1

Scientology (S.Leuenberger)

Dr. Samuel Leuenberger

 

Scientology

 

I. Um was es bei Scientology geht

Scientology ist eine durch Lafayette Ronald Hubbard um die Mitte dieses Jahrhunderts ins Leben gerufene Organisation von konzernartigem Charakter. Wir könnten auch von einer gigantischen amerikanischen Kursangebotsorganisation sprechen, die sich das Ziel steckt, durch Psychotechniken wie Gruppendynamik und Science Fiction artigen Programmen diese Erde von all ihren Problemen zu sanieren. Doch diese anvisierten Ziele scheinen eher ein Vorwand zu sein. Die wichtigste Sache für diese Organisation sind die Moneten.

Jedem, der die Kurse besucht, verspricht Scientology sogenannte «mentale Gesundheit». Diese Wissenschaft von Scientology vermag angeblich jegliches mit psychischen Komplexen verbundene Problem zu lösen. Scientologen sind davon überzeugt, sämtliche im Menschen drinnen schlummernden und somit brachliegenden Fähigkeiten aktivieren und das Maximum an Selbstverwirklichung herausholen zu können. Scientology betrachtet sich als einzige Organisation, die zur Sanierung unseres Globus fähig ist.

 

II. Der Gründer und seine «Kirche»

Ronald Hubbard wurde als Einzelkind 1911 im Staat Nebraska geboren. In Scientology Kreisen sind verschiedene voneinander abweichende Biographien im Umlauf. Eine Gemeinsamkeit weisen sie alle auf: Sie lassen Hubbard gross herauskommen und stellen ihn als ausserordentlich begabten Menschen dar, als einen noch nie dagewesenen «Allround Man». Die meisten Lebensdarstellungen behaupten, Hubbard sei Sohn eines Fregattenkapitäns gewesen und habe bereits im Alter von zwölf Jahren viele der grossen Klassiker der Weltliteratur gelesen. Als Sohn eines in der US Navy im Dienst gestandenen Vaters sei Ronald in den Fernen Osten gekommen, wo er bereits im Alter eines Teenagers Asienreisen unternommen und Klö¬ster aufgesucht habe. Dort hätten ihn hinduistische und buddhistische Mönche über die Herkunft und das Ziel des Menschen orientiert. Als Neunzehnjähriger habe er mit seinem Studium an der George Washington University begonnen und am Columbia College seine Ausbildung in Mathematik und technischen Wissenschaften fortgesetzt. An der Sequoia University sei ihm der Doktorgrad in Philosophie verliehen worden. Die Fakten liegen aber anders. Hubbard hat diese Reisen zu den Mönchen im Fernen Osten nie unternommen. Die Universitätsakten zeigen, dass er in keinem akademischen Fach je einen Abschluss gemacht hat. Den Doktortitel erwarb er sich käuflich. Aus seinem Privatleben wissen wir, dass er sich zweimal scheiden ließ. 1952 heiratete er seine dritte Frau.

Nach den Biographien der Scientologen soll Hubbard grosse Expeditionen zur Erforschung der Mineralien in Westindien und Puerto Rico unternommen haben. Man preist ihn aber auch wegen seinen angeblichen Errungenschaften im Flugwesen.

In den Vierzigerjahren begann Hubbard mit der Abfassung von Science Fiction Erzählungen. Ruhm erwarb er sich durch seinen Roman The Fear. In den Science Fiction Erzählungen kommt viel Okkultes vor wie das magische Keltenschwert «Excalibur», schamanistische Dämonenvorstellungen sowie Voodoo Magie.

Die Biographien heben u.a. hervor, er habe sich im Zweiten Weltkrieg als Offizier einer US Flotte verdient gemacht und sich auch Erfahrungen als Besatzungsmitglied in Unterseebooten gesammelt. Bei einem Manöver sei er so ernst verwundet worden, dass er gelähmt wurde und erblindete. Dank dem von den indischen und chinesischen Mönchen erworbenen Wissen habe er sich selber zu heilen vermocht und nun sei es für ihn möglich gewesen, aus den Kenntnissen östlicher Philosophie und dem Wissen aus der Kernphysik ein System zu entwickeln, mit dem der Mensch sein Potential voll ausnützen könne. Dieses System ist in seinem Buch Dianetics dargestellt, das zu einem Bestseller geworden ist. Unter Dianetics versteht Hubbard die Wissenschaft vom richtigen Erkennen.

Akten der US Navy belegen, dass Hubbard nie Offizier in der US Flotte gewesen ist und auch keine Kampfmedaillen erhalten hat, wie das Biographen der Scientology Sekte behaupten. Aus den Akten geht weiter hervor, dass Hubbard nie verletzt worden ist, jedoch wegen einer Magenerkrankung ins Spital musste.

Um die «Scientology Church» und ihre Machenschaften besser verstehen zu können, ist es unerlässlich, auf den okkulten Hintergrund von Hubbard hinzuweisen.

Der wahrscheinlich bedeutendste englische Magier, Aleister Crowley, hat sich als das Tier 666 bezeichnet. Crowley baute mit Theodor Reuss zusammen die Geheimgesellschaft «Ordo Templi Orientis» (OTO) weiter aus. Er verfasste für diesen «orientalischen Templerorden» ein satanisches Messritual, dessen Kernsatz folgendermaßen lautet:

«Tue was du willst, soll sein das ganze Gesetz. Ich glaube an die Schlange und den Löwen, Geheimnis der Geheimnisse, und sein Name ist Baphomet.»

In unserem Zusammenhang ist es von Bedeutung, dass Hubbard 1945 mit dem kalifornischen Zweig des «Orientalischen Templerordens» Kontakt aufgenommen hat. In dieser okkulten Gesellschaft begann sich Hubbard eingehend mit magischen Praktiken zu beschäftigen. Ideen in Richtung Science Fiction wurden durch die Beschäftigung mit der Magie stark gefördert. Für Hubbard war es klar, dass die Scientology Church mit magischem «know how» aufgebaut werden soll. Das Symbol für die Scientology Church hat er vom Orientalischen Templerorden übernommen. Dieses sieht folgendermassen aus: Die Balkenenden des Kreuzes laufen in drei kleine ausgebuchtete Rundungen aus. Lange gleichschenklige Dreiecke ergänzen das Kreuz, indem sie wie Strahlen vom Kreuzungspunkt der beiden Querbalken ausgehen.

Hubbard hat Scientology nie als Religion verstanden. Trotzdem bezeichnete er diese Ideologie als «Church». Er war ein mit allen Wassern gewaschener Finanzmagnat, der genau wusste, dass ein System in der äusseren Verpackung einer Kirche in den angelsächsischen Ländern vom Staat den Status der Steuerfreiheit erhält. Um nach aussen den Leuten den Eindruck einer Kirche und Religion zu vermitteln, hat Hubbard mit der Zeit einen geistlichen Stand eingeführt, der die für fast alle Konfessionen Amerikas generelle Amtstracht trägt, nämlich das schwarze Hemd und den weissen Kragen.

Um eine Kirche handelt es sich keinesfalls. Scientology ist eine quacksalberische Psychotechnik, um angeblich das menschliche Bewusstseinspotential ins Unermessliche steigern zu können. Dazu braucht es Gott nicht. Der Mensch soll sein eigener Gott sein und alles in eigener Regie zustande bringen. Man kann nicht von einer Theologie sprechen, jedoch von einer Anthropologie, deren Zentrum die Erkenntnis-, Verstehens- und Bewusstseinslehre ist, eine Art Epistemologie. (Mit ‘Erkenntnistheorie’ oder ‘Epistemologie’ ist die Theorie der Methode des Erkennens gemeint. Francis Schaeffer, «… und er schweigt nicht», 1975, S. 41).

Die wichtigsten Elemente der Scientology Church sind im Hauptwerk Hubbards zu finden, das er 1948 verfasst und 1950 neu überarbeitet hat. Es handelt sich um den bereits erwähnten Bestseller «Dianetics», der innerhalb von kurzer Zeit eine Auflage in Millionenhöhe erreicht hat. Unter Dianetik versteht man die moderne Wissenschaft von der geistigen Gesundheit. Die Scientologen preisen einem das Buch mit dem Versprechen an, der Mensch lerne darin die Anatomie des Geistes kennen und er werde durch einfache Methoden die Wurzeln aller psychosomatischen Erkrankungen heilen können.

Nur wenige Jahre nach der Überarbeitung dieses Bestsellers, nämlich 1954, fand die Gründung der ersten Scientology Church statt. Eine wichtige Fortsetzung des Buches «Dianetik» sind jene 1954 in Phoenix/Arizona gehaltenen Referate, in denen Hubbard die Axiome von Scientology systematisch dargestellt hat. In einem Sammelband sind diese Referate unter dem Titel Die Vorträge von Phoenix erhältlich.

Gegen Ende der Fünfzigerjahre hat Hubbard die luxuriöse Villa eines Inders in Saint Hill Manor in Sussex/England erworben. Dort arbeitete er besonders an Ausbildungstechniken für Studenten. Er versprach, er könne mit Hilfe dieser Techniken den Studenten dazu verhelfen, vor Misserfolg bewahrt zu bleiben. In diesem Zusammenhang entstanden weltweit «Research Foundations» (wissenschaftliche Forschungszentren), wobei mit «weltweit» Länder und Kontinente westlicher Zivilisation gemeint sind. Viele der Gründungen mussten wieder aufgehoben werden, weil kriminelle Machenschaften vor allem in finanzieller Hinsicht vorgefallen waren. Verschiedene Länder wie Australien, Grossbritannien, das ehemalige Rhodesien u.a. haben Hubbard die Einreise verboten. Wegen dieser Scientology gegenüber verfügten Sanktionen sah er sich gezwungen, eine Terror Organisation gegen die Kritiker von Scientology ins Leben zu rufen. Es handelt sich um das «Guardian Office», eine Art Wächterbüro. Zu diesem 1966 gegründeten Sicherheitsdienst kam 1967 eine weitere Struktur. Es handelt sich um einen bruderschaftsartigen Zusammenschluss von ca. 1000 Personen, die sich ursprünglich auf mehrere Schiffe verteilt hat. Deshalb spricht man von der «Sea Organisation». Diese Organisation bildet die Spitze der vollzeitlichen Mitarbeiter und ist als eine Art Elitetruppe zu verstehen. Von einem «Apollo» genannten Schiff aus, das nicht lokalisierbar war, leitete Hubbard mit seiner Sea Organisation zusammen das Scientology Unternehmen. Scientology umfasst noch weitere Organisationen, die Hubbard stufenmässig klassifiziert hat.

