Anfechtungen – F.Laubach

Fritz Laubach

Biblische Stärkungen für Angefochtene

Hoffnung ist ein geistliches Geburtstagsgeschenk, das Gott denen gibt, die ihr Leben Jesus Christus anvertrauen und Gottes Kinder werden. Wer zu Christus gehört, ist „wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung“ (1. Petrus 1, 3). Dabei geht es nicht nur um das „Prinzip Hoffnung“, ohne das wir Menschen nicht leben können, wie es der Schriftsteller Ernst Bloch einmal ausgedrückt hat. Es geht vielmehr um ganz bestimmte Inhalte, mit denen die Hoffnung der Christen gefüllt ist.

Da ist einmal die ganz persönliche Hoffnung des einzelnen Christen, die sich auf das Wort Jesu aus dem hohepriesterlichen Gebet gründet: „Vater, ich will, dass die, die zu mir gehören, bei mir sein sollen, damit sie meine Herrlichkeit sehen“ (Johannes 17, 24). Wer Jesus nachfolgt, weiß um das Ziel seines Weges: die Herrlichkeit in Gottes ewiger Welt.

Es gibt aber auch die Hoffnung auf ein kommendes Geschehen, die allen Glaubenden gehört: Jesus Christus wird wiederkommen und seine Gemeinde vollenden. Was Jesus in seinen Abschiedsworten andeutet: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen … ich will wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin“ (Johannes 14, 2-3), – das haben die Apostel unter der Leitung des Heiligen Geistes ausführlich bestätigt: Jesus Christus wird seine ganze Gemeinde fleckenlos dem Vater darstellen. Endlich werden wir ohne Sünde sein. Dann werden wir uns freuen, nicht nur am eigenen Heil, sondern vielmehr noch an der Herrlichkeit aller unserer Brüder und Schwestern, die mit uns das Ziel erreicht haben. Wir werden für immer sichtbar mit Christus vereint sein (1. Thessalonicher 4, 17; 1. Johannes 3, 2).

Aber der Horizont der Hoffnung ist in der Bibel noch weiter gespannt: Nicht die Seligkeit der Glaubenden ist Gottes höchstes Ziel, sondern die Aufrichtung der sichtbaren Gottesherrschaft durch Christus in der Welt; die Bibel deutet auf ein Reich des Friedens hin, in dem Jesus Christus regieren und das Volk Israel zum Segen für alle Völker werden wird. Und nach der letzten großen Schlussab-rechnung wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, die neue heile Welt Gottes, ohne Leid und ohne Tränen, ohne Sünde und ohne Sterben – und alle, die zu Jesus Christus gehören, werden daran Anteil haben.

Die Hoffnung, von der die Bibel spricht, ist ein ganz großes Geschenk unseres himmlischen Vaters für seine Kinder. Aber der Widersacher Gottes versucht um jeden Preis, sie uns aus den Händen zu winden. Er möchte uns die Hoffnung aus dem Herzen reißen. Weil der Apostel Paulus weiß, dass Christen in ihrem Glauben und in ihrer Hoffnung angefochten werden, darum mahnt er, an der Hoffnung festzuhalten. Paulus schreibt an Gläubige, er schreibt ganz gezielt, er hat dabei eine bestimmte Situation vor Augen. Aber sein Wort gilt uns heute ebenso wie den Christen der ersten Generation.

Auf dem Weg des Glaubens sind wir gefährdete Leute. Nicht die Versuchung zur Sünde steht hier im Vordergrund, sondern Anfechtung durch Druck von außen und Verunsicherung von innen. Für die Gläubigen in der apostolischen Generation war die Nachfolge Jesu mit Isolation, mit Verachtung und Nachteilen verbunden: nicht Erfolg, sondern Geringschätzung – nicht Anerkennung, sondern Leiden prägte ihren Weg. Und das ist auch heute so.

