Zungenreden-eine endzeitliche Verführung

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ZUNGENREDEN  –  EINE ENDZEITLICHE VERFÜHRUNG

Von Horst Koch

 

Einleitung

Nachdem ich über 40 Jahre lang mit dem Phänomen des sogenannten Zungenredens konfrontiert wurde und miterleben musste, wie diese Sache eine Spur von Schwärmerei, Streitereien und letztlich Spaltungen hinterließ, habe ich mich jetzt zu einer persönlichen Stellungnahme in Form von Stichpunkten entschlossen. Auch weil aus meinem Bekanntenkreis ein Reihe junger Christen leichtfertig und unwissend in diese Schwärmerei hineingeraten sind.

Es ist ja für den heutigen Bibelleser kein Problem mehr, genügend exzellente Übersetzungen und Ausarbeitungen der griechischen und hebräischen Texte der Bibel zu diesem Thema zu lesen und damit der biblischen Pflicht des Prüfens nachzukommen. Es geht mir vor allem darum, dass unsere Meinungsbildung dahin zurückfindet, was zuallererst Gottes Wort zu der Lehre von Geistestaufe und Zungenreden sagt, – aber auch um die Beachtung der geistlichen und seelischen Resultate dieses Phänomens.

Hinzu kommt die generelle Warnung unseres Herrn Jesus Christus vor der Bedrohung der biblischen Wahrheiten durch den Feind Gottes, den Jesus in Johannes 8 Vers 44 den „Vater der Lüge“ nennt.

Matth. 7, 15: „ …Hütet euch aber vor den falschen Propheten, welche in Schafskleidern zu euch kommen…, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

Diese Mahnung wird durch den Apostel Paulus verschiedentlich wiederholt, wie in 2. Timotheus 4 Vers 3: „Es wird eine Zeit kommen, da sie die gesunde Lehre nicht mehr ertragen … und sich den Fabeln zuwenden.“ – 2. Thess. 2, 11: „Darum sendet ihnen Gott kräftigen Irrtum, daß sie der Lüge glauben, damit sie gerichtet werden…“

Der Feind Gottes, Satan, hat immer das gleiche Ziel. Er möchte die Herrschaft über die Welt behalten und er möchte die Herrschaft des Sohnes Gottes, Jesu Christ, zunichte machen. Um dies zu tun, richtet er auf die Gemeinde, wo Christus der Herr ist, Angriffe von außen, aber auch von innen. Er versucht, durch Verlockung oder Terror, den Gehorsam der Jünger Jesu gegenüber ihrem Herrn zunichte zu machen. wo ihm das aber nicht gelingt, da dringt er in die Kirche ein und imitiert den Heiligen Geist.

Die folgenden Beiträge sind Auszüge aus der Arbeit verschiedener Autoren, die sich alle über Jahrzehnte theologisch und vor allem seelsorgerlich mit den schwierigen Fragen der schwarmgeistigen Verführung auseinandersetzen mußten. Die vollständigen Texte siehe letzte Seite.

Mögen diese Ausführungen vielen Glaubensgenossen eine geistliche Hilfe sein, zumal ja die Gemeinde Jesu in unserern Tagen neben den Verführungen in vielen Ländern Verfolgung erleidet. Und es sieht nicht danach aus, als würden die Zeiten friedvoller werden, vor allem durch die islamische Bedrohung.

Horst Koch, Herborn, im Mai 2007

 

Warum diesen Beitrag?

Das Thema »Zungenreden« ist eben nicht nur eine Lehrfrage: Es führt in der Tat zu einer Praxis, die das Leben von Millionen Christen und die Beziehung zwischen Gemeinden beeinflußt. Diese Streitfrage spaltet die Gemeinde in einer Zeit, in der sie es am allernötigsten hätte, den politischen, wirtschaftlichen, religiösen und okkulten Mächten gegenüber eins zu sein, welche ihre Existenz bedrohen. Seit einiger Zeit wird die Welt wieder vermehrt  mit Zeugnissen und Behauptungen über den Heiligen Geist überschwemmt.

Ich stelle bestürzt fest, daß sogar anerkannte Prediger sich nicht immer im klaren über den Sinn der biblischen Texte sind, die diese Frage behandeln. Wenige Christen bemühen sich, diese Frage gründlich in der Heiligen Schrift zu untersuchen.

Der einzige Maßstab: Das Wort Gottes

Das schlechte Verständnis des Wortes Gottes führt unweigerlich zu einem schlechten Verständnis seines Autors, dem Geist Gottes. Die Unkenntnis des Wortes Gottes stellt das größte Unglück unserer Generation dar. In den Gemeinden lehrt man sehr wenig über die Notwendigkeit, persönlich die Bibel in ihrer Gesamtheit zu studieren. Solange unser Schriftverständnis unzureichend bleibt, kann der Feind unsere Gedanken prägen und sie auf ein ungöttliches Ziel lenken.

Der Geist Gottes und das Wort Gottes können nicht voneinander getrennt werden.

Nachfolgend möchte ich mit Ihnen über einen besonderen Bereich der gegenwärtigen Verführungen – das Thema Zungenreden oder Sprachenreden – anhand der Ausführungen folgender Autoren nachdenken:

1. Ralph Shallis

2. Dr. Roger Liebi

3. Alexander Seibel

4. H. L. Heijkoop

5. Dr. Peter Beyerhaus

6. Dr. Kurt Koch


  –  Weitere Hinweise auf der letzten Seite –

 

1. »ZUNGENREDEN«  AUS BIBLISCHER SICHT    

von Ralph Shallis

  –  Auszüge  –  

 

Die Bibeltexte über die Geistesgaben

Wir können nur den wahren Sinn der Sprachengabe verstehen, indem wir die vollständige Bibellehre über die Geistesgaben in ihrer Gesamtheit berücksichtigen. Die Sprachengabe ist nur eine Gabe von vielen: Wir müssen sie in ihrem Rahmen betrachten. Um den Wert einer Musiknote zu schätzen, muß man sie innerhalb der ganzen Melodie hören. Um die biblische Lehre von der Sprachengabe genau einzuschätzen, ist es unerläßlich alles zu studieren, was Gott insgesamt über die Frage der Geistesgaben sagt.

Deswegen rate ich Ihnen dringend, die Bibeltexte über die Geistesgaben neu zu lesen:

Römer 12:3 8
1. Korinther Kapitel 12 bis 14
Epheser 4:1 16
1. Petrus 4: 10 + 11

Die Bibeltexte über die Sprachengabe

Es gibt in der ganzen Bibel nur fünf SteIlen, die das erwähnen. Drei davon sind äußerst kurz.

Der einzige Text des Herrn Jesus

  Markus 16:15 18

Die drei Lukastexte

Apg. 2:4 -11
Apg. 10:44 – 48
Apg. 19:1 – 7

Der einzige Paulustext

1.Korinther Kapitel 12 -14 bildet eine einzige Stelle:

Kap. 12:10,28,30
Kap. 13:1,8
Kap.14:33,39 40

Zuerst eine Bemerkung zu unserem evangelikalen »Jargon«

Das griechische »glossei lalein« (im Singular) bedeutet ganz einfach eine Sprache sprechen. Man würde dies nicht von seiner Muttersprache sagen: Die spricht man. Mehr nicht. Wenn man eine Sprache spricht, so handelt es sich um eine Fremdsprache, eine andere als die eigene.

Es wäre darum sehr viel vorteilhafter, den griechischen Ausdruck des Paulus in 1.Kor. 14 jedesmal mit dem deutschen Ausdruck »eine Sprache sprechen« (d.h. eine Fremdsprache) zu übersetzen. So könnten wir jenen fremdartigen Ausdruck ins Vergessen geraten lassen: »In einer Zunge reden«.

»In Zungen reden« (im Plural) ist eine falsche Übersetzung des griechischen Ausdrucks »glossais lalein«, der einfach bedeutet: »zwei oder mehr Sprachen sprechen«.

Paulus erwähnt in 1. Kor. 12: 10 und 28 »die Gabe, in verschiedenen Sprachen zu sprechen«. Den selben Ausdruck gebrauchen wir heute, um eine zwei- oder mehrsprachige Person zu bezeichnen.

Das wahre biblische Geheimnis besteht nicht darin, daß die Sprache unverständlich wäre, sondern darin, daß der Sprechende sich mit der Weisheit und übernatürlichen Macht Gottes ausdrückt. Der Vorgang ist wunderbar. Die Sprache ist aber eine menschliche Sprache.

Seit einigen Jahren gehört das Wort »Glossolalie« zu unserem christlichen Wortschatz. Dieser Begriff ist aus zwei griechischen Worten zusammengesetzt: glossa (= die Sprache, Zunge) und lalia (=das Reden; das Geschwätz; der Dialekt). Das griechische »Glossolalia« steht nicht im Wörterbuch. Es ist ein erfundenes Wort. Es bedeutet: »mit der Zunge reden« oder »eine Sprache sprechen«. Das Wort »Glossolalie« wirft im Grunde kein neues Licht auf die biblische Auffassung der Sprachengabe. Es verwirrt die Gedanken noch mehr. Ich gebrauche es nie, um die wahre biblische Gabe zu beschreiben, verschiedene Sprachen zu sprechen.“

 

Kapitel 1   DIE LEHRE JESU CHRISTI

DER MARKUSTEXT 16:17 (15 BIS 18)

Das ist das einzige Wort, das der Herr Jesus Christus uns zu diesem Thema hinterlassen hat. »Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung« (V.15).

»Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber nicht gläubig geworden ist, wird verdammt werden« (V. 16).

»Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden« (V.17).

»Sie werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden« (V.18).

KOMMENTAR

Halten wir folgende Tatsachen fest: Soweit wir wissen, hat der Herr Jesus niemals selbst »in einer Zunge« geredet. Außerdem lehrt er uns in seinen so ausgedehnten Unterweisungen nichts über diese Frage.

Woran dachte Jesus?

»Sie werden in neuen Sprachen reden«, sagt er (V. 17). Ich denke, daß wir uns alle einig sind, in den Ereignissen von Apg.2 und 10 eine Erfüllung dieser Prophetie zu sehen. Und doch findet dort die Voraussage Jesu nur eine stückweise Verwirklichung. Denn in keiner dieser beiden Stellen ist die Rede von Schlangen, noch von Gift, noch von Geisteraustreibungen und nicht einmal von Heilungen.

Es scheint mir genauso gewiß, daß der Herr in dieser Weissagung die gesamte Geschichte seiner Gemeinde voraussieht. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich alle diese Dinge tatsächlich erfüllt. Die Lebensläufe der großen Missionare enthalten allerlei außerordentliche Berichte.

Aber nichts in diesem Markustext erlaubt uns zu behaupten, daß jeder Jünger Jesu Christi unbedingt alle diese Dinge vollbringen wird. Diese Stelle wird jedoch oft angeführt, um ein allgemeines »Zungenreden« zu rechtfertigen und sogar um es allen Christen aufzuerlegen. Warum sagt man dann nicht, daß jeder nicht nur Kranke und Besessene heilen, sondern auch Schlangen aufheben und Gift trinken müße? Das wäre logisch … und grauenhaft!

Nein! Der Herr Jesus Christus sagt einfach voraus, daß die wunderbaren Sprachen ein Zeichen unter anderen wären, welche die Gemeinde im allgemeinen erfahren würde, aber nicht unbedingt jeder Glaubende.

Jesus blickte auf die Ernte

Jesus sieht viel weiter als die Sprachen in Apg.2. Sogar noch weiter als bis zu all den wunderbaren Ereignissen zur Zeit der Apostel. Die Worte des Herrn (die wir studieren) sind im Blick auf die Evangelisierung der Welt gesprochen und nicht im Rahmen von Lobpreisung oder der Erbauung der Ortsgemeinde. Im Augenblick, wo Jesus sagt: »Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung«, fügt er hinzu: »Sie werden in neuen Sprachen reden.«

»Neue« oder »unverständliche«?

Der Herr gibt keine Definition über die Sprachen, die er in seiner Prophetie meint. Er bezeichnet sie nur   und zwar nicht als »unverständlich«, sondern   als »neu«. Dieser Ausdruck trifft sehr gut auf die zahlreichen, oft schwierigen und damals unbekannten Sprachen zu, welche die Gesandten Christi im Laufe der Jahrhunderte erlernt haben. Welch ein Wunder der Hingabe und des Glaubens! Durch diese Sprachen wollte der Geist Gottes sein wahres Ziel erreichen: Christus allen Völkern auf der Erde bekanntzumachen. Wer kann dem widersprechen?

Wenn ein Mensch sein ganzes Leben hingibt, um eine komplizierte Sprache zu erlernen, das Neue Testament in diese Sprache zu übersetzen, Christus zu verkündigen und neue Gemeinden zu gründen, da wo Christus unbekannt ist   das ist in meinen Augen viel wunderbarer, als eine unverständliche Sprache zu reden, ohne je sein Haus zu verlassen. Als Jesus den Begriff »neue Sprachen« prägte, konnte er nur an diese große Volksmenge »aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen« denken, die einst, durch sein Blut erkauft, in seinem Reich sein wird.

Jesus sieht weiter

Der Herr Jesus sagt in seiner Weissagung in Markus 16: »neue Sprachen«. Der Apostel Paulus sagt: »Arten von Sprachen«. Keiner von beiden spricht von unverständlichen Sprachen.

Der Begriff des Paulus gene glosson in 1. Kor. 12:10 + 28 (welchen wir später untersuchen werden) rückt die Frage der Sprachengabe in den Vordergrund unserer geistlichen Schau.

Wie sein Lehrer Christus hatte Paulus die Evangelisierung aller Völker zum Ziel. Was er »die Gabe, Arten von Sprachen zu reden« nennt, war für ihn eng mit diesem Ziel verbunden.

Die Weissagung Christi fand ihre erste Verwirklichung in Jerusalem durch ein übernatürliches Wirken des Heiligen Geistes in der Form eines ganz wunderbaren »Sprachenredens«. Diese Tatsache nimmt aber nichts von der Schau der Weltevangelisierung des Herrn Jesus und des Paulus. Hatte der Herr nicht einige Tage zuvor gesagt, die Jünger hätten bis ans Ende der Erde Zeugnis zu geben? Und er fügte hinzu, daß ihnen die Kraft des Heiligen Geistes zu diesem bestimmten Zweck gegeben werden würde.

Evangelisieren… in welcher Sprache?

Nun ist es aber nicht möglich, ein Volk zu evangelisieren, ohne die Sprache dieses Volkes zu sprechen. Heute ist es die dringendste Aufgabe der Gemeinde Christi, die Bibel zu übersetzen und mit allen verfügbaren Mitteln die Völker zu evangelisieren, die noch immer nicht das Evangelium kennen. Für unseren Herrn haben die Sprachen eine Bedeutung, die wir nicht unterschätzen können. Damit der Logos, d.h. das Wort Gottes jeden Menschen erreiche, muß dieser Logos zugänglich gemacht werden.

Wenn er es wollte, könnte der Geist Gottes die Welt selbst auf wunderbare Weise evangelisieren. Christus hat jedoch die Evangelisierung der Völker den Menschen anvertraut. Das göttliche Wort kommt durch Menschen zum Menschen. Ebenso hat Gott in der Bibel in menschlicher Sprache zu uns geredet. Er ist selbst Mensch geworden, um die Menschheit zu retten. Und er hat es angeordnet, daß die Menschen durch die Verkündigung des Evangeliums gerettet werden sollen: Und zwar eine Verkündigung in ihrer eigenen Sprache.

Der Herr Jesus verlangt eine ganz ernsthafte Vorbereitung auf den Dienst für ihn … und das gilt für das Erlernen einer Sprache, wie auch für das Bibelstudium.

Jesus will, daß seine Gemeinde wortwörtlich »neue Sprachen« redet. Paulus will, daß sie »Arten von Sprachen« redet: echte Sprachen, die Sprachen der Menschen, die das Wort Christi hören sollen.

Ein Horizont öffnet sich

Wenn Sie nicht wissen, was Sie aus Ihrem Leben machen sollen   warum dann nicht eine Sprache erlernen? Warum sollten Sie Gott nicht um Hilfe bitten, eine der 1500 Sprachen zu erlernen, in denen es immer noch keine einzige Seite der Bibel gibt? Oder vielleicht Griechisch oder Hebräisch oder Arabisch… oder Englisch, das so reich an Bibelliteratur und so nützlich im Werk Gottes ist?

Das Übernatürliche wirkt durch das Natürliche hindurch

Wir dürfen eine ganz natürliche Fähigkeit nicht mit der Gabe verwechseln, die der Geist Gottes uns gewähren will. Trotzdem müssen wir bedenken, daß unser Schöpfer die Seinen schon vor der Erschaffung der Welt kannte. Wenn er z.B. einen Menschen mit einer schönen Stimme oder einem hochentwickelten Verstand für Mathematik erschaffen hat, so hat dies seinen Grund. So verhält es sich auch mit der natürlichen Gabe, Sprachen zu erlernen und zu sprechen, die Gott gewissen Menschen geschenkt hat. Es ist ein Irrtum anzunehmen, die Geistesgabe habe nichts mit den rein menschlichen Eigenschaften zu tun, die Gott geschaffen hat. Gott will den ganzen Menschen mitsamt seinen natürlichen Fähigkeiten. Sie müssen mit Christus in seinen Tod getauft werden, um in Neuheit des Lebens »aufzuerstehen«. Die natürlichen Fähigkeiten des Menschen werden durch eine göttliche Tat verwandelt. Auf dieselbe Weise kann auch unsere Zunge, wenn sie einmal in Christus »gestorben«, »getauft« worden ist, zu einem Werkzeug werden, durch das Gott der Welt das ewige Leben schenkt.

Die Sprache: Das beste Werkzeug des Heiligen Geistes

Eine echte Beziehung zwischen zwei Menschen kann nur mit Hilfe der Sprache entstehen. Nur wenn wir die Sprache eines Menschen kennen, können wir seine Gedanken tief verstehen. Der Geist Gottes will unsere Sprache benützen. Dazu muß er aber unseren ganzen Leib beherrschen. Es besteht folglich ein direkter Zusammenhang zwischen der Evangelisierung und der Fülle des Geistes. Die Völker können nur erleuchtet werden, wenn wir unsere Person ganz Gott hingeben. Wenn die Sprache seines ganzen Volkes wirklich zum Träger des unaussprechlichen Wortes Gottes wird, dann endlich wird der Wille Gottes auf Erden geschehen wie im Himmel.

Die Beziehung zwischen Apg. 2 und Markus 16

In Apg. 2 schenkte der Heilige Geist den Aposteln nicht die Gabe, »in Sprachen« zu reden, um »den Leuten den Atem zu rauben«; auch nicht, damit die Apostel »sich wohl fühlten« oder um sie zu »segnen«. Angesichts dieses Völkergemisches ergriff der Geist diese einzigartige Gelegenheit, einen tiefen geistlichen Kontakt mit den verschiedenen Sprachgruppen herzustellen. Er zeigte der jungen Gemeinde ihre Mission: Die Welt mit der Kenntnis Christi zu erfüllen…

Wir kommen zu folgender Schlußfolgerung: Es ist die unumgängliche und vorrangige Verantwortung der Gemeinde, alle menschliche Sprachen zu erlernen, um die Bibel in diese Sprachen zu übersetzen und zu verkündigen.

Eine fantastische Gabe

Ein einziges Beispiel sei erwähnt: William Carey. Man nennt ihn mit Recht den »Vater der modernen Mission«. Er wurde 1761 in einer armen englischen Familie geboren. Sehr früh, als er noch seinen Lebensunterhalt als Schuster verdiente, lernte er Latein, Griechisch, Hebräisch, Französisch und Holländisch. Mit 32 Jahren zog er mit einer kleinen Mannschaft aus, um das Evangelium in Indien zu verkündigen. Ziemlich rasch lernte er Sanskrit und Bengali, und es gelang ihm, die Bibel zunächst in Bengali zu übersetzen. Bevor er mit 73 Jahren starb, hatte er die Bibel ganz oder teilweise in nicht weniger als 44 Sprachen und Dialekte des Subkontinents selbst übersetzt oder übersetzen lassen. Er ließ diese Übersetzungen sogar auf einer von ihm selbst in Serampore verfertigten Presse drucken, die seinen eigenen finanziellen Möglichkeiten entsprach.

Werden Sie mir jetzt sagen, dieser Mann habe nicht die Sprachengabe gehabt?

Gottes Wirklichkeitssinn

Gott ruft mir in Erinnerung, daß er Realist ist. Ihn interessiert vor allem:

  Die Verkündigung des Evangeliums da, wo Christus noch unbekannt ist;

  Die Übersetzung der Bibel in jede irdische Sprache;

  Die Gründung junger Gemeinden da, wo es keine gibt.

Gottes Ziel ist vor allem das Heil der Seelen. Einem bereitwilligen Menschen, einer gehorsamen Gemeinde will Gott den Verstand, die Kraft und die Gnade seines Geistes geben, damit sein Ziel erfüllt wird. Wahre Zeichen   seien sie »wunderbar« oder »natürlich«   begleiten die Glaubenden, die seinem Wort gehorchen.

 

Kapitel 5 – DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN DEN TEXTEN VON LUKAS UND PAULUS

ZUR AUSLEGUNG DES PAULUSTEXTES

Paulus ist der einzige Apostel, der von der Sprachengabe spricht. Seine ganze Lehre über diese Frage befindet sich in einem einzigen Abschnitt: 1. Korinther 12, 13 und 14. Diese drei Kapitel bilden einen einzigen Gedankengang.

Paulus gibt keinerlei Beschreibung der wunderbaren Sprachen. Er berichtigt nur ihre Mißbräuche, und er redet nur von ihrem Zweck. Wir dürfen uns nicht allein auf seinen einzigen Text beziehen, um den Sinn des Sprachenredens herauszufinden und dabei die ganze restliche Schrift und vor allem den Schlüsseltext Apg.2 – den einzig wirklich klaren Text – beiseite lassen. Sonst sind wir immer ein Opfer unserer eigenen oder fremder Vorurteile oder unserer manchmal irreführenden Erfahrungen. Es ist töricht, die Tür zu einer Lehre öffnen zu wollen, ohne den Schlüssel zu benutzen.

Wenn Paulus in diesem Abschnitt mit der Sprachengabe eine ganz andere Gabe als in Apg.2 gemeint hätte, so hätte der Heilige Geist den Paulus ohne Zweifel dazu getrieben, es uns zu sagen.

Aber der Geist Gottes hält es nicht für nötig, irgend etwas zu den Erklärungen hinzuzufügen, die er uns schon im Text des Lukas gegeben hat. Um die Lehre des Paulus über die Sprachen zu verstehen, müssen wir die Grundregeln zur Auslegung des Bibeltextes berücksichtigen.

1. Nichts zur Schrift hinzufügen

2. Die ganze Schrift nehmen

3. Die Schrift durch die Schrift auslegen

Gott gibt uns einen Schlüssel. Er hat in die Bibel eine ganz klare Stelle gelegt, die keine Zweideutigkeit enthält: Apg.2:1 11. Man gerät in Verwirrung, wenn man den Text von 1.Kor. 14 erklären will, ohne das von Gott bereits geschenkte Licht zu gebrauchen.

Wir müssen die undeutlichen Stellen anhand der völlig klaren Stellen erklären.

Biblische Gründe haben mich dazu geführt, zu glauben, daß für Paulus die wunderbaren Sprachen dieselben sind wie die, welche Lukas so ausführlich beschrieben hat. Wenn Paulus von »Sprachen« redet, meint er echte, den Menschen bekannte Sprachen. Denn obwohl Paulus die wunderbaren Sprachen nicht beschreibt, gibt er uns doch eine äußerst klare Definition ihres Zweckes: »Daher sind die Sprachen zu einem Zeichen… für die Ungläubigen«…, genau wie in Apg. 2.

ZWEI GRUPPEN VON WUNDERBAREN SPRACHEN?

Wenn man 1. Kor.14 oberflächlich liest, hat man den Eindruck, daß die Sprachen, von denen Paulus redet, scheinbar unverständlich sind. Sie scheinen von den Sprachen in Apg. 2 völlig verschieden zu sein, wo es sich um echte menschliche Sprachen handelt. Eine aufmerksame Lektüre zeigt jedoch, daß Paulus die Auffassung der Korinther über diese »Gabe« mißbilligt.

Gibt es in der Tat einen Unterschied zwischen den korinthischen Sprachen und denen der Apostelgeschichte, so deshalb, weil die meisten Kundgebungen in Korinth nicht der biblischen Norm entsprechen: Es handelt sich um eine falsche Auffassung und eine falsche Anwendung dieser Gabe. Man imitierte das echte Sprachenreden mit wiederum einer Imitation des Tranceredens des Orakels von Delphi. Damit war auch für Paulus eine unerwartete Situation entstanden, die ihm viel seelsorgerliches Geschick abforderte.

Gott verwirrt uns nicht

Paulus zeigt keinen Unterschied auf zwischen den Sprachen der Urgemeinde in Jerusalem und denen, die er selbst in Ephesus (Apg. 19) gekannt hat. Das Verhalten der Korinther dagegen betrachtet er als »kindisch« und ihr unverständliches Reden als »in den Wind geredet«.

Es ist gut, die Schrift immer auf die »normalste« Weise zu verstehen. Gott ist Licht, und sein Wort ist Licht. Ich halte es für unbegründet, anzunehmen, es gäbe im Neuen Testament zwei Gruppen des von Gott kommenden Sprachenredens.

PAULUS UND LUKAS WIDERSPRECHEN SICH NICHT

Man hat gewiß Unrecht, zwischen der Apostelgeschichte und dem 1. Korintherbrief des Paulus einen Widerspruch bauen zu wollen. Beide Bücher entspringen derselben Quelle. Sie ergänzen einander und stammen sogar aus derselben Zeit.

1.) Woher hat Lukas seine Informationen bezogen? Lukas war das geistliche Kind des Paulus. Durch den Verfasser von 1. Kor. 14 wurde der Verfasser der Apostelgeschichte bekehrt und ausgebildet. Wer anders hätte ihm seine grundlegenden Kenntnisse vom Ursprung der Gemeinde und den wunderbaren Sprachen in Apg.2 vermittelt, als Paulus und sein Mitarbeiter Silas? Dieser Paulus hatte zusammen mit Silas die Gemeinde in Korinth gegründet.

Silas, der Begleiter des Paulus, stammte aus der Gemeinde in Jerusalem. Er konnte also gewiß dem Lukas sehr wertvolle Einzelheiten über die Urgemeinde und die Ereignisse von Apg. 2 mitteilen.

2.) Während Lukas die Apostelgeschichte verfaßte, war er der vertraute Wegbegleiter des Paulus. Lukas hatte Paulus und Silas in den Jahren 49 oder 50 n.Chr. in Troas kennengelernt, wo er sich bekehrte. Er begleitete sie dann nach Macedonien, wo er an der Gründung der Gemeinde in Philippi beteiligt war. Im Jahre 57 schloß sich Lukas wieder der Mannschaft des Paulus an und reiste mit ihm nach Troas. Lukas begleitete Paulus auf seiner letzten Reise nach Jerusalem, wo Paulus festgenommen wurde. Sicher konnte dort Lukas die Einzelheiten von Apg.2 bei anderen Augenzeugen an Ort und Stelle nachprüfen. Lukas blieb noch bei Paulus während der zwei Jahre der Gefangenschaft in Cäsarea. Hier hatte Lukas Gelegenheit, die Einzelheiten von Apg. 10 zu überprüfen. Ohne Zweifel geschah dies bei Philippus, bei dem er zusammen mit Paulus gewohnt hatte (Apg.21:7 8).

Es ist undenkbar, daß Paulus während dieser vier Jahre engsten Zusammenlebens mit seinem geistlichen Kind nicht gewußt hätte, daß Lukas seine Apostelgeschichte niederschrieb, in der das Leben und der Dienst des Paulus den größten Platz einnehmen!

Das geschichtliche Schriftstück des Lukas spiegelt unvermeidlich den Gedanken des Apostels wider. Man kann es nicht von den Schriften des Paulus trennen. Die Apostelgeschichte und die Briefe ergänzen sich.

3.) Wer anders vermittelte Lukas den Bericht über die Spra¬chen in Apg. 19, wenn nicht Paulus selbst? Denn wir dürfen nicht vergessen, daß Paulus, als die Jünger des Johannes in Sprachen redeten, persönlich in Ephesus anwesend war.

Ist es denkbar, daß die Sprachen in Apg. 19, deren Zeuge Paulus in Ephesus war, ein von den Vorgängen in Apg.2 oder Apg. 10 völlig verschiedenes Geschehen waren

4.) Der 1. Brief des Paulus an die Korinther stammt aus dem Jahr 54. Paulus kam ungefähr im Jahr 60 als Gefangener nach Rom. Der Brief des Paulus wurde 6 oder 8 Jahre vor dem Bericht des Lukas geschrieben. Das bedeutet, daß die Gedanken des Paulus über die Sprachengabe schon   und zwar schon seit langem   klar geprägt waren. Es ist unvorstellbar, daß Lukas dies nicht berücksichtigt hätte; vor allem da er den Bericht vom Aufenthalt des Paulus in Ephesus in sein Kapitel 19 aufnahm.

5.) Paulus ist der geistliche Vater des Lukas und der Gemeinde in Korinth. Können wir glauben, daß er ihnen zwei einander widersprechende Lehren gegeben hätte?

Ich persönlich glaube, daß die Heilige Schrift ein echtes Sprachenreden kennt, das göttlichen Ursprungs ist: Das Sprachenreden, welches Lukas in Apg.2 beschreibt. Ich glaube ebenfalls, daß Paulus in dem einzigen Text, den er der Frage widmet, nur dieses selbe Sprachenreden vor Augen hat: 1.Kor. Kapitel 12 bis 14. Daß sich Falsches in Korinth eingeschlichen hatte, ist das eigentliche Problem.

 

Kapitel 6  DIE GEMEINDE IN KORINTH

EINE PROBLEMGEMEINDE

Wenn wir den geistlichen Zustand kennen, in dem sich die Gemeinde befand, an die Paulus diese Lehre richtete, verstehen wir das Ziel und den Sinn seiner Beweisführung.

Wie schon gesagt, schrieb er seinen ersten Brief an die Korinther, um Ordnung in die allgemeine Verwirrung zu bringen, die in der Korinther Gemeinde herrschte. Paulus  behandelt darin der Reihe nach nicht weniger als zwölf Probleme. Jedesmal wirft er den Korinthern schwerwiegende Fehler vor und verurteilt die Unordnung, die daraus entstand.

1. Spaltungen (1.Kor.1:10 16; 3:1 15; 4:1 21; 2.Kor.12:20 )

2. Ihr Festhalten an menschlichen Philosophien auf Kosten ihres Glaubens an Christus (1.Kor.1:17 2:16; 3:16 23; 4:6 15; 2.Kor.10:1 11:15).

3. Ein Fall von skandalöser Unzucht (1.Kor.5:1 13 und 6:9 20).

4. Rechtsstreitigkeiten zwischen Brüdern vor den Gerichten einer ungläubigen Welt (1.Kor.6:1 8).

5. Verwirrte Ideen über Ehe und Zölibat (1.Kor.7:1 40; 9:1 15; 11:3 16).

6. Mit dem Götzendienst verbundene Praktiken, d.h. Okkultismus, den sich manche Brüder unter dem Vorwand erlaubten, sie seien durch Christus befreit worden (1.Kor.8: 1 11:1 und besonders 10: 14 22. Ebenso 2.Kor. 6:11 17).