Zur Organisationsklasse 1 gehörten ursprünglich die direkt von Schiffen aus betriebenen Missionen, die als «Flag Organisations» bezeichnet werden. Zu den «Advanced Organisations» gehört die Organisationsklasse II, die für Fortgeschrittene bestimmt ist. Die Organisationsklasse II und die St. Hills Organisations als Organisationsklasse III bilden überregionale Hauptquartiere, die der Verbreitung der Scientology Arbeit dienen. Diese überregionalen Hauptquartiere befinden sich in Clearwater/Florida, Los Angeles, Saint Hill Manor/England und in Kopenhagen. Die «Scientology Churches» gehören der Organisationsklasse IV an, auch Orgs genannt. Innerhalb dieser vier Klassenstufen gibt es sieben Hauptabteilungen mit je drei Unterabteilungen, wobei die Abteilung 7 allen anderen vorgesetzt ist.

Abteilung 7 besteht aus der Kirchenleitung mit dem Direktor. Die Abteilung 1 ist zuständig für Personalfragen, Abteilung 2 enthält das Ressort für Verbreitung und Werbung, Abteilung 3 beschäftigt sich mit den Finanzen, Abteilung 4 ist zuständig für Produktion und technische Dienstleistungen, Abteilung 5 ist verantwortlich für Korrekturen und Verbesserung der Qualität des Personals, der Abteilung 6 ist die Verantwortung für die Expansion der Scientology übertragen.

In organisatorischer Hinsicht hat Ron Hubbard ein kolossales Werk zustande gebracht. Doch musste sich sein Werk derart harte Kritik vor allem auch von politischen Gremien gefallen lassen, dass Hubbard sich verbittert aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.

 

III. Die wichtigsten Elemente von Scientology

A. Anthropologie

1. Der Thetan

Scientology vertritt eine eigentümliche Trichotomie: Sie lehrt, der Mensch bestehe aus den drei Teilen Body (Körper), Mind (Verstand) und Thetan (das wahre Ich). Nach scientologischer Auffassung muss der Thetan durch unzählige Reinkarnationen (Wiederverkörperung) hindurchgehen. Das Wort Thetan leitet Hubbard von den ersten beiden Buchstaben des englischen Begriffes «thought» (Denken, Gedanken) ab, und als Symbol dafür braucht er den griechischen Buchstaben Theta. Der Thetan ist die geistige Energie einer Person, welche auf die Materie verändernd einwirken kann. Der Thetan kann als Erschaffer von Gegenständlichem verstanden werden. Den Thetan lokalisiert Hubbard im Kopf. Hubbard nennt den Thetan auch einen «Statik», damit meint er ein von Raum, Zeit, Materie und Energie unabhängiges Wesen. Beim irdischen Tod wird sich der Thetan vom Körper lösen.

In bezug auf den Thetan hat Hubbard Science Fiction Geschichten geschrieben.

2. Der analytische Verstand und der Monitor

Im Buch Dianetik ist die Analyse von «mind» (Verstand) sehr wichtig. Hubbard unterscheidet drei verschiedene Arten von mind. Es gibt den analytischen Verstand (analytical mind), den reaktiven Verstand (reactive mind) und den somatischen Verstand (somatic mind). Hubbard vergleicht den «analytischen Verstand» mit einem vollkommenen Computer. Der «analytische Verstand» begeht keine Fehler. Solange dieser «analytische Verstand» mit den richtigen Daten wie ein Computer gefüttert wird, ist alles in Ordnung. Nun gibt es so etwas wie eine Bank, die sämtliche Erinnerungen und Eindrücke als Phantasiebilder speichert. Hubbard bezeichnet sie als «Standard Memory Bank». Diese «Standard Memory Bank» verfügt über viele Regale, in welche Sinneswahrnehmungen in geordneter Weise gespeichert werden. So wird alles Gesehene, Gehörte, Gerochene, Geschmeckte, jeder Schmerz, jede Muskelbewegung, jede Gewichtsempfindung und jede Emotion in den entsprechenden Regalen der «Standard Memory Bank» gespeichert. Interessant ist, dass die «Standard Memory Bank» von ihrer Kapazität her gesehen unbegrenzt ist. Man kann von einer Archivierung sprechen, die während des ganzen Lebens in Funktion ist. Der «analytische Verstand» hält alle jene Erinnerungen und Erfahrungswerte, also die Daten, zurück, die zur Bewältigung von Problemen, aber auch zur Steuerung des physischen Mechanismus nötig sind. So kontrolliert der «analytische Verstand» alle Drüsen , Rhythmus  und Flüssigkeitsfunktionen des Körpers. Man könnte von der Beherrschung des inneren Laboratoriums des Organismus sprechen.

Hubbard sagt: «Alles, was der analytische Mind tut oder bewirkt, ist im Drang zum Überleben begründet.»

Wer ist es, der vom «analytischen Verstand» Gebrauch macht? Das ist der Monitor, das Steuerzentrum, der Kern der Person, der mehr oder weniger mit dem Thetan identisch ist. Es gilt nun, das Optimum an Rationalität herauszuholen; denn nur so ist Gesundheit, Glück und Erfolg möglich.

3. Der reaktive Verstand

Nun gibt es aber einen grossen Feind für das «Ich» des Menschen. Es handelt sich um den sog. «Reactive Mind» (reaktiver Verstand). Dieser ist der Verursacher von allen negativen Erscheinungen in unserem Leben. Nach Hubbard soll er verantwortlich sein für Psychosen, Neurosen, Zwänge, Verdrängungen. Durch diesen «reaktiven Verstand» kommt es zu Hass, Neid, Minderwertigkeitsgefühlen, Verfolgungswahn. Hinter sämtlichen physischen Krankheiten steckt letztlich der «reaktive Verstand». Aktiv ist dieser «reaktive Verstand» vor allem im Zustand der Bewusstlosigkeit. Bei einem Schock oder bei einer Hypnose, vor allem auch bei Drogenmissbrauch bilden sich Engramme, negative Daten.

Dem «reaktiven Verstand» steht nun ebenfalls eine Art Bank zur Verfügung, die sog. «Reactive Engramm Bank». Diese Bank beliefert den «reaktiven» mit negativen Daten, eben mit den sog. Engrammen. Scientology qualifiziert die Engramme geradezu als dämonisch.

Negative Reize wie Lärm oder Schimpfworte sowie zugefügter Schmerz, überhaupt alles Negative, das der «reaktive Verstand» unter Ausschaltung des «analytischen Verstandes» registriert, verdichtet sich zu einem Engramm.

4. Lock

Im bewusstlosen Zustand geholte Engramme kann man aber ins Bewusstsein erheben durch dem Engramm eng verwandte Erlebnisse. Diesen Vorgang nennt Hubbard ein «Lock». Beim Lock handelt es sich um eine Restimulierung (Wieder-Inkraftsetzung) des Engramms, wobei sich dieses um 20 % verringert. Ein Beispiel soll das illustrieren, was ein «Lock» beinhaltet: eine Frau wird in ihrer Wohnung überfallen und bewusstlos geschlagen. Der Eindringling dreht den Wasserhahn auf, um sich das Blut von den Händen abzuwaschen. Er gibt laute Fluchworte von sich und teilt der Frau beleidigende Namen aus. Dann macht er sich aus dem Staub. Der «reaktive Verstand» hat nun all dieses negative Geschehen in Form von Engrammen gespeichert, während die Frau bewusstlos war. Nachdem die Frau sich von all diesen Strapazen erholt hatte, geschah es, dass ihr Mann nach mehreren Wochen seit diesem Geschehen den Wasserhahn stark aufdrehte und dazu fluchte. In diesem Augenblick wurden die Engramme in der Frau restimuliert und sie konnte sich in dumpfer Weise an das brutale Geschehen erinnern. Beim Lock haben wir es also mit einer Restimulation von Engrammen zu tun.

Unter einem «Lock» versteht Hubbard jegliche destruktive Handlung im Zusammenhang mit den Engrammen, welche die Dynamiken lähmt.

5. Die Dynamiken

Wichtig im Zusammenhang mit der Anthropologie sind auch die «dynamics», die dynamischen Gesetzmässigkeiten. Es handelt sich um starke Impulse zu bestimmten Lebensausrichtungen. Hubbard meint, es gebe 8 verschiedene Impulse. In seinem Buch «Dianetik» erwähnt er nur 4.

Erstens: Der Drang zum Dasein und Sosein wie man ist. Es handelt sich um den Drang zur Identitätswahrung.

Zweitens: Der Drang zur Reproduktion, zur Vermehrung.

Drittens: Der Drang zum Überleben zugunsten der Gruppe.

Viertens: Der Drang zum Dasein zugunsten der ganzen Menschheit.

Später kamen folgende vier weitere Dynamiken hinzu:

Fünftens: Der Drang von Pflanzen und Tieren zum Überleben.

