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Bibel in gerechter Sprache? (R.Slenczka)

Die Anbetung der Weiblichkeit Gottes und das Bilderverbot

Dogmatische Beurteilung der „Bibel in gerechter Sprache“

von Reinhard Slenczka

„Das göttliche Wort verbietet von vornherein, Gott mit dem gleichzusetzen, was Menschen in ihrer Erfahrung erkennen. Jeder Versuch der Vernunft, das Wesen Gottes mit dem natürlichen Vorstellungsvermögen zu erfassen, macht aus Gott einen Götzen, jedoch verkündigt ihn nicht“ Gregor von Nyssa (335-394).

1 – Das gegenwärtig wirkende und ewig bleibende Wort Gottes

Es ist das Wunder der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments, die ursprünglich nur in einzelnen Rollen oder Blättern aufbewahrt und im Gottesdienst verwendet wurden, dass sie in einer wechselvollen Geschichte erhalten, gesammelt, in viele Sprachen übersetzt und verbreitet worden sind bis auf den heutigen Tag. Das ist die sichtbare Erfüllung der Verheißung: „Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. Denn »alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit«. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist. (1 Petr 1, 23-25; Jes 40, 6).
Davon lebt die Gemeinde Jesu Christi bis auf den Tag der Wiederkunft ihres Herrn in seiner sichtbaren göttlichen Herrlichkeit. Deshalb sind die in der Bibel gesammelten Schriften keineswegs nur Texte der Antike, sondern sie haben ihren Ort und Gebrauch im Gottesdienst. Durch sie spricht Gott zu uns, und wir sprechen zu Gott – auch heute.

Die Texte der Bibel wurden ursprünglich sorgfältig mit der Hand abgeschrieben, oft auf hingebungsvoll kolorierten Blättern, bis sie zum erstenmal um 1455 von Johannes Gutenberg in Mainz gedruckt wurden. Bibeln wurden verbrannt, ihr Besitz und ihre Lektüre wurden verboten, in Zeiten der Verfolgung wurden sie geschmuggelt, als kostbarer Besitz aufbewahrt und heimlich weitergegeben, weil der Glaube darauf angewiesen ist und davon lebt. Aber in Zeiten des Mangels konnte das Bibeldünndruckpapier auch zum Drehen von Zigaretten verwendet werden. Rechter Gebrauch und Missbrauch des Wortes Gottes sind immer beieinander, wobei die erste Frage ist, ob wir sie selbst auch regelmäßig lesen, uns nachdenkend aneignen oder nur über Verstehensprobleme diskutieren.

Die Übersetzung der Heiligen Schriften ist immer von neuem eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Es gibt nicht nur eine Vielfalt von Sprachen, sondern auch deren Wandelbarkeit. Wohl in allen Kirchen findet sich eine große Zurückhaltung gegenüber einer Anpassung an die Umgangssprache. In den meisten griechischen und slawischen orthodoxen Kirchen gibt es bis heute eine eigene Kirchensprache in Bibeln und in der Liturgie, ebenso wie in der Westkirche die lateinische Kirchensprache bis zum Vaticanum II. (1962-1965). Das ist keineswegs nur ein starrer Konservativismus, sondern man wehrt sich aus guten Gründen, die Texte für die Begegnung mit der Heiligkeit Gottes in die ordinäre Alltagssprache zu übertragen. Man weiß, dass eine Veränderung der biblischen Texte auch eine Veränderung der liturgischen Sprache, aber auch der Sprache und Vorstellungen für die persönliche Frömmigkeit nach sich ziehen muss. Wer diese Sachverhalte kennt, wird leicht verstehen, dass es beim Verständnis der biblischen und liturgischen Texte nicht nur um hermeneutische Probleme, sondern um pneumatische Phänomene geht.

Auffallend ist auch in der deutschen Kirchensprache, dass viele Wörter wie Amen, Halleluja, Zebaoth, Kyrie eleison, abba, dazu auch christologische Titel und Prädikationen wie Christus, Messias, vielleicht auch Pantokrator, keiner Übersetzung bedürfen. Daran ist mindestens in Resten noch zu erkennen, wie das Wort Gottes auch sprachfähig macht, indem es Sprache bildet und bereichert. Am leichtesten aber wird übersehen und unterschätzt, wie die biblischen Texte mit ihren Begriffen und Bildern wie z. B. Herz, Gewissen, Seele, Sünde, Himmel und Hölle, Teufel und Engel seit Jahrhunderten unsere Vorstellungswelt prägen und bereichern. Selbst so genannte Atheisten sind mit ihrer Negation darauf fixiert. Denn das gilt für alles, was wir von Gott wissen und reden, und das kommt gerade nicht aus unserer Erfahrung, sondern aus Gottes Offenbarung.

So zeigt sich auch, wie keineswegs nur die Bibeltexte in die Umgangssprache übertragen werden, indem wir „dem Volk aufs Maul sehen, wie sie reden “ (M. Luther), sondern indem auch die Alltagssprache durch Wörter, Vorstellungen und Redensarten aus der Bibel bereichert und vertieft wird. Bildende Kunst und Literatur sind voll von solchen Bereicherungen. Dazu gehört auch die allgemeine Ethik sowie Rechtsbegründung und Recht. Je weniger jedoch die biblischen Schriften bekannt sind, desto mehr bleibt vieles davon unverständlich. Die Wirkung der Bibel ist also keineswegs nur auf die Kirche beschränkt; sie ist ein Element unserer Kultur, auch wenn manche Theologen immer nur an den Verstehensproblemen hängen bleiben, die sie meist selbst erfinden und dabei völlig den Blick für die Wirkung, den Reichtum, die Schönheit und vor allem die Heiligkeit der Heiligen Schriften verlieren.