7. Die Abweichung in der Lehre ging soweit, die Auferstehung anzuzweifeln (1.Kor. 15).

 

Kapitel 8  UNTERSUCHUNG DER DREI PAULUSTEXTE IN 1. KORINTHER 12

Nach dieser Zusammenfassung der Lehre des Paulus über den wahren Charakter der Geistesgaben in Kap. 7  können wir endlich untersuchen, was er die Gabe, »Arten von Sprachen« zu sprechen, nennt. Sie, mein lieber Leser, können nichts Besseres tun, als die drei Kapitel (12, 13 und 14 des 1. Korintherbriefes) hintereinander und am Stück mehrmals durchzulesen. Auf diese Weise werden sie den Überblick gewinnen und den allgemeinen Sinn dieses ganzen Abschnittes erfassen. Danach sind die Einzelheiten viel leichter zu verstehen.

1. KORINTHER 12:10 UND 28

In den Versen 7 bis 10 und 28 bis 30 gibt Paulus zwei repräsentative Auflistungen der Geistesgaben. (Ebenso Röm.12:3 8 und Eph.4:7 16.)

  V. 10: »… einem anderen aber (wird gegeben) Arten von Sprachen« (gr.: gene glosson).

  V.28: »Und die einen hat Gott in der Gemeinde gesetzt… sodann… Arten von Sprachen« (gr.: gene glosson).

Was bedeutet der griechische Ausdruck »gene glosson«?

Die revidierte Elberfelder übersetzt diesen Ausdruck mit »(verschiedene) Arten von Sprachen«. Das Wort genos (im Plural: gene), das hier mit »Arten« übersetzt wird, ist interessant. Es bedeutet im wesentlichen »Nachkommenschaft« oder »Familie«. Von daher hat das Wort leicht die Bedeutung »Rasse, Nationalität« gewonnen. Im Neuen Testament bezieht es sich mindestens siebenmal (den Text, den wir untersuchen, ausgenommen) auf Nationalitäten. In den anderen Fällen bedeutet es entweder »Familie« oder »Sorte« oder »Art«. Im hebräischen Text des Alten Testaments hat übrigens das Wort »Familie« oft die Bedeutung von »Nation«. Der Ausdruck »alle Familien der Erde bedeutet »alle Nationen«.

Sprachen oder Pseudo Sprachen?

Paulus gebraucht nicht das griechische Wort phone, das eine fließende Bedeutung hat. Man könnte es mit »Stimme« oder »Ton«  übersetzen. Er sagt stattdessen glossa, was sehr genau »eine Sprache«, eine echte Sprache bedeutet. Es handelt sich um Sprachenfamilien (zweimal Plural).

Diese beiden Stellen allein helfen uns zu begreifen, welchen Sinn Paulus der Sprachengabe gibt. Es ist offensichtlich, daß er an menschliche Sprachen denkt, genau wie in Apg. 2. Nichts in diesen Texten läßt die Vermutung zu, er habe ein unverständliches Reden im Sinn.

Anders ausgedrückt: Der Geist Gottes rechnet zu den Gaben, die er der Gemeinde schenkt, die Gabe, echte menschliche Sprachen zu sprechen, die nicht der Gemeinschaft eigen sind, zu der wir gehören.

Es ist klar, daß diese Art von Gabe für das Werk Gottes unendlich viel nützlicher ist, als ein unverständliches Reden.

Unser Text hebt zwei andere interessante Punkte hervor. Paulus sagt (Kap.2 V.4): »Einem anderen aber (wird gegeben) Arten von Sprachen.« Er sagt nicht »Sprache«, sondern »Sprachen« im Plural. Er sagt auch nicht, daß diese Sprachen unter alle Glieder der Gemeinde verteilt werden. Sondern daß sie einem Einzelnen gegeben werden: »Einem anderen … « (Singular).

Hier wird eine höchst aktuelle Frage aufgeworfen. Mehr als je zuvor braucht die Gemeinde Christi heute Männer und Frauen, die zwei oder mehrere Sprachen beherrschen. Unsere Brüder in den Entwicklungsländern brauchen immer mehr Helfer aller Art. Die Mehrzahl der menschlichen Sprachen leiden unter einem unentschuldbaren Mangel an christlicher Literatur. Durch Rundfunk, das gedruckte Blatt, Wanderausstellungen, Übersetzungen von Predigten können wir der Gemeinde helfen, ihre geistlichen Reichtümer allen mitzuteilen. Sagen Sie mir bitte nicht, diese Art von Dienst sei »weniger geistlich« als der Gebrauch einer unverständlichen Sprache, selbst wenn sie für »engelisch« gehalten wird. Gottes Ziel ist vor allem die Evangelisierung der Welt, das Heil der Seelen und die Auferbauung seines Volkes.

Ja! Ich glaube an die wunderbaren Sprachen, wie wir sie in Apg.2 sehen! Aber ich glaube ebenso fest an die Sprachen der Menschen in unserer modernen Welt, die von einer teuflischen Bosheit gequält wird. Es ist unsere Aufgabe, ihnen die Botschaft des Christus zu bringen, sie den »ganzen Ratschluß Gottes« zu lehren… Und wie können wir das tun, wenn wir nicht in ihrer eigenen Muttersprache zu ihren Herzen reden können? Dieses letztere Wunder ist wahrlich größer als das erstgenannte.

Paulus stellt die Sprachengabe an den Schluß jeder der beiden Gabenlisten in diesem Kapitel (V. 10 und 28). Im Vers 28 erkennt Gott eine Abstufung in der relativen Bedeutung der verschiedenen Geistesgaben an. »Und die einen hat Gott in der Gemeinde gesetzt erstens zu Aposteln, zweitens zu Propheten, drittens zu Lehrern, sodann… sodann… (und an letzter Stelle diejenigen, welche die Gabe haben) Arten von Sprachen zu sprechen.«

Paulus will nicht, daß die Glaubenden in Korinth dieser Gabe eine übertriebene Bedeutung beimessen. Er faßt seine Haltung in folgendem Satz zusammen: »Eifert aber um die größeren Gnadengaben.« Und das ist ein Befehl!

Zum Abschluß noch folgender Aspekt:

Kapitel 22  1. KORINTHER 14:21

Wir kommen jetzt zum Höhepunkt unserer Studie. Bisher haben wir alle Texte des Neuen Testamentes in allen EinzelIteiten untersucht, die sich auf das Sprachenreden beziehen…. mit einer einzigen Ausnahme: 1.Kor.14:21, wo Paulus die Weissagung des Jesaja anführt.

Diese Prophetie trifft so auf unsere Generation zu und scheint mir so schwerwiegende Auswirkungen zu haben, daß ich ihr eine besonders gründliche Studie hinsichtlich ihrer Bedeutung im Alten wie im Neuen Testament gewidmet habe. Vers 21:

»Es steht im Gesetz geschrieben: Ich will durch Leute mit fremder Sprache und durch Lippen Fremder zu diesem Volk reden, und auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr.«

Im Gesetz ist geschrieben, daß durch Menschen eine fremde Sprache sprechend und durch die Lippen Fremder ich reden werde zu diesem Volk und sie werden sogar so nicht auf mich hören, spricht der Herr.

DIE VISION DES JESAJA UND DES PAULUS

Die Paulusbriefe sind überall voller Anspielungen auf die Schriften des Alten Testaments. In seinem Kapitel 14 zitiert er das Alte Testament nur einmal. Diese Tatsache führt uns dazu, diesem wörtlichen Zitat aus Jes.28:11 12 eine ganz besondere Bedeutung beizumessen. Ich bin sprachlos, wenn dieser Vers zitiert wird, um die Glossolalie zu rechtfertigen.

Der Zusammenhang der Weissagung Jesajas

Die Kapitel 28 bis 33 bilden einen zusammengehörenden Abschnitt im Werk des Propheten. Sie sind ein Buch für sich, das wir »das Buch der sechs Wehe« nennen könnten. Es enthält in der Tat sechs Unterteilungen, die alle mit dem Wort »Wehe … « beginnen (28: 1; 29:2,15; 30: 1; 3 1: 1; 33:6). Sein In¬halt zeigt, daß Jesaja dieses Buch kurz vor der Zerstörung der zehn Stämme des Königreichs Israel geschrieben hat… Zehn Jahre nach der von Paulus angeführten Weissagung wurde das Königreich Israel tatsächlich verwüstet. Sein Volk wurde unter die Nationen zerstreut und sein Land von Fremden besetzt, die den Herrn nicht kannten. Kurz vor dieser Katastrophe ruft Jesaja aus (28:2):

»Siehe, einen Starken und Mächtigen hat der Herr. Wie ein Hagelwetter, wie ein verheerender Sturmwind … « (gemeint ist der König von Assyrien). Jesaja verurteilt sogar die Priester und die Propheten, die zu sehr betrunken waren, um Recht zu sprechen. Sie spotteten über seine Botschaft. Sie taten sie als Kinderei ab und sagten (V.9 10):

»Wen soll er Erkenntnis lehren?… Denn es ist … Vorschrift auf Vorschrift … hier ein wenig, da ein wenig! … «

Gott antwortet dann durch den Mund des Jesajas auf ihre Spottreden:

»Ja, durch stammelnde Lippen und durch eine frem¬de Sprache wird er zu diesem Volk reden. «

Tatsächlich hat Gott dann »durch eine fremde Sprache« zu diesem widerspenstigen und abgefallenen Volk geredet. Er redete zu ihnen durch die vielsprachigen Armeen des Königs von Assyrien, die aus allen Volksgruppen seines Reichs rekrutiert worden waren. Gott redete zu Israel in den unverständlichen Sprachen derer, die sein Land zerstören und seine Bevölkerung wegführen sollten. Die Sprachen dieser Weissagung sind die Sprachen des Feindes. Wie könnte es klarer sein?

Gott redet in der Tat im Notfall zu seinem Volk in Spra¬chen. Aber diese Sprachen bringen kein Heilmittel, keine Hoffnung. Sie sind eher das Vorzeichen einer endgültigen Bestrafung durch den Herrn.

Diese Schlußfolgerung wird durch das ernsthafte und vollständige Studium der Kapitel 1 bis 39 des Buches Jesaja mächtig verstärkt. Wenn wir diese Prophetien und den geschichtlichen Bericht der Königsbücher nebeneinander legen, wird die Botschaft des Propheten erschreckend klar angesichts der Sünde seiner Generation.

JESAJA ZITIERT SEINERSEITS DIE WEISSAGUNG MOSES

Paulus sagt: »Es steht im Gesetz geschrieben … « und doch zitiert er nicht das Gesetz Moses, sondern den Propheten Jesaja! Wie ist dieser scheinbare Irrtum zu erklären?

Mose fügte eine große Weissagung in sein Gesetz ein. Er sagte voraus, daß Israel, wenn es im Ungehorsam verharrte, durch eine Nation von unverständlicher Sprache überfallen und in die Gefangenschaft geführt werden würde.

»Der Herr wird von ferne, vom Ende der Erde her, eine Nation über dich bringen. Wie der Adler fliegt (so kommt sie), eine Nation deren Sprache du nicht verstehst, eine Nation mit hartem Gesicht, die für den Alten keine Rücksicht kennt, und für den Jungen keine Gnade« (5.Mo.28:49,50).

Genau das trat ein:

Im Jahre 721 v.Chr. zerstörten die Assyrer Samarien.

Im Jahre 586 v.Chr. zerstörten die Babylonier Jerusalem.

Im Jahre 70 nach Christus zerstörten die Römer Jerusalem und zerstreuten die Juden in alle Länder der Erde.

Mehrere Jahrhunderte später greift Jesaja in seiner Weissagung auf die Voraussage Moses zurück, um sie auf seine eigene Generation anzuwenden. Paulus hat also völlig recht, wenn er die Weissagung Jesajas dem Gesetz Moses zuschreibt.

Jesaja führt nur Mose an, wie Paulus jetzt Jesaja anfuhrt. Es handelt sich um eine einzige Weissagung.

Paulus schreibt die Worte Jesajas entschlossen Mose zu. So entzieht er ihre Bedeutung jedem Streit. Daraus folgt, daß Paulus die »unverständlichen Sprachen« von Jesaja 28 als eine Drohung Gottes ansieht. Sie sind ein letztes Vorzeichen seines Strafgerichts über sein ungehorsames und ungläubiges Volk.

Die Botschaft Jesajas

Wie die anderen Propheten verbrachte Jesaja sein Leben damit, die Menschen seiner Zeit zur Buße zu rufen. Gott hatte schon seit langem durch das Gesetz und die Propheten zu seinem Volk Israel geredet. Aber als das Volk nicht nur das Gesetz, sondern auch die Propheten Gottes verworfen hatte, blieb Gott nur eine »Redeweise« übrig, um seine Gerechtigkeit auszudrücken: Die Bestrafung (2. Könige 17:13). Gott redet zu ihm durch »das Schwert seines Mundes« (Offb. 2:16). Weil sein verhärtetes Herz und sein taubes Ohr den Warnungen Gottes gegenüber unempfindlich sind, hört das Volk nur noch eine verworrene Stimme, ein unverständliches Reden. Es wird von der Bestrafung überrascht. Das seit langem angekündigte Gericht kommt unerwartet.

Weder Jesaja noch Jeremia vergessen diese sehr bedeutungsvolle Einzelheit der Weissagung Moses: Die Ankunft des Tages des Gotteszorns wird durch die unverständlichen Sprachen der feindlichen Mächte angekündigt werden. Für Jesaja, wie für Jeremia und wie auch für Mose sind diese unverständlichen Sprachen die feierliche Warnung Gottes, daß sein Mitleid erschöpft ist. Gewiß, Gott redet noch, aber sein »Wort« wird unfaßbar. Es ist für das blinde und taube Volk unverständlich. Es wird zum unwiderruflichen Zeichen seines Strafgerichts. Die Sprachen der Mächte der Finsternis werden das falsche Zeugnis einer bösen und ehebrecherischen Generation vernichten.

Das ist ein Grund mehr für Paulus, die Sprachen ein »Zeichen für die Ungläubigen« zu nennen. Als Israel das Wort nicht mehr hören wollte, änderte Gott seine Methode und redete durch das Schwert der heidnischen Nationen zu ihm. Statt die klare Rede der Propheten zu benützen, sprach er jetzt durch die Sprachen der Eroberer zum Volk. Hat Gott nicht durch die schreckliche Botschaft Hitlers und Stalins zur Christenheit »geredet« … wie er sie heute noch durch die Stimmen der Weltmächte warnt, die dem Evangelium feindlich gesinnt sind?

JESAJA 33:19

Im weiteren Verlauf seiner Weissagung spielt Jesaja erneut auf die unverständlichen Sprachen an. Sein Buch enthält auch wunderbare Verheißungen über die Wiederherstellung am Ende der Zeiten, im Reich Christi (32:1 5). Gott verspricht seinem Volk endgültigen Frieden und Sicherheit (33:16 19). Es wird keine feindlichen Invasionen mehr zu befürchten haben (V.18), denn Gott sagt:

»Du wirst das freche Volk nicht mehr sehen, das Volk mit dunkler Sprache, die man nicht versteht, mit stammelnder Zunge, ohne Sinn« (V.19).

Die unverständliche Rede war das Zeichen des Zornes Gottes, war Zeichen für das ungläubige Volk. Sie wird keinen Platz mehr unter denen haben, die von ihren Sünden und ihrem Unglauben erlöst sind.

»So werden deine Ohren ein Wort hinter dir her hören: Dies ist der Weg, den geht« (30:21)!

»Deine Augen werden den König schauen in seiner Schönheit« (33:17).

Das Volk war grausamen Invasionen und der Gefangenschaft unterworfen. Die Verheißung, diese unverständlichen Sprachen nicht mehr zu hören, war ihm gleichbedeutend mit Friede, Freude und göttlichem Segen.

KOMMENTAR ZU JEREMIA 5:15

Etwa hundert Jahre nach der Weissagung Jesajas stand Jeremia auf und verurteilte den Unglauben und Abfall des kleinen Königreichs Juda. Er sagte eine Invasion durch einen »Verderber der Nationen« voraus (4, 6 7).

»Es ist eine unverwüstliche Nation. Es ist eine Nation von Alters her, eine Nation, deren Sprache du nicht kennst und deren Rede du nicht verstehst. Ihr Köcher ist wie ein offenes Grab. Sie sind alle Helden. Und sie wird deine Ernte verzehren und dein Brot, sie werden deine Söhne und Töchter verzehren … « (5,15 17).

So wendet Jeremia seinerseits die feierliche Warnung des Gesetzes Moses auf das jüdische Volk seiner Generation an. Er sagt dessen Zerstörung durch die grausamen Armeen der Chaldäer aus Babylon voraus. Für Jeremia, wie für Jesaja, wie für Mose selbst waren die »fremden« oder »barbarischen« Sprachen die Sprachen des Feindes, das Zeichen des Zornes Gottes über sein ungehorsames Volk.

DIE WEISSAGUNG JESU CHRISTI

Die alte Voraussagung Moses wurde wieder aktuell im Munde des Sohnes Gottes, als dieser einmal mehr die Zerstörung Jerusalems ankündigte. Er spricht nicht nur über die Zerstörung im Jahre 70 unseres Zeitalters, sondern auch über die Zerstörung am Ende der Zeiten. In der Tat zerstörten die römischen Armeen, deren Legionäre unter allen damals bekannten Sprachgruppen rekrutiert wurden, zugleich die Stadt und das Heiligtum Gottes in Jerusalem. Sie führten das Volk in die Gefangenschaft, so daß es bis ins gegenwärtige Jahrhundert in alle Länder der Erde zerstreut war.

EIN ZEICHEN FÜR DAS UNGLÄUBIGE ISRAEL?

Ja, in der Apostelgeschichte wie im Alten Testament sind die Sprachen ein besonders an das Volk Israel gerichtetes Zeichen. Der Geist Gottes äußerte sich bei der Gemeindeentstehung in einer Vielfalt von Sprachen, um so Israel an den Sinn seines Daseins zu erinnern und den Segen Abrahams »für alle Nationen auf Erden« zugänglich zu machen. Zur Zeit der Apostel wollte Israel nicht das Ausmaß der Großzügigkeit Gottes erkennen. Deshalb redete Gott zu ihm in den Sprachen jener ach so verachteten »anderen« Nationen. Die wunderbaren Sprachen des Pfingsttages waren darum ein Zeichen des Strafgerichts Gottes über den Unglauben seines irdischen Volkes.

Dreimal redet der Geist Gottes in der Apostelge¬schichte auf diese Weise zu den Juden. Durch diese drei Kundgebungen wollte der Geist Gottes der leiblichen Nachkommenschaft Abrahams zu verstehen geben, daß die frohe Bot¬schaft für alle Völker bestimmt war. Statt an diese wunderbare Vision zu glauben, fiel Israel in eine endgültige Ablehnung der Gnade Gottes. Es wurde durch die gleichen Sprachen verurteilt, in denen es die Wahrheit des Evangeliums allen Nationen auf Erden hätte mitteilen sollen. Wenig später wurden diese gleichen Sprachen für das abfällige Volk zu einer furchtbaren Wirklichkeit, als die römischen Legionen sein Erbteil zerstörten. So waren die Sprachen ein Zeichen für Israel. Dieses Zeichen führte zu zwei einander völlig entgegengesetzten Ergebnissen:

  Zunächst überzeugte Gott durch dieses Zeichen die dreitausend Ungläubigen, die sich der Predigt des Evangeliums öffneten, und führte sie zum Glauben.

  Dann verurteilte Gott durch dasselbe Zeichen die Ungläubigen in Israel, die sich weigerten, Buße zu tun und in ihrem Unglauben blieben.

WER IST »DIESES VOLK«?

Paulus zitiert Jesaja: »Ich will … durch Lippen Fremder zu diesem Volk reden«… Es ist klar, daß für Paulus, wie für Mose und Jesaja, »dieses Volk« das abtrünnige Israel ist.

Dennoch kann man in der Situation des Paulus die Bedeutung dieses Ausdrucks nicht auf das jüdische Volk allein begrenzen. Paulus schreibt an die ganze Gemeinde in Korinth, deren Glieder zur Mehrheit Nicht Juden waren. Außerdem wendet er sich am Anfang seines Briefes an alle, »die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen« (Kap. 1 V.2).

Manche denken, daß dieser Ausdruck nur das jüdische Volk bezeichnet. Sie meinen im allgemeinen, Gott habe die Sprachengabe vom Tod der Apostel und der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 an abgeschafft. Weil Israel den Messias endgültig abgelehnt hat, hat Gott »die Akte abgeschlossen«. Er braucht die Sprachengabe nicht mehr zu benützen, weil sie nur Israel betrifft. Da diese Gabe nicht die Gemeinde betrifft, braucht diese sie auch nicht mehr. Die Sprachengabe gibt es also nicht mehr.

Ich finde diese Erklärung jedoch zu einfach: Sie gründet auf eine Vermutung, denn der Text fordert kein so eng begrenztes Verständnis des Jesajazitats durch Paulus.

Der Apostel Paulus erkennt die Existenz dieser Geistesgabe an. Wenn die Sprachen uns nicht mehr betreffen, warum sagt uns der Geist Gottes dann durch die Hand des Paulus, sie nicht zu hindern? Warum lehrt er uns über ihren Gebrauch? Und warum schließt der Apostel zweimal die Sprachen in seine Aufzählung der geistlichen Gaben ein?

Übrigens behauptet Paulus in diesem Brief an die Korinther, daß die Segnungen und die Gerichte, welche Israel widerfuhren, »als Vorbilder« und »zur Ermahnung von uns« dienen sollen. Die zitierte Weissagung Jesajas dient auch uns zur Ermahnung, ebenso wie der Gemeinde in der Weltstadt Korinth.

»Dieses Volk« – das sind auch wir

Paulus denkt nicht nur an die Juden. Er denkt ebenfalls an seine christlichen Brüder und an die von ihm gegründeten Gemeinden. In diesem selben Brief sieht er bereits »die bevorstehenden Not« voraus. Petrus und Paulus wußten beide, daß Israel unter dem Strafgericht Gottes stand. Aber sie erkannten auch, daß dieses Gericht bei der Gemeinde anfangen sollte (1.Petr.4:17 18).

In der Tat startete Nero schon im Jahre 64 unserer Zeitrechnung seinen großen Angriff gegen die Christen   wenige Jahre vor dem jüdischen Aufstand in Palästina, der die Römer dazu veranlaßte, im Jahre 70 deren nationale Identität zu zerstören. Die Sprachen waren gewiß ein Zeichen für die Generation Israels, die den Messias gekreuzigt hatte. Warum sollten sie nicht auch ein Zeichen für die Gemeinde sein? Heute sehen wir alle Nationen  ¬ das abtrünnige Israel mit einbegriffen   fast reif für den großen Tag des Gotteszorns. Um wieviel näher muß da das Gericht der Gemeinde sein!

Eine Weissagung für heute!

Diese Botschaft Gottes ist am Ende des 20. Jahrhunderts für uns genauso aktuell wie zur Zeit Jesajas oder des Paulus. Wenn das Volk Gottes mit seinen Augen nicht mehr sieht, mit seinen Ohren nicht mehr hört und nicht mehr versteht, weil sein Herz gefühllos geworden ist, dann wird ihm das Wort Gottes unverständlich. Gott redet »in Sprachen« zu ihm, durch den Mund seiner Feinde. Die unverständlichen Sprachen sind folglich das Zeichen des Zornes Gottes, Zeichen für ein ungläubiges Volk. Sie kündigen das Strafgericht Gottes über eine untreue Gemeinde an, wie sie früher die Strafgerichte Gottes über Israel angekündigt haben.

Die Strenge Gottes

  Ach was!, wird mir ein braver Christ sagen, Gott ist ein Gott der Gnade. Er bestraft die Gemeinde nicht!

  Haben sie denn jemals die Geschichte der Gemeinde gelesen? Hat Christus nicht durch seinen Knecht Johannes gesagt, er würde den Leuchter von Ephesus von seiner Stelle wegrücken, er werde die falschen Lehrer in Pergamon mit dem Schwert seines Mundes bekämpfen, eine große Trübsal über Thyatira schicken, nach Sardes kommen wie ein Dieb, er werde Laodizea aus seinem Mund ausspeien?

Vom 4. Jahrhundert an begann Gott durch barbarische In¬vasionen zur Christenheit zu reden. Ach, wenn die Gemeinde diese Warnung bloß zu Herzen genommen hätte! Aber im Gegenteil, sie schritt weiter im Irrtum fort. Gott sprach erneut »durch das Schwert seines Mundes« zur Gemeinde. Er ließ es wieder zu, daß eine Nation harten Angesichts und unverständlicher Sprache sich auf die Christenheit stürzte: Der Islam. Bewaffnet mit einem Spottbild der Wahrheiten, welche die Gemeinde verloren hatte, fegte er in ein oder zwei Generationen die Hälfte der christlichen Welt hinweg. Von Casablanca bis nach Indien und Zentralasien…. all das war ehemals christliches Land.

Wie? Gott straft nicht? Aber lesen Sie doch die Schriften! Es ist Zeit, daß wir gemeinsam auf die Knie gehen, um die Sünde der ganzen Gemeinde zu bekennen. Wir müssen Gott bitten, uns zu erleuchten, »direkt« in einer wirklich klaren und verständlichen Sprache zu uns zu sprechen. Heute wird die Gemeinde Christi von vielerlei Stimmen durcheinander gebracht, die im Namen Christi wahre Lästerungen kundtun. Gott redet zu seiner Gemeinde durch Spottbilder vergessener Wahrheiten. Wenige Christen scheinen sich heute jedoch im klaren zu sein, was ihnen geschieht… Der geistliche Verstand vieler ist von Unverständnissen umschleiert, die sie unempfindlich machen für die Warnungen Gottes.

Ist es nicht wahr, daß Gott uns heute warnt?

Die Strafen, mit denen Mose ein abtrünniges Israel bedrohte, werden heute für uns aktuell, wenn wir sie auf das geistliche Leben der Gemeinde beziehen. Lesen wir 5. Mose Kapitel 28:

V.20   Bestürzung in allem Geschäft deiner Hand …

V.21   Die Pest haftet.

V.22   Das geistliche Leben verdunstet.

V.23   Das Gebet »dringt nicht durch«.

V.23   Die Evangelisation führt zu nichts.

V.25   Die Gemeinde weicht zurück und verliert Boden.

V.28 29   Ungewißheit in der Lehre, Verwirrung der Ge¬danken, Ohnmacht gegenüber den satanischen Angriffen.

V.32   Deine Söhne und Töchter werden durch die Welt in Beschlag genommen, durch Sekten in die Irre geführt.

V.35   Keine Lust mehr zum Beten!

V.37   Unser Zeugnis wird nicht mehr ernstgenommen.

V.38    Viel Aktion, wenig Ergebnisse.

Und unmittelbar nach dieser Liste von Bestrafungen redet Gott von einer furchtbaren Invasion durch eine Nation harten Angesichts und unverständlicher Sprache (Verse 49 + 50 und bis Vers 57).

»Was begehrt dieses Geschlecht ein Zeichen?« … (Mk. 8:12)   … und besonders das Zeichen, das Gott den Ungläubigen vorbehält: Das Zeichen der unverständlichen Sprachen?

»Hin zur Weisung und zur Offenbarung!« ruft Jesaja.

»Werden sie nicht nach diesem Worte sprechen, so gibt es für sie keine Morgenröte.« (Jes. 8:20)

Mehrere behaupten, Jesaja oder Paulus lehren, daß das »Zungenreden« ein Segensweg sei, ein »normales« Mittel, durch das Gott sich an sein Volk richtet. Sie verstehen schlecht die ganze Bedeutung des Textes, den wir studieren. Warum betont man so übertrieben ein Reden in unverständlichen Sprachen zu Ungunsten einer tiefen Kenntnis des Wortes Gottes? Ich fürchte, daß Gottes Strafgericht nicht mehr fern ist und daß wir – alles um uns herum scheint darauf hinzuweisen – der größten Verfolgung der Geschichte entgegengehen.

Gäbe es nur dieses eine Zeichen, so würde ich es nicht wagen, ihm eine endzeitliche Bedeutung zuzuschreiben. Aber es wird von einer Menge anderer Zeichen begleitet, die von den Weissagungen der Bibel für die Endzeit vorgesehen werden und die sich vor unseren Augen vollziehen. Sollten diese »Sprachen« also eine letzte Warnung Gottes vor der Katastrophe sein?

Eins steht außer Zweifel: Gott warnt uns. Er ruft uns zur Buße. Von Jahr zu Jahr mehren sich die Warnungen. Gott redet wirklich durch den Mund seiner Feinde zu uns. Und wenn ich von allen Seiten ein babylonisches Wirrwarr einander widersprechender und oft unverständlicher Stimmen sogar in der Gemeinde höre   wie sollte ich darin nicht ein Zeichen des Strafgerichtes Gottes über sein Volk sehen, das seinen Logos, sein wahrhaftiges Wort nicht mehr ernstnehmen will?

Oft hat man mir gesagt, die Welle der zeitgenössischen Glossolalie sei das Zeichen einer großen geistlichen Erweckung! Oh, wenn ich einer so einfachen Erklärung glauben könnte…!

Aber ein anderer Lärm dringt an mein Ohr. Ein lärmendes Geschrei der Nationen, die immer mehr die Botschaft des Evangeliums verwerfen. Ein heftiger Schrei, der zum Himmel aufsteigt. Der moderige Geruch einer fast weltweiten Unsittlichkeit. Ein arroganter Atheismus vermischt mit dem Weihrauch allerlei okkulter Unanständigkeiten. Es gibt noch schlimmeres. Sogenannte Bibelchristen, die überhaupt nichts Böses dabei finden, in voller Gemeinschaft mit denen zu stehen, die die Grundwahrheiten des Wortes Gottes bestreiten.

Unter den sieben Gemeinden, denen der Herr seine letzte Botschaft sandte, sind nur zwei, denen er keinen Tadel erteilt: Smyrna, die verfolgte Gemeinde, und Philadelphia, die Gemeinde der Bruderliebe, die bereit ist, die offene Tür der Weltevangelisation zu durchschreiten. Möge Gott uns unter ihnen finden!

»Doch auch jetzt, spricht der Herr, kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen! Und zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider und kehrt um zum Herrn, eurem Gott. Denn er ist gnädig und barmherzig… Wer weiß, (vielleicht) wird er umkehren und es sich gereuen lassen und Segen hinter sich zurücklassen…« (Joel 2:12-14)

O Volk Gottes, wach auf!

»Ich rufe heute den Himmel und die Erde als Zeugen gegen euch auf: das Leben und den Tod habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch. So wähle das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen, indem du den Herrn, deinen Gott liebst und seiner Stimme gehorchst und ihm anhängst! Denn das ist das Leben und die Dauer deiner Tage . . . «  (5.Mose 30:19-20)

– Soweit ein Auszug aus dem Buch „Zungenreden aus biblischer Sicht“ des Sprachengelehrten Ralph Shallis. –  Der vollständige Artikel siehe letzte Seite.  –  

 

2. SRACHENREDEN ODER ZUNGENREDEN?

 Von Dr. Roger Liebi


Inhaltsverzeichnis

1. Wesen und Wirkung des Zungenredens aus der Sicht der Charismatiker

2. Thesen zum Thema Sprachenreden in der Bibel

3. Der biblische Befund in der Übersicht

a) 1. Mose 2
b) 1. Mose 11,1-9
c) Jesaja 28,11-12
d) Markus 16,15-20
e) Apostelgeschichte 2,1-21
f) Apostelgeschichte 10,44-48
g) Apostelgeschichte 19,1-7
h) 1. Korinther 12-14

4. Sprachliche und exegetische Hinweise

5. Schlussfolgerungen und Konsequenzen

Der vollständige Text siehe letzte Seite.

