Antichrist

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Erich Sauer

DAS KOMMENDE GOTTESREICH

 

I.   DAS ANTICHRISTLICHE WELTSYSTEM

II.  DAS SICHTBARE REICH CHRISTI

Auszug aus dem Buch DER TRIUMPH DES GEKREUZIGTEN

  Teil 1:  Das Erscheinen des Welterlösers
  Teil 2:  Die Gemeinde – das neue Volk Gottes
  Teil 3:  Das kommende Gottesreich
  Teil 4:  Weltvollendung und Himmlisches Jerusalem

 – Zusammengestellt von Horst Koch, im Jahre 2006 –

 

Teil 3: DAS KOMMENDE GOTTESREICH

 

1. Abschnitt: Das antichristliche Weltsystem

1. DIE PERSON DES ANTICHRISTEN

Das Kommen des Antichristen

Das Endziel des Christentums ist Jesus Christus; das Ende der Namenchristenheit ist der Antichrist. Es ist die unverkennbare Lehre der Bibel, daß das »Ziel« der Geschichte nicht das »Ergebnis« der Geschichte ist, daß das Reich Gottes nicht durch Wachstum und Aufstieg, sondern erst nach Zusammenbrüchen und Weltkatastrophen zur Herrschaft gelangt.

Die Gesetzlosigkeit wird »überhandnehmen«, die Liebe in vielen erkalten (Matth. 24,12), und der Menschensohn wird, wenn er kommt, nur wenig Glauben finden auf Erden (Luk.18,8). Nicht Christianisierung der Welt bis zur erfolgten Verchristlichung der Kultur, sondern zunehmende Feindschaft der Welt bis zur Ausstoßung des Christentums seitens der Kultur – das ist der Gang, den die biblische Weissagung prophezeit.

Es ist Grundsatz im göttlichen Weltregiment, daß alles zur Reife gelangt, das Gute wie das Böse (Matth. 13,29; Off. 14, 15); für das Böse aber führt Gottes Geduld zu verschärftem Gericht. »Lasset euch niemand verführen, denn des HErrn Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuvor der Abfall komme und geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der Boshafte, den der HErr Jesus, wenn er kommt, umbringen wird mit dem »Hauch seines Mundes« (2.Thess.2,3). Nicht also Versöhnung, sondern Steigerung des Kampfes gegen Ende, nicht Verklärung, sondern Umbruch der Menschheitsentwicklung, nicht Bündnis zwischen Gott und Menschenruhm, sondern Zerschmetterung des Weltreichs durch das Gottesreich (Dan. 2,34; Off.19,11-21) – das ist die Art, wie die Sache des HErrn triumphiert.

Zunächst allerdings sieht es umgekehrt aus. Denn nach dem Zeugnis der Schrift wird ein Kultursystem entstehen, das, wie es scheint, alle Sehnsucht der Menschheit von Jahrtausenden erfüllt. An der Spitze desselben steht ein gewaltiger Machthaber, der durch geniale Organisation geistiger Weltbeherrscher und Weltbeglücker zugleich ist (Off. 13,7), ein Völkerberater, der alle Kriegsgefahr zuversichtlich bannt (1.Thess.5,3), ein Menschheitsorganisator (Off. 13,16), der Ordnung in das hoffnungslose Chaos der Massen bringt.


So wird er Weltgeist und Weltmacht zur höchsten Höhe emporheben, und für die Weltkultur wird es eine Zeit größten Aufschwungs und Glanzes sein.

Dies alles aber ohne Gott, nur im Vertrauen auf sich selbst, in Verherrlichung der eigenen Kraft und unter Vergottung des Menschengeistes (2.Thess.2,4).

Darum wird der Höchste seine Antwort nicht schuldig bleiben (Jer.17,5). Er wird seine Ehre keinem andern geben und seinen Ruhm keinem staubgeborenen Rebellen. 

Seine Antwort aber auf die Herausforderung durch den Antichrist wird die Herabsendung seines Christus sein (Apg. 3,20); und dieser wird den, dessen »Ankunft (Parusie) nach der Wirksamkeit Satans« gewesen war, vernichten »durch die Erscheinung seiner Ankunft« (durch die Epiphanie seiner Parusie) (2.Thess.2,8), »in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium unseres HErrn Jesus Christus nicht gehorchen« (2.Thess.1,8). 
So wird der Höhepunkt der Kultur zum Enddrama der Geschichte, und durch das Abendrot der Welt flammt es gleichsam wie ein Wahrzeichen des Gerichts: »Mene, mene, tekel, upharsin«, »Gezählt, gezählt, gewogen und zu leicht erfunden« (Daniel 5,25).

Die Namen des Antichristen

Das Wort »Antichrist« kommt nur bei Johannes vor, und zwar in dreifachem Sinne:

von dem persönlichen Antichristen (1. Joh.2,18),

von dem Geist des Antichristen (1. Joh.4,3)
 und
von den Antichristen (in der Mehrzahl: 1. Joh.2,18. 2. Joh.7).



Doch schon im Altertum hat man darauf hingewiesen, daß mit diesem »Antichristen« des Johannes zweifellos dieselbe Persönlichkeit gemeint ist wie die, welche Paulus den Mensch der Sünde, den Sohn des Verderbens, den Gesetzlosen, den Widersacher nennt (2. Thess.2,3; 8), und die, nach der Offenbarung, als das »Tier« aus dem Völkermeer aufsteigt (Off. 13, 1-10) und, nach den Weissagungen Daniels, als das kleine Horn aus dem vierten Weltreich emporkommt (Dan. 7, 23-25).

So ergeben sich im ganzen sieben biblische Hauptbezeichnungen für dieselbe unheilvolle Gestalt, gleichsam als eine siebenfache Beschreibung der Gottwidrigkeit dieses dämonischen Rebellen.

Die Persönlichkeit des Antichristen

Der Antichrist ist sowohl eine Person als auch ein System. Er ist die einzelpersönliche Spitze eines Systems, der Verkörperer einer umfassenden Menschheitsempörung.
 – Als »Geistigkeit« und »Richtung« ist er zwar schon immer vorhanden (1. Joh. 2, 22; 2. Joh.7), als »Geheimnis der Gesetzlosigkeit« (2. Thess.2,7) und als »Geist des Antichristen« (1. Joh. 4,3)
 – daher die jahrtausendelange Linie seiner Vorläufer, der »Antichristen« in der Mehrzahl (1. Joh. 2,18);
 – aber als endgeschichtliche Vollausgestaltung ist er ein einzelner, ein dämonisches Genie, eine »Über«Menschengestalt, ein Teufelsmessias.



Daß der Antichrist zugleich eine Einzelpersönlichkeit ist, geht auch aus der eindeutigen Gegenüberstellung zu Antiochus Epiphanes, dem gottfeindlichen Syrerkönig der Makkabäerzeit, hervor, wie sie Paulus im zweiten Thessalonicherbrief vollzieht. 

Von ihm, diesem hervortretendsten Vorläufer des Antichristen, weissagt Daniel: »Er wird sich erheben und aufwerfen wider alles, das Gott ist, … und seiner Väter Gott wird er nicht achten« (Dan.11,36). Und wenn dann Paulus von dem »Menschen der Sünde« sagt, er sei »der Widersacher, der sich erhebt über alles, das Gott oder Gottesdienst heißt, also daß er sich selbst in den Tempel Gottes setzt und gibt vor, er sei Gott«, so ist die Verwandtschaft und Rückbeziehung unverkennbar: ja, der Wortlaut ist fast derselbe (2. Thess. 2,4). Der Apostel will sagen: Ein solcher, wie Antiochus Epiphanes es war, ist vor der Wiederkunft des HErrn zu erwarten, ein Widerwärtiger, ein Machthaber voller Dämonie, eine personhafte Verkörperung aller Gottesfeindschaft und Selbstvergottung.

Die Vorläufer des Antichristen

1. In der biblischen Geschichte waren es unter anderen
– Kain – der Begründer des Religionskrieges,

– Lamech – der ichvergötternde Prahler,

– Nimrod – der Begründer der Weltmacht (Babel)

– Bileam – der Verführer zur Hurerei
– 
Goliath – der lästernde Volksredner

– Antiochus Epiphanes – der Verwüster des Heiligtums.

2. In der Kirchen- und Weltgeschichte waren es besonders

– Nero – der Christenverfolger (Off. 13,7; 17,6) 
die Kaiser von Rom – die Vertreter der Weltmacht (Off. 17, 3; 9)
– 
Mohammed – der falsche Prophet

– das Papsttum – die Scheinreligion

– Napoleon – der Welteroberer,
– und überhaupt alle Erhalter und Erneuerer der römischen Weltreichsidee.
 – Zwei Linien durchziehen die Geschichte der Menschheit: die Linie des Christus und die des Antichristen. …

2. DAS SYSTEM DES ANTICHRISTEN

Der Antichrist kommt nach Off. 13 als Haupt eines gottfeindlichen Menschheitssystems. Dieses ist – ganz offenbar in Gegenüberstellung und Nachahmung der göttlichen Dreieinheit – eine Einheit von drei Dreiheiten:

Drei Personen: der Drache, das Tier und der Prophet,

Drei Städte: Jerusalem, Babel und Rom,

Drei Grundsätze: staatliche, wirtschaftliche und religiöse Einheit.

Es ist der »Turmbau von Babel« in endgeschichtlicher Vollendung. Darum ist auch Zerschmetterung und Gericht Gottes Antwort auf diese Herausforderung der Menschen.



Das Wesen des Antichristentums stellt sich folgendermaßen dar:

I. Der Antigott  –  Der »Drache« ist das Gegenbild des Vaters. Er ist die »erste« Person in der höllischen Trinität (Оff. 16, 13), der Anführer und »Verführer« des Ganzen, »die alte Schlange, welche Teufel und Satan genannt wird« (Off. 12, 9; Joh. 8, 44). Er steht zu dem »Tier« in einem ähnlichen Verhältnis wie in der Gottheit der Vater zum Sohn: Wie der Vater den Sohn in die Welt gesandt hat (Joh. 6, 57), so sendet der Satan den Antichrist nach seinem Herabsturz aus dem Himmel (Off. 12, 7-12). Wie der Vater dem Sohn »alle Gewalt gegeben« hat (Joh. 17, 2), so gibt der Drache dem Tier »seine Macht und seinen Thron« (Off. 13, 2).

II. Der Antisohn (Antichrist)  –  Das »Tier« ist die »zweite« Person in der dämonischen Trinität (Оff. 16, 13), der »Widersacher« (2. Thess. 2, 4) und große Gegenspieler des Christus.

1. Sein Ursprung.
- Christus kam »von dem Himmel« herab (Joh. 6, 38; Phil. 2, 8); der Antichrist steigt »aus dem Abgrund« empor (Оff. 11,7).

2. Sein Kommen. 
- Christus kam in des Vaters Namen; der Antichrist kommt in seinem eigenen Namen (Joh. 5,43)
3. Sein Wesen. 
- Christus verkörpert als der »Heilige« die »Wahrheit« (Joh. 14, 6), der Antichrist als der »Gesetzlose« die »Lüge« (2. Thess. 2, 9). 
- Christus, das »Geheimnis der Gottseligkeit« (1.Tim. 3),
    ist der Erlöser (Matth. 1, 21); der Antichrist, das »Geheimnis der Gesetzlosigkeit« (2. Thess. 2, 7), ist der Verwüster (Dan. 7, 25).


III. Der Antigeist  –  Die »dritte« Person in der satanischen Dreieinheit ist der »falsche Prophet« (Off. 16, 13). Er ist der nachahmende Gegensatz des Heiligen Geistes, das zweite Tier von Off. 13.

Er ist »Prophet« (Off. 13,11), gleichwie der Geist Gottes die Lebenskraft aller Prophetie ist (2. Petr. 1, 21). Er empfängt alles vom Antisohn (Off. 13, 12; 15), gleichwie der Geist Gottes alles vom Sohne nimmt. Er belebt alle Anbetung des Tieres (Off, 13, 12), gleichwie der Geist Gottes alle Anbetung des Heiligen bewirkt (Joh. 4, 23)

So ist das Ganze eine höllische Trinität, ein ungeheurer geist-seelisch-leiblicher Abgrundsorganismus.
 Der Drache ist der »Geist«, das Tier ist der »Leib«, der falsche Prophet ist die »Seele« des Ganzen.
 Damit aber berührt sich auch in der Geschichte des Teufels das Ende mit dem Anfang; denn nun wird offenbar, daß das antichristliche System nichts Geringeres ist als der Höhepunkt aller satanischen Rebellion, die zielbewußte Durchführung seiner Gier nach Gottgleichheit: »Ihr werdet sein wie Gott!« (1. Mose 3, 5; Jes, 14, 13).

DIE KULTURELLE DREIEINHEIT

I. Die politische Reichseinheit

Wenn nach Off. 13 »alle, die auf Erden wohnen«, das Tier anbeten (V. 8) und »alle« sein Malzeichen annehmen, die Kleinen und die Großen (V. 16), wenn »niemand« mehr kaufen oder verkaufen kann, der dies nicht tut (V. 17), und »alle« getötet werden, die sich der Bildanbetung widersetzen (V. 15), so bedeutet dies, daß ein Kultursystem im Kommen begriffen ist, das politisch und staatlich ganze Völkergruppen erfaßt, das jeden einzelnen überwacht und keinen Widerspruch duldet.



Das aber heißt: die biblische Prophetie weissagt eine Zusammenarbeit vieler Länder, ein Riesenkultursystem zahlreicher Systeme, einen umfassenden Staatenbund mit einheitlicher Spitze. »Ihm wurde Gewalt verliehen über ALLE Stämme und Völker, Sprachen und Nationen« (Off. 13,7) ! 

Hier ist Vereinigung von Begeisterung (Off. 13, 4) und Furchtwirkung (Off. 13, 15), von Menschheitsbeglückung (Off. 11, 7-10) und rücksichtsloser Härte (Off. 11, 7; 13, 10; 17, 6), von Kulturidealismus und Despotie (Off. 17, 6).

Hier ist der verwegene »Turmbau« der »Babylonier« der Endzeit (1. Mose 11, 1; 5 vgl. Off. 13, 7), der Höhepunkt aller Selbsterlösung der Menschheit ohne Gott, die Siebenhügelstadt an den Wassern, »Großbabylon«, die Hure (Off. 17). …

Das »Babel« der Offenbarung, die »Hure an den vielen Wassern« (d.h.Völkern), sitzt auf einem Tier mit sieben Köpfen, die sieben Berge bedeuten (Off. 17,1-16), ist also unverkennbar die »Versammlung des Erdkreises«, die Urbs Septicollis, die Siebenhügelstadt Rom selbst. So hat das antichristliche Reich als Kernreich eine Gruppe von zehn Staaten, entsprechend den zehn Zehen im Kolossalstandbild … – In jedem Fall wird das römische Gebiet und die römische Reichsidee der politische Kern und die politische Seele des Ganzen sein.


Die wirtschaftliche Reichseinheit
Nach Off. 13, 17 wird »niemand auf der ganzen Erde« mehr kaufen oder verkaufen können, der nicht das Malzeichen des Tieres angenommen hat. Das ist nur möglich, wenn im antichristlichen Reich alle kaufmännischen, sozialen und Industrieunternehmungen unter einer gemeinsamen Oberaufsicht stehen, wenn dort eine Stelle besteht, die eine absolute Kontrolle und Herrschaft über den Markt ausübt.


Damit aber weissagt das Neue Testament eine riesenhafte Organisierung innerhalb der Menschheit mit Erfassung jedes einzelnen ihrer zugehörigen Glieder, eine viele Völker umspannende Ausübung des Alleinverkaufsrechts… – 
Das Gottfeindliche besteht am Ende der Welt darin, daß dies alles zum Kampf gegen gen Ewigen mißbraucht wird, zur Zerstörung des biblischen Christentums, zur brutalen Unterdrückung der Zeugen des christlichen Glaubens (Off. 13, 17. 20,4).

Die religiöse Reichseinheit

1. Selbstvergottung der Menschheit. Nach den Weissagungen der Offenbarung wird der Antichrist »angebetet« werden. Er wird die Bewunderung der ganzen Erde, die Verehrung ihrer Bewohner, die Begeisterung der Massen entflammen (Off. 13,8). Man wird von ihm sagen: »Wer ist dem Tiere gleich?« Er wird, in Vergottung der eigenen Kraft, sich über alles Göttliche erheben, sich in den Tempel Gottes setzen und darstellen, daß er Gott sei (2. Thess. 2, 4).

Damit aber wird seine Verehrung zur Verehrung des Menschentums überhaupt, und wer sich ihm widersetzt, widersteht der Gesamtheit: er ist Beleidiger der Menschheit in des Wortes verletzendster Bedeutung; er ist »Empörer« und »Rebell« und fällt darum der Vernichtung anheim.

Durch dies alles aber wird das antichristliche System eine politische Glaubensgemeinschaft mit Verschmelzung von Staat und Religion, eine sich selbst vergötternde Weltkirche unter Nichtduldung aller entgegengesetzten Überzeugungen. Also: Aufhebung der Glaubensfreiheit, religiöser Zwang, planmäßige Gewissensknechtung.

Dies ist die Religion des Antichristen: es ist die greuliche Lehre von der Gottheit des Menschen, der Glaube an sich selbst, die Vergötzung des eigenen Geistes. Es ist der imposanteste Versuch, die Folgen der Sünde ohne die Sünde selber zu beseitigen, der Abschluß des »Fortschritts«, die Vollendung aller gottfernen Kultur.

2. Verstaatlichung der Religion. Das Antichristentum ist also kein unreligiöser, sondern ein religiöser Gegensatz des Christentums. 
Es ist »Christentum« und Heidentum zugleich, nämlich Verkehrung des Christentums und Vollendung des Heidentums. Nach außen hin erscheint es als religiöser Weltbund, als Vereinigung von Geschäft, Politik und Glaube, als Verschmelzung von Wirtschafts-, Außen- und Religionspolitik, als Staaten-, Handels- und Kirchenbund.

