eine Zufallserscheinung«, entgegnete da der andere.  –  »Ich habe aber jahrelang an meiner Dissertation gearbeitet!«

»Wenn Sie glauben, Ihr Verstand sei für Ihre Dissertation erforderlich gewesen, um wieviel mehr ist dann Intelligenz für das Universum notwendig!«

Der herrlichste Beweis für die Existenz Gottes ist das Universum.

2. Das Argument vom Vorhandensein des Gottesgedankens in unserem Verstand.

Der englische Philosoph Roger Bacon hat einmal gesagt: »In unserem Intellekt ist nichts, was nicht zuerst durch unsere Sinne gegangen wäre.«

Wir haben in unserem Verstand keine einzige Vorstellung, die nicht entweder eine wahre oder eine verzerrte Widerspiegelung der Wirklichkeit ist.

Ein Dschungelbewohner hat keine Vorstellung vom »Fernsehen«, weil diese Wirklichkeit in seiner Welt nicht existiert.

Die große Mehrheit der Menschheit hat zu allen Zeiten auf die eine oder andere Weise an Gott geglaubt. Auch wenn einzelne Menschen nicht ihr Leben lang an Ihn glaubten, glaubten sie doch in manchen Augenblicken ihres Lebens an Ihn.

Wenn die Menschheit nicht schon einige Erfahrungen mit Gott gemacht hätte, wenn Er nie wahrgenommen worden wäre, hätte der Gottesgedanke nicht in den menschlichen Verstand dringen und sich dort mit solcher Macht verankern können.

3. Das teleologische Argument

(abgeleitet von dem griechischen Wort »telos«, welches »Zweck« bedeutet).

Alles auf dieser Welt ist auf einen Zweck ausgerichtet. Das befruchtete Ei im weiblichen Uterus entnimmt der Mutter soviel Nahrung, wie es benötigt, um ein Embryo, dann ein Fötus und schließlich ein menschliches Wesen zu werden. Bei einem weiblichen Embryo entwickeln sich bereits im Mutterleib Brustdrüsen, die erst dann gebraucht werden, wenn die betreffende Person vielleicht zwanzig oder dreißig Jahre später selbst Mutter wird.

Der Same einer Pflanze entnimmt dem Boden genau die Wasser‑, Phosphat‑ und Nährstoffmenge usw., die er benötigt, um eine Pflanze zu werden.

Die Sonne und alle ihre Satelliten bewegen sich unaufhörlich auf einen bestimmten Apex im Weltraum zu, als ob sie dort eine Begegnung hätten.

Wie läßt sich die Tatsache erklären, daß es in wasserarmen Gebieten, wo sich die Menschen auf Transporttiere verlassen mußten, die wochenlang ohne Wasser auskommen können, das Kamel gibt? Wie kommt es, daß Bienen für die Bestäubung wesentlich sind? Sind der Obstbaum und die Biene gleichzeitig durch Zufall entstanden? Oder weist eine solche Symbiose auf eine hinter der Wirklichkeit stehende Intelligenz hin?

Nur intelligente Wesen können sich zweckmässig entscheiden. Weder die Sonne noch die Eizelle, weder der Pflanzensame noch das Kamel können sich ihre Funktion aussuchen.

Es muß ein anderes Wesen geben, das ihre Funktionen zuvor festgelegt hat. Dieses Wesen ist Gott.

4. Das historische Argument

Wenn die meisten Menschen aller Zeiten ‑ einschließlich der größten Genies ‑ an Gott geglaubt haben, und wenn der Glaube in einer so überaus wichtigen Sache reine Täuschung ist, dann ist der Verstand vollkommen unzuverlässig und nicht in der Lage, den Atheismus zu bestätigen.

Wie archäologische Funde bewiesen haben, gibt es seit frühester Zeit Beweise der Existenz religiösen Glaubens. In allen untergegangenen Zivilisationen hat es ihn gegeben. Die Geschichte kennt eine natürliche Auslese von Gedanken. Was untauglich ist, wird ausrangiert. Die Beständigkeit des Gottesgedankens trotz der Jahrtausende sozialer Veränderungen beweist seinen Wert. Schiller hat es treffend ausgedrückt: »Die Weltgeschichte ist das Weltgerichte.«

5. Das sittliche Argument

Es gibt genügend Erklärungen für das Vorhandensein von Schlechtem und Bösem in der Welt. Das Leben lehrt die Menschen, böse zu sein, und führt sie auf schlechte Wege. Der eine muß dem anderen ein Wolf sein, um überleben zu können. Es hat den Anschein, als ob nur der Erfolg hat, der andere mit Füßen tritt.

Wie ist es aber zu erklären, daß es auch Liebe, Sanftmut und all die anderen Tugenden gibt? Sie haben ihren Ursprung nicht in menschlichen Erfahrun­gen. Wie kommt es, daß es ein Gewissen gibt, das einen von schlechten Taten zurückhält oder zumindest nach der Tat kritisiert? Woher die Reue?

Das erleuchtete Gewissen kann nur die Stimme eines anderen Wesens in uns sein, die Stimme des Wesens, das wir Gott nennen.

6. Das Argument von der Bewegung

Ohne Motor oder Beweger ist Bewegung nicht möglich. Daß ständige Bewegung nicht möglich ist, hat manch Möchtegernerfinder entdeckt. Das Universum ohne Gott wäre aber ein Perpetuum mobile.

In unserem Universum ist alles, vom Elementarteilchen bis zu den ungeheuren Galaxien, in ständiger Bewegung. Es muß einen Urheber geben, der die Bewegung in Gang gesetzt hat und fortwährend erhält. Der Eine, der alles überwacht, der Partikel und Planeten lenkt und alles sich bewegen läßt, heißt Gott.

7. Das Argument von den Prophetien

Niemand kann mit Sicherheit sagen, was ihm in zehn Minuten zustoßen wird, aber es gibt ein Buch, die Bibel, das Prophetien über Ereignisse enthält, die sich erst Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende nachdem sie vorausgesagt worden waren, zugetragen haben.

Die jüngsten Entdeckungen vieler alter biblischer Manuskripte in Wadi‑el‑Qumran haben erneut das Alter dieser Prophetien bewiesen, von denen viele bereits in Erfüllung gegangen sind, während viele andere vor unseren Augen in Erfüllung gehen.

Nur wenn wir die Existenz eines Weltenherrschers voraussetzen, der die ganze Geschichte der Menschheit voraussah, können wir die Existenz der Prophetie in der Bibel erklären. Obwohl es auch etliche Weissagungen in anderen, nichtbiblischen Schriften gibt, ist die Bibel mit ihren langfristigen, ausführlichen zeitlichen Prophezeiungen, von denen die meisten in Erfüllung gegangen sind, einzigartig. Die wichtigsten davon sind Prophetien über die Geburt und das Wirken Christi.

Prophetie, die sich ereignet, ist ein Beweis für die Existenz eines allwissenden Gottes.

8. Das Argument vom Denken auf höchster Stufe

Der Verstand, der einen Menschen leitet, arbeitet nicht immer optimal. Es sind nur Augenblicke, in denen er mit höchster Leistungsfähigkeit operiert. Das sind in der Regel Momente großer Gefühlsregungen oder großer Gefahr. Dann sind alle geistigen Kräfte konzentriert. Es gibt andere Augenblicke, in denen der Verstand umherschweift, abschweift oder unkonzentriert ist.

In Zeiten großer Bedrängnis ist der Mensch gewöhnlich gläubig. Das merkt man am besten, wenn er in Todesgefahr schwebt oder auf dem Sterbebett liegt.

Es hat zahllose Fälle gegeben, in denen sterbende Menschen, die nicht geglaubt hatten, im letzten Augenblick ihren Unglauben bereuten, aber es wird kaum einen Menschen geben, der, nachdem er sein Leben lang gläubig war, im Angesicht des Todes bereut, daß er geglaubt hat, und daraufhin seinen Glauben ablegt. Das ist fast eine psychologische Unmöglichkeit.

Wenn jemand eine Brücke gebaut hat und einen Handwagen über sie schiebt, ist das wohl kaum Beweis genug, daß die Brücke standhält. Ein Zug muß über sie fahren.

Der Beweis, daß eine Überzeugung gut ist, besteht darin, daß sie nicht bloß standhält, wenn einem das Glück lacht, sondern wenn man eine schlimme Seelenkrise durchmacht, wenn man in Gefahr schwebt oder dem Tod ins Auge blickt. In solchen Augenblicken sind die Menschen in der Regel religiös. Das trifft auch häufig zu, wenn man Erfahrungen großer Schönheit hat. Nach einer Seereise schrieb Engels, einer der führendsten atheistischen Denker: »Wir leben in Gottheit. Man sieht es am Besten, wenn man auf See ist.«

9. Das Argument von der Existenz der Glaubensfunktion

Weder Mensch noch Tier brauchten Ohren, wenn es keine Geräusche gäbe. Wir brauchten keine Augen, wenn es nicht Licht und Farbe gäbe. Wir hätten keine Verwendung für Lungen, wenn es keine Luft zum Atmen gäbe. Das Organ setzt die Funktion voraus. Das Vorhandensein eines Sinnesorgans ist der Beweis, daß die durch dieses Organ wahrgenommene Wirklichkeit existiert.

Der Mensch besitzt das Organ des Glaubens an metaphysische Gegebenheiten. Dieses Organ hätte sich niemals entwickelt und wäre nicht beibehalten worden, wenn es die durch die Glaubensfunktion wahrgenommene Wirklichkeit nicht gäbe.

10. Das Argument von der Voreingenommenheit des menschlichen Verstandes

Wir müssen gegenüber unserem eigenen Denken kritisch sein. Wir können zwar vieles sehen, aber nicht das Auge, mit dem wir sehen. Wir können jeden Ge­danken prüfen, nicht aber den Gedanken, mit dem wir prüfen.

Wenn man für einen Augenblick innehält vom Denken über Ereignisse, Menschen und Dinge, und dann über das Denken nachzudenken beginnt, erkennt man bald, daß man sich in einer geistigen Sackgasse befindet und daß der menschliche Verstand tatsächliche Mängel aufweist. …

Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, daß sogar Farben unser Denkvermögen beeinflussen. Auf schö­nen Wiesen oder in hellblau, gelb oder orange gestrichenen Räumen kommen wir auf glückliche Gedanken. Unser Verhalten ist in solcher Umgebung freundlicher. In häßlichen Räumen haben wir häßliche Gedanken. Düstere, dumpfe Farben, die nicht von freundlichen Akzenten unterbrochen werden, können sehr bedrückend wirken. Man denke nur an das Grau einer Gefängniszelle.

Eine schwarze Brücke über die Themse war bekannt für viele Selbstmordversuche, die auf ihr begangen wurden. Nachdem die Brücke grün gestrichen wurde, nahmen Versuche dieser Art um mehr als ein Drittel ab. …

Marxisten sind Meister, wenn es zu beweisen gilt, daß das soziale Umfeld, vor allem die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Gedanken der Menschen bestimmen.

Wenn Revolutionäre an die Macht kommen, ändern sie sich vollkommen. Während sie zuvor Streiks organisiert und unterstützt haben mögen, lassen sie, nachdem sie an die Macht gekommen sind, streikende Arbeiter erschießen.

Sogar bei Wissenschaftlern gibt es eine psychologische Voreingenommenheit. Oft sind ihre Beobachtungen darauf zugeschnitten, eher Erfahrungen und Daten auszuwählen, die ihre Voraussetzungen bestätigen, als solche, die ihnen widersprechen.