In der „Bibel in gerechter Sprache“ werden nun durchgehend die Gottesbezeichnungen durch weibliche Ausdrücke verändert oder ersetzt. Dies berührt jedoch nicht nur die Übersetzung von Texten, sondern tiefgreifend auch den Vollzug der Begegnung mit Gott im Gottesdienst, im Bekenntnis und Zeugnis sowie im Gebetsleben von Christen. Es geht um die Offenbarung und Anbetung des wahren Gottes. Dies ist das sehr ernst zu nehmende Problem bei dieser Bibelausgabe, die man nicht als Übersetzung, sondern als ideologische Textveränderung bezeichnen muss.

2 – Die Konkurrenz von Gottesbildern bei Übersetzung und Bewertung biblischer Schriften

Es gibt immer wieder Bibelausgaben und Übersetzungen, die dem Volk nach dem Mund reden, um vermeintliche Verstehenshindernisse zu jeweils herrschenden Meinungen und Vorstellungen zu überwinden. In der Mitte des 2. Jahrhunderts haben wir das Beispiel des aus Kleinasien stammenden und vermutlich der Gnosis nahestehenden reichen Reeders Marcion, der die alttestamentlichen und eine Reihe neutestamentlicher Schriften aus dem kirchlichen Gebrauch ausschließen wollte, weil sie nach seiner Meinung nicht mit der Gottesvorstellung Jesu Christi vereinbar seien. Die Abneigung gegen einen zornigen und strafenden Gott mit seinem unbedingt geltenden Gesetz wiederholt sich immer wieder bis zu der Forderung, das Alte Testament aus dem kirchlichen Gebrauch zu entfernen. Was bei Marcion der „fremde Gott“ ist, das ist bei Schleiermacher „der andere Geist“, und Hegel trieb dies in seiner Jugendschrift „Der Geist des Christentums und sein Schicksal“ mit der Konfrontation von Humanitätsreligion der Griechen und dem „Dämon des Hasses“ im AT auf die Spitze: „Der unendliche Geist hat nicht Raum im Kerker einer Judenseele“. Mit seiner Autorität als Wissenschaftler erneuerte Adolf von Harnack die Thesen Marcions und forderte die völlige Abschaffung des Alten Testaments. Kein Wunder, dass sich sogleich die frühen Nationalsozialisten wie Artur Dinter auf solche Ergebnisse „wissenschaftlicher Forschung“ berufen konnten.

Allerdings wäre es falsch, in diesen Beispielen, die man heute empört als Antijudaismus ablehnen wird, lediglich die Verirrung einzelner zu sehen. Es geht vielmehr um die Grundsatzfrage, ob die Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments als Wort ein und desselben Dreieinigen Gottes erkannt werden oder als Hervorbringungen menschlicher Geistes- und Religionsgeschichte. Gott ist dann nicht das Subjekt, das sich in seinem Wort offenbart und auf diese Weise angeredet und verkündigt werden kann, sondern die Gottesbezeichnungen werden aus menschlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Ideologien, die wandelbar und durch die jeweilige Situation bedingt sind, auf Gott übertragen.

Die Forderung der Deutschen Christen auf der Sportpalastkundgebung des Gaues Großberlin vom 13. November 1933, in der es hieß: „Wir erwarten, dass unsere Landeskirche als eine deutsche Volkskirche sich frei macht von allem Undeutschen in Gottesdienst und Bekenntnis, insbesondere vom Alten Testament und seiner jüdischen Lohnmoral“ öffnete damals vielen die Augen für das, was aus der Begeisterung für eine politische Bewegung in das Verständnis der Heiligen Schrift als Fundament von Theologie und Kirche und damit in den Gottesdienst der Gemeinde eingedrungen war. Am 4. Januar 1934 folgte die „Erklärung über das rechte Verständnis der reformatorischen Bekenntnisse“ (1. Barmer Erklärung), in der es heißt: „Die Kirche hört das ein für allemal gesprochene Wort Gottes durch die freie Gnade des heiligen Geistes in dem doppelten, aber einheitlichen und in seinen beiden Bestandteilen sich gegenseitig bedingenden Zeugnis des Alten und des Neuen Testamentes, das heißt in dem Zeugnis des Mose und der Propheten von dem kommenden und in dem Zeugnis der Evangelisten und Apostel von dem gekommenen Jesus Christus.“

Wilhelm Vischer hat in seinem weithin vergessenen oder auch verdrängten Werk „Das Christuszeugnis des Alten Testaments“ die theologische Einsicht, um die es hier und im weiteren gehen muss, gleich im ersten Satz des Buches präzis formuliert: „Die Bibel bezeugt vollgültig, unter der Beglaubigung durch den heiligen Geist, dass Jesus von Nazareth der Christus ist. Darum ist sie die heilige Schrift der christlichen Kirche. Denn die christliche Kirche ist die Gemeinde aller Menschen, die auf Grund des biblischen Zeugnisses erkennen und glauben, dass Jesus der Christus ist, d.h. der Messias Israels, der Sohn des lebendigen Gottes, der Heiland der Welt“ .

3 – Eine neue, jedoch alte programmatische Ideologie

Ob darüber in Theologie und Kirche heute noch ein Konsens besteht, ist eine sehr ernste Frage, die durch die „Bibel in gerechter Sprache“ aufgeworfen wird. Unter drei Themenkreisen werden durch diese Übersetzung Wortlaut und Inhalt der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments tiefgreifend und ausgehend von aktuellen gesellschaftspolitischen Forderungen und Ideologien verändert:

Beseitigt werden soll 1. eine vermeinte patriarchalische Gesellschaftsordnung der Heiligen Schrift (10), in der die Frauen unterdrückt und benachteiligt werden. Dazu wird durchgehend die sog. „inklusive Sprache“ eingeführt. Es ist nun die Rede von Jüngern und Jüngerinnen, von Sklavinnen und Sklaven, Herrinnen und Herren, von Jüdinnen und Juden, von Griechinnen und Griechen, von Freundinnen und Freunden, Priesterinnen und Priestern, Prophetinnen und Propheten, Lehrerinnen und Lehrer, Christinnen und Christen etc., auch wenn das im Originaltext überhaupt nicht steht. Diese „political correctness“ nach amerikanischem Vorbild wird zwar inzwischen geflissentlich in Politik und Kirche befolgt, doch sie bleibt eine Verhunzung der Sprache und ist selbst für Verfechter dieser Ideologie schwerlich lesbar. Grammatisch wird dabei einfach Genus und Sexus verwechselt. Bisweilen artet das in Peinlichkeit aus, wenn z. B. mit Hebr 13, 1 die „Geschwisterliebe“ gefordert wird.