3. Die religiöse Spitze. Der Antichrist will Christus nicht nur verdrängen, sondern ersetzen. Er leugnet, was das Kulturelle betrifft, durchaus nicht die allgemeinen Erwartungen, die die Christen an die Person Jesu von Nazareth knüpfen – im Gegenteil, er geht davon aus und stützt sich auf sie -; doch bezeichnet er sich selber als ihre Erfüllung und will dadurch den wahren Christus überflüssig machen. Er bejaht also kulturell die Christusperson und ist darum der »Widersacher« (2. Thess. 2, 4) und »Gegen«christ. So ist er für die Welt gewissermaßen ihr »Messias«, ihr »Kulturweltheiland«.

Und der himmlischen Wahrheit, daß in Christus Gott Mensch geworden ist, setzt er die dämonische Lüge entgegen, daß in ihm der Mensch Gott geworden sei (2. Thess. 2, 4). So ist es eine Verdiesseitigung des Glaubens, eine Vermenschlichung des Gottbegriffes; und umgekehrt ist er eine Vergötterung des Menschengeistes, ein An-sich-reißen der Gottgleichheit und darum die vollendete Sünde.

3. DlE GESCHICHTSMÖGLICHKEIT DES ANTICHRISTENTUMS

Nach der Schrift kommt am Ende der Welt eine Völker umspannende Auflehnung gegen Gott, eine Verneinung des biblischen Christentums seitens Zivilisation und Kultur Was sagt die Kulturgeschichte dazu?

Kultur an sich ist nichts Widergöttliches. 
Im Gegenteil, Kulturerrungenschaften gehören mit zum Paradiesesadel der Menschheit. Erfindungen und Entdeckungen, Wissenschaften und Künste, Verfeinerung und Veredelung, kurz, das Vorwärtsschreiten des Menschengeistes sind durchaus Gottes Wille. Sie sind Ausführung des Schöpferauftrags durch Gottes geadelte Diener, gottgeordneter Herrscherdienst zum Segen der Erdwelt. »Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet« (1. Mose, 1, 28).



Nur völliges Mißverstehen allereinfachster Offenbarungsgesetze ist darum imstande, der Heiligen Schrift rückschrittliche Denkart und Kulturfeindschaft vorzuwerfen. Nein, was die Bibel ablehnt ist nicht die Kultur an sich, sondern die Gottentfremdung von Millionen ihrer Vertreter, die Unwahrheit »religiösen« Scheinwesens, die Verneinung der Herrschaft des Höchsten, der Geist des Hochmuts und der Rebellion, die bewußte Ausschaltung Gottes, kurz, der Aufruhr gegen den HErrn selbst. »Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche« (Luk. 19, 14).

So ist denn der äußere Rahmen der Kulturgeschichte nichts Antichristliches. Worauf es ankommt, ist vielmehr der Geist, der sittliche Inhalt der Taten, die moralische Verwendung der Kulturerrungenschaften, die Stellung des Herzens jedes einzelnen zu Gott. Auch Politik und Geschichte sind durchaus in den Plan Gottes miteingeschlossen (Spr. 21,1; 1.Kön. 11,14; Jes. 45,1-7) und werden von dem Höchsten als dem obersten Weltenherrn überwaltet.

Das Geheimnis des vierten, danielischen Weltreiches. Rom war nie tot. Das Eisen im Koloß Nebukadnezars reicht von den Schenkeln bis zu den Füßen (Dan. 2, 33). Im Sinne der Prophetie besteht das römische Reich bis an das Ende der Welt. Auf das vierte Reich, Rom, folgt unmittelbar die Aufrichtung des Reiches des Menschensohnes (Dan. 7, 7-14).

Hiermit stimmt die Geschichte überein. Seit der Reichsteilung durch Kaiser Theodosius (395 n. Chr.) war das Römerreich in zwei Teilreiche gespalten, entsprechend den beiden Beinen im Standbild Nebukadnezars: das Weströmische Reich mit der Hauptstadt Rom selbst und das Oströmische Reich mit der Hauptstadt Konstantinopel. Ersteres ging 476 durch die Germanen (Odoakar), letzteres tausend Jahre später (1453) durch die Türken (Sultan Mohammed II.) zugrunde; doch die römische Kultur und die römische Reichsidee blieben.

Die römische Verwaltung lebte in der römischen Kirche fort. Die Kirchenprovinzen fielen mit den Staatsprovinzen zusammen; und Rom, die Hauptstadt des Weltreiches, wurde die Hauptstadt der Weltkirche (Sitz des Papsttums).

Die römische Sprache lebte in der Kirchensprache fort und ist noch heute lebendig in der internationalen Fachsprache der Rechtswissenschaft, Medizin und Naturwissenschaft.

Das römische Recht lebte in der Gesetzgebung fort. Das »Corpus juris Romanum« des oströmischen Kaisers Justinian (527-565) wurde die Grundlage für die Rechtsprechung bei romanischen und germanischen Völkern durch das Mittelalter hindurch bis weit hinein in die Neuzeit.

Das römische Militär lebte im Heerwesen fort. Es wurde das Muster für den Aufbau der Kriegsrüstungen und Wehrmacht des Abendlandes. Noch heute gebrauchen wir lateinische Wörter wie Kapitän, Major, General, Bataillon, Regiment, Armee, Infanterie, Artillerie, Kavallerie. »Kaiser« hießen die Herrscher von Mitteleuropa, »Zaren« die von Ost- und Südosteuropa, nach dem zum Titel gewordenen Personennamen des Römers Gajus Julius Caesar.

Weiterhin ist es das »Heilige Römische Reich deutscher Nation«, das diesen Zusammenhang bis zu einem gewissen Grade durch die Jahrhunderte hindurch aufrechterhalten sollte. . . . .

Israel

Zwar: August 70: Zerstörung Jerusalems durch Titus. 1.100.000 Tote. – 135: Untergang ges jüdischen Nationalstaates nach Besiegung des »Sternensohns« Bar Kochba (vgl. 4. Mose 24,17). 500.000 Tote. Ausweisung aller Juden aus Judäa und Jerusalem (5. Mose 28, 64; 3. Mose 26, 33)

Aber: Unzerstörbarkeit des jüdischen Volkes auch im göttlichen Gericht (Jes. 66,22; Jer. 33,20-26; Matth. 24,34). – 
Dagegen – abgesehen von Rom – ausnahmsloser Untergang bzw. Niedergang aller andern Kulturvölker des Altertums

19. Jahrhundert: Rasche Entwicklung des jüdischen Einflusses bis zur Großmacht in Politik, Presse und Hochfinanz.
1897: Gründung des Zionismus. Planmäßiges Streben nach Rückkehr in das Land ihrer Väter.

27. Februar 1919: Konferenz in San Remo. Palästina zur nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes unter britischer Oberhoheit erklärt. – 

Dies alles ist das Erwachen im vorderen Orient. Der »Feigenbaum« Israel hat Knospen gewonnen. Die »Totengebeine« fangen an, sich zusammenzufinden (Hes. 37, 7). Israel. »der Zeiger an Gottes Weltenuhr«, rückt schon auf Mitternacht.

So sehen wir Beweise für die Geschichtsmöglichkeit der biblischen Endprophetie überall.

1. im politischen Leben: das Erwachen des Orients (Off. 16,12), die Wiederbelebung des vierten, danielischen Weltreiches (Off. 17,3), die Rückkehr der Juden nach Palästina und Gründung des Staates
    Israel (Jes. 11, 11), die allgemeine politische Weltgärung (Matth. 24, 6).
2. im wirtschaftlichen Leben: Spannungen zwischen Reich und Arm (Jak. 5, 1-8), Organisierung und Zentralisierung (Off. 13, 17).
3. im technischen Leben: Entwicklung des Weltverkehrs; Zusammenrücken der Völker, Vervollkommnung der Kriegstechnik; Notwendigkeit einer Weltverständigung wegen Selbstvernichtungsgefahr der
    führenden Kulturvölker.
4. im religiösen Leben: Selbstvergottung (2. Thess. 2,3), Spiritismus (1.Tim.4,1), Scheinfrömmigkeit (2.Tim. 3,5), Schwärmerei (Matth. 24,4), Irrlehren (2. Tim. 4,3; 2.Petr.2,1).
5. im moralischen Leben: fleischliche Sicherheit (Matth.24,37-39; 1.Thess.5.3), unsittlicher Lebenswandel (2.Tim.3,1-4.), hochmütige Spötter (2.Petr.3,3)
6. im Naturleben: Erdbeben und Naturkatastrophen (Matth. 24,7; Joel 3,3)
7. im Gemeindeleben: Bibelverbreitung und Weltmission (Matth. 24,14), Lauheit bei vielen (Off. 3,16; Matth.25,5; Luk.18,8), doch Wachsamkeit der Treuen (Luk. 12,37).


4. DAS GERICHT ÜBER DEN ANTICHRISTEN

Der glanzvolle Höhepunkt der Menschheitsgeschichte ist gleichzeitig ihr Wendepunkt zum Zusammenbruch. Der HErr selbst vollzieht das Gericht.

I. Die große Trübsal  Schrecken des Gerichts erschüttern den Erdkreis (Off. 3, 10), insonderheit das Land Judäa (Luk.21,21). Der »Tag des Herrn« kommt »wie eine Verwüstung vom Allmächtigen« (Jes.13,6). 
Die »große Trübsal « (Dan.12,1; Matth.24,21; Off.7,14) – die »Drangsal Jakobs« (Jer.30,7) – bricht über die Menschheit herein (Off. 6-19). Gewaltig sind die Katastrophen:


das Brechen der sieben Siegel und das Blasen der sieben Posaunen (Off. 6; 8-11),

– das Rollen der sieben Donner (Off. 10, 4) und
– das Ausgießen der sieben Zornesschalen (Off.16),

– die apokalyptischen Reiter und der kommende Weltkrieg (Off.6; 9,13-21),

– die Verwüstung Jerusalems (Sach. 14,2) und die Vernichtung Groß-Babylons (Off. 17, 16),
– der Kriegszug des Orients und das »Getümmel im Tal der Entscheidung« (Off. 16,12-16; Joel 4,14).

Im einzelnen ist noch vieles unenthüllt.
Die Bildhaftigkeit oder Buchstäblichkeit vieler endgeschichtlicher Weissagungen, das Erfülltsein o. Nochnichterfülltsein der 70. Jahrwoche (Dan. 9,24-27),
– das Verhältnis der Ölbergsrede des HErrn (Matth. 24) zu der übrigen neutestamentlichen Endprophetie,
– die Verflechtung nahkünftiger und fernkűnftiger Prophetie zu einem einheitlichen Gesamtbilde,
– das Wiederaufleben des Römerreiches und der Zehnstaatenbund des »Tieres«, der Herrschaftsumfang des Tieres und das Geheimnis seiner Zahl 666 (Off. 13,18),
– der jüdische Staat in Palästina und der verheerende Einbruch der Nationen (Off. 11,7; Sach. 14,2), die Entscheidungsschlacht von Harmagedon (Off. 16,16) und das Völkergericht (Joel 4,12),
– die gottfеindliche Siebenhügelstadt Babylon und ihre Vernichtung durch den erst recht gottfeindlichen Antichristen, – das sind alles prophetische Hieroglyphen, die noch kein Mensch mit
   unanfechtbarer Sicherheit entziffert hat.
Hier gilt es zwar zu forschen, sich aber seiner Unzulänglichkeit bewußt zu bleiben. Die volle Auslegung der Weissagung wird erst durch
   die Erfüllung gegeben werden.

Zuletzt aber kommt das Erscheinen des HErrn in Herrlichkeit und die Zerschmetterung der antichristlichen Heere (Off. 19, 11-21).

II. Die Erscheinung des HErrn. – Die Himmel sind geöffnet. Das Zeichen des Menschensohnes erscheint (Matth. 24,30). Der HErr kommt, wie ein Reiter auf weißem Pferd, begleitet von den Kriegsheeren des Himmels. Aus seinem Munde geht hervor ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und er selbst tritt die Kelter des Weines des Zorngrimmes Gottes des Allmächtigen (Off. 19, 11-16) – so wird der verachtete Jesus von Nazareth wieder erscheinen!

Dann werden heulen alle Geschlechter der Erde. Denn gekommen ist der »Tag des HErrn« (Joel 1, 15; Amos 5,20), der »Tag der Glut seines Zornes« (Jes. 13, 13), der »große und furchtbare« (Maleachi 3, 23), »ein Tag der Finsternis und des Dunkels, ein Tag des Gewölks und der Wolkennacht« (Sacharia 14, 6).


Der HErr kommt wie ein Blitz (Matth. 24, 27), »seine Wagen wie ein Wetter« (Jes. 66, 15), seine Augen wie Feuerflammen (Off. 19, 12}, seine Stimme wie eines Löwen Stimme (Joel 4,16; Jes. 30). Auf dem Ölberg, von dem er einst aufgefahren war (Apg.1, 9; 12), wird der HErr zuerst wieder erscheinen (Sach. 14, 4).
 – Jedes Auge wird ihn sehen (Off. 1,7); jede Widerrede wird verstummen (Matth. 22, 12; Hiob 9, 3); jede Zunge wird bekennen, daß Jesus Christus der HErr sei zur Ehre Gottes des Vaters (Phil. 2, 11).

III. Die Vernichtung der satanischen Trinität – Der HErr wird den »Gesetzlosen« töten mit dem Hauche seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft (2. Thess. 2,8).
 Das Tier und der falsche Prophet werden ergriffen und in den Feuersee geworfen (Off. 19, 20); der Drache, die alte Schlange, wird gebunden und auf tausend Jahre in den Abgrund geschleudert (Off. 20, 1-3).
 Damit aber ist die satanische Trinität auseinandergesprengt. Die »erste« Person ist auf tausend Jahre unschädlich gemacht; die »zweite» und »dritte« Person ist endgültig gerichtet.

So triumphiert das Lamm über den Drachen, der Menschensohn über das Tier, die Braut über die Hure, die göttliche Dreieinheit über die satanische Lügentrinität. Nun aber geht über dem Trümmerfeld der Gerichte heilbringend die Sonne der Gerechtigkeit auf (Mal. 4, 2). Nach der Zerschmetterung der antichristlichen Völkerverbindung tritt die Völkergemeinschaft des Tausendjährigen Reiches hervor.

Damit aber ist der Weg für das Gottesreich frei. Die Bindung des Teufels ist die übergeschichtliche Voraussetzung des irdischen Herrlichkeitsreiches. Es muß jetzt nur noch entschieden werden, wer von den Übriggebliebenen zum Eintritt in dies Reich zugelassen werden kann. Dies geschieht durch

IV. Das Völkergericht im Tal Josaphat – Der Sohn des Menschen wird sitzen auf seinem Throne der Herrlichkeit und richten alle Nationen der Erde. Sie alle werden vor ihm versammelt sein, und er wird sie voneinander scheiden, gleichwie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet (Matth. 25,31). Die einen werden eingehen in das ewige Verderben, die andern in das Reich, das ihnen bereitet ist von Grundlegung der Welt an (Matth. 25, 34: 46).

Dies ist das große Völkergericht am Anfang des Tausendjährigen Reiches (Off. 20, 4). Es ist sehr wohl zu unterscheiden von dem Endgericht vor dem Großen Weißen Thron (Off. 20, 11-15).

1. Der Ort: Es findet nicht nach dem Untergang der alten Erde (Off. 20, 11), sondern auf dem Boden der alten Erde statt, nämlich im Tal Josaphat (Joel 4, 12; Matth. 25, 31).
2. Die Zeit: Es wird nicht erst nach dem Ende, sondern schon zu Beginn des irdischen Herrlichkeitsreiches abgehalten (Off. 20, 11; Matth. 25, 31).
3. Die Personen: Es richtet nicht die »Toten«, das heißt, die in der zweiten Auferstehung Lebendiggemachten (Off.20, 12), sondern die dann Lebenden und aus den Gerichtskatastrophen ohne Tod und
    Auferstehung Übriggebliebenen (Matth.25, 32).
4. Die Entscheidung: Es handelt sich nicht um die Frage: Verderben oder allein ewiges, himmlisches Reich (vgl. 2. Tim. 4, 18), sondern um die Frage: Verderben oder zunächst irdisches Herrlichkeitsreich
    (Matth. 25, 34; 46).

V. Die Aufrichtung des Herrlichkeitsreiches – Dies alles zusammen ist die »Erscheinung seiner Ankunft« (2.Thess.2,8). Sie ist der Triumph des Gekreuzigten, die Sichtbarwerdung seines Reiches (Luk. 19, 11). Seine Engel werden ihn begleiten (Matth. 25, 31; 2.Thess. 1,7), seine Erlösten werden bei ihm sein (1. Thess. 3, 13; Jud. 14; Off. 19, 14). Alle Welt wird ihm dienen (Jes. 60, 1-3); unumstritten wird er regieren (Off. 12, 10); denn er ist der »König aller Könige und der Herr aller Herren« (Off. 19, 16; 1,5).

Das Reich aber, welches er bringt, ist das »Reich Gottes«. Es wird nicht auf der Erde, sondern im Himmel übergeben (Luk. 19, 12; Dan. 7, 13); es ist nicht Belohnung, sondern Geschenk; es kommt nicht durch »Fortschritt«, sondern durch Umbruch; es ist nicht des Menschen Errungenschaft, sondern Gabe Gottes.

1. Von außen her gesehen ist es der unscheinbare »Stein«, der den imponierenden Koloß Nebukadnezars zerschmettert (vgl. Matth. 21, 44), dann aber zum großen Berge wird und die ganze Erde erfüllt
    (Dan.2, 35; 44-45).

2. Von innen her gesehen ist es das Reich des »Menschensohnes«, das den mordgierigen Bestien der danielischen Weltreiche ein Ende bereitet und zum ersten Male wahres Menschentum im Sinne der
    Heiligen Schrift, das heißt Gottesbildlichkeit (1. Mose 1, 27), auf den Thron der Völkergeschichte erhebt (Dan. 7, 13; Matth. 26, 64).