Sechstens: Der Drang des Universums zum Überleben.

Siebtens: Der Drang geistiger Wesen, in ihrer Existenz zu verharren.

Achtens: Der Drang des Menschen, Unendlichkeit zu erlangen.

Jegliche Handlung, die sich auf diese Dynamiken schädlich auswirkt, bezeichnen die Scientologen als «Overt», was soviel wie Öffnung bedeutet, durch die Negatives einströmen kann.

Ein Mitglied oder Kunde von Scientology darf keine negative Handlung, welche sich gegen die Dynamiken richtet, geheim halten. Wer so etwas tut, macht sich eines sog. «Withhold» (Zurückhalten der Wahrheit oder von Informationen) schuldig.

Bei den acht erwähnten Dynamiken geht es um Selbsterhaltung und Überleben. Scientology möchte nun die besten Voraussetzungen zur Erhaltung dieser Dynamiken schaffen. Der grösste Feind, den es zu bekämpfen gilt, ist der «reaktive Verstand» mit seinen Engrammen. Zur Bekämpfung dieser Engramme braucht es nun nach Scientology eine hochqualifizierte Psychotechnik, die das Ich, «Thetan» genannt, vom Einfluss des reaktiven Verstandes« mit seinen Engrammen befreien soll. Den vom «reaktiven Verstand» befreiten Menschen bezeichnet Scientology als CLEAR. Die dianetische Therapie muss zuallererst eine Person auf die Stufe des clear bringen. Wer clear ist, holt mit dem «analytischen Verstand» das Maximum heraus. Es gibt dann keine Neurosen, Minderwertigkeitsgefühle, Aggressionen, auch keine physischen Krankheiten mehr. Die fünf Sinne vermögen voll funktionstüchtig zu sein. Dem inneren Computer werden keine negativen Daten mehr gefüttert. Der als clear bezeichnete Mensch kann sich nicht mehr irren. Es stellt sich bei ihm eine viel grössere Lebensfreude und Lebensintensität ein. So schreibt Hubbard in bezug auf diesen «clear» genannten Zustand folgendes: «Ein Clear hat zur Erfahrung seines ganzen Lebens Zugang, und er kann über alle seine ihm innewohnenden geistigen Fähigkeiten, einschliesslich seiner Phantasie, frei verfügen. Seine körperliche Vitalität und Gesundheit haben sich deutlich verbessert, und alle psychosomatischen Krankheiten sind verschwunden und werden nicht wiederkehren … Seine Vitalität, Beharrlichkeit und Lebenszähigkeit sind sehr viel grösser, als irgend jemand es für möglich gehalten hätte».

Wer clear ist, kann nun mit seinem Thetan, also mit seinem Ich, sogar Herr werden über Materie, Energie, Raum und Zeit, was in dem geradezu magische Bedeutung aufweisenden Wort MEST gesagt ist. MEST steht für Matter, Energy, Space, Time. Hubbard bezeichnet den «Clear zustand» auch als Buddha Zustand.

6. Zusammenfassende Bemerkungen zum Menschenbild

Der Mensch wird als eine Art Computer verstanden, den man mit bestimmten Programmen füttern soll. Scientology hat die nötige Software entwickelt, so dass dieser menschliche Computer optimal funktionieren kann. Die Auditoren sind Computerspezialisten, die gleichsam wie an Schalthebeln ihre Klienten im Griff haben. Die Gefühllosigkeit als totales Defizit menschlicher Anteilnahme und Wärme ist ein typisches Merkmal scientologischer Anthropologie. Der Mensch ist in ein System brutaler Kontrollmechanismen eingespannt und somit prinzipiell zur Manipulation freigegeben.

B. Psychotechniken zur Erlangung des «Clear Zustandes» und der OT Stufen –  Die Soteriologie von Scientology

1. Werbestrategien zur Teilnahme an psychotechnischen Kursen

Die Scientologen versuchen vorwiegend junge Leute auf der Strasse anzusprechen und dazu zu bewegen, sich einem Persönlichkeitstest zu unterziehen. Den Angesprochenen stellen sie in Aussicht, ihr gewaltiges Potential kennen und ausschöpfen zu lernen. Kaum hat der Werbefachmann einen jungen Menschen dazu überreden können, ihm in den Testraum zu folgen, so legt man ihm einen Fragebogen vor, den der Klient ausfüllen muss. Auf die Auswertung muss der Klient gar nicht lange warten. Diese wird übrigens nach einer bestimmten für den Outsider nicht verständlichen Tonskala vorgenommen.

Die Tests kursieren unter verschiedenen Namen wie «Oxford Kapazitätsanalyse», «Oxford Persönlichkeitstest» usw. Der Klient erhält eine Liste mit 200 Fragen, die er mit Ja oder Nein beantworten muss. Wir greifen einige heraus: «Haben Sie ab und zu ein Zucken in Ihren Muskeln, auch wenn nicht direkt ein Grund dazu vorhanden ist?   Lächeln Sie oft?  Sind Sie für Rassentrennung und Klassenunterschiede?   Vergeuden Sie ihr Geld? Sind Sie der Ansicht, dass Sie viele gute Freunde haben?   Gibt es bei Ihnen einige wunde Punkte, bei denen Sie sehr empfindlich sind?»

Ein anderes auszufüllendes Testpapier enthält zehn Gegensatzpaare, wobei auf der linken Spalte negative Eigenschaften aufgeführt sind, auf der rechten Spalte die positiven. Der Klient wird verpflichtet, ehrlich das Zutreffende anzukreuzen.

Dem Getesteten wird nach der Auswertung gesagt, Spezialisten hätten die Auswertung nach streng wissenschaftlichen Massstäben vorgenommen und es läge nun eine objektive Analyse vor.

Der testende Scientologe versucht dem Klienten weiszumachen, dass er aufgrund der sorgfältigen Auswertung über ein hohes Potential an Gaben verfüge, im Moment aber im Zustand des PRE CLEAR sei. Trotz des grossen Gabenpotentials befinde er sich in einer gefährlichen Situation. Die Auswertung zeige nämlich, dass er jederzeit kriminell werden könnte.

Interessant ist, was uns die Abendzeitung von München vom 17. Juli 1982 unter folgender Schlagzeile berichtet:

«Eine amerikanische Sekte macht in München Geschäfte mit der Angst:

Drei Testpersonen füllten unabhängig voneinander den Fragebogen aus. Eine machte einfach Kreuzchen, eine andere antwortete gewissenhaft, eine mal so mal so. Resultat: Alle drei erwiesen sich als ‘verkappte Mörder’.»

Es gäbe eine sichere Prophylaxe (Vorbeugung) dagegen, nämlich der gezielte Besuch von Kursen. Scientologen sind psychologisch so geschult, dass sie schnell merken, ob eine Person durch Schmeichelei zum Besuch von Kursen bewegt werden kann oder durch Angstmacherei. Dem Klienten sagt der Scientologe unter Umständen, es wäre jammerschade, angesichts eines so vielversprechenden Potentials keine Kurse zu besuchen.

Die wichtigste Psychotechnik ist das sog. Auditieren (von lat. «auditere», hören) oder auch Auditing genannt, was wir später erklären werden. Dem Auditieren gehen aber verschiedene Trainingskurse voraus, die viel Geld kosten.

2. Die dem Auditieren vorausgehenden Trainingskurse

Wenn jemand sich nicht in der Lage sieht, das Geld für die notwendigen Kurse aufzubringen, so macht der werbende Scientologe sofort das Angebot, mit dem Kunden auf eine geeignete Bank zu gehen, um dort ein Darlehen aufzunehmen; denn die Kurse müssen ja im voraus bezahlt werden und kosten mehrere tausend Franken. Der Klient möchte gerne aussteigen. Das ist aber äusserst schwierig; denn die Scientologen sind am längeren Hebel. Sie behalten als Trumpfkarte den ausgefüllten Fragebogen als Pfand. Dem Klienten wird mit Schrecken bewusst, dass er den Scientologen mit dem beantworteten Fragebogen Einblick in seinen privaten Bereich gegeben hat. Vor allem für solche ist der Ausstieg besonders schwierig, die sich als Arbeiterinnen oder Arbeiter im Scientology Konzern anstellen liessen, um auf diese Weise die Kurse zu finanzieren. Ihnen wird versprochen, die Kurse zu stark ermässigten Preisen besuchen zu dürfen, wenn sie im Werk mitarbeiten. Der Fragebogen für solche, die mit dem Scientology Konzern einen Arbeitsvertrag abgeschlossen haben, enthält besonders heisse Fragen. Einige dieser ganz heiklen Fragen greifen wir nun auch heraus: «Haben Sie je irgendetwas gestohlen? –  Sind Sie je ein Spion für irgend eine Organisation gewesen? – Haben Sie irgend etwas getan, wovor Sie Angst haben, die Polizei könnte es herausfinden? – Haben Sie je bei einer Sabotage mitgewirkt? –  Haben Sie je illegalen Handel betrieben? – Haben Sie je jemanden mit einer Feuerwaffe bedroht? – Sind Sie je tätlich geworden? – Hatten Sie je Geschlechtsverkehr mit einem Mitglied ihrer Familie? –  Haben Sie je Homosexualität praktiziert?»