Allerdings findet sich im Unterschied zu vielen anderen deutschen Bibelübersetzungen und sogar einigen Kommentaren in Gen 1, 27 endlich einmal die genaue Wiedergabe des hebräischen Wortlauts, wo es nicht „Mann und Weib“ heißt, sondern adjektivisch: „männlich und weiblichhat Gott sie geschaffen“ (ebenso richtig Gal 3, 28). Das dazu gehörende Objekt ist „Adam“ d. h. Mensch im Singular, und dies bedeutet, dass Mensch als Gattung, als Bild und Gleichnis Gottes, männlich und weiblich von Gott geschaffen ist. Auch wenn „der Mensch“ nach dem grammatischen Genus Maskulinum ist, wird es niemand einfallen, Frauen nicht auch als Mensch zu bezeichnen. Leider wird diese von Gott geschaffene Zusammengehörigkeit und gleiche Würde den Text verändernd dadurch aufgehoben, dass die Gattungsbezeichnung „Mensch“ mit dem individualisierenden Plural „Menschen“ eindeutig falsch übersetzt wird. Nach der richtigen Übersetzung des hebräischen Urtextes haben wir hier im wahren Sinne eine „inklusive“ Sprache, die von der in der Schöpfung begründeten Zusammengehörigkeit von Mann und Frau und ihrer gleichen Würde ausgeht. Was hingegen heute als „inklusive“ Sprache bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit gerade „exklusiv“, indem Mann und Frau voneinander unterschieden und gegeneinander aufgebracht werden. Die daraus erwachsende tiefe Störung im Verhältnis von Mann und Frau ist heute unübersehbar, wenn Frauen sich gezwungen fühlen, unter Verachtung ihrer weiblichen Gaben und Aufgaben sich nach der Männlichkeit zu definieren, selbst wenn dies, wie viele andere Gesellschaftslügen, emsig verdrängt wird.

Beseitigt werden soll 2., um den jüdisch-christlichen Dialog zu fördern (10), was man in den doch überwiegend jüdischen Texten für antijudaistisch ansieht. Hierzu mag die Bemerkung von Martin Buber genügen, dass der Philosemitismus dieselben Wurzeln wie der Antisemitismus hat, und zwar deshalb, weil die Gegensätzlichkeit von Völkern und Rassen gerade auch dadurch hervorgehoben wird, dass man sie auf die eine oder andere Weise zu beseitigen versucht. Die in Gen 1, 26 f begründete Einheit aller Menschen nach Adam wird hier übergangen und aufgehoben. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass die feministischen Eingriffe in die unveränderliche Heiligkeit des Gottesnamen von rechten Juden als antijudaistisch und als tiefe Verletzung ihrer Frömmigkeit empfunden werden müssen. Dabei ist es schon unglaublich, wie die in jüdischen Bibelübersetzungen begegnende Gottesanrede „der Ewige“ flugs verweiblicht wird: „Neben der maskulinen Form ist gleichbedeutend die grammatisch weibliche Form möglich: ‚Die Ewige’ (20). Jeder Jude kann das mit seinem religiösen Empfinden und seinen Hebräischkenntnissen nur als Gotteslästerung abweisen. Dass sich kein Jude bereit gefunden hat, an diesem Projekt mitzuarbeiten, wird zwar von den Herausgebern als Defizit bezeichnet, dürfte jedoch nach Lage der Dinge durchaus verständlich sein. Im Gegensatz zu dem Bemühen, „von christlicher Seite den Antijudaismus auch in der Übersetzung zu überwinden“ (26) ist dieser Text mit seinen ideologischen Entstellungen ein absolutes Hindernis für ein Gespräch mit den anderen monotheistischen Religionen wie mit Juden und auch mit Moslems. Der alte Vorwurf des Polytheismus bei den Christen findet damit neue Nahrung.

Beseitigt werden sollen 3. Zustände sozialer Ungerechtigkeit (11), und zwar eigenartiger Weise nicht nur bei den Frauen und Sklaven, sondern auch bei der Diskriminierung von „Gottlosen“, „als ginge es (bei dieser Übersetzung des hebräischen Wortes ‚rascha’) um Atheismus oder Unglauben“ (11). Mit diesem Hinweis in der Einführung ist bereits angedeutet, was von vielen Textstellen in der Übersetzung bestätigt wird: Was der Mensch als Sünder ist, wird offenbar durchgehend lediglich moralisierend als Tat und Verhalten aufgefasst, nicht jedoch als Macht und Zustand in dem Bund zwischen Gott und Menschen. Gerechte sind demnach solche, „die Gutes“ tun, Sünder hingegen solche, „die Unrecht tun“ oder „versagen“ (z. B. Röm 6, Mt 9, 10. 13; Lk 5, 8 u. ö.).

Als ein Hinweis für die durchgehende Moralisierung der Sünde mag die verblasene Übersetzung von Röm 6, 23 dienen: „Denn der Sold, den die Sündenmacht zahlt, ist der Tod. Die Zuwendung, die Gott schenkt, ist ewig lebendiges Leben im Messias Jesus, dem wir gehören.“ Wo jedoch von Sünde und Gnade nicht mehr klar geredet werden kann, verkommt das Evangelium. Die Zusammenfassung der Verkündigung Jesu Mark 1, 15 lautet dann: „Der Augenblick ist gekommen, die Zeit ist erfüllt. Die Gottesherrschaft ist nahe gekommen! Kehrt zum Leben um und vertraut dem Evangelium.“ Der Ruf zur Buße angesichts des kommenden Gerichts wird verwässert zu einer „wellness“-Theologie, wie sie leider von manchen Kanzeln tönt. In dieser Hinsicht folgt die Übersetzung eben auch den Wünschen und Forderungen der Zeit.

