Zeichen u. Wunder (Heijkoop)

Gebetsheilungen, Zungenreden, Zeichen und Wunder

– im Licht der Schrift

Von H. L. Heijkoop

INHALT

Das Bitten um den Heiligen Geist und die Taufe mit dem Heiligen Geist
Reden in Sprachen (Zungenreden)
Die Stellung der Frau nach der Schrift
Zeichen und Wunder
Krankenheilungen
Ist die Heilung des Leibes in der Versöhnung inbegriffen
Die Gottheit des Herrn Jesu 

  –  Die Schriftstellen sind nach der Elberfelder Übersetzung angeführt.  –

„Werdet mit dem Geiste erfüllt“

Es wird in den letzten Jahren viel über das Erfülltsein mit dem Heiligen Geist gesprochen, und es werden viele Dinge damit in Verbindung gebracht. Um zu beurteilen, ob das, was gesagt wird, richtig ist, haben wir einen untrüglichen Prüfstein: Das Wort Gottes. Die Schrift nennt die Juden von Beröa edler als die von Thessalonich, weil sie das Wort von Paulus nicht nur mit aller Bereitwilligkeit aufnahmen, sondern auch täglich die Schriften untersuchten, ob dies sich also verhielte. Und in Galater 1, 8 schreibt Paulus: „Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte, außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht!“

Wie nötig ist es da, daß wir, die wir in einer Zeit leben, da viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen sind (1. Joh. 4, 1) und da „sie die Ohren von der Wahrheit abkehren und zu den Fabeln sich hinwenden“ (2. Timotheus 4, 3), daß wir alles, was uns vorgestellt wird, sorgfältig an Gottes Wort prüfen. „Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, welche die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an; es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt als Diener der Gerechtigkeit annehmen, deren Ende nach ihren Werken sein wird (2. Korinther 11, 13-15).

Ich will vorweg auf einige Punkte hinweisen. Die Bibel ist Gottes Wort. Heilige Männer Gottes haben es geschrieben, getrieben vom Heiligen Geiste. So ist in Wirklichkeit der Heilige Geist der Verfasser der ganzen Bibel, und das bedeutet, daß das Wort vollkommen ist. Es steht alles darin, was wir wissen müssen. und wenn wir genau und sorgfältig lesen und Schrift mit Schrift vergleichen, stellen wir fest, daß auch alles hinreichend deutlich darin steht.

Daraus geht weiter hervor, daß jedes Wort der Schrift seine Bedeutung hat, die die Schrift selbst deutlich macht; und daß niemals zwei oder mehr verschiedene Worte dieselbe Bedeutung haben. Wir Menschen können, wenn wir reden oder schreiben, wohl einmal ein unrichtiges Wort gebrauchen. Gottes Wort tut das nie. Wenn ein anderes Wort gebraucht wird, hat es auch eine andere Bedeutung. Für jemand, der darüber einmal nachgedacht hat, ist das vollkommen klar. Doch gibt man sich hierüber oft wenig Rechenschaft und kommt dadurch dann manchmal zu einem ganz schiefen Bild der Gedanken Gottes.

Der Ausdruck „mit dem Geiste erfüllt“ kommt dreimal in den Evangelien, sechsmal in der Apostelgeschichte und einmal in den Briefen vor. Daneben finden wir in 2. Mose 31, 3 und 35, 31, daß Bezaleel mit dеm Geiste Gottes erfüllt wurde, „in Weisheit und in Verstand und in Kenntnis und in jeglichem Werk; und zwar um Künstliches zu ersinnen“ und auszuführen. In 2. Mose 28, 3 müssen alle, die Gott mit dem Geiste der Weisheit erfüllt hat, die heiligen Priesterkleider für Aaron machen und von Josua wird gesagt, daß er mit dem Geiste der Weisheit erfüllt war.

In Lukas 1, 15 wird von Johannes dem Täufer gesagt, daß er schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geiste erfüllt werden sollte „und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren“. In Vers 41 und 67 werden Elisabeth und Zacharias mit Heiligem Geist erfüllt, um Zeugnis abzulegen.

In Apostelgeschichte 2, 4 wird der Heilige Geist ausgegossen; alle Jünger wurden mit Heiligem Geiste erfüllt und legten ein so mächtiges Zeugnis ab, daß an jenem Tage dreitausend Seelen hinzugetan wurden.

In Apostelgeschichte 4, 8 legt Petrus, erfüllt mit Heiligem Geiste, ein kraftvolles Zeugnis vor dem Synedrium ab.  Und in 4, 31 heißt es: „Als sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle mit Heiligem Geiste erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit“.

In Apostelgeschichte 9, 17 sagt der Herr zu Ananias, er solle zu Saulus gehen, der zu einem großen Werkzeug bestimmt sei. Ananias geht und sagt ihm: „Jesus, der dir erschienen ist, hat mich zu dir gesandt, damit du wieder sehend und mit Heiligem Geiste erfüllt werdest“. In Kapitel 13 Vers 9 wird berichtet, wie Paulus, erfüllt mit Heiligem Geiste, den Widerstand von Elymas, dem Zauberer, bricht. Und in Vers 52, nachdem die Juden Feindschaft und Verfolgung wider die Boten des Evangeliums erweckt haben, lesen wir: „Die Jünger aber wurden mit Freude und Heiligem Geiste erfüllt“.

In Epheser 5, 3-21 wird gesagt, wie die Kinder des Lichts wandeln sollen inmitten der Söhne des Ungehorsams. Und in Verbindung damit heißt es in Vers 18: „Berauschet euch nicht mit Wein, in welchem Ausschweifung ist, sondern werdet (seid) mit dem Geiste erfüllt“.

Das sind alle Stellen der Schrift, in denen von dem Erfülltsein mit Heiligem Geiste gesprochen wird. Wenn wir diese Stellen lesen, fällt uns folgendes auf:

1) Das Erfülltsein mit Heiligem Geist ist nicht dasselbe wie die Innewohnung des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist wohnt in dem Gläubigen erst seit dem Pfingsttage (Apostelgeschichte 2). In Johannes 14, Verse 16 18 u. 26 und anderen Stellen wird dies ausdrücklich gesagt. So nimmt auch nach Epheser 1, 13 und 2. Korinther 1, 22 der Heilige Geist erst in jemand Wohnung, nachdem er dem Evangelium geglaubt hat, während Johannes der Täufer schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geiste erfüllt sein würde nach Lukas 1, 15, und in Apostelgeschichte 4, 31 wurden alle erfüllt mit Heiligem Geiste, obwohl sie in Apostelgeschichte 2 den Heiligen Geist empfangen hatten und da schon mit dem Heiligen Geist erfüllt waren, wie auch von Petrus in Apostelgeschichte 4, 8 gesagt war, daß er mit Heiligem Geiste erfüllt war. Und nachdem die Epheser laut Epheser 1, 13 (vergleiche 2. Korinther 1, 22) den Heiligen Geist empfangen hatten, heißt es in Kapitel 15, 18, daß sie mit dem Geist erfüllt sein sollen. Es wird ihnen dies geradezu als ihre Verantwortung vorgestellt, daß sie erfüllt sein müssen.

2) Aus diesem allem geht hervor, daß das Erfülltsein mit Heiligem Geiste kein bleibender Zustand ist, sondern eher ein zeitlicher, – wenn auch Johannes der Täufer darin einе Ausnahme gewesen zu sein scheint, wegen seiner einmaligen und besonderen Stellung.

3) Ferner geht aus den genannten Stellen hervor, daß das Erfülltsein mit Heiligem Geist gegeben wird für das Werk des Herrn und für das Zeugen für Ihn.

4) Daß die Schrift das Erfülltsein mit Heiligem Geist nicht verbindet mit dem Tun von Zeichen und Wundern oder Reden in fremden Sprachen. In keiner der Stellen im Alten oder Neuen Testament, wo über Erfülltsein mit Heiligem Geiste gesprochen wird, werden Zeichen oder Wunder genannt, mit Ausnahme von Apostelgeschichte 2, 4, wo über „andere Sprachen“ gesprochen wird, und von Apostelgeschichte 13, 9, wo Elymas blind wird. Aus den drei Kapiteln der Apostelgeschichte, in denen wir das Reden in Sprachen finden (Apostelgeschichte 2, 4. 8. 11; 10, 46 und 19, 6) geht vielmehr hervor, daß das Reden in Sprachen in Verbindung steht mit der Ausgießung des Heiligen Geistes (Juden in Jerusalem, Nationen und Jünger von Johannes dem Täufer außerhalb Palästinas), also nicht mit dem Erfülltsein mit Heiligem Geist (siehe auch 1. Korinther 12 und 14). Auch geht aus den Stellen in den Evangelien, wie aus den 17 Stellen der Apostelgeschichte, in denen von Zeichen gesprochen wird, deutlich hervor, daß die Schrift die Zeichen nicht verbindet mit dem Erfülltsein mit dem Heiligen Geist, wenn auch in einem Fall gesagt wird, daß der, der ein Zeichen tut, mit Heiligem Geist erfüllt ist.

Es ist zu beachten, daß die Gläubigen in Apostelgeschichte 4, 23-31 beteten: „Gib deinen Knechten, dein Wort zu reden mit aller Freimütigkeit, indem du deine Hand ausstreckst zur Heilung, und daß Zeichen und Wunder geschehen …“  Gott gibt ihnen die erbetene Freimütigkeit, aber nicht durch Zeichen usw. Er erfüllt sie mit Heiligem Geist, und dann reden sie das Wort mit Freimütigkeit.

5) Nirgends wird von jemand gesagt, daß er mit Heiligem Geist erfüllt wird, nachdem ihm die Hände aufgelegt wurden, mit Ausnahme von Apostelgeschichte 9, 17. Da legt Ananias dem Paulus die Hände auf und sagt, daß der Herr ihn gesandt hat, damit er mit Heiligem Geist erfüllt werde. Aber die Schrift sagt nicht, daß Paulus in diesem Augenblick erfüllt wurde, und durchaus nicht, daß es durch das Auflegen der Hände geschah. In allen anderen Stellen kann es nicht durch das Auflegen der Hände geschehen sein.

Außer dem „Erfülltsein“ finden wir viermal in der Schrift den Ausdruck „voll Heiligen Geistes“. Und zwar wird dies gesagt von dеm Herrn Jesus (Lukas 4, 1), von Stephanus (Apostelgeschichte 6, 5 und 7, 55) und von Barnabas (11, 24). Wenn wir diese Stellen lesen, sehen wir, daß es sich hier nicht so sehr um die Kraft für den Dienst handelt, sondern mehr um den praktischen Zustand. Der Gläubige befindet sich hier bleibend in einem Zustand, in dem der Heilige Geist sein ganzes Leben beherrscht und dies ungehindert tun kann. Sowohl bei Stephanus als bei Barnabas geht dies zusammen mit „voll Glaubens“ sein, aber nirgends wird der Ausdruck verbunden mit Reden in Sprachen oder Tun von Zeichen und Wundern.

Auch spricht die Schrift über Salbung und Versiegelung mit dem Heiligen Geist. Salbung finden wir nur in 2. Korinther 1, 21 und in 1. Johannes 2, 20. 27. Aus den beiden zuletzt genannten Versen wird deutlich, daß gemeint ist, in die Nähe Gottes gebracht zu sein und dadurch unterscheiden zu können, was nicht aus Gott ist. Vergleiche Offenbarung 3, 18.

Über Versiegelung wird nur in 2. Korinther 1, 21; Epheser 1, 13 und 4, 30 gesprochen und ist an allen drei Stellen mit der Sicherheit, demnächst das Erbteil zu erlangen, verbunden. Gott hat jetzt schon Sein Siegel auf uns gesetzt und uns so die Versicherung gegeben, daß wir Ihm gehören. (Vergleiche Offenbarung 7, 3). Sowohl die Salbung als auch die Versiegelung hat Bezug auf alle Gläubigen und wird in 2. Korinther 1, 21 als eins gesehen mit der Innewohnung des Heiligen Geistes.

Das Bitten um den Heiligen Geist und die Taufe mit dem Heiligen Geist

Aus Römer 8, 11; 1. Korinther 6, 19; 2. Korinther 1, 21. 22; Epheser 1, 13 und anderen Stellen geht hervor, daß der Heilige Geist in unserer Zeit in jedem Gläubigen wohnt. Ich will etwas näher darauf eingehen, weil oft Lukas 11, 13 angeführt wird als Beweis dafür, daß es auch heute richtig sei, um den Heiligen Geist zu bitten.

Ich lasse es offen, ob der Herr in diesem Vers wirklich Seine Zuhörer auffordert, um den Heiligen Geist zu bitten, weil das überwiegend eine Frage der Übersetzung ist. Jedenfalls wird es im Griechischen nicht ausdrücklich gesagt. Nehmen wir aber nun einmal an, daß es wirklich so die Absicht des Herrn war. Dann entsteht die Frage, ob das auch für uns heute noch gilt. Denn in Lukas 11 hatte der Herr Sein wunderbares Werk auf dem Kreuz noch nicht vollbracht und war noch nicht gen Himmel gefahren. Der Tod des Herrn, Seine Auferstehung und Seine Himmelfahrt veränderten ja doch alles, auch die Stellung der Gläubigen.