3. Von oben her gesehen ist es das »Himmelreich«, das von dem Himmel her kommt und darum himmlisches Wesen und himmlisches Glück in die irdische Welt hineinträgt (vgl. Dan. 4, 23)

4. In allem aber ist es »Reich Gottes«, wie es von Uranfang geplant (Matth. 25, 34),
– durch die Zeiten hindurch erstrebt (Matth.6, 10),
– von Christus begründet (Joh. 18, 36),
– von der Gemeinde gepredigt (Apg. 20, 25),
– von der Menschheit erwartet (Röm. 8, 19),
– nun auf der alten Erde aufgerichtet wird (Off. 11, 15), um, nach den Schlußkatastrophen der bisherigen Welt (Оff. 20, 7-15),
– einzumünden in die Neuschöpfung der Ewigkeit (Offenbarung 21 und 22).  

 

Teil II:  Das sichtbare Reich Christi

1. Kapitel. DIE GESCHICHTLICHE WIRKLICHKEIT DES HERRLICHKEITSREICHES

Die Königsherrschaft Gottes ist das Endziel der Heilsgeschichte. »Auf daß Gott sei alles in allen« (1. Kor. 15, 28). Das »Reich« ist darum das eigentliche Grundthema der Bibel.

Der Glaube an ein sichtbares Gottesreich noch auf der alten Erde war ursprünglich allgemeiner Geistesbesitz der Christen. Erst mit dem Beginn des werdenden Katholizismus ist er verlorengegangen, um jedoch wieder in den letzten Jahrhunderten neu auf den Leuchter gestellt zu werden.

In der Tat, nur ein dreifacher Grundfehler der Schriftauslegung vermag an dieser biblischen Wahrheit vorbeizusehen: eine unklare Vermischung von Israel und der Gemeinde, eine voreilige Verwechslung des Gegenwärtigen mit dem Zukünftigen und eine einseitige Vergeistigung der alttestamentlichen Reichsprophetie.

Demgegenüber steht die urchristliche Hoffnung auf ein irdisches, sichtbares Herrlichkeitsreich auf einem fünffachen, unerschütterlichen Felsenfundament. Sie ist

1. die einzige Würdigung der Wahrhaftigkeit und Bundestreue Gottes seiner Verheißung gegenüber,
2. die einzig folgerichtige Deutung der alttestamentlichen Messiasprophetie,
3. die einzige Deutung der Endgeschichte, die mit den Worten des HErrn Jesu und seiner Apostel übereinstimmt,
4. der einzig vollständige Abschluß der göttlichem Selbstrechtfertigung in der Heilsgeschichte,
5. die einzig zum Ziel führende Überleitung der Menschheitsgeschichte in das Reich des Vaters.

I. Die einzige Würdigung der Wahrhaftigkeit und Bundestreue Gottes seiner Verheißung gegenüber

Gottes Gnadengaben und Berufung sind unbereubar (Röm. 11, 29). Der irdischen, gläubigen Nachkommenschaft Abrahams hatte Gott die Verheißung des Landes gegeben (1. Mose 15, 4-7). Es war eine Zusage, nicht beginnend bei Mose, sondern bei Abraham, also nicht gegründet auf das Gesetz, sondern auf die Verheißung, das heißt, nicht geknüpft an Bedingungen, sondern freies Geschenk (Gal. 3, 18). Darum konnte sie auch durch Israels Versagen nicht aufgehoben werden, sondern blieb, um der Wahrhaftigkeit Gottes (Röm. 15, 8) und um Abrahams seines Freundes willen (Jak. 2, 23), unverändert bestehen.
»So spricht der Herr, … Wenn diese Ordnungen vor meinem Angesicht weichen werden … So soll auch der Same Israels aufhören, eine Nation zu sein vor meinem Angesicht alle Tage« (Jer. 31,35). »Denn gleichwie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen …, also wird euer Same und euer Name bestehen« (Jes. 66, 22). Eine »Vergeistigung« dieser bedingungslos gegebenen und buchstäblich gemeinten Reichsprophetie und eine Übertragung derselben auf eine andere Körperschaft wäre aber nichts weiter als ein verschleierter Bundesbruch Gottes seiner Verheißung gegenüber. Das aber sei ferne!

Weiterhin ist die urchristliche Reichshoffnung


II. Die einzig folgerichtige Deutung der alttestamentlichen Messiasprophetie

Die Verheißungen des ersten Kommens Christi sind buchstäblich erfüllt; wer berechtigt uns da, die oft im selben Satz stehenden Verheißungen seines zweiten Kommens lediglich zu »vergeistigen« (z. B. Luk. 1, 31-33)?
Christus kam buchstäblich aus Bethlehem (Micha 5, 1), ritt buchstäblich auf einem Esel nach Jerusalem (Sach. 9, 9), wurde buchstäblich um 30 Silberlinge verraten (Sach. 11, 12) und am Kreuz buchstäblich an Händen und Füßen durchbohrt (Ps. 22, 17).
Buchstäblich wurden seine Gebeine nicht zerbrochen (Ps. 34, 21). Buchstäblich ist er gestorben und begraben (Jes. 53, 8f.), buchstäblich auch am dritten Tage wieder auferstanden (Ps. 16, 10; Hos. 6, 2).

Was für eine Ungereimtheit und Sinnwidrigkeit wäre es da, die Voraussagen seines Kommens in Herrlichkeit nun einfach zu »Bildern« zu verflüchtigen! »Ist Jesus etwa nur bildlich am Kreuz gestorben?

Hat Gott etwa nur bildlich sein Volk unter alle Völker zerstreut (5. Mose 4, 27) und ist es augenblicklich nur bildlich ohne König, ohne Fürsten, ohne Opfer, ohne Altar und ohne Heiligtum? (Hos. 3, 4.) Nein, dies alles ist buchstäblich und wirklich geschehen. Wie wäre es da aber richtig, wenn Gott immer wieder in den Propheten beteuert, daß er das Volk Israel aus allen Völkern der Welt von neuem sammeln und in das Land seiner Väter zurückführen werde (z. B. Jer. 16, 14; Sach. 10, 8; Jes. 27, 12; Hes. 11, 17), zu meinen, daß dies alles nur bildliche Redewendungen seien?

Wer gäbe uns das Recht, aus den Juden einfach die Christen, aus Jerusalem die Gemeinde, aus Kanaan den Himmel zu machen? Hat je der »Thron Davids« im Himmel gestanden (Luk. 1, 32), und ist je »dieses« Land und der »Libanon« und das »Land Gilead«, wohin der HErr sein Volk wieder einpflanzen will (Jer. 32, 41; Sach. 10, 10), woanders als auf Erden, und zwar in Vorderasien gewesen?
Wohl haben auch die Propheten oft dichterische Bilder; wohl hat auch das Tausendjährige Reich einen für die Ewigkeit erst vorbildlichen Sinn, und wohl hat Gott auch in Bezug auf dieses irdische Reich in der Gemeinde zunächst eine geistliche Vorauserfüllung gegeben – so daß das Vergeistigen nicht ganz abgelehnt werden darf, ja, im Blick auf die Ewigkeit sogar von der allergrößten Bedeutung ist -, aber das bloße Vergeistigen ist ein gefährliches Herumspringen mit dem einfachen Schriftsinn; es ist willkürlich und unlogisch im Hinblick auf die Weissagung des ersten Kommens Christi und macht Gott zum Lügner seiner Verheißung gegenüber. Israel soll wieder nach Kanaan. Das gehört mit zum biblischen Programm für die Zukunft.

Ferner: die urchristliche Reichserwartung ist


III. Die einzige Deutung der Endgeschichte, die mit den Worten des HErrn Jesu und seiner Apostel übereinstimmt

1. Das Zeugnis Christi. In seiner Gerichtsrede gegen die Pharisäer und das unter ihrer Führung irregeleitete Israel sagt Christus: »Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind … Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: »Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn« (Matth. 23, 37-39). Damit sagt der Herr: Das Haus Israel soll nicht immer eine Wüste bleiben; nicht immer sollen sie mit verdorrter Seele und schmachtendem Herzen im Gerichtszustand gelassen werden; sondern eine Zeit wird kommen, da wird Israel seinen Messias erkennen und ihn mit jubelnder Freude aufnehmen. Dann werden sie ihm als Bekehrte von ganzem Herzen zufallen und ihn begrüßen als ihren Messias und Gottkönig.

Zwar ist das Reich des HErrn Jesu nicht »von« dieser Welt (Joh. 18, 36), wohl aber »für« diese Welt. Als ihn seine Jünger nach seiner Auferstehung fragten: »HErr, stellst du in dieser Zeit dem Volke Israel das Reich wieder her?« (Apg. 1, 6), hat er sie nicht wegen »fleischlicher Vorstellungen« gescholten oder das Kommen des von ihnen gemeinten sichtbaren Gottesreiches überhaupt in Abrede gestellt, sondern nur gesagt: »Es gebührt euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat« (Apg. 1, 7). Damit aber beweist gerade dieser prophetische Ausdruck »Zeit oder Stunde«, daß das Reich Gottes tatsächlich einst aufgerichtet werden wird (vgl. Matth. 8, 11; Luk. 22, 16).

2. Das Zeugnis des Apostels Johannes. Unwiderlegbar bezeugt ferner die Offenbarung Johannes das Kommen dieses Herrlichkeitsreiches. Sie ist hierbei das einzige Buch der Bibel, welches ausdrücklich von »tausend Jahren« spricht (Off. 20, 2-7). Die Stellung des betreffenden Abschnitts hinter dem Bericht über die Erscheinung Christi und den Sturz des Antichristen (Off. 19, 11-21) beweist, daß diese »tausend Jahre« von der Wiederkunft Christi an zu zählen sind und zwischen der »ersten« Auferstehung (Off. 20,5) und dem »Großen Weißen Thron« liegen (Off. 20, 11-15).

3. Das Zeugnis Pauli. Im zweiten Korintherbrief vergleicht Paulus die Herrlichkeit des Alten Bundes mit der des Neuen und spricht in diesem Zusammenhang von dem Unglauben Israels in der Zeit seiner Verblendung. »Ihr Sinn ist verstockt worden … Ja, bis heute liegt eine Decke auf ihrem Herzen. Sobald es (Israel) sich aber zum HErrn bekehrt, wird die Decke hinweggenommen« (2. Kor. 3, 14-16 vgl. 2. Mose 34,34).

Der Apostel blickt hier auf eine Zeit hinaus, da Israel sich zu Christus bekehrt. Dann wird ihm die Decke vom Herzen genommen, und sie gelangen zur Herrlichkeit und wahren Freiheit. Damit aber wird diese Stelle zu einem klaren Zeugnis, daß Paulus eine Wiederannahme Israels erwartet. »Da Paulus für Israel die Verheißung hat, daß auch ihnen der Christus sich offenbaren wird, so wird auch für Israel die Stunde kommen, in der es nicht mehr ein unverstandenes Gesetz verehrt, sondern seinen Sinn und Zweck versteht. Diese Stunde kommt ihm dann, wenn es sich zu Jesus wendet« (Adolf Schlatter) …

Vor allem aber ist es der große, heilsgeschichtliche Rechtfertigungsbeweis seines Evangeliums in Röm. 9-11, der hier in Betracht kommt. Paulus verkündigte ein gesetzesfreies Evangelium ohne Unterschied zwischen Juden und Heiden (Röm. 3,9; Gal. 3,28). Da mußte in jedem schriftgläubigen Israeliten die Frage auftauchen: »Wird diese Botschaft nicht durch die zwei Jahrtausende lang feststehende Tatsache der Erwählung und Sonderstellung Israels Lügen gestraft (Ps. 147,19; Amos 3,2;  2.Mose 19,5)? Ist es nicht klar, daß dann entweder Gott seine Verheißungen Israel gegenüber gebrochen haben muß oder aber – da dieses doch nimmermehr der Fall sein kann – Jesus von Nazareth, wie Paulus ihn predigte, ist nicht der dem Volk Israel verheißene Messias?

Darauf antwortete Paulus:

(a) Gottes Handeln ist frei (Röm. 9). Auf dem Schauplatz der Weltgeschichte lenkt er die Figuren, wie er will. So zwingt er zwar die Gläubigen nicht zum Glauben und die Ungläubigen nicht zum Unglauben; aber aus der Zahl der Ungläubigen erwählt er sich einzelne zu besonderen Beispielen seiner Gerichtsmacht (so den Pharao von Ägypten: Vers 14-18); und aus der Zahl der Gläubigen erwählte er sich andere zu besonderen Trägern seines Heilsmittlertums (so Abraham, Isaak, Jakob; Vers 6-13). Auch Israels Erwählung beruht darum auf Gottes Freiheit und in keiner Weise hat der Mensch – auch der Jude – ein Recht, Gott gegenüber auf irgend etwas zu pochen. Auch wenn er den Höchsten in seinem Handeln nicht versteht, hat er zu schweigen und Gottes Freiheit – wie die Freiheit des Töpfers dem Ton gegenüber – einfach anzuerkennen (Vers 19-23). Dennoch:

(b) Gottes Handeln ist gerecht (Röm. 10). Seine Freiheit ist nicht Willkür. Er hat rechtlichen Grund, Israel so zu behandeln, wie er getan hat. Denn Israel hat die Gesetzesgerechtigkeit gewollt (Röm. 9,30 – 10,3), er aber hat die Glaubensgerechtigkeit angeordnet: er hat sie befohlen, er hat sie ermöglicht; Israel dagegen hat sie abgelehnt. Darum ist es ungehorsam und schuldig und hat die Strafe verdient, die es getroffen hat (10, 19-21).

(c) Gottes Handеln ist segenbringend (Röm. 11). Auch im Gericht hat er sein Volk nicht »verworfen«, sondern nur für eine Zeitlang beiseite gesetzt. Auch in der Zerstreuung behält Israel seine Hoffnung (3. Mose 26, 44). Gottes Handeln mit ihm bringt Segen für alle:
– für den christusgläubigen Überrest – denn er erlangt die Begnadigung (Vers 1-10),
– für die allgemeine Völkerwelt – denn sie empfängt das Evangelium (Vers 11-15),
– für das einst geistlich erneuerte Israel – denn es wird wieder angenommen (Vers 16-23

So ist die Verstockung, die über Israel gekommen ist, ihm nur »zum Teil« widerfahren und auch nur so lange, »bis daß« die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird (Röm. 11, 25). Dann aber werden die aus dem Ölbaum des Gottesreiches »ausgebrochenen« Zweige wieder »eingepfropft« werden, »und also wird ganz Israel errettet werden«.

Dies ist die Lösung der Spannung zwischen Volksberufung Israels und Völkerberufung der Gemeinde. Erst durch die Zukunft wird also die Vergangenheit mit der Gegenwart versöhnt. Erst durch das Ende wird die Mitte gerechtfertigt.

Mit der Anerkennung dieser Sätze steht und fällt das ganze paulinische Evangelium. Wer darum diese Weissagungen leugnet, leugnet das Fundament der Gemeinde. Er leugnet, wenn er folgerichtig denkt, entweder die Bundestreue Gottes oder die Gesetzesfreiheit des Evangeliums, das heißt, entweder Jahwe oder Paulus.

Gewaltig sind die Wirkungen, die von dieser Neubelebung Israels auf die Völkerwelt ausgehen. Es kommt zu einer kosmischen »Wiedergeburt« im Reich des Auferstandenen (Matth. 19, 28). Er schreibt: »So frage ich nun: Sind sie etwa deshalb gestrauchelt, weil sie zu Fall kommen sollten? Keineswegs! Vielmehr ist durch ihre Verfehlung das Heil den Heiden zugefallen … Wenn schon ihre Verwerfung zur Versöhnung der Welt führt, was kann dann ihre Annahme anderes bringen als Leben aus den Toten!« (Röm.11,11-15).

Hier bekennt sich Paulus in völlig unmißverständlichen Worten zu dem Glauben an eine Vollbekehrung Israels und erklärt, daß von da aus die größten Segenswirkungen auf die Menschheit ausgehen werden. Gegenüber diesen neuen Gottesgaben und Lebenskräften höherer Geistesfülle, die sich dann auch auf die Völkerwelt ausbreiten werden, wird alles frühere Völkerleben wie ein totes erscheinen, aller früherer Reichtum der Nationen muß wie Armut, alles frühere Völkerheil wie Heillosigkeit. Damit aber spricht Paulus nicht nur seinen Glauben an Israels zukünftige geistliche und nationale Errettung aus, sondern bezeugt zugleich die umfassende nationale und übernationale, weltgeschichtliche und heilsgeschichtliche Bedeutung dieses Ereignisses: es ist »Heil« für die Völkerwelt, »Reichtum« der Nationen, ja, ein geistliches Auferstehungsfest für die allgemeine Menschheit, eben »Leben aus den Toten«.

Damit ist schon die Frage nach dem Sinn dieses kommenden Gottesreiches berührt. Denn die Frage entsteht doch: Wozu überhaupt ein solch sichtbares Reich? Warum hat Gott Israel einst solche Verheißungen gegeben? Was ist der Sinn dieser kommenden Reichszeit im Heilsplan der Erlösung?

Darauf antworten wir: Das sichtbare Herrlichkeitsreich ist


IV. Der einzig vollständige Abschluß der göttlichen Selbstrechtfertigung in der Heilsgeschichte

1. Christo gegenüber: Ist nicht der Höchste seinem königlichen Gesalbten gegenüber verpflichtet, ihm eine Gelegenheit zu geben, sich als den besten Gesetzgeber und Richter, Regenten und Weltherrn zu beweisen, als den, der die Leitung der Weltgeschäfte besser versteht als alle bisherigen Großen und Gewaltigen der Erde, und zwar dies noch im Rahmen der alten Schöpfung, in der ja auch jene gelebt und ihn als den »König« verworfen haben? Und ist es nicht gerecht, daß, nachdem Satan Jahrtausende hindurch vor aller Welt gezeigt hat, wie er lügen und betrügen und die Völker verderben kann, nun Gott seinerseits in Christo beweist, wie er segnen und retten und Frieden geben kann, und zwar ebenfalls auf dem Boden dieser alten Welt? Das verlangt Gottes Gerechtigkeit. Hier, wo Satan triumphiert hat, muß Jesus gekrönt werden!

