Toleranz im Islam

image_pdfimage_print

P. Newton und M. Rafiqul Haqq

Toleranz im Islam

„Es gibt keinen Zwang in der Religion“ (Koran 2:256). Mit diesem Satz aus dem Koran verteidigen sich die Muslime gegen den Vorwurf, daß der Islam eine intolerante Religion sei. Dieser Vorwurf hat die Muslime verfolgt seit den Anfängen des Islam. Ist dieser Vorwurf tatsächlich begründet oder nicht?

Wir wollen bei der Suche nach einer Antwort hören, was muslimische Gelehrte selbst zu dieser Frage sagen, insbesondere auch zu dieser Textstelle. Wir wollen dazu noch etliche historische Fakten zu dem Thema betrachten.

Kein Zwang  –  wann gilt das?

Der Gelehrte Nahas schrieb zu dem Koranvers Es gibt keinen Zwang in der Religion: „Die Gelehrten waren in bezug auf Koran 2:256 unterschiedlicher Meinung. Etliche sagten: ,Dieses Wort ist aufgehoben worden, denn der Prophet zwang die Araber, den Islam anzunehmen, er bekämpfte sie und ließ ihnen keine Wahl, sie mußten sich dem Islam unterwerfen.‘

Der Vers, welcher Koran 2:256 gewissermaßen entgegensteht und somit aufhebt, ist Koran 9:73: ‚O Prophet, stelle dich gegen die Ungläubigen und die Heuchler und faß sie hart an.‘

Hier erbat Mohammed sich von Allah die Erlaubnis, die Ungläubigen und die Heuchler zu bekämpfen, und das wurde ihm gestattet.

Andere Gelehrte hielten Koran 2:256 nicht für aufgehoben, sie sagten, der Vers sei für eine spezielle Situation gegeben. Er sei geoffenbart im Blick auf die Leute des Buches (Juden und Christen), diese sollten nicht zur Annahme des Islam gezwungen werden, wenn sie die Jizia bezahlten (das ist eine Kopfsteuer für freie Nichtmuslime unter muslimischer Herrschaft). Nur die Götzenanbeter müßten zum Islam gezwungen werden, auf sie treffe Koran 9:73 zu.  –  Das ist die Ansicht eines Ibn ‚Abbas, und aufgrund einer fortlaufenden Traditionskette ist diese Auslegung die sicherste.“

Die muslimischen Gelehrten sind sich darin einig, daß alle Heiden, mit Ausnahme der Juden und Christen, für welche Koran 2:256 gilt, mit Gewalt gezwungen werden können, den Islam zu akzeptieren. Ob nun Koran 2:256 aufgehoben wurde oder nicht, in einem stimmen alle Gelehrten überein: es ist eine historische Tatsache, daß „der Prophet die Araber zur Annahme des Islam zwang und ihnen keine andere Wahl ließ. Sie mußten sich dem Islam unterwerfen.“

Die Berechtigung für Zwang

Die muslimischen Gelehrten mußten für diesen Zwang eine Rechtfertigung finden. Einer von ihnen gibt uns folgende Begründung: „Durch das Wort ‚kein Zwang‘ wird jedes Vorgehen verurteilt, womit man Menschen zu bösem Tun zwingt  jedoch: es ist eine religiöse Pflicht, Menschen mit Zwang zur Wahrheit zu führen.

Tötet man den Ungläubigen um irgendeiner anderen Ursache als um seiner Religion willen? Der Prophet sprach: Ich habe Befehl, alle Völker zu bekämpfen, bis sie zustimmen und anerkennen, daß kein anderer das Recht hat, sich verehren zu lassen, als nur Allah allein. Dieser Hadith ist die Fortführung des Wortes von Allah: Kämpft gegen sie, bis es keine Verführung mehr gibt und bis die Religion nur noch Gott gehört‘ (Koran 2:193).

Wir fragen nun, wie man Menschen zur Wahrheit zwingen kann, wo doch allein schon diese Gewaltanwendung eine Verletzung des Willens des Opfers darstellt. Die erste Antwort lautet: Allah sandte Mohammed, daß er die Menschen zu Ihm rufe, ihnen den Weg zur Wahrheit zeige, und daß er für diesen Auftrag viel Leid und Gefahr ertrage…, bis sich Allahs Wahrheit als echt erwies…, und bis Sein Apostel stark wurde, da gebot Er ihm, die Menschen mit Hilfe des Schwertes zu rufen…, denn es gibt für sie nun keine Entschuldigung mehr, wenn sie einmal gewarnt sind.