4 – Gottes Selbstoffenbarung oder menschliche Gottesbilder?

Die Verehrung weiblicher Gottheiten ist in der multikulturellen Umwelt des Alten wie des Neuen Testaments etwas völlig Normales, daher erwächst daraus auch immer wieder eine Versuchung für das Volk Gottes des alten wie des neuen Bundes. Der Prophet Jeremia wendet sich gegen die Anbetung der Himmelskönigin, die vor allem von den Frauen verehrt wird (Jer 7, 17-19; 44, 15-27). Der Prophet Ezechiel wendet sich gegen die falschen Propheten und Prophetinnen, deren Verkündigung und liturgische Gestaltung ihrem eigenen Geist, nicht aber dem Wort Gottes folgen (Ez 13) Dass ausgerechnet in diesem Text „Gott der Herr“ mit „die Ewige“ wiedergegeben wird, kann man nur als Verblendung, durch die der Textinhalt nicht mehr wahrgenommen wird, bezeichnen .

Was die feministische Ideologie heute als etwas scheinbar Neues verbreitet, ist im Grunde eine ständig wiederkehrende Erscheinung in der Geschichte der Religionen. Im Umkreis des Christentums ist dabei vor allem auf die alte und neue Gnosis zu verweisen, die durchgehend männliche und weibliche Wesen in ihren Hypostasen, Äonen und Emanationen als Offenbarung des Göttlichen beschreibt bis hin zur Lehre von den Archetypen, den „seelendramatischen Vorgängen“, von Carl Gustav Jung (1875-1961) mit seiner Ergänzung der Trinität zu einer Quaternität durch Maria als weibliches Element.

Damit kommen wir zu dem entscheidenden Eingriff in den Textbestand der biblischen Schriften, dass durchgehend die biblischen Gottesbezeichnungen durch weibliche Bezeichnungen ergänzt oder ersetzt werden. Das geschieht unter der Voraussetzung, dass Gott nicht das Subjekt in seinem Wort ist, sondern Objekt und Produkt menschlicher Vorstellungen, Bedürfnisse und Erfahrungen. Allerdings muss gleich darauf hingewiesen werden, dass diese Erscheinung keineswegs auf dieses Projekt beschränkt ist, sondern, ob man das will oder nicht, in der protestantischen Theologie sehr weit bis zur unreflektierten Selbstverständlichkeit verbreitet ist.

Wir gehen nun aus von einigen Kerntexten, die zu den Grundlagen christlichen Lebens gehören, um zu zeigen, was hier geschieht:

1. Das Vaterunser:
„So also betet: Du, Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel…“ (Mt 6, 9). Gott wird nicht als Vater angeredet, sondern offenbar darüber aufgeklärt, dass er uns Vater und Mutter ist. Im Paralleltext ist zu lesen „Du Gott…“ statt „Vater“ (Lk 11. 2). Manchen Gemeinden und Schulklassen wird diese Wiedergabe des Vaterunsers seit Jahren aufgezwungen; nicht wenige Gemeindeglieder werden aber damit auch gezwungen, solche Gottesdienste nicht mehr zu besuchen. Welche Folgen diese neue Bibelübersetzung für die Gemeinde und ihren Gottesdienst nach den Vorstellungen ihrer Verfechter haben soll, dürfte sich auch in der zum Reformationsfest 2006 in Frankfurt/M. arrangierten Veranstaltung gezeigt haben, die schlechterdings nicht als Gottesdienst bezeichnet werden darf, wenn die Schriftlesungen und liturgischen Texte nach dieser Übersetzungen verwendet werden sollten. Mit Sicherheit hätten ihn sämtliche Reformatoren unter Protest verlassen, und besonnene Christen, wenn sie wissen, was ihnen bevorsteht, werden überhaupt nicht erst hingehen. Juden und Moslems, die man ja gerne bei solchen Veranstaltungen dabei hätte, werden sich bei alttestamentlichen Lesungen mit Entsetzen die Ohren zuhalten und weglaufen.

2. Die Taufe:
Ebenso wird das Problem, das hier auf die Gemeinde zukommt, bei dem Tauf- und Missionsbefehl von Mt 28, 17-20 deutlich, wo es nun heißt: „Die elf Jünger wanderten nach Galiläa auf den Berg, auf den Jesus sie hingewiesen hatte. Und als sie ihn sahen, huldigten sie ihm, einige aber zweifelten. Jesus trat heran und sprach zu ihnen: ‚Gott hat mir alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Macht euch auf den Weg und lasst alle Völker mitlernen. Taucht sie ein in den Namen Gottes, Vater und Mutter für alle, des Sohnes und der heiligen Geistkraft. Und lehrt sie, alles, was ich euch aufgetragen habe, zu tun. Und seht: Ich bin alle Tage bei euch, bis Zeit und Welt vollendet sind’.“

Auch dies ist ein Text, der nicht nur jedem Christen im Ohr, ja im Herzen liegt, der aber durch die Taufe eine konstitutive Bedeutung und Wirkung für das Entstehen und Bestehen der christlichen Gemeinde für alle Zeiten hat. Wird eine Taufe mit diesen Einsetzungsworten gespendet, dann ist sie unwirksam und ungültig.

Dass der Paralleltext Mk 16, 9-20 als sekundäre Einfügung in Petit wiedergegeben wird, entspricht der in Agenden und Taufhandlungen seit einiger Zeit verbreiteten Praxis, den deutlichen Hinweis darauf, dass allein die Taufe aus dem Gericht rettet, zu verdrängen oder völlig zu streichen: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ Auch bei dem Text Mt 28, 20 entsteht der Eindruck, dass nicht mit dem Ende der Welt durch ein Endgericht gerechnet wird, wie das durchgehend vom Wort Gottes bezeugt wird, sondern mit einer fortschreitenden Vollendung der Welt in ihrer Geschichte.

