Streit um Zion – Teil 3 D.Reed

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Douglas Reed

 

Der Streit um Zion  –  Teil 3

 

 

 

Kapitel 29  Der Ehrgeiz des Oberst House
Kapitel 30  Erster Weltkrieg
Kapitel 31  Ein Netz von Intrigen
Kapitel 32  Abermals die Weltrevolution
Kapitel 33  Die Liga zur Erzwingung des Friedens
Kapitel 34  Das Ende Lord Northcliffes
Kapitel 35  Die nationale Heimstatt
Kapitel 36  Die merkwürdige Rolle der Presse
Kapitel 37  Die Manager, die Erlöser und die Massen
Kapitel 38  Ein kleines fernes Land
Kapitel 40  Die Revolution breitet sich aus
Kapitel 41  Die Talmudistische Rache

 

 

 

Wegen der Überlänge habe ich das Buch in vier Teilen dargestellt.

 

Teil 1 beinhaltet die Kapitel 1 bis 18.
Teil 2 beinhaltet die Kapitel 19 bis 28.

In Teil 4 folgen Kap. 42 bis 46. Alles wegen des grossen Umfangs des Werkes. Allerdings vermittelt das Gesamtwerk von Herrn Reed ein tiefgründiges verstehen der Geschichte des jüdischen Volkes.

 

Erwähnt werden muss noch, dass Herr Reed nur die Seite des vom biblischen Wege abgefallenen Volkes Israel darstellt, des talmudistischen Judentums. Daneben gibt es auch die Linie des gläubigen Überrests, von Mose über die Propheten bis zum Messias Jesus. Beide Teile gehören zu dem, was in der Bibel Israel genannt wird … – Die Heilsgeschichte ist eben eingebettet in die Weltgeschichte …

 

Die Hervorhebungen im Text sind von mir. Horst Koch, Herborn, 2013

 

 

Kapitel 29:  Der Ehrgeiz des Oberst House

 

Während Arthur Balfour und die verschworene Gemeinschaft, mit der er zwecks Verwirklichung seiner geheimen Pläne zusammenarbeitete, nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in England immer mehr an Einfluss gewannen, machte in den Vereinigten Staaten von Amerika eine ähnliche Gruppe von Männern mobil. Die von ihnen geschaffene politische Maschinerie triumphierte Jahrzehnte später, als in Palästina unter der Ägide Präsident Trumans tatsächlich ein zionistischer Staat gegründet wurde, auf der ganzen Linie.  

 

Um 1900 herum hingen die Bürger der USA immer noch ihrem »amerikanischen Traum« an, und die Vermeidung jeglicher Verstrickung in fremde Konflikte war ein zentraler Bestandteil davon. Allerdings war Amerika mit seinem Angriff auf die Spanier in Kuba bereits von der Doktrin der Nichteinmischung abgerückt; die mysteriösen Hintergründe jenes kurzen Krieges beschäftigen die Forscher weiterhin. Die amerikanische Öffentlichkeit wurde damals durch die bewährten Techniken der Propaganda in einen wilden Kriegsrausch versetzt, indem man ihr weismachte, das US-Schiff Maine sei im Hafen von Havanna durch eine spanische Mine versenkt worden. Als das Wrack viele Jahre später geborgen wurde, stellte sich heraus, dass das Schiff infolge einer inneren Explosion gesunken war, doch zu diesem Zeitpunkt hatte der „Mob“ sein Interesse an dieser Angelegenheit längst verloren.

 

Die Folge des spanisch-amerikanischen Krieges war, dass sich die USA auch weiterhin immer wieder in fremde Händel einmischten. Dies verlieh der Frage, wer in Washington regierte, erhöhte Wichtigkeit: schließlich entschied die amerikanische Regierung darüber, welche fremden Konflikte ihr Land etwas angingen und welche nicht. Um diese Frage schlüssig zu beantworten, muss man in der Geschichte noch weiter zurückgehen, nämlich in die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865). Ohne dass sich die kämpfenden Parteien (die Nordstaaten und die Südstaaten) dessen bewusst waren, beeinflusste der Ausgang jenes Krieges erstens die künftige ethnische Zusammensetzung der amerikanischen Bevölkerung und zweitens den Charakter der amerikanischen Regierung in entscheidendem Maße.

 

Vor dem Bürgerkrieg bestand die Bevölkerung der Vereinigten Staaten größtenteils aus Menschen irischer, schottischer, englischer, deutscher und skandinavischer Herkunft; aus diesem Gemisch nordeuropäischer Völkerschaften entstand ein neuer, unverwechselbarer Menschentyp, der »Amerikaner«. Als direkte Folge des Bürgerkrieges wurden die Schleusen für Einwanderer aus verschiedenen anderen Teilen der Welt immer weiter geöffnet, und die USA erwarben Millionen neuer Bürger aus Ost- und Südeuropa, darunter eine große Anzahl von Juden aus den talmudistisch beherrschten Gebieten Russlands sowie dem zu Russland gehörenden Teil Polens. In ihrer alten Heimat hatte das Rabbinat der Assimilation dieser Juden einen Riegel vorgeschoben, und daran änderte sich auch auf amerikanischem Boden kaum etwas. Unter diesen Umständen stellte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Frage, welche Rolle die jüdischen Führer in der amerikanischen Politik im Allgemeinen und der amerikanischen Außenpolitik im Besonderen spielen würden. Die spätere Entwicklung hat den Beweis dafür erbracht, dass die östliche Verschwörung in ihren beiden Formen, der kommunistischen und der zionistischen, die Vereinigten Staaten mit der jüdischen Masseneinwanderung erreichte. Um 1900 herum begannen die Juden hinter den Kulissen immer größere politische Macht an sich zu reißen, was das Schicksal der Nation in den kommenden fünf Jahrzehnten in steigendem Maß bestimmte.

 

Der Mann, der dieser Entwicklung Tür und Tor öffnete, hieß Edward Mandell House (obwohl er nie bei den Streitkräften gedient hatte, nannte man ihn meist »Oberst House«). In seinen Adern floss vorwiegend holländisches und englisches Blut; er stammte aus dem Süden des Landes und wuchs während der spannungsgeladenen »Periode des Wiederaufbaus«, die auf den Bürgerkrieg folgte, in Texas auf.

 

Edward House war eine markante Persönlichkeit. Wie andere Kenner den Geschmack einer seltenen Brandysorte genießen, genoss er es, insgeheim durch Strohmänner Macht auszuüben, und vertraute dies seinem Tagebuch offen an. Charles Seymour, der 1926 die Private Papers of Colonel House (»Privaten Unterlagen von Oberst House«) herausgab, berichtet, der Oberst habe das Rampenlicht der Öffentlichkeit gescheut, und zwar »aufgrund seines sardonischen Humors; der durch die Vorstellung angestachelt wurde, dass er, der er weder sonderlich reich war noch ein öffentliches Amt bekleidete, unsichtbar und ohne dass es jemand ahnte, allein durch die Macht seiner Persönlichkeit und seines scharfen Verstandes, den Lauf der Geschichte in eine neue Bahn lenkte«. Nur wenige Männer haben je so viel Macht ausgeübt, ohne sich vor irgend jemandem verantworten zu müssen.

 

Seymours Formulierung, wonach House »den Lauf der Geschichte in eine neue Bahn lenkte«, ist zutreffend: House trug entscheidend dazu bei, die amerikanische Außenpolitik vor den Karren des Zionismus, der Weltrevolution und der Bestrebungen zur Schaffung einer Weltregierung zu spannen. Dass er hinter den Kulissen enorme Macht ausübte, lässt sich ohne weiteres nachweisen; nicht so leicht beantworten lässt sich hingegen die Frage, welche Motive ihn dazu bewogen, in diesem Sinne zu wirken, denn was er in seinem Tagebuch und seinem Roman Philip Dru, Administrator hierzu schreibt, ist dermaßen wirr und widersprüchlich, dass man sich daraus kaum einen Reim machen kann.

 

Sucht man nach dem Ursprung der politischen Ideen des Oberst House (die anfangs identisch mit dem Kommunismus waren, später jedoch moderater wurden), so muss man sich mit dem einen oder anderen aufschlussreichen Indiz zufriedengeben. Sein Herausgeber hat in seinen frühen Schriften eine Notiz aufgestöbert, »die an Louis Blanc und die Revolutionäre von 1848 gemahnt«. Wie dem Leser noch erinnerlich sein dürfte, war Louis Blanc ein französischer Revolutionär, von dem es 1848 für kurze Zeit so aussah, als werde er dieselbe Rolle spielen wie später Lenin; er berief einen Kongress der Arbeiterräte ein, die den Sowjets von 1917 als Vorbild dienten.

 

Bei einem Texaner des späten 19. Jahrhunderts muten dergleichen Vorstellungen ebenso absonderlich an wie buddhistisches Gedankengut bei einem Eskimo. Tatsache ist jedoch, dass Edward House schon in seiner Jugend solchen Ideen anhing; offenbar hatte sie ihm jemand eingeimpft. Sein mittlerer Name, Mandell, war laut seinem Biographen Arthur D. Howden »der eines jüdischen Händlers in Houston, der zu den engsten Freunden seines Vaters gehörte; dass Vater House seinem Sohn einen jüdischen Namen gab, bezeugt seine positive Einstellung gegenüber dieser Rasse.« In Edward Houses Roman entsagt der Held allem Luxus und bezieht ein einfaches Zimmer in der East Side von New York. Sein Zimmergefährte ist ein polnischer Jude, der nach antijüdischen Ausschreitungen in Warschau nach Amerika ausgewandert ist; den Anstoß zu den Unruhen gab die Ermordung des Sohns eines hohen Regierungsbeamten »durch einen jungen Juden, der auf unerträgliche Weise schikaniert wurde«. Houses späterer Schwager und Berater war der Jude Dr. Sidney Mezes, Mitbegründer der Leage to Enforce Peace (Liga zur Erzwingung des Friedens), einer der ersten Organisationen, die sich in unserem Jahrhundert die Schaffung einer Weltregierung zum Ziel setzten.

 

Im Alter von achtzehn Jahren begann sich Edward House für Politik zu interessieren. Damals (man schrieb das Jahr 1876) waren in den USA Präsidentschaftswahlen, und er wurde sich gewahr, dass »zwei oder drei Männer im Senat, zwei oder drei im Repräsentantenhaus und der Präsident selbst die Regierungsgeschäfte führen. Die anderen waren bloße Galionsfiguren… Darum hatte ich nicht den Ehrgeiz, ein öffentliches Amt zu bekleiden oder als Redner aufzutreten.« In seinem 1912 erschienenen Roman legt er einem Politiker fast dieselben Worte in den Mund: »In Washington… bemerkte ich, dass die Regierung von einigen wenigen Männern geleitet wurde; Außerhalb dieses kleinen Kreises gab es niemanden von sonderlicher Bedeutung. Es war mein Ehrgeiz gewesen, wenn möglich in diesen Kreis einzudringen, doch nun ging mein Ehrgeiz so weit, nicht nur Teil davon, sondern ER SELBST zu sein… Der Präsident ersuchte mich, die Führung seines Wahlkampfs zu übernehmen… Er wurde mit überwältigender Mehrheit nominiert und wiedergewählt… und jetzt war ich in der Tat Mitglied des magischen Kreises, und mein Wunsch, keine Rivalen mehr zu haben, war seiner Erfüllung greifbar nahe gerückt… Ich wand ein fast unsichtbares Garn um das Volk, das es festhielt…«

 

Solche Ziele vor Augen, begann Edward House in Texas seine politische Karriere; »Ich fing nicht unten, sondern oben an… Es ist meine Gewohnheit, nominell jemand anders an die Spitze zu setzen, so dass ich die wirkliche Arbeit verrichten konnte, ohne durch die Forderungen gestört zu werden, die man an einen Chef richtet… Bei den Wahlkämpfen waren jedem der von mir gesteuerten Führer die Aufmerksamkeit und der Beifall sowohl der Presse als auch des Volkes sicher…Schon nach wenigen Monaten sprach in der Öffentlichkeit niemand mehr von ihnen… und wenn der nächste Wahlkampf kam, akzeptierten Presse und Volk die neue Galionsfigur mit größter Bereitwilligkeit.«

 

Edward House verdiente sich in Texas seine Sporen, ungefähr so, wie sich ein aufstrebender Schauspieler in der Provinz seine ersten Lorbeeren verdient. Als Parteiorganisator war er dermaßen erfolgreich, dass er um die Jahrhundertwende der wirkliche Herrscher des Staates war und Tag für Tag im Büro seines (von ihm ernannten und längst vergessenen) Gouverneurs im Capitol von Texas saß, wo er die Senatoren und Kongressabgeordneten des Staates auswählte und die Gesuche der zahlreichen Beamten bearbeitete, die einen Gouverneur gewöhnlich umlagern. Nach erfolgreicher Ablegung seiner Gesellenprüfung in der Provinz machte er sich an, die Hauptstadt zu erobern. 1900 war er »bereit, in der nationalen Politik mitzuwirken«. Nach weiteren Vorbereitungen begann er 1910, als der Erste Weltkrieg näher rückte, »nach einem geeigneten Vertreter der Demokratischen Partei für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat zu suchen«.

 

Somit war der mittlerweile 50 Jahre alte House ein Präsidentenmacher. Ehe ich seine Privaten Unterlagen las, war ich von den »unheimlichen Kenntnissen« des namhaften amerikanischen Zionisten und Rabbiners Stephen Wise mächtig beeindruckt. 1910 hatte Wise bei einer Rede in New Jersey gesagt: »Am Dienstag wird Woodrow Wilson seine Amtszeit als Gouverneur beenden; im November 1912 wird er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden, und ihm wird eine zweite Amtszeit beschieden sein.« Diese Weitsicht stand nicht hinter derjenigen der Protokolle, eines Leon Pinsker und eines Max Nordau zurück, aber bei meinen Nachforschungen stieß ich auf die Tatsache, dass Rabbiner Wise seine Informationen von Oberst House erhalten hatte!

 

Offenbar war Woodrow Wilson von der Gruppe von Eingeweihten, die sich damals zusammentaten, mit Argusaugen überwacht worden, denn bis zu jenem Zeitpunkt hatten weder Oberst House noch Rabbiner Wise ihn je getroffen! Doch wie Arthur Howden in seinem 1940 erschienenen Buch »Mr. House of Texas« berichtet, kam House zur Überzeugung, »er habe seinen Mann gefunden, obwohl er ihm nie begegnet war: Ich gelangte zum Schluss, dass Woodrow Wilson… diesem Amt als einziger in jeder Hinsicht gewachsen war«. Nach welchen Kriterien House darüber entschied, ob jemand einem Amt gewachsen war, enthüllte er im folgenden Absatz: »Das Schwierige daran, einen Präsidentschaftskandidaten zu finden, ist, dass der für das Amt geeignetste Mann nicht nominiert werden kann, und wenn er nominiert werden könnte, würde er nicht gewählt. Das Volk wählt selten den besten Anwärter auf diesen Posten; deshalb gilt es für den besten Mann zu arbeiten, der eine Chance besitzt, nominiert und gewählt zu werden, und unter den gegenwärtigen Umständen scheint Wilson dieser Mann zu sein.«

 

Unter den Männern, die Woodrow Wilson heimlich zum Präsidenten erkoren hatten, spielte Rabbiner Stephen Wise, der wie Herzl und Nordau in Ungarn geboren war und bei dem die Fäden der zionistischen und der revolutionären Bewegung zusammenliefen, eine Schlüsselrolle. Er war der führende zionistische Organisator in Amerika und als solcher in seinem Land eine Ausnahmeerscheinung, denn die Mehrheit der amerikanischen Juden lehnte den Zionismus zu jener Zeit noch ab und misstraute den Ostjuden. Laut Wises eigenen Worten war der Zionismus in den Vereinigten Staaten auf die jüdischen Einwanderer aus Russland beschränkt, die ihn aus den talmudistischen Ghettos mitgebracht hatten; die meisten US-Juden stammten damals aus Deutschland und wollten nichts vom Zionismus wissen. Zwischen 1900 und 1910 wanderten rund eine Million Juden aus Russland ein und bildeten unter der Kontrolle ihrer zionistischen Führer schon bald einen zunehmend wichtigen Wählerblock. Hier ist das Bindeglied zwischen Oberst Haus und Rabbiner Wise zu suchen. Wise, der damals vor allem als feuriger Redner, oder besser gesagt Agitator, bei Arbeitskonflikten in Erscheinung trat, war noch keine repräsentative Figur des amerikanischen Judentums; nichtsdestoweniger war er (wie Weizmann in England) der Mann, dem die politisch Mächtigen heimlich Audienzen gewährten und ihr Ohr liehen.

 

Wie schlagkräftig diese geheime Gruppe war, lässt sich schon daraus ersehen, dass im Jahre 1910, als Oberst House privat entschied, der nächste Präsident solle Woodrow Wilson heißen, Wise in aller Öffentlichkeit dasselbe verkündete und Wilson gleich zwei Amtsperioden prophezeite. Für den Rabbiner kam dies einem politischen Kurswechsel gleich, denn bisher hatte er stets die Republikanische Partei unterstützt, doch nachdem Oberst House insgeheim für Wilson optiert hatte, ging Wise zu den Demokraten über. Somit flossen die wirren »revolutionären« Gedanken des Oberst House und die kristallklaren zionistischen Ideen Wises auf der Stufe zum Weißen Haus zusammen. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten klappte wie am Schnürchen. Nach Wilsons Wahl zum Präsidenten berichtete Wise: »Wir erhielten von Oberst House, einem engen Freund des Präsidenten, warme und herzliche Unterstützung…House setzte sich nicht nur mit Feuereifer für unsere Sache ein, sondern diente auch als Verbindungsglied zwischen der Wilson-Regierung und der zionistischen Bewegung.« Hier zeigt sich, wie präzis die hinter den Kulissen wirkenden Strippenzieher in England und Amerika ihre Aktivitäten synchronisierten.

 

Das Geheimnis der Kontrolle, die House über die Demokratische Partei ausübte, lag in der Strategie, die er ausgeheckt hatte, um Wahlen zu gewinnen. Die Demokratische Partei befand sich seit bald einem halben Jahrhundert ununterbrochen in der Opposition, doch der Oberst hatte eine Methode ausgetüftelt, die ihr den Sieg mit annähernd mathematischer Gewissheit garantierte. Dass sie die Präsidentschaftswahlen von 1912 und 1916 gewann, war ebenso der konsequenten Umsetzung dieses Plans zu verdanken wie ihre fünf aufeinanderfolgenden Siege in den Jahren 1932, 1936, 1940, 1944 und 1948 (die ersten vier Male unter Roosevelt, das fünfte Mal unter Truman). Mit seiner genialen Wahlstrategie hat der Oberst die Entwicklung in Amerika dauerhaft beeinflusst. Seine politischen Iden waren nie klar formuliert und änderten sich häufig, doch schmiedete er ein unerhört wirksames Instrument zur Verwirklichung der politischen Ideen anderer.

 

Die Essenz seiner Strategie bestand darin, die »im Ausland Geborenen«, d. h. die Immigranten, durch Appelle an ihre rassischen Instinkte und ihre Emotionen für die Demokratische Partei zu gewinnen. Der Plan war bis in alle Einzelheiten durchdacht und das Erzeugnis eines hochkarätigen Strategen, der einen untrüglichen Riecher für das Politische hatte.

 

Das Einzigartige und Phantastische an diesem Plan bestand darin, dass House ihn anno 1912, als Wilson hinter den Kulissen zum künftigen Präsidenten erkoren wurde, anonym publizierte. In jenem ereignisreichen Jahr brachte der Oberst innerhalb von dreißig Tagen einen Roman mit dem Titel »Philip Dru: Administrator« zu Papier (die Wahl des ungewöhnlichen Wortes »Administrator« – »Verwalter« – für einen Regierenden erinnert an jene Passage in den Protokollen, wo von »den Verwaltern, die wir wählen werden«, die Rede ist). Das beängstigend realistische Kapitel »The Making of a President« (»Wie ein Präsident gemacht wird«) lässt diesen ansonsten kaum lesbaren Roman als historisches Dokument von erstrangiger Bedeutung erscheinen.

 

In diesem Kapitel seines Buchs geht es um einen amerikanischen Senator namens »Selwyn« der sich anschickt, »die absolute Herrschaft über die Nation auszuüben, doch ohne als lenkende Kraft in Erscheinung zu treten«. Hinter dem Namen Selwyn verbirgt sich House selbst; offenbar konnte er der Versuchung nicht widerstehen, dem Leser einen Hinweis auf seine Identität zu vermitteln, denn »Selwyn« lädt den Mann, den er zum Marionettenpräsidenten auserkoren hat, ein, »in meinen Gemächern im Mandell House zu Abend zu essen«.

 

Zuvor hat Selwyn gemeinsam mit einem »John Thor«, »dem Hohepriester der Finanzen«, einen »verruchten Plan« geschmiedet, mittels dessen »eine weitverzweigte Organisation« durch »arglistige Täuschung über ihre Ansichten und Absichten« versucht, »ihre Kreatur zum Präsidenten wählen zu lassen«. Die Finanzierung dieser geheimen Liga bereitete keine Probleme: »Thors Einfluss auf die Händlerwelt Amerikas war absolut… Thor und Selwyn wählten die tausend [Millionäre], die jeweils zehntausend Dollar geben sollten… Thor hatte die Aufgabe, jedem von ihnen weiszumachen, zur Regelung einer Angelegenheit, die für das Wohl der Geschäftswelt von Bedeutung sei, würden 20.000 Dollar benötigt; er, Thor, sei bereit, die Hälfte dieser Summe beizusteuern, und er erwarte von seinem Gesprächspartner einen Beitrag in derselben Höhe… Es gab nur wenige Geschäftsleute, die sich nicht glücklich schätzten, von Thor nach New York eingeladen und von ihm aufgefordert zu werden, gemeinsam mit ihm zur Bewahrung des Wohlstandes beizutragen. Das Geld dieses großen »Korruptionsfonds« wurde von Thor bei verschiedenen Banken hinterlegt und von dort aus auf die Privatbank von Selwyns Schwiegersohn transferiert, mit dem Ergebnis, dass die Öffentlichkeit keine Chance hatte, irgendetwas über diesen Fonds oder die Art, wie er verwendet wurde, zu erfahren.

 

Nachdem Selwyn die erforderliche Summe zusammengebracht hat, wählt er seine »Kreatur«, einen Mann namens Rockland (lies: Woodrow Wilson). Er lädt ihn zum Abendessen ins »Mandell House« ein und macht ihm klar, dass seine Verantwortung als Präsident »vielschichtiger« Art sein wird: »Ein Präsident hat zwar das verfassungsmäßige Recht, allein zu handeln, besitzt aber kein moralisches Recht, gegen die Grundsätze und Traditionen seiner Partei oder den Rat der Parteiführer zu handeln, denn das Land akzeptiert den Kandidaten, die Partei und die Parteiberater in ihrer Gesamtheit und nicht separat«. (Die Ähnlichkeit zwischen dieser Passage und den in den Protokollen auftauchenden Anspielungen auf »die Verantwortung der Präsidenten« und die letztendliche Autorität ihrer »Berater« ist nicht zu übersehen.) Rockland akzeptiert diese Bedingungen fügsam. Nach der Wahl »versuchte er, berauscht von der Macht und den Schmeicheleien der Speichellecker, ein- oder zweimal aus der Reihe zu tanzen und in wichtigen Fragen auf eigene Faust zu handeln, ohne Selwyn zuvor um Rat gefragt zu haben. Doch nachdem er von Selwyns Zeitungen heftig attackiert worden war… unternahm er keine weiteren Versuche mehr, eine unabhängige Politik zu betreiben. Er spürte, dass er hilflos in der Hand jenes starken Mannes zappelte, und so war es auch.« Es lohnt sich, diese Passage aus Oberst Houses 1912 (vor Wilsons Amtsantritt) veröffentlichtem Roman mit einer Stelle aus seinen Privaten Unterlagen aus dem Jahre 1926 zu vergleichen, in denen er seine Beziehungen zum Kandidaten während der Wahlkampagne schildert. Darin heißt es, House habe die Reden des Präsidentschaftskandidaten überarbeitet und ihn angewiesen, keinen anderen Rat als den seinigen zu beherzigen, worauf Wilson Indiskretionen eingeräumt und sich verpflichtet habe, »künftig nicht mehr unabhängig zu handeln«. Im Roman beschreibt Thor, wie sich Rockland bemüht, das auf ihm lastende Joch abzuschütteln: »Als er berichtete, wie Rockland versucht hatte, sich zu befreien, und wie er ihn, der nach seiner Niederlage immer noch seine Wunden leckte, in den Zwinger zurückgeführt hatte, lachten sie genüsslich.« Das betreffende Kapitel heißt übrigens »Die jubelnden Verschwörer«. . . .

 

Mittels dieser ungemein raffinierten Strategie obsiegte Rockland in diesem Roman – so wie Wilson die Präsidentschaftswahl des Jahres 1912 gewann. . . .

 

Zwischen Wilsons geheimer »Wahl« durch Oberst House anno 1910 und seiner offiziellen Nominierung als Präsidentschaftskandidat zwei Jahre später wurde er darauf getrimmt, öffentlich für den Zionismus Partei zu ergreifen; damals wurde das amerikanische Volk so in das zionistische Projekt verstrickt wie das britische im Jahre 1903, als seine Regierung den Zionisten Uganda offerierte. Von seinen Hintermännern instruiert, hielt Wilson während des Wahlkampfes eine Rede zum Thema »Die Rechte der Juden«, in der er ausführte: »Ich bin nicht hier, um unsere Sympathie mit den jüdischen Mitbürgern zu bekunden, sondern um klarzustellen, dass wir uns mit ihnen identifizieren. Diese Sache ist nicht die ihre, sondern diejenige Amerikas.«

 

Mit diesen Worten hatte sich Wilson für den Fall seiner Wahl eindeutig auf einen bestimmten Außenpolitischen Kurs festgelegt. Es bestand nicht die geringste Notwendigkeit, »klarzustellen«, dass sich Amerikaner mit Amerikanern identifizierten, denn die amerikanischen Juden waren in jeder Hinsicht frei und gleichberechtigt; die Formulierung ergab nur dann einen Sinn, wenn sie sich weigerten, sich selbst mit Amerika zu identifizieren, und Wilsons Wortwahl unterstellte genau das. Er hielt unmissverständlich fest, dass die Juden eine eigene, separate Identität besaßen und dass die USA unter seiner Präsidentschaft ihre Absonderung unterstützen würden.

 

Für die Eingeweihten kamen Wilsons Worte einer Unterstützungsgarantie für die zionistische Sache gleich. Des Weiteren waren sie eine indirekte Anspielung auf Russland und eine Drohung diesem gegenüber, denn Wilson ließ durchblicken, dass er die Juden Russlands (die damals als einzige unter zionistischer Führung organisiert waren) als Vertreter aller Juden anerkannte. Hiermit spielte er in der amerikanischen Version des Dramas dieselbe Rolle wie Balfour in der englischen.

 

Zur damaligen Zeit war Russland die Zielscheibe der zionistischen Hetze. Rund drei Jahrzehnte waren seit dem Mord an Zar Alexander II. verstrichen, der durch seinen Versuch zur Einführung einer parlamentarischen Verfassung den Zorn der Revolutionäre erregt hatte. Sein Nachfolger Alexander III. sah sich gezwungen, einen großen Teil seiner Kräfte für die Bekämpfung der Revolutionäre einzusetzen. Während Wilsons Präsidentschaft setzte Zar Nikolaus II. den Versuch des Bauernbefreiers Alexander II. zur Befriedung und Einigung des Landes fort, indem er dem Volk immer größere Freiheiten gewährte, was bei den talmudistischen Zionisten ebenfalls auf erbitterten Widerstand stieß.

 

Ungefähr zur selben Zeit, als Wilson das Zarenreich indirekt wegen seiner »Intoleranz« kritisierte, wurde in Russland ein Mordkomplott geschmiedet, um das Reformwerk Nikolaus‘ II. zu sabotieren. Während der Revolution von 1906 hatte dieser Russland per Dekret zur konstitutionellen Monarchie erklärt, und im Jahr darauf führte er das allgemeine Stimmrecht ein. Die Revolutionäre fürchteten solche Reformen mehr als alle Kosakenregimenter des Zaren und sorgten dafür, dass bei der ersten Tagung der Volksversammlung Tumulte ausbrachen, so dass sie aufgelöst werden musste. Nun wählte der Zar einen aufgeklärten Staatsmann, den Grafen Stolypin, zu seinem Premierminister. Per Dekret verabschiedete letzterer eine Landreform, der sich Neuwahlen anschlossen, mit dem Ergebnis, dass er in diesem zweiten Parlament mit stürmischem Applaus bedacht wurde und die Revolutionäre eine schwere Niederlage erlitten. Dass rund drei Millionen zuvor landlose Bauern durch Stolypins Reform zu Eigentümern von Grund und Boden geworden waren, trug entscheidend zu diesem Resultat bei.

 

Russlands Zukunft sah nun heller aus denn je zuvor. Stolypin galt als Nationalheld: er schrieb: »Unser Hauptziel ist es, die Landbevölkerung zu stärken. Die gesamte Kraft des Landes beruht auf dieser…Gebt dem Land zehn Jahre inneren Friedens, und ihr werdet Russland nicht wiedererkennen.«

 

Wäre Stolypins Wunsch in Erfüllung gegangen, und wären seinem Land zehn Friedensjahre beschieden gewesen, so hätte dies den Lauf der Geschichte in positivem Sinne verändert. Doch nun schlug die Verschwörung zu, und es fielen Schüsse, welche die Welt erschütterten. 1911 begab sich Graf Stolypin nach Kiew, um ein Denkmal für den Bauernbefreier Alexander II. zu enthüllen. Während einer Theatervorführung wurde er von einem jüdischen Revolutionär namens Bagroff erschossen. (Sechs Jahre später starb auch Stolypins Tochter durch Mörderhand: Als ein jüdischer Kommissar sie unter einer Gruppe von Flüchtlingen entdeckte, schoss er sie kurzerhand nieder.)

 

Die tödlichen Schüsse auf Graf Stolypin waren im September 1911 gefallen. Im Dezember desselben Jahres hielt Woodrow Wilson in Amerika seine bereits erwähnte Rede, in der er sich mit der jüdischen »Sache« identifizierte. …

 

Vor der Wahl erstellte House eine Liste von Kabinettsministern, wobei ihm ein gewisser Herr Bernard Baruch mit weisem Rat zur Seite stand. Dieser Baruch war womöglich die wichtigste Figur in der amerikanischen Politik der folgenden fünf Jahrzehnte: Er wurde als »Berater« mehrerer Präsidenten bekannt; noch 1950 »beriet« er Eisenhower und Churchill. …

 

Während des Wahlkampfs bekam Wilson zu spüren, dass seine Unterstützer von ihm bestimmte Gegenleistungen erwarteten. Nachdem er sich einige Indiskretionen hatte zuschulden kommen lassen, musste er Oberst House versprechen, »künftig nicht mehr unabhängig zu handeln«. Gleich nach seiner Wahl empfing er Rabbiner Stephen Wise zu einer langen Unterredung, bei der die beiden Männer laut Wise »russische Angelegenheiten mit speziellem Hinweis auf die Behandlung der Juden« erörterten. Gleichzeitig aß Oberst House mit einem Herrn Louis D. Brandeis zu Abend, einem prominenten Juristen jüdischer Abstammung. »Wir beide sind uns bezüglich der meisten Fragen, die jetzt auf der Tagesordnung stehen, einig«, hielt House fest.

 

Somit waren drei der vier engsten Berater Wilsons Juden. Alle drei haben zum einen oder anderen Zeitpunkt eine maßgebliche Rolle bei der Propagierung des Zionismus und seines Palästina-Projektes gespielt und hierdurch dazu beigetragen, dass sich die Juden wieder von ihrer Umwelt absonderten. Zusammen mit Wise war Brandeis damals der führende Zionist Amerikas, so dass es angebracht scheint, ein wenig bei seiner Person zu verweilen.

 

Brandeis stach durch sein Äußeres sowie durch seinen Intellekt hervor, doch wäre es ausgesprochen schwierig gewesen, zu definieren, was an ihm eigentlich »jüdisch« war. Er praktizierte die mosaische Religion nicht, weder in ihrer orthodoxen noch in ihrer reformierten Version, und schrieb einmal: »Während des größten Teils meines Lebens hatte ich nur wenig Kontakt mit Juden und dem Judentum und ich schenkte ihren Problemen keine große Aufmerksamkeit.« Seine Konversion war irrationaler, romantischer Art, ähnlich wie bei Balfour: Eines Tages im Jahre 1897 las er beim Frühstück einen Artikel über Theodor Herzls Rede am ersten Zionistenkongress und sagte zu seiner Frau: »Es gibt eine Sache, für die ich mein Leben hingeben würde.«

 

Somit wurde aus einem voll assimilierten amerikanischen Juden im Handumdrehen ein strammer Zionist. Mit dem Eifer, der den Konvertiten kennzeichnet, ritt er heftige Attacken gegen die »Assimilation«: »Die Assimilation lässt sich nicht verhüten, wenn im Vaterland kein Zentrum errichtet wird, von dem aus der jüdische Geist strahlen kann.« Die russischen Zionisten trauten diesem Mann, der eben noch das Musterbeispiel eines Assimilierten gewesen war und nun gegen die Assimilierung vom Leder zog, freilich nicht über den Weg. Sie konnten sein ständiges Gerede vom »Amerikanismus« nicht ausstehen. Wenn er beispielsweise sagte, seine Hinwendung zum Zionismus sei »über den Amerikanismus« erfolgt, tönte dies in den Ohren der Talmudisten so, wie wenn jemand behauptet hätte, man könne »über den Russismus« (den sie zu zerstören trachteten) zum Zionisten werden. In der Tat zeugte es von schreiender Unlogik, einerseits die strengste Form der Rassentrennung zu befürworten und andererseits das hohe Lied des Amerikanismus mit seiner Ideologie des Schmelztiegels zu singen, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Brandeis trotz seiner intellektuellen Brillanz das Wesen des Zionismus nie so richtig verstanden hat. Er wurde gewissermaßen zum Theodor Herzl Amerikas (so wie Rabbiner Wise in gewisser Hinsicht zum Chaim Weizmann Amerikas wurde), und als er die ihm zugedachte Rolle fertiggespielt hatte, wurde er rüde abserviert. Doch zum entscheidenden Zeitpunkt, im Jahre 1917, spielte er eine Schlüsselrolle.

 

Dies also war die Gruppe, die den Präsidenten der amerikanischen Republik in ihrem eisernen Griff hielt und ihn zwang, einen Kurs einzuschlagen, der das Land um einer ganz bestimmten Sache willen in den Ersten Weltkrieg führen sollte. Nach seiner Wahl kümmerte sich Oberst House um seine Korrespondenz, bestimmte darüber, wen er zu Audienzen empfing und wen nicht, wies seine Minister an, was sie zu sagen und worüber sie zu schweigen hatten etc. Er wollte Macht und errang sie auch, doch wozu er sie nutzen wollte, wurde niemals klar. Somit blieb sein Ehrgeiz ziellos, und im Nachhinein erinnert er an Savrola, einen Romanhelden Winston Churchills, von dem sein Erfinder sagte: »Ehrgeiz war seine treibende Kraft, und Savrola war unfähig, ihr zu widerstehen.« Am Ende seines Lebens empfand der vereinsamte und vergessene Edward House heftige Abneigung gegen seine Romanfigur Philip Dru.

 

Doch von 1911 bis 1913 genoss er das Leben in vollen Zügen. Er liebte das Gefühl der Macht um seiner selbst willen. »Wie bei allen anderen Menschen, die ich zu beeinflussen suchte, versuchte ich auch beim Präsidenten regelmäßig das Gefühl zu erwecken, dass die Ideen, die er von mir hatte, seine eigenen waren. …«

 

Somit hat irgend jemand Oberst House eingeredet, dass eine Gruppe von Menschen aus den talmudistischen Zonen Russlands Anspruch auf Palästina besaß, und House redete Woodrow Wilson seinerseits dasselbe ein. Die offenkundigen Folgen dieser Idee waren die Schaffung eines permanenten Krisenherdes im Nahen Osten sowie die abermalige Absonderung der Juden vom Rest der Menschheit. Unverzichtbare Bestandteile dieses Plans waren die Zerstörung Russlands und die Verbreitung der Weltrevolution.

 

Während jenes Zeitraums, genauer gesagt im Jahre 1913, trug sich ein Ereignis zu, das damals recht unwichtig anmutete, hier jedoch wegen seiner späteren weitreichenden Folgen erwähnt werden muss. Seit siebzig Jahren existierte in Amerika eine Organisation, die sich B’nai B’rith (hebräisch für »Söhne des Bundes«) nannte. Sie war 1843 als exklusiv jüdische Freimaurerloge aus der Taufe gehoben worden, die anfangs auf die Vereinigten Staaten beschränkt war, jedoch mit der Zeit Filialen in vielen Ländern gründete und heutzutage den Anspruch erhebt, die Juden der ganzen Welt zu vertreten, so dass sie ein Teil des von Dr. Kastein als »jüdische Internationale« bezeichneten Netzwerks sein dürfte. 1913 wurde ein kleiner Ableger der B’nai B’rith geschaffen, der sich »Anti-Defamation-League« nannte; er sollte nach und nach immer mächtiger und einflussreicher werden und sich schließlich zu einer Art Staat im Staate mit einer eigenen Geheimpolizei entwickeln. Von dieser Organisation wird im Folgenden noch öfters die Rede sein.

 

Mit der Wahl Woodrow Wilsons zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, hinter dem eine unsichtbare Gruppe von Strippenziehern stand, waren die Voraussetzungen für den künftigen Kriegseintritt des Landes geschaffen. Bei der Verwirklichung des großen internationalen Plans durch jenen Krieg kam den USA allerdings lediglich die Funktion einer Hilfskraft zu. In der ersten Phase sollte England die Hauptrolle spielen, und das alles überragende Ziel, die Gewinnung der Kontrolle über die britische Regierung, war zu Kriegsbeginn noch keineswegs verwirklicht.

 

Somit verlagert sich der Hauptschauplatz des Dramas wieder über den Atlantik nach England, wo Arthur Balfour seine Rückkehr auf die politische Bühne vorbereitete. Die führenden Persönlichkeiten des Landes waren damals keinesfalls bereit, sich vor den Karren der Verschwörer spannen zu lassen; ihr Ziel war es, den Krieg dort auszufechten und so rasch wie möglich zu gewinnen, wo er begonnen hatte, nämlich in Europa. Damit sich die Dinge so entwickelten, wie es Max Nordau 1903 prophezeit hatte, mussten diese Männer entweder zur Räson gebracht oder ausgeschaltet werden.

 

Von 1914 bis 1916 tobte hinter den Kulissen ein erbitterter Kampf, bei dem es darum ging, jene englischen Führer, denen es an Begeisterung für die zionistische Sache mangelte, von den Schalthebeln der Macht zu verdrängen und durch Kreaturen vom Schlage eines Woodrow Wilson zu ersetzen, die fügsam nach der Pfeife der Verschwörer tanzten.

 

 

 

Kapitel 30  Die entscheidende Schlacht

 

Der Krieg von 1914-1918 war der erste Konflikt, der nicht zwischen Armeen, sondern zwischen Nationen ausgefochten wurde. Die Kräfte, die ihn dirigierten, übten in den meisten europäischen sowie in etlichen außereuropäischen Staaten geradezu überwältigenden Einfluss aus. Dies war ein weltgeschichtlich neuartiges Phänomen; die Verschwörer, die hinter dem Kommunismus und dem Zionismus standen, hatten es freilich vorausgesehen. In den erstmals 1905 niedergeschriebenen Protokollen der Weisen von Zion hieß es, der Widerstand gegen die in dieser Schrift dargelegten Pläne werde durch einen »Weltkrieg« gebrochen werden, und Max Nordau hatte anno 1903 festgehalten, die zionistischen Ambitionen in Palästina würden »durch den kommenden Weltkrieg« verwirklicht.

 

Wenn diese Prophezeiungen in Erfüllung gehen und somit ein Beweis für das »unheimliche Wissen« der Propheten erbracht werden sollte, musste die Verschwörung die Regierungen jener Staaten unter ihre Kontrolle bekommen, deren Mitwirkung zur Verwirklichung des Plans unabdingbar war; die Politik der betreffenden Länder, und somit auch ihre militärischen Operationen, mussten nicht den nationalen Zielen ihrer Völker, sondern den Zielen der Verschwörer untergeordnet werden. Der Präsident der Vereinigten Staaten war, wie wir im vorausgehenden Kapitel nachgewiesen haben, bereits seit 1912 eine Geisel seiner »geheimen Berater«, und was Oberst House in seinen Privaten Dokumenten über ihn schreibt, passt haargenau auf folgende Passage aus den Protokollen: »Wir haben den Herrscher durch die Karikatur eines Präsidenten ersetzt, aus den Reihen unserer Marionetten, unserer Sklaven.«

 

In den frühen Phasen der Verwirklichung des »großen Plans« wurde Präsident Woodrow Wilson allerdings kein besonderes Engagement abverlangt; seine Stunde schlug erst später. Anfangs bestand die Hauptaufgabe der Verschwörer darin, die Kontrolle über die britische Regierung zu gewinnen. Der Kampf um die Verwirklichung dieses Ziels dauerte zwei Jahre und endete mit dem Sieg der Ränkeschmiede, von deren Aktivitäten die Öffentlichkeit nicht das Geringste ahnte. Dieses in den Labyrinthen der internationalen Politik ausgetragene Scharmützel war insofern die entscheidende Schlacht des Ersten Weltkriegs, als es die weitreichendsten Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts hatte; sein Ausgang dominierte den Gang der Geschehnisse in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs und erscheint heute, im Jahre 1956, als wahrscheinlichste Ursache eines allfälligen dritten Weltkriegs. Keine der zahllosen Gefechte des Ersten Weltkriegs hat den Verlauf der Geschichte so beeinflusst wie die Verschwörung, die den Intriganten anno 1916 die Kontrolle über die britische Regierung bescherte.

 

Von all dem hatten die betrogenen Massen keine Ahnung. Während des ganzen Krieges wähnten die Briten, ihr einziger Feind sei ein kriegslüsterner teutonischer Potentat, und die Amerikaner gaben sich der Illusion hin, verantwortlich für das Blutvergießen sei die unverbesserliche Streitsucht der europäischen Völker.

 

Während US-Präsident Wilson schon vor Kriegsbeginn wenig mehr als ein Hampelmann seiner »Berater« war, traf dies auf die britische Regierung des Jahres 1914 keineswegs zu. In den politischen und militärischen Schlüsselpositionen saßen Männer, die sich bei ihren Entscheidungen ausschließlich von der Frage leiten ließen, ob diese den Interessen Englands dienten und es dem Sieg näherbrachten. Auf die Wünsche der Zionisten nahmen diese Männer keinerlei Rücksicht. Die Geschichte der ersten beiden Kriegsjahre ist nicht zuletzt die Geschichte von Kämpfen, die sich hinter den Kulissen abspielten und bei denen es darum ging, die den Zionisten missliebigen Politiker von der Macht zu verdrängen und durch Strohmänner zu ersetzen.

 

Wenn man von Balfours schicksalhaftem Schritt im Jahre 1903 absieht, war die Verschwörung vor 1914 erst bis in die Vorhallen der Macht vorgedrungen. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ließ sich eine wachsende Zahl von Spitzenpolitikern vor den Karren der Zionisten spannen. Heutzutage steht jedem die Möglichkeit offen, sich darüber zu informieren, von was für »praktischen Erwägungen« (Beifall oder Ablehnung seitens der Öffentlichkeit, Wählerstimmen, finanzielle Unterstützung, Aussicht auf Ämter und Würden) sich Politiker leiten lassen, weil es zu dieser Frage zahlreiche fundierte Publikationen gibt. Zum damaligen Zeitpunkt musste ein Politiker in England außergewöhnlich scharfsinnig oder weitsichtig sein, um zu erkennen, dass die Zionisten darüber entschieden, wer in der Politik Karriere machte und wer nicht.

 

Die Engländer pflegten ihre Handlungen stets mit hehren moralischen Prinzipien zu begründen und glaubten womöglich selbst daran, dass sie sich von solchen leiten ließen; dies veranlasste Macauly zu seiner bissigen Bemerkung: »Wir kennen kein lächerlicheres Schauspiel als dasjenige, das die britische Öffentlichkeit in einem ihrer periodischen Anfälle von Moral darbietet.« Möglicherweise war ein Teil jener Männer, die sich von den Ränkeschmieden umgarnen ließen, ehrlich davon überzeugt, sich für eine gerechte Sache einzusetzen. Nach welchem Mechanismus diese Selbsttäuschung verlief, zeigt das von mir entdeckte Zitat eines britischen Politikers, aus dem klar hervorgeht, dass sich eine Gruppe hochgestellter Persönlichkeiten »in einem periodischen Anfall von Moral« dem Zionismus verschrieben hatte.

 

Der betreffende Politiker hieß Oliver Locker-Lampson und saß zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Abgeordneter der Konservativen Partei im Unterhaus. Er war ein politisches Leichtgewicht und fiel innerhalb und außerhalb des Parlaments allenfalls durch seine fanatische Unterstützung für den Zionismus auf; nichtsdestoweniger war er ein persönlicher Freund sämtlicher Spitzenpolitiker, die das Schicksal des britischen Volkes mit demjenigen des Zionismus verketteten. 1952 schrieb Locker-Lampson in einer Londoner Wochenzeitschrift: »Winston, Lloyd George, Balfour und ich wurden als engagierte Protestanten erzogen, die glaubten, es werde ein neuer Heiland kommen, sobald Palästina den Juden zurückerstattet werde.« Es ist dies die Vorstellung vom »Tausendjährigen Reich«, die bereits unter Cromwells Anhängern grassierte.

 

Ob Protestanten tatsächlich glauben, die Gründung eines jüdischen Staatswesens in Palästina werde der Welt einen neuen Heiland bescheren, sei dahingestellt, doch niemand wird ernsthaft behaupten, dieser Glaube bilde eine solide Grundlage für die Politik eines Staates. … Tatsache ist, dass es eine Gruppe von Personen gab, die sich diesem vermessenen Ziel verschrieben hatten. In Anlehnung an Locker-Lampson nennen wir sie künftig »engagierte Protestanten«.

 

Vom Tag des Kriegsausbruchs an arbeiteten diese »engagierten Protestanten« zielstrebig auf die Machtergreifung hin, damit sie Truppen aus Europa abziehen und in den Nahen Osten entsenden konnten, um Palästina für die Zionisten zu erobern. Dr. Weizmann begriff sofort, dass die veränderten Umstände ihm neue Chancen boten. »Nun ist die Zeit gekommen… die politischen Erwägungen werden für uns vorteilhaft sein«, schrieb er im Oktober 1914. Weizmann setzte sich mit C. P. Scott in Verbindung, dem Herausgeber des Manchester Guardian. Scott wusste sich vor Begeisterung kaum zu fassen, als er erfuhr, dass sein Besucher ein Jude war, »der Russland hasst« (als Verbündeter Großbritanniens bewahrte Russland die britischen und französischen Armeen damals vor dem Schlimmsten, indem es Deutschland von Osten her angriff), und nahm Weizmann sogleich zu einem Frühstück mit, an dem auch der damalige Schatzmeister Lloyd George teilnahm. Lloyd George fand warme Worte für den Zionismus und schlug ein gemeinsames Treffen mit Balfour vor.

 

Die Begegnung fand am 14. Dezember 1914 statt. Balfour fragte diesen »recht nonchalant«, ob er ihm konkret helfen könne, und erhielt folgende Antwort: »Nicht, solange die Kanonen donnern: wenn die militärische Lage klarer wird, werde ich wiederkehren«. Balfour sagte: »Wenn die Kanonen verstummen, könnt ihr euer Jerusalem bekommen.«

 

Dass Weizmann Balfours Angebot nicht begierig annahm, hatte einen guten Grund. Das zionistische Hauptquartier befand sich damals nämlich in Berlin, und Weizmanns Kollegen waren überzeugt, dass Deutschland den Krieg gewinnen würde. Bevor sie irgendwelche Karten ausspielen konnten, wollten sie abwarten, ob sich diese Überzeugung bewahrheitete.

 

Der zweiten Begegnung zwischen Balfour und Weizmann schloss sich eine dritte an, »ein ungeheuer wichtiges Gespräch, das mehrere Stunden dauerte« und »außerordentlich erfolgreich« verlief.

 

Wie Balfour wies auch Lloyd George den Zionistenführer warnend darauf hin, dass »gewisse jüdische Kreise« zweifellos starken Widerstand gegen das Palästina-Projekt erheben würden, worauf Weizmann abermals erwiderte, die »reichen und mächtigen Juden« seien in der Tat mehrheitlich Antizionisten. Merkwürdigerweise scheinen die »engagierten Protestanten« (bei denen es sich größtenteils um »reiche und mächtige Männer« handelte) diesem Argument auf den Leim gegangen zu sein. …

 

In Wirklichkeit kam die Opposition gegen den Zionismus von ganz anderer Seite. Die höchsten Positionen des Landes wurden nach wie vor von Männern bekleidet, die sich ihrer nationalen Pflicht bewusst waren und denen es einzig darum ging, den Krieg zu gewinnen. Von ihnen war nicht zu erwarten, dass sie auf den europäischen Schlachtfeldern dringend benötigte Truppen ohne militärische Notwendigkeit nach Palästina verlegen würden. Zu diesen Männern zählten Premierminister Herbert Asquith, Kriegsminister Lord Kitchener, ferner der Oberkommandant der britischen Streitkräfte in Frankreich, Sir Douglas Haig, sowie der damalige Stabschef der britischen Truppen in Frankreich und spätere Chef des imperialen Generalstabs Sir William Robertson.

 

Herbert Asquith war der letzte liberale Führer Englands, der ernsthaft bestrebt war, den Liberalismus mit den nationalen Interessen des Landes sowie der christlichen Religion zu verbinden; hierdurch unterschied er sich von den »liberalen« Politikern der letzten vier Jahrzehnte, unter denen dieser Begriff zusehends die ihm in den Protokollen der Weisen von Zion zugeschriebene Bedeutung erhielt: »Als wir das Gift des Liberalismus in den Organismus des Staates einführten, erfuhr dessen ganzer politischer Zustand eine Veränderung; die Staaten wurden von einer tödlichen Krankheit befallen, einer Blutvergiftung…« Mit Asquiths Sturz starb auch der englische Liberalismus, so wie er ihn verstanden hatte, und die Liberale Partei selbst fiel der Bedeutungslosigkeit anheim. Seither wird der Begriff »Liberalismus« zusehends von Kommunisten und Heerscharen utopischer Träumer als Tarnmäntelchen benutzt.

 

Von dem, was sich hinter seinem Rücken zusammenbraute, erfuhr Asquith von einem jüdischen Minister namens Herbert Samuel, der im Dezember 1914 bei den Gesprächen zwischen Weizmann und Lloyd George zugegen gewesen war und den Premierminister für den Plan zur Gründung eines Judenstaates zu gewinnen versuchte. Asquith zeigte ihm jedoch die kalte Schulter: »Samuel schlägt vor, Großbritannien solle Palästina annektieren, ein Land von der Größe von Wales, das Großenteils aus unfruchtbaren Bergen besteht und über weite Strecken wasserlos ist. Er glaubt, wir könnten auf diesem nicht besonders attraktiven Territorium ungefähr drei bis vier Millionen europäische Juden ansiedeln… Ich halte nichts von der Idee, unserem Land noch diese zusätzliche Verpflichtung aufzubürden… Der einzige andere Befürworter dieses Projekts ist Lloyd George, und ich brauche kaum zu betonen, dass ihm die Juden oder ihr Anteil an der Zukunft herzlich egal sind…«

 

Diese Einschätzung von Lloyd Georges Ansichten entsprach durchaus den Tatsachen. Asquith selbst blieb stets ein Gegner der zionistischen Idee. Zehn Jahre später, als er längst kein öffentliches Amt mehr bekleidete, stattete er Palästina einen Besuch ab und schrieb anschließend: »Dieses Gerede davon, dass man aus Palästina eine jüdische Heimstatt machen soll, scheint mir immer noch so phantastisch wie je zuvor.« Mit seiner negativen Reaktion auf die zionistischen Pläne hatte er 1915 dafür gesorgt, dass sich die Intriganten gegen ihn stellten und seine Entmachtung auf ihrer Agenda fortan ganz oben stand. Solange Asquith imstande war, Großbritannien von irgendwelchen Abenteuern in Palästina abzuhalten, machte er sich den Standpunkt der militärischen Führer zu eigen, dass der Krieg, wenn überhaupt, einzig und allein auf dem Hauptschlachtfeld, also in Europa, zu gewinnen war.

 

Lord Kitchener, der sich dezidiert auf diesen Standpunkt stellte, war ein hochangesehener Offizier und bei der Öffentlichkeit ungeheuer populär. Seiner Meinung nach bestand das oberste militärische Ziel zu jenem Zeitpunkt darin, ein Ausscheren Russlands aus dem Krieg zu verhüten (die Zionisten strebten Russlands Zerstörung an und machten gegenüber den »engagierten Protestanten« hieraus kein Hehl). Im Juni 1916 entsandte Asquith Lord Kitchener nach Russland. Doch der Kreuzer Hampshire, auf dem der Kriegsminister seine Reise antrat, wurde versenkt. Kompetente Historiker verfechten die Auffassung, Kitchener sei der einzige Mann gewesen, der einen Kriegstaustritt Russlands hätte vermeiden können. Mit seinem Tod verschwand das Hindernis Nummer eins für die geplante bolschewistische Revolution im Zarenreich und für den internationalen Zionismus. Wäre es ihm vergönnt gewesen, länger zu leben und zu wirken, so wäre dem Zionismus im Westen wohl kein Erfolg beschieden gewesen. Ich erinnere mich, dass die Soldaten an der Westfront auf die Nachricht von seinem Ableben so bestürzt reagierten wie auf die Niederlage in einer großen Schlacht. Sie ahnten nicht, wie recht sie damit hatten.

 

Nach Kitcheners Tod standen nur noch Asquith, Robertson, Haig sowie die britischen Juden zwischen den Zionisten und ihrem Ziel. Der Kreis der Intrige erweiterte sich nun zusehends. Die Times engagierte sich mittlerweile so eifrig für den Zionismus wie der Manchester Guardian; innerhalb und außerhalb des Kabinetts gewannen Balfour und Lloyd George immer neue Anhänger. Lord Milner, der sich anschickte, ins prozionistische Lager überzugehen, erklärte: »Wenn die Araber glauben, Palästina werde ein arabisches Land, sind sie gründlich auf dem Holzweg.« (Zur selben Zeit stachelte Oberst Lawrence die Araber zum Aufstand gegen einen Feind der Alliierten, die Türkei, an.) Philipp Kerr (der spätere Lord Lothian und damalige Sekretär von Lloyd George) meinte, die Züchtigung des »tollwütigen Hundes in Berlin« (gemeint war Wilhelm II.) müsse »ein jüdisches Palästina« zur Folge haben. Sir Mark Sykes, Generalsekretär des Kriegskabinetts und »einer unserer Großen Förderer« (Dr. Weizmann), strebte ein noch ehrgeizigeres Ziel an: Die »Befreiung der Juden, Araber und Armenier«. …

 

Eine andere hochkarätige Persönlichkeit, die sich von den Zionisten rekrutieren ließ, Lord Robert Cecil, äußerte sich ganz ähnlich: »Arabien für die Araber, Judäa für die Juden, Armenien für die Armenier.« Von den Armeniern war allerdings schon bald nicht mehr die Rede… Lord Roberts Position mutet äußerst merkwürdig an, denn staatsmännisches Geschick ist der Sippe der Cecils angeboren. Offenbar vermochte der Zionismus zu bewirken, dass ansonsten klarsichtige Männern den Kopf verloren. Balfour (ein halber Cecil) legte in anderen Fragen die seinem Stamm eigene staatsmännische Abgeklärtheit an den Tag: nur bezüglich des Zionismus ließ ihn sein sonst messerscharfer Verstand gänzlich im Stich.

 

Der Fall Lord Robert Cecils ist ebenso unerklärlich. Ich erinnere mich an einen Vortrag, den er in den dreißiger Jahren in Berlin über den Völkerbund hielt. Cecil, ein großgewachsener, hagerer Mann mit Adlergesicht, dem das Verständnis für politische Fragen im Blute lag, sprach von der Zukunft, als sehe er diese von einem Berggipfel aus, und berief sich dabei ausdrücklich auf die »hebräischen Propheten«. Als junger Mann war ich von seinen Worten mächtig beeindruckt, obwohl ich nicht verstand, worauf er hinauswollte. Zwar habe ich seither einiges dazugelernt, aber dieser Ausspruch ist mir immer noch ein Rätsel: Wenn beispielsweise der Prophet Jeremia irgendeinem politischen Lager zuzuordnen ist, dann ganz ohne Frage dem der Antizionisten.

 

Nichtsdestoweniger schrieb Chaim Weizmann über Lord Robert: »Für ihn waren die Wiederherstellung einer jüdischen Heimstatt in Palästina und die Organisation der Welt in einer großen Föderation einander ergänzende Bestandteile des nächsten Schrittes bei der Regelung der menschlichen Angelegenheiten… Als Mitbegründer des Völkerbundes hielt er die jüdische Heimstatt für nicht minder wichtig als den Völkerbund selbst.«

 

Mit diesen Worten ließ Weizmann die Katze aus dem Sack – doch war sich Lord Robert der Tragweite seiner Auffassungen überhaupt bewusst? Ihm zufolge war die Eroberung Palästinas durch Zionisten aus Russland also lediglich »der nächste Schritt« bei der Gestaltung der Zukunft des Menschengeschlechts (hier erinnert man sich an die Formulierung Lord Actons, der von einem »Plan« und von »Managern« gesprochen hatte). Die »große Föderation« stellt er als ergänzenden Bestandteil desselben Plans dar. Bei allen Varianten einer solchen Föderation läuft das grundlegende Prinzip darauf hinaus, dass die Nationen, die ihr beitreten, sich ihrer Souveränität begeben müssen, was auf das Verschwinden souveräner Nationen überhaupt hinausläuft (genau dies ist natürlich die Grundidee der Protokolle ). Doch wenn die Nationen verschwinden sollen, ist nicht einzusehen, weshalb dieser Prozess mit der Schaffung einer neuen Nation beginnen soll – es sei denn, dieser ist bei der »Regelung der menschlichen Angelegenheiten« die Rolle der obersten Autorität zugedacht (das Konzept einer souveränen Nation zieht sich wie ein roter Faden durch das Alte Testament, den Talmud, die Protokolle und den orthodoxen Zionismus).

 

Unter diesen Umständen mutet Lord Robert Cecils leidenschaftliches Engagement für den Zionismus geradezu unbegreiflich an, denn die seinem Geschlecht eigene Weisheit hätte ihn vor den Gefahren einer weltumspannenden Despotie warnen müssen. Es entbehrt nicht der Ironie, dass er zur selben Zeit an Oberst House in Amerika schrieb:

 

»Daran, dass wir nach dem Abschluss dieses Krieges eine wirkliche Anstrengung zur Schaffung einer Friedensmaschinerie unternehmen sollten, zweifle ich nicht… Eine Gefahr scheint mir darin zu bestehen, dass man zu hoch hinaus will… Nichts hat der Sache des Friedens größeren Schaden zugefügt als die diesbezüglichen Bemühungen nach Waterloo. Heute ist allgemein in Vergessenheit geraten, dass die Heilige Allianz ursprünglich als Liga zur Erzwingung des Friedens gegründet wurde. Leider ließ sie zu, dass ihre Bestrebungen in die falsche Richtung gelenkt wurden, so dass sie de facto zu einer Liga zur Aufrechterhaltung der Tyrannei wurde, mit der Konsequenz, dass sie unermesslichen Schaden angerichtet hat… Dieses Beispiel zeigt, wie leicht an und für sich gutgemeinte Pläne Schiffbruch erleiden.«

 

Wer so argumentierte, hätte sich der Gefahr, dass »an und für sich gutgemeinte Pläne« auch diesmal »in die falsche Richtung gelenkt« wurden, eigentlich bewusst sein müssen. Falls Weizmann die Absichten Lord Cecils richtig wiedergibt, heißt dies, dass letzterer die wahre Natur des Zionismus nicht zu durchschauen vermochte. Während er die eben zitierten Zeilen schrieb, war Houses Schwager Dr. Mezes in den USA nämlich emsig damit beschäftigt, eine »Liga zur Erzwingung des Friedens« auf die Beine zu stellen; diese Organisation war die Vorläuferin der diversen Projekte zur Errichtung einer Weltregierung, hinter denen mächtige Gruppen stehen und deren wahres Ziel die Errichtung einer »Liga zur Aufrechterhaltung der Tyrannei« ist.

 

Als das zweite Kriegsjahr zu Ende ging, hatten sich die »engagierten Protestanten«, die nicht auf Europa, sondern auf Palästina blickten, bereits zur mitgliederstarken Brüderschaft entwickelt, die einen schützende Ring um den aus russischen Zionisten bestehenden Kern bildete. Zu ihren frischgebackenen Mitgliedern zählten unter anderem die Herren Leopold Amery, Ormsby-Gore und Ronald Graham. Prozionistische Aktivisten hockten in sämtlichen Ministerien außer dem Kriegsministerium.

 

Das Ziel der Verschwörer bestand darin, sämtliche Spitzenpolitiker, die ihnen ein Dorn im Auge waren, aus ihren Stellungen zu entfernen und durch ihre eigenen Leute zu ersetzen. Ende 1916 musste der widerspenstige Premierminister Asquith seinen Hut nehmen. …

 

Als frischgebackener Premierminister ernannte Lloyd George den inkompetenten Balfour flugs zum Außenminister. Mittels dieses Manövers wurden zwei Männer, die sich dem Zionismus verschrieben hatten, in die beiden höchsten politischen Ämter des Landes katapultiert, und von diesem Augenblick an war die Eroberung Palästinas für die Zionisten oberstes Ziel der britischen Regierung. …

 

Somit hatten sich die Hauptakteure auf der Szene neu gruppiert. Da war zunächst einmal Lloyd George, ein kleinwüchsiger, blitzgescheiter Anwalt, der in seinem tadellos geschneiderten Anzug wie aus dem Ei gepellt wirkte und sich von seinen großenteils noch in ihre altmodischen Fräcke gehüllten Kollegen abhob wie ein Fasan in einem Krähenschwarm. Neben ihm stand Balfour – von großem Wuchs, leicht hinkend; auf ehrliche Fragen erteilte er meist eine gewundene, zynische Antwort. Noch heute sehe ich ihn vor meinem geistigen Auge, wie er träumerisch durch den Saint James-Park zum Unterhaus schlendert. Um Lloyd George und Balfour scharte sich eine Riege von Kabinettsministern und hohen Beamten, die erst vor kurzem zu den »engagierten Protestanten« gestoßen waren. Von diesen Wasserträgern des Zionismus mögen manche tatsächlich naive Gimpel gewesen sein, die keine Ahnung hatten, für wessen Ziele sie sich einspannen ließen. Lloyd George war der erste in einer langen Reihe von Spitzenpolitikern, die ihr Mäntelchen stets nach dem Wind zu hängen pflegten; dank ihnen hat der Ausdruck »Politiker des 20. Jahrhunderts« einen ominösen Beigeschmack gewonnen, und sie tragen ein gerütteltes Maß an Mitschuld daran, dass unser Jahrhundert bisher so katastrophal verlaufen ist.