In Johannes 7, 39 heißt es: „Dies aber sagte er von dem Geiste, welchen die an ihn Glaubenden empfangen sollten; denn der Geist war noch nicht, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war“. Hier wird also ausdrücklich gesagt, daß die Gläubigen damals den Heiligen Geist noch nicht empfangen hatten. Das sollte erst nach der Verherrlichung des Herrn, also nach Seiner Himmelfahrt, stattfinden. In Johannes 14, 16-18. 25. 26. und 16, 5-7 wird das ganz nachdrücklich bestätigt. Der Herr Selbst sagt in dieser letzten Stelle: „Es ist euch nützlich, daß ich weggehe; denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn euch senden“.

In der Apostelgeschichte finden wir die Erfüllung dieser Verheißung des Herrn. In Kapitel 1, 5 sagt der auferstandene Herr den Jüngern: „ … ihr aber werdet mit Heiligem Geiste getauft werden nach nunmehr nicht vielen Tagen“, genau wie Johannes der Täufer es angekündigt hatte. Zehn Tage nach der Himmelfahrt des Herrn fand die Ausgießung des Heiligen Geistes statt (Apostelgeschichte 2). Petrus sagte den Juden, die in ihren Herzen durch das Wort getroffen waren: „Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“. Das stimmt völlig mit dem überein, was der Apostel Paulus den Ephesern schreibt, daß sie nämlich mit dem Heiligen Geiste der Verheißung versiegelt worden waren, nachdem sie das Evangelium im Glauben erfaßt hätten. Auch den Gläubigen in Rom, in Korinth und in Thessalonich schrieb er, daß sie den Heiligen Geist empfangen hatten, und daß Er nun in ihnen wohne (Römer 8, 11; 1. Korinther 6, 19; 2. Korinther 1, 22; 1. Thessalonicher 4, 8). Römer 8, 9 sagt ja sogar, daß jemand, in dem der Geist Gottes nicht wohnt, kein Christ ist.

Nachdem der Herr Jesus also aufgefahren und verherrlicht ist, und der Heilige Geist auf diese Erde gekommen ist, um die Versammlung (Gemeinde, Kirche) zu bilden durch die Taufe mit dem Heiligen Geist (1. Korinther 12, 13) und in ihr zu wohnen (1. Korinther 3, 16; Epheser 2, 22), empfängt jeder, der das Evangelium im Glauben annimmt, den Heiligen Geist, der dann in ihm wohnt und bleibt. Dieses Wohnen des Heiligen Geistes in einem Gläubigen ist also nicht auf das Bitten um den Heiligen Geist zurückzuführen, sondern auf den Glauben an das Evangelium (Epheser 1, 13). Die Bitte um den Heiligen Geist mag vor der Verherrlichung des Herrn und vor dem Herabkommen des Heiligen Geistes auf diese Erde am Platze gewesen sein; heute aber kann es nur ein Zeichen von Unglauben sein gegenüber dem, was Gott uns in Seinem Wort versichert.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit der Taufe mit dem Heiligen Geist. Die einzigen Stellen im Wort Gottes, wo darüber gesprochen wird, sind Matthäus 3, 11; Markus 1, 8; Lukas 3, 16; Apostelgeschichte 1, 5; 11, 16 und 1. Korinther 12, 13. In den drei ersten Stellen kündigt Johannes der Täufer an, daß der Herr mit (oder „in“) Heiligem Geiste taufen werde. In Apostelgeschichte 1, 5 sagt der Herr Selbst, daß dies jetzt „nach nunmehr nicht vielen Tagen“ geschehen werde. Daran erinnert Petrus in Apostelgeschichte 11, 16, als er kritisiert wurde, weil er Kornelius und andere gläubige Nicht-Juden zur Versammlung (Gemeinde) zugelassen hatte. In 1. Korinther 12, 13 wird uns schließlich die Bedeutung dieser Taufe mitgeteilt: „Denn auch in einem Geiste sind wir alle zu einem Leibe getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie“.

Das Ziel des Todes des Herrn Jesus war nicht nur, Sünder zu erretten, sondern „daß er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte“ (Johannes 11, 52). Als Er das Erlösungswerk vollbracht und damit die Grundlage für die Vereinigung aller Gläubigen gelegt hatte, kam der Heilige Geist auf diese Erde, um das zu verwirklichen. Der Heilige Geist ist das Band, wodurch jeder Gläubige mit dem verherrlichten Herrn im Himmel und mit jedem Gläubigen auf der Erde verbunden ist. Das wird uns in der Taufe mit dem Heiligen Geist vorgestellt, die am Pfingsttage (Apostelgeschichte 2) stattfand.

Diese Taufe ist also ein einmaliges Ereignis gewesen, und zwar für alle, die damals an den Herrn Jesus und Sein Werk glaubten. Sie kann nie wiederholt werden, denn der Leib Christi ist damals entstanden und wird in Ewigkeit bestehen, er kann nie zugrundegehen. Jeder Sünder, der sich jetzt bekehrt und der dem Evangelium glaubt, empfängt den Heiligen Geist, der dann in ihm wohnt; gleichzeitig ist er als ein Glied dem Leibe Christi hinzugefügt worden, der am Pfingsttage durch die Taufe mit dem Heiligen Geist gebildet worden ist. Wir finden deshalb auch, daß diese Taufe in der Schrift nie mit einem einzelnen Gläubigen in Verbindung gebracht wird, sonder immer mit den Gläubigen als Gesamtheit.

Wenn jemand denkt oder lehrt, daß ein Gläubiger heute noch mit dem Heiligen Geist getauft werden muß, dann geschieht es aus Unwissenheit über die wirkliche Bedeutung dieser Taufe, oder aber man verwirft mutwillig das Wort Gottes. – Ausführlicher behandelt findet der Leser dieses Thema in meinem Buch „Der Heilige Geist“.

Reden in Sprachen (Zungenreden)

Reden in anderen Sprachen (Zungen), ohne daß man diese Sprache gelernt hat, kommt im Alten Testament nicht vor. Nur eine Prophezeiung (Jesaja 28, 11-13) findet sich darüber, und wenn diese nicht ausdrücklich in 1. Korinther 14, 11 mit Bezug auf das Sprachenreden angeführt wäre, würden wir sie wahrscheinlich gar nicht damit in Verbindung gebracht haben. Der Sinn der Stelle wird aus dem Zusammenhang deutlich. Weil die Priester und Propheten in Israel nicht mehr zugänglich waren für wahre Erkenntnis und göttliche Botschaft (Verse 7-10), wird Gott durch Menschen mit unverständlicher Sprache und fremder Zunge zu ihnen reden. Es sind ihre Feinde, die das Gericht über sie bringen werden. Und diese Stelle gebraucht der Heilige Geist, um in 1. Korinther 14 klarzustellen, daß die Sprachen ein Zeichen für Ungläubige sind und nicht für Gläubige (Vers 21 u. 22).

Auch in den Evangelien finden wir das Reden in Zungen nicht, außer der Weissagung des Herrn Jesus in Markus 16, 17. Weil aber dieser Vers aus Markus so häufig als Beweis angeführt wird, muß ich hierbei etwas verweilen. Der Herr kommt in Vers 14 zu den Elfen und schilt ihren Unglauben und ihre Herzenshärtigkeit. Dann gibt er ihnen in Vers 15 den Auftrag, das Evangelium zu predigen der ganzen Schöpfung, und sagt in Vers 16, was für die Hörer die Folgen davon sein werden. In Vers 17 sagt Er dann zu ihnen (den Elfen, in Verbindung mit Seinem Verweis ihres Unglaubens in Vers 14), daß denen, welche glauben, Zeichen folgen werden. In Vers 20 gehen sie aus, und der Herr erfüllt Seine Verheißung und bestätigt das Wort durch Zeichen, die darauf folgen.

Wir sehen daraus:

1) Daß die Zeichen nur als Bestätigung des Wortes gegeben werden (Vergleiche Johannes 2, 23-25).

2) Es steht nicht da, daß die Zeichen allen Gläubigen folgen werden.

3) Unmittelbar wird die Verheißung nur den Elfen gegeben, und Vers 20 sagt, daß, als dies Evangelium geschrieben wurde, die Verheißung erfüllt war. Dies ist in Übereinstimmung mit Hebräer 2, 3. 4: „eine so große Errettung … , welche den Anfang ihrer Verkündigung durch den Herrn empfangen hat und uns von denen bestätigt worden ist, die es gehört haben, indem Gott außerdem mitzeugte, sowohl durch Zeichen als durch Wunder und mancherlei Wunderwerke und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen“.

Auch aus 2. Korinther 12, 12 geht hervor, daß die Zeichen ein Beweis der Apostelschaft waren. Und ein Apostel mußte den Herrn gesehen haben (Apostelgeschichte 1, 21-26; 1. Korinther 9, 1; 15, 8. 9).

In Apostelgeschichte 2 finden wir zum ersten Mal, daß in Sprachen geredet wird. Der Heilige Geist kommt auf die Erde und tauft die bis dahin in gewissem Sinne einzeln für sich stehenden Gläubigen zu einem Leibe, der Versammlung 1. Korinther 12, 13. Bis zu jenem Tage hatte der Heilige Geist wohl auf Erden gewirkt, aber niemals gewohnt, außer in dem Herrn Jesus (Johannes 3, 34; Kolosser 1, 19). Jetzt kam Er auf die Erde, um hier zu wohnen, in der Versammlung, die Er durch Seine Taufe bildete, und in jedem einzelnen Gläubigen. Sollte diese mächtige Tatsache, daß Gott der Heilige Geist kam, um auf Erden zu wohnen, unbemerkt vorübergehen? Wie die Ankunft des Sohnes Gottes auf Erden durch Zeichen begleitet wurde: Eine Menge von Engel im Land von Bethlehem, und ein Stern im Osten, – so auch die Ankunft des Heiligen Geistes. Aber auch hier sind die Zeichen nicht vor aller Welt sichtbar, sondern nur einer kleinen Gruppe von Menschen. Aber die Folgen dieser großen Tatsache werden jedem sichtbar, der überzeugt werden will (Johannes 7, 17).

In Apostelgeschichte 2 kommt der Heilige Geist nicht in Gestalt einer Taube. Das war nur bei dem Herrn Jesus möglich, Dem einen Reinen, Unbefleckten, der in Sanftmut und Geradheit Seinen Weg ging. Hier wird der Nachdruck gelegt auf Zeugnis: Zerteilte Zungen wie von Feuer.

Ich mache darauf aufmerksam, daß das griechische Wort „glossa“, das hier gebraucht wird, sowohl Sprache als Zunge bedeutet. Wenn z. B. im Jakobusbrief über die Zunge gesprochen wird, wird dieses Wort gebraucht. Aber es wird auch gebraucht für Sprache, wie in 1. Korinther 13 „Wenn ich mit den Sprachen der Menschen und der Engel rede, und in Offenbarung 5, 9; 7, 9; 10, 11; 11, 9; 13, 7; 14, 6; 17, 15: „aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation“ usw.

Nun, dieses Wort wird in Apostelgeschichte 2, 3 gebraucht (zerteilte Zungen wie von Feuer), aber auch in Vers 4 (fingen an in anderen Sprachen zu reden) und ebenso in Vers 11, wo die Menge der ausländischen Juden sagt: „Wie hören wir sie die großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden“? Dieses Wort glossa wird ferner überall gebraucht, wo über das Reden in Sprachen (Zungen) gesprochen wird (Apostelgeschichte 10, 46; 19, 6 und 1. Korinther 12, 13 und 14). Daneben kommt das griechische Wort dialektos (Dialekt) vor, aber nur in Apostelgeschichte 1,19;2, 8; 21, 40; 22, 2 und 26,14.

Daraus geht hervor, daß der Heilige Geist – in Übereinstimmung mit der Ankündigung durch den Herrn Jesus (Johannes 15, 26; 16, 7-14) – sich in Apostelgeschichte 2 offenbart im Charakter des Zeugnisses: „Zerteilte Zungen wie von Feuer“. Es ist nicht eine, sondern zerteilte Zungen. Das Zeugnis wird also nicht mehr beschränkt sein auf eine Sprache, wie vor dem Pfingsttage (siehe z. B. Matthäus 10, 5), sondern wird zu vielen Völkern ausgehen. Und als Folge davon reden sie in anderen Sprachen, und alle die ausländischen Juden hören sie in ihrer eigenen Sprache von dem großen Taten Gottes reden. Dies läßt den Zweck des Redens in Sprachen erkennen, nämlich, daß die Frohe Botschaft von Gottes Gnade die Grenzen Israels durchbricht und jetzt ausgeht zu allen Völkern und Nationen und Sprachen und damit vom Heiligen Geiste als Mittel gebraucht wird, das seit der Sprachverwirrung von Babel (1. Mose 11, 1-9) bestehende Hindernis, das Evangelium allen Völkern zu predigen, wegzunehmen (Apostelgeschichte 2, 7. 8). Die Jünger, die ungelehrte und ungebildete Leute waren (4,13), reden über Gott zu Menschen fremder Zunge, in den Sprachen dieser Menschen, obwohl sie diese Sprache nicht gelernt hatten.