In der Erläuterung zu „taufen“ wird dazu glatt behauptet, „dass ohne Taufe kein Heil bei Gott zu finden sei, ist ein Gedanke, der dem NT fremd ist, aber in einigen Handschriften später eingetragen wurde“ (2335). Man fasst sich bei solcher Unkenntnis unwillkürlich an den Kopf und fragt sich, welchen Unfug solche Theologen, denen einfachste Grundkenntnisse fehlen, in einer Gemeinde anstellen.

An solchen Kernstellen wie Vaterunser und Taufe zeigt sich nun, wie es durch die schon philologisch an keiner Stelle zu rechtfertigende Eintragung weiblicher Elmente in die Gottesbezeichnung zu einer tiefgreifenden Veränderung, ja sogar Aufhebung des gesamten in der Selbstoffenbarung des Dreieinigen Gottes begründeten christlichen Glaubens kommt. Dass darauf schon seit längerem von Theologen aus dem englischen Sprachbereich hingewiesen und davor gewarnt wird, ist den Nachahmern der amerikanischen feministischen Theologie in ihrer ideologischen Verblendung offenbar niemals zu Gesicht gekommen.

3. Ergänzungen und Ersetzungen bei den Gottesbezeichnungen:
Bei der Bearbeitung der Texte kam es darauf an, weibliche Formen einzufügen und männliche, vor allem „Vater“ und „Herr“ zu vermeiden. Für die alttestamentlichen Texte wird das Tetragramm „jhvh
“ durchgehend mit der vokalisierten Form „adonaj“ wiedergegeben, was wörtlich „Herr“ heißt. Das hebräische Wort verdeckt also nur die deutsche Bedeutung. Jhvh elohim wird mit „adonaj, also Gott“ wiedergegeben. Ferner werden sowohl männliche „er“ wie auch weibliche „sie“ Personalpronomina damit verbunden, z. B. Gen 1, 27: „…männlich und weiblich hat er, hat sie, hat Gott sie geschaffen“. Oder man liest „dieEwige“, auch „die Heilige“, „die Gottheit“. Es werden hebräische Bezeichnungen, die nicht aus dem Bibeltext kommen, eingetragen wie „ha makom“ – „der Ort“ oder auch „Schechina“, abgeleitet von „schachan“ – „wohnen“, z. B. der Tempel als der Ort, wo Gott seinen Namen wohnen lässt (z.B. 1 Kö 8, 13; 26, 8 „der du thronst über den Lobgesängen Israels“ Ps 22, 4 u. a. m.). Statt „Vater“ heißt es dann „Ursprung“ (Joh 8, 18f; 1 Kor 1, 3; Eph 6, 23); statt „Herr“ steht dann „die Lebendige“ (durchgehend in Lk) oder auch „der Befreier“, statt vom „Sohn“ wird meistens vom „Kind“ geredet, statt Geist liest man „die Geistkraft“. Dies aber zeigt, wie die Namen der drei Personen der göttlichen Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Geist, durchweg durch weibliche Ergänzungen oder Ersetzungen verändert werden. Dass pi,stij – Glaube mehrfach als „Zuneigung“ wiedergegeben wird, z. B. Hebr 13, 9, zeigt, dass man überhaupt kein Verständnis für den Glauben und Gehorsam in der Bundestreue Gottes hat (Röm 3, 1 ff).

Zu diesem durchgehenden Befund mit der Verweiblichung von Gottesbezeichnungen ist zu sagen, dass keine davon philologisch zu belegen ist Das aber bedeutet, es handelt sich nicht um eine Übersetzung des Urtextes, sondern um eine Textveränderung. Der entsprechende Teil der Einleitung (16-21) lässt erkennen, wie man sich windet, um diese einschneidenden Eingriffe in den Text zu begründen. In der Kopfzeile jeder linken Seite sowie auf dem Seitenrand wird daher auch meistens der Begriff aus dem Urtext angegeben und es werden Auswahlmöglichkeiten für die Gottesbezeichnung notiert. Die weiblichen Elemente werden also dem Text und damit auch den Lesern förmlich aufgezwungen. Diese Texte zu lesen oder gar vorzulesen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, was wohl auch von den Urhebern gesehen wird, wenn sie raten: „Wegen der Anpassung der grammatischen Bezüge empfiehlt sich bei öffentlichem Vorlesen eine Probelesung“ (17). Zu deutsch: der Text ist weder lesbar noch vorlesbar; er dient lediglich als Demonstration für eine bestimmte Ideologie.

Dieser Vorgang greift aber noch tiefer nicht nur in den Text, sondern in den ganzen christlichen Glauben ein. Protestantische Theologen müssen sich von Juden an die Heiligkeit des Gottesnamens erinnern lassen und vor allem daran, dass diese Namen nicht von Menschen erfunden und auf Gott übertragen werden, sondern dass Gott selbst seinen Namen offenbart (Ex 3, 14 etc.), dass daraufhin sein Namen verkündigt und Gott von uns so erkannt und angerufen werden kann. „Nomen Dei est Deus ipse“ – „Der Name Gottes ist Gott selbst“ – so lehrten die alten und alle rechtgläubigen Dogmatiker.

Gerade wo die Eliminierung von antijudaistischen Anklängen eines der drei Hauptanliegen dieses Textes ist, muss man mit Entsetzen feststellen, dass dieses ganze Unternehmen gerade in seinem Kern tiefgreifend antijudaistisch ist. Nicht nur orthodoxe Juden werden mit Abscheu auf das reagieren, was sie hier in ihren Heiligen Schriften vorgesetzt bekommen. In gleicher Weise ist es auch antichristlich.