Möchte nun jemand sein Arbeitsverhältnis bei den Scientologen künden, so wird ihm gesagt, die Kurse, die er bereits besucht habe, seien noch lange nicht abbezahlt. Möchte der frustrierte Arbeitnehmer aber trotzdem aussteigen, so wird ihm sofort gedroht, die vertraulich gegebenen Informationen auf dem ausgefüllten Fragebogen würden an die Polizei oder an die frühere Arbeitsstelle weitergegeben werden. Davor haben die Klienten enorme Angst und lassen sich lieber noch einige Jahre länger ausbeuten. Die angebliche Ermässigung, die die Klienten als Vollzeitarbeiter erhalten haben, müssen sie beim Austritt aus dem Werk nachbezahlen. Nach drei bis vier Jahren Arbeitszeit bei den Scientologen beläuft sich die rückzahlbare angebliche Ermässigungssumme auf ca. 30.000,  Franken. Solche Rückzahlungen leisten zu müssen, hält nebst der Angst vor der Weitergabe unerwünschter persönlicher Daten an den früheren Arbeitgeber viele vor dem Schritt einer Kündigung zurück.

Das Werbematerial ist reisserisch aufgemacht. Die Funktionäre der Scientology verwenden immer wieder denselben Verkaufstrick. Sie rufen zum Kauf von Kursen auf, indem sie behaupten: «Im nächsten Monat werden die Kurse 5 % teurer sein.»

Sehen wir uns einige dieser Trainingskurse an, die der Auditiertherapie vorausgehen.

Im Training 0-Kurs lernt der Kandidat seinen Trainer so anzuschauen, dass er dabei nicht blinzelt. Er muss es lernen, nicht auf Provokationen des Trainers einzugehen. Der mit TR 1 gekennzeichnete Kurs verlangt vom Teilnehmer, Sätze indirekter Rede in Befehlsform zu übertragen. Im TR 2 lernt der Kandidat, Bestätigungsworte am richtigen Ort einzusetzen wie okay, gut, fein usw. Im TR 4 lernt man, auf seltsame Zwischenbemerkungen nicht sprachlos oder erschreckt zu reagieren, sondern das Gegenüber zur Sache zurückzuführen. Im TR 6 lernt der Klient Körperkontrolle.

Diese Trainingstechniken hat Ron Hubbard wahrscheinlich der US Navy abgeguckt.

3. Das Auditieren

a) Das Auditieren allgemein

Wie bereits gesagt, folgt nach den verschiedenen Trainingskursen das Auditieren. Ein Auditor ist eine Art Psychotherapeut, der hörend und fragend auf die Probleme seines Klienten eingeht. Um das System der Scientology noch besser als «Kirche» tarnen zu können, identifiziert dieser Kursverkaufskonzern die Auditoren mit Priestern und das Auditieren mit der Beichte. Den noch mit Engrammen, Locks und Overts belastete Klienten bezeichnet die Scientology als «Pre Clear». Ein Mensch, der pre clear ist, wird auch als aberrierter (aberrieren = von der normalen Form abweichen) Mensch bezeichnet, der sich von seinen Engrammen her bestimmen lässt. Es geht darum, den Klienten vom schwachsinningen «reaktiven Verstand» zu befreien. Nun forscht der Auditor seinen Klienten mit einem von Hubbard erfundenen Elektrometer aus. Es handelt sich dabei um ein Haut Galvanometer, der über den Hautwiderstand angeblich psychische Regungen messen kann. Man nennt dieses Instrument auch Psycho Galvanometer. Hubbard behauptet, dieser Elektrometer vermöge sogar Engramme aus früheren Erdenleben aufzuspüren. Dieses Instrument hat u.a. die Funktion einer Beichthilfe. Der Klient muss je eine Metalldose in die rechte und die linke Hand nehmen. Der Auditor stellt zielgerichtete Fragen. Auf die Fragen reagiert der Pre Clear in einer Weise, die sofort vom Elektrometer registriert wird. Wir sehen, wie der Geist des Menschen hier als etwas Mess  und Verrechenbares verstanden wird. Nach Hubbard haben eben die im menschlichen Verstand anzutreffenden Bilder Masse und elektrische Ladung.

Die Auditierprogramme hat man immer mehr erweitert und auch die zu erreichenden Erkenntnisstufen erhöht. Wer an einem Auditier Kurs teilnimmt, muss folgende Regeln beachten: 24 Stunden vor der Auditiersitzung darf der Kandidat keinen Alkohol zu sich genommen haben. Er darf auch nicht in psychiatrischer Behandlung stehen oder an einer Eheberatung teilnehmen. Yoga oder sonstige Meditationspraktiken sind zu unterlassen. Der Auditierte ist strengstens verpflichtet, über die in der Sitzung zur Sprache gekommenen Probleme zu schweigen. Der Auditor muss folgende Schritte beachten:

Erstens: Er muss den Klienten über alles in der Sitzung Geschehene auf dem Laufenden halten. Zweitens: Der Auditor muss solange zählen, bis der Patient die Augen schliesst. Drittens: Der Auditor muss unter Umständen ein bestimmtes Problem auf die Seite schieben und einen «Löscher» in Funktion setzen. Der «Löscher» ist ein Machtwort, das befiehlt, die erwähnten Probleme eine zeitlang nicht mehr zu berühren. Viertens: Der Therapeut, das heisst der Auditor, muss den Patienten in einen Zeitabschnitt der Vergangenheit zurückversetzen können. Fünftens: Der Auditor muss zur «reaktiven Gedächtnisbank» (reactive memory bank) vordringen, um sich über die vorhandenen Engramme ins Bild setzen können. Er muss also Daten sammeln. Sechstens: Der Auditor muss die Engramme seines Patienten derart reduzieren, dass keine schwere Last mehr zurückbleibt. Siebtens: Der Auditor muss den Klienten wieder in die Gegenwart zurückversetzen können. Achtens: Der Auditor muss sich versichern, dass der Klient wirklich in die Gegenwart zurückversetzt ist nach Abschluss der Sitzung. Neuntens: Der Auditor muss dem Patienten beim Auditieren das Löschwort geben, damit dieser sich von seinen Engrammen lösen kann. Schliesslich muss der Auditor dem Klienten das Bewusstsein seiner Umgebung wiederherstellen.

Wir wollen an einem Beispiel zeigen, wie eine Auditier-Sitzung vor sich geht: Der Auditor versucht, den Klienten in die frühe Kindheit, eventuell sogar in die pränatale (pränatal = vorgeburtlich) Phase zurückzuversetzen, um Engramme aufzuspüren. Dieses Zurückversetztwerden in die vorgeburtliche oder frühkindliche Phase durch Suggestiv Fragen heisst «Dianetic Reverie». So sagt nun der Auditor dem Klienten: «Wenn ich von eins bis sieben zähle, schliesst du die Augen. Gehe in das Jahr deiner Geburt zurück. Ich schnalze mit meinen Fingern und du antwortest mir mit Ja oder Nein auf folgende Fragen: Spital? Der antwortet mit Ja. Aud.: «Unfall?» Kl. antwortet mit Ja. Aud.: «Mut¬ter?» Kl. antwortet mit Ja. Aud.: «Draussen?» Kl. antwortet mit Nein. Aud.: «Heruntergefallen?» Kl. antwortet mit Nein. Aud.: «Schnittwunde?» Kl. antwortet mit Ja. Aud.: «Küche?» Ki. antwortet mit Ja.

Durch diese Methode sollte nun der Pre-Clear plötzlich eine Szene aus der frühen Kindheit oder gar aus der pränatalen Zeit in die Erinnerung zurückbekommen. Bei einem solchen Trip in die Vergangenheit hofft man, auf gewisse Engramme zu stossen, welche die Entfaltung der Persönlichkeit hemmen.

Bei diesem eben angeführten Beispiel vermag die Frau einen Erinnerungsfetzen in Worte zu fassen. Die Frau sagt dem Auditor: «Mir kommt immer wieder der Satz in den Sinn: ‘Schaffen Sie es weg!’» Der Auditor befiehlt der Frau, diesen ihr in Erinnerung gekommenen Satz dreimal vor sich hinzusagen. Die Frau gehorcht und sagt: «Schaffen Sie es weg, schaffen Sie es weg, schaffen Sie es weg!» Mit diesen Repetitionen sollen die Engramme beseitigt werden.

In unserem spezifischen Fall handelt es sich um eine Frau, welcher der Auditor weismachen will, dass sie in frühester Kindheit traumatisiert worden sei, weil eine sich in der Küche aufhaltende Nachbarin der kinderreichen Mutter in Gegenwart des Kindes gesagt haben soll: «Schaffen Sie es weg!» Damit meinte die Nachbarin wahrscheinlich, die Mutter solle wegen Überlastung die Kleine zur Adoption weggeben.

Der Erinnerungsfetzen «Schaff es weg!» ist also ein solches zu beseitigendes Engramm.

Eine Auditor Sitzung dauert in der Regel zwei Stunden. Um den Pre-Clear wieder in die Gegenwart zurückzuversetzen, muss der Patient das Wort «cancelled» aussprechen, was soviel bedeutet wie aufgehoben.

Wir haben gesehen, wie man durch die vom Auditor befohlenen Repetitionen gewisser Sätze zum Engramm vorzustossen meint. Manchmal antwortet der Klient während der ganzen Sitzung nur mit Ja oder Nein. Das Erkennen und mehrmalige Repetieren des Engramms soll zu einer Entemotionalisierung führen und mit der Zeit zum Löschen des Engramms. Das ursprüngliche Engramm ist das wichtigste; denn dieses ist die Ursache für alle anderen Engramme. Man nennt es auch das «Basis Engramm».

b) Spezielle in den Siebzigerjahren entwickelte Auditier Programme

Seit den Siebzigerjahren gibt es verschiedene spezielle Auditierprogramme wie das Life Repair Auditing. Dieses Programm verspricht Befreiung von einer bedrückenden Vergangenheit und neuen Mut für die Zukunft. Dadurch soll man Selbstsicherheit zurückgewinnen.

Bekannt ist auch das Drug Rundown Auditing. Dieses verspricht, Leute von der Rauch  und Trunksucht sowie von harten Drogen und Medikamenten zu befreien.