Dadurch wird das Übernatürliche, Göttliche ihrer Botschaft bewiesen. Und die Menschen, dadurch überzeugt, lauschen voll Andacht, als Petrus zu ihnen redet, und dreitausend Seelen werden bekehrt.

Wie wir oben gesehen haben, finden wir in der Apostelgeschichte, außer in Kapitel 2, Reden in Sprachen nur in 10, 46 und 19, 6. In Kapitel 10 sind es solche aus den Nationen, während es in Kapitel 19 von gläubigen Juden gesagt wird, die bis dahin wohl Jünger von Johannes dem Täufer, aber noch keine Christen waren, die zu der Versammlung hinzugetan werden.

Alle drei Fälle in der Apostelgeschichte tragen also ausgesprochen den Charakter des Beginns der Versammlung, und in allen drei Fällen betrifft es ganze Gruppen von Menschen, die alle in Sprachen reden und diese Gabe empfangen, ohne darum gebeten zu haben.

In den Briefen finden wir nur in 1. Korinther 12-14 das Reden in Sprachen. Und zwar finden wir folgende Aussagen:

1) Alle Offenbarungen des Geistes, also auch das Reden in Sprachen, werden zum Nutzen gegeben (12, 7).

2) Nicht alle redeten in Sprachen, sondern der Geist gab dies einigen (12, 8-11. 28-30).

3) In der Rangordnung von Gottes Wort steht das Reden in Sprachen ganz unten (12, 8-10. 28-30). Daß es wirklich eine Rangordnung ist, wird deutlich beim Lesen dieser Abschnitte. Sowohl in Vers 28 wie 29 werden die Apostel zuerst genannt.

4) Es ist daher keineswegs zu folgern, daß das Reden in Sprachen bleibend sein würde, denn die Apostel, die zuerst genannt werden, waren auch nur für den Anfang. Nach 1. Korinther 9, 1 (siehe auch Apostelgeschichte 1, 21-22) war es nötig, daß ein Apostel den Herrn gesehen hatte. Es konnten also keine neuen Apostel mehr kommen. Aber außerdem sagen 1. Korinther 3 und Epheser 2 und 3, daß die Apostel den Grund der Versammlung gelegt haben. Nun, es ist deutlich, daß dies nur einmal, im Anfang, geschieht.

5) Die Gabe der Sprachen war nicht gegeben, um in der Versammlung ausgeübt zu werden, sondern als ein Zeichen für die Ungläubigen (1. Korinther 14, 19-25). Und auch nicht für Ungläubige, die es nicht verstehen können (14, 23), sondern für solche, die es verstehen können, und wo es wirklich ein Zeichen ist für die Macht Gottes. Dies ist also in völliger Übereinstimmung mit dem, was wir in Apostelgeschichte 2 gesehen haben.

Wir haben also gefunden:

a) Das Reden in Sprachen wird nur in Markus 16 angekündigt und wird gegeben als eine Bestätigung des gesprochenen Evangeliumswortes, und nur angewendet auf die Predigt der Apostel.

b) Wir finden es nur in Apostelgeschichte 2, 10 und 19, wo es deutlich in Verbindung steht mit dem Anfang der Versammlung.

c) Außerdem finden wir, daß nur noch in 1. Korinther 12 und 14 darüber gesprochen wird, und zwar in einem korrigierenden Sinn.

d) Sowohl aus Apostelgeschichte als auch aus 1. Korinther geht hervor, daß bestehende Sprachen da gesprochen wurden, da wo sie verstanden wurden, und daß die Gabe, in Sprachen zu reden, nicht gegeben war, um in der Versammlung ausgeübt zu werden, wenn dies auch in beschränktem Maße zugelassen wurde, aber nur wenn ein Ausleger da war.

e) Das Reden in Sprachen steht nicht in Verbindung mit dem Erfülltsein mit Heiligem Geiste.

Wenn also alles in der Schrift darauf hinweist, daß die Gabe der Sprachen in Zusammenhang steht mit dem Anfang der Versammlung, ist es wohl nötig, sehr vorsichtig zu sein und alle Äußerungen sorgfältig an Gottes Wort zu prüfen. Dies um so mehr, als die Schrift uns ausdrücklich sagt, daß der Teufel und seine Engel die Gestalt von Engeln des Lichts annehmen, und auch, daß Zeichen und Wunder und Lügengeister vom Teufel kommen können (2. Thessalonicher 2, 9; 2. Chronika 18, 21; Apostelgeschichte 16, 16 u. a.).

Die Geschichte bestätigt dies auch ausdrücklich. Das Reden in Sprachen, die unbekannt waren, wird auch in der Heidenwelt gefunden. Der heidnische Schriftsteller Plato, der um 400 vor Christus lebte, schrieb schon, daß gewisse Menschen nicht ihre eigene Sprache sprachen, sondern die von Dämonen, die in ihnen wohnten. Vergil spricht ebenfalls darüber.

Die Wiedertäufer in der Reformationszeit, die in großer Sittenlosigkeit und anderem Bösen lebten, redeten in Sprachen. Irving, der erklärte, daß der Herr Jesus eine sündige Natur hatte, redete in Sprachen. Die Mormonen bekennen, in Sprachen zu reden u. s. w.

Laßt uns beim Prüfen bedenken, daß Satan nicht allein die Gestalt eines Engels des Lichts annimmt, sondern daß er sein Werk auch oft vermischt mit guten Dingen und durch wirklich Gläubige ausführen läßt (Matthäus 16, 21-23). Aber das Gute, das manchmal bei einer Bewegung gefunden wird, macht nicht die ganze Bewegung gut. Ja, wenn wahre Gläubige darin gefunden werden, kann nicht alles verkehrt sein. Aber die Frage ist auch nicht, ob alles verkehrt ist, sondern ob alles in Übereinstimmung mit der Schrift ist. Und dann fällt z. B. auf, was nicht durch die, die in Sprachen reden, öffentlich gelehrt wird, was aber doch eine kennzeichnende praktische Erscheinung ist, daß nämlich überall, wo Reden in Sprachen vordergründig in Erscheinung tritt, in der Hauptsache Frauen die Leitung haben, daß also 1. Timotheus 2, 11-15 vollständig mißachtet wird. Und dies ist eine bekannte Erscheinung in allen bösen und unchristlichen Gruppen. Denken wir nur an Christian Science (Frau Eddy), die Theosophen (Frau Blavatsky und später Annie Besant), die Siebentagsadventisten (Frau White) usw. Es ist bekannt, daß bei den Spiritisten auf jedes männliche Medium jeweils mindestens ein Dutzend weibliche Medien kommen.

Die Stellung der Frau nach der Schrift

Gott hat der Frau einen ehrenvollen Platz gegeben. Sie ist die Eva, die Mutter aller Lebendigen (1. Mose 3, 20; 1. Korinther 11,12). Eine Frau hatte das unendliche Vorrecht, von der Kraft des Höchsten überschattet und so die Mutter des Sohnes Gottes zu werden. Eine Frau durfte die Füße und das Haupt des Herrn salben, und eine Frau war die erste, die den auferstandenen Herrn sehen durfte. Und Er gab ihr dabei die Offenbarung über die höchste und herrlichste Auswirkung Seines Werkes am Kreuz: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater “ – eine Wahrheit, über die wir nur anbetend staunen können. Gottes Ratschluß für die Frau ist jedoch nicht, öffentlich in den Vordergrund zu treten. Sie ist ein Vorbild von der Gemeinde, der Braut Christi (Epheser 5, 32); deshalb geziemt ihr der Platz der Unterordnung unter den Mann, denn der Mann ist das Vorbild von Christus, dem Bräutigam der Kirche.

In allen Wegen Gottes mit dem Menschen sehen wir für die Frauen diesen Platz im Hintergrund, in der Zurückgezogenheit. Keiner der von Gott erwählten Schreiber der 66 Bücher der Bibel war eine Frau. Die Geschlechtsregister geben uns die Geschlechter der Männer. Es waren Männer, die Gott berief, um ein Zeugnis zu beginnen (Noah, Abraham, Mose usw.). Die zwölf Apostel, die der Herr berief, und die siebzig, die Er später aussandte, waren sämtlich Männer. Die Sieben in Apostelgeschichte 6, die ein gutes Zeugnis hatten und voll Heiligen Geistes und Weisheit waren, waren Männer. Unter all den Zeugen für die Auferstehung des Herrn, die in 1. Korinther 15 genannt werden, war nicht eine einzige Frau, und das, obwohl Maria die erste war, die den Herrn nach Seiner Auferstehung gesehen hat und dies den Aposteln verkünden durfte. Wo über Älteste, Aufseher und Diener gesprochen wird, ist nur von Männern die Rede. Auch die beiden Zeugen in Offenbarung 11 sind Männer. So könnte ich fortfahren.

Wir sehen das auch bei den Anweisungen, die für die Zusammenkünfte und für das ganze öffentliche Auftreten der Frauen gegeben wurden. 1. Korinther 11 sagt ausdrücklich, daß die Frau, wenn sie einen Dienst tut, bei dem es so aussehen könnte, als ob sie sich neben den Mann stellt, ihr Haupt bedecken muß, als Zeichen dafür, daß sie anerkennt, daß sie einen Platz des Unterworfenseins unter den Mann einzunehmen hat. Und damit keine Unklarheit darüber besteht, daß sie nur dann öffentlich beten oder weissagen kann, wenn kein Mann da ist, der dazu imstande ist, sagt die Schrift drei Kapitel weiter ausdrücklich, daß die Frauen in den Zusammenkünften der Versammlung, die ja doch am allerwenigsten öffentlich waren, völlig schweigen sollen (1. Korinther 14, 34-38). In 1. Timotheus 2, 11-15 wird noch besonders betont, daß eine Frau unter gar keinen Umständen als Lehrer auftreten soll. Und die Schrift gibt als Begründung dafür an, daß die Frau beim ersten mal, als sie es tat, ihren Mann und uns alle mitriß ins Verderben.

Manchmal wird behauptet, daß das Wort „reden“ in 1. Korinther 14, 34 lediglich „schwatzen“ bedeute. Doch das ist eine glatte Unwahrheit. Genau dieses selbe Wort kommt in diesem Kapitel 25 mal vor, u. a. in Vers 21 für das Reden Gottes. Es kann also an keiner einzigen Stelle mit „schwatzen“ übersetzt werden.

Bekanntlich spielen ja nun in den sogenannten Pfingstgruppen und in anderen Gruppen, in denen das Zungenreden geübt wird, im allgemeinen Frauen die Hauptrolle; jedenfalls beten sie öffentlich und sprechen in den Zusammenkünften. Sind das keine deutlichen Symptome, um die Geister, die dort am Werk sind, zu erkennen? Ist das keine offene Verachtung des Wortes Gottes?

Zeichen und Wunder

Zeichen und Wunder sind nicht das gleiche. Ein Zeichen ist immer ein Wunder, aber nicht jedes Wunder ist ein Zeichen. Ist die Geburt eines Menschen nicht ein Wunder? Ist der menschliche Leib mit all seinen Organen nicht ein Wunder? Ist die ganze Natur mit allem, was darin vorkommt, nicht ein Wunder? Und ist die Wiedergeburt eines Menschen nicht ein noch größeres Wunder?

Alle diese Wunder kommen aber so oft vor, daß wir daran gewöhnt sind und nicht mehr daran denken, daß es Wunder sind. Wir sehen gewöhnlich nur Dinge als Wunder an, die wenig vorkommen und die also von der gewöhnlichen Erscheinung, von der gewohnten Weise Gottes, zu handeln, abweichen.

Seit der Mensch geschaffen wurde, gab es für ihn Wunder zu sehen, und er wird sie bis in Ewigkeit sehen können. Denn Gott ist unumschränkt und weicht, wenn Er will, von dem ab, was Er selbst als eine Gewohnheit oder als ein Naturgesetz eingesetzt hat.

Zeichen aber setzen Sünde voraus, und daß Menschen Gott nicht glauben oder selbst nicht an Ihn glauben. Ein Zeichen ist ein Wunder, das Gott tut, um den Menschen erkennen zu lassen, daß Er ist und über allem steht. Darum werden in der Ewigkeit keine Zeichen mehr sein, weil es dann keinen Unglauben mehr gibt.

Wir wollen uns in diesem Abschnitt aber auf die Zeichen und Wunder beschränken, die Gott durch Menschen getan hat.

In den ersten 2500 Jahren nach Erschaffung des Menschen finden wir nicht ein einziges Zeichen, das durch Menschen getan wurde. Gab es denn in jenen Tagen keine Gläubigen oder Knechte Gottes? O, sicher. Denken wir nur an einen Mann wie Henoch, von dem Gottes Wort sagt, daß er mit Gott wandelte und durch Gott aufgenommen wurde. Denken wir an Noah, der mit Gott wandelte und den Gottes Wort einen Prediger der Gerechtigkeit nennt. Denken wir an Abraham, den Vater aller Gläubigen. Gibt es im Alten Testament einen größeren und treueren Mann als Abraham? Und so könnte ich noch mehr Gläubige nennen. Aber diese alle haben nicht ein einziges Zeichen getan.

