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Alarm um die Reformation (A.Omenzetter)

A. Omenzetter

Alarm um die evangelische Gemeinde der Reformation

 

Vorwort

Was mich zu dieser Schrift veranlaßt hat, ist die Sorge um die Verantwortung für die Menschen, die die Wahrheit liebhaben. Es ist noch gar nicht so lange her, daß viele Glaubensgenossen bittere Enttäuschungen erleben mußten. Sie sind das Opfer ihrer eigenen unklaren Haltung dem Wahrheitszeugnis der Schrift gegenüber geworden. Der Hang zum „imponierenden Großen” ist oft die Ursache der Vernebelung. – Heute drohen von einer anderen Seite größere Gefahren. Darum müssen wir warnen, solange dies noch möglich ist. Diese Möglichkeiten können uns bald genommen werden: „Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann!”

Der treue Herr aber, der die Herzen der Menschen wie Wasserbäche lenkt, möge seinen Segen auf diese Schrift legen. Er gebe Gnade, daß wahrheitsuchenden Seelen die Augen für unsere ernste Wirklichkeit geöffnet werden.

A. Omenzetter

Zur achten Auflage:

Seit dem Erscheinen der 2. Auflage 1967 bis heute erlebten wir, wie sich ev. Kirchen und Freikirchen an den Wagen Roms haben spannen lassen. Sie wurden in der Ökumene Wegbereiter für die Wiedervereinigung mit der päpstlichen Kirche Roms. Durch eine gemeinsame Bibelübersetzung, ein ökumenisches „Vaterunser” und ein „Glaubensbekenntnis” u. a. m. sollen die Bibelgläubigen irregeführt werden.

Wir dürfen heute weder der katholischen noch weniger der evangelischen Kirche Glauben schenken, daß die Macht des Papstes im Schwinden sei und die Kirche Roms einem neuen Frühling entgegengeht. Die Voraussetzung für eine Erneuerung könnte erst gegeben sein, wenn aus der katholischen Kirche verbannt sein würden:
1. Das antichristliche Papsttum,
2. der Totalitätsanspruch,
3. die lügenhafte Politik,
4. die Jesuiten,
5. die heidnischen Dogmen,
6. der Götzen- und Bilderkult,
7. der gottwidrige Messehandel und sonstiger Aberglaube.

– Solange auch nur ein Punkt nicht erfüllt ist, müssen wir Distanz halten und warnend unsere Stimmen erheben. – Für ein gottseliges Leben und Sterben genügen: Christus allein … (Apg. 4, 12) – Das Wort Gottes allein …!” (2 Petr. 1, 19) – Allein aus Gnaden! (Eph. 2, 5.)

Der Verfasser

 

Inhaltsverzeichnis

I.   Der römische Katholizismus und sein religiös-politischer Weltstaat
II.  Der Jesuitenorden oder der „Orden der Gesellschaft Jesu”
III. Der „Dialog” oder das „Gespräch” mit Rom
IV.  Roms Dialog mit der Welt
V.   Der Dialog mit dem Osten
VI. Die römisch-katholische „Liebe” und die römische ,,Religions- und Gewissensfreiheit”   
VII. Das Papsttum – seine Entstehung und seine Machtentfaltung in der Welt
VIII. Die Lehre der römischen Kirche und die Lehre der Heiligen Schrift

1.  Die Kirche
2.  Die Taufe
3.  Die Buße
4.  Christus oder Maria?   
5.  Der „unfehlbare Stellvertreter Christi”
6.  Verehrung und Anbetung der Heiligen
7.  Der katholische Reliquienkult
8.  Das Kreuz
9.  Der Bilderkult
10. Das Fegfeuer
11. Das Gebet
12. Der Beichtstuhl    

IX. Wahres Einswerden nach dem hohepriesterlichen Gebet Jesu
X.  Zweierlei Zusammenschlüsse
XI. Nachtrag

 

I. Der römische Katholizismus und sein religiös-politischer Weltstaat

Während meines Studiums auf St. Chrischona bei Basel hat einer unserer hochgeschätzten theologischen Lehrer im Unterricht den Satz geprägt: „Der Katholizismus ist die größte Sekte der Kirchengeschichte.” Über diese Worte dachte ich im Laufe der Jahre immer wieder nach.

In jener Zeit brachte eine Schweizer Zeitschrift einen religiösen Vortrag eines hohen katholischen Würdenträgers. Ein Satz machte mich in diesem Vortrag stutzig: „Wir werden das durch die Reformation ausgebrochene Stück Mauer wieder einfügen, auch wenn es durch Schwert und Feuer sein müßte.” Diese Worte klangen damals in meinem Herzen wie ein Warnruf vor kommenden Gefahren.

Vier Jahre später weilte ich in Leipzig zum weiteren Studium. Man schrieb das Jahr 1932. In einer Vorlesung wurde den Studenten folgendes gesagt: „Der Vatikan hat Gespräche mit der Sowjetunion geführt. Er ist seinerseits bereit, den Kommunismus anzuerkennen. Als Gegenleistung verlange der Papst ungehinderte Missionstätigkeit in der Sowjetunion. Zu diesem Zweck wurden 5000 jesuitische Missionare ausgebildet, die nach dem Vertrag eingesetzt werden sollten.” Über die Quelle dieser Nachricht sagte der Dozent nichts. Moskau lehnte aber das Ansuchen des Vatikans ab.

Viele meinen, wenn sie mit einzelnen Katholiken Verbindung halten, dem Katholizismus kennengelernt zu haben. Es besteht oft ein großer Unterschied zwischen Katholiken und Katholizismus. Derselbe Lehrer sagte uns Schülern: „Es gibt Katholiken, die trotz Maria und den Heiligen doch zu Christus gelangen.” Es ist wahr: Es gibt unter den Katholiken manche treue Gotteskinder, mit denen man auch die Knie beugen kann. Es sind jene aufrichtigen Seelen, die das wahre Heil von ganzem Herzen suchen. Sie erwarten es von Jesus Christus und nicht von der Kirche. Sie gleichen jenem Vogel, der von der giftigen Eibe die roten, ungiftigen Beeren holt, um sie als Nahrung zu verwenden.

Im Zweiten Vatikanischen Konzil konnte man immer wieder reformatorische Stimmen einzelner Bischöfe vernehmen. Das ist sehr erfreulich! Aber es zeugt poch lange nicht davon, daß sich im Katholizismus seit der Reformation etwas Grundmäßiges geändert hätte. Das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur der alte Ballast ist beibehalten worden, sondern in der Nachreformationszeit sind neue widerbiblische Dogmen hinzugekommen:

1. Das Dogma der „unbefleckten Empfängnis” Marias.
2. Das Dogma von der „Unfehlbarkeit” des „Stellvertreters”.
3. In der neuesten Zeit das Dogma von „Marias leiblicher Himmelfahrt”.

Die Kirche Roms ist im Gegensatz zu der evangelischen Kirche eine geschlossene Einheit. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß diese Einheit auf Kosten der Wahrheit entstanden ist. Rom hat in seiner mehr als tausendjährigen Geschichte heidnisches und sektiererisches Gedankengut in sich aufgenommen, dieses mit biblischen Wahrheiten des Christentums vermischt, und damit eine einheitliche, straffe, sogenannte „unfehlbare Kirche” geschaffen, die sie, gleich dem Islam, mit Feuer und Schwert ausbreitete und verteidigte.

In der Kirche Roms ist Irrtum mit Wahrheit vermischt. Man spricht teilweise noch die Sprache der Bibel, hat aber deren Inhalt gefälscht. Man gebraucht biblische Ausdrücke, die aber eine andere Bedeutung haben. Rom hat das Gift der Spaltpilze in den eigenen Reihen nicht ausgeschieden, sondern in sich aufgenommen. Man hat nicht nach den Worten des Apostels Paulus gehandelt: „Tut von euch selbst hinaus, was böse ist” (1. Kor. 5, 13). Roms Einheit ist, von der Schrift aus gesehen, auf sandigem Fundament gebaut.

Der Katholizismus hat – trotz seiner straffen, zentralen Leitung – in den verschiedenen Ländern sein eigenes Gepräge. Er ist anders in den Ländern, wo er in „Reinkultur” auftritt, und anders dort, wo andere Konfessionen noch mit ihm zusammenleben. Die polnischen Katholiken sind in ihrer Mehrheit verschlossen, unduldsam, falsch und waren vollkommen priesterhörig. Evangelische, deutsche Katholiken, Juden und Orthodoxe lebten in einem guten Verhältnis miteinander. Vor den polnischen Katholiken hüteten sie sich alle. Ein Ausspruch lautete: „Vor dem freundlichsten Katholiken mußt du dich am meisten hüten!” Bilderkult, geweihte Talismane und finsterer Aberglaube waren religiös geprägt. – Ähnlich wird es wohl auch in anderen rein katholischen Ländern sein.

In Deutschland und in anderen von der Reformation durchdrungenen Ländern ist auch der Katholizismus befruchtet worden. In diesen Ländern hat er seine harte, unduldsame Prägung einigermaßen eingebüßt.

Der römische Katholizismus ist eine Macht, die das religiöse und auch das weltliche Prinzip in sich vereinigt. Ihr Staat ist der Vatikan. Ihr Haupt ist der in Fragen der Lehre „unfehlbare” Papst. Der rangälteste Kardinal krönt den Papst mit den Worten: „Empfange die mit drei Kronen geschmückte Tiara und wisse, daß du der Vater der Fürsten und Könige bist, du Lenker des Erdkreises, der Statthalter unseres Erlösers Jesus Christus, dem Ehre und Ruhm sei in Ewigkeit!”

Ihm zur Seite steht eine streng durchorganisierte Regentschaft in verschiedenen Rangordnungen, die sogenannte Hierarchie. Es sind in allem weltlichen und religiösen Wissen durchgebildete Würdenträger. Sie sind die Leiter der sogenannten Sekretariate, Nuntiaten, Kurien u. a. m. Diese Einrichtung hat eine innere und äußere Abteilung. Das uns bekannteste Sekretariat ist das 1960 geschaffene „Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen” unter der Leitung des Jesuitenkardinals Bea (gest. Nov. 1968). Seit April 1969 ist Kardinal Willebrands der Leiter.

Der Vatikan ist eine straffe, bis ins Detail durchdachte religiös-politische Staatsform. Im Organisatorischen übertrifft er noch bei weitem die Diktaturen. Er wird autoritär regiert und empfindet autoritär. Selbst für den Fachmann ist es schwer, sich in diesen weltlich-religiösen Staat mit seinen Orden, Kongregationen, Abteien, Tribunalen, Kommissionen usw. hineinzudenken. Sie sind in fast allen Staaten der Welt tätig und bei machen Staaten sogar aktiv an der Prägung der Staatsform beteiligt. Man kann wohl sagen: Der Vatikan ist der Staat im Staat.

Der Vatikanstaat ist unmeßbar reich. In vielen Staaten der Erde hat das kleine Reich des „Stellvertreters Christi“  große Reichtümer angehäuft. Allein an italienischen Wertpapieren hat der Vatikan 6,5 Milliarden DM angelegt. Er besitzt damit 15% aller italienischen Wertpapiere. Nach Angaben des italienischen Finanzministers Roberto Tremelloni flossen ihm im Jahre 1963 allein aus italienischem Aktienbesitz 22,5 Millionen DM Dividende zu. Das Vermögen des Vatikans, nur an Geldanlagen, wird auf ca. 23 Milliarden DM geschätzt. Sein Gesamtvermögen soll ca. 73 Milliarden DM betragen.

Ein gewaltiger Beamtenapparat ist bei der Arbeit, um eine große, einheitliche politisch-religiöse Weltkirche zu bauen, damit das Wort des Papstes Urban VIII. erfüllt wird: „Daß die Zahl der Auserwählten vollständig geworden und ein einziger Hirte (der Papst!) regiert und ein einziger Schafstall Christi (die römische Weltkirche!) geschaffen ist.”

Im August 1967 ist vom Papst Paul VI. die große Reform der Kurie, d. h. die Reform der römischen Behörde, angekündigt worden. Vier Jahre lang haben ausgesuchte Fachleute an der Reform der neuen Konstitution (Grundgesetz, Verfassung) gearbeitet. Nun liegt sie vor und trat am 1. Januar 1968 in Kraft.

Die Kurie ist die päpstliche Zentralbehörde im Vatikan. An erster Stelle steht der Kardinalstaatssekretär. Er ist nach der Reform zum zweiten Mann der Kirche Roms aufgerückt. Seine Stellung entspricht etwa der des weltlichen Außenministers. Dann folgt das dem Kardinalstaatssekretär unterstellte Kardinalskollegium, das in zwei Gruppen geteilt ist: Die in Rom residierenden Kurienkardinäle, die mit den Ministern eines weltlichen Staates verglichen werden können, und die Kardinäle verschiedener Länder. Die den Kurienkardinälen zugeordneten Ministerien führen die Bezeichnung Kongregationen. Neben diesen Kongregationen gibt es noch eine Reihe anderer päpstlicher Behörden, so u. a. die päpstliche Diplomatie. Diese ist die älteste und gewiefteste der ganzen Welt.

Es ist hier nicht der Ort, sich mit den verschiedenen Ressorts der Weltregierung Roms auseinanderzusetzen. Eins sei gesagt: Ein ungeheurer Mitarbeiterstab des Papstes, der in die Hunderttausende geht, ist in der ganzen Welt tätig, um das politisch-religiöse Weltreich zu bauen und zu festigen. Dieses weitverzweigte Organisationsnetz, mit Rom als Zentrum, sichert dem Papst in fast allen Staaten der Welt politische Einflußnahme und einen vorzüglichen Informationsdienst.

Die Reform der Konstitution über die Kurie hat eine weltweite Erneuerung der vatikanischen Zentralverwaltung mit sich gebracht. Das Kardinalskollegium wurde von 70 auf 120 Mitglieder vermehrt. Der Papst hat dadurch einen viel besseren Durchblick im politischen Weltgeschehen und jetzt viel größere Möglichkeiten, in die jeweilige Situation sofort eingreifen zu können.

Die Amtszeit sämtlicher Kongregationsmitglieder darf nicht mehr als fünf Jahre überschreiten, wenn sie nicht erneuert wird. Dadurch hat jetzt der Papst die Möglichkeit, alle alten Glieder dieser Weltbehörde durch jüngere Aktivisten zu ersetzen und, was nicht linientreu ist, auszuscheiden.

Zusammenfassend kann man wohl sagen: Die ganze Behörde des päpstlichen Weltstaates wird vergrößert, verjüngt, linientreu ausgerichtet, mit neuen Vollmachten ausgerüstet und straff unter das Primat, d. h. unter die päpstliche Zentralgewalt gestellt. Dem Papst ist durch die Kurienreform eine noch nie dagewesene Machtfülle des römisch-katholischen Weltstaates zuteil geworden.

Vorausblickend muß man hierzu sagen: Eine gigantische, herrschsüchtige, unduldsame, noch nie dagewesene politisch-religiöse Weltmacht, die vorgibt, die „alleinseligmachende Kirche der Welt” zu sein, wird auf uns zukommen. Wir werden uns mit ihr innerlich auseinandersetzen, Stellung beziehen und eine Entscheidung treffen müssen. Sie wird uns dazu herausfordern!

 

II. Der Jesuitenorden oder der „Orden der Gesellschaft Jesu”

Beim Aufbau dieser Weltkirche ist der Jesuitenorden oder, wie er auch genannt wird, „Orden der Gesellschaft Jesu“ maßgeblich beteiligt. Der Jesuitenorden ist eine straff organisierte, nach militärischen Prinzipien aufgebaute weltlich-religiöse Einheit. An seiner Spitze steht ihr General, dei sich mehr im Hintergrund hält und als „Schwarzer Papst“, wahrscheinlich im Unterschied zum „weißgekleideten’, gilt. Er wurde nur in wenig Ausnahmen zur Papst der römischen Kirche gewählt. Der Orden hat seine eigene Verfassung und hat sich ganz unter die Zentralgewalt des Papstes gestellt. Er trägt keine Ordenstracht.

Im Mai 1965 ist der neue „Schwarze Papst”, der Spanier Pedro Arrupe, zum Ordensgeneral der „Societas Jesu” gewählt worden. In einer Sonderaudienz unterstrich Papst Paul VI. den „unbedingten Gehorsam, den die Söhne des heiligen Ignatius dem Stuhle Petri schulden”.

Der Jesuitenorden ist eine unheimliche, untergründige Geheim- und Sicherheitspolizei im Dienste des päpstlichen Weltreiches. Gegründet wurde er 1534 vom Spanier Ignatius von Loyola als Abwehr gegen die Reformation. Es ist hier nicht der Ort, über die furchtbare Tätigkeit in der Vergangenheit des Ordens zu berichten. Man lese in der Kirchengeschichte nach! Nur soviel sei gesagt: Blut und Tränen sind in Strömen geflossen. Der Orden ist „satt geworden vom Blute der Heiligen“. Elend, Not, Schrecken und eine unsagbare Armut ist über die Gemeinde Jesu gekommen, deren einzige „Schuld“ war, daß sie von der Heiligen Schrift her ihrem Herrn und Heiland dienen wollte. Die Hölle feierte Triumphe! Diese Gesellschaft hat kein Recht, sich „Societas Jesu“ zu nennen. All ihr Tun war von der Dämonie inspiriert. Die Jesuiten waren, man sagt nicht zuviel, willige Handlanger des Teufels!

Oehninger schreibt hierzu: „Der Jesuitenorden ist ein wunderbares Gebilde der Vereinigung menschlicher Kräfte zu einem einzigen Zweck: Förderung des Katholizismus, Unterdrückung des Protestantismus. Unbedingter Gehorsam gegen die Oberen bildet den Grundgedanken, und eine streng militärische Verfassung macht eine einheitliche Durchführung der Pläne des Ordens möglich. Nie hat eine Verfassung besser verstanden, die Geister zu prüfen und jedes einzelne Glied an den Ort zu stellen und zu den Zwecken zu verwenden, zu denen es am geeignetesten war. Nie ist aber auch ein gegenseitiges Überwachungssystem so vollständig und konsequent durchgeführt worden. Der Orden hatte alles, was die Welt als Mittel darbietet, Wissenschaft, Kunst, weltliche Bildung, Politik, selbst Handel und Industrie, seinem Zweck dienstbar zu machen gewußt. Er riß den Jugendunterricht der höheren Stände an sich und erzog sich so treu ergebene und mächtige Gönner, wirkte durch Predigt und Seelsorge auf das Volk, drängte sich in alle Verhältnisse, in alle Geheimnisse.”

Die gefährlichsten Grundsätze ihrer Lehre (gesammelt von Escobar, einem spanischen jesuitischen Theologen, gest. 1669) sind

1. Der Zweck heiligt die Mittel.
2. Eine Handlung ist gerechtfertigt, wenn sich für deren Güte irgendein wahrscheinlicher Grund oder die Zustimmung eines angesehenen Theologen beibringen läßt (Probabilismus).
3. Wenn man bei einem Eide im stillen etwas hinzudenkt oder den Worten einen anderen Sinn unterlegt, so ist man nur in diesem Sinne verpflichtet (restrictio oder reservato mentalis).

Zum besseren Verständnis der Morallehre der Jesuiten bringe ich einige Beispiele

1. Zu dem Grundsatz: „Der Zweck heiligt die Mittel”:

a) Robert Bellarmin (gest. 1621), einer der gelehrtesten und scharfsinnigsten Jesuiten, lehrt: „Das (katholische) Volk kann sich des Königs, wenn er Ketzer (d. h. evangelisch) wird, auch wieder durch Absetzung, Verjagung, selbst Tötung entledigen.”

b) „Ketzer muß man töten, denn sie schaden ihren Nächsten mehr als irgendein Räuber oder Mörder, da sie ja die Seelen töten. Sie gründen neue Religionen, darum erfüllen sie den Staat mit Aufruhren. Ihre Hinrichtung bringt auch vielen Menschen Nutzen, wenn sie sehen werden, wie es den Ketzern ergeht. Sie werden sich hüten, so elend zu sterben und der künftigen Seligkeit verlustig zu gehen. Endlich ist es für den Ketzer eine Wohltat, wenn er früher aus dem Leben weggenommen wird: Er wird vor weiteren Irrtümern bewahrt, wird weniger Menschen verderben, und seine Verdammnis wird gemildert.”

c) Escobar lehrt: „Katholische Söhne können wegen Ketzerei ihre Eltern anklagen, wenn sie versuchen, sie vom katholischen Glauben abzuwenden, auch wenn sie wissen sollten, daß ihre Eltern dem Feuertod überliefert werden. Sie dürfen auch ihren Eltern die Nahrungsmittel verweigern, auch wenn die Eltern vor Hunger umkämen:’ (Flores theol. mor. Jes. Celle X873.)

d) Franciscus Amicus: „Einem Geistlichen oder Ordensmann ist es erlaubt, den Verleumder seiner Religion zu töten, wenn keine andere Art der Verteidigung vorhanden ist:’ Dazu wird poch gesagt: „Zur Verteidigung seiner Ehre darf man auch seinen Feind heimlicherweise töten, ohne sich eines verräterischen Meuchelmordes schuldig gemacht zu haben.’

2. Zu dem Grundsatz des Probabilismus:

Aus dem Jesuitenlehrbuch des 19. Jahrhunderts, J. D. Gury S. J. (gest. 1866)

a) Anja hat Ehebruch begangen. Auf das Drängen und Fragen ihres argwöhnenden Gatten antwortet sie das erstemal: „Ich habe die Ehe nicht gebrochen.” Nachdem sie Absolution empfangen hatte, antwortete sie zum zweiten Mal: „Ich bin solch eines Verbrechens nicht schuldig.” Als ihr Mann weiter in sie dringt, antwortet sie zum dritten Mal: „Ich habe keinen Ehebruch begangen”, gleichzeitig aber hat sie den Nebengedanken, „den ich dir gestehen müßte.” Frage: „Ist Anna zu verdammen?” Antwort: „Nein, in allen drei Fällen kann Anna von der Lüge freigesprochen werden:

1. Anna hat die Ehe nicht gebrochen, weil sie ja noch besteht.
2. Anna hätte mit einem Eid ihre Unschuld beteuern können, weil nach Buße und Absolution ihr Gewissen nicht mehr davon belastet war.
3. Die Frage des Ehemannes ist jetzt überflüssig geworden, so daß sie dieselbe auch verneinen darf.”

3. Geheimer Vorbehalt (restrictio oder reservato mentalis):

Der Jesuit Sanchez lehrt:

a) Zweideutigkeit und sich doppelsinniger Worte zu bedienen, ist erlaubt.

b) Um seine Tat bei einem Eid leugnen zu können, empfiehlt er folgendes: „Man sagt recht laut beim Schwur: ,Ich schwöre’ und setzt leise hinzu, ,daß ich sage’, und wieder laut, ,daß ich die Tat nicht begangen habe: – Damit beschwor ich: ,Ich sag nur so’, die Tat nicht begangen zu haben.”

c) Escobar sagt: „Ein Versprechen bindet nicht, wenn man nicht die Absicht hat, sich zu binden“ u. a. m. – Das war jesuitische „Morallehre”!

Oehninger fährt fort: „Es war natürlich, daß der Zorn der Völker und Staatsmänner, auch der Katholiken, sich gegen die Jesuiten entlud und vom Franziskanerpapst Clemens XIV. die Aufhebung forderte. Der Papst wußte wohl, daß er damit sein eigenes Todesurteil unterschreibe. Er starb ein Jahr nach der Aufhebung des Ordens (1773) – wie man allgemein glaubt – an Gift“.

Fünfunddreißig Jahre später stellte Papst Pius VII. den Jesuitenorden wieder her, damit „das Schiff Petri der kräftigen und erfahrenen Ruderer nicht länger entbehre”. Durch die Wiedereinführung des Jesuitenordens kam in der Kirche Roms der sog. Ultramontanismus auf, die streng päpstliche Gesinnung, die von „jenseits der Berge”, von Rom, alles als Gesetz und Recht annimmt: Freiheit dem Staat gegenüber; Herrschaft der Kirche über die Schulen; Volksbildung im römisch-katholischen Geist u. a. m. Der Einfluß dieser Richtung führte 1854 zu dem Dogma von der „unbefleckten Empfängnis Marias” und 1870 zur „Unfehlbarkeit des Papstes”.

Im Blick auf das oben Gesagte kann man heute sagen: In der Aktivität und im Ziel hat sich bei den Jesuiten nichts geändert. Im Gegenteil: Sie sind noch aktiver geworden! Ihr einziges großes Ziel ist noch immer, den Protestantismus zu unterdrücken, den Katholizismus zu fördern und die vereinigte Weltkirche unter der Führung des Papstes zu schaffen.

Die Taktik des Ordens hat sich seither gewandelt. Er ist im 20. Jahrhundert „humaner” geworden. Christus hat einmal vor den „Wölfen in Schafskleidern” gewarnt. Das trifft auch hier zu: Der Wolf hat sich jetzt den Schafspelz übergezogen und blökt mit der Stimme des Schafes. Die Situation ist heute viel gefährlicher als ehedem.

Wie hoch die Mitgliederzahl des Jesuitenordens ist, weiß man nicht genau. Offiziell werden 36.000 Mitglieder angegeben. Die Zahl dürfte jedoch höher liegen.

Der Orden hat innerhalb der Kirche Roms seine eigene Prägung. Besonders auffällig ist, daß die Jesuiten für ihre speziellen Aufgaben zur Förderung des Katholizismus und Unterdrückung des Protestantismus verschiedene Lehranstalten mit Hochschulcharakter schufen. Nur die fähigsten Schüler werden dafür ausgesucht. Man ist bestrebt, eine Auslese von guten Wissenschaftlern in kirchlichem und weltlichem Wissen heranzubilden. In den verschiedenen Lebensgebieten (Lehramt, Wirtschaft, Politik, Beamtentum, Industrie usw.) werden Katholiken eingeschleust. Der Orden verfügt heute über gute Fachkräfte in den verschiedensten Schlüsselstellungen des großen Privat- und Staatshaushaltes. Der Uneingeweihte sieht von der geheimen, untergründigen Tätigkeit der Jesuiten so gut wie nichts. Er merkt aber, wenn er ein Auge hat, die Auswirkungen.

Vor Pauschalurteilen müssen wir uns bei diesen Ausführungen hüten. Wir müssen uns aber immer wieder vor Augen halten, daß der Jesuitenorden eine verschworene, untergründige Einheit ist, der alle anderen Glaubenseinrichtungen mit jeglichen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ausrotten will, weil er für sich das alleinige Existenzrecht beansprucht.

Es ist z. B. kein Zufall, wenn in den Schlüsselstellungen der Regierung und des Beamtentums immer mehr Katholiken die Plätze einnehmen. – Wiederholt klagten mir evangelische Beamte ihr Leid, daß ihre katholischen Kollegen befördert werden, während sie, ohne Grund, oft benachteiligt wurden. – So gibt es z. B. katholische Unternehmen, die ihre Angestellten und ihre geschäftlichen Verbindungen nur nach rein katholischen Gesichtspunkten regeln.

Auch das Schulwesen wollen die Jesuiten beherrschen. Wenn es dem Papsttum nützt, respektieren sie weder den Willen der Eltern noch eine Regierungsentscheidung. Skrupellos berufen sie sich auf das 1933 mit Hitler geschlossene Reichskonkordat, oder sie drohen mit der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Ihr Grundsatz: „Der Zweck heiligt die Mittel” gilt für sie uneingeschränkt auch heute noch.

Selbst die so weitherzige, freie demokratische Schweiz mußte sich in den letzten Jahren allen Ernstes mit Jesuitenproblemen befassen. Der Jesuitenorden forderte die Aufhebung der Artikel 51 und 52 der eidgenössischen Bundesverfassung, nach denen die untergründige Tätigkeit der Jesuiten verboten war. Die „geheime Polizei“ des Papstes verlangte freie Entfaltungs- und Wirkungsmöglichkeiten in Kirchen und Schulen sowie den Bau von Ausbildungsstätten. Im Jahre 1971 haben die Jesuiten ihr Ziel erreicht: Das Verbot wurde aufgehoben. In Deutschland war der Orden bis 1917 verboten.

In der Eidgenossenschaft ist Rom auf dem Vormarsch. Noch vor zwei Jahrzehnten gab es dort eine starke evangelische Mehrheit. Heute versucht die katholische Kirche mit den verschiedensten Kombinationen die absolute Mehrheit zu erlangen.

Es ist traurig und tragisch zugleich, daß viele Evangelische jeden Köder, der ihnen von der Kirche Roms zugeworfen wird, anbeißen. Sie sehen in jedem spekulativen „Entgegenkommen“ Roms schon „Strömungen zum Evangelium“ hin. Dabei übersehen sie, daß in den meisten Fällen die sogenannten „Bibelbesprechungen, gemeinsamen Gottesdienste und Gebetsveranstaltungen” nur Mittel zum Zweck sind, die nach den berechneten Weisungen der Jesuiten mit Einverständnis der katholischen oberen Kirchenleitung veranstaltet werden.

Vor einigen Jahren war ich Gast einer Tagung in Zürich. Der Leiter des Evangelischen Presseverbandes der Schweiz hielt einen Vortrag über den Katholizismus. Unter anderem sagte er damals schon, daß das prozentuale Verhältnis 52 Prozent evangelisch bzw. andersgläubig und 48 Prozent katholisch sei. Um die absolute Mehrheit zu erlangen, versuchen die Jesuiten mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln an ihr Ziel zu kommen.

Aber nicht nur in der Schweiz und in Deutschland, in Spanien und Italien wirken die Jesuiten. Ihr untergründiges Tätigkeitsfeld erstreckt sich über den ganzen Erdkreis. Sie sind in geheimer Tätigkeit in den Ostblockstaaten, sie wirken in Afrika und Asien, in Amerika und Australien. Sie versuchen Regierungen zu beeinflussen, zu stürzen oder Unzufriedenheit zu schüren. Sie respektieren weder die evangelischen Missionsfelder, die mit Blut und Trägen in langen Jahren aufgebaut wurden, noch nehmen sie Rücksicht auf die Missionare, die in schwerem, verantwortungsvollem Dienst für ihren Herrn stehen. Unermüdlich, beseelt von einer fanatischen Zähigkeit, in Groß- und Kleinarbeit, in der Wahl der Mittel nicht zimperlich, bauen und festigen sie das päpstliche Reich in der Welt.