Unsere Denkweise ist oft primitiv. Wir denken sehr oft in Analogien. Aber ein Sprichwort sagt: Vergleich ist nicht Argument.

Es ist nicht falsch, wenn wir Analogien benutzen, um etwas von Gott zu erfahren, solange wir zugeben, daß Er unsere Bilder übersteigt und über jedem Namen steht, den wir Ihm geben können. Dionysios der Areopagite hat gesagt: »Gott ist nichts«, in dem Sinne, daß Er nichts von dem ist, was wir uns vorstellen. In der Bibel sagt Gott einfach: »Ich bin, was ich bin. «

Sobald man Analogien und Anthropomorphismen in bezug auf Gott verwen­det, wird das Risiko, etwas falsch darzustellen, sehr groß. Meister Eckhart, einer der großen christlichen Schriftsteller des Mittelalters, sagte daher zu Recht: »Nur eine Hand, die ausstreicht, kann etwas Wahres schreiben.« Gläubige behaupten nicht nur die Tatsache der Existenz Gottes, sondern sie stellen auch vieles, was über Ihn gesagt wird, in Abrede, da sie wissen, daß der Atheismus zuweilen nur die Ablehnung eines Gottes ist, der nicht wirklich existiert.

Da wir jedoch Menschen sind, können wir nicht auf alle anthropomorphischen Beschreibungen Gottes verzichten.

Der christliche Denker Nikolaus von Cusa setzte daher die »docta ignorantia«, die mit anderen Worten bekannte Unwissenheit, als den Anfang von Weisheit voraus. Die Intelligenz, der Verstand allein ist die niedrigste menschliche Wissenskraft und nicht in der Lage, die Wirklichkeit zu erfassen. Das Wissen um die eigene Unfähigkeit ist das höchste Bewußtsein, das sie erreichen kann: Das ist »docta ignorantia«.

Warum diese Machtlosigkeit? So ist das Wesen ‑ zuerst die Wahrheit und dann das Wissen. Alles Wissen kann nur Näherungswert und Mutmaßung sein, vor allem das Wissen um die letztendliche Wirklichkeit.

Wir müssen einen besseren Verstand finden als den unsrigen, auf dem wir uns verlassen können.

An Jesu Leben können wir klar erkennen, wie unzuverlässig der menschliche Verstand arbeitet.

Joseph, der Bräutigam der Jungfrau Maria, glaubte zu Unrecht, daß sie gesündigt habe, als er entdeckte, daß sie schwanger war. Die bedeutendsten Priester der Juden, in Religionsfragen überaus bewanderte Männer, anerkannten Jesus nicht als den, der Er war, sondern verurteilten Ihn als vermeintlichen Gotteslästerer zum Tode.

Pilatus bestätigte dieses Urteil, indem er seinen Verstand aus Furcht vernebeln ließ. Jesu eigenes Volk lehnte Ihn, der Er ihre Zier war, ab. Judas waren dreißig Silberlinge lieber als die Freundschaft mit dem Gottessohn.

Petrus war die eigene Sicherheit lieber, als seinem Herrn treu zu bleiben. Zum Zeitpunkt Seiner Gefangennahme ließen Ihn alle Apostel im Stich und flohen. Und tatsächlich glaubten sie alle nicht an Seine Auferstehung, selbst nachdem sie Ihn mit eigenen Augen gesehen hatten.

Die christliche Religion lehrt uns, zunächst unserem eigenen Verstand zu mißtrauen und, was wichtiger ist, die Gedanken Gottes anzunehmen, der von äußeren Umständen unabhängig und keinen irdischen Einflüssen unterworfen ist. Er ist der einzige, der die letzte Wahrheit erfassen kann, da Er ihr Urheber ist. Nur in der Religion kann somit Wahrheit gefunden werden; nur in Gott kann alles gewußt werden. In dem Maße, in dem wir uns von Gott entfernen, schließen wir uns von der Wahrheit aus.

Wie bereits gesagt, hätte der Gottesgedanke gar nicht in unseren Verstand dringen und sich dort mit solcher Macht verankern können, wenn die Menschheit nicht Erfahrungen mit Gott gemacht hätte.

Viele andere Faktoren könnten jedoch diesen Gedanken getrübt oder verfälscht haben. Weder in der Religion noch im Atheismus können wir uns auf unseren Verstand allein verlassen. Ohne eine höhere Offenbarung sind wir zum Irrtum verdammt.

Der Atheismus hat keine Offenbarung aus höheren Sphären und ist daher nicht glaubwürdig. Die Reli­gion besitzt Offenbarung, und diese sagt uns, daß es einen Gott gibt.

11. Das Argument von der Tatsache der Unzwangsläufigkeit

Alles auf der Welt ist Veränderungen ausgesetzt und vergänglich. Nichts ist stabil. Mensch und Materie sind in gleicher Weise einer so alltäglichen Erscheinung wie dem Wetter unterworfen ‑ Luftdruck, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Temperatur.

Das Entropiegesetz besagt, daß alles zur Auflösung und Zersetzung neigt. Veränderung und Verfall ist in allem, was ich sehe.

Dinge, die heute vorhanden sind, werden morgen verschwinden. Dies trifft, angefangen von den winzigen Partikeln im Atom bis zum Kosmos, zu. Es trifft auch im geistlichen Bereich zu.

Alles Veränderliche und Vergängliche ist daher kontingent. Etwas, das heute da und morgen weg ist, könnte heute auch nicht dagewesen sein. Es steht der Existenz gleichgültig gegenüber. Es kann sein und auch nicht sein.

Folglich muß es eine Ursache außerhalb von sich selbst haben. Wenn diese Ursache ebenfalls unzwangsläufig ist, muß sie ihrerseits eine Ursache haben. Diese Kette von Ursache und Wirkung kann nicht ohne Anfang und ohne Ende sein, denn, wenn alles unzwangsläufig wäre, könnte es genausogut nicht existiert haben.

Wie und warum ist dieses Rad in Bewegung gesetzt worden?

Die Welt der Kontingenz setzt die Existenz eines Wesens voraus, das notwendigerweise existiert, das nicht nicht sein kann, das keine Ursache außerhalb von sich selbst hat. Es ist wirklich, ohne von etwas abhängig zu sein. Es könnte nicht nicht sein oder anders sein. Wir nennen dieses Wesen »Gott«. Er muß existieren. Er könnte nicht nicht sein.

12. Das Argument von den Naturgesetzen

In der Natur, in der Gesellschaft, in der Seele und in unserem Körper läuft alles nach bestimmten Gesetzen ab, Naturgesetzen, soziologischen, physiologischen, psychologischen Gesetzen. Es ist unvorstellbar, daß es Gesetze ohne einen Gesetzgeber und Vollstrecker geben soll, der darauf achtet, daß alles gesetzmäßig abläuft.

Gott ist der Gesetzgeber, dessen Gesetze wir durch die Wissenschaft entdecken.

Wir sprechen von chemischen, physikalischen oder biologischen Gesetzen. Wir wollen uns der Tatsache sehr wohl bewußt sein, daß die Chemie und Physik nicht einfach nur chemisch und physikalisch sind. Der menschliche Verstand ist nötig, um sie zu entdecken.

Als Fleming für die Entdeckung des Penicillins gedankt wurde, sagte er: »Ich bin über diese Dankbarkeit erstaunt. Nicht ich habe das Penicillin gemacht, sondern die Natur bringt es hervor. Ich habe es nur entdeckt.«

Die Tatsachen der Natur sind einfach da und warten nur darauf, vom Menschen in seinem ewigen Wissensdrang entdeckt zu werden. Da sie von Gesetzen bestimmt werden, sind diese Tatsachen wohlgeordnet und letztendlich zu erkennen. Die Chemie und Physik ändern sich nur, wenn Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse berichtigen, um sie mit den bestehenden Tatsachen in Einklang zu bringen. Die Ordnung der Natur bleibt dieselbe.

Doch die Wissenschaftszweige der Chemie und Phy­sik sind mehr als nur ein Zusammentragen objektiver Tatsachen. In ihnen steckt ein Geist. Sie sind von dem Geist beseelt, der die Gesetze von Anfang an erlassen hat.

13. Das Argument von den Ausnahmen bei den Naturgesetzen

Selbst wenn es vorstellbar wäre, daß Gesetze der Natur zu eigen und nicht von einem bewußt erschaffenden Wesen erlassen worden sind, wie kommt es, daß es Ausnahmen von diesen Gesetzen gibt?

Ein Mechanismus kann keine Ausnahmen machen, er funktioniert stereotyp. In der Natur gibt es jedoch Ausnahmen.

Alle Körper schrumpften bei Kälte. Nur das Wasser bildet eine Ausnahme: Wasser dehnt sich bei Kälte aus. Eis ist daher leichter als Wasser in seinem flüssigen Zustand und schwimmt oberhalb, indem es eine Schicht bildet, die Tümpel und Seen vor der äußeren Kälte schützt. Aus diesem Grund können Fische den Winter überleben. Wer hat diese Ausnahme beim Wasser gemacht?

Alle Wasserstoffverbindungen sind giftig, mit wieder einer Ausnahme: dem Wasser. Ohne diese Ausnahme wäre Leben nicht möglich. Wer war dafür verantwortlich?

Wer hat bestimmt, daß die Frau Jahrhunderte hindurch nur durch sexuellen Verkehr schwanger werden konnte, und sah dann zu, daß eine Jungfrau ein Kind empfangen und gebären sollte ‑ Maria, die Mutter Jesu?

Die Ausnahmen von den Naturgesetzen sind ein Beweis für die Existenz Gottes.

14. Das Argument von Wundern

Es gibt ein Argument, das dem vorausgegangenen sehr ähnlich ist: die Existenz von Wundern.

Die Bibel berichtet von vielen Wundern. Eines der auffälligsten ist die Existenz Israels, Gottes auserwähltem Volk.

Den frühesten Hinweis auf Israel außerhalb der Bibel findet man auf der berühmten Merneptah‑Säule. Merneptah war der Nachfolger des Pharao Ramses II. Die Säule dokumentiert seine militärischen Erfolge, darunter auch die Prahlerei, daß es »keinen Samen Israels mehr gibt.«

Dreitausenddreihundert Jahre lang hat die Welt die folgende Behauptung wiederholt: »Israel ist zerstört; es hat aufgehört zu bestehen oder »es ist assimiliert worden.«

Am Triumphbogen des Titus in Rom, der nach Zerstörung des jüdischen Staates errichtet wurde, befindet sich die Inschrift: »Mit Judäa ist es zu Ende.« Heute flanieren Roms Juden in der Nähe dieses Bogens. Was das Römische Weltreich anbelangt, dieses ist allerdings zu Ende.

Die Geschichte der Kirche ist auch voller Wunder, die nicht hätten geschehen können, wenn es keinen Gott gäbe. Ich möchte nur ein einziges herausgreifen:

Der Erzbischof von Ufa, Andrej Uchtomskij, wurde zum Tode verurteilt und im Gefängis von Jaroslawl erschossen. Vor der Hinrichtung bat der Erzbischof um die Erlaubnis, beten zu dürfen. Das Erschießungskommando räumte dem Verurteilten mehrere Minuten ein. Als er niederkniete, war es, als ob eine Wolke ihn bedeckte, und er entschwand ihren Blicken. Die das Urteil vollstrecken sollten, wurden so kopflos, daß sie nicht mehr wußten, was sie tun sollten. Er konnte nicht entkommen ‑ und doch war er nicht da!