Die ersten Zeichen finden wir bei Mose im Anfang des 2. Buches Mose. Als Gott Moses sandte, um Israel zu befreien, wußte Er, daß Pharao nicht auf Moses hören würde. Darum würde Gott „Ägypten schlagen mit allen meinen Wundern, die ich in seiner Mitte tun werde; und danach wird er euch ziehen lassen“ (2. Mose 3, 20). Und als Mose fürchtet, daß auch die Ältesten von Israel ihm nicht glauben würden, gibt Gott auch dafür Zeichen, damit sie dadurch überzeugt würden, daß Mose wirklich von Jehova gesandt war (4, 1-9).

Wir sehen daraus, daß Zeichen gegeben wurden 

1) als ein Gericht über den Unglauben;

2) als ein Beweis, daß der, der das Zeichen tut, wirklich einen besonderen Auftrag von Gott hat.

Was unterscheidet nun Mose von Abraham, Noah usw., daß er Zeichen tat, und sie nicht? Hatte er mehr Glauben als diese beiden? Wenn wir 2. Mose 4 lesen, sehen wir es anders. Der Glaube von Abraham und Noah war viel größer als der von Mose. Und nicht allein Moses, sondern auch Noah kündigte das Gericht an und wies den Weg, ihm zu entgehen. Und nicht allein bei Mose, sondern auch bei Abraham finden wir den Anfang einer neuen Periode in den Wegen Gottes auf der Erde.

Was ist denn das Besondere, das Moses von den anderen unterscheidet? Es ist nicht allein, daß er Licht über neue Dingе empfing und der durch Gott auserwählte Anfang dieser neuen Haushaltung wurde. Das waren Noah und Abraham auch. Aber er empfing einen besonderen Auftrag von Gott, um dieses Neue denen zu verkündigen, die nicht wußten, daß dieses Zeugnis von Gott war.

Wir sehen auch, daß diese Zeichen in einer sehr kurzen Zeit im Anfang getan wurden. Wo finden wir noch Zeichen, die Moses tat, nach den ersten Wochen des Auszugs, außer daß er den Felsen schlug? Wunder geschehen genug! War es kein Wunder, daß Mose vierzig Tage ohne zu essen und zu trinken auf dem Berge war (2. Mose 34)? Und so könnten wir mehr Wunder nennen. Aber es waren keine Zeichen, die er tat.

Dann finden wir, als Josua das Volk in das Land führt, das Zeichen von Josua 10, 12-14. Aber danach 700 Jahre lang keine Zeichen mehr bis Elia und Elisa. Diese taten auch wieder Zeichen und Wunder, aber nicht in Juda, wo der Tempel war, und wo das Gesetz gefunden wurde, sondern nur in Israel, das sich von Juda getrennt, die Anbetung Jehovas offiziell abgeschafft hatte und sich öffentlich zum Götzendienst gekehrt hatte. Gott gibt Seinem abgefallenen Volk durch zwei besonders dazu berufene Knechte ein besonderes Zeugnis, so wie Er das auch in den letzten Tagen tun wird (Offenbarung 11, 3-6).

Nachdem Israel auch dieses Zeugnis verworfen hatte, finden wir keine Zeichen mehr in dem Charakter, wie Moses und Elias sie taten. Wir müssen wieder 700 Jahre überschlagen, bis der Herr Jesus durch das Land ging, und wir wieder Zeichen sehen.

Es ist bemerkenswert, daß Johannes der Täufer keine Zeichen tat (Johannes 10, 41), obwohl der Herr Jesus von ihn sagt, daß Moses und Elias nicht größer waren als er, und obwohl er außerdem von Mutterschoße an mit Heiligem Geiste erfüllt war (Lukas 1, 15). Und ebenso, daß der Herr Jesus Selbst keine Zeichen tat, bevor Er öffentlich auftrat, Seinen Dienst auszuüben (Matthäus 4, 23. 24). Matthäus 11, 3-5 sagt uns, was der Zweck dieser Zeichen war: zu beweisen, daß Er von Gott gesandt war. Siehe auch Johannes 2, 23; 4, 48; 5, 36; 6, 2. 30; Apostelgeschichte 2, 22 usw.

Der Herr wählt die zwölf Apostel und sendet sie aus mit dem ausdrücklichen Auftrag, das Evangelium des Reiches zu verkündigen und Zeichen zu tun (Matthäus 10). Und danach die Siebzig mit dem gleichen, aber etwas begrenzteren Auftrag. Wir müssen dabei beachten, daß der Auftrag beider Gruppen ausdrücklich begrenzt war auf Israel. Sie durften nicht über die Grenzen Israels hinausgehen. Die Zeit der Gnade für die Nationen war noch nicht gekommen.

Als dann der Herr von Israel verworfen, und das Werk der Erlösung vollbracht war, sendet Er als der auferstandene Herr, der im Begriff stand, gen Himmel zu fahren, die Apostel aufs neue aus (Markus 16, 14-20). Aber jetzt ist es nicht mehr das Evangelium des Reiches. Es ist die neue Haushaltung der Gnade, und darum mußte das Evangelium der ganzen Welt verkündigt werden, auch den Nationen, die in der Haushaltung des Gesetzes draußen standen (Epheser 2). Mit diesem Zeugnis verbindet der Herr aufs neue Zeichen, und zwar, wie bei Moses, Zeichen, die den Charakter dessen tragen, was Gott in der verkündigten Botschaft anbieten ließ. Markus 16, 20 sagt uns, daß die Apostel den Auftrag ausführten, und daß Gott Seine Zusage hinsichtlich der Zeichen erfüllte und so das Wort bestätigte. Hebräer 2, 3. 4 bestätigt dies.

In der Apostelgeschichte wird uns beschrieben, wie die Apostel den Auftrag des Herrn ausgeführt haben. Sie predigen das Evangelium und tun Zeichen zur Bestätigung ihres Wortes. Es ist beachtenswert, daß von elf Aposteln (und wenn wir die Stellen im Zusammenhang lesen, sehen wir, daß es praktisch Petrus war) siebenmal , gesagt wird, daß sie Zeichen taten (2, 43; 3, 7; 5, 5-10.12.15-16; 9, 33, 42). Danach finden wir es siebenmal von Paulus (13,11; 14,10; 16,18; 19,12; 20, 10; 28, 3-6 und 28, 8-10) und dreimal von Stephanus und Philippus gesagt (6, 8; 8, 6.13).

Wenn wir die Apostelgeschichte andächtig lesen, machen wir bemerkenswerte Entdeckungen in Verbindung mit diesem Gegenstand:

1) Außer den Aposteln tun nur Stephanus und Philippus, diese besonderen durch Gott berufenen Knechte, Zeichen, und zwar auch nur ein- und zweimal. Darauf wird mehrmals Nachdruck gelegt; siehe z. B. 2, 43; 5, 12. 15; 13, 7-9 usw. Keine der anderen in der Apostelgeschichte genannten Knechte wie Barnabas, Jakobus, Silas usw. haben Zeichen getan.

2) Die ersten sieben Zeichen in der Apostelgeschichte werden alle in Jerusalem getan. Danach tut Philippus Zeichen in Samaria. Danach Petrus zwei Zeichen im jüdischen Land außerhalb Jerusalems. Und danach Paulus siebenmal unter den Nationen.

3) Die Zeichen außerhalb Jerusalems geschehen alle an verschiedenen Orten. Nirgends wird berichtet, daß zweimal Zeichen an demselben Ort geschahen. Und fast immer geschehen die Zeichen dann, wenn derjenige der die Zeichen tut, an diesem Ort das Evangelium zum erstenmal predigt. Die einzigen Ausnahmen davon sind:

a) Ephesus. Da war Paulus nach 18, 19-20 schon gewesen, aber nur sehr kurz, da er keine Zeit hatte.

b) Troas. Da war er nach 16, 8-11 und 2. Korinther 2, 12 zweimal gewesen, aber wahrscheinlich ohne oder fast ohne das Evangelium zu verkündigen.

4) Im Anfang der Apostelgeschichte finden wir einen Strom von Zeichen. Je mehr das Zeugnis bekannt und ausgebreitet wurde, umso länger waren die Pausen.

5) Die durch das Zeichen geheilt wurden, waren Ungläubige. Nur die gläubige Dorkas wurde aus den Toten auferweckt. Manchmal war bei den Kranken Glaube da an die Macht zur Heilung. In anderen Fällen, wie z. B. Apostelgeschichte 3, war das sicher nicht der Fall. Der Mann wußte nicht, wer vor ihm stand und erwartete nichts anderes als ein Almosen. In anderen Fällen war das Zeichen ein Gericht Gottes.

In den Briefen wird nur in 1. Korinther 12 über Wunderkräfte und Gaben der Heilungen gesprochen. Gott hatte etlichen diese Gaben gegeben. Es wird aber nicht gesagt, wer die „etlichen“ sind; auch wird nichts über die Ausübung der Gabe gesagt (12, 28-31). Der erste Brief an die Korinther ist in der Zeit von Apostelgeschichte 19 geschrieben (siehe 1. Korinther 15, 32; 16, 5-9). In keinem der Briefe, die nach Apostelgeschichte 28, 29 geschrieben sind, werden Zeichen oder Heilungen oder Reden in Sprachen gefunden.

Es ist sehr zu beachten, daß über Reden in Sprachen und die Gabe der Heilung nur in Korinth gesprochen wird, wo der Zustand so schlecht war: Sie waren fleischlich, hatten Rechtssachen miteinander, griffen die Autorität der Apostel an. Es war schreckliche, ungerichtete Hurerei in ihrer Mitte, was anscheinend keinen Eindruck auf sie machte. Einige betranken sich beim Abendmahl, und es war falsche Lehre in ihrer Mitte. In den anderen Briefen an Versammlungen, wo der Zustand so viel besser war, werden jene Gaben nicht genannt, und besonders nicht in den Briefen, die nach dem Ende der Apostelgeschichte geschrieben worden sind.

Wohl wird in 2. Thessalonicher 2, 9 von „aller Macht und Zeichen und Wundern“ gesprochen, aber das sind Zeichen des Antichristen, die er durch die Macht des Teufels tut. Siehe auch Offenbarung 13.

Ferner finden wir in Matthäus 7, 22 Menschen, die durch den Namen des Herrn Jesus geweissagt, Dämonen ausgetrieben und viele Wunderwerke getan haben, und zu denen der Herr Jesus doch sagen wird: „Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter“ ! Hat nicht auch Judas Iskariot Zeichen getan? Er war einer von den zwölf Ausgesandten.

Auch finden wir, daß bei Gläubigen teuflische Einflüsse wirksam sein können, wenn auch verbunden mit Dingen, die durch den Heiligen Geist gewirkt sind. Siehe Petrus in Matthäus 16 und die, die das Evangelium aus Neid und Streit predigten (Philipper 1, 15- 17).

Zusammenfassung:

Wir können sagen, daß im Alten Testament Zeichen nur durch einzelne Knechte Gottes getan wurden, die einen besonderen Auftrag von Gott empfangen hatten, den Ungläubigen ein neues Zeugnis zu verkündigen. Neben diesen lebten zu gleicher Zeit Tausende andere, die keine Zeichen taten. In den Evangelien fanden wir, daß, außer dem Herrn Jesus, nur die Zwölfe und die Siebzig Zeichen taten; und im weiteren Neuen Testament nur die Apostel und einmal Stephanus und zweimal Philippus.

Ferner fanden wir, sowohl im Alten wie im Neuen Testament, daß diese Zeichen gegeben wurden als Bestätigung der Predigt dieser besonders beauftragten Knechte. Darum nahmen die Zeichen ab und hörten ganz auf, als das Zeugnis befestigt war.

Auch haben wir gesehen, daß Ungläubige Zeichen tun können durch den Namen des Herrn Jesus, und anscheinend auf Erden nicht immer entlarvt werden, sowie daß Gläubige auch unter teuflischem Einfluß Dinge tun können, die äußerlich sehr schön aussehen, weil sie mit guten Dingen verbunden sind.

Wunder in der Geschichte

In der Geschichte wird oft über Heilung von Kranken, Reden in Sprachen usw. gesprochen.

Unter den Heiden war der Glaube an wunderbare Heilungen weit verbreitet. Ägypter, Griechen, Römer und Germanen hatten ihre Priester und heiligen Männer, die auf übernatürliche Weise Krankheiten heilten. Über das Reden in Sprachen berichtete schon Plato, wie im vorigen Kapitel erwähnt ist.

Ich kann natürlich nicht die ganze Geschichte durchgehen. Das würde viel zu viel werden. Ich beschränke mich daher auf einzelne Erscheinungen.

Montanus, der in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts lebte, sagte von sich selbst, daß er ein Prophet sei. Die Prophezeiung von Joel sei nun erfüllt. Er redete in Sprachen und legte Kranken die Hände auf. Zwei bekannte Frauen verließen ihre Männer und folgten ihm. In seinem Sprachenreden behauptete er manchmal, daß er Gott sei. Die Bewegung nahm einen großen Umfang an und hielt sich einige Jahrhunderte hindurch.