Es müßte heute allen bekannt sein, daß Rom nur solche Ehen, die von einem katholischen Priester und nach katholischem Ritual geschlossen werden, als gültige Ehen anerkennt. Jede evangelisch getraute Mischehe ist nach katholischer Lehre ein Leben im Konkubinat, das heißt in „wilder Ehe“.

Mit dieser unbiblischen, verwerflichen Lehre, die bis in das 12. Jahrhundert zurückreicht, versucht die katholische Kirche, evangelische Ehegatten und Kinder aus Mischehen zu erpressen und zu Übertritten zu bewegen. Ich kenne Familien, die jahrzehntelang im Frieden und Glück miteinander lebten, bis die jesuitischen Patres und die Priester sich in diese Ehen einmischten. Mit Versprechungen und mit Drohungen versuchten sie die Ehen zu sprengen.

Aus diesem Grunde weigert sich auch der Vatikan, im leidvollen Mischehenproblem nachzugeben. Wir dürfen allen diesbezüglichen Zugeständnissen keinen Glauben schenken, weil sie nur Scheinzugeständnisse sind. Rom ist nur dort zu Zugeständnissen bereit, wo der Endeffekt der Kirche Roms dient. Auch die im April 1966 ausgesprochene Aufhebung der Exkommunikation bei nichtkatholischen Mischehen ist ohne jegliche praktische Bedeutung. Auf einen Hinweis über die Bedeutungslosigkeit dieser Aufhebung antwortete Kardinal Bea: „Sie trägt nur experimentellen Charakter. Die einzige wirkliche Lösung ist die Einheit der Christen.“

Die Jesuiten haben diesbezüglich viel Herzeleid angerichtet. Sie vermitteln und fördern die Mischehe – hauptsächlich in Häusern des evangelischen Adels – oder sie zerstören sie, je nachdem es in ihren verwerflichen Plan paßt und sie es für die Kirche Roms für gut finden.

In Schweden gab es bis dahin kein Mischehenproblem. Der Jesuitenorden war dort noch bis vor zehn Jahren verboten. Nach der Aufhebung des Verbotes wird auch Schweden in absehbarer Zeit sein Mischehenproblem haben. – Ein Sohn Adenauers vermählte sich mit einer Tochter aus schwedischem Adel. – Im März 1967 stattete der lutherische schwedische König Gustav Adolf VI. mit seinem Außenminister Nilsson dem Papst einen Staatsbesuch ab.

Im Jahre 1963 hatte das holländische Königshaus sein schmerzliches Mischehenproblem: Die zweitälteste Tochter Irene heiratete den erzkatholischen spanischen Prinzen Hugo von Bourbon.

Ebenso ist in den USA die jüngste Tochter des Präsidenten, Lucy Baines Johnson, im Jahre 1966 zur römischen Kirche übergetreten. Sie heiratete einen katholischen Fliegeroffizier.

Auch im evangelisch-lutherischen Dänemark wird in Zukunft der Stellvertreter der lutherischen Königin ein Katholik sein. Der Prinzgemahl ist der französische Diplomat Graf Henri de Laborde de Monpezat. – Die Familienglieder des Grafen sind „praktizierende Katholiken“.

Nach dem dänischen Staatsgesetz darf aber nur ein Lutheraner König werden. Um diesem Gesetz Genüge zu tun, konvertierte der Königingemahl äußerlich zur evangelisch-lutherischen Kirche. Ein Staatsgesetz vermag aber kein katholisches Herz zu ändern. Rom hat jetzt seinen Vertreter auch im dänischen Königshaus. Die Mischehen sind bekanntlich die stärksten Befürworter der Wiedervereinigung.

Nach mehrmonatiger Beratung und Diskussion ging im November 1966 in Rom die 31. Generalkongregation (Hauptversammlung) des Jesuitenordens zu Ende. Bei diesen Beratungen ging es hauptsächlich um die Modernisierung des Ordens, das heißt um die Verbesserung des geheimen Wirkens dieser untergründigen Vereinigung. Wörtlich heißt es in dem Bericht: „Die 220 Delegierten aus allen Teilen der Welt wollen den Orden bei Beibehaltung seiner 400 Jahre alten Prinzipien durch gewisse neue organisatorische und strukturelle Veränderungen stärker an die Erfordernisse der heutigen Zeit anpassen.” Wir sehen: Die jesuitischen Grundsätze des Ordens bleiben bestehen, die Taktik dagegen soll geändert werden!

Verabschiedet wurde ein Dekret über den Ökumenismus. In diesem Dekret bekennt sich der Orden zu den „Fehlern“, die er wegen der Gegenreformation begangen hat. Fehlererkenntnis und Erkenntnis von Schuld sind zweierlei: Judas erkannte Fehler (Matth. 27, 3-5), Petrus erkannte Schuld! (Matth. 26, 75.) Der Orden unterstrich die Bereitschaft zu Gesprächen mit anderen Konfessionen. Solche Gespräche sollen ausschließlich der Wiedervereinigung mit der Kirche Roms dienen. Auch Bücher sollen auf Äußerungen durchgesehen werden, die für die „getrennten Brüder“ beleidigend sein könnten. Beleidigend für die Evangelischen sind nicht „beleidigende Äußerungen in den Büchern“. Beleidigend und sehr schmerzlich für sie ist, daß der Orden der Jesuiten heute noch an seinen „400 Jahre alten Grundsätzen”, die so viel Blut, Tränen und Herzeleid über die Gemeinde Jesu gebracht haben, festhält.

Wir merken nichts von Beugung und Buße vor dem lebendigen Gott und Herrn. Kein Bitten um Vergebung für die Blutschuld der Vergangenheit. Es wurden auch keine Zugeständnisse den evangelischen Christen gegenüber ausgesprochen, nach ihrem an die Heilige Schrift gebundenen Gewissen leben, handeln und wirken zu dürfen. Diese Kongregation stand ganz unter dem Motto der Gegenreformation.

Beim Nachdenken tut es einem tief im Herzen weh, daß diese fähigen Männer sich dem Dienste des Fürsten dieser Welt verschrieben haben, um das antichristliche Reich bauen zu helfen. Der Trost für die Gemeinde Jesu Christi ist, daß auch hier Jesus Christus das letzte Wort zu diesem verwerflichen, gottwidrigen Vorhaben sprechen wird.

Wo ein Mensch sich von der Schrift her nicht mehr korrigieren und strafen läßt, Sündenbegriffe nach eigenen Maßstäben aufstellt, hat er den Weg der Wahrheit schon verlassen und geht den Weg des Irrtums, der Finsternis und der Sünde. Für einen wahren Christen ist und leibt die Schrift alleiniger Maßstab seines Denkens, Wollens und Handelns.

Nur durch das Wort Gottes wird dem Menschen gezeigt, was Sünde ist. Nur dort kann er sein wahres Wesen erkennen. Wer eigene Sündenbegriffe produziert, der hat sich in den Bereich Satans begeben. Solch ein Mensch kann dann nicht mehr Reich Gottes und satanisches Reich unterscheiden. Er muß jetzt zwangsweise Gegner der wahren Gemeinde Jesu Christi werden, sie verfolgen und dann seine Handlungsweise in seiner Verblendung als „für seinen Gott getan“ hinstellen. – Diesem satanischen Irrgeist ist auch das Volk der Juden erlegen: Sie verfolgten die Propheten, kreuzigten Christus und steinigten seine Jünger und meinten, „sie täten einen Gottesdienst” (Joh. 8, 44 ff.).

Nur von dieser Warte aus können wir das antichristliche Tun und Handeln des Jesuitenordens verstehen. Das theologische Denken der Jesuiten über die Sünde akzeptiert der Teufel voll und ganz. Maßstab ist hier nicht mehr der Wille Gottes, der Wille der Heiligen Schrift, sondern der eigene, von der Sünde verfinsterte Wille. – Und nun hören wir, was ein Jesuit über den Sündenbegriff der Jesuiten sagt: „In der Anschauung der Jesuiten ist weder der Verstand noch die Begierlichkeit, noch das Fleisch, noch die Natur überhaupt Sünde. Sünde ist nur die gottwidrige Entscheidung des freien Willens. Der freie Mensch, der über seinen freien Willen und seine Gesinnung gebietet, ist damit auch Herr über seine Sittlichkeit und seine Sünde. Nicht sein Dasein, nicht sein Leib oder seine Seele, auch nicht seine Tat als solche macht ihn böse, sondern nur die Meinung und die Absicht seines Herzens, die böswillige, verkehrte, gottwidrige. Die Anschauung ist aber nicht bloß jesuitisch, sondern allgemein katholisch.” (Lippert SJ, Zur Psychologie des Jesuitenordens. – SJ heißt: Zum Jesuitenorden gehörig).

Eine Bekehrung hat demnach der Jesuit nicht nötig. Er ist von Natur aus gut. Er muß sich nur anstrengen, gut sein zu wollen. Was gut und böse ist, das bestimmt er selbst. Aus dieser verkehrten Haltung dem Worte gegenüber kann der Jesuit auch sagen: „Was der Kirche nützt, ist gut.“ Und: „Der Zweck heiligt die Mittel.“

Und wie steht der Orden zum Papst? Wir hören wieder die Stimme des Jesuiten: „Klar ist die Stellung der Gesellschaft Jesu zum Papste. Er ist das Haupt der katholischen Kirche. Die Logik katholischen Denkens fordert unerbittlich eine volle und unerbittliche Bejahung des Papsttums. Darum ist der Jesuitenorden in demselben Maße päpstlich, wie er katholisch ist. Der Orden will eine Truppe in der streitenden Kirche sein, ein Hilfskorps in ihrem Eroberungsheere. Und dieselben Notwendigkeiten einheitlicher wirksamer Praxis, welche die Gesellschaft Jesu zusammengeschlossen haben nach innen, welche alle ihre Kräfte zentralistisch verkettet haben, fordern auch ihre feste Einordnung in die kirchliche Leitung, eine Biegsamkeit und Fügsamkeit unter den Willen der päpstlichen Zentralgewalt, die etwas von der straffen, energischen Art eines Kriegsrechts an sich hat”.  Das sagt uns genug!

Derselbe Mann spricht weiter im Blick auf die Andersgläubigen: „Damit ist auch die Stellung der Jesuiten zu dem Andersgläubigen gegeben. Die Gesellschaft Jesu ist ein Orden der katholischen Kirche. Er muß darum auf ihrem Boden stehen, theoretisch und praktisch. Die Jesuiten müssen also jede andere Religionsform ablehne. Mit ganzer Kraft verkündigen sie das Recht der alleinseligmachenden Kirche. Sie können sich niemals dazu verstehen, daß die dogmatischen Differenzen in ihrer Tiefe und Weite verdeckt werden durch schwächliche und charakterlose Kompromisse.” – Ein Kommentar hierzu ist überflüssig!

Auch die evangelische Kirche hatte noch bis vor zwei Jahrzehnten eine klare Abwehrstellung der Kirche Roms gegenüber. Die Fronten waren klar. An den Reformationsfesten wurde dies eindeutig klar bezeugt. Heute bagatellisiert oder ignoriert man vielfach die abgrundtiefen Gegensätze beider Konfessionen. Zum Evangelischen Kirchentag in Köln 1965 lud man den Erzbischof von Paderborn, Dr. Lorenz Kardinal Jäger, zu einem Vortrag ein. – Auch andere katholische Würdenträger, so der Jesuitenpater Prof. Karl Rahner, nahmen an dem Evangelischen Kirchentag regen Anteil. Der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Dr. Anton Roesen, grüßte dеп Evangelischen Kirchentag in „brüderlicher Verbundenheit und innerer Anteilnahme”. Ebenso waren auch auf dem Kirchentag 1967 in Hannover römische Vertreter anwesend.

Mit diesen Einladungen will der Kirchentag, nach den Worten des Generalsekretärs Dr. Hermann Walz, „einen Beitrag zur Klärung der Konfessionen leisten”. – Ich glaube, man kann dies billiger haben: Man vergleiche nur den evangelischen Katechismus mit dem katholischen und das evangelische Kirchengesangbuch mit dem „Magnifikat”. Ohne „Kirchentage” und ohne dogmatische Werke studieren zu müssen, tritt uns das „Verhältnis beider Konfessionen zueinander” dort sonnenklar hervor.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß, nach der Ansicht mancher evangelischer Theologen, die Wiedervereinigung zu langsam vor sich geht. Darum sucht man sie mit allen Mitteln zu forcieren. Man rief sogar die Gemeindeglieder der evangelischen Kirche auf, für das „Gelingen des Konzils“ zu beten! Man veranstaltete dazu gemeinsame „Gebetsgottesdienste“.

Zum erstenmal nach der Reformation referierte ein evangelischer Bischof, Hermann Kunst, am Katholikentag 1966 in Bamberg über das „evangelische Interesse am Konzil“ und die „neue geläuterte Verbundenheit mit den katholischen Christen“ u. a. m. Am Eucharistischen Weltkongreß (Feier zur Vertiefung des Meßopfers) 1968 in Kolumbien nahmen der Papst und der lutherische bayerische Landesbischof Dietzfelbinger, Vorsitzender der EKD, teil. Letzterer sprach in einem Hauptreferat über das „Gemeinsame, das die Christen über alle Differenzen hinweg verbindet“.

Noch vor dreieinhalb Jahrzehnten konnte ein Priester meines Heimatortes ein Trinkglas auf die Kanzel nehmen. Nach einer Hetzrede auf alles Protestantisch-Evangelische schleuderte er das Trinkglas mit den Worten: „So wie dieses Glas in Scherben zerbrechen wird, so wird auch alles Evangelische einmal zerbrechen“ von der Kanzel auf den Boden. Das Trinkglas aber fiel wunderbarerweise so auf den Kirchenboden, daß es unbeschädigt weiterrollte. Erschrocken starrte alles nach dem Glas. Der Priester stammelte nur: „Auch ein Glas muß richtig fallen, wenn es in Scherben gehen soll.“

Diese Begebenheit erzählten mir verschiedentlich mehrere katholische Bekannte, die Zeugen dieses Auftrittes waren. Das hat sie so beeindruckt, daß sie, fast entschuldigend, sagten: „Das hätte der Priester nicht tun sollen!“

Ja, damals waren die Fronten noch klar: Dort waren die Evangelischen, die sogenannten „Abtrünnigen, Häretiker und Sektierer“, und hier die „Alleinseligmachende!“

Heute merkt man ein Aufweichen der evangelischen Front. „Uns trennt ja nichts mehr,“ sagte mir vor einigen Jahren ein Jesuit. – Ich sagte: „Das ist ja fein, wenn uns nichts mehr trennt, dann werden Sie gewiß Protestant!“ – Darauf antwortete er: „Nein, niemals, Sie alle werden katholisch. Die Entwicklung zielt schon in diese Richtung hin!“

In der reformierten Schweiz ist der Aufweichungsprozeß auch schon stark vorangeschritten. Unlängst war ich Zeuge in einer reformierten Kirche, wo man die Kirchenglieder zu einem „Gespräch“ mit einem Pater eingeladen hatte. Obwohl die Pfarrer der reformierten Kirche wissen, daß es den Patres nicht um das Wahrheitszeugnis der Bibel geht, sondern daß sie eigens zu diesem Zweck propagandistisch und rhetorisch ausgebildete Funktionäre der Kirche Roms sind, lassen sie dieselben doch auf die zweifelnden und unbefestigten Glieder ihrer Gemeinde los und opfern sie denselben. Man kann hier nur bitten: Gebt doch nicht das Schwache preis, sondern „stärkt das, was sterben will” (Offb. 3, 2).

Am Wochenende darauf war ich wieder Zeuge bei einer 1000-Jahrfeier einer Schweizer reformierten Kirchengemeinde am Zürichsee. Weil diese Kirche vor der Reformation zu der Abtei Einsiedeln gehörte, lud man auch den Fürstabt von Einsiedeln zu dieser Feier ein. Auf einem mit Girlanden geschmückten Boot kam er mit seinem Gefolge über den Zürichsee. Mit Fanfarenklängen, Böllerschüssen und einer Musikkapelle wurde er empfangen. In einer Prozession marschierte die reformierte und katholische Geistlichkeit durch den Ort. In einer Rede betonte der Abt am Schluß „Unsere Generation ist glücklicher Erbe dieser mühsam erarbeiteten Toleranz. Aus diesem Grunde dürfen heute auch Reformierte und Katholiken zusammen in einer festlichen Gemeinde das Jubiläum feiern, mit dem festen und überzeugten Willen, darum, daß uns allen als Fernziel eine Einheit vor Auges schwebt, deren Umrisse wir schon heute zu sehen vermögen.

Wenn Gebeine empfinden und weinen könnten, hätten sich die Gebeine Ulrich Zwinglis im Grabe umgedreht, und aus seiner Gruft würde heute eine Quelle von Tränen fließen.

Das heutige Geschehen müßte einen tief traurig, ja unglücklich machen, wenn man nicht alles im prophetischen Licht sehen könnte. Der Vorläufer des Antichristen, Adolf Hitler, hatte drei von ihm ungewollte eschatologische Aufgaben zu erfüllen:

1. Aufrichtung des Staates Israel: Israel mußte wegen seiner Sündenschuld durch Gottes Gerichte hindurchgehen. Nach dem Gericht hat das Volk seine Heimat wiedergewonnen. – Die Gründung des Staates Israel ist eine Realität! Feinde Gottes mußten hier das Werkzeug sein! – Den Israelis wurde Sieg gegeben, damit der Weltenplan Gottes vollendet werde.

2. Hitlers zweite ungewollte große Aufgabe war: Den Grund für die eine große Weltkirche zu legen. Wir leben immer noch in den Wehen der Folgen des Zweiten Weltkriegs. Die Kirche Roms hat die Konjunktur ausgenützt. Sie ist überall im Vormarsch.

3. Seine dritte ungewollte eschatologische Aufgabe wird sich aus der zweiten ergeben:
Die Scheidung der Gemeinde Jesu aus der verweltlichten Kirche und die Sammlung derer, die nach dem Willen Gottes zusammengehören.

Der Nationalsozialismus übte seinerzeit den gleichen Druck sowohl auf Evangelische wie Katholische aus. Zwischen beiden Konfessionen entstand in jener Zeit, man möchte so sagen, eine Leidensgemeinschaft. In der Nachkriegszeit nahm der Katholizismus seine Chance wahr, und man gründete die gemeinsame Christlich Demokratische Union (CDU). Spottend sagte man damals: „Du mußt CDU rückwärts lesen, dann hast du die richtige Deutung: ,U-nd D-och C-entrum’ (Die Zentrumspartei war eine rein katholische Partei. Sie wurde 1870 gegründet und stand im Kampf gegen die Bismarkpolitik. Von 1917-1933 war sie maßgebende Regierungspartei. 1933 wurde sie aufgelöst).

Mit der Gründung der CDU begann der Aufweichungsprozeß der evangelischen Front. Freudig kamen vor einigen Jahren Brüder zu mir mit der Botschaft: „Im Katholizismus tut sich etwas! Unser Herr Dekan X hat gestern, am Reformationstag, freudig bewegt von der Kanzel gesagt: Seht nicht scheel auf unsere große Bruderkirche. Es bedarf nur noch einer ’kleinen Reformation’, und beide Kirchen sind wieder brüderlich vereinigt!” Ich fragte darauf die Brüder: „Wer, meint ihr wohl, wird diese ’kleine Reformation’ durchführen?” Sie antworteten: „Selbstverständlich der Papst!”

Ich mußte den Brüdern sagen, daß die katholische Kirche nicht ein Haar breit von ihren Dogmen abgeht. Rom erwartet von den „getrennten Brüdern“, daß sie sich zur römischen Kirche hin „reformieren“.

Papst Paul VI. hat das mit seinem einmaligen „Schuldbekenntnis“ klar zum Ausdruck gebracht:

„Falls irgendeine Schuld uns für diese Trennung zuzuschreiben wäre, so bitten wir demütig Gott um Verzeihung und bitten gleichfalls die Brüder um Vergebung, falls sie sich von uns verletzt fühlen sollten.

Dann fährt der Papst fort, aber nicht mehr mit einem falls:  „Und was uns angeht, sind wir bereit, die Beleidigungen zu verzeihen, die die katholische Kirche getroffen haben, und den Schmerz zu vergessen, der ihr in der langen Folge der Auseinandersetzungen und Trennungen zugefügt worden ist.“

Von evangelisch-kirchlicher Seite ist dieses „Schuldbekenntnis“ mit Befriedigung aufgenommen worden. Das ist kein biblisches Schuldbekenntnis! Das ist eine Herausforderung und Verurteilung aller Evangelischen! Es ist ein Versuch, eine Blutschuld, die Jahrhunderte auf Rom lastet, dem Protestantismus aufzuladen. Papst Paul VI. spricht so, als ob die Evangelischen Millionen von Katholiken gejagt, verfolgt, geschlagen, gehenkt, gefoltert, ertränkt, verbannt, verbrannt oder sonstwie getötet hätten – und nicht umgekehrt.

Es darf nicht verschwiegen werden, daß die Inquisitionsbehörde, als Teil des sogenannten „Sanktum Officium” in Rom, bis in die allerjüngste Zeit hinein ihren Fortbestand hatte. Sie war da, als Kardial Bea das „Sekretariat für die Einheit der Christen“ schuf. Sie hatte noch ihre stille Funktion, als der Papst evangelische „Beobachter“ zum Zweiten Vatikanischen Konzil nach Rom einlud. Diese Inquisitionsbehörde bestand auch noch, als der „Statthalter Christi“ sein „Schuldbekenntnis“ an die Evangelischen richtete. Sie wurde noch nicht aufgelöst, als bereits die ersten Kontaktgespräche zwischen den Leitern der EKD und der katholischen Kirche begonnen hatten. Bis in die letzten Jahre wurde dieses Inquisitionsamt immer wieder von neuem besetzt. Erst Ende 1966 wurde es, ohne amtliche Bekanntmachungen, ohne Pressemeldungen in aller Stille aufgehoben.

Man wundert sich, daß dieses Amt, das so viel Blutschuld auf sich geladen hat, bis in die allerletzte Zeit noch so funktionsfähig gehalten wurde und jetzt so stillschweigend untertauchen konnte. Rom propagiert sonst jedes kleinste Ereignis, jedes scheinbare Nachgeben mit einer übermäßigen Lautstärke und großem Pathos. Schuldbewußtsein oder Scham kann hier nicht vorliegen, sonst hätte man dieses „Blutamt“ schon längst aus der Welt geräumt. Man kann dieses stille Untertauchen nur so verstehen, daß die seit 1198 bestehende Behörde augenblicklich ein Hindernis zur Einholung der „getrennten Schäflein“ in den „einen großen Schafstall“ ist. Nach dem Vollzug der Wiedervereinigung kann dieses Amt wieder in aller Stille für die „unverbesserlichen, widerspenstigen Häretiker, Sektierer, Schismatiker und Ungläubigen“ eingesetzt werden.

Ströme unschuldigen Blutes sind während der Jahrhunderte geflossen. Dieses durch die Inquisition und Verfolgungen vergossene Blut schreit zum Himmel. Eine Verbindung mit Rom bedeutet gleichzeitig, dieses Schuldkonto, diese unvergebene Blutschuld mit zu übernehmen.

Kurienkardinal Bea warnt geradezu die Evangelischen zu glauben, daß es auf dem Gebiet der katholischen Dogmatik (Glaubenslehre) irgendwelche Kompromisse oder Revisionen geben kann.

Die Kirche Roms kann aus ihrem Truggebäude auch nicht das kleinste Steinchen herausnehmen, sonst kracht der ganze menschliche Bau in sich zusammen.

Die Schriftgelehrten Israels haben aus dem ewigen Gotteswort Alten Testamentes ihre „Mischna“ und „Gemara“, ihren „Talmud“ (Torah scheb al peh = mündliche Lehre, im Unterschied zur Heiligen Schrift) gemacht. Sie haben die lebendige Quelle des Wortes Gottes durch menschliche Spekulationen und Traditionen verschüttet. Es hieß nicht mehr: „So spricht Jahwe!”, sondern: „Rabbi Hillel, Rabbi Schamai, Rabbi Gamaliel haben gesagt!“ Als der Herr der Herrlichkeit, Jesus Christus, erschien, konnte man ihn nicht erkennen, weil man nicht im Wort Gottes gegründet war. Menschenworte waren an die Stelle des wahrhaften Gotteswortes getreten.

Die Kirche Roms hat das Verdienst, einen neutestamentlichen „Talmud“ geschaffen zu haben: Menschenworte, Worte der sogenannten „Heiligen“, Worte der Päpste sind an die Stelle des Wortes Gottes getreten. Wie bei Israel, wurde auch hier die sprudelnde Quelle der Worte Jesu und der Apostel durch Menschenweisheit verschüttet. Rom kennt kein Gnadenevangelium, keine biblische Wiedergeburt durch den Heiligen Geist, kein neues Leben in Christo Jesu, kein biblisches Nachjagen der Heiligung, ohne welche niemand den Herrn schauen kann. Rom lebt nicht aus dem Wort Gottes. Rom lebt aus dem neutestamentlichen Talmud, aus den Worten der Tradition.

Jeder bibelgläubige, wiedergeborene Christ weiß, daß Gott sein Reich nicht durch listige, fanatische Jesuiten noch durch hochtrabende Anhänger einer traditionsbewußten Mischreligion baut. Sein Reich wird auch nicht durch eine Hin-nach-Rom-Bewegung noch durch eine falsche Los-von-Rom-Gruppe gebaut. Reich Gottes entsteht nur durch aufrichtige, gedemütigte, geisterfüllte Persönlichkeiten, denen Jesus Christus ihr Lebenselement geworden ist.

 

III. Der „Dialog“ oder das „Gespräch“ mit Rom

Von seiten der Ökumene ist man bemüht, mit Rom in ein offenes Gespräch zu kommen, und zwar mit einem Rom, das ausdrücklich erklärt: „Es kann nicht die Rede davon sein, daß ein Konzil Kompromisse auf dem Gebiet des Dogmas, der katholischen Glaubenslehre, machen kann.”

Heute strebt die Kirche Roms nach einem Dialog mit den Weltreligionen. Die evangelische Kirche wünscht ein Gespräch mit der Kirche Roms. Manche Vertreter des Pietismus und der Freikirche berufen sich auf die Bibel und befürworten ihrerseits solche Dialoge.

Der Ausdruck „Dialog“ oder „Dialogizomaj“ ist griechischer Herkunft und heißt soviel wie: sich Gedanken machen, sich besprechen, gemeinsam untersuchen. So z. B. Markus 8, 16: „Die Jünger machten sich Gedanken, weil sie kein Brot mit sich genommen hatten.“ Oder: „Die Weingärtner überlegten miteinander: Das ist der Sohn!“ (Luk. 20, 14.)

Im modernen Sinn ist ein Dialog das vorsichtige Abtasten des Standpunktes seines Gegenüber bzw. seines Gegners und das Besprechen dieser Gegensätze. Es ist im übertragenen Sinn dasselbe, was die Diplomaten untereinander in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht tun.

Der Begriff „das Gespräch“ oder „der Dialog“ ist heute zum modernen christlichen Schlagwort geworden. In Der Zeuge vom Januar 1965 schreibt Rev. Elison: „Die Zahl derer, die statt der Mission ’das Gespräch’ befürworten, wächst ständig. Die Streitfrage ’Mission oder Gespräch’ ist nicht nur auf dem Gebiet der Judenmission ausgebrochen, sondern auch beim Christuszeugnis gegenüber dem Islam, dem Hinduismus und dem Buddhismus.“ – Elison stellt die Ursache fest und befürwortet seinerseits, anstatt „Judenmission“ „das Gespräch“, d. h. mit seinen Worten, die „vermittelnde Darstellung“ anzuwenden.

In absehbarer Zeit werden wir wohl nicht mehr Missionare, sondern „christlich-vermittelnde Gesprächsführer“ aussenden. Wir werden keine Missionsgebiete und Missionsstationen, sondern indische, afrikanische oder japanische „Dialogsgebiete“ und „Gesprächsstationen“ haben. Die Innere und Äußere Mission wird der „Innere und Äußere Dialog“ heißen. Die Stadtmission wird „Stadtgespräch“ genannt werden, und die Judenmission wird als „christlich-jüdischer Dialog“ bezeichnet werden können.

Was ist vom Wort Gottes her über den Begriff „Gespräch“ oder „Dialog“ zu sagen? Weder die Väter noch die Propheten im Alten Testament, noch Christus und die Apostel führten Dialoge, d. h. vermittelnde Gespräche, wo es um die Wahrheit des Wortes Gottes ging. Sie haben solche auch nirgends empfohlen! Die Männer des Alten Testaments waren Bevollmächtigte Gottes. Sie haben beileibe nicht bei ihrem gottlosen Gegenüber um eine „vermittelnde Darstellung“, d. h. um ein „Gespräch”, nachgesucht. Sie haben im Namen Gottes als Bevollmächtigte Jahwes gesprochen: „Koh amar Jahwe” – „Solches spricht Jahwe!” Im Namen des lebendigen Gottes haben sie Zeugnis von Gericht und Gnade gegeben.

Das Neue Testament spricht von martys und martyrein, d. h. vom Zeugen und Zeugnis ablegen oder bezeugen: „Ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg. 1, 8). – Es ist hier nicht der Ort, exegetisch diese Begriffe zu erläutern. In diesem Begriff ist das Wort „Märtyrer“ enthalten. Und das soll uns genug sein! Eine „vermittelnde Darstellung“ hat in diesem Begriff keinen Raum.

Als Missionar weiß ich wohl, daß man Andersgläubigen gegenüber sehr oft mit einem Gespräch beginnen wird. Auch der Apostel Paulus tat solches (Apg, 17, 22.). Jegliches Gespräch wird immer nur Einleitung zu einem Zeugnis sein.

Von manchen Theologen wird von einem „Dialog“ zwischen Jesus und Nikodemus gesprochen. Das ist falsch! Es war kein „vermittelndes, religiöses Gespräch“, das der Heiland mit Nikodemus führte. Das war Zeugnis!
„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist … Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh. 3, 1-21).

In dem Augenblick aber, als Nikodemus vom Wahrheitszeugnis Jesu ergriffen wurde, ist auch er zum Zeugen für Jesus geworden (Joh. 7, 51). Am Grab Jesu legt Nikodemus ein ergreifendes, sichtbares Zeugnis vor aller Welt für seinen Herrn und Heiland ab (Joh. 19, 39).