Wirkliches Christsein ist nicht „in“, weder bei jungen Leuten noch bei Erwachsenen. Christen werden mitleidig belächelt als Menschen, die einen „religiösen“ Tick haben, die man nicht so ganz ernst nehmen darf. Jesus hat von dem Kreuz gesprochen, das die Glaubenden ihm nachtragen sollen. Die Apostel reden von der „Schmach Christi“, die wir auf uns nehmen müssen. Immer als Außenseiter der Gesellschaft zu leben kann uns unter seelischen Druck setzen, kann verunsichern, verdunkelt den Blick aufs Ziel, trübt unsere Hoffnung. Wir fragen vielleicht: Lohnt sich dieser Weg? Wir geraten in Gefahr, in der Hingabe unseres Lebens an Jesus Christus zu erlahmen.

In diese Situation hinein sagt der Apostel: Gott kennt unsere Lage, er lässt uns nicht allein, er hat unsere Gefährdung vorausgesehen. Darum hat er uns sein Wort als Hilfe gegeben. „Was zuvor geschrieben wurde, das ist für uns, für die Glieder der Gemeinde Jesu geschrieben!“ In der Schrift, im Alten Testament, können wir bereits Christus als Leitbild unserer Nachfolge entdecken. Er hat nicht für sich selbst gelebt, er „hatte nicht an sich selber Gefallen“, Er ging den Weg des Leidens. Er hat sein Leben drangegeben, ein Leben, das vom Gehorsam und Vertrauen gegenüber seinem Vater erfüllt war.

„Was zuvor geschrieben wurde“ – Paulus denkt dabei an ein bestimmtes Schriftwort. Er zitiert Psalm 69, Vers 10: „Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen“ (Römer 15, 3). Dieser Psalm trägt in der Luther-Übersetzung zu Recht die Überschrift: „In Anfechtung und Schmach“. Und gerade diesen Psalm hat Jesus auf sich bezogen, als er in der großen Rede vom Weinstock und den Reben von seinen Feinden sagte: „Sie hassen mich und meinen Vater. Aber es muss das Wort erfüllt werden, das in ihrem Gesetz geschrieben steht“ und nun führt Jesus Psalm 69, 5 an: „Sie hassen mich ohne Ursache.“
Als die Jünger miterlebten, wie Jesus die Händler aus dem Tempel trieb, haben sie an denselben Psalm gedacht, und zwar an den Satz: „Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen!“ (Psalm 69, 10; Johannes 2, 17). Überall begegnen wir in diesem Psalm prophetischen Hinweisen auf Christus. Und eben der gleiche Psalm, der mit den Worten beginnt: „Das Wasser geht mir bis an die Kehle!“ mündet ein in den Lobpreis Gottes und das Bekenntnis der Hoffnung: „Es lobe ihn Himmel und Erde, die Meere mit allem, was sich darin regt. Denn Gott wird Zion helfen“ (Psalm 69, 35f.).

In der äußersten Bedrängnis bleibt der Blick nach oben, der Blick nach vorne frei – die Hoffnung überwindet die Anfechtung. „Was zuvor geschrieben wurde …“ dabei denkt Paulus also an einen Psalm, in dem wir den Weg Jesu und seiner Gemeinde vorgezeichnet finden. Die Schrift des Alten Testamentes weist uns auf Christus und seine Gemeinde. Darum kann Paulus schreiben: „Was einst geschrieben wurde, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift die Hoffnung festhalten.“

Paulus nennt hier in einem Satz drei Stichworte: Lehre, Trost, Geduld. Dazu ein Vergleich: Wir gehen im Haushalt mit elektrischen Geräten um, die zum Teil dreifach abgesichert sind. Nur wenn jede der drei Sicherungen intakt ist, arbeitet das Gerät. So ähnlich ist es mit den drei geistlichen Erfahrungsbereichen, von denen Paulus spricht, ohne die ein Festhalten an der Hoffnung nicht möglich ist.