Im 17. Jahrhundert gab es eine fanatische Sekte in Frankreich, genannt die Camisarden. Sie fand auch in England Eingang, wo sie die französischen Propheten genannt wurden. Ebenso wie Montanus und verschiedene gegenwärtige Sekten nahmen sie für sich in Anspruch, göttlich inspiriert zu sein. Sie behaupteten, daß sie die Gabe der Weissagung, des Zungenredens und besonders der Krankenheilung hätten. Die ganze Bewegung war durch große Unsittlichkeit bekannt. Hurerei, Ehebruch und Blutschande wurden viel unter ihnen gefunden.

In demselben Jahrhundert war der Glaube allgemein verbreitet, daß ein regierender Fürst Krankheiten heilen könne, nur durch das Anrühren der Kranken. Am Ostersonntag 1686 rührte Ludwig XIV. 1600 Personen an, indem er sprach: „Der König rührt euch an, Gott heilt euch“. Karl II., gestorben 1700, hat auf diese Weise ungefähr 100.000 Personen angerührt. Der Geschichtsschreiber Macauley berichtet, daß, als Wilhelm III. von Oranien sich weigerte, dies zu tun, sich eine Flut von Tränen und Verzweiflungsschreien von Eltern und Kindern erhob, die an Krankheit litten. Meist wurde bei solchen Gelegenheiten Markus 16, 17-18 gelesen.

Die Mormonen, diese antichristliche Sekte mit ihrer Vielweiberei usw. reden in Sprachen, heilen Kranke und sagen, daß sie die Gabe der Weissagung haben.

Die Spiritisten reden in Zungen und heilen Kranke.

Die Christian Science (Christliche Wissenschaft), die weder christlich noch Wissenschaft ist, – sie leugnet die Gottheit des Herrn Jesus, Sein Versöhnungswerk, den Heiligen Geist usw. – sagt, daß sie dieselben Werke tue wie der Herr Jesus. Und tatsächlich werden Kranke geheilt.

Dr. Coué, ein französischer Arzt, heilte Kranke auf wunderbare Weise. Er war nicht religiös und gab sich auch nicht dafür aus. Er ließ seine Patienten viele Male wiederholen: „Es geht mir schon viel besser“, und dann „Ich bin geheilt“. Und tatsächlich sind Hunderte auf diese Weise geheilt worden.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete im Nov. 1968 von „Heilungen durch den Glauben an den großen Parteivorsitzenden Mao Tse-Tung“ in Rotchina.

Offensichtlich spielen Suggestion und Selbstsuggestion bei solchen Heilungen eine große Rolle.

Krankenheilungen

Gottes Geist ist in diese Welt gesandt worden, um die Gläubigen „in die ganze Wahrheit zu leiten“ (Johannes 16, 13) und sie mit Dem zu beschäftigen, der nach Vollendung des Erlösungswerkes zur Rechten Gottes hinaufgestiegen ist und von dort wiederkommen wird, um die Seinigen zu Sich zu holen, damit sie für immer bei Ihm seien.

Der Feind, der sich außerstande sieht, denen das Heil zu nehmen, die es in Christo besitzen, ist seinerseits darauf bedacht, sie wenigstens von der Betrachtung Christi abzulenken und ihnen so die einzige Quelle ihres Glücks, ihrer Fortschritte und eines gesegneten Zeugnisses zu rauben. Um diesen Zweck zu erreichen, bedient er sich vornehmlich eines Mittels: er sucht. die Gläubigen mit sich selbst und ihrem irdischen Umständen zu beschäftigen. Er stellt allerlei Dinge vor ihre Blicke, von denen vielleicht mache an sich gut sein mögen, die aber doch dazu angetan sind, ihre Gedanken und ihre Tätigkeit zum Schaden der Verherrlichung des Herrn in Anspruch zu nehmen. Angeblich sollen diese Dinge dem Herrn besser dienen und dem Christen ein größeres Glück verschaffen, als es der einfältige Gehorsam dem Worte gegenüber tut. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall.

Vor allem spielt auf diesem Gebiet in den letzten Zeiten ein Thema eine große Rolle, nämlich die Leiden, durch die Gott die Seinigen gehen läßt. Da die Leiden unserer menschlichen Natur, die einst dazu geschaffen wurde, um auf diesen Erde zu leben und sie zu genießen, zuwider sind, so ist es begreiflich, daß die Menschen gern allem das Ohr leihen, was sie, wie man ihnen vorstellt, von diesen Leiden befreien soll. Aus diesem Grunde legt man auch den Stellen der Heiligen Schrift besonderes Gewicht bei, die sich auf das Gebet beziehen, in welchen Gott verspricht, denen zu antworten, die Ihm im Glauben nahen.

Wenn wir uns nun zunächst fragen, was die Schrift betreffs der Leiden sagt, so werden wir belehrt, daß jede Prüfung in der Hand Gottes ein Mittel zu einer Segnung ist, deren Folgen für die Seele von ewiger Dauer sind. Auch die Krankheit, obwohl sie wie der Tod eine Folge der Sünde ist, gehört zu dem Prüfungen, die der Herr uns sendet, um diesen Zweck zu erreichen. In Römer 8, wo von den Leiden die Rede ist, die mit dieser gefallenen Schöpfung in Verbindung stehen, einer Schöpfung, welche seufzt, und in deren Mitte auch wir seufzen, indem wir die Erlösung unseres Leibes erwarten, wird nichts davon gesagt, daß Gott Seinen Kindern die Leiden ersparen werde. Wohl aber heißt es, daß „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“ (Vers 28). Und in 2. Korinther 4, 17. 18 lesen wir: „Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Drangsal bewirkt uns ein über die Maßen überschwengliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit, indem wir nicht das anschauen, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, aber das, was man nicht sieht, ewig.“

Dieses „schnell vorübergehende Leichte unserer Drangsal“, das solche herrlichen Ergebnisse hat, währt manchmal das ganze Leben hindurch, denn Gottes Tätigkeit an uns hat nicht diese Erde, sondern den Himmel zum Ziel. Jakobus sagt sogar: „Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallet (hier in dem Sinne von Prüfungen), da ihr wisset, daß die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt. Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk, auf daß ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt“ (Jakobus 1, 2-4).

Der Zweck, weshalb Gott Glaubensprüfungen mit ihren herrlichen Ergebnissen sendet, kann nicht erreicht werden, wenn man die Prüfung zu beseitigen sucht. Im Gegenteil, es wird uns empfohlen, im Glauben die Weisheit zu erbitten, die imstande ist, uns dem Gedanken Gottes gemäß so durch die Prüfungen zu führen, daß deren vollkommene Ergebnisse erreicht werden (Vergl. Verse 5-8). Die Prüfung ist also keineswegs etwas Außergewöhnliches (vergl. auch 1. Petrus 4, 12), das man so schnell wie möglich loszuwerden suchen sollte. Mag es Verfolgung, Krankheit oder sonst irgendeine Prüfung sein, die Kinder Gottes haben sie heute genau so nötig wie zu jeder anderen Zeit, ja, heute um so mehr, da Gott das Gericht über Sein Haus bringt, bevor Er es an der Welt vollzieht (1. Petrus 4, 17). Er reinigt und heiligt die Seinigen, um sie fähig zu machen, treu zu wandeln und Seine Gemeinschaft zu genießen. Prüfungen sind also Beweise des Wirkens der Gnade Gottes, Seines Liebe und Seiner Weisheit gegenüber Seinen Geliebten, und zwar im Blick auf die Herrlichkeit, wo alle Ergebnisse Seines Tuns mit uns in Erscheinung treten werden. Es bedarf daher schon einer besonderen. und wirklich großen Unkenntnis der Wege Gottes, wenn man Ihn veranlassen will, Sein erzieherisches Wirken an den Seinigen aufzugeben.

Zieht man das in Betracht, so fällt es nicht schwer, einzusehen, wie weit die neuzeitlichen Krankenheiler von den Gedanken Gottes entfernt sind, wenn sie uns sagen: „Ihr braucht nicht krank zu sein. Ihr könnt auf der Stelle gesund werden, wenn ihr nur den Glauben dazu habt.“ Heißt das nicht mit anderen Worten: „Gott behandelt euch verkehrt. Er täuscht sich im Blick auf euch, und wir wollen euch die Gesundheit wiedergeben“? Diese ganze Richtung leugnet die Regierungswege des Vaters Seinen Kindern gegenüber oder geht mit Stillschweigen darüber hinweg. Was machen die Leute, von denen wir reden, z. B. aus der Belehrung in Hebräer 12, 4-17? Wo findet in diesem Kapitel der Wille Raum, geheilt zu werden, wenn Gott uns sagt: „Mein Sohn, achte nicht gering des Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst; denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er geißelt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott handelt mit euch als mit Söhnen; denn wer ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?“? Wie will man wirklich den Christen das Ergebnis der Zucht nehmen, die allein imstande ist, uns „Seiner Heiligkeit teilhaftig“ zu machen und „die friedsame Frucht der Gerechtigkeit“ bei denen hervorzubringen, „die durch sie geübt sind“ (Verse 10 und 11)?

Wir wiederholen:

Der bestimmte Wille, jemand zu heilen, ist eine Verachtung der Zucht; er trägt ihr in keiner Weise Rechnung. Die, welche dahingehende Ratschläge erteilen, entmutigen die Bekümmerten, indem sie sie beschuldigen, keinen Glauben zu haben, oder die Meinung in ihnen erwecken, ihre Leiden seien nutzlos. Solche Ratschläge stehen in unmittelbarem Widerspruch mit den Gedanken Gottes und berauben die Seelen der Segnungen, die aus den vollkommenen Wegen Gottes hervorgehen. Überdies ist es kein Zeichen von Gottesfurcht, wenn man Gott vorschreiben will, etwas zu tun oder nicht zu tun.

Die Krankenheiler von heute würden zweifellos den Apostel Paulus aufgefordert haben, seinen „Dorn im Fleische“ von sich abzuschütteln. Der Apostel selbst hatte, bevor er die Gedanken des Herrn über diese Sache kannte, dreimal zum Herrn gefleht, Er möge von ihm abstehen, da er meinte, sie würde ihn in dem Werke, das ihm anvertraut war, hinderlich sein. Aber für ihn, wie für uns heute, lautete die vollkommene Antwort des Herrn: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht“. Jetzt wußte Paulus, daß sein Wunsch, der ihn um Wegnahme des Dornes bitten ließ, viel sicherer in Erfüllung gehen würde, wenn der Dorn ihm blieb. Und nun rühmte er sich seiner. Oder ist ihm etwa der Dorn deswegen nicht genommen worden, weil er nicht Glauben genug hatte, wie man von denen sagt, die dieser Art von Suggestion (Einwirkung, Beeinflussung) gegenüber unempfindlich sind.

Ist es diesen Krankenheilern niemals aufgefallen, daß unter all den Hunderten von wunderbaren Krankenheilungen, die uns im Neuen Testament berichtet werden, auch nicht ein einziger Fall ist, in dem ein Gläubiger geheilt wurde? Und das nicht, weil keine Gläubigen krank waren. Gott hat dafür gesorgt, daß wir erfahren sollten, daß auch Seine Kinder an Krankheiten teilhaben, solange sie auf dieser verfluchten Erde sind.

Der Herr Jesus sagt in Matthäus 25, 36: „Ich war krank … „. Epaphroditus war krank, dem Tode nahe (Philipper 2, 25-30). Und das nicht im Blick auf eine Sünde, wie in 1. Korinther 11, sondern um des Werkes des Herrn willen. Und Paulus hat ihn nicht durch ein Wunder geheilt.

Timotheus hatte Magenbeschwerden und war häufig krank (1. Timotheus 5). War Sünde die Ursache? Aus allem geht klar hervor, daß es nicht so war. Dennoch heilt Paulus ihn nicht, sondern gibt ihm den Rat, nicht länger nur Wasser zu trinken, sondern auch ein wenig Wein, denn dies sei besser für seinen Magen. Warum läßt Paulus Trophimus krank in Milet zurück und heilt ihn nicht? Geht aus dem 3. Johannesbrief Vers 2 nicht hervor, daß Gajus manchmal krank war? Warum wünscht der Apostel Johannes ihm so ausdrücklich Gesundheit des Leibes, „gleichwie es deiner Seele wohlgeht“?

Die Apostel taten nichts, um damit in Gottes Wege mit Seinen Kindern einzugreifen! Sollten sie so viel weniger Licht in Gottes Gedanken gehabt haben als diese Krankenheiler? O nein, sie wußten, daß ihr Vater, wenn Er sie durch Krankheiten gehen ließ, höhere Dinge im Auge hatte als leibliche Gesundheit.

Heilung von Ungläubigen

Aber wenn es nun nicht nach Gottes Gedanken ist, Gläubige auf solche Weise zu heilen, bleibt dann nicht die Heilung vom Ungläubigen als Zeichen übrig? Denn es ist doch nicht zu bestreiten, daß sowohl der Herr Jesus als auch die Apostel viele Ungläubige von ihren Krankheiten geheilt haben. Die Krankenheiler berufen sich darauf, daß Gott unveränderlich Derselbe ist, und daß, so wie es früher Heilungen gegeben hat, es diese auch jetzt gibt.

Nun, es ist sicher wahr, daß Gott unveränderlich ist. „Denn ich, Jehova, ich verändere mich nicht“ (Maleachi 3, 6). „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit“ (Hebräer 13, 8). Aber das sagt nicht, daß Gott Sich immer auf dieselbe Weise offenbart! Hebräer 13, 8 heißt nicht: „Jesus Christus tut dasselbe gestern …“ (Im Griechischen steht eigentlich nur: „Jesus Christus, gestern und heute derselbe und in Ewigkeit“. Es geht hier um die Unveränderlichkeit Seiner Person, nicht Seiner Handlungsweise).

