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Zeichen u. Wunder (Ebertshäuser)

 

Zeichen und Wunder in der Endzeit

Von Rudolf Ebertshäuser

Durch beinahe 1800 Jahre der Geschichte der Gemeinde hindurch war der überwiegende Teil der wahren Gläubigen der Überzeugung, daß die im NT berichteten Zeichen und Wunder auf die Apostelzeit beschränkt waren und nach dem Ratschluß Gottes danach nicht mehr auftraten. Die Pfingst- und Charismatische Bewegung dagegen verkündet als eine ihrer grundlegenden Lehren, es sei Gottes Plan und Wille, der Gemeinde der letzten Zeit die apostolischen Gaben und Kräfte, Zeichen und Wunder neu zu schenken.

Tatsächlich ereigneten sich immer wieder in der Geschichte dieser Bewegung Wunder und Zeichen, die als göttlich bezeichnet werden. Dabei spielen öffentliche Krankenheilungen und Dämonenaustreibungen eine besondere Rolle. Die Wundertäter treten in der Überzeugung auf, sie erfüllten die Gebote, die der Herr Jesus Christus allen Gläubigen gegeben habe, und seien wahre biblische Nachfolger der Apostel und ersten Jünger. Sie sehen in den von ihnen gewirkten Wundern Offenbarungen besonderer Geisteskraft und göttlicher Vollmacht.

Durch die Charismatische Bewegung wurde die Lehre, daß Gott heute noch den Gläubigen den Auftrag gebe, Zeichen und Wunder zu wirken, weit in die evangelikale Christenheit hinein verbreitet. Insbesondere wird ihre Notwendigkeit für wirksame Evangelisation betont. Heute herrscht über diese Frage weithin Verwirrung und Unklarheit. Immer mehr Gläubige öffnen sich den charismatischen Lehren über Zeichen und Wunder und kommen zu der Überzeugung, die bibeltreuen Gläubigen der Vergangenheit hätten durch Unglauben Gottes Wirken entscheidend beschnitten und sich einer wichtigen Dimension des Zeugnisses der Gemeinde beraubt. Schließlich, so hört man immer wieder, steht es doch in der Bibel, daß wir Dämonen austreiben und Kranke heilen sollen!

Will Gott heute noch zeichenhafte Wunder wirken? Gehören Zeichen und Wunder tatsächlich zu Gottes Auftrag für die Gemeinde der Endzeit, oder hat Gott selbst sie aufhören lassen? Sind die Wunderzeichen der Pfingst- und Charismatischen Bewegung echt, oder handelt es sich um trügerische Fälschungen? Wir wollen untersuchen, welche Antworten die Heilige Schrift uns gibt.

1. Die charismatischen Lehren über Zeichen und Wunder

Die pfingstlich-charismatischen Lehransätze zum Thema Zeichen und Wunder gehen von zwei Grundvoraussetzungen aus:

1. Die Lehrer dieser Bewegung vertreten die Auffassung, daß Gott der Gemeinde nach Jahrhunderten der Untreue und des Kleinglaubens in der Endzeit eine große Geistesausgießung und Erweckung gebe. Ein Kennzeichen dieser Endzeiterweckung sei es, daß die apostolischen Zeichen und Wunder in noch größerer Kraftwirkung und Verbreitung auftreten würden wie zur Apostelzeit. Nach den charismatischen Lehren und prophetischen Botschaften werde Gott in der letzten Zeit durch wunderwirkende Apostel, Propheten, Evangelisten und einfache Gläubige Seine Herrlichkeit noch einmal in bisher nicht gekanntem Maß offenbaren. Unter Berufung auf Joh. 14,12 werden “größere Werke” erwartet, die allein vom Glauben der vollmächtigen Boten abhingen – Totenauferweckungen, Heilungswunder bis hin zum Nachwachsen amputierter Gliedmaßen, wunderbare Überwindung von Naturkräften usw.

Daß wir ein solches Handeln Gottes heute noch erwarten können, wird meist mit dem Wort begründet: “Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit” (Hebr. 13,8). Der Herr Jesus hat damals Kranke geheilt, Dämonen ausgetrieben und Wunder vollbracht, Er hat die Jünger dazu gebraucht, solche Wunder zu tun, und Er will das auch heute noch durch die Gläubigen tun – so lautet ein vielgehörtes Argument. Nur der Unglaube und die Untreue der Christen sei schuld, daß Gottes Wunderhandeln in der Geschichte der Gemeinde zurückgegangen sei.

2. Die charismatischen Lehrer gehen davon aus, daß der Auftrag des Herrn an Seine Jünger, Israel das Reich Gottes mit Zeichen und Wundern anzubieten, identisch sei mit dem Auftrag an Seine Gemeinde, das Evangelium aller Welt zu verkündigen. Weil der Herr den Jüngern gebot, Kranke zu heilen und Dämonen auszutreiben, müssen das auch alle Gläubigen tun, denn die Jünger sind unser Vorbild – so etwa lautet die Argumentation. Dies scheint bekräftigt zu werden durch den Evangelisationsauftrag in Markus 16, der ebenfalls zur Begründung für die Behauptung angeführt wird, alle Gläubigen könnten und sollten Wunderzeichen tun, und wenn sie es nicht täten, dann fehle ihnen die “Kraftausrüstung” der “Geistestaufe” bzw. der Glaube.

“Nur durch Zeichen und Wunder erkennen die Ungläubigen die Realität Gottes und die Wahrheit Seines Evangeliums” – das ist ein häufiges Argument für “Zeichen und Wunder”, das insbesondere von John Wimber und anderen Vertretern der “Dritten Welle” zu einer populären Lehre, dem “Power Evangelism”, ausgebaut wurde.

Die Verkündigung des Evangeliums müsse von sichtbaren Machterweisen Gottes begleitet werden, von übernatürlichen Zeichen, durch die die Ungläubigen die Gegenwart Gottes erleben sollen. Auf diese Weise soll der rationalistische Widerstand des modernen Menschen gegen das Evangelium überwunden und der Missionsauftrag effektiver verwirklicht werden.3

Die Argumente der charismatischen Lehrer klingen auf den ersten Blick durchaus biblisch begründet und überzeugen deshalb viele, die noch kein tieferes und genaues Verständnis der Heiligen Schrift haben. Es erscheint durchaus einleuchtend, daß Gott, der ja ein Gott ist, der Wunder tut, auch heute noch Seine Kraft und Realität durch öffentliche Wunderzeichen offenbaren will. Es fasziniert manche Christen, wenn sie in der Charismatischen Bewegung übernatürliche Kraftwirkungen, Heilungen und Dämonenaustreibungen sehen, die anscheinend ein sichtbarer, greifbarer Beweis der Realität und des Wirkens Gottes sind. Wird dadurch nicht der Glaube gestärkt? Werden nicht die Ungläubigen tatsächlich von der Wahrheit des Evangeliums am besten überzeugt, indem man ihnen sichtbare Wunder vorführt?

Die Antwort auf diese Fragen finden wir, wenn wir die Aussagen der Bibel über Zeichen und Wunder im Zusammenhang studieren, anstatt nur einzelne Schriftworte als Beleg für eigene Überzeugungen anzuführen. Die ganze Schrift ist uns zur Unterweisung gegeben, und im Erforschen aller ihrer Aussagen zu einem Punkt wird erst ihre klare, vollständige Aussage offenbar.

2. Wesen und Zweck der biblischen Zeichen und Wunder

Zunächst müssen wir unser Thema näher eingrenzen. Wir wollen hier hauptsächlich die Rolle von Zeichen und zeichenhaften Wundern in Gottes Heilshandeln untersuchen. Gott ist ein Gott, der Wunder tut (Ps. 77,15); es gehört zum Wesen Gottes, daß Sein Handeln immer wieder die Begrenzungen und Gesetzmäßigkeiten des von Ihm geschaffenen Universums wie auch des menschlichen Verstandes überschreitet und dem Menschen als Wunder erscheint: “Denn groß bist du und tust Wunder, du bist Gott, du allein” (Ps. 86,10). Gott tut zu allen Zeiten Wunder; Er tut auch zu allen Zeiten Wunder im Leben der Gläubigen, obwohl diese oft verborgen sind und von Außenstehenden kaum wahrgenommen werden.

Hier soll es aber um die Frage gehen, ob Gott heute noch zeichenhafte, öffentliche, aufsehenerregende Wunder tut, solche Zeichen, wie sie im Leben des Herrn auf Erden und im Leben der Apostel offenbar wurden. Redet Gott auch heute noch durch Zeichen zu den Ungläubigen, um sie zum Glauben an Christus zu führen? Wohlgemerkt, es geht nicht darum, ob Gott noch so reden könnte – selbstverständlich kann Er das jederzeit, und diese Welt wird, wenn der Tag des Herrn über sie hereinbricht, noch gewaltige und furchterregende Wunderzeichen sehen, die Gottes Macht und Zorn auf eindrückliche Weise verkündigen. Die Frage lautet: Liegt es in Gottes Willen und souveränem Ratschluß, während des gesamten Heilszeitalters der Gemeinde, insbesondere am Ende dieses Zeitalters, durch Wunderzeichen zu reden? Auf diese Frage müssen wir in der Schrift eine klare Antwort finden.

a) Der göttliche Zweck der Zeichen und Wunder

Zuallererst müssen wir klären, wozu Zeichen und Wunder nach dem geoffenbarten Willen Gottes überhaupt dienen, weshalb Gott sie gegeben hat. Die Antwort auf diese Frage finden wir in einem Schlüsselvers, Hebr. 2,2-4:

“Denn wenn das durch Engel verkündete Wort fest war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam gerechte Vergeltung empfing, wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung mißachten? Sie hat ja den Anfang ihrer Verkündigung durch den Herrn empfangen und ist uns von denen bestätigt worden, die es gehört haben, wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten und Austeilungen [od. Zuteilungen] des Heiligen Geistes nach seinem Willen.”