Der Apostel nennt das Stichwort „Lehre“. Er denkt an all die Unterweisung im biblischen Wort. Die Bibel ist wichtig. Wir können nicht hoffen, wenn wir nicht wissen, worauf wir hoffen dürfen. Darum sollen wir mit dem prophetischen Wort vertraut werden. Wir müssen Gottes Wort zuerst bewusst in uns aufnehmen, bevor es in unserem Leben geistliche Wirkungen hervorrufen kann. Und das geschieht so, wie es Jesaja beschreibt: „Gott, der Herr … weckt mir alle Morgen das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören“ (Jesaja 50, 4). Das heißt: wie Schüler hören. Von den Rabbinern wissen wir, dass ihre Schüler in den Tora-Schulen sich Satz für Satz einprägten, bis sie sie auswendig konnten. So hat Paulus bei Gamaliel gelernt. So haben die Jünger die Worte Jesu in ihrem Gedächtnis bewahrt. Es geht also bei der Lehre, bei der biblischen Unterweisung um einen Vorgang, ohne den auch heute Schulunterricht undenkbar ist. Wir müssen uns intensiv mit dem Lernstoff beschäftigen, ihn uns einprägen, manches auswendig lernen. So muss unser Umgang mit der Heiligen Schrift sein. Wir dürfen uns nicht nur gelegentlich Worte heraussuchen, die uns erfreuen oder die unserem Verständnis unmittelbar zugänglich sind. Wir müssen die Bibel im Zusammenhang lesen und den schwierigen Stellen nicht ausweichen, Tag für Tag, Seite um Seite. Hier ist uns eine gute Möglichkeit gegeben, uns in der Ausdauer zu üben. Vielleicht brauchen wir manchmal Ermutigung, jemanden, der uns dabei hilft.

Dazu ein Beispiel, denen Sie sicher ähnliche an die Seite stellen könnten: Als ich eingeschult wurde, war meine Mutter wenige Monate vorher gestorben. In der Erinnerung sehe ich noch, wie meine Großmutter neben mir saß. Während ich keine Lust mehr hatte, weiter Lesen zu üben und mühsam an meiner Fibel herumbuchstabierte oder die Schiefertafel erst halbvoll mit „i“ beschrieben war, redete sie immer wieder gut zu: „Nun mach mal weiter mit dem nächsten Buchstaben!“ Und ihre Mühe ist nicht umsonst gewesen. Gott unterrichtet uns mit seinem Wort. Wir sollen daraus lernen, es uns einprägen. Und wie jeder Lernvorgang, so ist auch geistliches Lernen ein langsamer und lang andauernder Prozess, aber der geistliche Horizont wird weiter, unser Leben an Erfahrung und Urteilsfähigkeit reicher.

Der Apostel nennt ein zweites Stichwort: Er spricht vom „Trost der Schrift“, durch den wir in unserer Hoffnung bestärkt werden. Wenn wir angefochten werden, wenn die Hoffnung zu schwinden droht, werden wir durch die Bibel ermutigt. In ihr begegnen uns Menschen, die auf dem Weg des Glaubens durch Anfechtungen hindurch mussten, die selber Trost brauchten: Menschen am Rande der Verzweiflung, die Gottes Wege nicht mehr verstanden und doch in ihrer Hoffnung nicht enttäuscht wurden.

Da ist Hiob. Obwohl er an Gott hängt, ja gerade weil er mit Gott leben und an seinen Ordnungen festhalten will, gerät er auf eine ihm unbegreifliche Weise in tiefste Not. und diesem Mann, der immer wieder zwischen Zweifel und Vertrauen schwankt, wird die Gewissheit zuteil: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ (Hiob 19,25). Rückschauend kann er am Ende seines notvollen Weges feststellen: Gott hat mich nie losgelassen!