 

Nachdem Lloyd George zum Premierminister gewählt worden war, arbeitete er von Anfang an darauf hin, Truppen aus Frankreich abzuziehen und einen großen Feldzug in Palästina vorzubereiten. Hiervon zeugen seine eigenen Worte: »Als ich meine Regierung bildete, brachte ich gegenüber dem Kriegskabinett sofort die Frage eines zusätzlichen Feldzugs in Palästina zur Sprache…« …

 

In Palästina unternahm General Allenby versuchsweise einen Vorstoß, entdeckte zu seiner Überraschung, dass die Türken nicht ernsthaft kämpften, und marschierte in Jerusalem ein, ohne auf größeren Widerstand zu stoßen. Militärisch gesehen war die Einnahme Jerusalems völlig bedeutungslos, doch nun gab es für Lloyd George kein Halten mehr. …

 

Lloyd George, der darauf erpicht war, sein Palästina-Abenteuer von einer hohen Instanz absegnen zu lassen, legte seinen Plan dem Obersten Kriegsrat der Alliierten in Versailles vor, deren technische Berater ihm im Januar 1918 grünes Licht erteilten. …

 

Am 7. März 1918 befahl er, einen »entscheidenden Feldzug« zur Eroberung ganz Palästinas zu starten und schickte General Smuts dorthin, um General Allenby entsprechende Instruktionen zu erteilen. …

 

Dank dem Sieg in Europa geriet das begehrte Territorium in Palästina tatsächlich unter britische Herrschaft. Doch ein Land erwerben und dort etwas aufbauen sind zweierlei Dinge. Zunächst hieß es, auf palästinensischem Boden solle lediglich eine zionistische »Heimstatt« entstehen, doch aus dieser »Heimstatt« wurde schließlich ein Staat. England allein hätte dies nicht zustande gebracht. Deshalb musste noch eine erhebliche Anzahl anderer Nationen für dieses Projekt gewonnen werden, und es bedurfte einer Organisation zur Absegnung des »Transfers«, … es war eine »Liga der Nationen« vonnöten, in der die Vereinigten Staaten von Amerika die erste Geige spielen würden.

 

Lloyd George hatte sein Scherflein zur Verwirklichung des Plans beigetragen, und sein Erdendasein neigte sich seinem Ende zu. Wir bitten unsere Leser nun, einen Blick über den Atlantik zu werfen und zu beobachten, was Oberst House, Richter Brandeis und Rabbiner Stephen Wise jenseits des großen Teiches trieben. Eine wichtige Rolle in diesem Spiel kam auch der schattenhaften Gestalt eines gewissen Woodrow Wilson zu.

 

»«

 

 

 

Kapitel 31  Ein Netz von Intrigen

 

Dass ich in diesem Buch immer wieder von einer »Verschwörung« und einer »Intrige« spreche, ist keinesfalls eine persönliche Marotte; namhafte Experten verwenden diese Ausdrücke regelmäßig. Der Titel des vorliegenden Kapitels stammt beispielsweise von Arthur D. Howden, der sich bei der Niederschrift seiner Biographie von Oberst House (Mr. House of Texas, 1940) auf Informationen stützte, die er von seinem Helden selbst erhalten hatte. Howden bezeichnet die Vorgänge, die sich von 1914 bis 1918 in Amerika abspielten und in deren Mittelpunkt House stand, als »Netz von Intrigen, das sich quer über den Atlantik spannte«.

 

Die Kreise um Lloyd George in Großbritannien und der amerikanische Präsident Wilson waren zwar separat umgarnt worden, doch zwischen 1914 und 1917 wurden die Fäden in London und Washington zu jenem transatlantischen Netz verflochten, von dem Howden spricht. Von nun an waren beide Regierungen, die britische und die amerikanische, in dieses Netz verstrickt, aus dem sie sich nie mehr zu befreien vermochten.

 

Präsident Woodrow Wilson war wenig mehr als eine Marionette des eigentlichen Machthabers Oberst House, den Rabbiner Wise als »Verbindungsoffizier zwischen der Wilson-Regierung und der zionistischen Bewegung« bezeichnet hat. Richter Brandeis, der beschlossen hatte, sein Leben dem Zionismus zu weihen, war Wilsons »Berater für die jüdische Frage« (Chaim Weizmann); dieses Amt hatte zuvor nie existiert, wurde nun jedoch zur Dauerinstitution. Der oberste zionistische Organisator war Rabbiner Wise, der in ständigem Kontakt mit Wilson und House stand.

 

Wilsons Minister wurden von House und Bernard Baruch ausgewählt, so dass sich einer von ihnen dem Präsidenten wie folgt vorstellte: »Herr Präsident, mein Name ist Lane, ich glaube, ich bin der Innenminister.« …

 

Anno 1914 bereitete sich House darauf vor, die Kontrolle über die auswärtigen Angelegenheiten der Vereinigten Staaten zu übernehmen. Howden schreibt: »Er wollte seine Energie auf einem breiteren Feld entfalten… Ab Anfang 1914 machte er sich zunehmend Gedanken über das, was er als höchste Stufe der Politik ansah und wofür er besondere Begabung besaß: Die Außenpolitik

 

Oberst House gehörte einem ganz anderen Menschenschlag an als der träumerische Balfour, der inmitten der nebligen Hügel Schottlands aufgewachsen war, oder der gerissene Lloyd George, der sich stets bemühte, seine Aktivitäten zu vertuschen; nichtsdestoweniger hinterließ sein ganzes Handeln den Eindruck, als seien er, Balfour und Lloyd George Absolventen ein und derselben geheimen Akademie für politische Intrigen. 1914 begann er (laut seinen eigenen Aussagen) amerikanische Botschafter zu ernennen und erwies erstmals europäischen Regierungen in seiner Eigenschaft als »persönlicher Freund des Präsidenten« seine Aufwartung.

 

Sein Herausgeber Seymour meinte: »In der ganzen Geschichte findet sich kaum ein anderes Beispiel einer dermaßen effizienten Diplomatie. Oberst House, ein Privatmann, legt sämtliche Karten auf den Tisch und entscheidet gemeinsam mit dem Botschafter einer fremden Macht über den Inhalt der Depeschen, die dem Außenminister dieser Macht sowie ihrem Botschafter in den USA zugestellt werden sollen.« …

 

Jenseits des Atlantiks gab es einen aufstrebenden Politiker, der sich ebenfalls lebhaft für die Tätigkeit der »Finanzlöwen« interessierte. Wie Beatrice Webb berichtet, hatte ihr Winston Churchill bereits einige Zeit zuvor bei einem Abendessen anvertraut, er baue darauf, dass die »Hochfinanz« den Frieden bewahren könne, und sei deshalb »gegen ein autarkes [britisches] Empire«, da er befürchte, dieses werde den kosmopolitischen Kapitalismus zerstören; der kosmopolitische Financier sei jedoch der professionelle Friedensstifter der modernen Welt und seiner Ansicht nach die Apotheose der Zivilisation. Die späteren Entwicklungen haben Churchills These, wonach die führenden »in den Metropolen der Welt« beheimateten Financiers »professionelle Friedensstifter« seien, freilich in keiner Weise bestätigt.

 

So also sah es in den Jahren 1915 und 1916 in Amerika hinter den Kulissen aus. Die folgenden Ereignisse zeigten klar, welche Ziele die herrschende Clique, deren Netz sich mittlerweile quer über den Atlantik spannte, insgeheim verfolgte. Der britische Premierminister Asquith wurde unter dem Vorwand, seine Inkompetenz gefährde die Aussichten auf den Sieg, seines Amtes enthoben; Lloyd George brachte sein Land an den Rand einer totalen Niederlage, indem er einen erheblichen Teil der britischen Truppen von Frankreich nach Palästina verlegte. Woodrow Wilson wurde wiedergewählt, weil man dem amerikanischen Volk weisgemacht hatte, er werde der alten Tradition treu bleiben und sein Land aus dem Krieg heraushalten, doch schon bald nach seiner Wiederwahl ging er auf Kriegskurs.

 

Welcher Abgrund zwischen den Worten und den Taten jener Männer klaffte, die den Kurs der amerikanischen Außenpolitik bestimmten, geht aus folgenden Fakten hervor: Oberst House war bereits am 30. Mai 1915 privat zum Schluss gelangt, ein Krieg mit Deutschland sei »unvermeidlich«, was ihn allerdings nicht daran hinderte, im Juni 1916 den Slogan zu prägen, der Wilson die Wiederwahl bescheren sollte: »Wilson hat uns aus dem Krieg herausgehalten. Es wäre ein Verbrechen gegen die Zivilisation, wenn wir uns auf einen solchen Schritt einließen.«

 

Doch die Strippenzieher, an deren Fäden der Präsident wie eine Marionette tanzte, sorgten dafür, dass dergleichen Illusionen nach Wilsons zweitem Amtsantritt (am 20. Januar 1917) sogleich zerstoben. Rabbiner Wise teilte Wilson mit, er habe inzwischen umgedacht; seiner Überzeugung nach sei »für das amerikanische Volk die Zeit gekommen, zu verstehen, dass es möglicherweise unser Los ist, an diesem Kampf teilzunehmen«. Oberst House, der bereits während des Wahlkampfs in einer Notiz festgehalten hatte, Amerika befinde sich auf der Schwelle zum Krieg, vertraute seinem Tagebuch am 12. Februar 1912 folgendes an: »Wir treiben so schnell auf den Krieg zu, wie ich erwartet habe.«

 

Am 27. März 1917 erkundigte sich Wilson bei House, ob er den Kongress um eine Kriegserklärung ersuchen oder festhalten solle, das Land sei bereits in Kriegszustand. House »empfahl ihm Letzteres« und am 2. April erfuhr das amerikanische Volk, dass es sich im Krieg befand. Somit hatte das Netz der Intrige, das sich quer über den Atlantischen Ozean spannte, sein entscheidendes Ziel im Zeitraum zwischen November 1916 und April 1917 erreicht: Lloyd George hatte Asquith als Premierminister abgelöst; die Verlegung britischer Truppen nach Palästina war bereits angelaufen; Präsident Wilson, auf dessen Unterstützung bei der Verwirklichung des zionistischen Plans man sich verlassen konnte, war wiedergewählt worden, und die USA waren in den Krieg eingetreten.

 

In seiner Botschaft an den Kongress, in der er festhielt, die Vereinigten Staaten befänden sich de facto im Kriegszustand, sagte Wilson, das Ziel des Krieges bestehe in der Schaffung einer »neuen internationalen Ordnung«. Somit wurde ausdrücklich ein neues Ziel formuliert. … Nur die Eingeweihten begriffen, dass darunter ein Plan zur Schaffung einer »Weltföderation« zu verstehen war, der notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden sollte und das Verschwinden sämtlicher alten Nationen sowie die Gründung einer neuen vorsah; sowohl der Zionismus als auch der Kommunismus waren Werkzeuge bei der Verwirklichung dieses Plans.

 

Von diesem Moment an marschierten die heimlichen politischen Machthaber in Amerika und England in strammem Gleichschritt, so dass zwei ursprünglich getrennte Geschichten zur Geschichte eines einzigen »Netzes« verschmelzen. Jene Männer, die in Washington und London offiziell das Sagen hatten, koordinierten ihre Aktionen unter der Regie der Zionisten, die hüben und drüben des großen Teichs die Fäden zogen. Bereits im März 1915 hatte Chaim Weizmann in London unter Beweis gestellt, dass er wusste, wie sich die Dinge entwickeln würden: Er schrieb an seinen Verbündeten Scott, den Herausgeber des Manchester Guardian, »seines Wissens« sei die britische Regierung bereit, den zionistischen Interessen bei der kommenden Friedenskonferenz gebührend Rechnung zu tragen (schon 1903 hatte sich Max Nordau in ähnlichem Sinne geäußert). …

 

Die britische Regierung, meinte Weizmann weiter, werde »die Organisation des jüdischen Commonwealth in Palästina voll und ganz den Juden überlassen«. Doch selbst wenn man den Zionisten Palästina auf dem Silbertablett serviert hätte, wären sie nicht in der Lage gewesen, dort gegen den Willen der arabischen Bevölkerungsmehrheit ein »Commonwealth« zu errichten. Dies konnten sie einzig und allein unter dem Schutz einer Großmacht und ihrer Heere tun. Deshalb vertrat Weizmann die Ansicht, zum Schutz der zionistischen Siedler solle in Palästina ein britisches Protektorat errichtet werden (was dann im Jahre 1919 tatsächlich geschah).

 

Dr. Weizmanns Kommentar, dies sei eine »Vorwegnahme des Mandatsystems« gewesen, vermittelt dem Historiker Aufschluss über die Entstehung des Begriffs »Mandat«. Die Strategie, eroberte Territorien einem »Mandat« zu unterstellen, das von einem selbsternannten »Völkerbund« proklamiert worden war, wurde einzig und allein im Hinblick auf Palästina entworfen. (Dies hat die geschichtliche Entwicklung bestätigt: Sämtliche anderen nach dem Ersten Weltkrieg geschaffenen »Mandate«, sind inzwischen verschwunden; entweder erhielten sie die Unabhängigkeit, oder sie wurden zum Besitz des Eroberers erklärt. In anderen Worten: Der Begriff »Mandat« wurde nur so lange aufrechterhalten, bis die Zionisten genug Waffen angehäuft hatten, um Palästina selbst in Besitz zu nehmen.)

 

Dies alles spricht dafür, dass Dr. Weizmann sehr genau Bescheid darüber wusste, was für die Zukunft geplant war. Weizmann ließ keine Zeit verstreichen: In einem Memorandum an die britische Regierung forderte er, die königliche Regierung solle »die jüdische Bevölkerung in Palästina« offiziell als jüdische Nation anerkennen. Darauf versammelte sich ein aus neun zionistischen Führern sowie einem Vertreter der britischen Regierung (Sir Mark Sykes, der allerdings bloß als »Privatmann« zugegen war) bestehendes Komitee in einem jüdischen Privathaus, um ein britisches Regierungsdokument zu entwerfen. Dies war die Geburtsstunde der Balfour-Deklaration. Unmittelbar anschließend beschloss Balfour, sich zur Erörterung dieser Frage nach Amerika zu begeben. …

 

Während an der Balfour-Deklaration gefeilt wurde, verstrich der Sommer 1917. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren mittlerweile tief in das zionistische Abenteuer verstrickt. Abgesehen von den Generälen und einigen wenigen hochrangigen Beamten des britischen sowie des amerikanischen Außenministeriums waren die englischen und amerikanischen Juden die einzigen, die sich dem Zionismus entgegenstellten. (Dass Nichtjuden, wenn auch nur als Marionetten, eine dermaßen maßgebliche Rolle bei der Verwirklichung der zionistischen Pläne gespielt haben, ist einer von mehreren Gründen dafür, der Behauptung, wonach die »Protokolle der Weisen von Zion« rein jüdischen Ursprungs seien, mit einer gehörigen Portion Skepsis zu begegnen.)

 

In Großbritannien hatte die Anglo-Jewish Association im Jahre 1915 durch ihr Vereintes Komitee folgende Erklärung abgegeben: »Die Zionisten halten bürgerliche und politische Emanzipation nicht für ausreichend, um den Sieg über die Verfolgung und Unterdrückung von Juden zu gewährleisten; sie meinen, ein solcher Sieg könne lediglich durch die Gründung einer rechtlich abgesicherten Heimstatt für das jüdische Volk errungen werden.«

 

Unter normalen Umständen hätten sich auch die britische sowie die amerikanische Regierung in diesem Sinne geäußert, und sie wären von den jüdischen Bürgern ihrer Staaten unterstützt worden. Doch Dr. Weizmann hatte anno 1914 geschrieben, man müsse solchen Juden klarmachen, dass »wir und nicht sie die Herren der Situation sind«. Das Vereinte Komitee vertrat die alteingesessenen Juden Englands, aber die britische Regierung akzeptierte die Behauptung der russisch-jüdischen Revolutionäre, sie seien die »Herren« des Judentums.

 

1917, als der Moment der unwiderruflichen Entscheidung näher rückte, erklärte das vereinigte Komitee abermals, die Juden seien eine religiöse Gemeinschaft und nicht mehr; sie besäßen keinen Anspruch auf eine »nationale Heimstatt« und die Juden Palästinas brauchten nicht mehr als »die Sicherstellung ihrer religiösen und bürgerlichen Freiheit, vernünftige Möglichkeiten für Einwanderung und desgleichen«. …

 

In England war Weizmann wütend über die »ausschließlich von jüdischer Seite kommende Einmischung von außen«. Inzwischen kam er sich bereits so vor wie ein Mitglied der Regierung. Er begnügte sich nicht damit, die Einwände britischer Juden als »Einmischung von außen« vom Tisch zu wischen, sondern diktierte dem Kabinett, welche Fragen es zu erörtern hatte.  …

 

Am 9. Oktober teilte Weizmann in einem triumphierend formulierten Telegramm mit, die britische Regierung habe sich formell verpflichtet, »eine nationale Heimstatt für die jüdische Rasse« in Palästina zu schaffen. Der auch von Wilson abgesegnete Text wurde dann zur »Balfour-Deklaration«. Lloyd George versprach oft zionistischen Besuchern: »Ihr sollt Palästina von Dan bis Beersheba haben.« Hierdurch spielte sich der Premierminister als Werkzeug des göttlichen Willens auf. Einmal bat er besorgte jüdische Parlamentsabgeordnete zu einem Frühstück einzuladen, »damit ich sie von der Richtigkeit meiner zionistischen Position überzeugen kann«. Gesagt, getan: Im Frühstücksraum des britischen Premierministers wurde ein minyan (jüdische Bezeichnung für ein aus zehn Personen bestehendes religiöses Forum) einberufen, worauf Lloyd George seinen Gästen eine Reihe von Stellen aus der Bibel vorlas, die seiner Interpretation nach die Ansiedlung von Juden in Palästina im Jahre 1917 geboten. »Meine Herren, jetzt wissen Sie, was Ihre Bibel sagt, und damit ist die Sache erledigt«, schloss er seine Ausführungen. …

 

Als sich Balfour nach Amerika begab, um gemeinsam mit seinen dortigen Gesprächspartnern über den endgültigen Wortlaut der nach ihm benannten Erklärung zu entscheiden, waren die USA bereits in den Krieg eingetreten. Somit geriet die amerikanische Republik im November 1917 wie vor ihr Großbritannien unter die Kontrolle des Zionismus, der sich im Folgenden als zerstörerische Kraft erwies. Allerdings darf man nicht übersehen, dass der Zionismus seinerseits lediglich eine Erscheinungsform des »zerstörerischen Prinzips« an sich ist. …

 

In derselben Woche, in der die Balfour-Deklaration verabschiedet wurde, erreichte die zweite jüdische Gruppierung in Russland, die kommunistische, ihr Ziel – die Zerstörung des russischen Nationalstaats – ebenfalls. Die westlichen Politiker hatten also ein Ungeheuer mit zwei Köpfen hochgepäppelt. Der eine Kopf war die Macht des Zionismus in den Hauptstädten des Westens, die andere die Macht des Kommunismus, der vom geknechteten Russland aus seine Fangarme ausstreckte. Seine Unterwürfigkeit gegenüber dem Zionismus schwächte die Fähigkeit des Westens, sich gegen die Weltrevolution zu wehren, denn der Zionismus arbeitete darauf hin, die westlichen Regierungen in seinem Würgegriff gefangen zu halten und zu verhindern, dass sie eine Politik im Interesse ihrer eigenen Nationen betrieben: Wer gegen die Weltrevolution Stellung bezog, wurde regelmäßig als »Antisemit« beschimpft.

 

Seit 1917 lautet die Frage, auf welche die restlichen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts eine Antwort erteilten müssen, ob der Westen noch die Kraft aufbringen wird, seine Ketten zu sprengen oder seine Politiker aus der zweifachen Knechtschaft zu befreien, in der sie sich befinden. Bei der Lektüre der folgenden Kapitel tut der Leser gut daran, in Erinnerung zu behalten, wozu sich britische und amerikanische Politiker während des Ersten Weltkriegs verleiten ließen.

 

 

 

Kapitel 32  Abermals die Weltrevolution

 

Die gleichzeitigen Triumphe des Bolschewismus in Moskau und der Zionismus in London in ein und derselben Woche des Jahres 1917 waren nur äußerlich gesehen zwei voneinander unabhängige Ereignisse. Wie wir in früheren Kapiteln zur Genüge nachgewiesen haben, gingen diese beiden Ideologien auf eine gemeinsame Quelle zurück, und die hinter den Kulissen agierenden Männer, die den Zionismus über ihre Marionetten in den westlichen Regierungen förderten, unterstützten auch die Weltrevolution. Jede der beiden Strömungen erfüllte eine Hälfte des alten Gesetzes »Reiße nieder und zerstöre… herrsche über alle Nationen«: Die eine riss nieder und zerstörte, und die andere trat still und leise ihre Herrschaft über die Länder des Westens an.

 

Die Geschehnisse des Jahres 1917 erbrachten den Beweis dafür, dass Disraelis Ausspruch über die Revolution von 1848 weiterhin unverändert Gültigkeit besaß: Die Juden standen an der Spitze »jeder einzelnen« Geheimgesellschaft und arbeiteten auf die Vernichtung des Christentums hin. Die bolschewistische Bewegung, die sich 1917 in Russland an die Macht putschte, war in so hohem Maß von Juden kontrolliert, dass man sie mit gutem Gewissen als »jüdisch« bezeichnen kann. Somit beantwortete die Geschichte selbst die Frage nach dem Charakter der treibenden Kraft hinter der Revolution so eindeutig, dass sich jede weitere Debatte darüber erübrigte. Auch die Taten der siegreichen Revolutionäre sprachen für sich: Die Art der ersten von ihnen verabschiedeten Dekrete, ihre symbolische Verhöhnung des Christentums, die Umstände, unter denen der Zar ermordet wurde – all dies trug den unverkennbaren Stempel talmudistischer Rache.

 

In den vier Jahrzehnten, die seither vergangen sind, wurden enorme Anstrengungen unternommen, um diese unumstößliche Tatsache unter den Teppich zu kehren. Was die Führung der kommunistischen Bewegung betraf, so war diese schon lange vor 1917 in der Tat jüdisch dominiert. Gewiss, der Kommunismus war keine Verschwörung aller Juden, genau so wenig wie die französische Revolution, der Faschismus und der Nationalsozialismus eine Verschwörung aller Franzosen, Italiener und Deutschen gewesen wären. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Führer der kommunistischen Bewegung aus den talmudistisch kontrollieren Zonen Russlands stammten. Insofern war der Kommunismus also nachweislich eine jüdische, oder genauer gesagt eine ostjüdische Bewegung.

 

Die von der bolschewistischen Revolution verfolgten Ziele traten schon unmittelbar nach ihrem Ausbruch mit aller Klarheit hervor und bewiesen, dass diese Revolution mitnichten eine spontane Erhebung war, sondern dass die von Weishaupt erwähnte Geheimorganisation eben zum dritten Male zugeschlagen hatte. Wie schon ihre Vorgängerinnen wies auch diese Revolution zwei zentrale Charakterzüge auf: Sie richtete sich gegen jede Form legitimer Regierung und gegen die Religion. Seit 1917 kann sich die Weltrevolution nicht mehr hinter der Behauptung verschanzen, sie sei nur gegen die »Könige« oder gegen die politische Macht des Klerus gerichtet.

 

Schon bald nach der Oktoberrevolution meldete sich eine prominente Persönlichkeit zu Wort, die all dies wusste und sich nicht scheute, es öffentlich zu sagen. In der Tradition eines Edmund Burke, eines John Robison, eines George Washington, eines Alexander Hamilton und eines Benjamin Disraeli schrieb Winston Churchill im Illustrated Sunday Herald vom 8. Februar 1920:

 

»Es macht fast den Anschein, als habe die Vorsehung gewollt, dass das Evangelium Christi und das Evangelium des Antichristen aus der Mitte ein und desselben Volkes hervorgehen sollten, und als sei diese mystische und geheimnisvolle Rasse dazu auserkoren, sowohl das Göttliche als auch das Teuflische in seiner reinsten Form zu verkörpern… Von den Tagen des ‚Spartacus‘ Weishaupt bis hin zu Trotzki (Russland), Bela Kun (Ungarn), Rosa Luxemburg (Deutschland) und Emma Goldman (USA) gewinnt diese weltweite Bewegung zum Sturz der Zivilisation und zum Aufbau einer auf Rückständigkeit, Neid, Bosheit und einer unmöglichen Gleichheit fußenden Gesellschaft beständig an Boden. Wie eine zeitgenössische Autorin, Nesta Webster, sehr überzeugend nachwies, hat diese Verschwörung bei der Tragödie der Französischen Revolution eine klar erkennbare Rolle gespielt. Sie war der Quell jeder subversiven Bewegung des 19. Jahrhunderts, und nun hat diese Schar von außergewöhnlichen Gestalten aus der Unterwelt der Großstädte Europas und Amerikas das russische Volk beim Schopf gepackt und sich praktisch zu unumschränkten Herrschern des Riesenreichs emporgeschwungen. Die Rolle, welche diese internationalen und größtenteils atheistischen Juden bei der russischen Revolution gespielt haben, lässt sich kaum überschätzen.«

 

Soweit ich weiß, war dies die letzte freimütige Stellungnahme eines führenden Politikers der westlichen Demokratien zu dieser Frage. Bald darauf wurde jede öffentliche Diskussion darüber in Acht und Bann getan, und es setzte ein lähmendes Schweigen ein, das bis zum heutigen Tage andauert. 1953 verweigerte Churchill seine (laut britischem Gesetz erforderliche) Zustimmung zu einer fotografischen Reproduktion dieses Artikels, ohne irgendwelche Gründe hierfür zu nennen.

 

Das Wissen um die jüdische Führungsrolle bei der bolschewistischen Revolution war von ungeheurer Bedeutung; dass es später unterdrückt wurde, trug entscheidend zur Schwächung des Westens bei. Wenn dermaßen elementare Fakten der öffentlichen Diskussion entzogen werden, wird jede rationale Politik unmöglich. In den unmittelbar auf die Oktoberrevolution folgenden Jahren funktionierte diese Zensur freilich noch nicht so reibungslos wie später. Im Weißbuch der britischen Regierung (»Russland«, Nr. 1, eine Sammlung von Berichten über den Bolschewismus) wurde ein Bericht des niederländischen Botschafters in St. Petersburg Oudendyke an Außenminister Balfour in London zitiert, in dem es hieß: »Der Bolschewismus wird von Juden organisiert und geleitet, die keine Nationalität haben und deren einziges Ziel darin besteht, die bestehende Ordnung zur Förderung ihrer eigenen Anliegen zu zerstören.«

 

Der amerikanische Botschafter David R. Francis äußerte sich in ähnlichem Sinne: »Die hiesigen Bolschewikenführer, von denen die meisten Juden und 90% aus dem Exil zurückgekehrt sind, empfinden wenig Liebe zu Russland oder irgend einem anderen Land, sondern sind Internationalisten und versuchen eine weltweite soziale Revolution in Gang zu bringen.« In späteren Auflagen der offiziellen britischen Dokumentensammlung zur Oktoberrevolution war Oudendykes Bericht nicht mehr enthalten.

 

Glücklicherweise gab es aber einen Zeugen, der die offiziellen britischen Unterlagen aus der Zeit unmittelbar nach der bolschewistischen Revolution aufbewahrt hat.

 

Dieser Zeuge war Robert Wilton, Korrespondent der Londoner Times und Augenzeuge der Geschehnisse. In der französischen Ausgabe seines 1920 erschienenen Buchs The Last Days of the Romanoffs wurden die (in der englischen Originalausgabe getilgten!) offiziellen bolschewistischen Listen, die Auskunft über die Zusammensetzung der revolutionären Führungsorganisationen vermittelten, vollumfänglich abgedruckt. Aus diesen Unterlagen geht folgendes hervor:

 

– Im Zentralkomitee der bolschewistischen Partei, also der höchsten Führungsinstanz des Landes, saßen drei Russen
  (darunter Lenin) und neun Juden;

 

– Das zweitwichtigste Führungsgremium, das Zentralkomitee der Exekutivkommission, bestand aus 42 Juden sowie 19
  Angehörigen anderer Nationalitäten (Russen, Letten, Georgier etc.):

 

– Der Rat der Volkskommissare umfasste 17 Juden und 5 Angehörige anderer Nationalitäten:

 

– Der Moskauer Tscheka (Geheimpolizei) gehörten 23 Juden und 13 Nichtjuden an:

 

– Von 556 hochrangigen Funktionären der bolschewistischen Regierung waren 448 Juden und die restlichen Angehörige
  anderer Völkerschaften;

 

– Die Zentralkomitees der kleinen, nominell »sozialistischen« oder sonstwie nichtkommunistischen Parteien, die damals
  noch erlaubt waren, um die aus der Zarenzeit an die Existenz von Oppositionsparteien gewöhnten Massen zu täuschen,
  bestanden aus insgesamt 55 Juden und 6 Nichtjuden.

 

In den von Wilton abgedruckten Originaldokumenten figurierten sämtliche Namen. Ganz nebenbei sei darauf hingewiesen, dass die ethnische Zusammensetzung der kurzlebigen kommunistischen Regime, die 1918/1919 in Ungarn und Bayern die Macht ausübten, ein ganz ähnliches Bild bot.

 

Wilton bemühte sich nach Kräften, den Lesern der westlichen Zeitungen die Augen darüber zu öffnen, was in Russland vor sich ging. Dass ihm dies kaum gelang, brach ihm das Herz und er starb Anfang 1923 im Alter von nur 57Jahren. Er hatte die Aufgabe, über die folgenschwersten Geschehnisse, die sich je vor den Augen eines Journalisten abspielten, zu berichten, nicht selbst gewählt, sondern war von den Umständen dazu gezwungen worden. Da er seit seiner Jugendzeit in Russland gelebt hatte und dort zur Schule gegangen war, kannte er dieses Land sowie seine Sprache perfekt; sowohl die Russen als auch die Angehörigen der britischen Botschaft begegneten ihm mit größter Hochachtung. Er beobachtete die Unruhen vom Fenster des Times-Büros aus; dieses grenzte unmittelbar an die Präfektur, in die sich die Mitglieder der zusammenbrechenden Regierung geflüchtet hatten. Zwischen dem Amtsantritt der Kerensky-Regierung im Frühling 1917 und der bolschewistischen Machtergreifung im November desselben Jahres bestand seine Aufgabe darin, über ein weltpolitisch vollkommen neues Phänomen zu berichten: Den Aufstieg eines despotischen jüdischen Regimes, das in Russland die ganze Macht an sich riss und die Weltrevolution unverhüllt steuerte. Wilton begriff schon bald, dass man ihm nicht erlauben würde, wahrheitsgetreu über diese Fakten zu berichten.

 

In der Anno 1952 erschienenen »Offiziellen Geschichte« seiner Zeitung, der Times, wird dies überraschend offen eingeräumt. Dies liefert einen unverkennbaren Hinweis auf den verborgenen Mechanismus der Zensur, die bereits 1917 existierte und die Völker des Westens daran hinderte, den wahren Charakter der »Russischen« Revolution zu durchschauen. … (Ich selbst sowie andere Korrespondenten, die zwischen 1933 und 1938 in Berlin stationiert waren, mussten dort dieselbe Erfahrung machen wie Wilton in Russland.)

 

Robert Wilton fiel bei den Herausgebern der Times in Ungnade, als Kerenski von den jüdischen Revolutionären Schritt für Schritt entmachtet wurde. Warum? Die Offizielle Geschichte der Times beantwortet diese Frage mit dankenswerter Offenheit: »Es war für Wilton sehr nachteilig, dass eine seiner Botschaften… in zionistischen Kreisen, ja selbst im Außenministerium, den Eindruck erweckte, er sei Antisemit.«

 

Diese Worte muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: »Zionistische Kreise«, nicht »kommunistische«! Einen klareren Beweis für die Kumpanei zwischen Zionisten und Kommunisten kann man sich kaum wünschen. Warum hätten die Zionisten, die von der britischen Regierung eine »Heimstatt« in Palästina wollten, sonst Anstoß an den Meldungen eines britischen Moskau-Korrespondenten nehmen sollen, der darüber berichtete, dass in Russland ein jüdisches Regime nach der Macht griff? Immerhin war Wilton lediglich seiner Pflicht nachgekommen, die Leser wahrheitsgemäß über die Entwicklung in Russland zu informieren. Doch für die Zionisten war er ein »Antisemit«, und dies reichte bereits aus, um ihn bei der Redaktion der Times in Misskredit zu bringen. …

 

Wilton kämpfte noch eine Zeitlang weiter. Er protestierte unaufhörlich gegen die Zensierung seiner Meldungen und erwies der Sache des ehrlichen Journalismus dann einen letzten Dienst, indem er sein Wissen in seinem Buch The Last Days of the Romanoffs zusammenfasste. Darin schilderte er Taten des neuen Regimes, die ein grelles Licht auf dessen wahre Natur warfen: Das Gesetz gegen »Antisemitismus«, die antichristlichen Verfolgungsmaßnahmen, die Kanonisierung von Judas Ischariot, die Umstände des Mordes an der Zarenfamilie, der unverkennbar talmudistische Handschrift trug und bei dem die Täter absichtlich Spuren zurückließen, um ihre Opfer zu verhöhnen.

 

Das Gesetz gegen »Antisemitismus« war bereits ein hinreichend klarer Hinweis auf die Urheberschaft der Revolution. Es war dies eine unmissverständliche Warnung des illegalen, mehrheitlich aus Juden bestehenden Regimes an die russischen Massen, Fragen wie die nach dem Ursprung der revolutionären Bewegung tunlichst zu unterlassen.

 

Das kurze antichristliche Wüten der französischen Phase der Revolution wiederholte sich in Russland in noch brutalerer Form. Die Sprengung von Kirchen sowie die Einrichtung eines Gottlosenmuseums in der Kathedrale des Heiligen Basilius waren der Pferdefuß, an dem man den wahren Charakter des bolschewistischen Regimes sofort erkannte. »Prozentual repräsentierten die Juden ein Zehntel der Bevölkerung«, schrieb Wilton, »doch neun von zehn Kommissaren, die das bolschewistische Russland regieren, sind Juden«. Wilton nahm also kein Blatt vor den Mund. …

 

Auch die damals verübten Massaker waren im Grunde nichts anderes als ein talmudistischer Rachefeldzug gegen die »Heiden«. Im August 1918 wurde der Jude Urizki vom Juden Kanegisser erschossen, worauf der Chef der Petrograder Tscheka, der Jude Peters, einen »Massenterror« gegen Russen anordnete und ein weiterer Jude, Sinowjew (ursprünglicher Name: Apfelbaum), die Vernichtung von zehn Millionen Russen forderte. Das 1919 erschienene Weißbuch der britischen Regierung über den Bolschewismus erwähnt noch die anschließenden Massenmorde an russischen Bauern.

 

Der symbolträchtigste Akt war freilich die Ermordung der Zarenfamilie. Robert Wilton trug maßgeblich dazu bei, dass die Welt von den Tatsachen erfuhr.

 

Nikolaus II. hatte am 5. März 1917 auf den Rat seiner Minister abgedankt. Zu Beginn der Bolschewistenherrschaft wurden er und seine Familie verhältnismäßig gut behandelt. Ein Jahr lang waren sie in Tobolsk unter einem russischen Kommandanten interniert. Im April 1918, als das jüdische Regime bereits recht fest im Sattel saß, wurde die Familie auf Befehl aus Moskau hin nach Jekaterinburg, einer Stadt im Ural, überstellt, und die russischen Wächter wurden durch andere ersetzt, deren Identität nie eindeutig geklärt werden konnte. Die örtliche russische Bevölkerung bezeichnete sie als »Letten«, weil die einzige nicht russischsprachigen Soldaten der Roten Armee, die man damals kannte, aus Lettland stammten, aber alles deutet darauf hin, dass es sich um Ungarn handelte.

 

An die Stelle des früheren russischen Kommandanten trat am 7. Juli der Jude Jankel Jurowski. Verantwortlich für die Inhaftierung der Zarenfamilie war nun eine Kette von Juden, von der Regierungsspitze in Moskau über die Vorsitzenden der lokalen Sowjets im Ural bis hin zum Kommandanten des Gefängnisses in Jekaterinburg. Der heimliche Herrscher Russlands war damals der jüdische Terrorist Jankel Swerdlow, Vorsitzender der Moskauer Tscheka. An der Spitze der Tscheka von Jekaterinburg standen sieben Juden, darunter der bereits erwähnte Jankel Jurowski. Am 20. Juli gab der uralische Sowjet bekannt, der Zar sei erschossen, seine Familie hingegen »an einen sicheren Ort« verbracht worden. … Doch zum damaligen Zeitpunkt waren der Monarch und seine Familie bereits tot.

 

Dass die Wahrheit ans Licht kam, ist einzig und allein der Tatsache zu verdanken, dass Jekaterinburg am 25. Juli von den »Weißen« unter General Diterichs erobert wurde. Im Windschatten der monarchistischen Truppen trafen auch Robert Wilton und der berühmte russische Kriminologe Sokolow in Jekaterinburg ein; wo sie sofort mit ihren Untersuchungen begannen. Nachdem die Weißen abgezogen waren, befand sich das gesamte Beweismaterial in den Händen Wiltons, der es, zusammen mit zahlreichen Fotografien, in seinem Buch veröffentlichte.

 

Der Mord an der Zarenfamilie war von Swerdlow, der in ständigem Kontakt mit der Zentrale in Moskau stand, auf Befehl eben dieser Zentrale organisiert worden. Hiervon zeugten dokumentarische Unterlagen über die Telefongespräche zwischen Swerdlow und der Tscheka von Jekaterinburg. Letztere hatte Swerdlow unter anderem einen Bericht zugestellt, in dem es hieß: «Gestern ging ein Kurier mit den Dokumenten ab, die Sie interessieren.” Der Kurier war kein anderer als Jurowski. Mit den ”Dokumenten” waren nach Ansicht der Untersuchungsbeamten die Köpfe der Romanows gemeint (die Schädel der Ermordeten waren spurlos verschwunden und es wurden auch keine Schädelknochen gefunden).

 

Die näheren Umstände des Massenmordes wurden von Zeugen geschildert, unter den sich zumindest einer der Täter befand. Um Mitternacht des 16. Juli war die Zarenfamilie von Jurowski geweckt, in einen Kellerraum geführt und dort erschossen worden. Die tödlichen Schüsse waren von Jurowski, seinen sieben nicht identifizierten ausländischen Helfershelfern, einem Vertreter der lokalen Tscheka namens Nikulin sowie zwei Russen (professionellen Mördern im Solde der Tscheka) abgefeuert worden. Bei den Opfern handelte es sich um den Monarchen, seine Gattin, seinen kranken Sohn (den sein Vater auf den Armen trug, da er zu schwach war, um zu gehen), seine vier Töchter sowie um den Arzt, den Diener, den Koch und die Zofe der Familie. Als Sokolow und Wilton den Raum betraten, in dem die Zarenfamilie mit Schüssen und Bajonettstichen abgeschlachtet worden war, befand sich dieser immer noch in einem Zustand größter Unordnung; hiervon zeugt eine Fotografie in Wiltons Buch.

 

Während es der Untersuchungskommission rasch gelang, die Umstände der Bluttat aufzuhellen, vermochte sie die sterblichen Überreste der Ermordeten lange nicht zu finden. Sie erfuhr, dass sich Jurowski, ehe er die Stadt verließ, gebrüstet hatte, die Welt werde »niemals erfahren, was wir mit den Leichen gemacht haben«. Doch der Erdboden gab sein Geheimnis schließlich preis. Die Leichen waren auf fünf Lastwagen zu einem stillgelegten Erzbergwerk gefahren, zerstückelt und mit 150 Gallonen Benzin verbrannt worden. Ein Genosse Woikow von der uralischen Tscheka (der gemeinsam mit Lenin in dem versiegelten Zug aus Berlin in Russland eingetroffen war) hatte ca. 200 Liter Schwefelsäure zur Verfügung gestellt, mit der die Knochen der Ermordeten zerstört werden sollten. Anschließend hatte man die Asche mitsamt den unverbrannten Leichenteilen (Knochen und Hautfetzen) in den Schacht geworfen, nachdem man zuerst das Eis auf dem Schachtgrund zertrümmert hatte, damit die menschlichen Überreste im Schlamm versinken konnten. Anschließend bedeckte man den Schachtgrund mit einem Fußbodenbelag. Nachdem die Ermittler diesen entfernt hatten, entdeckten sie Knochensplitter, Hautfetzen, einen Finger und zahlreiche Gegenstände, von denen sich herausfinden ließ, wem sie gehört hatten. Besonderes Erstaunen erweckte anfänglich eine kleine Sammlung von Nägeln, Münzen und ähnlichem. Sie wirkte wie der Inhalt der Hosentasche eines Schuljungen, und genau das war sie auch: Sidney Gibbes, der Englischlehrer des kleinen Zarensohns, bezeugte, dass diese Dinge seinem Schützling gehört hatten. Die ausgeklügelten Maßnahmen zur Beseitigung der Leichen und sonstigen Beweismittel verrieten, dass man es mit abgebrühten Verbrechern zu tun hatte.

 

Schon bald erfuhr die Außenwelt von dem grausigen Fund, und Swerdlows Behauptung, wonach lediglich der Zar hingerichtet und seine Familie in Sicherheit gebracht worden sei, war als Lüge entlarvt. Die Täter inszenierten eine Prozessfarce gegen 28 Personen, denen zur Last gelegt wurde, den Zar und seine Familie umgebracht zu haben. Von diesen 28 wurden allerdings nur acht namentlich genannt, von denen keiner irgendetwas mit dem Massaker zu tun gehabt hatte. Die Bolschewiken behaupteten, fünf der Schuldigen seien an die Wand gestellt worden; ob diese Personen überhaupt je existiert haben, weiß man nicht. Der Organisator des Massenmordes, Swerdlowsk, wurde bald darauf bei einer innerparteilichen Fehde getötet und Tausende unschuldiger Menschen fielen dem wahllosen Morden zum Opfer, das gleich nach der Auslöschung der Zarenfamilie einsetzte. Jekaterinburg wurde in Swerdlowsk umbenannt, um Swerdlows Namen zum Lohn für dieses symbolträchtige Verbrechen zu verewigen.

 

Der Hauptgrund dafür, dass wir so ausführlich auf die Umstände des Mordes an den Romanow eingehen, besteht in den «Fingerabdrücken”, welche die Täter an der Stätte ihrer Missetat zurückließen. Einer der Verbrecher, vermutlich ihr Anführer, brachte nach der Tat eine Inschrift an der Wand an, die damals bereits mit obszönen oder höhnischen Graffiti in hebräischer, ungarischer und deutscher Sprache bedeckt war. Die betreffende Inschrift räumte jeden Zweifel daran aus, dass der Zar und seine Familie nach dem Gesetz der Thora und des Talmud »hingerichtet« worden waren, und lieferte der Nachwelt somit ein Paradebeispiel jüdischer Rache, so wie sie von den Leviten interpretiert wird. Es handelte sich um die beiden letzten Zeilen des Gedichts Belsazar, in dem der deutsch-jüdische Poet Heinrich Heine den Tod des babylonischen Herrschers Belsazar als Strafe für seine Schmähung des jüdischen Gottes Jehova darstellt:

 

Belsazar ward aber in selbiger Nacht,
Von seinen Knechten umgebracht.
 

 

Kein Mörder hat je einen klareren Hinweis auf seine Tat und seine Identität hinterlassen!

 

Die Revolution war ihrem Wesen nach nicht russisch, auch wenn sie in Russland ausgebrochen war. Sie hatte überall in den höchsten Kreisen ihre Freunde. Zu diesem Zeitpunkt (1917-1918) findet der Historiker erstmals Belege dafür, dass führende Persönlichkeiten dem Kommunismus dieselbe Unterstützung angedeihen ließen, die sie bereits seinem Bruder, dem Zionismus, verliehen hatten. Dies geschah auf beiden Seiten der Front; sobald die geheimen Ziele des Krieges offengelegt worden waren, verschwand die Unterscheidung zwischen »Feind« und »Freund«. Das Hauptquartier jener Zionisten, die konzentrierten Druck auf die Politiker in London und Washington ausübten, befand sich noch längere Zeit nach Kriegsausbruch in Berlin; die Kommunisten erhielten bald von Deutschland, bald von Deutschlands Feinden entscheidende Unterstützung.

 

Wie der amerikanische Botschafter in Berlin, Gerald, in einem Brief an Oberst House festhielt, begann Deutschland nach dem Auftakt zum Ersten Weltkrieg, »Russen mit revolutionärer Tendenzen, die sich in deutscher Gefangenschaft befanden, mit Geld und Pässen ausgerüstet nach Russland zurückzuschicken, damit sie in ihrer Heimat Unruhe stiften konnten«. Laut Robert Wilson wurde der Entscheid zur Schürung der Revolution in Russland anlässlich eines Treffens des deutschen und des österreichischen Generalstabs Ende 1915 in Wien gefällt. Der deutsche Stabschef General Ludendorff hat diesen Schritt später ausdrücklich bedauert: »Indem unsere Regierung Lenin nach Russland schickte, nahm sie… eine große Verantwortung auf sich. Vom militärischen Standpunkt aus war seine Entsendung gerechtfertigt, denn wir mussten Russland unbedingt ausschalten, doch unsere Regierung hätte dafür sorgen müssen, dass wir nichts mit seinem Untergang zu tun hatten.« …

 

Immerhin: Nicht alle Männer, die damals im Westen Einfluss besaßen, spielten dieses ränkevolle Spiel mit. Am 5. November 1919, also zwei Monate vor seinem eingangs zitierten Artikel im Illustrated Sunday Herald, sprach Winston Churchill vor dem britischen Unterhaus Klartext:

 

»Ich spreche den Bolschewisten ganz entschieden das Recht ab, Russland zu vertreten… Der Begriff der Nationalität ist für sie nur Schall und Rauch. Ihr Ideal ist eine weltweite proletarische Revolution. Die Bolschewiken haben Russland auf einen Schlag die beiden kostbarsten Dinge geraubt: Den Frieden und den Sieg. Den Sieg, der greifbar nahe war, und den Frieden, der sein sehnlichster Wunsch war. Die Deutschen haben Lenin in voller Absicht nach Russland geschickt, damit er dort auf dessen Untergang hinarbeiten konnte… Kaum war Lenin angekommen, erteilte er allerlei obskuren Personen, die sich in New York, Glasgow, Bern und anderswo an verborgenen Zufluchtsorten aufhielten, einen Wink und sammelte die führenden Geister einer furchterregenden Sekte um sich, der furchterregendsten Sekte der Welt… Von diesen Geistern umgeben, schickte er sich mit dämonischem Talent an, sämtliche Institutionen, auf die der russische Staat und die russische Nation angewiesen waren, restlos zu vernichten… Russlands Leiden sind fürchterlicher als die jedes anderen Landes in der jüngeren Geschichte, und es ist seiner Stellung unter den großen Nationen der Welt verlustig gegangen.«

 

Mit dieser Charakterisierung hatte Churchill ins Schwarze getroffen. 50 Jahre zuvor hatte sich Bakunin bei seiner Attacke auf die jüdische Usurpierung der Revolution ganz ähnlich geäußert. Der von uns angeführte Auszug aus Churchills Artikel im Illustrated Sunday Herald beweist, dass ihm die ethnische Herkunft der Führer dieser Sekte sehr wohl bekannt war.

 

Somit hatten Chaim Weizmanns Mitverschwörer aus den talmudistisch regierten Zonen Russlands zum selben Zeitpunkt triumphiert, wo er selbst in London und Washington seinen Triumph einheimste. Wie Weizmann selbst hervorhob, hatte der einzige Unterschied zwischen den beiden erfolgreichen Bewegungen von Anfang an darin bestanden, dass sich die eine dem »revolutionären Zionismus« und die andere dem »revolutionären Kommunismus« verschrieben hatte. Während seiner Studienzeit in Berlin, Freiburg und Genf hatte er unzählige Male hitzig über diesen Unterschied debattiert. Balfours Biographin Blanche Dugdale zeichnete folgendes Porträt der zerstrittenen revolutionären Blutsbrüder während der Jahre vor ihrem gleichzeitigen Triumph:

 

«Lenin und Trotzki gelangten in derselben Woche im November 1917 zur Macht, in welcher der jüdische Nationalismus Anerkennung gewann. Jahre zuvor hatten Trotzki und Weizmann Abend für Abend in verschiedenen Cafés des Universitätsviertels ihre entgegengesetzten politischen Lehren verkündet. Diese beiden in Russland geborenen Männer… hatten die Masse der jüdischer Studenten hüben und drüben der Front in Wallung versetzt: Leo Trotzki, der Apostel der roten Revolution, und Chaim Weizmann, der Apostel einer seit zwei Jahrtausenden ununterbrochen lebendigen Tradition. Nun wollte es ein seltsamer Zufall, dass jeder der beiden in ein und derselben Woche die Erfüllung seines Traums erleben durfte.«

 

Für Weizmann und seine Kampfgefährten in London und Washington waren die Ereignisse in Russland in gewisser Hinsicht genierlich. Sie hatten ihre Forderung nach Palästina damit begründet, dass die verfolgten Juden Russlands einen Zufluchtsort in Palästina brauchten, doch nun gab es in Russland über Nacht keine verfolgten Juden mehr; im Gegenteil: Dort war jetzt ein jüdisches Regime am Ruder, und Antisemitismus galt als todeswürdiges Verbrechen. Wo waren nun die Juden, die einen Zufluchtsort in Palästina benötigten?

 

Rabbiner Elmer Berger schrieb: »Die Sowjetregierung räumte den Juden sogar Vorrechte in ihrer Eigenschaft als Juden ein. Mit einem Federstrich emanzipierte die Revolution eben jede Juden, von denen die zionistischen Führer unlängst noch behauptet hatten, für sie gebe es keine andere Lösung als den Zionismus. Die Sowjetjuden brauchten keine Heimstatt mehr, weder in Palästina noch anderswo. Das Argument vom Leiden des russischen Judentums, das Herzl oft beschworen hatte, um die Pachtung eines für die Juden bestimmten Territoriums in Palästina zu erreichen, war mit einem Schlag hinfällig geworden.«

 

Dr. Weizmann ließ sich durch diese Entwicklung allerdings nicht beirren, sondern machte den Juden unverzüglich klar, dass sie keine Atempause erhoffen durften:

 

»Einige unserer Freunde… ziehen voreilige Schlüsse bezüglich der Frage, was nach der Russischen Revolution mit der zionistischen Bewegung geschehen wird. Sie meinen, jetzt sei der größte Ansporn für die zionistische Bewegung entfallen. Das russische Judentum sei ja frei…Nichts könnte oberflächlicher und falscher sein als diese Argumentation. Wir haben den Aufbau unserer zionistischen Bewegung nie mit dem Leiden unserer Menschen in Russland oder anderswo begründet. Ihre Leiden waren niemals der Grund des Zionismus. Das fundamentale Anliegen des Zionismus war und ist das unausrottbare Streben des Judentums nach einer eigenen Heimat.« …

 

Ohne ein Ereignis, das anderthalb Jahrzehnte später eintrat, hätte das zionistische Projekt schon bald Schiffbruch erlitten. Dieses Ereignis war die Machtübernahme Hitlers, die es den Zionisten erlaubte, die alte Legende von der »Verfolgung der Juden in Russland« durch eine neue Legende zu ersetzen und auf diese Weise viele Juden nach Palästina zu locken. Hätte Hitler nicht existiert, so hätten die Zionisten ihn erfinden müssen: Dank ihm auferstand ein scheinbar gescheitertes Projekt über Nacht phönixgleich aus der Asche. Auf Hitler und das Dritte Reich kommen wir jedoch erst in einem späteren Kapitel zu sprechen.

 

 

 

Kapitel 33  Die Liga zur Erzwingung des Friedens

 

Während die beiden Zwillingsbrüder aus Russland, der revolutionäre Kommunismus und der revolutionäre Zionismus, im November 1917 gleichzeitig triumphierten, trat auch das dritte Ziel dieses Krieges mit immer größerer Deutlichkeit zutage. Dieses war ein Projekt zur Schaffung einer »Weltföderation«, der die Aufgabe zufallen würde, die »Angelegenheiten der Menschheit zu regeln« und die Welt mit Gewalt zu regieren.

 

Wie ein Vierteljahrhundert später wurden die Massen schon damals mit der Parole aufgeputscht, es gelte einen »Verrückten in Berlin«, der gewaltsam die Weltherrschaft an sich reißen wolle, in die Schranken zu weisen. Zu den lautesten Hetzern gehörte in England ein Eden Philpotts, der dem deutschen Kaiser Wilhelm II. über den Ärmelkanal zudonnerte: »Du hast dir eingebildet, die Welt erobern zu können, aber dir werden lediglich ihre Flüche zuteil…«

 

Dieser Ausspruch war typisch für die damals in Großbritannien herrschende Stimmung. Dabei ging es auch den Urhebern des geheimen Plans im Westen darum, die »Welt zu erobern« und die alten Herrscher durch neue zu ersetzen, nur hatten sie Grips genug, ihre wahren Absichten mit wohlklingenden Phrasen zu tarnen. Was bei den Deutschen »reaktionärer preußischer Militarismus« war, waren bei Oberst House »aufgeklärte Ideen«, was bei Kaiser Wilhelm als »größenwahnsinniger Ehrgeiz« galt, wurde in London als aufgeklärtes Konzept einer »neuen Weltordnung« angepriesen. Die westlichen Politiker wurden zu professionellen Falschspielern, und ließen sich vor den Karren des Zionismus und der Weltrevolution spannen. …

 

Als das Jahr 1916 anbrach stellte sich Wilson hinter den Plan. … Man verzichtete auf die Bezeichnung »Liga zur Erzwingung des Friedens« und entschied sich stattdessen für den Namen »Völkerbund«. Dies änderte allerdings nichts daran, dass der Plan offensichtlich unverändert geblieben war: Ihm zufolge sollten die nationalen Armeen der Kontrolle eines supranationalen Komitees unterstellt werden, welches befugt war, sie auf eine Weise zur »Regelung der Angelegenheiten der Menschheit« einzusetzen, die seinen eigenen Interessen entsprach.

 

Somit verschmolzen die drei Großen Pläne zu einem einzigen, zu einem Projekt, welches den Erfolg des ersten und des zweiten Plans krönen sollte. Sein Grundprinzip war die Zerstörung der Nationalstaaten, ja der Nationen überhaupt, so dass es – in moderner Form – den alten Konflikt zwischen dem Alten und dem Neuen Testament, zwischen dem levitischen Gesetz und der christlichen Lehre widerspiegelte. Thora und Talmud sind die einzigen identifizierbaren Quellen dieser Idee zur Zerstörung der Nationen. Die in der Thora und dem Talmud enthaltene Idee wurde von einer Generation an die andere weitergegeben. Das Neue Testament verwirft sie und spricht von der »Verführung« aller Nationen, nicht von ihrer Zerstörung. Das Buch der Offenbarung prophezeit, dass diese Verführung der Nationen eines Tages enden wird. … – Soviel zu den Ursprüngen des Völkerbundes.

 

Vor der Versailler Friedenskonferenz lancierte Oberst House seine »neue Weltordnung«. Schon während der Vorbereitungsphase wurde deutlich erkennbar, welche Kräfte hinter den westlichen Regierungen standen. Der Zionismus und Palästina (zwei Fragen, von denen die breite Masse kaum je gehört hatte, als der Erste Weltkrieg begann) sollten bei der geplanten Konferenz ganz oben auf der Agenda stehen.

 

Dies könnte der Grund dafür gewesen sein, dass die langen depressiven Perioden Woodrow Wilsons bisweilen durch Phasen des Enthusiasmus unterbrochen wurden. Rabbiner Stephen Wise schilderte dem Präsidenten den bevorstehenden Palästina-Feldzug in solch leuchtenden Farben, dass Wilson entzückt vor sich her murmelte: »Wenn man sich vorstellt, dass ich, ein Bauernsohn, dazu beitragen kann, das Heilige Land seinem Volk zurückzugeben!« …

 

Jenseits des Atlantik bereitete sich Dr. Weizmann indessen eifrig auf die Friedenskonferenz vor. Zum damaligen Zeitpunkt war er offensichtlich einer der mächtigsten Männer der Welt. Als Englands Schicksal im Frühling 1918 an der Westfront auf Messers Schneide stand, wurde eine geplante Audienz Weizmanns beim englischen König verschoben. Der Zionistenführer schrie Zeter und Mordio, worauf Balfour die Verschiebung sogleich rückgängig machte, auch wenn die Audienz nicht wie ursprünglich geplant im Buckingham-Palast stattfand. Es machte fast den Anschein, als geruhe Weizmann seinerseits gnädig, dem Monarchen eine Unterredung zu gewähren… Während des Zweiten Weltkriegs soll der sowjetische Diktator Stalin die Mahnungen der westlichen Führer, er möge den Einfluss des Papstes doch bitteschön gebührend berücksichtigen, mit der unwirschen Frage quittiert haben: »Wieviele Divisionen hat der Papst?« So lautet zumindest die Anekdote, die in den Klubs und Pubs die Runde machte; einfachen Menschen erschien es, als habe Stalin mit dieser kurzen Frage eine grundlegende Wahrheit ausgedrückt, doch der Fall Dr. Weizmanns zeigt, dass dies durchaus nicht zutrifft. Weizmann kommandierte keinen einzigen Soldaten, doch er und die internationale Organisation, die er repräsentierte, vermochten die Mächtigen zu demütigenderen Kapitulationen zu zwingen als gar mancher Feldherr mit einer mächtigen Armee.

 

Im Grunde seines Herzens verachtete Dr. Weizmann die Gestalten, die vor ihm zu Kreuz krochen, ebenso wie die Orte, wo er seine Triumphe feierte. In einem Brief an Lady Crewe hielt er fest: »Wir hassen Antisemiten und Philosemiten gleichermaßen.« Balfour, Lloyd George und Weizmanns andere hochrangige »Freunde« waren Philosemiten im wahrsten Sinne des Wortes und überboten einander in ihrer Unterwürfigkeit gegenüber dem Mann, der sie verachtete.

 

1918 beschloss Weizmann, sein künftiges Königreich zu inspizieren. Als er in Palästina eintraf, hatte die deutsche Offensive in Frankreich bereits eingesetzt; den geschwächten britischen Heeren stand das Wasser bis zum Hals, und der größte Teil des britischen Expeditionskorps in Palästina wurde eilends nach Frankreich zurückgeschafft. Nichtsdestoweniger verlangte Weizmann, mit Großem Pomp den Grundstein zu einer hebräischen Universität legen zu dürfen. Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Palästina, Lord Allenby wandte protestierend ein, die Deutschen stünden fast schon vor den Toren von Paris, worauf Weizmann konterte, dies sei lediglich »eine Episode«. Allenby beharrte auf seiner ablehnenden Position, und als Weizmann nicht locker sind, wandte sich Allenby an Balfour, der ihn sofort telegraphisch anwies, seine Einwilligung zu der von Weizmann geforderten Zeremonie zu erteilen. Im Rahmen einer pompösen Veranstaltung, an der sich britische Stabsoffiziere beteiligten und bei der britische Truppen ihre Gewehre präsentierten, führte Weizmann seine Gründungszeremonie auf dem Scopus-Berg statt; nur das ferne Grollen der Gefechte zwischen Briten und Türken störte die Feier ein wenig.

 

In jenen Tagen stand ich in Frankreich an der Front. Hätten die britischen Streitkräfte über eine halbe Million Mann mehr verfügt, so hätten sie die Schlacht gewonnen; unzählige Menschenleben wären gerettet worden, und der Krieg wäre aller Wahrscheinlichkeit nach früher zu Ende gegangen. Während französische und britische Soldaten im Westen ihre Haut zum Markt trugen, schalteten die Zionisten in Palästina einen Fleischtag ein.

 

Als der Krieg am 11. November 1918 schließlich zu Ende ging, lud Lloyd George keinen anderen als Dr. Weizmann als einzigen Gast zu einem Mittagessen ein; wie Weizmann später berichtete, las sein Gastgeber aus den Psalmen und war »schier zu Tränen gerührt«. Anschließend verfolgte der Zionistenhäuptling durch das Fenster des Regierungssitzes an der Downing Street 10, wie eine jubelnde Menge den Premierminister auf den Schultern zu einem Dankgottesdienst in der Abtei von Westminster trug. Ob irgendjemand, sei es ein gewöhnlicher Sterblicher oder einer der »Manager«, damals auf den großgewachsenen Mann mit hoher Stirn, Bart und schweren Augenlidern geachtet haben mag, der diese Szene vom Fenster aus beobachtete?

 

Bei der Friedenskonferenz von 1919, wo die »neue Weltordnung« begründet werden sollte, war Chaim Weizmann als Führer einer zionistischen Delegation dabei. Er setzte den erlauchten Rat der Zehn darüber in Kenntnis, dass die Juden durch den Krieg »härter betroffen worden waren als jede andere Gruppe«. Die Politiker des Jahres 1919 nahmen diese dreiste Verunglimpfung ihrer Millionen von Toten schweigend hin, doch ein aufmüpfiger Jude, Sylvain Lévi aus Frankreich, versuchte im letzten Augenblick, sie wachzurütteln, indem er sie auf folgende Fakten hinwies: Erstens sei Palästina ein kleines und armes Land mit einer arabischen Bevölkerung von 600.000 Seelen, und die Juden, deren Lebensstandard höher war als derjenige der Araber, würden versuchen, letzteren ihren Besitz und Boden zu entreißen. Zweitens werde es sich bei den Juden, die nach Palästina auswandern würden, größtenteils um russische Juden handeln, die »explosive Tendenzen« aufwiesen. Drittens werde die Schaffung einer jüdischen Heimstatt in Palästina dazu führen, dass die außerhalb Palästinas lebenden Juden künftig gezwungen sein würden, zu entscheiden, wem ihre Loyalität galt – dem Land, dessen Bürger sie waren, oder dem zionistischen Staatswesen in Palästina.

 

Wie berechtigt diese drei Warnungen waren, hat die spätere Entwicklung eindrücklich bestätigt. Die nichtjüdischen Politiker bei der Friedenskonferenz von 1919 reagierten jedoch mit eisiger Ablehnung auf Lévis Ausführungen, und der amerikanische Außenminister Lansing schnitt dem Ketzer schon bald das Wort ab. …

 

Neben Lévi gab es noch einen Mann, der sich bemühte den Entscheid zu verhüten. Oberst T. E. Lawrence (»Lawrence von Arabien«) war ein glühender Philosemit, hatte er doch unter Arabern gelebt und in der Wüste ihren Widerstandskampf gegen die türkische Fremdherrschaft organisiert. Er war auch ein Freund der Juden. Bei den Versailler Verhandlungen begriff Lawrence, dass geplant war, den zionistischen Nationalismus als Zeitbombe inmitten eines Konglomerats schwacher arabischer Staaten zu platzieren, und diese Einsicht machte ihn zum gebrochenen Mann. Er nahm Wilsons Versprechen, das dieser anlässlich einer »Rede über die 14 Punkte« am 8. Januar 1918 abgegeben hatte, für bare Münze: »Die unter türkischer Herrschaft lebenden Nationalitäten sollen eine verbindliche Garantie für ihre Existenz sowie die Chance für eine unabhängige Entwicklung erhalten.« Lawrence konnte nicht ahnen, dass diese Worte nichts als Schall und Rauch waren, weil sich Wilson unter dem Einfluss der Männer, die ihn umgaben, insgeheim der Sache des Zionismus verschrieben hatte.

 

Der durch diese Erfahrung gebrochene Lawrence gehörte zu den berühmtesten Männern der Welt. Wäre er zu den Falschspielern übergegangen, so wäre ihm keine Position und keine Ehrung versagt geblieben. … Die Umstände des Motorradunfalls, der seinem Leben ein Ende setzte, erweckten den Verdacht, er habe in Wirklichkeit Selbstmord begangen; sie erinnerten an die Art und Weise, wie James Forrestal nach dem Zweiten Weltkrieg den Tod fand. Jedenfalls gebührt T. E. Lawrence ein Ehrenrang unter den Märtyrern dieser Geschichte.

 

Die führenden Politiker der westlichen Welt waren grimmig entschlossen, das zionistische Abenteuer durch die Schaffung einer »neuen Weltordnung« um jeden Preis durchzuboxen, auch wenn sie dadurch ihre Ehre preisgaben und unsägliches menschliches Leid heraufbeschworen. Bezüglich fast aller anderen Fragen waren sie zerstritten, so dass gleich nach Kriegsende allerlei Konflikte zwischen ihnen an die Oberfläche kamen und diverse Freundschaften in Brüche gingen. …

 

Oberst House war damals auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Premierminister, Minister, Botschafter und Delegierte umlagerten ihn im Hotel Crillon, wo er einquartiert war. Einmal ersuchte der französische Premierminister Clemenceau um eine Unterredung mit House, als dieser gerade mit seinem Präsidenten zusammensaß. Woodrow Wilson wurde gebeten, den Raum zu verlassen, damit sich Clemenceau und House ungestört unterhalten konnten. Solche Demütigungen mögen Wilson den Rest gegeben haben; jedenfalls wurde er tödlich krank (wie Roosevelt in Jalta). Alles deutet darauf hin, dass sich der Präsident und Oberst House fortan nie wieder sahen. »Meine Trennung von Woodrow Wilson war und ist für mich ein tragisches Geheimnis, ein Geheimnis, das nun niemals erhellt werden kann, da die Lösung mit ihm zu Grabe getragen wurde«, vermerkte House knapp.