Erst nach etwa einer Stunde erschien der Hierarch wieder, auf den Knien an derselben Stelle betend und wie von einer leuchtenden Wolke umhüllt, die sich rasch auflöste. Die Mörder waren erleichtert, daß sie ihr Opfer wieder vor sich hatten, und beeilten sich, ihn zu erschießen.

Viele Leute können sich, wenn sie es recht bedenken, an wundersame Begebenheiten in ihrem Leben erinnern, die ohne Gott nicht hätten eintreten können.

Manche Wunder dieser Art nennen wir »Zufall«, was lediglich ein kleineres Wunder ist, in dem Gott anonym bleiben möchte.

Anatole France hat gesagt: »Zufall ist das Pseudonym, welches Menschen gebrauchen, wenn sie Gott nicht beim Namen nennen wollen. «

Merkwürdigerweise erachten es Atheisten für schwierig, an Gottes Wunder zu glauben. Wie einfach muß es für Gott, der das Rote Meer erschaffen hat, gewesen sein, es zu teilen, damit Sein Volk es trockenen Fußes durchschreiten konnte.

Viele Atheisten glauben an weitaus unannehmbarere Dinge.

Allein aufgrund der Autorität des Zentralkomitees glaubten sowjetische Kommunisten einmal, daß Stalin gleichzeitig der größte Politiker, der größte Strategie, der größte Linguist und der größte Wissenschaftler und Philosoph sei. Sie glaubten, daß dieser einfache Mann, der wegen Diebstahls im Gefängnis gesessen hatte, praktisch unfehlbar sei. Nach seinem Tode glaubten sie aufgrund einer einzigen von Chruschtschow gehaltenen Rede, daß dieser selbe Mann der größte Massenmörder in der Geschichte war.

Nach einer Mitteilung Chruschtschows im Jahre 1959 glaubten sie, daß Sowjetrußland innerhalb von fünf Jahren den materiellen Standard der Vereinigten Staaten erreichen und übertreffen würde. Wir schreiben inzwischen das Jahr 1986, und noch immer kann das kommunistische Rußland nur dadurch leben, daß es Weizen aus kapitalistischen Ländern einführt, hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten.

Sowjetische Atheisten haben passiv und auf unterwürfige Weise alle Märchen akzeptiert, daß der Kommunismus Brüderlichkeit unter den Völkern stiften wird. Sie sollen einmal chinesische, jugoslawische und russische kommunistische Zeitungen lesen, und sie werden sehen, wie sich die Genossen gegenseitig hassen.

Sie glauben unkritisch, was der jeweilig oberste Herrscher gerade verkündet.

Die Bibel ermahnt uns, unsere kritischen Fähigkeiten zu gebrauchen. Zum Beispiel: »Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind« (l. Johannes 4: 1); »Propheten aber lasset reden zwei oder drei, und die andern lasset die Rede prüfen« (l. Korinther 14:19).

Der christliche Glaube appelliert in hohem Maße an die Vernunft. So steht beispielsweise geschrieben: »Kommt denn und laßt uns miteinander rechten, spricht der Herr« (Jesaja 1: 18). Eine der Hauptthesen Martin Luthers war das Recht auf eine persönliche Auslegung der Heiligen Schrift. Er gab den Impuls zur Meinungsfreiheit in der Welt.

Kommunisten verneinten diese biblische Freiheit und gelangten dazu, an unexistente politische Wunder zu glauben.

Es heißt, die Wunder der Heiligen Schrift widersprächen den Naturgesetzen, doch die Menschen vergessen dabei, daß sie selbst, obwohl sie nur über sehr begrenzte Kräfte verfügen, fortwährend gegen die Naturgesetze verstoßen.

Wenn man am Morgen aufsteht, überwindet man beim Aufstehen das Naturgesetz der Schwerkraft. Wenn man mit dem Auto fährt, widersetzt man sich dem Trägheitsgesetz. Wenn man ein Atom spaltet, bricht man das Kohäsionsgesetz. ‑ Wenn der Mensch diese Gesetze übertreten kann, wie logisch ist es dann nur, zu glauben, daß eine höhere Ordnung von Wesen ‑ Engel, geschweige denn Gott selbst ‑ Dinge tun können, die uns nicht möglich sind, so wie der Wissenschaftler Dinge tun kann, die einen unwissenden Menschen verwirren.

John Stuart Mill hat einmal gesagt: »Ein Wunder steht nicht im Widerspruch zu dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Es ist eine neue Wirkung, die vermutlich durch Einführung einer neuen Ursache herbeigeführt wird.« Diese Ursache ist Gott.

15. Das Argument von der Ausdehnung des Universums

Die Verschiebung zum Infrarot des spektroskopischen Bildes, das wir von fernen Galaxien erhalten, beweist, daß sich unser Universum ständig ausdehnt. Astronomen vergleichen das Universum manchmal mit einem Luftballon, einem Spielzeug, auf dem Sterne gemalt sind. Wenn man den Ballon aufbläst, entfernen die Sterne sich voneinander.

Da Astronomen die Geschwindigkeit der Ausdehnung bekannt ist, können sie zurückrechnen, wie groß die Entfernungen vor einer Milliarde oder fünf Milliarden Jahren waren.

Indem sie auf diese Weise zurückgehen, gelangen sie zum Ausgangspunkt ‑ dem Ballon im Zustand vor dem Aufblasen, dem Augenblick der Erschaffung des Universums, oder dem, was Wissenschaftler heute, wie bereits gesagt, »Urknall« nennen.

Die Ausdehnung des Universums ist ein Beweis für die Existenz eines Gottes, der dessen Anfänge festgelegt hat.

16. Das Argument vom zweiten Gesetz der Thermodynamik

Gemäß diesem Gesetz kann in einem geschlossenen System sich etwas nur von Ordnung zu Zufälligkeit, Chaos, Anarchie fortentwickeln. Wenn unser Universum seit jeher bestanden hätte, befände es sich in einem Zustand des Chaos. System und Ordnung könnte es aufgrund der unumstößlichen Tatsache der Entropie nicht mehr geben.

Das Universum ist nur deshalb wohlgeordnet, weil es von einem Gott der Ordnung kommt.

17. Das Argument von der Existenz von Genen

Dieser Beweis ist in Wirklichkeit zwar nur eine Erweiterung, beziehungsweise ein spezifische Anwendung des Argumentes vom zweiten Gesetz der Thermodynamik, doch es hat einen gesonderten Wert.

In jedem Lebewesen gibt es einen genetischen Code, der bestimmt, wie es gebaut sein wird. Der Code ist eine Verbindung von Aminosäuren, die sich gemäß diesem Gesetz der Thermodynamik ‑ wie jede andere Materie spontan nur von Ordnung zu Chaos fortentwickeln können. Woher kommt dann die Ordnung des genetischen Codes?

Jeder menschliche Spermatozyd und jedes Ovulum enthalten Informationen, die, ausgeschrieben, 1000 Bände mit je 500 Seiten füllen würden. Alles ist dort ausgeschrieben: die Augen‑ und Haarfarbe, die Gesichtsmerkmale, Größe, Erbkrankheiten, aber auch vererbte Talente, alle Einzelheiten des Körpers sowie das psychologische Hauptgerüst, usw. Kein Wissenschaftler mit all den modernen Geräten könnte auf einen mikroskopisch so kleinen Raum diese Fülle an Informationen mit dem Impuls zusammenfassen, daß der künftige Embryo und spätere Mensch dementsprechend lebt.

Beim Spalten der Zellen werden sämtliche Informationen geschwind kopiert. Schließlich erhält man Milliarden von Kopien. Kein Kopiergerät könnte diese Leistung erbringen.

Was beim Menschen geschieht, geschieht auch mit den Zellen von Tieren und Pflanzen. Milliarden von Informationen in den Genen sagen Lilien, Tulpen und Rosen, welche Farbe und welchen Duft sie entfalten, was für einen zierlichen Stengel sie haben müssen und wie sie es an ihre Nachfolger weitergeben sollen.

Solche Ordnung kann nicht von Unordnung kommen. Der Mangel an Informationen und Intelligenz in Säuren kann Genen nicht mitteilen, wie sie Intelligenz beim Menschen entwickeln sollen. Säuremoleküle haben keinen Instinkt. Wie teilen sie dann den Genen mit, wie sie bei Tieren Instinkte hervorbringen sollen?

Genen sind ein unwiderleglicher Beweis für einen intelligenten Schöpfer.

18. Das Argument von der Existenz radioaktiver Elemente

Indem sie Elektronen verlieren, durchlaufen radioaktive Elemente ein Stadium nach dem anderen, bis sie so weit degradiert sind, daß sie zu Blei werden. Das nennt man radioaktive Filiation.

Wissenschaftler wissen nun, wie lange es dauert, bis sich ein radioaktives Element in ein anderes verwandelt hat und schließlich zu Blei wird.

Wenn es das Universum seit jeher gegeben hätte und es nicht erschaffen worden wäre, oder wenn es seit Abermilliarden von Jahren existiert hätte, wären alle radioaktiven Elemente längst zu Blei geworden.

Wie kommt es dann, daß sie noch immer vorhanden sind? Ihr Vorhandensein selbst beweist, daß das Universum nicht seit jeher von sich aus existiert, daß es einen Anfang hat, daß wir in einem erschaffenen Universum leben und, daß es folglich einen Schöpfer gibt.

19. Das Argument von der Existenz schwarzer Löcher

In den sechziger Jahren entdeckten Astronomen die Pulsare oder Neutronensterne. Sie werden auch als »weiße Zwerge« bezeichnet und bestehen aus unvorstellbar komprimierter Materie. Ihre eigene Schwerkraft wirkte auf die Masse und ließ sie zusammenbrechen. Der Druck hatte eine Zunahme der Schwerkraft zur Folge. Wir haben eine Kettenreaktion: Schwerkraft bewirkt Zusammenbruch, Zusammenbruch bewirkt eine erhöhte Schwerkraft und so weiter. Der Stern wird immer dichter. Solche Sterne neigen dazu, eine unendliche Dichte und vollkommenen Mangel an Dimension zu erreichen.

Diese Sterne beugen nicht nur das Licht, wie es bei anderen Sternen der Fall ist, sondern sie schlucken es. In dieser Phase nennt man sie »schwarze Löcher.« Sie werden für immer unsichtbar, wie alles an ihrem Horizont. Wir sehen Gegenstände, weil sie Licht aussenden oder es reflektieren. Die »schwarzen Löcher«, die jeden Lichtstrahl schlucken, sind unsichtbare Materie. Wo bleibt der vulgäre Atheist, der sagt, er glaube nur an das, was er sehen könne?

Es gibt drei Zonen: In einer bestimmten Entfernung von dem »schwarzen Loch« ist das Licht sicher. Es kann von diesem merkwürdigen Stern nicht geschluckt, sondern nur gebeugt werden, wie jedes Objekt es beugt. In einer anderen Entfernung wird es geschluckt. Es gibt eine Zone zwischen diesen beiden, den sogenannten »Horizont der Ereignisse«, in der das Licht weder geschluckt noch gebeugt, sondern gefangen genommen wird. Es wird ihn in einer Umlaufbahn für immer umkreisen. Die Zeit wird für es zu existieren aufgehört haben.

In diesem »Horizont der Ereignisse« gibt es das Raum‑Zeitkontinuum, welches unser Universum ist, nicht mehr, weil das Element Zeit verschwunden ist. Wir kommen an die Grenze zwischen unserer Wirklichkeit und einer anderen.