2. Der Menschheit gegenüber. »Sieht man sich diesen Glauben an ein Tausendjähriges Reich vorurteilsfrei an, so muß man gestehen, daß es ein großer und schöner Gedanke Gottes wäre, wenn er der armen Erde und dem müden Gast auf derselben nach sechs harten Tagen der Last und der Arbeit einen großen Sabbat gönnte, in welchem Christus der sündigen Menschheit die Zügel aus der Hand nähme, um eine Weile diese Welt persönlich in Recht und Gerechtigkeit nach dem Gesetz Gottes, zu regieren« (Bettex). Ist es bis dahin doch noch nie offenbar geworden, wie glückselig und herrlich ein Volk auf dieser Erde sein kann, wenn es den HErrn persönlich in seiner Mitte wohnend und thronend hat! In der Tat, gerade dies ist der große, weltumgestaltende Gedanke der Offenbarung, daß noch auf der alten Erde das Reich Gottes möglich ist. Damit aber beweist Gott, daß nicht die Umstände und elementaren Gewalten daran schuld waren, daß die Völker nicht in Frieden miteinander leben konnten, sondern lediglich die Sünde des Menschen selbst und die Verführung des Teufels.

Weiterhin jedoch beweist gerade der Schluß dieses Reiches, wie hoffnungslos verloren der Mensch von Natur ist. Denn was tut die Menschheit nach tausendjährigem, vollkommenem Gottesregiment? Sie empört sich gegen den HErrn und zieht in Millionenarmeen gegen den Höchsten zu Felde (Gog und Magog: Off. 20, 7-10)! So beweist auch der letzte Versuch Gottes die verzweifelte Bosheit des Menschen. Die Nationen werden sogar aus den idealsten wirtschaftlichen und politischen Zuständen, ja aus der direkten Herrschaft des HErrn selbst so wenig gelernt haben, daß sie sich am Schluß – vom Teufel verführt – zu der furchtbarsten Menschheitsrevolte zusammenrotten (Off. 20, 8). Damit aber wird offenbar, nicht nur, daß der Mensch keine idealen Zustände zu schaffen vermag, sondern auch, daß, selbst wenn sie da sind, sie ihn nicht bessern können. So aber wird gerade diese glanzvollste Zeit der Menschheitsgeschichte zum katastrophalsten Beweis für die Verlorenheit des Sünders, und es ist unwiderlegbar bewiesen, daß Gott recht gehabt hat, als er bei der Erlösung des Menschen dessen eigene Kraft ausgeschaltet hat. Nun ist der Höhepunkt und Abschluß der göttlichen Selbstrechtfertigung erreicht und aller Welt offensichtlich vor Augen geführt, daß es von vornherein nur einen Weg geben konnte, der die Menschheit zum Frieden führt: Gottes Gnade allein und das Kreuz von Golgatha.

Schließlich aber ist das sichtbare, endgeschichtliche Herrlichkeitsreich des Sohnes


V. Die einzig zum Ziel führende Überleitung der Menschheitsgeschichte in das Reich des Vaters

Tatsache ist, daß im Gesamtverlauf des Weltgeschehens zunächst Abbild und Urbild miteinander vermischt sind, daß aber, je weiter die Weltentwicklung voranschreitet, die Wesenhaftigkeiten selbst immer klarer auf den Plan treten. Dies ist ganz offensichtlich in der Geschichte der neutestamentlichen Erlösung der Fall (vgl. Joh. 16, 25).

Aus der Verborgenheit seines gegenwärtigen Charakters wird das Reich Gottes einst weltweit hervortreten. »Er (der Sohn) muß herrschen, bis er alle seine Feinde unter seine Füße gelegt hat« (1. Kor. 15, 25). Das ist das Königreich, das einst offenbar werden wird, die Vollendung des Diesseits, die Glanzzeit der Geschichte.

Aber der Sohn ist nicht der Vater, sondern der »Abglanz« seiner Herrlichkeit (Hebr. 1, 3), das »Bild« des unsichtbaren Gottes (Kol. 1, 15). Mit seiner Person ist darum im sichtbaren Gottesreich das Bild des Vaters auf Erden zugegen. Darum bedarf es noch eines geschichtlichen Werdegangs, der die Reichsgottesgeschichte zum Vater selbst überleitet. Dies ist der eigentliche, tiefste und göttliche Hauptsinn des Tausendjährigen Reiches.

Gegenwärtig ist die Zeit des Heiligen Geistes, der den gen Himmel gefahrenen Erlöser hier auf Erden verherrlicht und die Gemeinde beruft und aufbaut (Joh. 16, 7-15; 1.Kor. 12, 3-13).

Dann folgt die Wiederkunft Christi und die Aufrichtung des sichtbaren Gottesreiches der tausend Jahre, das heißt, das Reich des Sohnes. »Er (der Sohn) muß herrschen, bis er alle seine Feinde unter seine Füße gelegt hat« (1. Kor. 15,15).

Zuletzt aber übergibt der Sohn das Reich dem Vater, unterwirft sich ihm selbst, und das Reich des Vaters, die ewige Vollendung, wird offenbar. Gott wird dann sein »alles in allen« (1. Kor. 15,28). In diesem Zusammenhang ist das Tausendjährige Reich die einzig zum Ziel führende Überleitung der Menschheitsgeschichte – unter der Leitung des Sohnes – in das Reich des Vaters. So zeigt uns die biblische Weissagung zwei triumphale Hauptdurchbrüche des kommenden Gottesreiches, die zu den beiden göttlichen Personen des Sohnes und des Vaters je in besonderer Beziehung stehen:
– das Erscheinen des Reiches des Sohnes am Anfang des Tausendjährigen Reiches noch auf dem Schauplatz der alten Erde
– und das Offenbarwerden des Reiches des Vaters im Triumph der Vollendung im neuen Himmel und auf der neuen Erde.

2. Kapitel. DIE HERRLICHKEIT DES REICHES GOTTES AUF ERDEN

Das kommende Gottesreich ist die Zeit weltweiter »Wiedergeburt« (Matt. 19, 28). An seiner sichtbaren Herrlichkeit nimmt die ganze irdische Schöpfung teil: Israel, die Völkerwelt, die Natur und – als die himmlische Herrschaftsaristokratie des Ganzen – die Gemeinde.

Zögernd hatte die »Herrlichkeit des Herrn« den Tempel verlassen (Hes. 10, 18; 11, 22); »plötzlich« erscheint der Herr wieder, um zu seinem Tempel zu gelangen (Mal. 3, 1; Hes. 43, 1-5). Das eine ist der Anfang, das andere das Ende der »Zeiten der Nationen« (Luk. 21, 24). Das Ziel ist »Der Herr daselbst« (Hes. 48, 35), »die Hütte Gottes bei den Menschen« (Off. 21, 3).


I. Christus – der Gottkönig

1. Seine persönliche Herrlichkeit. »Beherrscher der Menschen, ein Herrscher in Gottesfurcht, wie das Licht des Morgenanbruchs, wenn die Sonne aufgeht, wie ein wolkenloser Morgen, wenn im Sonnenglanz nach dem Regen das junge Grün aus der Erde hervorsprießt« – so ist Christus der Erlöser, Davids »Sohn« und Davids »Herr«. So hat es der Stammvater vom Nachkommen selber bezeugt, der vorbildliche David vom urbildlichen David (2. Sam. 23, 2-4). In ihm sind alle Königsideale erfüllt.

2. Seine Anbetung durch die Menschheit. Vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang soll mein Name herrlich werden unter den Heiden, spricht der HErr Zebaoth« (Mal. 1,11). Wie es scheint, wird in Jerusalem auch wieder ein Tempel entstehen (Hes. 37, 26; 43,7). Jedenfalls schildert Hesekiel in seiner Weissagung vom messianischen Heil einen zukünftigen Tempel mit so genauen Einzelangaben, daß es kaum möglich erscheint, dies alles nur bildlich und geistlich zu verstehen (Hes. 40-44). Hier sind wir genötigt abzuwarten. Im ganzen aber sind es sieben Tempel Gottes, die die Heilige Schrift nennt:
1. Die Stiftshütte Moses (1500-1000),
2. der Tempel Salomos (1000-586),
3. der Tempel Serubabels (umgebaut durch Herodes: Joh. 2, 20; 516 v. Chr. bis 70 n. Chr.),
4. der Tempel des Leibes Jesu (Joh. 2, 21),
5. der geistliche Tempel der Gemeinde, (Geamtgemeinde, Ortsgemeinde und Einzelchrist)
6. der Tempel des Hesekiel (Kap. 40-44),
7. das neue Jerusalem als Tempel (Off. 21, 16; 22). »Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen.«

Eins aber wird diesen Tempel des Hesekiel – wenn er denn buchstäblich zu verstehen ist – in jedem Fall von dem Salomonischen unterscheiden: es wird keine Bundeslade mehr in ihm sein (Jer. 3, 16; 17), ebenso kein Leuchter, kein Schaubrottisch, kein Vorhang zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten (vgl. Hebr. 9, 8; Matth. 27, 51).

Seit der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar (586) hat Israel nie wieder eine Bundeslade gehabt. Dies war für den Tempel Serubabels ein großer Verlust (516 vor Chr. – 70 nach Chr.). Denn ohne die Lade war der Tempel nur eine Schale ohne Kern, war doch die Bundeslade das Sinnbild seiner Gegenwart, das Allerheiligste im Allerheiligsten (2. Mose 25, 22)!
Für den zukünftigen Tempel aber wird gerade dies Fehlen ein großer Gewinn sein. Denn der Grund ist kein geringerer als der, daß der HErr nun selber persönlich gegenwärtig ist, daß Jerusalem sein »Thron« (Jer. 3, 17) und Gottes Gegenwart die »Schechina«, die »Wolke der Herrlichkeit«, ist (Jes. 4,5; 2. Mose 40, 34-38), so daß nunmehr das Sinnbild, als »erfüllt«, seiner Verwirklichung weichen kann.
Damit aber drückt gerade dies Fehlen der Bundeslade das Wesen des Tausendjährigen Reiches aus: es ist die Übergangs-Heilszeit zur Ewigkeit. Im himmlischen Jerusalem wird es überhaupt keinen Tempel mehr geben, weil alles in Christo erfüllt ist (Off. 21, 22).

Die alttestamentlichen Propheten aber schauten beides in einem. Für sie flossen Vorstufe und Abschluß, Endzeit und Jenseits, irdisches und himmlisches Jerusalem zu einem einzigen, großartigen Bilde zusammen. So redet Jesaja von einem »neuen Himmel« und einer »neuen Erde« (65,17; 66,22), auf der es aber dennoch noch Sünde und Tod gibt (wenn auch nur als Ausnahme: 65,20) – dies kann sich nur auf das irdische Herrlichkeitsreich beziehen (vgl. Off. 21, 4); und andererseits sagt er von dem Jerusalem der Endzeit, daß es weder der Sonne noch des Mondes bedarf, weil der HErr sein Licht ist (60,19), was – im Zusammenhang mit dem Neuen Testament – jedoch unverkennbar auf das himmlische Jerusalem hinzielt (Off. 21, 23).

So sehen die Propheten das endzeitliche Diesseits und das ewige Jenseits als eine einzige, diesseits geartete, fortlaufende Linie an und schildern die Neuschöpfung der Vollendung mit den Farben des Herrlichkeitsreiches der alten Schöpfung (z.B. Jes. 54,11 = Off. 21, 18-21). Hier ist »Vergeistigung« in dem höchsten und edelsten Sinne allerdings am Platze. Erst das Neue Testament zieht eine deutliche Querlinie durch beide hindurch, welche Ewigkeit und Zeit voneinander scheidet.

Der Grund aber dieser prophetischen Ineinander-Schau liegt in der Tatsache, daß im Alten Testament der Himmel für Menschen noch nicht offen war. Die alttestamentlichen Heiligen schauten darum nur Engel, nicht aber auch Menschen um den himmlischen Thron (z.B. 1. Kön. 22,19; Hiob 1, 6; Dan. 7, 10). Erst seit der Himmelfahrt Christi, als des Hauptes der neuen Menschheit, ist der Himmel auch für Menschen grundsätzlich geöffnet (Joh. 14, 2; 17, 24; Hebr. 2, 10). Erst von da an wird darum auch das himmlische Jerusalem in klarerer Weise den Menschen geoffenbart (Gal. 4, 26).


II. Das Volk Israel

1. Israels Rückkehr und Sammlung in Kanaan. »Sammeln will ich dich, Jakob, insgesamt; zusammenbringen will ich den Überrest Israels« (Micha 2, 12; Jes. 27, 12). Mit Hilfe von Nationen und Königen (Jes. 49,22; 66, 20),
 unter sichtbaren Zeichen und Wundern (Micha 7, 15; Jes. 11, 15; Sach. 10, 11), ja
 unter der persönlichen Führung des HErrn (Jes. 52, 12; Micha 2, 13; Hos. 1, 11; Jer. 31, 9) – so wird das Volk Israel zurückkehren in sein Land. Zu dieser Rückkehr Israels verhält sich die Rückkehr aus Babel wie das Vorbild zur Erfüllung.

Der Umfang ist größer. Denn die Rückkehr aus Babel war nur die Rückkehr aus einem Volke; die Rückkehr aus »Rom« aber wird Rückkehr aus allen Völkern sein (5. Mose 30,3; u.v.a.) Die Rückkehr aus Babel wurde nur von zwei Stämmen erlebt, dem Reich »Juda« verbunden mit Benjamin; die Rückkehr aus »Rom« aber wird allen zwölf Stämmen zuteil, auch dem Reich »Israel«, den verlorenen zehn Stämmen (Jer. 3, 18; Sach. 10, 6).

Die Dauer ist sicherer. Die Rückkehr aus Babel endete mit der Zerstörung Jerusalems und der Vertreibung der Juden aus Palästina durch die Römer (70, 135 n. Chr.). Die Rückkehr aus »Rom« aber wird für ewig geschehen. Jerusalem und der geistlich erneuerte Überrest wird »in Sicherheit wohnen« (Sach. 14, 11; Jer. 24, 6) und »nie mehr herausgerissen werden aus ihrem Lande« (Amos 9, 15).

Der Inhalt ist geistlicher. Die Rückkehr aus Babel war mit einer Erweckung verbunden: von da an ist Israel nie wieder dem Götzendienst verfallen. Die Rückkehr aus »Rom« aber wird mit dem vollen messianischen Heil verbunden sein (Jes. 49, 8-13); von da an wird der Götzendienst nicht nur in Israel (Hos. 2, 18), sondern überhaupt auf der Erde verschwinden (Jes. 2, 3).

Israels Bekehrung zum HErrn. Schon vor der antichristlichen Zeit wird das Volk Israel in sein Land zurückgekehrt sein. Dies beweist die Tatsache, daß es der Antichrist gerade in Judäa bedrückt (Matth. 24, 16-22; Off. 11, 1-14), daß er den Greuel der Verwüstung »an heiliger Stätte« aufrichtet (Matth. 24, 15; Dan. 9, 26; 12,11), daß er im Kampf gegen die Juden verheerend in Palästina einbricht (Sach. 14, 1-2; 12,2; Joel 4, 12) und daß der vom Himmel herabgekommene Messias sein Volk gerade durch den Sieg bei Harmagedon (Off. 16, 16) und das Völkergericht im Tal Josaphat befreit (Joel 14, 12-18; Sach. 14,  3-5).

Dies alles aber – mit Ausnahme des letzten – geschieht zunächst im Unglauben. Nicht als »Volk Gottes«, sondern als »jüdische Nation« kehrt das Volk Israel nach Palästina zurück, nicht aus religiösen, sondern aus politischen Beweggründen. Die »Totengebeine«, die Hesekiel geschaut und die das Volk Israel bedeuten (Hes. 37, 11), rücken zusammen, noch ehe der Odem des Lebens, der Geist Gottes, des HErrn, in ihnen ist (Hes. 37, 7).

Dann aber folgen in Palästina die Ereignisse in raschestem Aufeinander:

1. Das Erscheinen des Messias. »Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben« (Off. 1, 7 vgl. Sach. 14, 4; Matth. 26, 64).

2. Die Wehklage. Dann »werden wehklagen seinetwegen alle Stämme des Landes« (Off. 1, 7; Sach. 12, 10), »wie man klagt um ein einziges Kind, wie man weint um einen Erstgeborenen«.

3. Die Buße. Weinen aber werden sie über ihre Sünde, besonders die Ermordung des Messias (Sach. 12, 10). Der Jude wird selber seine jüdische Unart als »Greuel« und »Abscheu« empfinden (Hes. 36, 31 wörtl.), und er, dег in seiner Sünde Jahwe ein »Ekel« gewesen war (3. Mose 26, 30), wird nun »einen Widerwillen gegen sich selbst« haben (Hes. 20, 43; 36, 31). Doch »immerfort weinend, werden sie kommen und den HErrn, ihren Gott, suchen« (Jer. 50, 4; Hos. 3, 5; Jer. 31, 9).

4. Die Beichte. Dann werden sie sagen von Christus, ihrem Messias: »Wir haben ihn für nichts gehalten. Wir hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber der HErr warf unser aller Sünde auf ihn. Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt (Jes. 53).  –  Und dann wird das große Wunder geschehen:

5. Die Wiedergeburt. »An jenem Tage wird dem Hause Davids und den Bewohnern Jerusalems ein Quell erschlossen sein gegen Sünde und Unreinigkeit« (Sach. 13, 1). Gott wird ihre Missetat vergeben (Jer. 33, 8; 50, 20), ihre Übertretungen tilgen (Jes. 44, 22), ihr steinernes Herz wird er wegnehmen (Hes. 11, 19; 36, 26), ihren Krämergeist auslöschen (Sach. 14, 21), ihre »Totengebeine« beleben (Hes. 37, 9; Hos. 6, 2) und den Geist der Gnade über sie ausgießen (Sach. 12, 10), ja seinen heiligen Geist selber in sie hineingeben (Jes. 44, 3).

Dies ist die geistliche Wiedergeburt Israels. Aus »Lo-Ammi« wird »Ammi«, aus dem »Nicht-Mein-Volk« wird »Mein-Volk« werden, und geistlich erneuert tritt Israel ein in den »Neuen Bund« (Jer. 31, 31-34). Dies alles aber in seinem Lande, in Palästina, sein, und »mit Augen wird man’s sehen, wenn der HErr Zion bekehrt« (Jes. 52, 8.)