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, was aus dem Dialog mit der Alleinseligmachenden herauskommen wird. – Mit Rom kann kein Gespräch geführt werden. Da kann man nur von Gericht und Gnade Zeugnis geben. Nicht „Beobachter“, sondern Zeugen, d. h. „Märtyrer“, kann der Herr heute überall gebrauchen. Das sind Männer, die mit der göttlichen Vollmacht ausgerüstet sind und die sagen können: „So spricht Jahwe und so bezeugen Christus und die Apostel!“

 

IV. Roms Dialog mit der Welt

Rom versucht nicht nur den Dialog mit den „getrennten Schafen“, um sie wieder in den „einen, wahren Schafstall“ mit dem von „Gott verordneten Hirten“ zu bringen. Rom versucht den Dialog mit der ganzen Welt. Im Zweiten Vatikanischen Konzil ist dieser Gedanke auch schon angeklungen.

Die beiden großen Reisen des Papstes Paul VI. ins Heilige Land und nach Indien wurden auch nach dieser Richtung hin gedeutet. Die Presse, der Funk und das Fernsehen haben sich an Propaganda für den Papst überboten. Hierzu nur eine Pressestimme von damals: „Papst Paul VI. hat durch die Pilgerfahrt ins Heilige Land ein Faktum gesetzt, das es in den letzten 2000 Jahren noch nicht gegeben hat. Der ungeheure Publizitätsapparat, der diese Pilgerfahrt zum Heiligen Grab begleitet hat, schuf dem Papst eine eigene Physiognomie. Er ist als eine eigene neue Persönlichkeit Hunderten von Millionen ins Bewußtsein gerückt. Das auf diese Weise gewonnene Massenprestige dürfte sich sehr bald in der engeren Interessensphäre des Vatikans auswirken. – Auf dieser ersten Pilgerfahrt in das Heilige Land hat Paul VI. eindrucksvoll bewiesen, daß ihn kein weltlicher Politiker in der Kunst der Reisediplomatie übertrifft” (Christ und Welt Nr. 2, 1964).

Eher als erwartet ist der Papst nach New York gereist und hat dort vor dem Forum der Vereinten Nationen gesprochen. Der Papst erhofft sich von dieser Reise für den Weltkatholizismus Bahnbrechendes. Hierzu schreibt Christ und Welt : „Der Papst ist durch die beiden erfolgreich verlaufenen Auslandsfahrten zweifellos ermutigt worden, auf diesem Weg weiterzuschreiten, und er hat offenbar auch ganz gewisse Vorstellungen davon, was er erreichen will. Schon nach der Rückkehr aus Palästina machte er im Januar 1964 vor dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten diplomatischen Korps einige grundsätzliche Andeutungen über das Verhältnis des Papsttums zum pluralistischen (demokratischen) Gefüge der heutigen Völkerordnung.

Man kann zur folgenden Aussage kommen: Rom als Sitz des Papsttums ist der universelle Wächter der moralischen Grundsätze, die das Völkerleben regeln, und es leistet in dieser Funktion einen Dienst an der gesamten Menschheit, den Gläubigen und den Ungläubigen. Während die Vereinten Nationen den politischen, weltlichen Mittelpunkt der Völkergemeinschaft darstellen, soll Rom gewissermaßen der Altar bedeuten, auf dem der Pontifex Maximus (Pontifex Maximus hieß ursprünglich: Oberster der heidnischen römischen Gottkaiser) das ’heilige Feuer des Völkerfriedens’ hütet und wo der Stuhl Petri die höchste auf dieser Welt zu verwirklichende Berufungsinstanz des sonst nicht organisierten Weltgewissens und damit den moralischen Primat präsentiert. Die neue Aufgabe der päpstlichen Diplomatie ist es nun, dieser Doktrin, die in dem bisherigen Äußerungen Pauls VI. mehr skizziert als systematisch ausgeführt ist, allgemeine praktische Anerkennung zu verschaffen. Sie muß vor allem die nichtkatholische Welt davon überzeugen, daß die moralische Führungsrolle, die der Heilige Stihl erstrebt, für alle einen nützlichen und uneigennützigen Dienst darstellt.” – Soweit evangelischer Pressebericht in Christ und Welt Nr. 29, 1965.

Der Osservatore Romano (Vatikanblatt) schreibt hierzu: „Zum erstenmal setzt ein Papst seinen Fuß auf amerikanischen Boden. Zum erstenmal besucht ein Papst einen politisch so bedeutsamen Ort, wie es das Hauptquartier der Vereinten Nationen ist. Vor allem aber: Zum erstenmal in der fast 2000 jährigen Geschichte der Kirche spricht ein Papst direkt zu den qualifizierten Vertretern fast aller Völker der Welt… Der Besuch des Papstes bei den Vereinten Nationen werde jeden guten Willen zum Frieden mächtig ermutigen und erneut bezeugen, welche Hochschätzung und welche Bedeutung die katholische Kirche der UNO beimißt.”

Der Chefredakteur des Blattes stellt in einem Leitartikel fest: „Die Einladung Paul VI., die UNO zu besuchen und in der Vollversammlung zu sprechen, ehrt die internationale Organisation. Sie bezeugt mit diesem Akt, daß sie das geistige und moralische Lehramt an die Spitze der Problematik des Zusammenlebens der Völker stellt und erkennt dabei in bezeichnender Weise die Sendung des sichtbaren Oberhauptes der Kirche an.”

Der Zweck der Reise des Papstes in katholischer Sicht ist, „die verantwortlichen Politiker zu den hohen Prinzipien des Zusammenlebens zurückzurufen zum rechten individuellen und sozialen Gewissen“.

Nach Osservatore Romano ist die Reise Pauls VI. „die immer gleicht bleibende Sendung, die fortdauert, wie sie sich gestern in Jerusalem und in Bombay äußerte“.

Übеr die Ankunft des Papstes in New York berichtete die Presse der ganzen Welt. Balkenüberschriften wie: „Die Großen der Welt zu Füßen des Papstes“ waren nicht selten.

Begleitet wurde der Papst von sieben Kardinälen. Auf dem Flugplatz in New York wurde er vom Generalsekretär U Thant begrüßt.

Der Papst antwortete: „Von Rom, der Stadt des geistigen Friedens, bringe ich Wünsche in die Stadt des irdischen Friedens, New York.” Er erinnerte an Kolumbus, der das „Kreuz Christi in diese gesegnete Erde eingepflanzt habe”. – „Wir grüßen dich, Amerika. Der erste Papst, der den Fuß auf euer Land setzt, segnet euch mit ganzem Herzen”, rief er der wartenden Menge zu.

Eine unzählbare Menschenmenge säumte den 38 Kilometer langen Weg vom Flughafen in die Stadt in der Hoffnung, einen Blick auf den Papst werfen zu können. Über zehn Millionen Zuschauer sahen die Ankunft Pauls VI. in den USA und in Europa auf dem Bildschirm. – 18.000 Polizisten waren aufgeboten, um für die Sicherheit des Papstes und für Ordnung zu sorgen.

Durch einen Gang, der Staatsoberhäuptern vorbehalten ist, wurde Papst Paul in den Sitzungssaal der Vollversammlung geleitet. Als der Papst den Saal betrat und dort auf einem besonders für ihn aufgestellten Sessel Platz nahm, wurde er mit starkem Beifall begrüßt.

Schon lange vor Beginn der Vollversammlung waren die Plätze ausnahmslos besetzt. – Lediglich die albanische Delegation fehlte. Alle Außenminister waren anwesend. Vor der Weltelite sagte der Papst unter anderem:

„Die Völker wenden sich an die Vereinten Nationen als letzte Hoffnung für die Eintracht und dem Frieden: Und so wagen wir, zusammen mit unserem eigenen, ihren Tribut an Ehre und Hoffnung vor Sie zu bringen. Und deshalb ist dies für Sie ein großer Augenblick.

Das Gebäude, das Sie errichtet haben, darf niemals in Trümmer gehen, es muß vervollkommnet werden und den Forderungen, die die Geschichte der Welt stellen wird, angepaßt werden. Sie, die Sie das Glück und die Ehre haben, in dieser Versammlung der friedlichen Gemeinschaft zu tagen, hören Sie uns an: Dieses gegenseitige Vertrauen, das Ihnen eigen ist und das Ihnen erlaubt, gute und große Dinge zu tun, darf niemals angegriffen und verraten werden.

Unsere Botschaft erreicht ihren Höhepunkt: Niemals mehr Haß gegen die anderen. Niemals. Niemals mehr. Wenn Sie Brüder sein wollen, dann lassen Sie die Waffen aus Ihren Händen fallen. Man kann nicht lieben mit Angriffswaffen in dеп Händen.”

Im Baseball-Stadion, bei einer nächtlichen Meßfeier, an der 90.000 Menschen teilnahmen, erhob der Papst noch einmal seine Stimme zu einem Friedensappell.

Ja, zum erstenmal hat ein Papst in der Weltorganisation der Vereinten Nationen gesprochen. Er wird von den größten Politikern und Führern der Welt empfangen. Millionen und aber Millionen verehren ihn als den Heiligen Vater, den Stellvertreter Christi auf Erden, den unfehlbaren Bevollmächtigten Gottes, den Garanten des Friedens.

Sein Bild wird in die Paläste der Reichen und Vornehmen und auch in die Elendshütten der Schwarzen und Indianer hineingestrahlt. Dieses Bild spricht zu der Masse des Volkes Worte des Friedens, Worte von Freiheit, Liebe und Gerechtigkeit auf Erden.

Die Großen und die Kleinen, die Reichen und die Armen, die Angesehenen und Entrechteten jubeln dem Bilde zu.

Des Papstes Bild erhebt die Hände und spricht den Segen über die Millionen, die ihn im Bilde sehen und reden hören. Diese Millionen fallen vor dem Bilde nieder und beten mit Inbrunst und Hingabe den Papst und sein Bild an.

Durch Funk und Presse kam die Nachricht: „Mrs. Michael Lanzisera aus New York, die bis zum Besuch des Heiligen Vaters in New York weitgehend gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt war, saß zu Hause vor dem Fernsehschirm und sah zu, wie der Papst im Yankee-Stadion eine Messe zelebrierte. Nachdem er auch die Fernsehzuschauer gesegnet hatte, fühlte Mrs. Lanzisera, daß sie ihren Rollstuhl verlassen und wieder laufen konnte.” – In der Presse wurde uns Mrs. Lanzisera gezeigt, wie sie glückstrahlend und bewundernd das Bild des Papstes in ihren Händen hält. Auch Zeichen und Wunder vermag das Bild des Papstes zu vollbringen! Wir werden aber in Zukunft noch größere Wunder erleben!

Die Propagandareise des Papstes Paul VI. war vor allem auch für das amerikanische Volk gedacht. Dieses Volk, das Glanz, Sensation und Flitter liebt und in dem Religion noch zum guten Ton gehört, fühlt sich heute, nach dem Besuch des Papstes, stark zur römischen Kirche hingezogen. Man kann es jetzt schon voraussehen, daß die Kirche Roms in den USA einen noch größeren Aufschwung erleben wird.

Völker und Regierungen werden in Zukunft mehr denn je ihre Blicke nach Rom richten. Der Papst wiederum wird sich in das politische Geschehen und in Grenzfragen anderer Staaten entscheidend einschalten. Katholische Bischöfe und die EKD wollen heute schon Deutschlands Grenzen, die erst einem Friedensvertrag vorbehalten sind, endgültig festlegen.

Der damalige amerikanische Präsident Johnson würdigte die Reise des Papstes als ein „Ereignis, das in der Geschichte einen besonderen Platz finden werde”.

Wir merken, daß auch diese Begebenheit antichristlichen Charakter trägt. Es ist der Endzeitgeist, der hier deutlich in Erscheinung tritt. Christus spricht von „falschen Propheten” (Zeugen) und „falschen Christussen“ (Erlöser), die in mancherlei Gestalt aufstehen werden, „um zu verführen in den Irrtum, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten” (Matth. 24, 25).

Auch ein Johannes sieht in seiner Apokalypse als Einleitung zu dem großen Weltenringen den „weißen Reiter”, den Verführungs- und Lügengeist, mit seiner hinterhältigen Waffe aus Epheser 6, 16 b, um die „feurigen Pfeile“ abzuschießen. Der Geist der Wahrheit trägt jedoch das „Schwert des Geistes!” (Eph. 6, 17.)

„Und ich sah, daß das Lamm eines der sieben Siegel auftat, und ich hörte eine der vier Gestalten sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm ward gegeben eine Krone, und er zog aus sieghaft und daß er siegte” (Offb. 6, 1. 2).

Wir sehen, daß auch das endzeitliches Geschehen ist! Hierzu muß man aber eine Warnung aussprechen: Wir müssen uns sehr hüten, die Endentwicklung programmmäßig bzw. fahrplanmäßig sich abwickelnd sehen zu wollen. Im Endgeschehen können sich die Ereignisse überstürzen (Matth. 24, 4-12). Die Personen können wechseln (1. Joh. 2, 18). Parallelerscheinungen können eintreffen (Matth. 24, 23 ff.).

Der Herr steht ganz zu seinem prophetischen Wort! Den Plan der Erfüllung, nämlich das Wer, Wie, Wo und Wann, bestimmt er allein. – Wir sollen und müssen, wachend und betend, die Zeichen der Zeit beobachten und prüfen und sie dann, von Fall zu Fall, biblisch, geistmäßig deuten (Luk. 12, 54-56).

Um den Dialog mit den Weltreligionen einzuleiten, wurde im Vatikan das „Sekretariat für die Nichtchristen” unter der Leitung von Kardinal Marela neu geschaffen.

Persönlichkeiten des japanischen Buddhismus, an ihrer Spitze der Rektor der Universität Komazawa, Professor Gyokusen Osaka, wurden am 27. Juni 1964 von Papst Paul VI. in besonderer Audienz empfangen. Die Gruppe wurde begleitet von Kardinal Marela.

Professor Osaka betonte in einer Grußadresse, das höchste Streben der Menschheit sei der Friede, den man mit Hilfe der Religion finden könne.

In seiner Antwort sagte der Papst: „Der Besuch der Buddhisten geht von dem Wunsch aus, den guten Willen unter den verschiedenen Religionen zu fördern und für den Frieden und den Wohlstand der Völker und Rassen zu arbeiten. Wir gehen mit Ihnen in dieser Zielsetzung vollkommen einig! Unser Gebet ist, wie auch das unseres Vorgängers, Papst Johannes XXIII., im Angesicht des Todes, das Gebet Christi beim letzten Abendmahl: Daß alle eins seien … vollkommen in der Einheit … damit die Welt erkenne, daß du, Vater, sie (die vereinte Welt!) geliebet hast!”

Das letzte Sekretariat, das von Papst Paul VI. im April 1965 errichtet wurde, ist das „Sekretariat für die Ungläubigen”. Seine Präsidentschaft wurde dem Erzbischof von Wien, Kardinal Franz König, anvertraut. Zum Sekretär wurde der Selesianerpater Wincenzo Miano ernannt.

Alle drei Sekretariate sollen einem einzigen Zweck dienen, alle Christen, alle Andersgläubigen und zuletzt auch alle Atheisten unter die Fühlung Roms zu bringen. Fürwahr, ein weltweiter Plan!

 

V. Der Dialog mit dem Osten

Wir erwähnten schon, daß der Dialog nicht nur mit den Weltreligionen angestrebt wird. Auch der Dialog mit dem Osten wird kommen. Das hat ran auch in der zweiten Konzilsperiode zur Sprache gebracht. Wenn auch das Konzil den Erfolg noch nicht zeitigen wird, so ist doch ein stilles, beharrliches Wirken des Vatikans nach dieser Richtung hin festzustellen. Die katholische Nachrichtenagentur schreibt zu diesem Punkt: „Die Kirche hat mit dem Konzil zunächst eine innerkatholische Selbstbesinnung angestrebt, ist zugleich aber in ein Gespräch mit der Welt eingetreten. Der Dialog erstreckt sich nicht allein auf die getrennten Brüder, sondern bezieht sich mit der Enzyklika ,Pacem in Terris’ (Friede auf Erden) auf alle Menschen guten Willens, die sich nicht nur bei dem Christen finden, sondern auch bei den Juden, dеп Mohammedanern, bei dеп Heiden, ja, auch bei den Atheisten. Der Empfang von Chruschtschows Schwiegersohn Adschubej durch den Papst – nicht vom Vatikan, sondern vom Kreml in die Wege geleitet – läßt deutlich erkennen, aus welch ungewöhnlich großem Gottvertrauen Johannes XXIII. handelte.”

Es war mehr als eiere diplomatische Geste, wenn Chruschtschow Papst Paul VI. herzliche Glückwünsche zur Papstwahl telegrafierte und der Papst wiederum dem sowjetischen Ministerpräsidenten einen „lebhaften und aufrichtigen Dank” übermitteln lief. (Dieser bereits aufgenommene Kontakt ist mit der Absetzung Chruschtschows vorübergehend unterbrochen worden.)

Dem Beobachter fiel auf, daß Papst Paul VI. zu den ersten Gratulanten gehörte, als ein sowjetischer Kosmonaut frei im Weltraum schwebte.

Im April 1966 ist nach längerer Pause wieder ein Vertreter Moskaus, der Augenminister Gromyko, vom Papst empfangen worden.

Moskaus Neuaufnahme freundschaftlicher Beziehungen zu Frankreich ist gleichzeitig eiere Neuorientierung zum Papsttum hin.

De Gaulle ist Juni 1966 nicht nur als Politiker, sondern auch als bewußter Katholik nach Moskau gereist. In Leningrad besuchte das Ehepaar de Gaulle die Messe in der dortigen katholischen Kirche. De Gaulles letztes großes Ziel war es, eis vereinigtes katholisches Europa zu schaffen, das vom „Atlantik bis zum Ural” reichen sollte.

Im November 1966 hat als erstes kommunistisches Land Jugoslawien die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan wieder aufgenommen. Die anderen autoritären Staaten werden nach und nach dem Beispiel folgen.

In Polen verhandelt seit längerer Zeit ein Vertreter des Vatikans, Msgr. Augustino Casaroli. Es geht um die Neuordnung der Diözesen im Oder-Neiße-Gebiet und um die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. – Auch in anderen Ostblockstaaten verhandeln zur Zeit Diplomaten des Vatikans.

Zum erstenmal in der Geschichte hat ein Papst ein kommunistisches Staatsoberhaupt empfangen. Der sowjetische Staatspräsident Podgorny besuchte Ende Januar 1967 Papst Paul VI. zu einem besonderen Gespräch, das über eine Stunde dauerte. Einzelheiten dieser Verhandlung wurden nicht bekanntgegeben. Als Geschenk überreichte der „Heilige Vater“ seinem Gast eine wertvolle Faksimile-Ausgabe des „Codex-Atlanticus” von Leonardo da Vinci.

Unmittelbar vor Ausbruch des Nahost-Krieges, Ende Mai 1967, waren der französische Staatspräsident de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Kiesinger zu „Geheimbesprechungen” beim Papst. – Im September 1967, bei seiner Polenreise, hat der „päpstliche Beauftragte“ de Gaulle, der Freund Adenauers und Kiesingers, die polnisch-katholische Grenze an der Oder-Neiße als „endgültig und unantastbar” anerkannt.

Die wichtigsten Ereignisse der vatikanischen Außenpolitik bleiben vorerst immer geheim. Erst wenn die Entwicklung schon die nächste Stufe erreicht hat, erfährt man Einzelheiten über das Vorhergehende. So war es schon 1962 als Msgr. Willebrands, die rechte Hand des Kardinal Bea, in Moskau aufgetaucht war, um die Vertreter der russischen Orthodoxie als „Beobachter” zum Zweiten Vatikanischen Konzil einzuladen.

Ebenso still und unbemerkt vor der übrigen Welt disputierten im Jahre 1967 in Leningrad (Petersburg) römische und orthodoxe Kirchenführer. Diese Delegation wurde auch von Msgr. Willebrands geführt. In ihr befanden sich auch zwei Vertreter des von den Sowjets sehr gefürchteten Jesuitenordens.

Der Zweck dieser Zusammenkunft war nicht, wie Rom vorgab, „ihr Wissen um die orthodoxe Liturgie zu erweitern”. In diesem Gespräch ging es um höchst aktuelle kirchenpolitische Fragen. Vor allem wurde über die Gesichtspunkte der neuen päpstlichen Soziallehre diskutiert.

Der Sowjetpublizist Ardatowski schrieb in den russischen Zeitungen: „Diese päpstliche Enzyklika enthält die schärfsten Worte gegen den Kapitalismus, seitdem Jesus die Wucherer aus dem Tempel verjagte … ein großer Fortschritt in der sozialen Doktrin der katholischen Kirche und eine gute Diskussionsgrundlage …”

Im Abschlußkommuniqué wurde das Treffen als „nützlicher Beitrag zur tieferen Erkenntnis der beiderseitigen Traditionen und Lebensweisen” bezeichnet, die dazu dienen könne, „neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit der Christen im Dienst an der heutigen Welt zu finden”.

Seit Frühling 1968 weilten zwei russisch-orthodoxe Erzpriester, Raina und Roshkow, mehrere Monate als offizielle Vertreter des Moskauer Patriarchates im Vatikan. Sie kamen mit dem Einverständnis der sowjetischen Machthaber beileibe nicht, um „römische Dogmatik” zu studieren, sondern einzig und allein kirchenpolitische Verhandlungen zu führen.

Noch bis vor einem Jahrzehnt betrieb Rom eine streng feindliche Ostpolitik. Seit dem Streben Roms, Weltkirche zu werden, hat sich dort eine Wandlung vollzogen. Jugoslawien kann augenblicklich als das Musterbeispiel erfolgreicher „neuer Ostpolitik” des Vatikans gelten. Bald nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Vatikan erklärte der kroatische KP-Theoretiker Esad Cimic, daß man „in Jugoslawien die Religion nicht mehr länger als Hindernis für den Aufbau des Sozialismus ansehen könnte”. Die Zagreber Zeitung „Vjesnik” brachte wiederum folgende Neuigkeit der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat: „Eine Gruppe katholischer Theologen und Marxisten haben sich in der Metropole zusammengesetzt, um eine ,neue fortschrittliche Ausgabe der Bibel’ zu schaffen, die sowohl von den vatikanischen Stellen approbiert als auch von Kommunisten akzeptiert werden könne.” – Wie diese „Bibel” aussehen wird, können wir uns gut vorstellen! – Inzwischen ist der erste Druck erschienen.

Bei einer „Ost-West-Begegnung” in den USA, Juni 1968, sagte Kardinal König, Wien, u. a.: „Der theoretische Dialog müsse praktische Folgen zeitigen. Sobald der Dialog geistige Resultate aufweist, müssen wir vom Gespräch in Aktion übergehen. – Das bedeutet eine Zusammenarbeit von Christen und Marxisten in Aufgaben, die für die Menschheit von großer Bedeutung sein können.“

Auch der SED-Chef Walter Ulbricht hat am 15. Februar 1968 im Ostberliner Friedrichstadt-Palast vor 3000 Ostberlinern wörtlich erklärt: „Falls der Heilige Stuhl den Wunsch haben sollte, mit der Regierung der DDR Beziehungen herzustellen und Vereinbarungen zu treffen – aber bitte – wir sind jederzeit dazu bereit.”

Wie sich auch das Los der CSSR und der anderen Satellitenstaaten Moskaus gestalten mag, die Geheimgespräche des Vatikans mit den jeweiligen Staatsführungen werden so oder so weitergeführt. – Unabhängig aber von dem Geschehen in den einzelnen Ostblockländern verhandeln ausgesuchte Diplomaten des Vatikans, wie wir oben gesehen haben, pauschal mit den Machthabern Moskaus. Moskau kann durch Waffengewalt seine Satelliten sich gefügig machen. Eine Macht aber, und das weiß die UdSSR genau, ist ihr überlegen – und das ist Rom! Hier hat eine ihr ähnliche diktatorische Ideologie als Religion seit vielen Jahrhunderten das Volk bereits geprägt.

Unzufriedenheit, Unruhe und Umstürze haben in den meisten Fällen ihre Quellgebiete. Sie werden geheim gelenkt und gesteuert von denen, die ihre Macht vergrößern wollen.

Mitte Juli 1970 war der SPD-Bundeskanzler Willy Brand heim Papst, um mit ihm den deutsch-sowjetischen Vertrag zu besprechen. Der Papst bejahte den Plan des Bundeskanzlers und sprach ihm „Mut” zu. Als „positives Ereignis von großer Bedeutung” hat der Vatikan den abgeschlossenen Vertrag gewertet.

Nach Kardinal Willebrands und dem Staatssekretär Casaroli weilte im August 1971 der Jesuiten-General Arrupe zu einem Besuch in der sowjetischen Hauptstadt. Er soll der Wegbereiter für einen Besuch des Papstes nach Moskau sein. – Nach Rom und Konstantinopel wird Moskau noch immer das „dritte Rom“ genannt.

Das waren einige sichtbare Erscheinungen der gegenwärtigen Geheimdiplomatie des Papsttums. Diese Fäden werden im geheimen weitergesponnen. Beiderseitige Staatsbesuche werden folgen! Es liegt im Bereich der Möglichkeit, daß wir in absehbarer Zeit vor weltweite vollendete Tatsachen gestellt werden könnten.

Im Jahre 1933 hielt ich in einer Kirche meiner Heimat einen Vortrag. Unter anderem wies ich auch auf die Bedrohung unserer evangelischen Kirche von Seiten Roms hin. 1938 kam ich wieder an den Ort zum Gottesdienst. Es entspann sich ein Gespräch. Man sagte mir: „Ihre Prophezeiung vor fünf Jahren hat sich als falsch erwiesen. Rom liegt, dank des Führers, zerschlagen am Boden.” Darauf sagte ich: „Rom wird stärker und mächtiger vom Staube aufstehen. Rom hat eine eschatologische Aufgabe zu erfüllen, und darum kann Rom zunächst nicht untergehen.”

In den nächsten Jahren will auch Rom das soziale Weltproblem in Angriff nehmen. Mit ganzem Ernst will es drangehen, eine katholische Weltarbeiterschaft ins Leben zu rufen, um mit ihr die sozialen Mißstände zu beseitigen. Damit soll auch das Wirtschaftsproblem geprüft und geregelt werden.

Papst Pius XII. sagte schon 1956, am Feiertag des 1. Mai: „Vielleicht seien die Arbeiter nicht mehr dem Tag fern, an dem sie die Führung in der Welt der Arbeit werden ausüben können. Warum sollte es nicht so sein? Die gesunde Lehre, die sie vertreten, die redliche Gesinnung, die sie beseelt, sind ebenso viele Rechtstitel, Führer der heutigen Arbeiterbewegung zu werden.”

Hierbei möchte ich noch einen Gedanken aussprechen, der mich innerlich schon lange bewegt, und zwar: Ob der Katholizismus und der Kommunismus sich zu einer politischen Zusammenarbeit finden könnten? Ich weiß, daß das bei vielen Widerspruch hervorrufen wird. Man wird mir entgegenhalten: Es sei unmöglich, den Kommunismus und den Katholizismus auf den gleichen Nenner zu bringen. Das Verhältnis ist wie Feuer und Wasser.

Ehe ich einen Vergleich bringe, möchte ich etwas über meine Person vorausschicken. Meine Wiege stand im zaristischen Rußland. Ich bin dort aufgewachsen und habe dort die Schule besucht. Die Revolution erlebte ich, als wir deutsches Besatzungsgebiet waren. Wir wurden dann Polen. Fast ein Jahrzehnt arbeitete ich als Judenmissionar unter kommunistischen Juden in der Nähe der sowjetischen Grenze. Im Krieg war ich vier Jahre Dolmetscher im Innern Rußlands, weil wir inzwischen deutsch wurden. Die Methoden der Kommunisten sind mir gut bekannt. Auch der römische Katholizismus ist mir nicht unbekannt, weil ich stets mit ihm Berührung hatte. Nur deshalb erlaube ich mir, einen Vergleich anzustellen. Es soll durchaus keine „Prophetie’ im weitläufigen Sinn sein.

Feuer und Wasser müssen nicht immer im Gegensatz zueinander stehen. Sie können auch einander ergänzen und zusammenwirken. Feuer und Wasser können sich auch im Dampf zu einer dynamischen Energiequelle entfalten.

Ich sehe im römischen Katholizismus und sowjetischen Kommunismus Zwillingsbrüder, die das gleiche Ziel verfolgen.

Jeder ist bemüht, eine neue Weltordnung zu schaffen. In dieser neuen Ordnung sollen alle teilhaben an den Segnungen und Errungenschaften. Beide wollen eine Menschheit im neuen Paradies, das sie schaffen werden, glücklich sehen. Einen Unterschied zwischen beiden findet man nur in ihren Weltanschauungen, die sie vertreten. Auch der Kommunismus ist seinem Wesen nach Religionsersatz.

Wir finden eine ganze Reihe von Parallelen zwischen römischem Katholizismus und sowjetischem Kommunismus:

a) Beide sind Vertreter totalitärer Systeme.
b) Beide trachten nach der Weltherrschaft.
c) Sie haben ihre „alleinseligmachende Kirche” (Kommunistische Einheitspartei).
d) Sie haben ihr „Papsttum” (Diktatur).
e) Sie haben ihre „Hierarchie” und ihre „Kurie” (die verschiedenen Funktionäre der KP und die Leiter des Sowjet-Staates).
f) Sie hatten ihre „Inquisitionsgerichte” (NKWD-Gerichte, die jederzeit wieder eingesetzt werden können).
g) Beide haben ihre „Index-Kongregation”, die über Presse und Literatur wacht.
h) Sie haben ihre „Jesuiten” (Sicherheitspolizei des Politbüros der sowj. KP und Agenten des Abwehrdienstes).
i) Sie haben ihre „Propagandazentrale”.
k) Bei beiden „heiligt der Zweck die Mittel” (was der Partei nützt, ist gut! Die Kirche und die Partei haben immer recht!)
l) Sie haben ihre gemeinsame „Beichte” (Selbstbezichtigung).
m) Sie sind unduldsam den Minderheiten gegenüber.
n) Beide haben ihr „Heiligtum” (Kreml).
o) Beide haben ihre „Heiligen”, die sie verehren (Karl Marx, Rosa Luxemburg, Lenin u. a. m.).
p) Beide pilgern zu den Gräbern ihrer „Heiligen” (Mausoleum in Moskau).
q) Beide sprechen den „Bann” über die Abweichler von der „Generallinie”.
r) Beide tragen bei Umzügen und Prozessionen ihre „Heiligenbilder”.
s) Beide schaffen den „totalen” neuen Menschen.
t) Beide versuchen sich dem Modernismus anzupassen.
u) Beide erstreben das „Paradies” auf Erden.