Hier finden wir drei Begriffe, die immer wieder miteinander vorkommen und zusammengehören: Zeichen (sèmeia), Wunder (terata) und Machttaten (dynameis). (Vgl. zum Vorkommen Mt. 24,24; Mk. 13,22; Joh. 4,48; Apg. 2,19.22.43; 4,30; 5,12; 7,36; 14,3; 15,12; Rö. 15,19; 2. Kor. 12,12; 2. Thess. 2,9; Hebr. 2,4.)

Ein Zeichen (sèmeion) können wir als symbolischen Hinweis auf eine Person oder eine Botschaft oder eine geistliche Realität verstehen; in der Schrift bezeichnet es vorwiegend göttliche Wunderzeichen, gelegentlich aber auch andere zeichenhafte Handlungen oder Symbole (vgl. Rö. 4,11: das Zeichen der Beschneidung; 2. Thess. 3,17: Erkennungszeichen in Paulusbriefen). Ein Wunder (teras) ist nach der Bedeutung des griechischen Wortes ein göttliches Wunderzeichen, ein übernatürliches Geschehnis mit zeichenhafter Bedeutung. Eine Machttat (dynamis = Kraft, Macht, Krafterweis, Wundertat) bezeichnet ebenfalls ein wunderbares Wirken, wobei der Aspekt der offenbarwerdenden göttlichen Kraft im Vordergrund steht.

Die Zeichenwunder dienen als Zeugnis und Beglaubigung Gottes für Seine Botschaft

Durch diese göttlichen Kundgebungen, so offenbart uns Hebr. 2,4, legte Gott selbst mit Zeugnis ab und bekräftigte und beglaubigte, daß die Botschaft des Evangeliums, das Zeugnis Jesu Christi und Seiner Apostel göttlich und wahr ist. Obgleich nur für Menschen gilt: “Durch zweier oder dreier Zeugen Mund wird jede Sache festgestellt werden” (2. Kor. 13,1), gefiel es Gott, auch Seine Heilsbotschaft durch mehrere Zeugen bekräftigen zu lassen. Die Zeugen des Evangeliums waren Jesus Christus selbst, “der treue Zeuge” (Offb. 1,5) und die Apostel als die von Gott zuvor erwählten Zeugen (Apg. 10,41; vgl. Apg. 1,8 u. 1,22). Zu diesen beiden auserwählten Zeugen fügte Gott Sein übernatürliches Zeugnis hinzu.

*  Gott bestätigte durch die Zeichen und Wunder Jesus Christus als Seinen Sohn und den von Ihm gesandten Messias und Retter (vgl. u.a. Mt. 3,17; Mt. 17,5; Joh. 7,31; Joh. 10,25.37f.). Petrus sagt in seiner Pfingstpredigt über Christus: “einen Mann, der von Gott euch gegenüber beglaubigt wurde durch Kräfte und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte wirkte, wie ihr auch selbst wißt” (Apg. 2,22 – revSchl).

*  Gott bestätigte durch Zeichen und Wunder die auserwählten Zeugen und Werkzeuge der neuen Offenbarung des Evangeliums der Gnade, die Apostel. Die Wunderzeichen, die sie taten, waren besondere “Zeichen des Apostels” (2. Kor. 12,12); sie dienten dazu, die apostolische Verkündigung und Lehroffenbarung zu beglaubigen (vgl. auch Apg. 2,43; Rö. 15,18f.).

*  Gott bestätigte Sein Wort, die Botschaft des Evangeliums, die Offenbarung des Christus in den Schriften der nt. Apostel und Propheten durch Zeichen und Wunder. Mk. 16,20 berichtet vom Verkündigungsdienst der Apostel: “Sie aber gingen hinaus und verkündigten überall; und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die begleitenden Zeichen ” (revSchl). Gott drückte der neu geoffenbarten Botschaft des NT den Stempel Seiner Autorschaft auf. Zu diesem Zweck gab Er in den Gemeinden während der Zeit der Apostel auch Wunderkräfte, die durch andere Gläubige außer den Aposteln wirksam wurden (vgl. 1. Kor. 12,10).

Zeichen, Wunder und Machttaten dienten also einem ganz klaren Zweck: Sie sollten die neu geoffenbarte Botschaft des Evangeliums als von Gott gegeben bestätigen und die auserwählten Botschafter, den Messias selbst und Seine Apostel, in ihrer göttlichen Sendung beglaubigen. Die göttlichen Zeichen und Wunder sind kein Selbstzweck; sie dienen dazu, auf etwas anderes hinzuweisen, auf ewige, geistliche Wahrheiten.

Das gilt auch schon im Alten Testament: Die Offenbarung des Sinai-Bundes, der Weisung (thora) Gottes für das Volk Israel, wurde begleitet mit großen, erschütternden Zeichen, Wundern und Machttaten (2. Mose 19; vgl. Hebr. 12,18-29). Mose selbst, der auserwählte Gesandte Gottes, wurde ebenfalls mit Zeichen, Wundern und Machttaten vor dem ungläubigen, widerspenstigen Volk legitimiert (vgl. u.a. 2. Mo. 4,1-9; 2. Mo. 7,1-13; 4. Mo. 12,1-16; 4. Mo. 16; 4. Mo. 17,16-28).

b) Gott gibt nicht ständig Zeichen, sondern in Verbindung mit heilsgeschichtlichen Wendepunkten

Das Wort in Hebr. 2,4 enthält aber noch einen wichtigen Aufschluß über den Zweck von Wunderzeichen: Gott gab Zeugnis durch Zeichen, Wunder und Machttaten nach Seinem Willen, oder, wie man auch übersetzen könnte, nach Seinem Ermessen, entsprechend Seinem Ratschluß. Schon die Tatsache, daß der Schreiber des Hebräerbriefs diese Vorgänge als abgeschlossene Vergangenheit berichtet, zeigt, daß es nicht in Gottes Willen und Ratschluß liegt, beständig Wunderzeichen zu geben. Er gibt sie, wenn Er es für richtig hält, und Er hält sie zurück, wenn Er das für ratsam erachtet.

Obgleich es Gott, dem Allmächtigen, ein Kleines wäre, ständig Zeichen und Wunder zu tun, hat Er sich in Seiner Weisheit nur an einzelnen Wendepunkten Seines Heilshandelns mit den Menschen durch Zeichen und Wunder kundgetan. Gott war, ist und bleibt ewig derselbe in Seinem Wesen, aber Er offenbart sich den Menschen auf ganz unterschiedliche Weise. Er handelt mit ihnen nach Seinem Plan und Willen, so wie Er es für erforderlich hält. Deshalb ist die Unterscheidung der verschiedenen Heilszeiten und der unterschiedlichen Wege, wie Gott mit den Menschen handelt, so wichtig für ein klares, geistliches Verständnis der Heiligen Schrift.

Es ist gewiß wahr, daß Gott auch heute noch Wunder tut. Aber Gott tut nicht immer Zeichen – große, öffentliche Wundertaten, die Seine Macht vor den Ungläubigen offenbar machen. Weder Henoch noch Noah noch selbst Abraham taten Zeichen, obwohl sie persönlich Wunder erlebten. Nach ca. 2700 Jahren biblischer Zeitrechnung trat das erste Mal ein Gesandter Gottes auf, der Zeichen wirkte: Mose.

Zwischen der Offenbarung des Gesetzes und der Offenbarung der Botschaft der Propheten, die durch große Zeichen und Wunder von Elia und Elisa eingeleitet wird, geschahen in Israel nur wenige Zeichen und Wunder. Nicht einmal David, der Mann nach dem Herzen Gottes, tat Zeichen. Auch zwischen der Offenbarung der Botschaft der Propheten und dem Kommen des Messias liegen Jahrhunderte, in denen Gott keine Zeichen wirkte. Wir können also erkennen, daß zwar jedes Zeichen ein Wunder, eine übernatürliche Krafttat Gottes ist, aber nicht jedes Wunder Gottes ist ein Zeichen. Gott gibt Zeichen in der Heilsgeschichte immer dann, wenn Er eine neue Offenbarung Seines Heilshandelns verkünden läßt. Wenn die Botschaft offenbart ist, hören die bestätigenden Zeichen auf; Gott erwartet dann den Gehorsam der Glaubenden gegenüber dem geoffenbarten Wort (vgl. 5. Mo. 13,1).

Darin kommt die Weisheit Gottes zum Ausdruck, denn wenn Wunderzeichen ständig gegenwärtig wären und von allen Gläubigen getan würden, dann wären sie als Beglaubigung der auserwählten Träger der Heilsoffenbarung entwertet und nutzlos. Wer würde Paulus die Zeichen des Apostels als göttliche Bestätigung seiner Berufung abnehmen, wenn er jede Woche auf den Straßen seiner Stadt dieselben oder größere Wundertaten erlebte? Wenn die Wunder, die die neue Offenbarung des Christus im NT bestätigen sollten, inflationär über die Apostelzeit hinaus bestanden hätten, dann würde niemand sie als Beglaubigung einer besonderen Gottesoffenbarung ernst nehmen. Im Gegenteil, die Menschen hätten Grund, anzunehmen, daß die Worte der nachapostolischen Wundertäter mindestens genauso göttlich inspiriert und glaubwürdig seien wie die der Schrift selbst. Genau das will Gott jedoch nicht; deshalb machte Er die Grenze zwischen Seiner Schriftoffenbarung und allem menschlichen Reden im Namen Jesu Christi dadurch deutlich, daß Er die bestätigenden Zeichenwunder aufhören ließ, sobald die Schriftoffenbarung gegeben war.