 

Die Illusion der Macht wirkte zerstörerisch. Männer wie Wilson und House zählten niemals zu den wirklich Mächtigen, weil sie lediglich als Werkzeuge anderer Männer walteten. In den Annalen der Geschichten wirken ihre Namen wie die von Gespenstern; zwar mögen noch heute Plätze und Alleen nach ihnen benannt sein, doch nur wenige wissen noch, wer sie waren. Wilson kehrte nach der Friedenskonferenz in die USA zurück, wo er bald starb. House geriet schon nach kurzer Zeit in Vergessenheit und fristete in seiner Wohnung an der East Street 35 ein einsames Dasein. Lloyd George beendete seine politische Laufbahn als ruhmloser Hinterbänkler. Arthur Balfour zog noch ein paar Jahre lang geistesabwesend seine Runden durch den Saint James-Park. …

 

Es war diesen Männern nicht gelungen, alles zu verwirklichen, was ihre Herren von ihnen erwartet hatten. … Die Strippenzieher hinter den Kulissen, welche die »diktatorisch regierenden Premierminister« und fügsamen »Administratoren« auch weiterhin wie Puppen an ihren Fäden tanzen ließen, mussten das Ende des Zweiten Weltkriegs abwarten, ehe es ihnen gelang, die Kontrolle über die Armeen der Nationalstaaten zu erringen. Erst dann glückte es ihnen, eine »Liga zur Erzwingung des Friedens« zu gründen, die über annähernd diktatorische Vollmachten verfügte.

 

1919 hatten sie sich mit einem bescheidenen Experiment begnügen müssen – dem Völkerbund.

 

Die Vereinigten Staaten von Amerika traten dieser internationalen Organisation nicht einmal bei, weil die große Mehrheit der US-Bürger nichts davon wissen wollte. Das amerikanische Volk war zutiefst enttäuscht über die Ergebnisse des Kriegs und instinktiv bestrebt, künftig jede Verstrickung in fremde Händel zu vermeiden. Großbritannien erklärte zwar seinen Beitritt zum Völkerbund, doch der britische Premierminister hieß inzwischen nicht mehr Lloyd George, und seine Nachfolger waren nicht gewillt, die Streitkräfte des Landes fremder Kontrolle zu unterstellen. Unter diesen Umständen ließ sich die »neue Welt«, die Oberst House und seinen Hintermännern vorgeschwebt hatte, vorerst nicht verwirklichen. Immerhin: Dank dem Völkerbund gelang es den Intriganten, eine Bresche in die britische Souveränität zu schlagen, die sich als verhängnisvoll, wenn nicht gar als tödlich erweisen sollte.

 

Die Autorität des Völkerbundes – wie immer es um diese auch bestellt sein mochte – diente als Vorwand, um britische Truppen als Leibwächter der zionistischen Eindringlinge zu missbrauchen, die Palästina unter ihre Herrschaft bringen wollten. Der Trick, mit dem dies bewerkstelligt wurde, bestand in der Schaffung eines »Mandats«; aus welcher Ecke diese Idee stammte, habe ich bereits in einem früheren Kapitel erwähnt. Unter Berufung auf das »Mandat« konnte der Völkerbund Zionisten aus Russland in arabisches Territorium einzuschleusen, wo sie alsbald die 1919 von Sylvain Lévi erwähnten »explosiven Tendenzen« offenbarten; heute, im Jahre 1956, sind diese mit unüberbietbarer Deutlichkeit zutage getreten. Dies war die einzige bleibende Errungenschaft der 1919 begründeten »neuen Weltordnung«. Man braucht nur die alte Frage Cui bono? – Wem nützt es? – zu stellen, um zu verstehen, welche Kreise hinter dieser »neuen Weltordnung« gestanden hatten.

 

Die Geschichte des »Mandats« (sowie eines Mannes, der versuchte, es zu verhindern) bildet das Thema des nächsten Kapitels.

 

 

 

Kapitel 34

 

Das Ende Lord Northcliffes

 

Nachdem der zionistische Anspruch auf Palästina bei der Versailler Friedenskonferenz abgesegnet worden war (was für die Masse der emanzipierten Juden des Westens, für die stellvertretend Sylvain Lévi genannt sei, einer schallenden Ohrfeige gleichkam), erfolgte bei der Konferenz von San Remo, wo die Siegermächte die Konkursmasse des osmanischen Reiches aufteilten, der nächste Schritt: Man griff die von Chaim Weizmann bereits 1915 gemachte listige Anregung auf, Palästina als »Mandatsgebiet« von Großbritannien verwalten zu lassen. Da immer mehr Menschen den wahren Sinn dieser Maßnahme begriffen, wurde schon bald heftiger Widerspruch laut. …

 

Es kann kein Zweifel daran aufkommen, dass sich die Politik der Westmächte in dieser einen Frage nie ändern wird: Nationale Interessen, Ehre und ähnliche Erwägungen fallen hier nicht ins Gewicht. Mir ist kein anderer Fall bekannt, wo sich ein Staat ohne jede Rücksicht auf seine nationalen Interessen oder die öffentliche Meinung in einer zentralen Frage einzig von einem unabänderlichen Dogma leiten ließe. … Jedenfalls wurden die Balfour-Erklärung sowie der Entschluss, Großbritannien ein Mandat über Palästina einzuräumen, in San Remo bestätigt. Nun trennte nur noch ein einziger Schritt die Zionisten von ihrem Ziel: Der Völkerbund musste »Mandate« erfinden, sich selbst das Recht zusprechen, allen möglichen Staaten Mandatsrechte zuzubilligen, und dann das einzige Mandat ratifizieren, das die Zionisten wirklich interessierte – jenes über Palästina.

 

Wie wir sehen werden, erfolgte dieser Schritt im Jahre 1922, aber bis es soweit war, legten sämtliche direkt betroffenen Gemeinschaften lebhaften Protest gegen die in San Remo beschlossene Politik ein. Hinter dieser standen drei Kräfte: Die ostjüdischen Drahtzieher, die hochgestellten »Philosemiten«, sowie die sentimentalen Liberalen, für welche die Protokolle der Weisen von Zion nichts als Hohn und Spott übrig haben.

 

Andererseits war der Widerstand dermaßen massiv, dass der Plan unter normalen Umständen nicht den Hauch einer Chance gehabt hätte. Der Ablehnungsfront gehörten folgende Kräfte an: 1) Die palästinensischen Araber; 2) Die palästinensischen Juden; 3) Der oberste Zionistenführer Amerikas; 4) Die britischen Beamten und Soldaten in Palästina; 5) Ein großer Teil der Presse, die sich damals in solchen Fragen noch frei äußern konnte.

 

Nehmen wir jede dieser Kräfte nun etwas genauer unter die Lupe:

 

1) Die Araber begriffen von Anfang an, was ihnen bevorstand, denn sie kannten die Thora. »Die Bibel ist unser Mandat«, hatte Chaim Weizmann bei der Friedenskonferenz klargestellt. Die Palästinenser wussten Bescheid darüber, dass der »Gott der Juden« seinem Volk allerlei Belohnungen, fremden Völkern aber nichts als Tod und Zerstörung verheißen hatte: »Wenn dich der HERR, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her…., sieben Völker, die grösser und stärker sind als du, und wenn sie der HERR, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und keine Gnade gegen sie üben… Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.« (5. Mose 7,1-3; 7,6).

 

In anderen Worten: Der Zionismus, und dessen Unterstützung durch den Westen, bedeutete für die Araber Palästinas nach einem zweitausendfünfhundert Jahre zuvor erlassenen Gesetz bestenfalls Vertreibung und Knechtschaft und schlimmstenfalls Ausrottung. Die Ereignisse des Jahres 1948 haben hierfür den Beweis erbracht. »Ihr habt zwei Weltkriege ausgefochten, um zu entdecken, was wir seit zweitausend Jahren wissen«, hatte König Ibn Saud dem US-Präsidenten Roosevelt anno 1945 zugerufen, und drei Jahre später bewiesen die Zionisten mit ihren Taten, dass sie obige Passage aus der Thora blutig ernst nahmen. Vorher hatten es selbst antizionistische Juden nicht für möglich gehalten, dass ihre zionistischen Glaubensbrüder die wortwörtliche Erfüllung solcher Verheißungen anstrebten.

 

Dass die Balfour-Erklärung den palästinensischen Arabern die Wahrung ihrer »bürgerlichen und religiösen Rechte« zusicherte, beruhigte sie ebenso wenig wie Präsident Wilsons vierzehn Punkte, die ihnen »absolute Sicherheit für ihr Leben« sowie »die Chance auf eine autonome Entwicklung« in Aussicht stellten. Da sie die Thora kannten, schenkten sie auch folgender Erklärung des damaligen Kolonialministers Winston Churchill keinen Glauben: »Die Regierung seiner Majestät hat zu keinem Zeitpunkt das Verschwinden oder die Unterwerfung der arabischen Bevölkerung, Sprache oder Kultur in Palästina auch nur erwogen.« Während des Zweiten Weltkrieg hat Churchill als Premierminister haargenau jene Politik verfolgt, deren Existenz er 1922 dementierte.

 

2) Die damals bereits in Palästina ansässige jüdische Gemeinschaft war ausgesprochen antizionistisch eingestellt. Zu den ganz wenigen prozionistischen westlichen Politikern, welche die palästinensischen Juden zumindest oberflächlich kannten, gehörte Chaim Weizmann, der Palästina einen oder zwei kurze Besuche abgestattet hatte. Weizmanns Worten zufolge wussten die meisten russischen Juden »überhaupt nichts« von dieser Gemeinde. Im Zeitraum von 1919 bis 1922 erfuhren die Zionistenführer erstmals, dass die palästinensischen Juden sie für »Ungläubige« und »boshafte Menschen« hielten. … Dass nicht nur die palästinensischen Araber, sondern auch die palästinensischen Juden gegen das zionistische Projekt Sturm liefen, kümmerte die Politiker in Paris und San Remo nicht im Geringsten.

 

3) 1919 besuchte Louis Brandeis das Land, das seit zwanzig Jahren der Anlass für sein wieder erwachtes Interesse am Judentum war. Was er dort vorfand, war für ihn ein herber Schlag, und er zog daraus folgenden Schluss: »Es wäre falsch, die Einwanderung zu fördern.« Er regte an, die Zionistische Weltorganisation solle ihre Aktivitäten massiv einschränken, und für die geplante Schaffung einer »jüdischen Heimstatt« sollten künftig die zionistischen Organisationen der verschiedenen Länder zuständig sein. In anderen Worten: Die Zionisten sollten sich mit der Begründung eines »kulturellen Zentrums« in Palästina zufrieden geben, das vielleicht eine Universität und ein paar Akademien sowie eine Anzahl zusätzlicher jüdischer Bauernhöfe umfasst hätte. Dieses Konzept lief auf eine Absage an das Konzept einer separaten jüdischen Nationalität und eines jüdischen Nationalstaates heraus und war für die Zionisten nackter Verrat. …

 

4) Die britischen Soldaten und Beamten in Palästina begriffen, dass man von ihnen Unmögliches erwartete. Sie gehörten einem Menschenschlag an, der größere Erfahrung in der Verwaltung überseeischer Gebiete besaß als jeder andere in der Geschichte; sowohl diese Erfahrung als auch ihr Instinkt ließ sie ahnen, dass die ihnen gestellte Aufgabe nicht zu bewältigen war. … Die Araber, die von Anfang an begriffen hatten, was ihnen blühte, setzten sich ab 1920 mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die jüdische Einwanderung zur Wehr; es kam fortwährend zu Unruhen und Aufständen. Diese dauern bis zum heutigen Tage an und werden erst dann ein Ende nehmen, wenn entweder die legitimen Forderungen der Palästinenser erfüllt sind oder das palästinensische Volk durch Terror zum Schweigen verurteilt sein wird.

 

5) Das weitaus größte Hindernis für die Verwirklichung der zionistischen Ziele war die objektive Berichterstattung der Presse über die Entwicklung in Palästina; in zahlreichen Leitartikeln wurde der Zionismus heftig attackiert. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs konnte es sich keine amerikanische und keine britische Regierung leisten, die Meinung einer seitens der Presse wahrheitsgemäß informierten Öffentlichkeit einfach in den Wind zu schlagen. Die (in den Protokollen der Weisen von Zion vorausgesagte) Korrumpierung der Presse begann mit der während des Ersten Weltkriegs eingeführten Zensur. … Erfahrenen Korrespondenten wurde ein Maulkorb angelegt, so dass manche von ihnen sich gezwungen sahen, ihre Erkenntnisse in Form von Büchern niederzulegen, weil ihre Berichte verfälscht oder unterdrückt wurden. … In den Jahren von 1919 bis 1922 gab es keine Zensur mehr, und die Zeitungen kehrten in ihrer übergroßen Mehrheit zu ihrer früheren Praxis der wahrheitsgetreuen Berichterstattung zurück. … Zum damaligen Zeitpunkt, wo das britische Mandat noch nicht ratifiziert war, konnten die Zionisten ihr Ziel nur erreichen, wenn es ihnen gelang, jede kritische Berichterstattung durch die Presse zu verhindern. Just damals traf nun ein Ereignis ein, welches eben diesen Effekt hatte. Aufgrund seiner tiefgreifenden Auswirkungen erfordert dieses Ereignis, auf das der Titel des vorliegenden Kapitels Bezug nimmt, eine ausführliche Analyse.

 

In den Plänen der Verschwörer spielte England damals eine Schlüsselrolle, und der energische Lord Northcliffe, geboren Alfred Harmsworth, verfügte in jenem Land über ungemein großen Einfluss. Lord Northcliffe war Eigentümer der beiden meistgelesenen Tageszeitungen des Landes sowie verschiedener Zeitschriften; außerdem war er der Hauptinhaber der Londoner Times. Somit besaß er tagtäglich direkten Zugang zu Millionen von Menschen. Er zeichnete sich durch geschäftliche Tüchtigkeit aus und war zugleich ein Herausgeber von Format, mutig, kämpferisch und patriotisch. Mit seiner Unterstützung gewisser Anliegen mochte er zwar schief liegen, aber er war unabhängig und nicht käuflich. In gewisser Hinsicht erinnerte er an Randolph Hearst und Oberst Robert McCornick in den USA; wie diese beiden Männer ließ er sich auf vieles ein, um die Auflage seiner Zeitungen zu steigern, doch ohne je gegen die nationalen Interessen seines Landes zu verstoßen. Blasphemische, obszöne, verleumderische und landesverräterische Artikel duldete er in seinen Blättern nicht. Er ließ sich von niemandem ins Bockshorn jagen und war in England eine bedeutende politische Kraft.

 

Den ostjüdischen Verschwörern war Lord Northcliffe aus zwei Gründen ein Dorn im Auge. Im Mai 1920 ließ er in der Times den in einem früheren Kapitel erwähnten Artikel über die Protokolle der Weisen von Zion abdrucken. Sein Titel lautete: »Die Jüdische Gefahr. Eine beunruhigende Schrift. Ruf nach Untersuchung.« Der Beitrag schloss mit folgenden Worten: »Eine unparteiische Untersuchung dieser angeblichen Dokumente und ihrer Geschichte ist höchst wünschenswert… Sollen wir die ganze Angelegenheit ungeprüft hinnehmen und den Einfluss eines solchen Buchs widerstandslos hinnehmen?«

 

1922 trat Lord Northcliffe in Begleitung des Journalisten J. M. N. Jeffries eine Reise nach Palästina an. (Jeffries schrieb später ein Buch mit dem Titel Palestine. The Reality, welches die damalige Lage in jenem Land mit unübertroffener Klarheit umriss.) Northcliffe und Jeffries waren ein Tandem ganz anderen Kalibers als die Herausgeber der Times und des Manchester Guardian, die Leitartikel über Palästina schrieben, ohne dieses Land je besucht zu haben, und sich dabei vom Zionistenhäuptling Chaim Weizmann beraten ließen. Nachdem sich Lord Northcliffe persönlich ein Bild von den Verhältnissen in Palästina gemacht hatte, gelangte er zur selben Schlussfolgerung wie alle anderen unparteiischen Untersucher vor ihm; er schrieb: »Meiner Meinung nach haben wir, ohne die Tragweite dieser Entscheidung gebührend zu überdenken, Palästina den Juden als Heimstatt zuerkannt, obschon hier 700.000 arabische Moslems leben, denen dieses Land gehört…. Die Juden schienen den Eindruck zu haben, ganz England habe die Sache des Zionismus auf seine Fahnen geschrieben und sei Feuer und Flamme für diesen: ich sagte ihnen, dass dies keineswegs der Fall ist, und warnte sie davor, unsere Leute vor den Kopf zu stoßen, indem sie heimlich Waffen importieren, um gegen 700.000 Araber zu kämpfen… In Palästina stehen unruhige Zeiten ins Haus… die Leute wagen es nicht, den Juden hier die Wahrheit zu sagen. Sie haben sich von mir einige Wahrheiten anhören müssen.«

 

Indem er diese Wahrheit laut aussprach, stieß er die Zionisten zum zweiten Mal vor den Kopf. Er hatte sich bereits auf verbotene Pfade begeben, indem er eine »Untersuchung« über die Ursprünge der Protokolle der Weisen von Zion verlangte. Dazu kam, dass ihm die Möglichkeit offenstand, diese Wahrheit in seinen auflagestarken Zeitungen zu verbreiten. Dies machte ihn in den Augen der Verschwörer brandgefährlich. Der Mann, der ihn zur Strecke bringen sollte, war Wickham Steed, der Herausgeber der Times, von dem Chaim Weizmann berichtet hat, dass er ein bedingungsloser Unterstützer des Zionismus war.

 

Lord Northcliffe war sehr daran gelegen, die Wahrheit über Palästina in der Times verbreiten zu können, doch der Haken bestand darin, dass er nicht der einzige Eigentümer, sondern lediglich der Haupteigentümer dieser Zeitung war. Während seine eigenen Blätter seine Artikelserie über Palästina abdruckten, legte sich die Times quer. Obwohl sich Wickham Steed über die Zukunft Palästinas die Finger wund geschrieben hatte, lehnte er es ab, sich persönlich dorthin zu begeben, und sperrte sich gegen den Abdruck antizionistischer Artikel in der Times. All diese Fakten, sowie die im folgenden dargelegten, werden in der 1952 erschienenen »Offiziellen Geschichte der Times« erstaunlich unverblümt dargestellt. …

 

 

 

Bei den folgenden Ausführung bitten wir den Leser, den Daten besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Im Mai 1920 ließ Lord Northcliffe in der Times den bereits erwähnten Artikel über die Protokolle der Weisen von Zion publizieren.

 

Anfang 1922 trat er seine Reise nach Palästina an und schrieb dort eine Reihe von Artikeln zur Palästinafrage.

 

Am 8. Juni ersuchte Lord Northcliffe Wickham Steed um eine Unterredung in Paris. Nach der Unterredung zwischen den beiden Männern gelangte der Herausgeber zum Schluss, Lord Northcliffe sei »anormal«, und teilte einem der Times-Herausgeber brieflich mit, der Lord sei »drauf und dran, verrückt zu werden«.  …

 

Am 18. Juni kehrte der Lord nach London zurück, wo er feststellen musste, dass man ihn nicht nur jeder Kontrolle über seine Blätter, sondern sogar der Möglichkeit beraubt hatte, mit seinen Untergebenen in Verbindung zu treten; seine Telefonleitung war durchschnitten worden. Vor dem Eingang zu den Büros der Times hatte man Polizisten postiert, um Northcliffe den Zutritt zu verhindern. Laut der Offiziellen Geschichte der Times geschah all dies aufgrund eines Gutachtens, das ein ungenannter Arzt erstellt hatte. Am 14. August starb Lord Northcliffe im Alter von 57 Jahren; als Todesursache wurde eine Herzinnenhautentzündung angegeben. Die Abdankung fand in Westminster Abbey statt; eine große Schar trauernder Zeitungsherausgeber gab sich an Northcliffes Sarg ein Stelldichein.

 

Soweit die offizielle Darstellung. Zum damaligen Zeitpunkt wusste nur eine kleine Zahl von Personen über die Fakten Bescheid, und man musste sich drei Jahrzehnte gedulden, bis die Offizielle Geschichte der Times damit herausrückte. Hätte man all dies bereits anno 1922 gewusst, so hätte es sicherlich Anlass zu allerlei Fragen gegeben. Ich bezweifle, dass je ein derart mächtiger Mann unter solchen Umständen aus dem Verkehr gezogen worden ist.

 

Zum ersten Mal in diesem Buch trete ich nur als Augenzeuge gewisser von mir beschriebener Geschehnisse auf. Im Ersten Weltkrieg stand ich als einer von Millionen ahnungslosen Soldaten an der Front; erst viele Jahre später begriff ich, was damals hinter den Kulissen vor sich gegangen war. 1922 bot sich mir für einen kurzen Augenblick die Chance, einen Blick hinter den Vorhang zu tun, obwohl ich dem inneren Kreis der Entscheidungsträger selbst nicht angehörte.

 

Ich erinnere mich lebhaft an meine Begegnung mit Lord Northcliffe, die kurz vor seinem Tod stattfand. Vom Zionismus, Palästina, den Protokollen der Weisen von Zion und anderen Fragen, zu denen er sich zu Wort gemeldet hatte, verstand ich damals herzlich wenig. 1922 war ich ein junger Mann, der sich nach seiner Rückkehr von der Front redlich um eine Anstellung als Angestellter im Büro der Times gefunden hatte. In der ersten Juniwoche erhielt ich den Auftrag, mich nach Paris zu begeben, um dem Lord als Sekretär behilflich zu sein. Bevor ich meine Reise antrat, wies man mich dezent darauf hin, dass Northcliffe ein sehr gebieterischer Mann war und die widerspruchslose Ausführung seiner Anweisungen erwartete. Ich fand aber an seinem Verhalten nichts Verdächtiges, obschon er eine Woche später von einem »hochqualifizierten Arzt« für geistesgestört erklärt und de facto seiner Bewegungsfreiheit beraubt wurde. …

 

Lord Northcliffe ließ seinerzeit mehrmals durchblicken, dass sein Leben in Gefahr sei, und behauptete, man habe ihn vergiftet. Mir erschien es durchaus nicht verwunderlich, dass ein solcher Mann gefährliche Feinde hatte, aber ich hatte keine Ahnung, wer diese Feinde sein mochten. Der Verdacht, man habe ihn vergiftet, erfüllte ihn natürlich mit Argwohn gegen seine Umgebung, doch falls an diesem Verdacht etwas dran war, konnte von Geistesgestörtheit keine Rede sein.

 

Ich kann mir kein Urteil darüber anmaßen, was damals wirklich geschah, sondern lediglich festhalten, was ich selbst sah und dachte. Von den Intrigen um Lord Northcliffe wusste ich so wenig wie ein Wickelkind von der Gestalt der Erde. Nach meiner Rückkehr nach London fragten mich Northcliffes Bruder Lord Rothermere sowie einer seiner wichtigsten Mitarbeiter, Sir George Sutton, wie es um dessen Gesundheit bestellt sei. Da die »Diagnose« des mysteriösen Arztes zu jenem Zeitpunkt bereits vorlag, besaßen sie in der Tat Grund zur Sorge, doch obwohl ich einer der letzten gewesen war, die Northcliffe vor der Erstellung dieser »Diagnose« und seiner Entmachtung gesehen hatten, war mir nichts Verdächtiges aufgefallen. Die Verschwörung gegen ihn war dermaßen perfekt getarnt, dass ich, obgleich ich anschließend noch volle sechzehn Jahre lang für die Times arbeitete, erst volle drei Jahrzehnte später erfuhr, dass Lord Northcliffe von einem Arzt einfach für verrückt erklärt worden war. Inzwischen war ich allerdings reif genug, um die enormen Auswirkungen einer Affäre, bei der ich als ahnungsloser siebenundzwanzigjähriger Schnösel eine unbedeutende Nebenrolle gespielt hatte, im Nu zu begreifen.

 

Kehren wir ins Jahr 1922 zurück. Nun, wo Lord Northcliffe aus dem Verkehr gezogen war und keinen Einfluss auf den Kurs seiner Zeitungen mehr hatte, konnte der Völkerbund das britische Mandat über Palästina in aller Ruhe ratifizieren – mit den misslichen Folgen, welche dieser Schritt für unsere heutige Generation nach sich ziehen sollte. Hätte eine Kette von Zeitungen mit hoher Auflage aus allen Rohren gegen diesen Plan geschossen, so wäre er womöglich gescheitert. Mit Lord Northcliffes Ableben verschwand auch die Möglichkeit, in der Times Leitartikel zu veröffentlichen, die Lord Balfour wegen seiner prozionistischen Haltung attackierten. Von nun an nahm die – in den Protokollen der Weisen von Zion vorausgesagte – Willfährigkeit der Presse immer ausgeprägtere Formen an, bis hin zum heutigen Zustand, wo eine wahrheitsgetreue und unparteiische Berichterstattung in dieser Frage längst zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden ist.

 

Northcliffes Entmachtung erfolgte am 18. Juni 1922. Am 24. Juli tagte der Rat des Völkerbundes in London. Ohne Proteste der Northcliffe-Blätter befürchten zu müssen, erklärte er Palästina zum britischen Mandatsgebiet, was de facto bedeutete, dass den Zionisten das Recht zur Infiltrierung dieses Gebiets zuerkannt wurde. (Es versteht sich von selbst, dass die Öffentlichkeit hierüber in Unkenntnis gehalten wurde.)

 

Unter diesen Umständen war die Ratifizierung dieses Vertrags eine bloße Formalität. Selbstverständlich war das Dokument bereits lange im Voraus formuliert worden, und für die nötige Unterstützung durch die Politiker hatte Weizmann anlässlich seiner Reisen in alle möglichen Hauptstädte höchst persönlich gesorgt. So wie die Mitglieder von Oberst Houses »Untersuchungskommission« die Statuten des Völkerbundes und die Herren Weizmann, Brandeis, Wise und Konsorten die Balfour-Deklaration entworfen hatten, entstand jetzt das dritte für die Verwirklichung des Großen Plans entscheidende Dokument, welches faktisch auf die »Neue Weltordnung« hinauslief. …

 

Als Weizmann in Berlin eintraf, musste er erfahren, dass sein prominenter Glaubensgenosse Dr. Walter Rathenau ein kompromissloser Gegner des Zionismus war und »jeden Versuch bedauerte, die Juden Deutschlands zu einem fremden Volkskörper zu machen«. Bald darauf fiel Rathenau der Kugel eines Attentäters zum Opfer, und die emanzipierten Westjuden hatten einen prominenten Fürsprecher weniger. …

 

Weizmanns Reisetätigkeit trug ihre Früchte. In London traf er sich mit dem spanischen Völkerbundvertreter und sagte zu diesem folgendes: »Jetzt bietet sich Spanien die Gelegenheit, seine alte, unbeglichene Schuld gegenüber den Juden teilweise zurückzuzahlen. Ihr könnt das Unrecht, dass eure Ahnen gegen uns verübt haben, teilweise tilgen.« …

 

Zu jenem Zeitpunkt weilte Woodrow Wilson bereits nicht mehr unter den Lebenden… Im Weißen Haus hockte nun Präsident Harding, der seine Republikanische Partei zurück an die Macht geführt hatte. Ihren Wahlsieg verdankten die Republikaner der allgemeinen Enttäuschung über die Ergebnisse des Krieges und dem Wunsch des amerikanischen Volkes, neue Verstrickungen in fremde Händel zu vermeiden. Die Vereinigten Staaten von Amerika verspürten nicht das geringste Bedürfnis, dem Völkerbund beizutreten und bei dessen mysteriösen Aktivitäten in aller Welt mitzuwirken.

 

Doch dann beschritt die Republikanische Partei wie vor ihr die Demokratische den Weg der Einmischung in fremde Angelegenheiten. Hinter diesem jähen Kurswechsel standen vermutlich die eingeschworenen Feinde der Volksinteressen – die Parteimanager, die mit den Demokraten um die Gunst der Hintergrundmächte und die Stimmen der »Wechselwähler« buhlen wollten.

 

Im Juni 1922, unmittelbar bevor der Völkerbund England ein Mandat über Palästina zusprach, verabschiedeten die beiden Kammern des amerikanischen Parlaments eine Resolution, deren Wortlaut beinahe identisch mit demjenigen der Balfour-Deklaration war.

 

Hiermit legten die Zionisten Amerika einen Nasenring an, und in Zukunft spielte es keine Rolle mehr, für welche der beiden rivalisierenden Parteien der amerikanische Bürger seine Stimme abgab.

 

 

 

Kapitel 35

 

Die nationale Heimstatt

 

Nachdem dem britischen Volk ein »Mandat« über Palästina aufgenötigt worden war, hielt man noch ein Jahrzehnt lang an der Fiktion fest, die unter britischem Schutz stehende »nationale jüdische Heimstatt« werde nicht mehr als ein »kulturelles Zentrum« des Judentums sein, von dem die Araber nichts Böses zu befürchten hätten – eine Art jüdisches Mekka mit einer Universität, einer Bibliothek und Bauernhöfen. Die Araber ließen sich freilich kein X für ein U vormachen, sondern begriffen, dass sie zu Opfern einer Politik auserkoren waren, die darauf abzielte, im 20. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung das aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert stammende Gesetz der Leviten, das die gewaltsame Entrechtung der Nichtjuden vorsah, wieder in Kraft zu setzen. Sie reagierten mit gewalttätigen Protesten und blutigen Aufständen, die bis zum heutigen Tage ununterbrochen andauern; der »Krieg zur Beendigung aller Kriege« brachte also nichts als endlosen Unfrieden.

 

Schon bald wurde klar, dass der Zionismus seinem Wesen nach eine Sprengladung war, die das friedliche Zusammenleben der Völker permanent gefährdete, und dass in einem – eben von den Türken »befreiten« – Land, das nicht größer war als Wales oder Vermont, die Zeitbombe eines künftigen Weltkonflikts tickte.

 

Obgleich sich das Projekt der »jüdischen Heimstatt« im ersten Jahrzehnt seines Bestehens immer deutlicher als Fiasko entpuppte, machten die Verantwortlichen kein Hehl aus ihrer Zufriedenheit über das, was sie ihrem Land eingebrockt hatten. Unter dem Beifall einer zionistischen Audienz erklärte Lloyd George in London: »Ich ging in eine Schule, wo ich mehr über die Geschichte der Juden als über die Geschichte meines eigenen Landes lernte.« Seine eigene Karriere neigte sich ihrem Ende zu, doch die Männer, die seine Nachfolge antreten wollten, beschritten denselben Weg wie er. Ein künftiger Premierminister, Ramsay Macmillan, schickte eine Grußbotschaft, in der er seine Unterstützung für den Zionismus bekundete. Ein weiterer künftiger Premier, Stanley Baldwin, gesellte sich dem »Freundeskreis« (Chaim Weizmann) ebenfalls bei. In Südafrika sah General Smuts in seinem Einsatz für die Juden »den eigentlichen Sinn seines Lebens«.

 

Lord Balfour betrachtete die nach ihm benannte Deklaration als die größte Errungenschaft seiner irdischen Laufbahn. 1925 stattete er dem Land, das er seit zwanzig Jahren den Zionisten zuzuschanzen versuchte, erstmals einen Besuch ab. Dass er es sich nicht nehmen ließ, die noch ungebaute hebräische Universität »einzuweihen«, fügte sich nahtlos in dieses Bild ein. … Obgleich ihm Chaim Weizmanns dringend davon abgeraten hatte, reiste er anschließend nach Syrien weiter, wo er im Victoria Hotel von Damaskus von einem erbosten arabischen Mob belagert wurde und um sein Leben bangen musste. Ein starkes französisches Kavallerieaufgebot geleitete ihn zur Küste, wo er ein Schiff nach England bestieg.

 

J. M. N. Jeffrey hat akribisch festgehalten, was sich in Palästina während jenes Jahrzehnts abspielte. Die Zionisten begannen arabisches Land aufzukaufen, das sie nach dem Gesetz des Talmud unter keinen Umständen wieder an seine ehemaligen Besitzer abtreten durften. Die Araber verkauften ihnen bereitwillig einiges Land, doch nur so viel, dass ihre Kontrolle über Palästina dadurch nicht in Gefahr geriet – schließlich kannten sie die Thora. Außerdem vermehrten sich die Araber sehr schnell, und die Statistiken zeigten, dass die zionistische Einwanderung nicht ausreichte, um die jüdische Bevölkerung auf das Ausmaß der Arabischen anschwellen zu lassen. Somit war von Anfang an klar: Zur Enteignung und Entrechtung der arabischen Bevölkerung Palästinas bedurfte es eines Krieges.

 

Zum damaligen Zeitpunkt gab freilich niemand offen zu, dass eine solche Enteignung und Entrechtung überhaupt geplant war. Churchills Weißbuch aus dem Jahre 1922 belegt im Gegenteil, dass er beabsichtigte, den Arabern die Durchführung von Wahlen in ihrem eigenen Land zu erlauben. Doch hiergegen legte Chaim Weizmann ein Veto ein. … Weizmanns palästinensisches Abenteuer schien kurz vor seinem Scheitern zu stehen. In Palästina siechte die dem Land künstlich aufgezwungene »nationale jüdische Heimstatt« kümmerlich dahin. Innerhalb von zehn Jahren vermehrte sich die jüdische Bevölkerung des Landes um weniger als hunderttausend Seelen. Anno 1927 schüttelten dreitausend Juden mehr den Staub Palästinas von ihren Füssen, als neu ins Land kamen. 1928 erlebte die Einwanderung wieder einen kleinen Aufschwung, doch bis 1932 belief sich die jährliche jüdische Auswanderung fast auf ein Drittel der Neueinwanderung.

 

Kurz und gut: Alles schien auf einen Fehlschlag des zionistischen Unterfangens hinzudeuten. Die Prophezeiungen der Fachleute schienen in Erfüllung zu gehen. Hätte man die Juden sich selbst überlassen, so hätte man nie und nimmer eine ausreichend große Zahl von ihnen zur Auswanderung nach Palästina überreden können. Hätten die Dinge ihren natürlichen Verlauf genommen, so hätte die arabische Bevölkerungsgruppe dank ihrer hohen Geburtenrate ihre zahlenmäßige Vorherrschaft unweigerlich immer mehr ausgebaut.

 

Doch von einem natürlichen Verlauf der Dinge konnte keine Rede sein. Genau zu jenem Zeitpunkt griffen der rätselhafte Adolf Hitler in Deutschland sowie Franklin Delano Roosevelt in Amerika nach der Macht, und am Horizont zogen die ersten Wolken eines drohenden zweiten Weltkriegs auf.

 

 

 

Kapitel 36  Die merkwürdige Rolle der Presse

 

In den folgenden Jahren – 1933 bis 1939 – reiften die Voraussetzungen für den kommenden Zweiten Weltkrieg heran. Der (1918 angeblich besiegte) »preußische Militarismus« erhob sein Haupt stolzer denn je zuvor, und dieses Schauspiel zog die Menschen dermaßen in seinen Bann, dass sie der Entwicklung in Palästina, die scheinbar in keinem Zusammenhang mit den Geschehnissen in Europa stand, keine Beachtung mehr schenkten. In Wirklichkeit war das, was in Palästina vor sich ging, vor dem Hintergrund der »Ursachen und Ziele« des Zweiten Weltkriegs zu sehen.

 

Von den Ursachen und Zielen des Ersten Weltkriegs hatte Woodrow Wilson noch behauptet, sie seien unklar. Da die Legende von der »Verfolgung der Juden in Russland« nach der Revolution von 1917 nicht mehr zu halten war, sprach man nun von einer »Verfolgung der Juden in Deutschland«, und ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo sich der Zionismus laut Chaim Weizmann in einer »hoffnungslosen Lage« befand, bot sich den Zionisten ein willkommener Anlass, das jüdische Fußvolk zu erschrecken und den westlichen Politikern einzuheizen. Die Folgen traten im Zweiten Weltkrieg klar zutage, aus dem der revolutionäre Zionismus und der revolutionäre Kommunismus als die einzigen Gewinner hervorgingen.

 

Meine eigene Erfahrung während jener Jahre gab letztendlich den Anstoß zum vorliegenden Buch. Den Ausgangspunkt bildete das Jahr 1933. Ich hatte den Sprung vom Büroangestellten zum Times-Korrespondenten in Berlin geschafft, und meine Tätigkeit erfüllte mich mit großer Befriedigung. Sechs Jahre später, 1939, war ich dermaßen ernüchtert, dass ich meine Stelle kündigte. Den Grund dafür bildeten meine Erlebnisse während der Jahre, die zwischen diesen beiden Daten lagen und die ich im Folgenden schildern will.

 

Seit 1927 hatte ich über den Aufstieg Hitlers berichtet, und eine Fügung des Schicksals wollte es, dass ich am Reichstag vorbeischritt, als er in Flammen aufging. Die Feuersbrunst bot den Nationalsozialisten Anlass, nach bolschewistischem Muster ein System von Konzentrationslagern aufzubauen, die von der Geheimpolizei verwaltet wurden. Dies ermöglichte es Hitler, seine Macht zu festigen, doch ahnte ich in jener Nacht, dass der vor meinen Augen lodernde Brand noch weitaus folgenschwerere Auswirkungen haben sollte.

 

Damals, und nicht erst mit dem kommenden Krieg, begann für die westliche Welt jene dunkle Periode, die bis zum heutigen Tage andauert; damals griff die Weltrevolution auf Mitteleuropa über, und dass dieses 1945 unter kommunistische Herrschaft geriet, setzte lediglich den Schlusspunkt unter eine Entwicklung, die lange zuvor eingesetzt hatte. (Der angeblich unversöhnliche Gegensatz zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus war ein Täuschungsmanöver zur Irreführung der Massen.) Die einzige offene Frage, auf die erst die Zukunft eine Antwort erteilen wird, lautet, ob die Weltrevolution zurück nach Osten getrieben oder sich aus der Stellung, die sie am 27. Februar 1933 erobert hatte, weiter nach Westen ausdehnen wird.

 

Vom Anbeginn der Herrschaft Hitlers, die in jener Nacht uneingeschränkten Charakter annahm, wussten alle professionellen Beobachter in Berlin – Diplomaten und Journalisten –, dass ein neuer Krieg bevorstand, wenn man ihn nicht rechtzeitig verhütete. Dies wäre zum damaligen Zeitpunkt verhältnismäßig einfach gewesen; zu Recht bezeichnete Winston Churchill den Zweiten Weltkrieg in seinen Memoiren als »unnötigen Krieg«. Hätten die Westmächte rasch und entschlossen auf Hitlers erste militärische Abenteuer (im Rheinland, in Österreich und in der Tschechoslowakei) reagiert, so hätte der Krieg vermieden werden können. Churchill selbst hat bestätigt, dass die deutschen Generäle 1938 drauf und dran waren, Hitler durch einen Putsch zu stürzen, diesen Plan angesichts der Kapitulation der Westmächte in München jedoch fallen ließen.

 

Erfahrene britische Beobachter in Berlin waren sich darin einig, dass Hitler einen Krieg vom Zaun brechen würde, wenn man ihm freie Hand hierzu ließ und informierten ihre Vorgesetzten in der Regierung bzw. den Zeitungsredaktionen dementsprechend. Der Hauptkorrespondent der Times in Berlin, Norman Ebbutt (ich war zweiter Korrespondent), berichtete bereits Anfang 1933, falls keine drastischen Schritte ergriffen würden, sei in ungefähr fünf Jahren ein Krieg zu erwarten. Der entsprechende Artikel wurde anstandslos gedruckt. Während der folgenden Jahre empfanden Ebbutt, ich und andere Korrespondenten immer größere Bestürzung darüber, dass nun unsere Meldungen unterdrückt oder entstellt wurden. Im Parlament und in den Zeitungen wurde Hitler als im Grunde genommen kreuzbraver Mann dargestellt, der sich friedlich verhalten werde, falls seine Forderungen (auf Kosten anderer) erfüllt würden.

 

Diese Periode ist als diejenige der »Beschwichtigungspolitik« in die Geschichte eingegangen, obwohl »Ermutigungspolitik« ein treffenderer Ausdruck gewesen wäre. Diese Politik machte die Wahrscheinlichkeit eines neuen Krieges zur Gewissheit. Dieses Wissen machte meinem Kollegen Norman Ebbutt so sehr zu schaffen, dass er einen physischen Zusammenbruch erlitt.

 

Ab 1935 war ich Hauptkorrespondent in Wien, von wo aus man die Ereignisse in Deutschland optimal beobachten konnte. Gegen Ende des Jahres 1937 teilte ich der Redaktion der Times mit, dass sowohl Hitler als auch Göring gesagt hatten, der Krieg werde »spätestens im Herbst 1939« ausbrechen. Diese Information hatte ich vom damaligen österreichischen Kanzler Kurt Schuschnigg erhalten. Als Österreich dem Deutschen Reich angegliedert wurde, befand ich mich in Wien; nachdem mich die SS für kurze Zeit in Gewahrsam genommen hatte, wurde ich nach Budapest versetzt, von wo aus ich im September 1938 die bedingungslose Kapitulation der Westmächte in München verfolgen konnte. Da ich mir mittlerweile bewusst war, dass ein gewissenhafter Reporter keine Möglichkeit besaß, der »Beschwichtigungspolitik« entgegenzuwirken und eine Fortsetzung meiner Tätigkeit deshalb sinnlos war, reichte ich in einem bissig formulierten Brief meine Kündigung ein. Den ausweichend formulierten Antwortbrief des Herausgebers habe ich behalten.

 

1952, also vierzehn Jahre später, räumte die Times in ihrer Offiziellen Geschichte (welch ein merkwürdiger Titel!) ein, dass sie sich mit ihrer Unterstützung der »Beschwichtigungspolitik« geirrt hatte. Es folgte ein kurzer, versteckter Hinweis auf mich: »Gewisse subalterne Angehörige der Belegschaft kündigten ihre Stellung.« (1938 war ich dreiundvierzig Jahre alt, bekleidete die Position eines Hauptkorrespondenten für Zentraleuropa und den Balkan, hatte siebzehn Jahre lang für die Times gearbeitet und war meines Wissens der einzige Korrespondent, der gekündigt hatte.) In ihrer Offiziellen Geschichte gelobte die Zeitung, nie wieder einen solchen Irrtum zu begehen: »Es ist keine voreilige Behauptung, wenn wir festhalten, dass man am Printing House Square auf eine Aggression nie wieder so reagieren wird wie zum Zeitpunkt von München.« Allerdings schienen mir die Leitartikel und Berichte der Times über Ereignisse wie die kommunistische Machtergreifung in China, die zionistische Machtergreifung in Palästina und den Koreakrieg zu beweisen, dass das Blatt seine Politik in Wahrheit nicht geändert hatte.

 

Somit erfolgte meine Kündigung im Jahre 1938 aus ähnlichen Gründen wie jene Oberst Repingtons (von dem ich damals noch nicht gehört hatte) zwanzig Jahre zuvor. England war militärisch akut bedroht, aber qualifizierte Journalisten durften die Öffentlichkeit nicht hierüber aufklären. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war meines Erachtens die direkte Folge dieses Tatbestandes. Gewiss, ein Journalist sollte sich selbst nicht allzu wichtig nehmen, doch wenn er feststellen muss, dass seine Berichte zu absolut zentralen Fragen ignoriert werden, gelangt er zwangsläufig zum Schluss, dass seine Arbeit sinnlos ist und er gut daran tut, seinen Beruf an den Nagel zu hängen. Genau dies tat ich auch, und ich empfand tiefe Genugtuung, als ich viele Jahre später Sir William Robertsons Worte an Oberst Repington las: »Das Wichtigste ist, unbeirrt an seinem Kurs festzuhalten; dann kann man sicher sein, dass letzten Endes Gutes aus dem erwächst, was heute noch böse zu sein scheint.«

 

Als ich 1938 meine Kündigung einreichte, gab es für mich noch einen zweiten, fünf Jahre zuvor noch nicht vorhandenen Grund zur Beunruhigung über die Art und Weise, wie die Berichterstattung der Presse gelenkt wurde. Auch in diesem Punkt nahm ich an, dass an der verzerrten Darstellung der Tatsachen irgendwelche Launen der Verantwortlichen schuld seien. Die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs haben jedoch unter Beweis gestellt, dass diese wahrheitswidrige Berichterstattung auf das Wirken einflussreicher Kräfte zurückging.

 

Bezüglich der »Verfolgung der Juden« in Deutschland wurde ich mir gewahr, dass die Darstellung der Fakten mit der Zeit immer unsachlicher wurde, so dass die Wahrheit schließlich nicht mehr zu erkennen war. Dieser Prozess verlief sehr subtil, und zwar in drei Phasen: Zunächst hieß es, die Nationalsozialisten verfolgten »Oppositionelle und Juden«. Diese Formulierung wich unmerklich einer anderen: Nun waren es »Juden und Oppositionelle«, die verfolgt wurden. Schließlich sprach die Presse dann nur noch von der »Verfolgung der Juden«. Auf diese Weise wurden bei der Öffentlichkeit falsche Vorstellungen erzeugt; die Opfer der Repression waren in ihrer überwältigenden Mehrheit nichtjüdische Deutsche, aber die Presse berichtete nur noch über die Leiden einer kleinen Minderheit unter diesen Opfern. Das Ergebnis dieser gezielten Falschinformation trat 1945 zutage. Einerseits wurde die Verfolgung der Juden beim Nürnberger Prozess zu einem zentralen Anklagepunkt erhoben, andererseits wurde die Hälfte Europas mitsamt den dort lebenden Völkern einer Unterdrückung preisgegeben, die sich nicht von jener unterschied, die neben vielen anderen auch eine Anzahl jüdischer Opfer gefordert hatte.

 

Als typischer Engländer meiner Generation wäre ich zu Beginn meiner Tätigkeit als Korrespondent nie auf den Gedanken gekommen, die Juden könnten einem anderen Menschenschlag angehören als ich, und ich hätte auch nicht sagen können, worin sich ein Jude seinen eigenen Vorstellungen zufolge von mir unterschied. Wenn ich mir später bewusst wurde, dass solche Unterschiede in der Tat existierten, oder dass zumindest eine mächtige Gruppe von Menschen versuchte, diesen Eindruck zu erwecken, dann nicht als Ergebnis der antijüdischen Politik Hitlers, sondern weil ich bemerkte, dass eine sachliche Berichterstattung zu dieser Frage immer zielstrebiger sabotiert wurde. Als im nationalsozialistischen Deutschland die ersten Massenverhaftungen stattfanden, berichtete ich, was ich persönlich bezeugen konnte. Wenn ich erfuhr, dass in einem Konzentrationslager tausend Häftlinge einsaßen, unter denen sich dreißig oder fünfzig Juden befanden, schrieb ich darüber. Ich erlebte den Beginn des Terrors mit, sprach mit vielen der Opfer, untersuchte ihre Verletzungen. Man warnte mich, hierdurch könne ich nur allzu leicht auf die schwarze Liste der Gestapo geraten. Die übergroße Mehrheit der Opfer, sicherlich mehr als neunzig Prozent, bestand aus Deutschen; Juden bildeten nur eine geringe Minderheit. Im Großen und Ganzen spiegelte dieses Verhältnis den Anteil der jüdischen Bevölkerung in Deutschland (und später in den von Hitler überrannten Ländern) wider. Doch die Weltpresse berichtete über diese Repression auf eine Art und Weise, die den Eindruck erwecken musste, einzig und allein die Juden hätten darunter zu leiden; das Schicksal der nichtjüdischen Opfer wurde fast gänzlich ausgeblendet.

 

Man gestatte mir, diese Fakten anhand einiger Episoden und Ereignisse zu veranschaulichen, deren Zeuge ich bei meiner Arbeit als Reporter wurde. Im Jahre 1949 stellte Rabbiner Stephen Wise die Fakten, über die ich 1933 berichtet hatte, wie folgt dar (zweifellos schilderte er die Ereignisse im Kreis um den Präsidenten, dem er selbst angehörte, auf dieselbe Weise): »Die Maßnahmen gegen die Juden übertrafen in ihrer systematischen Grausamkeit und gezielten Zerstörungswut den Terror gegen andere Gruppen. Am 29. Januar 1933 wurde Hitler zum Kanzler ernannt… Sofort begann eine Schreckensherrschaft; Juden wurden verprügelt und eingesperrt… Am 10. Mai, dem Tag, an dem die Verbrennung jüdischer Bücher in Deutschland angeordnet wurde, planten wir in New York einen Protestmarsch… Die hauptsächliche Wucht des Terrors richtete sich gegen die Juden… Es wurden Konzentrationslager errichtet und mit Juden gefüllt.«

 

All diese Behauptungen sind falsch. Die Maßnahmen gegen die Juden übertrafen den Terror gegen andere Gruppen mitnichten, denn die Zahl der nichtjüdischen Opfer war um ein Vielfaches größer. Die Schreckensherrschaft begann keinesfalls am 29. Januar, sondern in der Nacht des Reichstagsbrandes, am 27. Februar. Eine »Verbrennung jüdischer Bücher« wurde nicht angeordnet. Ich habe der Bücherverbrennung damals persönlich beigewohnt; um nachzuprüfen, ob meine heutigen Erinnerungen der Wirklichkeit entsprechen, habe ich meinen damals zu diesem Thema in der Times erschienenen Artikel gelesen. Es wurde eine große Zahl »marxistischer« Bücher verbrannt, darunter die Werke zahlreicher deutscher, englischer und anderer nichtjüdischer Schriftsteller (wären meine eigenen Bücher damals bereits geschrieben gewesen, so hätte man sie zweifellos ebenfalls den Flammen überantwortet). Auf dem Scheiterhaufen landeten auch einige von Juden geschriebene Bücher. Unwahr ist auch die Behauptung, die »hauptsächliche Wucht des Terrors« habe sich gegen die Juden gerichtet, und die Konzentrationslager wurden keineswegs »mit Juden gefüllt«. Die Zahl der jüdischen Opfer entsprach ihrem Prozentsatz an der Bevölkerung.

 

Nichtsdestoweniger wurden solche irreführenden Behauptungen unermüdlich wiederholt, bis sie schließlich fest im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert waren und dieses während des Zweiten Weltkriegs prägten. Ausschlaggebend für meine Kündigung war freilich die Tatsache, dass die Times die »Beschwichtigungspolitik« unterstützte und somit dazu beitrug, den »unnötigen Krieg« in naher Zukunft unvermeidlich zu machen; die verzerrte Darstellung der Judenfrage war für mich damals nichts weiter als ein nebensächliches Ärgernis. Später begriff ich, dass das Motiv dieser tendenziösen Berichterstattung bei der Gestaltung des Verlaufs und Ausgangs des Zweiten Weltkriegs eine äußerst wichtige Rolle gespielt hat. Als ich von Robert Wilton und seinem Schicksal erfuhr, wurde ich mir der schlagenden Parallelen zwischen seinen Erfahrungen und meinen eigenen bewusst. Wilton bemühte sich, objektiv über die Geschehnisse in Russland zu berichten, und dies konnte er nicht tun, ohne die »Judenfrage« zur Sprache zu bringen. Zwanzig Jahre später erkannte ich, dass es de facto ein Ding der Unmöglichkeit war, die Öffentlichkeit wahrheitsgetreu über die politische Verfolgung in Deutschland zu informieren und ihr klarzumachen, dass die Juden bloß einen kleinen Teil der Opfer stellten.

 

Wie bereits erwähnt spielte dieser Faktor bei meiner Kündigung keine Rolle, doch ungefähr zu jener Zeit wurde ich mich seiner Existenz gewahr. Meine damaligen Erkenntnisse fanden ihren Niederschlag in den beiden Büchern, die ich schrieb, nachdem ich den Journalistenberuf an den Nagel gehängt hatte. Das erste dieser beiden Bücher, Insanity Fair, war voll und ganz dem Thema der Kriegsgefahr gewidmet. In meiner Selbstüberschätzung bildete ich mir damals ein, eine einzige Stimme würde vielleicht ausreichen, um den Krieg doch noch zu verhüten; wer heute zu jenem Buch greift, wird dies vermutlich bemerken. Der geneigte Leser wird diese wirklichkeitsfremde Überschätzung meiner Möglichkeiten vielleicht entschuldigen, wenn er damals alt genug war, um das allgemeine Entsetzen zu empfinden, das der Gedanke an einen neuen Waffengang bei all jenen erzeugte, die den Weltkrieg miterlebt hatten. Spätere Generationen, für welche die Vorstellung einer endlosen Serie von Kriegen nichts Ungewöhnliches ist, werden das damals vorherrschende Gefühl kaum nachvollziehen können, doch zu jener Zeit war es geradezu überwältigend.

 

In meinem am Vorabend des Zweiten Weltkriegs erschienenen zweiten Buch, das den Titel Disgrace Abounding trug, wiederholte ich meine Warnungen, ging jedoch erstmals kurz auf die »Judenfrage« ein. Meine Erfahrungen erweiterten meinen Horizont immer mehr, und ich wurde mir zunehmend bewusst, dass diese Frage den Verlauf des augenscheinlich kurz bevorstehenden Kriegs maßgeblich beeinflussen würde. Künftig schenkte ich diesem Problem die ihm gebührende Aufmerksamkeit, dies führte schließlich dazu, dass ich das vorliegende Buch in Angriff nahm, dessen restliche Kapitel der Vorgeschichte, der Geschichte und den Nachwehen des Zweiten Weltkriegs gewidmet sind.

 

 

 

Kapitel 37  Die Manager, die Erlöser und die Massen

 

Unter dem Jubel der Massen traten an zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Tagen, dem 4. und dem 5. März 1933, zwei Männer die Herrschaft über ihr jeweiliges Land an. Beide sollten die Macht zwölf Jahre lang ausüben und im gleichen Monat des Jahres 1945 sterben. Heutzutage würde es einem unparteiischen Historiker recht schwer fallen, zu entscheiden, welches der von diesen zwei Männern geleiteten Regime mehr Leid über die Menschheit gebracht hat.

 

Zu Beginn ihrer Laufbahn wurden beide als Erlöser bejubelt. In den USA pries ein Rabbiner Rosenbloom Präsident Roosevelt als »gottgleichen Gesandten, Liebling des Schicksals und Messias des Amerika von morgen«; es waren dies die Worte eines Schmeichlers, der mit seiner Huldigung an den Präsidenten die Massen für diesen gewinnen wollte. 1937 teilte mir ein jüdischer Bekannter im von Hitler bedrohten Prag mit, sein Rabbiner predige in der Synagoge, dass Hitler der »jüdische Messias« sei (der betreffende Rabbiner war ein frommer und weiser Mann, der die Geschehnisse im Lichte der levitischen Prophezeiung zu deuten versuchte).

 

In beiden Ländern (sowie auch in Russland) wurde der »diktatorisch amtierende Premierminister« (so der in den Protokollen der Weisen von Zion verwendete Ausdruck) als »Großer Bruder«, »Vater«, »Onkel«, »Geliebter Führer« oder »Freund des Volkes« verherrlicht. Die scheinbaren Widersacher, Präsident Roosevelt und Reichskanzler Hitler, förderten – jeder auf seine Art – das »destruktive Prinzip« in seinen drei erkennbaren Formen:
Revolutionärer Kommunismus, revolutionärer Zionismus und die Bestrebungen zur Errichtung einer »Weltregierung zur Erzwingung des Friedens«.

 

Roosevelts erste Präsidentschaft begann mit einem vielsagenden Betrugsmanöver. Aufgrund der Spätfolgen seiner Kinderlähmung saß der Präsident die meiste Zeit über im Rollstuhl, doch bekamen ihn die Massen niemals in dieser Position zu Gesicht, denn sowohl bei seinen Live-Auftritten noch auf Fotografien war er stets nur in aufrechter Haltung zu sehen. Seine Invalidität war allgemein bekannt, aber die geheimen Machthaber hatten beschlossen, der Öffentlichkeit bis zu seinem letzten Lebenstag das Trugbild eines robusten Präsidenten vorzugaukeln. An dieser Fiktion hielt man noch nach Roosevelts Ableben fest: Der Bildhauer, der die später in London aufgestellte Roosevelt-Statue anfertigte, musste ihn in aufrechter Pose darstellen.

 

Franklin Delano Roosevelt schuf einen Präzedenzfall, indem er sein Kabinett durch einen prominenten Juden und bekennenden Zionisten, Richter Cardozo, vereidigen ließ. 1918 hatte Cardozo dem Drängen der Herren Brandeis und Wise nachgegeben: »Tut mit meinem Namen, was ihr wollt.« Für seine Linientreue wurde er mit der Berufung in den obersten Gerichtshof belohnt, nachdem Rabbiner Wise zuerst den New Yorker Gouverneur Al Smith und dann Präsident Herbert Hoover dementsprechend bearbeitet hatte. Somit war Roosevelt, der (wie vor ihm Wilson) nachweislich unter dem Einfluss von Brandeis stand, von Anfang an der doppelten Loyalität verdächtig.

 

Nach dem republikanischen Interregnum (1921-1933) knüpfte Roosevelt an die Politik Woodrow Wilsons an. Dem Sinn und Geist der Politik Wilsons entsprach zunächst die Art und Weise, wie Roosevelt das damals dringlichste Problem Amerikas anpackte: Sollten jene Kräfte, die durch die in den sechs Jahrzehnten nach dem Bürgerkrieg erfolgte ostjüdische Masseneinwanderung nach oben gespült worden waren, über die Vereinigten Staaten herrschen oder nicht? Sämtliche kompetenten Beobachter hatten den atemberaubenden Aufstieg dieser neuen Kraft auf der amerikanischen Bühne zur Kenntnis genommen, und den meisten von ihnen war dabei angst und bange geworden. Sie machten sich keine Illusionen über die Folgen, die sich daraus ergeben mussten, dass sich eine große Bevölkerungsgruppe, deren religiöse Führer das Konzept des »Schmelztiegels« sowie das Prinzip der Assimilierung in Bausch und Bogen verwarfen, auf amerikanischem Territorium niedergelassen hatte. In seinem Buch Epic of America setzte sich James Truslow Adams mit diesem Problem auseinander, und der große englische Dichter Rudyard Kipling, der in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts in New England lebte, schrieb:

 

»Das Land entblößte sich seiner althergebrachten Einwohner, und der Auswurf Osteuropas war noch nicht an dessen Stelle getreten… Ungefähr eine Million Immigranten strömten alljährlich in die Staaten… Der – ohne sein Wissen bereits in den Hintergrund gedrängte – ‚typische‘ Amerikaner, dessen Vorfahren seit drei oder vier Generationen im Lande ansässig gewesen waren, der wenig besaß und noch weniger Aufhebens davon machte, erklärte beschwörend, alle fremden Elemente würden sich schon bald assimilierten und zu ‚guten Amerikanern‘ werden. Doch kein Mensch kümmerte sich darum, was er sagte… Mir fiel auf…, dass alles von der vergangenen Generation Geschaffene durch die Flut fremder Einwanderer augenscheinlich zugrunde gerichtet wurde und umsonst gewesen war. Zu diesem Zeitpunkt begann ich mich zu fragen, ob Abraham Lincoln im Bürgerkrieg nicht allzu viele ‚bodenstämmige‘ Amerikaner umgebracht haben mochte – zum Nutzen seiner hastig aus Europa importierten Anhänger. Dies ist glatte Ketzerei, aber ich habe hier Männer und Frauen getroffen, die derselben Ansicht waren. In früheren Zeiten waren die schwächsten unter den Einwanderern den Strapazen der langen Reise auf Segelschiffen nicht gewachsen und starben. Doch in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren verdrängte der Dampf das Segel, und von nun an konnte die menschliche Last ohne Aderlass selbst der Schwächsten innerhalb von rund vierzehn Tagen über den Ozean verfrachtet werden. Währenddessen war eine Million mehr oder weniger assimilierter Amerikaner getötet worden.«

 

Dieses Problem war nur für Amerika neu; es war das älteste Problem der geschriebenen Geschichte, und wie wir in diesem Buch bereits nachgewiesen haben, hat es im Verlauf der Jahrhunderte in ausnahmslos allen Ländern existiert, in denen eine starke jüdische Einwanderung zu verzeichnen war. Als Kronzeugen hierfür sei Dr. Weizmann zitiert. Weizmann berichtet von einem britischen Beamten namens Sir William Evans Gordon, der mit diesem Problem schon zwanzig Jahre zu ringen hatte, bevor der amerikanische Kongress darauf aufmerksam wurde. Im Jahre 1906 versuchte Sir William des Problems durch ein Ausländergesetz Herr zu werden (so wie der 67. und der 68. Kongress der Vereinigten Staaten es später durch gesetzlich festgelegte Einwanderungsquoten zu lösen versuchte). Laut Weizmann wurde Sir William, der nichts weiter als seine Pflicht tat, zum Sündenbock »für alle Schwierigkeiten, die man einwanderungswilligen Juden in England in den Weg legte« abgestempelt. Ähnliches widerfuhr später, in den fünfziger Jahren, Senator Pat McCarran sowie dem Abgeordneten Francis E. Walter in den USA.

 

Weizmann fährt fort:

 

»Wann immer die Anzahl der Juden in irgendeinem Land den Sättigungspunkt erreicht, setzt in diesem Land eine Reaktion gegen sie ein… England hatte den Punkt erreicht, wo es nicht mehr fähig oder gewillt war, mehr als eine bestimmte Zahl von Juden aufzunehmen… Diese Reaktion darf nicht als Antisemitismus im üblichen oder vulgären Sinne des Wortes abgetan werden; sie ist eine allgemeine gesellschaftliche und wirtschaftliche Begleiterscheinung der jüdischen Immigration, und wir können sie nicht aus der Welt schaffen. Sir William hatte keine spezifisch antijüdischen Vorurteile. Er handelte… auf äußerst zivilisierte Weise im Interesse seines Landes… Seiner Ansicht nach war es für England physisch unmöglich, das Unrecht gutzumachen, das Russland seiner jüdischen Bevölkerung zugefügt hatte… Ich bin mir recht sicher, dass er sich in gleichem Masse gegen eine Masseneinwanderung anderer fremder Elemente gewandt hätte, doch gab es eben keine anderen fremden Elemente, die in solcher Zahl ins Land drängten.«

 

Vierzig Jahre später wandte sich Weizmann mit ähnlichen Worten an die Juden Amerikas: »Gewisse Länder können eine gewisse Anzahl von Juden verkraften; sobald diese Anzahl überschritten wird, geschieht etwas Drastisches, und die Juden müssen gehen.«

 

Dass Weizmann dieses triftige Argument gegen eine ungezügelte jüdische Masseneinwanderung so nüchtern darlegte, hing damit zusammen, dass er sich in erster Linie an Juden wandte und diesen die talmudistische Losung einhämmern wollte, wonach Juden nicht assimilierungsfähig sind. Dieses Argument gehört zum Arsenal der zionistischen Propaganda, braucht jedoch nicht unbedingt zu stimmen. Wie die zitierten Passagen belegen, konnte eine hochrangige Persönlichkeit im Jahre 1906 noch klarstellen, dass ihr Land nicht in der Lage war, das »Unrecht«, das den Juden angeblich anderswo widerfahren war, »gutzumachen«. Damals konnte eine solche Persönlichkeit ihrer Pflicht noch nachkommen und die Interessen ihres eigenen Landes verteidigen. In den anschließenden Jahrzehnten haben es sämtliche »diktatorisch regierenden Premierminister« der westlichen Welt zur Staatsmaxime erhoben, angeblich von einer dritten Partei begangenes Unrecht auf Kosten einer unschuldigen vierten Partei »gutzumachen«. Wie absurd diese Politik ist, beweisen Weizmanns Worte, wonach »etwas Drastisches« geschehe und die Juden »gehen« müssten, sobald ihre Anzahl ein gewisses Maß überschreite.