Ist der Gedanke so abwegig, daß beide Brüder im Dialog zueinanderfinden? Das kann die natürliche Folgerung in der Entwicklung dieser beiden Systeme sein. Einst hat der Vatikan auch den Anschluß an den gottlosen Nationalsozialismus angestrebt. Er ist aber von ihm abgewiesen worden. Es ist nicht unmöglich, daß beide Mächte im großen politischen Weltringen einander nötig haben werden. – Damit gewinnt Rom Macht auch über den Ostblock.

Obiger Vergleich mag für manche Leser hart klingen. Es geht hier aber nicht um den einzelnen Katholiken oder den einzelnen Kommunisten. Diese wissen in den meisten Fällen überhaupt nicht, was gespielt wird. Der Vergleich gilt dem vom Vatikan und Papst dirigierten religiös-politischen römischen Katholizismus und dem von Partei und Kreml geleiteten sowjetischen Kommunismus.

Wer einen Sinn für das Weltgeschehen hat, wird merken, wie starke politische Bewegungen unsere Welt erschüttern und formen.
Neue Mächte erheben ihre Häupter und ringen um die Weltherrschaft. China mit seiner Milliarde Einwohnern ist im Aufbruch und bedroht unseren alten Kontinent. Es ist ein Volk ohne Raum. Der erwachte Riese wetteifert mit den fortschrittlichen Nationen, um sie technisch und bildungsmäßig einzuholen. Innere Erschütterungen in Diktaturen dienen fast immer nur der Stärkung und der Zusammenfassung brachliegender Kräfte.

Den USA, die heute von Rom stark beeinflußt werden, gelang es nicht, dem vorwärtsdrängenden asiatischen Kommunismus einzudämmen und Südvietnam, das stark römisch-katholisch geprägt ist, zu stärken. Ideologien lassen sich nicht durch materielle Machtmittel bezwingen. – Der Papst wiederum tritt überall da, wo Unruhe ist, als Friedensmahner auf. Bei allen Friedensappellen stehen aber in dеп meisten Fällen Sonderinteressen des Vatikans getarnt im Vordergrund. Der „Stellvertreter“ will, wie Christus, als Friedensbringer in die Geschichte eingehen.

Eine andere geistige Macht, die beinahe eine halbe Milliarde zählt, ist im Ansturm, um Afrika unter den Banner des Halbmondes zu bringen. Sie will eine ganze Welt für den falschen Propheten erobern.

Seine Missionare werden in der berühmten Hochschule El Ahzar in Kairo ausgebildet und in viele Staaten der Welt gesandt. – Der Nahost-Krieg ist, genau gesehen, ein Religionskrieg.

Unsere alte Welt, das merken wir, liegt in Wehen. Alles Neue, auch das Antichristliche, wird nicht ohne Schmerzen geboren. Am Ende alles Kampfes und Ringens dieser antichristlichen Mächte entsteht eine neue, vereinigte Welt unter der Führung des „Antichristen” und des „falschen Propheten” in Person. Der wahre Christ sieht aber in diesem gottfeindlichen Ringen um die Weltmacht die Erfüllung der göttlichen Prophetie. Er weiß, daß diese antichristliche Weltherrschaft nur von kurzer Dauer sein wird. Den letzten Sieg haben nicht die antichristlichen Mächte, sondern der Sieger von Golgatha, der Herr der Herrlichkeit, Jesus Christus, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist.

Wie schon erwähnt wurde, wird Rom in der nächsten Zeit das soziale Weltproblem zu lösen versuchen. Weitschichtige soziale Probleme warten noch auf eine befriedigende Lösung: „Die Sozialfunktion des Eigentums, die Hebung des Proletariates zu wahrem menschlichem Leben, die Reform des Unternehmertums, die Neuverteilung des Einkommens, der gerechte Lohn, die Anerkennung der Gewerkschaften, das Eingreifen des Staates auf wirtschaftlichem Gebiet u. a. m.” Alle diese Probleme sollen im römisch-katholischen Geist geregelt werden.

Die erste diesbezügliche Enzyklika (päpstliches Rundschreiben) ist von Papst Paul VI. am 28. März 1967 im „Osservatore Romano” erschienen. Sie umfaßt 87 Artikel. In diesem Rundscheiben nimmt der Papst Stellung zu den verschiedenen denen Gebieten der sozialen Weltprobleme. Es würde zu weit führen, im einzelnen die wichtigsten Punkte zu behandeln. Soviel sei gesagt, daß sich die päpstliche Enzyklika in vielen Punkten mit der kommunistischen Ideologie deckt. Sie wurde auch von jener Seite stark beachtet und ihr zugestimmt. Das könnte der Auftakt zu Offenbarung 13, 16 sein.

 

VI. Die römisch-katholische „Liebe” und die römische „Religions- und Gewissensfreiheit”

Wir hörten in den letzten Jahren viel von „Liebe” reden, besonders von der Liebe zu den „getrennten Brüdern”. Rom ist eifrig bemüht, die Fassade seiner Kirche zu renovieren, um den getrennten Brüdern die Rückkehr zu erleichtern. Schon der äußere Anblick des Konzils sollte die suggestive Macht ausüben, alle getrennten Christen nach Rom zurückzuführen. Hierzu eine wichtige katholische Stimme:

„Wir werden das Antlitz der Kirche verjüngen und der Welt eine Kirche zeigen, die in ihrer ewigen Kraft dasteht und ihre Gesetzgebung den heutigen Verhältnissen angeglichen hat; das Leben und den Zusammenschluß der Kirche neu erstarken lassen, eine riesige Aufgabe erfüllen durch Ausscheiden all dessen, was den Fortschritt der Kirche hindern kann.

Das Konz wird bestimmt ein wunderbares Schauspiel der Wahrheit, der Einheit und der Liebe sein. Wir vertrauen darauf, daß das Erlebnis dieses Schauspiels für die von Rom getrennten Christen eine sanfte Aufforderung sein wird, die Einheit zu suchen und zu erlangen, die Christus in inbrünstigen Gebeten vom himmlischen Vater erflehte.

Die Kirche wird das Erneuerungswerk durchführen. Erst in einer späteren Zeit, nach Vollzug dieser Läuterung, wird sich die katholische Kirche den getrennten Brüdern vorstellen, um sie zur Rückkehr einzuladen in das Haus, in dem ihre Väter wohnten. In ihrem neuen Glanz wird sie sich unseren getrennten Brüdern gastlicher zeigen.

Wir werden die Kirche in ihrer ganzen Größe vorstellen und zu unseren getrennten Brüdern, den Orthodoxen, Protestanten usw., sprechen: Schaut, Brüder, das ist die Kirche Christi. Wir haben uns bemüht, ihr treu zu sein, und den Herrn um die Gnade gebeten, daß sie so sei und bleibe, wie er gewollt hat. Kommt und nehmt wieder euern Platz ein, der für viele unter euch der eurer Väter ist.”

Die Vereinigung soll nach katholischer Sicht in drei Etappen vor sich gehen:

Die erste Etappe: Die Annäherung. Sie ist psychologischen Charakters: Durch gegenseitige Besuche, Freundlichkeiten und Geschenke sollen die Wege vorbereitet werden. Diese zielen durch gegenseitige „Höflichkeit und Sympathie” auf Entspannung hin. Religiöse Fragen sollen noch nicht berührt werden.

Diese „psychologische Entspannung” soll die Wege zur zweiten Etappe bahnen. Diese ist theologischer Natur: Weitere Gespräche, Diskussionen, Vorträge, Begegnungen, Gedankenaustausch über Kontroversfragen, gemeinsame Gottesdienste usw. Den getrennten Brüdern sollen die Dogmen erläutert werden, an denen sie sich stoßen u. a. m. Mit anderen Worten: Die Wege, auf denen die getrennten Brüder zur Kirche Roms zurückpilgern wollen, sollen geebnet sein. Hier stehen wir heute!

Die dritte Etappe: Die letzte Etappe ist die Folgerung der zwei ersten: die volle Vereinigung mit der Kirche Roms!

Was uns befremden muß, ist, daß Begriffe wie Liebe, Freundlichkeit, Höflichkeit, Sympathie ganz programmäßig, auf Geheiß ausgeführt werden sollen. Wir merken: Dieses „Lieben” ist nicht eine innere Herzensstellung, ein inneres Müssen um Jesu willen, sondern Mittel zum Zweck: Man will damit die „getrennten Brüder”, die Orthodoxen, die Protestanten usw., nicht zu Christus, sondern in die alleinseligmachende Kirche Roms bringen.

Was uns noch mehr befremden muß, ist, daß diese „Liebe” in den verschiedenen Ländern, in den besonderen Fällen verschieden in der Auswirkung sein muß. Diese, ich möchte fast sagen „katholische Liebe” ist ganz anders zu den „getrennten Brüdern”, die aus den Evangelischen kommen und katholisch werden sollen. Sie verhält sich wiederum ganz anders zu den „getrennten Brüdern”, die aus der katholischen Kirche kommen und evangelisch geworden sind. Sie ist anders in der Schweiz und Deutschland und anders in Kolumbien und Spanien.

Ich bringe nun aus meinen Beobachtungen und Erfahrungen Beispiele aus jüngster Zeit:

Es nahte wieder das Weihnachtsfest. Diesmal hatte Papst Pius XII. eine herzerschütternde Weihnachtsbotschaft in die Welt gefunkt. Er sprach von Weihnachten, dem Fest der großen Liebe und des Friedens. Er forderte Menschen, Völker und Nationen auf, guten Willens zu sein, einander zu vergeben, zu lieben und im Frieden zu leben. Er wies auf Jesus hin, der den Frieden der Welt will usw. – Es waren gute Worte, die der Papst gesprochen hat.

Einige Tage später brachten christliche Blätter – die katholisch inspirierte Presse schwieg sich aus – die Nachricht, daß in Spanien am 2. Weihnachtsfeiertag eine evangelische Kirche gestürmt, demoliert und angezündet wurde. Ich war innerlich stark betroffen: Hatten diese Menschen die Friedensbotschaft des Papstes nicht gehört? Wird der Papst Halt gebieten und die Übeltäter strafen? – Es vergingen Tage und Wochen, aber nichts geschah. Beim Nachdenken wurde mir klar: Du hast wieder einmal evangelisch gedacht! – Wir dürfen nicht vergessen, daß die Jesuiten, die die Kirche stürmten, und der Papst römische Katholiken sind. Als treue Katholiken konnten sie nicht anders handeln!

Wie Professor Gutierrez Marin, Präsident der Evangelischen Kirche Spaniens, meldete, seien durch das Zweite Vatikanische Konzil gewisse günstige Auswirkungen für die Minderheitenkirchen in Lateinamerika und Spaniers zu verzeichnen. Man freut sich darüber und man gönnt den jahrzehntelang verfolgten Brüdern und Schwestern in diesen Ländern eine Ruhepause. Was einem bei dieser Freude traurig stimmt, ist, daß diese Vergünstigungen nicht aus einem inneren Trieb, aus einer inneren Überzeugung, aus einer inneren Herzensstellung kommen. Es ist einfach Beschluß oder Befehl: Jetzt handeln wir in diesem oder jenem Fall so und so. Es ist alles, wie in den autoritären Staaten, auf Zweckmäßigkeit ausgerichtet. Heute kann man dulden und morgen wieder unterdrücken und verbieten, je nachdem es der mächtigen Kirche diente. (Im April 1967 sind wieder die Schreiben eines evangelischen Gotteshauses in Granada demoliert worden. Gleichzeitig wurden das Auto des Seelsorgers und ein Geschäft eines Evangelischen zerstört. Die Steine waren in Papier mit der Aufschrift „Ave Maria” (Gegrüßet seist du, Maria) eingewickelt).

Das zweite Beispiel: In einem katholischen Krankenhaus werden die dienenden Ordensschwestern als liebe, gütige und treue Schwestern sehr geschätzt. Man sagt, daß sie die evangelischen Glaubensgenossen beinahe noch zuvorkommender als die katholische Patienten behandeln. Es ist wahr, man merkt in der Behandlung keinen Unterschied zwischen evangelisch und katholisch.

In dieses Krankenhaus wurde eine junge, querschnittgelähmte Frau eingeliefert. Von zu Hause aus katholisch, war sie mit einem evangelischen Mann evangelisch getraut. Ihre einzige Tochter war evangelisch getauft. Auf einer Fahrt zu einer Konferenz hatte sie mit ihrem Mann einen Autounfall. Ihr Mann war tot und sie gelähmt.

Sie kam in jenes Krankenhaus und wurde gut gepflegt, so lange, bis die Schwestern erfuhren, daß sie früher katholisch war. Von da ab wurde sie vernachlässigt. Am Bett dieser Schwerkranken sprachen die Schwestern jetzt von dem „Fräulein”, das im „Ehebruch” lebte. Ihre Tochter wurde zum „unehelichen” Kind gestempelt. Viele schmerzhafte „Nadelstiche” mußte sie erdulden. Monatelang lag die Elende auf ihrem Krankenlager, bis der Rücken große, tiefe Wunden aufwies und sie dem Tode nahe war.

Dieser Zustand dauerte fast zwei Jahre, bis ein Angestellter ihrer Krankenkasse zu ihr kam. Als er von ihrem bedauernswerten Zustand erfuhr, bemühte er sich, daß sie in ein anderes Krankenhaus überführt wurde. Acht Monate lang mußte dort die Kranke auf dem Bauch liegen, bis die großen, tiefen Wunden wieder zugeheilt waren.

Das dritte Beispiel: Dieser Fall ereignete sich in einem anderen Krankenhaus mit katholischen Schwestern. Die Patientin war in ihrer Jugend katholisch und gehörte jetzt zu einer Evangelischen Freien Gemeinde. Aus der katholischen Kirche war sie noch nicht offiziell ausgetreten. Sie wurde in der Augenklinik auf einem Auge am Star operiert. Man behandelte sie wie alle anderen Patienten. Auf ihren Einweisungspapieren stand als Konfession: „Römisch-katholisch.”

Das ging so lange gut, bis die Schwestern sie eines Tages zum Kommunizieren aufforderten. Sie lehnte aber ab. Jetzt war für sie die Hölle los! Die Schwestern merkten, daß sie eine „Abtrünnige” gepflegt hatten. Obwohl sie noch nicht geheilt war und mit einer Pleuritis und infektiöser Augenentzündung, die sie sich im Krankenhaus zugezogen hatte, dalag, drängte man sie durch Verleumdung aus dem Krankenhaus hinaus. In einem evangelischen Krankenhaus fand sie Aufnahme und Heilung.

Wir wollen auf diese Schwestern keinen Stein werfen. Sie sind nicht schuld, daß sie diese Einstellung haben. Das ist katholische Glaubenslehre, „katholische Liebe“, jesuitische „Morallehre”. – Gott sei Dank, es gibt auch noch katholische Ordensschwestern mit einer biblischen, echten Liebe!

Es gab auch in der evangelischen Kirche manche Verirrungen und Fehltritte, wo man zur Selbsthilfe schritt und mit fleischlichen Mitteln kämpfte und bekämpfte. Vom Wort Gottes her hatte sie dazu keinerlei Berechtigung. Zu ihrer Entschuldigung kann man nur anführen, daß solche Handlungen spontan, zeitlich und regional begrenzt waren. Zur Ehre Gottes muß gesagt werden, daß sich die evangelische Kirche bei Fehltritten immer wieder gebeugt hat.

Anders ist es in der Kirche Roms. Da ist der Haß zum Glaubensbekenntnis, zum Programm erhoben worden. Wie Haß und Liebe miteinander harmonieren sollen, ist einem bibelgläubigen Christen fremd.

Wir hören fortwährend von der „großen Liebe” zu den getrennten Brüdern. Neben dieser Liebesbeteuerung steht der Haßgesang der Bulle „In coenia domini” des Dominikanerpapstes Pius V., die noch nicht aufgehoben ist, d. h. die noch bis zum heutigen Tag ihre volle Gültigkeit hat: „Wir stoßen aus und verdammen im Namen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und durch die Vollmacht des Apostels Petrus und Paulus und aus unserer eigenen Machtvollkommenheit alle Hussiten, Wiclifen, Lutheraner, Zwinglianer, Calvinisten, Hugenotten, Wiedertäufer, Trinitarier und alle vom christlichen Glauben Abgefallenen und alle anderen Ketzer, mögen sie wie immer heißen oder einer anderen Sekte angehören, auch alle, welche zu ihnen halten, ihnen Obdach bieten, sie unterstützen, überhaupt sich ihrer annehmen, und ihre Bücher, welche Ketzerei enthalten und von Glaubensdingen handeln, ohne unser und des Heiligen Stuhles Erlaubnis bewußt lesen oder aufbewahren, sie aus irgendeinem Grunde öffentlich oder heimlich drucken, mag ran das auf welche Weise immer tun und irgendeinem Vorwand vorschützen, ebenso alle Schismatiker und diejenigen, welche uns oder den, der eben gerade römischer Papst ist, in hartnäckiger Weise den Gehorsam verweigern.” – Damit sind auch wir alle „herzlich geliebten, getrennten evangelischen Brüder” gemeint.

Hierzu schreibt Walter Schäble: „Auch die 2500 Konzilsväter des Zweiten Vatikanischen Konzils sind nicht von den Bullen und Bekenntnissen Roms abgerückt. Sie mußten vielmehr am 11. Oktober 1962 feierlichst die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563) sowie das Unfehlbarkeitsdogma beschwören und bekunden, alle entgegenstehenden Lehren zu verdammen.” – „Liebe” und abgrundtiefer Haß stehen in der Kirche Roms wie Brüder nebeneinander und werden wie benötigt angewandt.

Ich weiß, es gibt in der katholischen Kirche poch Männer und Frauen mit einer bibelgläubigen Einstellung. Diese sind mit den oben erwähnten Handlungen nicht einverstanden. Das sind die einzelnen, die wenigen, die auch zur Herde Christi gehören. Ihnen gilt das Wort: „Glückselig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen!”

Voraussehend kann man aber sagen: Es wird die Zeit kommen, daß auch sie sich von der großen Herde Roms werden scheiden müssen. Auch sie werden in die Leidensnacht hineingehen.

Und nun hören wir, was der Apostel Paulus in 2. Korinther 13 von der wahren Jesusliebe zu uns spricht. Ich übertrage absichtlich frei:

„Wenn ich mit prophetischer Zungensprache der Menschen und der göttlichen Sprache der Engel reden könnte und hätte der wahren Liebe Christi nicht, so wäre ich nichts weiter als eis Klang oder Schall, der von einer Glocke oder Zimbel kommt.

Und wenn ich die prophetische Gottesgabe besäße, um in die tiefsten Tiefen der Gottes- und Menschengeheimnisse einzudringen, und wenn ich einen so großen Glauben hätte, daß er Berge aus ihrer Befestigung wegbewegen könnte, wenn ich aber nicht von dei wahren Liebe Jesu entzündet bin, so bin ich nichts weiter als ein elendes, bedauernswertes Geschöpf.

Und wenn ich mein letztes Hemd von meinem Leibe und mein letztes Stück Brot dem Bedürftigen mitteilte, und wenn ich aus freier Entscheidung meinen Leib hingebe, um als Märtyrer verbrannt zu werden, wenn ich es aber nicht aus dem inneren Drang der Liebe für meinen Herrn und Heiland tue, so habe ich davon keinerlei Gewinn für die Ewigkeit.”

Eine von Jesus Christus entzündete Liebe kann den Gegenstand seiner Liebe nicht wählen. Wahre Liebe liebt, weil sie lieben muß! So wie das Licht der Sonne alles verklärt ипд erwärmt, so wird wahre Liebe Licht und Wärme auf alles, was ihr begegnet, ausstrahlen. – Was aus der Quelle Jesu Christi fliegt, ist lauter, klar und unvermischt.

Ganz ähnlich der „katholischen Liebe” ist das Schema der „Religions- und Gewissensfreiheit”. Wir erinnern uns noch gut, wie durch Presse und Funk die Nachricht weitergetragen wurde: „Niemand soll mehr für seine religiösen Überzeugungen auf dem Scheiterhaufen sterben, weder im wörtlichen noch übertragenen Sinn. Die Würde der menschlichen Person ist unantastbar und erstreckt sich auch auf das Gewissen des Menschen. Ob bei Glaubenden oder Irrenden, vor der Freiheit des menschlichen Gewissens müssen Staatsgewalt und Religionen sich beugen. Nur wo durch Fanatismus der Friede unter den Menschen gefährdet oder sittliche Gesetze zerstört werden, sollten der Religionsfreiheit Grenzen gezogen werden.” – Wìe sieht nun die Praxis dieser „Religions- und Gewissensfreiheit” aus?

Am Anfang der zweiten Hälfte des Zweiten Vatikanischen Konzils haben sich die Konzilsväter wieder mit dem Schema der „Religionsfreiheit und des Gewissens“ befaßt. Dieses „heiße Eisen” mußte vom Konzil aus dreierlei Gründen angefaßt werden:

1. Es stand nun fest, daß der Papst vor das Forum der Vereinten Nationen treten wird, um für dem Frieden und die Freiheit der Völker und Nationen einzutreten. Wie will man aber Freiheit für andere fordern, wenn ran selber dort, wo man die Macht hat, unterdrückt und verfolgt? Die katholische Presse schreibt hierzu: „Die Erklärung über die Religionsfreiheit soll dem Papst als Eintrittskarte beim Besuch der Vereinten Nationen dienen.”

2. Die römische Kirche wird ja selbst in den Ländern des Ostblocks unter Druck gesetzt. Eine ganze Reihe von Geistlichen schmachtet in den Gefängnissen oder lebt in Verbannung. Auch hierzu eis Wort der Presse: „Unmißverständlich angeklagt werden alle jene Staaten, in denen die Freiheit des Glaubens zwar auf dem Papier gesichert ist, in der Praxis aber nicht besteht, weil Gläubige oder Andersgläubige bitteren Bedrängnissen ausgesetzt sind.” – Auch dagegen maßte man zuvor etwas Positives bieten, ehe man fordern will.

3. Man möchte die Vergangenheit „ungeschehen” machen und den „getrennten Brüder” den Weg zurück neu bahnen. Auch dazu noch eine Pressestimme: „Die Religionsfreiheit ist in der Tat das ,ungewollte Kind der Glaubensspaltung’. Anfänglich wurden die Ketzer – auf beiden Seiten – verbrannt. Wenn jetzt gerade Kardinal Bea diese Erklärung abgefaßt hat, so deshalb, um den evangelischen Glaubensbrüdern den Wind aus den Segeln zu nehmen, denn viele werfen der katholischen Kirche vor, einer ,doppelten Moral’ zu huldigen.”

Tief beeindruckt waren die Konzilsväter über eine Erklärung des damals in seiner Heimat verfolgten und jetzt in Rom verstorbenen greisen Erzbischofs Beran aus Prag: „So scheint mir die katholische Kirche in meiner Heimat schmerzhaft Sühne für die Vergehen und die Sünden zu leisten, die in der Vergangenheit im Namen der Kirche gegen die Gewissensfreiheit begangen worden sind, wie es der Fall war bei der Verbrennung des Priesters Hus und bei der gewaltsamen Rückführung eines großen Teils des böhmischen Volkes zum katholischen Glauben nach dem Prinzip „cuius regio eius religio” (Wer regiert, bestimmt die Religion). Dieser Aufruf trug mit dazu bei, daß ein Wandel in der Haltung vieler Kоnzilsväter sich vollzog.

Die Gegner der Religions- und Gewissensfreiheit, hauptsächlich aus den Ländern mit katholischer Mehrheit, lehnten das Schema entschieden ab. Sie fürchten, wie sie sagten, daß diese Freiheit mehr Verwirrung als Klärung bringen würde. Sie werde verstanden werden als Freiheit von Religion und Gott, wie es in der Französischen Revolution und im Liberalismus geschehen war. Sie fragten: Wo sind die Grenzen dieser Religionsfreiheit? Öffnet eine solche Erklärung nicht den Hetzrednern der Sektenprediger (sprich: evangelische Prediger!) und den unglücklichem Kulten Tür und Tor? Sie bestritten, daß das Sekretariat für die Einheit der Christen zuständig sei, dieses Thema auszuarbeiten, denn dieses Schema gehe über das Verhältnis dei christlichen Kirchen hinaus.

Das Ergebnis der Abstimmung, beeinflußt durch Erzbischof Berans Erklärung, erbrachte eine überwältigende Mehrheit zur Annahme des Schemas: 1997 Konzilsväter antworteten mit Ja und 224 gaben ihre Neinstimmen ab. Die katholische Presse schrieb hierzu: „Ein Beweis, daß viele ,fortschrittliche’ Kоnzilsväter bereit sind, die Menschenwürde zu achten, indem sie Andersgläubigen die freie Ausübung ihrer Religion zugestehen.”

Als bibelgläubiger Christ hat man bei dieser Auseinandersetzung ein gewisses Unbehagen:

1. Schon der Gedanke, daß „christliche” Kоnzilsväter zusammentreten, um mit Ja- oder Neinstimmen sich für oder gegen ein Schema der Gewissens- und Religionsfreiheit zu entscheiden, ist etwas Unmögliches. So etwas könnte man sich in Moskau, Peking oder Prag vorstellen. Vom Wort Gottes her ist Gewissens- und Religionsfreiheit eine Selbstverständlichkeit. Gott zwingt niemanden. Der wahre Christ kann und darf, nicht mehr und nicht weniger, Zeuge für Christus in einer gewissens- und christuslosen oder auch sehr religiösen „christlichen” Welt sein. Alles andere überläßt er seinem Herrn und Meister, der ihn in den Dienst gerufen und dazu begnadet hat.

2. Wir fragen: Wer gibt denn der Kirche Roms die Macht und das Recht, die Schutzherrschaft über den christlichen Glauben zu übernehmen und die biblisch Gläubigen zu unterdrücken, zu verurteilen und zu verdammen? Diese diabolische Macht hat sie in der Vergangenheit und Gegenwart – dem Wort Gottes zuwider – raubmäßig und brutal an sich gerissen.

3. Es ist den meisten Konzilsvätern weniger darum zu tun, die Freiheit der Verkündigung des Evangeliums an allen Orten und ohne jegliche Einschränkung und Gewissenszwang zu garantieren, sondern die Religionsausübung in „religionsfeindlichen Staaten” sicherzustellen. Es ist hier mehr ein Fordern als ein Gebenwollen.

4. Das Schema über die Religions- und Gewissensfreiheit wurde mehrfach durchgearbeitet, verbessert, revidiert, abgestimmt, wieder revidiert, fast zwei Monate lang, bis alle Konzilsväter, die Befürworter und die Gegner, den Text billigen und unterschreiben konnten. Wir fragen: Ist es nicht wieder ein Wegnehmen mit der anderen Hand, was man mit der einen gibt? Man kann doch nicht gleichzeitig ja und nein sagen!

Das Gebot der Gewissens- und Religionsfreiheit ist von Christus und den Aposteln schon vor fast 2000 Jahren als fester Bestandteil des Christenglaubens und der Christenhoffnung niedergelegt worden. Es richtet sich an alle zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeborenen Christen. Dieses Gebot ist in den Verfolgungszeiten erprobt und für gut befunden und mit dem Blut der Märtyrer besiegelt worden.

Aus dem Grund lehnt die gläubige Christengemeinde die römische „Gewissens- und Religionsfreiheit” aufs entschiedenste ab. Rom hat kein Recht, die biblische Gläubigen zu unterdrücken und zu verfolgen. Und doch wird sich die Gemeinde der Gläubigen auf Leiden von sehen Roms einstellen müssen. Machtzunahme und Unduldsamkeit gehen bei Rom Hand in Hand. Der Herr bewahrt die Seinen nicht vor dem Leiden, sondern im Leiden (Offb. 2,10). Gerade im Leiden will der Herr die Seinen mit besonderen Gnadenmitteilungen segnen und sie mit göttlichen Kraftzuflüssen aus seinem Heiligtum stärken. Das Gebot der Religions- und Gewissensfreiheit wahrer Gotteskinder lautet demnach:

„Glückselig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr“ (Matth. 5,10).

„Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles wider euch, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnt werden. Denn also haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind“ (Matth. 5,11).

„Seid niemand nichts schuldig, als daß ihr euch untereinander liebet” (Röm. 13, 8).

„Also bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen” (1. Kor. 13. 13).

Der wahre Christ hat nichts von der Welt zu fordern, sondern er hat der Welt zu geben. Er ist jedermanns Knecht, indem er der Welt mit dem Größten und Besten dient, und ist wiederum der freieste und froheste Mensch, weil er unabhängig von der Meinung der Welt ist. Sein Herr, dem er in Treue dient, hat für ihn die volle Verantwortung übernommen:

„Nehmen sie den Leib,
Gut, Ehr, Kind und Weib,
laß fahren dahin,
sie haben’s kein Gewinn.
Das Reich muß uns doch bleiben.”

Während man in Rom um die Religions- und Gewissensfreiheit kämpft und ringt – 60 Konzilsväter haben gesprochen -, kommt aus Spanien eine Nachricht: „Der Präsident der Kommission für die Verteidigung des evangelischen Glaubens in Spanien, Francisco Garcia Navarro, nannte die Schließung einer evangelischen Schule in der Provinz Saragossa einen bedauernswerten Rückschlag für die ökumenischen Beziehungen in Spanien. Die Schließung der Schule war von dem spanischen Erziehungsminister Manuel Lora Tamayo verfügt worden, der erklärt hat, die Tätigkeit der Schule verletze das 1953 zwischen dem Vatikan und Spanien geschlossene Konkordat.”

Leider war das Schema der „Religions- und Gewissensfreiheit von vornherein als „Propagandaballon” gedacht. Es war eine Irreführung aller fortschrittlich denkenden Menschen. Die einzelnen Kardinäle, die es noch ehrlich meinten, konnten sich nicht durchsetzen. Rom hat sich wieder eine „Hintertür“ offengelassen. Was auch immer Rom beschließt, ist unklar, ist vermischt, ist zweideutig und hinterhältig.

Nach dem Konzil waren Bestrebungen im Gange, den Protestanten Spaniens dieselben Rechte wie den Katholiken zuzugestehen. Beim Beginn diesbezüglicher Verhandlungen im Herbst 1966 schrieb ich damals folgendes:

„Wie sich das sogenannte ,Protestantenstatut’ für die 30.000 in Spanien in der Zerstreuung lebenden Protestanten auswirken wird, bleibt abzuwarten. Sie sind wie einige kleine Inseln inmitten von 99 Prozent traditionsbewußter Katholiken. Die Verfassung will ihnen das Recht zugestehen, alle Staatsämter, mit Ausnahme des Staatschefs, bekleiden zu dürfen. Ferner sollen sie von der Teilnahme am katholischen Religionsunterricht in der Schule, bei der Armee und in den Strafanstalten befreit werden. Sie sollen ihre eigenen Schulen und Gotteshäuser eröffnen dürfen u. a. m. Eine wichtige Einschränkung soll das Statut enthalten: Proselytenmacherei, d. h. Zeugnis für Christus nach außenhin, Mission, soll verboten sein.