 

3. Der biblische Befund in der Übersicht

In der Bibel gibt es acht eindeutige Abschnitte, in denen das Phänomen des Sprachenredens behandelt wird.

Drei Stellen finden sich im AT, die ünf weiteren stehen im NT. Es ist wichtig, alle Abschnitte genau zu untersuchen, um den biblischen Befund zu dem vorliegenden Thema vollständig überblicken zu können. Es handelt sich um folgende Texte:

1. 1Mo 2,16-17.19-20.23
2. 1Mo 11,1-9
3. Jes 28,11-12
4. Mark 16,15-20
5. Apg 2,1-21
6. Apg 10,44-48
7. Apg 19,1-7
8. 1Kor 12-14

Nachfolgend seien sie zunächst im Sinn einer Bestandsauf¬nahme zitiert, verbunden mit einer Charakterisierung und Umschreibung ihres jeweiligen Kontexts:

a) 1. Mose 2

Sprachverständnis von allem Anfang an

In 1Mo 2,16 und 17 wird davon berichtet, wie Gott mit Adam, gleich nach dessen Erschaffung, einen Bund geschlossen hat. (Vgl. Hos 6,7).

»Und der HERR, Gott, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du nach Belieben essen. Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon sollst du nicht essen, denn an dem Tag, da du davon issest, wirst du gewisslich sterben.«

Adam war gemäß dieser Stelle von Beginn seiner Existenz an in der Lage, Gottes Sprechen zu verstehen, ohne dass er dies zuerst hätte lernen müssen. Hier haben wir den ersten Fall von biblischem Sprachenreden vor uns. Adam konnte Gottes Rede sofort verstehen. Sein Sprachzentrum war seit Anbeginn bereits voll funktionsfähig. Zum ersten Mal sehen wir hier in der Bibel, dass Gott dem Menschen die Fähigkeit geben kann, eine Sprache, die er nie gelernt hat, sofort zu verstehen. Diese Feststellung wird noch wichtig werden, wenn wir uns im NT mit der Gabe der Übersetzung des Sprachenredens beschäftigen werden. Übersetzung einer Sprachenrede bedeutet, dass der Übersetzer durch Gottes Wunderwirkung die fremde Sprache tatsächlich versteht und sie in seine eigene Sprache übertragen kann!

b) 1. Mose 11,1-9

Nach der Sintflut hatte die Urgesellschaft in Babel eine einzige gemeinsame Sprache. Infolge ihres Hochmuts und ihrer Rebellion gegen Gott verwirrte der HERR ihre Sprache, indem er verschiedenen Sippen neue Sprachen eingab. Alle Sippen, die eine neue Sprache bekamen, verloren ihre ursprüngliche. Dafür beherrschten sie die jeweils neue Sprache ohne vorangegangenen Lernprozess. Das war nichts anderes als ein von Gott gewirktes Sprachenreden…

Durch das Sprachenwunder von Babel sollte die Menschheit in verschiedene Nationen aufgeteilt und über das ganze Erdenrund hinweg zerstreut werden.

1Mo 2 zufolge gab Gott dem Menschen anfänglich eine Sprache. Der Bericht, wie Gott der Menschheit weitere Sprachen vermittelte, findet sich in 1Mo 11,1-9:

»Und die ganze Erde hatte die gleiche Sprache und die gleichen Wörter. (1Mo 11,1 besagt, dass die nachsintflutlichen Urmenschheit dasselbe Sprachsystem und dasselbe Vokabular besaß.)

Der Name Babel geht zurück auf die Wortwurzel balal. Sie besitzt im Hebräischen die Grundbedeutung »vermischen«. Bis zum heutigen Tag konnte diese Schwierigkeit nicht über¬wunden werden. Daraus erklärt sich die im Kontext von 1Mo 11 geforderte sekundäre Bedeutung von balal im Sinn von »verwirren« (1Mo 11,9).48 Davon abgeleitet bedeutet der Städtename »Babel« ganz einfach »Verwirrung«.

c) Jesaja 28,11-12

Jesaja kündigte um 700 v.Chr. an, dass der Ewige dereinst durch fremde Sprachen zu dem Volk Israel reden würde. Obwohl dieses Ereignis die besondere Aufmerksamkeit der An¬gesprochenen erwecken sollte, würde Israel als Nation leider auch dennoch keineswegs bereit sein, auf diese Botschaft zu hören:

»Ja, durch stammelnde Lippen und durch eine fremde Sprache wird er zu diesem Volke reden, er, der zu ihnen sprach: Dies ist die Ruhe, schafft Ruhe dem Ermüdeten; und dies die Erquickung! Aber sie wollen nicht hören.«

In 1Kor 14,21 zitierte der Apostel Paulus diese Jesaja-Verse und bezog sie ausdrücklich auf das neutestamentliche Sprachenreden:

d) Markus 16,15-20

Nach seiner siegreichen Auferstehung gab der Herr Jesus Christus seinen 11 Aposteln den Auftrag zur Weltmission. Diese neuartige Botschaft sollte durch verschiedene Zeichen bestätigt werden. Eines dieser Zeichen würde das Phänomen des Sprachenredens sein:

»Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt wer¬den. Diese Zeichen aber werden denen folgen, welche glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden, werden Schlangen aufnehmen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, so wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Jene aber gingen aus und predigten überall, indem der Herr mitwirkte und das Wort bestätigte durch die darauf folgenden Zeichen.«

e) Apostelgeschichte 2,1-21

Am Pfingsttag wurde der Heilige Geist über die messianisch-gläubigen Juden in Jerusalem ausgegossen. Dieses Ereignis markierte einen tiefen Einschnitt bzw. einen Neuanfang in der Heilsgeschichte: Durch die Taufe mit dem Heiligen Geist wurde die Kirche, die Gemeinschaft der Christen, gegründet (1Kor 12,13). An diesem Tag erfüllte sich die Verheißung aus Jes 28 und Mark 16 zum ersten Mal. Die Jünger Jesu begannen, in allen möglichen Fremdsprachen und Dialekten, die sie zuvor noch nie gelernt hatten, die großen Taten Gottes zu verkündigen (Apg 2,4-11). Dieses Zeichen symbolisierte gegenüber Israel, dass Gott sich nun nicht mehr nur einem einzigen Volk in besonderer Weise mitteilen würde. Die Bot¬schaft von dem Erlöser Jesus Christus sollte allen Völkern in ihrer jeweiligen Sprache gebracht werden, ganz gemäß dem Vier-Punkte-Programm des Weltmissions-Mandats aus Apg 1,8:

1. Jerusalem
2. Judäa
3. Samaria
4. bis ans Ende der Erde

Da dieses Geschehen mit dem jüdischen Tempelfest »Schavu’oth« (= Pfingsten) zusammenfiel, waren, neben den Besuchern aus Städten und Dörfern des Landes Israel, unzählige Juden aus dem ganzen römischen Weltreich und selbst aus Ländern darüber hinaus nach Jerusalem zu Besuch gekommen. Diese Juden konnten die vielen Fremdsprachen, welche die für ihre fehlende Formalbildung bekannten Galiläer sprachen, verstehen. Dies brachte die Hörer in Verlegenheit. Die Einheimischen konnten damit allerdings gar nichts an¬fangen. Sie taten das Phänomen mit dem Verweis auf Trunkenheit spottend ab.

Pfingsten war die Umkehrung der babylonischen Sprachenverwirrung. Babel bedeutete Trennung und dass man sich nicht mehr verstehen konnte. In Jerusalem kam es im Kontrast dazu an Pfingsten zu einer Zusammenführung und Vereinigung in Christus. Durch das Evangelium sollten Kultur-, Rassen- und Sprachbarrieren abgebrochen werden. An Pfingsten 32 n.Chr. wurde dies zum ersten Mal zeichenhaft demonstriert.

Bis zu dem in Apg 10 beschriebenen Zeitpunkt herrschte unter den messianisch-gläubigen Juden die Meinung vor, dass Nichtjuden, die zum Glauben an den Erlöser Jesus Christus gekommen waren, durch eine Proselyten-Taufe zum Judentum übertreten sollten. Nur auf diese Weise sollte es möglich sein, dass auch sie den Heiligen Geist empfangen würden, so wie dies mit den jüdischen Christen am Pfingsttag geschehen war (Apg 2). Als der Apostel Petrus jedoch das Evangelium nach langem Zögern dem römischen Hauptmann Kornelius und seinem Hause verkündigte, empfingen diese den Heiligen Geist, sobald sie die Frohe Botschaft im Glauben angenommen hatten… Der Beweis dafür war die Tatsache, dass diese Römer begannen, in für sie selbst bislang fremden Sprachen Gott zu loben. Die jüdischen Begleiter des Apostels gerieten außer sich, da sie so etwas als unmöglich angesehen hat¬ten. Weil diese Juden die Fremdsprachen der Römer im Haus des Kornelius verstanden hatten, liegt es auf der Hand, dass es sich wohl um Hebräisch gehandelt hat, was im Mund dieser Heiden damals wirklich etwas Besonderes war. Dieses Ereignis sollte demonstrieren, dass Gott bekehrte Heiden in seine Kirche / Gemeinde aufnimmt, und zwar ohne dass sie zuvor durch eine Proselyten-Taufe Juden werden mussten.

Apg 10, 44: Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, – d.h. die Gläubigen aus dem Judentum – so viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, dass auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben…

g) Apostelgeschichte 19,1-7

Als Paulus um 54 n.Chr. nach Ephesus gekommen war, begegnete er etwa zwölf Jüngern von Johannes dem Täufer. Diese Gläubigen hatten den Heiligen Geist nie empfangen. Das Pfingstereignis (Apg 2) war ihnen fremd und wohl noch vieles andere, was mit der Lehre des Christentums zentral in Verbindung steht. Paulus führte sie weiter. Als Zeichen sei¬ner Identifikation mit ihnen, die darauf von Paulus die apostolische Evangeliumsverkündigung angenommen hatten, legte er ihnen die Hände auf. – (Im israelitischen Opferdienst spielte die Handauflegung eine sehr wichtige Rolle. Durch sie machte sich der Opfernde mit dem Opfer eins. Anstelle des Opfernden starb darauf das Opfer 3Mo 1,4; 4,29). – Dadurch, dass diese Männer die apostolische Handauflegung akzeptierten, machten sich diese bis dahin alttestamentlich Gläubigen ihrerseits mit den neutestamentlich Gläubigen eins. Als sie den Heiligen Geist empfingen, begannen sie in anderen Sprachen zu sprechen.

Hier steht das Sprachenreden in Verbindung mit diesem dramatischen Schritt, wo Gläubige im Sinn des AT Gläubige im Sinn des NT wurden:

Es fällt auf, wie stark die drei einzigen Stellen, die in der Apostelgeschichte vom Sprachenreden handeln, in Verbindung mit der Anfangszeit des Christentums stehen:

• In Apg 2 haben wir den Beginn der Gemeinde vor uns.
• In Kapitel 10 werden die Nichtjuden zum ersten Mal offiziell in die Gemeinde eingeführt.
• In Apg 19 geht es um den Übergang vom AT zum NT.

h) 1. Korinther 12-14

Paulus belehrte die Christen in Korinth allgemein über das Thema der geistlichen Gaben. Neben vielen anderen Manifestationen des Heiligen Geistes wird hier in allen drei Kapiteln über die Gabe des Sprachenredens gesprochen. In Korinth gab es diversen Missbrauch der Gaben und ebenso unordentliche Anwendungen derselben. Daher sind diese Kapitel charakterisiert durch allgemeine Belehrung einerseits und spezifische Korrektur andererseits. Über das innere Wesen des Spra¬chenredens erfahren wir allerdings nirgendwo im NT so viel Detailliertes wie hier, und zwar insbesondere in 1Kor 14.

In Kapitel 12 geht es um die Vielfalt der Kraftwirkungen des Heiligen Geistes. Diese Vielfalt äußert sich in einer Vielfalt von verschiedenen Gaben, Diensten und Wirkungen.

In 1Kor 13 geht es um die Wichtigkeit der Liebe. Die Liebe Gottes muss das Motiv sein beim Gebrauch der von ihm gewirkten Gaben.

In Kapitel 14 geht es um das Thema des Nutzens. Die Gaben müssen in den Gemeindezusammenkünften so eingesetzt werden, dass sie anderen Menschen zur Erbauung gereichen. Es darf niemals um Selbstdarstellung gehen. Mit den Gaben soll man nicht sich selbst dienen, sondern anderen Menschen, den Mitgeschwistern und den Ungläubigen.

Um dieses Thema prägnant darstellen zu können, wählte Paulus zwei Gaben aus, die er einander gegenüberstellte: das Sprachenreden und die Weissagung, d.h. das durch den Geist Gottes geleitete Reden zur Erbauung, Ermahnung und Tröstung. Wenn keine fremdsprachigen Personen anwesend sind – so die Belehrung des Apostels –, nützt das Sprachenreden gar nichts. Der Sprachenredner selbst hat zwar einen Nutzen (1Kor 14,4a), weil er – und dazu natürlich auch Gott, der Hörer von Gebet – genau weiß, was er sagt (1Kor 14,2). Aber die anderen Menschen werden nicht erbaut (1Kor 14,4.6.17), weil das Gesagte für sie ein sprachlich codiertes Geheimnis ist (1Kor 14,2)…

Fällt hier nicht auf, dass einzig und allein nur von den anderen, den Zuhörern, gesagt wird, dass sie beim Sprachenreden einen Nachteil haben können, niemals aber von dem Redenden? Wie kann man da noch der Meinung sein, der Sprachenredner wüsste nicht, was er sagt? Eine solche Auffassung widerspricht dem gesamten Text in 1Kor 14! Der Sprachenredner zu biblischen Zeiten wusste immer, was er sagte, er wurde erbaut, und zwar durch den Inhalt des Gesagten. Es ist ja offensichtlich nicht das übernatürliche Phänomen an sich, das Auferbauung bringt, sondern die dadurch vorgebrachte Aussage. Sobald die Sprachenrede für die Hörer durch Übersetzung verständlich gemacht werden konnte, wurde auch ihnen Auferbauung zuteil (1Kor 14,5). Der Redner selbst erhielt aber in jedem Fall Auferbauung (1Kor 14,4). Doch pure Selbstauferbauung ist ein zu geringes Ziel. Jede Ausübung einer Gabe soll den anderen im Auge haben.

Der Bibeltext spricht mit keinem Wort von besonderen Gefühlen, auch nicht von all den in Kapitel 1 dieses Buches genannten so hoch gepriesenen Wirkungen, die Charismatiker ihrem Zungenreden zuschreiben. Diese Zuschreibungen sind reine Fantasie, die man nicht in den Aussagen des Wortes Gottes finden kann, weder in 1Kor 14 noch irgendwo sonst in der Bibel!

4. Sprachliche und exegetische Hinweise

Nachfolgend stelle ich einige Bemerkungen philologischer und exegetischer Natur zu den neutestamentlichen Stellen über das Sprachenreden zusammen. Durch das gründliche Herausarbeiten einiger Feinheiten kann das Wesen des biblischen Sprachenredens besser erfasst und gesamtbiblisch eingeordnet werden:

»Sprachenreden« kontra »Zungenreden«

Das Wort »Sprache« im NT ist die Übersetzung des grie¬chischen Wortes glossa. Das Wortfeld glossa umfasst u.a. folgende Bedeutungen:

a) Zunge (als Organ)
b) Sprache / Fremdsprache

Im Zusammenhang mit dem Sprachenreden finden sich im griechischen Grundtext folgende Wendungen:

a) glossé lalein, (1.Kor 14,27)
b) lalein en glossé, (1. Kor 14, 19)
c) lalein glossé, bzw. lalein glossais (Apg 2,4)
d) und glossais lalein. (Markus 16, 17; 1. Kor 12,30; 13,1; 14,6.18).

Im Deutschen können wir die Ausdrücke a-c wiedergeben mit: »eine (Fremd)-Sprache sprechen«. Die Wortkette d bedeutet: »(Fremd)-Sprachen sprechen«.

Die Übersetzung mit »in Zungen reden« ist sachlich falsch und weckt irrige Assoziationen mit fremd gesteuerter Zungenakrobatik oder mit ekstatischem Lallen. Derartige Gedan¬kenverbindungen mit diesen vier verbalen Wortketten waren den ursprünglichen Griechisch sprechenden Lesern der neu¬testamentlichen Schriften mit Sicherheit fremd.

Aufschlussreich ist, was G. Hörster dazu schreibt:

»Während in den älteren Übersetzungen und Kommentaren der Begriff Zungenrede vorherrscht, hat sich inzwischen bei den Exegeten die Überzeugung durchgesetzt, dass dieser Begriff unangemessen und irreführend ist. … Sie erweckt den Eindruck, als würde bei diesem Charisma die Zunge als Organ, von einer anderen Macht beherrscht, unartikulierte Laute bilden.«

Ein Zeichen für Israel

Der erste Sinn des Sprachenredens bestand in einem zeichenhaften Hinweis für den ungläubigen Teil des Volkes Israel, der Mühe hatte, zu akzeptieren, dass in dem gegenwärtigen Zeitalter der Weltmission das gewissermaßen mit Pfingsten 32 n.Chr. begonnen hatte, Nichtjuden durch reuiges Sündenbekenntnis und Glauben an den Messias Jesus direkt mit Gott ins Reine kommen könnten, ohne den Weg über das Judentum gehen zu müssen.

In 1Kor 14,21-22 erklärte Paulus die Zeichenbedeutung des Sprachenredens, indem er auf eine diesbezügliche prophetische Stelle aus dem Buch Jesaja hinwies:

»Es steht in dem Gesetz geschrieben [Jes 28,11-12]: ›Ich will in anderen Sprachen und durch andere Lippen zu diesem Volke reden, und auch also werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr.‹ [22] Daher sind die Sprachen zu einem Zeichen, nicht den Glaubenden, sondern den Ungläubigen; die Weissagung aber nicht den Ungläubigen, sondern den Glaubenden.«

Die Botschaft von dem Erlöser Jesus Christus sollte allen Völkern in ihrer Sprache gebracht werden, ganz gemäß dem göttlichen Auftrag des Messias in Jes 49,6:

»Es ist zu gering, dass du mein Knecht seiest, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen; ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um mein Heil zu sein bis an das Ende der Erde.«

Die Bibel für alle Völker

Durch eine unermüdliche Pionierarbeit konnten die ganze Bibel bzw. einzelne Bibelteile bis heute in über 2300 Sprachen übersetzt werden. Damit sind die Sprachgrenzen auf allen fünf Kontinenten derart durchbrochen worden, dass heute fast alle Menschen Gottes Wort verständlich hören könnten. Diese gewaltige Übersetzungsarbeit ist allerdings im Lauf der Kirchengeschichte ohne die Gabe des Sprachenredens vonstatten gegangen. Es war eine Arbeit von unvorstellbaren Mühen, Gefahren und aufopfernder Hingabe. Es ist keine Frage: Gott hätte dieses Werk durch Sprachenreden in grandioser Weise vereinfachen können. Er hat es aber nicht getan. Weshalb nicht? Ganz einfach deshalb, weil sein souveräner Wille es anders wollte! Das Sprachenreden war nur ein Zeichen, ein Hinweis auf eine wunderbare heilsgeschichtliche Entwicklung: Die ganze Welt soll Gottes Reden in der Heili¬gen Schrift vernehmen, entsprechend dem Auftrag des Auferstandenen (Mat 28,19-20; Mark 16,15-16; Luk 24,46-49; Joh 20,21; Apg 1,8).

Nur ein Typ von Sprachenreden im NT

Im Allgemeinen haben Zungenredner von heute keine Mühe, zuzugeben, dass sie – im Gegensatz zu den Sprachenrednern in Apg 2 – nicht in der Lage sind, fremdsprachige Menschen anzusprechen und so die großen Taten Gottes in real existierenden Sprachen zu verkündigen (vgl. Apg 2,8.11). Das ist jedoch eigentlich höchst eigenartig. Millionen von Menschen können heutzutage zwar in Zungen reden, aber diese selben Millionen sind völlig unfähig, das Pfingstphänomen von Apg 2 zu praktizieren! Man spricht in der Charismatischen Bewegung von der endzeitlichen Wiederherstellung aller Gaben, wie sie im NT beschrieben werden, von einer Neuausgießung des Heiligen Geistes wie zur Zeit der Apostel, und doch würde kaum einer der heutigen Zungenredner behaupten, er könne das, was die Sprachenredner von Apg 2 in aller Perfektion ausübten. Diese Fakten können Zungenredner in innere Schwierigkeiten bringen, sodass sie sich ernsthaft fragen müssen, ob das, was sie tun, wirklich der Bibel entspricht.

Viele versuchen diesem Konflikt zu entgehen, indem sie behaupten, dass es zwei verschiedene Arten des Zungenredens gäbe:

1. die Sprachengabe am Pfingsttag von Apg 2 mit real existierenden menschlichen Sprachen und

2. ein unverständliches Lallen gemäß 1Kor 14,2-20.

Es ist jedoch völlig abwegig, zwei verschiedene Arten von Sprachenreden im NT unterscheiden zu wollen. In allen Stel¬len verwendet die Bibel denselben Begriff glossa. Aus 1Kor 14,21-22 geht zudem deutlich hervor, dass die Sprachenrede in 1Kor 14 dasselbe Phänomen ist wie das in Apg 2, indem es in erster Linie ein Zeichen in verständlichen realen Sprachen für das ungläubige Volk Israel sein sollte (Jes 28,11-12).

Dies entspricht exakt dem, was wir in Apg 2 in Verbindung mit dem Pfingsttag vorfinden. Die Worte aus 1Kor 14,21-22 bilden eine direkte Brücke zwischen Apg 2 und 1Kor 12-14. Durch den darin enthaltenen Hinweis auf Jes 28, wo alttestamentlich bezeugt wird, dass das Sprachenreden ein Zeugnis für Israel sein sollte – so wie sich dies schließlich am Pfingst¬tag auch tatsächlich erfüllte –, wird deutlich, dass das Spra¬chenreden im 1. Korintherbrief nicht ein anderes Phänomen sein kann als das Sprachenwunder in der Apostelgeschichte.

Was ist ein wirkliches Wunder – Sprachenreden oder Zungenreden?

Das Phänomen von Apg 2 kann man nicht imitieren, unverständliches Zungenreden kann dagegen problemlos auch von solchen, die nicht behaupten, in Zungen zu reden, ausgeübt werden. Eindrücklich wäre, wenn heute Millionen von Menschen das Phänomen von Apg 2 praktizieren könnten. Aber genau das können diese Massen nicht!

Für den Redner unverständliches Zungenreden praktizieren auch Hindus, Spiritisten und Medizinmänner (Schamanen). Auch Charismatiker sind der Ansicht, dass solche Zungenredner unter dem Einfluss von Dämonen stehen.

Als okkultes Phänomen ist es auch möglich, dass jemand nicht einfach lallend, sondern tatsächlich in einer für ihn fremden menschlichen Sprache spricht, die er aber selbst nicht versteht und nicht beherrscht. Der Geist des Redners ist dabei passiv. Er wird von Dämonen als Medium verwendet… Satan will Menschen als Medien benutzen, Gott jedoch erhält ihre Identität und Persönlichkeit. Warum kann die unzählbare Masse von Charismatikern das Zeichen, das am Pfingsttag eindrücklich Gottes Größe manifestierte, nicht praktizieren? Warum können sie nur das, was menschlich oder dämonisch problemlos ausgeübt werden kann? Das ist doch höchst sonderbar!

Lallen – keine höhere Kommunikation

Ich komme außerdem zu dem Schluss, dass es nicht zulässig ist, aufgrund von 1Kor 13,1 (Engelsprache) zu behaupten, dass es sich bei dem in der Bibel erwähnten Sprachenreden um überirdische Sprachen gehandelt habe. Der Hintergrund dieser Behauptung besteht nämlich in Folgendem: Es gibt Unzählige, die heutzutage Zungenreden in Form von unverständlichem Lallen mit fehlender Prosodie praktizieren. – Die Prosodie beinhaltet den rhythmischen und metrischen Aspekt der Sprache im Zusammenhang mit Ton, Intonation, Akzent und Länge. In der Prosodik, einem Teilgebiet der Phonologie, beschäftigt man sich mit diesem Gebiet… Dadurch werden u.a. sinngebende Ein¬heiten strukturiert. In der Schrift wird solches z.T. durch Satzzeichen (Kommas, Punkte, Ausrufe- und Fragezeichen) sowie durch Absätze etc. verdeutlicht. Bei dem heutzutage von Millionen praktizierten Zungenreden fällt das Fehlen prosodischer Elemente auf. –

Da es sich in diesen Fällen offensichtlich nicht um bestehende Fremdsprachen handelt, möchte man diese Praxis mit dem Hinweis auf Engelsprachen als ein biblisches Phänomen darstellen. Doch: Soll man wirklich glauben, dass Engel, die in der Bibel verschiedenste menschliche Fremdsprachen – d.h. wunderbare, komplex aufgebaute Codesysteme – beherrschen, unter sich keine höhere Kommunikation besitzen als nur gerade ein Lallen, wie es Millionen von Zungenrednern heute praktizieren?

Ganz abgesehen davon widerspricht es dem gesunden, von Gott geschenkten Denken, ein Lallen, unartikulierte Laute, unstrukturierte Äußerungen als den menschlichen Kommunikationsmitteln überlegene übernatürliche Sprachen zu bezeichnen. Eine solche Meinung beinhaltet letztlich eine Verachtung der von Gott dem Menschen geschenkten Sprachen! Bedenken wir gut, dass gemäß dem Zeugnis der Heiligen Schrift nicht der Mensch, sondern vielmehr Gott der Urheber der Spra¬chen ist. Die Bibelsprachen Hebräisch, Griechisch und Aramäisch, so sehr es sich auch um von Menschen gesprochene und geschriebene Sprachen handelt, und auch alle anderen Sprachen sind im Grunde genommen göttliche Sprachen. Sie sind daher ideale Gefäße, um Gottes Botschaft an die Menschheit weiterzugeben. Deshalb kann die Bibel, Gottes vollkommen inspiriertes Wort, in jede der ca. 6800 existie¬renden menschlichen Sprachen übersetzt werden. Der Schöp¬fer wusste genau, welche Mittel angemessen sind, um seine Gedanken dem menschlichen Geschöpf zu vermitteln…

Keine Bewusstseins-Einschränkung

Beim biblischen Sprachenreden handelte es sich niemals um ekstatische Zustände. Niemals gab es dabei ein eingeschränktes Bewusstsein. Dies wäre grundsätzlich im Widerspruch zur Lehre der Heiligen Schrift. In 2Tim 4,5 befahl Paulus:

»Du aber sei nüchtern in allem …«

Große Freude ist selbstverständlich biblisch (vgl. z.B. Ps 100,1-2; Phil 4,4), aber niemals in unnüchterner Weise, niemals in einer Art, bei der die Selbstkontrolle irgendwie einge¬schränkt oder gar aufgehoben wird, niemals in der Art, dass die menschliche Würde dabei berechtigterweise darunter leidet. Das NT ruft noch weitere 10-mal zur Nüchternheit auf:

• 1Kor 15,34: »Werdet rechtschaffen, nüchtern und sündigt nicht, denn etliche sind in Unwissenheit über Gott; zur Beschämung sage ich’s euch.«

• 1Thes 5,6-8: »[6] Also lasst uns nun nicht schlafen wie auch die Übrigen, sondern wachen und nüchtern sein.  Denn die da schlafen, schlafen des Nachts, und die da trunken sind, sind des Nachts trun¬ken. [8] Wir aber, die vom Tag sind, lasst uns nüchtern sein [nepho], angetan mit dem Brustharnisch des Glaubens und der Liebe und als Helm mit der Hoffnung der Seligkeit.«

• 1Pet 1,13: »Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesin¬nung, seid nüchtern [nepho] und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi;

• 1Pet 4,5: »Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. Seid nun besonnen und seid nüchtern zum Gebet.

• 1Pet 5,8: »Seid nüchtern, wacht; euer Wi¬dersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge …

Ferner findet sich im NT 14x der Befehl »Wacht! Das NT lehnt jegliche Passivität des Geistes ab und ruft die Gläubigen zu Wachheit und gesunder Aktivität auf, und zwar mit Befehlen wie z.B. Widersteht!, Kämpfe!

Dies steht deutlich im Gegensatz zur Mystik in allen mög¬lichen mit der Bibel unvereinbaren religiösen Praktiken wie Transzendentale Meditation, Traumreisen, Yoga, Autogenes Training, Rockmusik, Drogen etc., wo Einschränkungen des Bewusstseins in allen möglichen Abstufungen eine wesent¬liche Rolle spielen.

Als die Beatles mit ihrem Song »Let It Be« an die Öffentlich¬keit traten, wollten sie die Jugend nicht dazu aufrufen, das Leben doch ein bisschen lockerer zu nehmen und nicht alles gar so schwer aufzufassen. Nein, sie riefen damit zur Passivi¬tät des Geistes auf, wie dies in den fernöstlichen Religionen im Zusammenhang mit der Meditation praktiziert wird. »Let It Be« meint »Lass dich – in Passivität – gehen, schalte den Verstand ab!«. Im Songtext wird des Weiteren gesagt »… whisper words of wisdom …« (»… flüstere Worte der Weis¬heit …«). Damit war die stete Wiederholung von Mantras gemeint. Indem man bestimmte Wörter oder Wendungen – oft ohne deren Bedeutung zu kennen – dauernd wiederholt, kann man den menschlichen Geist passiv machen, sodass andere Geister (sprich: Dämonen) die Kontrolle Übernehmen kön¬nen. Die Hindus würden sagen, »damit man mit den Göttern in Kontakt treten kann«.

Der Heilige Geist ist nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift ein »Geist der Besonnenheit«, der Kraft gibt zur Selbstbe¬herrschung, Mäßigung und zum gesunden Verstandesurteil (vgl. 2Tim 1,7). Er führt den Menschen niemals in einen Trance-Zustand.

Spezialfall Korinth

Beim Pfingstereignis in Apg 2 waren viele fremdsprachige Menschen zugegen. Für sie erwies sich das Sprachenreden als perfektes Kommunikationsmittel. In Korinth gab es indes¬sen oft Verständnisprobleme. Was nützte dort das Sprachen¬reden in den Fällen, wo keine Fremdsprachigen da waren? Wenn die Korinther, von denen ja viele aus der Unterschicht kamen, die Fremdsprachen nicht verstanden, so gab es kei¬ne Erbauung. Daher war in diesen Fällen »Auslegung» bzw. »Übersetzung» absolut notwendig. Einzig und allein durch die Übersetzung bekam die Gemeinde »Erbauung» im Glau¬ben (1Kor 14,5). Daraus erkennen wir: Nicht das Sprachphä¬nomen an sich, sondern allein die dadurch übertragene Bot¬schaft war erbauend.