 

Weizmann und seine Mitstreiter hatten in den USA ein halbes Jahrhundert lang ihre ganze Macht eingesetzt, um die uneingeschränkte Zulassung von Juden zu erkämpfen. Wenn Weizmanns eben zitierter Ausspruch den Tatsachen entspricht, bedeutet dies, dass er und seine Mitkämpfer ihr jüdisches Volk durch ihre Politik auf einen Weg geführt haben, der zwangsläufig in eine Katastrophe münden muss. In diesem Fall wird früher oder später der Tag kommen, wo Regierungen in aller Welt unter Druck geraten werden, damit sie eine große Zahl amerikanischer Juden ins Land lassen und hierdurch »Unrecht« gutmachen, das den Juden in Amerika widerfahren sein wird.

 

Unter diesen Vorzeichen trat Franklin Delano Roosevelt also die Präsidentschaft an. Zwischen 1881 und 1920 waren über drei Millionen Einwanderer aus Russland legal in die USA gekommen, und die meisten davon waren Juden gewesen. Laut dem amerikanischen Amt für Volkszählung gab es in den Vereinigten Staaten anno 1877 lediglich 230.000 Juden, doch bis 1926 war ihre Zahl auf etwa viereinhalb Millionen hochgeschnellt. Allerdings handelte es sich bei diesen Ziffern lediglich um Schätzungen, denn die jüdischen Führer mögen es gar nicht, wenn Nichtjuden ihr Fußvolk zählen, so dass die wirklichen Zahlen bedeutend höher gewesen sein dürften. Im folgenden Jahrzehnt gab es keine auch nur halbwegs objektiven Statistiken über die jüdische Einwanderung mehr und zwar hauptsächlich, weil Roosevelt angeordnet hatte Immigranten nach neuen Kriterien zu klassifizieren. Erst recht wird seitens der Verantwortlichen kein Versuch unternommen, das Ausmaß der illegalen Einwanderung abzuschätzen (kompetente Beobachter schätzen die Gesamtzahl der heutzutage in den USA lebenden Juden auf rund zehn Millionen). Jedenfalls besitzt Amerika von allen Ländern der Welt heutzutage die größte jüdische Bevölkerungsgruppe; dies ist das Ergebnis der während der letzten beiden Generationen betriebenen Einwanderungspolitik.

 

Immerhin: Selbst wenn die höchsten Schätzungen zutreffen, reicht der jüdische Anteil an der amerikanischen Gesamtbevölkerung nie und nimmer an zehn Prozent heran. Doch trotz ihrer relativ geringen Zahl spielt die jüdische Bevölkerungsgruppe infolge ihrer Geschlossenheit und Organisiertheit in politischen Fragen die Rolle des Züngleins an der Waage. Das Kongresskomitee für Einwanderungsfragen war sich dieses Problems sehr wohl bewusst; 1921 hielt es hierzu fest:

 

»Der Prozess der Assimilierung und Integration ist langsam und schwierig. Warum sollten wir angesichts der Tatsache, dass die Bevölkerung der ruinierten Teile Europas in immer größeren Scharen in unser Land strömt, nicht versuchen, den Strom mittels zeitweiliger Maßnahmen entschlossen zu kontrollieren und in der Zwischenzeit das einzigartige und nie dagewesene Experiment unternehmen, sämtliche existierenden Einwanderungsgesetze konsequent durchzusetzen?«

 

Im Folgenden wurden Einwanderungsquoten festgelegt, welche die Anzahl der Immigranten jedweder Nationalität auf drei Prozent der zu jenem Zeitpunkt bereits in den USA ansässigen, jedoch in ihrem Herkunftsland geborenen Angehörigen der betreffenden Nation beschränkte. Der nächste Kongress ergriff Schritte, die weit über die zuvor zitierten Empfehlungen hinausgingen. Wie illusionslos er die Gefahr einschätzte, lässt sich folgender Erklärung des von ihm einberufenen Komitees für Einwanderungsfragen entnehmen:

 

»Wenn das Prinzip der individuellen Freiheit, das auf unserem Kontinent schon fast anderthalb Jahrhunderte lang existiert und durch unsere verfassungsmäßige Regierung gewährleistet wird, Bestand haben soll, muss die grundlegende ethnische Zusammensetzung unserer Bevölkerung erhalten und unserer wirtschaftlicher Standard gewahrt bleiben… Das amerikanische Volk räumt keiner fremden Gruppe das Recht ein…, den Charakter unserer Gesetzgebung zu diktieren.«

 

Die folgenden Jahre bewiesen jedoch, dass Präsident Roosevelt nicht daran dachte, diese Grundsätze zu respektieren, sondern ganz im Gegenteil darauf hinarbeitete, »die grundlegende ethnische Zusammensetzung« der amerikanischen Bevölkerung zu ändern und einer »fremden Gruppe« das Recht des Diktierens der amerikanischen Gesetzgebung einzuräumen.

 

Wie vor ihm Woodrow Wilson, Lloyd George und Jan Smuts war Roosevelt offensichtlich längst vor seiner formellen Wahl zum Präsidenten zu diesem bestimmt worden. Laut Howden hatte Oberst House Roosevelt »schon lange vor irgendeinem anderen maßgeblichen Politiker als natürlichen Kandidaten für das Präsidentenamt« erkannt, ihn 1913 zum stellvertretenden Flottenminister auserkoren und anschließend jahrelang für seine künftigen Aufgaben als Präsident getrimmt, da er hoffte, ihn wie Wilson als Hampelmann benutzen und somit durch ihn regieren zu können. Dieses Kalkül ging jedoch nicht auf. House war überzeugt, dass Roosevelt ihn zu seinem Berater ernennen werde, wurde sich dann jedoch gewahr, dass sein Einfluss auf den Präsidenten »gewissen Leuten« ein Dorn im Auge war. Diese »gewissen Leute« müssen äußerst mächtig gewesen sein, denn Oberst House wurde ohne viel Federlesens aufs Abstellgleis verbannt und verschwand 1933 von der Bildfläche.

 

Über die Gründe dieser Entwicklung kann man nur spekulieren. Der damals 75-jährige House glaubte nicht mehr an die Methoden, zu denen Philipp Dru, der Held seines Romans aus dem Jahre 1912, weiland gegriffen hatte. Dru hatte die amerikanische Verfassung für »veraltet und grotesk« gehalten, gewaltsam die Macht an sich gerissen und fortan per Notrecht regiert. Für Roosevelt schwebte House ein neues, nüchterneres und verantwortungsvolleres Konzept vor, doch nach seiner Kaltstellung musste er bestürzt zur Kenntnis nehmen, dass der von ihm in den Sattel Gehobene ungeniert immer mehr Macht in seinen Händen konzentrierte. Während der Präsidentschaft Wilsons hatte House diesen dazu gebracht, eine bereits von Karl Marx in seinem Kommunistischen Manifest von 1848 gepredigte destruktive Maßnahme – die Einführung einer progressiven Einkommenssteuer – in der amerikanischen Verfassung zu verankern, aber nun nahm sich sein neuer »Rockland« (so hieß der Marionettenpräsident aus seinem Roman) die Freiheit heraus, nach eigenem Gutdünken über die Verwendung der Staatsfinanzen zu entscheiden.

 

Der Grund für Houses Kaltstellung bestand vermutlich darin, dass er seinen ursprünglichen Ideen abgeschworen hatte, denn genau an diesen Ideen orientierte sich Roosevelts Politik während der ganzen zwölf Jahre seiner Regierung. Er war ein Parteigänger der Weltrevolution; sein erster wichtiger außenpolitischer Schritt war die Anerkennung der kommunistischen Regierung in Moskau; während des Zweiten Weltkriegs gewährte er den Kommunisten jede erdenkliche Unterstützung und blieb somit dem von House und Wilson eingeschlagenen Kurs treu. Er war ein Förderer des revolutionären Zionismus. Schließlich befürwortete er auch die Idee von der »Liga zur Erzwingung des Friedens« und zwang diese dem Westen unter dem neuen Namen »Vereinte Nationen« auf.

 

Somit tat Roosevelt alles, damit »Philipp Drus« Ideen Wirklichkeit wurden. Während der Präsidentschaft Woodrow Wilsons hatte dessen Innenminister Franklin K. Lane gesagt: »Alles, was Philipp Dru empfohlen hat, wird Wirklichkeit; der Präsident setzt Philipp Drus Ideen konsequent in die Praxis um.« Zu Roosevelt schrieb der House-Biograph Howden: »Es ist unmöglich, die von Dru vorgeschlagenen Gesetze mit denen Roosevelts zu vergleichen, ohne von ihrer Ähnlichkeit beeindruckt zu sein.«

 

Es ist dies ein anschauliches Beispiel dafür, wie bestimmte Ideen innerhalb einer herrschenden Gruppe von einer Generation an die andere weitergegeben werden. Houses Ideen waren jene der »Revolutionäre von 1848«, die sich ihrerseits auf das Gedankengut Weishaupts und der Revolutionäre von 1789 zurückführen ließen, doch auch letzteres ging auf eine frühere Quelle zurück. Nachdem House von diesen Ideen abgerückt war, wurden sie anstandslos von der regierenden Gruppierung um einen anderen Präsidenten übernommen, und der alte Mann, der ihnen untreu geworden war, fiel alsbald der Vergessenheit anheim.

 

Oberst House war der einzige Angehörige des inneren Zirkels, der über die Klinge springen musste. Bernard Baruch war bereits vor Roosevelts Wahl zum Präsidenten dessen Berater gewesen. Wie sich Roosevelts Gattin Eleanor erinnerte, war Baruch »sowohl in Albany als auch in Washington ein Berater gewesen, der das Vertrauen meines Gemahls besaß«. Da Albany der Sitz der New Yorker Regierung ist, hieß dies, dass Roosevelt bereits während seiner vier Jahre als Gouverneur von New York unter Baruchs Einfluss stand. Morris V. Roosenbloom berichtet in seiner 1953 erschienenen Baruch-Biographie Peace Through Strength: Bernard Baruch and a Blueprint for Security, Roosevelt habe während seiner Zeit als Gouverneur den Plan zur Gründung einer neuen Organisation, der »Vereinten Nationen«, entworfen, obgleich Amerika dem Völkerbund den Rücken gekehrt hatte. Rabbiner Stephen Wise und Louis Brandeis, die bereits der Gruppe um Woodrow Wilson angehört hatten, zählten ebenfalls zu Roosevelts engsten Vertrauten. (Zum damaligen Zeitpunkt bestärkten Hitlers antijüdische Maßnahmen Brandeis in seiner Überzeugung, die Araber müssten aus Palästina vertrieben werden.)

 

Ganz zu Beginn von Roosevelts zwölfjähriger Präsidentschaft mögen die Männer hinter den Kulissen gewisse Zweifel an seiner Fügsamkeit gehegt und die nötigen Maßnahmen ergriffen haben, um jede Unbotmäßigkeit seinerseits im Keim zu ersticken. (Wie dem Leser erinnerlich sein wird, versuchte Houses Roman-Präsident »Rockland«, eine eigenständige Politik zu betreiben, doch diese Flausen wurden ihm alsbald ausgetrieben und die Verschwörer »jubelten« über seine Kapitulation.) Dies mag eine Erklärung für die eigentümliche Tatsache liefern, dass Rabbiner Stephen Wise, der Roosevelt 1914 bei den Senatswahlen und 1928 bei seiner Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von New York unterstützt hatte, ihm bei den Präsidentschaftswahlen von 1932 seine Rückendeckung verweigerte. Doch dann muss Roosevelt etwas getan haben, was den Rebben versöhnlich stimmte, denn sogleich nach seiner Wahl erklärte Wise, der neue Präsident habe seine »uneingeschränkte Bewunderung wiedergewonnen« und anno 1935 gehörte er wieder dem engsten Beraterkreis des Präsidenten an.

 

In Anbetracht der historischen Präzedenzfälle deutete die Identität der Männer, mit denen sich Roosevelt umgab, eindeutig darauf hin, was für eine Politik er verfolgen würde.

 

Ein weiteres Indiz hierfür war die Ernennung zusätzlicher jüdischer Berater. Dieser Tatsache kam im Jahre 1933 besondere Bedeutung zu. Zwanzig Jahre zuvor hatte man die jüdischen Berater Woodrow Wilsons anstandslos als Amerikaner akzeptiert, die sich lediglich durch ihren Glauben von anderen US-Bürgern unterschieden. Doch 1933 war das zionistische Abenteuer in Palästina in vollem Gange, so dass die Frage legitim war, wem die Loyalität dieser amerikanischen Juden gehörte. Außerdem hatte die Weltrevolution in Russland triumphiert, und die Pläne für eine Weltregierung nahmen allmählich Konturen an. Angesichts dieser Entwicklungen stellte sich die Frage nach den nationalen Interessen Amerikas, und es war von höchster Wichtigkeit, ob die Männer aus der unmittelbaren Umgebung des Präsidenten diese Interessen mit gebührendem Nachdruck vertraten oder nicht.

 

Vor diesem Hintergrund erscheint die Erklärung des Kongresskomitees von 1924, wonach keine fremde Gruppe das Recht beanspruchen dürfe, den Charakter der amerikanischen Gesetzgebung zu diktieren, von besonderer Wichtigkeit. Unter den »Beratern« des Präsidenten gab es etliche, die im Ausland geboren waren oder an deren Loyalität Zweifel statthaft waren, weil sie sich dem Zionismus bzw. der Weltrevolution verschrieben hatten oder für die Idee einer Weltregierung eintraten. In diesem Sinne kann man durchaus behaupten, eine »fremde« Gruppe, die als Ergebnis der Masseneinwanderung der vorhergehenden Jahrzehnte entstanden war, habe den amerikanischen Präsidenten umgarnt und den Gang der Dinge gesteuert. Die Entwicklung der folgenden zwölf Jahre ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass die »Ratschläge«, welche diese »Berater« dem Präsidenten erteilten, darauf abzielten, das zerstörerische Prinzip in seinen drei Formen – Kommunismus, Zionismus und der Plan zur Bildung einer Weltregierung – gebührend zu fördern.

 

Neben Wise, Baruch und Brandeis gehörte auch der in Wien geborene jüdischstämmige Professor Felix Frankfurter zu den wichtigsten Beratern Roosevelts. Unter Berufung auf House behauptete dessen Biograph Howden, Frankfurter sei der einflussreichste unter diesen vier Männern gewesen: »Mehr als jeder andere… spielte Professor Frankfurter bei Roosevelt dieselbe Rolle, die House bei Präsident Wilson gespielt hatte.« Gewiss, der Einfluss inoffizieller Berater lässt sich stets nur schwer einschätzen, und es ist durchaus möglich, dass Howden Frankfurters Bedeutung überbewertet hat. Allerdings kann kein Zweifel daran bestehen, dass er eine sehr wichtige Rolle spielte (schon unter Wilson hatte er zu dessen engsten Vertrauten gezählt).

 

Wie Brandeis und Cardozo war Frankfurter Richter am Obersten Gerichtshof der USA und mischte sich niemals offen in die Politik ein. Nichtsdestoweniger lässt sich sein Einfluss leichter nachweisen als derjenige anderer, die ihre Spuren besser zu verwischen vermochten. In den dreißiger Jahren war er Rektor der Juristischen Fakultät von Harvard gewesen, was ihm die Möglichkeit bot, eine ganze Generation junger Männer auszubilden, welche dann die Politik der vierziger und fünfziger Jahre maßgeblich mitgestalteten. Wer zu Felix Frankfurters Zöglingen gehört hatte, dem standen alle Wege offen.

 

Zwei dieser Schützlinge waren Alger Hiss und Dean Acheson. Hiss wurde 1949 als kommunistischer Agent entlarvt, doch da die betreffenden Delikte verjährt waren, konnte er lediglich wegen eines anderen ihm vorgeworfenen Vergehens – Meineid – verurteilt werden; dass er ein hochkarätiger »Berater« des verstorbenen Roosevelt gewesen war, vermochte ihn nicht vor einem Schuldspruch zu bewahren. Während des Prozesses trat Frankfurter als Zeuge der Verteidigung auf und bescheinigte dem Angeschuldigten einen einwandfreien Charakter. Auch Acheson, der damals die Position des amerikanischen Außenministers bekleidete, erklärte, er werde Hiss nicht »im Regen stehen lassen«. Bei der Jalta-Konferenz von 1945, als die Westmächte den Sowjets halb Europa auf dem Silbertablett servierten, hatte Hiss eine wichtige Rolle gespielt, und Acheson trug sein Scherflein dazu bei, dass die Vereinigten Staaten keinen Finger rührten, um die kommunistische Machtergreifung in China zu verhindern.

 

Während diese jungen Männer offensichtlich in den ersten Roosevelt-Jahren darauf vorbereitet wurden, das US-Außenministerium zu unterwandern, umgab sich der Präsident mit einer Riege hochrangiger jüdischer Berater. Ab 1934 war sein Finanzminister Henry Morgenthau, ein führender Zionist, der 1944 den berüchtigten Plan zur völligen Demontage der deutschen Industrie entwerfen sollte. Zu den übrigen prominenten jüdischen »Beratern« Roosevelts gehörten folgende Männer:

 

•  Senator Herbert Lehman, auch er feuriger Zionist und einer der rührigsten Organisatoren des »zweiten Exodus«,
   der Massenauswanderung europäischer Juden in den Jahren 1945 und 1946, die den Palästinakrieg und die Gründung   
   Israels zur Folge hatte;

 

•  Richter Samuel Rosenmann, der im Weißen Haus fast schon zum Inventar gehörte und Roosevelt beim Schreiben
   seiner Reden half;

 

•  David Niles, ein aus Russland stammender Jude, der Roosevelt und seinem Nachfolger Truman viele Jahre lang als
   »Berater in jüdischen Fragen« diente;

 

•  Benjamin Cohen, der an der Balfour-Deklaration von 1917 mitgefeilt hatte und zu den namhaftesten Zionisten
    Amerikas gehörte;

 

•  Drei russischstämmige Juden namens Sidney Hillman, Isador Lubin und Leo Pasvolsky.

 

Diese Namen repräsentierten freilich nur die Spitze des Eisbergs. Die Zunahme des jüdischen Einflusses hinter den Kulissen der Macht war selbstverständlich kein spontanes Naturereignis. Antizionistischen, antirevolutionären und der Idee einer Weltregierung gegenüber skeptisch eingestellten Juden blieb der Zugang zu führenden Positionen versperrt. Dass sich der Präsident mit einer solchen »Palastgarde« umgab, erregte viel Unmut, doch ist es stets schwierig, gegen inoffizielle Berater irgendwelche konkreten Anschuldigungen zu erheben, und Roosevelt ignorierte sämtliche Proteste souverän. Somit waren die Weichen bereits zu Beginn seiner insgesamt zwölfjährigen Amtszeit gestellt. Zur selben Zeit initiierte Hitler wieder einmal eine der in der Geschichte zyklisch wiederkehrenden Judenverfolgungen, wodurch er für Roosevelt und die Männer hinter ihm zum willkommenen Buhmann wurde und damit dieselbe Funktion erfüllte wie zwanzig Jahre zuvor, zur Regierungszeit Woodrow Wilsons, der russische Zar.

 

Dass Roosevelt dreimal (1936, 1940 und 1944) wiedergewählt wurde, hatte er in erster Linie der von House entwickelten Wahlstrategie zu verdanken, die das Hauptgewicht auf die Gewinnung der Wechselwähler legte. In Übereinstimmung mit dieser Strategie wurde der Kampf gegen die »Diskriminierung« zur obersten Priorität. Diese Losung diente nicht nur dazu, die Schwarzen für Roosevelt zu gewinnen, sondern wurde auch als Keule benutzt, mit der jede Kritik am übermäßigen Einfluss der »fremden Gruppe« niedergeknüppelt wurde. Hand in Hand mit dem Feldzug gegen die »Diskriminierung« ging das Ködern der Armen, denen man versprach, die Reichen zur Kasse zu bitten.

 

Diese Strategie erwies sich als so erfolgreich, dass die Republikaner zum Rückzug bliesen und ihrerseits um die Gunst der »fremden Gruppe« zu buhlen begannen, so dass diese bei Wahlen die Rolle eines Schiedsrichters spielen konnte. Auf diese Weise festigte sich der Würgegriff der »Fremden« um die gesamte politische Kaste, und der amerikanische Wähler hatte fortan keine echte Wahl mehr. Roosevelt stärkte seine Position mit seiner Politik der Staatsverschuldung, wobei er grundsätzlich davon ausging, dass die Höhe der Staatsschulden keine Rolle spiele, da der Staat ja sein eigener Gläubiger sei. Hierdurch verlor das amerikanische Volk die Kontrolle über die öffentlichen Finanzen, die es seither nie wieder zurückgewonnen hat, und der Mann im Weißen Haus konnte mit einem Federstrich über Summen verfügen, die in früheren Zeiten ausgereicht hätten, um das Budget eines halben Dutzend sparsamer Staaten zu decken.

 

Diese Vollmachten errang der Präsident, indem er die Notwendigkeit beschwor, der »Krise« Herr zu werden – mit dem Ergebnis, dass die »Krise« seither zum Dauerzustand geworden ist.

 

Alles deutet darauf hin, dass Roosevelts Politik lange im Voraus geplant war, und wäre seine Präsidentschaft früher zu Ende gegangen, so hätte die Weltgeschichte womöglich einen völlig anderen Lauf genommen. Der verborgene Mechanismus der Macht sowie die Kontrolle der »Berater« über den Präsidenten waren jedoch dermaßen effizient, dass er nicht weniger als dreimal wiedergewählt wurde, nachdem die Verfassung, die einem Präsidenten lediglich zwei Amtszeiten einräumte, zuvor geändert worden war. Nur ein einziges Mal geriet seine Position ernsthaft ins Wanken, und die langfristig eingefädelten Pläne der Hintergrundmächte liefen Gefahr, Schiffbruch zu erleiden.

 

In einem der Südstaaten, Louisiana, erlebte ein populistischer Politiker namens Huey Long, der in mancher Hinsicht Roosevelts Ebenbild war, einen kometenhaften Aufstieg. Long war ein Demagoge mit einem pausbäckigen Gesicht und Kraushaar, der aus einer sehr einfachen Familie stammte. Wie Wilson und Roosevelt wurde auch er populär, indem er die »Interessen der Mächtigen« attackierte, worunter man in seinem Heimatgebiet die Ölindustrie im Allgemeinen sowie Standard Oil im Besonderen verstand. Er war der Abgott der armen Weißen, deren Stimmen ihm 1928 die Wahl zum Gouverneur seines Heimatstaates Louisiana bescherten. Kaum im Amt, führte er eine Ölsteuer ein, mit der er den Bau von Schulen finanzieren wollte. Bei der Eröffnung der neuen Legislaturperiode verweigerte ihm ein Rabbiner namens Walter Peiser deswegen seinen Segen und schalt ihn einen »unwürdigen Gouverneur«.

 

Huey Longs Popularität erreichte ungeahnte Höhen. Im März 1935 wurde er in den Senat gewählt, wo er in einer seiner Reden eine heftige Attacke auf Bernard Baruch ritt, den er offenbar als führenden Vertreter der »Interessen der Mächtigen« betrachtete. (Der einzige Vorwurf, der gegen Long nie erhoben wurde, war derjenige des »Antisemitismus«; in der Tat waren viele seiner Mitarbeiter Juden.) Allmählich mauserte er sich zu einem der mächtigsten Männer des Landes. Er schrieb ein Buch mit dem Titel Meine erste Woche im Weißen Haus, das mit zahlreichen Illustrationen versehen war; auf einer davon war ein Roosevelt zu sehen, der fatal an den Roosevelt von Jalta erinnerte und sich demütig die Belehrungen eines vor Gesundheit und Tatkraft strotzenden Huey Long anhörte.

 

Long schickte sich an, den Präsidenten vom Thron zu stoßen, indem er ihm auf dessen ureigenstem Gebiet – eine verschwenderische Finanzpolitik und verlockende Versprechungen – den Rang ablief. Hierbei ging er äußerst raffiniert vor, womöglich noch raffinierter als Roosevelt. Mit Schlagworten wie »Teilt den Reichtum« und »Jedermann ein König« hatte er die politische Maschinerie in Louisiana unter Kontrolle gebracht. Als die Gelder aus Washington in die einzelnen Bundesstaaten zu fließen begannen, wo sie zur Finanzierung von »Krisenprojekten« sowie ganz nebenbei zum Stimmenkauf verwendet werden sollten, zweigte Hue Long seelenruhig einen beträchtlichen Teil davon für seine eigenen Zwecke ab. Das Parlament von Louisiana verabschiedete ein Gesetz, das es lokalen Behörden untersagte, ohne ausdrückliche Genehmigung der örtlichen Regierung finanzielle Unterstützung seitens der Bundesregierung anzunehmen. Da Long die örtliche Regierung kontrollierte, bestimmte er selbst über die Verwendung des Geldsegens aus Washington und stellte somit sicher, dass dieser zur Stärkung seiner eigenen Wählerbasis und nicht derjenigen Roosevelts eingesetzt wurde. Genau wie der Präsident benutzte er öffentliche Gelder also zur Förderung politischer Anliegen – aber seiner eigenen.

 

1935 begann sich Roosevelt auf die Kampagne zu seiner Wiederwahl vorzubereiten. Urplötzlich wurden sich seine Berater gewahr, dass Hue Longs Beliebtheit weit über die Grenzen seines Heimatstaates Louisiana hinausreichte und er zu einem der bekanntesten Männer des Landes geworden war. Wie John Flynn in seinem 1948 erschienenen Buch The Roosevelt Myth berichtet, war das Nationalkomitee der Demokratischen Partei erstaunt, als eine geheime Umfrage ergab, dass Huey Long als Kandidat einer dritten Partei mit drei bis vier Millionen Stimmen rechnen konnte und sein »Teilt den Reichtum«-Programm in den industrialisierten und landwirtschaftlichen Staaten auf einen großen Teil der demokratischen Wählerschaft eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübte.

 

Dies hieß im Klartext, dass Huey Long zum damaligen Zeitpunkt zwar noch keine Chancen besaß, selbst Präsident zu werden, es jedoch sehr wohl in seinen Kräften stand, Roosevelts Wiederwahl zu verhindern, indem er diesem so viele Stimmen abnahm, dass die Republikaner als lachende Dritte davon profitierten. Dies löste bei der winzigen Clique, welche die reale Macht ausübte, regelrechte Panik aus. Doch wie John Flynn in seinem eben erwähnten Buch schrieb, war das Schicksal »ein Anhänger der Demokratischen Partei geworden und blieb es«. Am 8. September 1935 fiel Huey Long im Kapitol des Staates Louisiana der Kugel eines jungen jüdischen Attentäters namens Dr. Carl Austin Weiß zum Opfer. Die Beweggründe des Täters werden niemals ans Licht kommen, denn dieser wurde seinerseits von Longs Leibwächter erschossen.

 

Die politischen Auswirkungen der Mordtat waren klar: Roosevelts Wiederwahl war nun garantiert. Wie meist in solchen Fällen wurde der Öffentlichkeit weisgemacht, der Attentäter sei ein »Verrückter« gewesen, doch wurden auch andere Motive genannt. Eine öffentliche Ermittlung blieb aus. Auch dies erinnert an andere politische Morde der letzten hundert Jahre, bei denen solche Ermittlungen entweder gar nie eingeleitet oder vorzeitig abgeblockt wurden. In Fällen, wo tatsächlich ermittelt wurde (wie bei den Morden an Abraham Lincoln, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Ungarn oder König Alexander von Jugoslawien) haben die Untersuchungen stets ergeben, dass der jeweilige Mordschütze durchaus kein »auf eigene Faust handelnder Verrückter«, sondern das Werkzeug einer mächtigen Organisation war. Da die Liquidierung Huey Longs die politische Entwicklung in den USA für das folgende Jahrzehnt bestimmte, war sie ebenso folgenschwer wie andere Morde, denen hochrangigere Männer zum Opfer fielen.

 

Franklin Delano Roosevelt wurde 1936 wiedergewählt. Seine Aufgabe bestand augenscheinlich darin, sein Land nach dem Vorbild von Oberst House und Woodrow Wilson »in fremde Händel zu verstricken«, wobei er wie Wilson bei jeder Wahl hoch und heilig versprach, Amerika aus fremden Konflikten herauszuhalten. Inzwischen wurde das Gejammer über die Politik Hitlers immer lauter; wie ich an früherer Stelle festgehalten habe, wurde die politische Repression in Deutschland zunehmend so dargestellt, als richte sie sich ausschließlich gegen Juden. Am 5. Oktober 1937, also zwei Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieg gab Roosevelt in aller Öffentlichkeit Erklärungen ab, die zwar verklausuliert, für Eingeweihte jedoch hinreichend klar waren: Er, Roosevelt, würde sein Land in einen Krieg führen, und zwar in erster Linie um jener Interessen willen, als deren Hüterin seine Palastgarde waltete. Auch in diesem Punkt trat Roosevelt in die Fußstapfen Wilsons, der im Dezember 1911, also fast drei Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, öffentliche Drohungen gegen Russland ausgestoßen hatte. Genau wie Wilson anno 1911 identifizierte Roosevelt sechsundzwanzig Jahre nach ihm die Sache Amerikas mit der Sache der Juden, so wie diese (mißbräuchlicherweise) von den Zionisten dargestellt wurde.

 

Hier ein Auszug aus Roosevelts Ansprache vom 5. Oktober 1937: »Niemand möge glauben, Amerika werde ungeschoren davonkommen… und die westliche Hemisphäre werde nicht angegriffen werden… Wenn sich eine Seuche ausbreitet, billigt die Gemeinschaft eine Quarantäne der Patienten und beteiligt sich dabei, um die Gesundheit der Gemeinschaft vor der Verbreitung der Krankheit zu schützen.«

 

In diesem Fall hatten es die Ghostwriter des Präsidenten an der gebotenen Vorsicht fehlen lassen, denn die Öffentlichkeit begriff sogleich, dass der Hinweis auf eine »Quarantäne« eine kaum verhohlene Kriegsdrohung war. Dies rief solche Bestürzung hervor, dass sich Roosevelt noch volle vier Jahre lang, bis zum Tag des Kriegseintritts seines Landes, genötigt sah, bis zur Ermüdung zu wiederholen: »Eure Söhne werden nicht in einen fremden Krieg entsandt werden.« (Im Oktober 1937 wusste er zweifellos, dass ca. zwei Jahre später ein Krieg ausbrechen würde, denn zur selben Zeit unterrichtete ich die Redaktion von The Times von Wien aus, dass Hitler und Göring eben dies vorausgesagt hatten, und der Präsident der USA war bestimmt nicht schlechter informiert als ein britischer Reporter.)

 

Als man das Jahr 1937 schrieb, war die im letzten Kapitel beschriebene verfälschte Darstellung der Geschehnisse in Deutschland seit vier Jahren in Gange. Hier noch ein Beispiel. Wie Rabbiner Stephen Wise berichtet, initiierte der American Jewish Congress unmittelbar nach Hitlers Machtübernahme einen Boykott deutscher Waren und zwar mit der Begründung, laut »telegraphischen Berichten« aus Deutschland werde dort ein »landesweiter Judenpogrom« geplant. Wie beiläufig fügt er hinzu, der Pogrom sei »nicht zustande gekommen«, doch der Boykott kam sehr wohl zustande.

 

Wise macht kein Hehl daraus, dass er und seine zionistischen Gesinnungsgenossen sich von den Protesten und Appellen der deutschen Juden, die auf eine Einstellung des Boykotts drängten, nicht beirren ließen. Die Vorstellung einer friedlichen Koexistenz zwischen Hitler und den deutschen Juden erfüllte sie mit Entsetzen. In einem Brief an seine Mitstreiter schrieb Wise, er befürchte,

 

»dass unsere jüdischen Brüder in Deutschland sich dazu veranlasst oder genötigt sehen könnten, ein Friedensabkommen zu akzeptieren, das eine geringfügige Verbesserung ihrer Lage oder eine leichte Milderung des ihnen zugefügten Unrechts bewirken könnte… und dass das Naziregime beschließen könnte, einige der üblen Konsequenzen seiner Herrschaft durch eine mildere Behandlung der Juden zu verhüten, welche die weltweiten jüdischen Proteste verstummen ließen.«

 

Die zweite der beiden von ihm erwähnten Möglichkeiten war für Wise »die größere Gefahr«. Anders gesagt, er befürchtete ein Ende der »Verfolgung«. Er, Rabbiner Stephen Wise, der er im sicheren New York saß, sah es lieber, wenn die Juden in Deutschland litten, als wenn sie sich mit den Nationalsozialisten verständigten: »Durch die Hände der Nazis zu sterben, ist grausam; durch ihre Gnade zu überleben, wäre tausendmal schlimmer. Wir werden den Nazismus überleben, außer wenn wir die unsühnbare Sünde begehen, uns auf einen Kuhhandel mit ihm einzulassen, um einige jüdische Opfer zu retten.« (1934, bei der Jüdischen Weltkonferenz.) »Wir lehnen jeglichen Vorschlag, der darauf hinausläuft, die Sicherheit einiger Juden durch die Schande aller Juden zu erkaufen, voller Verachtung ab.« (1936) In Washington warb Louis Brandeis nicht minder entschlossen für das Martyrium der deutschen Juden: »Jedes Abkommen, das dazu führt, im Ausland Absatzmärkte für deutsche Waren zu schaffen, stärkt Hitler… Hitlers wirtschaftliche Nöte zu lindern, um einige der Juden Deutschlands durch Auswanderung zu retten, wäre… eine beklagenswerte Politik.«

 

Für die Zionisten nahm die Gefahr einer Versöhnung zwischen Hitler und den Juden im Jahre 1938 konkrete Konturen an. Damals entsandte General Smuts seinen Verteidigungsminister Oswald Pirow nach Deutschland, um auf dem Verhandlungswege eine gütliche Lösung der Judenfrage zu erreichen. Der britische Premierminister Neville Chamberlain begrüßte diesen Schritt; er ließ Pirow wissen, dass der Druck des internationalen Judentums eines der hauptsächlichen Hindernisse für eine britisch-deutsche Verständigung sei und verkündete, sich diesem Druck (den Leon Pinsker als »unwiderstehlich« bezeichnet hatte) zu widersetzen, falls dies eine mäßigende Auswirkung auf Hitler habe.

 

Laut Pirows eigenen Angaben unterbreitete er Hitler in Deutschland einen konkreten Vorschlag, auf den sein Gastgeber positiv reagierte. Damit war ein Abkommen greifbar nahe.

 

Doch genau zu jenem Zeitpunkt schlug das Schicksal wieder zu. Wie bei den Attentaten auf Huey Long, Graf Stolypin oder Zar Alexander II. machte die Kugel eines Attentäters jede Chance auf die friedliche Lösung eines drängenden Problems zunichte. In Paris wurde der deutsche Diplomat von Rath von einem jungen Juden erschossen.

 

Hierauf brachen in Deutschland antijüdische Krawalle aus, und viele Synagogen gingen in Flammen auf. Pirows Mission war somit gescheitert. Es wurden keine Ermittlungen darüber durchgeführt, ob der Mord an von Rath womöglich im Auftrag einer bestimmten Organisation erfolgt war; falls eine solche Ermittlung zumindest in die Wege geleitet wurde, erbrachte sie keine greifbaren Ergebnisse. Rabbiner Wise lieferte die übliche, abgedroschene Erklärung, der Attentäter sei ein »aus dem Lot geratener junger Mann« gewesen, den die Nazis mit ihrer antijüdischen Politik zu seinem Verzweiflungsakt getrieben hätten.

 

Präsident Roosevelts Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: »Die Nachrichten, die uns in den letzten Tagen aus Deutschland erreichten, haben die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten zutiefst schockiert. Ich selbst konnte kaum glauben, dass solche Dinge in einem zivilisierten Land des zwanzigsten Jahrhunderts geschehen könnten… Ich habe unseren Botschafter in Berlin angewiesen, sofort zur Berichterstattung und zu Konsultationen zurückzukehren.«

 

Diese harten Worte waren auf die Synagogenbrände gemünzt (zum Mord an von Rath verlor Roosevelt kein Wort), und der zweite Satz war nachweislich unwahr, denn Roosevelt und alle seine Zeitgenossen waren bereits früher Zeugen der willkürlichen Zerstörung von Gotteshäusern geworden. Allerdings hatte es sich bei diesen nicht um Synagogen gehandelt, sondern um christliche Kirchen und Kathedralen, die im kommunistischen Russland gesprengt wurden, doch dies hatte Roosevelt nicht daran gehindert, das für diesen Frevel verantwortliche Regime in Moskau gleich nach seinem Amtsantritt anzuerkennen. Erst kurz zuvor hatte er außerdem die erzwungene Kapitulation der Tschechoslowakei vor Hitler in einem Telegramm nachdrücklich begrüßt; offenbar hatte es ihn durchaus nicht schockiert, dass dergleichen »in einem zivilisierten Land des zwanzigsten Jahrhunderts« geschehen war. Solche und ähnliche Zwischenfälle waren es, die mich damals dazu bewogen, meine Stelle als Reporter zu kündigen: Angesichts der systematischen Verfälschung der Fakten durch die Presse konnte ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, noch weiter den Journalistenberuf auszuüben.

 

Mit den eben zitierten Aussprüchen, die er in den Jahren 1937 und 1938 tat, bereitete Roosevelt sein Land de facto auf den Kriegseintritt vor, auch wenn dieser formell erst nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor erfolgte. Dass die Vergeltungsdrohung, die er am 17. Juli 1942 gegenüber Deutschland ausstieß, einzig und allein mit der Behandlung der Juden begründet wurde, passt in dieses Bild. Auch hinter diesen Äußerungen standen jene Männer, die von Anfang an alles getan hatten, um eine Milderung des Schicksals der deutschen Juden zu vereiteln.

 

Der Mord an van Rath in Paris lässt sich durchaus mit den Schüssen von Sarajevo vergleichen, die den Ersten Weltkrieg einläuteten. Dies hat die seitherige Entwicklung klar bewiesen. Im Gegensatz zu Woodrow Wilson glaubte Roosevelt privat nie daran, dass sein Land neutral bleiben werde.

 

»Wir werden diesem Hitler zeigen, wo der Bartel den Most holt«, hatte sein Mentor Bernard Baruch 1938 erklärt (General George C. Marshall). Falls keine drastische Änderung eintritt (und gegenwärtig deutet nichts auf eine solche hin), wird der amerikanische Präsident in einem allfälligen dritten Weltkrieg in demselben Garn verstrickt sein wie seine Vorgänger 1914-1918 und 1939-1945.

 

Während der sechs Jahre, in denen der »unnötige Krieg« vorbereitet wurde, beobachtete ich die turbulente, sich stetig verdüsternde Szene von Berlin und Wien sowie all jenen großen Städten aus, auf die sich schon bald eine lange Nacht niedersenken sollte: Prag und Budapest, Belgrad und Bukarest, Sofia und Warschau. Vermutlich haben nur sehr wenige Menschen so hautnah wie ich miterlebt, wie der Ofen geheizt wurde, in dem man den Barren schmolz. Im Gegensatz zu den meisten meiner Zeitgenossen war ich nicht an bestimmtes Land oder eine bestimmte Partei gebunden, sondern lernte sie alle kennen. Ich habe die lärmigen, triumphierenden Reden der SA- und SS-Männer in ihren Stammkneipen ebenso gehört wie die verstohlenen, bitteren Gespräche ihrer Gegner in Privatwohnungen und das nervöse Gemurmel von Männern auf der Flucht, die immerfort ängstliche Blicke über die Schulter warfen. Ich habe das Antlitz des Mob, dieses hirnlosen Dinosaurier, in seinen beiden Stimmungslagen gesehen: Von wilden, illusorischen Hoffnungen aufgepeitscht (in Berlin) und von hohlwangiger, hohläugiger Hoffnungslosigkeit gezeichnet (in Moskau). Ich bin der Furcht auf allen gesellschaftlichen Stufen begegnet, vom Straßenfeger bis zum Staats- oder Regierungschef; ich habe den Terror in seinen beiden Hochburgen miterlebt.

 

Ich habe viele scheinbar mächtige Männer kennengelernt, die für entgegengesetzte Ziele eintraten, durch ihre Handlungen jedoch allesamt dazu beitrugen, dass der »unnötige Krieg« schließlich unvermeidlich wurde. Ich habe mit Hitler, Göring und Goebbels gesprochen; ich habe am Ufer des Genfer Sees diskret mit dem pausbäckigen Maxim Litwinow zu Mittag gespeist, einer typischen Gestalt aus den Cafés der Exilanten, und ich habe mich gefragt, was er, der er Außenminister des kommunistischen Russland war, eigentlich von diesem Land wusste. Ich habe Mussolini und Ramsay Macdonald getroffen, einen jener britischer Premierminister, die während jener Jahre schattengleich über die Bühne huschten.

 

Ich habe mich auf der alten Prager Burg stundenlang mit Edward Benesch unterhalten, habe Unterredungen mit österreichischen Kanzlern und ungarischen Premierministern, mit balkanischen Königen und Politikern geführt. Ich habe das Wirken des Völkerbunds verfolgt, auf den ich in meiner damaligen Naivität große Hoffnungen setzte, fühlte mich jedoch durch die würdelosen Dinge, die dort vor sich gingen – die Feilscherei und den Stimmenkauf hinter den Kulissen – ebenso abgestoßen wie durch die Schwärme von Müßiggängern und Intriganten, die ihr Unwesen trieben; wer den Völkerbund kennengelernt hat, wird sich schwerlich für die »Vereinten Nationen« erwärmen können.

 

Ich gehörte zu der Journalistenriege, die einen aufsteigenden jungen Minister namens Anthony Eden nach Moskau begleitete, und erlebte dort ein Regime, das in allen wesentlichen Punkten wie eine Kopie des Nationalsozialistischen in Berlin wirkte, außer was den Status der Juden betraf, die mir einen ganz unverhältnismäßig großen Teil der Schlüsselpositionen im sowjetischen Staatsapparat einzunehmen schienen.

 

In Europa herrschte ein unbeschreibliches Chaos, doch eines schien sonnenklar: Hitler würde einen Krieg entfesseln, falls man ihn nicht daran hinderte, und da keine ernsthaften Versuche in dieser Richtung erfolgten, war der Krieg unvermeidlich. Da gab es einen weiteren britischen Premierminister namens Stanley Baldwin, der die Auslandskorrespondenten in Berlin ganz aus der Fassung brachte, weil er seinen Landsleuten die Wahrheit über Hitlers kriegerische Absichten vorenthielt – wie er später sagte, hätte er sonst »die Wahlen verloren«. Falls sein Nachfolger Neville Chamberlain der Illusion anhing, Hitler durch seine fortgesetzte Beschwichtigungspolitik zu einem Krieg gegen die Sowjetunion verführen zu können (dass dies wirklich sein Kalkül war, kann ich nicht beweisen, aber es scheint sehr wohl möglich), so war dies immerhin eine Politik, während seine Vorgänger überhaupt keine solche gehabt hatten. Doch war es eine verfehlte Politik, denn alle erfahrenen Beobachter in Deutschland sahen voraus, dass Hitler nicht gegen Stalin zuschlagen, sondern sich mit diesem verbünden würde, ehe er einen Krieg begann. Genau dies habe ich in meinen Vorkriegsbüchern vorausgesagt.

 

Nachdem ich den Anschluss Österreichs und die Zerschlagung der Tschechoslowakei miterlebt hatte, wurde ich mir bewusst, dass die letzte Hoffnung, einen unnötigen Krieg zu vermeiden, dahin war.

 

Ich hatte den Eindruck, in einer irrsinnig gewordenen Welt zu leben; dies liefert die Erklärung dafür, dass ich dem Buch, das ich damals schrieb, den Titel Insanity Fair (Jahrmarkt des Irrsinns) gab. Zum damaligen Zeitpunkt sah ich nichts weiter als unerklärliches Fehlen jeder Politik. Achtzehn Jahre später und im Lichte all dessen, was seither geschehen und bekannt geworden ist, lässt sich die Möglichkeit, dass man den »unnötigen Krieg« durchaus nicht in allen Kreisen für unnötig hielt, keineswegs von der Hand weisen.  

 

 

 

15. Die weltweite Agitation über das Los des amerikanischen Negers wird in erster Linie von drei in New York ansässigen Organisationen geschürt. Zwei davon, das American Jewish Commitee und die Anti-Defamation League, sind rein jüdisch und verfügen über sehr erhebliche Geldmittel. Bei der dritten Organisation handelt es sich um die N. A. A. C. P. (National Association for the Advancement of Coloured People, Nationale Vereinigung zur Förderung Farbiger Menschen), bei der Juden von Anbeginn an die erste Geige gespielt haben; die Neger selbst figurieren darin lediglich als Paradegäule. Der amerikanische Schwarze will gesellschaftlichen Fortschritt innerhalb seiner eigenen Bevölkerungsgruppe und strebt keine Vermischung mit den Weißen an. Im Gegensatz dazu setzen sich die Judenorganisationen, die vorgeben, für den Neger zu sprechen, für eine erzwungene Vermischung der beiden Rassen ein, obwohl keine der beiden eine solche wünscht. Diese Gruppen bombardierten die Gerichte mit ihren Klagen, mit dem Ergebnis, dass der Oberste Gerichtshof rassisch getrennte Schulen im Jahre 1955 für illegal erklärte, ihre Abschaffung anordnete und die Einführung gemischtrassiger Schulen befahl. Um dieser Politik Nachdruck zu verschaffen, wurde in den Südstaaten die Nationalgarde eingesetzt, und es wurden sogar Panzer aufgeboten. Es ist mir geglückt, Einblick in das Budget des American Jewish Comittee für 1953 zu erhalten, das sich auf 1.753.000 Dollar belief. In Bezug auf die Neger hielt die Organisation fest: »Der Status der Juden ist in Bezug auf die meisten zivilen und politischen Rechte sicherer als derjenige mancher anderer Gruppen, insbesondere der Neger. Doch solange erfolgreich verhindert wird, dass die Neger ihre Rechte tatsächlich beanspruchen können, sind auch die Rechte der Juden permanent gefährdet. Aus diesem Grund zielt ein Großteil unserer Aktivitäten darauf ab, solchen anderen Gruppen, und nicht uns selbst, vermehrte Möglichkeiten zur Beanspruchung ihrer Rechte zu verschaffen… Ein Beispiel hierfür liefert unser Verhältnis zur N.A.A.C.P, die uns auf Feldern, wo wir besonders kompetent sind, um Unterstützung ersucht… Eine effiziente Waffe sind Vorstöße vor Gericht… Wir nehmen direkt an Gerichtsverfahren teil… Wir haben Klagen gegen die Rassentrennung sowie gegen die Diskriminierung der Neger eingereicht.« Die Angehörigen des Obersten Gerichtshofs werden aufgrund politischer Präferenzen ernannt; dies ist ein wichtiger Faktor, der schwerwiegende Auswirkungen haben könnte.

 

16. Huey Long hatte seine Ermordung im Juli vorausgesagt: Der Senat, erklärte er, habe seinen Tod geplant, wobei »ein Mann mit einer Pistole und einer Kugel« als Vollstrecker auserkoren worden sei. Seinen Angaben nach war eine Unterredung seiner Feinde, die sich in einem Hotel in New Orleans getroffen hätten, mit einem versteckten Tonbandgerät aufgenommen worden. Der Schriftsteller Hodding Carter relativierte diese Behauptung; in seinem 1949 erschienenen Buch The Aspirin Age schrieb er: »Die ‚Verschwörung‘ beschränkte sich auf Drohungen wie: ‚Ich wünsche, jemand würde diesen Kerl umlegen.«

 

17. Die Nationalsozialisten haben stets behauptet, ihr eintägiger Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 sei eine Reaktion auf diese Provokation aus New York gewesen. Rabbiner Stephen Wises Buch aus dem Jahre 1949 verleiht dieser Behauptung Glaubwürdigkeit.

 

18. Das Wort »Pogrom« (das im Russischen »Zerstörung« bedeutet), spielt in der zionistischen Propaganda eine Schlüsselrolle. Er wird einzig und allein für (wirkliche oder angebliche) Ausschreitungen gegen Juden verwendet, so dass ein Leser, der auf Wendungen wie »ein antirussischer Pogrom« oder »ein Pogrom gegen Araber« stößt, unwillkürlich den Eindruck erhalten muss, hier liege ein Druckfehler vor. Chaim Weizmann schreibt, in seinem russischen Heimatort habe es niemals Pogrome gegeben, verwendet das Wort jedoch fortlaufend, und zwar mit der Begründung, es sei »nicht nötig, unter Pogromen zu leben, um zu wissen, dass die nichtjüdische Welt vergiftet ist«. Er rief den britischen Militärgouverneur in Palästina zu harten Maßnahmen gegen die Araber auf und erklärte dies damit, dass er »einige Erfahrung« mit der Atmosphäre habe, die Pogromen vorausgehe – und dies, obgleich er seinen eigenen Aussagen zufolge niemals einen Pogrom erlebt hatte! Er bezeichnet einen Krawall, bei dem fünf oder sechs Juden verletzt wurden, als »Pogrom«, und spricht im Zusammenhang mit den Ereignissen des Jahres 1938, in dem 69 Briten, 92 Juden und 1.500 Araber umgebracht wurden, von »arabischem Terrorismus«. Ein distinguierter britischer Offizier, Sir Adrian Carton de Wiart, der zwischen den beiden Weltkriegen in Polen lebte, meinte »Die jüdische Frage scheint unlösbar… Es kursierten Gerüchte über Pogrome, aber ich hielt diese für maßlos übertrieben, denn es gab keinerlei Beweise für den Massenmord an Tausenden von Juden.«

 

19. In Wirklichkeit waren die Zionisten durchaus zu einem »Kuhhandel« und zu Geschäften mit den Nationalsozialisten bereit, sofern es ihren Zielen dienlich war. Sieben Jahre später, auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs, erhielt Stephen Wise von einer »Gruppe von Nazi-Funktionären« das Angebot, Juden gegen Bezahlung aus Polen nach Ungarn emigrieren zu lassen. Polen war von Deutschland besetzt, und in Ungarn war eine von Deutschland abhängige Regierung am Ruder, so dass man nicht so recht versteht, welchen Vorteil diese Übersiedlung den betreffenden Juden gebracht hätte, doch Wise muss einen triftigen Grund dafür gehabt haben, Juden während des Krieges von einem unter deutscher Kontrolle befindlichen Land ins andere ziehen zu lassen, nachdem er sich ihrer Auswanderung aus Deutschland in Friedenszeiten so heftig widersetzt hatte (möglicherweise hing sein Entscheid mit dem nach dem Krieg einsetzenden Exodus zusammen). Er bat Roosevelt, die notwendigen Dollars für den Kuhhandel bereitzustellen und auf deutsche Konten in der Schweiz zu überweisen. Roosevelts Antwort ließ nicht auf sich warten: »Warum nehmen Sie die Sache nicht gleich selbst in Angriff, Stephen?« Ein weiterer prominenter Zionist, Finanzminister Henry Morgenthau, erhielt entsprechende Anweisungen, und obwohl das amerikanische sowie das britische Außenministerium Protest einlegten, wurde der betreffende Betrag an das Genfer Büro des Jüdischen Weltkongresses überwiesen, damit dieser den geplanten Handel mit dem nationalsozialistischen Deutschland abschließen konnte!

 

 

 

Kapitel 38  Ein kleines, fernes Land

 

Im vierten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts, als in Washington »The Chief« und in Berlin »Der Führer« regierte, verschwand Palästina weitgehend aus den Schlagzeilen. Die dortige Lage verschlechterte sich immer mehr und die britische Regierung war schließlich drauf und dran, die Hoffnungslosigkeit der Aufgabe einzusehen, die ihr Balfour aufgehalst hatte, und das Handtuch zu werfen. (Balfour war übrigens anno 1930 gestorben, nachdem er auf dem Totenbett Abschied von Dr. Weizmann genommen hatte.) Doch am Vorabend eines neuen Weltkriegs verpflichtete sich ein Winston Churchill, dafür zu sorgen, dass Großbritannien seine Mission in Palästina zu Ende führte. Das englische Volk, das meinte, sein einziger Feind sei Hitler, zog abermals in den Krieg, ohne zu ahnen, für wessen Ziele dieser eigentlich geführt werden sollte. Zu diesen Zielen gehörte nicht zuletzt jenes, das England 1918 an den Rand einer Niederlage gebracht hatte (auch hiervon wusste die Bevölkerung Großbritanniens nichts).

 

Mehrere aufeinanderfolgende britische Regierungen fanden sich in dieser Angelegenheit in der Lage eines Zirkusclowns wieder, der es einfach nicht fertig bringt, den ihm angehefteten Fliegenfänger abzustreifen; immer wenn sie meinten, sich endlich von diesem lästigen Ding befreien zu können, klebte Dr. Weizmann es an einem anderen Ort fest. In Palästina konnten die mit der Verwaltung des »Mandats« betrauten britischen Beamten und Soldaten ihre Pflicht nicht erfüllen. Die Araber rebellierten hartnäckig weiter, und die Zionisten in London übten massiven Druck auf die dortige Regierung aus, um sie zur Anwendung von Gewalt gegen die Aufrührer zu veranlassen. Wenn die für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Palästina verantwortlichen Männer versuchten, unparteiisch zwischen den beiden Seiten zu schlichten, warfen ihnen die Politiker aus London Knüppel zwischen die Beine.

 

Die Resultate der britischen Politik in den Überseegebieten beweisen unserer Ansicht nach, dass sie in jedem Fall außer dem vorliegenden vernünftig war. In den dünn besiedelten Gebieten, welche die Briten erschlossen, gründeten sie freie Staaten; in den dicht besiedelten, die sie unterwarfen, verwirklichen sie vor unseren Augen ihr (oft ironisch belächeltes) Versprechen, das zivilisatorische Niveau der Eroberten zu heben und dann abzuziehen; Indien ist nur einer von mehreren Beweisen hierfür. Doch im Falle Palästinas setzte sich die britische Verwaltung über sämtliche anderswo befolgten Regeln hinweg und schlug alle anderswo gesammelten Erfahrungen in den Wind. Dies tat sie unter dem Druck aus London – oder aus anderen Hauptstädten, wenn sich London einmal querlegte.

 

Unter diesen Umständen waren die nach Palästina entsandten britischen Beamten und Truppen die unglücklichsten in der Geschichte des Landes. (Bezeichnenderweise war der einzige unter ihnen, der nach seiner Rückberufung öffentlich geehrt wurde, ein Verräter.) An und für sich wussten die Engländer sehr wohl, wie man ein echtes »Protektorat« regiert; dieser Ausdruck kann sowohl ehrlich als auch missbräuchlich verwendet werden (ein Beispiel für letzteres bot das von Hitler gegründete »Protektorat« über die Tschechei). Eine Fremdherrschaft, die von der einheimischen Bevölkerung gewünscht oder sogar aktiv herbeigeführt wird, kann etwas höchst Begrüßenswertes sein. Ein solches echtes »Protektorat«, Basutoland, kenne ich aus eigener Erfahrung. Dort haben die Briten die Kontrolle auf Ersuchen der Basuto übernommen, mit dem Ergebnis, dass diese als freie Nation überlebten; ohne die britische Intervention wären sie von stärkeren Nachbarstämmen versklavt worden. Ihr heutiges Schicksal, und ihre Aussichten für die Zukunft, sind besser als unter allen anderen denkbaren Umständen, und sie sind sich dessen sehr wohl bewusst. Dies ist der Grund dafür, dass einige Dutzend weiße Verwaltungsbeamte über 660.000 Basutos regieren und sich die beiden Seiten gegenseitig respektieren.

 

Zum ersten Mal in der Geschichte mussten die Briten in Palästina das Volk unterdrücken, zu dessen Schutz sie angeblich gekommen waren, und stattdessen Eindringlinge aus Russland unter ihre Fittiche nehmen. Die mit Balfour einsetzende Unterwanderung der zivilen Macht hatte dies möglich gemacht.

 

Dass die »zivile« Macht stets über der militärischen zu stehen habe, ist die oberste Maxime der Verfassung aller westlichen Demokratien. Hierdurch wird dem Aufkommen von Militärdiktaturen ein Riegel vorgeschoben. Unterwirft sich die zivile Macht aber dem Diktat einer hinter den Kulissen agierenden dritten Kraft, die militärische Ziele verfolgt, so beugt sie sich de facto unter das Joch einer militärischen Macht, auch wenn es nicht diejenige ihrer eigenen Generäle ist. Die oberste Maxime der Demokratien wird dadurch auf den Kopf gestellt, weil ihre Armee unter diesen Umständen fremde statt eigene Interessen vertritt. Genau dies geschah in Palästina.

 

Die repressive Politik gegenüber den arabischen »Rebellen« half den bereits in Palästina ansässigen Zionisten vorerst nicht. Ab Beginn der dreißiger Jahre stärkte Hitlers Aufstieg zwar die zionistische Position in London und Washington, doch dafür wurde die Situation in Palästina selbst für die Zionisten zusehends kritischer. In jenen Jahren dehnte Chaim Weizmann, der seine Bemühungen von 1904 bis 1919 auf die britische Regierung konzentriert hatte, seine Aktivitäten auf zwei neue Zentren aus: Sein Aktionsfeld war nun »Jerusalem, London und Washington«, und er ließ die britischen Premierminister, mit denen er zu tun hatte, nie im Zweifel darüber, wer am längeren Hebel saß.

 

Sein nächstes Opfer war Ramsay Macdonald, der, nachdem ihn seine sozialistischen Kollegen im Stich gelassen hatten, 1929 zum Premierminister einer aus allen anderen Parteien gebildeten Koalitionsregierung avanciert war. Aus dem jungen Jimmy Macdonald aus dem schottischen Lossiemouth, der trotz seiner bescheidenen Herkunft stürmisch Karriere gemacht hatte, war mittlerweile Ramsay Macdonald geworden, ein Mann mit zerzaustem, ergrautem Haar. Er ernannte seinen Sohn Malcolm Macdonald zum Unterstaatssekretär für die Kolonien; mit diesem Schritt verabschiedeten sich Vater und Sohn gemeinsam aus dem Traumland der hehren sozialistischen Ideale und lernten die harte Wirklichkeit des »unwiderstehlichen Drucks« kennen. Zum zweiten Mal in seiner Karriere versuchte Macdonald, die endlosen Kämpfe und Aufstände in Palästina, die inzwischen schon viele Briten das Leben gekostet hatten, zu beenden, und verkündete schon bald, seine Regierung werde der zionistischen Einwanderung sowie regulären zionistischen Landkäufen Einhalt gebieten und Aufstachelung zur Meuterei bestrafen, »von wem sie auch ausgehen möge«.

 

Macdonald wurde sofort zur Zielscheibe gehässiger Angriffe und trug nun immer öfter jenen besorgten Blick zur Schau, für den er berühmt wurde (und der mir 1935 bei meiner Begegnung mit ihm auffiel). Chaim Weizmann und drei weitere Zionisten verlangten eine Audienz bei ihm und warfen ihm vor, die »moralischen Verpflichtungen, die gegenüber Juden abgegebene Versprechen nach sich ziehen, auf frivole Art und Weise zu ignorieren« (Weizmann). Führende Politiker in seinem eigenen Land, Amerika und Südafrika entfesselten eine wüste Hetzkampagne gegen den britischen Premierminister. Dieser ließ sich abermals ins Bockshorn jagen und stellte ein Sonderkomitee des Kabinetts auf die Beine, das die »Palästinapolitik« ein weiteres Mal überprüfen sollte. Zum Vorsitzenden des Komitees wurde ein sozialistischer Minister, Arthur Henderson, ernannt, zu seinem Sekretär Macdonalds Sohn Malcolm. Das Komitee selbst bestand aus Dr. Weizmann und sechs führenden Zionisten; die Araber wurden wie üblich übergangen.

 

Weizmann verwahrte sich erbost gegen Macdonalds Ankündigung, »Aufstachelung zur Meuterei zu bestrafen, von wem sie auch ausgehen möge«: Für ihn waren an Unruhen, Gewalt und Massakern immer nur die Araber schuld. Macdonald gab abermals klein bei und legte Weizmann schriftlich ein Konzept vor, laut dem die jüdischen Einwanderungsquoten für 1934 und 1935 gegenüber den früheren massiv erhöht wurden.

 

Nachdem er Ramsay Macdonald den Kamm gestutzt hatte, überkam Herrn Dr. Weizmann unbändige Reiselust. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs war er überall – in Südafrika, in der Türkei, in Frankreich, in Italien, in Belgien und anderen Ländern. In Frankreich traf er sich »mit allen Premierministern der Zwischenkriegszeit«, von denen er seinen Glaubensgenossen Léon Blum besonders sympathisch fand. Den französischen Außenminister Aristide Briand beurteilte er als »wohlgesinnt, auch wenn er nicht so ganz verstand, was vor sich ging«. (In diesem Stil äußerte sich Weizmann oft über jene westlichen Politiker, die taten, was er von ihnen verlangte.) Er wurde dreimal von Mussolini empfangen. Er sprach vor erlauchten Zuhörerschaften über das von Hitler verübte Unrecht und gab ihnen dann zu verstehen, dass es die Aufgabe der zivilisierten Welt sei, die Araber aus Palästina zu vertreiben. (Dass er es nicht so brutal formulierte, versteht sich von selbst.)

 

Nichtsdestoweniger standen die Zionisten in Palästina Ende der dreißiger Jahre mit dem Rücken zur Wand. Ohne den Zweiten Weltkrieg wäre der Zionismus zu einer bedeutungslosen Randerscheinung, einer bizarren Fußnote der Geschichte geworden.

 

1936 nahm der arabische Widerstand an Heftigkeit zu. Seit vierzehn Jahren hatten die aufeinanderfolgenden britischen Regierungen den Arabern auf zionistisches Geheiß die Abhaltung von Wahlen verwehrt. Mit der Zeit verlor Weizmanns Argument, dass diese Verweigerung ihrem Wesen nach zutiefst demokratisch sei, seine Schlagkraft, und die britische Regierung stand vor einem immer bedrohlicheren Dilemma: Stanley Baldwin, der Macdonald als Premierminister gefolgt war, nahm zu der bewährten Verzögerungstaktik Zuflucht: Er entsandte wieder einmal eine »Untersuchungskommission (die fünfte?) nach Palästina, die Peel-Kommission, und nun entartete die Sache endgültig zur Farce.

 

Macdonald hatte sich von Weizmann und dessen Spießgesellen einschüchtern lassen und seine »Palästina-Politik«, die er immerhin nach langen Konsultationen mit seinen Beratern entworfen hatte, gänzlich aufgegeben. Nun, wo Macdonalds Nachfolger Baldwin eine Kommission nach Palästina geschickt hatte, der die Aufgabe oblag, eine alternative Politik zu formulieren, wurde sie von Weizmann empfangen! Wieselflink hüpfte Weizmann von London nach Jerusalem und zurück, wies die britische Regierung an, was sie zu tun hatte, belehrte die Angehörigen der englischen Kommission in Palästina darüber, was sie nach London zu melden hatten, und instruierte die britische Regierung schließlich, wie sie nach dem Eintreffen der Berichte aus Palästina mit diesen umzugehen hatte! (Ungeachtet dieser fieberhaften Aktivitäten fand er noch Zeit für einen kleinen Abstecher nach New York und ermahnte seine dortigen Gesinnungsgenossen, mehr Dampf zu machen.)

 

Irgendjemand schlug der Peel-Kommission vor, den gordischen Knoten doch einfach zu durchhauen und Palästina zu teilen, worauf die Kommission diesen Vorschlag prompt an Weizmann weiterleitete. All die Jahre hindurch hatten die Zionisten die Fiktion aufrechterhalten, sie verlangten gar keinen jüdischen Staat, sondern lediglich eine »nationale Heimstatt«. Weizmann hakte sofort ein, denn wenn die britische Regierung einer »Teilung« Palästinas zustimmte, erteilte sie der Gründung eines Judenstaates de facto ihren Segen.