Man könnte sich nur freuen, wenn man den leidgeprüften evangelischen Glaubensgenossen in Spanien dieselben Rechte wie den Katholiken zugestehen würde. Wenn man aber dieses sogenannte ,Protestantenstatut’ mit seinen Einschränkungen genauer betrachtet, so wird man an die ,Religionsfreiheit’ in den totalitären Staaten erinnert: Auch dort ist Religions- und Gewissensfreiheit auf dem Papier garantiert. Könnten wir uns aber in jenen Staaten einen Zeugen Jesu Christi in einer hohen Staatsstellung vorstellen? Wer öffentlich für Christus Zeugnis gibt, wird dort sofort als Staatsfeind Nr. 1 angesehen. Auch dort ist Proselytenmacherei streng verboten.

Die Einschränkung der Proselytenmacherei soll der katholischen Kirche und dem Staatsanwalt in Spanien das gesetzliche Recht geben, die zeugende Gemeinde als Gesetzesübertreter zu brandmarken und sie zu verurteilen. Das wird auch das Los der Gemeinde Jesu Christi im antichristlichen Reich sein.

Jede wahre Gemeinde des Heilands wird aber für ihren Herrn Zeugnis geben müssen. Darum wird auch die evangelische Gemeinde in Spanien, wenn sie wahre Gemeinde sein will, früher oder später mit den Staatsgesetzen in Konflikt kommen. Sie wird ,Kirche unter dem Kreuz’ bleiben. Wird sie aber, wie im Land der Reformation, zu einer Staatskirche werden wollen, mit dem wahren Zeugnis aufhören, mit Rom paktieren, mit der Kirche Roms gemeinsame Akademietagungen, Seminare und gemeinsame Gottesdienste veranstalten, wird sie noch einige Zeit in Ruhe und Frieden hinvegetieren dürfen. Damit hört sie aber auf, Gemeinde Jesu Christi zu sein. Darum gilt es abzuwarten, ob dieses neue Statut wirkliche Freiheit bringt und wie sich die Evangelischen Spaniens dazu stellen werden.”

Nach längeren Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der streng katholischen Richtung, hauptsächlich der Jesuiten, und den gemäßigteren Regierungsvertretern wurde Mitte Mai 1967 dieses sogenannte „Protestantenstatut” im Madrider Parlament endgültig verabschiedet. Es ist für die Evangelischen Spaniens eine große Enttäuschung, weil es für sie nur wenig fühlbare Erleichterungen bringt. Durch dieses Gesetz können sogar die freien Zugeständnisse von früher nicht mehr wirksam sein. Im ersten Artikel des Gesetzes wird wohl grundsätzlich „Religionsfreiheit” gewährt, dagegen wird in den anderen Bestimmungen diese gegebene Freiheit wieder eingeschränkt oder aufgehoben. So z. B. werden die evangelischen Glaubensgemeinschaften nicht als Kirchen, sondern nur als „Vereinigungen” anerkannt, das heißt, sie sind Vereine, die an das staatliche Vereinsrecht gebunden sind. Die traurige Wirklichkeit heißt demnach: Die Evangelischen Spaniens sind ein Verein in einer katholischen Diktatur, wo einzig und allein die „alleinseligmachende Kirche Roms“ anerkannt ist. Als staatlich genehmigter Verein sind die Evangelischen verpflichtet, ihre Mitgliederlisten und die Finanzen der katholisch-staatlichen Behörde offenzulegen und um Anerkennung nachzusuchen. Auch die evangelischen Pfarrer und Prediger sind in ihren Rechten den katholischen Geistlichen gegenüber stark eingeschränkt. Im Unterschied zu den katholischen Geistlichen werden sie gezwungen, Militärdienst abzuleisten. Nach dem neuen Recht können die evangelischen Soldaten, und damit auch die Pfarrer, künftig wieder zur römisch-katholischen Messe kommandiert werden u. a. m. Von einem echten Entgegenkommen und einer aufrichtigen Religions- und Gewissensfreiheit ist in diesem Statut keine Spur. Es herrscht auch hier der Geist der römisch-katholischen „Liebe” und der Geist der römischen „Religions- und Gewissensfreiheit.

Die spanische evangelische Kirche hat im Namen aller Protestanten Spaniens dem spanischen Justizministerium ihre Antwort auf dieses neue Protestantenstatut in einem Protestschreiben bereits mitgeteilt: Die evangelische Kirche Spaniens will lieber in der Illegalität mit all ihren Konsequenzen weiter bleiben, als sich in ein von evangelisch-feindlichen Staatsorganen kontrollierbares Vereinsregister eintragen zu lassen. Sie will kompromißlos den ihr von Gott gewiesenen Weg weitergehen. – Dieses Protestantenstatut wird viel Herzeleid über die Gemeinde Jesu in Spanien bringen. Eine evangelische Kirche in Bilbao wurde bereits geschlossen.

 

VII. Das Papsttum – seine Entstehung und seine Machtentfaltung in der Welt

Es sei mir ein Wort über die Geschichte der Päpste erlaubt. In der langen Reihe der Papstgeschichte finden wir einige Männer, die sich die Mühe gaben, ihr Leben vor Gott zu führen. Im großen ganzen ist aber die Geschichte des Papsttums der Vorreformationszeit eine nicht gerade rühmliche Angelegenheit. Es ist eine überaus traurige, unsaubere Sache, so daß man besser darüber schweigt. Die Reformation hatte auch noch das Gute, daß sie das Papsttum, was Sauberkeit und Moral betrifft, „reformiert” hat.

Der vorletzte Papst Johannes XXIII. wird oft als „evangelischer“ Papst bezeichnet. Hierzu muß man sagen, daß dieser Papst im tiefsten Grunde seines Herzens ein Feind aller Evangelischen war. In seinem geistlichen Tagebuch als Nuntius lehnt er alle nichtkatholischen Christen aufs schärfste ab.

Johannes XXIII. hat eine große Zeitenwende in der Kirchengeschichte eingeleitet: Er war der Papst, der die „getrennten Brüder“ einlud, in den Schoß der „alleinseligmachenden Kirche” zurückzukehren. Zu diesem Vorhaben hat er das Zweite Vatikanische Konzil einberufen. Die Evangelische Kirche Deutschlands hat dazu, zum erstenmal seit Luther, ihre Bereitschaft bekundet und ihre Mitarbeit zugesagt. Die ersten diesbezüglichen Kontaktgespräche haben zwischen den Vertretern beider Kirchen bereits begonnen.

Obwohl das Papsttum erst im 5. und 6. Jahrhundert entstanden ist, hat man an die Spitze aller Päpste als ersten Petrus und dann die Märtyrer der ersten Jahrhunderte gestellt. Wir fragen: Ist es nicht eine Geschichtsfälschung und eine Beleidigung Gottes, den treuen Jünger und Blutzeugen Jesu Christi als „ersten Papst” hinzustellen? Petrus selber würde sagen: Gott bewahre! Ich will mit diesem Geist nichts zu schaffen haben! Man studiere einmal das Leben des Petrus und die Petrusbriefe und vergleiche sie mit dem Papsttum! Man wird zugeben müssen, daß zwischen beiden keinerlei Berührungspunkte vorhanden sind. Petrus und Papsttum sind zwei verschiedene Welten. Es sind zwei ganz verschiedene Geister.

Über die Päpste des Mittelalters hat Gregorovius, der Historiker des mittelalterlichen Roms, folgendes gesagt: „Was sie aussprachen, war Weltgesetz. Auf ganze Völker legten sie mit ihrem Worte Verzweiflung und Todesstille. Sie breiteten über die Länder die Öde eines Friedhofs aus. Sie konnten Krieg und Frieden verkünden, Reiche stiften und zerstören… Ihr Alter hinderte sie nicht daran, daß sie, schwach und wehrlos wie sie waren, kriegerische Fürsten unterwarfen, sie absetzten und entthronten, daß sie Königen befahlen, barfuß im Kleide des armen Sünders vor der Tür zu stehen, wenn sie zürnten, und wenn sie freundlich waren, ihnen erlaubten, sie beim Mahle zu bedienen und den Steigbügel des Zelters (des Pferdes) zu halten … Dem menschlichen Denken befahlen sie Stillstand … Sie waren die Herren des Gemüts der Welt … Sie hatten Gewalt auch über die Zeit .. . Woher entsprang denn diese rätselhafte Gewalt eines schwachen und sterblichen Menschen, welche in der Geschichte nie zuvor erschienen war noch je wieder erscheinen wird?”

Gregorovius hat das Papsttum geschichtlich erforscht und kam zu diesem so traurigen Ergebnis. Wir fragen: Hat sich seither im Papsttum etwas gewandelt? Wer das Papsttum kennt, wird zugeben müssen, daß sich im Laufe der Zeit im wesentlichen nichts geändert hat. Nur die Reformation brachte für ein paar Jahrhunderte einen neuen Geistesfrühling für das Völkerleben. Neues geistliches Leben wurde geboren. Werke der diakonischen Liebe entstanden. Die Boten Jesu zogen in die Heidenwelt, um die Frohe Botschaft denen zu bringen, die in der „Nacht der Sünde und im Schatten des Todes” saßen: „Es war kein Preis zu teuer und war kein Weg zu schwer, hineinzustreun das Feuer, ins weite Völkermeer.” Diese Zeit geht jetzt ihrem Ende entgegen: „Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann!” Es geht wieder in dem geistlichen Winter hinein.

Wir müssen es erleben, wie das Papsttum nach Weltmacht, nach Weltanerkennung strebt. Die Befehle des Papstes sollen Weltgeltung erlangen, sollen wieder zur Norm werden. Das große Endziel des Papsttums ist, eine einheitliche, mächtige, religiös-politische Weltkirche zu schaffen, mit ihm, dem „Unfehlbaren”, an der Spitze.

Es ist hier nicht der Ort, sich mit den Worten Jesu, auf die sich das Papsttum beruft, breit auseinanderzusetzen. Kurz möchte ich nur auf folgendes hinweisen: Wer die Schrift kennt, weiß, daß das Leben des Petrus anders verlaufen ist als das der anderen Jünger. Ich sehe das Leben des Petrus in Verbindung mit Jesus in sechs Abschnitten ablaufen:

1. Abschnitt: Seine Berufung. Zweimal hat der Herr dem Petrus die Zusage gegeben, daß er ihn zum Bau seines Reiches gebrauchen will: Das erstemal am See Genezareth, als er ihn und seinen Bruder Andreas von den Netzen wegrief, um sie zu „Menschenfischern” zu machen. Das andere Mal bei dem großen Fischzug, als Petrus in der Erkenntnis seiner Unwürdigkeit vor des Meisters Füßen niedersinkt. Dort sagt ihm Jesus: „Fürchte dich nicht, Simon, denn von nun an wirst du Menschen fangen!” (Luk. 5,10).

2. Abschnitt: Petrus hat sich ganz zum Heiland bekannt (Matth. 16,16), deshalb bekennt sich auch Jesus zu ihm. Er überträgt ihm das Apostelamt und will ihn mit besonderen Vollmachten ausrüsten. Mit der neuen Bevollmächtigungen bekommt er auch einen neuen Namen: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein“ (Matth 16,18-19). – Langenberg übersetzt den ersten Teil der Zusage des Herrn: „Du bist Petrus (petros = der zum Felsen Gehörende}, und auf diesen Felsen (petra = Christus) will ich meine Gemeinde bauen!”

3. Abschnitt: Des Petrus Fall. – Die Sünde eines Menschen hat nicht erst da begonnen, wo sie zum Vorschein kommt. Verborgen im Herzen hat sie als schleichendes Gift schon viel früher ihren Anfang genommen. Eines Tages wird sie als scheußliche Übertretung ins Licht gerückt. – Bei Petrus waren es die Selbstüberschätzung, der Richtgeist, das ungezügelte Temperament, die ihn zu Fall brachten. Seine Messiasvorstellung blieb, trotz der Belehrung des Meisters, unklar, nicht schriftgemäß. Deshalb war auch seine Königreichserwartung spekulativ-menschlich. Sein Denken blieb ichbezogen. Sein Messiasprogramm, sein Messiaskurs war bei ihm schon längst festgelegt. Von einem Leidens- bzw. Kreuzesweg will er nichts wissen, weil dieser nicht in sein Programm hineinpaßt: „Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: Herr, schone dein, das widerfahre dir nur nicht” (Matth. 16, 22). – Das „proslambano = Beiseitenehmen” und das „epitiman = Anfahren, Tadeln, Schelten, Bestimmen” kommen nicht aus dem Herzen des Erbarmens und Mitleids, sondern aus egoistischen Trieben. Dadurch steht er unbewußt mit Satan im Bunde.

Bei diesem Auftritt hebt der Herr die besonderen Bevollmächtigungen, die er ihm gab, wieder auf. Mit ganzem Ernst muß der Herr dem Petrus sagen: Du bist jetzt nicht ein „zum Felsen Gehörender”, sondern du bist ein „Satanshöriger”! Jesus stößt ihn direkt von sich, als er ihm zuruft: „Hebe dich, Satan, von mir! Du bist mir ärgerlich. Du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist” (Matth. 16, 23).

Durch seine Selbstüberschätzung wird er auch zum Richter über seine Mitjünger. – Selbstüberschätzung und Richtgeist treten immer zusammen auf. Eins zeugt das andere. – Petrus ist blind für sich selbst: „Wenn sich auch alle an dir ärgern, ich aber niemals!” Damit behauptet er: Alle anderen sind dazu fähig, nur er allein nicht. Veranlaßt durch diese traurige Behauptung, weist ihn der Herr jetzt auf seinen tiefen Fall hin. Doch Petrus ist der Űberzeugung, sich selber besser zu kennen, als ihn Jesus kennt, darum fällt er seinem Meister ins Wort: „Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich doch nicht verleugnen” (Matth.26, 32-35).

4. Abschnitt: Diese durch das Versagen des Petrus wieder abgenommene Bevollmächtigung gibt der Herr jetzt mit denselben Worten seiner ganzen Gemeinde: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein” (Matth.18,18).

5. Abschnitt: Hier werden die geheimen, unbewußten Sünden des Petrus ins Licht gestellt. Der Herr muß dann und wann seine Gnadenhände von einem Menschen zurückziehen, damit er seinen wahren inneren Zustand erkennt. Auch ein Petrus mußte, um innerlich zurechtgebracht zu werden, seinen wahren Zustand im Lichte Jesu erkennen. – Korrektur ist nicht Gericht, sondern Gnade. Petrus wäre, gleichwie Judas, ins Bodenlose gestürzt, wenn die Hände seines Herrn ihn nicht gehalten hätten. Er darf nicht tiefer fallen, als in die Gnadenhände seines Heilands. Durch den Gnadenblick seines treuen Herrn werden in ihm echte Reue und Buße geweckt: „Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich” (Matth. 26,75). Als demütig Wartender steht er jetzt draußen, bis ihn sein Herr wieder hereinholt.

6. Abschnitt: Dieser spricht von der vergebenden, allumfassenden Gnade. Am Ostermorgen ist der Herr dem bekümmerten Petrus zuerst erschienen. Am See Genezareth wird er vom auferstandenen Herrn einer Herzensprüfung unterzogen. Dabei legt der Herr noch dreimal – entsprechend seiner dreimaligen Verleugnung – seinen Finger auf die wunde Herzensstelle: „Simon Jona, hast du mich lieber, denn mich diese haben? Simon Jona, hast du mich lieb, hast du mich lieb?” (Joh. 21,15-17). Nach bestandener Prüfung wird er mit dem alten Namen Simon, Jonas Sohn, wieder in die Jüngerschar aufgenommen. Das Ende ist wieder an den Anfang zurückgekehrt: „Der Herr sprach zu Simon: Von nun an wirst du Menschen fangen.” – „Spricht Jesus zum drittenmal zu ihm: Simon Jona, weide meine Schafe!” Das ist die letzte Anrede hier auf Erden, die der auferstandene Herr an Petrus gerichtet hat. Wie die anderen Jünger darf auch er jetzt Zeuge seines auferstandenen Herrn und Heilands sein. Sein künftiger Weg ist der seines Meisters: „Ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst” (Joh. 21,18.19). Sein weiterer Lebensweg wird jetzt vom vergebenden Gnadenlicht Jesu überstrahlt (1.Petr.3,13).

Wie wir auch die Worte des Herrn an Petrus auslegen, eins aber müssen wir alle, wenn wir ehrlich sein wollen, zugeben: Nirgends wird in den Evangelien von einer „alleinseligmachenden Kirche” oder von Christus und seinem „Stellvertreter”, oder von einem „unfehlbaren Papst”, der der „Nachfolger des Petrus” sein soll, oder von einem „Statthalter Christi auf Erden” gesprochen. Das machthungrige Papsttum hat sich erst im Laufe der Jahrhunderte zu dieser verweltlichten Mischkirche entwickelt.

Was uns auch das letzte Konzil bringen mag, eins weiß jeder gläubige Christ: Die Gegenreformation hat nicht aufgehört, wie manche evangelische Kirchenvertreter das so gleichgültig aussprechen, sondern sie hat in den letzten Jahren erst richtig begonnen. Die Lage ist viel gefährlicher geworden! Nur der im Wort Gottes Gegründete kann den getarnten Feind erkennen. Ihm ist auch jetzt der große Einbruch gelungen. Durch Roms Mitarbeit im Weltkirchenrat sind ihm neue, große Möglichkeiten der Gegenreformation sozusagen als „Blankoscheck” übergeben wordеn. Gleichzeitig bekam Rom auch „grünes Licht” zur Verwirklichung seiner im Plan schon fertigen „Weltkirche” unter der Führung des Papstes.

Es wurde berichtet: „Genf, den 18. Februar 1965. Kardinal August Bea, der Leiter des Vatikanischen Sekretariats für die Einheit der Christen, überbrachte das offizielle ,Ja’ der römisch-katholischen Kirche von dem vom Weltkirchenrat ausgegangenen Vorschlag, einen gemeinsamen Ausschuß zu bilden. Es wird die Möglichkeit des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen der römisch-katholischen und den im Weltkirchenrat vereinten anderen christlichen Kirchen geprüft.” – Die Weltkirchenkonferenz 1968 in Uppsala (Schweden) hat uns auch diesbezüglich manchen Aufschluß gebracht.

Nun hat sich die römisch-katholische Kirche und die andere Kirchen in Genf „im Bewußtsein ihrer gemeinsamen Grundlagen zur brüderlichen und christlichen Zusammenarbeit” gefunden. Das wurde als ein „Ereignis von historischer Bedeutung” angesehen. – Sind wir vielleicht der „Nacht, da niemand wirken kann”, schon näher, als wir es für wahrhaben wollen?

Der vom ökumenischen Rat der Kirchen und der röm.-kath. Kirche gebildete gemeinsame Arbeitsausschuß hielt seine erste Tagung vom 22. bis 24. Mai 1965 im Ökumenischen Institut Bossey bei Genf ab. Dr. Vissert’ Hooft und Bischof Willebrands (kath.) wurden zu Vorsitzenden gewählt. Hoofts Nachfolger ist der Amerikaner Eugen Carson Blake (Presbyt. Kirche). Vissert’ Hooft wurde zum Berater Blakes bestimmt. – Inzwischen haben Vissert’ Hooft und Kardinal Bea den „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels” erhalten, weil sie sich „um die Annäherung beider Konfessionen große Verdienste erworben haben”.

Offiziell ist Rom in die Ökumene noch nicht aufgenommen. Seine ökumenische Zusammenarbeit trägt bereits Früchte. Kardinal Bea konnte die ersten Pluspunkte für Rom buchen: Die „Evangelische Buchhandlung” soll verschwinden. An ihre Stelle soll die vereinigte „Christliche Buchhandlung” treten. Ich gebe hierzu den wörtlichen Bericht des „Der Gärtner” wieder:

In der Überschrift wird der Gärtnerleser gefragt: „Soll der Papst neben Martin Luther stehen …?”
„Die Vereinigung evangelischer und katholischer Buchhändler in der Bundesrepublik möchte in Zukunft gelegentlich gemeinsame Hauptversammlungen abhalten. Diese Absicht bekundeten Mitglieder beider Verbände auf dem IX. Arnoldshainer Buchhändlerseminar, das in diesem Jahr erstmals auf interkonfessioneller Ebene stattfand. Es ist ferner geplant, die Buchhändler beider Bekenntnisse auch in örtlichen Bereichen zusammenzuführen und weitere gemeinsame Freizeiten, in erster Linie für den Sortimenternachwuchs, zu veranstalten. Zur Zeit arbeitet ein vor Jahresfrist gebildeter interkonfessioneller Ausschuß einen Bücheranzeiger mit ökumenischen Titeln. Ob sich die evangelischen und katholischen Verleger künftig zu gemeinsamen Werbungen zur Förderung des christlichen Buches zusammenfinden sollen, wurde in Arnoldshain wenigstens als Möglichkeit erwogen. Beobachter bezeichnen das Treffen als in seinen weiterführenden Anregungen stark vos katholischer Seite geprägt.

So trat der Freiburger Verleger Dr. Hermann Herder ein für einen christlichen, von evangelisch-katholischer Zusammenarbeit geprägten Buchhandel. Ebenso notwendig sei heute, daß die konfessionellen Buchhandlungen sich des Buches in seiner Gesamtheit annähmen – und nicht ausschließlich der Werke mit christlichem Inhalt. Die Amtskirche, bat Herder, solle diese Sortimente als ,Partner in der Verkündigung’ ansehen.

Gleichfalls ein Vertreter des Herder-Verlages, Dr. Ludwig Muth, setzte sich ein für eine inter-konfessionelle Zusammenarbeit auch in den Fragen der Ausbildung. Weiter empfahl er einen Austausch der Werbemittel für die Schaufenster der Sortimente. ,Warum eigentlich soll in der Auslage der Papst nicht neben Martin Luther stehen?’

Von evangelischer Seite blies man in dasselbe Horn. ,Die Zeit der öffentlichen Zwiegespräche und Verbeugung der Konfessionen voreinander ist vorbei. Jetzt kommt die harte Arbeit’, erklärte der hessen-nassauische Kirchenpräsident und Vorsitzende des Evangelischen Bundes, Prof. D. Wolfgang Sucker, Darmstadt (gest. Dez. 1968). Im Verlauf seiner Bestandsaufnahme der interkonfessionellen Annäherung wandte sich Prof. Sucker entschieden gegen den gebräuchlich gewordenen Ausdruck ,Auseinandersetzung’ zwischen den Bekenntnissen. Nicht der kämpferische Disput, sondern ,Partnerschaft und Bruderschaft’ könnten die Christen auf den Weg zur Einheit voranführen.”

Dieser erstrebte Zusammenschluß der Buchhandlungen wurde heute schon stark vorangetrieben. Im Juni 1968 fand in Heilbronn die erste Sitzung dei ökumenischen Vereinigung der evangelischen und katholischen Buchhändler statt, die vier Tage dauerte. Buchhändler auch aus Österreich, Italien, Holland und der Schweiz nahmen daran teil. Auf dieser Tagung wurde beschlossen, daß die Buchhandlungen ihre bisherigen konfessionellen Bindungen aufgeben und zu „Stätten des Dialogs”, d. h. zu ökumenischen „Christlichen Buchhandlungen” werden sollen.

Man kann hier schon die Endentwicklung der sogenannten „Christlichen Buchhandlung“ klar sehen: Einige Zeit wird man in der ehemaligen „Evangelischen Buchhandlung“ den „Papst noch neben Luther“ stehen sehen. Ob man in der „Katholischen Buchhandlung” Luther neben dem Papst finden wird, ist mehr als fraglich. Nicht einmal seine Bibelübersetzung wird man dort dulden. Nach und nach wird Luther aus der vereinigten „Christlichen Buchhandlung” schwinden, und der Papst wird dort allein zu finden sein. – Es ist unwahrscheinlich, daß es Luther wie der Jungfrau von Orleans ergehen wird: 1431 wurde sie als „Ketzer“ verbrannt und 1920 „heilig” gesprochen. Anläßlich der 550. Jahrfeier „der Verbrennung von Hus in Konstanz haben sich allerdings namhafte katholische Theologen für eine „Urteilsrevision“ des böhmischen Reformators ausgesprochen, darunter auch der Schweizer Jesuitenpater Mario von Galli.

Auch für die „Ehrenrettung” D. Martin Luthers und für die Aufhebung des gegen ihn ausgesprochenen päpstlichen Bannes haben sich namhafte deutsche und holländische katholische Theologen eingesetzt, u. a. der Bonner Prälat Professor Dr. Hubert Jedin. Sie betonen einseitig das „Gemeinsame”, das sie mit Luther haben. Der Zweck dieses Einsatzes ist: „Damit sich die seit vier Jahrhunderten getrennten Wege beider Konfessionen wieder nähern.” – Hierauf bezüglich hat der Papst im Juli 1971mit einem Nein geantwortet. Seine Begründung ist, wie immer, zwiespältig.

Um evangelische und katholische Theologiestudenten einander näherzubringen, veranstaltet man gemeinsame Studententagungen. Auf dem Studententag vom 4.-10. Oktober 1965 in Göttingen wurde angeregt, auch künftig gemeinsame Vorlesungen und Seminare zu halten. Begründet wurde dieser Vorschlag, daß die wissenschaftliche Arbeit auch in der Theologie sich immer mehr aufgliedere in Fachgebiete. Dabei seien die Studenten beider Konfessionen gezwungen, die Forschungen der Lehrer beider Konfessionen zu vergleichen. Diese gemeinsamen Vorlesungen und Seminare sollten nicht, wie bisher, nur gelegentlich geübt, sondern zu einer festen Ordnung werden.

Auch das ist eine weitere Frucht des ökumenischen Zusammenschlusses mit Rom. Man kann jetzt schon voraussagen, daß diese Zusammenarbeit zu jener Gleichschaltung führen wird, wie wir sie in dem totalitären Systemen immer wieder erleben mußten. Da kann uns auch keine Versicherung Vissert’ Hoofts, die er auf der Tagung landeskirchlicher Referenten für ökumenische Fragen vom 25. – 28. Oktober 1965 in Genf gab, hinwegtäuschen: „Die da meinen, die ökumenische Bewegung helfe uns nur auf den Weg nach Rom, sehen die Dinge gewiß falsch. Daran zu denken, irgendwelche Einigungsgespräche zu diesem Zeiłpunkt zu führen, sei einfach unmöglich.” Hierzu muß man sagen: Wer mit Rom paktiert oder zusammenarbeitet, ganz gleich auf welchem Gebiet es sein mag, der wird immer der Unterlegene sein, der ist bereits Sklave Roms geworden.

Auch das „rote” Sachsen fängt an, dank dem Ökumenismus, „schwarz” zu werden. Gemeinsame Gottesdienste, zu denen die römisch-katholische und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Wiederitzsch bei Leipzig einladen, sind bereits zur Regel geworden. Die Pfarrer beider Gemeinden teilen sich die Predigt. Die Lieder werden so gewählt, daß sie in den Liederbüchern beider Gemeinden enthalten sind. Diese Gottesdienste werden von beiden Konfessionen rege besucht. – In der DDR gibt es z.Z. 1,6 Millionen römische Katholiken.

Ein Einzelfall? Geheime Mächte werden künftig in diese Richtung hin weiterwirken. Voraussehend wird man wohl sagen können, daß die Ostgebiete in Zukunft Missionsgebiet Roms werden. Der Kommunismus leistet hierzu die Vorarbeit. Wir werden der Wiedervereinigung erst dann näher kommen, wenn in der Wiege der Reformation der Protestantismus zerschlagen und Mitteldeutschland reif für Rom sein wird. –

Israel erwartete vom Papst die Wiederherstellung seiner geschändeten Ehre, die Rehabilitierung vom „Gottesmord”. Und nun ist Israel vom Konzil vom „Gottesmord” freigesprochen worden !

Hierzu muß man mit allem Nachdruck sagen: Weder der Papst noch ein Konzil haben das Recht noch die Macht, zu verdammen oder freizusprechen. Das steht allein der höchsten Autorität, dem Herrn aller Herren, dem König aller Könige und dem Richter aller Richter, zu. Israel ist und bleibt so lange im „Galuth” (Exil, Verbannung), wie es Gott gefällt. Der „Galuth” Israels ist nicht nur äußeres Schicksal, sondern auch innerer Zustand. Jeder Israeli, ob in der Zerstreuung oder im Land dei Väter, trägt den „Galuth” tief in seinem Herzen. Er begleitet ihn auf Schritt und Tritt. Er geht abends mit ihm schlafen und steht morgens mit ihm auf.

Zur festgesetzten Gottesstunde – nicht eine Minute länger – kommt der Freispruch und die Befreiung vom „Gottesmord”. Der Prophet Sacharja (um 520 v. Chr.) sieht das herrliche Ereignis in seiner Prophetie, wenn er spricht: „So spricht Jahve: Aber über das Haus Davids und über die Bewohner Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und den Geist der Beugung – und werden auf mich (auf Jahve!) blicken, den sie (Jahve) durchbohrt haben, und werden um ihn eine Trauerklage halten, wie man einen einzigen Sohn betrauert, und leidtragen, wie man um einen erstgeborenen Sohn leidträgt” (Sach. 12,10). Das ist ewiggültiges Gotteswort! Israel hat mit der Verurteilung Jesu Christi Gott selber verurteilt und hat mit seiner Kreuzigung Gott selber getroffen. Das ist Schicksal und Tragik des Volkes Gottes, die eine fast zweitausend Jahre lange Verbannung ausgelöst haben. Daran ändert weder Papst noch Konzil etwas!

Auch der Apostel Paulus sieht das Morgenrot eines neuen anbrechenden Tages für Israel, wenn er spricht: „Denn wenn ihre Verwerfung der Welt Versöhnung ist, was wird ihre Annahme anders sein als Leben aus den Toten?” (Röm. 11,15.)

Israels Schicksal ist ein Geheimnis. Daß Israel im Endgeschehen eine Rolle spielen wird, sagt seine Prophetie. Es ist bereits im eschatologischen Ablauf dieses Zeitalters mit eingeschaltet und wird – vielleicht auch in Verbindung mit Rom – immer mehr daran teilnehmen müssen.