Die Behauptung des dialektischen Materialismus, daß unsere Wirklichkeit, von der Wissenschaft »Raum-Zeit-Kontinuum« genannt, die einzige sei, steht im Widerspruch zu der Existenz »schwarzer Löcher«, die die Grenze zwischen unserer Wirklichkeit und einer anderern sind, welche, außerhalb der Zeit, ewig ist.

  1. Wilder‑Smith schreibt in »Die Demission des wissenschaftlichen Materialismus«: »Jenseits des Horizontes der Ereignisse treten alle uns bekannten Gesetze der Materie außer Kraft. Die chemischen Gesetze, die wir kennen, erlöschen; dasselbe geschieht mit den physikalischen Gesetzen und der Materie sowie unserer Wirklichkeit von Materie‑Zeit. Die zeitliche Wirklichkeit gelangt nur bis zu dieser Grenze. Was jenseits dieser Grenze liegt, gehört >dem Jenseits< an.«

Die Bibel ist ein einzigartiger Durchbruch von einer anderen Wirklichkeit, der Wirklichkeit Gottes, in unser Raum‑Zeitkontinuum. Das grundlegende Dogma des Materialismus, daß die von unseren Sinnen wahrgenommene Wirklichkeit die einzige sei, ist zusammengebrochen, als wir die zusammenbrechenden Sterne entdeckten.

20. Das Argument von der Abstufung in allen Dingen

Der heilige Thomas von Aquin machte folgende Beobachtung: »Unter den Geschöpfen gibt es mehr oder weniger gute, wahre, edle und so weiter. >Mehr< oder >weniger< sind jedoch Prädikate verschiedener Dinge, je nachdem, wie sie in ihrer unterschiedlichen Art etwas gleichen, welches das Höchste ist, so wie etwas als wärmer bezeichnet wird, je nachdem, wie es etwas nahe kommt, das am wärmsten ist. Es gibt daher etwas, was am wahrsten, am besten, am edelsten und folglich das Höchste ist.«

Das nennt man Gott.

21. Das metaphysische Argument des Anselm von Canterbury

Konfuzius wurde gefragt, wie er anfangen würde, wenn er ein Land regieren müßte. Er entgegnete: »Ich würde den Sprachgebrauch verbessern.«

Seine Zuhörer waren erstaunt. »Das hat doch mit unserer Frage nichts zu tun!«

Da erklärte Konfuzius folgendes: »Wenn die Sprache nicht stimmt, entspricht das, was man sagt, nicht dem, was man meint. Wenn das, was man sagt, nicht mit dem übereinstimmt, was man meint, wird die Arbeit nicht sauber verrichtet. Wenn die Arbeit nicht sauber verrichtet wird, gedeihen Sitte und Kunst nicht. Wenn Sitte und Kunst nicht gedeihen, gibt es keine Gerechtigkeit. Wenn es keine Gerechtigkeit gibt, weiß das Volk nicht, wohin es Hand und Fuß setzen soll. Deshalb sollte eine willkürliche Wortwahl nicht geduldet werden. Von ihr hängt nämlich alles ab.«

In demselben Sinn hat der heilige Thomas von Aquin gesagt: »Es gibt offensichtliche Dinge, die man kennt, sobald die Begriffe bekannt sind. Wenn daher das Wesen des Ganzen und des Teils bekannt ist, ist es offensichtlich, daß jedes Ganze größer ist als ein Teil von ihm.«

Sobald die Bedeutung des Wortes »Gott« verstanden wird, erkennt man sogleich, daß es Gott gibt. Denn mit diesem Wort wird etwas zu verstehen gegeben, jenseits dessen man sich nichts Größeres vorstellen kann. Doch was tatsächlich existiert, ist größer als das, was nur im Intellekt existiert. Sobald daher das Wort »Gott« verstanden wird und es im Intellekt existiert, folgt daraus auch, daß es tatsächlich existiert.

Die Behauptung: »Gott existiert«, ist somit offensichtlich, da die Existenz der Wahrheit offensichtlich ist. Wenn man deren Existenz leugnet, muß deine Behauptung: »Es gibt keine Wahrheit«, richtig sein. Folglich gibt es Wahrheit.

Gott ist Wahrheit. In dem Satz: »Gott existiert«, ist das Prädikat dasselbe wie das Subjekt. Die Existenz Gottes ist offensichtlich.

Spinoza hat geschrieben: »Nur wenn die Wesenheit Gottes Existenz nicht mit einbezieht, könnte man sagen, daß Er nicht existiere.«

Das ist absurd. Daher existiert Gott zwingenderweise, was es aufzuzeigen gilt. Man kann zwar sagen, daß es, obwohl wir die Worte »rechteckiger Kreis« haben, es keinen rechteckigen Kreis gibt, weil dies einen Widerspruch in sich birgt. Das ist aber bei Gott nicht der Fall. Was sollte Gott am Existieren hindern? Keine äußere und auch keine innere Ursache können bewirken, daß Er nicht existiert. Vollkommenheit befähigt zum Existieren; Unvollkommenheit behindert es. Keiner Existenz können wir uns sicherer sein als der des absoluten, unendlichen oder vollkommenen Seins, das heißt Gott.

Wir haben diesen Begriff. »Existieren« ist darin mit eingeschlossen. Wir können uns der logischen Schlußfolgerung, daß Gott existiert, nicht länger entziehen. Kant sagt: »Es ist widersinnig zu fragen, ob es einen Gott gibt«, weil der Begriff »Gott«, welcher das vollkommenste Wesen bedeutet, das Merkmal »existieren« mit einschließt. Anselm von Canterbury schreibt in »Proslogion«: »Wenn man sagt, Gott existiere nicht, meint man das Sein, wovon man sich ein größeres nicht vorstellen kann. Es muß aber existent sein, sonst könnte man sich ein größeres Sein vorstellen. Es muß auch ein Sein sein, von dem man sich nicht vorstellen kann, daß es nicht existiert. Niemand, der versteht, was Gott ist, kann sich vorstellen, daß Gott nicht existiere … Gott ist so, wie man Ihn sich größer nicht vorstellen kann. Und wer das gänzlich versteht, versteht sicherlich, daß dieses Sein so wahrhaftig existiert, daß es nicht einmal in Gedanken nichtexistent sein kann.« ‑ Ich wiederhole: Wenn Gott vorstellbar ist, ist Seine Nichtexistenz unvorstellbar.

Fénelon schreibt in Zusammenhang mit diesem Argument: »Existenz, Wahrheit und Güte sind ein und dasselbe: Böses hat nichts Wirkliches. Es ist unbestreitbar, daß ich mir ein unendliches Sein von unendlicher Vollkommenheit vorstellen kann, und weil ich es mir vorstellen kann, muß es existieren. Dieses Sein ist mit meiner Vorstellung von ihm identisch; es kann nur als Existenz erfaßt werden, weil Existenz in seiner Wesenheit erfaßt wird. Meine Vorstellung davon erfaßt deutlich seine tatsächliche Existenz. Wir müssen die tatsächliche Existenz dieses unendlich vollkommenen Seins bejahen, wie ich die tatsächliche Existenz meines tatsächlichen Gedankens bejahe.« ‑ Malebranche sagt: »Es genügt, über Gott nachzudenken, um zu wissen, daß es Ihn gibt.« – Descartes schreibt: »Die Vorstellung von >unendlich< könnte im Geiste eines endlichen Wesens nicht existieren, wenn sie ihm nicht von einem unendlichen Wesen eingegeben wäre.«

22. Das Argument von der Komposition aller Dinge in der Natur

In der Natur ist alles zusammengesetzt. Was für einen komplizierten Aufbau findet man selbst in einem Atom, in einer lebenden Zelle, in einem seelischen Komplex! Alles Zusammengesetzte dient etwas anderem als sich selbst. Ein Bett und ein Stuhl dienen dem Menschen; eine Zelle dient einem Organismus; Moleküle dienen einer Zelle; Elementarteilchen dienen einem Molekül usw.

Nie gehört eine Absicht der Masse selbst, die keine Intelligenz hat und folglich auch keine Absicht verfolgen kann. Jedes zusammengesetzte Etwas beweist die Existenz des Schöpfers: die zusammengesetzten Dinge des Universums beweisen die Existenz des göttlichen Schöpfers.

Gott muß eine einfache Substanz und nicht zusammengesetzt sein, denn wenn Er eine Anhäufung wäre, würde Er wiederum den Absichten von etwas anderem dienen, und so endlos fort. Da alle Dinge Gott dienen, muß Er sich wesentlich von ihnen unterscheiden. Da Er nicht zusammengesetzt ist, ist Er keinen Veränderungen unterworfen, da Veränderungen von den Reaktionen zwischen Bestandteilen verursacht werden.

Da Gott somit unveränderlich und unveränderbar ist, ist Er offensichtlich auch unsterblich.

23. Das Zeugnis der besten Exemplare der Menschheit

Die Argumente für die Existenz Gottes betrachtend, wollen wir wie ein unparteiischer Richter sein, der alle Zeugen hört, und wie ein gerechter Richter, der ihre Glaubwürdigkeit abwägt.

Zeugen für die Existenz Gottes sind jene Exemplare der Menschheit, die Eigenschaften der Güte, Sanftmut, Liebe und Heiligkeit an den Tag gelegt haben.

Propheten, die Religionsstifter, Jesus Christus, die Apostel und Heiligen aller Zeiten und in allen Teilen der Welt waren Zeugen für Seine Existenz. Ausnahmslos sprechen sie von ihrer persönlichen Erfahrung mit Gott. Die Propheten vernahmen Seine Stimme. Die Apostel kannten Ihn in der Person Jesu, von dem geschrieben steht, daß »Er aus des Vaters Schoß kommt«.

In allen Zeiten hat sich der Vater in vielerlei Weise den Heiligen offenbart. Wahrheit ist das Leitprinzip im Leben all dieser Zeugen gewesen, von denen viele in den Tod gegangen sind, um sie zu verteidigen.

Kein Richter würde die Aussagen solcher Zeugen ohne weiteres unter den Teppich kehren. Das sollen auch wir nicht tun. Ihr vielfältiges Zeugnis ist ein zwingender Beweis für die Existenz Gottes.

Ich möchte die Geschichte von nur einem von ihnen erzählen ‑ von Bartolome de las Casas.

Im Jahre 1502 kam er nach Santo Domingo und lebte, wie es Brauch war, mit Indios als Sklaven. Als er das Evangelium hörte, erkannte er, daß seine Männer und der Wohlstand, den sie ihm brachten, unrechtmäßige Güter waren. Unverzüglich setzte er seine Sklaven auf freien Fuß und rief auch seine Mitkolonisten auf, seinem Beispiel zu folgen und keine Tyrannen mehr zu sein.

Es gelang ihm, die spanischen Behörden zu überzeugen, selbstverwaltete Landwirtschaftskommunen von Indios zu gründen, in denen sie den größten Teil des Gewinnes erhalten würden.

Nachdem er später zum Priester geweiht worden war, gebot er Eroberungsfeldzügen und der Sklavenjagd in Nicaragua Einhalt und brachte Soldaten dazu, daß sie den Befehlen von Sklavenhaltern nicht gehorchten.

Schließlich veranlaßte er Kaiser Karl V., die Sklaverei von Indios im Jahre 1542 abzuschaffen. Papst Paul III. hatte sich in seiner Bulle »Sublimis Deus« bereits gegen sie ausgesprochen.