4 – Die Auflösung der Dreieinigkeit Gottes

Wenn evangelische Christen nicht in gleicher Weise wie Juden und Moslems darauf reagieren, dann wird das wohl daran liegen, dass jedes Gefühl für die Heiligkeit des Namens Gottes und für seine Offenbarung in seinem Wort verloren gegangen ist, weil man die Heiligen Schriften lediglich als geschichtsbedingte Formulierung von Theologien ansieht, und dazu rechnen auch die Gottesnamen. Gerade deshalb muss man sich klar machen, dass auf diese Weise die Selbstoffenbarung des Dreieinigen Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist, wie sich oben bereits bei der Taufformel zeigte, bis in die Wurzeln zerstört worden ist. Dies soll im Folgenden an den Aussagen über die drei Personen der göttlichen Trinität gezeigt werden:

1. Gott, der Vater:
Durchgehend wird die Bezeichnung „Vater“
vermieden und entweder durch „Ursprung“ ersetzt oder durch „Mutter“ ergänzt. So heißt es im Gebet Jesu im Garten Gethsemane Mt 26, 39: „Mein Gott, Vater und Mutter, wenn es möglich ist…“ Diese Entstellung der Gebetsanrede Jesu findet sich immer wieder (Joh 8, 18 f u. a. m.). Konsequent wäre zu fragen, ob Jesus hier Gott als seine Eltern anredet, und damit stellt sich schon die Frage nach der Herkunft Jesu.

Die Wiedergabe von Mt 11, 25-30 zeigt in gleicher Weise, wie nicht nur das Verhältnis Vater-Sohn, sondern zugleich die Unterscheidung des Sohnes Gottes von denen, die durch ihn die Kindschaft empfangen, aufgehoben wird: „Es war zu dieser Zeit, dass Jesus Gott antwortete und bekannte: ‚Ich singe dir Loblieder, Gott Vater und Mutter für mich und mächtig im Himmel und auf der Erde…Du hast mir alles mitgeteilt. Niemand kennt mich als dein Kind so wie du, väterlich und mütterlich. Niemand kennt dich so väterlich und mütterlich, wie ich als dein Kind, und wie alle Geschwister, die ich darüber aufkläre…“ In gnostischen Texten findet man solche Vorstellungen; christlich sind sie auf keinen Fall.

Von einer geradezu erschütternden Gefühllosigkeit ist die Banalisierung des Klagegebets Jes 63, 15 ff: „Blicke vom Himmel und sieh aus deiner heiligen und prächtigen Wohnung! Wo ist dein Eifer, dein Heldenmut? Deine innersten Gefühle und deine Mutterliebe bleiben mir vorenthalten. Du bist ja unser Vater, unsere Mutter. Abraham kennt uns nicht, Israel nimmt uns nicht wahr. Du bist Gott, unser Vater, unsere Mutter. Unsere Befreiung seit jeher’, das ist dein Name.“

Eph 3, 15 wird der nicht ganz leicht zu übersetzende Text, in dem alles, was genealogisch mit Vaterschaft (patria,) bezeichnet wird, von Gott, dem Vater, herkommt, philologisch eindeutig falsch so verdreht: „Deshalb beuge ich meine Knie vor der schöpferischen Kraft (pater), die jedes Volk im Himmel und auf Erden benannt hat…“ In diesem Fall wie auch bei der Ersetzung von „Vater“ durch „Ursprung“ (1, Kor 1, 3; Eph 6, 23) wird eine personale Bezeichnung durch eine neutrale anonyme Bezeichnung im Sinne einer abstrakten Kausalität ersetzt. Außerdem zeigt sich hier, wie die Vorstellung von einer menschlichen Übertragung von Gottesvorstellungen, –bildern und –begriffen offenbar ein religiöser Pluralismus verborgen ist, nach dem die Gottesbezeichnungen der verschiedenen Religionen einen gemeinsamen Inhalt und Bezugspunkt haben.

Auch die personale Bezeichnung „pantokrator“, „Allmächtiger“, wird neutralisiert: „Ich bin das Alpha und das O, sagt Gott, die Macht, die ist und die war und die kommt, die alles beherrscht“ (Apk 1, 8). Vermutlich weil nun doch Apk 22, 19 im Blick ist, heißt es dort jedoch: „Ich bin das Alpha und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Apk 22, 13).

Diese und viele weitere Eingriffe haben, wie leicht einzusehen ist, erhebliche Konsequenzen für das gesamte christliche Glaubensbekenntnis, angefangen beim ersten Artikel.

2. Der Sohn Gottes:
Neben dem bereits angeführten Tauf- und Missionsbefehl ist die Taufe Jesu durch Johannes ein Grundtext für die Offenbarung der Dreieinigkeit Gottes (Mt 3, 13-17; Mk 1, 9-11; Lk 3, 21f). Das offenbarende und die Verheißung des Alten Bundes erfüllende Wort Gottes von Ps 2, 4 wird gegen den Urtext so verändert: „Dieses ist mein geliebtes Kind, ihm gehört meine Zuneigung“. Dabei ist schon zu bedenken: Die Gottessohnschaft Jesu, der vom Vater in Ewigkeit geboren und daher nach seinem Wesen Gott ist, unterscheidet sich von der Gotteskindschaft, die wir durch die Taufe auf den Namen des Dreieinigen Gottes als Annahme zum Kind Gottes (adoptione Röm 8, 15f; Gal 4, 1 ff) empfangen. Dieselbe Aufhebung der Beziehung von Vater und Sohn durch die Ersetzung der Bezeichnungen aus dem Urtext findet sich auch Hebr 1, 1 ff.