Keine Erbauung durch den Sprachklang

Man kann das eben Gesagte an einem Beispiel verdeutlichen: Die Psalmen sind ursprünglich auf Hebräisch verfasst worden. Nach dem Selbstzeugnis der Heiligen Schrift sind sie vom Geist Gottes inspiriert, so wie alle Bibelbücher (2Tim 3,16). Das Hebräische der Psalmen ist daher gewissermaßen Sprache des Heiligen Geistes. Man könnte die Psalmen im Gottesdienst auf Hebräisch rezitieren. Obwohl die Sprache der Propheten zweifellos wunderschön und feierlich klingt, wird keiner der des Hebräischen nicht mächtigen Gottesdienstbesucher davon irgendeinen geistlichen Nutzen haben. Die Sprachlaute sind Träger von Information. Wer die Laute jedoch nicht aufschlüsseln kann, vermag nichts von der Information aufzunehmen. Die Laute an sich sind keine Kommunikation. Nur wenn der Inhalt einer Botschaft übermittelt wird, hat der Empfänger ei¬nen Gewinn davon. Wir machen ein Beispiel:

’aschrei ha’ish ’asher lo halakh ba’atzath resha’im

uvederekh chata’im lo’amad

uvemoshav letzim lo jashav

ki ’im bethorath ’adonai chevtzo

uvethoratho jehegeh jomam valailah

vehajah ke’etz shatul ’al palgei majim

asher pirjo jithen be’itho ve’alehu lo jibbol

vekhol ’asher ja’aseh jatzliach

lo khen haresha’im

ki ’im kammotz ’asher tiddephennu ruach

’al ken lo jaqumu resha’im bamishpat

vechata’im ba’adath tzadiqim

ki jodea adonai derekh tzadiqim

vederekh resha’im toved

Die eben zitierten Sätze sind perfektes Reden des Heiligen Geistes. Sie sind zu 100 % von ihm inspiriert (2Tim 3,16). Aber was nützt dies dem Leser und denen, die ihm zuhören, wenn sie alle diese Sprache gar nicht verstehen? Es bringt gar keine Erbauung. Doch sobald wir die Übersetzung vorbringen, gibt es echte Erbauung:

Psalm 1

Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gesetz¬losen,

und auf dem Weg der Sünder nicht steht,

und auf dem Sitz der Spötter nicht sitzt,

sondern am Gesetz des HERRN seine Lust hat,

und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht.

Und er wird sein wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen,

der seine Frucht gibt zu seiner Zeit

und seine Blätter verwelken nicht,

und alles, was er tut, gelingt.

Nicht also die Gesetzlosen,

sondern sie sind wie die Spreu, die dahintreibt der Wind.

Darum werden nicht aufstehen die Gesetzlosen im Gericht,

und die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn es kennt der HERR den Weg der Gerechten;

aber der Weg der Gesetzlosen wird zugrunde gehen.

Was ist Kommunikation?

Gesprochener Dialog unter Menschen geschieht beim Reden so: Der Sender bildet in seinem Inneren Information. Er verschlüsselt sie in Code-Zeichen, und zwar in Form von Schallwellen, die er an einen Empfänger übermittelt. Der Empfänger entschlüsselt die Code-Zeichen und nimmt die Information in sich auf. Nun kann er darauf reagieren…

Wenn beim Zungenreden der Sprechende gar nicht wirklich versteht, was er sagt, so wird hier am Wesen der Sprache als Kommunikationsmittel vollständig vorbeigeschossen.

Der sich meines Erachtens fälschlicherweise auf 1Kor 14,2 berufende Zungenredner steht ja beim Beten überhaupt nicht in einer Kommunikation mit Gott. Was er tut, verfehlt vollständig die von dem Schöpfer gewollte und von ihm so hoch eingeschätzte Sprache als Verständigungsmittel zwischen Gott und Mensch. Gott spricht doch zu uns durch sein ge¬schriebenes Wort. Wir dürfen ihm durchs Gebet antworten, und zwar indem wir bei vollem Bewusstsein von Herzen auf das reagieren, was er uns sagt. Dies ist Kommunikation. Alles andere liegt unter der Würde des Menschen.

Sprachverständnis und Sprachbeherrschung

Der menschliche Geist = Aktivist der Sprachenrede

Wer in einer Sprache betete, wusste genau, was er sagte. Für ihn war die Sprache nicht unverständlich: Er erbaute sich selbst (1Kor 14,4). Soeben haben wir gesehen, dass nicht das Übernatürliche Phänomen erbaute, sondern der Inhalt, das Kommunizierte, sonst wäre ja auch die Gemeinde jeweils erbaut worden, wenn keine Auslegung da war (1Kor 14,17), nämlich einfach durch das übernatürliche Geschehen.

Beim Sprachenreden betete nach 1Kor 14,14 der menschliche Geist. Der Geist des Menschen hat die Fähigkeit, zu »erkennen«, zu »forschen« und zu »verstehen«. Er ist der Sitz des menschlichen Intellekts. Beim Sprachenreden war das Organ des Denkens und des Verstehens nicht passiv, sondern im Ge¬genteil vollständig aktiv, ja sogar Quelle der Kommunikation. Der Sprachenredner konnte das sagen, was er wollte. Gemäß Apg 2,4 befähigte der Heilige Geist zur richtigen Aussprache. Doch aus 1Kor 14,14 geht hervor, dass der Geist des Men¬schen jeweils der Sprecher war. Biblisches Sprachenreden hat nichts mit Medialität gemein, wo der Geist des Menschen passiv ist und ein anderer Geist aktiv durch ihn spricht.

Beten um die Gabe der Auslegung?

Aufgrund von 1Kor 14,13 könnte man auf den Gedanken kommen, dass der Sprachenredner zwar nicht wusste, was er sagte, dass ihm jedoch die Möglichkeit offen stand, um den Empfang der Gabe der Auslegung zu bitten. Es heißt dort:

»Darum, wer in einer Sprache redet, bete, damit er es übersetze.«

Beim Studium dieses Satzes im griechischen Original wird aber deutlich, dass dem nicht so ist. Die von Paulus benutzten Zeitformen weisen nicht auf ein einmaliges Ereignis hin. Der Apostel benutzte Durativ-Formen, die ein wiederholtes Handeln ausdrücken. Unter Berücksichtigung der griechischen Aspekte übersetze ich daher wie folgt:

»Darum, wer [immer wieder] in einer Sprache redet, bete [immer wieder], damit er es [immer wieder] übersetze.

Es geht nicht darum, eine bestimmte Gabe zu erbitten. Der in Sprachen Redende weiß ja genau, was er sagt. Doch er soll Gott immer wieder um Hilfe bitten, um anderen das Gesagte möglichst klar verständlich zu machen.

In der gleichen Weise bittet man auch um Gelingen, wenn man jemanden z.B. bei einem biblischen Vortrag, sagen wir mal von Englisch auf Deutsch, übersetzt. Auch wenn man zwar beide Sprachen perfekt beherrscht, so ist man doch jedes Mal von der Gnade und Hilfe Gottes abhängig, um einen solchen Dienst möglichst gut und gewinnbringend für die Hörer auszuführen.

Verantwortlichkeit beim Sprachenreden

Unter Berücksichtigung von all dem bisher Ausgeführten wird klar, dass es biblisch nicht zu verantworten ist, die Zungenrede von heute, bei der die Redner sich selbst nicht verstehen mit dem Sprachenreden der Heiligen Schrift in Verbindung zu bringen. Nicht minder unbiblisch sind die heutigen Zungen-Ausleger, welche die Zungenredner auch gar nicht verstehen (!), sondern aus einer, wie auch immer gearteten Eingebung heraus – z.B. indem sie ohne zu denken einfach ihrem Redefluss freien Lauf lassen und dabei auf »Inspiration« zählen – eine Deutung geben wollen.

Der Verstand darf nie und nimmer ausgelöscht oder eingeschränkt werden. Die Gläubigen sollen vielmehr »Erwach¬sene am Verstand« sein (1Kor 14,20). Der Mensch ist eine von Gott geschaffene Einheit von Geist, See¬le und Leib (1Thess 5,23). Kein Aspekt des Menschen darf verachtet und vernachlässigt werden.

Der Herr Jesus Christus lehrte, dass wir für all unsere Worte, die wir reden, verantwortlich sind (Mat 12, 36-37):

»Ich sage euch aber, dass von jedem unnützen Worte, das irgend die Menschen reden, sie von demselben Rechenschaft geben werden am Tag des Gerichts; denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.«

Diese Verse helfen uns zu verstehen, dass es niemals Gottes Wille sein kann, dass wir Laute aussprechen, von denen wir gar nicht wissen, was sie eigentlich bedeuten.

Quellen falscher Sprachenrede

Wir haben gesehen, dass es sich beim biblischen Sprachenreden um die Beherrschung von Fremdsprachen handelt, die man vorher nie gelernt hat. Dies hebt sich markant von allem Lallen des Zungenredens, der so genannten »Glossolalie«, ab, wo die Redenden sich der Passivität hingeben und wo sie ihre Laute nicht einmal verstehen. Diese Art von Zungenreden findet man übrigens in mystischen Praktiken verschiedenster Kulte, so z.B. im Hinduismus, im Spiritismus, in den alten Mysterienkulten etc. Auch im Schamanismus, d.h. in animistischen Stammesreligionen, ist das Zungenreden ein bekanntes Phänomen, das eingesetzt wird, um Besessenheit, d.h. Machtergreifung durch einen Geist, auszulösen. Ferner kann es sich dort auch als Folgeerscheinung von Besessenheit einstellen, neben Phänomenen wie Zittern, Zucken, Umfallen, Vonsichgeben von Tierstimmen und unkontrolliertem Lachen etc.

Aus welchen Quellen kann die »Glossolalie« in christlichem Umfeld entspringen? Es kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage:

a) Es kann sich um ein selbst produziertes Lallen oder Stammeln handeln.

b) Die Glossolalie kann aus bestimmten seelischen Zuständen heraus entstehen. Sie ist ein in der Psychiatrie bekanntes Phänomen, das z.B. wohl aus seelischer Überspanntheit heraus erklärbar sein kann.

c) Zungenreden kann auch dämonischen Ursprungs sein. Ein deutliches »christliches Beispiel aus der Zeit der Camisarden (Die Camisarden bildeten eine entartete Bewegung, die sich aus dem Hugenottentum entwickelte) vermag dies ein wenig zu verdeutlichen: Ein Mädchen aus sozial einfachstem Umfeld pflegte damals im Trance-Zustand Hochfranzösisch zu sprechen. Diese Sprache konnte sie im Wachzustand nicht sprechen. In ihren Botschaften forderte sie die Camisarden zu Mord auf.

Zwei Aspekte machen jedoch deutlich, dass es sich nicht um das biblische Sprachen¬reden handelte:

1. Nicht sie sprach, sondern ein Geist sprach aus ihr heraus. Sie wirkte als Medium, indem ihr Verstand abgekoppelt war.

2. Ihre Aussage stand deutlich im Widerspruch zur Bibel (Mat 5,44). Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob bei echten Christen prinzipiell mit dämonischem Einfluss gerechnet werden kann. Aufgrund verschiedener Hinweise aus dem NT muss man dies leider mit »Ja« beantworten. In Mat 16,16 sprach Petrus kraft göttlicher Offenbarung (vgl. Mat 16,17) ein wunderbares Bekenntnis zu dem Messias aus – doch seine Aussage in Mat 16,22 ging auf teuflische Eingebung zurück (Mat 16,23). Der Herr rügte Petrus mit aller Schärfe (Mat 16,23):

»Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnest nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.«

Die »Heiligen« und »Treuen« in Ephesus (vgl. Eph 1,1) wer¬den gewarnt, dem Teufel keinen Raum zu ge¬ben (Eph 4,27).

Der Apostel Petrus warf Ananias vor, dass er dem Teufel sein Herz geöffnet hatte (Apg 5,3):

Paulus musste bei den Korinthern von einem derart miserablen Zustand ausgehen, dass er ihnen vorwerfen konnte, sie seien durchaus bereit, einen fremden Geist zu empfangen (2Kor 11,4):

»Denn wenn der, welcher [zu euch] kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertrüget ihr es gut.«

5. Schlussfolgerungen und Konsequenzen

Beim biblischen Sprachenreden konnten Menschen ohne vorherigen Lernprozess plötzlich ihnen bis dahin unbekannte Sprachen beherrschen. Selbst der Akzent war perfekt.

Es handelte sich um ein heilsgeschichtliches Zeichen, insbesondere als Zeugnis für das Volk Israel: Gott will zu allen Menschen in allen Sprachen reden, nicht mehr nur in einer Sprache zu einem Volk! Das Sprachenreden vermittelte eine missionstheologisch tief gehende Aussage mit gewaltigen kirchengeschichtlichen Konsequenzen.

Beim Sprachenreden in der Zeit der Apostel geschah im Prinzip dasselbe wie bei der Erschaffung der ersten Menschen (1Mo 2) und bei der Sprachenverwirrung zu Babel (1Mo 11). Auch damals konnten Menschen eine neue Sprache sprechen, ohne sie vorher lernen zu müssen. Während jedoch in 1Mo 11 bei denen, die neue Sprachen redeten, das alte Sprachsystem gelöscht war, blieb es bei den Sprachenrednern des NT erhalten. Ein weiterer Unterschied war der: Die Menschen zu Babel konnten jeweils nur eine Sprache sprechen, während neutestamentliche Sprachenredner unter Umständen befähigt waren, eine Vielzahl neuer Sprachen zu beherrschen (1Kor 14,18).

Das Sprachenreden der Bibel ist etwas grundsätzlich anderes als das heute in der Pfingstlich-Charismatischen Bewegung praktizierte Zungenreden. Das heutige Zungenreden ist ein misslungener Kopieversuch des in der Bibel bezeugten Spra¬chenwunders der Apostelzeit (1. Jh. n.Chr.).

Das Zungenreden, bei dem das bewusste Verstehen keinen Platz hat, der Verstand ausgeschaltet wird, ist eine in vielen nichtchristlichen Religionen und im Okkultismus ausgeübte Praxis. In der Christenheit sollte sie eigentlich gar nichts zu suchen haben.

Das Zungenreden ist eines der auffälligsten Kennzeichen der »Pfingstlich-Charismatischen Bewegung. Durch die vorliegenden Ausführungen sollte aber deutlich geworden sein, dass das Zungenreden dieser Bewegung völlig unbiblisch ist. Damit wird die gesamte Bewegung aus biblischer Sicht grundsätzlich in Frage gestellt, mitsamt all ihren zahlreichen Sonderpraktiken und Sonderlehren, auf die im Rahmen dieser Ausführungen nicht weiter eingegangen werden konnte.

Wer das Zungenreden selbst praktiziert hat und nun erkennt, dass dies ein Irrweg ist, muss sich davon distanzieren. Gott bietet die Vergebung für alle unsere Verirrungen an. In 1Joh 1,9 lesen wir die ermutigenden Worte:

»Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.«

Man braucht dazu keinen speziellen Befreiungsdienst. Wir dürfen unsere Schuld Gott reuig bekennen und seine Verge¬bung und Reinigung dankend annehmen. Danach gilt es, sich ganz nach dem Wort Gottes auszurichten.

– Soweit Roger Liebi, Schweiz –

 

3. GEBETSHEILUNGEN, ZUNGENREDEN, ZEICHEN UND WUNDER  –  IM LICHT DER SCHRIFT

von H. L. Heijkoop, Holland

 

INHALT

„Werdet mit dem Geiste erfüllt“

Das Bitten um den Heiligen Geist und die Taufe mit dem Heiligen Geist

Reden in Sprachen (Zungenreden)     

Die Stellung der Frau nach der Schrift     

Zeichen und Wunder

Wunder in der Geschichte

Krankenheilungen

Heilung von Ungläubigen

Die Bedeutung von Jakobus 5

Auszug: Reden in Sprachen (Zungenreden)

Reden in anderen Sprachen (Zungen), ohne daß man diese Sprache gelernt hat, kommt im Alten Testament nicht vor. Nur eine Prophezeiung (Jesaja 28, 11-13) findet sich darüber, und wenn diese nicht ausdrücklich in 1. Korinther 14, 11 mit Bezug auf das Sprachenreden angeführt wäre, würden wir sie wahrscheinlich gar nicht damit in Verbindung gebracht haben. Der Sinn der Stelle wird aus dem Zusammenhang deutlich. Weil die Priester und Propheten in Israel nicht mehr zugänglich waren für wahre Erkenntnis und göttliche Botschaft (Verse 7-10), wird Gott durch Menschen mit unverständlicher Sprache und fremder Zunge zu ihnen reden. Es sind ihre Feinde, die das Gericht über sie bringen werden. Und diese Stelle ge¬braucht der Heilige Geist, um in 1. Korinther 14 klarzustellen, daß die Sprachen ein Zeichen für Ungläubige sind und nicht für Gläubige (Vers 21 u. 22).

Auch in den Evangelien finden wir das Reden in Sprachen nicht, außer der Weissagung des Herrn Jesus in Markus 16, 17. Weil aber dieser Vers aus Markus so häufig als Beweis angeführt wird, muß ich hierbei etwas verweilen. Der Herr kommt in Vers 14 zu den Elfen und schilt ihren Unglauben und ihre Herzenshärtigkeit. Dann gibt er ihnen in Vers 15 den Auftrag, das Evangelium zu predigen der ganzen Schöpfung, und sagt in Vers 16, was für die Hörer die Folgen davon sein werden. In Vers 17 sagt Er dann zu ihnen (den Elfen, in Verbindung mit Seinem Verweis ihres Unglaubens in Vers 14), daß denen, welche glauben, Zeichen folgen werden. In Vers 20 gehen sie aus, und der Herr erfüllt Seine Verheißung und bestätigt das Wort durch Zeichen, die darauf folgen.

Wir sehen daraus:

1) Daß die Zeichen nur als Bestätigung des Wortes gegeben werden (Vergleiche Johannes 2, 23-25).

2) Es steht nicht da, daß die Zeichen allen Gläubigen folgen werden.

3) Unmittelbar wird die Verheißung nur den Elfen gegeben, und Vers 20 sagt, daß, als dies Evangelium geschrieben wurde, die Verheißung erfüllt war. Dies ist in Übereinstimmung mit Hebräer 2, 3. 4: „eine so große Errettung … , welche den Anfang ihrer Verkündigung durch den Herrn empfangen hat und uns von denen bestätigt worden ist, die es gehört haben, indem Gott außerdem mitzeugte, sowohl durch Zeichen als durch Wunder und mancherlei Wunderwerke und Austeilun¬gen des Heiligen Geistes nach seinem Willen“.

Auch aus 2. Korinther 12, 12 geht hervor, daß die Zeichen ein Beweis der Apostelschaft waren. Und ein Apostel mußte den Herrn gesehen haben (Apostelgeschichte 1, 21-26; 1. Korin¬ther 9, 1; 15, 8. 9).

In Apostelgeschichte 2 finden wir zum ersten Mal, daß in Sprachen geredet wird. Der Heilige Geist kommt auf die Erde und tauft die bis dahin in gewissem Sinne einzeln für sich stehenden Gläubigen zu einem Leibe, der Versammlung bzw Gemeinde, 1. Korinther 12, 13. Bis zu jenem Tage hatte der Heilige Geist wohl auf Erden gewirkt, aber niemals gewohnt, außer in dem Herrn Jesus (Johannes 3, 34; Kolosser 1, 19). Jetzt kam Er auf die Erde, um hier zu wohnen, in der Versammlung, die Er durch Seine Taufe bildete, und in jedem einzelnen Gläubigen. Sollte diese mächtige Tatsache, daß Gott der Heilige Geist kam, um auf Erden zu wohnen, unbemerkt vorübergehen? Wie die Ankunft des Sohnes Gottes auf Erden durch Zeichen begleitet wurde: Eine Menge von Engel im Land von Bethlehem, und ein Stern im Osten, – so auch die Ankunft des Heiligen Gei¬stes. Aber auch hier sind die Zeichen nicht vor aller Welt sichtbar, sondern nur einer kleinen Gruppe von Menschen. Aber die Folgen dieser großen Tatsache werden jedem sichtbar, der überzeugt werden will (Johannes 7, 17).

In Apostelgeschichte 2 kommt der Heilige Geist nicht in Ge¬stalt einer Taube. Das war nur bei dem Herrn Jesus möglich, Dem einen Reinen, Unbefleckten, der in Sanftmut und Ge¬radheit Seinen Weg ging. Hier wird der Nachdruck gelegt auf Zeugnis: Zerteilte Zungen wie von Feuer.

Ich mache darauf aufmerksam, daß das griechische Wort „glossa“, das hier gebraucht wird, sowohl Sprache als Zunge bedeutet. Wenn z. B. im Jakobusbrief über die Zunge ge¬sprochen wird, wird dieses Wort gebraucht. Aber es wird auch gebraucht für Sprache, wie in 1. Korinther 13 „Wenn ich mit dem Sprachen der Menschen und der Engel rede, und in Offenbarung 5, 9; 7, 9; 10, 11; 11, 9; 13, 7; 14, 6; 17, 15: „aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation“ usw.

Nun, dieses Wort wird in Apostelgeschichte 2, 3 gebraucht (zer¬teilte Zungen wie von Feuer), aber auch in Vers 4 (fingen an in anderen Sprachen zu reden) und ebenso in Vers 11, wo die Menge der ausländischen Juden sagt: „Wie hören wir sie die großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden“? Dieses Wort glossa wird ferner überall gebraucht, wo über das Reden in Sprachen (Zungen) gesprochen wird (Apostelgeschichte 10, 46; 19, 6 und 1. Korinther 12, 13 und 14). Daneben kommt das griechische Wort dialektos (Dialekt) vor, aber nur in Apostel¬geschichte 1,19;2, 8; 21, 40; 22, 2 und 26,14.

Daraus geht hervor, daß der Heilige Geist – in Übereinstim¬mung mit der Ankündigung durch den Herrn Jesus (Johannes 15, 26; 16, 7-14) – sich in Apostelgeschichte 2 offenbart im Charakter des Zeugnisses: „Zerteilte Zungen wie von Feuer“. Es ist nicht eine, sondern zerteilte Zungen. Das Zeugnis wird also nicht mehr beschränkt sein auf eine Sprache, wie vor dem Pfingsttage (siehe z. B. Matthäus 10, 5), sondern wird zu vielen Völkern ausgehen. Und als Folge davon reden sie in anderen Sprachen, und alle die ausländischen Juden hören sie in ihrer eigenen Sprache von dem großen Taten Gottes reden. Dies läßt den Zweck des Redens in Sprachen erkennen, näm¬lich, daß die Frohe Botschaft von Gottes Gnade die Grenzen Israels durchbricht und jetzt ausgeht zu allen Völkern und Nationen und Sprachen und damit vom Heiligen Geiste als Mittel gebraucht wird, das seit der Sprachverwirrung von Babel (1. Mose 11, 1-9) bestehende Hindernis, das Evangelium allen Völkern zu predigen, wegzunehmen (Apostelgeschichte 2, 7. 8). Die Jünger, die ungelehrte und ungebildete Leute waren (4,13), reden über Gott zu Menschen fremder Zunge, in den Sprachen dieser Menschen, obwohl sie diese Sprache nicht gelernt hatten.

Dadurch wird das Übernatürliche, Göttliche ihrer Botschaft bewiesen. Und die Menschen, dadurch überzeugt, lauschen voll Andacht, als Petrus zu ihnen redet, und dreitausend Seelen werden bekehrt.

Wie wir oben gesehen haben, finden wir in der Apostelgeschichte, außer in Kapitel 2, Reden in Sprachen nur in 10, 46 und 19, 6. In Kapitel 10 sind es solche aus den Nationen, während es in Kapitel 19 von gläubigen Juden gesagt wird, die bis dahin wohl Jünger von Johannes dem Täufer, aber noch keine Christen waren, die zur Versammlung hinzugetan werden.

Alle drei Fälle in der Apostelgeschichte tragen also ausge¬sprochen den Charakter des Beginns der Versammlung, und in allen drei Fällen betrifft es ganze Gruppen von Menschen, die alle in Sprachen reden und diese Gabe empfangen, ohne darum gebeten zu haben.

In den Briefen finden wir nur in 1. Korinther 12-14 das Re¬den in Sprachen. Und zwar finden wir folgende Aussagen:

1) Alle Offenbarungen des Geistes, also auch das Reden in Sprachen, werden zum Nutzen gegeben (12, 7).

2) Nicht alle redeten in Sprachen, sondern der Geist gab dies einigen (12, 8-11. 28-30).

3) In der Rangordnung von Gottes Wort steht das Reden in Sprachen ganz unten (12, 8-10. 28-30). Daß es wirklich eine Rangordnung ist, wird deutlich beim Lesen dieser Abschnitte. Sowohl in Vers 28 wie 29 werden die Apostel zuerst genannt.

4) Es ist daher keineswegs zu folgern, daß das Reden in Spra¬chen bleibend sein würde, denn die Apostel, die zuerst genannt werden, waren auch nur für den Anfang. Nach 1. Korinther 9, 1 (siehe auch Apostelgeschichte 1, 21-22) war es nötig, daß ein Apostel den Herrn gesehen hatte. Es konnten also keine neuen Apostel mehr kommen. Aber außerdem sagen 1. Korinther 3 und Epheser 2 und 3, daß die Apostel den Grund der Ver¬sammlung gelegt haben. Nun, es ist deutlich, daß dies nur ein¬mal, im Anfang, geschieht.

5) Die Gabe der Sprachen war nicht gegeben, um in der Ver¬sammlung ausgeübt zu werden, sondern als ein Zeichen für die Ungläubigen (1. Korinther 14, 19-25). Und auch nicht für Ungläubige, die es nicht verstehen können (14, 23), sondern für solche, die es verstehen können, und wo es wirklich ein Zeichen ist für die Macht Gottes. Dies ist also in völliger Übereinstimmung mit dem, was wir in Apostelgeschichte 2 gesehen haben.

Wir haben also gefunden:

a) Das Reden in Sprachen wird nur in Markus 16 angekündigt und wird gegeben als eine Bestätigung des gesprochenen Evan¬geliumswortes, und nur angewendet auf die Predigt der Apo¬stel.

b) Wir finden es nur in Apostelgeschichte 2, 10 und 19, wo es deutlich in Verbindung steht mit dem Anfang der Versamm¬lung.

c) Außerdem finden wir, daß nur noch in 1. Korinther 12 und 14 darüber gesprochen wird, und zwar in einem korrigierenden Sinn.

d) Sowohl aus Apostelgeschichte als auch aus 1. Korinther geht hervor, daß bestehende Sprachen da gesprochen wurden, da wo sie verstanden wurden, und daß die Gabe, in Sprachen zu re¬den, nicht gegeben war, um in der Versammlung ausgeübt zu werden, wenn dies auch in beschränktem Maße zugelassen wurde, aber nur wenn ein Ausleger da war.

e) Das Reden in Sprachen steht nicht in Verbindung mit dem Erfülltsein mit Heiligem Geiste.

Wenn also alles in der Schrift darauf hinweist, daß die Gabe der Sprachen in Zusammenhang steht mit dem Anfang der Versammlung, ist es wohl nötig, sehr vorsichtig zu sein und alle Äußerungen sorgfältig an Gottes Wort zu prüfen. Dies um so mehr, als die Schrift uns ausdrücklich sagt, daß der Teufel und seine Engel die Gestalt von Engeln des Lichts an¬nehmen, und auch, daß Zeichen und Wunder und Lügengei¬ster vom Teufel kommen können (2. Thessalonicher 2, 9; 2. Chronika 18, 21; Apostelgeschichte 16, 16 u. a.).

Die Geschichte bestätigt dies auch ausdrücklich. Das Reden in Sprachen, die unbekannt waren, wird auch in der Heiden¬welt gefunden. Der heidnische Schriftsteller Plato, der um 400 vor Christus lebte, schrieb schon, daß gewisse Menschen nicht ihre eigene Sprache sprachen, sondern die von Dämonen, die in ihnen wohnten. Vergil spricht ebenfalls darüber.

Die Wiedertäufer in der Reformationszeit, die in großer Sittenlosigkeit und anderem Bösen lebte, redete in Sprachen (Zungen). Irving, der erklärte, daß der Herr Jesus eine sündige Natur hatte, redete in Sprachen. Diе Mormonen bekennen, in Spra¬chen zu reden u. s. w.

Laßt uns beim Prüfen bedenken, daß Satan nicht allein die Gestalt eines Engels des Lichts annimmt, sondern daß er sein Werk auch oft vermischt mit guten Dingen und durch wirklich Gläubige ausführen läßt (Matthäus 16, 21-23). Aber das Gute, das manchmal bei einer Bewegung gefunden wird, macht nicht die ganze Bewegung gut. Ja, wenn wahre Gläubige dar¬in gefunden werden, kann nicht alles verkehrt sein. Aber die Frage ist auch nicht, ob alles verkehrt ist, sondern ob alles in Übereinstimmung mit der Schrift ist. Und dann fällt z. B. auf, daß nämlich überall, wo Reden in Sprachen vordergründig in Erscheinung tritt, in der Hauptsache Frauen die Leitung haben, daß also 1. Timotheus 2, 11-15 vollständig mißachtet wird. Und dies ist eine bekannte Erscheinung in alle bösen und unchristlichen Gruppen. Denken wir nur an Christian Science (Frau Eddy), die Theosophen (Frau Blavatsky und später Annie Besant), die Siebentagsadventisten (Frau White) usw. Es ist bekannt, daß bei den Spiritisten auf jedes männliche Medium jeweils mindestens ein Dutzend weibliche Medien kommen. – Soweit H. L. Heijkoop

 

4.  GEMEINDE JESU  –  ENDZEITLICH UNTERWANDERT?

Evangelist Alexander Seibel beleuchtet in seinem Buch vor allem den kulturellen Hintergrund der Gemeinde in Korinth. Im Besonderen die Einflüsse der Gnosis und des Orakels von Delphi in seinem wahrsagerischen Trancereden.

Inhalt

Der 1. Korintherbrief:

Eine Gemeinde in Not

Heidnische Überbleibsel

Verführte Gläubige

Passivität

Unechtes Sprachenreden?

Über die geistlichen Gaben

Gibt es Gericht als Antwort auf Gebet?

Geistestaufe Das Wesen des Leibes Christi

Das Größte von allem

Weissagen und Zungenreden

Zungenreden in bezug auf Ungläubige

Zungenreden in bezug auf Gläubige

Prüfet die Geister

Hat nicht Joel eine Erweckung verheißen

Kann ein Kind Gottes besessen sein?

Aufsehen auf Jesus

Betrachtungen über das Händeauflegen

  –  Auszüge aus dem Buch  –  

 

Der 1. Korintherbrief

Eine Gemeinde in Not

Das Grundthema des l. Korintherbriefes umfaßt Ordnungen und Richtlinien für die örtlichen Gemeinden; der Brief wurde geschrieben, wie Ralph Shallis es sagt, »um Ordnung in das Chaos zu bringen«. Nach der sehr höfli¬chen, liebevollen Einleitung in Kap. l, 1-9 beginnen mit V. 10, der bereits vor Spaltungen warnt, sich stets steigernde Ermahnungen – bis eigentlich zum Schluß des Briefes. »Ich ermahne euch aber…« (l. Kor. l, 10). V. 11 verrät uns, daß Zank herrschte.

Vielleicht kann eine kurze Darstellung des historischen Hintergrundes manche Zusammenhänge erhellen. Ähnlich wie Athen (Apg. 17, 16) war Korinth voll von Götzenbildern und Statuen. Damit war sexuelle Ausschweifung und ein bewusstes Betonen von Philosophie und Weltweisheit verbunden. Paulus warnt vor »klugen Worten« (l, 17) und stellt dem gegen¬über die Torheit des Kreuzes als die wahre Weisheit der Gemeinde hin.

Von Kapitel l, 18 bis zum Ende des 2. Kapitels wird gezeigt, daß die Gemeinde Jesu nicht auf weltliche Weisheit oder die in Griechenland vielgerühmte Gnosis gegründet ist, sondern auf die Kreuzes-Botschaft. Manch ein Korinther aber gab hohen Worten und »erhabener« Weisheit (2, l) den Vorzug gegenüber der Torheit und dem Ärgernis des Kreuzes.