3. Zeichen und Wunder im Neuen Testament

a) Die Zeichen des Messias an Sein Volk Israel

Wie steht es nun mit den Zeichen, die der Herr Jesus Christus tat? Ist Er nicht unser Vorbild? Hat Er nicht auch uns geboten, was Er den Jüngern in Mt. 10,7f. gebot: “Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus!” Das steht doch im Wort geschrieben! – Ja, aber wenn wir dieses Wort auf uns als Gläubige der Gemeindezeit beziehen wollten, dann müßten wir auch das Gebot beherzigen, das der Herr damit verband: “Geht nicht auf einen Weg der Nationen, und geht nicht in eine Stadt der Samariter; geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel” (Mt. 10,5f.).

Wieder werden wir durch dieses Wort auf die unerläßliche Unterscheidung verschiedener Heilszeiten und Heilskörperschaften im Plan und Handeln Gottes geführt. Die Vermischung und Gleichsetzung von Israel und der Gemeinde ist ein schwerwiegender Fehler und von jeher die Quelle von Irrlehren und gefährlichen Abwegen in der Gemeinde gewesen. Der “Durcheinanderwerfer” (gr. diabolos) hat solche Verwechslungen benutzt, um die Gemeinde zu verführen und von ihrem geraden Weg abzubringen.

Die Heilungen, Totenauferweckungen und Dämonenaustreibungen, die in den Evangelien von Jesus Christus selbst und Seinen Aposteln und weiteren Beauftragten (Lk. 10,1-12) berichtet werden, waren Zeichen Gottes an das Volk Israel, nicht an die Heiden. Sie waren die prophetisch vorhergesagten Zeichen des Messias, die Jesus Christus und Seine Botschaft vor Israel legitimieren sollten. Sie hatten damit wesensmäßig einen anderen Charakter als die Zeichen der Apostel, die nach Pfingsten geschahen. Dies zeigt sich deutlich etwa in Mt. 11,2-5; Johannes der Täufer ist in Zweifel geraten, ob Jesus Christus wirklich der Messias ist (er hatte wohl, wie die Jünger noch kurz vor Pfingsten, die Erwartung, der Messias werde Sein Reich unmittelbar aufrichten). Der Herr läßt ihm antworten: “Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt.”

Der Herr verweist auf die Zeichen, die Er tut, und die Ihn vor jedem aufrichtigen Israeliten, der das Wort Gottes kennt, als den Messias ausweisen (vgl. Jes. 35,1-10; Jes. 29,18; Jes. 26,19). In dieser Weise faßten auch viele Juden diese Zeichen auf: “Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll” (Joh. 6,14). “Viele aber von der Volksmenge glaubten an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommt, wird er wohl mehr Zeichen tun als die, welche dieser getan hat?” (Joh. 7,31).

Die symbolische Bedeutung der messianischen Zeichen für das Heil in Christus

Wenn wir uns die Zeichen des Messias näher ansehen, so erkennen wir, daß sie auch eine zutiefst symbolische Bedeutung hatten; sie wiesen auf die geistlichen Segnungen des kommenden Gottesreiches hin. Sind die Blinden, die sehend werden, nicht ein deutliches Bild für die neue Geburt, wenn die geistliche Blindheit von den Augen der Menschen genommen wird, und sie die Wahrheit erkennen – ebenso wie das Wunder, daß Taube hörend werden? Daß Aussätzige rein werden, welch ein sprechendes Bild von der Reinigung von den Sünden im Blut Jesu Christi! Daß die Lahmen gehen können – zeigt es uns nicht, wie die, die durch die Sünde und das Fleisch kraftlos waren (Rö. 5,6; Rö. 8,3f.), nunmehr in der Kraft des Geistes dem Herrn nachfolgen können?

Und die Auferweckung von Toten – wie eindrucksvoll weist sie auf das Wunder der Wiedergeburt hin, wenn solche, die in Sünden tot sind, mit dem Christus lebendig gemacht werden (Eph. 2,5)! Auch die Tatsache, daß es von Christus immer wieder heißt, “… er heilte alle Kranken”, ist ein zeichenhafter Vorgang, denn Krankheit ist als eine Folge der Sünde zugleich ein Bild für die Sünde, und so ist das heilende Handeln Jesu Christi ein Zeichen dafür, daß Er im Tausendjährigen Reich die Sünden des Volkes Israel wegnehmen wird und Reinigung und vollkommene Gerechtigkeit schenkt.

Daß die Austreibung von Dämonen ein Zeichen des Reiches Gottes ist, bezeugt der Herr selbst: “Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen” (Mt. 12,28). Es erinnert an die messianische Prophetie in Jes. 42,7: “(…) blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen und aus dem Gefängnis die, die in der Finsternis sitzen.” Alle diese Zeichen kündigten die Segnungen des Israel verheißenen Friedensreiches unmittelbar an.

Der Sohn Gottes, der Herr Jesus kam auf die Erde, in das Seinige, um Seinem Volk die Verheißung des Reiches anzubieten. Er und Seine Apostel verkündigten Israel, daß der Messias gekommen war und das Reich Gottes, so wie es Israel verheißen war, als ein irdisches, sichtbares Reich mit dem Christus als König Israels, nahe herbeigekommen war. Diese Botschaft an Israel wurde mit den messianischen Zeichen bekräftigt – doch das Volk glaubte ihr trotz der Zeichen nicht und verwarf den Messias, ja, brachte Ihn ans Kreuz.

Die Zeichen des Messias waren also eindeutig an Israel gerichtet und können nicht einfach auf die Gemeindezeit übertragen werden. Das zeigt auch der in Mt. 28,18-20 gegebene “Missionsbefehl” in bezug auf die Heiden, der sich auch auf das ganze Heilszeitalter der Gemeinde anwenden läßt: Im Gegensatz zu Mt. 10,5-8 ist hier nicht von Zeichen, von Dämonenaustreibungen oder Heilungen die Rede, sondern vom Glaubensgehorsam gegen das Wort Gottes. In der Heilszeit der Gemeinde gilt grundsätzlich: Gott läßt Sein Wort verkündigen, das Evangelium von Jesus Christus, und Er wirkt Gehorsam des Glaubens durch Sein Wort. Die Verkündigung des Evangeliums unter den Heiden, die der zukünftigen Heilskörperschaft der Gemeinde anvertraut wird, soll also nach dem Plan Gottes nicht beständig mit Zeichen und Wundern begleitet sein, wie dies bei der Verkündigung des Evangeliums vom Reich an Israel und in der ersten Apostelzeit auch unter den Heiden der Fall war.

Selbst in der Zeit der Apostel sehen wir in der Bibel nichts von vergleichbaren massiv und breit auftretenden Zeichen und Wundern unter den Heiden. Nirgends heißt es z.B. von den Aposteln: “Sie heilten alle Kranken”. Weder von Paulus noch von Barnabas, Timotheus oder Silas wird berichtet, daß sie überall in Asien und Griechenland umhergegangen seien, kranken Heiden die Hände aufgelegt und alle geheilt hätten. Wohl geschahen auch durch die Apostel und ihre Mitarbeiter unter den Heiden Zeichen und Wunder, die der Bekräftigung des Evangeliums und der Beglaubigung der Apostel dienten, aber sie hatten nicht den besonderen Charakter der messianischen Zeichen an Israel.

b) Die Zeichen der Apostel und der apostolischen Zeit

Auch nach der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn Jesus Christus berichtet die Apostelgeschichte von Wunderzeichen, die durch die Apostel (z.B. Apg. 2,43; 5,12) und einzelne andere Werkzeuge Gottes wie Stephanus (Apg. 6,8) und Philippus (Apg. 8,5ff.) geschehen. Waren diese Zeichen auf die Apostelzeit beschränkt, oder sollten sie nach Gottes Willen beständig bei der Gemeinde bleiben?

Der Verkündigungsauftrag an die Apostel in Markus 16

In Mk. 16,15-20 gibt der auferstandene Herr Seinen Aposteln den Auftrag, in die ganze Welt zu gehen und das Evangelium der ganzen Schöpfung zu predigen. Dieser Auftrag wird vielfach so verstanden, als gelte er der gesamten Gemeinde bis zur Entrückung. Eine genauere Betrachtung dieses Textes kann uns hier Klärung geben.

“(15) Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!
(16) Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.
(17) Diese Zeichen aber werden die begleiten [od. denen folgen; parakoloutheò], die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden,
(18) Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.
(19) Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, aufgenommen in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.
(20) Sie aber gingen hinaus und verkündigten überall; und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die begleitenden [od. mitfolgenden] Zeichen.” (revSch)

In Mk. 16,15-20 spricht der Herr ausdrücklich nur mit Seinen Aposteln, den Elfen. Er gibt ihnen (und nicht etwa der ganzen Gemeinde) den Auftrag, in die ganze Welt (nicht mehr nur nach Israel) zu gehen und das Evangelium der Gnade aller Schöpfung zu verkündigen. Dieser Auftrag des Herrn an die Apostel gilt in dieser Form nur für die Apostel selbst; er wurde noch in der Apostelzeit erfüllt. Das geht aus einem genauen Studium der Stelle selbst hervor und wird durch andere Aussagen der Bibel bestätigt.

1. In V. 20 wird die Erfüllung der Verheißung allein auf die Apostel bezogen und als abgeschlossen bezeugt. Auch in Hebr. 2,4 ist die von Zeichen begleitete apostolische Verkündigung (die, die es gehört haben und bestätigten, waren die Apostel) als abgeschlossener Vorgang berichtet.