 

Weizmanns asiatisches Verhandlungsgeschick nötigt einem widerwillige Bewunderung ab. Unter Berufung auf das Alte Testament stimmte er dem Teilungsplan zu, ohne sich auf irgendwelche konkreten Grenzen festzulegen. Seinen eigenen Worten zufolge war er durchaus bereit, hinsichtlich des Gebiets, das die Zionisten für sich beanspruchten, gewisse Konzessionen zu machen, denn schließlich hatte Jahve keine genauen Grenzen fixiert. Durch sein Eingehen auf den Teilungsvorschlag stellte Weizmann sicher, dass die Zionisten von Anfang an einen Teil Palästinas zugesprochen erhielten; angesichts der Tatsache, dass die Grenzen des künftigen Judenstaates nicht präzis festgelegt waren, lief dies in der Praxis jedoch darauf hinaus, dass die »Teilung« in Wirklichkeit gar keine solche zu sein brauchte. Im Lichte der späteren Geschehnisse ist die Formulierung, mit der sich Weizmann für die Teilung aussprach, durchaus interessant: »Die Araber befürchten, dass wir ganz Palästina besetzen werden. Wir können noch so oft wiederholen, dass wir ihre Rechte respektieren werden: Sie sind von Furcht besessen und nicht bereit, Vernunft anzunehmen. Ein jüdischer Staat mit international anerkannten Grenzen wäre etwas Endgültiges: die Überschreitung dieser Grenzen wäre ein Kriegsakt, den die Juden nicht begehen würden, nicht nur wegen seiner moralischen Fragwürdigkeit, sondern weil sie hierdurch die ganze Welt gegen sich aufbringen würden.«

 

Die Peel-Kommission empfahl die Teilung Palästinas und hielt fest, dass das Konzept des »Mandats« nicht funktionierte. Hätte die britische Regierung die Empfehlungen der Kommission beherzigt und ihre Truppen und Verwaltungsbeamten sofort aus Palästina zurückgezogen, so wäre der Menschheit viel Kummer erspart geblieben, doch zwei Jahre später brach der Zweite Weltkrieg aus, und das unlösbare Problem wurde erst recht auf die lange Bank geschoben.

 

Während die Kriegsgefahr in Europa wuchs, hausierte Weizmann bei den westlichen Politikern unermüdlich mit dem Argument, eine jüdische Heimstatt werde »in diesem Teil der Welt als einzige verlässliche Verbündete der Demokratien eine sehr bedeutende Rolle spielen«. Auf diese Weise wollte er Politiker und Presse des Westens dazu bewegen, der Öffentlichkeit die zionistische Forderung nach Waffen zur gewaltsamen Inbesitznahme Palästinas schmackhaft zu machen. 1938 schlug er dem britischen Kolonialsekretär Ormsby-Gore vor, den Zionisten die Bildung einer rund 40.000 Mann starken Armee zu erlauben. Dies bedeutete im Klartext, dass der »unnötige Krieg« unvermeidlich war (eine Annahme, in der sich die unsichtbaren Drahtzieher anscheinend durchwegs einig waren) und dass Weizmann alles in seinen Kräften stehende tat, um diesen Krieg herbeizuführen, wobei der jüdische Wunsch nach einem eigenen Staat sein einziges Argument war. Nach dem Mord an dem deutschen Diplomaten von Rath in Paris und den anschließenden antijüdischen Ausschreitungen in Deutschland (November 1938) äußerte sich Weizmann gegenüber dem britischen Außenminister Anthony Eden wie folgt:

 

»Wenn man es einer Regierung erlaubt, eine ganze Gemeinschaft, die nichts Böses getan hat, zu vernichten… bedeutet dies den Beginn der Anarchie und die Zerstörung der Grundlagen der Zivilisation. Jene Mächte, die dabei untätig zusehen und keinerlei Maßnahmen zur Verhütung des Verbrechens ergreifen, wird eines Tages eine strenge Strafe ereilen.«

 

Bei diesen schicksalsschweren privaten Unterredungen in den Vorzimmern der Macht wurde kein Wort an die nichtjüdischen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung verschwendet; als Kriegsgrund wurde einzig und allein die Drangsalierung einer bestimmten »Gemeinschaft« ins Feld geführt. Wie die spätere Entwicklung gezeigt hat, beabsichtigten die Zionisten selbst, »eine ganze Gemeinschaft, die nichts Böses getan hat, zu zerstören« – die palästinensischen Araber nämlich, die nichts von Hitler wussten – und die Waffen, nach denen sie verlangten, waren für diesen und keinen anderen Zweck gedacht. Es entbehrt nicht der Ironie, dass Weizmann seine Forderungen in Formulierungen kleidete, die dem christlichen Glauben entlehnt waren, denn diesem zufolge ist die »Vernichtung einer ganzen Gemeinschaft, die nichts Böses getan hat« in der Tat ein Verbrechen, das gesühnt werden muss. Gemäß dem levitischen Gesetz, mit dem Weizmann seine Forderung nach Palästina begründete, ist ein solches Vorgehen hingegen nicht nur erlaubt, sondern sogar »oberstes Gesetz« und wird nicht bestraft, sondern belohnt.

 

In den letzten zwölf Monaten vor Kriegsausbruch taten die geheimen Strippenzieher alles um die Politiker vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen und den Gang der Dinge zu steuern. Der amerikanische Präsident Roosevelt war voll auf das zionistische Programm eingeschworen, doch erlaubten ihm die Realitäten in seinem Land vorderhand noch nicht, auf Kriegskurs zu gehen; dies sollte erst später der Fall sein. In England wurde Baldwin als Premierminister von Neville Chamberlain abgelöst, der dem »unwiderstehlichen Druck« der Hintergrundmächte unerwarteten Widerstand leistete.

 

Chamberlains Name ist mit dem Münchner Abkommen verbunden, welches die Abtretung des Sudetenlandes an Deutschland vorsah und als Höhepunkt der britisch-französischen Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Dritten Reich gilt. Einige Wochen lang glaubten die Massen, dieses Abkommen habe den Frieden gerettet. Ich hielt mich während jener Zeit in Budapest und Prag auf und begriff erstmals, was Thomas Jefferson mit folgendem Ausspruch gemeint hat: »Ich betrachte die große Masse meiner Landsleute wirklich mit tiefem Mitleid: Sie lesen die Zeitungen und leben und sterben im Glauben, sie hätten etwas von dem erfahren, was zu ihren Lebzeiten auf der Welt geschah.«

 

Vermutlich war Chamberlain der Ansicht, in Anbetracht der militärischen Schwäche seines Landes, das durch die Schuld seines Vorgängers Baldwin in keiner Hinsicht auf einen Krieg vorbereitet war, bleibe ihm keine andere Wahl. Wenn er wirklich so dachte, erlag er meines Erachtens einer Illusion. Selbst noch zu jenem späten Zeitpunkt hätte sich Standfestigkeit ausgezahlt, denn die deutschen Generäle waren bereit, Hitler zu stürzen. Nichtsdestoweniger war Chamberlain wohl ehrlich überzeugt, nicht anders handeln zu können. Der unverzeihliche Fehler, den er beging, bestand darin, das Münchner Abkommen als moralisch gerechtfertigt darzustellen und von der Tschechoslowakei als einem »kleinen, fernen Land, mit dem wir nichts zu tun haben« zu sprechen.*

 

Immerhin wird man es Chamberlain zugute halten müssen, dass er seine Haltung wenigstens konsequent verfocht. Er wollte um jeden Preis vermeiden, dass England auch in einem anderen »kleinen, fernen Land« in einen endlosen Konflikt verstrickt blieb, den ihm Arthur Balfour eingebrockt hatte. Hiermit handelte er sich die bittere Feindschaft der Hintergrundmächte ein. Meiner Meinung nach wurde er 1940 dann aus denselben Gründen gestürzt wie Herbert Asquith anno 1916.

 

1938, als der Teilungsplan entworfen wurde, war in Palästina das bisher blutigste Jahr gewesen: 1500 Araber waren getötet worden. Die Peel-Kommission hatte sich zwar grundsätzlich für die Teilung des Landes ausgesprochen, jedoch keine greifbaren Vorschläge für deren Verwirklichung unterbreitet. Infolgedessen entsandte London die x-te Kommission, die Woodhead-Kommission, der die Aufgabe oblag, das Kind zu zerschneiden, ohne es umzubringen. Im Oktober 1938 meldeten die Woodhead-Leute, sie seien nicht in der Lage, einen konkreten Plan zu entwerfen. Bald darauf boten der Mord an Rath sowie die »Kristallnacht« den Zionisten willkommenen Anlass, den Terror gegen die Palästinenser noch zu verstärken.

 

Nun tat Chamberlain etwas zumindest für die damaligen Verhältnisse Ungewöhnliches: Er berief in London eine Palästina-Konferenz ein, an der die Araber erstmals seit der Friedenskonferenz von 1919 teilnehmen durften. Als Ergebnis der Verhandlungen wurde im März 1939 das sogenannte »Weißbuch« erstellt, in dem sich die britische Regierung verpflichtete, »innerhalb von zehn Jahren einen palästinensischen Staat zu gründen« und »das Mandat zu beenden«.

 

In diesem Staat sollten die alteingesessenen Araber und die zionistischen Immigranten gemeinsam regieren, um sicherzustellen, dass die lebenswichtigen Interessen beider Gemeinschaften gewahrt blieben. Die jüdische Einwanderung wurde auf 75.000 pro Jahr begrenzt und nicht wieder rückgängig zu machende Landkäufe wurden strikten Beschränkungen unterworfen.

 

Hätte man diesen Plan konsequent verwirklicht, so hätte er Palästina tatsächlich den Frieden beschert, jedoch nicht zur Gründung eines separaten jüdischen Staates geführt. Ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt begann sich Winston Churchill in der britischen Politik jäh in den Vordergrund zu drängen, nachdem er seit zehn Jahren kein öffentliches Amt mehr bekleidet hatte. Der Leser der Zukunft wird vielleicht bass erstaunt sein, zu erfahren, was dem Beobachter der damaligen Geschehnisse sehr wohl bekannt war: Churchill war in jenen Jahren sehr unpopulär, und zwar nicht aufgrund bestimmter Handlungen oder Eigenschaften, sondern weil die Presse, die wichtigste Waffe in den Händen der Hintergrundmächte, ihn konstant schlechtmachte. Dies wurde besonders während der Abdankungskrise von 1937 deutlich, als Churchills Bitte, sich mit dem Entscheid mehr Zeit zu nehmen, mit völlig ungerechtfertigter bissiger Kritik quittiert und Churchill im Unterhaus regelrecht niedergeschrien wurde. Seinen Biographen zufolge litt er damals unter Depressionen und meinte, mit seiner politischen Karriere sei es aus und vorbei. Was er tatsächlich empfand, geht wohl aus einem (später veröffentlichten) Privatbrief an Bernard Baruch von Anfang 1939 hervor: »Es gibt schon sehr bald Krieg. Wir werden darin verstrickt werden und ihr auch. Sie werden dort den Laden schmeißen, aber ich werde hier im Abseits stehen.«

 

Doch über Nacht verbesserten sich Churchills Chancen auf ein politisches Comeback sprunghaft. Wie schon bei Lloyd George im Jahre 1916 scheint seine positive Einstellung gegenüber dem Zionismus dabei eine entscheidende Rolle gespielt zu haben. Die vorhandenen Unterlagen erwecken den Eindruck, dass Churchill »ein Rätsel innerhalb eines Mysteriums, das in ein Geheimnis gehüllt ist« war, um eine von ihm selbst stammende, auf die UdSSR gemünzte Formulierung aus dem Jahre 1939 aufzugreifen. Wie an früherer Stelle erwähnt, hatte er schon 1906 zu den ersten Politikern gehört, die den eben flügge gewordenen Zionismus unterstützten, und zwar so nachdrücklich, dass ein zionistischer Sprecher bei einer Wahlveranstaltung sagte, jeder Jude, der gegen Churchill stimme, sei ein Verräter. Als Kriegsminister während des Ersten Weltkriegs kümmerte er sich freilich kaum je um zionistische Belange; Chaim Weizmann erwähnt ihn in jenem Zeitraum nur ein einziges Mal und bezeichnet ihn durchaus nicht als »Freund«. Als Kolonialminister stieß er die Zionisten 1922 mit seinem Weißbuch, das Balfour als »ernsthafte Verwässerung der Balfour-Deklaration« rügte, geradezu vor den Kopf. In diesem Dokument regte Churchill nämlich die Gründung eines legislativen Rats in Palästina an, dessen Mitglieder mehrheitlich gewählt werden sollten. Dies hätte nicht nur bedeutet, dass die Wahlen, gegen die sich Weizmann mit Zähnen und Klauen sträubte, tatsächlich stattgefunden hätten, sondern auch, dass die palästinensischen Araber ihr Heimatland selbst hätten regieren können!

 

Während der zehn Jahre von 1929 bis 1939, die Churchill in der politischen Wildnis verbrachte, begegneten ihm die Zionisten mit Argwohn. In Weizmanns Buch taucht sein Name während dieser Zeitspanne kein einziges Mal auf; erst am Vorabend des Kriegsausbruchs befindet ihn Weizmann wieder der Erwähnung für würdig. Damals trat Churchill nämlich urplötzlich als feuriger Verfechter zionistischer Anliegen ins Rampenlicht. Dies ist schon darum höchst bemerkenswert, weil er sich noch am 20. Oktober 1938 genau so geäußert hatte wie 1922, als er sein Weißbuch schrieb: »Wir sollten… den Arabern eine feierliche Versicherung abgeben… dass die jährliche jüdische Einwanderungsquote wenigstens für ein Jahrzehnt eine bestimmte Zahl nicht überschreitet.«

 

Bald darauf erschien er in Weizmanns Darstellung jedoch als Mann, der die Einwanderung von Millionen Juden nach Palästina im privaten Gespräch implizit befürwortete.

 

Weizmann schreibt, 1939 habe er sich mit Winston Churchill (den er in seiner Darstellung der vorhergehenden 17 Jahre konsequent ignoriert hatte) zu einer Unterredung getroffen: »Er sagte mir, er werde sich an der Parlamentsdebatte beteiligen und natürlich gegen das vorgeschlagene Weißbuch Stellung beziehen«. Warum Churchill seine Ablehnung des Weißbuchs als »natürlich« bezeichnete, verrät Weizmann seinen Lesern nicht. Immerhin stand die in diesem Dokument erhobene Forderung nach Gerechtigkeit für die Araber durchaus in Übereinklang mit Churchills eigenem Weißbuch aus dem Jahre 1922 und mit seinen noch Ende 1938 abgegebenen Erklärungen.

 

Am Tag der Parlamentsdebatte lud Churchill Weizmann zum Mittagessen ein. Wie letzterer berichtet, las ihm Churchill das Manuskript seiner Ansprache vor und fragte ihn anschließend, ob er irgendwelche Änderungswünsche habe. Der Leser mag sich daran erinnern, dass sich die Herausgeber der Times sowie des Manchester Guardian mit führenden Zionisten berieten, ehe sie ihre Leitartikel zum Thema Zionismus schrieben; nun schlug Winston Churchill vor einer Debatte zu einem hochwichtigen Thema denselben Kurs ein. Churchill war als erstklassiger Redner bekannt und verdankte seine Popularität in Amerika der für amerikanische Verhältnisse außergewöhnlichen Tatsache, dass er seine Reden selbst schrieb (wenigstens behauptete man dies). Angesichts der von Weizmann geschilderten Umstände, unter denen der definitive Text seiner Ansprache vor dem Unterhaus zustande kam, ist die Frage welcher Satz jeweils von wem stammte allerdings von nebensächlicher Bedeutung.

 

Churchills Störfeuer gegen das Weißbuch brachte keinen Erfolg, denn die Debatte endete mit einem Sieg für Chamberlain; 268 Abgeordnete stimmten für das Weißbuch und nur 179 dagegen. Trotz dieses klaren Erfolges schienen viele Abgeordnete bereits begriffen zu haben, woher der Wind wehte und die ungewöhnlich hohe Zahl von Stimmenthaltungen (110) weist darauf hin, dass gar mancher Abgeordnete vermeiden wollte, auf die schwarze Liste der Zionisten zu geraten. Für Chamberlain war dies ein Warnschuss vor den Bug und ein Hinweis auf die Techniken, mit denen innerhalb seiner eigenen Partei gegen ihn agitiert und auf seinen Sturz hingearbeitet wurde. Noch ein weiterer interessanter Tatbestand wurde bei der Debatte klar: Die sozialistische Opposition betrachtete den Zionismus mittlerweile als Eckpfeiler ihrer Politik und eine positive Einstellung zum Zionismus galt als Prüfstein für sozialistische Gesinnung! Die aufstrebende Labour Party hatte die Nöte des kleinen Mannes, das Leiden der Unterdrückten und das traurige Los der Unterprivilegierten längst vergessen; sie mischte emsig bei internationalen Intrigen mit und legte Wert darauf, auf der Seite der Mächtigen zu stehen. So erhob ein Sozialistenführer namens Herbert Morrison heftige Vorwürfe gegen Malcolm Macdonald (dessen Kolonialministerium als treibende Kraft hinter dem Weißbuch galt) und geißelte die Häresie eines Mannes, »der einst Sozialist war«. Für Leute wie Morrison war Sozialismus mittlerweile identisch mit der Vertreibung der Araber aus Palästina, und die Gewerkschaftsbosse mit ihren aufdringlich zur Schau getragenen Golduhren scherte es herzlich wenig, wie arm und unterdrückt jenes ferne Volk war.

 

Schon bald nach der Erstellung des Weißbuchs brach der Zweite Weltkrieg aus und bereitete allen Diskussionen über die »Gründung eines unabhängigen Palästina« und die »Beendigung des Mandats« ein jähes Ende. Während des ganzen Krieges wurde nicht mehr über diese Fragen gesprochen, und als der Krieg zu Ende war, hatte sich die Lage grundlegend geändert. In Amerika hatte sich Roosevelt laut seinem Sonderbotschafter Harry Hopkins »öffentlich und privat« verpflichtet, den Zionismus zu unterstützen.

 

In England legte sich Chamberlain quer, doch sein Sturz sollte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der neue Stern am politischen Himmel hieß Winston Churchill. Das Volk wollte ihn als Premierminister, weil er der Mann war, der in Bezug auf Hitler und den Krieg »Recht gehabt« hatte. Von seinen Gesprächen mit Weizmann und den Konsequenzen, die diese heraufbeschwören konnten, ahnte man nichts.

 

 

 

* Anmerkung des Übersetzers: Reeds Argumentation wirkt hier sehr befremdlich. Immerhin waren die Bewohner des Sudetenlandes in ihrer überwältigenden Mehrheit Deutsche, die nie den Wunsch verspürt hatten, in einem von den Tschechen beherrschten Staat zu leben, sondern aufrichtig den Anschluss an Deutschland anstrebten. Das Münchner Abkommen trug also dem Selbstbestimmungsrecht der Völker Rechnung und war insofern sehr wohl »moralisch«.

 

 

 

 

 

Kapitel 41   Die Revolution breitet sich aus

 

Noch wesentlich klarer als der Erste Weltkrieg verlief der Zweite nach dem in den Protokollen von 1905 festgelegten Kurs. Die betrogenen Massen der kriegführenden Nationen überzogen einander mit Zerstörung und Blutvergießen – nicht zu ihrem eigenen Wohl, sondern zur Förderung eines Plans, der ihre eigene Versklavung unter einer despotischen Weltregierung vorsah. Die anfänglich proklamierten Ziele (»Befreiung«, »Freiheit« sowie die Vernichtung von »Militarismus«, »Nazismus«, »Faschismus«, »totalitärer Diktatur« etc.) wurden keineswegs verwirklicht, im Gegenteil: Als Ergebnis dieses Krieges unterstand fortan ein weit größerer Teil des Erdballs einer totalitären Diktatur als je zuvor.

 

In seinen Gesammelten Werken schrieb Lenin: »Der [Erste] Weltkrieg wird die Errichtung des Kommunismus in Russland zur Folge haben; ein zweiter Weltkrieg wird seine Herrschaft auf Europa ausdehnen und ein dritter Weltkrieg wird ihm zwangsläufig zum Herrn der Welt machen.«

 

Der zweite Teil dieser Prophezeiung wurde durch den Ausgang des Zweiten Weltkriegs weitgehend bestätigt. Die Revolution dehnte ihre Grenzen bis ins Zentrum Europas aus und war fortan in der Lage, sich militärisch ganz Europa Untertan zu machen, zumindest in der Anfangsphase eines möglichen dritten Weltkriegs.  …

 

Die Geschichte der Verwicklung Amerikas in den Zweiten Weltkrieg bewies anschaulich, wie mächtig die »fremde Gruppe«, die in Washington die Zügel an sich gerissen hatte, mittlerweile geworden war. Sie bestätigte, wie recht George Washington gehabt hatte, als er das amerikanische Volk in seiner Abschiedsrede eindringlich warnte:

 

»Angesichts der tückischen Ränke des fremden Einflusses beschwöre ich euch, meine Landsleute, mir zu glauben: Ein freies Volk muss stets auf der Hut sein, denn Geschichte und Erfahrung belegen, dass fremder Einfluss zu den gefährlichsten Feinden der republikanischen Regierungsform gehört.«

 

Diesen prophetischen Ausspruch tat George Washington im Jahre 1796, als die Terrorherrschaft in Frankreich den wahren Charakter der französischen Revolution enthüllt hatte und die ersten Beweise dafür ans Licht kamen, dass die Agenten der Revolution auch auf amerikanischem Boden ihr Unwesen trieben.

 

Die bisher freigegebenen Dokumente über den Zweiten Weltkrieg zeigen, dass die Verschwörung mächtig genug geworden war, um den Kurs der amerikanischen Regierungspolitik, den Ablauf der militärischen Operationen sowie den Einsatz von Waffen, Munition, Nachschub und Finanzmitteln zumindest in großen Zügen zu diktieren. Ihre bewussten Agenten waren Legion und besetzten eine erhebliche Anzahl von Schlüsselpositionen. Von den Spitzenpolitikern, welche die Verschwörung unterstützen oder ihr zumindest keinen Widerstand leisteten, waren sich viele wohl gar nicht bewusst, welche Folgen ihr Verhalten zwangsläufig heraufbeschwören würde.

 

 

 

 

 

Dieses Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Republik umfasst einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren – von Pearl Harbour bis Jalta. Die Umstände, unter denen die USA 1898 und 1941 jeweils in einen Krieg eintraten, ähneln sich ganz auffallend. In beiden Fällen wurde eine Provokation inszeniert, die unabdingbar war, um die Massen gegen den Feind aufzuputschen. 1898 wurde die Maine im Hafen von Havanna »durch eine spanische Mine versenkt«, was den unmittelbaren Ausbruch eines Krieges zwischen Vereinigten Staaten und Spanien zur Folge hatte; als die Maine viele Jahre später vom Meeresgrund geborgen wurde, stellte sich heraus, dass ihr Rumpf durch eine Explosion in ihrem Inneren aufgerissen worden war. 1941 erlaubte der japanische Angriff auf Pearl Harbor »an einem Tag, der als Sinnbild der Niedertracht in die Geschichte eingehen wird« dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt, seinem Volk weiszumachen, es sei Opfer eines »völlig unerwarteten Überfalls« geworden und befinde sich deshalb im Kriegszustand. Spätere Recherchen bewiesen allerdings, dass die Regierung in Washington schon lange vorher von dem bevorstehenden Angriff gewarnt worden war, es jedoch unterlassen hatte, die Verteidiger von Pearl Harbor hierüber ins Bild zu setzen. In beiden Fällen reagierten die Massen apathisch auf diese Enthüllungen. (Die Fälle Maine und Pearl Harbor sind heute, im Jahre 1956, von unverminderter Bedeutung, denn inzwischen hat ein weiterer US-Präsident feierlich geschworen, er werde niemals »Schuld auf sich laden«, indem er »ohne Zustimmung des Kongresses« amerikanische Truppen in den Krieg schicke; freilich fügte er einschränkend hinzu, amerikanische Soldaten könnten sich unter Umständen gezwungen sehen, ohne Genehmigung seitens des Kongresses »zur Selbstverteidigung örtlich begrenzte kriegsähnliche Handlungen durchzuführen«.)

 

Nachdem Präsident Woodrow Wilson während des Ersten Weltkriegs wiedergewählt worden war, weil er versprochen hatte, sein Land aus dem Krieg herauszuhalten, erklärte er schon bald nach Beginn seiner zweiten Amtszeit, die Vereinigten Staaten befänden sich faktisch im Kriegszustand. Präsident Roosevelt wurde 1940 wiedergewählt, weil er wiederholt feierlich gelobt hatte, die jungen amerikanischen Männer würden »nicht in irgendwelche fremden Kriege geschickt«. Immerhin enthielt sein Wahlprogramm eine Klausel folgenden Wortlauts: »Wir werden unsere Armeen, unsere Flotte und unsere Luftwaffe nicht zum Kämpfen in Länder außerhalb der amerikanischen Hemisphäre entsenden, außer im Falle eines Angriffs.« Laut einem der autorisierten Biographen Bernard Baruchs, Mr. Roosenbloom, wurden diese fünf Wörter » von Senator James F. Byrnes hinzugefügt, der Baruch dermaßen nahe stand, dass es manchmal unmöglich war, zu unterscheiden, auf wen von den beiden eine bestimmte Äußerung zurückging.«

 

Wie entscheidend diese Klausel war, erwies sich am 7. Dezember 1941, als die Japaner gegen Pearl Harbor zuschlugen. Zwölf Tage früher hatte Kriegsminister Henry L. Stimson seinem Tagebuch nach einer Kabinettssitzung folgendes anvertraut: » Die Frage war, wie wir sie [die Japaner] dazu bringen können den ersten Schuss abzufeuern, ohne dass wir dadurch in eine allzu gefährliche Lage geraten; es war eine heikle Situation.«

 

Lassen wir die Ereignisse vor dem Angriff auf Pearl Harbor kurz Revue passieren:

 

Zehn Monate zuvor, am 27. Januar 1941, hatte der US-Botschafter in Tokio seine Regierung darüber in Kenntnis gesetzt, dass »die Japaner im Falle einer schweren Krise in den amerikanisch-japanischen Beziehungen einen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor planen«. Im Oktober 1941 verfasste Moskaus Mann in Tokio, Dr. Richard Sorge, eine Botschaft an die Sowjetregierung, wonach die Japaner entschlossen seien, »Pearl Harbor innerhalb von sechzig Tagen anzugreifen«; wie Sorge später in seinem Geständnis darlegte, bestätigten die Sowjets, dass sie seine Warnung an Präsident Roosevelt weitergeleitet hatten. (New York Daily News, 17. Mai 1951). Am 26. November stellte die Roosevelt-Regierung Tokio ein regelrechtes Ultimatum. Von September 1941 bis unmittelbar vor dem Schlag gegen Pearl Harbor vermittelten japanische Funksprüche, die von amerikanischen Abhörspezialisten abgefangen und dechiffriert wurden, unmissverständlich Aufschluss darüber, dass ein solcher Angriff in naher Zukunft bevorstand, aber Washington hielt es nicht für nötig, die Befehlshaber der US-Truppen in Pearl Harbor zu warnen. Am 1. Dezember entwarf der Chef der Fernostsektion des Flotten-Nachrichtendienstes den Text einer Meldung an den Oberkommandierenden der Pazifikflotte, in dem er einen Krieg zwischen Japan und den USA als »unmittelbar bevorstehend« bezeichnete; auf Anweisung von oben wurde die Meldung unterdrückt. Am 5. Dezember verfasste Oberst Sadtler vom U.S.- Signalkorps anhand ihm zugegangener Informationen einen Bericht zu Händen hoher Offiziere, in dem es hieß: »Ein Krieg mit Japan steht in unmittelbarer Zukunft bevor; sorgen Sie dafür, dass es kein zweites Port Arthur gibt.« (Dies war eine Anspielung auf den japanischen Überfall auf die russische Flotte in Port Arthur, der 1904 den Auftakt zum japanisch-russischen Krieg gebildet hatte.) Auch diese Warnung wurde unter den Teppich gekehrt. Am 6. Dezember traf in Washington eine japanische Antwort auf Roosevelts Ultimatum ein, die unverhüllt auf eine Kriegserklärung hinauslief, doch die Verteidiger von Pearl Harbor erfuhren nichts davon. Am Nachmittag des 7. Dezember wurde den Kommandanten der Truppen in Pearl Harbor zu guter Letzt doch noch eine Botschaft zugestellt, in der es hieß: »Die Japaner haben heute um ein Uhr östlicher Zeit eine Erklärung eingereicht, die faktisch einem Ultimatum gleichkommt… seien Sie auf der Hut.« Die Warnung erreichte ihre Adressaten zwischen sechs und acht Stunden nach dem japanischen Angriff!

 

Die heutzutage verfügbaren dokumentarischen Unterlagen weisen darauf hin, dass von allen amerikanischen Truppen einzig und allein den auf Hawaii stationierten jegliche Informationen über den bevorstehenden Angriff vorenthalten wurden. Als Ergebnis verlor die US-Flotte zwei Schlachtschiffe und zwei Zerstörer; zahlreiche weitere Schiffe wurden schwer beschädigt. 177 amerikanische Flugzeuge wurden vernichtet; die Gesamtzahl der Toten, Verwundeten und Verschollenen belief sich auf 4.575 Mann. Eine unmittelbare Folge von Pearl Harbor war auch die Versenkung der britischen Schlachtschiffe Prince of Wales und Repulse vor der Küste Malayas. Für die Royal Navy war dies ein schmerzlicher Verlust.

 

Politische Führer, die den Kriegseintritt ihres Landes provozieren, indem sie einen feindlichen Angriff bewusst begünstigen, handeln nicht im nationalen Interesse ihres Staates. Das amerikanische Volk als Ganzes kennt die Hintergründe des Desasters von Perl Harbor bis zum heutigen Tage nicht und weiß nichts von den trüben Machenschaften die der Katastrophe vorausgingen.

 

Insgesamt wurden acht Untersuchungen zu diesem Thema durchgeführt. Für die ersten sieben, die noch während des Krieges stattfanden, waren Offiziere der Flotte und Armee verantwortlich, für die achte, die um Kriegsende herum über die Bühne ging, der Kongress. Dementsprechend liefen alle unter einem Schleier militärischer Geheimhaltung ab; keine davon fand im Rampenlicht der Öffentlichkeit statt und keine erbrachte befriedigende Ergebnisse. Dazu kam, dass ausnahmslos alle unter der Ägide einer politischen Partei stattfanden, deren Chef zum Zeitpunkt des Angriffs auf Pearl Harbor Präsident gewesen war. Absolut zentrale Tatsachen wie die, dass das Staatsoberhaupt spätestens acht Wochen vor dem japanischen Angriff dank einer abgefangenen Funkmeldung erfahren hatte, was sich zusammenbraute, die für die Verteidigung des Flottenstützpunktes verantwortlichen Offiziere hierüber jedoch in Unwissenheit hielt, wurden schlicht und einfach totgeschwiegen.

 

Das Tagebuch von Verteidigungsminister Stimson, das den zuvor zitierten ominösen Eintrag enthielt, wurde nicht als Beweisstück vorgelegt und Stimson selbst wurde wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nicht in den Zeugenstand gerufen. Eine rigorose Pressezensur sorgte dafür, dass der Öffentlichkeit nur sorgfältig gefilterte Informationen über die sechs Monate andauernden Ermittlungen aufgetischt wurden.

 

Allerdings haben die drei am unmittelbarsten betroffenen Flottenkommandanten die Geschehnisse von ihrem eigenen Standpunkt aus dargestellt. Konteradmiral Kimmel, damaliger Oberbefehlshaber der Pazifischen Flotte, zitierte einen anderen Admiral mit folgendem Ausspruch: »Präsident Roosevelts Plan sah vor, dass jegliche Warnungen an die Flotte in Hawaii zu unterlassen waren… Für die hochplatzierten Figuren, die es wissentlich versäumten, unsere Streitkräfte in Pearl Harbor zu warnen, kann es keine Entschuldigung geben. Die Befehlshaber in Pearl Harbor wurden niemals darüber unterrichtet, dass die USA dem japanischen Botschafter am 26. November 1941 eine Note überreicht hatten, die de facto jedwede weitere Verhandlungen verunmöglichte und einen Krieg im Pazifik somit unvermeidlich machte… Die Flotten- und Armeekommandanten in der Zone um Hawaii erhielten nicht den geringsten Hinweis auf die abgefangenen, entzifferten und den verantwortlichen Beamten in Washington am 6. und 7. Dezember 1941 zugestellten Funksprüche.«

 

Flottenadmiral Halsey, zum damaligen Zeitpunkt einer von drei Vorgesetzten Konteradmiral Kimmels, hielt fest: »Die uns zugegangenen Berichte deuteten durchwegs darauf hin, dass die Japaner gegen die Philippinen oder weiter im Süden gegen Malaya oder Niederländisch-Ostindien zuschlagen würden. Ein Angriff auf Pearl Harbor wurde zwar in Erwägung gezogen und nicht ausgeschlossen, doch die große Mehrzahl der uns vorliegenden Unterlagen wiesen in eine andere Richtung. Hätten wir gewusst, dass die Japaner die Position und Bewegung unserer Schiffe in Pearl Harbor pausenlos argwöhnisch beobachteten« [eine Tatsache, die aus einer der unterschlagenen Meldungen hervorging], so hätten wir uns logischerweise darauf konzentriert, uns auf den praktisch sicheren Angriff auf Pearl Harbor vorzubereiten.«

 

Konteradmiral Theobald, der die Zerstörer der Flotte in Pearl Harbor kommandierte, schrieb 1954: »Patriotische Sachzwänge, die bezüglich staatspolitischer Fragen Geheimhaltung notwendig machen, liegen in diesem Fall nicht vor, denn heute, im atomaren Zeitalter, ist ein Vorgehen, das einen feindlichen Überraschungsangriff erleichtert, geradezu undenkbar.«

 

Vermutlich verlieh der Admiral mit diesen Worten seiner frommen Hoffnung Ausdruck, eine Wiederholung der Vorgänge vor Pearl Harbor sei »undenkbar«. Er fuhr fort: »Die wahre Geschichte von Pearl Harbor dreht sich um die Tatsache, dass man Admiral Kimmel und General Short [den beiden zu Sündenböcken abgestempelten Kommandanten] vitale Informationen bewusst vorenthalten hat. Nie zuvor in der Geschichte ist einem Kommandanten die Nachricht unterschlagen worden, dass sich sein Land innerhalb von Stunden im Kriegszustand befinden würde – und alles deutete darauf hin, dass seine Truppen kurz nach Sonnenaufgang angegriffen würden.« Admiral Theobald wies darauf hin, dass diese Strategie laut Admiral Stark (der im Dezember 1941 Chef der Flottenoperationen in Washington war und es unterließ, Admiral Kimmel über die praktisch einer Kriegserklärung gleichkommende japanische Botschaft zu unterrichten) auf Befehl einer höheren Autorität verfolgt worden war. Mit letzterer, schloss Theobald, könne «nur Präsident Roosevelt gemeint sein kann. Der schwerwiegendste Schritt, den er während jener Zeit unternahm, bestand darin, Admiral Kimmel Informationen vorzuenthalten.«

 

Flottenadmiral Lansey bezeichnete Admiral Kimmel und General Short 1953 als »hervorragende Offiziere und Märtyrer«. Sie wurden kaltgestellt, weil es ihnen sonst womöglich gelungen wäre, die Öffentlichkeit ungeachtet der im Krieg herrschenden Verwirrung und Geheimhaltung über die wahren Verantwortlichen für die Katastrophe von Pearl Harbor aufzuklären.

 

Kimmel und Short waren die ersten in einer mittlerweile langen Reihe amerikanischer Flotten- und Heereskommandanten, die Bekanntschaft mit einem in der Geschichte ihres Berufsstandes und ihrer Nation zuvor unbekannten Phänomen schließen mussten. Sie mussten erfahren, dass ihnen Entlassung oder Degradierung drohten, wenn sie einen militärischen Sieg mit den wirksamsten verfügbaren Mitteln anstrebten oder sich einer von oben diktierten Strategie widersetzten, die von militärischem Standpunkt aus offensichtlich kontraproduktiv war. Ihre Operationen mussten einem höheren Plan angepasst werden, dessen Natur sie nicht zu begreifen vermochten, der aber augenscheinlich im Widerspruch zu dem stand, was ihnen seit ihrer Jugend als oberste Rechtfertigung des Soldatendaseins dargestellt worden war: Ein militärischer Sieg im nationalen Interesse.

 

Was war nun dieser höhere Plan, dem die gesamte militärische Strategie der Vereinigten Staaten von Pearl Harbor über Jalta bis hin in die Nachkriegszeit unterordnet wurde? Die Antwort liegt auf der Hand: Die von Lenin geforderte »Ausdehnung der Revolution«! Nur in diesem Licht wird die Geschichte jener dreieinhalb Jahre erklärbar.

 

1917 traten die USA praktisch zum selben Zeitpunkt in den Ersten Weltkrieg ein, zu dem in Russland die Revolution ausbrach und Oberst House wies Präsident Wilson sogleich an, der »neuen Demokratie« auf jede erdenkliche Weise »finanzielle, industrielle und moralische Unterstützung« zu gewähren. Im Zweiten Weltkrieg erfolgte Hitlers Angriff auf die bis dahin mit ihm verbündete Sowjetunion schon bald nach dem Beginn von Roosevelts zweiter Amtszeit und bereits vor Pearl Harbor trat Amerika de facto in den Krieg ein, indem es sich anschickte, der »neuen Demokratie« mittels des Leih- und Pachtabkommens »finanzielle, industrielle und moralische Unterstützung« in zuvor ungeahnten Ausmaß zu verleihen.

 

Kehren wir nach diesem Exkurs wieder zu den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs zurück. Im Juni 1942 versprach Harry Hopkins, ein enger Vertrauter Präsident Roosevelts, dem kommunistischen Staat anlässlich einer Massenkundgebung auf dem Madison Square feierlich, die USA würden mit ihm durch dick und dünn gehen: »Wir werden uns unter keinen Umständen davon abbringen lassen, alles was wir haben mit euch zu teilen.« Diese Worte spiegelten einen am 7. März desselben Jahres ergangenen, jedoch erst viel später publik gemachten Befehl Roosevelts an die zuständigen militärischen Stellen wider, den Munitionslieferungen an die Sowjetunion Vorrang vor jenen an alle anderen Verbündeten, ja an die bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten selbst einzuräumen! Der Chef der amerikanischen Militärmission in Moskau, Generalmajor John R. Deane, schilderte 1947 in einem Buch seine vergeblichen Bemühungen, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten und fügte hinzu, der betreffende Roosevelt-Befehl habe den Auftakt zu einer »Beschwichtigungspolitik gegen Russland« gebildet, von der sich die USA nie erholt hätten und an deren Folgen sie immer noch laborierten.

 

Das Wort »Beschwichtigungspolitik« war allerdings eine Untertreibung, ging die amerikanische Strategie doch weit über eine solche hinaus; sie zielte eindeutig darauf ab, die militärische und industrielle Macht des revolutionären Staates nach dem Krieg zu erhöhen.

 

Das eben angeführte Zitat belegt klipp und klar, dass Roosevelt der UdSSR mehr Unterstützung zu gewähren gedachte als allen anderen Alliierten, mochten diese nun frei oder von den Achsenmächten besetzt sein. Dass der amerikanische Präsident einen Staat, der sich an der Aufteilung Polens beteiligt hatte, so vorbehaltlos unterstützte, zeigte, dass er sich keinen Deut um die »Befreiung« geknechteter Länder scherte. Die hehren Ideale, die den Bevölkerungsmassen der westlichen Staaten so lange vorgegaukelt wurden, bis diese Feuer und Flamme für den Krieg waren, waren in Wirklichkeit längst verraten worden; an ihre Stelle war ein supranationales Projekt zur Verbreitung der Revolution, zur Zerstörung der Nationalstaaten und zur Vorbereitung der Errichtung einer Weltregierung getreten. (1942 begann ich diese These in meinen Schriften zu vertreten, mit dem Ergebnis, dass meine Karriere als Journalist im Eimer war; bis zum damaligen Zeitpunkt war ich einer der renommiertesten Reporter meines Landes gewesen.)

 

Die Politik zur Unterstützung des Sowjetstaates zeitigte 1941 viel weitreichendere Auswirkungen als 1917. Damals hatten die USA die Errichtung eines kommunistischen Regimes in Russland gefördert. 24 Jahre später war die Situation grundlegend anders: Der Kommunismus hatte längst feste Wurzeln geschlagen und wenn man ihm jene unbegrenzte Unterstützung angedeihen ließ, die ihm Harry Hopkins in Aussicht stellte, musste er sich zwangsläufig verbreiten, wie Lenin weiland vorausgesagt hatte. In der Tat erhielt Moskau von den Vereinigten Staaten dermaßen umfangreiche Hilfe, dass es sein System auf ein riesiges Gebiet ausdehnen und sich zugleich auf einen neuen Krieg vorbereiten konnte. Dass sich fast unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bereits die Gefahr eines dritten am Horizont abzeichnete, wurde den Massen im Westen als Folge der sowjetischen Perfidie dargestellt.

 

Das Ausmaß der amerikanischen Finanzhilfe für den revolutionären Staat überstieg die menschliche Vorstellungskraft. Franklin D. Roosevelt, der 1932 nicht zuletzt darum zum Präsidenten gewählt worden war, weil er versprochen hatte, »Defizite« abzuschaffen, gab innerhalb von zwölf Jahren mehr Geld aus als alle anderen amerikanischen Präsidenten vor ihm.

 

Seine Verantwortungslosigkeit ging auf keine Kuhhaut. Heute, elf Jahre nach seinem Tod, haben die Staatsausgaben der USA eine schier unvorstellbare Höhe erreicht; die Nullen lassen sich kaum noch zählen. Im Vergleich zur Gesamthöhe der Staatsausgaben mögen die 9,5 Milliarden Dollar, die Washington den Sowjets via Leih- und Pachtabkommen zukommen ließ, zwar relativ unbedeutend erscheinen, doch Tatsache ist, dass der Wert der gelieferten Waffen und Waren eben dieser Summe entsprach, ohne dass die UdSSR hierfür irgendwelche Gegenleistungen zu erbringen hatte, auch wenn der Wortlaut des Abkommens solche theoretisch vorsah. Noch vor einigen Jahrzehnten hätte dieser Betrag ausgereicht, um mehrere neue Staaten für lange Zeit sämtlicher Budgetprobleme zu entheben.

 

Dieser stete Geldstrom wurde von einem Mann dirigiert, den sein offizieller Biograph Robert E. Sherwood in seinem 1948 erschienenen Buch Roosevelt and Hopkins als » zweitwichtigsten in den Vereinigten Staaten« charakterisiert hat. Wie Bernard Baruch anno 1917 fiel jetzt Harry Hopkins die Rolle zu, die Verteilung des Kriegsmaterials an seine Empfänger zu organisieren. Die Idee zur Schaffung eines solchen Postens war Baruch im Jahre 1916 gekommen: Damals hatte er gebieterisch verlangt, »ein Mann« müsse zum »Administrator« des allmächtigen Komitees für Kriegsindustrie ernannt werden. Letzteres war nach dem Kriegseintritt der USA aus der »Beraterkommission« hervorgegangen, die dem »Verteidigungsrat« des Kabinetts angegliedert gewesen war.

 

Die Vorgeschichte der Ernennung von Harry Hopkins ist von höchstem Interesse, veranschaulicht sie doch, wie die Gruppe, die den jeweiligen amerikanischen Präsidenten während der beiden Weltkriege umgab, kontinuierlich an Einfluss gewann und welcher Methoden sie sich bediente. 1919 kam ein Untersuchungskomitee des Kongresses unter der Leitung von William J. Graham zum Schluss, die »Beraterkommission«, aus welcher 1918 das Komitee für Kriegsindustrie hervorging, habe faktisch als »Geheimregierung der Vereinigten Staaten« gewaltet: »Eine Kommission aus sieben vom Präsidenten gewählten Männern hat anscheinend das gesamte System des Kaufs von Kriegsmaterial entworfen, ein System der Lebensmittelkontrolle entwickelt… in anderen Worten, sie hat praktisch jeden einzelnen Schritt der Kriegsführung, den der Kongress später absegnete, beschlossen und all dies hinter geschlossenen Türen getan – Wochen, ja Monate, bevor der Kongress der Vereinigten Staaten Deutschland den Krieg erklärte… Es gab keinen einzigen nachträglich gebilligten Punkt der sogenannten Kriegslegalisierung, der nicht vor der Kriegserklärung von dieser Beraterkommission erörtert und gutgeheißen worden wäre.«

 

Bernard Baruch selbst sagte vor einem Kongresskomitee, dem die Aufgabe zufiel, die von ihm selbst errichtete »Einmann-Herrschaft« während des Krieges zu untersuchen: »Mir oblag der endgültige Entscheid darüber, ob die Armee oder die Flotte diese oder jene Ausrüstungsgegenstände erhielt… oder die Eisenbahnverwaltung… oder die Alliierten, ob General Allenby Lokomotiven bekommen sollte oder ob diese an Russland oder Frankreich abgetreten werden sollten… Ich besaß wahrscheinlich mehr Macht als jeder andere…« So sahen die Dinge also während des Ersten Weltkriegs aus. 1939 sagte Winston Churchill zu Bernard Baruch: »Der Krieg naht… Sie werden dort drüben den Laden schmeißen.«

 

Wie mächtig Bernard Baruch war, hatte sich im Jahre 1919 erwiesen. Nachdem Woodrow Wilson sterbenskrank aus Europa zurückgekehrt war, gehörte Baruch der Gruppe an, »die während der Krankheit des Präsidenten die Entscheidungen traf« (so der Baruch-Biograph Rosenbloom).

 

Diese Gruppe wurde unter dem Namen »Regentenrat« bekannt und als sich der höchste Kabinettsminister des siechen Präsidenten, Außenminister Robert Lansing, erfrechte, auf eigene Faust Kabinettssitzungen einzuberufen, gab ihm Wilson von seinem Krankenbett aus den Laufpass. Gefeuert wurden auch andere Spitzenpersönlichkeiten und ehemalige Vertraute des Präsidenten wie Oberst House. Von nun an verließ sich Wilson voll und ganz auf Baruch.

 

1940 folgte Roosevelt Wilsons Beispiel und erteilte sich selbst die Befugnis zur Gründung eines »Verteidigungsrates« mit einer »Beraterkommission«. 1942 wurde letztere zu einem »Komitee für Kriegsproduktion« erweitert, einem Pendant zu dem 1918 aus der Taufe gehobenen »Komitee für Kriegsindustrie«. Diesmal war Baruch nicht der »eine Mann«, der dieses mächtige Komitee dirigierte, waltete jedoch immerhin als dessen Berater. Seinem Biographen zufolge war Baruch von den Leistungen von Harry Hopkins »enttäuscht«, aber ob dies wirklich stimmt, ist eine andere Frage.

 

Die wenigen Passagen dieses Buchs, die Bernard Baruch gewidmet sind, vermitteln nur eine sehr unvollkommene Vorstellung von seinem Einfluss. Die bestinformierten Beobachter, die ich kenne, vertreten durchwegs die Auffassung, er sei die mächtigste graue Eminenz hinter einem amerikanischen Präsidenten während der vergangenen vierzig Jahre gewesen und sei es heute noch. Sein Biograph Morris Rosenbloom schrieb 1952 in seinem Buch Peace through Strength. Bernard Baruch and a Blueprint for Security, Baruch sei der Berater sämtlicher US-Präsidenten seit Wilson einschließlich der in den zwanziger Jahren gewählten Republikaner Harding, Coolidge und Hoover gewesen und werde auch den künftigen Präsidenten Eisenhower »beraten«. Rosenbloom sagte sogar in großen Zügen voraus, was für »Ratschläge« Baruch dem Staatsoberhaupt erteilen werde. Wir werden später darlegen, unter welchen Umständen Baruch seinen wichtigsten öffentlichen Auftritt hatte und bei diesem Anlass näher auf seine Rolle in der amerikanischen Politik des 20. Jahrhunderts eingehen.

 

Obwohl Baruch mit Fug und Recht behaupten durfte, in den Jahren 1917 und 1918 der mächtigste Mann der Welt gewesen zu sein, waren seine damaligen Möglichkeiten, den Gang der Ereignisse zu bestimmen und die Welt zu verändern, erheblich geringer als diejenigen jenes Mannes, der während des Zweiten Weltkriegs dieselbe Position innehatte wie er selbst während des Ersten. Der Grund hierfür war natürlich, dass Harry Hopkins, der wie weiland Baruch darüber entschied, ein wie großer Teil der amerikanischen Kriegsproduktion an wen ging, die Freiheit besaß, einen unverhältnismäßig großen Anteil der verfügbaren Mittel einem revolutionären Regime zukommen zu lassen, das längst fest im Sattel saß, über furchterregende militärische Macht verfügte und nur notdürftig verbrämte riesige territoriale Ambitionen hegte. Die neu geschaffene Behörde zur Realisierung des Leih- und Pachtabkommens, zu deren Vorsitzendem Hopkins ernannt wurde, war schon bald mächtiger als das Komitee für Kriegsproduktion. Zugleich amtete Hopkins als Vorsitzender des von Roosevelt gegründeten »Soviet Protocol Committee«, das befugt war, über das Ausmaß der Lieferungen an die UdSSR zu entscheiden. Von jenem Augenblick an lag das Schicksal des Abendlandes in den Händen eines Mannes, der in weiten Kreisen unter dem Spitznamen »Harry der Hupffrosch« bekannt war.

 

Erst im zwanzigsten Jahrhundert wurde es möglich, dass eine Person wie Harry Hopkins einen dermaßen wichtigen Rang bekleiden konnte. Wäre die Öffentlichkeit von einer freien und unparteiischen Presse objektiv informiert worden, hätte sie seinem Aufstieg einen Riegel vorgeschoben, brachte er doch nicht die geringsten Voraussetzungen für dermaßen verantwortungsvolle Positionen mit, schon gar nicht auf dem Gebiet der Außenpolitik. Selbst sein ihm durchaus wohlgesonnener Biograph Robert E. Sherwood wundert sich darüber, dass »ein Mann von so bescheidener Herkunft, der in keiner Hinsicht auf solcherlei Aufgaben vorbereitet war «, zum »Sonderberater« des Präsidenten aufsteigen konnte.

 

Wer Harry Hopkins für seine Rolle auserkoren hat, liegt im Dunkeln, doch weshalb die Wahl der im Hintergrund operierenden Drahtzieher ausgerechnet auf ihn fiel, lässt sich sehr wohl erklären. In seiner Jugend hatte sich Hopkins denselben Ideen verschrieben wie Louis Blanc und die Revolutionäre von 1848 oder Oberst House in seiner Kindheit in Texas. Einer seiner Ziehväter war ein fabianischer Sozialist aus London gewesen, der sich zur Auffassung bekannte, die Nationalstaaten müssten den »Vereinigten Staaten der Welt« weichen. Zu Hopkins‘ Mentoren gehörte auch ein jüdischer Lehrer böhmisch-russischer Herkunft, der seinerseits ein Jünger des von den Bolschewisten hoch geschätzten Leo Tolstoi gewesen war. Dass Hopkins die Lehren dieser Männer verinnerlicht hatte, war vermutlich der Grund dafür, dass er, um Sherwoods Formulierung zu übernehmen, »naturgemäß zum Liebling Roosevelts avancierte«. Zuvor hatte er sich einen Namen als »Troubleshooter«, emsiger Spendeneintreiber und »kleiner Bruder der Reichen« gemacht. Die Universität Oxford verlieh ihm einen ganz und gar unverdienten Doktortitel und Churchill bedachte ihn in seinen Erinnerungen mit bizarren Lobeshymnen.

 

Als Hopkins seinen Posten als Präsident von Roosevelts »Soviet Protocol Committee« antrat, musste er zur Kenntnis nehmen, dass sich unter den Mitgliedern dieser Organisation etliche Männer befanden, die der Politik der bedingungslosen Unterstützung des Sowjetstaates mit größtem Misstrauen begegneten. Um ihnen die Flausen auszutreiben, legte er ihnen 1942 eine unmissverständliche Direktive vor, in der er festhielt, dass die Vereinigten Staaten für die Sowjets Dinge täten, die sie für andere Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen nicht tun würden, ohne von diesen vollumfänglich informiert zu werden. Der Entscheid, die UdSSR ohne eine solche vollständige Information uneingeschränkt zu unterstützen, sei nach sorgfältiger Prüfung ergangen. Zum damaligen Zeitpunkt seien keine Einwände gegen diese Politik laut geworden, doch später hätten verschiedene Personen immer wieder eine Diskussion darüber gefordert. Er, Hopkins, sei der Ansicht, dass solche Forderungen nach einer erneuten Diskussion resolut abzublocken seien.

 

Dies war ein handfester Beweis dafür, dass Roosevelt den revolutionären Staat bedingungslos zu unterstützen gedachte und Hopkins dementsprechend instruiert hatte. Wir stoßen hier abermals auf eine mysteriöse Erscheinung, auf die ich schon im Zusammenhang mit den britischen Ministern aufmerksam gemacht habe, die dem Zionismus skeptisch gegenüberstanden: Die Regierungspolitik war bereits endgültig festgelegt worden und durfte nicht mehr korrigiert werden. Wer diese Politik festgelegt und für definitiv verbindlich erklärt hatte, war Hopkins‘ Geheimnis; die umgarnten Massen bekamen von alle dem nichts mit.

 

Nachdem der Führer der Republikanischen Partei, Senator Robert E. Taft, erfahren hatte, wie der Hase lief, protestierte er vergeblich gegen diese Politik: »Wie kann irgendjemand die Vorstellung schlucken, Russland kämpfe für demokratische Prinzipien? Um die Freiheit weltweit zu fördern, werden wir dem kommunistischen Russland Flugzeuge und Panzer liefern. Aber kein Land hat ein höheres Maß an Verantwortung für den gegenwärtigen Krieg und die deutsche Aggression auf sich geladen.« Sofort schoss die Presse aus allen Rohren auf Senator Taft; die Kampagne gegen ihn dauerte bis zu seinem Tod an. Der seitherige Verlauf der Dinge hat seine Warnungen bestätigt; es reicht, die eben zitierte Direktive von Harry Hopkins zu lesen, um zu erkennen, dass der Ausgang des Krieges von den geheimen Entscheidungen bestimmt wurde, die 1942 in den USA gefällt worden waren.

 

Wie Senator Taft festgehalten hatte, lieferten die Vereinigten Staaten von Amerika »Flugzeuge und Panzer« an die UdSSR. Hier die Zahlen: 15.000 Flugzeuge und 7.000 Panzer bekamen die Sowjets ohne jede Gegenleistung geschenkt. Ferner erhielten sie eine Flotte von 581 Schiffen, von denen sie während eines mehrjährigen Zeitraums 127 zurückgaben; weitere 31 wollten sie bezahlen, und die restlichen mehr als 300 erklärten sie für verloren, versenkt oder seeuntüchtig. Zu guter Letzt bekam das Sowjetregime von den USA auch noch eine Handelsflotte auf dem Silbertablett präsentiert.

 

Dies war jedoch nur ein Teil der Ausrüstung, welche der UdSSR von den Vereinigten Staaten zur Verfügung gestellt wurde und noch nicht einmal der Hauptteil. Der Gesamtumfang der materiellen Hilfe an Moskau ist von der US-Regierung niemals publik gemacht worden. Wenn dennoch bekannt ist, dass der Hauptteil davon eindeutig darauf abzielte, die industrielle und militärische Kapazität des revolutionären Staates nach Kriegsende weiter zu stärken, so geht dies auf einen jener schicksalhaften Zufälle zurück, die dem Historiker eine Rekonstruktion der Ereignisse ermöglichen, der Öffentlichkeit jedoch aufgrund der heute herrschenden Pressezensur nicht bekannt werden und folglich auch keine Kurskorrektur zur Folge haben.

 

Im Mai 1942 trat ein Hauptmann namens George Racey Jordan auf dem großen Flughafen von Newark in New Jersey seinen Dienst an. Jordan hatte bereits im Ersten Weltkrieg bei den amerikanischen Streitkräften gedient und folgenden Rat, den ihm ein Feldwebel 1917 in Texas erteilt hatte, niemals vergessen: »Halte deine Augen und Ohren offen, halte deinen großen Mund und bewahre von allem und jedem eine Kopie auf!« Dass Jordan auch den letzten Teil dieses weisen Ratschlags beherzigte, gab den Anstoß zu dem meiner Meinung nach erstaunlichsten Buch über den Zweiten Weltkrieg.

 

Hauptmann Jordan erhielt den Befehl, sich auf dem Flughafen beim »Depot Nr. 8 der Vereinten Nationen« zu melden und dort weitere Instruktionen in Empfang zu nehmen. Da die als »Vereinten Nationen« bekannte Organisation erst drei Jahre später gegründet wurde, beweist dies, dass die Männer um den Präsidenten sehr langfristig planten. Zu Beginn seines Einsatzes als Verbindungsoffizier hatte Jordan keine blasse Ahnung von der Macht der Sowjets in den USA, doch drei aufeinanderfolgende Episoden öffneten ihm rasch die Augen.

 

Nachdem ein Passagierflugzeug von American Airlines auf dem Vorfeld des Flughafens von Newark das Motorengehäuse eines mittelschweren Bombers gestreift hatte, der im Rahmen des Leih- und Pachtabkommens an die UdSSR geliefert werden sollte, verlangte ein aufgebrachter sowjetischer Offizier, American Airlines von diesem Flughafen zu verbannen. Als sein Ansinnen abgelehnt wurde, kündete der Offizier an, er werde »Herrn Hopkins anrufen«. Tatsächlich fasste die Dachorganisation der amerikanischen Fluggesellschaften schon nach wenigen Tagen den Beschluss, sämtlichen zivilen Fluggesellschaften die Benutzung des Flughafens von Newark zu untersagen.

 

Von diesem Zeitpunkt an führte Hauptmann Jordan ein penibles Tagebuch, das zehn Jahre später, anno 1952, unter dem Titel From Major Jordan’s Diaries erschien. Darin erbrachte er, nachdem er – und die Weltöffentlichkeit – erstmals von der Existenz von »Atombomben« erfahren hatten, den Nachweis, dass vom Flughafen Newark aus Graphit, Aluminiumröhren, Kadmium und Thorium (lauter zur Fertigung eines Atomreaktors unabdingbares Material) an die UdSSR geliefert wurde, obwohl das »Manhattan Projekt« (der Plan zur Herstellung der ersten Atombombe) zu jenem Zeitpunkt angeblich so streng geheim war, dass der Projektleiter, Generalmajor Leslie R. Groves, später aussagte, ohne seine ausdrückliche Einwilligung hätte sein Amt nicht einmal Präsident Roosevelt Einsicht in seine Akten gewährt. Als Hauptmann Jordan im Frühjahr 1942 die ersten Einträge in seinem Tagebuch vornahm, hatte er noch nichts von einem »Manhattan Project« gehört und konnte selbstverständlich noch nicht wissen, wozu die Sowjets dieses Material benötigten.

 

Der nächste Zwischenfall, der Jordan die Macht der sowjetischen Offiziere anschaulich vor Augen führte, ereignete sich, als einer von ihnen Anstoß an einem roten Stern nahm, der ein Flugzeug der Texaco Oil Company zierte und drohte, »Washington anzurufen«, falls der Stern nicht entfernt werde. Hauptmann Jordan vermochte den Mann mit Mühe und Not davon zu überzeugen, dass die Texaco Oil Company das Emblem ihres Heimatstaates Texas, den »einsamen Stern«, schon viele Jahre vor der Oktoberrevolution zu ihrem Wahrzeichen erkoren hatte.

 

Zu diesem Zeitpunkt schwante es Oberst Jordan, dass die ungeheuer umfangreichen Lieferungen von Kriegsmaterial an den kommunistischen Staat nur teilweise durch das Leih- und Pachtabkommen gedeckt wurden. Laut diesem verpflichtete sich die Regierung der USA nämlich, »der Sowjetunion auch weiterhin zur Verteidigung erforderliche Ausrüstungsgegenstände, Dienstleistungen und Informationen zur Verfügung zu stellen… sofern der Präsident deren Lieferung bzw. Gewährung genehmigt«, doch unter dem Material, das den Flughafen von Newark in Richtung Russland verließ, gab es vieles, das keinesfalls der »Verteidigung«, sondern der Stärkung der sowjetischen Militärmacht nach dem Krieg diente. Hierzu gehörten u. a. »Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen, Fabrikanlagen zur Herstellung von Aluminium, Eisenbahnwagen und Stahlwerken« und dergleichen mehr. Diese Lieferungen (von denen ein Dolmetscher enthusiastisch vermerkte, sie würden zur »Fordisierung« der UdSSR beitragen) sind in der einzigen Statistik erfasst, welche die amerikanische Regierung zu diesem Thema veröffentlicht hat. Präsident Trumans »Einundzwanzigster Bericht an den Kongress zum Thema der Leih- und Pacht-Operationen« vermittelt Aufschluss darüber, dass unter der Rubrik »Nicht-Munition« » landwirtschaftliche Produkte« im Wert von sage und schreibe 1.674.586.000 Dollar sowie »Industriematerialien und -produkte« im Wert von 3.040.423.000 Dollar an die Sowjetunion geliefert worden sind.

 

Nachdem die deutschen U-Boote die nach Russland abgehenden Konvois arg dezimiert hatten, wurden die Hilfsgüter 1943 in weit größerem Umfang als zuvor auf dem Luftwege geliefert. Zu diesem Zweck wurde bei Great Falls im Staate Montana ein Flughafen gebaut, auf dem Hauptmann Jordan als »Leih- und Pachtspediteur« Dienst tat. Obwohl es auch weiterhin keine Organisation mit dem Namen »Vereinte Nationen« gab, wurde er von der US Air Force zum »Vertreter der Vereinten Nationen« ernannt. Nach seiner Ankunft in Great Falls fand er eine vom Präsidenten höchst persönlich stammende Direktive mit dem Titel »Lieferung von Flugzeugen für Russland« vor, in der es unter anderem hieß: »Der Modifizierung, Ausrüstung und Lieferung von Flugzeugen für Russland wurde oberste Priorität zuerkannt, selbst gegenüber Flugzeugen für die Luftwaffe der USA.« In Montana ereignete sich eine weitere Episode, welche die Macht der Sowjets unter Beweis stellte: Der Offizier, mit dem Jordan zusammenarbeitete, befand, der Grad eines Hauptmanns sei für diesen zu niedrig, und verlangte seine Beförderung zum Major. Das goldene Laub traf prompt ein und wurde Jordan von Oberst Kotikov persönlich an die Schultern geheftet – ein Vorfall, zu dem es in der amerikanischen Militärgeschichte vermutlich keine Parallele gab.

 

Hauptmann – pardon, Major – Jordan bemerkte, dass eine auffallend große Zahl verschnürter und versiegelter schwarzer Koffer durch seine »Pipeline nach Moskau« geschleust wurde. Die einzige Vollmacht, die er noch besaß, bestand darin, den von amerikanischen Piloten geflogenen Flugzeugen, welche das für Russland bestimmte Material zunächst nach Fairbanks in Alaska brachten, die Starterlaubnis zu erteilen bzw. zu verweigern. Als sich ihm eine günstige Gelegenheit bot, packte er sie beim Schopf, schritt an mehreren bewaffneten Mitgliedern der sowjetischen Geheimpolizei ins Innere eines Flugzeugs und öffnet ca. achtzehn der rund fünfzig darin befindlichen Koffer, wonach er in groben Zügen notierte, was sie enthielten.

 

Unter den Stößen von Papieren, Plänen, Briefen und Skizzen, die er vorfand, entdeckte Jordan zwei Dinge, die später, als die diversen Enthüllungen der Jahre 1948 bis 1956 ein grelles Licht auf das Ausmaß der kommunistischen Spionage und Intrigen in den USA warfen, das verheerende Bild abrundeten.

 

Beim ersten dieser Funde handelte es sich um ein Bündel von Dossiers des Außenministeriums; jedes davon war mit einer Etikette versehen; eine davon trug die Aufschrift »Von Hiss«, eine andere die Aufschrift »Von Sayre«. Jahre später sollte Jordan erfahren, dass Alger Hiss einer der führenden Sowjetspione im Außendepartement und Sayre ebenfalls ein Agent Moskaus war. Die Dossiers enthielten Kopien geheimer Botschaften amerikanischer Attachés in Moskau, die per Diplomatenpost nach Washington abgegangen waren und nun in Form von Kopien in die sowjetische Hauptstadt zurückwanderten, wo sie höchst aufmerksame Leser finden würden.