Inzwischen war Bartolome zum Bischof geworden. Er verweigerte Sklavenhaltern die Absolution und verteidigte seinen Standpunkt in dem Büchlein »Confessionario«, welches einen Aufschrei gegen ihn in Spanien auslöste. Die Regierung war der Ansicht, daß er zu weit gegangen sei: »Verräter! Er ist ein Verräter! Wir haben kein Anrecht auf Indianer, wenn, wie er sagt, alles, was wir dort getan haben, unbillig ist.«

Selbst Humanisten behaupteten zu jener Zeit, die Indios, eine untergeordnete Rasse, seien von Natur aus Sklaven, und rechtfertigten damit die spanische Eroberung. Las Casas erwiderte: »Das ganze Menschengeschlecht ist eins«, und er sagte, daß die Spanier nicht das Recht hätten, zu erobern oder auszubeuten. Sein Einfluß führte zur friedlichen Kolonialisierung der Philippinen.

Er veröffentlichte ein Buch nach dem anderen zur Verteidigung der Unterdrückten. Von ihm stammt auch das Pamphlet »Kurzbericht über die Zerstörung Westindiens«, welches die Geschichte von dem indianischen Kaziken auf Kuba enthält, der, als man ihm sagte, daß Spanier in den Himmel kämen, antwortet: »Dann möchte ich nicht dorthin kommen, sondern lieber in die Hölle, damit ich nicht dort bin, wo so grausame Menschen sind.«

Woher nahm Las Casas seinen Mut? Er gibt die Antwort selbst: »In Seiner Güte und Barmherzigkeit erachtete es Gott für richtig, mich, obwohl unwürdig, zu Seinem Diener zu wählen, um für alle diese Menschen Westindiens einzutreten gegen die Untaten und das Unrecht, von denen man bislang weder gehört noch gesehen hat. Und ich habe etwa 50 Jahre lang allein für Gott gearbeitet.«

Wir können zugunsten der Religion ‑ vor allem der christlichen Religion ‑ die Schriften und Aufzeichnungen zahlloser Heiliger aller Zeiten anführen. Welche Autoritäten können Atheisten zur Untermauerung ihrer Anschauung auftreiben?

Sie können keine Wohltäter der Menschheit für sich beanspruchen. Ihre Zeugen sind die größten Verbrecher des Menschengeschlechts: Stalin, Chruschtschow, Breschnew, Tito, Mao Tse‑tung, Pot Pol und Karl Marx, den Urheber des Horrors und Holocausts.

Welcher unparteiische Richter hätte die geringste Schwierigkeit, sich für die Existenz Gottes zu entscheiden, wenn er zwischen diesen zwei Arten von Zeugen zu wählen hätte?

24. Das Zeugnis von Wissenschaftlern

Die meisten wirklich großen Wissenschaftler ‑ diejenigen, die den Bau des Universums und das Geheimnis des Lebens am besten kannten ‑ sind Gläubige gewesen.

Unser Universum hatte zwei Namen: das Newtonsche und das Einsteinsche Universum. Sowohl Newton als auch Einstein glaubten an Gott, wenn auch auf verschiedene Weise. Nils Bohr, Piccard, Pasteur, Mendel, Filatow und unzählige andere Wissenschaftler und Begründer wissenschaftlicher Disziplinen waren Gläubige.

Sie sind ein beredtes Zeugnis für die Existenz Gottes. Ich glaube nicht, daß jemand mehr berechtigt ist, im Namen der Wissenschaft zu sprechen als Einstein, wenn auch nur deshalb, weil das Universum seinen Namen trägt. Er sagte, daß unsere bisherigen Erfahrungen unser Gefühl rechtfertigten, daß »in der Natur die Idee mathematischer Einfachheit verwirklicht ist«. Laut Einstein ist das Universum somit die Verwirklichung einer Idee. Er weigerte sich, seine Relativitätstheorie aufzugeben, und sagte, daß »man weder logische noch experimentelle Gründe und auch nicht die Überlegung von Einfachheit und Schönheit gegen sie anführen kann«.

Wenn das Universum aber erfüllte Schönheit ist, muß es einen Künstler geben, der sie ersonnen hat.

Ich habe vollen Respekt vor den wissenschaftlichen Kenntnissen atheistischer Denker, aber sie müssen auch zugeben, daß Einstein eine größere Autorität ist als sie.

In der Universität Princeton stehen in einem der schönen Säle über dem Kamin folgende Worte Einsteins: »Gott, der die Natur erschafft und in ihr ist, ist sehr schwierig zu verstehen, aber er ist nicht willkürlich oder arglistig.« Ein Gott, der denkt, ein Denker; ein Gott, der nach Schönheit trachtet, ein Künstler; ein Gott, der Güte ist ‑ so Einstein. Und im Vergleich zu ihm sind wir alle ‑ selbst Mitglieder der Moskauer Akademie der Wissenschaften ‑ Zwerge.

Vielleicht möchtest du gern wissen, was der große Physiker Max Planck in seiner wissenschaftlichen Autobiographie sagt. Er ist der Begründer der Lichttheorie. Hier seine Worte: »Religion und Naturwissenschaft kämpfen einen gemeinsamen Kampf in einem unablässigen, niemals nachlassenden Feldzug gegen Skeptizismus und gegen Dogmatismus, gegen Unglauben und gegen Aberglauben, und der Sammelruf in diesem Feldzug war immer und wird immer sein: >Hin zu Gott<! «

Möglicherweise räumen Atheisten ein, daß manche Wissenschaftler zwar religiös seien ‑ aber nur von Tradition aus ‑, und daß die Religion in Wirklichkeit keine bedeutende Rolle in ihrem Leben spiele. Das stimmt nicht. Einstein war in seiner Jugend ein Atheist. Von Geburt war er Jude, so daß ihn seine ganze Erziehung gegen das Christentum voreingenommen machte. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse machten jedoch einen religiösen Menschen und großen Verehrer Jesu Christi aus ihm.

Und da wir es gerade von Einstein haben, zitieren wir ihn abermals: »Die meisten Leute sagen, es sei der Intellekt, der einen großen Wissenschaftler ausmache. Sie haben unrecht, es ist der Charakter.« Der Charakter wird aber nicht vom Atheismus, sondern von der Religion hervorgebracht.

Man kann kein wahrer Wissenschaftler sein, wenn man nicht einen aufrichtigen und unverfälschten Charakter hat, der dem Atheismus fremd ist.

25. Der Beweis von großer Kunst

Die Religion hat zu Kunstwerken inspiriert, wie beispielsweise den Gemälden Michelangelos, Raphaels und Rembrandts, der Musik von Palestrina, Bach und Mendelssohn sowie der Dichtung von David, Dante und Milton. Können Atheisten wenigstens ein Kunstwerk nennen, zu dem die Gottesleugnung inspiriert hätte?

Nie ist jemand für den Atheismus beredt gewesen; nie könnte man den Atheismus malen, ihn besingen oder ein Gedicht über ihn machen. Allein diese Tatsache sollte einem zu denken geben. Sie ist eine der gewichtigsten Argumente gegen den Atheismus.

26. Das Zeugnis von Bauern

Der Atheismus ist das Kind von Städtern, die von Mauern umgeben sind und das Universum durch ver­rußte Fensterscheiben sehen. Sie sehen das Universum nicht so, wie es wirklich ist.

Bauern, die noch in engem Kontakt zur Natur leben, wissen es am besten. ‑ Bauern sind nicht Atheisten, weil sie wissen, daß man die Natur nur als Gottes Schöpfung verstehen kann.

27. Das Zeugnis von Tiererfahrungen

Da der Mensch nicht der einzige Bewohner des Universums ist, ist es nicht richtig, wenn man allgemeine Schlüsse bezüglich der wichtigsten Probleme zieht, ohne über die Erfahrungen anderer Arten Betrachtungen anzustellen.

Alle, die mit Tieren vertraut sind, vor allem Landwirte, erkennen die Tatsache, daß Haustiere, vor allem Hunde, aber auch Pferde, ein Gespür für metaphysische Wirklichkeiten haben, das dem Menschen fehlt. Der Hund im Haus scheint den Tod seines Herrchens im voraus zu wissen, selbst wenn dessen Tod in einiger Entfernung oder unerwartet eintritt. Dieses Wissen äußert sich in melancholischen Zuständen, die zur Nahrungsverweigerung, ja bis zum Tod des betreffenden Tieres führen können …

In der Regel schreibt man das dem Instinkt zu, aber was nehmen die Tiere durch den Instinkt wahr? Sie nehmen ein Wesen wahr, das wir nicht sehen – den Todesengel. Die metaphysische Wirklichkeit, deren letzter Ausdruck Gott ist, wird durch die Erfahrungen der Tierwelt bestätigt.

Es ließe sich noch vieles mehr im Zusammenhang mit dem Tierleben sagen.

Für Materialisten ist das Denken eine Funktion des Gehirns. Die komplizierte Struktur des menschlichen Gehirns soll angeblich unsere Fähigkeiten erklären. Wie kommt es aber, daß Bienen rechnen können? Ver­fügen sie über einen solchen überaus hochqualifizierten Verstand?

Professor Dr. James Gould von der Universität Princeton berichtete 1983 auf einer Konferenz in den USA von einem erstaunlichen Experiment, das er mit Bienen gemacht hatte.

Er stellte eine Schale mit Zuckersirup in einer bestimmten Entfernung zum Bienenstall auf. Nachdem die Bienen den Sirup entdeckt hatten, rückte er die Schale um das 1,25 fache weiter weg vom Bienenstall. Beim dritten Versuch war die Entfernung 1,25 mal so groß wie beim zweitenmal und so weiter, bis die Schale 900 Meter vom Bienenstall entfernt war.

Als Professor Gould jedoch dort anlangte, erlebte er eine Überraschung: Die Bienen waren schon vor ihm da und warteten auf den Sirup.

Die Bienen wußten, daß sich die Entfernung jedesmal um den Faktor 1,25 vergrößerte und hatten den neuen Standort der Schale vorher angerechnet.

Als Gould gefragt wurde, ob er eine Erklärung dafür habe, antwortete er: »Nein. Es hätte mir gefallen, wenn sie es nicht getan hätten«, dies, weil er vor einem Rätsel stand. Tierische Fähigkeiten sind nicht erklärbar, außer wenn es einen Gott gibt, der für sie denkt.

An vielen Orten der Ostküste der USA werfen Möwen Austern auf den Beton von Parks. Die Schalen zerbrechen, und sie können das Fleisch verspeisen, an das sie sonst nicht herankommen könnten. Geier in Afrika, die nicht in der Lage sind, die harten Schalen bestimmter Eier zu öffnen, bombardieren sie mit Felsstückchen. Denken sie logisch ohne einen entsprechenden Verstand und ohne Aristoteles‘ Denkregeln zu kennen? Oder gibt es einen Gott, der für alle Seine Geschöpfe sorgt?

Wale verständigen sich mit Signalen von so hoher Frequenz, daß das menschliche Ohr sie nicht wahrnehmen kann. Sie können Geräusche unterscheiden, mit denen sie Wohlbefinden ausdrücken, den Wunsch, sich zu vergewissern, daß die Familie in der Nähe ist, den Wunsch, zu spielen oder zu schlafen. Es gibt ein Geräusch für Schmerz infolge Krankheit und ein anderes für Geburtswehen. Sie haben ihre Liebeslieder, Schlummerlieder für junge Wale, Informationen über Nahrungsplätze, Kommandos wie »vorwärts« oder »halt« sowie Trauerlieder der Todesfälle.