Das Stabilisierungs Rundown Auditing verspricht, Leute von Lebensängsten zu befreien.

c) Die bekanntesten in den Achtzigerjahren entwickelten Rundowns

Das Reinigungs-Rundown

Das Reinigungs Rundown ist eines der bekanntesten Rundowns der Scientology. Wer diesen Auditierkurs erfolgreich abgeschlossen hat, wird in einem Atomkrieg zu den Überlebenden gehören. Zu diesem Kurs gehören Behandlungen mit Bädern und spezielle Nikotinsäure Tabletten, Dianazen genannt. Diese Behandlungen schützen vor den Atomstrahlen.

Das Überlebens-Rundown

Hier haben wir es nicht mit einem wirklich neuen Kurs zu tun, sondern mit einer anderen Bezeichnung. Das ist einer der Tricks, die Scientology verwendet, um mit den gleichen Vorbereitungen mehr Kurse verkaufen zu können.

Das Glücks-Rundown

Dieser Auditierkurs soll speziell Minderwertigkeits  und Schuldgefühle beseitigen, aber auch Hemmungen und Depressionen. Der an diesem Kurs Teilnehmende gewinnt ein sicheres Auftreten.

d) Angebot nur für clear Gewordene: OT Kurse und deren eschatologische Implikation

Diese Kurse heissen OT-Kurse. OT ist eine Abkürzung für «Operating Thetan». Damit ist das clear gewordene Ich des Menschen gemeint, das nun voll funktionstüchtig und von allen Engrammen befreit ist. Die OT Kurse sind durchaus den erreichbaren Hochgraden vergleichbar, wie man sie in den alten Mysterienkulten gekannt hat. Die Kurse zum Erreichen dieser hohen OT-Grade gehören in den Bereich der Geheimhaltung. Beispielsweise befinden sich die Räume für die OT-Kurse in Los Angeles in einem Sicherheitsbereich, in den man nur mit einer computerlesbaren Ausweiskarte eintreten kann. Über OT-Stufen und die damit zusammenhängenden Einweihungsmechanismen vernimmt man nur etwas durch Leute, die hohe Grade innerhalb von Scientology erreicht und später diese Sekte verlassen haben.

Der clear gewordene Mensch ist von seinem Unterbewusstsein, das Engramme produziert, befreit. Es gibt kein Unterbewusstsein mehr. Im Moment bietet Scientology Möglichkeiten an, sich als Clear auf 15 Stufen emporarbeiten zu können. Die Bezeichnung der Stufen und Kurse werden mit OT I bis OT XV angegeben. Die Kurse zur Erreichung von OT Stufen kosten viel mehr Geld.

In den Kursen OT I bis OT IV werden die Kandidaten darüber orientiert, dass sie von sog. «clusters» (cluster = in der Kernphysik eine als einheitliches Ganzes zu betrachtende Menge von Einzelleilchen) befreit werden müssen. In Zeiträumen von Jahrmillionen haben sich verschiedene Thetanen zu einer Art Traube zusammengefunden, so dass der Mensch nicht nur aus einem Thetan, sondern aus mehreren bestehe, die u.a. ihre Engramme mit sich bringen. Es geht darum, sich von den anderen Thetanen zu befreien, um so zu seinem ursprünglichen Ich zurückzugelangen. Zu den fremden Thetanen mit ihren entsprechenden Engrammen gelangt man durch weitere Auditierkurse. Hier sehen wir einen Widerspruch. Auf der einen Seite gelten die OT Kurse nur für solche, die clear sind, wobei sich herausstellt, dass es diese «clusters» die traubenartigen Anhäufungen mehrerer Thetanen gibt. Die Orientierung über diese clusters geschieht durch Science Fiction Erzählungen. Wer Kurse besucht, um diese höheren Stufen zu erklimmen, wird nicht mehr krank, auch Unfälle sollten ihm nicht mehr widerfahren. Wer sich auf der OT Stufenleiter bewegt, kommt schliesslich in den Besitz von paranormalen Fähigkeiten.

Auf der OT Stufe VI und VII ist der Klient bereits imstande, «exterior» zu gehen, der Thetan kann also den Körper bei Bewusstsein verlassen.

Die OT VIII Stufe nennt sich «Wahrheit enthüllt». In OT VIII Unterlagen findet man Andeutungen, Hubbard werde sich auf dieser Erde reinkarnieren und als politischer Führer auftreten. In seiner «Hymn of Asia» bezeichnet sich Hubbard mit dem Christustitel «Anfang und Ende».

Menschen der OT-Stufe sollen sich durch ein hohes ethisches Niveau auszeichnen. Die Selbstbeherrschung ist ein hervorstechendes Merkmal. Mit solchen Menschen auf der Stufe von OT wird die Welt neu gestaltet. Interessant ist das, was den Klienten der OT III Stufe gesagt wird, die auch «Feuerwand» heisst. Es wird ihnen auseinandergesetzt, wie die ersten Engramme entstanden sind. Die OT III Kandidaten vernehmen, dass alle clear gewordenen einen Exorzismus durchgemacht hätten, indem böse Geister ausgetrieben worden seien.

Mit den OT-Kursen ist das Instrumentarium geschaffen, den ganzen Planeten Erde zu sanieren durch eine Menschheit, die sich durch den Zustand des clear auszeichnet.

Das Ziel ist, eine OT-Zivilisation zu schaffen, so dass ein «clear planet» entsteht. Man will eine von Scientologen dominierte Zivilisation schaffen, wo alle Menschen die totale Freiheit erreichen werden. Die Geldmittel, die dafür einzusetzen sind, belaufen sich auf sehr hohe Beträge. So kostet ein OT III Kurs gegen 10.000,  DM.

 

IV. Näheres über die wichtigsten Organisationsblöcke von Scientology

1. Die Sea Organisation

Wir haben bereits ein wenig von dieser Organisation gehört. Es handelt sich also um eine Bruderschaft von Spitzenleuten, die einen besonders nahen Kontakt zu Ron Hubbard gehabt haben. Anfänglich lebten sie verteilt auf verschiedenen Schiffen. Diese Organisation ist der machtvollste Arm. Heute leben diese Eliteleute auf dem Land. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie OT-Kurse absolviert haben. Es handelt sich um Personen, die also «clear» sind. Sie müssen über all das, was in den Unterorganisationen geht, im Bild sein. Ihnen ist die Aufgabe übertragen, die wahre Ethik auf dem Planeten Erde durchzusetzen. Mitglied der Sea Organisation kann nur werden, wer nie geisteskrank gewesen ist. Ein Mitglied der Sea Organisation darf keinen Elternteil haben, der gegen Scientology eingestellt ist. Wer dieser Sea Organisation beitritt, verpflichtet sich auf eine Milliarde Jahre. Diese Leute können mit den Genietruppen im Militär verglichen werden. In dieser Organisation leben die Glieder äusserst bescheiden. Nicht Verheiratete sind nachts in Schlafsälen untergebracht. Ein Arbeitstag zählt 12 bis 14 Stunden. Das wöchentliche Sackgeld dürfte heute bei 35 Dollar liegen. Regelungen für Urlaub, Krankheit und Pension gibt es keine für diese Personen.

2. Das Ethik Office

Das Ethik Office hat die Aufgabe, Training und Auditing zu überwachen. Diese Organisation kennt einen sehr strengen Strafcodex, den RPF, das ist eine Abkürzung für «Rehabilitation Project Force» (sinngemäss «Macht des Rehabilitationsprojekts»). Es handelt sich dabei um ein Bestrafungssystem für interne Mitarbeiter. Strafbare Vergehen sind in vier Kategorien eingeteilt: Irrtümer (errors), Übertretungen (misdemeanors), Verbrechen (crimes) und hohe Verbrechen (high crimes). Irrtümer sind unbeabsichtigte Fehler im Ablauf von Auditiersitzungen. Bei den Übertretungen handelt es sich um Fehler mit finanziellen Konsequenzen wie z.B. Bücher, die der Verkäufer zu billig abgegeben hat. Zu den «misdemeanors» gehört auch jeglicher Kontakt mit Leuten, die aus der Scientology Church ausgetreten sind.

Eines Verbrechens wird jemand für schuldig erachtet, wenn er den Befehl eines Vorgesetzten nicht beachtet. Jegliche Fehler, die mit Kompetenzüberschreitungen zu tun haben, gehören zu den Verbrechen. Eines hohen Verbrechens macht sich schuldig, wer Scientology in der Öffentlichkeit kritisiert oder gar gegen die Organisation prozessiert.

Bei Irrtümern gibt es lediglich einen mündlichen Verweis. Bei Übertretungen muss der Fehlbare die Konsequenz einer Kürzung von 30 % seines Salärs tragen.

Bei einem Verbrechen werden alle in Auditiersitzungen erreichten Grade für ungültig erklärt.

Zum Strafverfahren gehören weitere schikanöse Methoden. Der Fehlbare erhält einen Aufseher, der beispielsweise den Delinquenten dazu zwingt, sehr schnell zu laufen. Auch werden seine Briefe zensuriert und der Arbeitstag wird auf acht Stunden verlängert. Das Essen besteht nur noch aus Bohnen, Reis und Wasser. Schuldige dürfen während Monaten keine Entspannung mehr bei Musik und Spiel geniessen. Delinquenten müssen im Keller auf Matratzen übernachten und dürfen nicht einmal allein auf die Toilette gehen, was zu den schlimmsten Schikanen gehört.