Da ist Jeremia. Gottes wiederholtes Versprechen steht am Anfang seines Weges: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir und will dich retten“ (Jeremia 1, Verse 8 und 19). Auch später sagt Gott ihm das gleiche noch einmal (Jeremia 15, 21). Aber gerade weil er Gott gehorcht und sein Wort unerschrocken verkündigt, wird er vor Gericht gestellt, öffentlich ausgepeitscht, wird er in die Zisterne geworfen, kommt er durch den Hass seiner Gegner an den Rand des Todes. Und Gott lässt ihn nicht untergehen. Als für Jeremia alle Hoffnung vernichtet erscheint, sendet Gott den Mohren Ebed-Melech zu seiner Rettung (Jer.38).

Da sehen wir das auserwählte Volk Gottes in der Unterdrückung in Ägypten. Die Israeliten kennen die Verheißungen Gottes an Abraham, Isaak und Jakob. Von Mund zu Mund sind die Segensworte der Vorväter unverfälscht weitergegeben und aufgezeichnet worden – als Signale der Hoffnung. Aber die Fronarbeit unter der Herrschaft der Pharaonen brachte die Israeliten dem sicheren Zerbruch ihres Glaubens immer näher. Während für die Israeliten die Zukunft hoffnungslos erschien, begegnete weitab von Ägypten Gott dem Mose und sagte: „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen … und ich bin hernieder gefahren, dass ich sie errette“ (2. Mose 3,7-8). Es wurde ein langer Weg aus dem Land der Knechtschaft bis hin zum verheißenen Land der Väter. Aber Gott hat die Hoffnung seines Volkes nicht enttäuscht.

In den Berichten des Alten Testamentes stehen viele Menschen auf, die wie König Hiskia bekennen könnten: „Siehe, um Trost war mir sehr bange; du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe“ (Jesaja 38, 17).
Und diese Erfahrung setzt sich im Neuen Testament fort. Weil Paulus im Dienst für Christus selber am Rand der Verzweiflung gestanden hat und nicht mehr aus noch ein wusste, und Gott ihm in seiner inneren Dunkelheit ganz nahe kam, konnte er bezeugen: „Gott ist der Vater der Barmherzigkeit und der Gott allen Trostes“ (2. Korinther 1, 3-4), der uns in jeder Anfechtung tröstet.

Und wie war es bei Jesus? Immer wieder hat er bei seinen Leidensankündigungen seinen Jüngern gesagt: „Der Menschensohn wird am dritten Tage auferstehen (Matthäus 16, 21 u. a. m.). Er wusste um das Ziel seines Weges, die himmlische Freude (Lukas 9, 30f.; Hebräer 12, 2). Aber auch ihm ist die Stunde schwerster Anfechtung nicht erspart geblieben. Obwohl ein Engel ihn vorher gestärkt hatte (Lukas 22, 43), geriet er im Sterben am Kreuz in größte Not, schien alle Hoffnung verschwunden, so dass er ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Matthäus 16, 21 u. a. m.). Er wusste um das Ziel seines Weges, die himmlische Freude (Lukas 9, 30 f.; Hebräer 12, 2). Aber auch ihm ist die Stunde schwerster Anfechtung nicht erspart geblieben. Obwohl ein Engel ihn vorher gestärkt hatte (Lukas 22, 43), geriet er im Sterben am Kreuz in größte Not, schien alle Hoffnung verschwunden, so dass er ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Matthäus 27, 46). Als er starb, versank für die Jünger die ganze Welt in einem Meer von Hoffnungslosigkeit – „Wir aber hofften…“ (Lukas 24, 21). Nun schien alles vorbei. Und doch: Am Ostermorgen war alle Dunkelheit des Todes überwunden. Gott hatte alle Zusagen eingelöst.