2. Im Kolosserbrief macht Paulus zwei Feststellungen, die die Erfüllung dieses Auftrages durch die ersten Apostel bestätigen. Er spricht vom Evangelium, “(…) das zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt [verbreitet] ist und Frucht bringt und wächst (…)” (Kol. 1,5f.), und er bezeugt, daß dieses Evangelium “in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel gepredigt worden ist” (Kol. 1,23).

Das Wort Gottes greift hier die Worte des Herrn aus dem Apostelauftrag von Mk. 16,17 auf und bezeugt, daß der Auftrag zu Lebzeiten des Apostels Paulus erfüllt wurde: Das Evangelium wurde in der ganzen Welt verbreitet, und es wurde der ganzen Schöpfung gepredigt. Es ist offenkundig, daß beide Begriffe in einem allgemeinen Sinn verwendet werden; was der Herr damit genau gemeint hat, ist nicht völlig klar – aber Er sagt uns, daß die Apostel die Aufgabe in Seinem Sinn erfüllt haben.

Die Verheißung der apostolischen Wunderzeichen in Markus 16

Wenn der Auftrag des Herrn an die Apostel allein gerichtet war und von ihnen erfüllt und abgeschlossen wurde, dann gilt das auch für die mit diesem Auftrag verbundene Zeichenverheißung. Auch das wird durch eine genaue Betrachtung des Textes bestätigt. Der apostolische Verkündigungsdienst, so sagt der Herr in Markus 16, wird als Frucht Gläubiggewordene hervorbringen; doch nicht nur das; die durch die Verkündigung der Apostel Gläubiggewordenen werden auch durch Wunderzeichen begleitet werden (V. 17; im Gr. steht hier parakoloutheò; in V. 20 epakoloutheò; beides bedeutet “folgen, mitfolgen, begleiten”. Letzteres trifft den Sinn hier offenkundig am klarsten: die Zeichen traten nicht nach, sondern zusammen mit der Verkündigung auf).

Hiermit ist keinesfalls gesagt, daß alle Gläubiggewordenen selbst solche Wunderzeichen taten. Im Gegenteil muß jede verantwortliche Auslegung eine solche Deutung ausschließen, denn selbst in den Anfängen der Gemeinde blieben Wunderzeichen auf die Apostel und einige wenige Evangelisten und Träger von Wundergaben beschränkt. Wenn man wirklich behaupten wollte, daß diese Zeichen nach Gottes Willen von allen Gläubigen getan werden sollten, so wäre niemand außer den Aposteln wirklich gläubig gewesen – denn wenn man das Wort schon so auslegen will, dann müssen alle diese Zeichen allen Gläubigen “folgen” – auch das Gifttrinken und Schlangenaufheben! Vom Sinnzusammenhang her sind diese Wunderzeichen eine Begleiterscheinung des Verkündigungsdienstes der Apostel; die Apostelgeschichte bezeugt, daß sie (bis auf das Trinken von Gift) an den Aposteln erfüllt wurden.

In jedem Fall gilt der Auftrag und die Verheißung der Zeichen ausschließlich für die Apostelzeit. Die Zeichen sollten jene begleiten, die unmittelbar durch die apostolische Verkündigung gläubig geworden waren, nicht etwa spätere Generationen von Gläubigen. Das wird schon dadurch angedeutet, daß die zeitliche Ausdehnung “bis ans Ende der Weltzeit”, die im allgemeinen “Missionsbefehl” von Mt. 28,18 ausdrücklich festgehalten wird, in Markus 16 fehlt. Der Beweis findet sich V. 20, der die Erfüllung der Verheißung berichtet: “Jene aber gingen aus und predigten überall, während der Herr mitwirkte und das Wort durch die begleitenden Zeichen bestätigte.” Das bezieht sich eindeutig auf die Apostel und steht als abgeschlossener Vorgang in der Vergangenheit. Der Herr stellte sich zu ihrer Verkündigung, wie Er versprochen hatte, und bekräftigte ihre Botschaft. Dieses auf die Ohrenzeugen (die Apostel) beschränkte Zeugnis durch Zeichen wird auch in Hebr. 2,4 als abgeschlossen bezeichnet.

Die “Zeichen des Apostels” als besondere göttliche Autorisierung

Es gibt also nach der Schrift nicht nur Zeichen des Messias, sondern auch “Zeichen des Apostels” (2. Kor. 12,12). Sie bestätigen die göttliche Berufung und Autorität der Apostel Jesu Christi, die die Botschaft des Evangeliums, das Geheimnis Jesu Christi offenbarten und verkündigten. Diese Zeichen müssen notwendigerweise auf die Apostel selbst und ihre engsten Mitarbeiter im Dienst der Evangeliumsverkündigung beschränkt gewesen sein, sonst wären sie keine göttliche Bestätigung der apostolischen Berufung.

So heißt es in der Apostelgeschichte nirgends, daß alle Gläubigen Zeichen und Wunder getan hätten, sondern wir lesen: “(…) es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel” (Apg. 2,43; vgl. Apg. 5,12). Paulus bezeugt von sich, daß er das Evangelium “in der Kraft der Zeichen und Wunder” verkündigt hat (Rö. 15,19), und er schreibt den Korinthern: “Die Zeichen des Apostels sind ja unter euch vollbracht worden in allem Ausharren, in Zeichen und Wundern und Machttaten” (2. Kor. 12,12).

In der apostolischen Zeit, als die Offenbarung des Wortes Gottes noch nicht abgeschlossen war, gab Gott über den Kreis der Apostel hinaus Zeichen- und Wundergaben in Seiner Gemeinde. So lesen wir, daß Stephanus und Philippus große Zeichen und Wunder taten – das war allerdings in den ersten Anfängen der Gemeinde und nicht unter Heiden, sondern unter Juden und Samaritern. Aber auch in örtlichen Gemeinden wie Korinth gab es Gnadengaben zu Heilungen, Machttaten, wunderwirkenden Glauben und Sprachenreden (1. Korinther 12).

Es wird jedoch nirgends in der Bibel gesagt, daß diese Gaben breit für die Evangelisation oder “Gemeindewachstum” eingesetzt worden wären. Wenn Zeichen und Wunder Gottes Strategie für Evangelisation wären, so hätten sie in den apostolischen Belehrungen und Anweisungen an die Gemeinden ganz sicher einigen Raum eingenommen. Wenn der Apostel Paulus die Zeichen und Wunder bei seiner Evangeliumsverkündigung erwähnt, dann dienen sie dazu, die Göttlichkeit des von ihm verkündeten Wortes zu bestätigen und ihn selbst als Botschafter Gottes auszuweisen; nirgends ermutigt er die Gemeinden, auf dieselbe Weise das Evangelium zu verkünden.

In seinen Anweisungen an den Evangelisten Timotheus, der doch angehalten wird “Predige das Wort…” (2. Tim. 4,2) und “tue das Werk eines Evangelisten” (2. Tim. 4,5), ist nirgends von Zeichen und Wundern die Rede. Sie sollten die Neueinführung der Botschaft des Evangeliums autorisieren, nicht aber jede nachfolgende Verkündigung dieses Evangeliums an die Nationen.

So waren die übernatürlichen Zeichengaben in den Gemeinden auch nur in der Zeit der Apostel wirksam und hörten danach auf.4 Das lag nicht am Versagen der Gemeinde der nachapostolischen Zeit (obwohl sie tatsächlich versagt hat), sondern war in Gottes weisem Ratschluß begründet: Die Nationen sollten durch das Wort, durch das Wort vom Kreuz, durch die Verkündigung Jesu Christi als des gekreuzigten und auferstandenen Herrn überführt und zum Glaubensgehorsam gebracht werden – nicht durch beständig wiederholte Zeichen und Schauwunder.

 

4. Will Gott Zeichen und Wunder für die Evangeliumsverkündigung der Endzeit?

Könnte es dennoch sein, daß Gott Zeichen und Wunder in der Endzeit wirken will, um der Verkündigung des Evangeliums inmitten einer ungläubigen, verstockten Menschheit Nachdruck zu verleihen und die erhoffte große Erweckung auszulösen? Weshalb sollte die Gemeinde auf Wunderzeichen verzichten müssen, wenn sie doch viele Menschen zum Glauben führen könnten? – so mögen manche einwenden, die von der charismatischen Lehre fasziniert sind, Zeichen und Wunder seien Gottes Weg zum Durchbruch des Evangeliums heute. Wir müssen daher in der Bibel nachforschen, ob diese charismatische Lehre stimmt und welche Mittel Gott der Gemeinde gegeben hat, um das Evangelium zu verkündigen.

a) Bewirken Zeichen und Wunder echten Glauben?

Wenn wir die Behauptung verschiedener Charismatiker, Zeichen und Wunder seien wichtig, um den Rationalismus und Unglauben der modernen Menschen zu überwinden und echten, kraftvollen Glauben zu wecken, anhand der Bibel überprüfen, kommen wir zu interessanten Ergebnissen. Betrachten wir zunächst den Dienst unseres Herrn Jesus Christus. Er tat zahllose machtvolle und beeindruckende Zeichen und Wunder vor dem Volk Israel. Wirkten diese Taten Glauben in denen, die sie sahen? Besonders das Johannesevangelium gibt auf diese Frage Antwort.