Gott hat Sich in jeder der verschiedenen Zeitperioden der Geschichte des Menschen auf eine andere Weise geoffenbart.

Adam offenbarte Er Sich als der Schöpfer. Noah gegenüber als Der, der mit der Erde einen Bund schloß. Abraham gegenüber als der Allmächtige. Israel als Jehova, der Ewigseiende. Den Gläubigen heute als Vater. Und in dem kommenden Friedensreich wird Er sich offenbaren als „Gott, der Höchste, der Himmel und Erde besitzt“. Seine Offenbarung steht immer mit dem jeweiligen Charakter der Dinge in Verbindung.

Obwohl Gott der Unveränderliche ist, handelt Er deshalb nicht immer auf dieselbe Weise. Er offenbart sich und handelt in Übereinstimmung mit den Umständen. Das sehen wir zum Beispiel deutlich in Seinen Gerichten. Welch ein Unterschied zwischen der großen Flut, der Sprachverwirrung von Babel, den 10 Plagen, dem Umkommen von Pharao im Roten Meer, dem Gericht über Korah, Dathan und Abiram, über Nadab und Abihu und über Mirjam.

Nachdem Gott in 1. Mose 7 durch die Flut alles vertilgt hatte, was auf der Fläche des Erdbodens war, ausgenommen das, was mit Noah in der Arche war, sagte Er in Kapitel 8: „Nicht mehr will ich hinfort alles Lebendige schlagen, wie ich getan habe“.

Die Sünde von Ananias und Saphira kommt heute im Prinzip sicher sehr oft vor (man will mehr scheinen als man wirklich ist), und doch straft Gott sie heute nicht wie damals (Apostelgeschichte 5). Der Apostel Jakobus wurde durch Herodes gefangen genommen und getötet, während Petrus auf wunderbare Weise aus dem Gefängnis befreit wurde.

Was wir in dem Abschnitt „Zeichen und Wunder“ schon gesehen haben, finden wir bei der Heilung von Ungläubigen bestätigt. Das sind Zeichen, denn wir sprechen jetzt nicht über Gebetserhörungen. Gott erhört die Gebete seiner Kinder, und manchmal erhört Er auch Gebete von Unbekehrten. „Sie heuchelten ihm mit ihrem Мundе, und mit ihrer Zunge logen sie ihm; denn ihr Herz war nicht fest gegen ihn, und sie hielten nicht treulich an seinem Bunde. Er aber war barmherzig, er vergab die Ungerechtigkeit und verderbte sie nicht“ (Psalm 78, 36). „Da gab er ihnen ihr Begehr, aber er sandte Magerkeit in ihre Seelen“ (Psalm 106, 15). Ich kenne selbst einen Fall, wo Gott so das Gebet einer ungläubigen Mutter für ihr sterbendes Kind erhörte, daß der Arzt sagte, hier sei ein Wunder geschehen. Und dies wurde die Veranlassung, daß sie und ihr Mann zur Bekehrung kamen. Und daß Gott das Gebet seiner Kinder erhört – wer wüßte das nicht aus Erfahrung, auch in Fällen von Krankheit! Aber es geht hier nicht um wunderbare Gebetserhörungen, sondern um offenbare Dinge, um Zeichen.

„Gott war in Christo, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Sünden nicht zurechnend“ (2. Korinther 5, 19). Zum Beweis kam der Herr Jesus in wunderbarer Gnade auf die Erde, wie einer der Menschen. Er offenbarte Seine Güte, indem Er ihre Kranken heilte, Aussätzige reinigte, Hungrige speiste. Ja, Er ließ erkennen, daß Er alle Folgen der Sünde wegnehmen wollte, indem Er ihre Toten auferweckte.

Die Welt verwarf die Gnade Gottes: sie kreuzigte den Herrn der Herrlichkeit. Aber Gott erweckte Ihn auf aus den Toten und setzte Ihn zu Seiner Rechten, indem Er sprach: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße“ (Hebräer 1,13). Bald kommt die Zeit, da Gott alles unter dem Herrn Jesus zusammenbringen wird, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist (Epheser 1, 10). Und Gott kann das tun auf Grund des Werkes des Herrn Jesus am Kreuz, wo Er dеn Grund gelegt hat, auf dem alle Dinge mit Gott versöhnt sein werden (Kolosser 1, 20). Wir sind jetzt schon versöhnt. Aber alle Dinge (nicht alle Menschen) werden bald versöhnt werden.

Wenn der Herr Jesus auf die Erde kommt, um alles in Besitz zu nehmen (Matthäus 24, 30-31; Offenbarung 1, 7), wird der Fluch von der Erde weggenommen werden. Dann wird die Schöpfung freigemacht werden (Römer 8, 21). Die Wüste und das dürre Land werden sich freuen (Jesaja 35). „Kein Einwohner wird sagen: Ich bin schwach. Dem Volk, das darin wohnt, wird die Missetat vergeben sein“ (Jesaja 33, 24). Krankheit und Tod werden nicht mehr sein (Jesaja 25, 8; 65, 20-22), ausgenommen im Fall öffentlichen Widerstandes gegen den Herrn Jesus (66, 24; Psalm 101, 6-8).

Aber dies ist noch zukünftig. Noch ist der Herr Jesus verworfen und verborgen auf dem Thron des Vaters. Aber Er ist durch die Apostel dеn Juden (und später den Nationen) vorgestellt worden als Der, durch den Zeiten der Erquickung kommen, wenn sie Ihn annehmen würden (Apostelgeschichte 3, 19-21). Und als Bestätigung ihres Wortes wirkte Gott mit durch Zeichen und Wunder, die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters (Hebräer 6, 5). So erkannte Gott das Neue an, als von Ihm kommend, und zeigte damit, daß der volle Segen bereit sei zu kommen, wenn das Volk den Herrn Jesus annehmen würde.

Israel aber verwarf auch das Zeugnis des Heiligen Geistes und wurde beiseite gesetzt (Apostelgeschichte 7, 51-60; 28, 28). Und Gott gab Sein geschriebenes Wort, das Neue Testament, so daß keine Zeichen mehr nötig waren, um zu bestätigen, daß das Zeugnis von Ihm war. Konnte Gott Sich doch nicht länger öffentlich einsmachen mit denen, die von Ihm abwichen und in Ungehorsam ihren Weg gingen.

Die Bedeutung von Jakobus 5

Es ist vielleicht gut, hier noch etwas über Jakobus 5, 14-16 zu sagen, weil diese Verse auch oft gebraucht und mißbraucht werden. Wenn wir sie genau lesen, wird uns klar, daß sie nichts mit den „Gaben der Heilungen“ in 1. Korinther 12, 9 zu tun haben. Aus dem Zusammenhang geht hervor, daß es sich in Jakobus 5 um praktische Gerechtigkeit handelt in Verbindung mit den Regierungswegen Gottes, und das ist auch in Übereinstimmung mit dem ganzen Charakter des Briefes. Wie Hiob 36, 7 sagt, zieht Gott Seine Augen nicht ab von dem Gerechten. Die folgenden Verse in Hiob 36 aber zeigen klar, daß das bei einem Abweichen Zucht zur Folge hat, auch um bei Sünden Einkehr und Umkehr zu bewirken. Aus dem Zusammenhang können wir sehen, daß Jakobus über Krankheiten spricht, die die Folge von Sünden sind, wo Gott also Krankheiten schickt als Zucht, weil der Betreffende gesündigt und sich darüber nicht gedemütigt hat.

Kommt er nun zur Einkehr, so daß er sich unter Demütigung zu Gott wendet, dann ist Gott bereit, Gnade zu üben (Hiob 36, 11-14) – ausgenommen natürlich in dem Fall, wo eine Sünde zum Tode (1. Johannes 5) vorliegt. Diese Macht, Sünden zu vergeben (in Gottes Regierungswegen, also was diese Erde betrifft), hat Gott auch der Versammlung gegeben (Matthäus 18, 18; 2. Korinther 2, 7-10), in bestimmten Fällen sogar allen Jüngern.

Der Kranke, der zur Einkehr kam, konnte sich also an die Ältesten wenden, als die durch Gott angewiesenen Personen, diese Vergebung zu gewähren. Als „Älteste“ haben sie die geistliche Erfahrung und Nüchternheit, die Gedanken Gottes in solchen Umständen zu kennen. Bei den Juden, auch in den Versammlungen der Juden, finden wir keine offiziell angestellten Ältesten. Dort waren es einfach die ältesten Brüder, die auch in geistlicher Hinsicht Älteste waren. Wir können keine angestellten Ältesten haben, weil niemand da ist, der sie anstellen kann. Überdies sind wir nicht die Versammlung, sondern nur ein kleiner Teil von ihr.

Das ist jedoch für diese Frage nicht so entscheidend, denn Vers 16 enthält Gottes Vorsorge auch für unsere Zeit: „Bekennet denn einander die Vergehungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet“. In Verbindung mit Vers 14 sehen wir also, daß ein Gläubiger die Brüder, die den Charakter und die geistlichen Eigenschaften von Ältesten tragen, bitten kann, an sein Krankenbett zu kommen; er bekennt ihnen seine Sünden, die gemäß den Regierungswegen Gottes die Ursache für seine Krankheit sind, und er bittet sie, mit ihm und für ihn um Heilung zu beten. Und wenn dann sein Gebet und das Gebet dieser Brüder ein Gebet des Glaubens ist, wird Gott ihn wiederherstellen.

Es ist wichtig, daß die Heilung in diesen Versen nicht von der Stellung der Ältesten abhängig gemacht wird oder von der Salbung mit Öl, sondern von dem Gebet des Glaubens. Es ist also nicht so, daß sie hoffen, daß Gott Heilung schenken wird, sondern daß sie es sicher wissen. Könnte der Kranke diese Gewißheit haben, wenn er sich nicht wirklich gedemütigt hätte, wenn er die Krankheit nicht als Zucht aus Gottes Hand nehmen würde und nun wußte, daß Gott vergeben will? Können die Ältesten in diesem Glauben beten, wenn sie nicht die feste Überzeugung haben, daß Gott Sein Ziel mit der Krankheit erreicht hat und daß es keine Krankheit zum Tode ist (1. Johannes 5, 16)? Das ist nur möglich, wenn sie diesen Glauben in Gemeinschaft mit dem Herrn empfangen haben und dadurch gewiß sind, daß Gott dem Kranken Heilung schenken will.

Es ist völlig klar, daß dies etwas ganz anderes ist als das, was bei vielen sogenannten Glaubensheilungen geschieht. Wir müssen dabei auch noch berücksichtigen, daß der Jakobusbrief ein Übergangsbrief ist, der einzige Brief im Neuen Testament, der sich an die zwölf Stämme Israels richtet, wenn er auch die Gläubigen von der Masse des Volkes unterscheidet.

Wunderkräfte oder Gehorsam

Wir leben in den Tagen des Verfalls. Ein Kennzeichen der Endzeit, diesen schweren Zeiten in denen wir leben, ist dieses, daß man viel über Kraft spricht, aber wenig über Gehorsam gegenüber Gottes Wort. Die Erkenntnis, die man dadurch erwirbt, daß man einfältig den Schriften glaubt, wird verworfen. Dafür ist man geneigt, an die eine oder andere Kraft zu glauben, die nichts mit dem Heiligen Geist zu tun hat, aber die von dem Menschen bewundert wird, und die später, konzentriert in dem „Menschen der Sünde“, vollkommen geoffenbart sein wird. Satan will sehr gerne denen, die begierig nach der einen oder anderen übernatürlichen Kraft ausschauen, seine Kraft geben, anstatt des Heiligen Geistes. Man braucht keinen außergewöhnlich scharfen Blick zu haben, um in unseren Tagen die Vorläufer der „wirksamen Kraft des Irrtums“ zu erkennen, von der der Apostel in 2. Thessalonicher 2 spricht.

Bei vielen Christen herrscht eine große Sehnsucht und Unzufriedenheit auf geistlichem Gebiet. Sie fühlen, daß ihr Leben fruchtleer ist und sehnen sich nach einem höheren Niveau ihrer Erfahrungen. Vielfach kennen sie ihre Bibel und ihre herrlichen Segnungen in Christo viel zu wenig, und so entsteht in ihnen ein ungesundes Verlangen nach immer neuen, handgreiflichen Erfahrungen und starken Gemütsbewegungen. Aus Mangel an geistlichem Unterscheidungsvermögen schreibt man Gott und Seinem Geist etwas zu, was im Grunde das Ergebnis von Einbildung ist oder seelischen, ja oft sogar satanischen Ursprung hat (Spiritismus, Okkultismus).

Viele mögen aufrichtig sein, aber Aufrichtigkeit ist nicht Wahrheit. Aufrichtigkeit allein ist kein Schutz gegen die vielerlei Verführungen. Nur die Liebe zur Wahrheit und der Gehorsam gegen die Wahrheit schützen uns gegen die religiöse Verwirrung unserer Zeit. Ist das Leben eines Gläubigen fruchtleer, so ist die Diagnose meist sehr einfach: Es fehlt an Erkenntnis und an Hingabe.