Einige afrikanische Affen haben für verschiedene Tiere etwas, was wir als »Namen« bezeichnen könnten. Sie warnen ihre Freunde in verschiedenen Tonhöhen, je nachdem, ob die Gefahr von einem Leopard, einer Schlange oder einem Greifvogel droht. Vor Schlangen verstecken sie sich auf Baumwipfeln und vor Vögeln in dornigen Sträuchern usw. (»Welt«, 5. Juni 1983)

Das Tierleben sagt uns, daß es einen Gott gibt.

28. Der Beweis von der Stillung unserer Bedürfnisse

Für alle grundlegenden menschlichen Bedürfnisse gibt es eine Wirklichkeit, die außerhalb der Reichweite des Menschen liegt. Wir werden mit Lungen geboren, und wir finden Luft zum Atmen. Wir kommen, von Milch abhängig, zur Welt und finden eine Mutterbrust. Wir wachsen heran, und unsere Bedürfnisse ändern sich; dementsprechend ändert sich auch die Milch in der Mutterbrust. Wir werden mit dem Verlangen nach Nahrung geboren und treffen in der Welt, die wir bewohnen sollen, Gemüse, Obst und Fleisch an. Wir werden mit einem Körper geboren, der krank werden kann, und wir finden in der Erde, in ihren Salzen, Pilzen und Kräutern, Heilmittel für alle unsere Krankheiten. Die Wirklichkeit auf Erden entspricht somit immer unseren grundlegenden Bedürfnissen.

Doch der Mensch ist nicht bloß Körper. Er ist ein Organismus, der einen Vater braucht, der ihn beschirmt und tröstet und ihn zu sittlicher Ordnung ermutigt. Es wäre in der Tat merkwürdig, wenn eine äußere Wirklichkeit allem anderen entsprechen sollte und dem nicht.

Der Wunsch, glücklich zu sein, und die Fähigkeit des Menschen, sich das vorzustellen, übersteigen bislang die glücklichsten Augenblicke einer begünstigten ‑ geschweige denn einer elenden ‑ Existenz so sehr, daß es unvorstellbar ist, daß es keine äußere Wirklichkeit gibt, die dem entspricht. Wenn Verlangen Erfüllung voraussetzt, dann muß es das in der Vorstellung existierende Paradies tatsächlich geben. Und das Paradies, die erträumte Vollkommenheit, die die verborgenen Sehnsüchte aller Menschen erfüllt, ist die Wohnung Gottes, der sie allen, die darin wohnen möchten, anbietet.

Und wie steht es mit Gut und Böse?

Wenn es keinen obersten Richter gibt, der Gutes belohnt und Böses bestraft, hätte es keinen Sinn, sittsam zu leben.

Und wenn der Glaube an diesen Richter schwindet, schwindet auch der grundlegende Kitt der Gesellschaft. Die menschliche Gesellschaft braucht einen gerechten Gott. Dieser Notwendigkeit entspricht auch eine äußere Wirklichkeit.

29. Der Beweis von künstlichen Satelliten

Heute sind die Menschen selbst Erbauer von »Sternen«. Ich rede von künstlichen Satelliten. Diese sind zwar sehr winzige Planeten, doch sie haben uns experimentell bewiesen, daß selbst hinter den kleinsten Punkten im Weltall, die nur eine Handvoll Menschen enthalten, stets eine ungeheure Intelligenz steckt.

Unsere von Menschenhand geschaffenen »Sterne«, für die knifflige Berechnungen und komplizierte Geräte erforderlich sind, haben nur eine kurze Lebensdauer. Und doch sind sie als Errungenschaften ganz außerordentlich.

Könnten sie nur durch Zufall entstanden sein?

Unsere Erde ist auch ein Satellit, der seine Milliarden von Bewohnern jedes Jahr um die Sonne trägt. In der ganzen Geschichtsschreibung ist sie nie vom Kurs abgekommen oder in die feurige Umlaufbahn der Sonne geraten. Hinter unserer Erde und hinter den Millionen ähnlicher Satelliten und anderen Sonnen, hinter all den zahllosen Sternen am Himmel muß auch ein Verstand stehen, der diese Wunder ersonnen hat, eine Person, die sie geschaffen hat und lenkt. Diese Person ist Gott.

30. Der Beweis von der automatisierten Industrie

In einem automatisierten Betrieb kann man lange umhergehen, bis man einen Ingenieur oder Arbeiter zu Gesicht bekommt. Die Motoren und Maschinen beeinflussen sich gegenseitig und stellen alle nötigen Bewegungsabläufe her. Hinter der Automatisierung steht aber der Ingenieur, der sie erfunden und ausgeklügelt hat, und während des Arbeitsablaufes führt der Arbeiter das Kommando.

In ähnlicher Weise scheint das materielle Universum automatisch zu funktionieren. Doch lassen wir uns nicht täuschen: Ohne einen Konstrukteur und Lenker hätte es nie entstehen können. Sein Baumeister und Schöpfer ist Gott.

31. Der Beweis von erhörten Gebeten

Seit Jahrhunderten und Jahrtausenden haben unzählige Gläubige die Tatsache bezeugt, daß in ausweglosen Situationen gesprochene Gebete, da menschlich gesehen alles bereits verloren zu sein schien, erhört wurden, manchmal auf bemerkenswerte Weise.

Wenn solche Erfahrungen nicht bestätigt worden wären, wäre die Praktik des Betens schon längst verloren gegangen, zusammen mit vielen abergläubischen Vorstellungen, die mit der Zeit verschwunden sind. – Erhörtes Gebet ist ein Beweis für die Existenz des Einen, der es hört und erhört.

32. Das Argument von der Notwendigkeit eines ewigen Geistes

Dieses Argument ist hauptsächlich von dem englischen Philosophen Bishop Berkley herausgearbeitet worden, welcher sagt, daß das Universum nur in einem Geist existieren könne. Der Geist ist der »Computer«, der die Millionen von Eindrücken verarbeitet, die er tagtäglich über die Sinne empfängt, und aus ihnen ein Universum schafft. Nach gebührender Überlegung ordnet der Geist alle über die Sinne wahrgenommenen Ereignisse in die Kategorien Ouantität, Oualität, Kausalität, Modalität und Finalität ein.

Der Tastsinn sagt dem Verstand, daß er etwas Weiches fühlt; die Zunge sagt, daß sie etwas Salziges schmeckt; das Auge erkennt etwas Gelbes. Daraus konstruiert der Verstand den Begriff »Käse.«

Jenseits objektiver Analysen stattet der Verstand Gegenstände mit Wertvorstellungen aus. Die Rose ist nur für das Auge eines das Schöne liebenden Menschen schön. Das Universum ist somit in einem Geist konstruiert.

Wo war aber das Universum, als es den menschlichen Verstand noch nicht gab?

Da das Universum nachweisbar älter ist als der menschliche Verstand, muß es schon immer einen Verstand gegeben haben, der es ersonnen hat. Dieser ewige Verstand ist Gott.

33. Der Beweis von der Existenz des Bösen

Anstatt diesen Beweis anzuführen, möchte ich berichten, wie er einen führenden Kommunisten überzeugte.

Kommunisten hassen, verhaften, foltern und töten sich gegenseitig in Gewaltorgien.

In der Stalinära wurde in der Tschechoslowakei ein führender Kommunist namens Löb von seinen eigenen Genossen ins Gefängnis gesteckt und einer Gehirnwäsche unterzogen. Allein in einer Zelle mußte er Tag und Nacht anhören, wie ein Lautsprecher zum Wahnsinn treibende Worte schmetterte: »Spion! Verräter! Konterrevolutionär! ‑ Oh nein, entschuldige, lieber und treuer Genosse! ‑ Nein, Spion! Verräter! Nein, Genosse! ‑ Man wird dich aufhängen! Es ist alles so verwirrend: Man wird dich bald wieder auf freien Fuß setzen. Deine Verhaftung ist ein Irrtum gewesen. Roter, niederträchtiger, lieber Genosse, unschuldiges Opfer von Ungerechtigkeit … « und so fort. Das ging wochenlang so weiter.

Da hatte er plötzlich eine Erleuchtung. Es kam ihm folgender Gedanke: »Wenn Kommunisten Christen oder andere Feinde foltern, so hat das einen Sinn. Wir können nicht den Sieg davontragen, wenn wir sie nicht unschädlich machen. Wenn aber Kommunisten Kommunisten foltern, so ist das Bosheit ohne jeden Sinn; es ist Böses um des Bösen willen.

»Ich habe jetzt die tiefsten Tiefen des Bösen erlebt. Es gibt aber keine Elektrizität ohne zwei Pole, keine Münze ohne zwei Seiten. Wenn es eine extreme Tiefe des Bösen gibt, muß es auch eine extreme Höhe der Liebe geben. Diese ist Gott.«

Als er daraufhin wieder zum Verhör gerufen wurde, sagte er zum Polizeibeamten: »Sie können den Lautsprecher jetzt abschalten. Ich habe zu Gott gefunden.«

In der Physik gibt es ein Gesetz, welches besagt, daß es für jede Aktion eine gleich große Gegenreaktion gibt. In diesem Sinne beweisen Exzesse des Bösen, wie Auschwitz, der Archipel Gulag oder die Massaker in Kambodscha, Gottes Existenz.

Jedes tiefe menschliche Leid ist nicht ein begründetes atheistisches Argument, sondern ein Beweis dafür, daß es einen Tröster geben muß, der es entlohnt.

Viel Leid ist, direkt oder indirekt, Gottes Strafe für Sünde. Von solchem Leid abzuleiten, daß es keinen Gott gibt, heißt, die Zweckdienlichkeit in Abrede zu stellen. Man könnte ebenso gut beweisen, daß ein Kind keinen Vater hat, weil sein Vater es züchtigt.

Aus menschlicher Sicht mag die Bestrafung für ein Vergehen unerhört hart erscheinen. Aber Gott ist darum besorgt, seine Geschöpfe so zu formen, daß sie ewige Verkörperungen von Güte und Heiligkeit sind. Für eine große Statue benötigt man Hammer und Meißel sowie eine Feile und eine weiche Bürste.

34. Das Argument vom Glauben eines Menschen

Jeder sollte an der Formulierung seiner Denkweise so lange arbeiten, bis sie zur sicheren Wahrheit wird, so wie Jesus die Wahrheit in Person war.

Sowie man in seinen Denkprozessen Fortschritte macht, schwinden innere Zweifel. Für einen solchen Menschen ist die Tatsache, daß er an Gott glaubt, Grund genug, die Gewißheit zu haben, daß es Gott wirklich gibt.

Wahrheit ist die Denkweise eines heiligen, Jesus ähnlichen Menschen. Sowie er mehr und mehr wie Jesus wird, weiß er, daß sein Glaube wahrhaftig ist. Sein Leben bestätigt seine Denkweise.

35. Das Argument von der Unmöglichkeit das Gegenteil zu beweisen

Niemand wird jemals in der Lage sein, die Vernünftigkeit des Atheismus zu beweisen, der damit beginnt, daß er die Existenz eines bestimmten Forschungsobjektes, nämlich Gott, bestreitet.

Wenn man ein Zimmer gründlich nach einem Gegenstand durchsucht und diesen nicht findet, ist das noch kein Beweis, daß er nicht existieren würde, sondern nur, daß die Suche bislang erfolglos verlaufen ist: Der Gegenstand ist vielleicht gut versteckt oder der Suchende vielleicht blind.