3. Das Guardian Office

Das im Jahr 1966 von Hubbard gegründete Guardian Office gehörte zum Berüchtigtsten der Scientology. Es handelt sich um eine Spionageorganisation, die dem russischen KGB vergleichbar ist. Heute existiert diese Organisation nicht mehr unter diesem Namen. Der Verdacht ist aber durchaus berechtigt, dass diese polizeiartige Organisation in gut getarnter Form weiterbesteht. Es ging dem Guardian Office darum, Gegner der Scientology ausfindig zu machen und in der Öffentlichkeit zu diffamieren. Zum Ausbildungsprogramm des Guardian Office gehörte u.a. auch, wie man Morddrohungen gegen Journalisten richtet. Die Schriftstellerin Pauline Cooper erhielt wegen ihres kritischen Buches «The Scandal of Scientology» Telefonanrufe mit Morddrohungen.

Das Guardian Office hielt sich getreu an den von Hubbard definierten Wahrheitsbegriff. Wahrheit ist demnach, was dem genehmigten Programm der Scientology entspricht. So dürfen kriminelle Aktivitäten, die erfolgreich verlaufen sind, sogar belohnt werden. Wenn kriminelle von Scientologen begangene Aktivitäten nicht erfolgreich ausgegangen sind, so müssen die Täter eine Strafe gewärtigen.

Zielscheibe für das Guardian Office waren neben Reportern auch politische Persönlichkeiten. Bekannt geworden ist jener Fall vom Bürgermeister in Clearwater, Florida, der in einen fingierten Autounfall verwickelt worden ist. Die Täter sind mit seinem Auto geflohen und haben nachträglich den Bürgermeister wegen Fahrerflucht angeklagt. Solche und ähnliche Machenschaften sind typisch gewesen für das Guardian Office.

Der bekannte Sektenforscher F.W. Haack, der zu den profiliertesten Gegnern von Scientology gehört, hat sogar eine Überweisung von Bestechungsgeldern erhalten mit der Bitte, von weiterer Kritik der Scientology abzusehen. Dieses Guardian Office hat seinerseits auch eine Schlägertruppe unterhalten, die sog. «Minute Men». Innerhalb weniger Minuten konnte das Guardian Office diese Truppe mobilisieren, um sie bei auftauchenden Problemen sofort einzusetzen.

Unter dem Einfluss des Guardian Office kam in Scientology immer mehr jene Haltung auf, dass jeder Gegner von Scientology ein SP sei, das heisst soviel wie eine «suppressive person», ein Unterdrücker.

Alle Kritiker von Scientology gelten als SP. Ein Scientologe darf sich mit einem SP nicht einlassen, sonst gilt er als eine PTS Person, eine «potential trouble source» (eine potentielle Quelle von Schwierigkeiten). Solche Leute müssen jeglichen Kontakt mit Eltern, Geschwistern oder Freunden, die Scientology kritisch sehen, abbrechen. Nach der Auffassung der Scientologen sind alle SP, also alle Kritiker, Kriminelle. Das geht als der scientologischen in Deutschland gedruckten Zeitschrift «Freiheit   unabhängige Zeitung für Menschenrechte», Nr. 14 vom Juli/August 1979 hervor, wo es heisst:

«Diejenigen, die Scientologen kritisieren oder abfällige Bemerkungen darüber machen, können einer eingehenden Überprüfung ihrer vergangenen Taten nicht standhalten. Das ist Gott sei Dank ein glücklicher Umstand für uns … Wann immer wir den Hintergrund einer Kritik an der Scientology untersucht haben, fanden wir strafbare Handlungen, für die die Person oder Gruppe   gemäss den existierenden Gesetzen   hätte ins Gefängnis kommen können. Wir fanden niemals Kritiker der Scientology, die keine kriminelle Vergangenheit hatten.»

Der Anwalt Sir John Forster hat einen Report über jene Taktiken zusammengestellt, die Hubbard dem Guardian Office empfohlen hatte. Nach diesem Report verlangt Hubbard folgendes:

1. Stimme niemals einer Untersuchung über Scientology zu. Stimme nur einer Untersuchung der Angreifer zu.

2. Finde heraus, wer uns angreift. Beginne sofort, den Angreifer auf Verbrechen zu untersuchen.

3. Fahre die Retourkutsche, indem du sagst, dass der Angreifer untersucht werde.

4. Sprich niemals über uns, sondern nur über die Angreifer. Benutze ihr Blut, ihren Sex und ihre Verbrechen, um Schlagzeilen zu machen.

V. Psychologische Gründe zum Erfolg von Scientology

Die Machbarkeit aller Dinge aufgrund sog. unfehlbarer Methoden zielt vor allem labile Menschen an, die von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt werden und von Misserfolgserlebnissen geprägt sind. Das geschlossene System der Scientology mit seinem aggressiven und selbstsicheren Auftreten macht vor allem auf unerfahrene junge Leute Eindruck. Der Trick, ans Selbstwertgefühl zu appellieren mit dem Hinweis auf die grossen Möglichkeiten, die im eigenen Potential verborgen liegen, funktioniert.

Der Hamburger Rechtsanwalt Ralf Bernd Abel, der sich in Scientology sehr gut auskennt, sagte in einem Interview mit dem Redaktor der Lutherischen Monatshefte: «Die Organisation gibt sich so, wie der Schwache oder der sich schwach Fühlende gern sein möchte … Viele werden so angesprochen, zum Beispiel der Schüler, der sich durchs Abitur gequält hat, weil er sich gesellschaftlichen … Zwängen ausgesetzt sieht   die vom Scheitern Bedrohten, Labilen, Künstlerischen und Sensiblen, diese Schicht der Frustrierten oder vom Frust Bedrohten, die mit sich selber und der Weit nicht so recht zurechtkommen, gerade sie werden von den Scientologen angesprochen.»

Die Scientologen geben sich als grosse Spezialisten auf dem Gebiet der Psychotherapie aus, versprechen Erfolg aber nur unter der Bedingung, dass man sich im Gehorsam ihren Methoden vorbehaltlos fügt. Wenn die Scientologen dem Klienten einmal klar gemacht haben, der Mensch sei ein genialer Computer und ein Computer funktioniere nur zweckmässig und in hilfreicher Weise, wenn er sachgemäss gefüttert werde, so vertraut sich ein Klient einem Scientologen leicht an, vor allem auch deshalb, weil sich dieser als eine Art Spezialist für menschliche Computer ausgibt. Dazu kommt noch, dass die Zeit sehr für die Scientologen gearbeitet hat, da im letzten Jahrzehnt der Computer fast in allen beruflichen Sparten eine nicht mehr wegzudenkende Rolle spielt.

Wes Geistes Kind die Scientologen sind, zeigt sich u.a. auch darin, dass sie besonders stark im Gebiet der ehemaligen DDR tätig sind. Abel meint, die frustrierten, innerlich entwurzelten, ihrer Macht beraubten und von der Bevölkerung abgeschnittenen ehemaligen Stasileute hätten genau diese scientologische Denkweise Struktur von Befehl und Gehorsam gelernt und suchten im Moment nichts anderes als die Möglichkeit, sich wieder irgendwo unterwerfen zu können, um wieder den Sinn des Lebens zu finden.

Ein grosser Teil der Menschen sieht den Sinn im Leben im finanziellen Erfolg, im Erfolg bezüglich Karriere, er sieht den Sinn des Lebens in der Anerkennung durch die Gesellschaft, vor allem auch in der Steigerung seines Einflusses. Genau diese Sicht vom Menschen bestätigt Scientology als etwas Richtiges und kommt dadurch beim Durchschnittsbürger gut an.

In seinem Aufsatz «Das Buch Nr.1: Dianetik» zeigt uns Hansjörg Hemminger einen weiteren wichtigen Aspekt, weshalb Scientology für viele Menschen attraktiv ist. Er sagt, gerade an technischen Funktionen orientierte Menschen, die beziehungsschwach sind und sich schwer tun mit dem Leben in Beziehungen und mit dem Angewiesensein auf Mensch und Umwelt, wird der Traum vom absolut selbstbestimmten Übermenschen attraktiv. Solche Menschen sind offen für eine Lehre, die ihre Vereinzelung zum Programm und ihr funktional technisches Können zum Heilsmittel erhebt.

Vl. Religionsgeschichtliche und philosophiegeschichtliche Einordnung von Scientology

Werner Thiede hat in seinem Buch «Scientology   Religion oder Geistesmagie» eine religionsgeschichtliche Einordnung von Scientology vorgenommen. Er sieht in Hubbards Kursangebotskonzern eine Form zeitgenössischer Zauberei, ja sogar eine Form gnostischer Geistesmagie. Der Thetan spielt in Scientology in der Tat eine Rolle, wie wir sie beim Lichtfunken in der Gnosis finden. Der Thetan ist nach scientologischer Auffassung in die Gefangenschaft der Materie geraten, das heisst in die Begrenzungen von MEST, von matter, energy, space und timel (Materie; Energie; Raum; Zeit). Scientology brüstet sich damit, in die Tradition des Buddhismus zu gehören. Diese Einordnung stimmt nicht mit den Fakten überein, sondern ist ein sehr dilettantisches Aushängeschild. Der Buddhismus lehnt die Idee eines substantiellen Selbst, was ja der Thetan sein soll, ab. Allerdings sind Anklänge an den Hinduismus durchaus vorhanden hinsichtlich der von Scientology vertretenen Reinkarnationslehre. So können Engramme in Analogie zum Hinduismus als eine Art negatives Karma (Karma = Buddhismus: das Handeln, das die Form der Wiedergeburt eines Menschen bestimmt bzw. das sich aus dem früheren Handeln ergebende gegenwärtige Schicksal) verstanden werden, das über viele wiederholte Erdenleben abgetragen werden muss. Es vermischen sich mit der abgewandelten hinduistischen Karma  und Reinkarnationslehre darwinistisch häkkel’sche sowie Science Fiction Elemente, die vor allem Hubbards vulgäroriginelle Eigenleistung darstellen.