Wir haben vor etwa drei Jahrzehnten den Nationalsozialismus mit seinen furchtbaren Auswirkungen erlebt. Mir klingen heute noch die Worte vom „positiven Christentum”, vom „Allmächtigen“ und vom „gottgesandten Führer” in den Ohren. Die Masse des Volkes in Deutschland war einem suggestiven Rausch verfallen. Auch viele Christen sind vom Strome mitgerissen worden. Als Missionar unter Israel bekam ich diesen Umschwung in besonderer Weise zu spüren. Im Jahre 1945 gab es für unser Volk ein böses Erwachen !

Was in Deutschland nach 1933 geschah, ist ein aufgehobener Finger Gottes. Es ist ein Warnruf an alle Gläubigen, die damals so leichtgläubig und gedankenlos in das andere Lager hinüberwechselten. Ebenso ist dieses furchtbare Geschehen der Vergangenheit auch ein Ruf Gottes an unsere gläubige Jugend, die Geister zu prüfen. Der zweite Betrug wird ärger sein, als der erste war! Jetzt kommt er in einem ganz fromm getarnten Gewand! Darum lassen wir uns warnen!

 

VIII. Die Lehre der römischen Kirche und die Lehre der Heiligen Schrift

Zu diesem neuen Abschnitt sei ein Wort von Kardinal Bea vorausgeschickt: „Viele irren noch von der katholischen Wahrheit und wollen dem Hauch der göttlichen Gnade nicht nachgeben, weil nicht nur sie, sondern auch die Gläubigen Gott nicht eifrig genug darum bitten.”
Nach all dem, was gesagt wurde, könnte man mir antworten, daß ich in meinen Ausführungen zu einseitig, zu radikal, zu kompromißlos bin. Ich glaube, in bezug auf das biblische Wahrheitszeugnis nicht entschieden genug sein zu können. Kann und darf Wahrheit zweiseitig sein? Dürfen wir auf Kosten der biblischen Wahrheit zu Kompromissen bereit sein? Wir wollen allein Gott die Ehre geben und unvoreingenommen uns drei Fragen vorlegen:
1. Ist katholische Wahrheit, von der Bea oben spricht, auch biblische Wahrheit?
2. Was verbindet die bibelgläubige Gemeinde mit dem Papsttum?
3. Was trennt sie von der alleinseligmachenden Kirche Roms?
Von der Schrift her ist es unmöglich, Verbindungslinien mit der heutigen römischen Kirche zu finden. Wenn zwei Menschen zwei verschiedene Ziele haben, dann entfernen sie sich voneinander immer mehr, je näher sie ihrem Ziel kommen. Roms Ziel ist ein ganz anderes als das biblische Ziel der wahren Gemeinde Jesu Christi.

Was trennt uns von Rom ?

1. Die Kirche

Können wir als bibelgläubige Christen ein Ja zu der „alleinseligmachenden” Kirche Roms haben? Der Begriff Kirche bedeutet in der katholischen Glaubenslehre etwas ganz anderes als die neutestamentliche „Ekklesia”.
Im neutestamentlichen Sinn ist Kirche oder Gemeinde Jesu Christi die aus der Welt herausgerufene und auf Jesus Christus gegründete Schar. Nach dem Evangelium Johannes (17,19) ist sie die ihm vom Vater gegebene Jüngerschaft. Er hat sie mit seinem Blut erkauft und ist ihr Baumeister, Träger und Erhalter. Christus ist der Herr der Seinen! Er bereitet sie zu, um sie dem Vater darzustellen „herrlich, daß sie nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas, daß sie heilig und unsträflich sei” (Eph. 5,27).

Gemeinde Jesu Christi ist nicht durch menschliche Macht oder Weisheit zusammengeführt, sondern erwachsen aus dem einen göttlichen Samen (Matth. 13,24). Die Bedeutung für ihre Um¬gebung ist durch das Gleichnis vom Leuchter oder Lichtträger veranschaulicht (Offb. 2,1). Eingegliedert in diese Gemeinde der Gläubigen wird man durch die „metanoia”, durch die Buße, durch die Sinnesänderung, durch das Umdenken. Oder durch die „teschubah”, durchs Umkehren, daß man die entgegengesetzte Richtung einschlägt. Das ist Werk des Heiligen Geistes an einem Menschen, der seine Schuld vor Gott erkennt, zugibt und bereut (1. Joh. 1,9). Durch den Glauben an seinen Herrn empfängt er in der Bekehrung das Zeugnis des Heiligen Geistes, daß er in Gnaden angenommen ist. Durch die Wiedergeburt ist er ein neuer Mensch in Christus Jesus geworden.
Die „Ekklesia“ ist zeugende Gemeinde, darum wird sie in dieser Welt immer in Erscheinung treten. Sie wird durch ihr Zeugnis von Jesus Christus Fernstehende zu sich einladen.

In katholischer Sicht ist, nach „Osservatore Romano”, „die Kirche Christi die von Christus begründete und mit Heilsmitteln versehene sichtbare Heilsgemeinschaft. Sie ist das heilige Zeichen der universalen und heilbringenden Einheit.
Sie ist der mystische Leib Christi, unter welchem Bilde wir ihr inneres Leben und die Verbundenheit der Glieder unter Christus als dem Haupt verstehen. – Zum Aufbau dieses Leibes hat Christus die verschiedenen Dienste verfügt.
Die Kirche Christi wird in ihrer irdischen Gestalt gezeigt als pilgernde Kirche. Als solche ist sie die eine, unter der Leitung des Papstes und der mit ihm verbundenen Bischöfe.”

2. Die Taufe

Und wie kommt man zu dieser Kirche? Der „Osservatore Romano“ sagt hierzu:
„Die gültig gespendete Taufe führt in ihrem Wesen bereits in die Kirche und gliedert ein in den ,mystischen Leib Christi’. Mit der Taufe strömt das göttliche Leben in die Seele, der neue Mensch entsteht, werden zahlreiche Neigungen eingegossen, die zu den Akten des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und anderen Heilsakten disponieren, bereiten. Auch wenn jemand nach Empfang der Taufe sich freiwillig von der katholischen Kirche trennt, bleibt er kraft des Sakraments auf die Kirche hingeordnet und ihr zugeneigt, so daß er – ob bewußt oder nicht – eine zumindest eiпschlußweise Sehnsucht, ihr zuzugehören, bewahrt.”

Hierzu muß man sagen: Ein großer Teil der Massenmörder vergangener Zeit, Hitler, Goebbels, Kaltenbrunner, Himmler und Genossen, die Verbrecher heutiger Tage in Zuchthäusern und Gefängnissen, sie haben meistens eine „gültig gespendete Taufe” empfangen. Sie alle bleiben kraft des Sakramentes zum „mystischen Leib Christi“ hingeordnet. Profaner geht es nicht mehr! Fürwahr, die Kirche Roms hat dadurch wie keine andere Kirche die besten Aussichten, Massen- bzw. Weltkirche zu werden! – Roms letztes Ziel ist: „der Zusammenschluß aller Getauften”

3. Die Buße

Wahres Sündenbewußtsein nach Römer 7, 4: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?” ist bei den sogenannten „guten Katholiken“ kaum zu finden. Sünde, ihrem Wesen nach, ist im Katholizismus ziemlich fremd. Darum kann auch keine wahre Виßе aufkommen. Katholische Buße ist „Büßung” einzelner Űbertretungen, besonders der kirchlichen Vorschriften.
Diese Bußübungen können verschiedener Art sein. So hat z. B. der Freiburger Erzbischof Schäufele in der Fastnachtszeit 1965 zu „Buße durch Verzicht” aufgerufen. Die Katholiken, die zum Bistum Freiburg gehören, sollten in dieser Fastnachtszeit auf Alkohol, Nikotin und Genußmittel verzichten. Dafür aber für das „Misereor” und die „Caritas” spenden.
Man kann Buße tun durch Verzicht und Geldspenden. Man „büßt”, wenn man seinem Leib durch allerlei Weise weh tut, so zum Beispiel durch Entziehung von Nahrung und Schlaf, seinen Leib kasteit, Erbsen oder Steinchen in die Schuhe legt und darauf geht, seinen Körper verwundet usw. – Eine beliebte „Bußübung” der Priester Polens bei sogenannten „kleinen Übertretungen” war, zwanzig und noch mehr „Vaterunser“ und dreißig und noch mehr „Ave Maria” beten zu lassen.
Woher diese Praktiken stammen, wissen wir. Schon die Baalspriester zu Elias Zeit ritzten ihre Leiber mit Pfriemen, um sich Gehör bei ihren Götzen zu verschaffen (1. Kön. 18,28).

4. Christus oder Maria?

Rom hat auch keinen biblischen Christus. Man spricht wohl viel von ihm und über ihn, aber er ist seines Inhalts beraubt worden. Er ist zu einer „Marionettenfigur’ geworden. Er ist nicht der Herr des Alltags, der das Leben eines Christenmenschen erneuert und ausfüllt, wie der Liederdichter sagt: „Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh, Ziel, das ich erstrebe: alles, Herr, bist du!”

Was ist Jesus für die Seinen?
Er ist die Tür zu den Schafen. Jesus spricht: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ich bin die Tür zu den Schafen; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden, der wird aus- und eingehen und wird Weide finden” (Joh. 10,9). Die katholische Kirche lehrt: Maria und die Kirche ist die Tür zu den Schafen. „Maria, Weg und Pforte des Himmels”, und: „Ohne Kirche kein Heil!”
Jesus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich.” – Paulus sagt: „Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.” Der fromme Katholik betet: „O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsre Frau, unsre Mittlerin, unsre Fürsprecherin!” „Maria, du unsre Mittlerin, o Maria, dein Heilger Nam liegt uns im Sinn!”
Jesus sagt: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken” (Matth. 11, 28). Der Katholik muß beten: „Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas. Zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsre Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns!” – Er muß bekennen: „Unser Heil ruht in Maria, weil sie die Mutter dessen ist, in dessen Namen uns das Heil gegeben ist, und weil diese Mutter mit Leib und Seele an dei Seite ihres verklärten Sohnes in der Herrlichkeit Gottes thront.”

Christus ist für den wahren Jesusjünger Trost und Helfer in der Todesstunde. Der Apostel Paulus sagt: „Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn” (Phil. 1, 21). – Stephanus betet: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!” (Apg. 7, 58.) Der Katholik betet: „Maria, du Heil der Kranken, du Trost der Sterbenden, heilige Maria, meine Königin, deiner Obhut und deiner mütterlichen Barmherzigkeit empfehle ich in der Stunde meines Todes meine Seele und meinen Leib.”

“Jesus Christus ist zur Rechten Gottes in den Himmel gefahren und sind ihm untertan die Engel, die Gewaltigen und die Kräfte” (1. Petr. 3, 22). Der römische Katholik muß bekennen: „Maria, du bist die Königin der Engel, der Patriarchen, der Propheten und Märtyrer!”
Nicht mehr Christus, sondern Maria ist die „Mittlerin aller Gnaden”, ist „Hoffnung und Trost in Bedrängnis”, ist „Zuflucht der Sünder”, ist „Schutz in der Not”. Sie ist der „Meerstern”, der durch die „Klippen und Wogen und Stürme sicher und glücklich an das herrliche Gestade der ewigen Heimat leuchtet“.
Durch das Ja der Maria ist das Nein der Eva aufgehoben worden! „Maria hat den Knoten des Ungehorsams der Eva durch ihren Gehorsam gelöst.”
Nicht durch Jesus, sondern durch Maria bekommt erst die Erlösertat von Golgatha ihren wahren Sinn. Sie hat nicht nur göttliches Leben empfangen, sondern sie ist berufen worden, ewiges Leben mitzuteilen: Sie ist Erlöserin und Miterlöserin einer von Gott abgefallenen Menschheit geworden.
Die Mutter Maria ist die Neugestalterin der gefallenen Schöpfung und die Vollenderin des ganzen Christus: „In Maria findet die Schöpfung ihre dienende Haltung zurück und nimmt teil an der einzigartigen Würde der Mutter und an der Bildung des ganzen Christus”
Durch ihr Ja ist sie die Mutter der Christenheit geworden. Unter dem Kreuz bei dem Sohn hat sie einer gefallenen Menschheit das Leben neu geschenkt: „Maria ist die Mutter der Christenheit, Mitgestalterin der neuen Christusbilder. Sie hat, wenn auch in abgeleiteter und uneigentlicher Weise, das Heil der Welt mitverdient, hat uns alle unter dem Kreuz in Schmerzen mitgeboren.”
Nicht Jesus, sondern Maria hat die Macht, die Herzen einer widerstrebenden Menschheit zu verwandeln. Sie ist die Gebieterin über das menschliche Herz und die Umgestalterin desselben: „Die Anziehungskraft der himmlischen Mutter wirkt geradezu unwiderstehlich, wenn sie ihre Verehrer retten will. Sie überwältigt und verwandelt die Herze. Von ihr gilt, was die Liturgie von der Gnade Gottes betet: ,Dränge unseren Willen, wenn er sich sträubt, in Gnaden hin zu dir. Du, Maria, hast alle Macht, die Herzen umzuwandeln.”

Nicht Jesus allein, sondern auch die „selige Mutter Maria“ kommt im Triumphe mit dem Sohne wieder. Sie nimmt an der Herrlichkeit des Gottessohnes teil und ist Mitherrscherin und Mitregentin. Der Heilsplan Gottes ist für Maria als himmlische Köni¬gin und Miterlöserin schon von Ewigkeit her festgelegt:
„Alles fügt sich in den zeitlichen Ablauf der Mysterien Marias, deren Einheit Gott von Ewigkeit her schaut. Jeder Abschnitt dieses Lebens bereitet das Kommende vor und erklärt das Vorhergehende: Die Verkündigung, die göttliche Mutterschaft erklärten die unbefleckte Empfängnis und bereiten ihre miterlösende Funktion am Fuße des Kreuzes vor. Das Kreuz bereitet die Herrlichkeit ihrer Aufnahme in den Himmel vor. Die Aufnahme in den Himmel zum verherrlichten Sohn bereitet das Austeilen der Gnade vor. Sie weilt im Himmel, um zu uns zurückzukommen, beladen mit Herrlichkeit und Segen, als verherrlichte Mutter an der Seite des triumphierenden Sohnes.” – „Die Erniedrigung in der Krippe bereitet nach Leiden und Tod die Auferstehung und die glorreiche Wiederkunft am Jüngsten Tage vor. Dann wird auch Maria da sein, die neue Eva bei dem neuen Adam, um mit ihm in die erneuerte Erde einzutreten.”

Maria ist die gekrönte Königin des Himmels und des Kosmos geworden: „Gegrüßet seist du, Königin, du aller Gnade Spenderin. O Mutter der Barmherzigkeit, du Lieb und Trost der Christenheit! Gegrüßet seist du, Königin, o Maria! Du aller Welt Herrscherin. Freuet euch, ihr Cherubim, lobsinget, ihr Seraphim. Preiset eure Königin!”

Wie konnte eine sogenannte „christliche” Kirche, die sich auf Christus und die Apostel beruft, zu solchen Verirrungen und dämonischen Lehren, zu solchem Aberglauben kommen? Die tiefste Ursache dieses Abfalles von der Wahrheit ist, daß sich die römische Kirche nicht dem Heiligen Geist, der von der Schrift her kommt, geöffnet hat. Sie hat sich dem spekulativen, mystisch-dämonischen Irrgeist aus dem eigenen Seelengrund, der vom Heidentum her befruchtet war, hingegeben.

Gerade im Seelengrund entfaltet die Dämonie ganz besonders ihre Wirksamkeit. Die menschliche Seele ist für satanisch-dämonische Inspiration und Infiltrationen besonders empfänglich. Ein Beweis sind die vielen leiblichen und geistigen Erkrankungen, die im Seelengrunde ihre Ursache haben. Man spricht auch von „seelischen” Erkrankungen.

Wo der mystische Irrgeist in Kirche oder Gemeinde Raum findet, dort wird alles wahrhaft geistliche Leben erstickt. Der Geist Christi wird gedämpft oder ganz ausgeschaltet. Der sich der Mystik hingebende Mensch verliert den Blick für die göttliche Wirklichkeit, für alles ewig Wahre, das durch den Heiligen Geist gewirkt wird. Er führt ein Eigenleben und hört auf, ein Segen zu sein.

Der spekulativ-mystisch Veranlagte hält sein aus der eigenen Seele geschöpftes Erleben als Weisheit von oben, als „göttliche Inspiration”. Seine „Anbeter”, auch die des verstorbenen Mystikers, legen ihm sein Erleben als „besondere Schau”, als „tiefere Erkenntnis der Geheimnisse Gottes und Christi” aus. Da es aber eine über das Wort Gottes hinausgehende „tiefere Erkenntnis” nicht gibt, muß alles spekulativ-mystische Erleben seelischen, oft sogar dämonischen Ursprungs sein.

In manchen christlichen Kreisen spricht man von einer „gesunden“ Mystik. Dazu muß man aber sagen, daß es eine gesunde Mystik ebensowenig gibt, wie es einen gesunden Kleinmut, eine gesunde Verzagtheit, eine gesunde Angst oder einen gesunden Kleinglauben gibt. Hier verwechselt ran Ursache und Wirkung! Nicht der sich der Versenkung, der Ekstase, der Askese, der Meditation spekulativ hingebende Mensch erreicht die tiefe Vereinigung mit Gott und Christus, sondern der allwissende Gott hört den ehrlichen Schrei des Herzens nach Befreiung, nach Erlösung. Gott sieht das Herz auch des Mystikers an! Er neigt sich zu ihm, er überführt ihn, er vergibt ihm die Sünden und macht aus ihm ein Gefäß zu seiner Ehre. – Er macht es mit ihm so, wie es Christus mit dem verzagten, ungläubigen Thomas gemacht hat.

Wenn das Glaubens- und Seelenleben des Mystikers ganz gesunden soll, muß er sich vom mystischen Geist scheiden und nicht mehr aus seinem von der Sünde anfechtbaren Seelengrund schöpfen. Wie jeder andere Mensch, so ist auch der Mystiker in Gefahr, wieder in sein altes Wesen zurückzufallen. Er muß als neuer Mensch seinen Nährboden in Christus haben und aus der Fülle der Gnade Christi leben.

Das Zeugnis des meditativ-mystisch veranlagten Zeugen Christi bedarf der fortwährenden Prüfung durch das Wort. Er muß sich ganz unter den „Gehorsams Christi” stellen und sich vom Wort her durchrichten lassen. So nur wird der aus der Gnadenquelle Jesu Christi schöpfende und sich Christus fortwährend hingebende, vom Heiligen Geist erfüllte mystisch Veranlagte immer mehr durchrichtet, durchreinigt, durchläutert und durchheiligt. Er wird dann, auch wenn seine seelisch-menschliche Veranlagung noch manchmal durchbrechen sollte, doch zu einem Segen für viele gesetzt (siehe Tersteegen u. a.).

Umgekehrt müssen wir sagen: Religiöse Mystiker, die im seelischen Zustand bleiben, die sich nicht den Durchrichtungsprozessen der Schrift stellen und deswegen kein neues Leben aus Christus empfangen können, gehen den seelisch-religiösen Irrweg, der in der Nacht der Sünde, in der Dämonie endet.

Die Kirche Roms ist dem meditativen, satanisch-mystischen Irrgeist erlegen! Man prüfte die Geister nicht nach dem Worte Gottes, sondern öffnete dem alles göttlichen Leben zerstörenden, dämonischen Geist Tür und Tor. Anstatt zu prüfen, zu bekämpfen, zu sichten und auszuscheiden, hat man den mystischen Geist zum Kult erhoben und hat seine verheerenden Auswirkungen zum Dogma erklärt. Heidnische Philosophie, heidnische Sitten und Gebräuche wie „Bilderkult”, „Reliquienkult”, „Zauberkult” mit menschlichen Totengebeinen, „Gebetsmühlen“ (Rosenkranz!), Kasteiungen, Amulette und anderen Aberglauben hat die Kirche Roms übernommen und in ein christliches Gewand gekleidet.

Einen besonderen Platz in der Kirche Roms nimmt, wie wir gesehen haben, der Marienkult ein. Nach katholischer Lehre ist Maria nicht nur die irdische Mutter Jesu, wie sie in der Schrift gezeigt wird, sondern sie ist „Gottesmutter”, „Gottesgebärerin”. Der Marienkult ist dem heidnischen Götzenkult entnommen, das heißt: Er ist dämonischen Ursprungs!

Hierzu schreibt Armin Hippel: „Der Fürst der Finsternis kleidet seine Geistesmächte in das Kleid des jeweiligen Zeitgeistes der Masse; sei es z. B. kanaanitischer Asthoretkult, sei es hellenistischer Artemiskult oder christlicher Marienkult. Eine gründliche Prüfung zeigt, daß die jeweilige Finsternismacht die gleiche geblieben ist. Sie hat nur ihr Kleid gewechselte!” – Die römische Kirche hat den mystisch-dämonischen Marienkult zum „Volksglauben” erhoben!

Hierzu müssen wir sagen, daß die römische Kirche nicht mehr christliche Kirche, das heißt Kirche Jesu Christi ist. Sie ist zu einer politisierenden, mystisch-marianisch-päpstlichen Kirche geworden.

Der „Osservatore Romano” bezeugt es, wenn er schreibt: „Seit ältester Zeit sahen die Väter und Lehrer der Kirche in der Heiligen Jungfrau schon gern die Vor- und Abgestalt, das hellste Siegeszeichen der Erlösung Christi, das vollkommenste Ideal der Fülle und Vollendung der Heiligkeit der Kirche. Maria ist das einzigartige Glied der Kirche und zugleich ihr Urbild, so daß in Maria ,ohne Makel und Runzel’ die ganze Kirche sich abzeichnet und einbeschlossen findet.”

Der römische Christus ist auch nicht der Christus der Bibel! Er ist von Rom seiner königlichen Herrlichkeit, seiner souveränen Allmacht entkleidet worden. Das Papsttum hat ihn degradiert! Die Kirche, Maria und die Heiligen sind an seine Stelle getreten! Die Kirche, mit ihrem Papst samt dem Klerus, „spendet, vergibt, segnet, hilft, teilt mit, befreit” usw., Maria und die Heiligen „erlösen, vertreten, vermitteln, trösten, bitten, heilen, spenden, erfüllen” usw.
Der römische Christus ist der „Märtyrer’ seiner eigenen Kirche geworden: Er wird täglich in der Messe für das bewußt in Sünden lebende Volk vom Priester in einer Liturgie „unblutig” geopfert. Der „verwandelte Leib”, die Hostie, hat jetzt die magische Wirkung erlangt, „Vergebung der Sünden” zu bewirken. Sie wird als „wahrer Leib Christi” wie eine Reliquie im Tabernakel (Gehäuse auf dem Altar) zur Anbetung aufgestellt und am Fronleichnamstag in feierlicher Prozession in der Monstranz (Schaubehälter für Hostie) als „wahrer Gott” durch die Straßen getragen.

Wie klar und nüchtern spricht doch das Gotteswort über die heiligen Dinge: „Dem erwürgten Gotteslamm gebührt allein die Ehre im Himmel und auf Erden! (Offb. 5, 12. 13.) „Christus ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden” (Hebr. 9, 12). „Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist, sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns; auch nicht, daß er sich oftmals opfere, sondern er ist einmal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben” (Hebr. 9, 24-26). Christus allein ist das Heil der Welt! (Apg. 4, 12).

Der wahre Christ nimmt beide sichtbaren Zeichen, Brot und Wein, als Gabe und Geschenk seines Herrn im Glauben, in Demut und dankbarer Hingabe zu sich: „So spricht Jesus Christus: Das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird. Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.” Diese Gnadengaben, diese beiden sichtbaren Zeichen, die er im Glauben zu sich nimmt, sind ihm Realitäten, sind ihm sichtbares Gotteswort! Sie sind ihm eine Stärkung auf seinem Pilgrimsweg zur ewigen Heimat, eine Kraftquelle des neuen Lebens in Christus Jesus.

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil gab es starke Kontroversen bezüglich der Mariologie. Es gab eine gemäßigtere Richtung unter den Kardinälen, die aus Furcht und Sorge zur Mäßigung rieten, „damit die Hindernisse für eine Verständigung mit den getrennten Brüdern nicht noch vergrößert würden”.

Der Kardinal Julius Döpfner, München, forderte, die „heilsmittlerische Stellung Mariens” nicht noch mehr zu verstärken. Der deutsche Kurienkardinal Bea wandte sich dagegen und unterstrich, den Begriff Mariens mit der höchsten Autorität des Konzils zu stützen. Um die getrennten Brüder nicht zu verärgern, prägte er den jesuitischen Satz: „Es wird nicht gesagt, daß die Mittlerschaft Maries nicht wahr sei, sie sei aber noch nicht so geklärt, um vom Konzil definiert werden zu können.”

Am klarsten hat der kanadische Kardinal Emile Leger das Mariendogma erörtert: „In der Marienverehrung seien immer noch unverantwortliche Übertreibungen im Schwange. Paulus hat ausdrücklich von Christus als dem einzigen Mittler gesprochen.” (Inzwischen hat der kanadische Kardinal aus Gewissensgründen alle seine hohen Ämter niedergelegt und ging als einfacher Priester zu dem Leprakranken nach Afrika).

Der polnische Kardial Wyszynski wollte die heilsmittlerische Stellung Mariens vom Konzil noch mehr aufgewertet haben. Das Konzil, das sich zu einer Sonderbesprechung über dieses Dogma zurückzog, befürwortete die schärfere Formulierung Mariens als Heilsmittlerin.

Rom denkt nicht im entferntesten daran, auch nur die kleinste Satzung seines traditionellen, widerbiblischen Marienkultes aufzugeben. Die Reise des Papstes Ende Juli 1967 nach der Türkei und sein Pilgern nach Ephesus auf den Hügel „Bülbül Dagh” zum Hause der Maria weisen auch nach dieser Richtung hin. – Ephesus gilt als der älteste Mittelpunkt des Marienkultes. Hier tagte 431 das dritte Ökumenische Konzil, auf dem das erste Mariendogma von der „Gottesgebärerin” ausgesprochen wurde. Nach einer kleinasiatischen Tradition soll Maria von diesem Hügel aus „in den Himmel” gefahren sein.

Als bibelgläubige Christen können wir weder zum Mariendogma noch zum abgöttischen Marienkult ja sagen. Uns ist Maria als irdische Mutter unseres Herrn und Heilands lieb und wert. Das heilige Gotteswort sagt uns, daß für unsere Seligkeit allein unser Erlöser Jesus Christus, der Sieger von Golgatha, zuständig ist.

5. Der „unfehlbare Stellvertreter Christi”

Vom Wort Gottes her werden wir zum Dogma der „Unfehlbarkeit” nie ja sagen können. Als Bibelleser wissen wir, daß zwischen Christus und diesem sogenannten Stellvertreter schon rein äußerlich ein Unterschied ist wie zwischen Tag und Nacht. Jesus, der König der Wahrheit, hatte nicht, „wo er sein Haupt hinlege”. „Er war arm um unsertwillen, damit wir durch seine Armut reich würden.” Er war verachtet, niedrig, sanftmütig und von Herzen demütig. Die sogenannten „Stellvertreter Christi“ strebten immer nach Ansehen, Pracht und politischer Macht.
Das Wort Gottes verbietet uns, den „Unfehlbaren” anzuerkennen, weil kein Erdgeborener, auch in seiner Erkenntnis, unfehlbar ist: „Unser Wissen ist Stückwerk, und unser Erkennen ist Stückwerk.” Und: „Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden. Da ist keiner, der gerecht sei, da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer” (Röm. 3, 12).

Auch Päpste fehlen und irren! Das beweist ja gerade ihre so tief traurige Geschichte und die vielen Widersprüche in ihrer Lehre. Der Heiland sagt zu seinen Jüngern: „Ihr sollt niemand Vater (d. h. Papst) heißen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist” (Matth. 23, 8.9).

Die Papsthymne lautet:
Wir haben einen in der Welt,
der liebt uns wie sein Leben.
Ein Hügel Roms trägt hoch sein Zelt,
der Herr hat ihn so hoch gestellt,
zu weisen und zu geben.
Du bist der Hirt, von Gott geweiht,
du bist ein Ruf durch alle Zeit,
und dich umleuchtet mächtig von fern
ewge Herrlichkeit des Herrn.
Du, Petrus, bist ein Herrenwort,
und nie wirst du vergehen.
Stürmt auch die Hölle immer fort,
du bist der Fels auf Gottes Wort,
und ewig wirst du stehen.
Du bist der Hirt, von Gott geweiht,
du bist ein Ruf durch alle Zeit,
und dich umleuchtet mächtig von fern
ewge Herrlichkeit des Herrn.

Wir wollen dem die Ehre geben, dem allein die Ehre gebührt: „Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob von Ewigkeit zu Ewigkeit!” (Offb. 5, 12).

6. Verehrung und Anbetung der Heiligen

Können wir als evangelische Christen die sogenannten Heiligen verehren und anbeten? Können wir sagen: „Heiliger Silvester, heiliger Nikolaus, heiliger Martinus, heilige Agatha, heilige Agnes usw., bittet für uns”?
Heilig im biblischen Sinn heißt nicht, eine besondere Frömmigkeitsstufe erreicht zu haben. Нeilig sein heißt: Ausgesondert werden zum besonderen Gebrauch, zum besonderen Dienst für den Herrn. Die verschiedenen Gefäße im Tempel, die Schalen, die Messer, der Leuchter, die Schaubrote, waren heilig. Das heißt: diese Gegenstände durften für profane, alltägliche Zwecke nicht verwendet werden. „Heilig für Jahve!” so lesen wir, das heißt für den Herrn geweiht, für seinen heiligen Dienst ausgesondert. Nach dem Neuen Testament sind Heilige die zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeborenen Gläubigen in Christus Jesus. Sie sind ausgesondert für Jesu Dienst!
Ein führender Katholik sagte mir mit ganzem Ernst: „Jesus, Maria und alle anderen Heiligen haben überschüssige gute Werke getan. Unsere heilige Kirche ist die Verwalterin dieser Werke, und sie kann sie dem mitteilen (wahrscheinlich auch gegen geldliche Bezahlung!), der sie benötigt.’ Was sagt uns hierzu das göttliche Wort? Christus: „Also auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren” (Luk. 17, 10). Paulus: Aus Gnaden bin ich, was ich bin (1. Kor. 15, 10) u.a.