Völlig unverständlich ist, dass dann auch die Gebetsanrede Jesu „abba“, die aus guten Gründen aramäisch überliefert und so auch in vielen Übersetzungen festgehalten wird, an entscheidenden Stellen in nach dem Textzusammenhang geradezu geschmackloser Weise pervertiert wird. So Mk 14, 36 beim Gebetsringen im Garten Gethsemane: „Gott, Ursprung, von dem ich herkomme, dir ist alles möglich…“
Röm 8, 15 wird die durch die Gabe des Geistes Jesu in der Taufe eröffnete Möglichkeit für die Christen, Gott anzureden, wie es der Sohn Gottes getan hat, bagatellisiert: „Du Ursprung allen Lebens, sei unser Schutz!“.
Nur Gal 4, 6 bleibt: „Abba! Vater“.
Völlig den Sinnzusammenhang von Wort und Logos mit Gen 1, 1 ff zerstörend werden die gewichtigen Worte des Johannesprologs völlig verzerrt:
1 Am Anfang war die Weisheit und die Weisheit war bei Gott und die Weisheit war wie Gott.
2 Diese war am Anfang bei Gott.
3 alles ist durch sie entstanden, und ohne sie ist nichts entstanden…
14 und die Weisheit wurde Materie und wohnte unter uns, und wir sahen ihren Glanz wie den eines einziggeborenen Kindes von Mutter und Vater voller Gnade und Wahrheit.
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einziggeborene, der im Mutterschoß des Vaters ist, jener ist uns vorangegangen.“

Diese theologisch wie philologisch falsche Übersetzung kann man nur mit einem Gemälde von Rembrandt vergleichen, auf das irgendjemand seine politischen Parolen mit Sprühfarben geschmiert hat. Und vor allem: Die Weisheit ist nicht die zweite Person der Dreieinigkeit, sondern Eigenschaft und Gabe Gottes, aber auch nur so und dann eine Eigenschaft von Menschen, wenn sie denn erbeten und geschenkt wird (1 Kö 3).
Völlig entstellt wird auch das Wort Jesu vom Bekennen und Verleugnen: „Denn zu allen, die sich zu mir bekennen vor den Menschen, werde auch ich mich bekennen vor Gott, für mich Vater und Mutter im Himmel. Aber die mich verleugnen vor den Menschen, werde auch ich verleugnen vor Gott im Himmel“ (Mt 10, 32f). Noch schlimmer Mk 8, 38: „In dieser Generation, die den Bund mit Gott bricht, gibt es einige, die sich für mich und meine Worte schämen. Für die wird sich auch die himmlische Menschengestalt schämen, wenn sie im Strahlenglanz Gottes mit den heiligen Engeln kommt.“ Dies hat überhaupt nichts mehr mit dem Urtext zu tun, sondern das ist ein gesellschaftspolitisches Pamphlet, in dem die Grundlagen des Christusbekenntnisses aufgehoben sind.

Die Kirchenväter wie Irenäus von Lyon, Gregor von Nyssa (s.o.), Gregor von Nazianz, Augustin und alle ihnen folgenden rechten Lehrer der Kirche haben immer darauf hingewiesen, dass die Namen Gottes nicht einfach Eigenschaften sind, die aus menschlichen Vorstellungen auf Gott übertragen werden, sondern in ihnen offenbaren sich die wesenhaften Beziehungen (sce,seij – relationes) zwischen den trinitarischen Personen. In ihnen offenbart sich das Wesen (Homousie) der Dreieinigkeit Gottes. Grundlegend offenbart sich in der Beziehung Gott Vater – Gott Sohn die Gemeinschaft des Wesens als Gott und die Differenz der Personen in einem Ich-Du-Verhältnis, wie es sich gerade bei der Taufe Jesu und bei seinen Gebeten manifestiert.

Sowohl die Auseinandersetzung mit der Gnosis, z. B. bei Irenäus von Lyon wie auch die sog. christologischen und trinitarischen Streitigkeiten des 4. Jahrhunderts wurden durchweg dadurch ausgelöst, dass bestimmte theologische Lehren der Anbetung des dreieinigen Gottes im Gottesdienst der Gemeinde widersprachen. Es wurde also keineswegs eine Trinitätslehre oder Christologie entwickelt, sondern die Integrität des christlichen Gottesdienstes mit dem Lobpreis des Dreieinigen Gottes und der Taufe als realer Gemeinschaft mit Gott mussten verteidigt werden. Deshalb sind die christologisch-trinitarischen Abgrenzungen stets auch mit Taufe und Abendmahl verbunden. So ging es durchweg darum, diese Realität der Gemeinschaft mit dem Wesen Gottes festzuhalten. Gegenüber Arius wird dabei die falsche Auffassung vom Sohn Gottes energisch zurückgewiesen: „Auch wenn er als Gottbezeichnet wird (nämlich im Gottesdienst der Gemeinde), ist er doch nicht wahrhaftiger Gott“. Hier begegnet die Vorstellung von einer Übertragung von Gottesbezeichnungen, denen kein reales Sein entspricht. In gleicher Weise wird in der Confessio Augustana Art. I von der Einheit des Wesens und der Dreiheit der göttlichen Personen betont: „dass ein göttlich Wesen sei, welches genennt wird und wahrhaftiglich ist (quae appellatur et est) Gott, und seind doch drei Personen in demselben einigen gottlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, alle drei ein gottlich Wesen…“

Wenn man sich vor Augen führt, wie mit diesen falschen Übersetzungen das unterschiedene Sein Gottes nicht nur aufgehoben, sondern durch weibliche Elemente aus der menschlichen Erfahrungswelt verändert und ersetzt wird, dann wir deutlich, dass damit der „magnus consensus“ mit der alten Kirche und der gesamten rechtgläubigen Christenheit, der in CA I ausdrücklich betont und sorgfältig nachgewiesen wird, durchweg willkürlich zerbrochen ist.

3. Der Heilige Geist.
Es ist immerhin bedenkenswert, dass die Wörter für „Geist“ im Hebräischen feminin, im Griechischen neutrisch und im Lateinischen wie auch im Deutschen und vielen anderen Sprachen maskulin sind. Unter dem Zwang der ideologischen Vorgaben heißt es aber nun meistens: „die Geistkraft“. Auch die Bezeichnung der Person wird anonym gefasst, und das wird verbunden mit der Behauptung: „In nachbiblischer Theologie wird die Geistkraft zu einer Person der göttlichen Dreifaltigkeit (Trinität)…“. Abgesehen davon, dass die altkirchlichen Konzile keineswegs neue Dogmen produzierten, sondern, wie gerade gezeigt, die Integrität des Glaubens in der Einheit des Geistes vor allem für den Gottesdienst festhielten und gegenüber Irrlehren abgrenzten (definierten), liegt auch hier wie bei manchem anderen einfach mangelnde Kenntnis der Schrift vor. Denn als Person und damit als Subjekt begegnet uns der Geist als „para,klhtoj“ Joh 14, 16) sowie Röm 8, 16; 26 f, wenn er für uns eintritt und uns vor Gott vertritt. An allen diesen Stellen wird jedoch dieser theologisch und grammatisch eindeutige Sachverhalt plattgewalzt mit „die Geistkraft“.