Kapitel 3, 1-3 zeigt recht deutlich, wie unreif die Gläubigen größtenteils noch waren. Paulus nennt sie »fleischlich« und »Kinder« (3, l). Obwohl sie sich offenbar sehr gebildet vorkamen, waren sie in geistlichen Dingen ziem¬lich unwissend. Insgesamt fragt der Apostel sie zehnmal im ganzen Brief: »Wisset ihr nicht…?«

In Kap. 15, 34 sagt der Apostel sogar mit einer gewis¬sen Schärfe: »Werdet doch einmal recht nüchtern und sündiget nicht! Denn etliche wissen nichts von Gott; das sage ich euch zur Schande.«

In Kapitel 3,11 zeigt Paulus die Grundlage jeder Gemein¬de, nämlich Jesus Christus – eine Grundlage, welche alle Gläubigen, ob geistlich oder fleischlich, gemeinsam ha¬ben. Während jedoch der geistliche Christ Lohn emp¬fängt, werden andere Schaden erleiden (3, 14-15).

Die Verse 6, 18 u. 19 von Kap. 4 sowie Kap. 5, 2 offenba¬ren eine andere negative Eigenschaft der Korinther, näm¬lich ihre Aufgeblasenheit. In bezug auf das Gemeindele¬ben ist Kap. 4, 6 erwähnenswert, wo uns gesagt wird, daß wir nicht über das Geschriebene hinausgehen sollen. Der geistliche Hochmut dieser Gläubigen verführte sie zu der Ansicht, schon einen gewissen geistlichen Stand, womög¬lich eine höhere Form des Christenlebens (V. 8), erreicht zu haben. Gerade Gaben verleiten oft zu Stolz (V. 7), der Überzeugung, etwas Besonderes zu sein. Paulus zeigt, wie das Apostelamt, dagegen oft größte Erniedrigung und Verachtung (V. 9-13) vor aller Welt bringt.

Die Verse 6-13 des 5. Kapitels zeigen, daß in der Ge¬meinde teilweise sehr schwere Sünde herrschte. So schwer, daß Gemeindezucht geübt werden sollte und Glieder auszuschließen waren. In Vers 11 werden sechs schwere Vergehen genannt; das Verharren darin bewirkt Trennung von der Gemeinde. Es bestand die Gefahr der sündi¬gen Vermischung.

Die Verse 1-8 von Kapitel 6 verraten, daß die Korinther teilweise so zerstritten waren, daß sie sich gegenseitig vor weltliche Richter zerrten. In Vers 5 fragt Paulus: »Ist so gar kein Weiser unter euch, auch nicht einer, der da könnte richten zwischen Bruder und Bruder?«

Von Vers 12 bis 19 warnt der Apostel vor der Gefahr der Vermischung. Es ist offensichtlich, daß, wenn ein Gläubiger mit einer Ungläubigen eins wird (V. 16), Licht und Finsternis sich vermischen. Das Gebot Gottes im Blick auf diese große Gefahr der Vermischung lautet: »Fliehet!« (V. 18)

Kapitel 7 offenbart im Prinzip nichts Negatives, Paulus behandelt das Thema der Ehe und Ehelosigkeit.

Kapitel 8 deutet an, daß die Korinther teilweise noch Göt¬zenopfer aßen… In Kapitel 9 finden wir eine leidenschaftliche Rechtferti¬gung des Amtes des Apostels Paulus. Die Korinther hatten ihn als fleischlich bezeichnet (9, l) und stellten sein Apostelamt in Frage (V. 2). Sie, seine Kinder (4, 15), saßen praktisch über ihn zu Gericht (V. 3).

Kapitel 10 offenbart einen interessanten Sachverhalt. Wie¬derum muß Unwissenheit aufgeklärt werden … Es leuchtet ein, daß Paulus in seinen Briefen jeweils zu der geistlichen Situation der Gemeinde Stellung genommen hat….

Heidnische Überbleibsel

Wir müssen hier nochmals einen Blick auf den heidnischen Hintergrund der Korinther werfen. Die Lehre der damals schon eindringenden Gnosis beinhaltete u. a. Errettung durch Erkenntnis und nicht durch Gehorsam gegenüber der Wahrheit. Sünde wurde in gewisser Hinsicht durch Erkenntnis neutralisiert. Man hatte Jesus erkannt und meinte, nun wäre alles in Ordnung.

Für die gnostisch beeinflussten Korinther damals galt die Meinung, ein Kind Got¬tes könne keinen Kontakt mit Dämonen bzw. keinen fal¬schen Geist haben. Deswegen mußte für sie jede übernatürli¬che wie auch fleischliche Manifestation »von Gott sein«, wie sonderbar es auch sein und der Lehre der Apostel wi¬dersprechen mochte. Dies ist eine sehr gefährliche Einstel¬lung, da sie dem Feind durch völlige Ahnungslosigkeit – auch bei ehrlicher Überzeugung – Tür und Tor öffnen kann (Apg. 20,28-31). Zu Korinth glaubte man je¬denfalls, daß man mit der neuen Erkenntnis nun im alten Trott weiterleben könne; so wurde christliches Gedankengut mit heidnischen Vorstellungen vermischt.

Weit verbreitet war damals in Griechenland der Kult des Dionysos, des Gottes der Lebensfreude, des Weines und der Fruchtbarkeit. Es gab einen Kelch dieses Gottes, und bei den sogenannten »Bacchanalien« betrank man sich nach Kräften (l. Kor. 11,21), erging sich in sexuellen Ausschweifungen (l. Kor. 5-6), eben Hurerei, und geriet oft auch in Ekstase und tranceähnliche Verzückungen.

Alle diese Elemente finden sich auch bei der uns vorgestellten Gemeinde. Sie war zum Teil mit den heidnischen Elementen, Kulten und damit auch mit den Dämonen stark vermischt. Bei den heidnischen Festen ging es »berauscht«, also chaotisch zu, und nicht zufällig mußte der Apostel betonen, daß Gott nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens sei (l. Kor. 14, 33). Tatsache ist, daß ein falscher Geist einen beseli¬genden und berauschenden Zustand hervorrufen (Jes. 19, 14 u. 29, 9-10) und sogar Weissagen (Jes. 28, 7; l. Kön. 18, 29) bewirken kann.

Etwas von dieser Lebensfreude der Griechen sollte nun auch das »christliche Zusammentreffen« widerspiegeln. Gerade die Gläubigen sollten doch Leben und Freude ha¬ben. Anstatt von der wahren Quelle, nämlich von Jesus, dem Kreuz, die Fülle zu schöpfen, versuchte mancher mit anderen Mitteln (z. B. Wein) sein Glücksgefühl zu stei¬gern. Auch heute beobachten wir mehr und mehr die Tendenz, mit seelischen und weltlichen Methoden (Rhythmus, harter Beat, Klatschen, Schreien) »Stimmung« zu erzeugen, »Geistesfülle« und Leben zu beweisen.

Vielleicht sollte hier kurz das Orakel zu Delphi als die be¬rühmteste Kultstätte der damaligen Antike erwähnt wer¬den. Kein griechischer Staat beschloß große Unterneh¬mungen, ohne vorher das Orakel befragt zu haben. Frauen dienten an dieser Stätte; die Priesterin wurde Pythia ge¬nannt (der Name kommt von Python, dem Schlangenun¬geheuer, welches Apollo erschlug, worauf er dort die Stadt Pytho oder Delphi gründete). Apollo, dem griechischen Gott der Weissagung und der Dichtkunst, war also das Orakel zu Delphi geweiht. Da praktisch jedes größere Er¬eignis von dort aus gelenkt wurde, ist zu erwarten, daß jenes ganze Gebiet von jenem Geist der Wahrsagung geprägt war. Es überrascht daher nicht, wenn wir lesen, daß der Apostel Paulus zu Philippi der Magd einen »Pythonsgeist« (wie es im Grundtext heißt) austrieb (Apg. 16, 16).

Wenn man das Orakel befragte, geriet die Pythia öfters in Ekstase; das Ergebnis war ein »Trancereden« bzw »Zungenreden«, über das sich schon Plato spöttisch äußerte. So oft dies geschah, meinte man, die Gottheit spräche direkt aus der Priesterin, und man hielt jedes Wort fest. Der Mann, der diese im Trancezustand gelallten Worte aufschrieb und weitergab, wurde »Prophetes« genannt.

Wie die Stadt Korinth lag auch Delphi am Golf von Korinth. Die rein räumliche Nähe erklärt die besondere Beeinflussung; insofern war es für die Gemeinde nichts Außergewöhnliches, wenn Frauen in »Zungen« redeten oder sogar den Gottesdienst leiteten. Nicht zufällig betont der Apostel in Kap. 11, 1-16 die dem Mann untergeordnete Stellung der Frau in der Gemeinde. In Kap. 14,34 wird das Reden von Frauen in der Versammlung verboten.

Vielleicht erklärt der oben erwähnte Hintergrund noch et¬was anderes. Wir haben bereits gesehen, wie fleischlich und aufgeblasen die Korinther waren. Würden sie nun in »Zungen reden«, dann würden sie dadurch die Besseren und Größten sein. Sehr oft begleitet der Hochmut diese Gabe. Hochmut aber ist die Wurzel aller Unnüchternheit und Verführung. Einge¬denk des Verhaltens der Pythia und der weltweiten Be¬rühmtheit der nahen Orakelstätte mußte das Charisma des Sprachenredens für sie das Größte und Begehrenswerteste darstellen; das Praktizieren dieser Gabe konnte sie allein schon deswegen in einen Rausch von Glücksgefühl und Selbstbewusstsein bringen, womöglich bis hin zu der Idee, daß sie nun den berühmtesten Kultstätten der damaligen Welt in nichts mehr nachstünden. Dieser Wunsch nach Ruhm und Ansehen ist bei fleischlichen Christen oft sehr ausgeprägt. Vielleicht sagt der Apostel auch deshalb: ». . . der da weissagt, ist größer, als der in Sprachen redet« (l. Kor. 14, 5).

 

Sprachenreden in bezug auf Ungläubige

Im 2. Kapitel dieses Buches erkennen wir, wie Glossolalien als ein Zeichen den Ungläubigen gegeben waren, und Gott konnte durch die Predigt des Petrus viele über¬führen. Es war gewissermaßen die Umkehr des babyloni¬schen Ereignisses.

In 1. Mose 11 verwirrt Gott die Spra¬chen, wendet sich von den Völkern ab und beruft den ein¬zelnen, nämlich Abraham (1. Mose 12). Die Offenbarun¬gen Gottes wurden nunmehr nur dem Volke Israel in des¬sen Sprache gegeben. Zu Pfingsten entwirrte Gott die Sprachen und dieses Wunder deutet an, daß nun die Rat¬schlüsse Gottes (das Evangelium) allen Völkern, »Spra¬chen« und Nationen zuteil werden. Damit wurde zeichen¬haft zu Beginn gleich das Wesen der neuen Heilszeit of¬fenbart. Am Rande sei vermerkt: Das sog. Zungenreden von heute hat oft babylonischen Wirrnischarakter. Leute, die sich sonst ausgezeichnet verstehen, trennen sich auf ein¬mal. Das ist eher ein Zeichen dafür, ähnlich l. Mose 11, daß sich Gott wieder von den Nationen abzuwenden be¬ginnt. Tatsächlich geht auch die Zeit der Heiden zu Ende (Lk. 21, 24), und Gott ist dabei, Israel buchstäblich aus den Gräbern (Hes. 37) hervorzuholen. Doch soll dies nur eine Randbemerkung sein.

In Apostelgeschichte 10, 45 erfahren wir, daß das Spra¬chenreden den Juden zum Zeichen diente, weil sie, ob¬wohl wiedergeboren, nicht glauben wollten, daß auch die Heiden den Heiligen Geist empfangen könnten; sie waren also in dieser Hinsicht »ungläubig«.

Auch in Apostelgeschichte 19, 1-6 war dies gewiß ein Zei¬chen für jüdische Menschen, welche die Trennung vom Alten Bund nicht klar genug vollzogen hatten. Dank des Zeichens der Sprachenrede glaubten sie vollends an das ganze Evangelium von Jesus Christus. Ähnlich kommen¬tiert dieses Ereignis Michael Griffiths, wenn er schreibt:

»Das Geschehen war in der Situation der Johannesjünger ein Zeichen für sie selbst zur Bestätigung, daß ihr Schritt von der Nachfolge des Täufers zur Nachfolge Jesu richtig war.«

In diesem Sinne ist meiner Ansicht nach auch die Gabe des Spra¬chenreden des Apostels Paulus, das in l. Kor. 14, 18 er¬wähnt wird, zu verstehen. Auf dem Missionsfeld ist die Sprachengabe von höherer Wichtigkeit, um eben den fremdsprachigen Ungläubigen zu erreichen.

William MacDonald meint zu dieser Stelle: »Paulus konnte anscheinend in mehr Fremdsprachen reden als alle anderen. Wir wissen nicht, ob er diese Fähigkeit auf über¬natürliche Weise erhalten hatte oder ob er die Sprachen er¬lernt hatte.«

Offensichtlich sieht MacDonald den Sachverhalt ähnlich, schreibt er doch allgemein zur Gnadengabe des Sprachenredens: »Die Gabe der Sprachen war die Fähigkeit, fremde Sprachen zu sprechen, ohne sie gelernt zu haben. Wir sind nicht der Meinung, daß hier Kauderwelsch oder ekstatische Äußerungen gemeint sind, sondern wirkliche fremde Sprachen, die es damals gab. Sprachen auszulegen war die wunderwirkende Kraft, das zu übersetzen, was in einer Fremdsprache gesprochen wurde, ohne diese Spra¬che jemals selbst gelernt zu haben.«

Diese Darlegung des Sprachenredens als echte Sprache und nicht einfach Gelalle, erklärt noch einen anderen Sachverhalt. Anscheinend ist dies auch der Grund, warum wir im Alten Testament, in dem sonst sämtliche Charismata erwähnt werden (Weisheit, Krankenheilung, Wirken von Wundern, Weissagung usw.), die Gabe der Glossolalie nie antreffen. Sie war of¬fensichtlich nicht notwendig, da alle die gleiche Sprache hatten, es eben ein Volk war. Auch der Herr Jesus Chri¬stus, der ja zuerst für Israel kam (Mt. 15, 24) und zur Zeit des Alten Bundes lebte, redete nie in Fremdsprachen. Auch erwähnt er diese Gabe nicht, als er seine Jünger zu den verlorenen Schafen Israels sendet (Mt. 10, 5-8) und dies, obwohl gerade die Juden nach Zeichen fragen (l. Kor. l, 22). Jedoch lesen wir von diesem Charisma, als er die gleichen Jünger beauftragt, das Evangelium aller Welt zu predigen, er sie also zu den anderen Völkern (Sprachen) und Nationen sendet (Mk. 16,15-16).

Das, was nun Gott primär für die Welt, die Ungläubigen, gedacht hat, jedenfalls das Sprachenreden ohne Überset¬zung, wird aber heute, genau wie damals in Korinth, als großes Erlebnis mehr und mehr in die Gemeinden hinein¬getragen – mit dem so ziemlich gleichen Ergebnis, nämlich Verwirrung, Parteiungen und Spaltungen (l. Kor. 11,18). Ich fürchte sehr, daß der wahre Grund für das heutige Zunehmen des sog. Zungenredens und die wachsende Sympathie für die korinthische Gemeindesituation nicht darin zu finden ist, daß wir so geistlich, sondern daß wir so fleischlich geworden sind.

Sprachenreden in Bezug auf Gläubige

Kapitel 14, 23 zeigt, wie die Gemeinde möglicherweise ihre Gabe anzuwenden gewohnt war. »Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und es kämen hinein Unkundige oder Ungläubige, würden sie nicht sagen, ihr wäret von Sinnen?« Mit anderen Worten:

Sie standen in der akuten Gefahr, daß sie, wie so vieles andere, auch diese Gnadengabe völlig falsch verstanden und praktizierten. Nach allem bisher Gehörten sollte es uns nicht zu sehr überraschen!

In dieser ganzen Abhandlung des 14. Kapitels kann man erkennen, wie der Apostel sowohl in der theoretischen Auseinandersetzung (2-25) als auch im praktischen Bereich der Anwendung (26-40) wiederholt die Vor¬teile der Prophetie aufzeigt, während er die Glossolalie Punkt für Punkt zurückstellt…

Daß heute gerade diese damals untergeordnetste Gabe immer mehr hervorgehoben wird, zeigt doch eindeu¬tig, daß hier irgend etwas nicht stimmt. Zwar sagt Vers 39, daß den Korinthern nicht verboten werden  soll, in Sprachen zu reden, aber es steht wirklich nirgends, daß wir heute nach dieser Gabe streben sollen.

Es heißt immer wieder, wir sollen den Geist ja nicht dämp¬fen. Doch Gottes Ordnungen eigenwillig umändern und auf den Kopf stellen, dämpft meiner Ansicht nach den Heiligen Geist noch viel mehr. Nach Vers 37 ist das Kenn¬zeichen der Geistesfülle weniger das Betonen einer Gabe, als vielmehr die Bereitschaft, sich unter die Ordnung von Gottes Wort zu stellen. Wieso meinen dann immer mehr, zur wahren Geistesfülle gehöre auch die Gabe der Glossolalie? Warum trifft man heute immer mehr Gläubige, die oft tage- bis wochenlang zu Gott fle¬hen, beseelt nur von dem einen Wunsch, endlich doch auch dieses »herrliche« Erlebnis bzw. Charisma zu bekommen? Was ist eigentlich mit uns passiert? Wenn man heute warnend seine Stimme erhebt, wird man immer mehr der Lieblosigkeit bezichtigt. Doch machen wir uns nicht schuldig, wenn wir angesichts dieser Verzerrung göttlicher Prinzipien noch schweigen?

Abschließend kann man sagen: Sprachenreden und auch andere Gaben sind nicht unbedingt ein Zeichen für geistliche Reife. Dieser Brief beweist, daß man ein fleischliches Leben, gekennzeichnet von krassen Sünden wie Hurerei, Spaltungen, Streitigkeiten usw., führen und dennoch Charismen praktizieren kann. Gaben sind nicht unbedingt das Kriterium von Geistlichkeit, sondern die Frucht. Es gibt keine Abkürzung für Geistesfülle. Die Heiligung ist nicht eine plötzliche Aneignung von geistlicher Reife durch ein aufregendes Gefühlserlebnis, sondern im Gegenteil: Ein Wachstumsprozeß, durch welchen wir Jesus ähnlicher werden durch die Kraft des in uns wohnenden Heiligen Geistes, der auf der Grundlage des Gehorsams (Apg. 5, 32) in unseren Herzen Raum gewinnt.

Gefährdung der Grundfundamente

In Kapitel 15 erfahren wir, daß etliche (V. 12) nicht einmal an die Auferstehung glaubten. Dies wiegt sehr schwer, wenn man bedenkt, daß die Auferstehung, das Ziel der Gemeinde, das Zentrum des Evangeliums darstellt. Damit steht die einmalige Heilsbotschaft in Gefahr. Paulus deu¬tet diese Möglichkeit an (15, 2), und um diesem Unheil zu begegnen, legt er nochmals klar die Grundsäulen des Evangeliums fest. Nicht zufällig haben wir in l. Kor. 15, 1-5 die »Standarddefinition« der »Frohen Botschaft« und danach jene wunderbare Abhandlung über die Auferste¬hung. Also selbst der mehr als bedenkliche Umstand der Abänderung des Evangeliums ist in Korinth bereits zu er¬kennen. So ist auch heute die Botschaft von der Geistestaufe nicht mehr das Evangelium der Bibel.

Der Feind knüpft mit der zu einer Irrlehre fehlentwickelten Lehre von der Geistestaufe bei der aufrichtigen Sehnsucht vieler Gläubiger an, aus allen Ketten und Gebun¬denheiten, aus allem bewußten und getriebenen Sündigen befreit zu werden. Wie verführerisch muß da die Botschaft wirken, daß eine einmalige Erfahrung uns befreie und aller Kämpfe ledig mache. Anstatt im schlichten Glaubensge¬horsam in der Gnade und der Erkenntnis Jesu Christi zu wachsen, will man mit einem Sprung in »ein Leben auf hö¬herer Stufe, in andere Dimensionen« gelangen. Mit drängender Ungeduld und Anstrengung erfleht man das so be¬gehrte Erlebnis herbei. Hat es sich endlich eingestellt, ist man anfänglich wie berauscht von diesem Gefühl der Se¬ligkeit. Man meint, endlich die Geistestaufe erfahren zu haben.

Mit dieser Lehre und den damit verbundenen »Erlebnis¬sen« – die wirklich sehr »beseligend« sein können, wie ich aus eigener Erfahrung weiß – reißt man das Werk Jesu Christi und das Werk des Heiligen Geistes auseinander, trennt man in seinem Wirken Kreuz und Geist Gottes. Man hat ein anderes Evangelium, eine »Kreuz- und Erleb¬nis-Botschaft« und wird getrieben, dies fleißig in den Ge¬meinden, gewöhnlich über Handauflegung, zu vermitteln. Nicht zufällig erwähnt Paulus an die Korinther in dem schon oft zitierten Vers von 2. Kor. 11,4, daß sie auch ein anderes Evangelium recht gerne ertragen. Welch schwerwiegende Dinge werden doch mit dieser Bibelstelle ausgesagt.

Die Apostel predigten jedenfalls nicht die Geistestaufe, sondern das Kreuz. Man vergleiche einmal Mt. 3, 11 mit Apg. 13, 25-30. Statt von der Geistestaufe zu sprechen, die Johannes der Täufer erwähnt, redet Paulus von der Kreuzigung Jesu und unserer Schuld. So erfährt man nämlich als Ungläubiger die wahre Gei¬stestaufe, die Wiedergeburt: Wenn man die Kreuzesbotschaft für sich persönlich annimmt, das Kreuz bejaht, sich für Jesus entscheidet.

Man berichtet immer häufiger von Zeichen, Wundern, Verzückungen, Gesichten, Träumen, anstatt die Weitergabe des Wortes Gottes im Mittelpunkt zu belassen.

Wundersucht ist aber gegen die Kreuzestheologie. Wäh¬rend der Herr Jesus nie den Glauben rügte, bemerkte er mehrmals abweisend: »Dieses böse und abtrünnige Ge¬schlecht sucht ein Zeichen« (Mt. 12, 39 u. 16, 4). Gott wird durch Glauben geehrt, und ohne Glauben ist es un¬möglich, ihm zu gefallen (Hebr. 11, 6). Wunderfreude und Erlebnissucht führt langsam aber sicher zu einer ande¬ren Grundlage, zu dem schwankenden Fundament der Gefühle und Erfahrungen. Allmählich wird man von der Basis des Glaubens in eine Irrlehre hineingezogen. Gott aber möchte uns in die Glaubensschule (2. Kor. l, 9) nehmen.

Prüfet die Geister

Die oben aufgezeigte Verdrehung der Sprachengabe zu einem sog. Zungenreden dürfte der Grund sein, warum die Untersuchungen von Leuten auf diesem Gebiet, sei es im seelsorglich-okkulten oder im rein seelisch-psychologischen Bereich, so negativ aus¬fallen. Während Seelsorger von schauerlichen Verführungen und kräftigen Irrtümern berichten, machen auch Sprachforscher erschütternde Feststellungen. Dr. William Welmers, Professor für afrikanische Sprachen an der Universität Kalifornien in Los Angeles, schreibt u. a.: »Es wurde mir gesagt, daß Dr. E. A. Nida von der amerikani¬schen Bibelgesellschaft ähnliche Eindrücke von Glossolalie-Aufzeichnungen hat. Vom Standpunkt eines christlichen Linguisten erscheint das moderne Phänomen des Zungenredens als ein linguistischer Betrug und eine sprachliche Monstrosität, selbst wenn man die großzügig¬ste Auslegung für l. Kor. 12-14 anwendet.«

Ähnlich schreibt z. B. John Kildahl: »Sprachforscher arbeiten mit präzisen De¬finitionen, woraus sich eine natürliche, menschliche Spra¬che zusammensetzt. Die heutigen Glossolalien entsprechen nicht diesen Definitionen … Der Glaube, daß Zungenreden dadurch hervorgerufen wird, daß der Heilige Geist direkt mechanisch die Stimmbänder bewegt, veranlaßt die Gruppenmitglieder, beinahe alles, was als Zungenreden ausgegeben wurde, zu akzeptieren.«

Bedenkt man, daß dieser Arzt jenes Phänomen zehn Jahre lang in Amerika untersucht hat, so liegt hier ein schwerwiegender Tatbestand vor.

Nicht grundlos er¬klärt der Apostel Paulus in l. Kor. 14,29, daß wir die Rede prüfen sollen. Auch die Gemeinde soll alles prüfen, wie wir ja wörtlich in l. Thess. 5, 20-21 aufgefordert werden. »Meidet das Böse in jeder Gestalt.«

Wie wir gesehen haben, finden wir sowohl im Al¬ten als auch im Neuen Testament falsche Weissagungen bzw. falsche Propheten. Es ist einleuchtend, daß, wenn der Feind die größere Gabe imitieren kann, ihm dies bei der geringeren noch viel leichter fal¬len dürfte. Sprachenrede, wo immer sie nun auftritt, sollte also geprüft werden, ob sie aus geistlicher, seelischer oder gar spiritistisch-dämonischer Quelle kommt (Sach. 13, 2).

Sehr oft trifft man aber auf eine ausgesprochene Unwillig¬keit, das Reden oder die Gabe prüfen zu las¬sen. So schreibt beispielsweise Jakob Zopfi in dem neu erschienenen Büchlein »Schwarmgeist?«: »Die Zungen sind zu prüfen! – Die Bibel sagt: >Weissagung verachtet nicht! Alles aber prüfet; das Gute behaltet!< (l. Thess. 5, 20-21). Nirgends werden wir aufgefordert, das Sprachenreden zu prüfen. Wie soll denn die Zungenrede geprüft werden?! Es gibt ein Prüfen, das Zweifel sät, das in Unglauben führt, ja, das den Glauben an das Böse stärkt, das dem Teufel mehr Ehre gibt als Gott! Hier sagt die Schrift: >Forschet nicht!< (l. Kor. 10, 25).«

Das Prüfen ist jedoch nicht irgendein Vorschlag in Gottes Wort, sondern ein Befehl. Wir ha¬ben die Pflicht, die Quelle zu prüfen, aus der Visionen, Weissagungen, das Aufdecken von Sünden, Heilungen, Friede, Freude usw. herrühren.

Sollte es da einen nicht nachdenklich stimmen, wenn man von Arthur Richter folgende Aussage liest: »Ich weiß, daß das die Stunden meiner tiefsten Demütigung waren, da hindurchzugehen, unvernünftig zu sein und nicht zu prüfen, nicht gescheit mit Gott zu reden, sondern unvernünftig.«

Gerade diese heute immer raffinierter auftretende Macht wird getrieben durch einen Geist der Imitation, kopiert oft messerscharf den Heiligen Geist, der sich mit zunehmender Endzeit immer raffinierter verlarvt. Hier nicht zu prüfen, ist geistlicher Selbstmord auf Raten.

Geschwister, die unter dem Einfluß des falschen Pfingstgeistes noch klar warnende Gläubige beschuldigen, sie seien gegen »Geistesgaben« und »Zungenreden«, sie hät¬ten vom Heiligen Geist keine Ahnung, ziehen eine falsche Frontlinie. Der Kampf richtet sich nicht gegen Geistesga¬ben, sondern gegen den falschen Geist, der die göttlichen Gnadengaben nachahmt. Er möchte über diese Imitationen in die Gemeinden einschleichen und sie zerreißen, ein anderes Evangelium und einen Bann über die Gläubigen bringen.

Gerade dieser falsche Geist aber möchte nicht ans Licht, will verborgen bleiben und verwirrt oft ernste Geschwi¬ster durch zahllose fromm getarnte Lügen, wie: »Du bist kleingläubig, du betrübst den Heiligen Geist, du zweifelst an Gott selbst usw.« Gewisse Menschen und Prediger sind mitunter wirklich nett und geistlich, doch darf dies nie ein endgültiges Kriterium sein. Es ist ein großer Irrtum, eine Bewegung nach einem mir bekannten lieben Men¬schen beurteilen zu wollen. »Prüfet die Geister«, heißt ja nicht: Prüfet bei dieser oder jener Bewegung ei¬nen Menschen, seine Aufrichtigkeit, Disziplin, Liebe, sei¬nen Eifer, seine Hingabe usw. Dies alles sind vordergrün¬dige Kriterien, die aber eine üble Wurzel überdecken können. Man denke nur z. B. an die Disziplin, die Freude und den Eifer, ja die wirklich echte Hingabe der Mormonen.

Gerade heute aber hört man immer wieder als der Geister¬prüfung letzter Schluß: »Der Bruder ist so geistlich, so ru¬hig und diszipliniert, er praktiziert die Gabe nur für sich, er geht schon jahrzehntelang mit dem Herrn, er strahlt so eine Freude aus, er gehört keiner extremen Richtung an, er hat geistliche Vollmacht, er lebt so hingegeben, usw.« Folglich muß die Gabe echt sein… Man hat wieder einmal, wie so oft, den Menschen und nicht den Geist geprüft.

So schreibt wiederum McGraw: »Ein zweites, was ich lernte, ist dies: Auch bewährte Christen können von ei¬nem Zungendämon heimgesucht werden. In einer Vor¬tragsreihe über das Leben der geisterfüllten Gläubigen hatte ich während einiger Wochen in meiner Bibelklasse die Gaben des Geistes behandelt… Die einzige Person, die aus jener Bibelklasse an uns herantrat, war eine be¬kannte gläubige Frau – begabt, von ausgeglichenem Cha¬rakter, zuverlässig, eine Seelengewinnerin. Sie sagte, daß sie nur in ihrer persönlichen Stillen Zeit in Zungen rede. Sie schilderte uns eine entsprechende geistliche Erfahrung, die sie vor Jahren gehabt hätte. Wir konnten uns kaum vorstellen, daß diese feine Christin von einem Zungendä¬mon beeinflußt sei. Dies sagte ich ihr auch. Aber sie war nicht zufrieden. Sie wandte sich später wieder an einen meiner Mitarbeiter. Wir prüften. Und wir merkten bald, daß eine Zunge sich in ihr äußerte, die gegen Christus, ge¬gen die Frau selbst und gegen uns bittere, haßerfüllte Worte sprach. Es war nicht zu bestreiten, daß ein dämoni¬scher Zungengeist in der Frau wirkte. Ich kenne bibel¬gläubige Ausleger, die von ihrer ursprünglichen Meinung abrücken mußten, als sie starke Indizien feststellten, daß auch wahre Gläubige von bösen Geistern beeinflußt, ja bewohnt werden können. Persönlichkeiten im Dienst des Herrn in Amerika sind mir bekannt, die viele Vorkommen von Zungen geprüft haben und – wie wir – einen hohen Prozentsatz als dämonisch entlarvten. Solches hatten auch sie bei sonst aufrichtigen und wahrhaft geistlichen Leuten beobachtet. Alle Anzeichen von Bekehrung und Wieder¬geburt, von geistlichem Hunger und geistlichem Wachs¬tum waren da, und es sei hier durchaus zugegeben, daß in der charismatischen Bewegung viele feine Gläubige dem Herrn mit Eifer nachzufolgen. Dennoch: Meine Er¬fahrungen in der Seelsorge führen mich zu der erschüt¬ternden Schlußfolgerung, daß zahllose Zeitgenossen, die in Zungen reden, von Satan betrogen sind.«

Man prüft oft nur, ob der Betreffende ein Kind Gottes ist. Verläuft dieser Test positiv, dann öffnet man sich dem Bruder häufig schnell und vorbehaltlos  z.B. durch Handauflegung. Dies aber ist bereits Sünde und Ungehor¬sam. Diesen Irrtum beging ich sel¬ber. Vor Jahren traf ich so einen lieben, ausgeglichenen und offensichtlich gesegneten Bruder mit der Gabe des Zungenredens, daß ich mir von ihm die Hände auflegen ließ. Ich sehnte mich damals nach dem Erlebnis der »Gei¬stestaufe«. Der Grund, warum ich so oft 2. Kor. 11,4 zitiere, liegt vielleicht darin, daß ich die Wahrheit dieses Wortes an mir selber erfahren habe. Es war wirklich ein schöner und berauschender Geist, er vermittelte auch das so sehr ersehnte Gefühl der »Vollmacht«, nur – er war lei¬der nicht von Gott. Ich hatte eben nur oberflächlich ge¬prüft. Doch es heißt eben nicht: Prüfet die Menschen, ob sie aus Gott (das heißt wiedergeboren) sind, sondern: »Prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind.«

Gerade die Gläubigen, die ja von der Realität der unsicht¬baren Welt wissen, sollten sich nicht nur an den sichtbaren Kriterien aufhalten, sondern auch die unsichtbare Seite mit dem Prüfen erfassen. Wird nämlich das Prüfen der Geister vorgenommen, offenbart sich in der Regel ein un¬geheurer Betrug. Die Gesamtbilanz des Prüfens anhand der Bibel in meiner eigenen Konfrontation ist erschreckend negativ (l. Petr. 4, 17-18). So negativ, daß mich Ar¬gumente der oben erwähnten Art – er ist so lieb, so hinge¬geben usw. – kaum noch beeindrucken. Unser Herz ist oft viel trügerischer, als wir jemals ahnen (Jer. 17, 9).