6. Die Heiligkeit. Von nun an ist Israel ein heiliges Volk. »Es wird geschehen, wer in Zion übriggeblieben und wer in Jerusalem übriggelassen ist, wird heilig heißen« (Jes. 4, 3). Seine Hauptstadt ist eine »heilige Stadt« (Jes. 52, 1), sein Volk eine »gerechte Nation« (Jes. 26, 2), Jerusalem heißt »Stadt der Wahrheit« (Sach. 8, 3 vgl. Zeph. 3, 13), seine Mauern heißen »Heil« (Jes. 26, 1), und der König in seiner Mitte ist der HErr, der »Fels der Ewigkeiten« (Jes. 26, 4).  –  Kein Wunder, daß nun auch volle Freude alle Herzen erfüllt (Jes. 65, 19; 12, 1-6).

7. Die Glückseligkeit. »Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion gelangen mit Jubel« (Jes. 35, 10). Als »Thronsitz« des Messias (Jer. 3, 17) wird der Tempelberg höher sein als alle anderen Berge und alle Hügel überragen (Jes. 2, 2; Micha 4, 1; Ps. 48, 2). So gelangt Israel zum Heil, »zum Lobe und zum Namen in den Ländern seiner Schmach« (Zeph. 3, 19; Jes. 61,9), und wie früher der Jude ein »Fluchwort« gewesen war (Jer. 24,9; 25, 18; vgl. Jer. 29, 22), so wird er nunmehr ein »Segenswunsch« sein (Sach. 8, 13; 1. Mose 48, 20), so daß, wer dem andern etwas Gutes wünscht, sprechen wird: »Der HErr segne dich, wie er Zion gesegnet hat!«

Dies alles ist Gottes Werk, nicht menschliche Volkskraft. Gerade Israel war, was seinen Ursprung betrifft, das »allerkleinste« der Völker (5. Mose 7, 7). Darum kann nun seine geistliche Umwandlung beim Beginn der neuen Heilszeit nur ein Wunderwerk Gottes sein, zur Verherrlichung seines Namens, und worauf es ankommt, ist nicht Israel, sondern Gott und seine Ehre (Jes. 11, 10),

Israels Umwandlung ist darum durchaus um des HErrn willen. Für den HErrn wird Zion gebaut (Jer. 31,38), seine Ruhmestaten in Jerusalem verkündet. Nicht wegen der Juden, sondern »wegen des Namens des НЕrrn« kommen die Völker zur Anbetung in Jerusalem zusammen (Jer. 3, 17).

Damit aber wird Israels Wiederannahme weltweite Verherrlichung Gottes. Der »Sinn« seines Ruhmes ist Gottes Ruhm (Jes. 60, 21), er ist lediglich Sinnbild und Hinweis auf Gottes Erbarmen. »Nicht uns, o HErr, nicht uns, nein, deinem Namen schaffe Ehre um deiner Gnade, um deiner Treue willen« (Ps. 115, 1)

3. Israels Missionsdienst.

Das erneuere Israel wird Gottes Missionar in der Völkerwelt sein. »Von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des HErrn von Jerusalem« (Micha 4, 2; Jes. 2, 3). »Daß sie verkünden in Zion den Namen des HErrn und seinen Ruhm in Jerusalem, wenn die Völker sich versammeln um dem HErrn zu dienen« (Ps. 102, 22).

Aber auch von den Geretteten aus den Nationen wird Gott Evangeliumsboten aussenden bis zu den fernsten Völkern der Welt. »Es kommt die Zeit, daß ich sammle alle Heiden und Sprachen, daß sie kommen und suchen meine Herrlichkeit. Und ich will ein Zeichen unter sie geben und ihrer etliche, die errettet sind (gemeint sind also Nichtjuden), senden zu den Heiden …, da man noch nicht von mir gehört hat, und sollen meine Herrlichkeit unter den Heiden verkünden« (Jes. 66,18).

Durch seinen Weltmissionsdienst wird Israel der »Paulus« des Tausendjährigen Reiches: zunächst ein Verfolger und Hasser der Gläubigen (Apg. 9, 1-2; 1.Thess.2, 15-16), dann plötzlich überwunden durch die Erscheinung des Herrn (Apg. 9,4-8; Matth. 24,30), zuletzt endlich ein Heidenapostel und Hauptmissionar Christi in der Völkerwelt. Seine »Damaskusstunde« am Ölberg (Sach. 14, 4; Off. 1, 7), wo es – umgekehrt wie wir – vom Schauen zum Glauben gelangt (Joh. 20, 29; 2. Kor. 5, 7), ist der Beginn einer weltweiten Völkermission (Jes. 12, 4). Von nun an ist Israel Gottes Zeuge an die Menschheit (Jes. 55, 4). ein »Segen« auf der Erde (Jes. 19, 24) und für die Völker, und Jerusalem, seine Hauptstadt, ist eine geistliche Geburtsstätte vieler Nationen (Ps. 87, 2-6).

III. Die Nationen

Gottes Ziel ist aber nicht nur Israel; Gottes Ziel ist die Menschheit (1. Tim. 2, 4; Jes. 40, 5). »Es ist zu gering, daß du mein Knecht seiest, nur um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels zurückzubringen: Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um mein Heil zu sein bis an das Ende der Erde« (Jes. 49,6; 42,6; Luk. 2, 30-32)

1. Die Bekehrung der Völkerwelt. Die durch die Botschaft vom Gottesreich evangelisierten Nationen (Micha 4,2) werden sich Christo als ihrem Gebieter und König unterwerfen (Jes. 59, 19). Alle Götzen werden ausgerottet werden, alle menschlichen Religionen verschwinden (Sach. 13, 2; Jer. 16, 19; Jes. 2, 18), und »der HErr wird König sein über die ganze Erde« (Ps. 96,10).

Dann wird er in Zion den »Schleier« vernichten, der alle Völker verschleiert, und die »Decke«, die über alle Nationen gedeckt ist (Jes. 25,7), und als Völker und Stämme werden sie kommen und zu Christo sich bekehren und in ihm, dem verachteten Nazarener, den »König der Ehren« erblicken (Ps. 24, 7-10; Phil. 2, 11; Eph. 1, 10).

Ganz Syrien, ganz Ägypten, ganz Israel wird kommen (Jes. 19, 21; Röm. 11,26), und der HErr wird sie annehmen, sie segnen und sprechen: »Gesegnet sei mein Volk Ägypten und Syrien, meiner Hände Werk, und Israel, mein Erbteil« (Jes. 19, 25). In der Tat, hier bietet die biblische Prophetie in bezug auf den Umfang der Menschheitserlösung Gewaltiges; denn es ist nicht Einverleibung der sich bekehrenden Heiden in das geistlich erneuerte, israelitische Gottesvolk, was hier erhofft wird, sondern »ein Bruderbund Israels und der Völker auf der Grundlage der Gleichberechtigung.«

Das Ende wird allgemeine Weltbekehrung sein (Ps. 22, 28; 113, 3). Es ist Menschheitsmission unter dem Zepter der Allmacht, Weltevangelisation mit Verchristlichung der Kultur, Reichsproklamation mit Gewinnung aller Völker. So ist es die wichtigste und eigentlichste Missionszeit der Geschichte, und zum allerersten Male auf der Erde wird es christliche Nationen und Volksverbände im Sinne der Heiligen Schrift geben (Jes. 45,22).

Daß aber die Völker gerade jetzt sich als Völker bekehren und nicht nur als einzelne wie früher, hat seinen Grund besonders darin, daß die Nationen die Großtaten Gottes mit Augen gesehen haben:
die Verklärung der Gemeinde, Christi Kommen in Herrlichkeit, die Entscheidungsschlacht von Harmagedon, das Völkergericht im Tal Josaphat, Gottes Heilungs- und Wundertaten an Israel. »Wenn der HErr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden .. . Da wird man sagen unter den Heiden: der HErr hat Großes an ihnen getan« (Ps. 126,1-2). Dazu kommt noch die Tatsache, daß der Teufel gebunden ist, und darum die Völker nicht mehr verführen kann (Off. 20,2).

2. Die Heiligung der Völkerwelt. Aus der Bekehrung aber folgt Heiligung. »Alsdann will ich die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln, damit sie den Namen des HErrn anrufen und ihm dienen«.
– Kein Krieg wird mehr sein (Jes.2,4), kein Streben nach Gewalttat, kein Wille zur Unterdrückung und Ausbeutung der andern,
– Gesundheit des Körpers (Jes. 35,5; 65,20), soziale Gerechtigkeit (Jes.1,3), gerecht geordnete Grenzen (Apg.17,26),
– von Gott gegebene Gleichberechtigung (Jes.19,25; Matth. 8,11; Sach.2,15), gemeinsame Abrüstung (Micha 4, 3)
– das sind Volkssegnungen des Alltags, die sie alle genießen.

So bleiben denn die Völker in ihrem Nationalleben bestehen, aber bilden doch zugleich einen harmonischen Organismus, wie die Glieder eines Leibes sich gegenseitig fördernd, einer Völker»familie« gleich, voller Mannigfaltigkeit und doch Einheit.

3. Der Gottesdienst des Völkerwelt. Erkenntnis des HErrn aber führt zur Anbetung. »Vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang soll mein Name herrlich werden unter den Heiden, und an allen Orten soll meinem Namen geräuchert und reines Speisopfer geopfert werden …, spricht der Herr Zebaoth« (Mal. 1, 11). Und sie werden den HErrn dann anflehen, ihm ihre Opfergaben darbringen, das Laubhüttenfest feiern und ihm allein dienen (Ps. 102,22).

4. Der König der Völkerwelt. Mittelpunkt des Ganzen aber wird Immanuel, der Gottkönig, sein. »Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter: Und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewigvater, Friedefürst« (Jes. 9, 6).
– Er wird die Völker in Gerechtigkeit richten (Ps. 67,5). Er schafft Recht dem Geringen (Jes.11,3), gibt Gnade dem Demütigen (1. Sam. 2, 8),
– verleiht Ruhe den Nationen und schafft Heil aller Welt (Ps. 96, 1-3).
– Er ist der Fürst der Könige der Erde (Off. 1, 5; 19,16; 11,15).

5. Die Segnungen der Völkerwelt. So gelangt auch die Völkerwelt zu den Segnungen der Verheißung, und zwar wird bewirkt:
ihre geistliche Erneuerung – durch nationale Umkehr (Jesaja 2, 3; 19, 21)
ihre politische Einordnung – durch den göttlichen Erlöser (Off. 1, 5;  Jes. 45, 22-23)
ihre internationale Entspannung – durch den Schiedsspruch des Weltkönigs ( Sach. 9, 10);
ihre bürgerliche Einigung – durch gerechten sozialen Ausgleich (Jes. 11, 3-4;  29, 19-21);
ihre äußere Beglückung – durch Segnungen des Alltags;
ihre innere Heiligung – durch Gemeinschaft mit dem Ewigen (Zeph. 3, 9; Hab. 2, 14; Jes. 11,10);
ihre gemeinsame Anbetung – durch Wallfahrten und Gottesdienst (Micha 4, 2; Sach. 8, 21; 14, 16; Jes. 56, 7;  66, 23).

IV. Die Gemeinde
Wo ist aber nun die Gemeinde Jesu während der Zeit des Tausendjährigen Reiches? – Wie es scheint, bei Christo im Himmel und nicht eigentlich auf Erden. Seit der Entrückung ist die Gemeinde »allezeit beim HErrn« (1.Thess. 4, 17). Sie werden mit Christo regieren (2. Tim. 2, 12; Off. 20, 4; 6; 1. Kor. 6, 2-3).

Sie haben seit der Verklärung nicht mehr einen irdischen Leib, sondern einen himmlischen Lichtleib (Phil. 3, 21; 1. Kor. 15, 40) und sind darum schon als Geistleibliche von Israel und den Nationen unterschieden. Die Art ihres Auftretens auf Erden ist darum wahrscheinlich eine ähnliche wie die der Erscheinungen des HErrn nach seiner Auferstehung: sie gehören als Verherrlichte zur himmlischen Welt, können aber – genau so wie er – noch am irdischen Leben teilnehmen (möglicherweise sogar essen und trinken: Matth. 26, 29; Luk. 24, 39-43;  Joh. 20, 27). Im einzelnen aber gehen diese Fragen weit über unser Denken und Verstehen hinaus. Wir freuen uns auf die kommende Herrlichkeit. Alles einzelne überlassen wir Gott.


V. Die Natur
Mit der Menschheit wird auch ihr Wohnsitz gesegnet. An der Herrlichkeit ihres HErrn nimmt die ganze Erde teil. Mit der Offenbarung der Söhne Gottes wird auch die Schöpfung von der »Knechtschaft« befreit (Röm.8,19).

1. Die Pflanzenwelt. Der um des Menschen willen verfluchte Acker wird von seinem Fluche befreit (1. Mose 3, 17; Röm. 8, 20). Das stumme »Gebet«, das durch die Fluren und Felder geht, wird von nun an erhört (Hos. 2, 23). Die »sehnsüchtige Hoffnung« der seufzenden Kreatur wird in Herrlichkeit erfüllt (Röm. 8, 19). »Die Wüste und das dürre Land werden sich freuen und blühen wie eine Narzisse…« (Jes. 55, 12). Besonders wird Kanaan das Land sein mit blühenden Gärten (Amos 9, 14), mit Regen des Segens (3. Mose 26, 4; Jes.30, 23), mit überreichen Ernten (Amos 9,13).

2. Die Tierwelt. Friede zwischen Tier und Tier: »Dann wird der Wolf zu Gast bei dem Lamme weilen und der Panther sich neben dem Böcklein lagern; das Kalb und der junge Löwe und der Mastochse werden beisammen weiden, und ein kleiner Knabe wird sie treiben.« (Jes. 11,6;  65,25).

So ist es eine Erlösung in weltweitem Umfange: die »Wiedergeburt« der Schöpfung, die »Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten geredet hat« (Apg. 3,21). »Der Himmel freue sich und die Erde sei fröhlich, denn er kommt und wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit« (Ps. 96, 11).

3. Kapitel. Weltuntergang und Weltgericht


I. Weltunvollkommenheit  –  Trotz all seiner Herrlichkeit hat das Tausendjährige Reich zunächst einen erschütternden Abschluß. Auch das sichtbare Friedensreich auf Erden ist noch nicht die absolute Vollendung. Sünde und Tod sind noch da, auch die Möglichkeit des Verfluchtwerdens der Schuldigen (Jes. 65, 20), ja sogar die Möglichkeit nationalen Ungehorsams ganzer Volksgruppen (Sach. 14, 17). Die Gerechtigkeit »herrscht« eben erst auf der Erde; sie »wohnt« noch nicht restlos in allen. Dies wird vielmehr erst auf der neuen Erde der Fall sein (2. Petr. 3, 13; Off. 21, 3).

Dennoch ist Satan gebunden und damit seine Verführungsmacht ausgeschaltet. Dies wird für die Menschheit einerseits eine Erleichterung sein, andererseits aber wird es auch eine Steigerung ihrer Verantwortlichkeit mit sich bringen, wenn sie unter Umständen trotzdem noch sündigt. Daher auch die strengere Gerichtsbarkeit im kommenden Gottesreich. Die Sünde steht nicht mehr, wie bisher, unter göttlicher »Geduld« (Matth. 5, 45; Röm. 3, 25; 2. Petr. 3, 9 und 15), sondern wird rücksichtslos gerichtet. Die Nationen, die nicht folgen wollen, werden mit »eisernem Zepter« geweidet, die Widerstand leisten, wie Töpfergefäße zerschmettert (Ps. 2, 8; 9; Off. 19, 15). Gehorsam oder Untergang – das ist gleich zu Anfang des Reiches die Losung für alle. Jeder Lügenprophet wird getötet (Sach. 13, 3), jedes Volk, das nicht anbetet, mit Regenlosigkeit heimgesucht (Sach. 14, 17), jede Nation, die sich auflehnt, zu Boden geschlagen (Micha 5, 7; Obadja 18; Sach. 12, 6).


II. Weltempörung  –  Zuletzt aber »muß« Satan losgelassen werden, um noch einmal seine Verführungsmacht zu versuchen. »Gottes Gerechtigkeit läßt es nicht zu, daß die Ungerechtigkeit ausgerottet wird, bevor sie nicht völlig reif geworden ist. Dies ist eine göttliche Regel, die selbst dem Satan gegenüber befolgt wird. Auch auf das Tausendjährige Reich »muß« die Probe des Erfolgs gemacht werden. Auch die Nationen des Herrlichkeitsreiches »müssen« Gelegenheit bekommen, sich frei zu entscheiden. Es soll niemand verwehrt sein, sich freiwillig hinter Satan zu scharen. Niemand soll unfreiwillig dem HErrn in der Ewigkeit dienen.
In der Tat! Was ist das Ergebnis all jener Herrlichkeit und Segnung von tausend langen Jahren? – Völkerempörung in weitestem Umfang! Von allen Enden der Erde ziehen sie gen Jerusalem hinauf, Völkermassen wie Meeressand, unter dem Oberkommando von Gog und Magog (Off. 20, 8-9; 1. Mose 10, 1-2).

Dies ist die letzte Rebellion der Geschichte, der letzte Religionskrieg der Völkerwelt, das letzte Nachzucken der Menschheitsrevolte gegen den Höchsten. Damit aber ist die Sünde zum Vollmaß gelangt. Auch die sichtbare Herrschaft der Gottheit hat die Menschheit verworfen! Auch seine allergrößten Segnungen hat sie mit schnödestem Undank verachtet! Auch seine persönliche Herrlichkeit hat sie mit Füßen getreten!

Und was war ihre Wahl?

An Stelle der Führerschaft Gottes erwählt sie die Verführung durch Satan! An Stelle der Einheit und des Friedens erwählt sie Zusammenrottung und Aufruhr! An Stelle des himmlischen Christus erwählt sie seinen Todfeind, den Teufel!

Hierauf kann es nur eine Antwort geben: Vernichtung und Untergang. Noch ehe es zum Kampfe kommt, fällt Feuer vom Himmel herab und verzehrt sie, und der Teufel, ihr Verführer, wird in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind (Off. 20, 9; 10).