Die zweite Antwort ist: Zwar müssen die Menschen zuerst mit Gewalt zum Glauben gezwungen werden, wenn aber der Islam dann zur vorherrschenden Religion wird…. wenn sie sich vermischen und Freunde gewinnen…. dann wird ihr Glaube stark und wird zuletzt ernsthaft und echt.“

Fassen wir die Aussagen dieses Textes zusammen:

1) Die Muslime halten es für ihr Recht, Menschen zur Annahme des islamischen Glaubens zu zwingen, weil dieser die Wahrheit ist.
2) Die Muslime glauben, daß Mohammed von Gott den Auftrag erhalten hat, andere Menschen zu bekämpfen, und zwar weder zur eigenen Verteidigung noch aus irgendwelchen wirtschaftlichen oder
    politischen Gründen, sondern allein deshalb, weil diese Menschen nicht denselben Gott verehrten, dem Mohammed diente.
3) Der oben zitierte Gelehrte achtet den freien Willen des Menschen nicht. In seinen Augen wird diese Zwangsbekehrung zum Islam später dadurch gerechtfertigt, daß die Leute dann Muslime sind. Es ist
    somit keine Übertreibung zu sagen, das Schwert sei Allahs letztes Wort.

Aufgehobene Verse

Koran 2:256 ist nicht der einzige Vers, der von Toleranz spricht und später „aufgehoben“ worden ist, d.h. inhaltlich gestrichen, auch wenn er bis heute noch im Koran zu lesen ist! Wir finden im frühen Islam noch andere solche Stellen. Da ist beispielsweise Koran 2:62:

„Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die Juden sind, und die Christen und die Sabäer, alle die, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben und Gutes tun, erhalten ihren Lohn bei ihrem Herrn, sie haben nichts zu befürchten, und sie werden nicht traurig sein.“

Diese Feststellung wird an anderer Stelle wiederholt: „Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die Juden sind, und die Sabäer und die Christen, alle die, die an Gott und an den Jüngsten Tag glauben und Gutes tun, haben nichts zu befürchten und sie werden nicht traurig sein“ (Koran 5:69).

Diese beiden Aussagen wurden aufgehoben durch folgenden Vers in Koran 3:85:

„Wer eine andere Religion als den Islam sucht, von dem wird es nicht angenommen werden. Und im Jenseits gehört er zu den Verlierern.“

Ibn Hasm al-Andalusi, der Autor von Al-Nnasikh wal-Mansuk, stellt fest, daß 114 verschiedene Verse von Toleranz im frühen Islam sprechen, aber sie wurden alle noch vor Mohammeds Tod269 aufgehoben durch den einen Spruch: „Tötet die Götzenanbeter, wo immer ihr sie findet“ (Koran 9:5).

Wir führen hier noch etliche der aufgehobenen Verse an: „So übe milde Nachsicht“ (Koran 15:85).  –  „Sprecht freundlich zu den Menschen“ (Koran 2:83).  –  „Wenn dein Herr wollte, würden die, die auf der Erde sind, alle zusammen gläubig werden. Bist du es etwa, der die Menschen zwingen kann, gläubig zu werden‘?“ (Koran 10:99).  –  „Ihr habt eure Religion, und ich habe meine Religion“ (Koran 109:6).

Alle diese Aussagen sind aufgehoben durch Koran 9:5. Ibn Hasm al-Andalusi schrieb: „Und kämpft auf dem Weg Gottes gegen die jenigen, die gegen euch kämpfen, und begeht keine Übertretungen (keinen Angriff). Gott liebt die nicht, die Übertretungen begehen (angreifen)‘ (Koran 2:190).

Im Auftrag von Ga’far ar-Rasi sagte Rabi Ibn ‚Ons von ‚Abil-‚Alijah: Dies ist der erste im Koran geoffenbarte Vers zu den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Madina. Bis zu dieser Eingebung bekämpfte der Prophet alle, die ihn bekämpften, und ging jenen aus dem Wege, die ihm aus dem Weg gingen. So geschah es bis zur Offenbarung von Sure 9.