 

Noch wichtiger als dieses Aktenbündel war ein an den sowjetischen Außenhandelsminister Anastas Mikojan adressierter Brief, der bis zum heutigen Tage weitreichende Konsequenzen für die Völker des Westens hat. Major Jordan notierte sich einen Auszug daraus: »Es bereitete mir eine Heidenmühe, die Dinger wegzuschaffen, ohne das Groves es merkte.« (Groves war der Leiter des Atombombenprojekts.) Unterzeichnet war das Schreiben mit H. H. Dem Brief beigefügt waren eine Karte der Atomforschungsanlage Oak Ridge in Tennessee sowie die mittels Kohlenpapier angefertigte Kopie eines Berichts mit dem Stempel »Harry Hopkins«, der eine Reihe so seltsamer Bezeichnungen enthielt, dass Major Jordan der Versuchung nicht widerstehen konnte, sie zu notieren, um später ihre Bedeutung in Erfahrung bringen zu können. Darunter befanden sich Wörter wie »Cyclotron«, »Proton« und »Deuteron« sowie Sätze wie »durch Spaltung erzeugte Energie« und »fünf Fuß dicke Wände aus Blei und Wasser zur Kontrolle fliegender Neutronen«. Wie wir im Vorhergehenden dargelegt haben, war Harry Hopkins der »naturgemäß zum Liebling Roosevelts avancierte« Sonderberater des Präsidenten sowie der »zweitwichtigste Mann in den Vereinigten Staaten«.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg redeten die Führer Amerikas und Großbritanniens ihrer Bevölkerung jahrelang ein, der beste Schutz gegen einen neuen Krieg und die wirksamste Abschreckung einer »sowjetischen Aggression« sei das westliche Kernwaffenmonopol. Diese Illusion platzte am 23. September 1949: An jenem Tage ließ die Sowjetunion eine Atombombe detonieren, was für aufmerksame Beobachter der Geschehnisse ganz und gar nicht überraschend kam. Jetzt beschloss Jordan, sein Schweigen zu brechen; er nahm Verbindung mit einem Senator auf, den das, was ihm der Major berichtete, so aus dem Häuschen brachte, dass er einen führenden Radiokommentator, Fulton Lewis, kontaktierte, um die Angelegenheit an die Öffentlichkeit zu bringen. Auf diesem Wege (sowie später durch Jordans Buch) wurde der Skandal publik. Er gab den Anstoß zu zwei Anhörungen im Kongress, die im Dezember 1949 bzw. im März 1950 stattfanden. Die Presse spielte die Ernsthaftigkeit der Situation unisono herunter; wie immer in solchen Situationen erfolgte keine wirkliche Kurskorrektur und es wurden keinerlei Schritte in die Wege geleitet, um eine Wiederholung solch verräterischer Handlungen zu verhindern.

 

1944 nahm Major Jordans Besorgnis derartige Ausmaße an, dass er versuchte, sich mit dem für die Verwirklichung des Leih- und Pachtabkommens zuständigen Verbindungsoffizier im Außenministerium zu treffen, doch die Begegnung wurde von einem niederrangigeren Beamten vereitelt, der Jordan warnte: »Offiziere, die glauben, ihre Nase in alles und jedes stecken zu müssen, landen nur allzu leicht auf irgendeinem Eiland in der Südsee.« Bald darauf wurde Jordan aus Great Falls abberufen. Sein Buch enthält ein vollständiges Verzeichnis sämtlicher im Rahmen des Leih-und Pachtabkommen an die Sowjets gelieferten Ausrüstungsgegenstände, die er als Verbindungsoffizier zu Augen bekommen hatte. Auf dieser Liste figurieren alle zur Herstellung eines Atomreaktors – und teilweise auch einer Wasserstoffbombe – erforderlichen Chemikalien, Metalle und Mineralien, die an die Sowjets geliefert worden waren, darunter Beryllium, Cadmium, Kobalterz und –konzentrat (33.600 Pfund), Kobaltmetall und kobalthaltiger Schrott (806.941 Pfund), Uraniummetall (2,2 Pfund), Aluminiumröhren (12.766.472 Pfund), Graphit (7.384.482 Pfund), Thorium, Uraniumnitrat und -oxid sowie urano-uranisches Oxid, Aluminium und Aluminiumlegate (366.738.204 Pfund), Aluminiumruten (13.44.709 Pfund), Aluminiumplatten (124.052.618 Pfund), Messing- und Bronzebarren (76.545.000 Pfund), Messing- oder Bronzedraht (16.139.702 Pfund), Messing- und Bronzeplatten (536.632.390 Pfund), isolierter Kupferdraht (399.556.720 Pfund) usw.

 

Diese Listen umfassten auch die »ausschließlich für die Nachkriegszeit gedachten Lieferungen an Russland« (General Groves). Hierzu gehörten eine Ölraffinierieanlage, Prägstöcke und Teile davon (im Wert von 53.856.017 Dollar), Drehbänke, Präzisionsbohrmaschinen, Maschinerie zur Konservenherstellung, kommerzielle Melkapparaturen, Sägemühlenmaschinerie, Textilmaschinerie, Generatoren (im Wert von 60.313.833 Dollar), Schmelzapparaturen, Ausrüstungsgegenstände für Kraftwerke, Telefonapparate samt Zubehör (im Wert von 32.000.000 Dollar), Generatoren (im Wert von 222.020.760 Dollar), Filmapparaturen, Rundfunkgeräte samt Zubehör (im Wert von 52.072.760 Dollar), 9.594 Güterwaggons, 1.168 Dampflokomotiven (im Wert von 101.075.116 Dollar), Handelsschiffe (im Wert von 123.803.879 Dollar), Lastwagen (im Wert von 508.367.622 Dollar) und so weiter und so fort.

 

Zu den wichtigsten Spenden, die ganz offenkundig dazu dienten, die sowjetische Industrie nach dem Krieg zu stärken, gehörten laut den Unterlagen Major Jordans eine Reparaturanlage für Präzisionsinstrumente (im Wert von 550.000 Dollar), zwei Fabriken zur Lebensmittelproduktion (im Wert von 6.924.000 Dollar), drei Gaserzeugungseinheiten (im Wert von 21.390.000 Dollar), eine Erdölraffinerie mit Maschinerie und Ausrüstung (im Wert von 29.050.000 Dollar), 17 stationäre Dampf- und drei hydroelektrische Anlagen (im Wert von 273.289.000 Dollar). Aus den sowjetischen Listen geht hervor, dass Harry Hopkins und seine Mitarbeiter geradezu frenetisch bemüht waren, den Sowjets jeden Wunsch von den Augen abzulesen, figurieren darauf doch auch Gegenstände, deren Lieferung sich nicht rational erklären lässt, beispielsweise Brillen (im Wert von 169.806 Dollar), künstliche Gebisse (im Wert von 956 Dollar), 9.126 mit Juwelen verzierte Uhren (im Wert von 143.922 Dollar), 6.222 Pfund Toilettenseife, Lippenstift im Wert von 400 Dollar, 373 Gallonen Schnaps, Fischereiausrüstung im Wert von 57.444 Dollar, magische Laternen im Wert von 161.046 Dollar, »Scherzartikel« im Wert von 4.352 Dollar, 13.256 Pfund Kohlenpapier, zwei neue Klaviere, Musikinstrumente im Wert von 60.000 Dollars sowie schließlich eine Pfeife, deren Wert auf zehn Dollar veranschlagt wurde und die Bilder des »geliebten Führers« wachruft, den Roosevelt und Churchill liebevoll »Uncle Joe« nannten.

 

Harry Hopkins‘ Vergangenheit als Spendeneintreiber und Funktionär der staatlichen Wohlfahrtsbehörde zeigte sich darin, dass die UdSSR während eines vierjährigen Zeitraums Gelder in Höhe von 88.701.103 Dollar »für wohltätige Zwecke« erhielt. Wer die Sowjetunion aus eigener Anschauung kennt, kann sich nur ausgesprochen schwer vorstellen, dass die Kommissare diesen Geldsegen an die Notleidenden verteilt haben! Das war nicht das Ende des »Geld-Gebens« unter dem Motto »Kredit-Verleihung«. Henry Morgenthau Junior, Finanzminister unter Roosevelt, und sein Staatssekretär Harry Dexter White, später als Sowjet-Agent entlarvt, veranlassten 1944 die Lieferung an die Regierung der UdSSR von Duplikaten von Druckplatten des US-Finanzministeriums zur Herstellung von Geldscheinen, welche für die amerikanischen Truppen zur Besetzung Deutschlands nach dem Krieg bestimmt waren. Das heißt dass dieses Geld, gedruckt von der sowjetischen Regierung für ihre Truppen, von der amerikanischen Regierung zu tilgen war, da keine Unterscheidung gemacht wurde was zwischen dem Papier gedruckt wurde. Als Ende 1946 die US-Regierung unter dem Druck öffentlicher Proteste die Zahlungen an ihre eigenen Truppen mit diesen Banknoten einstellte, so dass die Sowjet-Regierung diese nicht mehr länger benutzen konnte, stellte die US-Militärregierung in Deutschland fest, dass über 250 Millionen Dollar mehr eingelöst wurden als die Gesamtsumme an Banknoten die vom US-Finanzministerium ausgegeben wurde. (Die Sowjet-Regierung ignorierte eine Anfrage zur Bezahlung einer bescheidenen Summe von 18.000 Dollar für die Druckplatten und das Material das geliefert wurde, welches sie ermöglicht hatte 250 Millionen Dollar direkt vom US-Finanzministerium zu beziehen.)

 

Fassen wir zusammen: Vier oder fünf Jahre lang lieferten die USA dem revolutionären Staat nicht nur militärische Ausrüstung für den Kampf gegen die Achsenmächte, sondern auch Material zur Entwicklung seiner Industrie in der Nachkriegszeit. Eine »kritische Überdenkung« dieser Politik war von höchster Stelle untersagt worden. Doch nicht genug damit: Ganz von oben war der Befehl ergangen, den Lieferungen an die UdSSR Priorität vor den Bedürfnissen der amerikanischen Streitkräfte oder jener ihrer Verbündeten einzuräumen.

 

Die Unterstützung des revolutionären Staates beschränkte sich durchaus nicht auf die Lieferung von Material für militärische und nichtmilitärische Zwecke, sondern erfolgte auch auf zwei weiteren Wegen: 1) Bei der Planung der militärischen Operationen wurde in erster Linie auf die sowjetischen Interessen Rücksicht genommen. 2) Ausgehend von diesen Operationen wurde der Kurs der amerikanischen Außenpolitik bei hochrangigen internationalen Konferenzen festgelegt.

 

Da die Lieferungen von Waffen und sonstigem Material an die UdSSR mit fast schon fanatischer Konsequenz betrieben wurde, ist die Annahme nur logisch, dass die sowjetischen Interessen auch bei der Planung der militärischen Aktionen sowie bei der Festlegung der US-Außenpolitik oberste Priorität hatten. Genau dies war auch der Fall, wie klarsichtige Beobachter schon früh erkannten und wie sich seither mit voller Deutlichkeit gezeigt hat. Auch dies war die unvermeidliche Konsequenz des im vorhergehenden Kapitel geschilderten kalten Staatsstreichs, durch den die Hintergrundmächte in den Vereinigten Staaten von Amerika praktisch die unumschränkte Macht an sich gerissen hatten.

 

Die Bestrebungen, sämtliche militärischen Operationen so zu planen, dass dem revolutionären Staat (der in Komplizenschaft mit Hitler durch den gemeinsamen Angriff auf Polen den Krieg begonnen hatte) daraus optimaler Nutzen erwuchs, begannen schon bald nach Pearl Harbor. Zunächst scheiterten sie, doch in den späteren Phasen des Krieges triumphierten sie auf der ganzen Linie, wie der Ausgang des Krieges bewiesen hat. Die Schlüsselrolle spielte dabei die rätselhafteste Gestalt des Zweiten Weltkriegs, General George C. Marshall, Stabschef der amerikanischen Armee. Gegen ihn hat Senator Joseph McCarthy in seiner Ansprache vor dem Senat am 14. Juni 1951 den wohlbegründeten Vorwurf erhoben, er habe »den Sieg vor Kriegsende vorsätzlich und systematisch aus der Hand gegeben« und sei verantwortlich dafür, dass die USA, die mächtig genug waren, um das Zünglein an der Waage zu spielen, »bei Meinungsunterschieden zwischen Stalin und Roosevelt so gut wie immer auf die sowjetische Linie einschwenkten«.

 

Angesichts der geradezu ungeheuerlichen Folgen, die General Marshalls Strategie heraufbeschwor, ist die Frage, unter welchen Umständen er eigentlich zum Stabschef der amerikanischen Streitkräfte wurde, von großem Interesse. Seine Ernennung erfolgte im Jahre 1939, als ihm Präsident Roosevelt den Vorzug vor zwanzig Generälen der höchsten Ränge sowie vor sechs Brigadegenerälen gab. Sechs Jahre zuvor hatte der damalige Stabschef, General Douglas McArthur, ein Veto gegen Marshalls Ernennung zum General eingelegt, nachdem der Generalinspektor sich skeptisch über letzteren geäußert hatte.

 

Eine der ersten Amtshandlungen Marshalls bestand darin, Senator James F. Byrnes, einen Baruch-Intimus, um die Einreichung eines Gesetzesvorschlags zu ersuchen, der den Stabschef ermächtigte, jüngeren Offizieren ohne Rücksicht auf ihren Grad den Vorzug vor höherrangigen einzuräumen, sofern er, Marshall, sie für »ungewöhnlich tüchtig« hielt. Der von Senator Byrnes eingereichte und vom Senat gutgeheißene Gesetzesvorschlag sah vor, dass »im Krieg oder während eines nationalen Notstands… jedem Offizier der regulären Armee temporär ein höherer Rang verliehen werden kann«. Gestützt auf dieses neue Gesetz nahm Marshall im Verlaufe des Jahres 1940 nicht weniger als 4.088 Beförderungen vor. Zu den Beförderten gehörte auch der damals fünfzigjährige Oberst Dwight Eisenhower, der damals noch keine Kampferfahrung besaß, jedoch innerhalb von nur drei Jahren zum Obersten Kommandanten der alliierten Streitkräfte aufstieg. Das Zusammenspiel zwischen Marshall und Eisenhower trug entscheidend zur Neugestaltung der politischen Landkarte Europas im Jahre 1945 bei.

 

Sofort nach Pearl Harbor und dem amerikanischen Kriegseintritt Anfang Dezember 1941 riefen die sowjetischen Propagandisten in Moskau und im Westen lautstark nach einer Invasion Europas durch ihre anglo-amerikanischen Verbündeten. Churchill, der Roosevelt bereits Ende Dezember einen Besuch abstattete, war sich mit seinen Generälen und Beratern darin einig, dass eine solche Invasion allerfrühestens 1943 im Bereich des Möglichen liegen werde. Doch schon im April 1942 hatte Eisenhower auf Marschalls Anweisung einen Plan für eine Invasion noch im selben Jahr ausgearbeitet und Roosevelt hatte sich dazu überreden lassen, Churchill ein dementsprechendes Telegramm zu schicken. (In The Hinge of Fate hat Churchill selbst hierüber berichtet.) Gemeinsam mit Harry Hopkins begab sich Marshall nach London, wo ihm Churchill ins Gesicht sagte, eine überhastete und verpfuschte Invasion, die ein Desaster an der französischen Küste zur Folge haben werde, sei »der einzige Weg, auf dem wir den Krieg möglicherweise verlieren könnten«.

 

Angesichts des Ranges, den er bekleidete, müsste man eigentlich annehmen, General Marshall sei damals der fähigste militärische Denker Amerikas gewesen. Sein Vorschlag lief darauf hin hinaus, dass Großbritannien wissentlich eine Niederlage in Kauf nehmen und hierdurch praktisch Selbstmord begehen solle. Churchill warnte, ein solcher Schritt würde den Ärmelkanal in einen »Strom alliierten Bluts« verwandeln. Drei Viertel dieses Blutes wäre übrigens britisches Blut gewesen; als man den Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte auf britischem Boden später fragte, wieviele Soldaten er zu einer Invasion würde beitragen können, wies er darauf hin, dass er zu einem solchen Unternehmen lediglich die in Irland stationierte 34. Division bereitstellen konnte. General Clark fügte hinzu, dass es dieser einen Division an Fliegerabwehrgeschützen und Panzern mangelte und dass sie ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen hatten. In der Tat erwies es sich im November 1942, als die ersten amerikanischen Bodentruppen in Nordafrika Kampferfahrung sammelten, dass sie nur ungenügend auf den Ernstfall vorbereitet waren. Der führende amerikanische Militärjournalist Hanson W. Baldwin schrieb später: »Im Rückblick ist es heute offensichtlich, dass unsere Pläne für eine Invasion Westeuropas im Jahre 1942 ein Hirngespinst waren.«

 

Nichtsdestoweniger schlug Marshall seinem Präsidenten nach seiner Rückkehr nach Washington vor, die USA sollten aus dem Krieg in Europa ausscheiden, falls die Briten seinen Plan nicht akzeptierten (so der amerikanische Kriegsminister Stimson). Marshall wurde abermals nach England geschickt, wo er sich wiederum mit Churchill traf (er lehnte es brüsk ab, in Churchills Privatresidenz in Chequers zu übernachten). Sein Plan wurde endgültig begraben, als General Mark Clarke seinen bereits erwähnten Bericht aus Irland absandte, dem zufolge er nur eine einzige Division für eine Invasion bereitstellen konnte, die zu allem Überfluß noch ungenügend ausgebildet und mangelhaft ausgerüstet war. Doch die Katze war aus dem Sack und die Drohung, die USA würden ihren britischen Verbündeten im Stich lassen, wenn dieser nicht auf die amerikanische Linie einschwenke, stand in der Luft.

 

Der spätere Verlauf des Krieges wird nur begreiflich, wenn man diesem Verhalten des höchsten amerikanischen Offiziers Rechnung trägt.

 

Im Sommer 1942 hatten die Deutschen immer noch 1,3 Millionen Mann in Frankreich, Belgien und den Niederlanden stationiert, denen die Westalliierten nichts Vergleichbares entgegenzustellen hatten. Somit wäre eine Invasion damals selbst dann chancenlos gewesen, wenn die Anglo-Amerikaner die Luftherrschaft sowie eine ausreichende Zahl von Landungsbooten und amphibischen Fahrzeugen besessen hätten und ihre Truppen ausreichend für eine Invasion geschult gewesen wären. Unter diesen Umständen blieb Roosevelt keine andere Wahl, als Marshalls wahnwitzigen Invasionsplänen eine Absage zu erteilen und England überstand zum dritten Mal in diesem Krieg eine tödliche Gefahr. Nachdem die anglo-amerikanischen Landstreitkräfte die Deutschen im Frühling 1943 aus Nordafrika vertrieben hatten, standen Washington und London am Scheideweg. Ihre Truppen waren bereit, auf dem europäischen Kontinent zuzuschlagen – wo und unter welchen Umständen würden sie dies tun? Zu diesem Zeitpunkt erhob General Marshall gegenüber seinen britischen Verbündeten zum zweiten Mal eine Forderung, der letztere diesmal stattgeben mussten, was schicksalhafte Folgen für die Zukunft Europas nach sich zog.

 

Winston Churchills eigene Darstellung der Geschehnisse, aber auch die Schilderungen anderer hochrangiger Entscheidungsträger, belegen, dass er in dieser entscheidenden Frage von Anfang an eine konsequente Politik betrieb. Als einziger unter den westlichen Führern verfügte er über beträchtliche militärische und politische Erfahrung und er erkannte mit aller Klarheit, dass der Krieg weder mit einem echten Sieg der Westmächte enden noch einen wirklichen Frieden bringen werde, wenn der revolutionäre Staat die Möglichkeit erhielt, bis ins Herz Europas vorzudringen. Deshalb wollte er die militärischen Operationen so planen und durchführen, dass die Sowjetunion ihre Macht nicht oder nur in geringem Umfang über ihre ursprünglichen Grenzen ausdehnen konnte.

 

Als Churchills großer Gegenspieler erwies sich General Marshall (und nicht etwa Roosevelt, dessen immer prekärer werdender Gesundheitszustand sein Urteilsvermögen im letzten Kriegsjahr zunehmend trübte – falls er mittlerweile nicht schon zum hilflosen Gefangenen seiner »Berater« geworden war). Churchill wollte sowohl aus dem Süden als auch aus dem Norden gegen die Achsenmächte zuschlagen und den Balkan sowie Mitteleuropa besetzen, um zu verhindern, dass diese Länder vom Regen in die Traufe gerieten und statt wie bisher von Hitler künftig von den Sowjets unterdrückt wurden. Hätte er diesen Plan verwirklichen können, so wäre dem Westen ein Sieg beschieden gewesen; der diesen Namen verdient hätte; die Welt hätte dann für den Rest des 20. Jahrhunderts die Aussicht auf wirklichen Frieden besessen und die ursprünglichen britischen Kriegsziele, zu denen vorrangig die »Befreiung« Europas gehörte, wären verwirklicht worden. In schroffem Gegensatz hierzu war General Marshall entschlossen, sich auf die Invasion Frankreichs zu konzentrieren und der Roten Armee ganz Ost- und Mitteleuropa sowie den Balkan auf dem Silbertablett zu servieren; Präsident Roosevelt – von dem wir nicht wissen, ob er noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war – unterstützte diese Politik bis zum bitteren Ende, d. h. bis zur Konferenz von Jalta, als die Westmächte den Sieg endgültig aus der Hand gaben.

 

Die spätere Entwicklung hat den Beweis dafür geliefert, dass die Würfel spätestens nach der ersten Quebec-Konferenz vom August 1943 gefallen waren. Zu jenem Zeitpunkt drängten die anglo-amerikanischen Heere die Deutschen immer weiter in den Norden der italienischen Halbinsel ab. Auf General Marshalls Drängen wurde in Quebec der Entscheid gefällt, einen Teil der in Italien stehenden Truppen für eine Invasion Südfrankreichs einzusetzen, die kurz nach der geplanten Landung in der Normandie erfolgen sollte. Dies bedeutete, dass Feldmarschall Alexanders Streitkräfte in Italien, die laut dem Urteil General Clarks nach der Einnahme Roms zu einer »gewaltigen Kriegsmaschinerie… mit unbegrenzten Möglichkeiten« geworden waren, ihren Vormarsch nach Norden massiv verlangsamen und vor allem den Plan einer Überquerung der Adria über Bord werfen mussten, der die westalliierten Heere in Reichweite von Wien, Budapest und Prag gebracht hätte. Ein solcher Schritt hätte die politische Landkarte Europas nach dem Krieg zu Gunsten der Westmächte sowie des Friedens verändert, wie schon ein flüchtiger Blick auf die Karte zeigt. Damals war ein echter Sieg in greifbare Nähe gerückt, doch die Chance wurde für immer vertan. Stattdessen erfolgte eine Invasion Südfrankreichs – ein ganz unnützer militärischer Kraftakt, der noch fatalere Folgen zeitigen sollte als die Entsendung britischer Truppen nach Palästina während des Ersten Weltkriegs.

 

Die Landung in Südfrankreich bot keine nennenswerten politischen Vorteile, so dass dem Entscheid, der ihr vorausging, offenkundig politische Erwägungen zugrunde lagen. Dies lässt sich nicht zuletzt dem Dokument entnehmen, mit dem Marshall seinen Standpunkt bei der Konferenz von Quebec begründete. Dieses Dokument trug die Bezeichnung »Russlands Position« und spiegelte laut Sherwood die Ansicht »außerordentlich hochrangiger militärischer Kreise wider«. Der Verfasser war vermutlich Marshall selbst. Darin hieß es unter anderem: »Russlands Position in Europa nach dem Krieg wird eine dominierende sein… Da Russland im Krieg der entscheidende Faktor ist, verdient es jedwede Unterstützung und wir dürfen keine Mühe scheuen, um seine Freundschaft zu gewinnen. Da außerdem kein Zweifel daran besteht, dass es Europa nach der Niederlage der Achse dominieren wird, ist es umso wichtiger, möglichst freundschaftliche Beziehungen zu Russland zu entwickeln und zu wahren.«

 

Wir haben gesehen, dass der UdSSR laut den Bestimmungen des Leih- und Pachtabkommens eine prioritäre Stellung eingeräumt worden war. Dieselbe Vorzugsbehandlung wurde ihr auch bei der Planung der militärischen Operationen zugestanden, die voll und ganz den sowjetischen Zielen und Interessen untergeordnet wurde. Stalin hatte sich entschieden gegen einen anglo-amerikanischen Vorstoß durch den Balkan gewandt und beteuert, der einzige Weg, um Deutschland ins Herz zu treffen, führe durch Frankreich. Die »außerordentlich hochrangigen militärischen Kreise«, die sich in Quebec durchgesetzt hatten, erfüllten Stalin diesen Wunsch. Das von ihnen vorgelegte Dokument betonte gleich zweimal, die Sowjetunion werde nach dem Krieg eine dominierende Rolle in Europa spielen und erhob damit eine Hypothese zur Gewissheit. Im August 1943 war die Frage, ob dies tatsächlich der Fall sein werde, noch nicht beantwortet; der Krieg ging noch fast zwei Jahre lang weiter und Churchill bemühte sich nach Kräften, die von Marshall als unvermeidbar bezeichnete sowjetische Vorherrschaft in Europa zu verhindern. Er war zwar damit einverstanden, dass die UdSSR zu den Siegermächten gehörte, wollte aber nicht, dass sie sich zur Führungsmacht auf dem europäischen Kontinent entwickelte. Doch Churchill wurde überstimmt, und von diesem Augenblick an hatte der Westen den Zweiten Weltkrieg als Folge der insgeheim getroffenen Entschlüsse politisch verloren.

 

General Marshall setzte sich in Quebec auf der ganzen Linie durch. Churchill ging zwar nie so weit, ihn offen zu kritisieren, doch in seinen Kriegserinnerungen finden sich einige kryptische Bemerkungen über ihn und in Triumph and Tragedy trauert er den versäumten Chancen nach. General Mark Clark, der 1943 die amerikanischen Streitkräfte in Italien kommandierte, schrieb im Jahre 1950: »Wenn wir von Italien aus gegen Frankreich vorstießen, war dies ein offensichtlicher Wink an Stalin… dass wir uns von Mitteleuropa abwenden würden. Die Operation Amboss [die Invasion Südfrankreich] führte in eine Sackgasse. Die Gründe dafür, dass Stalin die Operation Amboss bevorzugte, lagen klar auf der Hand… Nach dem Fall Roms hätten wir Kesselrings Armee zerschlagen können, wenn wir mit vollem Einsatz eine letzte Offensive gegen sie vorgetragen hätten. Jenseits der Adria lag Jugoslawien… und nördlich von Jugoslawien befanden sich Wien, Budapest und Prag…Nach dem Fall Roms verfolgten wir ein falsches Ziel, sowohl vom politischen als auch vom militärischen Standpunkt aus. Hätten wir nicht auf höchster Ebene einen Schnitzer begangen, der dazu führte, dass wir uns von den Balkanstaaten abwandten und zuließen, dass sie unter die Kontrolle der Roten Armee gerieten, hätte der Feldzug im Mittelmeer die Nachkriegsgeschichte entscheidend beeinflussen können…Ein Feldzug, der die ganze Geschichte der Beziehungen zwischen der westlichen Welt und Sowjetrussland hätte verändern können, verpuffte ins Leere… Die Schwächung der Offensive in Italien… war einer der schwerwiegendsten Fehler des Krieges.«

 

General Mark Clark, ein brillanter amerikanischer Soldat, spricht von einem »Schnitzer« und einem »Fehler«, doch das oben zitierte Dokument sowie viele andere Quellen beweisen, dass die Verantwortlichen weder einen »Schnitzer« noch einen »Fehler« begangen hatten, wenn man diese Ausdrücke im traditionellen Sinn von »Fehlkalkulation« verwendet. Die Konsequenzen, welche dieser Entscheid haben musste, waren ihnen nicht nur bewusst, sondern wurden von ihnen ausdrücklich angestrebt. Ihrem Entschluss lagen keine militärischen, sondern rein politische Überlegungen zugrunde. Bei diesen Verantwortlichen handelte es sich um jene Männer, die den Kreis um den Präsidenten bildeten. Ihre Politik verfolgte auf militärischem Gebiet genau dasselbe Ziel wie das Leih- und Pachtabkommen auf wirtschaftlichem: Die bedingungslose Unterordnung aller anderen Erwägungen unter die Interessen des revolutionären Staates.

 

Hätten die Westmächte ihre eigenen Interessen verfolgt und nicht die sowjetischen, so wäre der Krieg vermutlich schon 1944 zu Ende gewesen. Die zuvor von Hitler überrannten Länder wären befreit worden und die UdSSR hätte ihre Grenzen entweder gar nicht oder nur in geringfügigem Ausmaß ausdehnen können. Doch als Folge des in Quebec gefällten Entscheids dauerte das Blutvergießen bis tief ins Jahr 1945 hinein an; die deutschen Heere in Italien erhielten eine Atempause und die aufwendige Invasion Südfrankreichs verlieh der Hauptinvasion in Nordfrankreich keine nennenswerten Impulse.

 

Somit wurde der Verlauf, den der Zweite Weltkrieg in seinen letzten zehn Monaten nahm, von der Sowjetunion diktiert und den westlichen Militärstrategen durch deren Agenten in der US-Regierung aufgezwungen. Der Mann hieß Harry Dexter White. Er ist inzwischen tot und kann sich nicht mehr zu den Geschehnissen äußern, doch die besten mir bekannten Spezialisten halten ihn für den wahren Urheber des Plans zur Zerstörung Deutschlands sowie zur Auslieferung halb Europas an die sowjetische Tyrannei. Dieser Plan ging als »Morgenthau-Plan« in die Geschichte ein.

 

Wie wir sehen werden, hat der »Morgenthau-Plan« die Strategie der westlichen Armeen, deren Vormarsch durch Deutschland ungemein mühsam verlief, entscheidend geprägt. Bis zum letzten Augenblick versuchte Churchill, der sich mit seinem Vorschlag, durch den Balkan, den »weichen Unterleib« des Feindes, vorzudringen, nicht gegen General Marshall hatte durchsetzen können, zu erreichen, dass die Westalliierten in letzter Minute eine wuchtige Offensive in Richtung Berlin – und darüber hinaus – vortrugen und so wenigstens einen Teil des zuvor Versäumten nachholten. Dies haben sowohl Churchill selbst als auch Eisenhower in ihren Memoiren bestätigt.

 

In seinen Erinnerungen schildert Eisenhower, wie er den ihm gegen Ende 1944 von Feldmarschall Montgomery unterbreiteten Vorschlag ablehnte, mit allen verfügbaren Truppen schnurstracks auf Berlin zu marschieren. Er hielt diese Idee angeblich für allzu riskant, ja verantwortungslos – was nicht der Ironie entbehrt, hatte er Montgomery in demselben Buch zuvor doch als allzu vorsichtig kritisiert. Er sorgte dafür, dass der Vormarsch der Westalliierten auch in den folgenden Monaten nur sehr schleppend verlief, wodurch die Rote Armee genügend Zeit für ihren Vorstoß ins Herz Europas gewann. Im März 1945, als die Konferenz von Jalta bereits vorbei war, die Sowjetregierung kein Hehl mehr aus ihren Absichten zur dauerhaften Besetzung Rumäniens und Polens machte und Roosevelt auf telegraphischen Wege formellen Protest bei Stalin einlegte, sandte Eisenhower dem sowjetischen Diktator eigenmächtig und ohne vorherige Genehmigung durch die alliierten Stabschefs ein Telegramm mit der Bezeichnung »Persönlich an Marschall Stalin«. Dies bewog Churchill, der sich bis zuletzt bemühte, zu retten, was noch zu retten war und darauf bestand, die Anglo-Amerikaner sollten zumindest Wien, Prag und Berlin einnehmen, zu einem wütenden Protest.

 

Doch Churchill biss auf Granit. Von Washington aus ließ General Marshall London wissen, dass er voll und ganz hinter Eisenhowers »strategischem Konzept« und seinem »Vorgehen in Übereinstimmung mit den Russen« stand. Von nun an entschied Moskau darüber, wie rasch und in welcher Richtung die anglo-amerikanischen Truppen vormarschieren durften und die britischen Ratschläge stießen auf taube Ohren. Am 28. März 1945 teilte Eisenhower Stalin direkt mit, seine Truppen würden vor Wien Halt machen. Am 14. April informierte er die Stabschefs, er werde seinen Streitkräften den Befehl erteilen, 70 Meilen vor Berlin an der Elbe-Linie Halt zu machen, und fügte hinzu: »Falls Sie einverstanden sind, schlage ich vor, Marschall Stalin ins Bild zu setzen.« Da er die britischen Einwände schon vorher zurückgewiesen hatte, hätte er sich die ersten vier Wörter eigentlich sparen können…

 

In Bezug auf Prag schien noch kein Entscheid gefallen zu sein. General Eisenhower ließ Stalin wissen, dass seine Heere auf Prag vorrücken würden, »falls die Lage dies erforderlich macht«. Damals standen starke amerikanische Verbände untätig an der tschechischen Grenze. Stalin antwortete am 9. Mai; er forderte Eisenhower auf, einen Vorstoß der Westalliierten über die Linie Karlsbad-Pilsen-Budweis hinaus zu verhindern, worauf Eisenhower seinem General Patton sofort eine diesbezügliche Weisung erteilte.

 

Somit war die »abscheuliche Teilung Europas« (Churchill), die – so der fromme Wunsch des britischen Premierministers – » nicht Bestand haben darf«, bittere Wirklichkeit geworden. Fünf Jahre später behauptete Eisenhower, die alleinige Verantwortung für die drei fatalen Entscheidungen bezüglich Berlins, Wiens und Prags getragen zu haben. Am 3. März 1949 wurde er bei einem vom New Yorker Anwaltsverband organisierten Abendessen mit folgender Frage konfrontiert:

 

»Es herrscht allgemein die Ansicht vor, wenn unsere Armee in Berlin… und in Prag einmarschiert wäre, böte sich das politische Bild der Nachkriegszeit anders dar. Glauben Sie nicht, dass die politische Landkarte der Nachkriegszeit anders aussähe, wenn unsere politischen Führer… darauf verzichtet hätten, sich in Ihre Entscheidungen einzumischen, indem sie unsere Truppen daran hinderten, so viel zu erobern, wie sie konnten?«

 

Eisenhower antwortete:

 

»Eines muss ich klarstellen. Ihre Frage scheint zu unterstellen, dass der Entscheid, nicht bis nach Berlin zu marschieren, politischer Natur war. In Wirklichkeit gab es nur eine einzige Person, die für diesen Entscheid verantwortlich war. Das war ich. Kein anderer hat sich auch nur im Geringsten eingemischt.«

 

Eisenhowers Behauptung konnte nicht stimmen, auch wenn er dies womöglich selbst glaubte. Der Befehl, den Vormarsch der anglo-amerikanischen Heere so lange zu verzögern, bis die Rote Armee in Mitteleuropa stand und dessen drei wichtigste Städte erobert hatte, folgte ganz offensichtlich jener Politik, die bereits bei der Formulierung des Leih- und Pachtabkommens Pate gestanden und zu dem Entscheid geführt hatte, den Interessen der UdSSR Priorität vor denjenigen aller anderen Staaten einschließlich der USA selbst einzuräumen. Eisenhowers eigener Flottenbeauftragter und Biograph, Hauptmann Harry C. Butcher, hat übrigens ausdrücklich auf folgenden Tatbestand hingewiesen: Als der General (gegen den Protest Churchills) eigenmächtig mit Moskau über die Linie verhandelte, an der die westalliierten Streitkräfte Halt machen sollten, wurde die Diskussion über »die zu besetzenden Grenzen und Gebiete über die Köpfe der militärischen Kommandanten hinweg geführt«. Eisenhower handelte augenscheinlich nach einem vorgegebenen politischen Plan, der auf allerhöchster Ebene abgestimmt worden war und dessen Folgen nur allzu klar waren, als Eisenhower selbst Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde.

 

Am 11. Mai 1953 fasste Churchill die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs, mit denen die formell zu den Siegern gehörenden Westmächte ebenso wenig zufrieden sein konnten wie mit denjenigen des Ersten, nüchtern zusammen: »Hätten die USA nach dem Waffenstillstand in Deutschland unseren Rat befolgt, so hätten sich die Westalliierten erst nach dem Abschluss einer Vereinbarung mit Sowjetrussland, mittels deren die vielen Meinungsunterschiede bezüglich der Besetzung feindlichen Territoriums beigelegt worden wären, von der Frontlinie, die ihre Truppen erreicht hatten, auf die vereinbarten Grenzen der jeweiligen Besatzungszonen zurückgezogen, von denen die deutsche Zone natürlich lediglich eine unter mehreren war. Unser Standpunkt wurde nicht akzeptiert und ein großer Teil Deutschlands wurde der sowjetischen Besatzung überantwortet, ohne dass zuvor eine allgemeine Übereinkunft zwischen den Siegermächten erreicht worden wäre.«

 

Dies bedeutet, dass die Politik, die mit der Lieferung von Waffen, Ausrüstungsgegenständen und Waren an die UdSSR begonnen hatte, in der Führung der militärischen Operationen während des Zweiten Weltkriegs ihre Fortsetzung fand und weiterhin der Ausdehnung der Revolution diente. Die Förderung der Revolution erfolgte jedoch noch auf einem dritten Wege – durch die Kapitulation der westlichen Spitzenpolitiker bei den Verhandlungen und Konferenzen, die parallel zu den Ereignissen auf den Schlachtfeldern stattfanden.

 

Wir verzichten darauf, unsere Leser unnötig zu strapazieren, indem wir die Geschichte all dieser Gipfeltreffen (der Atlantikkonferenz sowie der Konferenzen von Kairo, Casablanca, Teheran und Jalta) in allen Einzelheiten darlegen. Der Kontrast zwischen den anfänglichen, in hochtrabendem Ton verkündeten hehren Idealen und der Totalkapitulation vor der sowjetischen Despotie, den die Westmächte später vollzogen, ist allzu niederschmetternd, wie ein Vergleich zwischen der ersten und der letzten dieser fünf Konferenzen beweist. Wir begnügen uns deshalb damit, den Verlauf der Atlantik-Konferenz vom August 1941 sowie der Konferenz von Jalta vom Februar 1945 kurz zu umreißen.

 

Den Anstoß zur Verabschiedung der sogenannten Atlantik-Charta gab Roosevelt am 6. Januar 1941, als er der Bevölkerung der damals noch neutralen Vereinigten Staaten in seiner dritten Ansprache nach seiner Wiederwahl mitteilte, er freue sich »auf eine Welt, die auf vier grundlegenden Freiheiten beruht: Der Redefreiheit, der Glaubensfreiheit, der Freiheit von Not und der Freiheit von Furcht«. Die acht Monate später, am 14. August 1941, von Roosevelt und Churchill gemeinsam verabschiedete Atlantik-Charta bediente sich einer Phraseologie, die Kennern der Zionistischen Protokolle von 1905 seit langem bekannt war (ob die »diktatorisch regierenden Premierminister« die Protokolle wohl je gelesen haben?). In der Charta hieß es, der Politik Amerikas und Großbritanniens läge »gewisse grundlegende Prinzipien« zugrunde, auf denen die beiden Signaturmächte »ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft der Welt« gründeten. Das erste dieser Prinzipien laute: »Keine territoriale oder sonstige Expansion«, das zweite: »Keine territorialen Veränderungen, die nicht in Übereinstimmung mit den frei bekundeten Wünschen der betreffenden Völker stehen«. Das dritte Prinzip war »das Recht aller Völker, die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen, sowie der Wunsch, souveräne Rechte und Selbstbestimmung möchten all jenen zurückerstattet werden, denen sie gewaltsam geraubt worden sind«.

 

Bei den Konferenzen von Casablanca und Teheran im Jahre 1943 wurden diese erhabenen Grundsätze mit Füssen getreten. (In Teheran war Stalin persönlich zugegen und unterzeichnete eine gemeinsame Erklärung mit Roosevelt und Churchill, in der unter anderem »die Abschaffung von Tyrannei und Sklaverei, Unterdrückung und Intoleranz« gefordert wurde…) Ihre unrühmliche Krönung fand die westliche Kapitulationspolitik dreieinhalb Jahre nach der Verabschiedung der Atlantik-Charta beim Gipfeltreffen in Jalta.

 

Zum damaligen Zeitpunkt wurde der Vormarsch der anglo-amerikanischen Heere in Europa gezielt verlangsamt, so dass die Rote Armee bis tief ins Herz des alten Kontinentes vordringen konnte. Wie schmählich die westliche Diplomatie ihre lautstark proklamierten Ideale verraten hatte, offenbarte sich in Jalta mit brutaler Deutlichkeit. Wer sich das Konferenzprotokoll zu Gemüte führt, empfindet unwillkürlich Sehnsucht nach der guten alten Zeit, wo tadellos gekleidete, sich ihrer Verantwortung voll und ganz bewusste Sonderbevollmächtigte und Botschafter nach einem Krieg in würdevoller Form zu konferieren pflegten, um die Konflikte zwischen ihren jeweiligen Nationen beizulegen. Verglichen mit dem Wiener oder dem Berliner Kongress wirkte das Gipfeltreffen von Jalta wie eine überbordende Fete in einer Kaschemme.

 

Da der sowjetische Diktator nicht gewillt war, sein Land zu verlassen, machten ihm die Führer der westlichen Welt auf der Krim ihre Aufwartung. Bei Verhandlungen mit Asiaten kommt dies einem gleich zum Auftakt vollzogenen Unterwerfungsakt gleich. Der amerikanische Präsident sowie sein Intimus Harry Hopkins waren beide todkrank; wie es um Roosevelt stand, ließen allein schon die Filmaufnahmen erkennen, die in den damaligen Wochenschauen gezeigt wurden. Ich erinnere mich, wie schockiert das Publikum damals reagierte, als das vom Tod gezeichnete amerikanische Staatsoberhaupt auf der Leinwand erschien. Einige der führenden westlichen Delegierten wurden von ihren Angehörigen begleitet, so dass das Ganze bedenkliche Ähnlichkeit mit einem Familienausflug oder einem Urlaub aufwies, dessen Teilnehmer sich von den Strapazen des Krieges erholten. Besonders verhängnisvoll wirkte sich aus, dass die Besucher mit einem bewährten Trick umgarnt wurden, dessen sich gerissene Asiaten seit jeher beim Verhandlungen zu bedienen pflegen: Man pumpte sie mit starken Getränken voll. Ein hochrangiger Konferenzteilnehmer, Generalmajor Laurence S. Kuter, der als Repräsentant der amerikanischen Luftwaffe bei den Verhandlungen teilnahm, berichtete:

 

»Beim Frühstück wurde als erster Gang ein mittelgroßer Becher Krimbrandy serviert… Nach den ersten Toasts und dem Brandy wurden mehrmals Kaviar und Wodka aufgetischt… Dann gab es Platten mit kaltem Fleisch und dazu Weißwein… Als nächstes wurden kleine, harte Krimäpfel und bis an den Rand gefüllte Gläser süßen Krimchampagners aufgetragen… Der letzte Gang dieses Frühstücks bestand aus großen, dünnen Bechern siedend heißen Tees, zu dem Brandy in kleinen Gläschen serviert wurde. Und das war erst das Frühstück! Wie konnte jemand, der sich all diese Getränke hinter die Binde gegossen hatte, auch nur einen einzigen logischen, rationalen Entscheid fällen, der dem Wohl der Vereinigten Staaten förderlich war? … Elliott Roosevelt, der mit seinem Vater an dieser Konferenz teilnahm, sagte, fast jedermann sei betrunken gewesen.« Charles E. Bohlen, der als Stellvertretender Außenminister sowie als Russisch- Dolmetscher Roosevelts zugegen war, berichtet, einmal habe Stalin persönlich ein Abendessen gegeben: »Die Atmosphäre… war außerordentlich herzlich und die Gläser wurden fünfundvierzigmal zum Trinkspruch erhoben.«

 

Um das Maß vollzumachen, waltete der sterbende Präsident Roosevelt in Jalta als Unterzeichner des »Morgenthau-Plans«, den ein sowjetischer Agent im amerikanischen Finanzministerium (Harry Dexter White) entworfen hatte. Begleitet wurde der Präsident auf dieser weltgeschichtlich entscheidenden Reise von seinem »Sonderberater für politische Angelegenheiten«, einem Funktionär des Außenministeriums namens Alger Hiss, der später ebenfalls als Sowjetagent entlarvt wurde. Dies führte de facto dazu, dass auf beiden Seiten des Verhandlungstisches Vertreter der sowjetischen Regierung saßen; das Resultat der Konferenz war das logische Ergebnis dieser Ausgangslage. Was Churchill betraf, so setzte dieser seine Bemühungen, zumindest einen Teil Zentraleuropas sowie des Balkans vor der kommunistischen Knechtschaft zu bewahren, bis zum Vorabend des Gipfeltreffens von Jalta fort. Vor seinem Eintreffen auf der Krim schaltete er einen Zwischenhalt in Malta ein, wo er sich mit Roosevelt traf und diesem ein weiteres Mal eine gemeinsame Operation im Mittelmeerraum vorschlug. General Marshall erstickte die Diskussion im Keim, indem er denselben rüden Ton anschlug wie 1942 und »erklärte, wenn der britische Plan gutgeheißen werde, werde er Eisenhower klarmachen, dass seine Tage als Oberkommandant der westalliierten Streitkräfte gezählt seien« (R. Sherwood, Roosevelt and Hopkins).

 

Einen Monat vor der Konferenz von Jalta hatte Churchill dem amerikanischen Präsidenten ein Telegramm folgenden Inhalts zugestellt: »Gegenwärtig scheint mir, das Ergebnis dieses Krieges könnte noch enttäuschender ausfallen als dasjenige des letzten.« 1940 hatte er noch von der »größten Stunde« Englands geschwärmt und vor seinem Amtsantritt als Premierminister geschrieben: »Zur Zeit einer nationalen Krise, wenn man zu wissen glaubt, was für Befehle erteilt werden müssen, ist es ein Segen, Macht zu besitzen.« Mittlerweile war sein Tonfall sehr viel nüchterner geworden. Er wusste inzwischen, über wie wenig Macht die »diktatorisch regierenden Premierminister« in Wirklichkeit verfügen und durfte bestenfalls hoffen, noch den einen oder anderen Brotkrumen zu ergattern; der Sieg wurde damals endgültig verschenkt, noch ehe er errungen war.

 

Was Churchill wusste und was er Roosevelt mitteilte, war den betrogenen Massen unbekannt. Die lückenlose Kontrolle über die Presse, von der die Protokolle der Weisen von Zion prahlerisch sprechen, hinderte die Öffentlichkeit daran, die Wahrheit zu erfahren und versetzte sie stattdessen in einen permanenten Rausch der Begeisterung über den angeblich unmittelbar bevorstehenden großen »Sieg«. An diesem Stand der Dinge vermochte Churchills »Macht« herzlich wenig zu ändern. Einige Monate zuvor, am 23. August 1944, hatte er seinem Informationsminister folgende Frage gestellt: »Wird gezielt dafür gesorgt, dass die Öffentlichkeit nichts über den Todeskampf Warschaus erfährt, den die Zeitungen anscheinend praktisch totschweigen?« (Triumph and Tragedy). Sofern die Frage ehrlich gemeint war (und man erhält durchaus den Eindruck, dass dies der Fall war), wusste Churchill tatsächlich nicht, was ihm jeder beliebige unabhängige Journalist hätte sagen können: Die Tatsachen wurden in der Tat »totgeschwiegen«! Was für eine Antwort er bekam (falls er überhaupt einer solchen gewürdigt wurde), teilt Churchill seinen Lesern nicht mit.

 

Mit dem »Todeskampf«, von dem der britische Premierminister sprach, war der heldenhafte Aufstand der von General Bor geleiteten polnischen Untergrundarmee gegen die Deutschen gemeint, der zu einem Zeitpunkt stattfand, wo die Rote Armee auf Warschau marschierte. Der sowjetische Vormarsch wurde auf Weisung aus Moskau sofort gestoppt und Stalin verbot britischen und amerikanischen Flugzeugen die Nutzung sowjetischer Flugplätze zwecks Unterstützung der Polen. »Ich traute meinen Augen nicht, als ich diese grausame Antwort las«, schrieb Churchill später. Er bedrängte Roosevelt, die amerikanischen Flugzeuge ohne Genehmigung auf den betreffenden Flugplätzen landen zu lassen, da Stalin »es nie wagen würde, auf sie schießen zu lassen«. Der US-Präsident lehnte ab und die Polen standen Hitlers SS-Truppen alleine gegenüber. Rund 200.000 von ihnen kamen bei den Kämpfen um; weitere 350.000 wurden aus der Stadt ausgesiedelt. Nach achtwöchigem Widerstand strahlte Radio Warschau folgende letzte Botschaft aus: »Die bittere Wahrheit ist folgende: Wir wurden schlechter behandelt als Hitlers Satelliten, schlimmer als Italien, schlimmer als Rumänien, schlimmer als Finnland… Gott ist gerecht und in Seiner Allmacht wird Er alle jene strafen, die für dieses furchtbare Unrecht gegenüber der polnischen Nation verantwortlich sind.« Fünfeinhalb Jahre zuvor, im März 1939, hatte es in einer tschechischen Rundfunksendung geheißen, das tschechische Volk vermache »seine Trauer dem Westen«, nachdem England und Frankreich keinen Finger gerührt hatten, um den deutschen Einmarsch in der Tschechei zu verhindern.

 

Im unterwanderten Westen war die Revolution inzwischen bereits derart mächtig geworden, dass Fakten wie die eben erwähnten während des Zweiten Weltkriegs unter den Teppich gekehrt wurden. So stieß Churchill mit seiner Anfrage bei seinem Informationsminister auf eisiges Schweigen. Der »Todeskampf Warschaus« ereignete sich nur drei Jahre nach der Atlantik-Konferenz, bei der Roosevelt eine Erklärung unterzeichnet hatte, laut der »souveräne Rechte und Selbstbestimmung jenen zurückerstattet werden sollten, denen sie geraubt worden sind«.

 

Vor diesem Hintergrund ist auch die Jalta-Konferenz zu sehen, bei der Roosevelt – ein Mann, der mit einem Fuß im Grabe stand – bei seinem ersten Gespräch mit Stalin erklärte, er sei »gegenüber den Deutschen blutrünstiger gesinnt als noch vor einem Jahr« und hoffe, Stalin werde »abermals auf die Hinrichtung von 50.000 Offizieren der deutschen Armee anstoßen«. Mit dem Wort »abermals« spielte Roosevelt auf die Teheraner Konferenz von November/Dezember 1943 an, als Stalin einen solchen Trinkspruch ausgebracht hatte, worauf Churchill erbost protestierte und den Raum verließ. Roosevelt hatte darauf vorgeschlagen, lediglich 49.500 deutsche Offiziere zu erschießen und sein Sohn Elliott hatte hinzugefügt, er hoffe, »Hunderttausende« würden in der Schlacht niedergemäht. »Onkel Joe« hatte sich darauf freudenstrahlend erhoben und den Präsidentensohn umarmt.

 

Dass Roosevelt Stalin in Jalta aufforderte, seinen Teheraner Trinkspruch zu wiederholen, war zweifellos als Nadelstich gegen Churchill gedacht, den der US-Präsident mittlerweile offenbar als Gegner betrachtete. Schon in Teheran hatte er sich im Gespräch mit seinem Sohn Elliott wie folgt geäußert: »Unglücklicherweise denkt der Premierminister zu viel an die Nachkriegszeit und die künftige Position Englands; er fürchtet sich davor, die Russen allzu stark werden zu lassen.« Auch gegenüber Stalin hatte der amerikanische Präsident kein Hehl aus seiner Unzufriedenheit mit Churchill gemacht und ihm gegenüber einmal die Bemerkung fallen lassen, er werde ihm nun » etwas Vertrauliches« mitteilen, was er »nicht in Gegenwart von Premierminister Churchill« zu sagen wünsche. Zu den Dingen, die Roosevelt nicht in Churchills Gegenwart aussprechen mochte, gehörte folgendes: Die Distanz zwischen den amerikanischen und den sowjetischen Streitkräften sei inzwischen bereits so stark geschrumpft, dass sie unmittelbar Kontakt miteinander aufnehmen könnten; er, Roosevelt, hoffe, General Eisenhower werde fortan direkt und nicht, wie in der Vergangenheit, auf dem Umweg über die Stabschefs in London und Washington mit dem sowjetischen Stab kommunizieren können. (Diesen Wunsch äußerte Roosevelt am 4. Februar 1945.)

 

Dies liefert eine logische Erklärung dafür, dass es der Roten Armee erlaubt wurde, Wien, Berlin und Prag zu besetzen. Im März, April und Mai 1945 kommunizierte General Eisenhower in der Tat direkt mit Moskau, unterbreitete der Sowjetführung seine Pläne und erklärte sich bereit, die alliierten Heere westlich der erwähnten drei Städte Halt machen zu lassen. Churchills Proteste gegen dieses Vorgehen verhallten ungehört.

 

Stalin schlug kein zweites Mal vor, 50.000 deutsche Offiziere zu erschießen. Das Protokoll der Verhandlungen in Jalta liefert Aufschluss darüber, dass er den ihm von Roosevelt vertraulich unterbreiteten Anregungen recht reserviert begegnete (beispielsweise dem Vorschlag, die Briten sollten Hongkong aufgeben). Das Bild, das diese Dokumente von ihm vermitteln, ist das eines Mannes, der sich würdevoller verhielt und sich bei seinen Äußerungen mehr Zurückhaltung auferlegte als der amerikanische Präsident. Der Grund hierfür mag einerseits darin liegen, dass Roosevelts hartherzige und zynische Bemerkungen beim Leser starken Widerwillen hervorrufen; andererseits mag es Stalin schwer gefallen sein, zu glauben, dass das Staatsoberhaupt der USA die Erweiterung der sowjetischen Einflusssphäre so vorbehaltlos begrüßte und er mag dahinter eine Falle gewittert haben. Dies würde seine Zurückhaltung erklären. Jedenfalls erweckt der Mörder von Millionen Menschen bei der Lektüre dieser Seiten einen weniger abstoßenden Eindruck als sein Besucher.

 

Der Lackmustest dafür, ob die Westmächte noch ein Minimum an Ehrgefühl besaßen, war die Behandlung Polens. Immerhin hatte die gemeinschaftliche Invasion dieses Landes durch die Nationalsozialisten und die Sowjets den Anstoß zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gegeben und als Roosevelt und Churchill im August 1941 feierlich beteuerten, die ihrer Souveränität und ihres Selbstbestimmungsrechts beraubten Länder müssten beides zurückerhalten, hatten sie sicherlich vor allem an Polen gedacht. Zum Zeitpunkt des Gipfeltreffens von Jalta, als das Kriegsende in greifbare Nähe gerückt war (tatsächlich sollten die Kämpfe nur noch zehn Wochen dauern), war Polen de facto bereits an die Revolution ausgeliefert worden; der Verrat an den Aufständischen von Warschau ließ keine andere Interpretation zu und Roosevelts Anweisung an Eisenhower, seine Pläne im Voraus den Sowjets zu unterbreiten, war nur noch das Tüpfelchen auf dem I. Dies hieß, dass Polen und mit ihm sämtliche europäischen Länder östlich und südöstlich von Berlin, dem Expansionsdrang der Sowjetunion und der Revolution preisgegeben wurden.

 

Obgleich Churchill immer noch vage hoffte, den totalen Triumph der UdSSR verhindern zu können, wurde spätestens bei der Konferenz von Jalta klar, dass ein solcher unmittelbar bevorstand. Dass auch Churchill diese Entwicklung schließlich akzeptierte, setzte der westlichen Kapitulationspolitik die Krone auf. Diese Tatsache ließ sich auch durch die Ausrede nicht aus der Welt schaffen, lediglich die Hälfte Polens würde den Sowjets preisgegeben; der polnische Staat würde durch die deutschen Ostgebiete entschädigt und in dem neuen Polen würden schon bald »freie Wahlen« stattfinden. Dies war reine Heuchelei, denn jedermann wusste, dass ganz Polen, einschließlich der ihm zugeschlagenen deutschen Gebiete, von dem nazistischen Regen in die kommunistische Traufe geraten würde und dass die Armeen der Westalliierten absichtlich zurückgehalten wurden, um diese Entwicklung abzusichern.

 

Als Roosevelt in Jalta um die Erlaubnis bat, »die polnische Frage aufs Tapet zu bringen«, hatte er die hehren Prinzipien der Atlantik-Charta längst über Bord geworfen. Er begann seine Ausführungen mit dem Hinweis darauf, dass es in den USA sechs oder sieben Millionen Polen gebe, wodurch er zu erkennen gab, dass seine einzige Sorge das Wahlverhalten der polnisch stämmigen Amerikaner und nicht die Zukunft Polens war. Anschließend schlug er vor, die polnischen Territorien östlich der Curzon-Linie an die UdSSR anzugliedern, wobei er folgende, höchst befremdliche Bemerkung fallen ließ: »Die meisten Polen wollen ihr Gesicht wahren, wie die Chinesen.« Viele Beobachter haben darauf hingewiesen, dass Roosevelts Erklärungen nicht immer logisch waren; er unterließ es denn auch wohlweislich, zu erläutern, wie sich der Verlust polnischer Gebiete mit einer Politik vereinbaren ließ, die es den Polen erlaubte, »ihr Gesicht zu wahren«. Roosevelt war von seinen »Berater« gründlich bearbeitet worden, ehe er diesen Vorschlag machte. Edward Stettinius, der von Ende 1944 bis Mitte 1945 US-Außenminister war, aber allem Anschein nach kaum irgendeinen Einfluss auf die Politik des Präsidenten hatte, erinnerte sich, dass ihn Roosevelt gebeten hatte, einen Juristen herbeizurufen, der ihm bei der Formulierung seines Standpunkts bezüglich der polnischen Grenzen behilflich sein solle. »Ich ließ Alger Hiss kommen«, hielt Stettinius lapidar fest.

 

Churchill stand nun allein auf weiter Flur. Ein letztes Mal beschwor er die erhabenen Grundsätze und Ziele, um deren willen sein Land in den Zweiten Weltkrieg eingetreten sei: »Um eines freien und souveränen Polens willen sind wir in den Krieg gegen Deutschland eingetreten. Jeder der hier Anwesenden weiß, dass wir auf diesen Krieg nicht vorbereitet waren und dass er uns um ein Haar unsere Existenz als Nation gekostet hätte. Großbritannien hatte in Polen keine materiellen Interessen. Das einzige, was für Großbritannien auf dem Spiel steht, ist seine Ehre, weil wir das Schwert gezogen haben, um Polen gegen Hitlers brutalen Angriff beizustehen. Ich werde mich nie mit einer Lösung abfinden, die keinen freien und souveränen polnischen Staat vorsieht.« Als der Druck, den Roosevelt und Stalin gemeinsam auf ihn ausübten, allzu stark wurde, warf Churchill jedoch das Handtuch: »Man wird sagen, dass die britische Regierung in der Grenzfrage vollständig klein beigegeben, den sowjetischen Standpunkt übernommen und sich zu seiner Fürsprecherin gemacht hat… Großbritannien wird sich der Anklage gegenübersehen, die polnische Sache verraten zu haben.«

 

Tatsache ist, dass Churchill zu guter Letzt mit Stalin und Roosevelt ein gemeinsames Protokoll unterzeichnete. Während in London eine pompöse »Siegesparade« stattfand, blieben die polnischen Soldaten, die als erste gegen Hitler gekämpft hatten, trauernd in ihren Unterkünften zurück.

 

Somit war die böse Tat vollbracht. Anstatt in den Genuss von Redefreiheit und Glaubensfreiheit, Freiheit vor Not und Freiheit vor Furcht zu gelangen, wurden die Völker Osteuropas einem Regime unterworfen, dessen Markenzeichen Geheimpolizei und Konzentrationslager waren – Dinge, die Hitler nach dem Reichstagsbrand eingeführt hatte. Es mochte den Anschein machen, tiefer könnten die Westmächte moralisch nicht sinken, doch dies war ein Irrtum; sie sanken in der Tat noch tiefer. Nach den Bestimmungen des in Jalta unterzeichneten »Protokolls über deutsche Reparationen« wurde das Grundprinzip des sowjetischen Terrorismus, die Sklavenarbeit, legitimiert und auf das deutsche Volk ausgedehnt, denn dieses Dokument ermächtigte »die drei Regierungen« ausdrücklich, von Deutschland Reparationen in Form des Einsatzes deutscher Arbeitskraft zu fordern.

 

Einem Zusatzabkommen zufolge verpflichteten sich die Westalliierten, sämtliche in ihrem Einflussbereich befindlichen sowjetischen Soldaten als »Deserteure« in die UdSSR abzuschieben. Wie dieses Abkommen in die Praxis umgesetzt wurde, ist akribisch dokumentiert worden. Welche Auswirkungen es für viele Menschen nach sich zog, hat ein englischer Armeegeistlicher, James B. Chuter, in seinem 1954 erschienenen Buch Captivity Captive eindrücklich geschildert. Zusammen mit 4.000 anderen Briten hatte Chuter in einem Kriegsgefangenenlager gesessen. Kurz vor Kriegsende setzten sich die deutschen Bewacher ab, so dass die Kriegsgefangenen das Lager verlassen und sich zu den vorrückenden alliierten Truppen durchschlagen konnten. Hier Chuters Bericht:

 

»Am östlichen Ufer der Mulde hatte eine riesige Menschenmenge Quartier bezogen… Für Zehntausende von Flüchtlingen, die an uns vorbeigezogen waren, war dies die Endstation. Die Amerikaner hatten mit den Russen vereinbart, dass sie an der Mulde Halt machen würden, während die Russen vormarschierten. Außer deutschem Militärpersonal und alliierten Kriegsgefangenen erlaubten die Amerikaner niemanden, den Fluss zu überqueren. Von Zeit zu Zeit stürzte sich ein Verzweifelter in die Fluten, in der vergeblichen Hoffnung, den gefürchteten Russen zu entkommen, deren Eintreffen unmittelbar bevorstand. Um solche Zwischenfälle zu vermeiden und zu verhindern, feuerten die Amerikaner am Westufer gelegentlich Maschinengewehrsalven ab. Es war dies eine unmissverständliche Warnung an all jene, die sich mit dem Gedanken trugen, den Fluss zu durchqueren.«

 

So also sah das Ergebnis des Zweiten Weltkriegs aus: Churchill und Roosevelt, die beiden Unterzeichner der Atlantik-Charta von 1941, setzten gemeinsam mit Stalin ihre Unterschrift unter ein Dokument, in dem es hieß: »Mit dieser Erklärung bekunden wir abermals unseren Glauben an die Prinzipien der Atlantik-Charta.«

 

Noch ein pikantes Detail zum Gipfeltreffen von Jalta: Am Abend vor seinem Abflug nach Saudi-Arabien, wo eine Begegnung mit König Ibn Saud auf dem Programm stand, traf sich Roosevelt ein letztes Mal unter vier Augen mit Stalin. Dabei eröffnete ihm der Sowjetdiktator, die Judenfrage sei »sehr schwierig«. Die Regierung der UdSSR habe versucht, in Birobidschan eine nationale Heimstatt für die Juden zu schaffen, doch diese seien nur zwei oder drei Jahre dort geblieben und seien dann in die Städte abgewandert. Im Stile eines Mannes, der Mitglied in einem exklusiven Klub ist und als selbstverständlich annimmt, dass sein Gastgeber diesem ebenfalls angehört, erwiderte Roosevelt, er sei ein Zionist und fragte Stalin, ob er auch einer sei.

 

Der Wortwechsel zwischen Stalin und Roosevelt erweckt beim Leser den Eindruck, hier hätten zwei Männer nach langem gegenseitigem Abtasten endlich Tacheles geredet. Stalin erwiderte, im Prinzip sei er auch Zionist, doch seien hiermit viele Schwierigkeiten verbunden. Abermals gewinnt man hier den Eindruck, der georgische Bankräuber habe sich weit staatsmännischer verhalten und sich größere Zurückhaltung auferlegt als irgendwelche westlichen Politiker der letzten vierzig Jahre, denn von letzteren hat im Zusammenhang mit dem Zionismus keiner je von »Schwierigkeiten« gesprochen. (Churchill pflegte jeden Hinweis auf die Schwierigkeiten, die der Zionismus heraufbeschwor, als »antijüdisch« und »antisemitisch« abzutun.) Damit war die Diskussion über das Thema noch nicht zu Ende, auch wenn ihre Fortsetzung im offiziellen Protokoll nicht verzeichnet ist. Stalin wollte von Roosevelt unter anderem wissen, ob er König Ibn Saud irgendwelche Konzessionen zu machen gedenke, worauf der amerikanische Präsident erwiderte, die einzige Konzession, zu der er möglicherweise bereit sei, bestehe darin, »Ibn Saud die sechs Millionen Juden zu schenken, die in den USA leben«. (Diese Antwort ist verbürgt, wurde jedoch aus dem offiziellen Konferenzprotokoll getilgt.)