Die Wirkung der Wunderzeichen bei der Speisung der 5000 (Johannes 6)

Modellhaft sehen wir am Beispiel der Speisung der 5000, was die Zeichen des Messias bei denen bewirkten, die sie sahen (Joh. 6,1-71). Auf die wunderbare Speisung reagierten die Menschen zunächst scheinbar positiv: “Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll” (Joh. 6,14). Ja, sie wollen ihn sogar zu ihrem König machen (V. 15). Aber ihnen ging es um das Irdische, nicht um die eigentliche Berufung des Messias, ewiges Leben zu geben. Das Gott wohlgefällige Werk ist, daß sie an Jesus, den Messias Israels glauben (V. 26-29). Gerade dieser Glaube fehlte ihnen trotz des Wunderzeichens, das sie gesehen hatten. Der Herr offenbart sich ihnen dann als das wahre Brot aus dem Himmel, als das Brot des Lebens – und die Juden murren über ihn und offenbaren ihren Unglauben (V. 30-46).

Nun sagt der Herr noch einmal deutlich, was er in V. 29 bereits angedeutet hat: Der wahre, errettende Glaube ist ein Werk des Vaters. Es ist Gnade Gottes, wenn die natürliche Blindheit und Verstocktheit des menschlichen Herzens aufgebrochen wird und der Heilige Geist das Evangelium in das Herz von Feinden Gottes einpflanzt, so daß sie glauben können. Dieser Glaube ist nicht von Zeichen und Wundern abhängig, sondern er wird durch das lebendige, kräftige Wort Gottes gewirkt, wie wir sehen werden. Zunächst führt der Herr die Bildrede vom Brot des Lebens so weiter, daß er zu der für jeden Juden höchst anstößigen, geistlich-sinnbildlich für die Teilhabe an seinem Sühnopfer zu verstehenden Feststellung kommt: “Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst” (V. 53).

Daraufhin murrten viele seiner Jünger, die bereits etwas länger zum Glauben gekommen waren und ihm nachfolgten, und wandten sich von ihm ab. Der Herr bezeugt auch ihnen, daß sie nicht wirklich geglaubt hatten, und zeigt, daß der Mensch von sich aus nicht zum rettenden Glauben fähig ist: “Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben; aber es sind einige unter euch, die nicht glauben” (V. 63f.).

Der rettende Glaube wird durch das Wort Gottes, nicht durch Wunderzeichen gewirkt

Der wahre, rettende Glaube, den der Heilige Geist in den Herzen von Menschen wirkt, beruht nicht auf Zeichen und Sichtbarem, sondern auf dem ewigen Wort Jesu Christi, das wahrhaft Geist und Leben ist. Dieses Wort ist der wahrhaftige Same, durch den der Geist die neue Geburt und das ewige Leben in Menschen wirkt (1. Petr. 1,23-25). Der Herr fragt die Zwölf: “Wollt ihr etwa auch weggehen?” Petrus antwortet nicht: Wir haben so viele mächtige Wunderzeichen gesehen, für uns ist klar, daß du der Messias bist – seine Antwort lautet: “Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes bist” (V. 68f. – Sch). Der wahre Glaube kommt aus dem Wort Gottes. Er wird nicht aus Erlebnissen, Gefühlen oder Geschautem geboren, sondern aus der übernatürlichen Erkenntnis von der Wahrheit des Wortes Gottes, die der Heilige Geist in den Herzen der Gläubigen wirkt.

Glaube durch das Wort – Der Weg für die Evangelisation im Gemeindezeitalter

Der Weg, wie das Evangelium im Heilszeitalter der Gemeinde Glauben und Errettung bewirkt, wird in den Evangelien in verschiedenen Begebenheiten vorbildhaft angedeutet. Die Wahrheit der Schrift, daß Zeichen und Wunder es nicht vermögen, die steinernen Herzen natürlicher Menschen zum Glauben zu führen, sehen wir an den Reaktionen des Volkes Israel. Daß dagegen das geistliche, lebendige Wort der Wahrheit eben dieses Wunder auch ohne jedes Zeichen zu wirken vermag, wird interessanterweise oft an Heiden veranschaulicht.

Ein Beispiel ist die Begegnung am Jakobsbrunnen in Joh. 4,4-42. Der Herr trifft eine Samariterin, und Sein Wort überführt sie von ihren Sünden. Es geschieht kein einziges Wunderzeichen, aber die Frau bezeugt den Einwohnern ihrer Stadt: “Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: dieser ist doch nicht etwa der Christus?” (V. 29). Auf Bitten der Samariter bleibt der Herr zwei Tage bei ihnen, und es wird nicht ein einziges Wunderzeichen berichtet. Dagegen sagt die Bibel: “Und noch viel mehr Leute glaubten um seines Wortes willen, und sie sagten zu der Frau: Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn wir selbst haben gehört [nicht gesehen!] und wissen, daß dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist” (V. 41f.). Diese verachteteten Halb-Heiden sind zum klaren, rettenden Glauben an das Wort des Christus durchgedrungen.

Hier haben wir ein Vorbild für die Evangelisation der Gemeinde unter den Heiden: Sie werden dem WORT glauben, ohne Zeichen und Wunder, die den Israeliten verheißen waren, und die sie verlangten (vgl. Mt. 12,38; 1. Kor. 1,22). Während der Herr Israel bezeugt: “Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so werdet ihr nicht glauben” (Joh. 4,48), bekennt er von dem heidnischen Hauptmann von Kapernaum, der sagte: “Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund werden”: “Wahrlich, ich sage euch, selbst in Israel habe ich nicht so großen Glauben gefunden” (Mt. 8,5-13). Er schließt eine heilsgeschichtliche Prophetie an und sagt voraus, daß viele Heiden zum rettenden Glauben an das Evangelium kommen werden, während das ungläubige Israel beiseitegesetzt und verworfen wird (V. 12f.).

Der große Glaube des heidnischen Hauptmanns war der schlichte Glaube an das Wort des Christus, der keine Zeichen brauchte, weil er geistgewirkt war, und weil das innere Zeugnis des Geistes viel mächtiger wirkt als das äußere Zeugnis der Schauwunder. Auch als Jahre später ein anderer römischer Hauptmann als erster Heide bewußt in die Gemeinschaft der Gemeinde aufgenommen wird, tut der von Gott gesandte Apostel Petrus keinerlei Zeichen und Wunder, um den Glauben der Zuhörer zu stärken, sondern er verkündigt ihnen einfach das Wort des Evangeliums, und dieses Wort bewirkt in einem Augenblick das Wunder der Wiedergeburt – der Heilige Geist fällt auf alle, die das Wort hörten (Apg. 10,44).

Zeichen und Wunder können keinen rettenden Glauben hervorrufen

Die Bibel zeigt also, daß Zeichen und Wunder zwar die Botschaft Gottes und seine Botschafter beglaubigen können und dazu auch gegeben wurden, daß sie aber in keiner Weise wahren, rettenden Glauben in Menschen bewirken können. Das übernatürliche Gnadenwunder des rettenden Glaubens wird vielmehr durch den Heiligen Geist mit Hilfe des Wortes Gottes, des Evangeliums bewirkt, durch ein tiefes inneres Überführtwerden von der göttlichen Wahrheit, das keinerlei äußerer Zeichen bedarf (vgl. Rö. 10,8-13).

Diese Wahrheit wird übrigens bestätigt durch einen Blick ins Alte Testament: Alle gewaltigen Wunderzeichen, die Mose vor dem Pharao und den Ägyptern tat, bewirkten bei diesen keine Umkehr, sondern Verstockung. So furchterregend und beeindruckend die großen Zeichen und Wunder waren, die Gott bei der Verkündigung der Torah, der Weisung an Israel geschehen ließ, so schnell hatte das Volk diese Gottesoffenbarung vergessen und sich dem Götzendienst ergeben. Ob Gott nun Feuer vom Himmel fallen ließ, um den Aufruhr Korachs zu strafen, oder ob Er das Heilungswunder der ehernen Schlange geschehen ließ – das Volk Israel kam dadurch weder zur Umkehr noch zum Glauben.

Auch das so eindrückliche und wahrhaft wunderbare Zeichen, das Elia vor den versammelten Israeliten tat, als Feuer vom Himmel auf sein Opfer herabfiel, um es samt dem Altar zu verzehren, bewirkte nur einen kurzen Moment der Besinnung. Die Israeliten riefen zwar überwältigt aus: “Der HERR, er ist Gott!”, doch schon bald verfiel das Volk wieder in seinen üblen Götzendienst; das Wunder hatte keine wirkliche Umkehr bewirkt. Dagegen tat die heidnische Stadt Ninive Buße auf die schlichte Verkündigung des Jona hin, ohne jegliche Wunderzeichen.

Wunderzeichen in der Evangelisation der Apostelgeschichte

Auch ein Blick in die Apostelgeschichte bekräftigt das bisher Gesagte: In der Evangelisation der Heiden ließ Gott zwar ebenfalls zu Anfang zahlreiche Zeichen und Wunder geschehen zur Bestätigung der göttlichen Sendung von Paulus und Barnabas (vgl. Apg. 15,12), aber die Fälle, die beschrieben werden, stützen keinesfalls die Behauptung, Zeichen und Wunder würden echten Glauben bewirken.

Die wunderbare Heilung eines Gelähmten in Lystra (Apg. 14,8-20) hat nicht den Glauben der Zuschauer zur Folge, sondern Aberglauben: Paulus und Barnabas können mit Mühe verhindern, daß sie als Götter angebetet werden. Als Paulus den Wahrsagegeist der Magd in Philippi austreibt, kommt dadurch niemand zum Glauben, sondern es entsteht eine Verfolgung (Apg. 16,16-24 – hier handelt es sich ohnehin höchstwahrscheinlich nicht um ein Zeichen im eigentlichen Sinn).