Interessant ist die Spekulation, es gäbe zwei Linien, die der Auditor zurückverfolgen müsse, nämlich eine Evolutionslinie und eine Thetanlinie, die gleichsam als zwei karmische Ströme im Menschen vorhanden sind. Den Ausdruck Karma braucht Scientology nicht, aber der Sache nach sehen wir eine gewisse Ähnlichkeit zum Hinduismus. Auf der Evolutionslinie sucht man nach Geschehnissen, die sich während der Entwicklung des physischen Leibes zu negativen Faktoren verdichtet haben. Man spricht in der scientologischen Fachsprache von «genetic line incidents» (genetische Entwicklungs-Zwischenfälle) oder auch von Engrammen, denen wir ja bereits begegnet sind. Handelt es sich um negative geistige Vorstellungsbilder, die sich während der Evolution des physischen Körpers herauskristallisiert haben, so spricht Scientology auch von «Faksimiles» statt von Engrammen. So ist z. B. die Unsitte des Tabakrauchens vermittels der Evolutionslinie auf rauchende Vulkane der Urzeit zurückzuführen. Bei der Evolution des physischen Leibes sollen sich eben rauchende Vulkane als negative Faktoren ausgewirkt haben, aus denen «Faksimiles» oder Engramme entstanden sind.

Ein anderes Beispiel eines «Faksimile»(Faksimile = eine in Grösse und Ausführung mit dem Original übereinstimmende Nachbildung; hier gemeint: eine Auswirkung, die der Ursache ähnlich ist) hängt damit zusammen, dass wir salzige Tränen weinen. Als die ersten Tiere das Meer verliessen, um auf dem Land zu leben, da mussten sie zuerst noch viel Salzwasser rauspumpen, was bei den Menschen zu salzigen Tränen geführt habe.

Nun gibt es noch die Thetanlinie, auf der auditiert werden muss. Der Mensch, dessen Identität im Thetan beschlossen liegt, kann nun aber einen Identitätsverlust erleben, weil andere Thetanen sich einmischen und von ihren «Reactive Memory Banks» Engramme streuen, die unter Umständen aus vielen verschiedenen Erdenleben stammen. Das hat zur Folge, dass der Mensch nicht mehr zwischen sich und anderen unterscheiden kann.

Diesen sich zu Trauben verbindenden Thetanen kann man nur durch einen Exorzismus (Beschwörung insbesondere böser Geister und ihre Austreibung) beikommen, d.h. durch das Auditieren. Erst im Clear Zustand ist eine Person von den störenden Thetanen befreit und hat seine ursprüngliche Identität zurück gewonnen.

Hubbard versteht den Thetan als den Identitätskern einer Person, der in früheren Erdenleben sich in Tierkörpern befunden hat oder wieder neu in Tierkörper hineingeht, um sich von den Strapazen einer menschlichen Existenz mit ihrer grossen Verantwortung zu erholen.

Der Thetan ist ein rücksichtsloses Wesen, das sich im Kampf mit anderen Thetanen behaupten muss. Wenn sich der Thetan wieder neu inkarniert, so nimmt er sich einen Körper, der ihm passt. So sagt Hubbard in seinem Buch Haben Sie vor diesem Leben gelebt?, der «Thetan rase wütend quer über das halbe Land und sobald er eine Entbindungsstation sehe, schnappe er sich einen Babykörper» (Seite 49).

Mit Recht sagt Reinhard Hummel, dass die Thetan Theorie als Projektion des Kampfes ums Dasein und des amerikanischen Konkurrenzdenkens auf die geistige Welt verstanden werden muss.

In religionsphilosophischer Hinsicht ist jene Vorstellung Hubbards interessant, wo vom Zwischenzustand des Verstorbenen die Rede ist. Der Tote bekommt im Zwischenzustand ein sog. «forgetter implant» (Ein Implantat (Einpflanzung), die dafür sorgt, dass alles vergessen wird) und wird dann zu einem Körper unmittelbar vor dessen Geburt befördert. Eine sehr ähnliche Vorstellung finden wir im 10. Kapitel von Platons «Staat», wo von jenen Seelen, die sich wieder inkarnieren wollen, gesagt wird, sie müssten vorher vom Wasser des Flusses «Sorgenlos» trinken, damit sie alles vergessen und so unvoreingenommen und unbelastet das neue Erdenleben beginnen können.

Ein buddhistisches Element ist in Scientology insofern zu finden, dass die Alleinursächlichkeit des Menschen betont wird. Der Mensch ist der alleinige Schöpfer und Planer seiner Lebensumstände und wird selber zu Gott. Der Unterschied zum Buddhismus, aber auch zum Hinduismus besteht darin, dass es   um es mit den Worten von Reinhard Hummel zu sagen   nicht um die Befreiung von Konditionierungen aus früheren Daseinsformen geht im Sinn der Erlösung von Gier, Zorn und Hass; es geht vielmehr um Ich Aufblähung und geradezu brutale Durchsetzungsfähigkeit.

Haben wir in religionsgeschichtlicher und religionsphilosophischer Hinsicht vor allem stark gnostische (Gnosis = religiöse Strömungen, die versuchen, im christlichen Glauben verborgene Geheimnisse mittels philosphischer Spekulationen zu erkennen (Gnosis = wörtl.: Erkenntnis) um so ihre Erlösung zu erlangen) Anklänge, vor allem an die simonitische Gnosis (simonitische Gnosis = Richtung in der Gnosis, die auf Simon den Zauberer (Apg 8) zurückgeführt wird und besondere Betonung auf die “Kraft Gottes” und Energie im allgemeinen legt)  festgestellt, was die Lehre vom Thetan anbetrifft, so finden wir auch gewisse philosophische Anlehnungen. Hubbard hat von H. Bergson die Idee vom «élan vital» (élan vital = Lebenskraft) übernommen, wobei er diese Anschauung auf den Thetan anwendet und von «Thetan Kraft» spricht.

Der Begriff «Scientology» ist nicht eine Wortschöpfung Hubbards. Der Philosoph A. Nordenholz war Spezialist auf dem Gebiet der Bewusstseinsevolution und hat den Begriff Scientologie geprägt.

Woher hat Ron Hubbard das Gedankengut von den verschiedenen Dynamiken? Es handelt sich dabei um den Drang zum Überleben und zwar beim Einzelnen, der Gruppe, der Menschheit, aber auch bei den Pflanzen und Tieren sowie beim Universum. Diese Theorie von den Dynamiken hat Hubbard dem vulgären Darwinismus entnommen, wie er noch um die Mitte dieses Jahrhunderts vertreten worden ist.

Das Menschenbild, für welches der Vergleich mit dem Computer in Scientology so typisch ist, und wo selbst die Gefühle im verrechenbaren Sinn auf eine Skala von Lust Unlust reduziert werden, stammt aus der materialistischen Philosophie und Psychologie des amerikanischen Behaviourismus, dessen Vertreter G. H. Mead und J. Watson sind. Es geht im Behaviourismus um den Nachweis, dass alles Verhalten letztlich auf Erregungspotential und Reaktion, Hemmung und Gewohnheit zurückzuführen ist.

Was Hubbard in seiner Dianetik über die Engramme sagt, hat er den Erkenntnissen der Freud’schen Tiefenpsychologie in bezug auf das entnommen, was diese über Verdrängung und Komplexe zu sagen weiss. Allerdings sehen wir wiederum bei Hubbard die typische Tendenz zur Vulgarisierung.

Was die Therapeutische Methode zum Auffinden der Engramme anbelangt, hat Hubbard bekanntlich Auditierprogramme entwickelt. Das Auditieren ist nichts anderes als eine von Sigmund Freud und Josef Breuer übernommene und ins Dilettantische abgesunkene Hypnosetechnik. Es ist denn auch interessant, dass man in Scientology nichts von Therapie und Hypnose hören will. Offenbar möchte man damit möglichst dem Verdacht vorbeugen, von anderen Praktiken und Systeme gestohlen zu haben.

 

VII. Kritische Sichtung

1. Vergötterung des Menschen

In Scientology ist der Mensch das Mass aller Dinge. Er soll zur Ursache von MEST werden. Hubbard ist das grosse Vorbild für jene Menschheit, in der jeder sich zu Gott emporentwickelt. Deutlich kommt das auch darin zum Ausdruck, dass Hubbard sich statt mit L. R. Hubbard als EI Ron Hubbard bezeichnet. Die EI Bezeichnung spricht für sich selber (EL ist das hebräische Wort für Gott; Mehrzahl: Elohim).

Für Scientology ist der Mensch grundsätzlich gut. Wir begegnen in dieser Ideologie einer Selbsterlösungsmethode. Der Mensch kann alles in den Griff bekommen. Für die Höherentwicklung des Menschen rechnet Scientology mit Jahrmillionen. Dieses Science Fiction Element verrät uns, dass diese Ideologie sich nicht auf dem Boden der Realität bewegt und schon deshalb können wir Scientology als Lehre nicht ernst nehmen. Was wir dagegen sehr ernst nehmen müssen, ist die Macht der Verführung.