Derselben Ansicht ist auch ‚Abd ar-Rahman Ibn Sajld Ibn ‚Aslam, denn er sagte, dieser Vers sei gelöscht worden durch Koran 9:5: Tötet die Götzenanbeter, wo immer ihr sie findet.

Es sind jedoch nicht alle Gelehrten mit dieser Aufhebungs-These einig. Sie argumentieren, es entspreche nicht dem Charakter Gottes und sei eine seiner nicht würdige Annahme, zu glauben, daß Er seine eigenen Gebote wieder aufhebe. So sieht der zeitgenössische Akademiker Dr. Sobhy as-Saleh in Koran 2:256 und Koran 9:73 nicht eine Aufhebung, sondern eine Aufschiebung des Befehls, die Ungläubigen zu bekämpfen. Zur Untermauerung seiner These zitierte er Imam Sujuti, den Autor von Itqan Fi’Ulum al-Qur’an: „Der Befehl, die Ungläubigen zu bekämpfen, wurde aufgeschoben bis zu dein Zeitpunkt, wo die Muslime stark genug sein würden. Solange sie noch schwach waren, standen sie unter dem Gebot, zu dulden und Geduld zu üben.“

In einer Fußnote kommentiert Dr. Sobhy die Meinung eines Gelehrten namens Sarkaschi, der folgendes schrieb: „Allah, der Allerhöchste und Weiseste, offenbarte Mohammed zu einer Zeit äußerer Schwäche, was dieser Situation angepaßt war. Er tat dies in seiner Güte gegenüber Mohammed und dessen Nachfolgern. Denn hätte Er ihnen, als sie schwach waren, das Gebot gegeben zu kämpfen, so wäre dies für sie sehr schwierig und unangenehm gewesen. Als der Höchste dann aber den Islam siegreich werden ließ, da gebot Er dem Mohammed das, was der veränderten Situation entsprach, nämlich die Juden und Christen vor die Wahl zu stellen, selbst Muslime zu werden oder aber die auferlegte Steuer zu bezahlen. Den Ungläubigen jedoch ließ er nur die Wahl zwischen dem muslimischen Glauben oder dem Tod.
Je nach ihrem schwachen oder starken Zustand kann die muslimische Gesellschaft also ihr Verhalten ändern, sie hat beide Möglichkeiten: kämpfen oder den Frieden bewahren.“ – Ob Koran 2:256 nun aufgehoben oder Koran 9:73 aufgeschoben ist – in beiden Fällen lautet das Resultat für die Ungläubigen: entweder Annahme des Islam oder Tod durch die Hand der Nachfolger des Islam.
Der authentische Hadith bestätigt diese Aussage. In dem als Sahih Buchari bekannten Hadith finden wir ein Kapitel mit der Überschrift: „Das Wort Allahs: ,Aber wenn sie umkehren, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann laßt sie ihres Weges ziehen‘ „(Koran 9:5).

In diesem Kapitel überliefert uns Buchari folgenden Hadith: „Ibn ‚Umar berichtete: Allahs Apostel sprach: Ich habe den Befehl erhalten, die Völker zu bekämpfen, bis sie anerkennen, daß niemand außer Allah das Recht hat, sich anbeten zu lassen, und daß Mohammed der Apostel Allahs ist, bis sie die Gebete richtig verrichten und die vorgeschriebene Abgabe entrichten. Wenn sie dies alles tun, so retten sie damit ihr Leben und ihr Eigentum von meiner Hand, nicht aber von den Gesetzen des Islam, und die Abrechnung wird Allah mit ihnen halten.“

In dem Kapitel „Das Paradies ist unter bloßen Schwertern“ gibt uns Buchari diesen Hadith: Unser Prophet lehrte uns die Botschaft unseres Gottes, daß.., wer auch immer unter uns getötet würde, der wird ins Paradies gehen. – ‚Umar fragte den Propheten: Ist es nicht so, daß die reinen Männer, wenn sie getötet werden, ins Paradies gehen, jene aber (die Heiden) werden in das Feuer (der Hölle) gehen?‘ Der Prophet antwortete: Ja. – Buchari überliefert uns auch dieses Wort aus Mohammeds Mund: Wisset, das Paradies liegt unter dem Schatten der Schwerter.