5 – Das Bilderverbot Ex 20, 4-6; Dtn 5, 8-10; 4, 9-20

Luther hat in seinen Katechismen das zweite Gebot biblischer Zählung keineswegs, wie selbst von Theologen gelegentlich behauptet wird, gestrichen. Er hat es vielmehr mit dem ersten Gebot zusammengefasst und die umfangreiche Sanktion mit Zorn und Gnade als „Beschluss“ des Dekalogs im Kleinen Katechismus und als Anhang zur Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus eingefügt: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen…“ Der biblische Kommentar zum Bilderverbot in Dtn 4 schärft das ein: Gott begegnet seinem Volk im Wort, das gehört wird und geschrieben ist: „Seine Worte hörtet ihr, aber ihr saht keine Gestalt, nur eine Stimme war da. Und er verkündete euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nämlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln (V. 12-13). Gott begegnet seinem Volk aber nicht im Bild von dem, was er geschaffen hat. Deshalb wird mit aller Strenge gewarnt: „So hütet euch nun wohl – denn ihr habt keine Gestalt gesehen an dem Tage, da der Herr mit euch redete aus dem Feuer-, dass ihr euch nicht versündigt und euch irgendein Bildnis macht, das gleich sei einem Mann oder Weib…“ (genau muss es auch hier wie Gen 1, 27 heißen: männlich und weiblich. (V. 15-16).

Wenn man nun vor Augen hat, in welcher Weise in dieser Ausgabe der Heiligen Schriften die Namen Gottes verändert und durch andere ersetzt worden sind, dann ist zunächst festzustellen, dass durchgehend Übertragungen aus dem Bereich von Gottes Schöpfung vorgenommen worden sind. Auf diese Weise schafft sich der Mensch einen Gott nach seinem eigenen Bildnis.

Nun wird immer wieder auf Texte hingewiesen, in denen weibliche Verhaltensweisen mit Gott verbunden werden wie z. B. „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jes 66, 13) oder: „Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen“ (Jes 49, 15), oder: „Wie die Augen der Magd auf die Hände ihrer Frau, so sehen unsere Augen auf den Herrn…“ (Ps 123, 2). An allen diesen und ähnlichen Stellen geht es jedoch um Vergleiche oder Metaphern, nicht jedoch um Gleichsetzungen. Wenn dies nicht beachtet wird, kommt es unweigerlich zu einer Übertretung des Bilderverbots mit allen seinen Folgen.

Wenn durchgehend die Bezeichnungen Herr, Vater ersetzt werden, dann geschieht dies erklärtermaßen deshalb, weil man meint, auf diese Weise Unrecht wieder gut machen zu können. Begründet wird das in der feministischen Theologie immer mit negativen Erfahrungen in Ehe und Familie, die es ja durchaus geben mag. Doch dabei wird offenbar völlig übersehen, dass man vorhandene oder eingebildete soziale und politische Missstände nicht dadurch verändern kann, dass man andere Gottesbilder produziert. Vielmehr wird auf diese Weise genau die Grundlage aus dem Wort Gottes aufgehoben, von der aus, beginnend mit Gen 1, 27, gezeigt werden kann, was in unserem Leben dem Willen Gottes zuwider ist. Andernfalls setzt sich der Mensch an die Stelle Gottes (Gen 3), auch in der Meinung, er könne alle Folgen des Sündenfalls in dieser Welt bekämpfen und beseitigen.

Allerdings muss man auch sehen, wie bei diesen Veränderungen und Ersetzungen in den Gottesnamen die Personalität des Dreieinigen Gottes aufgelöst wird in Begegnungen, Gefühle und Erfahrungen, wie es das Kennzeichen aller Gnosis ist. Gott wird entmachtet, indem er seiner Herrschaft beraubt wird, nach der er Schöpfer, Erhalter, Richter und Retter der Welt und aller Menschen ist, den wir als solchen „über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen“ sollen.

Die ausgewählten Beispiele für die dogmatische Beurteilung bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus einem Gesamtbefund von theologischen und philologischen Fehlern. In den bisher vorliegenden Äußerungen zu der „
Bibel in gerechter Sprache“ zeigt sich, wie man sich darüber entweder empören oder lustig machen kann. Nach meiner Einsicht kommt es jedoch in erster Linie darauf an zu sehen, was an diesem Projekt symptomatisch ist für das, was bei uns in Theologie und Kirche weit verbreitet ist. Kirchenleitungen, die dieses Projekt unterstützt haben und weiterhin fördern, müssen sich vorwerfen lassen, dass sie damit die Kirche und den christlichen Glauben zerstören. Wie jedoch nichts ohne Gottes Willen geschieht, so sollte uns auch diese Bibelausgabe die Augen öffnen für das, was wir in der Lehre und daher weithin auch im Gottesdienst einfach verloren haben. Dies aber ist keineswegs eine Frage theologischer Richtungen und Schulen, sondern des theologischen Grundwissens. Die ernste Frage zur Prüfung von uns selbst ist, ob der Dreieinige Gott, den wir bekennen, anbeten und verkündigen, nur ein Gedankenprodukt von Theologen ist, oder ob er sich selbst in seinem Wort der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments offenbart, zu uns spricht und an uns und dieser Welt handelt.

Professor Dr. Reinhard Slenczka, D.D.,
Erlangen. 9. 11. 2006

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