2. Manipulation des Menschen und zynische Tarnmethoden

Scientology versteht den Menschen als eine Art Computer, den man mit Programmen füttern kann. Was an Vorstellungen, problematischen Erinnerungen oder negativen Emotionen vorhanden ist, kann der durch Auditier¬kurse geschulte mit dem Trainer zusammen jederzeit löschen. Eigentlich ist der Mensch lediglich eine höher organisierte Maschine. Der Gebrauch des Hubbard E Meters zur Erforschung der seelischen Anatomie des Menschen weist deutlich in diese Richtung. Wo man meint, auf maschinelle Weise zum Herzen des Menschen vordringen zu können, bekommen wir es zwangsläufig mit Psychoterror zu tun. Die ganze «Psychotechnik» weist derart scharlatanhafte Züge auf, dass es einen nicht verwundern muss, wenn die Psychiatrie die Methoden der Scientologen als Kurpfuscherei qualifiziert. So ist denn die Psychiatrie immer wieder Zielscheibe heftigster Attacken von seiten der Scientologen. Scientology spielt sich als Wächter gegenüber der Psychiatrie auf, wenn sie sich in folgender Organisation besonders hervorzutun versucht: «Kommission für Verstösse der Psychiatrie gegen Menschenrechte». Wenn die Organisation Hubbards in geradezu aggressiver Weise sich von Psychotherapie und Psychiatrie distanziert, so kann das kaum anders erklärt werden, als dass Scientology diesbezüglich die Überlegenheit fachkompetenter Kreise wahrnimmt, jedoch den eigenen kurpfuscherischen Dilettantismus durch Schlechtmachen der Kritiker tarnen muss.  

Das ganze im Auditing offenbarte Innenleben der Kunden speichert Scien¬tology in unzähligen Ressorts. Aussteigern gegenüber verwenden die Scientologen gerne die gesammelten Daten als ein Drohmittel. Diese Machenschaften von unzähligen gespeicherten persönlichen Informationen bedürfen ebenfalls einer Tarnung. So hat Scientology die «Kommission zum Schutz des Bürgers gegen Datenmissbrauch» gegründet. Es zeugt von nicht geringem Zynismus, dass ausgerechnet Scientology zu den wichtigsten Datensammlungsinstitutionen der Welt gehört.

Wir erinnern uns an das «Guardian Office», jene interne militante Geheimpolizei. Auch dieses Guardian Office, das heute wahrscheinlich unter anderem Namen fortbesteht, könnte seine Tarnung durchaus in der «Kommission für Polizeireform» haben.

Die totalitäre Mentalität von Scientology tarnt sich durch eine weitere Kommission, die unter dem Namen «Gesellschaft zur Förderung religiöser Toleranz und zwischenmenschlicher Beziehungen» bekannt ist.

3. Ist Scientology eine Kirche oder Religion ?

Scientology ist im Ansatz atheistisch. Einen transzendenten Gott gibt es nicht. Schon diese Tatsache zeigt eindeutig, dass die Verwendung des Begriffs «Kirche» Scharlatanerie und perfide Berechnung ist.

Als Religion könnte man Scientology höchstens insofern bezeichnen, weil Hubbard sich als eine religiöse Heilsfigur versteht und zwar als den «Maitreya». Der «Maitreya» ist im Buddhismus der erwartete Heilsbringer, der das Werk Buddhas vollenden wird. Mit Stolz deklariert sich Scientology als eine zeitgemässe Fortsetzung des Buddhismus. Diese Selbstbezeichnung Hubbards als «Maitreya» findet sich in dem 1974 abgefassten Werk «Hymn of Asia». In dieser «Hymn of Asia» versteigt sich Hubbard sogar zur Aussage: «Ich bin der Anfang, ich bin das Ende.»

Jeder Mensch, der die Stufe OT VIII erreicht hat und so zur Ursache für MEST geworden ist, soll die Stufe der Gottheit erlangt haben,

Was die Frage anbetrifft, ob Scientology als Religion gelten könne, so muss diese Frage trotz der Erlöserfigur des Maitreya im verneinenden Sinn beantwortet werden. Wichtige Elemente der Religionsphänomenologie fehlen. Erstens: Es gibt keine demutsvolle Annäherung an eine Gottheit. Zweitens: Das «mysterium fascinosi et tremendi» (=Die anziehende und erschauern machende Wirkung des Göttlichen in der Religion) fehlt. Alles ist erklärbar. Drittens: Der Mensch ist das Mass aller Dinge.

Was den Begriff «Kirche» anbetrifft, ist die Unzulänglichkeit dieser Bezeichnung in materieller Hinsicht undiskutabel. Jedoch in formeller Hinsicht sind geschickte Tarnfaktoren vorhanden. Denken wir an den am Sonntagmorgen amtierenden Auditor in der traditionellen geistlichen Amtstracht, wie sie in den USA üblich ist. Dieser liest statt aus der Bibel aus den Schriften Hubbards vor. Es gibt sogar ein Liederbuch. Kasualien werden angeboten, nämlich Taufe, Abendmahl, Trauung und Abdankung. Die Taufe wie die Abdankung tragen deutlich blasphemische Züge. Das Angebot der Kasualien gehört zum Werbetrick.

Die auf dem altarartigen Tisch aufgestellten Kerzen haben überhaupt nichts mit der Symbolik von Christus als Licht der Weit zu tun. Sie stellen vielmehr jenes Licht dar, das man im Zustand des «Clearseins» angeblich besitzen soll. Auch das über dem Tisch angebrachte Kreuz mit seinen acht Gliedern hat nichts mit dem christlichen Kreuz zu tun, das an den Opfertod Jesu erinnert, sondern das scientologische Kreuz repräsentiert die acht Dynamiken.

4. Methoden zur Entkräftung von Kritik

Die Scientologen versuchen ihnen entgegengebrachte Kritik fast stereotypisch dadurch zu entkräften, dass sie auf ihre «Therapiekurse» «Narkonon» hinweisen, durch die schon viele Drogensüchtige geheilt worden seien. Scientologen verstehen es, in selbstsicherer Weise auf ihre angeblichen Verdienste hinzuweisen. So rühmen sie ihre Lernsysteme oder ihr Programm «Crimanon», durch das die Kriminalität weltweit immer mehr eingedämmt werde.

5. Das Aushängeschild El Ron Hubbard spricht für sich selbst

Abschliessend möchte ich festhalten: Scientology ist ein äusserst geschäftstüchtiger Verkaufskonzern von Kursen mit dem Angebot von Scharlatanhaften Psychotechniken.

Scientology kennzeichnet sich zur Genüge durch ihr Aushängeschild El Ron Hubbard. Über ihn, der einen der höchsten OT Grade erreicht haben soll, setzen uns seine ehemaligen Hausangestellten ins Bild. Sie berichten, wie Hubbard wegen Bagatellen furchtbare Wutausbrüche produzieren konnte, wenn beispielsweise ein aus der Waschküche kommendes Kleid ein wenig nach Seife roch oder noch ein klein wenig Staub auf den Möbeln zu finden war und ähnlicher Krimskram. Er schrie sein Personal wegen solcher Dinge an und geriet ausser sich vor Aufregung. Wie reimt sich das mit dem «Clearsein» zusammen? Eine berühmt gewordene Aussage Hubbards verrät uns eigentlich alles, um uns über Scientology ein richtiges Bild machen zu können. So meinte er: «Es wäre töricht, für einen Penny auch nur ein Wort zu schreiben. Wollte man wirklich eine Million Dollar verdienen, so wäre es der beste Weg, seine eigene Religion zu gründen.»

Eine ehemalige enge Mitarbeiterin von Hubbard hat folgendes über ihn zu Protokoll gegeben: «Hubbard sprach niemals über etwas anderes als Geldmachen. Ich kann die Tatsache bestätigen, dass Scientology als geldmachendes Unternehmen betrieben wird. Es gab keine anderen Richtlinien und keine anderen Motive für unser Handeln auf internationaler Ebene. ‘Macht Geld!’  das war der einzige Befehl, den wir eigentlich von Hubbard erhielten … »

6. Einige positive ethische Aspekte von Scientology

Im Magazin Theta, das das publizistische Organ der Dianetik Beratung Zürich ist, finden wir die starke Betonung von Ordnung und Selbstdisziplin. Das geht wie ein roter Faden durch die Theta Magazine.

In der Broschüre «Der Weg zum Glücklichsein», geschrieben von Ron Hubbard, finden wir die scientologische Ethik. Dieses Büchlein mit seinen 94 Seiten ist in viele Haushaltungen als Werbung versandt worden. Sechs der zehn Gebote werden in säkularisierter Form propagiert, nämlich die Gebote 5 10. Elternliebe, Ehrfurcht vor dem Leben, Treue in der Ehe, Achtung vor fremdem Eigentum, Wahrhaftigkeit und Maß im Gegensatz zur Gier werden kurz und bündig behandelt als unbedingt erstrebenswert und notwendig hingestellt. Die Goldene Regel (seit dem 16. Jahrhundert nachweisbare Bezeichnung für die Grundregel rechten Handelns, insbesondere für die biblische Formulierung: «Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch» Mt 7, 12) hebt Hubbard besonders hervor. Allerdings führt Hubbard die Zehn Gebote nicht auf den lebendigen Gott zurück, sondern er sieht diese als ein allen Religionen gemeinsames Urgut. Zusätzlich zu den sechs letzten Geboten des Dekalogs kommen Werte wie Fleiß und Reinlichkeit, Toleranz und Zuverlässigkeit, aber auch Streben nach Erfolg und finanzieller Unabhängigkeit. Alle diese dringenden ethischen Empfehlungen stehen in engstem Zusammenhang mit dem Überleben. Nur durch das Einhalten dieser Ordnungen ist an ein Überleben zu denken.

Wenn auch diese ethische «Magna Charta» der Scientologen manch Löbliches enthält, so ist der Tenor einseitig utilitaristisch (Utilitarismus = philosophische Lehre, die im Nützlichen die Grundlage des sittlichen Verhaltens sieht und ideale Werte nur anerkennt, sofern sie dem einzelnen oder der Gemeinschaft nützen). Der Bezug der Ethik zur Ehre Gottes fehlt.

Die Kraft zu einem echten humanen Verhalten holt der Mensch aus sich selber heraus. Gott bleibt ausgeklammert; denn auf Ihn ist der Scientologe nicht angewiesen.

 

www.horst-koch.de

info@horst-koch.de