III. Weltuntergang  –  Jetzt bricht das Jüngste Gericht los. Himmel und Erde werden »erschüttert« (Hag. 2, 6; Hebr.12, 26-28), zergehen »wie ein Rauch«, zerfallen »wie ein Kleid« (Jes. 51,6; alle Gottlosen werden wie in einem Feuerofen verbrannt (Mal. 4,1). Das Erdreich zersplittert (Jes. 24, 19); die Sterne zerschmelzen (Jes. 34, 4), die Himmel werden zusammengerollt wie ein Buch Hebr.1,12.

Dies ist die Antwort des Allmächtigen auf diese gemeinste Rebellion seiner Geschöpfe. Dies ist der Gegenschlag des Weltherrn gegen den höllischsten Aufruhr seines Weltalls. Dies ist die letzte Offenbarung des gerechten Zornes Gottes über allen irdischen und himmlischen Schauplatz der Sünde.

Dann aber geht gerade aus diesem Feuergericht eine neue, herrliche Welt hervor. Nicht bloße Vernichtung, sondern »Verwandlung« war Gottes Endziel bei der Zerstörung (Hebr. 1,12; 12,27), nicht blоße Auflösung, sondern Neuschöpfung, nicht Verheerung, sondern Verklärung. Aus dem » Vergehen« von Himmel und Erde wird, unter göttlichem Walten, ein Übergehen beider in einen neuen Himmel und eine neue Erde (Off. 21, 1; 2. Petr. 3.13).


IV. Weltgericht  –  »Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; vor dessen Angesicht floh die Erde und der Himmel, und ihnen ward keine Stätte gefunden. Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott; und Bücher wurden aufgetan, und ein anderes Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in dem Büchern, nach ihren Werken« (Оff. 20, 11; 12).

1. Der Thron. »Groß« ist der Thron wegen seiner Majestät, »weiß« wegen seiner Heiligkeit. Die Erde muß fliehen wegen der Sünde des Menschen und ihres Beflecktseins mit dem Blute des Gottessohnes. Der Himmel muß fliehen wegen der Sünde der Geister, wegen der Bosheit der Weltbeherrscher »in den himmlischen Örtern«, deren Wohnsitz sie gewesen waren (Eph. 6, 12; 2,2). So müssen Himmel und Erde fliehen vor dem Großen Weißen Thron, und aller Schauplatz der Sünde wird aufgelöst.

2. Der Richter ist Christus. Denn alles Gericht hat der Vater dem Sohn übertragen (Joh. 5, 22; 27). Er ist der »Mann«, den der Höchste bestimmt hat, den Erdkreis zu richten in Gerechtigkeit (Apg. 17, 31), der »von Gott verordnete Richter der Lebendigen und der Toten« (Apg. 10, 42; 2. Tim. 4,8;  1.Petr. 4,5), der sein Gericht in Übereinstimmung mit dem Vater vollzieht (Joh. 5,30; 8,16).

3. Der Maßstab ist das Wort Gottes. »Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon seinen Richter: das Wort wird ihn richten am Jüngsten Tage« (Joh. 12, 48).

4. Die Gerichteten sind »alle Toten«, die Großen und die Kleinen, das heißt, alle Menschen aller Länder und aller Zeiten, mit Ausnahme der Gläubigen bis zum Tausendjährigen Reich. Die alttestamentlichen Heiligen sowie die Glieder der Gemeinde und die Erretteten der Trübsalszeit waren schon bei der »ersten« Auferstehung vor dem Messiasreich auferweckt (Off. 20, 4; 5), waren also schon damals vor dem »Richterstuhl Christi« gewesen (2. Kor. 5, 10) und sind folglich schon seit über tausend Jahren in verklärter Geistleiblichkeit (Phil. 3, 20).

5. Die Schärfe. Die andern aber müssen jetzt alle vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen. Ihre sämtlichen Werke sind in »Büchern« verzeichnet, ihre Handlungen und Gedanken, ihre Taten und Unterlassungen (Off. 20,12). Selbst von jedem unnützen Wort müssen sie Rechenschaft ablegen und alles wird offenbar, selbst das Verborgenste der Seele (Hebr. 4, 13; 1. Kor. 4, 5). … Da werden sie zerschmettert, die hochmütigen Prahler (Jud.15). Da werden sie offenbar in ihrer jämmerlichen Erbärmlichkeit, alle die »Helden« der Menschheitsgeschichte (Ps. 2, 1-5). …

6. Das Ergebnis. Nicht alle empfangen das Gleiche; ein jeder empfängt »sein« Teil, das heißt, das Teil, das ihm zusteht (Matth. 24, 51), es sei größer oder kleiner. Sodom und Gomorrha wird es »erträglicher« ergehen als den Städten, die die Botschaft vom Himmelreich abgelehnt haben (Matth. 10, 15), und den lügenhaften »Christenlehrern« wird Gott noch Plagen »hinzufügen« (Off. 22, 18) und überhaupt allen Scheinfrommen zurufen: »Gehet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!« (Matth. 25, 41; 7, 23).

Dennoch werden nicht alle verdammt. Die Lehre, daß vor dem Großen Weißen Thron kein Mensch mehr gerettet sein wird, geht über die Schrift hinaus. Denn die Offenbarung sagt nicht: »Da niemand geschrieben gefunden wurde in dem Buche des Lebens, wurden sie alle in den Feuersee geworfen«, sondern sie sagt nur: »Wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buche des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen« (Off. 20, 15). Die bekehrten Nationen aus dem Tausendjährigen Reich sind ja noch nicht gerichtet und müssen demnach vor dem Großen Weißen Thron noch erscheinen. Und wenn es dann weiter in dem Offenbarungsbericht heißt, daß die Toten »nach ihren Werken« gerichtet wurden, so bedeutet dies einfach »nach ihrem Verhalten«. Auch der Glaube ist in diesem Sinne ein »Werk«, eben das gottgewollte Werk, das gottgewollte Verhalten, wie Christus es selber bezeugt hat (Joh. 6, 29). …

Ganz schweigt die Schrift über die Frage, wie Gott die Heiden der Zeit vor dem Tausendjährigen Reich behandeln wird, die das Evangelium nicht gehört haben.

Hier genügt uns der wartende Glaube an Gottes Gerechtigkeit. »Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben?« Als Jesus einmal gefragt wurde: »HErr, meinst du, daß wenige gerettet werden?« hat er ganz einfach geantwortet: »Ringet danach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet« (Luk. 13, 23). Am Ende des Gerichts wird jeder erkennen, daß er nur das empfangen hat, was ihm zusteht. Das aber genügt. Das übrige überlassen wir Gott. (Röm. 11, 34)

7. Die zweite Auferstehung.

Mit dem Großen Weißen Thron ist eine Auferstehung verbunden, die sogenannte »zweite« Auferstehung, im Unterschied zu der »ersten« Auferstehung vor dem Tausendjährigen Reich.
Deutlich lehrt die Schrift eine leibliche Auferstehung auch der Verlorenen. Sie nennt sie die »Auferstehung der Ungerechten« (Apg. 24,15), die »Auferstehung des Gerichts« (Joh. 5,29), die Auferstehung »zu ewiger Schmach und Schande (Dan. 12,2). Auch sie wird durch Christus, den Totenauferwecker, bewirkt (1. Kor. 15,21; Joh. 5, 26), und in ihr ist der HErr der, der auch den Leib zu verderben vermag in der Hölle (Matth. 10,28).

Furchtbar ist der Unterschied zwischen ihr und der Auferstehung des Lebens. Bei beiden hat der neue Leib die Natur und das Wesen des alten Leibes in sich, aber beides in entgegengesetzter Richtung und in ausgereifter Form. Bei den Erlösten war der irdische Leib ein »Tempel des Heiligen Geistes« gewesen (1. Kor. 6, 19), seine Glieder grundsätzlich »Werkzeuge der Gerechtigkeit« (Röm. 6,13) und sein Auferstehungskeim Same Gottes; darum wird er nun verklärt zu einem Lichtleib der Herrlichkeit. Bei den Verlorenen aber war der irdische Leib nur ein Sünden- und Todesleib gewesen (vgl. Röm.6,6; 7,24), seine Glieder »Werkzeuge der Ungerechtigkeit« (Röm. 6,13) und sein Auferstehungskeim Same des Teufels; darum wird er nun zu einem Finsternisleib der Verdammnis.

So gelangt aller »Same« zur Reife (1. Kor. 15, 42). Alle Leiblichkeit wird zugleich Ausdruck innerer Geistigkeit; und wie der Herrlichkeitsleib der Verklärten das Gepräge der Heiligkeit trägt und Bild Christi ist, so trägt der Verdammnisleib der Verlorenen das Gepräge der Gottlosigkeit.

Und doch! Gerade ihre Auferstehung wird dem Verlorenen bezeugen, daß sie nicht hätten im Tode zu bleiben brauchen; denn auch ihre Auferstehung ist durchaus eine Auswirkung der leiblichen Auferstehung des Gekreuzigten (Joh.5,26; 1.Kor.15,20), und Christus, der Lebensfürst, dessen Auferstehungsmacht sie jetzt an ihrem eigenen Leibe rein richterlich erfahren, hätte auch sie – genau wie die andern – aus den Banden jedes Todes herausführen können.

Nun aber gibt ihnen diese Art von Auferstehung nichts. Sie ist nur, wie die Schrift sagt, der »andere Tod« (Off. 20,14; 2,11), der Übergang aus dem Vorort der Hölle in die Hölle selbst, das Versetztwerden aus dem »Zwischenort« – dem »Ort der Qual« (Luk. 16, 23; 28) – in das »ewige Feuer«.

Furchtbar schildert die Schrift das Los dieser Verlorenen. Sie redet von »Drangsal und Angst« (Röm. 2,9), von »äußerster Finsternis« (Matth. 8,12) und »ewigem Verderben« (2. Thess. 1, 9). Sie redet von einem »Feuerofen« und einer »Greuelstätte« (Matth. 13, 42; Jes. 30,33), von einem »Gefängnis« und einem »Abgrund« (Matth. 5, 25; 2. Petr. 2,4), von einer »Hölle« und einer »ewigen Pein« (Matth. 25,46). Sie sagt: »Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen« (Hebr. 10,31).  –  Was aber ist das Unendliche? Was ist der Inhalt der Ewigkeit? Was liegt in dem Schoße der unergründlichen Endlosigkeit geheimnisvoll verborgen?

Kein Mensch kann es wissen, weil es Gott nicht geoffenbart hat. Das Verhüllte bleibt restlos bis zu seiner Enthüllung in Gott (5. Mose 29,29). Was »Ewigkeit« ist, vermag niemand zu erklären. Nach Inhalt und Dauer ist sie allen Zeitgeborenen ein Geheimnis.

Darum warten wir still auf den Tag seiner Offenbarung (Joh. 16,12).
Darum beugen wir unsere Knie vor dem Welterlöser und Richter. 
Die Ewigkeit ist sein, und alles Wissen um sie ist sein, und unser ist das Glauben, das Gehorchen und Hoffen.

 

Vierter Teil

WELTVOLLENDUNG UND HIMMLISCHES JERUSALEM

1. Kapitel. Der neue Himmel und die neue Erde

»Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Bräutigam geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: »Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!« (Off. 21, 1-3; Jes. 65,17)

Eine neue Welt wird aus den Flammen der alten hervor
gehen: an Stelle der zerbrechlichen Staubwelt eine Neuschöpfung himmlischen Lichtstoffs, an Stelle des Schauplatzes der 
Sünde eine Überwelt heiliger Vollendung, an Stelle des Werdens und Vergehens ein ewiges Bleiben und Fortschreiten.
»Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Er
de, in welchen Gerechtigkeit wohnt« (2. Petr. 3,13). Dies ist die himmlische Enderwartung des christlichen Glaubens.

Wir betrachten sie hier in einer fünffachen Doppelbeziehung: Alte und neue Welt, Himmel und Erde, Ewigkeit und Zeit, Geistleiblichkeit und (Un-)Sichtbarkeit, Ewige Welt und Symbolik.


I. Alte und neue Welt

Die neue Welt wird nicht ohne Zusammenhang mit der alten Welt sein. Die kommende Erde ist nicht eine »andere«, sondern eine »neue«. Sonst könnte sie ja auch nicht »neue Erde« genannt werden. Nein, wenn Johannes einen neuen »Himmel« und eine neue »Erde« sieht, so beweist dies, daß auch in der Ewigkeit der Unterschied zwischen unserem Planeten und den himmlischen Örtern irgendwie fortbestehen bleibt. Bei aller Umwandlung und Verklärung wird auch in der Vollendung der neue Plan des Weltalls dem alten irgendwie entsprechen.

Zweifellos wird auch der Stoff miteingebaut werden, wenn auch in einer uns zunächst noch völlig unvorstellbaren Weise. Gott läßt nicht fahren die Werke seiner Hände. Auch seinen herrlichen Stoff wird er nimmermehr Satan, dem Erzfeind, zum Besitz und Verderben überlassen. Mit der Neuschöpfung von Himmel und Erde ist es ganz ähnlich wie mit der Neuschöpfung der einzelnen Seele. Auch der einzelne ist in Christo »eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen; siehe, alles ist neu geworden« (2. Kor. 5, 17).

Und doch ist es derselbe Mensch mit derselben Ichheit und derselben Seele. »Er« ist ein neuer geworden (Off. 21, 4). So wird auch Gott seinen Weltenstoff durch Feuer verbrennen, in seine Grundelemente auflösen, seine Atome zertrümmern, alles geistleiblich verklären und also die Bausteine des alten Baues einbauen nach einem neuen Plan in den neuen Bau, gleichsam wie wenn ein Stück schmutzigen Kohlenstoffs, in einer Retorte verschlossen, sich bei großer Hitze gasartig verflüchtigt, dann aber hinterher als herrlicher Diamant wieder kristallisiert. Gott will eben nicht vernichten, sondern »verwandeln« (Ps. 102, 27), nicht auflösen, sondern erlösen, nicht nur abschaffen, sondern neuschaffen, nicht zerstören, sondern verklären. Alles Leibliche ist Keim von Geistleiblichkeit.


II. Himmel und Erde

Nicht nur die Erde, sondern auch die Himmel werden an der Erlösung teilhaben. Das Opfer von Golgatha ragt in die Welt-All-Geschichte hinein. Die Heilsgeschichte der Menschheit ist nur ein Teil des weltenumspannenden Ratschlusses Gottes. Sie steht zwar in seinem Mittelpunkt, erfüllt aber nicht den ganzen Kreis. Auch die »himmlischen Dinge« werden durch das Selbstopfer Christi »gereinigt« (Hebr. 9, 23). Eine »Reinigung« der himmlischen Örter war zum mindesten schon deshalb erforderlich, weil sie der Wohnsitz der gefallenen Geister waren (Eph. 6, 12) und weil Satan, ihr Oberster, Äonen hindurch Zutritt gehabt hatte selbst bis zu den allerhöchsten Regionen der Himmelswelt (Hiob 1, 6; Off. 12, 7; Jes. 24, 23). Zwar hat es dem Höchsten gefallen, die ewigen Gedanken seiner erlösenden Liebe in uns Menschen sich kristallisieren zu lassen, aber mit der Erlösung des Menschen sind Dinge im Himmel und im Weltall verbunden, die unser ganzes gegenwärtiges Denkvermögen übersteigen und die uns auch nur ganz andeutungsweise im Wort Gottes genannt sind. Hier beugen wir uns vor der Unendlichkeit und bekennen unser Nichtwissen.

Dies eine aber sehen wir jetzt schon: die Heilsgeschichte ist menschheits- und weltall-bezogen zugleich. Ihr sonnenhafter Mittelpunkt ist Gott, geoffenbart in Christo, seinem Sohne; seine Ausstrahlung geht durch die Menschheit hindurch; aber die einzelnen Strahlen gehen hinaus in die Weiten des für uns unendlichen Weltalls.

Da aber somit die Gottmenschheit des Erlösers der Grundsatz alles Heils im Himmel und auf Erden ist, wird auch die Erde, dieser Wohnsitz der Menschheit, zum »Wohnsitz« der Gottheit, zur Weltenhauptstadt des Allherrn und damit zum Mittelpunkt des gesamten Universums. Der Thron Gottes, der jetzt noch im Himmel ist, wird dann auf der Erde sein, und die Erde, der »Schemel« seines Thrones, wird somit zum Thron selbst (Matth. 5, 34). Das himmlische Jerusalem steigt auf die Erde herab (Off. 21,10); das Jenseits wird zum Diesseits; die Ewigkeit verklärt die Zeit, und die Erde, dieser Hauptschauplatz der Erlösung, wird zur »Residenzstätte« des weltenumfassenden Gottesreiches. »Der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein« (Off. 22,3).

III. Ewigkeit und Zeit

Ewigkeit ist mehr als nur endlose Zeit. Sie ist nicht nur als Dauer, sondern auch als Inhalt von allem Zeitlichen wesenhaft verschieden. Sie steht zu der Zeit nicht in einem rein zeitlichen Verhältnis — so daß sie etwa lediglich »vor«, »während« und »nach« der Zeit da sei —, sondern in einem schöpferischen, belebenden und verklärenden Verhältnis. Alle Zeit ist zugleich »aus« Ewigkeit, »in« Ewigkeit und »zu« Ewigkeit hin.

1. Ewigkeit ist der Urgrund der Zeit. Denn die Zeit stammt aus Gott. »Von ihm sind alle Dinge« (Röm. 11, 36).
2. Ewigkeit ist der Hintergrund der Zeit. Denn »das Sichtbare ist vergänglich; aber das Unsichtbare ist ewig« (2. Kor. 4,18).
3. Ewigkeit ist der Abgrund der Zeit. Denn alles Ewige ist restlos unerklärbar. Was »Unendlichkeit« ist, kann kein Zeitgeborener fassen.
4. Ewigkeit ist der Wesensgrund der Zeit. Denn alles Zeitliche hat nur in dem Ewigen seinen Bestand (Kol. 1,17). »In ihm leben und weben und sind wir« (Apg. 17, 28).4)
5. Ewigkeit ist der Sinn aller Zeit. Denn alles Sichtbare wird von dem Unsichtbaren durchwirkt und ist darum eine Einkleidung und ein Gleichnis des Ewigen.
6. Ewigkeit ist das Ziel aller Zeit. Denn für den Schöpfer sind alle seine Werke geschaffen. Sie sind nicht nur »von« ihm, sondern auch »für« ihn und »zu« ihm hin (Kol. 1, 16; Röm. 11, 36). »Aus dem
    Unsichtbaren entspringt, was im Sichtbaren geschehen soll; aber wenn es geschehen ist, fließt es wieder in das Unsichtbare hin« (Bengel).
7. Ewigkeit ist die Verklärung der Zeit. Von einem Aufhören der Zeit weiß die Schrift nichts. Im Gegenteil, sie redet von »Äonen der Äonen«, von »Zeitaltern der Zeitalter« und teilt somit die endlose
    Ewigkeit ein in eine unübersehbare Folge sich abrollender Zeiträume und Epochen. Der Gegensatz heißt also nicht »Ewigkeit und Zeit«, sondern »Ewigkeit und Zeitlichkeit«.