Jedenfalls begann ich bei diesen Ereignissen die Warnung Jesu, daß das Licht in uns nicht Finsternis sein solle (Lk. 11, 35), besser zu begreifen.

»Das Gebot der Stunde lautet: Die Zungen prüfen!« So meint McGraw, denn: »Zuerst bin ich erstaunt und erschüttert im Blick auf den hohen Prozentsatz von dämo¬nisch verursachten Zungen«, und »Es bedeutete für uns einen nicht geringen Schock, festzustellen, daß über 90 Prozent derer, die ein Prüfen ihrer Zungengabe erbeten hatten, Zungen dämonischen Ursprungs entdecken mu߬ten.« Dies sind in der Tat mehr als schockierende Nach¬richten, und es stellt sich die bange Frage, wann die Gläu¬bigen endlich aufwachen werden.

Zum Abschluß wiederum Watchman Nee: »Die Kinder Gottes sollten auch nicht kritiklos alles Übernatürliche aufnehmen, denn auch Satan hat die Macht, übernatürli¬che Werke zu tun… Die Fälschungen des Feindes übertreffen oft die Erwartungen der Gläubigen. Wenn sich die Gläubi¬gen dahingehend demütigen wollen, daß sie durchaus be¬trogen werden könnten, dann würde das schon einen ge¬wissen Schutz bedeuten.«

Ergänzende Betrachtungen

Der oben bereits zitierte John P. Kildahl berichtet in sei¬nem Buch von einem richtigen Abhängigkeitssyndrom. »Ohne völlige Unterwerfung unter den Leiter konnte das Zungenreden nicht begonnen werden.« Diese Abhängig¬keit wird durch das Sich-Auflegenlassen der Hände sicht¬bar demonstriert. Es bedeutet, wie wir noch sehen wer¬den, Identifikation, Auslieferung an einen anderen.

Wie weit diese Abhängigkeit geht, wird deutlich in der Arbeit von Kildahl dargelegt. Dort heißt es, daß Zungen¬redner durch die Art und Weise ihrer Glossolalien ganze Gruppen beeinflussen. Verwendete der Leiter mehr he¬bräische Laute, so wirkte sich dies auf die ganze Versamm¬lung aus. Gebrauchte er eher spanische Worte oder Ver¬haltensweisen, so entwickelten die Anhänger einen ähnli¬chen Stil. Diese Abhängigkeit führte so weit, daß Lingui¬sten sogar sagen konnten, von wem eine Gruppe das Zun¬genreden gelernt hatte. Am Schluß steht der ernüchternde Satz: »Die Arten des Zungenredens eines Bennett, Bredesen, Christenson, du Plessis, Mjorud und Stone sind un¬terschiedlich genug, um von aufmerksamen Linguisten erkannt zu werden.« Ein eindrücklicher Hinweis, daß es sich hier nicht um eine Gabe Gottes, sondern um mensch¬liche Manipulation auf suggestiver, gruppendynamischer sowie psychologischer Ebene handelt. Gläubige, die noch nach den kräftigen Irrtümern der letzten Tage (2. Thess. 2,11) Ausschau halten, sollten zur Kenntnis nehmen, daß sich die Gemeinde schon längst darin befindet. Das Gebot der Stunde lautet wirklich: Wachet! (l. Kor. 16, 13 u. Mk. 13, 33).

Ich möchte noch etwas aus persönlicher Seelsorge-Erfah¬rung mitteilen. Beim Prüfen dieser Gabe bzw. Geister machte ich immer wieder die Beobachtung: Zunächst eine unglaubliche Vermischung von Licht und Finsternis, von Göttlichem und Widergöttlichem. Es ist meiner Ansicht nach kein Zufall, daß auch der l. Korintherbrief diese Vermischung von Licht und Finsternis aufzeigt. Diese Finsternis findet oft ihren Einstieg durch schwere Sünden, besonders im sexuellen Bereich. Als ich einmal die Stelle in l. Kor. 6, 9-10 las, wo Paulus starke Vergehen anrührt, fielen mir Parallelen auf. In Vers 11 erfahren wir, daß etliche von den Korinthern diese Dinge vor ihrer Be¬kehrung praktizierten. Ich persönlich glaube, daß der Heilige Geist nicht zufällig diesen Hintergrund der Ko¬rinther beleuchtet. Die dort angeführten Sünden bewirken nach meiner Erkenntnis schwerere Bindungen an Satan bis hin zur Innewohnung von Dämonen, und wenn diese Dinge nach einer Bekehrung nicht ans Licht gebracht wer¬den, liegt Vermischung vor.

Es bezieht sich das wiederum nicht auf die Schuld der Sün¬de, die ein für allemal vergeben und durch das Blut Jesu getilgt ist (ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden … l. Kor. 6, 11), sondern auf die Macht der Sünde. Dort, wo das Kreuz, das ja all diese Dinge, Sünden, Greuel und Mächte überwunden hat, im Herzen des Menschen noch nicht ein tieferes Werk hat ausführen können, was bei oberflächlicher Bekehrung und Buße gewöhnlich der Fall ist, bedeuten diese starken Bin¬dungen eine große Vermischungsgefahr; besonders, wenn mehr im Ungehorsam als in der Heiligung gelebt wird. Oft auch, weil man die Nachfolge Jesu einfach nicht ernst ge¬nug nimmt und keine richtige Sündenerkenntnis vorhan¬den ist. Wie es fleischliche Christen gibt, dürfte es leider auch viele (l. Kor. 10, 5) »fleischliche Bekehrungen« ge¬ben.

So schreibt A. Schütz unter dem Titel »Ein Kernstück un¬seres christlichen Glaubens ist und bleibt Buße«:

».. .Paulus redet in 2. Kor. 7, l von der >Befleckung des Geistes<. Hier liegt der Grund, warum viele Männer keine Lust am Worte Gottes haben, warum so viele Frauen kein Siegesleben führen und warum so viele junge Menschen nicht beten. Die Buße bleibt oberflächlich, sie erreicht nicht die Tiefen des Herzens. Man vergißt die Reinigung.

Man hat zwar Vergebung seiner Schuld, aber man ist nicht erlöst worden von der Macht der Sünde.« Heiligung und Kreuz aber sind untrennbar, ebenso wie Heiliger Geist und Kreuz.

Da diese groben Sünden und auch die anderen Einfallstore der Dämonie (Drogen, dämonische Musik, Yoga, Hyp¬nose, Meditation, Autogenes Training, asiatische Religio¬nen, wachsende Irrlehren usw.) heute so sehr anschwel¬len, nimmt meiner Ansicht nach auch das sog. Zungenreden letzter Zeit so stark zu. So haben mir Seelsorger und Mis¬sionare erklärt, daß die Gaben nicht echt sind, wenn ok¬kulte Belastungen und Bindungen vorliegen. Auch auf medizinischem Gebiet breitet sich der Okkultismus aus. Hier soll auf das Buch »Gesundheit um jeden Preis« von Dr. Samuel Pfeifer empfehlend hingewiesen werden.

So kann man beobachten, daß in Ländern, in denen viel Zauberei und vor allem Spiritismus getrieben werden, die Pfingstbewegungen besonders schnell wachsen und an Einfluß gewinnen.

Offensichtlich nicht zu Unrecht warnt McGraw: »Spie¬len wir nicht mit diesen Dingen! Unser persönlicher Ein¬druck und unsere Erfahrungen weisen dahin, daß vieles von der gegenwärtigen Welle der Zungenrede satanische Verführung ist.« Dies sind harte Aussagen, doch nach mehrjährigen Beobachtungen und seelsorgerlichen Erfah¬rungen komme ich zu dem gleichen Schluß. Ähnlich wie in Korinth wirkt sich die Vermischung bzw. der okkulte Hintergrund, u. a. in der Betonung gewisser Charismata aus.

Wenn man noch bedenkt, daß das Kennzeichen des Ok¬kultismus besondere »Gaben« und Fähigkeiten (Hellse¬hen, Telepathie, Visionen usw.) sind und wir heute, wie uns schon die Tageszeitungen berichten, in einer Zeit der okkulten »Erweckung« leben, dann haben wir manch eine »geistliche« Strömung in einer neuen Perspektive zu sehen. Wenn man weiterhin in Be¬tracht zieht, daß die erste Antwort Jesu auf die Frage be¬züglich seiner Wiederkunft eine Warnung vor Verführung war (Mt. 24, 4 u. a.) und die Lehrbriefe gegen Ende der Heilszeit der Gemeinde Abfall (2. Thess. 2, 3b), Anhangen den Lehren von verführeri¬schen Geistern (l. Tim. 4, l), greuliche Zeiten (2. Tim. 3, l), falsche Lehrer und verderbliche Sekten (2. Petr. 2, l), Irrtum (2. Petr. 3, 17) und Fabellehrer (2. Tim. 4, 3-4) prophezeien und zudem die Evangelien von einem Über¬handnehmen des Unglaubens (Mt. 24, 5 u. 12), ja von einem richtigen Niedergang des Glau¬bens sprechen (Lk. 18,8), dann erscheint die heute gängige Betonung von Erweckung und charismatischer Übergeist¬lichkeit noch sonderbarer (Mt. 7, 22).

Wenn Jesus über die Endzeit spricht, betont er immer wieder, daß wir wachen und beten sollen (Lk. 21, 36 u. a.).

Soweit Evangelist Alexander Seibel.

 

5. DIE ZUNGENBEWEGUNG

von Pfr. Dr. Kurt Koch

Dr. Koch hat in drei Büchern zum Thema Zungenreden Stellung genommen. Die Geistesgaben, Okkultes ABC und Die Zungenbewegung. Folgend ein Auszug aus Die Geistesgaben.


Das Mosaik der Zungenbewegung

Das 20. Jahrhundert ist voller Aufruhr. Nicht nur Weltkriege und politischer Radikalismus prägten es, sondern auch viele irrgeistige Strömungen. Das geistige und religiöse Chaos ist vielfach durch die Heißsporne entstanden, die eine biblische Wahrheit überbetonen und überbewerten. Es ist eben nicht alles Heiliger Geist, was unter dieser Etikette angeboten wird. Es ist nicht alles Erweckung, was unter diesem Namen läuft. Der Jünger Jesu muss versuchen, durch dieses Chaos sich wider¬sprechender Meinungen einen gesunden biblischen Weg zu finden.

Die Bibel gibt dazu die Begleitmusik in 1. Tim. 4, 1: »In den letzten Zeiten werden etliche vom Glauben abtreten und anhangen den verführerischen Geistern und Lehren der Teu¬fel.«

Zum besseren Verständnis des Themas Zungenreden bzw. Zungenbewegung sind einige historische Notizen notwendig.

Die erste Welle der Zungenbewegung kam 1900 aus einer kleinen Bibelschule Topeka in Kansas, an der Reverend Parham und zwölf Studenten zu der Überzeugung kamen, dass auch im 20. Jahrhundert die Gläubigen das Zungenreden als Erweis ihrer Geistestaufe haben müssten. Dieser Funke sprang über nach Los Angeles und entfachte von dort aus ein Feuer über alle Kontinente. Der Skandinavier Barrat brachte die neuen Impulse nach Norwegen. Der Prediger E. Meyer infizierte Hamburg, Kassel und Großalmerode in Deutschland.

Die daraus entstehenden Tumulte und ungeistlichen Auswüchse veranlassten die Väter des Gnadauer Verbandes zu der sogenannten Berliner Erklä¬rung am 15. 9. 1909.

Die zweite Welle der Zungenbewegung ging 1959 wieder von Los Angeles aus. Diese Neuauflage hat eine etwas andere Charakteristik. Es entstanden nicht mehr die Tumulte wie in der ersten Bewegung. Ferner besitzt diese zweite Welle eine stärkere Breitenwirkung. Nicht nur die Pfingstgemeinden wur¬den erfasst, sondern fast alle kirchlichen Gruppen in den USA. Heute ist die Zungenbewegung auf allen Kontinenten zu finden.

Die dritte Welle kam 1967 abermals von Los An¬geles in Gestalt der sogenannten Jesus Peo¬ple Bewegung.

Eine vierte Variation ist die Ausweitung des Be¬griffes Zungenbewegung in den neuen Begriff cha¬rismatische Strömung. Diese jetzt gebrauchte Be¬zeichnung ist umfassender, weil es in der Charismati¬schen Bewegung nicht nur um das Zungenreden, sondern auch um die Glaubensheilung, Visionen, Prophetie und alle anderen Charismata = Geistes¬gaben, geht…

In der folgenden Rundreise über die Kontinente bringe ich nur Originalberichte, keine Zweit-Hand-Storys.

L a n c a s t e r (Pennsylvania, USA). Bei einigen Vorträgen an der Bibelschule von Lancaster wurde ich in der Diskussion von den Schülern nach dem Zungenreden gefragt. Ich erklärte meine Stellung und erwähnte, dass es für mich ein göttliches, menschliches und dämonisches Sprachen- bzw. Zungenreden gäbe. Das bedeutet Charisma   Training des Unbewussten   mediale oder gar dämonische Wurzeln.

Nach Beendigung der Diskussion erklärte der Leiter der Bibelschule, er könne mir nicht in allen Punkten beipflichten, da er der Meinung sei, dass die Geistesgaben mit der Bildung des Kanons aufgehört hätten.

Was hier von dem Bibelschulleiter vorgetragen wurde, entspricht der sogenannten Dispensationstheologie. Es gibt kein gutes deutsches Wort für die¬sen Ausdruck. Die Vertreter dieser theologischen Richtung, die übrigens in den USA und Kanada weit verbreitet ist, glauben, dass mit der Fixierung der ursprünglichen christlichen Bücher zu der Samm¬lung des Neuen Testamentes auf den Synoden von Jamnia und Joppe (201 n. Chr.) die Geistesgaben aufgehört hätten.

Ein Wahrheitskern steckt in dieser Theologie. Es gibt verschiedene Offenbarungsepochen in der Bibel. Die Zeit Noahs, Abrahams, Moses, der Könige, der Propheten bis zu Johannes dem Täufer, haben alle eine spezielle Charakteristik in der Offenbarung Gottes. So unterscheidet sich auch die apostolische Zeit mit ihrer charismatischen Tätigkeit deutlich von der Epoche danach. Dagegen ist nichts einzu¬wenden. Nur kann ich mit Tausenden von Gläubi¬gen es nicht akzeptieren, wenn man meint, der Hei¬lige Geist hätte sein Büro in den ersten zwei Jahr¬hunderten geschlossen. Das gehört mit zum Wesen des Heiligen Geistes, dass er Stellvertreter Christi in seiner Gemeinde ist. Der Paraklet, der uns das Wort lebendig macht, der uns Christus gegenwärtig macht, der Gaben austeilt und die Boten Jesu be¬vollmächtigt, hat seine Funktion von der Ausgie¬ßung am ersten Pfingstfest an bis zur Wiederkunft Jesu.

Montreal (Kanada). Wir treten jetzt in das Gebiet des Zungenredens ein, das einen anderen Charakter hat. Bei einer Vortragsreihe in Montreal kamen drei junge Männer zur seelsorgerlichen Aussprache. Ihr Aussehen war wenig verheißungsvoll. Lange Mähnen und geklei¬det wie die Hippies. Sie kamen alle drei gleichzeitig. Trotz des Äußeren spürte ich den Burschen eine ge¬wisse Aufrichtigkeit ab. Es ging um das Zungenre¬den. Alle drei bekannten, dass sie es übten.

Ich betete innerlich um die Leitung des Heiligen Geistes. Wir sprachen zunächst die Stellen des Neuen Testaments durch, die vom Zungenreden handeln. Ich ging dann auf die Kirchengeschichte und auf die Gegenwart über.

Am Schluss gab ich ihnen folgenden Rat: »Bitte beten Sie in folgender Weise: >Herr Jesus, wenn diese Gabe des Zungenredens nicht von dir ist, nimm sie weg. Ist sie von dir, dann wollen wir sie zu deiner Anbetung gebrauchen.<« Ich betete noch mit den drei Besuchern. Dann entließ ich sie und verlor sie zunächst aus den Augen, da ich nach Deutschland zurückreiste.

Ein halbes Jahr später erlebte ich eine ganz große Freude. Alle drei schrieben mir: »Wir haben die Zungengabe verloren. Unsere Haare sind geschnit¬ten. Wir befinden uns alle drei in einer Bibelschule, um uns für das Predigtamt vorzubereiten.«

Diesen Rat, im Gebet um eine Entscheidung des Herrn zu bitten, gab ich schon oft. Ich will einen umgekehrten Fall berichten.

L o s A n g e l e s (Kalifornien). Ich hatte in der First Presbyterian Church of Holywood einige Vorträge gehabt. Beim nächsten Besuch in Los An¬geles erhielt ich einen Anruf von Reverend Black¬stone. Er informierte mich darüber, dass eine Grup¬pe von 23 Zungenrednern die Einheit der Gemeinde zu sprengen drohte. Sie sprachen die anderen Gemeindeglieder an mit dem Hinweis, dass nur der ein vollgültiger Christ sei, der die Geistestaufe empfan¬gen habe. Erweis der Geistestaufe sei die Gabe des Zungenredens. Reverend Blackstone bat mich, seiner Gemeinde behilflich zu sein, weil sie nicht wusste, was sie mit der Gruppe tun sollte. Wir kamen überein, gemeinsam eine Gebetsstun¬de dieser Zungenredner zu besuchen, vorausgesetzt, dass wir Zutritt erhielten. Wir vereinbarten ferner, dass wir sofort still um eine Entscheidung des Herrn beten sollten, wenn die Zungenredner mit ihrem Zungengebet begannen. Von den 23 Gliedern der Gruppe sprachen gewöhnlich 22 in Zungen.

Wir betraten den Kreis. Rev. Blackstone wurde damit empfangen, dass ein junger Mann sei¬ner eigenen Gemeinde fragte: »Rev. Blacksto¬ne, wann haben Sie die Taufe mit dem Heiligen Geist empfangen?« Dieser Empfang wirkte natür¬lich komisch. Reverend Blackstone ist ein gläubiger Christ. Nach einer kurzen biblischen, aber sehr dürftigen Einleitung durch den jungen Mann wurde das Gebet freigegeben. Sofort fing eine Frau an, in Zungen zu beten. Blackstone und ich beteten in un¬seren Herzen: »Herr, wenn diese Gabe von dir ist, segne diese Frau. Ist die Gabe nicht von dir, stoppe diesen Kreis.«

Wir erwarteten also die Entscheidung vom Herrn. Und sie kam. Das Zungengebet stoppte. Niemand mehr im Kreis betete weiter, weder in Zungen noch in englisch. Für uns war das eine Antwort. Ein Beten, das durch den Geist Gottes gewirkt ist, wird nicht durch die Anwesenheit von zwei gläubi¬gen Christen gestört.

S t u t t g a r t. Petrus Oktavianus sprach auf meine Einladung hin in Stuttgart. Es waren etwa 3000 Menschen zusammen. Nach dem Vortrag forderte Oktavianus zum stil¬len Gebet auf. Ich saß mit vielen anderen auf dem Podium, weil wir jeden freien Raum ausnützen mussten. Während des stillen Gebets fing ein Mann auf dem Podium plötzlich an, in Zungen zu beten. Ich betete wieder wie in Los Angeles um eine Ent¬scheidung des Herrn. Dann blickte ich auf, um die Reaktion von Oktavianus zu sehen. Er hatte selbst um Klarheit gebetet, wie er mir hinterher erzählte. Auf dem Podium wandte er sich dem Zungenredner zu und gebot ihm im Namen Jesu zu schweigen. Und der Störenfried schwieg.

Nach dem Schluss fragte ich Oktavianus: »War¬um hast du Schweigen geboten?« Er antwortete: »Nachdem ich um Klarheit gebetet hatte, wurde mir klar, dass dieses Zungenbeten nicht vom Heiligen Geist gewirkt war, sondern vom Feind.«

Ich sprach aber auch mit dem Zungenredner, der zu mir kam und sich entschuldigte. Er erklärte: »Ich wollte gar nicht in Zungen beten. Aber es kam eine Macht über mich, die mich zwang.« – »Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan«, sagt die Heilige Schrift (1. Kor. 14, 32). Dieser Zungenredner in Stuttgart war nicht Herr über den Geist, der ihn zwang.

Das Zungenreden hatte in Korinth schon viel Un¬ruhe gestiftet. Heute ist die Ratlosigkeit und Unsi¬cherheit auf diesem Gebiet noch größer.

T o y a m a (Japan). Eines der tragischsten Erleb¬nisse wurde mir bei meinen Vortragstouren in Ja¬pan berichtet. Toyama ist ein christlicher Konferenzort an der Westküste Japans. Es liegt rund 15 Jahre zurück. Die Ausläufer der zweiten Welle der Zungenbewe¬gung von 1959 erreichten Japan. Viele Christen horchten auf und sahen darin die Antwort auf ihr Beten um eine Erweckung. So fanden sich 18 Missio¬nare verschiedener Missionsgesellschaften in Toya¬ma mit dem Ziel zusammen, um eine Geistestaufe und die Gabe des Zungenredens zu bitten. Es muss erwähnt werden, dass diese 18 Männer zu den be¬sten Missionaren gehörten.

Tagelang verweilten sie im Fasten und Gebet. Da kam es über sie. Zuerst fingen einzelne, dann alle an in Zungen zu beten. Die »geistgetauften« Missionare kehrten zu ihren Gemeinden zurück und verkündigten: »Ihr habt bisher noch nicht das volle Heil gehabt. Ihr müsst die Geistestaufe und die Gabe des Zungenredens be¬kommen.«

Die japanischen Christen beugten sich der neuen Lehre nicht. Sie sagten ihren Missionaren: »Ihr seid jetzt schon mehr als zehn Jahre in Japan und habt uns bisher nicht das volle Heil verkündigt. Wer sagt uns, dass ihr es jetzt tut?« Über dieser Ratlosigkeit entstand in diesen Gemeinden eine große Verwir¬rung. Sie brachen auseinander. Die Gemeinden gingen ein. 15 der Missionare verließen daraufhin ihr Arbeitsfeld und wandten sich einem anderen Beruf zu. Drei von ihnen erkannten, dass sie auf ein fal¬sches Gleis geraten waren. Sie sagten sich von dem Zungenerlebnis los und blieben in ihrer Arbeit. Einer von den dreien, den ich einige Jahre später in Karuizawa (Japan) traf und sprechen konnte, hatte große Mühe, seine Gemeinde weiterzuführen. Er starb, obwohl er erst 46 Jahre alt war.

Das Toyama-Erlebnis war für die Missionsarbeit eine geistliche Katastrophe. Ich habe schon einige Male dieses Beispiel als Dokumentation benutzt. Glieder der Pfingstgemeinden haben mir dann die Stelle Lukas 11, 11 13 entgegengehalten: »Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um Brot, der ihm einen Stein dafür biete, und so er um einen Fisch bittet, der ihm eine Schlange für den Fisch biete?« Die Zungenredner legten dieses Wort so aus: »Wir haben Gott um die Gabe des Zungenredens gebeten, darum gibt er uns keine Schlange.«

Diese Art von Bibelauslegung enthält zwei Feh¬ler. Erstens einmal lässt der Heilige Geist sich nicht zwingen und vorschreiben, was er geben soll. Man kann den Heiligen Geist durch Lauheit betrüben, aber auch durch gesetzliches Zwingen.

Zum anderen bekennt sich der Heilige Geist nicht zur Irrlehre. In der Theologie der Pfingstgemeinden ist eine Reihe von Kurzschlüssen. Der Heilige Geist bekennt sich nur zur biblischen Lehre, nicht zu menschlichen Konstruktionen. Darum kann ein »zwängerisches, treiberisches« Beten wohl eine Schlange statt eines Fisches bekommen.

Ein historisches Beispiel kann das untermauern. Als 1900 die Kunde von der »Zungenerweckung« nach Europa kam, reiste der norwegische Prediger Barrat nach Los Angeles. Er hat 39 Tage lang jeden Tag einige Stunden im Gebet verbracht, und um die Gabe der Zunge gebetet. Zuletzt dehnte er sein Gebet auf zwölf Stunden ununterbrochenes Beten aus. Dann endlich kam es über ihn. Rings um ihn herum fielen Schwarze in Ekstase, wie ich es auch in Haiti er¬lebte. Barrat wurde von diesem Geist angesteckt und fing an in Zungen zu beten. Diese »Errungen¬schaft« brachte er dann nach Skandinavien. Von dort kam diese schwärmerische Bewegung nach Deutschland.

K a r u i z a w a (Japan). In Karuizawa bin ich einem lutherischen Pastor aus Kalifornien begegnet, der unsere missionarische Konferenz zu stören ver¬suchte. Dieser Pfarrer organisierte zu unseren Versammlungen Parallelveranstaltungen und zog etwa 40 Missionare von uns ab.

Hier zeigt sich bereits ein Nebenprodukt der Zungenbewegung: Spaltung, Trennung, Unord¬nung. Denn um einen Vertreter der Zungenbewe¬gung handelte es sich bei diesem kalifornischen Pa¬stor.

Als unsere Missionare zurückgekehrt waren, be¬richteten sie: »Der Kalifornier sprach, sang, betete 90 Minuten in Zungen. Es war kein Ausleger da. Niemand wusste, was er eigentlich gesagt hatte. Einer unserer Missionare suchte nach der Versamm¬lung den Pastor auf und fragte ihn, wie man das Zungenreden bekommen könne. Der Kalifornier gab folgende Anweisung: >Beten Sie 500  oder 800-mal ein kurzes Gebet, etwa Lord help me (Herr, hilf mir), dann gewöhnt sich Ihre Zunge daran, und Sie fangen automatisch an, in Zungen zu reden.«<

Und das soll vom Heiligen Geist gewirkt sein? Das ist Training des Unbewussten, ein Zungenreden auf menschlicher Basis. Ich halte es sogar für eine Lästerung des Heiligen Geistes.

S t a n w e l l  T o p s (NSW Australien). An vie¬len theologischen Seminaren und Bibelschulen auf allen Kontinenten wurde mir über die Störaktionen der Zungenredner berichtet.

Mein Freund Dr. Les Werry, Leiter der australi¬schen Evangelistenbewegung »Ambassadors for Christ«, hatte die Bibelschule in Stanwell Tops, die jetzt in Katoomba ist, gegründet. Die zweite Welle der Zungenbewegung nach 1960 drang auch in seine Schule ein. Es gab so viele Zersplitterungen und Op¬position, dass die Lehrer kaum noch arbeiten konn¬ten.

Dr. Werry entschloss sich nach viel Gebet zu einem radikalen Schnitt. Er schloss die Bibelschule mitten im Semester und erklärte den Studenten: »Ihr könnt euch für das nächste Semester wieder an¬melden, wenn ihr einen Fragebogen ausgefüllt habt.« Die Fragen waren so gestellt, dass Dr. Werry alle Zungenredner ausscheiden konnte. Damit wur¬de seine Schule von diesem Ungeist frei.

S a s k a t o o n (Kanada). In Saskatoon, dem Ausgangspunkt der kanadischen Erweckung, wohn¬te ich bei Pastor Philipp Grabke. Als die evangeli¬stischen Teams von Saskatoon in die anderen Städte auszogen, war auch Frau Grabke in einer solchen Mannschaft. Als Winnipeg von der Erweckung erfasst wurde, benötigte man viele seelsorgerlichen Helfer. Nun schlich sich eine zungenredende Frau, ohne von den Leitern einen Auftrag zu haben, in die Gruppe der Seelsorgehelfer ein. Dieser Mietling machte die Neubekehrten durcheinander mit ihrer Forderung: »Solange ihr nicht in Zungen reden könnt, habt ihr nicht die Taufe des Heiligen Geistes empfangen.« Als diese Quertreiberin entdeckt wur¬de, verbot man ihr die Mitarbeit.

Die leitenden Brüder der kanadischen Erweckung sind entschlossen gegen die Zungenbewegung einge¬stellt. Ein Pastor, in dessen Kirche die Erweckung begonnen hat, gab mir bei meinem Besuch ein Ton¬band mit, das von einer zungenredenden Frau auf¬genommen worden ist.

Eine Frau fiel in der Gebetsgemeinschaft dauernd in Zungen, ohne dass ein Ausleger dolmetschen konnte. Schließlich baten die Brüder: »Beten Sie in englisch, wir haben ja keinen, der auslegen kann.« Die Frau hielt sich nicht an die Forderung.

Die Brüder einigten sich dann darauf, diesen Geist zu prüfen. Als die Frau wieder in Zungen be¬tete, fragten die Brüder: »Du zungenredender Geist, bekennst du, dass Jesus Christus in das Fleisch ge¬kommen ist?« Keine Antwort! Die Brüder wieder¬holten ihre Frage. Wieder kümmerte sich die Frau nicht darum. Dann geboten die Brüder und sagten:

»Im Namen Jesu gebieten wir dir, du zungenreden¬der Geist, sage uns die Wahrheit, bekennst du dich zu Christus?« Jetzt kam eine Reaktion, die von den Brüdern kaum erwartet worden war. Aus der Frau schrie es mit Männerstimme: »No, I hate him.« (»Nein, ich hasse ihn.«) Damit war die Sachlage klar. Es hatte sich bei der Frau um ein dämonisches Zungenreden gehandelt.

Für mich entstand die Frage, ob ich dieses Ton¬band in meinem Hause behalten oder vernichten soll. Ich verbrannte es.

Gehen wir noch einmal nach Australien.

K a l g o o r l i  e (Westaustralien). Nördlich und nordöstlich von Kalgoorlie ist das Gebiet des Won¬gai Stammes. Mein Berichterstatter ist Peter Jamie¬son, der überall nur der schwarze Peter genannt wird. Er hat die Häuptlingswürde, übt sie aber nicht aus, da er Christ wurde und heute als Evange¬list auf Neuseeland arbeitet.

Peter erzählte mir, ihn habe das Zungenreden nie verwirren können. Die sechs Zauberer seines noch heidnischen Stammes sprechen in der spiritistischen Trance alle in Zungen. Als Peter in Sydney zum er¬stenmal auf Zungenredner stieß, sagte er: »Das ist ja das gleiche, was wir bei unseren Stammeszaube¬rern erleben.«

B r i s b a n e (Australien). Meine Berichterstatte¬rin ist Barbera Sganzerla, in deren Haus ich Gast war. An der Universität in Brisbane fragten mich die Studenten nach dem Zungenreden in den USA und in Europa. Ich stand ihnen Rede und Antwort.