7. Der katholische Reliquienkult

Können wir als evangelische Christen den katholischen Re¬liquienkult anerkennen? Da liegen in Domen, in Kirchen und Kapellen die Knochen der sogenannten Heiligen, die verschiede¬nen Stoffreste, die sogenannten Splitter des Kreuzes Christi und viele andere Gegenstände. Dem andächtig Gläubigen, dem Wallfahrer, sollen diese Dinge Sündenvergebung bewirken.
In den meisten Fällen weiß man überhaupt nicht, ob dieser Schädel oder jener Armknochen wirklich von dem angegebenen „Heiligen” stammt, weil derselbe Schädel und derselbe Armknochen in mehreren Kirchen zu finden ist. Übеr die Splitter des Kreuzes Christi sagt Spurgeon: „Wenn man alle Holzstücke, die vom Kreuze Christi sein sollen, aus den katholischen Kirchen sammeln würde, man bekäme eine ganze Schiffsladung voll.”
Zu diesen Dingen wallfahren und sie anbeten oder von ihnen einen besonderen Grad der Heiligkeit oder gar Sündenvergebung zu erwarten, ist vor Gott ein Greuel. Das Wort Gottes verbietet solches, weil es heidnisch ist. Für einen wahren Christen heißt es: „Du sollst dir kein Bildnis noch Gleichnis machen, das unten auf Erden, noch oben im Himmel, oder im Wasser ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht” (2. Mose 20, 4).

Der katholische Priester sagt uns: „Wir beten weder Maria noch die Heiligen an, wir verehren sie nur.” Das ist leeres Geschwätz! Die kirchlichen Vorschriften und die Praxis beweisen das Gegenteil!
Jeden Monat versendet das Provinzhaus der Krankenschwestern in Hegne (Konstanz) einen von der Kirche genehmigten Bericht. Darin werden die Heilungen und Hilfeleistungen einer im Jahre 1973 verstorbenen und auf dem dortigen Klosterfriedhof beigesetzten Schwester Ulrika Nisch veröffentlicht. Für Schwester Ulrika wurde 1951 die „Seligsprechung” eingeleitet.

Der Bericht vom Januar 1967 mit dem Bild der Schwester Ulrika trägt die Überschrift: „Schwester Ulrika hilft!” Von der Menge der Gebetserhörungen bei Krankheiten, Wohnungs-, Schulprüfungs-, Erbschaftsangelegenheiten u. a. m. will ich nur die ersten vier bringen, um zu zeigen, wie Schwester Ulrika hilft:

1. „In der Nacht bekam ich an einem Finger der linken Hand eine leichte Schwellung und Rötung mit rasenden Schmerzen. Da ich vor Schmerzen keine Minute schlafen konnte und um die Gefährlichkeit der Sache wußte, betete ich ununterbrochen zu Schwester Ulrika; und siehe, morgens gegen halb fünf Uhr, hörten schlagartig die Schmerzen auf, und ich fiel in einen tiefen Schlaf. Die Rötung und die Schwellung waren am Morgen verschwunden, nach vier Tagen sah man nichts mehr. Schwester Ulrika hat geholfen. Dies Ihnen zu schreiben und das Grab der Schwester Ulrika zu besuchen, habe ich versprochen.”

2. „Unsere liebe Schwester Ulrika hat durch ihre Fürbitte geholfen. Ein Patient wurde schwer krank, immer hohes Fieber. Seine Frau klagte mir ihr Leid, der Arzt hegte wenig Hoffnung. Ich gab der Frau, obwohl Protestantin, das Bild der lieben Schwester Ulrika, damit sie es dem Kranken unter sein Kopfkissen lege, und forderte sie auf, mit mir zu beten. Nach drei Tagen ließ das Fieber nach. Der Mann kann wieder aufstehen und erholt sich immer mehr. Die Frau ist glücklich, und wir alle danken herzlich der lieben Schwester Ulrika.”

3. „Auf ungeklärte Weise gelangte mir beim Essen ein Fremdkörper in den Hals, der mir sehr große Schwierigkeiten und Schmerzen verursachte. Es gelang mir nicht, ihn zu entfernen. Beim Gurgeln und Ausspülen kam reichlich Blut. Ich konnte nichts schlucken, und nachts konnte ich wegen anhaltender Schmerzen nicht schlafen. In dieser Not wandte ich mich an Schwester Ulrika um Hilfe, daß ohne ärztliche Inanspruchnahme alles wieder gut werde. Langsam konnte ich wieder schlucken, doch die Schmerzen blieben. Da nahm ich vertrauensvoll das Bild von Schwester Ulrika in die Hand und bat flehentlich um Hilfe mit dem Ver¬sprechen der Veröffentlichung. Ich wurde in meinem Vertrauen nicht enttäuscht. Zum erstenmal konnte ich wieder schlafen und spürte keine Schmerzen mehr. Für die auffallende Hilfe herzlichen Dank!”

4. „Möchte hiermit meinen allerbesten Dank aussprechen. Schwester Ulrika hat mir bei meinem Fußleiden, das ich mir beim Ausgleiten zugezogen hatte, auffallend geholfen. Ich hatte rasende Schmerzen, ein Arzt war nicht sofort zur Stelle. Da legte ich mir ein Bildchen mit einem Leinenstückchen, das an die Ge¬beine der Dienerin Gottes gelegt war, auf. Nach einigen Stunden besserte sich der Zustand zusehends. Ich konnte bald schon wieder auf den Beinen stehen. Schwester Ulrika hat mir durch ihre Fürsprache bei Gott geholfen.”

Schwester Ulrika hilft? Wenn dieser heidnische Toten- und Reliquienkult nicht dämonisch-okkultistisch ist, so fragen wir, was ist dann überhaupt noch dämonisch? Das Bild der Schwester Ulrika ist dem Flugblatt mit Absicht beigegeben, damit andere noch zu diesem heidnischen Reliquienkult verführt werden sollen. Durch diesen Kult fließen den Kreuzschwestern in Hegne beträchtliche Geldmittel zu. Man kann wohl sagen: Armes, verführtes und betrogenes Volk, das von einer sogenannten „christlichen“ Kirche zum Satansdienst aufgefordert wird! Arme Kirche, die solche Mittel für ihre Existenz benötigt!

Dieser heidnische Zauberkult ist durchaus nicht eine Einzel¬erscheinung. Er wird von der gesamten römischen Kirche gepflegt und empfohlen und von der obersten Kirchenleitung anerkannt und befürwortet. – Über 100.000 Personen vom In- und Ausland haben bis dahin das Grab der Ulrika Nisch besucht und dort im Namen einer sogenannten „alleinseligmachenden Kirche” heidnischem Zauberkult gehuldigt.

8. Das Kreuz

Kardinal August Bea sagte in seiner Ansprache, als er das „Ja” zur Mitarbeit im Weltkirchenrat überbrachte: „Es gibt kein protestantisches Kreuz, kein orthodoxes, kein römisch-katholisches, es gibt nur das Kreuz Christi!” Wir könnten uns nur freuen, wenn das so wäre. Der gute Katholik hat ein Kreuz aus Holz, Stein oder Metall, das er verehrt, anbetet und küßt. Er hat ein Kreuz, das ihr Talisman ist oder auch geweiht als Amulett an seinem Hals trägt. Das Kreuz schlagen mit geweihtem Wasser kann vor Unfall bewahren oder auf andere Weise wunderwirkend sein. Die katholische Kirche hat Christus vom Kreuz abgesondert und hat einen eigenen Kreuzeskult geschaffen. Das Kreuz ist nicht mehr Symbol, sondern „Bildnis und Gleichnis”.

9. Der Bilderkult

Etwas Furchtbares, der Heiligen Schrift zuwider, ist der gewaltige Bilderdienst beziehungsweise Bilderkult in der Kirche Roms. In rein katholischen Ländern ist dieser Kult noch viel intensiver ausgeprägt als in Ländern mit gemischten Konfessionen. Da sind die Bilder und Statuen der verschiedenen „Heiligen”, die man für besondere Lebenslagen ausgewählt hat, um sie um Hilfe in der Not und um besonderen Segen zu bitten. Diese „Heiligenbilder” werden in Prozessionen herumgetragen, sie werden verehrt und angebetet.

Doch über allen Heiligenbildern ragt das Bild der „Unbefleckten, ohne Erbsünde Geborenen, der Mittlerin aller Gnaden’, das Marienbild. Jedes Land hat sein besonders geprägtes, wunderwirkendes Bild der Maria. Schon rein äußerlich unterscheiden sich die verschiedenen Bilder im Aussehen voneinander. So ist z. B. das wunderwirkende Bild der Madonna von Tschenstochau in Polen schwarz. Sie sind ohne und mit Kronen, die mit kostbaren Edelsteinen geziert sind. Millionen von Wallfahrern pilgern jährlich zu den wunderwirkenden Marienbildern von Lourdes in Frankreich und Fatima in Portugal, um dort Heilung für Geist, Seele und Leib zu erlangen.

Diese Wallfahrtsorte sind entstanden, weil in Lourdes in einer Grotte ein französisches Hirtenmädchen mit Namen Maria (heilige Bernadette) mehrere „Marienerscheinungen” erlebte. In Fatima hatten drei Kinder (Alter 7-10 Jahre) „Marienerscheinungen”. Man kann hierzu nur sagen: Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit oder Dummheit!

Und nun eine Frage: Was halten wir von den Berichten der Wunderheilungen, die dort geschehen sein sollen? Mir erzählten Augenzeugen, katholische Männer, denen ich ein Urteil zutraue, von Menschen, die ihre langjährigen Krückstöcke vor der schwarzen Madonna weggeworfen haben und gesund heimkehrten. Bei der Muttergotteskapelle daselbst ist ein großer Raum, darin Tausende von Gegenständen aufbewahrt sind, die den Kranken bei ihrer Ankunft zur Fortbewegung dienten und bei der Heimkehr nicht mehr benötigt wurden.

Auf Grund langjähriger Beobachtung und Erfahrung muß ich sagen: Diese Heilungen sind echt! Man kann hier nicht von Suggestion und Autosuggestion sprechen. Eine andere Frage ist: Wer hat diese Heilungen bewirkt? Ein totes Bild gewiß nicht! Wenn aber der ganze Marienkult, dieser Menschenrausch ungöttlich, man muß hier sagen dämonisch ist, dann wissen wir, woher auch diese Heilungen herrühren. Am Ende dieses Äons wird Satan noch mit größeren Wundern auftreten: “Das Tier tut große Zeichen, daß es auch macht Feuer vom Himmel fallen auf die Erde vor den Menschen. Und die Bewohner der Erde machten dem Tier ein Bild, und es war ihm gegeben, daß es dem Bild des Tieres den Geist gab, daß des Tieres Bild redete” (Offb. 13, 11-15).

10. Das Fegfeuer

Wir fragen weiter: Können wir an die römische Lehre vom “Fegfeuer” glauben? Als bibelgläubige Christen nicht! Auf Grund des Schriftzeugnisses wissen wir wohl, daß es im jenseits Feuergerichte gibt. Wir haben viele Schriftstellen dafür (Luk. 16, 22 24; Judas 7; Offb. 21, 8 u. a. m.). Jesus spricht auch davon, daß das Strafmaß am jüngsten Gericht verschieden ausfallen wird (Luk. 10, 12 ff.). Die Schrift sagt auch von den “Erstlingen”, die auferstehen werden zuerst (1. Thess. 4, 16). Sie spricht aber mit keinem Wort, daß wir Lebenden Einfluß auf das Schicksal der Verstorbenen hätten und daß durch unsere Gebete das Los der Unseligen erleichtert würde.
Die römische Kirche stützt die Lehre vom Fegfeuer mit den alttestamentlichen Apokryphen. Viel Gotteslästerung ist mit dieser Lehre schon getrieben worden! Man denke nur an die Reformation! Die schriftwidrigen Verirrungen treten im Gebet, irn sogenannten “Liebesakt für die armen Seelen än Fegfeuer”, kraß zutage. Dort heißt es: “Himmlischer Vater, in Vereinigung mit den Verdiensten Jesu Christi und seiner himmlischen Mutter opfere ich dir für die armen Seelen im Fegfeuer bereitwillig alle Genugtuungswerke meines Lebens und auch alle jene guten Werke, die für mich selber nach meinem Tode verrichtet werden. Ich lege sie in die reinsten Hände der unbefleckten Jungfrau Maria, damit sie ihre eigenen Verdienste damit verbinde und sie jenen armen Seelen zuwende, die sie nach ihrer Weisheit und mütterlichen Liebe zuerst aus dem Fegfeuer befreien will. Nimm, o mein Gott, dieses Opfer gnädig an und laß mich dafür täglich in deiner Gnade wachsen. Amen.”

Dieses Gebet ist, vom biblischen Standpunkt aus gesehen, eine Herabwürdigung Jesu Christi. Es ist ein purer Handel, den man hier mit ewigen Dingen treibt: Man bezahlt zur Auslösung der im Fegfeuer schmachtenden Seelen mit den “guten Werken”, die man getan hat, die man noch tun wird und die man mir nach meinem Tod noch zuwendet. Mit anderen Worten: Ich bezahle heute mit dem Geld, von dem ich nicht weiß, ob ich es besitze, dann mit dem, das ich noch zu verdienen hoffe, und zuletzt mit dem, welches mir gute Freunde nach meinem Tod noch schenken werden. Das ist römische Werkgerechtigkeit in Reinkultur!

11. Das Gebet

Das Gebet ist in der Kirche Roms etwas ganz anderes als bei den Evangelischen. Beim bibelgläubigen Christen ist das Beten Herzensbedürfnis. Beten ist für ihn, Zwiesprache mit seinem Gott zu halten: “Alles in mir schweige und sich innigst vor ihm beuge.” Katholisches Beten ist das wiederholte Heruntersprechen kirchlich vorgeschriebener Gebetsformeln. Das tut man als Leistung für sich und andere, um Ablaß zu erlangen.

Ein wichtiges Gebetsmittel ist der Rosenkranz. Er besteht aus 15 “Vaterunser” und 50 “Ave Maria”. Durch das treue, wiederholte Durchbeten des Rosenkranzes unter Einhaltung anderer kirchlicher Vorschriften, regelmäßiges Kirchengehen und Kommunizieren, Beichte u. a. M., kann man einen „vollkommenen Ablaß“ erwirken. Dieser kann sich auch auf mehrere Jahre erstrecken. Ein vollkornmener Ablaß ist eine Nadilassung aller zeitlichen Sündenstrafen, die in dieser Welt oder im Fegfeuer noch abgebüßt werden sollten. Diese Gebete sind auch den “armen Seelen” (im Fegfeuer) zuwendbar.

Das ist nicht Beten im biblischen Sinn. Christus sagt: “Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden, denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen” (Matth. 6, 7). Katholisches Beten ist vor Gott ein Greuel! Als bibelgläubige Christen können und dürfen wir nicht Maria und die sogenannten Heiligen anrufen und uns vor Figuren aus Holz und Stein, vor Bildern, alten Knochen, Holzsplittern, Stoffetzen und dergleichen Dingen beugen, sie anbeten und von ihnen besondere göttliche Segnungen erwarten!

12. Der Beichtstuhl

In der Kirche Roms herrscht das System. Alles ist durchdacht und festgelegt. Auf jeden Zweifel der Lehre ist schon längst die Antwort gegeben. Ob die Antwort dem Zweifelnden einleuchtet oder nicht, er hat sich unter das System zu beugen, weil die Kirche in allen Fragen der Lehre “unfehlbar” ist. Jeder Zweifel gilt als Todsünde und muß im Beichtstuhl bekannt werden. Hier dringt der Priester oder Pater bis in das Detail, bis in die tiefsten Verborgenheiten des Herzens. Der Beichtende hat jede Frage des Geistlichen aufs gewissenhafteste zu beantworten. Jede Zurückhaltung oder ausweichende Antwort gilt wieder als Todsünde. Nach dieser “Gehirnwäsche” muß sich der “Sünder” rückhaltlos diesem System unterwerfen. Jetzt bekommt er mit dem Zeichen des Kreuzes die Absolution, d. h. die Vergebung seiner Sünden.

Der ehrlich Beichtende wird aber bald merken, daß er keinen inneren Frieden erhalten hat. Neue Zweifel über die Richtigkeit seiner Antworten dem Beichtvater gegenüber werden ihn beunruhigen. Dazu kommen noch die inneren neuen Anfechtungen und Danebenfälle. Minderwertigkeitskomplexe quälen ihn jetzt. Er begibt sich erneut zum Beichtstuhl, um sein Gleichgewicht wiederzuerlangen, sein geplagtes Gewissen zu beruhigen. Ungewollt kommt er jetzt in den Teufelskreis: Ein innerer Zwang treibt ihn zum Beichtstuhl   unbefriedigter aber als vorher kehrt er zurück. Er ist jetzt ein armer Sklave des Beichtvaters und ein wehrloser Gefangener dieses teuflischen Systems geworden. Der Beichtstuhl war ihm nicht Hilfe, sondern Folterinstrument zu seinem Verderben.   Mir ist bis dahin noch kein katholischer Mensch begegnet, der freudig, innerlich frei, froh und zufrieden vom Beichtstuhl zurückgekehrt wäre!

Auf die Frauen hat es der im Zölibat (Ehelosigkeit) lebende Priester besonders abgesehen. Eine Frau ist zarter besaitet, hat ein ausgeprägteres Gefühlsleben und ist darum auch leidenschaftlicher als der Mann. Sie erliegt dem Priester viel eher als das männliche Geschlecht. Viele Geistliche richten an die Frau Fragen, die kein Ehemann zu stellen wagt, und die sie beantworten muß, um nicht der “Seligkeit verlustig zu gehen”. Dadurch bekommt der Priester oder Pater mehr Rechte an diese Frau als ihr Ehemann. Sie verfällt ihrem Beichtvater voll und ganz. Nur selten gelingt es einer Frau, diesem Teufelskreis zu entfliehen. In vielen Fällen wird sie fanatische Befürworterin dieses ausgeklügelten Systems.   Die Ewigkeit wird es einmal offenbaren, wieviel Schmutz, Schande und Gewissensqualen der Beichtstuhl bei Frauen angerichtet hat!   Auch der Beichtvater steht in fortwährender Gefahr, daß ein Funke des von ihm entfachten Feuers der Fleischesbegierde ihn selbst entzündet.

Es gibt viele ehrliche Priester der katholischen Kirche, die sich ernstlich bemühen, eine Beichte nach dem Willen Gottes abzunehmen. Die meisten von ihnen sehen auch die Schäden des Beichtstuhles und wissen um den Frevel, der mit der Ohrenbeichte getrieben wird. Aber als treu ergebene Diener der “alleinseligmachenden Kirche” schweigen sie zu diesen Sünden und werden dadurch an dem Unheil mitschuldig.

Pater Chiniquy (ein ehemaliger katholischer Pater) schreibt zu dem Thema “Beichtstuhl”: “Unter allen Frauen sind die Katholikinnen am meisten zu bedauern, weil sie im Beichtstuhl große Torturen zu erdulden haben, um dadurch den Zorn ihres Hostiengottes zu stillen.

Lasset uns darum beten und hoffen, dag der Tag kommen möge, da Gott sich über die dem Verderben anheimgefallene Welt erbarmen wird. Dann werden die Priester des Hostiengottes samt ihrem vorgetäuschten Zölibat und ihrer seelenverderbenden Ohrenbeichte und mit ihnen ihre Götzenbilder verschwinden. Babylon, die große Hure, wird fallen, und Himmel und Erde werden sich freuen.”
Man könnte noch weiterfahren und weitere Fragen stellen: “Können wir? Können wir?” Man könnte noch auf manche widerbiblischen Gebräuche über Ablaß, Weihwasser, geweihte Heiligenamulette, Messen, Letzte Ölung, geweihte Kerzen, über Feiertage und verschiedenen anderen Aberglauben der katholischen Kirche hinweisen. Doch damit will ich dieses Kapitel schließen und am Schluß noch einmal dieselbe Frage wie am Anfang stellen: “Können wir als bibelgläubige, evangelische Christen zur Kirche Roms gehören?” Ich gebe als Antwort: “Nein! Nein!” und noch einmal: “Nein!”

IX. Wahres Einswerden nach dem hohepriesterlichen Gebet Jesu

Uns wird erklärt, Christus habe gesagt: “Auf daß sie alle eins werden, damit die Welt erkenne, du habest mich gesandt.” Ja, das ist ein Vermächtnis unseres Herrn und Heilands! Aber: Hier unterschlägt und fälscht man etwas! Es müßte jedermann bekannt sein: Wenn man aus einem Testament die vom Erblasser festgelegten Verpflichtungen streicht und Worte ändert, ist man ein Fälscher des Testamentes. Man ist zum Betrüger geworden!
Das unverfälschte Vermächtnis Christi lautet: “Ich bitte aber nicht nur für die Jünger, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt” (Joh. 17, 20. 21). Aus diesen Worten geht klar hervor: Es kann nur zu diesem Einssein kommen, wenn die zwei oben genannten Bedingungen erfüllt sind: das Einssein im Vater und im Sohn: “Gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir!” Das ist ein Einssein in vollendeter göttlicher Harmonie.
Diese Einsgewordenen sind demnach die vom Heiligen Geist durch den Glauben gezeugten Glieder am Leibe des Herrn. Sie sind in Christus, d. h. Christus ist ihr Lebenselement geworden. Sie sind in ihm und schöpfen aus seiner Gnadenfülle Gnade um Gnade. Weil sie mit Christus und in Christus sind, sind sie auch mit dem Vater verbunden, wie der Sohn mit dem Vater verbunden ist.
Aber auch umgekehrt: Christus ist auch in ihnen! Durch den Glauben hat er Wohnung in ihnen genommen. Sie sind zum Tempel des Heiligen Geistes geworden. Er füllt ihr Leben ganz aus und segnet sie mit himmlischen Gütern: “Christus in uns, die Hoffnung unserer Herrlichkeit!” (Kol. 1, 27.)   Das ist wahre Einheit, von der jesus im hohepriesterlichen Gebet spricht.

Diese Einsgewordenen treten dann aus der Unsichtbarkeit in die Sichtbarkeit. Sie sind Zeugen dessen geworden, der sie “wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung”. Sie sind jetzt zur “Stadt auf dem Berge und zum Licht auf dem Leuchter” geworden: “Damit die Welt glaube, du, Vater, habest mich gesandt.”
Das ist “Ekklesia”, wahre Gemeinde Jesu Christi auf Erden!

In diesen herrlichen Worten wird weder vom Papst noch von einer alleinseligmachenden Kirche, noch von Maria, der Mittlerin aller Gnaden, noch von den Heiligen, noch von anderen Kirchendiensten etwas gesagt.   Um eins zu werden, wird auch nichts von der Einberufung eines Konzils, noch von einem “Sekretariat für die Einheit der Christen”, noch von einer Zusammenarbeit zwischen Rom und Weltkirchenrat noch von einem “Dialog” gesprochen.   Noch einmal: Einssein, d. h. Gemeinde Jesu Christi, ist dort, und nur dort, wo man wahrhaftig sagen kann: “Ich, Jesus, in ihnen und sie in mir!”

X. Zweierlei Zusammenschlüsse

Voraussehend muß man sagen: Unsere Zeit wird zwei wichtige Zusammenschlüsse erleben:

1. Der Zusammenschluß zu der einen großen Weltkirche, die ganz nach den weltlichen Prinzipien aufgebaut und durchorganisiert sein wird. Sie wird immer mächtiger und damit immer unduldsamer werden. Sie wird “zertreten”, was ihr nicht gehorsam sein wird.
Eng mit der Gründung der Weltkirche wird sich auch der zweite Zusammenschluß vollziehen:

Die Gemeinde Jesu Christi wird zusammengeführt. Es wird kein äußerer Zusammenschluß durch Aufrufe, Propaganda und Organisationen sein. Die Erfahrung lehrt, daß für andere solches überhaupt verboten sein wird.   Dieses Zueinanderrücken wird ganz in der Stille geschehen. Die in Christo sind und in denen Christus ist, die werden sich finden. Sie werden einander stärken auf dem leidvollen Weg, den sie jetzt zu gehen haben.
Ein freudiger Lichtblick für die Gemeinde Jesu ist, daß die römische Kirche jetzt Bibeln druckt und sie ihren Gliedern zum Lesen empfiehlt. Wenn diese Bibeln auch von der Zensur mit Anmerkungen versehen worden sind, die der katholischen Dogmatik angepaßt wurden, so wissen wir, daß der Geist Gottes keinerlei menschlichen “Zensur” unterworfen werden kann. “Er weht immer noch, wo er will!” – “Sein Wort ist Geist und Leben!”
Diese Regelung ist auch Mittel zum Zweck, damit die “getrennten Brüder” sehen sollen, auch Rom empfehle Gottes Wort. Doch wie es scheint, ist nicht in allen Ländern diese Regelung getroffen worden. Gerade jetzt kommen von Südamerika Nachrichten, daß die Priesterschaft einen Aufruf an die Katholiken erlassen hat, die gekauften Bibeln zu verbrennen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch in unseren Landen das Lesen der Bibel nur so lange gestattet sein wird, bis die “verlorenen Schäflein” wieder zurückgekehrt sein werden in den einen, großen, “alleinseligmachenden Schafstall Christi”. Bei aller Freude dürfen wir nicht vergessen, daß der Papst und seine Jesuiten zu der römischen Kirche gehören.

Welch ein Segen würde in eine Welt geflossen sein, wenn der Papst seine mit drei Kronen geschmückte Tiara dem zu Füßen gelegt hätte, der eine ganze Welt mit seinem heiligen und teuren Blut erkauft hat! Wenn er dem die Ehre gegeben hätte, dem alle Ehre im Himmel und auf Erden allein gebührt!

Es würde auch heute noch Freude im Himmel vor allen Engeln Gottes sein, wenn die ganze Hierarchie ihren Purpur und Glanz ausziehen und im “Sack und in der Asche” vor dem König aller Könige wahre Buße tun würde.
Diese Buße müßte dann in alle Klöster eindringen, alle Orden erfassen, ja sie müßte das ganze katholische Volk in Bewegung setzen.

Aber nicht nur die Kirche Roms sollte von dieser echten Bußgesinnung ergriffen sein. Sie müßte auch die evangelisch kirchlichen Konsistorien, die Landessynoden, die theologischen Fakultäten, die Predigerseminare, ja das ganze evangelische Volk ergreifen.

Unsere Zeit ist sehr ähnlich der Zeit der Verstockung Israels: “Und Jesus sah die Stadt an und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen” (Luk. 19, 41 44).
Nach dem Gericht der Verstockung sind auch bald die furchtbaren Strafgerichte Gottes über das Volk der Juden hereingebrochen. Auch unsere Zeit ist Gerichtszeit!

Solange der Herr uns noch Gnadenzeit schenkt, wollen wir ihn herzlich bitten, daß noch vielen Wahrheitssuchern in der katholischen Kirche die Augen für Jesus Christus, den alleinigen Herrn, geöffnet werden und sie Kraft bekommen, für ihren Herrn und Heiland Verfolgungen, Entbehrungen und Schmach auf sich zu nehmen.
Wir können das Weltgeschehen weder aufhalten noch in andere Bahnen lenken. Es muß alles seinem großen Erntetag entgegenreifen! Je lauter und frecher es in der christusfeindlichen Welt werden wird, um so stiller und einsamer wird es um die wahre Gemeinde Jesu sein.
Unsere Zeit trägt Endzeitcharakter. Was wir heute in dieser für die Gemeinde Jesu so ernsten Zeit nötig haben, ist die Gabe der Geisterunterscheidung. Dieselbe können wir nur im Wort und durch das Wort bekommen!

Mit ganzem Ernst ruft der Herr den Seinen zu: “Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten!” (Luk.  12, 35. 36.)

Dreierlei will der Herr mit diesem Aufruf den Seinen sagen:

1. “Lasset eure Lenden umgürtet sein!” Zerstreuet eure Sinne nicht ins Tausenderlei und seid nicht flatterhaft! Konzentriert euch auf das Eine, was not tut! Tut gewisse Tritte und lasset euch nicht verführen! Meidet alles, was euch von Christus abbringen kann, und seid stets wachsam im Ringen und Beten im Blick auf den kommenden Herrn!
2. “Lasset eure Lichter brennen!” Seid erfüllt mit dem Heiligen Geist, damit das Wesen Christi aus euch herausstrahle! Seid ein Segen für andere in einer dunklen Welt, und seid Zeugen deer Wahrheit für Christus! Seid einsame Rufer in der Nacht dieser Welt
3. “Und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten!” Als Wartende löset euch von allem, was euch noch in dieser Welt gebunden hält! Euer ganzes Sehnen, eure ganze Liebe konzentriere sich auf den kommenden Herrn! Bereitsein ist alles!

” Darum wachet, denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird” (Matth. 24, 47).
“Was ich aber sage, das sage ich allen: Wachet!” (Offb. 22, 20.)

XI. Nachtrag

1. Abschluß und Ergebnisse des Konzils
Die vierte Konzilsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils ging im Dezember 1965 zu Ende. Damit fand auch der Abschluß des Konzils statt. Mit Recht fragt eine Christenheit nach den Ergebnissen des Konzils. Ist das wahr, was der 1967 verstorbene Bischof Dibelius am Reformationsfest 1965 im Blick auf das Konzil sagte: “Es hätte keine Reformation gegeben, wenn die katholische Kirche schon so gewesen wäre wie heute”? Damit wurde die Reformation Luthers und der anderen Reformatoren geschmälert. Solche Worte können Verwirrung und Unsicherheit in der Gemeinde der Gläubigen stiften.

Bischof Dibelius war sonst kein Mann unklarer Kompromisse. Er war eine markante Persönlichkeit der evangelischen Kirche. Seine Verkündigung war nicht vom Modernismus angekränkelt. Mit seiner ganzen Person setzte er sich auch für das Recht der Entrechteten und Unterdrückten ein. In diesem einen Punkt aber hat der alternde Bischof nicht mehr klar gesehen. Es war schon ein Fehler, daß er, als lutherischer Bischof, zum Papst gereist ist. Es heißt auch hier: “Meidet allen bösen Schein” (1. Thess. 5, 22).

Nur das Wort Gottes ist und bleibt für einen Christen Richtschnur und Orientierungskompaß in allen Fragen seines Glaubenslebens. Deshalb sind am Schluß des Konzils die Fragen berechtigt: Ist das Konzil wegweisend gewesen für das Glaubensleben der Christenheit? Ist das innere Leben einer Christenheit durch das Konzil vom Wort her befruchtet worden? Ist das Wort Gottes klarer auf den Leuchter gestellt worden? Ist Christus größer und herrlicher geworden? Erfahren die Christen in den katholischen Ländern, die nach dem Wort Gottes leben, handeln und von Christus zeugen wollen, die volle Unterstützung des Konzils?