 

Mit Ausnahme des eben angeführten sind all diese Zitate der offiziösen Publikation The Conferences at Malta and Yalta, 1945 entnommen, die das US-Außenministerium am 16. März 1955 publiziert hat. Am folgenden Tag prangten in den Zeitungen Schlagzeilen wie die folgende: »Entsetzen und Schock in den Hauptstädten der Welt über die Enthüllung der Geheimnisse von Jalta« (Montreal Star). Dies war pure Augenwischerei, denn anno 1955 interessierten sich die Massen keinen Deut mehr für solche Dinge. Die kontrollierte Presse hatte sie längst in einen Zustand der Hilflosigkeit und Verwirrung versetzt, genau wie es die Zionistischen Protokolle von 1905 prophezeit hatten.

 

Das zehn Jahre nach der Konferenz von Jalta veröffentlichte Protokoll enthält an sich schon genügend Ungeheuerlichkeiten, welche die damaligen westlichen Spitzenpolitiker aufs schwerste belasten, doch sind sie keineswegs vollständig. Sehr viele Passagen (vermutlich die genierlichsten) wurden getilgt; eine davon habe ich eben zitiert. Im Mai 1953 verpflichtete sich das US-Außenministerium unter dem Druck des Senats, bis Juni 1956 die vollständigen und unzensierten Dokumente sämtlicher zwölf Konferenzen der Kriegszeit zu veröffentlichen, doch als der Mai 1956 hereinbrach, waren einzig und allein die Jalta-Protokolle publiziert und erst noch in verstümmelter Form. Zwei Funktionäre des Außenministeriums namens Donald M. Dozer und Bryton Barron, die auf eine rasche und vollständige Veröffentlichung sämtlicher Akten beharrt hatten, wurden Anfang 1956 entlassen (Dozer) bzw. frühzeitig in den Ruhestand versetzt (Barron), obschon Präsident Eisenhower im April 1955 erklärt hatte: »Ich erachte es als töricht, irgendwelche Dokumente über den Krieg einschließlich jener, die meine eigenen Fehler belegen, hinter Verschluss zu halten. Alles, was der Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten hilft, die Lehren aus den Irrtümern der Vergangenheit zu ziehen und die richtigen Entscheidungen für die Gegenwart zu treffen, sollte veröffentlicht werden.«

 

Vor seiner vorzeitigen Versetzung in den Ruhestand wurde Bryton Barron auf massivste Weise unter Druck gesetzt, um seine Einwilligung zur Vernichtung wichtiger Dokumente zu erzwingen. Er teilte seinen Vorgesetzten mit, die in Vorbereitung befindlichen Publikationen vermittelten ein verzerrtes, unvollständiges Bild, das die frühere Regierung in unverdient gutem Licht erscheinen lasse und dem amerikanischen Volk völlig falsche Vorstellungen vermittle.

 

Die Geschichte des Konferenzprotokolls von Jalta beweist, dass die Macht zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weiterhin in den Händen jener »fremden Gruppe« lag, die es während des Krieges fertig gebracht hatte, die Lieferung von Waffen und Ausrüstungsgegenständen, die militärischen Operationen sowie die Außenpolitik ihres Landes in den Dienst der Revolution zu stellen, um deren Ausdehnung zu fördern. Diese fremde Gruppe war auch weiterhin imstande, den Präsidenten an der Einlösung öffentlich gegebener Versprechen zu hindern und dem Willen des Kongresses ungestraft zu trotzen. Daran hat sich auch seither nichts geändert. Dies liefert den Beweis dafür, dass die Unterwanderung der amerikanischen Regierung sowie ihrer Ministerien durch die Agenten der Revolution, die mit Roosevelts erstem Amtsantritt im Jahre 1933 begann, auch 1955 ihren Fortgang nahm; die zahlreichen seither erfolgten Enthüllungen hatten keine Kurskorrektur zur Folge gehabt. Unter diesem Umständen ist zu befürchten, dass die Ressourcen Amerikas in einem künftigen dritten Krieg ebenfalls zur Verwirklichung eines langfristigen Plans zur Errichtung einer weltweiten kommunistischen Diktatur missbraucht werden könnten (wir erinnern daran, dass Lenin prophezeit hatte, ein dritter Weltkrieg werde dem Kommunismus global zum Durchbruch verhelfen). Nach einem neuen Pearl Harbour würde die betrogene Masse dann abermals Demagogen auf den Leim gehen und sich für »hohe Ideale« ereifern, doch das Ergebnis des Krieges würde in direktem Gegensatz zu diesen Idealen stehen.

 

Die Unterwanderung des Westens beschränkte sich keinesfalls auf die Vereinigten Staaten von Amerika, sie machte vor keinem westlichen Staat halt. Wenn wir uns in diesem Kapitel auf die Analyse der Vorgänge in den USA konzentrieren, dann darum, weil Amerika dermaßen stark und reich ist, dass der Gebrauch – oder Missbrauch – seiner Stärke und seines Reichtums den Ausschlag geben wird. Doch in Großbritannien, dem Mutterland der englischsprachigen Nationen in Übersee und in den beiden größten dieser Nationen – Kanada und Australien – verlief die Entwicklung ganz ähnlich.

 

Schon bald nach Kriegsende wurde das Ausmaß der kommunistischen Subversion in Kanada enthüllt. Die kanadische Regierung ordnete darauf umfangreiche Untersuchungen an, deren Ergebnisse der Öffentlichkeit in vollem Ausmaß bekannt gemacht wurden und den Anstoß zu Ermittlungen in Amerika, England und Australien gaben; freilich wurden letztere in diesen drei Ländern längst nicht so energisch geführt wie in Kanada und die Bevölkerung wurde auch nicht so umfassend informiert. Unter Einsatz seines eigenen Lebens hatte ein Russe die kanadische Regierung darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihre Ministerien und Büros von Agenten und Spionen infiltriert waren und dass sich das Zentrum dieses subversiven Netzwerks in der sowjetischen Botschaft in Ottawa befand. (Obgleich solche Enthüllungen in diesem und in anderen Fällen von Russen ausgingen, hetzten die Politiker und die Presse ihre Völker auch weiterhin gegen »die Russen« auf – als ob das russische Volk nicht selbst zu den Opfern der revolutionären Verschwörung gehörte.)

 

Dass gerade in Kanada umfangreiche Ermittlungen angeordnet und deren Resultate der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, lässt sich vermutlich damit erklären, dass der kanadische Premierminister Mackenzie King zwar ein gewiefter Politiker, doch zugleich ein einfacher Mann war, dessen Hauptinteresse der Kommunikation mit der Geisterwelt galt. Nachdem ihm Dokumente vorgelegt worden waren, welche belegten, dass der sowjetische Überläufer Igor Gusenko die Wahrheit gesagt hatte, war er davon überzeugt, dass sich Kanada in einer so ernsthaften Lage befand wie noch nie zuvor. Er setzte sich unverzüglich mit Roosevelts Nachfolger Harry Truman sowie Churchills Nachfolger Clement Attlee in Verbindung und wies sie warnend darauf hin, dass die Situation diesen Dokumenten zufolge in den USA und England noch bedrohlicher war als in Kanada.

 

Zum damaligen Zeitpunkt hatten die von Whittaker Chambers erbrachten dokumentarischen Beweise für die Existenz eines sowjetischen Netzwerks im US-Außenministerium, in dessen Zentrum Alger Hiss saß, zwei amerikanischen Präsidenten seit sechs Jahren vorgelegen, waren von ihnen jedoch ignoriert worden. Noch drei Jahre später bezeichnete Truman dergleichen Enthüllungen als »Ammenmärchen«. Die Entlarvung von Alger Hiss und seinen Kumpanen erfolgte bei einem Prozess, der nur darum zustande gekommen war, weil eine Handvoll Patrioten, darunter der spätere Vizepräsident Richard Nixon, ihre Regierung gezwungen hatten, mit der Wahrheit herauszurücken. Auf die Hiss-Affäre folgte eine Fülle weiterer Enthüllungen und es kamen Beweise dafür ans Licht, dass es in den amerikanischen Ministerien auf allen Stufen nur so von sowjetischen Wühlmäusen wimmelte. Zu diesem Thema gibt es inzwischen so viele Bücher, dass wir sie unmöglich alle erwähnen und zusammenfassen können; sie sind im höchsten Masse beweiskräftig und viele von ihnen stammen aus offiziellen Quellen, denn nach langem Sträuben sah sich die US-Regierung genötigt, zumindest einen Teil der Fakten publik zu machen.

 

In England blieb die Regierung ungeachtet der Warnungen des kanadischen Premierministers sechs Jahre lang untätig und leitete keinerlei Schritte ein, um die von einem so erfahrenen Staatsmann wie Mackenzie King enthüllte Gefahr zu bekämpfen. Dann, anno 1951, geschah folgendes: Zwei Beamte des Außenministeriums – ein älterer, erfahrener, sowie ein junger, aber bereits in eine verantwortungsvolle Position aufgerückter Mann – »verschwanden« plötzlich. Später wurde bekannt, dass sie sich nach Moskau abgesetzt hatten, weil sie fürchteten, entlarvt zu werden wie Alger Hiss in Amerika. Beide Männer waren als zwielichtige Charaktere bekannt; dass sie im Außenministerium Karriere gemacht hatten, war nur dadurch möglich geworden, dass irgendjemand seine schützende Hand über sie gehalten hatte. Während der folgenden vier Jahre weigerten sich die britischen Regierungen, die sozialistische ebenso wie die konservative, beharrlich, öffentliche Untersuchungen durchzuführen oder der Öffentlichkeit irgendwelche Einzelheiten über den Skandal bekanntzugeben; sie begnügten sich mit der dürren Erklärung, es werde »in allen Richtungen ermittelt«. 1955 gab das englische Außenministerium dann plötzlich bekannt, dass die beiden Männer schon seit 1949 (also zwei Jahre vor ihrer Flucht in die UdSSR!) im Verdacht gestanden hatten, Geheiminformationen an die Sowjets weiterzuleiten. Dieses Eingeständnis kam übrigens keineswegs spontan zustande, sondern erfolgte, nachdem Wladmir Petrow von der sowjetischen Botschaft in Canberra (also abermals ein Russe !) die Seiten gewechselt und enthüllt hatte, dass diese beiden Männer; Guy Burgess und Donald MacLean, bereits zwei Jahrzehnte zuvor, in der ersten Hälfte der dreißiger Jahre, als Studenten an der Universität Cambridge von den Sowjets für Spionagedienste angeheuert worden waren. Die Umgarnung junger, unerfahrener und leicht verführbarer Männer wird schon in den Weishaupt-Dokumenten und später in den Protokollen der Weisen von Zion als erfolgversprechende Strategie empfohlen; der Fall Alger Hiss in den USA stellte eine exakte Parallele zu den Fällen Burgess und MacLean in Großbritannien dar. Unmittelbar nach dem verspäteten Eingeständnis des britischen Außenministeriums wurden die beiden Spione in Moskau bei einer internationalen Pressekonferenz stolz als Beamte des sowjetischen Außenministeriums vorgeführt (was die britische Regierung freilich nicht daran hinderte, die Kreml-Bosse Chruschtschow und Bulganin schon bald darauf nach London einzuladen).

 

Die Enthüllungen Petrows brachten eine Lawine ins Rollen. In Australien, dem vierten großen englischsprachigen Land, in dem die Agenten der Revolution ihre Tentakel ausgeworfen hatten, wurde eine aus drei Richtern bestehende Königliche Untersuchungskommission ins Leben gerufen. Die von ihr durchgeführten Ermittlungen waren und blieben die einzigen, die sich mit der neun Jahre zuvor in Kanada erfolgten vergleichen lassen und fielen recht gründlich aus. In dem am 14. September 1955 erschienenen öffentlichen Bericht hieß es, die Sowjetbotschaft in Canberra habe ab 1943 »in Australien eine Spionageorganisation kontrolliert und geleitet«; sowjetische Spione seien auf australischem Boden weiterhin über Untergrundagenten tätig, die als Immigranten ins Land gelangt seien. Der australische Außenminister R. Casey hielt damals fest, im Beamtenapparat seines Landes gebe es »ein Nest von Verrätern«. Seine Worte bestätigten, was Mackenzie King ein Jahrzehnt zuvor gesagt hatte und lieferten den Beweis dafür, dass während dieses Jahrzehnts in keinem der vier betroffenen Staaten irgendwelche ernstzunehmenden Maßnahmen erfolgt waren, um der tödlichen Gefahr Herr zu werden.

 

Einer der Hauptgründe hierfür lag darin, dass (mit einer Ausnahme) sämtliche von Regierungen, Parlamenten und Justizbehörden eingeleiteten Ermittlungskommissionen die Öffentlichkeit statt mit Informationen vorwiegend mit Desinformation belieferten, indem sie sich auf den – in Wahrheit nebensächlichen – Aspekt der Spionage konzentrierten. Dass Großmächte seit jeher versucht haben, mit Hilfe von Spionen und Agenten militärische und andere Geheimnisse in Erfahrung zu bringen, ist allgemein bekannt, so dass nicht einmal das bedrohliche Ausmaß der bekannt gewordenen sowjetischen Spionagetätigkeit die Massen sonderlich in Wallung zu versetzen vermochte. Man war allgemein der Ansicht, hierfür sei die Spionageabwehr zuständig.

 

Somit lenkten die Untersuchungskommissionen die Allgemeinheit von der wirklichen Gefahr ab. Diese bestand nicht im Diebstahl von Dokumenten, sondern darin, dass die Revolution durch ihre Agenten die Politik der westlichen Staaten auf höchster Ebene kontrollierte. Ansonsten wäre es nie möglich geworden, dass die UdSSR nicht nur ungeheuer umfangreiche Lieferungen von Waffen und Ausrüstungsgegenstände sowie massive Finanzhilfe erhielt, sondern dass darüber hinaus die Planung militärischer Operationen sowjetischen Interessen untergeordnet wurde und westliche Spitzenpolitiker dem revolutionären Staat bei Gipfeltreffen Zugeständnisse machten, die seine maximale territoriale Ausdehnung und militärische Stärkung zur Folge hatten.

 

Erst dank dem Hiss-Prozess sowie den durch diesen ausgelösten zahlreichen weiteren Ermittlungen kamen diese Fakten wenigstens teilweise ans Licht. Es stellte sich heraus, dass die Agenten der Revolution in den Spitzenpositionen der politischen Macht hockten, was ihnen die Möglichkeit bot, die Politik der betreffenden Nationen zu beeinflussen und deren Ressourcen in den Dienst des revolutionären Staates zu stellen. Die kommunistischen Agenten haben der UdSSR geheime Dokumente geliefert, doch aus sowjetischer Sicht war dies längst nicht ihr Hauptverdienst. Weitaus schwerer fiel ins Gewicht, dass sie maßgeblich zur Gestaltung der politischen Landkarte beitrugen, der sich Europa – und die Welt – heute gegenübersieht.

 

Eine Schlüsselrollte bei dieser Entwicklung spielten Alger Hiss und Harry Dexter White. Nach Abschluss seiner Universitätsstudien in den dreißiger Jahren machte Hiss in den USA ebenso rasch Karriere wie sein Gegenstück Donald MacLean in England. 1939 wurde er von einem anderen ehemaligen Kommunisten, der sich nach dem gemeinsamen Angriff Hitlers und Stalins auf Polen vom Kommunismus losgesagt hatte, als Sowjetagent entlarvt – was die beiden amerikanischen Präsidenten Roosevelt und Truman freilich nicht daran hinderte, ihn weiterhin emsig zu protegieren. In Jalta gehörte er zu Roosevelts Entourage (auch bei separaten Treffen mit Stalin) und die Auslieferung Osteuropas an die Revolution ist untrennbar mit seinem Namen verbunden; hieran ließ sein Prozess, der ein grelles Licht auf seine Aktivitäten warf, keine Zweifel. Die internationale Verschwörergruppe, die während jener chaotischen Zeit die Fäden zog, brachte ihm so großes Vertrauen entgegen, dass er im April 1945 zum ersten Generalsekretär der in San Francisco gegründeten Vereinten Nationen ernannt wurde. Somit stand ein Agent der Revolution Pate, als die UNO das Licht der Welt erblickte!

 

Wie entscheidend die Rolle war, die Hiss in Jalta gespielt hat, lässt sich einigen aufschlussreichen Zitaten entnehmen. Der nominelle Außenminister Edward Stettenius erteilte dem Personal seines Ministeriums an Vorabend der Konferenz folgende Anweisung: »Sämtliche für den Präsidenten bestimmten Memoranden, die beim Treffen der Großen Drei erörtert werden sollen, sollten nicht später als Montag den 15. Januar in den Händen von Herrn Hiss sein.« Hiss erhielt also freien Zugang zu den Dokumenten, die das Außenministerium für Roosevelt erstellt hatte und in denen es um die Fragen ging, von denen man annahm, dass sie beim Gipfel von Jalta zur Sprache kommen würden. Der ehemalige Außenminister James F. Byrnes, der als Direktor des Amtes für Kriegsmobilisierung in Jalta zugegen war, äußerte sich wie folgt:

 

»So weit ich sehen konnte, hatte sich der Präsident nur sehr oberflächlich auf die Jalta-Konferenz vorbereitet… Erst am Tag vor unserem Zwischenhalt in Malta erfuhr ich, dass wir ein außerordentlich umfangreiches Dossier mit vom Außenministerium erstellten Memoranden und Empfehlungen an Bord hatten… Später, als ich einige dieser hervorragenden Memoranden zu Gesicht bekam, bedauerte ich aufs lebhafteste, dass wir sie während unserer Seefahrt nicht studiert hatten. Ich bin sicher, dass dieses Versäumnis auf die Krankheit des Präsidenten zurückging.«

 

Die von den professionellen Experten im Außenministerium entworfenen Memoranden enthielten Ansichten über die künftigen Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion, die in Roosevelts Äußerungen bei der Jalta-Konferenz keinen Widerhall fanden – was angesichts der Tatsache, dass er diese Dokumente nicht studiert hatten, nur natürlich war. De facto wurde die amerikanische Regierungspolitik in Jalta von Alger Hiss formuliert. Außenminister Stettenius hielt fest, dass Hiss bei den offiziellen Konferenzen stets »hinter dem Präsidenten« stand und dass er, Stettenius, sich vor und nach all diesen Konferenzen mit Hiss »beriet«. In dem (gesäuberten) offiziellen Bericht über das Gipfeltreffen von Jalta wird die Rolle von Hiss nach Kräften heruntergespielt; er enthält lediglich Notizen und Anmerkungen aus seiner Feder, die keinen Aufschluss darüber verleihen, dass er in der Verschwörung eine Schlüsselposition innehatte. Bryton Barron, einer der beiden Historiker des Außenministeriums, die den Laufpass bekamen, weil sie sich geweigert hatten, die Geschichte zu verfälschen und offizielle Informationen unter den Teppich zu kehren, erklärte im Februar 1956 in Chicago öffentlich, wenn er dazu die Erlaubnis besäße, könne er »von Zwischenfällen berichten, welche die Macht von Hiss unter Beweis stellen… und zeigen, dass er auf höchster Ebene operierte«. Barron fügte hinzu, in der offiziellen Publikation fehlten Hinweise auf viele seiner »bedeutsamsten Aktivitäten während jener schicksalhaften Konferenz«.

 

Ende 1949 und Anfang 1950 stand Alger Hiss wegen Meineids vor Gericht (wegen Spionage konnte er aufgrund der inzwischen eingetretenen Verjährung nicht mehr angeklagt werden). Er wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er drei absaß. Dank der Tatsache, dass der Prozess gegen Hiss öffentlich war, ist sein Name bekannter als derjenige von Harry Dexter White, obgleich letzterer laut dem ausgewiesensten Kenner dieser Angelegenheit, Whittaker Chambers, ein womöglich noch höheres Maß an Verantwortung dafür trug, dass die Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika sowjetischen Interessen untergeordnet wurde.

 

Laut der amerikanischen Presse gibt es keine Geburtsurkunde eines Harry Dexter White und niemand weiß, wer dieser Mann wirklich war! Henry Morgenthau Junior, der als einziger während der ganzen zwölf Roosevelt-Jahre eine Position als Kabinettsminister bekleidete, besorgte »White« schon 1934 einen Posten im Finanzministerium. Dass er dort ebenso rasch Karriere machte wie Alger Hiss im Außenministerium, deutet darauf hin, dass er ein Günstling einflussreicher Kreise war. Unmittelbar nach Pearl Harbor erhielt er »freie Hand in allen finanzpolitischen Fragen, welche die internationalen Beziehungen betreffen«; später wurde er zu Morgenthaus Stellvertreter ernannt.

 

All diese Jahre hindurch war dieser Mann, dessen wahre Identität vermutlich für immer ein Geheimnis bleiben wird, ein sowjetischer Agent. Die Beweise hierfür wurden Roosevelt vorgelegt, aber von ihm ignoriert. Whittaker Chambers sagte aus, er habe von White bereits 1935 Geheimdokumente zur Weiterleitung an die Sowjetregierung erhalten. Nachdem sich Chambers 1939 aus Ernüchterung über den Hitler-Stalin-Pakt vom Kommunismus losgesagt hatte, war er bereit, mit Dokumenten herauszurücken, welche die verräterischen Aktivitäten von White (und Hiss) belegten, doch sah er sich dann genötigt, diese Papiere noch weitere neun Jahre lang in ihrem sicheren Versteck zu belassen, ehe er sie schließlich benutzte, um die von Hiss gegen ihn selbst angestrengte Verleumdungsklage zu kontern. Keine Regierungsinstanz hat es je für nötig erachtet, diese Dokumente zu studieren. Anlässlich einer Befragung durch das FBI im Jahre 1941 nannte Chambers den Namen White, ohne dass dies konkrete Maßnahmen zur Folge gehabt hätte: Das FBI vermochte es nicht, irgendeine Regierungsbehörde in dieser Frage zum Handeln zu bewegen, so dass White erst 1948 durch eine private Initiative entlarvt wurde.

 

Whites erste entscheidende Einflussnahme auf die Politik der USA erfolgte 1941. Laut zwei glaubhaften Experten, dem Harvard-Professor William Langer sowie S. Everett Gleason, dem Mitverfasser des Buchs The Undeclared War, war es White, der das amerikanische Ultimatum vom 26. November 1941 entwarf und Japan hiermit dazu veranlasste, »sich in den Krieg hineinmanövrieren zu lassen, indem es den ersten Schuss abfeuerte« (so die Formulierung des amerikanischen Kriegsministers Stimson). Dies bedeutet, dass White – vermutlich im Auftrag der Sowjets – maßgeblich dazu beitrug, die USA in den Zweiten Weltkrieg zu verwickeln.

 

Auch auf die Umstände, unter denen der Krieg zu Ende ging, nahm Harry Dexter White im Auftrag seiner sowjetischen Herren entscheidenden Einfluss. Nach allgemeiner Auffassung stammt der sogenannte Morgenthau-Plan in Wahrheit von ihm. In beiden Fällen wurde die amerikanische Außenpolitik also vom Finanzministerium und nicht etwa vom Außenministerium oder vom Kriegsministerium gestaltet, obwohl der amerikanischen Verfassung zufolge diesen beiden Departements in Kriegszeiten die Aufgabe obliegt, unter der Führung des Präsidenten die Außenpolitik des Landes zu lenken. Wie wir bereits gesehen haben, hatte White im Finanzministerium freie Hand in allen Fragen, welche die internationalen Beziehungen betrafen.

 

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist es in den USA allgemein üblich, Harry Dexter White als den Hauptschuldigen für diese verhängnisvolle Politik zu brandmarken, vermutlich weil man sich scheut, die Dinge beim Namen zu nennen und darauf hinzuweisen, dass die Verantwortung letztendlich bei Finanzminister Morgenthau lag, der White zu seinem Stellvertreter gemacht hatte. Im November 1941 hatte Morgenthau das von White entworfene Ultimatum an Japan unterzeichnet und im September 1944 hatte er seine Unterschrift unter den ebenfalls von White ausgearbeiteten Plan zur Zerstückelung Deutschlands gesetzt. In beiden Fällen hatte Präsident Roosevelt Morgenthaus Entscheidungen abgesegnet. Unter diesen Umständen ist es ein Ding der Unmöglichkeit, White zum alleinigen Sündenbock zu machen; er mag den Anstoß zu diesen Plänen gegeben haben, doch unterschrieben wurden sie von seinem Chef Morgenthau.

 

Die Entstehungsgeschichte des Morgenthau-Plans, der die Aufgliederung Deutschlands in kleine Provinzen, die Demontage seiner Industrie, die Überflutung seiner Bergwerke sowie seine Umwandlung in ein Weideland vorsah, wurde 1947 vom damaligen Finanzminister Fred Smith geschildert. Diesem zufolge kam der Plan erstmals bei einem Treffen zwischen Eisenhower, Morgenthau und White zur Sprache, die am 7. August 1944 in Eisenhowers Zelt in Südengland stattfand und bei der Smith zugegen war. Damals habe White die Behandlung Deutschlands nach dessen Kapitulation zur Sprache gebracht; Eisenhower habe gesagt, er hoffe, dass man hart mit den Deutschen umspringen werde, denn die gesamte deutsche Bevölkerung sei von »kollektiver Paranoia« befallen. White habe Eisenhower um die Erlaubnis gebeten, diese Worte öffentlich zitieren zu dürfen und der General habe zugestimmt. Im Anschluss an diese Unterredung habe Morgenthau den nach ihm benannten Plan formuliert und sich nach London begeben, um sich der Unterstützung Churchills und Edens zu versichern; anschließend sei er nach Amerika zurückgeflogen, um sein Vorhaben Präsident Roosevelt zu unterbreiten.

 

Schenkt man Fred Smith Glauben, so war das Außenministerium in Washington bis dahin nicht über die Aktivitäten Morgenthaus im Bild. Der Präsident stand dem Plan offenbar skeptisch gegenüber und gründete ein Komitee zu dessen Überprüfung, dem neben Morgenthau auch der Außen- sowie der Verteidigungsminister angehörten. Dies führte zu »einer Explosion, wie sie sich in den heiligen Hallen des Weißen Hauses noch nicht ereignet hatte«; sowohl Außenminister Hull als auch Kriegsminister Stimson reagierten mit heftiger Ablehnung. Nichtsdestoweniger ließ sich Roosevelt bei seinem Treffen mit Churchill in Quebec von Morgenthau begleiten, während Hull und Stimson zu Hause bleiben mussten. Churchill machte kein Hehl aus seiner Verwunderung hierüber, doch unterzeichnete er gemeinsam mit Roosevelt den »Morgenthau-Plan«, der eigentlich »White-Morgenthau-Plan« hätte heißen müssen.

 

Somit billigten sowohl Roosevelt (gegen den flammenden Protest der beiden für die Außenpolitik zuständigen Minister) als auch Churchill (ungeachtet seiner zahlreichen anderslautenden Erklärungen) einen Rachefrieden. Beide haben sich später von ihrer Unterschrift distanziert. Churchill sagte, er »bedaure«, den Plan unterzeichnet zu haben, erklärte jedoch nicht, weshalb er dies getan hatte (was James F. Byrnes zu dem zurückhaltenden Kommentar bewog, dies sei »schwer verständlich«). Roosevelt versuchte laut der Darstellung Robert A. Sherwoods (Roosevelt and Hopkins) den Eindruck zu erwecken, er habe seine Unterschrift versehentlich unter ein von verschiedenen Ministerien gemeinsam entworfenes Memorandum gesetzt, ohne dieses überhaupt gelesen zu haben. Hierzu habe er sich von einem »alten, geschätzten Freund« überreden lassen. Dass es sich bei diesem »Freund« um Morgenthau handelte, unterliegt keinem Zweifel. Stimson sagte später, der Präsident sei »geradezu erschrocken« gewesen und habe »schlicht und einfach nicht begriffen«, wie er seine Unterschrift unter ein solches Dokument habe setzen können; er habe dies »offenbar getan, ohne sich große Gedanken darüber zu machen«.

 

Den Massen wurden vorgegaukelt, man habe den Irrtum rechtzeitig erkannt und den »Morgenthau-Plan« aufgegeben. In der Tat wurden die deutschen Fabriken nicht demontiert und die deutschen Bergwerke nicht überflutet. Dies änderte jedoch nichts daran, dass der Geist der Rache, der den White-Morgenthau-Plan prägte, trotz allem triumphierte. Morgenthau mochte sich mit seinem (von Roosevelt bei der Jalta-Konferenz in halb scherzhaftem Ton wiederholten) Vorschlag, die »Erzverbrecher« ohne fairen Prozess hinrichten zu lassen, nicht durchgesetzt haben, aber die nach Kriegsende durchgeführten »Kriegsverbrecherprozesse« waren für den Westen ein Schandfleck. Die Teilung Deutschlands – die de facto nur einen Bestandteil der Teilung Europas bildete – barg mehr Gefahren in sich als eine Zerstückelung Deutschlands in Provinzen. Vor allem aber kehrte der Westen durch seine Zustimmung zur Sklavenarbeit einen zivilisatorischen Prozess um, der im 19. Jahrhundert begonnen hatte. (Es spricht Bände, dass es die Regierung der USA noch elf Jahre später ablehnte, einer von der International Labour Organisation unterbreiteten Konvention zur Ächtung der Sklavenarbeit beizutreten; der Grund lag offensichtlich darin, dass Roosevelt das Jalta-Abkommen unterzeichnet hatte, das unter anderem die Deportation von Deutschen zur Zwangsarbeit vorsah.)

 

Somit spukt der Geist des verblichenen »Harry Dexter White« auch weiterhin umher, denn der verhängnisvolle Einfluss, den dieser Sowjetagent sowie seine Helfershelfer auf die amerikanische Regierungspolitik ausgeübt haben, lässt für die Zukunft nichts Gutes ahnen. Nach Kriegsende erfreute sich White der ungebrochenen Wertschätzung des neuen Präsidenten Truman, wurde er doch von diesem zum Vorsitzenden bei den zwei großen internationalen Konferenzen ernannt, die das Ziel verfolgten, die Nationalstaaten schrittweise abzuschaffen und durch ein »internationales Direktorat« – also eine Weltregierung – zu ersetzen. Die erste davon war die Gründungskonferenz der Vereinten Nationen, bei der Alger Hiss den Vorsitz führte. Die zweite war die Finanzkonferenz von Bretton Woods, bei der die Weltbank sowie der Internationale Währungsfonds aus der Taufe gehoben wurden. Nachdem White diese richtungsweisende Konferenz organisiert hatte, wurde er zum amerikanischen Exekutivdirektor des Internationalen Währungsfonds ernannt. Somit war der oberste Repräsentant der US-Regierung bei jeder der beiden Konferenzen, die der Vorbereitung einer Weltregierung dienten, ein sowjetischer Agent!

 

Ehe Roosevelts Nachfolger Harry Truman »Harry Dexter White” am 23. Januar 1946 öffentlich zum Organisator der Konferenz von Bretton Woods ernannte, hatte das F. B. I. das Weiße Haus mehrmals über dessen geheime Umtriebe in Kenntnis gesetzt, letztmals am 8. November 1945 mittels einer an den persönlichen militärischen Adjutanten Trumans gerichteten Sonderbotschaft, in der White ohne Umschweife als Agent und Spion gebrandmarkt wurde. Nachdem letzterem die Organisation der Konferenz von Bretton Wood anvertraut worden war, stellte F.B.I.-Chef Edgar Hoover dem Weißen Haus am 1. Februar 1946 eine weitere, unmissverständlich formulierte Warnung zu. Falls Whites Ernennung bestätigt würde, schrieb Hoover, werde er »die Macht haben, die Entscheidungen über sämtliche internationalen finanziellen Vereinbarungen in hohem Maße zu beeinflussen«. Hoovers Warnung verhallte ungehört und am 1. Mai 1946 wurde Whites Ernennung bestätigt. Siebeneinhalb Jahre später, am 17. November 1953, gab der amerikanische Generalstaatsanwalt Herbert Brownell Junior diese Fakten öffentlich bekannt. In seiner Antwort unterließ Truman jeglichen Hinweis auf die Warnung vom November 1945 und hielt fest, dass er die Ernennung Whites bestätigt hatte, nachdem er die im Februar 1946 erhaltene Warnung überprüft hatte!

 

Im April 1947, kurz vor der Entlarvung von Alger Hiss, trat White »aus Gesundheitsgründen« von seinem Posten zurück. Im August 1948, als kein Zweifel mehr an seiner Schuld bestand und seine öffentliche Demaskierung nur noch eine Frage der Zeit war, wurde er vor das Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten geladen, wo er bestritt, je ein Teilnehmer an der Verschwörung gewesen zu sein. Anschließend wurde ihm privat besonders belastendes Beweismaterial vorgelegt (heute sind diese Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich); drei Tage später wurde er tot aufgefunden und nach jüdischem Ritual bestattet. Ob eine Autopsie vorgenommen wurde, ist ungeklärt und sein Tod ist auch weiterhin nicht minder mysteriös als seine Herkunft.

 

Fast sieben Jahre später, am 3. Januar 1955, berichtete das Kongresskomitee für innere Sicherheit:

 

»1. Alger Hiss, Harry Dexter White und ihre Helfer in der kommunistischen Untergrundbewegung innerhalb der Regierung besaßen während des Zweiten Weltkriegs und unmittelbar danach die Macht, tiefgreifenden Einfluss auf die amerikanische Politik und die Politik der internationalen Organisationen auszuüben.« (Die letzten Kriegs- sowie die ersten Nachkriegsjahre waren die entscheidende, brandgefährliche »Periode der Verwirrung«, von der ich früher gesprochen habe.)

 

»2. Sie hatten die Macht, tiefgreifenden Einfluss auf die Schaffung sowie die Operationen der Vereinten Nationen mitsamt ihrer Sonderagenturen auszuüben.

 

3. Diese Macht beschränkte sich nicht auf die offiziell von ihnen bekleideten Ämter. Sie äußerte sich darüber hinaus darin, dass sie Zugang zu höher gestellten Beamten sowie Einfluss auf diese hatten und dass sie die Möglichkeit besaßen, Informationen, von denen die Politik ihrer Vorgesetzten abhängen konnte, diesen vorzulegen oder vorzuenthalten.

 

4. Hiss, White und eine beträchtliche Anzahl ihrer Kollegen, welche die amerikanische Außenpolitik sowie die Politik internationaler Organisationen in kritischen Jahren mitgestalteten, sind als geheime kommunistische Agenten entlarvt worden.«

 

Hier könnte man der Versuchung erliegen, erleichtert aufzuseufzen und »Ende gut, alles gut!« auszurufen, doch wäre ein solcher Optimismus nichts als Selbsttäuschung. Gewiss, in früheren Zeiten hätte die Enthüllung und Bekanntmachung eines solchen Skandals seitens einer vom Parlament ernannten Untersuchungskommission erstens rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen und zweitens Maßnahmen zur Verhütung einer Wiederholung dieser Vorkommnisse zur Folge gehabt. Da ich mich damals in den USA aufhielt, kann ich jedoch bezeugen, dass kaum Lehren aus diesen Geschehnissen gezogen wurden. Der Hauptgrund dafür war, dass der gesamte Prozess der Untersuchungen und Enthüllungen von einer intensiven Pressekampagne begleitet wurde, die sich nicht etwa gegen die Schuldigen und die Verschwörung, sondern gegen die Ermittler und Enthüller richtete.

 

Hier wiederholte sich die Geschichte der Periode nach der Französischen Revolution, als Warner wie Morse, Barruel und Robison von der Presse kübelweise mit Schmutz übergossen worden waren. Sollte ein künftiger Historiker auf den Gedanken verfallen, die Presse jener Jahre zu studieren, so wird er entdecken, dass jene, die nach einer Untersuchung der Vorfälle und nach Maßnahmen zur Verhinderung ihrer Wiederholung riefen, mit Kaskaden von wüsten Schimpfwörtern bedacht, die entlarvten und oft auch rechtskräftig verurteilten Agenten der Verschwörung jedoch mit Samthandschuhen angefasst wurden. Er wird mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass die Journaille einen Mann wie Alger Hiss über den grünen Klee lobte, aber kein gutes Haar an dem reuigen Ex-Kommunisten Whittaker Chambers ließ, der sich gegen die verleumderischen Behauptungen von Hiss wehrte und hierdurch dessen Entlarvung herbeiführte.

 

Zum Watschenmann Nummer eins der Gazetten wurde Senator Joseph McCarthy, der so systematisch und massiv verunglimpft wurde wie ein Jahrzehnt zuvor der antikommunistische texanische Politiker Martin Dies, Mitbegründer des Komitees zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten, dessen Politkarriere durch diese Hetze beendet wurde. Zur Verdummung der Massen wurde ein neues Schlagwort geprägt – »McCarthyismus«. Dieser Ausdruck wurde zu einem Synonym für »Hexenjagd«; wer angesichts der fortschreitenden kommunistischen Unterwanderung eine Untersuchung forderte und sich für eine Kurskorrektur aussprach, dem wurde alsbald die Etikette »McCarthyist« angeheftet. Die Medien gebrauchten dieses Wort dermaßen inflationär, dass es schließlich einen übleren Beigeschmack hatte als »Landesverräter«.

 

Der schicksalsträchtigste Augenblick der amerikanischen Nachkriegsgeschichte fiel ins Jahr 1954, als der Senat seinem Mitglied McCarthy eine Rüge erteilte. Zwei Jahre zuvor, anno 1952, hatten die Republikaner erstmals seit zwanzig Jahren wieder bei den Präsidentschaftswahlen triumphiert und ihren Kandidaten, General Dwight Eisenhower, ins Weiße Haus gebracht. Dass sie nach zwei Jahrzehnten wieder an die Macht gekommen waren, sorgte bei Mitgliedern und Anhängern der Republikanischen Partei für Hochstimmung; Eisenhowers Sieg war nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass er versprochen hatte, die kommunistische Infiltration der US-Regierung zu unterbinden. Zum damaligen Zeitpunkt war bereits allgemein bekannt, dass Roosevelt diese Infiltration während seiner langen Präsidentschaft geduldet und dass auch sein Nachfolger Truman nichts getan hatte, um ihr Einhalt zu gebieten. Zwei Jahre nach seinem Wahltriumph gab Eisenhower zu erkennen, dass er die »Methoden« McCarthys missbilligte. Hiermit gab er den Senator praktisch zum Abschuss frei und die Rüge, die ihm der Senat erteilte, war die logische Folge. Auch das American Jewish Commitee hatte sich nachdrücklich für diesen Schritt ausgesprochen. Wie schon oft zuvor in solchen Fällen war diese Kritik von jüdischer Seite für McCarthy der Anfang vom Ende und das ungeschriebene Gesetz, wonach eine Untersuchung kommunistischer Umtriebe unstatthaft ist, trat wieder in Kraft.

 

Diese Entwicklungen führten dem amerikanischen Wähler drastisch vor Augen, dass er, was den Kampf gegen die kommunistische Subversion betraf, keine echte Wahl hatte, weil die Position beider Präsidentschaftskandidaten in dieser Frage identisch war. Nachdem der Senat McCarthy mit der ausdrücklichen Unterstützung des Präsidenten einen Nasenstüber versetzt hatte, verliefen sämtliche ähnliche Untersuchungen im Sand. Von diesem Augenblick an hatten die Agenten der Revolution in Amerika wieder freie Hand und sie setzten den Prozess der Unterwühlung und Zersetzung fort, den die Verschwörung – hauptsächlich via ihrer Staragenten Alger Hiss und Harry Dexter White – während des Zweiten Weltkriegs betrieben hatte. Dieser Tatbestand macht die amerikanische Politik in einem künftigen Krieg unberechenbar und hochgradig gefährlich.

 

Wie erinnerlich heißt es in den Protokollen der Weisen von Zion, dem bekanntesten Dokument der Verschwörung, zu deren Agenten Männer wie Hiss und White gehörten, in Zukunft werde die Macht formell von »diktatorisch regierenden Premierministern« ausgeübt werden. Die Art und Weise, wie diese »diktatorisch regierenden Premierminister« auf die Umtriebe der Aufrührer reagieren – oder genauer gesagt nicht reagieren – entspricht genau den Voraussagen dieser Protokolle. In Protokoll Nr. 19 liest man, nach der Errichtung der Weltregierung werde Aufruhr mit »Diebstahl, Mord und allerlei anderen schmutzigen und abscheulichen Verbrechen gleichgestellt werden«. Das Protokoll fährt fort: »Wir haben unser bestes getan, um zu erreichen, dass die Nationalstaaten beim Kampf gegen aufrührerische Aktivitäten nicht zu diesem Mittel greifen. Aus diesem Grund haben wir durch die Presse, in Reden und auf indirektem Wege… die Idee verbreitet, dass die Aufrührer Märtyrer für die Sache des Gemeinwohls sind.«

 

Alger Hiss wurde von den Zeitungen aller politischen Schattierungen lange als Märtyrer dargestellt, während Senator McCarthy, der »beim Kampf gegen aufrührerische Aktivitäten zu diesen Mitteln [d. h der Kriminalisierung solcher Aktivitäten] greifen wollte« (um die Formulierung der Protokolle aufzugreifen), als Neandertaler verhöhnt wurde. Somit ermöglichte die im Verlauf der beiden vorhergehenden Jahrzehnte errungene Kontrolle über die Presse den Verschwörern, die Nationalstaaten an der Ausmerzung der Subversion zu hindern. In den Zionistischen Protokollen heißt es hierzu: »Wir werden einen sicheren Triumph über unsere Gegner erringen, weil ihnen keine Presseorgane zur Verfügung stehen werden, in denen sie ihre Ansichten vollständig und ungehindert werden darlegen können.«

 

In Amerika, das heute den Schlüssel zur Zukunft des Westens in den Händen hält, wird die Situation zusätzlich durch die Existenz einer Institution erschwert, die befugt ist, sich massiv in den politischen Entscheidungsprozess einzumischen. Der Oberste Gerichtshof der USA, dem bei Streitigkeiten zwischen der Föderalen Regierung in Washington und den Regierungen der achtundvierzig Bundesstaaten über die Verfassungsmäßigkeit dieses oder jenes Gesetzes das Entscheidungsrecht zusteht, entscheidet oft über Fragen, für die in anderen parlamentarisch regierten Staaten nicht die Judikative, sondern die Legislative zuständig wäre. Dazu kommt, dass die Angehörigen dieses Gerichts nach politischen Gesichtspunkten (d. h. nach ihrer Parteizugehörigkeit) gewählt werden, keineswegs immer professionelle Juristen sind und in manchen Fällen noch nicht einmal eine juristische Ausbildung besitzen. Die Gefahr, dass eine solche Institution ihre Entscheidungen bisweilen nach rein politischen Kriterien fällt, liegt auf der Hand. Ein anschauliches Beispiel hierfür bietet der Entscheid des Obersten Gerichtshof vom 2. April 1956, als er die von der Justiz des Staates Pennsylvania ausgesprochene Verurteilung eines Kommunisten, dem Verstöße gegen das Gesetz zur Ächtung aufrührerischer Aktivitäten zur Last gelegt worden waren, kurzerhand aufhob. In seinem Urteil hielt der Oberste Gerichtshof fest, hinsichtlich »aufrührerischer Aktivitäten« besitze einzig und allein der Kongress ein Entscheidungsrecht und die einzelnen Bundesstaaten seien nicht befugt, hier eine eigenständige Gesetzgebung einzuführen oder auf eigene Faust gegen aufrührerische Kreise vorzugehen. Zu damaligen Zeiten gab es in zweiundvierzig der achtundvierzig US-Bundesstaaten Gesetze gegen Aufruhr. Falls das erwähnte Urteil des Obersten Gerichts nicht durch einen Sondererlass des Kongresses für ungültig erklärt wird, werden die betreffenden zweiundvierzig Staaten sämtliche Möglichkeiten einbüßen, gegen die Subversion vorzugehen und werden in dieser Frage auf Gnade und Ungnade der Bundesregierung in Washington ausgeliefert sein – die, wie die Ereignisse des vergangenen Jahrzehnts mehrfach gezeigt haben, selbst von subversiven Elementen unterwandert ist. Auch dieses Urteil des Obersten Gerichtshofs ist im Lichte der zuvor zitierten Passage aus den Zionistischen Protokollen zu sehen.

 

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass der Zweite Weltkrieg den Anstoß zu einer Neuauflage des Völkerbundes gab, der seinerseits aus der »Liga zur Erzwingung des Friedens« hervorgegangen war. Es ist nur allzu offenkundig, dass die Vereinten Nationen ihren Namen von Anfang an zu Unrecht trugen und wenig mehr als ein Instrument zur Kontrolle über die Nationen sind, das nach Belieben gehandhabt werden kann. Die oben angeführten Schlussfolgerungen des Senatkomitees belegen, welche Rolle die Herren Alger Hiss, Harry Dexter White und Konsorten bei der Gründung und Gestaltung dieser Organisation gespielt haben. Ihr Ziel war augenscheinlich, die »weltweite Verbreitung der Revolution« (Lenin) sowie die Umwandlung der UNO in die von den Zionistischen Protokollen vorausgesagte Weltregierung. Das Gespenst eines globalen KZ-Regimes schimmert bereits in der »Völkermord-Konvention« durch, welche die »Zufügung psychischen Schadens« als »Verbrechen« gegen irgendwelche nicht näher genannten Gruppen definiert.

 

Wie sich die Dinge entwickeln werden, hängt davon ab, ob es den Nationalstaaten künftig gelingen wird, der Subversion Herr zu werden. In beiden Weltkriegen waren die Spitzenpolitiker und die »diktatorisch regierenden Premierminister« offensichtlich von Anfang an entschlossen, eine globale Organisation zu gründen und ihre Nationalstaaten dieser zu unterstellen. Dies war ihr eigenes Projekt und nicht dasjenige ihrer Völker, die niemals nach ihrer Meinung gefragt worden waren. Keine einzige Nation hat sich je freiwillig bereit erklärt, ihre Identität zu opfern und in einem Weltstaat aufzugehen, der von weiß Gott was für Leuten regiert wird. Ganz im Gegenteil: Im 20. Jahrhundert haben die Völker eindeutig bekundet, dass die Liebe zur eigenen Nation, ungeachtet aller Schicksalsschläge und Niederlagen, welche diese hinnehmen muss, für sie höher als alles andere steht. Diese Tendenz wird zweifellos noch zunehmen, mit dem Ergebnis, dass den Völkern eines Tages die Schuppen von den Augen fallen werden und die Idee der Völkervernichtung endgültig Schiffbruch erleiden wird.

 

Dies änderte freilich nichts daran, dass die Regierungschefs der kriegsführenden Staaten bei ihren Sitzungen sowie in ihren Telegrammen und Telefongesprächen, deren Inhalt nicht an die Öffentlichkeit drang, auf die Verwirklichung eines Projekts zur Schaffung einer neuen Weltordnung hinarbeiteten, dessen konkrete Durchführung nach Kriegsende subalternen Figuren wie Alger Hiss und Harry Dexter White anvertraut wurde. Bernard Baruchs Biograph weist darauf hin, dass Roosevelt schon lange vor seiner Wahl zum Präsidenten von dieser Idee förmlich besessen war und der künftigen Organisation den Namen »Vereinte Nationen« gab. Baruch selbst, der permanente Berater mehrerer amerikanischer Präsidenten, machte kein Hehl aus seiner Absicht, die Welt umzugestalten; laut seinem Biographen hat er immer wieder geprahlt: »Natürlich können wir die Welt in den Griff bekommen.«

 

Das vollständige Fehlen von Demut und Bescheidenheit ist der auffallendste Charakterzug all dieser Personen. Auch Churchill macht hier keine Ausnahme; obwohl er sich von den anderen Staatsmännern seiner Zeit insofern rühmlich unterschied, als er ernsthaft versuchte, den betrüblichen Ausgang des Zweiten Weltkriegs zu verhindern, hing er genau wie sie der Wahnidee an, die Welt nach seinem Gusto verändern zu können. Seine wohlbekannten markigen Sprüche wie »Ich bin nicht der erste Minister Seiner Majestät geworden, um über die Liquidierung des britischen Weltreichs zu wachen« lassen sich schwerlich mit seinem Enthusiasmus für ein Konzept vereinbaren, dessen Fernziel die Liquidierung aller Nationalstaaten war.

 

Fassen wir zusammen: Zu einem Zeitpunkt, wo der katastrophale Ausgang des Krieges bereits absehbar war, trugen sich die westlichen Staatschefs mit dem Gedanken an die Schaffung einer Weltregierung. Sie waren nicht imstande und auch gar nicht gewillt, einen echten Sieg zu erfechten, bildeten sich jedoch ein, die Welt auf den Kopf stellen zu können! Im Oktober 1944 sagte Churchill, er und die anderen westlichen Spitzenpolitiker dächten angestrengt über die Fragen nach, welche die Neuordnung der Welt aufwerfe. Im fernen Südafrika meldete sich wieder einmal General Smuts zu Wort und beharrte darauf, Sowjetrussland müsse bei der Neugestaltung der Verhältnisse mitentscheiden und in Washington mahnte Präsident Roosevelt, der revolutionäre Staat, der Hitler geholfen hatte, den Krieg zu beginnen, müsse ein »vorbehaltlos anerkanntes und gleichberechtigtes Mitglied einer jeden Vereinigung der Großmächte sein, die zur Verhinderung eines internationalen Krieges gegründet wird«. Roosevelt sah eine Periode der »Meinungsverschiedenheiten« und »Kompromisse« voraus, in der »das Kind« lernen werde, seine ersten Schritte zu machen. Churchill kommentierte, mit diesem »Kind«, sei ein »weltweites Instrument« gemeint und fortan benutzten die westlichen Führer mit Vorliebe diesen Ausdruck.

 

So waltete der Zweite Weltkrieg als Hebamme bei der Wiedergeburt der »Liga zur Erzwingung des Friedens«.

 

In allen Schaltzentralen der neugegründeten Weltorganisation sowie ihrer Filialen hockten Angehörige der Verschwörung, was angesichts der inzwischen wohldokumentierten Tatsache, dass die Herren Hiss und White die Chefs eines umfassenden Netzwerks von Agenten waren, nur logisch wirkte. Der erste wichtige Entscheid des neuen »weltweiten Instruments« war die Absegnung der Unterjochung halb Europas mittels Aufnahme der osteuropäischen Marionettenregime, welche die geknechteten Völker auf dem Papier vertraten.

 

Lenins Prophezeiung, ein zweiter Weltkrieg werde die Ausdehnung der Revolution herbeiführen, war also in Erfüllung gegangen. Hätten die Völker frei entscheiden können, so hätten sich die Dinge ganz anders entwickelt. Zweimal, 1919 in Ungarn und von 1936 bis 1939 in Spanien, war es Nationalstaaten vergönnt, den Kommunismus zu bekämpfen und in beiden Fällen vermochten sie die Bedrohung zu bannen. Dass andere Nationalstaaten hierzu nicht imstande waren, ging darauf zurück, dass ihre Regierungen von Agenten der Verschwörung unterwandert waren und dass die Gesetze, die eine Bekämpfung aufrührerischer Bestrebungen ermöglicht hätten, de facto außer Kraft gesetzt worden waren. Dies erlaubte es den Verschwörern, die Politik der betreffenden Staaten zu lenken, die Lieferung von Waffen und Ausrüstung in der von ihnen gewünschten Richtung zu kanalisieren und die Planung militärischer Operationen den Interessen der Revolution unterzuordnen.

 

 

 

24. Verweilen wir einen Augenblick bei diesem Thema. Oberst House forderte von Wilson, den jungen Sowjetstaat auf drei Ebenen zu unterstützen, der finanziellen, der industriellen und der moralischen. Am schwierigsten zu beantworten ist hier die Frage, in welchem Rahmen sich die finanzielle Hilfe bewegt haben könnte, die Washington dem bolschewistischen Regime angedeihen ließ. In zahlreichen Büchern wird behauptet, die »Wall Street-Banken« hätten Moskau riesige Summen zur Verfügung gestellt, doch verzichte ich darauf, diese Bücher auch nur zu erwähnen, weil ich den Wahrheitsgehalt der darin aufgestellten Behauptungen nicht überprüfen kann. Da derartige finanzielle Transaktionen unter strengster Geheimhaltung abzulaufen pflegen, dürfte es ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit sein, Einzelheiten darüber in Erfahrung zu bringen. Immerhin hat kein geringerer als Lenin selbst einen Hinweis auf den Umfang dieser Finanzhilfe geliefert. In einem Brief an Angelica Balbanoff, seine Stellvertreterin in Stockholm zur Zeit der kommunistischen Machtübernahme in Moskau, schrieb er nämlich: »Gebt Millionen aus, wenn nötig auch Dutzende von Millionen. Wir verfügen über jede Menge Geld.«

 

Außer Zweifel steht, dass Deutschland den bolschewistischen Verschwörern massiv unter die Arme gegriffen hat. Unter den 1945 von den Alliierten erbeuteten Dokumenten des deutschen Außenministeriums befindet sich ein vom 3. Dezember 1916 stammendes Telegramm des damaligen deutschen Außenministers Richard von Kuehlmann an den Kaiser, in dem es hieß: »Erst nachdem die Bolschewiken von uns über verschiedene Kanäle und unter verschiedenen Etiketten regelmäßige finanzielle Unterstützung erhalten hatten, waren sie in der Lage, ihr Hauptorgan, die Prawda, in so hoher Auflage zu verbreiten, dass sie damit energisch Propaganda betreiben und die ursprünglich schmale Basis der Partei erweitern konnten.« Der deutsche Außenminister, der offenbar denselben Illusionen erlegen war wie die westlichen Politiker der folgenden Generation, fügte hinzu: »Es liegt voll und ganz in unserem Interesse, den – möglicherweise kurzen – Zeitraum, während dessen sie [die Bolschewiken] an der Macht sind, auszunutzen…« Ein Unbekannter brachte hier folgende Randnotiz an: »Eine künftige Unterstützung der Bolschewiken kommt nicht in Frage.« Der Mann hatte offenbar nicht mit Hitler gerechnet…

 

Zu den betreffenden deutschen Dokumenten gehörte auch ein Bericht des deutschen Botschafters in Kopenhagen, Graf Brockdorff Rantzau, über die Aktivitäten eines »Russland-Experten« namens Dr. Helphand, der bei der Förderung der bolschewistischen Verschwörung die Finger im Spiel hatte. Darin hieß es: »Dr. Parvus [Pseudonym für Helphand] hat der Organisation eine Summe zur Deckung ihrer Kosten zur Verfügung gestellt… Nicht einmal die Herren, die bei dieser Organisation arbeiten, wissen, dass unsere Regierung dahinter steht.« Helphand schätze den zur »vollständigen« Organisierung der Revolution erforderlichen Betrag auf »ungefähr zwanzig Millionen Rubel«. Brockdorff-Rantzau erhielt aus Berlin grünes Licht zur Zahlung eines Vorschusses; Helphand stellte hierfür eine Quittung aus, die ebenfalls Bestandteil der erwähnten Dokumentensammlung bildet: »Erhalten von der deutschen Botschaft in Kopenhagen am 29. Dezember 1915 die Summe von einer Million Rubel in russischen Banknoten zur Förderung der revolutionären Bewegung in Russland. Gezeichnet: Dr. A. Helphand.” (Royal Institute of International Affairs Journal, London, April 1956.)

 

 

 

 

 

Kapitel 41  Die Talmudistische Rache

 

Ungeachtet der Proteste des amerikanischen Außenministers Hull, des amerikanischen Verteidigungsministers Stimson sowie der Berufsdiplomaten im britischen Außenministerium endete der Zweite Weltkrieg mit einem »Rachefrieden«. Da Rache niemals echten Frieden erzeugt, wäre es vielleicht angemessener zu sagen, dass der Krieg in eine Racheorgie ausmündete, welche womöglich die Saat zu einem neuen Krieg legte.

 

Indem die beiden »diktatorisch regierenden Premierminister« des Westens, die Herren Roosevelt und Churchill, ihre Unterschrift unter das Protokoll der Jalta-Konferenz setzten, übernahmen sie die Verantwortung für den bald darauf einsetzenden Rachefeldzug; dass sie nachträglich bedauerten, dieses Dokument unterzeichnet zu haben, vermag hieran nichts zu ändern. Somit übte der »christliche« Westen gemeinsam mit dem barbarischen Osten gnadenlose Rache an den Besiegten. Das Ziel des vorliegenden Kapitels besteht darin, zu ermitteln, bei wem die Verantwortung für diese Entwicklung ursprünglich lag; Roosevelts und Churchills Eingeständnis, dass sie unter dem Einfluss oder Druck irgendwelcher Hintermänner gehandelt hatten, oder dass sie gar nicht wussten, was sie da unterschrieben, beweist anschaulich, dass diese scheinbar allmächtigen Kriegsherrn in Wirklichkeit lediglich Befehlsempfänger waren.

 

Im Januar 1943 ließ Roosevelt erstmals erkennen, dass er auf Rache aus war, indem er in Casablanca »die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation [der Achsenmächte] plötzlich zum Prinzip erhob« (Cordell Hull). Die Formulierung »bedingungslose Kapitulation« hat einen alttestamentarischen Beigeschmack und bedeutet, dass man nicht gedenkt, dem Feind unter irgendwelchen Bedingungen Frieden zu gewähren. Hiermit stellte der amerikanische Präsident sämtliche zuvor von den westlichen Führern verkündeten Grundsätze auf den Kopf. Cordell Hull hielt fest, dass er und die anderen Minister zuvor nicht über diese jähe Kehrtwendung ins Bild gesetzt worden waren.

 

Churchill, schreibt er, sei »völlig verblüfft« hierüber gewesen, und das britische Außenministerium habe darum gebeten, diese Formulierung zu vermeiden. Churchill selbst sagte nach dem Krieg vor dem Unterhaus, er habe sich diese Forderung zu eigen gemacht, »aber erst nachdem sie vom [amerikanischen] Präsidenten ohne vorherige Absprache mit mir benutzt worden war«, und fügte hinzu: »Hätte man dem britischen Kabinett diese Formulierung vorgelegt, so hätte es sie abgelehnt.« – Trotz seiner negativen Erfahrungen bei der Jalta-Konferenz warb Churchill noch jahrelang für Gipfelkonferenzen zwischen dem Moskauer Diktator und den Führern Englands und Amerikas.

 

Wiederholen wir: Der Entscheid, eine Politik der Rache zu betreiben, fiel Anfang 1943 in Casablanca. Dies war der Hintergrund, vor dem der Morgenthau-Plan vom September 1944 zu sehen ist. (Ganz offensichtlich war dieser Plan in Moskau entworfen worden, wonach ihn Harry Dexter White für seinen Vorgesetzten Morgenthau formulierte und dieser ihn Präsident Roosevelt vorlegte, der ihn gemeinsam mit Churchill prompt unterzeichnete.) Roosevelts Forderung in Casablanca sowie der Morgenthau-Plan prägten die Atmosphäre der Konferenz von Jalta, bei der das verhängnisvolle Protokoll unterschrieben wurde. Dass sich Roosevelt und Churchill nachträglich vom Morgenthau-Plan distanzierten – ersterer hatte angeblich »keine Ahnung«, wie er »so etwas hatte unterzeichnen können«, und letzterer bekundete sein Bedauern ( »Ich hatte keine Zeit, den Morgenthau-Plan im Detail zu prüfen… Ich bereue, meine Unterschrift darunter gesetzt zu haben«) wirken reichlich hohl, denn immerhin signierten beide Männer bald darauf die Jalta-Akte, die den rachsüchtigen Geist des Morgenthau-Plans atmete.

 

Indem die beiden führenden Gestalten der westlichen Welt dieser Politik ihren Segen verliehen, fügten sie dem Abendland größeren Schaden zu, als es der Feind im Krieg vermocht hätte. Was durch Sprengstoff zerstört wird, kann wiederaufgebaut werden, aber geistige Werte, welche die Frucht jahrhundertelanger rastloser Bemühungen ganzer Nationen sind, lassen sich nur schwer wiederherstellen, wenn sie erst einmal zerstört sind. Der Osten verlor nichts, weil Rache seiner barbarischen Tradition entsprach (die durch die humanitären Reformen der Zaren im 19. Jahrhundert stark gemildert, jedoch anno 1917 von den Bolschewiken wieder eingeführt worden war). Im christlichen Westen bot sich die Lage anders dar.

 

Im Lauf von Jahrhunderten hatte das Abendland die Methoden der Kriegsführung Schritt für Schritt humanisiert, von der ungezügelten Grausamkeit primitiver Zeiten bis hin zu dem zivilisierten Kodex, der sich am Ende der Regierungszeit Ludwigs XIV. durchzusetzen begann. Die Nationen des Westens akzeptierten diesen Kodex in zunehmendem Maße. Er ächtete die willkürliche Tötung oder Misshandlung von Nichtkombattanten, untersagte das Plündern, gestand Feindsoldaten eine würdige Bestattung zu, legte fest, dass verwundete Feindsoldaten genau so zu verarzten sind wie eigene Verwundete, und schrieb die menschliche Behandlung Gefangener vor. Als Ergebnis der zunehmenden allgemeinen Respektierung dieser Grundsätze entstand eine internationale Organisation, deren Wahrzeichen das Kreuz war und die sich eines jeden Soldaten ohne Rücksicht auf seine Nationalität und seinen Rang annahm. Diese Bestrebungen, die Grausamkeiten des Krieges so weit wie möglich zu mildern, waren vermutlich der bisher größte Schritt in Richtung auf die von der Menschheit sehnsüchtig erhoffte Abschaffung des Krieges überhaupt. Von Waffengängen zu lesen, bei denen diese Gebote der Menschlichkeit beachtet wurden, ist erbaulich, während die Beschäftigung mit der Geschichte von Kriegen, bei denen sie mit Füßen getreten wurden, Ekel hervorruft.

 

Die Kriege des 19. Jahrhunderts wurden in Europa in immer stärkerem Masse gemäß dieses Kodex geführt, so dass ihre Geschichte das Bestreben des Menschen zeigt, selbst bei blutigen Auseinandersetzungen seine Würde zu wahren. Dies galt für den Krimkrieg ebenso wie für die drei Kriege, die Preußen auf dem Weg zur Einigung Deutschlands geführt hat (gegen Dänemark, Österreich und Frankreich). Sie wurden ehrenvoll ausgefochten und beendet. Der einzige große in einer westlichen Nation ausgetragene Krieg, der dieses Bild trübt, war der amerikanische Bürgerkrieg, bei dem die Besiegten nach Abschluss der Feindseligkeiten zu Opfern einer Racheorgie wurden. Dies wäre nicht geschehen, wäre Präsident Lincoln, der Friedensstifter und Einiger, nicht kurz vor dem Sieg der Nordstaaten ermordet worden. Die Hintergründe dieses Verbrechens sind bis zum heutigen Tage ungeklärt; manches deutet darauf hin, dass es von denselben Verschwörern in Auftrag gegeben wurde, welche die Ereignisse unseres eigenen Jahrhunderts nachweislich dermaßen entscheidend beeinflusst haben.

 

Von dieser einen Ausnahme abgesehen wurden Kriege zwischen westlichen Nationen auch weiterhin nach dem Kodex der Ritterlichkeit geführt. Ganz am Anfang des 20. Jahrhunderts fand in Südafrika der Burenkrieg statt. Hier einige Auszüge aus dem Tagebuch des Buren-Oberst Deneys Reitz, das beweist, wie gewissenhaft sich Männer im Krieg noch vor fünfzig Jahren an diesen Kodex hielten.