Ewigkeit ist nicht Verneinung der Zeit, sondern gerade die wesenhafte Form der Zeit, die Reihenfolge des Nacheinander bleibt auch hier gültig. Entfernt ist nur die Begrenztheit der Zeit, ihre hemmende Beschränktheit, ihre unzuverlässige Veränderlichkeit, ihre dahinsinkende Vergänglichkeit. Warum auch sollte Gott seine Einrichtung, das Zeitgesetz, wieder vernichten, das er schon damals, vor aller Sünde, ins Dasein gerufen hat, als es geschah: »Im Anfang schuf Gott« ? Warum sollte er nicht sein Zeitgesetz auch in der Ewigkeit weiter verklären und es sich in himmlischen Sabbaten und gewaltigen Jubeljahren immer größer und herrlicher entfalten lassen? Warum sollte eine zeitlose Ewigkeit herrlicher sein als eine zeitvolle? Nein, Gott ist der Ewige im Sinne der Zeitlosigkeit. Er ist der Überzeitliche, absolut Freie. Er ist der Herrscher, der Anfang und das Ende, das A und das O, der Erste und der Letzte. Die zeitlose Ewigkeit ist darum nur Gottes, die zeitvolle hat er seinen Geschöpfen geschenkt.


IV. Geistleiblichkeit und (Un-)Sichtbarkeit)

1. Leiblichkeit. In der Ewigkeit wird »Stoff« sein. »Leiblichkeit ist das Ende aller Wege Gottes« (Bettex). Einen raumlosen, zeitlosen, stofflosen Himmel kennt die Heilige Schrift nicht, kein blasses und blutloses Jenseits der Seele, kein Schemengebilde bloßer Gedanken und Ideen, sondern ein seliges Auferstehungsleben in erneuerten Lichtleibern, ein heiliges Verklärtsein in einem stofflich verklärten Weltall, ein geistleibliches Wandeln in einer geistleiblichen Neuschöpfung.

Wohl können somit jetzt von diesem unvorstellbaren, ewigen »Stoff« nur in Bildern und Gleichnissen reden, aber er selber ist mehr als nur Sinnbild; er ist tatsächlich vorhanden, geistleibliche Wirklichkeit. Darum auch die Edelsteinsymbolik der Bibel vom himmlischen Jerusalem (Off. 21,18); darum ihre Rede von den Bäumen des Lebens, vom Strom aus Kristall, von den Harfen der Psalmsänger und den Siegespalmen der Überwinder. Darum überhaupt die Berechtigung ihrer sinnfälligen Schilderung der Herrlichkeit des Himmels. Denn »in der Rede von Gottes Glanz und Licht, vom Paradiese und himmlischen Garten, vom seligen Mahl und der himmlischen Musik liegt mehr als nur >geistiger< Sinn. Die irdische Natur weist als Verheißung auf eine Erfüllung hin« (P. Althaus).

Ganz unbiblisch ist darum die aus der griechischen Philosophie, besonders Plato, stammende Lehre von einer reinen Geistigkeit des Idealzustandes. Die biblische Eschatologie hat nichts von diesem fleischlosen Spiritualismus an sich. Vom Schöpfungs- und vom Osterglauben her trägt sie in sich die Gewißheit von einer verklärten Neuschöpfung dieser sichtbaren Weltgestalt. Gott ist ja ein Gott, der leiblich, erdhaft, sichtbar gestaltet. Er schafft nicht nur ein Ideenreich, nicht nur Seelenflammen und unsterbliche Geister, sondern eine gestaltete Welt mit Farbe und Form. Das Leiblich-Erdhafte kommt ja nicht aus der Tiefe, sondern ist ursprünglich herrlich und gut. Schon der Akt der Fleischwerdung Christi bezeugt, wie ernst es Gott mit der Erde ist. Vor allem aber beweist dies die leibliche Auferstehung des Erlösers.

Wie das Judentum die messianischen Weissagungen verdiesseitigt hat, so hat das Griechentum das Evangelium verjenseitigt. Bei Paulus aber finden wir volle Diesseitigkeit und volle Jenseitigkeit harmonisch geeint. Der Körper ist, nach der Schrift, nicht ein »Kerker« der Seele, sondern gehört mit zum Wesen des Menschen (2. Kor. 5, 3). Darum lehrt auch die Schrift nicht eine Erlösung vom Leibe, sondern eine Erlösung des Leibes (Röm. 8, 23). Darum auch die leibliche Auferstehung des HErrn Jesu. Welche Inkonsequenz aber bei so vielen, einerseits an einen mit Fleisch und Bein auferstandenen (Luk. 24, 39-43), essenden und trinkenden Christus zu glauben (Apg. 10, 41), andererseits aber die ganze himmlische Natur nur als Sinnbilder und Allegorien aufzufassen! Nein, Jesus, der leiblich Auferstandene, ist der König dieser neuen Welt (Matth. 28, 18). Darum muß sie zu ihm passen, dem leiblich gen Himmel Gefahrenen (Apg. 1, 9), und zu den Seinen, den leiblich zur Gleichförmigkeit mit seinem Leibe Verklärten (Phil. 3, 21)!

2. (Un-)Sichtbarkeit. Aber »Stofflichkeit« ist nicht ohne weiteres gleich »Sichtbarkeit«. Sichtbarkeit gehört nicht zum Wesen des Stoffes, sondern hängt gänzlich von unseren Augen ab. Auch in der Hitze zu Gas verflüchtigtes Gold ist stoffliches Gold. So wenig ist Sichtbarkeit eine wesentliche Bedingung des irdischen Stoffes, daß er sie jederzeit verlieren und jederzeit wieder annehmen kann, ohne auch nur einer einzigen seiner Grundeigenschaften verlustig zu gehen. So läßt sich »unsichtbare« Luft bei 130 Grad Kälte in himmelblaue Flüssigkeit und weiter noch in einen harten Kristallblock verwandeln; und umgekehrt wird aus einem harten Diamanten, einem Eisenblock oder Goldklumpen bei genügender Hitze ein »unsichtbares« Gas, und nach entsprechender Abkühlung und Behandlung – ist der Diamant, das Eisen, das Gold wieder da! So kann durch Hitze »Sichtbares« unsichtbar gemacht werden und durch Kälte »Unsichtbares« sichtbar. Das sichtbare Weltall ist darum nichts anderes als durch »Kälte« geronnener und dadurch für unser, desgleichen aus »geronnenem« Stoff aufgebautes Auge sichtbar gewordener Stoff. Der Stoff selber aber ist weder »sichtbar« noch »unsichtbar«.

Überhaupt ist »Sichtbarkeit« ein enger Begriff. Von all den Millionen von Farben »sehen« wir im Lichtstrahl nur äußerst wenige, gleichwie wir von all den Millionen von Tönen auch nur ganz wenige »hören«. »Gott der HErr kann die herrlichsten Gemälde um uns herzaubern; wir sehen sie nicht, wenn sie sich nicht zwischen 400 und 800 Billionen Ätherschwingungen bewegen. Er kann diese Erde von der schönsten Musik umfluten lassen; wir hören sie nicht, wenn sie mehr als 75000 Luftschwingungen in der Sekunde erzeugt. Wie unüberlegt also, einzuwenden: >Die Himmel oder die Engel hat noch kein Mensch gesehen<, als ob damit ihre Nichtexistenz oder Nichtstofflichkeit irgendwie bewiesen wäre und nicht vielmehr einfach die Tatsache, daß wir Menschen einem Engel gegenüber schlechthin >Blinde< und >Taube< sind! Nein, alle >Sichtbarkeit< und >Unsichtbarkeit< hängt durchaus von unserem Sehen ab, dieses aber von Gottes Willen« (Bettex).

Aber noch mehr: Alle Sichtbarkeit ist geradezu ein niederer Zustand des Stoffes. Erstarrung und Kälte ist sein »Tod«, ist Lahmlegung aller Kräfte schon des irdischen Stoffes. Erst die Hitze, die ihn unsichtbar macht, macht ihn stark und frei und erhöht seine Lebensenergie. Daher auch die Erwärmung der Stoffe bei chemischer Bearbeitung bis zur Erhitzung, ja bis zur Verflüssigung und Vergasung. So ist es denn schon eine naturwissenschaftliche Tatsache: gerade die höheren Zustände schon des irdischen Stoffes sind unsichtbar.

Dasselbe sagt die Bibel vom himmlischen Stoff, und es zeigt sich, wie auch hier die moderne Naturforschung dem biblischen Weltbilde immer näher kommt und nicht, wie Unwissende behaupten, sich immer mehr von ihm entfernt. Und würden wir lediglich annehmen, daß die Engel und Dinge der unsichtbaren Welt eine »Äther«leiblichkeit hätten, so müßte gerade die modernste Physik (Vgl. Röntgenstrahlen, Radio) zugeben, »nicht nur, daß eine solche Schöpfung uns völlig unsichtbar bliebe, sondern auch, daß sie und ihre Engel durch unsere Erde und durch unsern Körper wallen, fluten und fliegen könnten, ohne daß wir es merkten« (Bettex).

Und doch! Der himmlische Stoff ist noch mehr als nur Äther oder unsichtbarer irdischer Stoff. Er ist wesenhaft höher, vollkommener, himmlischer. Er ist verklärte Materie, vom Geist restlos durchwaltet; er ist überweltlich, überirdisch, über alle Vorstellung erhaben. Seine Unsichtbarkeit hängt nicht von dem Wärmegrad ab und der Blindheit unserer unvollkommenen Augen, sondern von seiner Wesensart und vor allem dem Sehunvermögen unserer gefallenen Seele. Erst in der Ewigkeit werden unsere Augen geöffnet.

V. Ewige Welt und Symbolik

Aber auch bei der Geistleiblichkeit ist nicht die Leiblichkeit, sondern die Geistigkeit die Hauptsache. Das, was sie zur »Geist«leiblichkeit macht, ist ja gerade ihr völliges vom Geiste Durchwaltetsein. Auch in der ewigen Natur ist das Geistige das »Wesenhafte«.

So war es, dem Keim nach, ja auch schon in der irdischen Natur. In jedem äußerlichen Ding sind zwei Eigenschaften enthalten, die eine aus der Zeit, die andere aus der Ewigkeit; die eine ist offenbar, die andere verborgen, und doch macht gerade die verborgene das Wesen der offenbaren aus (Jakob Böhme).

Nur so entsteht Symbolik. Alle Bildersprache der Bibel, alle Gleichnisse des HErrn Jesu, überhaupt alles Bildhafte und Vergleichende im menschlichen Geist hat nur darin seine Wurzel, daß das Sichtbare ein »Schattenriß« des Unsichtbaren ist, eine Einkleidung von Ideen, eine Darstellung des sonst Unerschaubaren. So ist Symbolik das Erkennen der Ideen in den stofflichen Formen, eine Art »Jakobsleiter« zwischen Himmel und Erde.

Damit ist aber zugleich auch gesagt: Alles Sichtbare ist mehr als Symbolik. Es ist Haus des Ewigen. »Das Ewige steckt darin.« (»Die Erde ist des Himmels voll« Plato). Das Ewige ist nicht nur der »Sinn«, sondern auch das Wesen des Zeitlichen, seine Quelle, seine Wurzel, seine Bedingung, seine »Seele«.

Dann aber kann auch erst die ewige Natur die wahre Natur sein. Dort oben ist die Wesenheit, hier unten der Widerschein; dort oben der »Körper«, hier unten der Schatten; dort oben das Urbild, hier unten das Abbild. (Eph.3,15) Der »Sinn« aller Welt ist das Hinter- und Übersinnliche. Die Originale der Dinge sind in den Himmeln. Hier unten ist nichts, das nicht seine Wurzel dort oben hätte.

Dennoch werden jene »Bäume« des Lebens ganz anders sein als alle grobstofflichen Bäume der Erdwelt. Dennoch wird jener »Strom« aus Kristall ganz anders sein als alle Wasser und Ströme des Diesseits. Dennoch wird jenes  »durchsichtige Gold« (Off. 21, 18) ganz anders sein als alles Gold hier in den Palästen der Könige.

Aber irgendeine Beziehung besteht; und wenn wir auch diese nicht kennen, sondern lediglich wissen, daß das Himmlische das Urbild des Irdischen und das Irdische die Weissagung auf das Himmlische ist, so steht doch dies eine unwandelbar fest: Wir werden dort oben in einer Wirklichkeit leben, die noch viel wirklicher ist als auch das Allerwirklichste auf Erden, in einer höheren, »leiblichen« Naturwelt, zu der unsere jetzige Welt nur ein armseliges Schattenbild ist, in einem Reiche der Wahrheit und des Himmels, dem dennoch alles Irdische so gleicht, wie der Schatten dem wesenhaften Körper.

Aber gerade die Vollkommenheit dieses Himmlischen beweist die Vollkommenheit seiner Symbolik. Im Irdischen ist Symbolik nur Stückwerk. Der Geist dringt nicht durch. Der Stoff ist nicht bildsam; die Materie ist nicht durchdrungen, nicht durchwaltet, nicht »durchgeistigt« genug. Die ewigen Ideen sind nur teilweise erkennbar. Das Irdische enthüllt sie und verhüllt sie zugleich.

Nicht so das Ewige. Dort herrscht der Geist restlos. Dort formt er den Stoff; dort durchdringt er sein Wesen; dort bestimmt er seine Maße, seine Gestaltung, seine Natur. Dort bringt er sich restlos und vollkommen zum Ausdruck und macht somit das Leibliche zu einem Himmelsbild des Geistigen.

Darum ist Symbolik ewig. Ja, darum ist jetzt eigentlich erst Symbolik da! Alles Frühere war nur werdende, zerstörte oder harrende Symbolik. Jetzt aber wird zum ersten Mal das Geistige vollkommen im Leiblichen geschaut. Jetzt wird der Kern der Natur durch alles hindurch erkannt. Jetzt ist das ganze, erlöste All Gottes eine stofflich verklärte Einkleidung seiner ewigen Geistesmacht.

Darum ist auch in der Ewigkeit bei aller Stofflichkeit der himmlischen Dinge in ihnen ihre Symbolik die Hauptsache. Bei aller Festhaltung an der Geistleiblichkeit des Himmels ist der Hauptnachdruck auf seine Sinnbildersprache zu legen. Auch das himmlische Jerusalem ist, obwohl eine »wirkliche« Stadt, dennoch zugleich ein geistleibliches Symbol des verklärten Vollendungslebens.

2. Kapitel. Das neue Jerusalem

Das Ziel ist erreicht. Das himmlische Jerusalem steigt auf die Erde herab. Die Hauptstadt des Himmels wird Hauptstadt der Erde, und das »himmlische« Jerusalem – das Urbild des irdischen – wird »neues« Jerusalem, die Verklärung des irdischen, – ein himmlisches Diesseits.

Von der »Wüste« aus sah Johannes Groß-Babylon, die Hure (Off. 17, 1-3), von einem »großen und hohen Berge« aus Neu-Jerusalem, die Braut (Off. 21, 9; 10). »Komm her, ich will dir die Braut, das Weib des Lammes, zeigen.« Dreifach beschreibt es die Bibel:
– als das neue Jerusalem, das aus dem Himmel herniederkommt (Off. 21, 9-27),

- als den vollendeten Gottestempel, das eigentliche, ewige Allerheiligste (Off. 21, 15; 16; 22),

- als das verklärte Paradies, die übergeschichtliche Vollendung der Urgeschichte (Off. 22,1-5)

I. Die Herrlichkeit der Stadt  –  Heiligkeit ist die Seele wahrer Schönheit. »Schönheit« ist nur schön, wenn sie Abglanz der Wahrheit ist. Darum ist Jerusalem herrlich (Ps. 87, 3). Darum erstrahlt es im himmlischen Golde. Darum ist es gleichsam ein lichtdurchfluteter, sonnenhafter Kristallpalast (Off. 21, 18). Denn Jerusalem ist die Stadt der Vollendung, das vergeistigte Paradies, die durchleuchtete, gottdurchdrungene »heilige Stadt« (Off. 21,2).
Darum schildert es auch die Bibel in den herrlichsten Farben. Darum nimmt sie das Kostbarste auf Erden — Gold, Perlen und Edelsteine – und macht es zu einer Weissagung auf das noch Kostbarere im Himmel, das Urbild aller Schönheit, die kommende Gottesstadt.
Daher ihre Rede von den goldenen Gassen, von den Edelsteingründen und Perlentoren, von der Jaspismauer und dem Kristallstrom des Lebens. Denn das Endziel der Erlösung ist heilige Verklärung: eine heilig verklärte Menschheit auf einer heilig verklärten Erde unter dem Lichtglanz einer sie heilig verklärenden Gottesherrlichkeit (Off. 21, 23—27).


II. Die Grundlage der Stadt  –  »Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen die Namen der zwölf Apostel des Lammes.« Und die Grundsteine waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen: so mit Jaspis, Saphir, Smaragd, mit Sardis, Chrysolith, Amethyst (Off. 21,14; 19; 20).  –  Warum dieses Fundament? Warum gerade die Namen der zwölf Apostel des Lammes als Inschrift?
– Weil das Lamm die Grundlage der himmlischen Stadt ist,
– weil der vom alten Jerusalem Gekreuzigte im neuen Jerusalem der Gekrönte ist,
– weil die apostolische Botschaft vom Lamm das Edelsteinfundament aller himmlischen Herrlichkeit ist (vgl. Eph. 2, 20).