Wir sehen, wie der authentische Hadith von Buchari dieses Konzept bestätigt und lobt. Es ist dies der Plan, die Ungläubigen mit Gewalt zur Annahme des Islam zu zwingen.

Zeitgenössische Meinungen

Dr. M. Khan ist der Übersetzer des Sahih Buchari ins Englische. In der Einleitung zu seiner Arbeit schrieb er: „Allah offenbarte in der Sure Bara’at (Reue) das Gebot, alle Verpflichtungen gegen die Ungläubigen aufzugeben, und befahl den Muslimen, gegen alle Heiden ebenso zu kämpfen wie gegen die Juden und die Christen, falls diese den Islam nicht akzeptierten, bis sie mit williger Unterwerfung die Jizia bezahlen (eine den Juden und den Christen auferlegte Steuer) und sich als überwunden ansehen würden (wie in Koran 9:29 geoffenbart). Deshalb war es den Muslimen nicht erlaubt, den Kampf gegen die Heiden, Juden und Christen aufzugeben, sich mit ihnen auszusöhnen und die Feindseligkeiten gegen sie einzustellen, das galt für einen unbegrenzten Zeitraum, solange sie stark sind und die Möglichkeit zum Kampf haben. Es war also der Kampf zwar zuerst verboten, dann wurde er aber erlaubt und zuletzt sogar Pflicht.“

Dr. M. Khan erläutert uns in einer sehr offenen Art, wie Allah in diesem einen Vers in Koran 9:5 Mohammed gebot, alle Verträge aufzulösen und sowohl Heiden als auch Juden in gleicher Weise zu bekämpfen, selbst die Christen werden nicht ausgenommen, obwohl der Koran an einer älteren Stelle wie folgt über sie urteilt: „Du wirst sicher finden, daß diejenigen, die den Gläubigen (Muslimen) in Liebe am nächsten stehen, die sind, welche sagen: Wir sind Christen “ (Koran 5:82).

Hier haben wir ein klares Zeugnis des Koran über die Liebe, welche die Christen zur Zeit des Mohammed den Muslimen entgegenbrachten.

An diesem Punkt drängt es uns, den Leser auf folgenden Gegensatz aufmerksam zu machen: Allah gebot Mohammed, selbst jene zu bekämpfen, die den Muslimen Liebe erwiesen  Christus aber gebot Seinen Nachfolgern, ihre Feinde zu lieben.

„Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und bittet für die, die euch verfolgen… Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben?“ (Matth. 5,43).

Gegen dies Gebot verstoßend haben sogenannte Christen viele Greuel im Lauf der Geschichte verübt. Jesus hat Seine Nachfolger nie zum Kampf aufgefordert, Er lehrte die Liebe zu den Feinden. Allah und Mohammed jedoch gebieten den Muslimen, alle Verträge zu löschen und sogar ihre Freunde zu bekämpfen.

Dr. M. Khan fährt fort: „Die Mudschahedin sollten die oberste Gewalt bekommen  sie, die alle Feinde Allahs mit dem Ziel bekämpfen, daß die Anbetung und Verehrung Allah allein zuteil wird, und keiner anderen Gottheit neben ihm, denn es hat niemand das Recht, sich verehren zu lassen, außer Allah und seine Religion, der Islam.“

Allahs Wort zeigt uns zur Genüge die Bedeutung des Dschihad, des „Heiligen Krieges“: „O ihr, die ihr glaubt, soll ich euch auf einen Handel hinweisen, der euch vor einer schmerzhaften Pein rettet? Ihr sollt an Gott und seinen Gesandten glauben, euch für den Weg Gottes mit eurem Vermögen und mit eigener Person einsetzen  es ist besser für euch, wenn ihr Bescheid wißt  dann wird Er euch eure Sünden vergeben und euch eingehen lassen in… die Gärten von Eden. Das ist der großartige Erfolg“ (Koran 61:10-12).