Wenn ein Suchender schon in einem Zimmer erfolglos sein kann, um wieviel mehr erst im Universum? Wer wird je in der Lage sein, die enormen Ausdehnungen des unendlichen Universums auszuloten, um feststellen zu können, daß das Objekt »Gott« nicht existiert?

Unseren Sinnen, unserer Intuition, unseren rationalen Überlegungen sind Grenzen gesetzt. Wie kann man selbstsicher die Existenz einer Wesenheit in Abrede stellen, die vielleicht unser Wahrnehmungsvermögen, unsere »Antenne« übersteigt?

Selbst wenn keine einzige Person jemals die Existenz Gottes erfahren hätte, würde diese noch immer nicht Seine Nichtexistenz beweisen.

Jede Sekunde gehen 1.000.000.000.000.000 Neutri­nos ‑ Elementarteilchen ohne elektrische Ladung und mit wenig oder gar keiner Masse, von der Sonne ausgestrahlt ‑ durch jeden menschlichen Körper. Dieses alarmierende Stück Information war bis vor kurzem unbekannt. Noch jetzt ist nicht einmal einer von tausend oder vielleicht gar einer Million sich dessen bewußt.

Wesenheiten können ohne unser Wissen existieren. Schlüsselblumen wuchsen auf Berggipfeln, lange bevor Menschen sie entdeckten.

Bis vor ein paar Jahren wußte niemand etwas von Neuropeptiden ‑ einer kurzen Kette von Aminosäuren, die im Nervensystem aktiv sind ‑, die unser Verhalten zum Trinken und den Sexualtrieb beeinflussen können. Und doch waren sie ohne unser Wissen beziehungsweise unsere Zustimmung vorhanden.

Heute würde ein Buch, das die Nichtexistenz von Neutrinos und Schlüsselblumen beweisen wollte, in der Tat sehr töricht erscheinen. Und ein an-europeptidisches Denksystem wäre nicht weniger unsinnig.

Wenn alles gesagt und getan ist, hat niemand einen unüberwindlichen Grund zu glauben, daß Gott nicht existiere. In der Tat gibt es zahlreiche Beweise für Seine Existenz (von denen wir hier lediglich ein paar erwähnt haben), aber keinen einzigen für Seine Nichtexistenz. Ob Atheisten es zugeben mögen oder nicht, sie müssen es ohne Beweis annehmen, daß Gott nicht existiert.

Erzbischof Fulton Sheen hat einmal scharfsinnig bemerkt: »Gott ist die offensichtlichste Tatsache menschlicher Erfahrung. Wenn wir uns Seiner nicht bewußt sind, dann weil wir zu kompliziert sind oder unsere Nase stolz in die Höhe recken. Seht her! Er ist zu unseren Füßen.«

Man muß einen starken Glauben an viel Ungereimtem haben, um Atheist zu sein.

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Stalin erklärte einmal in einem Interview, das er einer finnischen Zeitschrift gab, den Gedankengang, der ihn dazu geführt habe, gottlos zu werden: »Wenn es Gott gibt, muß Er die Sklaverei, den Feudalismus und den Kapitalismus eingesetzt haben. Er muß den Wunsch haben, daß die Menschheit leidet, wie die Mönche mir immer sagten … Dann aber würde es keine Hoffnung für die sich abplackenden Massen geben, sich von ihren Unterdrückern zu befreien.«

Wo bleibt hier die Logik? Beweist die Tatsache, daß Stalin einige Gesellschaftsordnungen mißfielen, von denen Mönche sagten, sie seien von Gott eingesetzt, daß Gott nicht existiert?

Es wäre logischer gewesen, zu sagen: »Ich will mich diesem ungerechten Gott entgegenstellen«, oder »ich finde vielleicht einen anderen Urheber der Leiden der Menschheit als Gott.« (Stalin wurde später der berüchtigste Leidensstifter in der Geschichte des Menschengeschlechts).

Zu sagen: »Gott existiert nicht«, weil ich den Feudalismus oder den Kapitalismus nicht mag, ist eindeutig absurd.

Louis Blanc, einer der bedeutendsten Führer des Sozialismus, soll einmal gesagt haben: »Als ich ein Baby war, rebellierte ich gegen meine Kinderschwester. Als ich ein Kind war, rebellierte ich gegen meine Lehrer und gegen meine Eltern. Als ich ein Mann war, rebellierte ich gegen die Regierung. Wenn ich sterbe, und es gibt einen Himmel und ich dorthin komme, werde ich gegen Gott rebellieren.«

Der Atheismus ist daher nicht so sehr Ausdruck einer Philosophie, als vielmehr eines rebellischen Charakters. Worin besteht sein Nutzen?

Sechzig Prozent der Weltbevölkerung sind noch immer Analphabeten. Es gibt ganze Stämme, die noch immer in der Steinzeit leben, so in Neuguinea, im tiefen Dschungel von Ecuador oder auf den Philippinen.

Männer, die an Gott glauben, sind zu diesen Stämmen gegangen, um die Eingeborenen von ihrer Unwissenheit und Verwahrlosung zu befreien und sie zu erziehen. Das ist nur möglich, wenn man ihnen die Botschaft Gottes bringt.

Ist es vorstellbar, daß man zu Eingeborenen und Kannibalen, die noch in der Steinzeit leben, geht und ihnen sagt, daß es keinen Gott gäbe und sie deshalb ihr Leben neu gestalten und als edle Menschen leben müßten?

Man sagt, ein kommunistischer Agitator habe es sich auf den Neuen Hebriden zur Aufgabe gemacht, den Eingeborenen zu erklären, daß es keinen Gott gäbe. Nachdem sie ihm aufmerksam zugehört hatten, sagten sie: »Geh nach Hause und danke Gott, an den du nicht glaubst, daß du nicht als erster hierher gekommen bist. Vor dir ist ein Missionar dagewesen, der uns von Gott erzählt und aus Kannibalen zivilisierte Menschen gemacht hat! Wenn er nicht vor dir gekommen wäre, hätten wir dich aufgefressen.«

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Die Geschichte beweist, daß es noch nie so grausame Regime gegeben hat wie die von Atheisten gelenkten. Es hat viel Barbarei auf der Welt gegeben, aber die größten Grausamkeiten sind von den sowjetischen Herrschern Lenin und Stalin begangen worden, gefolgt von Chruschtschow und Breschnew, ganz zu schweigen von den raffinierten Greueltaten MaoTsetungs und Pol‑Pots.

In der ganzen kommunistischen Welt findet man keine einzige private Wohltätigkeitsinstitution.

Ein herzloser Staat mag sich zwar um die Kranken, Alten und Waisen kümmern, aber ein von Liebe gelei­tetes Krankenhaus ist etwas ganz anderes als ein Krankenhaus, das vom Staat als Geschäft betrieben wird.

In einer portugiesischen Kolonie stellte man fest, daß die örtliche Bevölkerung das entfernte Missionskrankenhaus im Vergleich zum staatlichen Krankenhaus bevorzugt aufsuchte. Eines Tages fragte eine Ordensschwester: »Warum geht ihr nicht ins staatliche Krankenhaus? Dort gibt es doch dieselben Medikamente wie bei uns.« Die Antwort lautete: »Die Arzneien sind dieselben, aber die Hände sind nicht dieselben.«

Der Atheismus kennt die Meditation nicht. Wenn ich über Gott und Sein Wort meditiere, werde ich stark und von Freude erfüllt, da ich weiß, daß ich einen Erlöser habe, einen Vater, der an mich denkt. Atheisten müssen jedoch die Meditation über die letzte Wahrheit meiden.

Pascal schrieb: »>Es gibt keinen Gott.< Ist das etwas, was man gerne sagt? Ist es nicht eher etwas, was man mit Tränen in den Augen als das Traurigste auf der Welt sagt?«

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Atheisten haben in Augenblicken der Verzweiflung keinen Tröster. Ein allzu kurzes irdisches Leben, das in der Angst zugebracht wird, man könnte ohne jegliches Motiv aus Laune eines grausamen Diktators verhaftet werden, kann wenig Muße beziehungsweise Zufriedenheit schenken.

Der Autor dieses Buches hat jahrelang in einer Einzelhaftzelle gesessen. Die schlimmste Folter der Einzelhaft ist die extreme Langeweile. Für einen Menschen ohne Christus ist sie unerträglich. Aber ich kann mir nichts Langweiligeres vorstellen als den Atheismus, der sagt: »Die Welt ist ein leerer Raum. Ich habe niemanden, weder hier noch danach, weil es kein Da­nach gibt. Ich bin allein. Ich habe keinen Freund hier und auch keinen im Himmel, weil es keinen Himmel gibt. Es ist niemand da, der mich versteht, niemand, der mich liebt. Eines Tages werde ich sterben und für immer verschwinden und niemand wird sich darum scheren. Meine Geburt war ein Zufall. Mein Tod hat keine Bedeutung. Und ich bin allein.«

Der Atheismus ist Langeweile quälendster Art. Sein Kind ist Verzweiflung, seine Enkel Trunksucht und Selbstmord.

Während der heilige Johannes in einer Vision die himmlische Stadt Jerusalem mit einem Fluß sah, der Wasser des Lebens mit sich führte, beschreibt der bekannte atheistische Dichter James Thompson die Stadt des Atheismus mit folgenden düsteren Worten:

»Der gewaltige Fluß fließt dunkel und tief bei Ebbe und Flut von den entlegenen Gezeiten. Sein Name klingt durch der Stadt schlaflosen Schlaf, der Fluß der Selbstmorde.«

Ein aufrichtiger Atheist, Dr. E. Wengraf, gestand einmal im Neuen Wiener Journal: »Jedes Stück antireligiöser Propaganda kommt mir wie ein Verbrechen vor. Zwar möchte ich nicht, daß es als ein Verbrechen geahndet wird, aber ich halte es für unmoralisch und widerlich; nicht aus Begeisterung für meine Überzeugung, sondern aufgrund des durch eine lange Lebenserfahrung erworbenen simplen Wissens, daß unter denselben Bedingungen ein religiöser Mensch glücklicher ist als ein areligiöser.

»In meiner Gleichgültigkeit und skeptischen Einstellung gegenüber jeglichem positiven Glauben habe ich oft andere Menschen beneidet, denen tiefe Religiosität eine starke Hilfe in all den Stürmen des Lebens war. Die Seelen solcher Menschen zu entwurzeln ist eine verachtenswerte Tat. Ich verabscheue jegliches Bekehrertum. Und doch kann ich verstehen, warum jemand, der fest an einen rettenden Glauben glaubt, andere zu bekehren versucht. Aber Propaganda für den Unglauben kann ich nicht verstehen. Wir haben nicht das Recht, jemandem seinen schützenden Unterschlupf wegzunehmen, und sei es auch eine noch so schäbige Hütte, wenn wir nicht sicher sind, daß wir ihm ein besseres, schöneres Haus anbieten können. Doch Menschen aus der angestammten Heimat ihrer Seelen zu locken und sie dann in der Wildnis von Hypothesen und philosophischen Fragezeichen umherirren zu lassen, ist entweder krimineller Fatalismus oder kriminelle Rücksichtslosigkeit.«

*

Das eine oder andere Argument für die Existenz Gottes kann zwar isoliert gesehen in Frage gestellt werden, doch die gemeinsame Kraft der zwingendsten Argumente ist wie das aus vielen Fasern bestehende Tau, das eine Brücke hält.