Abends zu Hause erzählte mir Schwester Sgan¬zerla einige Erlebnisse von der Assembly of God in Brisbane. Ein Grieche, der eingewandert war, schloss sich dieser gemäßigten Pfingstrichtung an. Da er noch nicht gut englisch sprechen konnte, betete er in der Gebetsgemeinschaft in seiner griechischen Mut¬tersprache. Nach ihm sprang ein Ausleger auf und dolmetschte in Englisch. Der Grieche erklärte: »Ich habe nicht in Zungen gebetet, sondern in meiner Heimatsprache. Die gegebene Auslegung war falsch.«

Nach diesem unguten Erlebnis schloss er sich einer anderen Pfingstgemeinde an und erlebte dort den gleichen Unfug, dass ein »Ausleger« sein griechisches Beten falsch auslegte.

Der Grieche zog sich auch aus dieser Gemeinde zurück und probierte es mit einer dritten. Zum drit¬tenmal erlebte er diesen Reinfall. Nun war der gläu¬bige Grieche bedient. Er erklärte: »Das sind ja alles Lügner.« Er schloss sich darauf einer Gemeinde an, die keine Zungenredner hatte.

Die Gegenargumente zu dieser Sammlung sind mir bekannt. Man kann auf das Prinzip der negati¬ven Auslese hinweisen. Wenn alle guten Beispiele weggelassen und nur negative Erfahrungen berichtet werden, dann entsteht ein einseitiges Bild. In mei¬ner Sammlung ist es nicht so. Ich habe krampfhaft nach guten Beispielen Ausschau gehalten. Die nega¬tiven Erlebnisse sind dagegen in einer erdrückenden Überzahl.

Aber selbst die vielen Auswüchse sind noch nicht allein entscheidend, sondern der falsche Geist, der manchmal über ganzen Gemeinden herrscht. Ich erinnere nur an die Gemeinden der »Holy Rollers« und der »Jumping Christians«.

C h i c a g o (USA). Das Moody-Bibel-Institut hatte mich zu Vorträgen eingeladen. Es nahmen auch einige Pastoren der Assembly of God (gemä¬ßigte Pfingstrichtung) daran teil. Einer von ihnen lud mich sofort zu Vorträgen in seiner Gemeinde ein. Es war Dale Edwards von Rocky Islands. Ich warnte ihn mit den Worten: »Sie wissen doch durch meine Vorträge, dass ich gegen die Zungenbewegung eingestellt bin, obwohl ich alle Geistesgaben aner¬kenne.« Er antwortete: »Ich teile Ihre Bedenken. Unsere Gemeinde braucht Ihre Botschaft.« Ich nahm die Einladung an und hielt fünf Vorträge in dieser Gemeinde, die einen durchaus nüchternen und biblischen Eindruck auf mich machte.

B i l l i n g s (Montana, USA). Ein anderer Pa¬stor einer Assembly of God, Dr. Roger, lud mich ebenfalls ein. Wieder nahm ich an. Hier war die geistliche Situation noch klarer. Es war für mich eine Freude, in der Gemeinde von Dr. Roger zu sprechen. Ich würde seine Einladung wieder anneh¬men. Man kann also nicht alle Pfingstgemeinden oder ihre verwandten Richtungen in einen Topf werfen.

Nachdem ich auch in Kanada in einigen Assemblies gesprochen hatte, kam dann eine ganze Reihe von Einladungen auf die karibische Inselwelt.

T r i n i d a d (W. I.). Eine Vereinigung von Pa¬storen der Assemblies of God hatte mich nach San Fernando und Umgebung eingeladen. Es handelte sich um die Pastoren Bagoutie, Persad, Foster, Krischna, Beam, Sydney usw. In ihren Gemeinden stellte ich überhaupt nichts vom Zungenreden fest. Sie vertraten auch keine unbiblische Theologie.

Zum Abschluss der Arbeit auf Trinidad war ich dann noch bei einem Pastor einer Pfingstgemeinde in Port of Spain. Er erzählte, dass es in seiner Ge¬meinde zum Leid der anderen Pastoren kein Zun¬genreden gäbe. Er drückte sich so aus: »Mir steht das Zungenreden obenan. Meine Kinder spielen manchmal >Kirche< und kamen schon auf die Idee, auch das Zungenreden nachzuahmen. Sie lallen dann etwas Unverständliches.« Er fuhr dann fort und sagte: »Meine Kollegen machten mir schon Vorwürfe, ich würde ihnen die Arbeit boykottieren, weil ich vom Zungenreden nichts wissen will. Sie wollen mich sogar aus der Pfingstgemeinde aus¬schließen. Ich gehe aber nicht. Ich bin in einer Pfingstgemeinde aufgewachsen und bleibe darin, auch wenn ich manches der anderen Gemeinden nicht übernehmen kann.«

Wir schieden als Freunde. Zum Abschied sagte er mir: »Wenn Sie wieder nach Port of Spain kommen, besuchen Sie mich bitte, und sprechen Sie in meiner Gemeinde.«

Es gibt also sogar in den Pfingstgemeinden bi¬blisch ausgerichtete Pastoren. Ich habe 28-mal in Ge¬meinden solcher Pastoren gesprochen.

Die Macht der Finsternis bietet alles zum Endkampf auf. Sie vernebelt die Fronten. Sie verwirrt die Gemeinden. Sie serviert Dämoni¬sches in frommer Verpackung.

Dieses Chaos, dieses Durcheinander erfordert eine klare Beurteilung und Durchschau. Wir brauchen daher mehr denn je die Gabe der Geisterunter¬scheidung.

 

Zungenreden

entnommen dem Buch OKKULTES ABC

Dr. Kurt Koch schreibt hier:

In dieser Veröffentlichung geht es nicht um die seelischen Erlebnisse, sondern um die okkulten und dämonischen Verzerrungen dieses Phänomens. Es sind mir einige Male Gläubige be¬gegnet, die mir sagten, dass sie in aller Stille in ihrem privaten Gebet manchmal das sogenannte Zungenreden praktizieren . Niemand weiß davon außer ihrem Seelsorger. Selbst in der Gemeinde ist das nicht bekannt. Ich habe nicht die Absicht, solchen treuen Christen ihr persönliches Erleben abzuwerten.

Zur sogenannten Zungenbewegung selbst habe ich jedoch ein entschlossenes Nein. Von Jahr zu Jahr wird die Zahl der negativen Erlebnisse größer.

An Literatur wären über 100 Veröffentlichungen zu nennen. Dafür aber ist hier kein Raum. Die wissenschaftlich beste Arbeit ist das Buch »The Psycho¬logy of Speaking in Tongues« (Die Psychologie des Zungenredens) von John P. Kildahl.

Die Zungenbe¬wegung hat in USA solche Verwirrung und Aufspaltung der Gemeinden gebracht, daß die Amerikanisch lutherische Kirche sich genötigt sah, eine Kom¬mission zum Studium des Zungenredens einzusetzen. Die Kommission bestand aus dem Psychiater Dr. Qualben, dem Theologen Dr. Satre und dem Psychologen Dr. Kildahl. Ihr Bericht bringt ausgezeich¬nete Hinweise zur Frage des Zungenredens, ich vermisse aber etwas die geistlichen Belange.

In Deutschland brachte der Hänssler Verlag das Buch von Francis Schaeffer mit dem Titel »Die neue religiöse Welle« heraus.

Es sieht fast aus, als sei die Zungenbewegung und die sogenannte Charismatische Bewegung die ge¬fährlichste Waffe Satans auf das Lager der Gläubi¬gen. Es muß aber ausdrücklich betont werden, daß sich in dem Lager der beiden genannten Bewegun¬gen viele Gläubige befinden, die aus Mangel an Geisterunterscheidung sich nicht absetzen.

Es soll hier in diesem Beitrag nur die dämonische Linie ausgezogen werden. Beginnen wir mit einem Zitat aus dem Buch von Fritz Hubmer »Zungenreden, Weissagung«, Seite 41. Es heißt dort: »In Fällen, in denen Männer wie Johannes Seitz mit sogenannten Geistgetauften beteten, stellte sich oft in greulichen Szenen heraus, daß solche Geisttaufen dämonischen Ursprungs waren.«  – Dazu einige eigene Beispiele:

B 1 (Beispiel) Im März 1975 hatte ich in der Kirche von Dr. Kenneth Moon in St. Petersburg (Florida) einige Vorträge. Ein Missionar O. suchte mich auf. Er berichtete mir einen schwierigen Seelsorgefall. In Orlando, Florida, betreute er eine zungenredende Frau. Er wies sie darauf hin, daß sich hinter der Zungengabe oft spiritistische Geister verstecken. Als sie wieder in Zungen betete, fragte der Missionar sie: »Du zungenredender Geist, bekennst du, daß Christus in das Fleisch gekommen ist?« Zunächst kam keine Antwort. Er gebot dann im Namen Jesu dem zungenredenden Geist, sich zu offenbaren. Schlie߬lich sagte der Geist, während die Frau nicht bei vollem Bewußtsein war: »I belong to a church«   ich gehöre zu einer Kirche. Der Missionar ließ nicht locker: »Zu welcher Kirche?« »Zur Kirche Satans«, war die erstaunliche Antwort. Dann gebot der Seel¬sorger diesen Mächten im Namen Jesu. Die Frau ist durch Gottes Tat frei geworden. Dem Herrn die Ehre!

B 2 Ein weiteres Beispiel dieser Art erhielt ich in Form eines Berichtes durch den kanadischen Erweckungsprediger Bill McLeod und durch ein Tonband. Evangelist Rosteck hat in USA eine ähnliche seelsorgerliche Arbeit, wie ich sie auch seit Jahrzehn¬ten getan habe. In einer Gebetsversammlung in Tokoa im Staate Georgia fiel eine Frau immer ins Zun¬genreden. Es war kein Ausleger da. Sie hätte dem¬nach nach der Anweisung der Heiligen Schrift 1. Kor. 14, 28 und 34 schweigen müssen. Die Brüder baten sie: »Bete in englisch, damit wir dich verste¬hen und mitbeten können.« Die Frau erklärte: »Ich kann nicht in englisch beten. Ich falle stets in Zun¬gen.« Die Brüder beschlossen, den Test nach 1. Joh. 4 durchzuführen. In dem vorangegangenen Beispiel ist das schon beschrieben. Als die Brüder fragten: »Bekennst du, daß Christus in das Fleisch gekom¬men ist?«, erhielten sie keine Antwort. Darum gebo¬ten sie dem zungenredenden Geist: »Im Namen Jesu gebieten wir dir, uns zu antworten, bekennst du dich zu Christus?« Da kam eine erstaunliche Reak¬tion. Die Frau schrie: »No I hate him« = Nein, ich hasse ihn. Damit war der Charakter dieses Zungen¬redens klar.

Ähnliche Erfahrungen machte ein kanadischer Missionar, der zehn Jahre auf Borneo gearbeitet hat. Es ist Rev. George A. Birch, dem ich zuerst auf einer Missionskonferenz auf Java begegnete. Wir trafen uns wieder bei meinen Vorträgen in Vancouver B. C. (Kanada). Dann er¬hielt ich auch einige Briefe, in denen mich Bruder Birch ermutigte, in meiner Arbeit fortzufahren. Wer gegen den Okkultismus zu kämpfen hat und schwarmgeistige Umtriebe angreift, der ist ja vielen Angriffen ausgesetzt. Was mir an Bruder Birch gefällt, ist seine Bejahung der echten Geistesgaben und zugleich sein Widerstand gegen menschliche oder dä¬monische Nachahmungen.

Bruder Birch hat in Kanada 20 Fälle von Zungenreden untersucht. 19 davon hatten einen dämonischen Charakter. In einem Fall hat der Zungenredner erklärt: »Ihr braucht meinen Geist nicht testen, ich bringe das Zungenreden selbst zustande.« Ein Beispiel von den 19 Untersuchungen wird wiedergegeben:

B 3 Shirley stammte aus einem christlichen Elternhaus. Als junges Mädchen kam sie zum Glauben und schloß sich dann einige Jahre später einer Jugendgruppe an, die sich »Missionierende Jugend« nannte. In dieser Jugendgruppe, die zur Pfingstgemeinde gehört, sprachen alle in Zungen außer Shi¬ley. Ihre Kameraden sagten ihr: »Solange du nicht die Geistestaufe empfangen hast, besitzest du keine Kraft zum Zeugnis.«

Shirley betete viel um die Gabe des Zungenredens. Eines Tages trat sie in einer Versammlung der Pfingstgemeinde, die Hände hochhaltend, zum Podium vor. In dieser Stunde bekam sie die Gabe des Zungenredens. Jeder freute sich und rief: »Praise the Lord. Shirley got the baptism of the Holy Spirit.« (Preis dem Herrn, Shirley hat die Taufe des Heiligen Geistes empfangen.)

Einige Zeit später hörte sie von den dämonischen Nachahmungen der Zungengabe. Zugleich beobachtete sie, daß die meisten der Gruppe »Missionieren¬der Jugend« rückfällig wurden. Manche wurden rauschgiftsüchtig, ein anderer kam ins Gefängnis. Nicht einer folgte noch Jesus nach. Damit wurden ihre Zweifel immer stärker. Sie war damit einverstanden, daß Bruder Birch den zungenredenden Geist nach 1. Joh. 4,2 prüfte. Als Shirley in Zungen betete, frage Bruder Birch: »Du zungenredender Geist, bekennst du, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist?« Nach einer Wiederholung der Frage schrie der Dämon: »Nein, nein!« Bruder Birch gebot daraufhin: »Im Namen Jesu Christi, sage uns dei¬nen Namen.« Die Antwort wurde gegeben: »Luzifer mit drei Genossen: Saul, Demetrius, Judas.« Dann schrien die Stimmen aus dem Mädchen: »Ich hasse dich, ich hasse dich.« Zugleich sprang das Mädchen auf und wollte Bruder Birch erwürgen. Der Gottes¬mann stellte sich unter den Schutz Jesu Christi (Luk. 10,19) und band diese Dämonen im Namen des Herrn. Dann gebot er diesen Geistern: »Im Namen Jesu Christi, sage uns, wann ihr in das Mädchen gekommen seid.« Sie antworteten: »Bei jener Ver¬sammlung der Pfingstgemeinde am 17. August.« »Was habt ihr mit dem Mädchen vor?« »Wir wollen sie von der Wahrheit abhalten. Darum übernahmen wir die Kontrolle ihrer Zunge.« Bruder Birch wies dann Shirley an, sich im Namen Jesu Christi von diesen Dämonen loszusagen. Sie tat es. Dann gebot Bruder Birch den Dämonen, das Mädchen zu verlas¬sen, weil sie ein Eigentum Jesu Christi sei. Das Mäd¬chen wurde frei, pries und lobte Gott für die Ret¬tung und Befreiung.

Was mir an dem Bericht von Bruder Birch so wertvoll ist, sind einige spezielle Hinweise.

Es kommt vor, daß Dämonen sich für den Heiligen Geist oder Jesus ausgeben. Sie sprechen also mit¬unter den Namen Jesus aus. Gebietet man dann im Namen Jesu Christi, sich zu offenbaren, dann müssen sie bekennen: »Ich bin der unheilige Jesus.« Auch das andere Bekenntnis wurde schon gegeben: »Ich bin der Jesus Satans.« Der Name Jesus ist ja nicht auf Jesus Christus beschränkt. Er ist ein allgemeiner Personenname, wie auch Kol. 4,11 zeigt.

Eine Erfahrung, die sowohl Bruder Birch als auch mich bedrückt, ist die Tatsache, daß die Dämonen gelegentlich auf die Testfrage nach 1. Joh. 4,2 mit Ja antworten und damit ganze Gruppen von Christen in die Irre führen. Das ist der teuflischste Mi߬brauch des Wortes Gottes, den sich Satan leistet. Ich habe das schon mit erfahrenen Gottesmännern besprochen. Wir wissen uns keinen Rat, erkennen aber an den Auswirkungen, daß es auf diesem Gebiet Nachäffungen Satans gibt.

Ich will zum Schluß noch einen anderen meiner Freunde erwähnen. Es ist V. Raymund Edman, der frühere Präsident vom Wheaton College. Er schrieb das Vorwort zu meinem Buch »Christian Counsel¬ling and Occultism« und lud mich auch mehrmals ein, in Wheaton zu sprechen. Er gliederte das Sprachenreden in drei Ebenen ein:

Die Gabe Gottes, Fremdsprachen zu sprechen   das suggestiv oder autosuggestiv bedingte Zungenreden   das dämonische Zungenreden.

Das ist die Unterteilung, die ich selbst in meiner Broschüre »Die mo¬derne Zungenbewegung« gegeben habe. Es gibt aber viel mehr menschliche und dämonische Nachahmungen. Das ist Satans Geschäft.

Dämpfet nicht den Heiligen Geist
Betrübet nicht den Heiligen Geist
Imitiert nicht den Heiligen Geist
Zwinget nicht den Heiligen Geist
sondern
Werdet voll Heiligen Geistes (Eph. 5,18)

– Soweit Pfr. Dr. Kurt Koch –


Schon im Jahre 1912 hat der weltbekannte Evangelist R. A. Torrey vor der neuen sog. Zungenbewegung mit diesem Traktat gewarnt:

 

6. IST DIE GEGENWÄRTIGE ZUNGENBEWEGUNG VON GOTT ?

Beantwortet von Reuben A. Torrey

Antwort: »Sie ist es nicht.«

Das wird durch die folgenden Tatsachen offensichtlich.

1. Die gegenwärtige „Zungenbewegung“ erhebt das Zungenreden zum einzigen und entscheidenden Beweis dafür, daß jemand die Taufe mit dem Heiligen Geist empfangen hat.
Die „Zungenredner“ erklären ständig, daß jeder, der noch nicht in Zungen gesprochen hat, auch noch nicht die Taufe mit dem Heiligen Geist empfangen habe. Diese Behauptung widerspricht der ausdrücklichen und klaren Lehre der Bibel.
Jeder, der aufrichtig das Anliegen Gottes, wie es in der Schrift geoffenbart ist, erkennen und nicht einfach eine bestimmte Theorie aufrechterhalten möchte, wird entdecken, Theorie aufrechterhalten möchte, daß es nur eine Taufe mit dem Geist und nur einen Heiligen Geist gibt. Dennoch kann sich diese Geistestaufe auf viele verschiedene Weisen manifestieren.
Wer sorgfältig 1. Korinther 12,4-11 liest, wird diesen Sachverhalt erkennen. In Vers 30 desselben Kapitels fragt der Geist Gottes durch den Apostel Paulus solche, die er als „in den Geist getauft“ bezeichnet (V. 13): „Reden sie alle in Zungen“ (V. 30)? Die eindeutig Schlußfolgerung daraus ist, daß nicht alle in Zungen redeten.
Dieses Kapitel erklärt in unmissverständlichen Worten, daß ein Gläubiger zwar mit dem Heiligen Geist getauft sein kann und aber dennoch nicht in Zungen redet. Deshalb widerspricht die Auffassung der „Zungenredner“, daß jeder, der nicht in Zungen redet, auch nicht die Taufe mit dem Heiligen Geist empfangen hat, den eindeutigen Aussagen der Bibel.
2. Die praktische Auswirkung der Lehre der „Zungenbewegung“ besteht darin, das Zungenreden zur wichtigsten der Manifestationen der Gegenwart und Kraft des Geistes zu machen.
Dies ist wiederum der klaren Lehre des Wortes Gottes entgegengesetzt. Das Wort Gottes erklärt in unmißverständlichster Weise, daß das Reden in Zungen eine der am wenigsten wichtigen Kundgebungen der Gegenwart und Kraft des Heiligen Geistes ist. In der Liste, die wir im 12. Kapitel des 1. Korintherbriefes finden, wird „mancherlei Zungenrede“ (V. 10) praktisch am Ende der derjenigen Gaben angeführt, die der Geist den Gläubigen schenkt.
Ebenso steht das Zungenreden in den Versen 29-30 desselben Kapitels am Ende der Liste. Bemerkenswerterweise findet im Epheserbrief (Epheser 4,7-12) die Zungenrede gar keine Erwähnung. Sie wird hier nicht als eine Gabe erwähnt, die von dem aufgefahrenen Christus durch den Heiligen Geist der Gemeinde geschenkt wird. Darüberhinaus wird in 1. Korinther 14,5 deutlich gesagt, daß derjenige, der weissagt, größer ist als der, welcher in Zungen redet. Und im 19. Vers erklärt der Apostel Paulus selbst, daß er lieber fünf verständliche Warte reden würde, um andere lehren zu können, als 10000 Worte in Zungen.
3. Die „Zungenbewegung“ führt ihre Anhänger dazu, das Zungenreden mehr als jede andere Gabe zu suchen, während uns die Bibel klar lehrt, daß wir eher nach einer anderen Gabe als dieser streben sollten.
In 1. Korinther 12,31 sagt die Bibel: „Strebet nach (oder begehrt ernsthaft) den besseren Gaben.“ Die hier gebrauchten Worte bedeuten buchstäblich übersetzt „die größeren Gaben“ und der Zusammenhang zeigt klar, daß mit den „größeren Gaben“ eine andere Gabe als das Zungenreden gemeint ist. Das 14. Kapitel sagt im ersten Vers: „Strebet nach den geistlichen Gaben, am meisten aber, daß ihr weissagen möget.“ Dann begründet Paulus in den nachfolgenden Versen, warum wir das Weissagen der Zungenreden vorziehen sollten. Somit ist das Streben nach der Zungenrede, das solch ein hervorstechendes Merkmal in der „Zungenbewegung“ ist, völlig unbiblisch. Es steht in direktem Widerspruch zu den klaren Lehren des Wortes Gottes.
4. In bezug auf das Zungenreden in öffentlichen Versammlungen sind die Leiter der „Zungenbewegung“ in ständigem Ungehorsam gegenüber der offenbarten Lehre des Wortes.
Das Wort Gottes lehrt in 1. Korinther 14 sehr klar, daß das Zungenreden eher privat als öffentlich praktiziert werden sollte. Paulus sagt in 1. Korinther 14,19: „… aber ich will in der Gemeinde (d.h. in der öffentlichen Versammlung) lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in Zungen.“
Er fährt fort darzulegen, daß, wenn in der öffentlichen Versammlung in Zungen geredet wird, nicht mehr als zwei oder höchstens drei in solch einer Zusammenkunft reden sollten. Außerdem: wo zwei oder höchstens drei in Zungen reden, sollten sie nur einer nach dem anderen reden und nicht zwei oder mehr zur selben Zeit (1. Kor. 14,7). Und er befiehlt sogar weiter, daß, wenn kein das Gesagte auslegen kann, niemand in der öffentlichen Versammlung in Zungen reden soll. D.h.: wenn kein Ausleger in der Gemeinde anwesend ist, soll derjenige, der in Zungen reden möchte, schweigen und für sich selbst und zu Gott reden (V. 7-29).
In den Versammlungen der „Zungenredner“ sprechen oft viele in Zungen. Meistens sprechen mehrere zur selben Zeit, und sie sprechen auch dann, wenn kein Ausleger anwesend ist. Durch dieses Verhalten sind sie Gott völlig ungehorsam und ganz sicher ist eine Bewegung, die so beständig dem nicht gehorcht, was Gott in seinem Wort befiehlt, nicht von Gott.
5. Die „Zungenbewegung“ ist von schwerwiegendster Unordnung und schlimmster Unmoral begleitet.
Gott erklärt in 1. Korinther 14,33, daß „Gott nicht ein Gott der Unordnung ist“ (das hier mit „Unordnung“ übersetzte Wort bedeutet „ein Zustand der Unordnung,“ „Störung,“ „Verwirrung“). Auf einer der bedeutendsten Versammlungen der „Zungenredner“, die kürzlich in dieser Stadt (Los Angeles) abgehalten wurde, hat sich die unbeschreiblichste Unordnung, Störung und Verwirrung abgespielt. Viele Männer und Frauen haben stundenlang bis weit in die Nacht hinein Seite an Seite am Boden oder auf der Bühne in unanständigster und unzüchtigster Weise in einem Zustande hypnotischer Bewußtlosigkeit gelegen, und haben sich damit schändlicher Mißachtung in den Augen der Öffentlichkeit ausgeliefert.
Die Leiterin in diesen Versammlungen, eine Frau von großer Berühmtheit, hat diese bedauernswerten Männer und Frauen mit Methoden in diesen Zustand versetzt, die eindeutig hypnotischer Natur waren und völlig identisch mit den Methoden der Heiden in Afrika und den Hypnotiseuren in spiritistischen oder anderen Versammlungen in diesem Land sind. Wenn jemand geheilt werden oder die Taufe mit dem Heiligen Geist empfangen wollte, wurde er, den Rücken zum Publikum gewandt, auf einen Stuhl mit gesetzt. Dann ergriff ein Mann ihn am Kopf, legte die eine Hand auf das Haupt und die andere heftig auf den Hinterkopf. Anschließend hat diese Frau am Körper herumgerieben; an Männern geschah das manchmal in unzüchtigster Weise. Wenn sich später die Leute von ihrem Sitz erhoben, wurden ihnen die Arme von unten abgestützt und man befahl ihnen, ihre Arme hochzuhalten. Dies taten sie so lange, bis diese Menschen ohnmächtig umfielen. In einem bestimmten Fall, der mir bekannt ist, hat ein Junge seine Arme wenigstens eine Stunde hochgehalten, bevor er unter „der Kraft“, wie sie es nennen, umfiel.
Es muß kaum gesagt werden, daß dies nicht im geringsten mit dem im Neuen Testament übereinstimmt, dafür aber dem ähnelt, was die Heiden in Afrika, die „Fakire“ in Indien und Hypnotiseure in diesem Lande praktizieren. Die ganze Sache ist für jeden, der die biblischen Lehren wirklich kennt und weiß, was das tatsächliche Wirken des Heiligen Geistes ist, sehr abstoßend.
In 2. Timotheus 1,7 werden wir gelehrt, daß der Heilige Geist nicht ein Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit ist. Der Geist, der sich in den Versammlungen der Zungenredner manifestiert, ist alles andere als ein Geist der Besonnenheit (Vernunft). Aber die Verwirrung, so unehrenhaft sie für das Wort Gottes ist und so klar wie sie vom Wort Gottes zurückgewiesen wird, ist nicht das Schlimmste in der „Zungenbewegung“.
Mit ihr ist, wie bereits oben erwähnt, schlimmste Unmoral verbunden. Der Mann, durch den die „Zungenbewegung“ zur damaligen Zeit anfing, wurde wegen schlimmster Unmoral eingesperrt, eine Unzucht. für die wir (damals jedenfalls, Anm.) in unserer englischen Sprache keinen Namen haben, obwohl sie im ersten Kapitel des Römerbriefes beschrieben wird. Ein anderer der herausragenden Führer, vielleicht der berühmteste im Staate Ohio, wurde des Vergehens mit einer jungen Frau überführt, obwohl er selber verheiratet war. In einer Anzahl von Fällen sind führende Männer und Frauen in der Bewegung der ausschweifendsten Beziehungen zueinander für schuldig befunden worden. In vielen Fällen ist diese Bewegung überquellend mit Unmoral der schlimmsten Art.
Dies soll keinen Moment lang heißen, daß es in dieser Bewegung nicht saubere und wohlwollende Männer und Frauen gibt, aber diese Bewegung hat offensichtlich mehr Unmoral als irgendeine andere moderne Bewegung hervorgebracht, abgesehen vom Spiritismus, mit dem sie in so vielfältigerweise verwandt ist. Zwei der Leiter dieser Bewegung gingen von diesem Land nach Indien und hatten dort für eine gewisse Zeit eine Gefolgschaft unter den angesehensten christlichen Mitarbeitern, aber einige von denen, die da hineingerieten, waren über die sich abspielenden Unanständigkeiten so schockiert, daß sie davon wieder loskamen.
6. Mit der Ausbreitung der „Zungenbewegung“ wurde es in zahlreichen Fällen offenbar, daß sie dämonisch war.
Es schien offensichtlich, daß solche, die behaupteten in Zungen zu reden, tatsächlich in einer ihnen unverständlichen Sprache redeten, aber was sie sagten, war ordinär und schlimm. Es bewies, daß der sie bewegende Geist nicht der Heilige Geist, sondern ein Dämon war. In Macao, China, traten genau solche Manifestationen auf, wie sie von der „Gesellschaft für parapsychologische Forschung“ (Society for Psychical Research) im Zusammenhang mit spiritistischen Versammlungen beschrieben werden.
Einige, die in Zungen geredet haben, entdeckten nachher, daß sie dämonisch besessen waren, anstatt mit dem Heiligen Geist getauft zu sein. Auf derselben Linie gab es bemerkenswerte und erschreckende wie abstoßende Entwicklungen in Deutschland. Die Wahrheit ist, daß so viele Leute so begierig sind, von irgendeinem übernatürlichen Geist gesteuert zu werden, daß sie nicht mehr darauf achthaben, ob dieses übernatürliche Wesen, das sie kontrolliert, nun der Heilige Geist oder ein Dämon ist, und die „Zungenbewegung“ hat einige der erschreckendsten Entwicklungen auf diesem Gebiet aufzuweisen.
7. Die „Zungenbewegung“ ist in all ihren wesentlichen Kennzeichen nichts Neues. Dieselben Phänomene traten zwischen 1830 und 1840 in der unglücklichen Irvingianischen Bewegung in England auf.
In dieser Bewegung gab es die wunderbarsten Phänomene des Zungenredens, die für einige Zeit einige sonst besonnene Männer und Frauen verführte. Danach bekamen sie aber unzweideutige Beweise dafür, daß der Geist, der den Redner kontrollierte, auf keinen Fall der Heilige Geist, sondern ein böser Geist war. Zungenreden ist für viele Jahre bei den Mormonen praktiziert worden. Während ihres Werdegangs haben in Mormonenversammlungen Männer und Frauen oftmals erklärt, in Zungen zu reden.
Um es zusammenzufassen: Die „Zungenbewegung“ ist eine Bewegung, auf die Gott in unmißverständlicher Weise das Kennzeichen seines Mißfallens gesetzt hat, sowohl durch sein Wort, wie auch in dem, was in seiner Zulassung in Verbindung mit dieser Bewegung sich ereignet hat. Es ist eine Bewegung, die jeder, der dem Wort Gottes glaubt und gehorcht, stricktest meiden sollte, es sei denn, um je nach Gelegenheit aufzuzeigen, welch grobe Irrtümer und Bosheiten mit ihr verbunden sind.
Wir leugnen nicht die Möglichkeit, daß Gott in unseren Tagen jemanden die Zungenrede geben kann. Wenn Gott es gefällt, dies zu tun, dann kann und wird Er es tun. Aber die „Gabe der Zunge“ wurde so offensichtlich in der frühen Kirche in einer Weise, die dem gegenwärtigen Mißbrauch in der „Zungenbewegung“ sehr ähnlich ist, falsch gebraucht, daß es sogar in der Zeit des Apostels Paulus nötig war, Leute über die Irrtümer, die mit der Zungenrede verbunden sind, zu warnen. Gott hat in seiner Weisheit und Liebe für einige Zeit diese Gabe zurückgezogen und es gibt keinen guten Grund für die Annahme, daß Er sie in der gegenwärtigen Zeit wieder gegeben habe. Und somit ist gewiß: die sogenannte „Zungenbewegung“ ist nicht von Gott.
The Biola Book Room, Los Angeles.
 