In einer islamischen Zeitschrift lesen wir folgendes: „Wir möchten allen Bewohnern der westlichen Hemisphäre klar sagen, daß aus zwei Gründen weder der Islam noch sonst eine wahre Religion den Menschen aufgezwungen werden kann. Zum einen besteht nach all den klaren Beweisen, der logischen Argumentation und den offenkundigen Wundern überhaupt keine Notwendigkeit für eine Gewaltanwendung. Nur derjenige greift zu Gewalt und Zwang, dem logische Argumentation und beweiskräftiges Wissen fehlt. Die göttliche Religion hat jedoch gesunde, logische und starke Beweise. Zum anderen aber kann der Einfluß von Gewaltmaßnahmen und vom Schwert wohl seine Wirkung auf die Körper haben, nicht aber auf Gedanken und Glauben.“

Bis hierher klingen die Argumente gesund und logisch, es gibt da nichts zu widersprechen. Aber hören wir weiter: „In der Tat nimmt der Islam in drei Fällen Zuflucht zu militärischer Gewalt:

1. Zum Zweck der Ausrottung von Vielgötterei und Götzendienst. Denn der Islam hält Götzenverehrung nicht für eine Form von Religion, vielmehr sieht er darin eine Abweichung, eine Krankheit, einen Mythos. Der Islam lehrt die Überzeugung, daß man nicht einer Gruppe von Menschen erlauben sollte, den Pfad der Abweichung und der Mythen zu betreten, vielmehr sollte man sie daran hindern. Deshalb ruft der Islam die Götzenverehrer zur Einheit Gottes, und wenn sie dies nicht beachten, so greift er auf Gewalt zurück, damit die Götzen zerschlagen und die Tempel zerstört werden. Der Islam versucht, jedes Auftreten von Götzenverehrung zu hindern, damit soll der Ursprung dieser geistigen Krankheit zerstört werden.

2. Um jeder Verschwörung zu begegnen, die den Islam auslöschen will. In solchen Fällen gibt es ausdrücklichen Befehl, sich aktiv am VerteidigungsDschihad zu beteiligen und zu Gewalt zu greifen.

3. Um Freiheit zu erlangen für religiöse Propagandatätigkeit. Denn jede Religion sollte das Recht haben, ihre Lehre in logischer Argumentation zu propagieren, und wenn irgend jemand dies zu hindern sucht, so sollte dieses Recht mit Waffengewalt erkämpft werden.“

Läßt sich der Gedankensprung in den obigen Worten so erklären, daß dieser Artikel das Werk zweier Autoren ist, von welchen der eine glaubt, daß „nur derjenige zu Gewalt und Zwang greift, dem logische Argumentation und beweiskräftiges Wissen mangelt“, dem anderen Autor fehlt offensichtlich gerade diese Ausrüstung, trotzdem glaubt er leidenschaftlich an das Recht der Muslime auf Gewaltanwendung?


Zwang in jedem Fall

Ghasali (gestorben 505 H, das ist 1127 n.Chr.), der gut fünf Jahrhunderte nach der Zeit Mohammeds den Titel „huggat al-Islam“, das heißt „Fels des Islam“, erhielt, scheute sich nicht, die Anwendung von Gewalt zu Schutz und Fortschritt des Islam zu empfehlen:

„Nach dem Tod Mohammeds, des Mannes voller Wunder (des Korans), des Apostels der Wahrheit, und seiner Gefährten, befürchtete man eine Schwächung des Islam, eine zahlenmäßige Abnahme seiner Nachfolger und die Rückkehr großer Volksgruppen zu ihrem früheren Götzendienst, und man erkannte, daß die wichtigste Aufgabe, die besser als alle Wissenschaften und Studien war, Heiliger Krieg‘ hieß, und das bedeutete Überfall auf andere Länder um Allahs willen, es bedeutete, mit dem Schwert den Ungläubigen die Köpfe einzuschlagen und Menschen zur Religion Allahs zu bringen.“

Ghasali nimmt in diesem Zitat Bezug auf die sogenannten Abtrünnigkeitskriege (hurub ar-Riddah). Diese Ereignisse trugen sich zur Zeit des Abu Bakr zu, als die arabischen Stämme den Islam von sich wiesen und deshalb mit dem Schwert zurückgebracht werden mußten. Diese Kriege – es handelt sich nicht nur um einen einzigen Krieg – dauerten fast zwei Jahre (von 632 bis 634 n.Chr.). Das ist eine geschichtliche Tatsache. Etliche neuere Schriftsteller wollen uns glauben machen, jene Kriege seien wirtschaftlicher und politischer Natur gewesen, aber die Historiker berichten es uns anders. Der Geschichtsschreiber Ibn Hischam überliefert uns eine Aussage ‚Aischas, der Frau des Propheten: „Als der Prophet starb, wiesen die Araber den Islam von sich und nahmen Judentum und Christentum und den Stern von Nifak‘ an.“