Im Blick auf das zu Ende gegangene Konzil muß man aber sagen, daß keine dieser Fragen mit einem ja zu beantworten ist. Wer das Konzil vom Anfang bis zu seinem Schluß verfolgt hat und vom Konzil positive Früchte erwartete, der wird enttäuscht zugeben müssen, daß sich durch das Konzil im Katholizismus nichts Wesenhaftes geändert hat. Im tiefsten Grunde hat sich alles immer wieder um die eigene Achse gedreht: Es ging nur darum, die brüchige Fassade der innerlich morschen katholischen Kirche zu renovieren und zu modernisieren. Eine biblisch orientierte, geistmäßige innere Erneuerung wurde überhaupt nicht zur Diskussion gebracht.

Das einzige Bestreben des Konzils war, die Kirche Roms einer Welt, besonders den “getrennten Christen”, propagandistisch als die einzige, wahre christliche Kirche anzubieten. Die Machtstellung der Kirche und des Papsttums soll dadurch Weltgeltung erlangen. Wie weit dies gelungen ist, wird die Zukunft zeigen. Nach den Worten des Münchner Jesuiten und Konzilstheologen Karl Rahner war das Konzil erst der “Anfang des Anfangs”. Kardinal Döpfner sagte u. a. in der Pressekonferenz des Zweiten Deutschen Fernsehens vom 7. Dezember 1965 in Rom: Ich meine, das Papsttum wird in Zukunft nicht schwächer sein. Es wird gestärkt aus diesem Konzil hervorgehen, weil sich ja wesentlich seit dem Ersten Vatikanischen Konzil nichts geändert hat…”

In der ersten Hälfte des Konzils wurde verhandelt u. a. über die Sprache, die Liturgie, Hierarchie, Mysterium der Kirche, Vollmacht der Bischöfe, Mischehenrecht, Ökumenismus, über das Schema der “Seligen Jungfrau Maria” u. a. m. Das sind alles Fragen, die vom Wort Gottes her schon klar geregelt sind.
Die Eröffnungsrede des Papstes bei der letzten Konzilsperiode wirkte für viele Beobachter wie eine kalte Dusche: In dieser Rede hat der Papst den künftigen radikalen Kurs der Kirche Roms klar festgelegt. In diesem letzten Konzilsabschnitt verhandelte man über das sogenannte Schema 13: “Die Kirche in der Welt von heute.” Dieses Schema war sehr umstritten. 450 Bischöfe forderten vom Papst, den Kommunismus durch das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich verurteilen zu lassen. Der Papst lehnte aber eine Verurteilung des Kommunismus ab. Als nächstes beriet man über das Schema der “Religionsfreiheit”. Auch über dieses Schema konnte man keine Einigkeit erzielen. Es wurde zur “Revision” weitergegeben.

 Kritik wurde auch über den Entwurf der “Reform des Ablaßwesens” geübt. Deutsche Bischöfe befürchten, daß sich die jetzige Fassung des Entwurfs schädlich für die künftige ökumenische Arbeit auswirken wird. Verabschiedet wurde auch mit großer Mehrheit das sogenannte “Judendekret”. Ferner wurde von den Konzilsvätern die “Offenbarungskonstitution” und das “Laienapostolat” gebilligt. Die “Offenbarungskonstitution” handelt von der Heiligen Schrift und von der Tradition: “Beide überlieferten die eine göttliche Offenbarung in verschiedenen Formen.”

Kurz vor dem Ende des Konzils ist von Papst Paul Vl. die Heiligsprechung für Papst Pius XII. und Johannes XXIII. angekündigt worden. Manche Bischöfe hatten auch da ihre Bedenken, “weil die Fehler Pius XII. noch allzu bekannt sind und Johannes XXIII. nicht lange genug tot sei usw.”. Alle Fragen des Konzils sind nicht nach biblischen Gesichtspunkten, sondern ausschließlich im “römischen Geist” geregelt worden.
Das Zweite Vatikanische Konzil ist nach über dreijähriger Dauer abgeschlossen worden. Auf dem Petersplatz von seinem Thron, der sogenannten Sedia Gestatoria, dem Tragsessel der römischen Gottkaiser, richtete der “Statthalter Christi auf Erden” sieben Botschaften an die regierenden Staatsoberhäupter der ganzen Welt. Die Kernworte dieser Botschaft lauteten unter anderen: “Die Kirche verlangt von euch nur die Freiheit, zu glauben, zu predigen und den Menschen ihre Botschaft des Lebens zu bringen. Kreuzigt Christus nicht aufs neue. Und uns, seine demütigen Diener, laßt uns überall ohne Behinderung die frohe Botschaft des Friedensevangeliums verkündigen!”

Gerade dieselben Bitten wie der Papst haben auch unsere evangelischen Brüder und Schwestern in Spanien, Italien, Kolumbien und anderen von Katholiken bzw. von Jesuiten regierten Ländern: Kreuzigt Christus nicht aufs neue wie zur Zeit der Inquisition. Gebt uns die Freiheit, zu glauben, zu predigen und ohne Behinderung den Menschen die wahre, biblische, frohrnachende Gnadenbotschaft von der allumfassenden Erlösung Jesu Christi zu bringen! Von der Schrift her hat sich im Katholizismus absolut nichts geändert. Das Lesen der Bibel hat man jetzt den Katholiken zum Schein erlaubt: Man ächtet, verfolgt und peinigt aber gleichzeitig die, die nach dem Wort Gottes leben und handeln wollen. Patres und andere leitende Persönlichkeiten der katholischen Kirche haben es besonders schwer, wenn sie zum lebendigen biblischen Glauben an Christus Jesus hindurchdringen. Manche werden mit List und Zwang an einen verborgenen Ort gebracht, dort mit Drogen (Spritzen) und anderen grausamen Mitteln (Gehirnwäsche!) behandelt. Diese bewirken eine Urteilslosigkeit, Willensschwäche, ja eine völlige Wesensveränderung.   Mir sind in der jüngsten Zeit zwei solche Fälle bekannt geworden.

2. Roms Propaganda nach dem Konzil

Das Rom nach dem Konzil ist dasselbe Rom wie vor dem Konzil. Geradezu mit einer Schlangenklugheit führt Rom heute die Gegenreformation!
Die römische Propagandamaschine läuft nach dem Konzil auf Hochtouren! Presse, Rundfunk und Fernsehen werden propagandistisch für die Kirche Roms ausgenützt. “Radio Vatikan” strahlt sein Programm ununterbrochen in fast zwei Dutzend Sprachen aus. Diese Propagandasendungen zur Verherrlichung des Papsttums sind einmalig!

Rom ist bestrebt, das große Gebiet der Nachrichtenmittel mehr und mehr unter seine Kontrolle zu bringen. Diese fortwährende Propaganda Roms hat das gesamte Pressewesen stark beeinflußt. Es ist heute schon unmöglich, einen aufklärenden Artikel gegen die Tätigkeit Roms in einer Zeitung unterzubringen. Auch die rein evangelische Presse weigert sich, auf die Gefahren hinzuweisen, die den Evangelischen von seiten Roms drohen. Sie fürchten den Vorwurf, ,unökumenisch” und “intolerant” eingestellt zu sein.

Im Mai 1967 empfing Papst Paul VI. anläßlich des von ihm eingeführten “Welttags der Massenmedien” in Rom 4000 Schriftsteller, Verleger, Journalisten, Musiker, Produzenten, Filmschauspieler, Kameraleute, Schallplattenhersteller und Schlagersänger. In einer Ansprache würdigte der Papst die Aufgaben und Pflichten all derer, die im Dienst staatlich gelenkter Massenmedien stehen. Eine noch größere Propaganda für die “alleinseligmachende Kirche Roms” müssen wir in den kommenden Zeiten erwarten. Damit wird der große Massenrausch einsetzen. Auch Freikirchen und Gemeinschaften werden davon nicht verschont bleiben! Es wird auch da zu einer klaren Scheidung kommen!   je lauter es aber um die Weltkirche werden wird, um so stiller wird es um die Gemeinde Jesu sein.

3. Die EKD nach dem Konzil

Am 16. April 1966 haben in Fulda die Leiter der EKD und die der römischen Kirche ihre ersten evangelisch katholischen Kontaktgespräche begonnen. Die Themen dieser ersten Begegnung sind Fragen der Mischehe, interkonfessionelle Begegnungen, gemeinsame Gottesdienste, gemeinsame Bibelübersetzung usw. Diese Gespräche werden sich längere Zeit hinziehen.

Einer der Wortführer in der Wiedervereinigungsfrage war unter anderen der hessen nassauische Kirchenpräsident Dr. Wolfgang Sucker. Sein Bestreben war, ein “evangelisches Konzil zu einem brüderlichen Dialog” zusammenzurufen. Auf diesem Konzil sollten die drei evangelischen Kirchen zu einer Einheit zusammengeschlossen werden. Das soll aber nur die Vorarbeit für die Wiedervereinigung mit der Kirche Roms sein.
Hier gilt auch das Jesuswort, das er vor seiner Kreuzigung ausgesprochen hat: “Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis” (Luk. 22, 53).
Ein Erlebnis aus der Kriegsgefangenschaft steht immer wieder vor mir: Im Lager schloß sich ein kleiner Kreis von Männern zu gemeinsamen Gottesdiensten zusammen. Unter ihnen war auch ein Dozent der Theologie. Dieser Mann sagte eines Tages zu uns: “Liebe Kameraden, die Zeit unserer Entlassung aus der Gefangenschaft rückt immer näher. Viele unter uns werden nach ihrer Heimkehr wieder in der Kirche wirken oder zumindest zu ihr gehören. Darum richte ich eine Frage an Sie: Wie stellen Sie sich jetzt in der Nachkriegszeit eine Erneuerung unserer evangelischen Kirche vor? Es würde mich freuen, wenn Sie mir beim nächsten Treffen eine Antwort geben könnten.”

Mich hat diese Frage damals innerlich stark bewegt. Bei der nächsten Zusammenkunft übergab ich dem Frager eine zwei Seiten lange, biblisch orientierte, klare schriftliche Antwort, wie ich mir die “Erneuerung” der Kirche denke. Meine Antwort war nicht nach seinem Sinn, das merkte ich aus seiner gereizten, barschen Antwort: “Sie haben mich völlig falsch verstanden! Meine Frage war: Wie können wir den Gottesdienst besser und schöner gestalten, die Liturgie, den Gesang, die Feiern usw. verschönern, so daß die Kirche heute für den fortschrittlichen Menschen wieder anziehend wirkt?”

Nach dem Versagen in der Vergangenheit hat der Herr der evangelischen Kirche aller Länder in der Nachkriegszeit noch einmal neue Gnade, neue große Möglichkeiten angeboten. Ich frage: Hat sie nicht dieses herrliche Gnadenangebot Gottes versäumt? Hat sie sich nicht, anstatt einer geistmäßigen, biblisch orientierten, inneren Erneuerung, mit der Erneuerung ihrer Fassade begnügt?

Mit tiefem Weh muß man heute erleben, wie sich die Seuche des antichristlichen Rationalismus im ganzen evangelischen Raum immer mehr ausbreitet, wie der moderne Liberalismus in den theologischen Kreisen immer tiefere Wurzeln schlägt. Ist das vielleicht die tiefste Ursache des Strafgerichtes Gottes, daß sich die Kirche der Reformation wieder mit dem antichristlich gesinnten Papsttum verbinden muß?

Fürwahr, die Wiedervereinigung mit der Kirche Roms wäre ein furchtbares Gottesgericht für die evangelische Gemeinde der Reformation!

Der Herr Christus warnte seine Jünger: “Es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, daß verführt werden in den Irrtum, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten. Viele werden kommen in meinem Namen und sagen: ’Ich bin Christus’ und werden viele verführen” (Matth. 24, 5 25).
Seit der Zeit Christi auf Erden sind wiederholt Männer aufgestanden, die um Anerkennung warben, indem sie vorgaben, gottgesandte Retter zu sein. Auch der Apostel Johannes warnte schon die gläubige Gemeinde seiner Zeit:
“Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, daß der Widerchrist kommt! So sind nun viele Widerchristen geworden; daher erkennen wir, daß die letzte Stunde ist” (1. Joh. 2, 18). Viele Antichristusse und falsche Messiasse versuchten immer wieder, das Gottesvolk zu verführen. Im Laufe der Jahrhunderte sind allein aus dem Judentum 28 falsche Messiasse aufgestanden.

Eine der größten Verführungen aller Zeiten erlebten wir erst vor drei Jahrzehnten. Erschüttert fragen wir uns heute, wie es möglich war, daß ein einfacher, sterblicher Mensch diese gewaltigen Menschenmassen in seinen Bann ziehen und verführen konnte. Er selber berief sich auf den “Allmächtigen”, auf die “Vorsehung”, die ihn zum Retter des deutschen Volkes bestimmt habe. Mit seinem Kommen wollte er die ganze Welt beglücken. Er beanspruchte für sich das Heil, das allein dem Herrn aller Herren gehörte. Die Masse des Volkes verehrte ihn abgöttisch und betete ihn an. Selbst in sogenannten christlichen Kreisen konnte man den Ausspruch hören: “Der zweite Christus ist vorn Tode erstanden!” Die Alten lehrten die jungen zu Tisch beten “Hände falten, Köpfchen senken, immer an den Führer denken. Unser Führer, unser Gott, gibt uns unser täglich Brot.”   Das war Antichristentum in Reinkultur!

Antichristentum ist immer da, wo ein sterblicher Mensch göttliche Verehrung, göttliche Anerkennung für sich beansprucht oder sie sich gefallen läßt. Das “anti” (griechisch) bedeutet “anstatt . . ., anstelle von … , anstelle für …”.
Der Antichrist ist demnach der, der an die Stelle Christi tritt oder an Christi Statt kommt, das heißt: “der andere Christus” oder der “Stellvertreter Christi”. Christus hat aber nur den Heiligen Geist als Stellvertreter (Joh. 16). Darum ist jeder andere “Stellvertreter” ein Gegenspieler, ein Widersacher, ein Feind Christi.
Auch das “Falschprophetentum” der Letztzeit (Offb. 13, 11ff.) ist Antichristentum, weil es von demselben antichristlichen Geist inspiriert ist.

Ist nicht das Erleben nach 1933 für die ganze Welt ein aufgehobener Finger Gottes?

Ist unsere Zeit nicht eine Wiederholung jenes Zeitabschnittes, nur mit dem Unterschied, daß diesmal der Träger des antichristlichen Weltgeistes eine sogenannte “christliche” Kirche ist?

Der Papst ist ein armer sterblicher Mensch wie alle Menschen. Dieser sterbliche Mensch hat sich, gegen das ausdrückliche Gebot der Heiligen Schrift, Namen zugelegt, die allein dem höchsten Gott und seinem Sohn, Jesus Christus, dem Herrn der Herrlichkeit, gebühren:
“Vater der Fürsten und Könige”, “Lenker des Erdkreises”, “Statthalter unseres Erlösers Jesus Christus”, “Heiliger Vater”, “Stellvertreter Gottes auf Erden”, “Unfehlbarer Stellvertreter Christi” u. a. m. Millionen und aber Millionen fallen vor ihm nieder und beten ihn und sein Bild an. Er aber segnet die Massen, die ihm huldigen, ihn göttlich verehren und ihn anbeten.

Als bibelgläubige Christen müssen wir nicht nur ein entschiedenes Nein zu diesem Geist sagen. Wir müssen die Geister immer wieder nach den ewigen Schriftwahrheiten prüfen! Deshalb dürfen wir uns keinerlei falschen Hoffnungen, keiner verführerischen Einheitsbestrebung und falschen Allianz hingeben.

Wo aber heute noch in göttlicher Vollmacht die frohe Botschaft von Jesus Christus, dem alleinigen Bringer unseres Heils, dem zur Rechten des Vaters sitzenden und mit Herrlichkeit und Macht wiederkommenden Herrn und Heiland in Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften verkündigt wird, da wollen wir uns freuen und Gott die Ehre geben. Wir scheiden uns innerlich, und wenn es sein muß auch äußerlich, von einer jeglichen Kirche oder Gemeinde, deren Zeugnis von Jesus Christus nicht mit der Heiligen Schrift übereinstimmt. Wir gehen kompromißlos den Weg der Einsamen, wo der Herr der Herrlichkeit verdunkelt, geschmälert, entehrt, vermenschlicht, das heißt gelästert wird. Der Apostel Paulus sagt: “So auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangeliurn verkündigen anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht!” (Gal. 1, 6 9.)

Der starke Ruf aller biblisch Gläubigen: “Kein anderes Evangelium!” darf heute nicht nur für die pseudowissenschaftlichen Bestrebungen einer entarteten modernen Theologie gelten.

Dieser Ruf gilt ebenso für alle schwarmgeistigen Auswüchse der Gegenwart und für jene heidnisch-christliche Mischreligion, die uns heute und morgen von der Kirche Rorns als “alleinseligmachend” propagandistisch angepriesen wird.

4. Die römische Kirche und die Kirchen der Reformation nach der Vollversammlung in Uppsala 1968

Das Vatikanblatt “Osservatore Romano” schrieb am 13. 9.1952 auf die Einladungen Roms zu den Weltkirchenkonferenzen folgendes:
“In Stockholm fehlte Christus! Der Konferenz fehlte der Stifter!   Man kann nur die Formulierung wiederholen, daß die abtrünnigen Kirchen zuerst Christus absetzen mußten. Das ist die Rache der Geschichte!   Man kann sich eben von Rom nicht trennen.”
Klingen diese Worte des päpstlichen Blattes nicht wie eine Prophetie? Zeigt nicht solche Formulierung den furchtbaren Abgrund der meisten Kirchen? Nach dieser Formulierung mußten zuerst die Kirchen der Ökumene christuslos, d. h. gottlos werden, um zu einer Verständigung untereinander und dann mit der antichristlichen Kirche Roms zu kommen.

Ein Wort sagt: “Je älter die Tochter wird   um so ähnlicher wird sie ihrer Mutter!” Wenn man heute die großen evangelischen Kirchen miteinander vergleicht, muß man feststellen, daß viele Kirchen der “Mutter” immer ähnlicher werden: Der gleiche antichristliche römische Geist durchsäuert fast alle Kirchen der Welt.
Freikirchliche Gemeinschaften, die bis dahin noch eine Sonderstellung hatten, sind heute zu “Kirchen” geworden und werden in den modernen, antichristlichen Sog mit hineingerissen.   In England z. B. steht deswegen die methodistische Kirche vor einer Spaltung.

Wer als “Beobachter von Ferne” den Gang der Weltkirchenkonferenz überblickte, der stand stark unter dem Eindruck: In Uppsala fehlte Christus! Der Weltkonferenz fehlte der Erlöser! Anwesend war dort eine zusammengewürfelte Schar von Delegierten verschiedener Kirchen der Welt, Journalisten, “Beobachter” und “jugendliche Hitzköpfe”. Die Gemeinde Jesu Christi, von Christus gezeugt und mit göttlicher Vollmacht ausgerüstet, fehlte in Uppsala. Fast alle Referate, die in den sechzehn Tagen gehalten wurden, waren kein biblisches Bekenntnis oder ein Zeugnis für den lebendigen Herrn und Heiland. Es hieß nicht: “Die Liebe Christi dringet uns also!” Der “soziale Christus”, d. h. die “Mitmenschlichkeit” bzw. der “helfende Mensch”, stand im Mittelpunkt dieser Versammlung.
Nur vereinzelte Warnblinker blitzten in dieser ökumenischen Nacht auf. So sprach u. a. der Delegierte der Pfingstbewegung, Christian Krust (Mülheim/Ruhr), unmißverständlich die Befürchtung aus, daß sich die ökumenische Bewegung zu einem “Machtfaktor” in der Welt entwickeln könnte. “Vernunftglaube” und “formales Lippenbekenntnis” ist für das Christsein nicht ausreichend.

Auch Rom wagte zum erstenrnal, 15 Beobachter nach Uppsala zu senden. Die Anwesenheit der Männer des Papstes war das Glanzstück dieser ökumenischen Versammlung. Darüber schreibt ein katholisches Kirchenblatt mit Begeisterung: “Die Hälfte der gesamten Christenheit hatte ihre Vertreter nach Uppsala zur ’Vierten Vollversammlung des Ökumenischen Rates’ gesandt. Von der anderen Hälfte   den Katholiken   waren nur 15 Beobachter erschienen. Aber das kam dennoch einer Sensation gleich …

Vor zwanzig Jahren waren es noch die feindlichen Brüder. Heute aber schickt selbst der Papst ein herzliches Grußschreiben und spricht vom ’Ausdruck des lebhaften Interesses, das Wir an der Vollversammlung nehmen’ und wünscht ihr den Segen des Herrn bei allem, was Sie tun, um die Sache der Einheit zu fördern’.”
Das ist die Tragik und der Schmerz der Geschichte: Zuerst mußten die meisten evangelischen Kirchen   und auch manche Freikirchen   den biblischen Christus verleugnen und die Reformation für nichtig erklären, um sich wieder mit der antichristlich gesinnten Kirche Roms zu verbinden.

Kurz vor der Vollversammlung in Uppsala hat Papst Paul VI. ein Bekenntnis ausgesprochen: “Das Credo (Glaubensbekenntnis) des Volkes Gottes.” In diesem Bekenntnis hat er die Forderung “nach dem einen Hirten (dem Papst!) und einer Herde” (der alleinseligmachenden Kirche!) gestellt.   Der Gesandte des Vatikans nach Uppsala, Jesuitenpaler Roberto Tucci, Chefredakteur der Zeitung “Civilta Cattolica”, sagte in seiner Rede in jesuitischer Zweideutigkeit dasselbe: “Auch für die römischen Katholiken ist die Einheit aller Christen nicht gleichbedeutend mit dem Sieg der einen Kirche über die andere,   sondern der Sieg Christi über die Spaltungen.”   Nach der römischen Dogmatik ist aber der Papst der “Stellvertreter Christi” auf Erden. Ohne jesuitische Verschlüsselung würden die letzten Worte des Paters demnach heißen: “sondern der Sieg des Stellvertreters Christi auf Erden über die Spaltungen”.   Anstatt nach dem wahren Sinn der letzten Worte des Jesuitenpaters zu fragen, ging seine Rede in einem brausenden Beifall unter. – Katholische Moraltheologen erlauben auch dem Priester, sich Zweideutigkeiten zu bedienen. Es ist deshalb bei Gesprächen größte Vorsicht geboten, weil das Gewissen des Priesters zwiespältig ist.

“Christ und Welt”, Nr. 30/68 schreibt zu der Rede des Paters: “Die erste Sensation war die Rede des römischen Paters vor dem Plenum. Nicht daß er einen Beitritt der katholischen Kirche für morgen oder übermorgen verhieß. Doch da er dieses Problem ohne Wenn und Aber offen anschnitt, verdeutlichte er den Delegierten, daß es kein Zurück, sondern nur ein Vorwärts gibt. Die katholische Kirche und die Nichtkatholiken waren sich noch nie so nahe gewesen. Es gibt keine theologischen Gründe prinzipieller Art mehr, die ein Zusammengehen ausschließen. Man kann es den Delegierten nicht verübeln, wenn ihre Gesichter strahlten. Nach zwanzigjährigem Bestehen scheinen die letzten Früchte der Ökumene zu reifen. Mit einer offiziellen Einladung zum Beitritt und die Forderung, ein allgemeines Konzil abzuhalten, anwortete die Versammlung auf diese historische Stunde.”
Man kann hier nur die Worte des gekreuzigten Erlösers nachsprechen: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!”

In Zukunft will man auch evangelisch-katholische Kirchentage abhalten. Ökumenische Gebetsgottesdienste, Jugendlager, die Zusammenarbeit auf sozialem Gebiet u. a. m. will man noch mehr intensivieren.
Vor mir liegt ein Programm eines Ökumenischen Gebetsgottesdienstes, der hier in einer evangelischen Kirche gehalten wurde. Der evangelische Pfarrer betete u. a. ein Bußgebet:
“Wir danken dir, Herr, für diesen Tag und für diese Stunde, weil du uns versammelt hast, dich zu preisen, Buße zu tun und in Hoffnung auf die sichtbare Einheit aller Christen zu warten.   Lasset uns also Buße tun und demütig bekennen, was wir gegen die Einheit der Kirche (durch die Reformation) gefehlt haben. Dein großes Werk der Einheit (der Kirche Roms) haben wir zerteilt. – Erbarme dich unser, o Herr!
In unserem Hochmut haben wir unsere Brüder in Christo (in der päpstlichen Kirche) nicht verstanden und oft danach getrachtet, überlegen zu sein über sie.   Erbarme dich unser, o Herr! Grenzen haben wir gezogen unter deinen Kindern und die Ausbreitung des Evangeliums in der ganzen Welt durch unsere Spaltungen gehindert. – Verbiete, Gott, Heiliger Geist, daß wir uns abfinden mit unserer Trennung (von der Alleinseligmachenden!).   Erbarme dich unser, o Herr!”

Wir können uns denken, daß bei diesem “Bußgebet das Herz des anwesenden Priesters gejubelt hat. Das ist der Superlativ der Kriecherei vor Rom! Man kann hier offen sagen, daß solch ein “Bußgebet” ein Fluch gegen Jesus Christus, ein Verrat der Reformation, eine Schmähung der Reformatoren und ein Verurteilen aller aufrichtigen, bibelgläubigen Christen ist.

Papst Paul führt heute Gespräche mit der ganzen Welt: Er wollte mit China verhandeln,   wurde aber dort abgewiesen …

Zur Zeit verhandelt der Vatikan mit Moskau als “Amtikapitalist” und “Freund der Arbeiterklasse”   obwohl er selber der größte Kapitalist der Welt ist . . . In den Ländern der Reformation sind die Jesuiten “treue Bibelfreunde”   wo sie aber die Herrschaft haben, hetzen sie die Polizei auf die Bibelboten und lassen sie verhaften … In den Ländern der Reformation spricht der Klerus vom “gleichen Recht aller Kirchen”   in Rom dagegen spricht der Papst vom “alleinigen Recht der alleinseligmachenden Kirche Roms” . . . In den evangelischen Ländern sind die katholischen Sender “evangelisch” ausgerichtet, um Verwirrung bei den Evangelischen zu stiften   in den rein katholischen Staaten werden schon die Anfänge einer evangelischen Gesinnung gehaßt und verfolgt … In den Ländern der Reformation schreiben führende Katholiken   darunter auch Jesuiten   für evangelische Leser Bücher und Schriften, die “antipäpstlich” und “prolutherisch” ausgerichtet sind   wo dagegen die Kirche Roms die Herrschaft hat, wird evangelisches Schriftturn eingezogen und die Verbreiter desselben verhaftet . . . Das ist Rom!
Es gibt heute in der katholischen Kirche eine kleine Schar wirklich gläubiger Christen, die Christus und sein Wort für ihr Leben erwählt haben.   Von “starken Strömungen zum Worte hin” ist nichts zu merken. Mit dem “Zölibat”, der “Antibaby Pillen Enzyklika” und dergleichen Dingen hat die bibelgläubige Gemeinde nichts zu tun. Diese “Enzyklika Humanae Vitae” zeigt uns nur die gewaltige Machtposition des Papsttums. Die sogenannten “guten Katholiken” benötigen solche elenden päpstlichen Krücken für ihr Glaubensleben. Der wahrhaft gläubige Christ lebt aus der Fülle des Wortes Gottes, in dem alle Lebensproblerne gelöst sind.

Es ist wahr: “Die römische Kirche und die Nichtkatholiken waren sich noch nie so nahe wie heute.” Wir können den Zerfall der Kirche der Reformation nicht mehr aufhalten. Rom hat die Weiche gestellt. Ein großer Teil der evangelischen Kirchen hat sich freiwillig auf dieses falsche Geleise begeben und jagt mit furchtbarer Geschwindigkeit ihrem Verderben entgegen.

Im Jahre 1956 wurde in Schweden und Norwegen das Verbot des Jesuitenordens aufgehoben. Seit dieser Zeit wird die Gegenreformation in den nordischen Staaten stark vorangetrieben. In Dänemark z. B. ist 1966, als erste Tat nach der Reformation, ein Jesuit zum Bischof geweiht worden.   Die evangelischen Länder des Nordens werden von Rom als finsteres Heidentum angesehen, das “missioniert” werden muß. Ein katholisches Missionsblatt in München (St. Anger), das sich zur Aufgabe gesetzt hat, den “finsteren Norden” zu missionieren, schreibt: “Unser Gebet ist, daß der Glaube an Gott und seine (katholische!) Offenbarung und die Sehnsucht nach der Wiedervereinigung auch im Norden wachse! Daß der ’eucharistische Herr’ (im Meßopfer!) dort wieder gegenwärtig werde, wo vor 400 Jahren das ewige Licht erloschen ist.”

Besonders Schweden, aber auch Norwegen, Finnland, Dänemark und Island werden planmäßig mit einem Netz von Kirchen, Kapellen, Schulen, Schwesternhäusern und anderen kath. Heimen überzogen.
Man müßte hierzu schweigen, wenn die Kirche Roms dieselben Rechte und Freiheiten auch den Evangelischen in katholischen Ländern zugestehen würde. Die Erfahrung aber lehrt: Wo der Katholizismus an Macht gewinnt, hört die vielgepriesene “ökumenische Freiheit” auf! Dort werden die Evangelischen höchstens noch geduldet!   Die Zahl der Katholiken in Schweden ist in den letzten sieben Jahren um 67 Prozent angestiegen.

Der Herr schenke der nordischen evangelischen Kirche wahre Beugung und Buße, aber auch offene Augen, um den Betrug Roms durchschauen zu können. Möge die Schrift “Alarm um die evangelische Gemeinde der Reformation” auch ein Warnruf an die Evangelischen des Nordens sein.

Eine Geistesgabe haben wir in dieser verführerischen Zeit besonders nötig: die Gabe der Geisterunterscheidung!
Diese können wir nur durch den Geist im Wort bekommen! Nach dieser wollen wir uns ausstrecken und den Herrn bitten: “Gib mir Augen, die was taugen. Rühre meine Augen an. Denn es ist die größte Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann.”
Nur dem Treuen winken Kronen! Darum seid nüchtern und WACHET

Die Hervorhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Februar 2008

www.horst-koch.de
info@horst-koch.de

 

 

 

Die Hervorhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Februar 2008

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