Aus Ephesus wird zwar berichtet, daß Gott große Wunderwerke durch Paulus tat, die denen des Petrus (Apg. 5,12-16) stark ähneln und sicherlich die umstrittene Apostelschaft des Paulus bekräftigen sollten (Apg. 19,11f.). Aber nirgends wird berichtet, daß diese Wunder nun etwa eine breite Erweckung ausgelöst oder auch nur eine einzige Seele zur Errettung geführt hätten (ähnlich in Ikonium, Apg. 14,1-7). Dagegen wird in wichtigen Situationen der Evangeliumsverkündigung, wo jeder Anhänger des “Power Evangelism” Heilungen und Wunderzeichen erwartet hätte, wie z. B. bei der Predigt des Paulus in Athen, schlicht und klar das Wort verkündigt – ohne Zeichen und Wunder (Apg. 17,16-34; vgl. auch Apg. 13,42-52; 17,1-4).

Das Wort vom Kreuz braucht keine Zeichen, um die Herzen zu erreichen

Das Wort Gottes stützt also in keiner Weise die Theorie der “Power Evangelism”-Anhänger; es weist die Zeichen und Wunder als zeitlich auf die Apostelzeit begrenzte Bekräftigung Gottes für Seine neue Offenbarung aus, die mit dem Abschluß der Offenbarungen wegfällt, ohne daß dies den Siegeszug des Evangeliums durch die folgenden Jahrhunderte bis heute verhindert hätte.

Überall, wo das Wort Gottes von treuen Boten unter den Heiden verkündigt wurde, kamen zum Glauben, “so viele zum ewigen Leben verordnet waren” (vgl. Apg. 13,48). Es erwies sich immer wieder neu, daß das Evangelium, das Wort vom Kreuz, in Wahrheit Gottes Kraft zum Heil ist jedem, der glaubt (Rö. 1,16; 1. Kor. 1,18). Dieses lebendige, kräftige Wort hat keine begleitenden Schauwunder nötig, um neues Leben in verfinsterten Herzen zu zeugen. Die Kraft des Heiligen Geistes, die dieses viel größere Wunder tut, ist unsichtbar, wirkt im Unsichtbaren und richtet die Aufmerksamkeit der Menschen gerade nicht auf das Sichtbare, auf das Schauen, sondern auf die unsichtbare Wirklichkeit des lebendigen Gottes und Seines Christus in den Himmeln (vgl. 2. Kor. 4,18 u. 2. Kor. 5,7; Hebr. 11,1; 1. Petr. 1,8f.).

b) Das geoffenbarte Gotteswort und das Ende der Wunderzeichen

Wir sehen, daß Gott die Wunderzeichen von vorneherein nicht dazu gegeben hat, um den Widerstand der Menschen zu überwinden und ihr Herz für das Evangelium zu öffnen. Das ist nicht der Sinn der Wunderzeichen, und das haben sie auch nirgends bewirkt. Sie sollten die Botschaft und die Botschafter als von Gott gesandt ausweisen. Aber die Zeichen selbst bewirkten nicht rettenden Glauben, sondern das kräftige Wort vom Kreuz, die Inhalte der Evangeliumsbotschaft, die der Heilige Geist im ganzen Zeitalter der Gnade gebraucht, um Menschen von ihrer Sündhaftigkeit und Verlorenheit zu überführen und ihnen Jesus Christus als Herrn und Retter zu offenbaren. “Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort” (Rö. 10,17 – Elb).

Wer behauptet, die Evangeliumsverkündigung habe ständig Wunderzeichen nötig, um wirksam und durchschlagend zu sein, der verleugnet die Kraft von Gottes Wort und die gesamte Lehre, die die Schrift über die Wirksamkeit des Evangeliums gibt. Das Evangelium, und nicht ein Wunderzeichen, ist “Gottes Kraft zur Rettung für jeden, der glaubt” (Rö. 1,16 – Sch; vgl. 1. Kor. 1,18). Die Verkündigung dieses Wortes in der Kraft des Geistes war das Mittel, durch das Gott über 1900 Jahre Seine Gemeinde herausgerufen und gebaut hat – ohne Wunderzeichen. Es war und ist lebendig und kräftig, es schneidet und dringt durch die Herzen der Menschen, und bei denen, die durch Gottes Gnade berufen sind, bewirkt es rettenden Glauben.

Als der Herr ankündigte, daß die Apostel nach Seiner Aufnahme in den Himmel größere Werke tun würden, als Er getan hatte (Joh. 14,12), da meinte Er nicht etwa größere Wundertaten. Tatsächlich vollbrachten die Apostel, soweit die Schrift uns berichtet, keine größeren Wundertaten als der Herr. Er meinte damit die Verkündigung des lebendigen Gotteswortes in der Kraft des Heiligen Geistes, die geistlich tote Menschen zur Neugeburt aus Gott bringt. Dieses geheimnisvolle und anbetungswürdige Wunder Gottes ist wahrhaft größer als alle Wunderzeichen – und der Herr hat es niemals in Seinem irdischen Dienst vollbracht, weil der Geist der Sohnschaft, der die Wiedergeburt bewirkt, erst nach Seiner Verherrlichung ausgegossen werden konnte. Als Petrus zu Pfingsten die Botschaft des auferstandenen Christus verkündigte und 3.000 Menschen gläubig wurden, erfüllte sich diese Verheißung des Herrn zum ersten Mal.

Die Zeugnisfunktion der apostolischen Zeichen aber ist in das geoffenbarte Wort Gottes mit hineingenommen. Gott hat einige der Wunderzeichen, die Er wirkte, um Seinen Sohn und die Apostel zu beglaubigen, in der Bibel aufschreiben lassen, so daß jeder, der das Wort Gottes liest und hört, erkennen kann, daß Jesus Christus wahrhaftig Gottes Sohn ist. Das sagt uns die Schrift selbst in Joh. 20,30f.: “Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.”

Diejenigen Zeichen, die die Botschaft und den Botschafter beglaubigen sollen, sind im Wort enthalten. Dieses Wort reicht nach seinem klaren Selbstzeugnis völlig aus, um Menschen zum Glauben an Christus zu führen. Gott will dazu keine neuen Zeichen geben; die Zeichen, die niedergeschrieben sind, erfüllen diesen Zweck vollkommen. Was tun wir, wenn wir Gottes Ratschluß und Offenbarung mißachten und uns nach Wunderzeichen ausstrecken, die letztlich von Gottes Wort ablenken und seine Kraft verleugnen?

c) Zeichen und Wunder in der Endzeit

Noch ein weiterer Gesichtspunkt fällt dem nüchternen Bibelleser auf: In den Aussagen der Bibel über die Endzeit, die Zeit kurz vor der Wiederkunft Jesu Christi, werden keine großangelegten und öffentlichen Kraftoffenbarungen Gottes durch Seine Gemeinde angekündigt, sondern vielmehr Niedergang (vgl. 2. Tim. 3,1-5; 4,3f.), Abfall (2. Thess. 2,3; 1. Tim. 4,1), Verführung (1. Tim. 4,1; 2. Thess. 2,11; 2. Tim. 3,13) und Verfolgung (2. Tim. 3,12; 2. Thess. 1,4). “Du hast eine kleine Kraft”, sagt der Herr zu Philadelphia, der Gemeinde der endzeitlichen Überwinder (Offb. 3,8). Sie sind nicht durch Wunderkräfte gekennzeichnet, sondern durch Heiligung im Wandel (Offb. 3,4), durch Treue in Verfolgungen (Offb. 2,10) und durch glaubenswache Bewahrung des Wortes Gottes vor aller Verführung (Offb. 3,8; vgl. Jud. 3).

Dagegen hören wir, daß der Widersacher in der letzten Zeit sein Werk der Lüge und Verführung immer wirkungsvoller und stärker betreiben wird. Hierzu finden sich grundlegende Aussagen in 2. Thess. 2,1-12. Paulus spricht von der Offenbarung des Antichristen, des “Menschen der Sünde”, der sich einmal in den Tempel Gottes setzen wird, und sich selbst als Gott erklärt (V. 3f. – Sch). Und wie weist sich der Antichrist als Gott aus? Seine Ankunft wird “gemäß der Wirksamkeit des Satans” erfolgen, “mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge” (V. 9f.).

Hier finden wir wieder die drei Begriffe dynameis, sèmeia und terata, wie in Hebr. 2,4. Doch mit einem wesentlichen Unterschied: Zu Anfang, in der Apostelzeit, war es Gott, der die Offenbarung Seiner Wahrheit durch göttliche Zeichen, Wunder und Machttaten bekräftigte. Am Ende dagegen ist es der Satan, der seine Verführung durch falsche, lügnerische Zeichen, Wunder und Machttaten bekräftigen wird!

Nun spricht die angeführte Stelle unmittelbar von der direkten Ankunft des Antichristen auf Erden, die zweifellos einen kaum vorstellbaren Gipfelpunkt der Verführungskünste Satans darstellen wird (vgl. dazu die Worte in Offb. 13,1-18). Aber der falsche Prophet, der wie der Antichrist selbst große Zeichen tut (Offb. 13,13) und die Geister von Dämonen, die ebenfalls Zeichen tun (Offb. 16,14) – alle diese antichristlichen Verführungsmächte kommen nicht aus heiterem Himmel.

Die Verführung wird vom Feind von langer Hand vorbereitet bis zu diesem schaurigen Höhepunkt hin. Das wird in der Bibel bezeugt; in 2. Thess. 2,7 erklärt Paulus: “Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon an der Arbeit, nur muß der, welcher jetzt aufhält, erst aus dem Wege geschafft werden; und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden (…)” (Sch). Im Verborgenen sind die antichristlichen Verführungsmächte also schon seit der Apostelzeit wirksam; ihr Wirken steigert sich, je näher wir dem Ende kommen, wovon wir alle Zeugen sind.