Darüberhinaus bedeutet das Wort „riddah“, mit welchem diese Kriege bezeichnet werden, Abfall und Abtrünnigkeit. So ist der religiöse Hintergrund dieser Kämpfe deutlich zu erkennen an dem Gebrauch dieses religiösen Begriffes. Wenn die Araber den Islam bereitwillig angenommen hätten, weshalb stießen sie ihn dann von sich, als der Prophet des Islam gestorben war“ Ein schriftliches Zeugnis aus jener Zeit gibt zu, daß die Araber zur Annahme des Islam gezwungen worden waren. Wir lesen:

„Es ist von Bedeutung, festzuhalten, daß die Bewohner der Arabischen Halbinsel zu Anfang den Islam nicht bereitwillig und aufrichtig angenommen haben. Das erklärt die Notwendigkeit der Gewaltanwendung im Verlauf des Abtrünnigkeitskrieges (riddah) nach dem Tod des Propheten… Die Araber, die am Rand der Halbinsel lebten und erst seit kurzem zum Islam bekehrt waren, verweigerten die Abgabe der Steuer, manche rebellierten gegen die islamische Vorherrschaft, andere kehrten sich sogar vom Islam ab. Die Einwohner Mekkas wollten ebenfalls den Islam aufgeben, sie waren auf dem Wege dazu, bis ‚Attab Ibn Osajid sie bedrohte.., und hätte Sohail Ibn ‚Amr sie nicht bezwungen, so wären sie nicht zum Islam zurückgekehrt.

Es ist historisch klar ersichtlich, daß ohne jene Kriege diese Stämme, die den Islam abwiesen, Nichtmuslime geblieben wären.

Kann man diese Kämpfe als einen Akt religiöser Toleranz bezeichnen? Sie stehen in der Geschichte als herausragendes Beispiel religiöser Intoleranz des Islam da.

Die folgende Aussage aus dem Mund des bekannten Gelehrten Ghasali bestätigt den Gebrauch des Schwertes zur Ausbreitung des Islam: „Gleichermaßen wie man denkenden Menschen mit akademischer Theologie begegnet, um ihnen die Wahrheit nahezubringen und sie zu überzeugen, so gebraucht man bei den Ungläubigen das Schwert, nachdem man sie mit der Wahrheit bekannt gemacht hat… Man kann deshalb ebensogut das Schwert als Mohammeds beredtestes Argument bezeichnen, so wie die gelehrte Theologie als höchste Wissenschaft dasteht.“

Wir haben früher schon gesehen, daß das Schwert Allahs letztes Wort war, und aufgrund des obenstehenden Zeugnisses war unabhängig von der akademischen Theologie das Schwert doch Mohammeds redegewandtestes und überzeugendstes Argument.

Die aussagekräftigste Beurteilung der zentralen Bedeutung des Schwertes im Islam stammt aus der Feder eines modernen Gelehrten. Dieser Artikel ist in Al-Azhar, dem angesehensten Magazin der muslimischen Welt, erschienen: „Dschihad, der heilige Krieg, ist eine arabische Tugend und zugleich eine gottgegebene Verpflichtung: ein Muslim ist sich immer bewußt, daß seine Religion ein Koran und ein Schwert ist…. der Muslim ist folglich für immer ein Krieger.“

Diese Aussage steht mit allen im Einklang: mit dem Koran, dem Hadith, der geschichtlichen Entwicklung des Islam, und ebenso mit den alten und neuen Lehrern des Islam.

 

Dieser Beitrag wurde dem dreiteiligen Buch IST ALLAH GOTT? entnommen. Die Hervorhebungen im Text sind von mir.  Horst Koch, Herborn, im November 2010

Die beiden anderen Teile des Buches sind: Handabhacken im Islam und Frauen im Islam.  Siehe unter:  www.horst-koch.de

info@horst-koch.de

image_pdfimage_print