Die Getreuen, die den wahren Zustand der Versammlung sehen, sind vor allem um die geistliche Gesundheit besorgt, daß die Heiligen in der Wahrheit wandeln, in wahrer Absonderung von der Welt und von allem, was nicht nach dem Willen des Herrn ist. Sie verlangen danach, daß dem Heiligen Geist und Seinem Dienst der Verherrlichung des Christus der volle Platz eingeräumt wird, daß die Glieder des Leibes des Christus ihr Verbundensein untereinander erkennen und an dem von Gott gegebenen Platz verwirklichen, damit die Heiligen, die Wahrheit festhaltend in Liebe, heranwachsen in allem zu Ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. Wer so seinen Weg gehen will in einfältigem Gehorsam, erhält von Gott die Antwort auf das erhabene Gebet, das der Sohn an Ihn richtete in der Nacht, in welcher Er überliefert wurde: „Heilige sie durch die Wahrheit: Dein Wort ist Wahrheit (Johannes 17, 17).

Ist die Heilung des Leibes in der Versöhnung inbegriffen?

Um die Behauptung zu bekräftigen, daß ein Gläubiger nicht krank zu sein braucht, behaupten die Krankenheiler (Gesundbeter), daß der Herr Jesus auch unsere Krankheiten getragen hat, und daß daher die Heilung des Leibes in dem Versöhnungswerk inbegriffen ist. Obwohl sie hierin alle übereinstimmen und alle auch als Schriftbeweise Jesaja 53, 4 und Matthäus 8, 17 anführen, stimmen sie doch in ihren Beweisführungen nicht überein.

Matthäus 8, 17 sagt ausdrücklich, daß Jesaja 53, 4 erfüllt worden ist in dem Leben des Herrn Jesus und nicht bei Seinem Sterben. Und Matthäus gibt dazu auch die Erklärung. Der Herr trieb die Geister aus und heilte alle Leidenden, „damit erfüllt würde, was durch Jesaja gesagt ist, welcher spricht: „Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten“ (Matthäus 8, 17).

Manche sagen, daß Satan durch den Sündenfall einen doppelten Fluch gebracht hat, nämlich Sünde und Krankheit, aber daß der Herr Jesus in Seinem Versöhnungswerk eine doppelte Wiederherstellung gegeben hat, nämlich Errettung und Heilung. Sie teilen nun Jesaja 53, 5 eigenmächtig in zwei Teile und damit ebenso das Versöhnungswerk des Herrn Jesus. „Doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm“: Dies bezieht sich auf unsere Sünden und ist an dеm Kreuze erfüllt. Das Folgende aber „und durch seine Striemen ist ins Heilung geworden“ bezieht sich nach ihrer Meinung auf unsere Krankheiten, und dies habe sich erfüllt vor dem Kreuze, als der Herr Jesus vor dem Hohenpriester und vor Pilatus geschlagen und mißhandelt wurde.

Wahrscheinlich ist man einfach ausgegangen von dem Klang der Worte „Striemen“ und „Heilung“ und ist so zu dieser Schlußfolgerung gekommen. Man hat dabei vergessen, daß das Buch Jesaja Weissagung ist und wie alle anderen Weissagungen Bildersprache gebraucht. Und dabei hat man die wichtige Grundregel vergessen, die Gottes Wort selbst für die Auslegung von Weissagung gibt in 2. Petrus 1, 20. 21: „indem ihr dies zuerst wisset, daß keine Weissagung der Schrift von eigener Auslegung ist. Denn die Weissagung wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern heilige Männer Gottes redeten, getrieben vom Heiligen Geiste. Nur wenn wir Schrift mit Schrift vergleichen, lernen wir die wirkliche Bedeutung einer Schriftstelle kennen.

Wer gibt uns denn das Recht, den Vers Jesaja 53, 5, der von dem Versöhnungswerk für unsere Sünden handelt, einfach zu teilen und damit auch das Werk des Herrn in einen Teil, der am Kreuz, und einen Teil, der vor dem Kreuze stattfand? Es gibt keine Schriftstelle hierfür. Spricht die Schrift nicht von Heilung der Seele in Verbindung mit Sünde (Psalm 41, 4 Matthäus 13, 15 und Markus 4, 12; Jeremia 3, 22; 6, 14; 14, 19)? Und wendet Petrus nicht gerade die Worte aus Jesaja 53, 5 auf das Werk des Herrn für unsere Sünde an (1. Petrus 2, 24)? Hier haben wir die Erklärung der Schrift selbst.

Bedeutet denn „das Tragen unserer Sünden“ durch den Herrn in 1. Petrus 2, 24 keine Stellvertretung? Und wenn ja, warum bedeutet das Tragen unserer Krankheiten in Matthäus 8, 17 dann keine Stellvertretung?

Nun führen die Behauptungen der Krankenheiler oft zu den schlimmsten Folgerungen. Wenn der Herr Jesus unsere Krankheiten und Schmerzen stellvertretend getragen hat, dann war das nach Matthäus 8, 17 in Seinem Leben vor dem Kreuz. Aber dann wird Sein Werk geteilt in zwei Teile; ein Teil auf dem Kreuz, und ein Teil vor dem Kreuz. Während der drei Jahre soll der Herr also eine Versöhnung ohne Blut zustande gebracht haben für unsere Krankheiten und danach auf dem Kreuz eine Versöhnung mit Blut für unsere Sünden. Das ist eine Ketzerei, die bei keinem einsichtigen Christen Verteidigung finden wird.

Man hört auch die Ansicht:

„Diese drei: Sünde, Krankheit und Tod, sind die Werke des Teufels; Jesus war gekommen, sie zu vernichten (1. Johannes 3, 8). Und sie sind vernichtet durch das Leiden, Sterben und Auferstehen von Jesus Christus. Jesus hat unsere Krankheit getragen auf Golgatha“. Und daraus zieht man die Schlußfolgerung, daß Gott nicht will, daß wir krank sind, ebensowenig wie Er will, daß wir sündigen.

Nun, wenn Vorstehendes wahr wäre, würden wir sicher erwarten, dies im Brief an die Römer zu finden. Denn in diesem Brief wird uns die Lehre des Heils so deutlich vorgestellt: Vergebung der Sünden und Befreiung von der Sünde.

Aber dieser Brief sagt davon kein Wort. Im Gegenteil sagt Römer 8, 23. 24, daß wir in einer seufzenden Schöpfung leben und selbst auch seufzen, erwartend die Erlösung unseres Leibes; denn in Hoffnung sind wir errettet worden. Und 8, 11, sagt, daß unsere sterblichen Leiber in Zukunft lebendig gemacht werden sollen.

Wenn die Heilung des Leibes von Krankheit und Tod tatsächlich in dem Versöhnungswerk stattgefunden hätte, ebenso wie die Sühnung für unsere Sünden, dann müßten wir doch annehmen, daß dies für alle drei dieselben Folgen hat.

Nun, niemand, der die Schrift kennt, wird leugnen, daß jeder, der den Herrn Jesus angenommen hat, vollkommen teil hat an Seinem Werk. Die Frage seiner Sünden ist dann endgültig geordnet: sie sind für immer hinweggetan. Römer 4, 7; 5, 1. 9. 19; Epheser 1, 7; Kolosser 1, 12-14. 21; 2, 13; Hebräer 10, 14-18; 1. Petrus 2, 24 usw. Das hängt nicht von seinen Werken vor oder nach seiner Bekehrung ab, noch von seiner Einsicht in die Ausdehnung des Werkes des Herrn. Das ist allein aus Gnade.

Nun, dann müßten wir doch von unserer Bekehrung ab Krankheit oder Tod nicht mehr kennen. Dann dürfte es auch für Gläubige keine Altersbeschwerden und kein Sterben mehr geben. Und das dürfte ebensowenig von unseren Werken abhängen, denn dann würde es keine Gnade mehr sein.

Und wenn Gott tatsächlich unser Teilhaben an dieser Seite des Werkes des Herrn Jesus davon abhängig gemacht hätte, daß wir es annehmen, dann würde das bedeuten, daß weder Paulus noch Petrus noch Johannes noch irgendein anderer Gläubiger in diesen mehr als neunzehnhundert Jahren es angenommen hat. Denn alle sind gestorben, wie ja auch die größten Führer dieser Bewegung.

Dann könnte es nicht wahr sein, was Philipper 1, 21 steht, daß Sterben Gewinn ist. Könnte ein Zustand, der im Widerspruch mit Gottes Willen ist und aus dem Unglauben gegenüber Gottes Gedanken stammt, besser sein als das, was der Herr Jesus für uns am Kreuz bewirkt hat, und was Gott uns geben will?

Wie schrecklich würde dann das Wort von Paulus in 2. Timotheus 4, 6 sein: „die Zeit meines Abscheiden ist nahe“; und was Petrus in 2. Petrus 1, 14 schreibt: „da ich weiß, daß das Ablegen meiner Hütte bald geschieht, wie auch unser Herr Jesus Christus mir kundgetan hat“. Und alle Märtyrer, von Stephanus an, die dachten, für den Herrn zu sterben, wären dann nur wegen ihres Unglauben gestorben.

Wie schrecklich würde dann Paulus sich geirrt haben, als er in 1. Korinther 15 die Ankunft des Herrn als das einzige Geschehen vorstellte, wodurch Gläubige nicht mehr zu sterben brauchten. Und das in dem inspirierten Wort Gottes!

Doch genug! Es wird für jeden Unvoreingenommenen deutlich sein, daß diese Lehre in direktem Widerspruch steht zu Gottes Wort und in ihren Folgen geradezu verheerend wirken muß.

Gottes Wort lehrt uns, daß Krankheit, Leiden und Tod Folgen der Sünde sind. Der Herr Jesus hat durch Sein Werk am Kreuz den Grund gelegt zur Abschaffung der Sünde durch Sein Opfer (Hebräer 9, 26-28), und daß einmal Himmel und Erde, die ganze Schöpfung gereinigt und zu Gott zurückgebracht werden wird (Kolosser 1, 20-22). Wir sind jetzt schon versöhnt und haben die Vergebung unserer Sünden. Die Frage der Sünde, was unser Verhältnis als Geschöpfe dem Schöpfer gegenüber betrifft, ist vollkommen gelöst. Wir sind auf immerdar vollkommen gemacht (Hebräer 10, 14). Das ist die Errettung der Seele, die wir jetzt schon besitzen (1. Petrus 1,9).

Was unseren Leib betrifft, gehören wir noch zu dieser Schöpfung. Und obwohl der Herr Jesus auch unseren Leib erkauft hat (1. Korinther 6, 20), hat dieser doch praktisch noch nicht teil an der Errettung. Wir erwarten den Herrn Jesus als Heiland, „der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leibe der Herrlichkeit“ (Philipper 3, 21). Jetzt haben unsere Leiber noch teil an der Sterblichkeit und Verweslichkeit (1. Korinther 15, 48-54).

Wir seufzen mit der ganzen Schöpfung, erwartend die Erlösung unseres Leibes (Römer 8, 23). Wir haben teil an den Drangsalen und Leiden hier auf Erden (Römer 5, 3-6). Aber weil der Heilige Geist in uns wohnt, wissen wir, daß unser Vater diese Leiden zu unserer Erziehung gebraucht (Römer 5, 5; Hebräer 12). Und dabei gibt uns die Schrift die herrliche Versicherung, daß der Herr Jesus als Mensch auf Erden an all den Leiden teilgenommen hat, die unser Teil auf Erden sind, damit Er jetzt, als Hoherpriester im Himmel, Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, um uns zu Hilfe zu kommen als unser Mittler und Fürsprecher in vollem Bewußtsein unserer Lage, unserer Schwierigkeiten, unserer Gefühle und der Gefahren, denen wir ausgesetzt sind (Hebräer 2, 10. 11. 18; 4, 15. 16; 5, 7. 8; 7, 25. 26 usw).

Das ist die Erklärung, die die Schrift uns von Jesaja 53, 4 und Matthäus 8, 17 gibt, das heißt, soweit wir diese Stellen auf uns anwenden können.

Wir dürfen nicht vergessen, daß Jesaja 53 Prophezeiung ist. Da werden uns prophetisch die Gefühle des gläubigen Überrests aus den zwei Stämmen (Juda und Benjamin) wiedergegeben, wenn sie den Herrn Jesus aus dem Himmel kommen sehen werden und erkennen, daß sie ihren Messias verworfen und gekreuzigt haben (Sacharja 12, 10-14; 13, 6-9). Wenn wir Jesaja 52, 53 und den Anfang von Kapitel 54 lesen, ist das vollkommen deutlich. Nun, das ist der Beginn des tausendjährigen Friedensreiches, wenn wirklich der Fluch von der Erde weggenommen sein wird, und die Menschen nur noch sterben werden durch ein öffentliches Gericht Gottes, wenn sie offenbar gesündigt haben (Jesaja 65, 19-25).