Der Apostel Johannes warnt daher uns alle: “Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind, denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen” (1. Joh. 4,1). Der Geist des Antichrists ist in ihnen wirksam (V. 3); ja, Johannes nennt solche Verführer selbst “Antichristen”: “Kinder, es ist die letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, daß der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen aufgetreten; daher wissen wir, daß es die letzte Stunde ist” (1. Joh. 2,18).

Die letzte Zeit wird also gekennzeichnet sein von falschen Propheten, die große Zeichen und Wunder tun und viele verführen werden (Mt. 24,1-28; Mk. 13,22f.), von solchen, die einmal sagen werden: “Herr, Herr! Haben wir nicht (…) durch deinen Namen viele Wunderwerke getan?” (Mt. 7,22). Die Mahnung des Herrn gilt indirekt auch uns allen: “Ihr aber sehet euch vor! Siehe, ich habe euch alles vorhergesagt” (Mk. 13,23 – Sch) – ein Wort, das wir gerade heute beherzigen sollten, wie auch das ernste Wort in V. 37: “Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!”
Gott ließ Seine echten Wunderzeichen mit Ende der apostolischen Offenbarung der Schrift aufhören, um die Einmaligkeit und göttliche Autorität des Wortes der Heiligen Schrift gegenüber allen anderen Worten zu sichern und die Grenze zwischen Gotteswort und Menschenwort zu befestigen. Der Satan jedoch führt in der Endzeit zunehmend falsche Zeichen und Wunder ein, um seine gefälschten Offenbarungen, seine Verführungsworte unter dem Deckmantel scheinbar göttlicher Beglaubigung in die Christenheit hineinzuschmuggeln.

Das echte Wort Gottes, das Wort der Wahrheit, braucht keine neuen Wunderzeichen zu seiner Beglaubigung mehr. Es hat seine Autorität und rettende Kraft auch ohne Zeichen zur Genüge bewiesen. Aber der Verführer, der angebliche göttliche Neuoffenbarungen, ein anderes Evangelium und einen anderen Jesus verkündigen läßt, rüstet seine Werkzeuge mit Wunderkräften aus, damit sie Zeichen und Wunder der Lüge tun, um viele in die Irre zu führen. Das ist die biblische Perspektive für die Zeichen und Wunder in der Endzeit.

5. Die Zeichen und Wunder der Charismatischen Bewegung

Wenn wir die “Zeichen und Wunder”, die in der Charismatischen Bewegung auftreten, nun im Licht des Wortes Gottes prüfen, erkennen wir, daß sie keine gottgewirkten Kundgebungen sind, sondern Zeichen und Wunder des Betruges, Teil einer raffinierten Verführung. Es sind Nachahmungen der apostolischen Wunderzeichen, die viele ungefestigte Christen täuschen können, aber ihr falsches, irrgeistiges Wesen kommt bei genauer Prüfung doch zutage.

Kennzeichen der gefälschten charismatischen Wunderzeichen

1. Die Zeichen und Wunder, die der Herr Jesus und seine Apostel taten, waren klare, machtvolle, unbestreitbare Wirkungen Gottes, die vor aller Augen geschahen und fast immer sofort und vollkommen in Erscheinung traten. Auch die schärfsten Gegner des Herrn konnten Seine Heilungen nicht bestreiten. Die falschen Zeichen heute sind dagegen schillernd, umstritten, oft nicht eindeutig beweisbar. Das gilt besonders von den zahlreichen und stark hervorgehobenen “Heilungswundern”. Sie betreffen meist funktionelle Störungen und psychosomatische Krankheiten; in vielen Fällen geschieht die Heilung nur teilweise, nicht auf Dauer bzw. nicht nachprüfbar.

Die charismatische “Wunderheilung” ist in der Regel auf Suggestion aufgebaut – die meisten “Heilungsgottesdienste” finden in einer sorgfältig manipulierten Atmosphäre statt, die auf einer medialen Gleichschaltung aller Beteiligten beruht. Bisweilen bekennen die “Heiler”, daß schon wenige Anwesende, die skeptisch sind, die “Kraft” blockieren können. Mit solchen Methoden erzielen auch weltliche Ärzte und Spiritisten “Erfolge” – der Herr Jesus aber vollbrachte seine Wunder in souveräner Autorität, angesichts zahlreicher ungläubig-ablehnender Zuschauer. Er war nicht von den Künsten einer “Lobpreisgruppe” abhängig. Die Heilungen, die Er wirkte, waren sofort und eindeutig wirksam und von allen überprüfbar und anerkannt.5

2. Ein großer, wohl der überwiegende Teil der heutigen “Zeichen und Wunder” geschehen vor Gläubigen und an Gläubigen (oder zumindest solchen, die sich zu Christus bekennen). Die biblischen Zeichen dagegen waren an Ungläubige gerichtet und wurden vor den Augen Ungläubiger ausgeführt – in Übereinstimmung mit der Funktion eines Zeichens. Nirgends in den Evangelien wird berichtet, daß der Herr Jesus einen Gläubigen geheilt hätte – von Dämonenaustreibungen an Gläubigen ganz zu schweigen. Die zeichenhaften Heilungen geschahen an Ungläubigen, ebenso wie auch Dämonenaustreibungen. Alle diese Zeichen hatten das Ziel, Ungläubigen sichtbare Beweise der Gottessohnschaft Jesu zu geben – die, die Seinem Wort bereits geglaubt hatten, hatten das innere Zeugnis dieser Gottessohnschaft und benötigten keine Zeichen.

Die falschen, verführerischen “Zeichen und Wunder” richten sich vorwiegend an Gläubige, weil der Satan sie durch große Schauwunder vom Wort Gottes und dem schlichten, einfältigen Glauben an Jesus Christus ablenken will, damit sie einem anderen Jesus anhängen und sich einem anderen Geist öffnen (vgl. 2. Kor. 11,1-4). So werden Gläubige verleitet, bei charismatischen “Heilern” Hilfe zu suchen, anstatt den biblisch gewiesenen Weg der Buße und des Gebets nach Jak. 5,13-16 zu gehen. Das ist Verführung, und die angebliche “Gabe der Heilung” ist eine dämonische Fälschung der ursprünglichen, echten “Gnadengaben der Heilungen”, die als Zeichengaben für Ungläubige in der apostolischen Zeit wirksam waren. Es mag sein, daß einige auf diese Weise “geheilt” werden – aber die Quelle dieser Heilung ist nicht Gott, sondern der Widersacher, und sie wird ebensowenig gute geistliche Früchte bringen wie die Heilung durch einen Geistheiler ohne “christliche” Tarnung.

Durch seine gefälschten Zeichen und Wunder will der Satan Gläubige dazu bringen, sich vom lauteren Glauben wegzuwenden, hin zu einem Schauen auf falsche Offenbarungen, vom geoffenbarten Wort zu den trügerischen “Kraftwirkungen” der dämonischen “Macht”, damit er mit seinem falschen Geist Einfluß auf sie nehmen kann und sie seinen betrügerischen Offenbarungen mehr vertrauen als dem Wort des Herrn. Von solchen Aktivitäten redet der Apostel Paulus: “Oh ihr unverständigen Galater! Wer hat euch verzaubert, daß ihr der Wahrheit nicht gehorcht, denen Jesus Christus als unter euch gekreuzigt vor die Augen gemalt worden war?” (Gal. 3,1 – revSch) und: “Wer hat euch aufgehalten, daß ihr der Wahrheit nicht gehorcht? Die Überredung kommt nicht von dem, der euch berufen hat! Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig. (…) Wer euch aber verwirrt, der wird das Urteil tragen, wer er auch sei” (Gal. 5,7-10 – revSch).

3. Auch die z. T. reißerisch zur Schau gestellten Wunder der pfingstlich-charismatischen “Evangelisten”, wie etwa Reinhard Bonnke, die an Ungläubigen und vor Ungläubigen geschehen, sind deshalb noch nicht echt. Nicht nur die Tatsache, daß die echten Zeichen nach Gottes Willen aufgehört haben, beweist das. Ihre Praxis weicht so deutlich von den in der Schrift bezeugten Wunderzeichen ab, daß dies alle einigermaßen klar sehenden Gläubigen Aufschluß über ihre Herkunft geben sollte.

Im “Heilungsdienst” dieser “Evangelisten” sind deutlich suggestiv-irrgeistige Elemente erkennbar: aufpeitschende, manipulative Parolen, massenhaftes Auf-den-Rücken-Fallen, Anwendung von Hellseherei bei Heilungen (“Wort der Erkenntnis”), angeblich göttliche “Kraftströme” und Wärmeempfindungen bei Heilungen, hysterisches Schreien, krampfartige Bewegungen und dämonische Aktivitäten. Der wache, geistlich nüchterne Gläubige kann erkennen, aus welcher Quelle diese “Heilungen” kommen; sie haben unübersehbare Ähnlichkeit mit spiritistischen Geistheilungen.

Die gefälschten Zeichen bekräftigen eine verführerische Botschaft

Ein Merkmal haben die falschen charismatischen Zeichen und Wunder mit den echten, biblischen gemeinsam: Auch sie dienen dazu, eine Botschaft und ihre Botschafter zu legitimieren. Doch die beunruhigende Wahrheit, die viele Christen nicht annehmen können, weil sie den Ernst der Endzeit nicht verstehen, ist: Diese irreführenden Zeichen und Wunder dienen der Bekräftigung eines anderen, eine gefälschten Evangeliums, dessen Konturen (Selbstverwirklichung, Power, Erfolg, Reichtum) immer deutlicher hervortreten.