REUBEN ARCHER TORREY (1865 – 1928) war Dwight L. Moodys Nachfolger in Chicago. 1912 übersiedelte er nach Los Angeles. Von 1912 bis 1924 war Torrey Leiter von BIOLA, Bible Institute of Los Angeles. In der Zeit um 1912 ist obiges Traktat, bei dem keine Jahreszahl angegeben ist, höchstwahrscheinlich geschrieben worden.

Als letzten Beitrag hier die Erfahrung von Prof. Dr. Peter Beyerhaus. Es geht dabei vor allem um Grundsätzliches zum Thema Schwarmgeist.

7. GEISTERFÜLLUNG UND GEISTERUNTERSCHEIDUNG

von Peter Beyerhaus

–  Die schwarmgeistige Gefährdung der Gemeinde heute  –  

I.   Das neue Fragen nach dem Heiligen Geist
II.  Das Wesen des Heiligen Geistes
III. Das Wesen des Schwarmgeistes

Auszug:

III. Das Wesen des Schwarmgeistes

A. Woher kommt der Begriff „Schwarmgeist“?
Dem normalen Zeitgenossen wird nicht ohne weiteres deutlich sein, was wir mit diesem Wort eigentlich meinen. Denn Schwärmerei bringt man im allgemeinen in Verbindung mit einer gewissen Gefühlsseligkeit. Man denkt an ein junges Mädchen, das für ihren Liebsten schwärmt. Ein anderer schwärmt von seiner letzten Sommerfrische oder einem frohen Erlebnis. Geht es also um eine leicht exaltierte Gefühlsstimmung? Nein, das ist nicht das Schwärmertum, das wir hier meinen, obwohl es gewisse Verbindungen gibt. Ich versuche, den Begriff immer vom Bild des Bienenschwarms her zu erklären. Wenn es den Bienen in ihrem Stock zu eng geworden ist, – und zwar geschieht das immer, wenn eine zweite Königin geboren ist, – dann halten sie es nicht mehr aus in der Begrenzung ihres Baues. Sie müssen hinaus und schwärmen mit furchtbarem Getöse aus.
Damit habe ich das Entscheidende schon gesagt: Der Schwärmer hält es nicht aus in der Begrenzung, in die er auf Grund des Willens Gottes in seinem Glaubensleben in dieser heilsgeschichtlichen Zwischenzeit zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft des Herrn gestellt ist. In dieser Zeit ist ja unsere Sünde zwar schon vergeben auf Grund des Kreuzestodes Christi; aber wir müssen doch immer noch den alten Sündenleib mitschleppen. Deswegen bekommen wir von ihm immer wieder sündige Versuchungen zu spüren. Gleichzeitig müssen wir auch leiden unter der Vergänglichkeit dieses alten Äons, dieses alten Weltzeitalters, an das wir mit aller Kreatur gekettet sind; so sind wir auch dem Sterbenmüssen unterworfen.
Dies will der Schwärmer nicht anerkennen. Er möchte im Grunde genommen schon das Leben führen, das uns der Herr verheißen hat für das kommende Reich der Herrlichkeit, wenn Jesus Christus wiedergekommen ist, um alle Dinge neu zu machen. Der Schwärmer erkennt diese Grenzen der Zwischenzeit nicht an. Er will sie sprengen. Er möchte deswegen nicht glauben, sondern er will schauen, spüren und schmecken. Er will nicht mehr dulden, wie es uns doch Paulus in  Römer 5 und 8 ans Herz legt, sondern er möchte genießen, er möchte volle Kraft und Gesundheit spüren, die in keiner Weise mehr in Frage gestellt wird. Deswegen ist für den Schwärmer das Phänomen der Krankheit immer ein Ärgernis, mit dem er nicht fertig werden kann. . .
Anders ist es, wenn Christen nicht mehr in der Demut, der Heiligung, bleiben, sondern ihre Hand nach den Gaben ausstrecken, die ihnen nicht gegeben sind. Wenn wir nicht mehr auf die Bedingungen achten wollen, die uns gesetzt sind, dann beginnen wir, wirklich in das Schwärmen zu geraten und für den Einbruch eines ausgesprochenen Schwarmgeistes offen zu werden. Dies bedeutet zunächst einmal eine Gefahr für unser eigenes geistliches Leben. Die Verführung macht den Betreffenden, der diesen Geist empfangen hat, aber alsbald auch zu einer Bedrohung für andere. Die durch den falschen Geist hervorgerufene ungesunde und unnüchterne Haltung, die hier zum Ausdruck kommt, findet ihren Niederschlag in bestimmten ungesunden Ideen und falschen Lehren, die der Betreffende dann anderen mitteilen will. Hat er damit Erfolg, so kann er schließlich sogar zum Stifter einer neuen Glaubensgemeinschaft oder Sekte werden. Wenn schließlich der Schwarmgeist vollends von ihm Besitz ergriffen hat, so macht er ihn zum Medium des altbösen Feindes.
Schwarmgeist ist nicht einfach eine menschliche ungesunde Haltung, sondern geistige Beeinflussung (Inspiration) aus dem Abgrund und letztlich Wirkungsweise des Satans.

B. Die Einbruchsmöglichkeiten des Schwarmgeistes
Wie kann es dazu kommen, daß ein Christ von einem solchen Geiste befallen wird? Drei Punkte können genannt werden:
1. Geistliche Unachtsamkeit. Wenn ich aufhöre, Schritt für Schritt auf das Wort Gottes zu achten, wenn ich anfange, mich von mei¬nen Gefühlen oder anderen Menschen stärker beeindrucken zu las¬sen als von dem, was Gott mir durch sein Wort sagt, dann be¬steht diese Gefahr…
2. Eigene Unlauterkeit. In dem Augenblick, wo ich nicht mehr in völliger Gemeinschaft mit Gott wandele, weil ich unwahrhaftig, unehrlich in meinem Geschäftsgebaren, genußsüchtig oder auch unkeusch werde   und wer von uns ist frei von diesen Versuchungen?   tritt eine Trübung in meinem geistlichen Erkenntnisvermögen ein. Wo das nicht bereinigt wird, geschieht schließlich, wenn ich trotzdem weiter bewußt einen religiösen Weg gehen und das Fleischliche mit dem Geistlichen verbinden will, der Einbruch falscher Geistesmacht.   Ich meine, dies gilt auch für den Versuch, eine bestimmte Form von Musik, die die Triebe aufpeitscht, in den geistlichen Dienst zu stellen.
3. Hochmut. Das Wesen Luzifers ist ja, daß er selber Gott nicht über sich anerkennen wollte, sondern sein wollte wie ER (Hesekiel 28). Und so liegt auch unsere heimliche Zugeneigtheit, unsere Affinität zum satanischen Versucher in unserer Versuchlichkeit zum Hochmut. Sie gibt es auch in der Gemeinde Jesu. Auch wir Christen stehen bisweilen in der Gefahr, heiliger scheinen zu wollen als andere …

C. Schwarmgeist als Meister der Imitation
Ein Wesenszug des Schwarmgeistes ist also die Kunst der Nachahmung der Imitation. Hier ist nun eine ganz entscheidende Beobachtung die, daß es kaum irgendeine Erscheinungsweise des Heiligen Geistes gibt, wie sie unser Neues Testament bei der Behandlung der Gnadengaben schildert, für die es nicht auch eine Imitation gäbe. Wenn Paulus davon spricht, daß er sich in der Ekstase befunden habe und in den dritten Himmel entrückt wurde (2.Kor.12,2), so weiß davon auch die hinduistische Mystik zu erzählen. Wenn wir im Neuen Testament davon lesen, daß die Jünger am Pfingsttage in anderen Sprachen redeten oder eine Zungengabe auch in der korinthischen Gemeinde erschien, so kennen die Völkerkundler eine Zungengabe auch im afrikanischen Animismus.   Wenn wir von der prophetischen Gabe sprechen, so erinnert uns die Bibel daran, daß es Hellseher auch in allen anderen, nichtchristlichen Religionen gibt.   Wenn wir von der Gabe der Wunderheilung sprechen, so müssen wir wissen, daß es bis zum heutigen Tage Religionen gibt, die ebenfalls wunderhafte Heilungen vollbringen …
Kann also der Schwarmgeist alle Geistesgaben imitieren, so schafft er sich auch menschliche Träger, die ihn vermitteln. Und so tritt an die Stelle des echten Apostels der falsche Apostel; an die Stelle des echten Propheten tritt der falsche Prophet. Das Furchtbarste aber ist, daß am Ende an die Stelle des echten Christus der Antichrist treten wird. Antichrist heißt ja nicht nur, daß er gegen Christus ist, sondern daß er sich an die Stelle Christi setzt. Und zwar tut er dies in einer Weise, daß er zunächst nicht als sein Gegenspieler erkannt wird, sondern von vielen arglosen Christen als der wiedergekommene Christus begrüßt werden wird.
Ich glaube, daß die Geschichte schwarmgeistiger Bewegungen innerhalb der Kirchengeschichte nichts anderes ist als ein ständiges Präludium, ein Vorspiel, für den Schlußakt des Erscheinens des Antichristen selber. Ich bin allerdings der Überzeugung, daß dieser antichristliche Imitationsschwarmgeist in unserer heutigen Zeit sich in einer ganz neuen Fülle offenbart, so daß man sich oft fragen muß, ob es wirklich schon dem Ende zugehen soll.

D. Das Wirken des Schwarmgeistes

Der Schwarmgeist hat mannigfache Weisen zu wirken.

1. Er wirkt z.B. dadurch, daß er den Christen das Angebot eines starken gefühlsmäßigen Erlebnisses macht. Ihnen wird verheißen, daß all das, wovon sie bis jetzt nur gelesen und gehört hatten, nun von ihnen wirklich erfahren werden kann. Kürzlich berichtete man mir von einer Aussage des international bekannten Pfingstevangelisten David du Plessis. Man hatte ihn gefragt: „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen deiner Lehre und unserer? Denn was du sagst, das sagen wir doch auch?“ Du Plessis antwor¬tete: „Der Unterschied ist der. Ihr serviert es auf Eis ich in der Bratpfanne.“ Damit wollte er sagen. Bei normalen Predigern ist zwar theoretisch auch alles da, aber so unterkühlt, ungenießbar ist. Ich aber biete euch dasselbe mit der rechten Wärme. Jetzt könnt ihr schmecken und spüren.   Uns wird also ein tiefes Gefühlserlebnis verheißen, vielleicht sogar eine Ekstase, ein Verzücktsein, ein Schauen von herrlichen Bildern sowie das Spüren von Kräften aus der anderen Welt. Es wird den Menschen versprochen, daß es sie wie ein elektrischer Strom durchfahren werde , der sie mit Kräften in Verbindung bringt, von denen sie bis jetzt nur gehört hatten.

Bei einer Jugendgroßveranstaltung des amerikanischen Pfingstevangelisten David Wilkerson erlebte ich, wie er die Menschen nach vorne rief mit den Worten: „Ich rufe euch jetzt nach vorne, und ihr werdet das Ziehen einer unwiderstehlichen Kraft empfinden. Sträubt euch nicht gegen dieses Ziehen, es ist der Heilige Geist.“ Und in der Tat, kaum hatte er es gesprochen, setzte sich ein Zug von Menschen in Bewegung, zunächst Jungen im Alter von 12, 13, 14 Jahren, die gefühlsmäßig besonders beeinflußbar waren. Aber dann folgten auch viele andere. Wilkerson fuhr fort: „Wenn ihr jetzt weinen wollt, dann scheut euch nicht, diese Tränen zu vergießen, es ist der Heilige Geist, der das wirkt.“ So kamen sie dann nach vorne, und der Redner stellte ihnen nun einzeln die Frage: „Warum bist du nach vorne gekommen?“ Die Antwort war jedesmal die gleiche: „Das kann ich nicht sagen, ich mußte ganz einfach.“ Die nächste Frage war. „Und was möchtest du jetzt bezeugen?“ Einer der so Gefragten antwortete: „Bisher war ich nur ein fünfundneunzigprozentiger Christ. Nun aber bin ich ein hundertprozentiger Christ. Ich werde nicht mehr sündigen.“ Darauf bestätigte ihm David Wilkerson: „Das glaube ich dir, denn du hast die Vibrationen (das Zittern) des Heiligen Geistes.“ In der Tat, da standen diese Leute vorn und zitterten am ganzen Leibe. Es war eine Kraft in sie gefahren, eine Wirkung, wie sie sie vorher nie verspürt hatten. Menschen, die von solcher Kraft erfaßt werden, geraten in eine ekstatische Stimmung, die von ihnen zunächst als ein ganz großes, freudiges Widerfahrnis empfunden wird.

2. Schwärmer verheißen ihren Anhängern, daß sie neue Offenbarungen empfangen werden: Sie würden Botschaften, himmlische Stimmen hören. Ich war 1972 in der Calvary Chapel, der Golgatha Kapelle in Kalifornien. Das ist der Ursprungsort der sogenannten Jesusbewegung, deren Initiator, ein gewisser Chuck Smith, dort als Leiter tätig war. Er hielt eine Bibelarbeit über ein Daniel Kapitel. In seiner ganzen Auslegung hörte ich kein einziges Wort vom Kreuze Jesu Christi, kein einziges Wort von Buße und Sündenvergebung. Chuck Smith hatte nur das eine Thema: „Werdet sensibel für den Geist Gottes.“ Wir sollten uns empfänglich machen, um die Stimme Gottes zu vernehmen. Wir müßten es lernen, abzuschalten gegenüber den äußerlichen Sinneseindrücken. Statt uns in das Getriebe der Welt hineinzubegeben, müßten wir uns durch Meditation innerlich empfänglich machen. Wenn wir das schließlich erreicht hätten, wenn wir die rechte Sensibilität erworben hätten, dann würde Gott anfangen können, wirklich zu uns zu sprechen. Smiths letzte Sätze waren: „Was dann mit dir geschehen wird, kann ich im einzelnen für dich nicht bestimmen; du magst Visionen empfangen, vielleicht sendet dir Gott einen Engel oder du hörst seine eigene Stimme.“ Das waren für solch schwarmgeistiges Angebot typische Versprechen. In der Tat, dieses Angebot ist kein leeres, sondern es kann in Erfüllung gehen. Schwarmgeistig bewegte Menschen können wirklich außersinnliche Stimmen hören.

3. Manchmal verspricht der schwarmgeistige Prediger seinen kranken Hörern auch, daß eine Kraft sie ergreifen werde, die körperliche Wiederherstellung schenken wird…

4. Eine weitere wichtige Beobachtung ist die, daß der Träger des Schwarmgeistes gedrängt zu sein scheint, die Kraft, die ihn selber bewegt, an andere weiterzugeben. Er tut das im allgemeinen durch Handauflegung oder dadurch, daß er sie mit sich in eine Kette körperlicher Berührungen bringt. In dem Semester, als ich erstmals ein Seminar über charismatische Bewe¬gungen hielt, wurde Tübingen von einem holländischen „charismatischen“ Evangelisten besucht, Piet van Zutphen, der dort schon zuvor einen Anhängerkreis gesammelt hatte. Einige Teilnehmer mei¬nes Seminars äußerten den Wunsch, wir sollten doch einmal einen „Charismatiker“ einladen, damit wir persönlich einen Eindruck bekämen, was er eigentlich lehrt, und damit wir mit ihm disku¬tieren könnten. Ich tat es unter gewissen Vorbehalten, nämlich mit der Absicht, ihn zunächst anzuhören und dann zu widerlegen. Ich hätte es nicht tun sollen. Der Eingeladene hat dann nämlich nicht nur seine Lehre entfaltet. Vielmehr hatten wir von vornherein den Eindruck, daß ein merkwürdiger Charme von diesem Men¬schen ausging, der unsere Seminarteilnehmer faszinierte und sie innerlich zwang, sich seinem Einfluß zu öffnen. Auch ich selber war nicht ganz davon frei. Er begann damit, auf eine recht banale Art Witze zu reißen. Und doch erreichte er damit, daß schließlich alles an seinem  Munde hingen. Seine Lehren waren kaum von biblischer Tiefe erfüllt. Plötzlich hielt er inne und erklärte: „Und jetzt möchte ich das tun, was ich bei solchen Gelegenheiten immer tue, ich möchte für Sie beten.“  Bevor wir überhaupt darauf antworten konnten, war er schon dabei, ein Gebet zu sprechen, das im Grunde genommen eine sakramentalistische Segenshandlung war: „Herr, laß mich jetzt meinen Segen auf jeden ein¬zelnen hier legen.“ Was er also in diesem Falle nicht vermittels einer körperlichen Handauflegung tun konnte, geschah nun durch dieses „Gebet“.   Ich habe aber erfahren, daß jener Reisepredi¬ger in anderen Zusammenhängen immer wieder seinen Hörern gesagt habe: „Wenn sich einer von euch schwach fühlt oder Schmerzen hat, dann möge er nach vorne kommen. Ich werde ihm die Hände auflegen, und er wird von mir einen Segen und eine Hilfe erfahren.“ Seine Hörer pflegen dann in der Tat nach vorne zu kommen, und er lädt sie durch Handauflegung mit seinen Impulsen auf.   In unserem Fall geschah nun folgendes: Mehrere von meinen Seminarteilnehmern gerieten in Unruhe. Sie konnten nachts nicht schlafen. Tatsächlich war also hier eine fremde Macht in ihr Leben eingebrochen. Es wurde mir deutlich: Ich habe hier eine Schuld auf mich geladen. Sobald ich dies erkannte rief ich das ganze Seminar noch einmal zusammen, um im einzelnen mit den Studenten zu besprechen, was hier geschehen war. Daraufhin sagte jeder einzelne von ihnen sich im Namen Jesu von diesem falschen Geiste los, der über sie gekommen war. Das von uns Erlebte war bezeichnend für viele von diesen falschen „Charismatikern“: Sie bieten eine geistliche Kraft an, die durch körperliche Berührung oder suggestive Beeinflussung übertragen wird, und der ahnungslose Christ läßt sich davon verführen. Sie fragen auch gar nicht, ob der Betreffende innerlich gerüstet sei für einen solchen neuen Geistempfang. Der Geistessegen erscheint ihnen wie eine objektive Größe, die man einfach wie Lebensmittel an Hungrige verteilt.

5. Ich gebe noch ein Beispiel für jenes Drängen auf Handauflegung zum Zwecke einer größeren „Geisteserfüllung“. Eine Bibelschule in Indonesien wurde eines Tages von einem reisenden Vertreter einer „charismatischen Bewegung“ besucht. Die Missionare waren gerade auf einer großen evangelistischen Tour und hatten ihre Frauen eine Woche allein zu Hause zurückgelassen. Jener „Evangelist“ hielt jeden Tag Andachten und Bibelandachten, die alle auf das gleiche Ziel zugingen: Wer noch nicht in Zungen redet, der habe noch nicht den Heiligen Geist. Ihm könne aber geholfen werden: Durch Auflegung der Hände und Gebet könne er die „Fülle des Geistes“ empfangen. Zum Zeichen dafür werde er in Zungen reden. Eine der beiden Frauen widerstand dieser Lehre, weil sie ihr als unbiblisch erschien. Die andere Missionarsfrau erlebte gerade in jener Zeit eine geistliche Dürre und Niedergeschlagenheit und empfand, daß sie wirklich mehr Kraft brauche. So entschloß sie sich, es doch einmal zu versuchen und sich die Hände auflegen zu lassen. In der Tat, auf der Stelle konnte sie in Zungen reden. Gleichzeitig aber fiel sie in eine geistliche Nacht. Sie verlor ihre Heilsgewißheit und konnte nicht einmal mehr die Bibel lesen oder beten. Dieser Zustand verließ sie ein halbes Jahr nicht mehr. Schließlich meinte sie, ihre Zelte in Indonesien abbrechen und nach Hause zurückkehren zu müssen, weil sie nichts mehr zu geben hatte. Gerade zur rechten Zeit stieß sie auf das Buch Between Christ and Satan von meinem Kollegen Kurt Koch, in dem diese von ihr erfahrenen Phänomene geschildert waren. Da wurde ihr deutlich, daß der Geist, der über sie gekommen war, nicht der Heilige Geist, sondern eine dämonische Macht in schwarmgeistiger Verhüllung war. Der Anweisung des Verfassers entsprechend sprach sie schließlich ein Absagegebet, so wie man sich von einer okkulten Behaftung lossagen muß und übe¬rgab sich aufs neue Jesus Christus ihrem Herrn und Erlöser.

6. Bei bestimmten Menschen, die schon vorher unter dem Einfluß von okkulten Kräften standen oder psychisch belastet waren, kann sol¬che Handauflegung noch zusätzliche Gefahren mit sich führen. Das unmittelbare Ergebnis ist dann, daß es mit ihnen noch schlimmer wird. Sie bekommen religiöse Wahnvorstellung, hören Geisterstimmen und müssen sich schließlich in nervenärztliche Behandlung be¬geben. In einem Fall, der mir bekannt wurde, geriet der Betreffen¬de auf dem Weg ins Sanatorium in Raserei, fiel dem Fahrer in den Arm und verursachte einen tödlichen Verkehrsunfall.

Solche Erfahrungen zeigen, was letztlich das Ziel des Schwarmgeistes ist. Er will Menschen sowohl in das leibliche wie auch in das geistliche Verderben führen.

7. Das nächste Stadium schwarmgeistigen Wirkens ist, daß diejenigen, die von solchem Geist erfüllt sind, auf Alleingültigkeit ihrer Erfahrung in der Gemeinde drängen. Wenn ein Teil der Mitchristen dem nicht nachgibt, kommt es unter Anstiftung der Schwärmer zur Unordnung und schließlich zur Spaltung in der Gemeinde.

Norwegen wird gegenwärtig stark von der charismatischen Erneuerungsbewegung heimgesucht. Zunächst gab es eine Fülle von durchaus positiv beurteilten Wirkungen: eine größere Gebetsfreudigkeit und verstärkte Hinwendung zur Bibel. Aber jetzt ist es dahin gekommen, daß in vielen solchen Gemeinden, in die diese Bewegung eingedrungen ist, Abspaltungen entstehen, die sich oft mit der Forderung verbinden, sich wiedertaufen zu lassen.

8. In manchen Fällen drängt sich der Schwärmer neben den Gemeindeleiter, versucht, ihm Vorschriften zu machen, kritisiert seine Verkündigung und sucht ihn schließlich zu verdrängen. Die usurpierte Herrschaft der Charismatiker in der Gemeinde kann sich schließlich sogar zur regelrechten geistlichen Tyrannei entwickeln. Einzelne Charismatiker behaupten eine absolute Autorität. Jeglicher Widerspruch wird von ihnen als „Betrübung des Geistes“ bezeichnet.

9. Schließlich sei noch ein bedeutsames Kennzeichen genannt: Im Gegensatz zu den schwärmerischen Absonderungen innerhalb der Gemeinden entwickelt sich zugleich auch eine neue ökumenische Gemeinsamkeit auf dem schwarmgeistigen Fundamente. Denn jeder Geist fühlt sich vom gleichen Geist angezogen. So entsteht heute eine weltweite Gemeinschaft, die sich als entscheidende Kraft zur Erneuerung der ganzen Kirche empfindet. Eine solche Einheit, die durch den Schwarmgeist erstrebt wird, geht immer auf Kosten der Lehre … So haben wir heute auch eine charismatische Ökumene des schwärmerischen Erlebens. Eins ihrer Zentren ist das Schloß Craheim. Hier kommen Männer und Frauen aus den verschiedensten Konfessionen, orthodoxe, Katholiken, Baptisten, Methodisten und Lutheraner zusammen, um eine neue ökumenische Gemeinschaft in der gemeinsamen Geisterfahrung zu erleben … Einer der Mitbegründer des ökumenischen Zentrums Craheim ist der luthe¬rische Pfarrer Arnold Bittlinger, den ich übrigens erstmalig in eben jener Golgatha Kapelle bei den Jesus People in Kalifornien kennengelernt habe. Bittlinger hält auch regelmäßig charismati¬sche Seminare in dem Ökumenischen Institut des Genfer Weltkirchen¬rates in Bossey, Schweiz, ab. …    

Wir sehen also: Auf der einen Seite führt der Schwarmgeist zu Spaltungen in der Gemeinde, auf der anderen Seite bemüht er sich, eine neue Einigungsbewegung in Gang zu setzen, die aber auf Kosten der Wahrheit geht. …

IV. Die Abwehr des Schwarmgeistes

Wie können wir die schwarmgeistige Bedrohung der Gemeinde abwenden? Durch geistliche Vorbeugung, durch Prüfung der Geister und durch geistlichen Widerstand.

1. Vor allem ist es wichtig, selber ein wahrhaft geistliches Leben zu führen. Das bedeutet, daß wir reichlich und ständig Gebrauch von den Gnadenmitteln machen, durch die der Herr uns seinen Heiligen Geist schenken möchte. Jeder Tag soll mit dem Lesen des Wortes Gottes unter Gebet und persönlicher Beugung beginnen. Laßt uns die Versammlungen der Brüder nicht verlassen. Laßt uns auch treue Gäste am Tisch des Herrn sein. Der Austausch mit erfahrenen Christen, die wirklich im Evangelium verwurzelt sind, kann uns zu immer tieferer Erkenntnis führen, so daß wir dadurch das Echte vom Unechten unterscheiden lernen.

2. Das nächste ist, daß wir den Herrn für seine Gemeinde um die besondere Gabe der Unterscheidung der Gemeinde bitten. … Das Charisma der Unterscheidung ist nur eine besondere Fähigkeit dies zu tun. Aber das Urteil muß in jedem Fall auf Kriterien der Lehre gegründet sein, die allen biblisch verankerten Christen einsichtig sind. Ich möchte vier solcher Kriterien nennen:

Für mich fiel das Urteil über bestimmte Vertreter der Pfingstbewegung, als ich feststellen mußte, daß sie den gekreuzigten Herrn nicht predigen. Sie hielten lange Ansprachen; aber vom Kreuze Christi und seinem Blute, von wahrhafter Buße, Vergebung und Gnade war nicht die Rede, sondern immer nur von dem dynamischen wirken des Heiligen Geistes…

Ein weiteres Erkennungszeichen ist der Gebrauch der Schrift überhaupt. Viele angebliche Charismatiker predigen ganz unbiblisch. Meist legen sie ihren Ansprachen gar keinen Schrifttext zugrunde. Wenn aber die Bibel doch gebraucht wird, dann sind es immer nur ganz wenige ausgewählte Texte, auf denen man herumreitet. …

Auch eine ungesunde Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) kann ein Erkennungszeichen sein. Oft spielt die Vorstellung von der vorzeitigen Entrückung der Brautgemeinde Jesu vor der großen Trübsal und dem Erscheinen des Antichristen eine große Rolle. Sie habe ich schon im Schrifttum der ersten Pfingstbe¬wegung gefunden, und auch heute ist sie wieder da. Nur wenige wissen, daß diese unbiblische Lehre früheren Generationen der Christenheit unbekannt war. Erst im Jahre 1830 hat ein in der schwarmgeistigen Bewegung des Irvingianismus stehendes schotti¬sches Mädchen, Margaret Campbell, sie in einem privaten Offenbarungserlebnis¬ empfangen! Durch Darby ist diese Idee dann in den angelsächsischen Neupietismus eingeschleust worden. Ich halte sie für eine ganz verhängnisvolle Irrlehre. Denn die Konsequenz der Hoffnung auf die vorzeitige Entrückung ist ja, daß man nicht mehr wachsam gegen den Geist der Verführung ist. Man glaubt dann nämlich, daß die Gemeinde dem kommenden Antichristen gar nicht mehr begegnen werde. Christen dieses Irrglaubens werden ihm aber um so sicherer auf den Leim gehen.

Die Frage nach der Demut bildet ein wichtiges Kriterium der Geistesprüfung. Allerdings kann sich auch schwarmgeistige Anmaßung unter einer Decke scheinbarer Demut verbergen. ist der Betreffende bereit, seine Lehre biblisch berichtigen zu lassen? Oder aber ist er völlig unnachgiebig und wiederholt zunächst liebenswürdig, dann immer fanatischer   was er schon als seine besondere Lehre dargelegt hat? Kann es unter Umständen sogar dazu kommen, daß er, wenn man ihn wirklich grundlegend in Frage stellt, explodiert? Ein solch jäher Zornesausbruch könnte sehr wohl eine Selbstenthüllung des falschen Geistes sein.

3. Schließlich ist die Wachsamkeit sowie die Bereitschaft zum Kampf und Widerstand als Mittel zur Abwehr der schwarmgeistigen Bedrohung zu nennen. Die Gemeinde Jesu Christi war in ihrer Geschichte vom Schwarmgeist stets gefährdet und ist es auch heute. Aber in der Endzeit wird diese Bedrohung wachsen. Satan hat viele Weisen, die Gemeinde Jesu anzufechten und zu versuchen. Für die einen reicht der äußerliche Materialismus und der Sex völlig aus, um sie vom Glauben abzuziehen. Für die anderen ist die Unterminierung des Vertrauens in die Gültigkeit der Heiligen Schrift die tödliche Einbruchsstelle. Anderen wiederum wird die Öffnung zu den mystischen Religionen des Ostens zur Verlockung

Es gibt Christen, die gegenüber dem allen gefeit erscheinen. Sie sagen nein zum Materialismus und zur sexuellen Welle. Sie lehnen die Schriftkritik und auch die genannte Art von ökumenischer Be¬wegung ab. Aber doch sind sie merkwürdig schutzlos gegenüber der allersublimsten, nämlich der schwarmgeistigen Versuchung durch den Widersacher, der umhergeht „wie ein brüllender Löwe, suchend welchen er verschlinge“.

Unsere Situation wäre geradezu hoffnungslos, wenn nicht Christus seinen Beistand durch seinen Heiligen Geist denen verheißen hätte, die ihm wirklich treu nachfolgen und bereit sind, mit ihm zu wachen.

Letztlich müssen ja nicht wir selber den Versucher überwinden, sondern Jesus Christus, unser Herr, hat es bereits getan. Er steht für uns ein, er begleitet uns, er kämpft für uns. Aber es gilt, uns Tag für Tag erneut unter die Bedeckung seines Blutes zu stellen und ihn zu bitten, uns auf das aufmerksam zu machen und davor zu schützen, was wir in der heutigen Zeit als Bedrohung erkennen müssen. Nur so können wir durch den schwarmgeistigen Nebel unserer Zeit hindurch dringen, um in Ihm den Sieg zu erlangen.

 – Soweit meine persönliche Bemühung um das leidvolle Thema des modernen sogenannten Zungenredens. Möge unser Herr Jesus Christus dadurch etlichen die Augen vor dieser endzeitlichen Verführung öffnen. – Horst Koch, Herborn, im Mai 2007

 

Die folgenden Beiträge zum Thema über meine Internetseite oder über info@horst-koch.de

1. Zungenreden aus biblischer Sicht  –  von Missionar Ralph Shallis

2. Sprachenreden oder Zungenreden – Dr. Roger Liebi

3. Gemeinde Jesu – endzeitlich unterwandert? –  Evangelist Alexander Seibel

4. Die Zungenbewegung –  Pfr. Dr. Kurt E. Koch

5. Die okkulte Welle – Dr. Peter Beyerhaus

6. Geisterfüllung und Geisterunterscheidung – Dr. Peter Beyerhaus

7. Charismatische Praktiken – Dr. Helge Stadelmann

8. Prüfet die Geister – Pfr. Fritz Eichin

9. Kräftige Irrtümer – Evangelist Richard Ising

10. Die Geistesgaben – Pfr. Dr. Kurt E. Koch

11. Die sanfte Verführung – Evangelist Alexander Seibel

12. Wunderheilungen heute – Pfr. Dr. Kurt E. Koch

13. Hinter den Kulissen – Werner Bartl

14. Die Dritte Welle – Wolfgang Bühne

15. Charismatischer Okkultismus – Dave Hunt

 

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