Das gleiche ist der Fall mit Psalm 103, der durch Hermann Zaiss, einem bekannten Gesundbeter, oft angeführt wurde, um das sogenannte Glaubensheilen zu rechtfertigen. Auch da finden wir den gläubigen Überrest aus Israel, der nach dem herrlichen Tag der Herrschaft des Christus ausschaut. Wenn Er jeden Morgen die Gesetzlosen des Landes vertilgen wird (Psalm 101, 8), wenn Sein Reich über alles herrschen wird (Psalm 103, 19), dann wird Er die Ungerechtigkeit von Jakob vergeben und seine Krankheiten heilen (Römer 11, 26). Dann wird sein Leben erlöst sein von der Grube (Psalm 103, 3-5), wie wir in Jesaja 65 gesehen haben.

Wenn die Lehrer der sogenannten Glaubensheilung „das Wort der Wahrheit recht geteilt hätten“, dann würden sie sich nicht zu schämen haben und vor Gott bewährt bestehen können (2. Timotheus 2, 15). Aber dann würden sie nicht mit dieser beklagenswerten Lehre gekommen sein, die der Heiligen Schrift direkt widerspricht, durch die so viele einfältige Seelen verführt werden, und dem Glaubensleben so viel Schaden zugefügt wird.

Einige weitere Kennzeichen des Irrtums

Wir haben bereits gesehen, daß die Grundsätze dieser Heilungsbewegungen im Widerspruch stehen zur Heiligen Schrift; aber auch in anderer Richtung müssen wir leider feststellen, daß sie nicht das Kennzeichen des Heiligen Geistes tragen. Es werden in ihren Schriften die Stellen aus Gottes Wort so aus dem Zusammenhang gerissen und daraus so unmögliche Schußfolgerungen gezogen, daß es nicht möglich ist, auf alles einzugehen, ohne ganze Bücher zu schreiben. Die Anführung einzelner Zitate wird deutlich machen, welcher Geist aus diesen Schriften spricht.

Bei vielen Gelegenheiten wird Johannes 14, 12 angeführt: „Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe“. Dies wird dann nur auf das Tun von Wundern bezogen. Und jeder Gläubige kann und muß somit größere Werke (und sie lesen dann: Zeichen) tun als der Herr Jesus tat.

Dies macht doch wohl deutlich, daß das nicht dem Sinn entspricht. Der Herr spricht nicht von Zeichen, sondern von Werken. Nun, am Pfingsttage und später sehen wir größere Werke. Nirgends sind durch die Predigt des Herrn 3000 Menschen an einem Tag bekehrt worden. Die größte Zahl an Gläubigen, von der wir vor dem Pfingsttage lesen, ist 500 (1. Korinther 15, 6). In Jerusalem waren nach der Himmelfahrt nur 120 zusammen.

Es ist ein Kennzeichen dieser Bewegung, dаß die irdischen Dinge für sie wichtiger sind als die himmlischen, geistlichen. Bei all den Zeichen, die Gott durch Seine Knechte tun ließ, war auch das Geben von Leben. Wir sehen das bei Moses in 2. Mose 8, 16-19. Alle Zeichen ahmten die Zauberer nach. Aber als Moses aus Staub Stechmücken machte, konnten sie dies nicht. Satan kann vieles nachmachen, aber Leben kann er nicht geben. Er kann durch seine Knechte Zeichen und Wunder tun, siehe z. B. Matthäus 24, 24 „Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen“. Die Ankunft des Gesetzlosen wird sein „nach der Wirksamkeit des Satan, in aller Macht und allen Zeichen und Wundern der Lüge“. Er wird bald selbst die Auferstehung nachahmen, als ob er auch Leben geben könnte (Offenbarung 13, 3). Aber Gottes Wort läßt uns erkennen, daß das Tier wohl „wie tot“ war, aber nicht wirklich tot. Der Antichrist wird große Zeichen tun und selbst Feuer vom Himmel herabkommen lassen, – das bekannte Zeichen der Gegenwart Gottes. Dem Bilde des Tieres kann er nur Odem geben, nicht aber wirkliches Leben (13, 15).

Gott ist der Ursprung alles Lebens. Darum nennt Ihn die Schrift „den lebendigen Gott“. Darum gab Gott Seinen Knechten mit den Zeichen, die Er durch sie tun ließ, auch die Macht, Leben zu geben. Denn das konnte Satan nicht nachahmen, und das war schließlich das sichere Zeichen, daß Gott wirkte.

Wir sahen das schon bei Mose. Auch sehen wir es bei Elia und Elisa (1. Könige 17, 22; 2. Könige 4, 32-36). Wir sehen es bei dem Herrn Jesus, der sowohl eine eben Gestorbene, wie einen, der gerade zu Grabe getragen wurde, und einen, der schon vier Tage im Grabe gelegen hatte, auferweckte, so daß niemand sagen konnte, es sei nur ein Scheintoter gewesen. Der Herr gab auch den Auftrag, Tote aufzuwecken, als Er die Zwölfe aussandte (Matthäus 10, 8). Und in der Apostelgeschichte sehen wir, daß auch die Apostel Tote auferweckten (Apostelgeschichte 9, 36-41; 20, 9-12).

Die Anerkennung des Herrn JESUS als HERR

Römer 10, 9 sagt: „Wenn du mit deinem Munde Jesum als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, daß Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, wirst du errettet werden“.

In 1. Korinther 1, 2 werden alle Jünger zusammengefaßt mit den Worten: „samt allen, die an jedem Orte den Namen unseres Herrn Jesu Christi anrufen, sowohl ihres als unseres Herrn“. Und in 1. Korinther 12, 3 steht: „niemand kann sagen: „Herr Jesus! als nur im Heiligen Geiste“.

Aus diesen Stellen geht hervor, daß Gottes Wort das Bekennen des Herrn Jesus als Herr, und das Sprechen von Ihm als dem „Herrn Jesus“ das Kennzeichen der Jüngerschaft nennt, ja es mit der Errettung verbindet. Und nur durch die Wirkung des Heiligen Geistes kann ein Mensch Herr Jesus sagen, denn nie wird ein böser Geist das tun. Die Teufel (Dämonen) erkennen niemals den Herrn Jesus als Herrn an. Satan kann die Gestalt eines Engels des Lichts annehmen (2. Korinther 11, 14). Seine Engel können den Herrn Jesus „Sohn Gottes“ nennen (Matthäus 8, 29) oder „der Heilige Gottes“ (Markus 1, 24). Sie können öffentlich die Ehre von Knechten des Herrn ausrufen (Apostelgeschichte 16, 17). Aber niemals finden wir, daß ein böser Geist den Herrn Jesus Herr nennt.

Der Titel Herr ist nicht die höchste Herrlichkeit des Herrn Jesus. Er gibt nicht Seine persönliche und ewige Herrlichkeit an, sondern eine Stellung, die Ihm nach dem Vollbringen des Versöhnungswerks und nach der Auferstehung gegeben worden ist (Apostelgeschichte 2, 36). Ihn als Herrn zu kennen, ist die einfachste Kenntnis, die ein Bekenner besitzen kann, denn das bedeutet nur die Anerkennung, daß der Herr Jesus Autorität über ihn hat. Aber die bösen Geister erkennen diese Autorität nicht an! Es kommt einmal der Tag, daß „in dem Namen Jesu“ jedes Knie sich beugen wird, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und „jede Zunge bekennen wird, daß Jesus Christus Herr ist“ (Philipper 2). Jetzt ist dies noch nicht so. Aber der Vater verlangt dies und stellt es zur Bedingung für das Errettetwerden. Das besagt natürlich keineswegs, daß jemand, der Herr Jesus sagt, damit wiedergeboren ist. 1. Korinther 12 sagt nur, daß niemals ein böser Geist einen Menschen dazu bringt, „Herr Jesus“ zu sagen.

Nun, dieses Kennzeichen der Jüngerschaft wird in dieser Bewegung so gut wie nicht gefunden. In ihren Schriften steht sehr oft „Jesus“ oder „Christus“ oder „Jesus Christus“, aber fast nie „Herr Jesus“.

Die Gottheit des Herrn Jesus

In der Broschüre „Leben in Überfluß“ steht: „Vielleicht denkt jemand, daß Jesus Wunder tun konnte, weil Er eigentlich Gott war, aber so ist es nicht. Er war Gott vor der Schöpfung, aber Er legte alle Seine Gottheit ab und wurde Mensch wie wir, ausgenommen die Sünden“.

Selbst die ersten Worte aus dem zweiten Satz, die bei oberflächlichem Lesen sehr schön klingen, gehen nicht weiter als das Gott entehrende Bekenntnis der Arianer: „Ich behaupte, dаß der Sohn vor den Zeiten seinen Anfang hatte aus dem Vater, Gott aus Gott, Licht aus Licht. Aber ich behaupte, daß Er dem Vater nicht gleich ist“ (Bischof Germinius in dem theologischen Gespräch, das am 3. Januar 366 in Sermium, im heutigen Jugoslawien, stattfand).

Der Herr Jesus ist nicht „Gott seit vor der Schöpfung“, sondern Er ist der „ICH BIN“, der EWIGE, so wie der Vater, und so wie der Heilige Geist. Und das war Er auch auf Erden. Er war der ewige Gott, als Er in der Krippe von Bethlehem lag. Er war es, als Er, ermüdet von der Reise, hungrig und durstig am Jakobsbrunnen saß (Johannes 4). Und Er war es, als Er am Kreuz das wunderbare Erlösungswerk vollbrachte.

Er ist wahrhaftiger Mensch geworden, geboren von einem Weibe. Aber Er war „Gott geoffenbart im Fleische“ (1. Tim. 3, 16); „Der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist“ (Johannes 1, 18). In Ihm wohnte die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kolosser 2, 9). Gott sprach im Sohn (wörtlich: „Gott sprach in Sohn“ – ohne Artikel) Hebräer 1, 1. Konnte Gott aufhören, Gott zu sein? Konnte der Dreieinige Gott aufhören, der Dreieinige Gott zu sein?

Er war der wahrhaftige Gott, und Er war wahrhaftig Mensch. Doch eine Person. Wehe dem Menschen, der in dieses Wunderbare eindringen will. Wehe dem Menschen, der Ihn auf einen Boden mit uns bringen will, und wäre es auch als den Vornehmsten (Lukas 9, 33-36). Der Vater wacht über die Ehre Seines Sohnes, der in wunderbarer Herrlichkeit den Platz der Unterwürfigkeit unter den Willen des Vaters freiwillig einnehmen wollte (Johannes 8, 50).

Selbst der letzte Buchstabe des oben zitierten Satzes ist falsch und greift die Herrlichkeit des Sohnes Gottes an. Es muß nicht heißen „ausgenommen die Sünden“, sondern „ausgenommen die Sünde“. Er hatte nicht nur nicht gesündigt, sondern es war auch keine Spur von einer sündigen Natur in Ihm. „Der, der Sünde nicht kannte“ (2. Korinther 5, 21). „Sünde ist nicht in ihm“ (1. Johannes 3, 5). „Das Heilige, das geboren werden wird, wird Sohn Gottes genannt werden“ (Lukas 1, 35). Hier muß ich an das Wort von Maria denken: „ …Weil sie meinen Herrn weggenommen, und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt haben“ (Johannes 20,13).

Das schlimmste dabei ist, daß Menschen dies schreiben und lehren, die behaupten, die Fülle des Geistes empfangen zu haben; und die behaupten, daß das, was sie sagen und schreiben, durch den Heiligen Geist inspiriert ist.

Gottes Wort lehrt uns, daß es drei Quellen gibt, aus denen Zeichen, Wunder, Prophezeiung, Heilungen usw. hervorkommen können:

1) Die göttliche Quelle, Joel 2, 28 – 32
2) Eine menschliche Quelle, Jeremia 23, 16. 25 – 27; Hesekiel 13, 2
3) Die teuflische Quelle, Offenbarung 16, 13. 14; Apostelgeschichte 16, 16; 1. Könige 22, 21- 22.

Und daneben lehrt uns Gottes Wort, daß eine Vermengung von Einflüssen vorliegen kann (siehe Matthäus 16, 21-23; Philipper 1, 14-17).

Kann eine Bewegung, bei der sowohl die Grundsätze als auch die praktischen Äußerungen so sehr in Widerspruch zu Gottes Wort stehen, und in der so viele Dinge vorkommen, durch die der Herr Jesus entehrt wird, aus Gott sein? Aber aus welcher Quelle kommt sie dann?

Ja, es gibt Gläubige in dieser Bewegung. Ich kenne einige persönlich, die ich sehr liebhabe, und ich bete für sie, daß Gott sie aus diesen Banden befreie.

Weil es Gläubige darin gibt, vielleicht sogar viele, kann nicht alles verkehrt sein. Wo die göttliche Natur da ist, muß sie sich auf die eine oder andere Weise zeigen. Aber die Frage ist nicht, ob alles verkehrt ist, sondern die einzige Frage ist, ob die Grundsätze nach Gottes Gedanken sind, und ob der Gehorsam gegen den Herrn Jesus uns dahin bringt. Und darin gibt es für mich nur eine Antwort: Nein! Die Stimme, die aus dieser Bewegung klingt, ist nicht die Stimme des guten Hirten, die Stimme Dessen, der Sein Leben für mich gelassen hat. Und mein tägliches Gebet ist:

O Herr, dies eine bleibe mir,
daß stets ich wandle treu mit Dir!

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