Sie propagieren einen anderen Jesus als unseren gekreuzigten und auferstandenen Herrn, eine spiritistische Fälschung, die hinzielt auf die schließliche Offenbarung des Anti-Christus. Und sie dienen dazu, fleischliche, ungefestigte Gläubige zu öffnen für einen falschen, verführerischen Geist, den Geist des Antichristen, der sich fromm und christlich tarnt. Andererseits ziehen sie auch manche Menschen an, denen es um Kraft, um sensationelle Wunder an sich geht, wie einst Simon der Zauberer, und deren “Bekehrung” nicht auf dem wahren Wort Gottes, sondern auf verführerischen Zeichen beruht und ebenso trügerisch ist wie sie.

Wenn heute Heilungswunder so stark betont werden, dann sollten wir bedenken, daß einmal ein Heilungswunder die ganze Welt verführen und zur Satansanbetung bringen wird. Im Buch der Offenbarung lesen wir über das siebenköpfige Tier, das aus dem Meer stieg: “Und ich sah einen seiner Köpfe wie zum Tod geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde staunte hinter dem Tier her. Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tier gleich?” (Offb. 13,3f.).

Die Vorläufer und Anfänge dieser antichristlichen Verführungszeichen und irreführenden Wunderkräfte sehen wir heute inmitten der Gemeinde aufkommen. Möge der Herr uns Gnade, Wachsamkeit und Lauterkeit des Herzens geben, daß wir den Betrug durchschauen und uns von der raffinierten Täuschung nicht blenden lassen! Auch heute noch ist gültig, was der Evangelist Wilhelm Busch, dessen Dienst ganz ohne “Zeichen und Wunder” vielen Menschen in Deutschland zum bleibenden Segen wurde, über den pfingstlerischen “Wunderheiler” Hermann Zaiß schrieb:

“Die gläubige Gemeinde hat in den letzten Jahrzehnten nie mehr eine solch schwere Bedrohung erfahren wie durch diese Pfingstbewegung. (…) Die Brüder haben damals in den Stürmen jener Zeit zweierlei gelernt:
1) Der Teufel kann sich verstellen in einen Engel des Lichts, wie die Bibel sagt. Es kann also geschehen, daß eine Bewegung den Namen ‘Jesus’ rühmt und doch einen ‘fremden’ Geist, ein ‘fremdes’ Feuer (3. Mose 10) hat.
2) Wunder beweisen nichts. Denn nach Offenbarung 13,13 tut auch der Geist aus dem Abgrund Wunder. (…)
Nun steht diese Bewegung wieder auf und bringt abermals Verwirrung unter die Gläubigen. Nein! Mit diesem Geist wollen wir nichts zu tun haben. (…) Unser Herz schreit nach einer Erweckung. Aber nicht auf diesem Weg der alten, wieder neu aufgelegten Pfingstbewegung. Nein! Auf diesem Wege nicht!”7

 
Anmerkungen

1    Über die biblische Rolle von Zeichen und Wundern sind einige sehr lesenswerte Schriften erschienen, die das Thema kurz und prägnant aus biblischer Sicht behandeln. Eine erste Einführung gibt die Broschüre von J. C. Whitcomb, Möchte Gott, daß Christen heute Wunder wirken? Ausführlicher ist das Buch von B. Peters, Zeichen und Wunder, das inzwischen in neuer Bearbeitung unter dem Titel Sollte Gott etwas unmöglich sein? erschienen ist. Wertvolle Einsichten vermittelt auch die Schrift von H. L. Heijkoop, Gebetsheilungen, Zungenreden, Zeichen und Wunder im Lichte der Schrift. Sie alle sowie auch das Buch von R. Mayhew, Divine Healing Today, gaben Anregungen für das folgende Kapitel.

2    Vgl. J. Wimber/K. Springer, Vollmächtige Evangelisation. Zeichen und Wunder heute. Speziell zu dieser Lehre vgl. W. Bühne, Dritte Welle … gesunder Aufbruch?

3    Vgl. Wimber/Springer, aaO, S. 45.

4    Vgl. hierzu den Anhang bei Whitcomb, S. 40-42, mit Zitaten von “Kirchenvätern” und frühen christlichen Autoren, die dies belegen. Vgl. auch MacArthur, Charismatic Chaos, S. 106-127 und Peters, Zeichen und Wunder, S. 46-50.

5    Hierzu hat MacArthur, Charismatic Chaos, S. 194-219 viele wichtige Beobachtungen aus dem charismatischen “Heilungsdienst” zusammengetragen und biblische Argumente angeführt. Wichtig auch A. Seibel, Die sanfte Verführung der Gemeinde, S. 49-82.

6    Vgl. auch hierzu MacArthur und Seibel, aaO. Es ist daher keineswegs ein Ausrutscher, wenn John Wimber in seinem Buch Vollmächtige Evangelisation (S. 147-171) unter der Überschrift “Zeichen und Wunder in der Kirchengeschichte” als Zeugen für göttliche Wunderzeichen u.a. nennt:
*  den “Kirchenvater” Tertullian, der sich der schwarmgeistigen Sekte der Montanisten anschloß;
*  den “Kirchenvater” Augustin, der mit der Aussage zitiert wird: “Die Wahrheit ist, daß auch heute noch im Namen Christi Wunder getan werden, manchmal durch seine Sakramente [!] und manchmal durch die Fürbitte bei den Reliquien der Heiligen [!!].” Hier wird bedenkenlos die bereits in die katholische Kirche eingedrungene fromme Magie der Sakramente und Reliquien als göttliches Heilungswunder ausgegeben.
*  die “Heilige” Colette von Corbi, die angeblich Tote auferweckt haben soll;
*  die “Heilige” Theresa von Avila, eine Mystikerin, die zahlreiche Erscheinungen (u.a. eines blutenden Christus), ekstatische Zustände und spiritistische Phänomene erlebte;
*  den Mystiker und fanatischen Christenverfolger Ignatius von Loyola, der, obwohl ihn Wimber unbefangen neben Luther stellt, überall die Wahrheit des Evangeliums und die wahren Gläubigen bekämpfte und die Ausbreitung der antichristlichen Finsternis der katholischen Irrlehre über ganze Landstriche, wie z. B. Österreich, auf dem Gewissen hat. Ignatius war aber auch “Charismatiker” von hohen Graden, der zahlreiche Visionen (oft von Maria!) und spiritistische Erscheinungen erlebte.
Daß Wimber unbekümmert die betrügerischen “Wunder” aus der katholischen Kirchengeschichte und die Erlebnisse okkult gesteuerter Mystiker als echt darstellt – er scheut sich nicht einmal, die dämonischen Marienwunder von Lourdes als göttlich zu bezeichnen! – beweist die irrgeistige Inspiration, der er selbst erlegen ist. In der Tat: Die betrügerischen Zeichen und Wunder der charismatischen Bewegung stehen ganz in der Tradition der verführerischen Wunder der katholischen Kirche – sie stammen aus derselben dämonischen Quelle. Auch sonst hat ja die Charismatische Bewegung einen eindeutigen Zug zur katholischen Kirche und zur “Ökumene”. Zur katholischen Mystik vgl. die wichtigen Ausführungen von R. Holzhauer, Erleuchtung aus dunklem Hintergrund, bes. H. 1 u. 2.

7    W. Busch, “Was halten Sie von Zaiß?”, in: Licht und Leben 2/1957, S. 30f. In diesem redaktionellen Artikel nahm der Schriftleiter Wilhelm Busch Stellung zu dem schwarmgeistigen “Heilungsevangelisten” und Begründer der “Ecclesia”-Gemeinden Hermann Zaiß, dessen Aktivitäten damals einige Gläubige faszinierten und verunsicherten, und der in manchem ein Vorläufer der “charismatischen Aufbrüche” in Deutschland war.

In schlichten, ernsten Worten warnt Wilhelm Busch vor diesem Mann: “Ja, nun muß ich reden, wenn ich nicht – wie die Bibel es nennt – ein ‘stummer Hund’ sein will. Es ist so schwer, zu warnen vor Menschen, die den Namen Jesus verkündigen. Aber es muß sein. Wenn heute eines meiner Kinder schwer krank wäre und würde mich bitten: ‘Laß mich doch in eine Versammlung von Zaiß gehen und dort Heilung suchen!’, dann würde ich dies Kind von ganzem Herzen, ja unter Tränen anflehen: ‘Geh nicht dorthin!'” Er schließt seinen Artikel mit den Worten: “Solange Hermann Zaiß auf seinem jetzigen Weg beharrt, können wir nur um des Gewissens willen warnen, mit der ganzen Leidenschaft unseres Herzens warnen vor Zaiß und seiner Bewegung.” Wie sehr unterscheiden sich die Worte dieses gereiften Dieners des Herrn in ihrem Ernst und ihrer Eindringlichkeit und Klarheit von der Stellung vieler heutiger “Evangelikaler”, die sich der Charismatischen Bewegung zunehmend öffnen und sich inzwischen weit von den biblischen Grundsätzen der “Berliner Erklärung” entfernt haben.

Einfügungen in eckigen Klammern [] stammen vom Verfasser. Die Abkürzungen hinter Bibelzitaten beziehen sich auf verschiedene Übersetzungen: Sch = Schlachter, revSch = revidierte schlachter 2000, Me = Menge, Lu12 = Luther 1912, Zü – Zürcher, EÜ = Einheitsübersetzung, Elb = nichrevidierte Elberfelder Bibel. Wo der Verfasser eine eigene Übersetzung angeführt hat, steht eÜ. Alle übrigen Bibelzitate sind der revidierten Elberfelder Bibel entnommen.

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Bearbeiteter Auszug aus dem Buch des Verfassers “Die Charismatische Bewegung im Licht der Bibel”,
Christliche Literatur-Verbreitung, Postfach 11 01 35, 33661 Bielefeld, 672 S., Gb., 1. Aufl. 1995.

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