Wie viele Menschen gibt es heute, die bewusst Christus nachfolgen und die gerade um ihres Glaubens willen Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben oder Nöte in ihren Familien durchleben und unter äußeren Druck geraten und sie sehen keinen Ausweg. Andere gibt es, denen durch ihre Anfechtungen der Blick in die Zukunft verdunkelt wird. Beim Lesen der Bibel entdecken wir etwas Tröstliches: Wir sind nicht die ersten, denen es so ergeht, längst vor uns sind Menschen da gewesen, die durch die gleichen oder noch tiefere Anfechtungen hindurch mussten, als sie uns zugemutet werden. Gott hat diese Menschen nie losgelassen. Das stärkt in uns das Vertrauen, dass Gott auch uns nicht loslassen wird. Wir lernen durch das Wort der Bibel Gott als den „Gott der Hoffnung“ kennen, wie Paulus das ausdrückt (Römer 15, 13). Wenn wir sehen, wie Gott Menschen in ihrer Hoffnung nicht enttäuscht hat, tröstet uns das in unseren Anfechtungen und hilft uns zur Geduld.

„Geduld“ ist das dritte Stichwort, das Paulus nennt. Durch den Trost der Schrift und durch Geduld lernen wir, an der Hoffnung festzuhalten. Die Bibel sagt uns, dass Geduld eine „Frucht des Geistes“ ist (Galater 5, 22), die nur auf dem Acker der Bedrängnis wächst (Römer 5, 3; Hebräer 10, 36). Solange es uns gut geht, solange alle Familienmitglieder und Arbeitskollegen freundlich mit uns umgehen ist keine Gelegenheit da, um uns in der Geduld zu üben. Aber wenn wir in Schwierigkeiten geraten, wenn wir um die Lösung unserer Probleme beten und sich nirgends ein Ausweg zeigt, dann können wir mit Gottes Hilfe Geduld lernen. Wie wenig wir von uns aus fähig sind, geduldig zu sein, können wir oft an uns selbst im Alltag beobachten: Wie schnell werden Eltern ungeduldig mit ihren Kindern, wenn sie nicht das gleich lernen, was die Eltern ihnen in der Erziehung beibringen möchten. Wie ungeduldig können Autofahrer werden, wenn sie in einen Stau geraten. Wie heftig kann sich die Ungeduld der Reisenden Luft machen, wenn der Intercity-Zug wegen einer Betriebsstörung eine halbe Stunde auf offener Strecke halten muss. Wie ungeduldig kann mancher Ehemann sein, wenn seine Frau das Essen nicht zu der erwarteten Zeit auf den Tisch bringt. In den kleinen Begebenheiten des Alltags müssen wir anfangen, Geduld zu lernen, um auch unter den großen Belastungen aushalten zu können. Nicht aus den Schwierigkeiten ausbrechen wollen, den Weg des Leidens nicht eigenwillig abkürzen wollen, das meint der Apostel, wenn er schreibt: „Selig ist der Mensch, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen“ (Jakobus 1, 12). Nicht darin zeigt sich Gottes Gnade, dass er uns die Belastungen erspart, sondern das ist seine Gnade, dass wir unter den Lasten Frieden finden.

Gott sorgt dafür, dass wir an der Hoffnung festhalten können: Er hat darüber gewacht, dass sein Wort uns erreicht hat. Er hilft uns zur Geduld. Er gibt uns den Trost der Schrift. Darum sagt Paulus: „Was einst geschrieben wurde, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift die Hoffnung festhalten.“ Als er von der „Schrift“ sprach, bezog er sich auf das Alte Testament. Wir sind reicher als die Glaubenden zur Zeit der Apostel. Wir haben das Alte und das Neue Testament, die ganze Heilige Schrift. Und wir entdecken beim Lesen der Bibel, wie das prophetische Wort des Alten Testaments im Neuen Testament klarere Konturen gewinnt bis hin zu den weiten Perspektiven der Offenbarung des Johannes. Als Glieder der Gemeinde Jesu, als Glaubende des Neuen Bundes haben wir eine noch größere Hoffnung als die Glaubenden des Alten Bundes. Umso größer darf auch unsere Zuversicht werden, mit der wir unbeirrbar an der Hoffnung festhalten.

Dr. Fritz Laubach, Hamburg, 1980. Vortrag auf der Ludw. Hofacker Konferenz