Siebenmal nennt Johannes in seiner Schilderung des neuen Jerusalems das »Lamm« (Off. 21 und 22). Es ist ihm
– Die Grundlage – denn die Namen der Apostel des »Lammes« stehen auf dem Fundament (21,14).
– 
Die Kontrolle – denn nur wer im Lebensbuch des »Lammes« steht, darf in die Stadt (21, 27).

– Der Lebensquell – denn gerade von dem Thron Gottes und des »Lammes« geht der Lebensstrom aus (22, 1).

– Das Licht – denn gerade das »Lamm« ist seine Leuchte, wie kristallheller Jaspis (21, 23; 11; Jes. 60,19).

– Der Geliebte – denn Weib des »Lammes« ist die Stadt, bereitet wie eine geschmückte Braut (Eph. 5,31).

– Der Tempel – denn der Allmächtige und das »Lamm« sind sein Tempel; darum ist kein anderer Tempel mehr in ihm.

– Der König – denn der Thron Gottes und des »Lammes« ist in der Stadt; seine Knechte werden ihm dienen (22, 3).


III. Die Jaspismauer  –  »Und sie hatte eine große und hohe Mauer; und er maß ihre Mauer, hundertundvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das auch Engelmaß ist« (21,12; 17).

Ihre Höhe. Groß ist die Mauer und hoch, 75 Meter, fast vier moderne Großstadthäuser hoch (Die Zahlen sind natürlich sinnbildlich zu verstehen), das heißt – vom Gesichtspunkt der Symbolik der Kulturverhältnisse der Johanneszeit aus – unübersteigbar allem irdischen Streben. In das himmlische Jerusalem führt kein menschlicher Fortschritt, kein Aufwärtssteigen der Kultur, kein Emporklimmen des Menschengeistes, keine Selbsterlösung der eigenen Kraft. Die Mauer ist zu hoch. Man muß durch die Perlentore gehen. Diese aber sind von Engeln bewacht. Nur Gotterlöste haben Zutritt.

Ihre Niedrigkeit. Und doch, verglichen mit der Stadt selbst ist die Mauer nur niedrig, 144 Ellen zu 12 000 Stadien, das heißt, 75 Meter zu 2300 Kilometer, (Zahlen sind sinnbildlich zu verstehen) als ob ein Großstadthaus von 20 Metern Höhe einen Zaun von — 2/3 Millimeter hätte! Damit ist gesagt: So sicher ist Jerusalem! Kein Feind kann es stören, kein Widersacher es beunruhigen. So sehr sind alle Feinde vom Gekreuzigten besiegt! Als »offene« Stadt soll Jerusalem bewohnt werden (Sach. 2, 8), mit offenen Toren zu jeder Zeit des Tages (Off. 21, 25). Zwischen der Mauer »Heil« und der Burgfeste »Fels der Ewigkeit« werden die Erlösten in Sicherheit wohnen (Jes. 26, 1—4; Ps. 122, 7)! Der HErr selbst ist die Mauer (Sach. 2, 9; Ps. 125, 2), und ihn kann niemand stürmen. »Der Vater ist größer als alles« (Joh. 10, 29).

Ihr Baustoff. »Die Mauer war aus Jaspis«, die Lichtherrlichkeit durchlassend. Das Neue Jerusalem strahlt Licht auf die ganze Erde hinaus. Es behält nicht sein Licht; auch die andern sollen es haben. Die Herrlichkeit Gottes ist für alle bestimmt. Darum wandeln die Völker in seinem Lichte, und die Könige der Erde bringen ihre Herrlichkeit zu ihm hin (21, 24). Die Stadt, die das Lamm zu ihrer Sonne hat (21, 23), wird selber zu einer Sonne (Matth. 5,14).

Ihre Kostbarkeit. Die Mauer ist auf jeder Seite 12 000 Stadien, das heißt, 2300 Kilometer lang, alles aus Jaspis, also gleichsam 9000 Kilometer Jaspis, überall 75 Meter hoch! (Sinnbildlich zu verstehen.) Was sind da alle Edelsteine der Jetztzeit dagegen! Wahrlich, wie verblaßt da alles Irdische gegen das Himmlische! Wie wird es geradezu zu nichts. In der Tat, nicht nur die Leiden, sondern auch die Herrlichkeiten dieser Welt sind nicht einmal wert, verglichen zu werden mit der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll (Röm. 8, 18)!

IV. Die Perlentore  –  »Und sie hatte zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel, und Namen darauf geschrieben, nämlich die zwölf Geschlechter der Kinder Israel; und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, ein jegliches Tor von einer Perle« (Off. 21,12; 18; 21).
Es sind Tore, die geöffnet sind – denn das Kreuz hat sie erschlossen (Joh. 1, 51; Apg. 7, 55; Jes. 26, 2; 60, 11; Ps. 100, 4);9)

– Tore nach allen Himmelsgegenden – denn das Heil ist für alle (Off. 21, 13; Jes. 45, 22 vgl. Jes. 43, 5—7)

– Tore aus je einer Perle – denn sie führen zur Herrlichkeit (Off. 21,21 vgl. Jes. 60,18);

– Tore nur für das Gottesvolk – denn ihre Zahl ist die Zwölfzahl (Jes. 33, 24; Off. 21,13; 27)

– Tore unter heiliger Engelwacht – denn der Engel des HErrn beschirmt sie (Off. 2t, 12; Ps. 34, 8; Jes. 62, 6)

– Tore mit den Namen des Volkes Israel – denn »das (geistlich-ewige) Heil kommt von den Juden«, wie Jesus Christus im Johannesevangelium selber gesagt hat (Joh. 4, 22 vgl. Röm. 11, 18; Hebr. 11, 10.

Abraham ist aber der Vater »aller« Gläubigen (Röm. 4,11). Und nur wer durch die messianische »Tür« (Jesus, der Sohn Davids, spricht: »Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden« Joh. 10, 9) eingegangen ist, hat Zutritt zum Perlentor. Nur wer durch die »enge Pforte« hindurchgeschritten ist (Matth. 7,13), empfängt »weit« gemachten Eingang ins Himmelreich. Nur wer die »kostbare Perle« gefunden hat (Matth. 13, 46), dem öffnet sich droben das Perlentor.

V. Die Einwohner der Stadt  –  Wer wohnt in der Stadt?

1. Gott und das Lamm. »Der Thron Gottes und des Lammes ist in ihr« (Off. 22,1). »Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen« (21, 3).
2. Myriaden von Engeln. »Ihr seid gekommen zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Myriaden von Engeln, der allgemeinen Festversammlung« (Hebr. 12, 22; Off. 21,12).
3. Die Erlösten aus Israel. Die Namen der zwölf Stämme Israels stehen an den Toren (Off. 21,12). Im neuen Jerusalem wohnt der »Überrest« Israels aus der Zeit des Neuen Bundes (Röm. 11, 4; 5;
    Off. 7, 3—8) wie auch die Gläubigen aus der alttestamentlichen Vorzeit, die ja »nicht ohne uns vollendet« werden sollen (Hebr. 11, 40; Gal. 3, 9; 14).
4. Die aus der Völkerwelt durch das Evangelium zur Gemeinde Berufenen. Das neue Jerusalem ist auch unser aller Mutter (Gal. 4, 26). Zum himmlischen Jerusalem sind auch wir gelangt (Hebr. 12,
    22). Auch für uns ist es die Stadt, die wir suchen, die zukünftige (Hebr. 13, 14). Auch auf die Überwinder aus den Nationen soll der Name der ewigen Gottesstadt einst geschrieben werden (Off. 3,12).


VI. Das Leben in der Stadt  –  Da sind sie nun alle, die Erlösten aller Zeiten, die Propheten und Apostel, die Märtyrer und Zeugen, alle, die auf ihrem Wege nach ihm fragten und an ihrem Orte seiner Wahrheit sich beugten. Da sind sie nun als Palmenträger und Harfenspieler (Off. 7, 9), als Psalmensänger und Gottespriester (Off. 15, 3), gekrönt mit goldenen Kronen (Off. 4, 4), geschmückt mit weißen Kleidern (Off. 7, 9). Und da ist Er selber, die Sonne des Ganzen (Off. 21, 23).

Dann werden wir sie sehen, die goldenen Gassen, die Perlentore und den Kristallstrom des Lebens (Off. 22). Da werden wir sie sehen, die Myriaden von Engeln (Hebr. 12, 22), die vorangegangenen Heiligen, die vollendeten Gerechten, alle, die ihre Kleider gewaschen haben im Blute des Lammes (Off. 7, 14). Da werden wir ihn sehen, den König in seiner Schöne (Jes. 33,17), das geschlachtete Lamm, den Triumphator von Golgatha (Off. 5, 5-10)!

Das ist Jerusalem. Es ist gebaut als eine Stadt, da man zusammenkommen soll (Ps. 122, 3). Es ist das Ziel der Erlösung, die Sehnsucht der Menschheit, das fernerschaute Wanderziel der Welt. Es ist das verlorene und wiedergefundene, verklärte Paradies. …

Werden wir einander wiederkennen?  –  Zweifellos! – Wir kennen uns doch schon hier und werden doch gewiß im Himmel nicht törichter sein als jetzt! Hat nicht der reiche Mann sogar aus seiner Qual heraus den ihm auf Erden noch dazu unbekannten Abraham erkannt und ebenso den Lazarus? Hat nicht der Apostel Petrus auf dem Berge der Verklärung den von ihm ebenfalls noch nie gesehenen Mose erkannt und Elias (Matth. 17, 3)? Nein; gewiß, wir werden im Himmel keine wandelnden Hieroglyphen sein, sondern einer wird den andern erkennen, ja bis auf den Grund seiner Seele durchschauen; ja, er wird ihn überhaupt dort erst zum »ersten«mal sehen. Denn auf Erden hat noch niemals ein Mensch seinen Mitmenschen wirklich »gesehen«. Was wir hier unten so nennen, geschieht nur durch die Lehmhülle des Leibes, das fünffache Tor von Auge, Stimme, Handlung, Miene und Körperform. Dort aber wird es ein Erkennen von Geist zu Geist sein, keine Winkelzügigkeit mehr, kein Versteckspiel der Gedanken, keine Undurchsichtigkeit, sondern alles nur Klarheit wie von durchsichtigem Golde, ein blitzschnelles Durchschauen von kristallhellen Persönlichkeiten.

Welch ein Jubel, mit all den vorangegangenen Heiligen Gemeinschaft zu pflegen, mit Abraham und Mose, mit Elia und Jesaja, mit Johannes und Petrus, mit Augustin und Luther! Mit all den »Großen« und »Kleinen« der Reichsgottesgeschichte, mit allen, die wir kannten, die uns liebten, die wir liebten, mit allen, deren Namen im Himmel angeschrieben sind (Phil. 4, 3; Luk. 10, 20)! Das Gemeinsame von allem aber ist das Schauen seines Angesichts. »Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen« (Matth. 5, 8; Off. 22, 4; 1. Joh. 3, 2). »Deine Augen werden den König sehen in seiner Schöne« (Jes. 33, 17).

3. Kapitel. Der vollendete Gottestempel

»Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen.« Off. 21, 3.

1. Die Würfelform. Daher auch schon früher in Stiftshütte und Tempel die Symbolik des Allerherrlichsten durch die Würfelgestalt (2. Mose 26, 15—30); denn der Würfel ist Sinnbild der Vollkommenheit.

2. Das Fehlen eines Tempels. Im Alten Bunde gab es einen Tempel in der Stadt; in der Vollendung wird die Stadt selber der Tempel sein. Das Vorhandensein eines Tempels in der früheren Zeit beruhte stets auf einer Unterscheidung zwischen »Tempel« und »Nichttempel«, zwischen Allerheiligstem und Nichtallerheiligstem (vgl. Hes. 42, 20). Ein Tempel war ein »Ausschnitt«, ein abgegrenzter Bezirk, ein Hineinragen der ewigen Welt in die irdische, und auch dieses nur schattenhaft(Kol. 2,17; Hebr. 10, 1).
Hier aber ist alles Allerheiligstes! Hier ist die reinste und geistigste Anbetung! Hier ist die Hütte Gottes bei den Menschen (Off. 21, 3; Joh. 4, 24). Darum kann es hier einen abgesonderten Tempelbezirk nicht mehr geben. Darum ist das Verschwinden des Tempels ein Zeichen der Vollendung der Tempelidee. Dasselbe beweist auch

3. Das Edelsteinfundament. Auf dem Brustschild des alttestamentlichen Hohenpriesters waren die zwölf Stämme
 Israels durch zwölf verschiedene Edelsteine vertreten (2. Mose
 28,17—21; 29). Auch die zwölf Grundsteine der himmlischen 
Stadt sind mit zwölf Lichtjuwelen geschmückt. Das heißt: auch
 das himmlische Jerusalem ruht auf hohenpriesterlichem Grunde; es hat nicht nur aaronitisches, sondern auch melchisedeksches Fundament (Hebr. 7); es wird getragen von der Person
 und dem Werk des ewigen Hohenpriesters. Aus dem allen ergibt sich:

Das neue Jerusalem ist der vollendete Gottestempel. Daher auch
4. keine Bundeslade mehr; denn der Thron Gottes selbst ist in der Stadt (Jer. 3,16; 17; Off. 22,1; 3). Daher
5. Kein Sonnenlicht mehr; denn im Allerheiligsten war niemals geschöpfliches Licht. Nur im »Heiligen« war Licht, nämlich der siebenarmige Leuchter. Das Allerheiligste war dunkel (1. Kön. 8, 12; vgl. 2. Mose 20, 21). Denn Gott »wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann« (1. Tim. 6, 16).) »Die Stadt bedarf keiner Sonne, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm« (Off. 21, 22; 22,5). Daher
6. Gottes Name an den Stirnen der Erlösten; denn jeder einzelne ist gleichsam ein Hoherpriester (Off. 22, 4; 2. Mose 28, 36; Sach. 14, 20; 21). Daher
7. Die licht strahlende Jaspis-Schechina; denn Gottes Herrlichkeit durchleuchtet den ganzen himmlischen Tempel (Off. 21,11; Jes. 4, 5). »Schechina« hieß bei den Rabbinen die Lichtwolke der Herrlichkeit Gottes (2. Mose 14, 19).
Doch in Christo wird alles vollendet und erneuert. In ihm ist das Paradies und das Allerheiligste erschlossen. Nun ist alles vollbracht. Der Himmel ist offen. Der Himmel aber ist Jerusalem, Jerusalem ist das Allerheiligste, und das Allerheiligste ist das himmlische, verklärte Paradies.

4. Kapitel. Das verklärte Paradies

Endgeschichte und Urgeschichte gehören zusammen. Das letzte Blatt der Bibel entspricht dem ersten. Mit dem Paradies fängt die Heilige Schrift an; mit dem Paradies endet sie auch (Off. 22).

Aber der Abschluß ist größer als der Anfang. Das zukünftige Paradies ist nicht nur das verlorene und wiedergefundene, sondern vor allem das himmlische und ewig verklärte.
– Im verlorenen Paradies war Gefahr vorhanden: »Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben« (1. Mose 2,17); im verklärten Paradies herrscht volle Sicherheit. »Kein Bann wird mehr sein« (Off. 22, 3).
– Im verlorenen Paradies sprach die Schlange: »Ihr werdet sein wie Gott« (1. Mose 3, 5); im verklärten Paradies sagt die Schrift selbst: »Sein Name (d. h. sein Wesen) wird an ihren Stirnen sein« (Off. 22, 4).
– Das verlorene Paradies hatte durch die Niederlage ein Ende (1. Mose 3, 24); das verklärte Paradies bleibt für die »Überwinder« in Ewigkeit (Off. 2, 7). »Sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit« (Off. 22, 5).  –  »Der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu« (Off. 21,5).

Wir aber schauen anbetend diesen großen Äonenplan Gottes. Von der Pforte der Ewigkeit vor aller Zeit bis zur Pforte der Ewigkeit nach dieser Zeit hat uns die Heilsgeschichte der Bibel geführt. Das Ziel ist, genau wie der Anfang, Gott selbst.

»AUF DASS GOTT ALLES SEI IN ALLEN« (1. Kor. 15, 28)

Er selbst aber, der König der Weltzeiten (1. Tim. 1, 17), wird auch dann noch aus seiner unerschöpflichen Unendlichkeitsfülle Äonen der Äonen hervorgehen lassen (Off. 22, 5; Eph. 2, 7 ). In himmlischen Jubeljahren wird seine erlöste Kreatur ihn lobpreisen, und durch die Sphären und Welten der erneuerten Schöpfung wird brausend das triumphierende Jubellied klingen:

»Dem, der auf dem Stuhl sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen« (Off. 5,13; 14).


Aus dem Buch von Erich Sauer DER TRIUMPH DES GEKREUZIGTEN, entnommen und die Hervorhebungen, von Horst Koch, Herborn, im Oktober 2006

Das Buch ist die Fortsetzung von DAS MORGENROT DER WELTERLÖSUNG

Folgende Beiträge des Bibellehrers Erich Sauer sind auf meiner HP:

Das Morgenrot der Welterlösung
Gott, Menschheit, Ewigkeit

Die Bibel – das Buch der Heilsgeschichte

Israel und die Tempel Gottes

In der Kampfbahn des Glaubens

Es geht um den ewigen Siegeskranz

Satan – der Widersacher Gottes

Satan – Der Ursprung des Bösen

El triunfo del Crucificado (Spanisch)

Und folgende ergänzende Beiträge:

Dr. Kurt Koch: Der Antichrist

Pfr. Wolfgang Borowsky: Christus und die Welt des Antichristen


Dr. Lothar Gassmann: Europa und das Reich des Antichristen

Dr. Lothar Gassmann: NWO, Globalisierung und der Antichrist

Dave Hunt: Antichrist und Weltreligion

Dr. Peter Beyerhaus: Gemeinde Jesu im Schatten des Antichristen

Rev. Richard Wurmbrand – Karl Marx und Satan

Dr. Georg Huntemann – Der Umsturz der Werte

Dr. Georg Huntemann – Was kommen wird

info@horst-koch.de
www.horst-koch.de

 

 

 

 

 

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