Andererseits verfügt der Atheismus, obgleich er viele Fragen haben mag, über keinerlei Argumente.

Die Argumente für die Existenz Gottes mögen dich vielleicht nicht ganz überzeugt haben, doch wisse, daß es gar keine Argumente für den Atheismus gibt. Auf welche Seite stellst du dich? Wie wird es sein, wenn es Gott doch gibt, und du dein Leben, fern von Ihm, verlierst?

Der französische Philosoph Holbach, der sich »der persönliche Feind Gottes« nannte, stellte Seine Existenz in Abrede, indem er sagte, daß nur die Natur wirklich sei. Er beschreibt die Natur als nicht geschaffen, aber alles erschaffend, als ewig, und unendlich, Weisheit, Schönheit, Organisation, Geist, Plan und Ordnung enthaltend.

Armer Tor! Er hat Gott lediglich einen anderen Namen gegeben ‑ Natur‑, während er gleichzeitig an alle Seine Eigenschaften glaubte.

Die Beweise für die Existenz Gottes mögen diskutabel sein, nicht aber diejenigen für Seine Nichtexistenz. Solche gibt es überhaupt nicht.

Mehr noch, die Nichtexistenz Gottes ist undenkbar. Wie wäre die Menschheit ohne einen Gott auf diesen Gedanken gekommen, der ihren Sinneswahrnehmungen so fremd ist? Selbst Science‑fiction‑Schriftsteller und Filmemacher scheinen trotz all ihrer schöpferischen Freiheit nicht in der Lage zu sein, sich Geschöpfe anderer Ordnung vorzustellen: Ihre außerirdischen Wesen haben stets Augen, Ohren und Mund.

Wer hätte sich den Gott der Hebräer und Christen ausdenken können, wenn Er sich nicht offenbart hätte?

Glaube an den Einen, nach dem sich dein Inneres so sehr sehnt, wenn du ehrlich mit dir selbst bist. Er heißt Gott.

Uns fehlt die Antwort auf die wichtigste Frage: Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Goethe hat gesagt: »Ein nutzloses Leben ist ein früher Tod.«

*

An dieser Stelle möchte ich nicht bestreiten, daß viele Fragen unbeantwortet bleiben, auch wenn all die Argumente für Gottes Existenz akzeptiert werden. Wenn dem nicht so wäre, könnten die Seelen großer Gläubiger nicht von Stürmen des Zweifels heimgesucht werden, wie das manchmal vorkommt.

Laß mich dir das schlagkräftigste Argument gegen den Glauben an einen guten und allmächtigen Gott sagen. Es ist die Existenz menschlichen Leidens. Manches davon läßt sich als menschlichen Ursprungs erklären, aber wie steht es mit Erdbeben und sonstigen »Taten Gottes« genannten Katastrophen? Wie steht es mit Kindern, die mit schweren Behinderungen zur Welt kommen, die nur ein paar tragische Tage, Wochen oder Jahre zu leben haben und sonst nichts? Können wir Gott dahinter vertuschen?

Meine Antwort: Ein Mensch, dem ein Finger oder ein Bein amputiert werden mußte, kann an »Phantomschmerzen« leiden, die oft sehr stark sind. Er spürt Schmerzen in dem Glied, das nicht mehr zu seinem Körper gehört. Ein Mensch kann an einer imaginären Krankheit sterben, was bedeutet, daß selbst die eingebildete Krankheit äußerst real ist.

Wie, wenn das ganze Leiden illusorisch, traumhaft wäre?

Viele innere Organe haben keine Nerven, um Schmerz zu übermitteln, so die Lungen, die Leber und das aus dreizehn Milliarden Zellen bestehende Aggregat namens Gehirn. Außergewöhnliche Menschen empfinden manchmal gar keine Schmerzen. Es gibt eine Art von geistlicher Anästhesie. Manche Heilige schienen keine Schmerzen zu spüren, als sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Es hat auch in meinem eigenen Leben Zeiten gegeben, da ich, nachdem man mich dabei ertappt hatte, wie ich in einer kommunistischen Gefängniszelle predigte, übel verprügelt wurde und absolut nichts spürte.

Während mich die Wachsoldaten schlugen, dachte ich darüber nach, wie ich meine Predigt beenden sollte. Als man mich wieder in die Zelle zurückbrachte, fuhr ich ruhig mit meiner Ansprache fort.

Pascal löste schwierige mathematische Probleme, als er von Zahnschmerzen geplagt wurde. Die meisten Frauen stehen Geburtswehen recht gut durch. Der Schmerz ist nicht eine notwendige und objektive Tatsache des Lebens. Heute weiß man, daß das menschliche Gehirn Endorphine produziert, die wie ein Betäubungsmittel wirken.

Schmerz entspringt manchmal einer falschen Lebenseinstellung des Menschen, der, von Gott abgefallen, sich zum Richter über die Wirklichkeit aufschwingt und Ereignisse in Gut und Böse einstuft.

Wir sind nicht Richter, sondern Teil der Wirklichkeit, und das Gotteskind nimmt die ganze Wirklichkeit ‑ Erdbeben und Zahnweh ‑ mit Gleichmut an.

Gott ist eins, und die Wirklichkeit ist eins. Ein geheiligter Geist teilt sie nicht in angenehme und unange­nehme Dinge. Im Maße, in welchem wir im Glauben Fortschritte machen, werden wir aufnahmebereiter und weniger kritisch, und wir klagen weniger.

Bist du als Kind einmal auf einem kleinen Stuhl gesessen und hast zu der Stickereiarbeit deiner Mutter hochgesehen? Von deinem Standpunkt aus war es ein Durcheinander von bunten Zickzacklinien und ein Gewirr von Fäden. die keinen Sinn ergaben. Da drehte deine Mutter, die deine Verwirrung bemerkte, die Stickerei um und zeigte dir die rechte Seite, und du hast es verstanden.

So kann letztendlich nichts Unglückliches im Leben des Gläubigen geschehen, der weiß, daß Gott unser Leben kontrolliert. Wenn wir uns zu himmlischen Orten emporschwingen, können wir von oben heruntersehen und erkennen, daß unsere vergänglichen Leiden nur eine Ansammlung von Perlen und Juwelen sind, die unser Leben für die Ewigkeit schmücken.

Ich gebe zu, es steckt etwas Sinnwidriges in unserem Glauben an Gott, selbst nachdem ich all die Argumente, Offenbarungen und Erklärungen angeführt habe. Aber noch sinnwidriger ist es, nicht an Ihn zu glauben und statt dessen anzunehmen, daß die sowohl im Atom als auch im Kosmos zutage tretende Ordnung ohne das Dazutun eines Schöpfers entstanden sei. Es ist absurd zu glauben, daß es nichts gäbe, was religiöse Nöte stille, wenn es Nahrung gibt, um körperlichen Hunger zu stillen. Noch absurder ist es, zu glauben, daß sich alle Heiligen und die größten Wissenschaftler geirrt hätten, als sie ihr Vertrauen in Gott setzten und, in einigen Fällen, sogar um dieses Glaubens willen starben.

Leben bedeutet, Mühsal zu ertragen. Es gibt auch Mühsal im Glauben. Doch wenn man zwischen den beiden Extremen ‑ Glaube an Gott und Glaube an den Atheismus ‑ zu wählen hat, ist es sicher weiser, sich für das erstere zu entscheiden.

Wir Gläubige erkennen, daß unser »Wissen bruchstückhaft ist«, daß wir »schemenhaft durch ein Glas sehen«, in trübem Licht handeln. Aber es ist besser, ein Glas halb voll zu sehen als halb leer. Der Eine, der das Glas halb voll gefüllt hat, kann es bis zum Rand füllen, ja noch mehr, so daß »mein Kelch überläuft.«

Die Argumente, die wir für die Existenz Gottes anführen, machen lediglich den Glaubenssprung in Dingen, die wir nicht begreifen, vernünftiger.

Weder der Verstand des Gläubigen noch der des Ungläubigen kann alle Fragen lösen, aber wir können einige davon einklammern.

Die Vielzahl von Argumenten, die die Existenz Gottes untermauern, bestätigen ausnahmslos, daß Er ist. Für manche ist die Existenz Gottes, obgleich gut argumentiert, eine Wirklichkeit, die mit einer anderen Wirklichkeit, dem Leiden, nicht harmoniert. Wenn wir jedoch die Existenz eines weisen und liebenden Wesens, des Schöpfers des Universums, anerkennen, so hat diese Wirklichkeit mit Sicherheit Vorrang vor einem bestimmten Aspekt der Wirklichkeit, nämlich daß es auf einem kleinen Fleckchen des Universums, nämlich unserer Erde, Leiden gibt.

Da dieser Widerspruch aber existiert, entscheide ich mich dafür, ihn in meinem Verstand einzuklammern.

Nicht alles muß gelöst sein, ehe ich gläubig werde. Eine Frage einzuklammern bedeutet nicht, vor ihr davonzulaufen. Die Zeit selbst klärt oftmals Dinge, die man heute nicht versteht.

Niemand begreift den gesamten christlichen Glauben sofort. Wir kennen ihn nur bruchstückhaft, doch der Anteil, den wir kennen, wird mit der Zeit immer größer.

Ich selbst hatte große Schwierigkeiten mit dem Problem des Leidens, aber ich ließ nicht zu, daß es mich verwirrte.

Max Planck, der Begründer der Quantentheorie, hat gesagt: »Sowohl die Religion als auch die Naturwissenschaft benötigen den Glauben an Gott. Für die eine kommt Gott am Anfang, für die andere am Ende allen Denkens.«

Während ich, ungeachtet der Frage des Leidens glaubte, kam mir eines Tages folgende Erleuchtung:

Es gibt zwei Arten von Liebe: Liebe wegen des Guten und Schönen an einem Menschen und Liebe trotz all dem, was dieser Mensch tut, um uns zu verwirren und zu verletzen. Offensichtlich ist die »Liebe trotz etwas« höherstehend. Sie ist das hochkarätigste Juwel, das man im Universum findet. Gott liebt uns trotz unserer Sünden. Jesus liebte Seine Folterer ungeachtet dessen, was sie Ihm antaten.

Wir können Gott nicht nur wegen der herrlichen Dinge, die uns am Universum faszinieren, lieben, sondern auch trotz des Leidens, dem wir begegnen. Ohne Schmerz auf dieser Welt könnte es die höchste Form der Liebe nicht geben. Diese Liebe ist ihren Preis wert.

Ich habe keinen Grund, wegen des Leidens Gott zu entsagen.

Es heißt, daß der Zweck nicht die Mittel heilige. Was sonst könnte die Mittel heiligen, wenn nicht ein schöner Zweck? Das Zutagetreten der höchsten Form der Liebe rechtfertigt das viele Leiden.

Ohne Gott ist das Leben ein großes Fragezeichen ohne Antwort. Ohne Gott ist das Leben wie ein vom Wind umhergetriebener Vogel oder wie ein tiefer See, der abwechselnd stürmisch und ruhig, geheimnisvoll und unergründlich ist. Ohne Gott ist das Leben nur eine Wolke, die von einem Ende zum anderen treibt, bis sie sich auflöst und verschwindet, ohne ein Zeugnis ihrer Existenz zurückzulassen.

Nur mit Gott wird das Leben wirklich zum Leben. Suche daher Gott!

Auszüge aus dem Buch ATHEISMUS – EIN WEG ? Die Hervorhebungen sind von mir. Horst Koch, Herborn, im September 2007

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www.horst-koch.de

 

 

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