 

In einem britischen Gefangenenlager ereignete sich folgende Szene: »Ein Gefangener ersuchte um ein Gespräch mit meinem Vater. Sein Name war Winston Churchill… Er sagte, er sei kein Kombattant, sondern ein Kriegskorrespondent, und forderte daher seine Freilassung. Mein Vater erwiderte, er habe zum Zeitpunkt seiner Gefangennahme eine Mauser-Pistole getragen und müsse deshalb bleiben, wo er sei. Winston Churchill wandte ein, im Sudan trügen alle Kriegskorrespondenten Waffen zum Selbstschutz. Dieser Vergleich verstimmte meinen Vater, der ihn darauf hinwies, dass die Buren Nichtkombattanten nicht zu töten pflegten.«

 

Nach dem Sieg der burischen Truppen bei Spion Kop: »Wir verbrachten die nächsten ein oder zwei Stunden damit, den Ärzten vom englischen Roten Kreuz sowie den Trägern beim Begraben ihrer Toten sowie beim Wegschaffen ihrer Verwundeten zu helfen…«

 

Nach der Einnahme von Dundee durch die Buren: »Ich sah General Penn Symons, den Kommandanten der englischen Truppen. Er war tödlich verwundet worden, und die Krankenschwestern sagten mir, er werde die Nacht nicht überleben. Am nächsten Morgen traf ich eine Gruppe von Trägern, die seinen in eine Decke gehüllten Leichnam trugen, und ich begleitete sie zu dem Ort, wo sie ihn hinter der kleinen englischen Kapelle beerdigten.«

 

Nach einer Schlacht: »Wir überließen die Schwerverletzten den britischen Sanitätern, die sie mitnahmen… Die Engländer, ob Offiziere oder gewöhnliche Soldaten, verhielten sich durchwegs human. Dies war allgemein bekannt, so dass wir nie zauderten, einen verwundeten Kameraden den feindlichen Truppen zu überlassen; schließlich wussten wir genau, dass diese ihn in Sicherheit bringen und gewissenhaft verarzten würden. […] Wir sahen die Lichter eines Zugs, aber General Smuts erlaubte uns nicht, Felsbrocken auf die Schienen zu legen oder auf den Zug zu schießen, als er vorbeirollte, da er befürchtete, dadurch könnten Zivilisten zu Tode kommen. So standen wir regungslos da und konnten einen kurzen Blick auf Offiziere und andere werfen, die im Speisewagen saßen, ohne zu ahnen, dass sich im Dunkel Männer verbargen und sie beobachteten.«

 

Vor der burischen Kapitulation: »An Bord des britischen Schlachtschiffs Monarch verbrachten wir eine Woche unter sehr komfortablen Umständen, denn Offiziere und Soldaten überboten einander in ihrer Freundlichkeit uns gegenüber. Bei all ihren Fehlern sind die Briten eine großzügige Nation. Während der ganzen Zeit, die wir unter ihnen verbrachten, fiel kein einziges Wort, das unsere Gefühle oder unseren Stolz verletzt hätte, obgleich sie wussten, dass wir gekommen waren, um unsere Kapitulation auszuhandeln.«

 

So verhalten sich zivilisierte Männer im Krieg. Auch im Ersten Weltkrieg hielten sich beide Seiten an diese Gebote. Ich erinnere mich, wie die Briten ihre Kriegsgefangenen behandelten, und entsinne mich lebhaft an die Befreiung britischer Kriegsgefangener aus deutscher Hand während unseres letzten Vorstoßes: Beide Seiten verhielten sich gegenüber ihren Gefangenen gleichermaßen menschlich. Ein Verwundeter wurde nicht lange nach seiner Nationalität gefragt; geriet er dem Feind in die Hände, so verarztete und ernährte ihn dieser nicht weniger gut als seine eigenen Soldaten. Nichtkombattanten und Zivilisten wurden in Ruhe gelassen; Plünderung und Vergewaltigung waren streng verboten.

 

Was also führte dazu, dass der Westen diesen zivilisierten Kodex nach dem Zweiten Weltkrieg über Bord warf? Die Völker hatten sich im Lauf der vergangenen 27 Jahre nicht geändert; sie waren weder grausamer noch weniger gutmütig als zuvor. Sie waren durch eine Propaganda verblendet, die sie daran hinderte, die Handlungen ihrer Führer zu durchschauen. Diese Führer waren ihrem eigenen Eingeständnis nach entweder von anderen zu ihrem Treiben veranlasst worden oder »wussten nicht, was sie unterschrieben«. Dies gab den Anstoß zu der Racheorgie des Jahres 1945. Zivilisierten Menschen blieb nunmehr nichts anderes mehr übrig, als mit Edmund Burke zu seufzen: »Sie ist dahin, jene Treue gegenüber den Grundsätzen, jene Keuschheit der Ehre, die einen Fleck als Wunde empfand.«

 

Der Rückfall in die Barbarei erfolgte noch vor Kriegsende in Form wahllosen Bombenterrors gegen die Zivilbevölkerung eines bereits besiegten Landes, der somit das Recht auf einen sicheren Zufluchtsort verweigert wurde. Die Tötung von Zivilisten war die Hauptanklage, welche britische und amerikanische Politiker in beiden Weltkriegen gegen die Deutschen erhoben. Am 10. Februar 1945 sagte Roosevelt beim Gipfeltreffen von Jalta während einer privaten Unterredung mit Stalin, er sei gegenüber den Deutschen »blutrünstiger gesinnt« als früher. Am 13. und 14. Februar warfen britische und amerikanische Bomber viele Stunden lang ununterbrochen Brand- und Sprengbomben auf die Stadt Dresden ab, welche von Flüchtlingen (hauptsächlich Frauen und Kindern) überfüllt war, die vor den vorrückenden sowjetischen Truppen geflohen waren. Die Anzahl der Menschen, die an jenen beiden Tagen lebend verbrannt wurden oder unter Trümmerhaufen begraben wurden, wird vielleicht niemals bekannt werden; die Schätzungen schwanken zwischen 50.000 und 250.000. Die bisher veröffentlichten Dokumente vermitteln keinen Aufschluss darüber, wer diesen Akt der Barbarei angeordnet hat, und eine Diskussion zu dieser Frage wurde offenbar rigoros im Keim erstickt.

 

Bald nach dem Terrorangriff auf Dresden machten die anglo-amerikanischen Streitkräfte auf Befehl General Eisenhowers an der Elbe Halt und überantworteten somit Berlin, Wien, Prag sowie ganz Osteuropa der Roten Armee. Hiermit wurden Freund und Feind gleichermaßen verraten, und ein halber Kontinent wurde der Sklaverei preisgegeben. Noch schändlicher wurde dieser Verrat dadurch, dass die Truppen der Westalliierten Flüchtlinge aus den von den Sowjets eroberten Gebieten mit Gewalt daran hinderten, sich in die westlichen Besatzungszone abzusetzen; wir haben hierzu einen Augenzeugenbericht zitiert. Britische und amerikanische Soldaten richteten ihre Gewehre auf Menschen, die in vielen Fällen zu den Opfern Hitlers gehört hatten, sowie auf deutsche Frauen und Kinder. Einen traurigen Höhepunkt erreichte diese verräterische Politik bald darauf, als viele der Hunderttausende von Flüchtlingen, die sich rechtzeitig in den Westen durchgeschlagen oder die Absperrketten durchbrochen hatten, nun in Lagern einsaßen, festgenommen und an ihre Verfolger ausgeliefert wurden.

 

Mehr als ein Jahrhundert zuvor hatte England die Sklaverei in seinen Überseekolonien abgeschafft, Amerika unter Präsident Lincoln nach dem Bürgerkrieg von 1861 bis 1865. Mit den eben geschilderten Handlungen führten die Männer, die England und Amerika während des Zweiten Weltkriegs regierten, die Sklaverei 1945 in Europa wieder ein!

 

Mit den »Kriegsverbrecherprozessen« – insbesondere dem Nürnberger Prozess gegen die »Hauptkriegsverbrecher« – nahm die Politik der Rache ihre unrühmliche Fortsetzung. In Nürnberg wurde ausgerechnet der sowjetische Ankläger damit beauftragt, jenen Teil des Urteils zu verlesen, in dem den Deutschen vorgeworfen wurde, Männer und Frauen aus ihren Heimatorten verschleppt und zur Sklavenarbeit in ferne Lager deportiert zu haben. Die amerikanischen, britischen und französischen Richter lauschten den Worten ihres sowjetischen Kollegen, möglicherweise ohne sich bewusst zu werden, dass sie eine Verhöhnung der abendländischen Rechtstradition darstellten, deren Wahrung diesen westlichen Juristen oblag. Zur gleichen Zeit wurde entsprechend den Vereinbarungen des Abkommens von Jalta Deutsche, Polen und Angehörige anderer Nationen in Lager verschickt, wo sie Sklavenarbeit leisten mussten. Hinter den sowjetischen Richtern zeichneten sich die Schatten der Moskauer Verliese, wo Menschen ohne Gerichtsverfahren – oder nach Prozeßfarcen – erschossen wurden, sowie der riesigen Gefangenenlager in Sibirien ab, wo Millionen von Menschen in der Sklaverei dahinvegetierten, ohne dass ihnen je eine konkrete Schuld nachgewiesen worden wäre.

 

Neben diesen spektakulärsten Racheakten wurden zahllose weitere Untaten begangen, deren Schilderung die schwärzesten Seiten in der jüngsten Geschichte des Abendlandes füllt. Wer trug die letztendliche Verantwortung für diesen Rückfall in die Barbarei? Welche unsichtbare Hand lenkte die Politik der westlichen Führer und bewog sie dazu, die revolutionäre Macht im Osten bei einer Racheorgie zu unterstützen, wie sie gemeinhin nur von wilden, primitiven Stämmen praktiziert wird? »Mein ist die Rache, spricht der Herr«, heißt es in der Bibel, doch diese Art von Rache war damit kaum gemeint. Wessen Rache war es also?

 

Die Antwort auf diese Frage liefern gewisse symbolische Handlungen, welche auf die Urheber und den Charakter dieser Rache hinweisen. Diese vielsagenden symbolischen Akte erinnern stark an ähnliche Taten, die knapp dreißig Jahre zuvor während der Revolution in Russland verübt worden waren. Wir erinnern an den prahlerischen talmudistischen Spruch, den die Mörder an die Wand des Zimmers malten, wo der Zar mitsamt seiner Familie abgeschlachtet worden war, sowie an die Verherrlichung von Judas Ischariot durch das bolschewistische Regime. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die in Nürnberg zum Tode verurteilten nationalsozialistischen Führer am jüdischen Tag des Gerichts gehängt, so wie weiland Haman und seine Söhne auf Betreiben Mordechais gehängt worden waren. Bald darauf wurden in dem bayrischen Dorf Oberammergau, seit Jahrhunderten Schauplatz der weltberühmten Passionsspiele, die Schauspieler, welche die wichtigsten Rollen gespielt hatten, wegen »Nazi-Aktivitäten« vor Gericht gestellt. Jene, die Jesus und seine Jünger dargestellt hatten, wurden schuldig gesprochen, während der Darsteller von Judas Ischariot freigesprochen wurde!

 

Dergleichen Dinge geschehen nicht zufällig. Wie zuvor die Rache an Russland erhielt auch die Rache an Deutschland auf diese Weise einen talmudistischen Stempel. In anderen Worten, sie war eine Rache am Christentum; der Talmud ist schließlich nichts anderes als eine spezifisch antichristliche Fortsetzung der vorchristlichen Torah. Der sogenannte »eiserner Vorhang«, der sich bereits damals durch Europa zog und die »freie Welt« vom asiatisch versklavten Osten trennte, hörte auf zu existieren, wenn es um den Vollzug der Rache ging. Nürnberg lag in der westlichen Besatzungszone, Oberammergau in der östlichen.

 

Indem sie die zum Tode verurteilten nationalsozialistischen Politiker und deutschen Generäle am jüdischen Tag des Gerichts hängen ließen, sorgten die westlichen Führer dafür, dass der Schlussstrich unter den Zweiten Weltkrieg mittels eines Racheaktes gesetzt wurde, der spezifisch im Namen der Juden geschah. Die Art und Weise, wie der Nürnberger Prozess geführt wurde, stellte die logische Fortsetzung der während des Krieges verbreiteten Lügenpropaganda dar, zu der ich mich bereits geäußert habe. »Verbrechen gegen Juden« wurden als besonders abscheulich dargestellt, als seien jüdische Opfer grundsätzlich beklagenswerter als andere. Während die Urteile gefällt wurden, schmachteten rund hundert Millionen Menschen unter einer Gewaltherrschaft, welche sich in nichts von jener unterschied, unter der Juden (entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung) zu leiden gehabt hatten. Die Anklage der Verfolgung und Ermordung von Juden wurde, um es mit dem bekannten englischen Militärhistoriker Liddell Hart zu sagen, zum »Eckstein« des Nürnberger Prozesses. Ihr lag die Behauptung zugrunde, sechs Millionen Juden seien »getötet worden« (oder »umgekommen«). Ein unparteiisches Gericht hätte es von Anfang an abgelehnt, seine Anklage auf vollkommen unbeweisbaren Behauptungen aufzubauen, doch in Nürnberg beriefen sich Juristen, die bei einem unpolitischen Fall für ihren Mandanten Freispruch mangels Beweisen beantragt hätten, auf diese Phantasiezahl, um einen Schuldspruch zu verlangen.

 

Ich habe schon in einem früheren Kapitel unter Hinweis auf jüdische Quellen hervorgehoben, mit welchen Mitteln die Juden in der westlichen Presse in zunehmendem Maße als Hauptopfer der nationalsozialistischen Verfolgung dargestellt wurden und wie die Zahl der verfolgten und ermordeten Juden mit der Zeit ins Astronomische anwuchs. Aus der vom NS-Regime inszenierten Bücherverbrennung wurde eine »Verbrennung jüdischer Bücher«, aus den Konzentrationslagern, deren Insassen anfangs zu 90% Deutsche waren, wurden Konzentrationslager für Juden; ein Bericht der Kriegszeit über die Tötung von »150.000 Weißrussen, Ukrainern und Juden bei Kiew« wurde zu einem Bericht über die »Tötung von 15.000 Juden«, usw.

 

Dass die Nürnberger Richter die Sechsmillionenziffer ungeprüft akzeptierten, war die logische Folge dieser Entwicklung. In den sechs Kriegsjahren hatten die deutschen, japanischen und italienischen Streitkräfte unter Einsatz all ihrer Waffen insgesamt 825.000 Bürger Großbritanniens, der USA sowie der Commonwealth-Staaten getötet (Soldaten, Angehörige der Handelsmarine und Zivilisten). Wenn man davon ausgeht, dass rund die Hälfte davon von den Deutschen umgebracht wurde, hieße dies, dass diese Zahl um das Fünfzehnfache niedriger war als diejenige der angeblichen jüdischen Opfer! Um sechs Millionen Juden zu ermorden, hätten die Deutschen so viele Männer und so viel Material gebraucht, dass sie damit den Krieg womöglich hätten gewinnen können.

 

Man könnte die Sechsmillionenzahl mit einem Schulterzucken übergehen, wäre sie nicht dazu verwendet worden, dem Zweiten Weltkrieg den Beigeschmack eines »jüdischen Krieges« zu verleihen, was seinerseits nur allzu leicht den Anstoß zu einem dritten Weltkrieg geben kann.

 

Ein ausgewiesener Fachmann auf dem Felde der jüdischen Demographie, Dr. Hans Kohn, hielt in seinem Artikel über die geographische Verteilung der Juden, den die Encyclopaedia Britannica in ihrer Ausgabe für 1942 publizierte, folgendes fest:

 

»Angesichts der Tatsache, dass in mehreren Ländern, wo 1941 eine besonders hohe Anzahl von Juden lebten, die betreffenden Volkszählungen keinerlei Fragen bezüglich der Religionszugehörigkeit enthielten…, konnte die genaue Zahl der im Jahre 1941 weltweit lebenden Juden nicht ermittelt werden. Es gibt keine allgemein anerkannte Definition von Personen, die der Kategorie der »jüdischen Rasse« angehören…. In Ländern, wo bei der Volkszählung nach der Religion gefragt wurde, ist es schwierig, präzise zu definieren, wer dem jüdischen Glauben angehört. Dies bedeutet, dass die gemeinhin genannte Zahl von 16 Millionen weltweit lebender Juden keineswegs auf gesicherten Statistiken beruht. Zu dieser Ungewissheit über die Zahl der Juden in aller Welt kam in den letzten Jahren eine zunehmende Unsicherheit über ihre zahlenmäßige Verteilung auf die verschiedenen Länder und Kontinente. Wahrscheinlich lebten in Polen und der UdSSR mehr als 6.000.000 Juden.«

 

Eine brüchigere Grundlage für Schätzungen (von »Statistiken« ganz zu schweigen) kann man sich kaum vorstellen. Nichtsdestoweniger wurden in den folgenden Jahren, als sich die ohnehin undurchsichtige Ausgangslage durch die Kriegswirren weiter kompliziert hatte, von emsigen Propagandisten fast täglich wundersam präzise »Informationen« über jüdische Menschenverluste verbreitet. Die Schlussbilanz belief sich dann auf »sechs Millionen«.

 

Enzyklopädien und statistische Jahresbücher wimmeln in diesem Punkt von Widersprüchen und sind deshalb vollkommen unzuverlässig. Sämtliche zitierten Ziffern sind Schätzungen, welche die betreffenden Autoren nach ihrem persönlichen Gusto vorgenommen haben, und dementsprechend bar jedes Wertes. Ein Mathematiker könnte ein ganzes Buch über die Bemühungen der Papierhistoriker schreiben, die Nachkriegsstatistiken über die jüdische Weltbevölkerung mit den Vorkriegsstatistiken zu vergleichen und von letzteren sechs Millionen abzuziehen, ohne sich in allzu krasse Widersprüche zu verwickeln. Wer sich auf solche Zahlenspiele einlässt, erleidet nur allzu leicht Schiffbruch.

 

Die tatsächliche Anzahl der getöteten oder zugrunde gegangenen Juden wird niemals bekannt werden. Allein schon der Ausdruck »Jude« entzieht sich jeder allgemein anerkannten Definition. In vielen Statistiken werden Juden nicht als solche erfasst, und es war noch nie möglich, die Gesamtzahl der zu irgendeinem Zeitpunkt weltweit lebenden Juden auch nur halbwegs genau zu ermitteln. Wer sich bemüht, hier Klarheit zu schaffen und Ergebnisse von Volkszählungen oder Statistiken über die jüdische Einwanderung objektiv zu interpretieren, wird sofort der »Diskriminierung« und des »Antisemitismus« bezichtigt.

 

Wie viele der während des Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommenen Juden nicht eines natürlichen Todes gestorben, im Kampf gefallen oder bei Bombenangriffen getötet, sondern von den Nazis ermordet worden sind, lässt sich erst recht nicht in Erfahrung bringen. Sämtliche mir bekannten Personen, welche deutsche Konzentrationslager überlebt haben oder sich während des Krieges in von Deutschland besetzten Ländern aufhielten, pflichteten dieser Einschätzung bei. Da diese Menschen selbst gelitten hatten, empfanden sie ebenso viel Mitgefühl für jüdische Opfer wie für nichtjüdische, doch konnten sie einfach nicht verstehen, warum den Juden ein besonderer Märtyrerstatus zugebilligt und die Zahl der jüdischen Opfer monströs aufgebauscht wurde.

 

Der – meinen Gesprächspartnern unbekannte – Grund trat in aller Klarheit zutage, als die in Nürnberg zum Tode verurteilten NS-Führer am jüdischen Tag des Gerichts durch Erhängen hingerichtet wurden. Dieser symbolträchtige Akt war kennzeichnend für die Politik, welche sowohl die westlichen als auch die östlichen Besatzer während der ersten Nachkriegsjahre in den von ihnen okkupierten Zonen Deutschlands betrieben, und ließ außerdem erahnen, was für eine Außenpolitik die Westmächte künftig auch außerhalb Europas betreiben würden. Die talmudische Rache von Nürnberg bildete den Startschuss zu einer neuen Ära in der Geschichte des Abendlandes; fortan wurden alle nationalen Belange den Interessen des jüdischen Nationalismus untergeordnet, dessen Führer die Talmudisten aus Russland waren.

 

Ein Zeuge, der beim Nürnberger Prozess zugegen war, hat mir geschildert, unter welchen Umständen der Urteilsspruch am 30. September und am 1. Oktober 1946 (also zwischen dem jüdischen Neujahr, das damals auf den 26. September fiel, und dem 5. Oktober, dem jüdischen Tag der Rache) zustande kam. Die Todesurteile wurden dann unmittelbar nach Mitternacht in der ersten Stunde des 16. Oktober (Hoshana Rabba) vollstreckt, jenem Tage, an dem der jüdischen Gott, nachdem er zuvor sein Urteil über jedes einzelne Menschenwesen überprüft und sich die Möglichkeit zur Begnadung gewisser Sünder vorbehalten hat, seinen endgültigen Spruch fällt. Hier die Schilderung des betreffenden Zeugen: »Alle hatten gedacht, das Urteil werde früher gefällt, doch eine Reihe unwichtiger Zwischenfälle führte zu seiner Aufschiebung. Schließlich wurde der Urteilsspruch auf den 15. September festgesetzt… Dann erhob X, einer der Richter, Einspruch gegen die Formulierung eines Teils des Verdikts… Man berechnete ungefähr, wie lange die Umformulierung des Textes dauern würde, und legte einen neuen Termin für das Urteil fest.«

 

Ich habe den Namen des betreffenden Richters durch den Buchstaben X ersetzt. – Als Ergebnis dieser gezielt herbeigeführten Verschiebung fiel die Verkündung des Urteils mitten in die zehn heiligsten Tage des jüdischen Jahres und seine Vollstreckung auf den jüdischen Tag des Gerichts. In einem noch während des Krieges geschriebenen Buch hatte ich diese Entwicklung vorausgesagt, nachdem der britische Außenminister Anthony Eden am 17. Dezember 1942 im Unterhaus eine »Erklärung« bezüglich der Juden abgegeben hatte, in der er seine Drohung, dass »die für diese Verbrechen Verantwortlichen der Vergeltung nicht entgehen werden«, implizit auf Verbrechen an Juden beschränkte. In Amerika äußerte sich Präsident Roosevelt übrigens in ähnlichem Sinne.

 

Der Nürnberger Prozess diente als Muster für zahlreiche weniger spektakuläre »Kriegsverbrecherprozesse«. Die rechtlichen und moralischen Aspekte dieser Gerichtsverfahren sind u. a. von Montgomery Belgion (Victor’s Justice), F. J. P. Veal (Advance to Barbarism) und Russell Grenfell (Unconditional Hatred) analysiert worden. Im Lauf der Jahre ist zumindest ein Teil der Wahrheit über diese Justizfarcen ans Licht gekommen. 1949 enthüllte die infolge zahlreicher Proteste gegen diese Verfahren gegründete juristische Untersuchungskommission Einzelheiten einiger der von der US-Armee in Dachau durchgeführten Prozesse, bei denen insgesamt 297 Todesurteile gefällt worden waren.  . . .

 

In ihrem unersättlichen Drang nach Rache unterschieden sich die westlichen Sieger nicht von den östlichen. Von Moskau aus hetzte Ilja Ehrenburg die mongolischen Soldaten der Roten Armee nach ihrem Vordringen auf deutsches Gebiet dazu auf, deutsche Frauen zu ermorden – und zwar insbesondere Schwangere, denn anders ließ sich sein Aufruf, »nicht einmal ungeborene Faschisten zu verschonen«, schwerlich deuten. Frances Faviell, eine Amerikanerin, die während der letzten Kriegsphase in Berlin lebte, hat geschildert, welches Entsetzen sie bei der Lektüre des von ihrer Haushälterin Lotte geführten Tagebuchs empfand, in dem die Vergewaltigung »von Lotte und Tausenden anderer Frauen, selbst alter Frauen von über 65 Jahren, durch die schmutzigen mongolischen Truppen« geschildert wurde. Diese Frauen »wurden nicht nur einmal, sondern viele Male geschändet, während sich ihre Kinder verzweifelt an ihren Röcken festklammerten«.

 

Das Tagebuch registrierte, »im Licht von Lottes Taschenlampe geschrieben, jedes Datum und Detail, den Mord an jenen, die versucht hatten, die alten Frauen zu schützen, die Entschuldigung des russischen Offiziers, der die Leichen gefunden hatte… seine gegenüber Lotte abgegebene Erklärung, dass man seinen Truppen 48 Stunden Plünderfreiheit zugestanden hatte…Es war dies eines der schaurigsten Dokumente, die ich je gelesen hatte, und ich war wie zu Eis erstarrt, als ich es aus der Hand legte.« Plünderfreiheit! Dies war das praktische Ergebnis des politischen Arrangements, das die Siegermächte in Jalta während ihrer durch 45 Trinksprüche unterbrochenen Verhandlungen getroffen hatten.

 

Auch in den westlichen Besatzungszonen feierte die Rachsucht wilde Orgien. Im August 1947 entdeckte der britische Parlamentsabgeordnete in einem Konzentrationslager fast 4.000 Deutsche, die ohne Anklage und Prozess auf unbestimmte Zeit festgehalten wurden. Wenn es dann doch zu einem Gerichtsverfahren gegen einen von ihnen kam, lautete die erste Frage stets: »Wissen Sie, dass die Juden verfolgt wurden?« In diesem Sinn und Geist liefen die Prozesse regelmäßig ab: Die Verfolgung anderer Menschengruppen schien niemanden zu interessieren. Nebenbei gesagt wurde gerade zu jener Zeit eine ungeheuer große Zahl von Menschen an die Sowjets ausgeliefert und somit jenem Terror preisgegeben, vor dem sie geflohen waren.

 

Die Regierungen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten ließen die Deutschen keinen Augenblick lang in Zweifel darüber, in wessen Namen da Rache geübt wurde. Zu den ersten Verordnungen, die der alliierte Hochkommissar für Deutschland erließ, gehörte die Verabschiedung eines Dekrets gegen »Antisemitismus«. Somit wurde das am 27. Juli 1918 von der ersten bolschewistischen Regierung in Russland verabschiedete Gesetz gegen »Antisemitismus« in den Westen exportiert. Gestützt auf diesen britisch-amerikanischen Ukas wurden noch Anno 1956 Deutsche eingesperrt und ihr Besitz beschlagnahmt. Im Jahre 1956 reichte ein – mittlerweile in England ansässiger – österreichischstämmiger Jude Strafanzeige gegen einen Deutschen ein, wobei er sich auf ein von den alliierten Hochkommissaren übernommenes – westdeutsches – Gesetz berief, das »antisemitische Bemerkungen oder unangemessene antijüdische Vorurteile« für strafbar erklärte.

 

Solche Gesetze können zwar eine öffentliche Debatte unterdrücken, die Menschen jedoch nicht am Denken hindern. Ihr Zweck bestand offensichtlich darin, jede freie Diskussion über die Natur der Regime östlich und westlich der Demarkationslinie im Keim zu ersticken. Sie hatten den Effekt, die »Plünderfreiheit« auch in der anglo-amerikanischen Zone de facto abzusegnen. Hierzu ein Beispiel. Das englisch-amerikanische Gesetz gegen »Antisemitismus« verunmöglichte u.a. jegliche öffentliche Erörterung einer Affäre, die sich in den ersten Nachkriegsjahren ereignete. Ich zitiere nach der in Johannesburg erscheinenden Zeitung Jewish Herald:

 

»Philipp Auerbach war ein Mann von außergewöhnlich starkem Charakter, ungeheuer mutig, unmäßig stolz auf sein Judentum und von glühendem Hass auf den deutschen Nazismus beseelt… Er war rücksichtslos und gnadenlos, als die amerikanischen Truppen Deutschland noch hassten. Sie lasen ihm jeden Wunsch von den Augen ab, halfen ihm dabei, den Deutschen ihr Raubgut wieder abzunehmen, erteilten ihm buchstäblich freie Hand bei der Unterzeichnung von Dokumenten, bei Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und der Verbreitung von Furcht und Schrecken… In der unmittelbaren Nachkriegszeit, als Philip Auerbach in Deutschland an der Spitze riesiger jüdischer Demonstrationen stand, wurde er gewöhnlich von hochrangigen amerikanischen Offizieren begleitet, was seine Autorität stärkte. Den Demonstranten mit der jüdischen Flagge in der Hand voranmarschierend, pflegte Auerbach den Gruß abzunehmen, während die Kapelle Hatikvah spielte und sich Zehntausende von jüdischen Flüchtlingen an der permanenten politischen Offensive beteiligten, deren Ziel die Öffnung der Tore Palästinas vor der Neubegründung des jüdischen Staates war. Niemand wird den Geldwert der Wert- und Ausrüstungsgegenstände, der Kleider, Möbel, Autos und verschiedenen Luxusgüter, die Auerbach aus Deutschland herausschaffen ließ, je schätzen können… Er übte in Deutschland eine Macht aus, die nur noch von derjenigen der Militärbehörden übertroffen wurde.«

 

Der Mann, um den es in dieser Schilderung geht, war eine Privatperson, was ihn offenbar nicht daran hinderte, sich die bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika für seine Raubzüge dienstbar zu machen. Seine Verbrechen lagen klar auf der Hand, und er pflegte Juden und Nichtjuden gleichermaßen zu »erleichtern«. Deshalb distanzierten sich die jüdischen Organisationen rechtzeitig von ihm (natürlich nicht aus moralischen, sondern aus opportunistischen Gründen). Im Jahre 1952, als die »freie Welt« Westdeutschland brauchte, wurde Auerbach unter der Anklage verhaftet, sich »eine ungeheure Menge von Gütern« angeeignet zu haben, die, »möglicherweise mit Unterstützung jüdischer Offiziere der amerikanischen Armee sowie karitativer jüdischer Organisationen aus Deutschland herausgeschafft worden waren«.

 

Zum damaligen Zeitpunkt musste die westdeutsche Regierung dem frischgebackenen zionistischen Staat »Wiedergutmachung« zahlen, und eine vollständige öffentliche Enthüllung der Auerbachschen Raubzüge wäre sehr genierlich gewesen. Deshalb wurden die anfangs gegen Auerbach erhobenen Beschuldigungen zurückgenommen, »zweifellos aus politischen Gründen«, wie der Jewish Herald festhielt. Ansonsten wären die deutschen Tributzahlungen an die aus Russland stammenden Zionisten in Palästina nicht einmal dem Anschein nach zu rechtfertigen gewesen. So wurde Auerbach – gemeinsam mit einem Rabbiner – nur in einigen Nebenpunkten (Veruntreuung von Geldern in Höhe von rund 700.000 Dollar, Erpressung, passive Bestechung sowie Dokumentenfälschung) schuldig gesprochen. Er wurde zu dreißig Monaten Gefängnis verurteilt und beging später Selbstmord.

 

In der amerikanischen und britischen Presse erschienen lediglich einige kurze und nichtssagende Berichte über den Skandal, in denen Besorgnis über das »Wiederaufleben des Antisemitismus« in Deutschland mitschwang. In diesem Sinne äußerte sich auch die jüdische Presse, die nach Auerbachs Selbstmord fragte, an wessen Hand sein Blut wohl klebe… Zum damaligen Zeitpunkt war die Vorstellung bereits allgemein verbreitet, dass die Verurteilung jedes beliebigen jüdischen Angeklagten, egal was ihm vorgeworfen wird, ein Zeichen von »Antisemitismus« ist. So hielt der Jewish Herald das Urteil gegen Auerbach für unmoralisch, weil die ihm vorgeworfenen Taten in einen Zeitraum fielen, in dem »die normalen Vorschriften von jedermann missachtet wurden, vor allem von Juden, die sich berechtigterweise nicht um die deutschen Vorstellungen von Recht und Unrecht scherten«. Hiergegen ist einzuwenden, dass die »Vorstellungen von Recht und Unrecht«, über die sich Auerbach hinweggesetzt hatte, keine »deutschen«, sondern von allen christlichen Völkern anerkannte waren, zumindest bis in jüngste Vergangenheit.

 

Der einzige Beobachter, der Protest gegen diese Verfälschungen der Tatsachen erhob, war ein jüdischer Korrespondent der New York Daily News, der zufälligerweise selbst zu den Opfern von Auerbachs Betrügereien zählte. Wäre der Protest nicht von einem jüdischen, sondern von einem deutschen Opfer – oder von einem amerikanischen bzw. britischen Zeugen – gekommen, so hätte bestimmt kein Hahn danach gekräht.

 

Die Bevölkerung der westlichen Staaten hatte damals keine Ahnung, was sich in der britischen sowie der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands tat. Selbst wenn sie informiert gewesen wäre, hätte sie kaum allzu energisch dagegen protestiert, denn schließlich stand sie damals noch ganz unter dem Einfluss der Kriegspropaganda, deren Dauerbrenner die Nazi-Konzentrationslager waren. Dass Konzentrationslager schon von den Kommunisten errichtet worden waren und Hitler somit lediglich eine kommunistische Institution kopiert hatte, war bereits völlig in Vergessenheit geraten, ebenso die Tatsache, dass in allen von der Roten Armee besetzten Ländern neue Konzentrationslager aus dem Boden schossen. Die Gefühle der Massen in den westlichen Staaten waren durch die furchtbaren Filmaufnahmen aus deutschen Lagern aufgeputscht, die auf unzähligen Leinwänden erschienen, während die alliierten Heere in Deutschland vordrangen und in den Lagern Haufen von ausgemergelten Leichen vorfanden.

 

Ich selbst saß damals in den Kinosälen, nahm die Kommentare aus dem Publikum jedoch sehr skeptisch auf. Kriegspropaganda ist das gefährlichste Gift, das die Menschheit kennt. Meiner Ansicht nach hatten die Menschen, denen diese Bilder Anno 1945 vorgeführt wurden, die Fähigkeit – und vielleicht sogar den Willen – eingebüßt, sachlich über das zu urteilen, was sie da sahen; schließlich waren sie schon seit Jahren nicht mehr wahrheitsgemäß informiert worden. Die meisten von ihnen meinten wohl, die Leichen, die sie sahen, seien lauter jüdische Leichen, denn dies war das Leitmotiv der Propaganda, die ihnen die Presse Tag für Tag serviert hatte. Sie hatten ständig von »Nazi-Gaskammern für Juden«, »Krematorien für Juden« etc. gelesen, und nur die wenigsten von ihnen nahmen sich später die Mühe, die Erlebnisberichte ehemaliger KZ-Häftlinge zu lesen und selbständig in Erfahrung zu bringen, wer die wahren Opfer gewesen waren.

 

Somit wurde den nichtjüdischen Opfern der NS-Lager ebenso wenig Mitleid zuteil wie den Unglücksseligen, die von den Westalliierten in die sowjetisch besetzten Zonen zurückgetrieben wurden. Heutzutage ist es wohl nur noch für einen Historiker wie den Verfasser dieses Buchs von Interesse, nachzuweisen, dass sich die »Nazikonzentrationslager« zum Zeitpunkt des anglo-amerikanischen Vormarsches in Deutschland vorwiegend unter kommunistischer Kontrolle befanden, dass es unter den Schergen auch Juden gab und dass eine antikommunistische Einstellung für einen Häftling gefährlicher war als eine antinazistische.

 

Noch vor zehn Jahren hätten solche Behauptungen nur Hohn und Spott hervorgerufen – immer vorausgesetzt, sie hätten überhaupt publiziert werden können. Inzwischen ist jedoch so viel über die kommunistische Strategie der Infiltrierung sämtlicher Gesellschaftsklassen, Parteien, Kirchen, Organisationen und Institutionen bekannt, dass hoffentlich wenigstens ein Teil der Öffentlichkeit bereit sein wird, die Beweise unvoreingenommen zu prüfen.

 

Einem bekannten Ausspruch Lenins zufolge müssen alle Kriege zu revolutionären Kriegen umfunktioniert werden, was bedeutet, dass sämtliche Angehörigen der Verschwörung für den Erfolg der Revolution und nicht für den Sieg ihres Landes zu kämpfen haben. Im Rahmen dieser Strategie war die Übernahme der NS-Konzentrationslager durch die Kommunisten von kapitaler Bedeutung, saßen in diesen Lagern doch unzählige Menschen, die, wäre es ihnen vergönnt gewesen, zu überleben, den Kommunismus genau so unbeugsam bekämpft hätten wie zuvor den Nationalsozialismus. Diesen Aspekt des Kampfes gegen Hitler hat die Welt niemals begriffen.

 

Dass die Kommunisten die Kontrolle über die Konzentrationslager übernehmen konnten, ging nicht zuletzt auf die bedingungslose Unterstützung der westlichen Führer für die Revolution zurück. Dieser Umstand verlieh den kommunistischen Gefangenen unter ihren Mithäftlingen eine Macht und ein Prestige, die sie naturgemäß zur Förderung ihrer politischen Ziele nutzten. Ich war zutiefst schockiert, als mir ein junger britischer Offizier, der zuvor mit dem Fallschirm über Jugoslawien abgesetzt worden war, berichtete, dass die Engländer Container mit goldenen Sovereigns (die ein britischer Bürger nicht besitzen darf) für die Tito-Partisanen abgeworfen hatten.

 

Auch in Griechenland genossen die Kommunisten die finanzielle Unterstützung Englands. Major W. Stanley Moss, der als britischer Kommandoführer und Verbindungsoffizier mit dem Fallschirm über Griechisch-Mazedonien absprang, entdeckte dort, dass die Kommunisten schrittweise die Kontrolle über die Partisanenbewegung errangen – dank dem Goldsegen, der aus britischen Flugzeugen auf sie herabregnete. »Als der große Tag [des Sieges in Europa] kam, war die Welt erstaunt über die gewaltigen finanziellen Mittel der Kommunisten« , kommentierte Major Moss. »Aus Russland kam kein roter Heller; das Geld war den Kommunisten von den Alliierten geschenkt worden. Jahrelang hatte man Geld zur Unterstützung der Partisanen sowie für die Bedürfnisse der Kriegsführung ins Land gepumpt, aber die Kommunisten hatten bloß einen kleinen Teil davon für den Kampf gegen die Deutschen verwendet.

 

In den anderen von Deutschland okkupierten Ländern sahen die Dinge ganz ähnlich aus. Oberstleutnant Yeo-Thomas, der heimlich nach Frankreich eingeschleust wurde, um die Methoden sowie die Organisation der französischen Résistance zu studieren, hatte London vergeblich gewarnt: »Das erklärte Ziel der Kommunistischen Partei war eine Massenerhebung der Franzosen am Tage X… um nach der Befreiung alle anderen zu dominieren. Währenddessen machte sich der britische Nachrichtensender BBC über jene Franzosen lustig, welche den ‚kommunistischen Popanz‘ fürchteten.« Die Konsequenzen dieser Politik hat Sisley Huddleston in seinem 1955 erschienenen Buch France. The tragic years dargelegt: Während und nach der »Befreiung« Frankreichs wurden viele tausend Antikommunisten kaltblütig ermordet.

 

Unter diesen Umständen war es nur logisch, dass die Kommunisten auch in den NS-Konzentrationslagern eine vorherrschende Stellung errangen – mit dem Ergebnis, dass den Massen der westlichen Länder, denen die Bilder der »befreiten« Lager vorgeführt wurden, in Wirklichkeit ein Phänomen vorgeführt wurde, das ihre Armeen in dem östlich der Elbe gelegenen Teil Europas zum Dauerzustand machten. Wer die Wahrheit erfahren wollte, konnte dies schon 1948, doch glaube ich nicht, dass auch nur ein Bruchteil jener Menschen, welche die schreckenerregenden Bilder Anno 1945 gesehen hatten, diese Zusammenhänge begriff.

 

1948 überwarf sich der revolutionäre Führer Jugoslawiens, der sich das Pseudonym »Tito« zugelegt hatte, mit den Herrschern im Kreml – für einen Kommunisten eine brandgefährliche Sache. Möglicherweise um sich zumindest notdürftig zu schützen – besser, als es noch so viele schwerbewaffnete Leibwächter vermocht hätten -, beschloss Tito, einen Teil seiner Insiderkenntnisse öffentlich zu machen, wobei er darauf spekulierte, dass Moskau ihn lieber in Ruhe lassen als weitere Enthüllungen provozieren werde. Er inszenierte einen Schauprozess, von dem man im Westen so gut wie nichts erfuhr. Dreizehn seiner kommunistischen Vertrauten (hochgestellte Regierungs- und Parteifunktionäre) wurden unter der Anklage, sich am Massenmord an Gefangenen in dem berüchtigtsten aller Lager, Dachau, beteiligt zu haben, zum Tode verurteilt und erschossen.

 

Die Wahrheit kommt bisweilen unter den seltsamsten Umständen ans Licht, auch wenn dies in unserem Zeitalter der Pressekontrolle nicht sehr häufig geschieht. Im eben geschilderten Fall war dies einem älteren österreichischen General namens Wilhelm Spielfried zu verdanken, der während des Krieges in Dachau interniert gewesen war. Vor dem Eintreffen der amerikanischen Truppen wollte er die Welt über die Geschehnisse aufklären, und in dem Chaos, das der Auflösung des Lagers vorausging, gelang es ihm, aus dem Büro des Kommandanten eine von der Gestapo geführte Liste mit den Namen der getöteten Häftlinge zu entwenden, wobei in jedem Fall die Umstände verzeichnet waren, unter denen der Betreffende zu Tode gekommen war. Jeder Todesfall war von dem dafür verantwortlichen Gestapo-Agenten unterschrieben. Mehrere dieser Agenten gehörten zu den führenden Mitarbeiter Marschall Titos. Es gelang General Spielfried, einen kleinen Teil seines Materials zu publizieren; der Rest harrt bis heute eines Verlegers, der den Schneid aufbringt, ihn zu drucken.

 

»Tito« (so nannte sich der Mann, der in Wirklichkeit Josef Brosz hieß) war ab 1934 ein Agent des Kreml gewesen. Dass er einige seiner engsten Mitarbeiter vor Gericht stellen ließ (beim Prozess von Ljubljana, der am 20. April 1948 begann), war für den Kreml ein Wink mit dem Zaunpfahl. Zu den Angeklagten gehörten Oskar Jurancic (Generalsekretär im jugoslawischen Außenministerium), Branko Dil (Generalinspektor der jugoslawischen Wirtschaft), Stane Oswald (ein hochgestellter Funktionär im Industrieministerium, der einen Ministerrang bekleidete), Janko Pufler (Chef des jugoslawischen Chemiekonzerns), Milan Stepisnik (Leiter des staatlichen Metallurgischen Instituts), Karl Barle (ein Funktionär mit Ministerrang), die Professoren Boris Kreintz und Miro Kosir, die an der Universität von Ljubljana unterrichteten, sowie weitere prominente Kommunisten. Ausnahmslos alle waren während des Spanischen Bürgerkriegs Angehörige einer internationalen Brigade gewesen und hatten als Agenten des sowjetischen Geheimdienstes MVD gearbeitet.

 

Sämtliche Angeklagten legten die bei solchen Schauprozessen üblichen Geständnisse ab. Von besonderem Interesse ist das Argument, das sie zu ihrer Verteidigung anführten. Sie rechtfertigten sich damit, dass sie niemals einem Kommunisten auch nur ein Haar gekrümmt hätten, und gaben Erklärungen wie die folgende ab: »Ich habe nie einen der unseren in Gefahr gebracht; ich habe keinem Parteigenossen je etwas zuleide getan.« Ihren Angaben zufolge brachten sie Menschen zu Tode, die als Konservative, Liberale, Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Juden oder Zigeuner galten – immer vorausgesetzt, sie waren keine Kommunisten.

 

Diese spezifische Form der Zusammenarbeit zwischen Hitlers Gestapo und ihrem Prototyp, dem sowjetischen MVD, kam auf folgende Weise zustande: In den Lagern wurden »antifaschistische Komitees« gegründet. Hätten Hitler und seine Gestapo ihre Ideologie konsequent in die Tat umgesetzt, so wären die Angehörigen dieser Komitees selbstverständlich die Todeskandidaten par excellence gewesen – doch nein: Stattdessen wurden sie als Vertreter der Häftlinge anerkannt und erhielten einen privilegierten Status, worauf sie sich bereit erklärten, bei der Beseitigung Missliebiger mitzuwirken. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass es in Nachkriegsdeutschland möglichst wenige Antikommunisten gab.

 

So wuchsen die Leichenhaufen, welche eine unwissende Welt dann auf der Leinwand sehen konnte. Die Art und Weise, wie die Journalisten über die grausigen Funde berichteten, bewies, wie recht G. K. Chesterton mit seinem Diktum gehabt hatte: »Der Journalismus vermittelt ein falsches Bild von der Welt, in einem verdunkelten Raum auf eine helle Leinwand geworfen, damit die reale Welt unsichtbar bleibt.«

 

Die Angeklagten von Ljubljana starben zwar im Kugelhagel eines Erschießungskommandos, doch nicht als Sühne für ihre Verbrechen, sondern weil ihr Herr und Meister beschlossen hatte, sie bei seinem Schachspiel mit dem Kreml als Bauern zu opfern. Sie hatten sich strikt an die von Lenin vorgegebene Devise gehalten ( »Alle Kriege sind revolutionäre Kriege«), indem sie die ihnen gebotene Chance zur Beseitigung politischer Gegner (und nicht des äußeren Feindes, der ihr Land besetzt hielt) nutzten. Sie taten in anderer Form, was die sowjetischen Führer im Wald von Katyn getan hatten, wo sie 15.000 polnische Offiziere ermorden ließen; genau wie ihre Bosse im Kreml bekämpften sie die Nationalstaaten und legten damit den Grundstein für eine Revolution, die keine Landesgrenzen mehr kannte.

 

Die Enthüllungen beim Prozess von Ljubljana sind in allen wesentlichen Punkten von Überlebenden der Konzentrationslager bestätigt worden. Odo Nansen, Sohn des berühmten norwegischen Entdeckers Fritjof Nansen, schilderte das, was sich 18 Monate vor Kriegsende im Konzentrationslager Sachsenhausen zugetragen hatte, wie folgt:

 

»Es ist bemerkenswert, wie es den Kommunisten hier gelungen ist, die Lage in den Griff zu bekommen. Sie bilden im Lager die zweitmächtigste Gruppe nach der SS, werben alle anderen Kommunisten aus anderen Ländern an und schanzen ihnen Schlüsselpositionen zu…. Viele der hiesigen norwegischen Häftlinge sind Kommunisten geworden. Abgesehen von all den sofortigen Vorteilen, die ihnen daraus erwachsen, erwarten sie wahrscheinlich, dass Russland nach dem Krieg den Ton angeben wird, und halten es für opportun, ihr Mäntelchen rechtzeitig nach dem Wind zu hängen. Letzte Nacht sprach ich mit unserem Blockältesten, einem Kommunisten. Als er und seine Kameraden die Macht übernahmen, begnügten sie sich nicht mit Vergeltungsmaßnahmen gegen ihre Widersacher, sondern verhielten sich uns gegenüber brutaler als die SS. Mit meinen humanistischen Ideen konnte ich nichts gegen diesen Eisblock von Hass und Rachsucht erreichen, dieses zähe, zielstrebige Hinarbeiten auf eine neue Diktatur hin.«

 

Oberstleutnant Yeo-Thomas, der mit dem Fallschirm über Frankreich abgesetzt wurde, um der Résistance zu helfen, wurde gefangengenommen und nach Buchenwald deportiert. Bei seiner Ankunft warnte ihn ein bereits dort einsitzender britischer Offizier »Plaudert ja nicht aus, dass ihr Offiziere seid, und wenn einer von euch in Friedenszeiten eine führende Stellung bekleidet hat, behält er das am besten für sich. Die innere Verwaltung des Lagers befindet sich in den Händen der Kommunisten. Buchenwald ist das schlimmste Lager in Deutschland; eure Chancen, zu überleben, sind praktisch gleich null.«

 

Yeo-Thomas berichtete, die drei wichtigsten internen Leiter des Lagers, die sogenannten Lagerältesten, seien Kommunisten gewesen. Unter ihrer Aufsicht wurden »Häftlinge mit Typhus und anderen Krankheiten infiziert, damit man ihre Reaktionen auf die verschiedenen Impfstoffe untersuchen konnte. Fast alle Versuchspersonen starben.« Von den 37 in Buchenwald eingelieferten britischen Offizieren überlebten nur drei; von den anderen wurden viele im Krematorium an Haken aufgehängt und langsam stranguliert. Die drei Überlebenden »mussten ihre Mithäftlinge fast ebenso fürchten, wie sie zuvor die Deutschen gefürchtet hatten, denn hätten die Kommunisten erfahren, dass es den Offizieren gelungen war, dem Galgen zu entrinnen, hätten sie sie sicherlich denunziert«.

 

Kurzum: Die Kommunisten schalteten und walteten in diesen Lagern, wie es ihnen beliebte; sie folterten und ermordeten eine große Zahl von Häftlingen. Sie waren niederträchtiger als die Gestapo, denunzierten und töteten sie doch Menschen, die angeblich ihre Genossen im Kampf gegen einen gemeinsamen Feind waren. Da die Juden – insbesondere die östlichen – im Kommunismus eine dermaßen wichtige Rolle spielen, war es nur logisch, dass sich unter den Tätern viele Juden befanden. Dies ist an und für sich nicht überraschend – wie alle anderen Menschen können auch Juden gut oder böse, human oder grausam sein -, doch wurde diese Tatsache der Öffentlichkeit sorgsam vorenthalten. Den ahnungslosen Massen wurde weisgemacht, die Konzentrationslager seien fast ausschließlich von Juden bevölkert gewesen, die von viehischen »Nazi-Schergen« bis aufs Blut gequält worden seien. Tatsache ist hingegen, dass Juden nur einen verhältnismäßig geringen Teil der KZ-Häftlinge ausmachten, dass die Schergen in den letzten drei Kriegsjahren vorwiegend Kommunisten waren, und dass es unter ihnen eine erhebliche Zahl von Juden gab.

 

Mein Archiv enthält zahlreiche Artikel aus jüdischen Zeitungen, in denen geschildert wird, wie ehemalige jüdische Insassen von Auschwitz, Vlanow, Muhldorf und anderen Lagern anderen jüdischen Ex-Häftlingen bei »Prozessen« vorwarfen, dort Verbrechen begangen zu haben.

 

 

 

Dass ich das Wort »Prozesse« in Anführungszeichen setze, hat das einen triftigen Grund. Mit einer einzigen Ausnahme fanden die betreffenden Verfahren nämlich vor rabbinischen Gerichten im Westen sowie vor israelischen Richtern in Tel Aviv statt. Sie galten als rein jüdische Angelegenheiten, welche die Nichtjuden nichts angingen, und wenn dabei Urteile gefällt wurden, berichtete keine Zeitung darüber, obwohl die Parallelen zum Prozess von Ljubljana nicht zu übersehen waren. Offenbar gingen die Initiatoren dieser Gerichtsverfahren vom Grundsatz aus, wenn Juden solche Verbrechen begangen hätten, seien sie nach jüdischem Gesetz zu richten, und Nichtjuden hätten sich da nicht einzumischen. (Dass dies seit der Gründung des Judenstaates die offizielle Linie ist, geht u. a. aus einem in den fünfziger Jahren im Zionist Record erschienenen Bericht hervor, in dem es hieß, die Aufgabe des »Hauptbüros für öffentliche Aktivitäten des Exekutivrats des Australischen Judentums« bestehe darin, »das schädigende Verhalten individueller Juden, die sich kleinere oder größere Vergehen zuschulden kommen ließen, vor der Öffentlichkeit zu kaschieren« . Eine solche Verschleierungspolitik wird in allen westlichen Staaten betrieben.

 

In Tel Aviv wurden ein jüdischer Arzt von jüdischen Zeugen beschuldigt, Häftlingen in Auschwitz tödliche Injektionen verabreicht, ihre Geschlechtsteile verstümmelt, »wissenschaftliche Experimente« durchgeführt und Opfer in die »Todeskammer« geschickt zu haben. Bei einem anderen, 1951 ebenfalls in Tel Aviv durchgeführten Prozess wurden einem (damals in einem Tel Aviver Krankenhaus angestellten) Arzt von mehreren jüdischen Zeugen brutale Handlungen im Lager Vlanow, wo er »Assistent des deutschen Kommandanten« gewesen war, zur Last gelegt.

 

Eine jüdische Zeugin gab an, er habe sie bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt, und als sie zu sich gekommen sei, habe sie feststellen müssen, dass ihre drei Söhne – sie waren 12, 15 und 18 Jahre alt – erschossen worden waren. Eine Woche zuvor, fuhr sie fort, habe sie gesehen, wie der Angeklagte der ukrainischen Lagerpolizei befahl, dreißig Häftlinge – darunter ihren Mann – zur Erschießung abzuführen. Soweit die Zeitungsberichte über diese beiden Fälle; wenn die Presse die Urteile vermeldet hat, muss ich dies bei meinen Nachforschungen übersehen haben.

 

In New York trat ein Jude vor einem aus drei Mitgliedern bestehenden jüdischen Gericht (dessen Zusammensetzung nach dem levitischen Gesetz erfolgt war) gegen einen Angestellten der Synagoge in den Zeugenstand, den er beschuldigte, in Muhldorf als Blockwart einen Häftling ermordet zu haben. Aus der betreffenden Zeitungsmeldung ging hervor, dass das Gericht die Ergebnisse seiner Ermittlungen »der jüdischen Gemeinde« zustellen werde, »ohne ein bestimmtes Strafmass zu bestimmen oder zu empfehlen«, was hieß, dass die Bestrafung des Betreffenden im Falle eines Schuldspruchs als »Kriegsverbrecher« seiner Gemeinde überlassen wurde. In all diesen Fällen bestand kein Zweifel daran, dass einzig und allein der Vorwurf, die Angeschuldigten hätten andere Juden getötet oder misshandelt, zu einer Nachforschung führte, während allfällige Verbrechen gegen Nichtjuden nicht Bestandteil der Anklage bildeten.

 

Anders gelagert, aber im Prinzip sehr ähnlich war ein Fall, der in den Jahren 1954-1955 vor einem israelischen Kreisgericht abgehandelt wurde. Ein aus Ungarn stammender Jude hatte ein Flugblatt verteilt, in dem er Dr. Israel Kastner, einen hochrangigen israelischen Regierungsbeamten und führenden Kandidaten der Regierungspartei bei den Wahlen von 1955, bezichtigte, während des Krieges in Ungarn mit den Nazis zusammengearbeitet, den Mord an Juden begünstigt, einen Naziverbrecher vor der Bestrafung bewahrt und andere ähnliche Missetaten begangen zu haben. Dr. Kastner reichte Strafanzeige wegen Verleumdung ein. Nach neunmonatigen Beratungen entschied der israelische Richter, die Vorwürfe seien gerechtfertigt. Laut dem Urteil war Dr. Kastner »ein Kollaborateur im wahrsten Sinne des Wortes« gewesen und hatte »seine Seele dem Teufel verkauft«. Der damalige israelische Premierminister Moshe Sharett kommentierte dieses Urteil wie folgt: »Um Juden zu retten, darf man jede beliebige Handlung begehen; man darf sogar seine Seele dem Teufel verkaufen« (Dr. Kastner war freilich zur Last gelegt worden, Juden nicht gerettet, sondern an die Nazis verraten zu haben). Anschließend kündigte die israelische Regierung durch ihren Justizminister Berufung gegen den Urteilsspruch an. Wie die Sache ausgegangen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

 

Während die Presse viel Wirbel um »Kriegsverbrecher« und die gegen sie geführten Prozesse machte, mussten diese jüdischen Kriegsverbrecher lediglich vor jüdischen Gerichten erscheinen, und falls sie bestraft wurden, erfuhr die Welt nichts davon. Ich bin nur auf einen einzigen Fall gestoßen (es mag freilich noch andere Fälle gegeben haben, die meiner Aufmerksamkeit entgangen sind), wo solche Juden gemeinsam mit Nichtjuden vor Gericht kamen. Am 8. Mai 1946 berichtete die Jewish Telegraph Agency: »Gestern wurde das Urteil gegen 23 Wachmännern des Konzentrationslagers Breendouck bei Antwerpen, einer der weniger bekannten Nazi-Höllen, bekannt. Unter den Wachmännern befanden sich drei Juden, Walter Obler, Leo Schmandt und Sally Lewin. Obler und Lewin wurden zum Tode verurteilt, Schmandt zu 15 Jahren Gefängnis.«

 

Bei einer Diskussion über den »Antisemitismus« mit A. K. Chesterton bemerkte Joseph Leftwich zu diesem Prozess: »Was beweist er? Dass es überall Bestien in Menschengestalt gibt, und dass Juden dagegen nicht mehr gefeit sind als jede andere Menschengruppe.« Dies stimmt zwar, trifft jedoch den Kern der Sache nicht. Während des Zweiten Weltkriegs wurde den Massen unermüdlich eingebleut, nur Juden würden verfolgt, und ihre Verfolger seien durchwegs Nichtjuden. Leider ist dieser Fall typisch für die propagandistische Verzerrung von Fakten, die zum Unglück der Welt im 20. Jahrhundert dermaßen gewaltige Ausmaße angenommen hat.

 

Die jüdischen Helfer Hitlers sind mitnichten eine bloße Fußnote der Geschichte. Lord Templewood, während des Zweiten Weltkriegs britischer Botschafter in Spanien, berichtete, General Franco (der selbst jüdischer Abstammung ist) habe »es zugelassen, dass die spanische Presse zum lärmigsten Sprachrohr der deutschen Propaganda wurde. Keiner einzigen unter den renommierten Zeitungen wurde auch nur der geringste Spielraum gelassen. Sie alle mussten die Stimme ihres Herrn wiederholen. Ihr Herr war in diesem Fall ein ostjüdischer Finsterling namens Lazare… In Wien hatte er Hitler als fanatischer Anschluss-Propagandist gedient. Seither war er eine wichtige Figur in der Nazi-Welt geworden… Von der deutschen Botschaft aus, wo er mehr Autorität genoss als der Botschafter selber, diktierte er nicht nur Tag für Tag den allgemeinen Kurs der spanischen Presse, sondern entschied sogar über die Wortwahl der Nachrichten und Artikel. Seine Untergebenen hatten Schreibtische in den spanischen Redaktionsbüros, und kein Wort erreichte die spanische Öffentlichkeit, sofern es nicht von diesem düsteren Mann abgesegnet worden war. Durch eine kluge Mischung von brutalem Diktat und schamloser Korruption erreichte er, dass der Ton der spanischen Zeitungen noch giftiger war als derjenige der deutschen.«

 

Ich kannte diesen Lazare, einen Intriganten des sanften, ewig lächelnden und leutseligen Typs. Durch ihn bin ich auf die Tatsache gestoßen, dass es in Hitlers Führungsriege auch Juden gab. Als ich ihn 1937 kennenlernte, war er »Pressesekretär« der österreichischen Gesandtschaft in der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Österreich – das Land, wo ich damals meinen festen Wohnsitz hatte – lebte in ständiger Furcht vor einem deutschen Einmarsch, der 1938 auch tatsächlich kam, und es erwartete von seinen Vertretern im Ausland, sich ohne Wenn und Aber zu ihrer österreichischen Nationalität zu bekennen. Dass sich ein verarmter Kleinstaat wie Österreich in der Hauptstadt eines Balkanstaates überhaupt einen »Pressesekretär« leisten konnte, befremdete mich bereits, doch Lazares verschwenderischer Lebensstil und die Vergnügungen, denen er sich hingab, versetzten mich in noch größeres Erstaunen. Ich vermutete, dass er, wie viele Randfiguren des Diplomatenlebens (»Pressesekretäre« waren im Balkan ein zweifelhafter Menschenschlag), die Gelegenheit nutzte, »etwas auf die Seite zu legen«, was in Bukarest gang und gäbe war.

 

Meine Vermutung erwies sich als zutreffend, auch wenn der Mann nicht im Pelz- oder Teppichhandel tätig war, wie ich zunächst vermutet hatte. Sein Wohlstand erklärte sich vielmehr damit, dass er von den Nationalsozialisten finanziert wurde. Als Hitler in Österreich einrückte, wurden Pressevertreter aus aller Welt zu einer Pressekonferenz an dem historischen Ballhausplatz geladen, wo man ihnen die nationalsozialistische Version der Ereignisse servierte. Die Tür öffnete sich, und herein trat der Pressesprecher des neuen Regimes, Hitlers Chefpropagandist im angegliederten Österreich, der kräftig die Werbetrommel für den »Anschluss« rührte. Es war Herr Lazare, der »Österreicher« (geboren war er in der Türkei). Er erblickte mich sofort, und ein Lächeln huschte über sein zugleich freches und leicht schuldbewusstes Gesicht.

 

Während er mir fröhlich zuwinkte, sagte er: »Hallo, Herr Reed, nett, Sie wiederzusehen.« Dann erklärte er die hehren Motive des Führers für den Anschluss und dessen segensreiche Auswirkungen für Deutschland, Österreich und den Rest der Menschheit.

 

Wie der Leser erkennt, besteht ein riesiger Unterschied zwischen der realen Welt und der Scheinwelt, die den Massen vorgegaukelt wird, insbesondere in Kriegszeiten, wo Männer vom Schlage Lazares den Informationsfluss steuern.

 

Vor diesem Hintergrund sind die talmudistischen Vergeltungsorgien zu sehen, als deren Folge eine große Menschenmenge nach Osten und eine zweite nach Westen gespült wurde. Flüchtlinge, denen es gelungen war, sich in die »freie Welt« durchzuschlagen, wurden von den Armeen der Westalliierten in die kommunistische Sklaverei zurückgetrieben, während aus dem kommunistischen Block, wo man ohne polizeiliche Genehmigung oft nicht einmal seinen Wohnort verlassen darf, Heerscharen von Ostjuden ungehindert in den Westen und von dort aus unter anglo-amerikanischem Schutz nach Palästina abwanderten. Diese doppelte Wanderungsbewegung räumte letzte Zweifel am Ursprung der Racheorgien aus; weiteren Aufschluss hierüber vermitteln einige Zeitungsmeldungen.

 

In ihrer Ausgabe vom 11. April 1953 schrieb die Saturday Evening Post : »Als Folge dieses schmachvollen Abkommens [von Jalta] schritten Agenten des sowjetischen MVD nach dem Krieg durch die Flüchtlingslager und zeigten mit dem Finger auf Tausende von Menschen, denen es geglückt war, der Sowjettyrannei zu entrinnen. Diese unglücklichen Opfer wurden in Waggons zusammengepfercht und fuhren der Hinrichtung, der Folter oder einem langsamen Tod in den sibirischen Bergwerken und Wäldern entgegen. Viele begingen unterwegs Selbstmord. Ebenfalls in Übereinstimmung mit einer in Jalta getroffenen Vereinbarung durften die Sowjets deutsche Kriegsgefangene als ‚Reparation‘ zur Zwangsarbeit verschleppen. Für solche Unmenschlichkeiten gibt es keine Rechtfertigung.«

 

Die Kalifornierin Kathryn Hulme war von 1945 bis 1951 stellvertretende Leiterin eines Flüchtlingslagers beim bayrischen Wildflecken, das von einer Organisation namens UNRRA (»United Nations Relief and Rehabilitation Administration«) betrieben wurde. In einem Buch schrieb sie, ihre Kollegin Londa sei in ein weiter südlich gelegenes Lager versetzt worden, und zwar zu einem Zeitpunkt, »wo die dort internierten Russen, hauptsächlich Kriegsgefangene, unter den Bestimmungen des Jalta-Abkommens repatriiert wurden. Sie teilte uns mit, manche russischen Kriegsgefangenen hätten sich die Pulsadern aufgeschnitten, sich nackt ausgezogen oder erhängt. Selbst nachdem ihnen sämtliche potentiell gefährlichen Gegenstände abgenommen worden waren, gelang es manchen, Selbstmord zu begehen. Sie begriffen nicht, wie es Stalin fertiggebracht hatte, Roosevelt und Churchill weiszumachen, es gebe keine den Deutschen in die Hände geratenen sowjetischen Kriegsgefangenen, sondern einzig und allein Deserteure.«

 

Das andere Bild der Medaille war die privilegierte Behandlung, die einer ganz bestimmten Gruppe von Menschen widerfuhr, welche ebenfalls zu den Opfern Hitlers gehört oder sich aus dem Osten in den Westen abgesetzt hatten.

 

Kathryn Hulme berichtet: »Und dann kamen die Juden. In unserer nördlichen Zone gab es nie ein rein jüdisches Lager. Die Juden stellten weniger als ein Fünftel der Flüchtlinge in unserer Zone, doch äusserten sie ihre Wünschen und Forderungen dermaßen lautstark, dass man, wenn man seine Informationen über die Begleiterscheinungen der Besetzung lediglich aus den Zeitungen bezog, den Eindruck erhalten musste, sie seien die einzigen Flüchtlinge überhaupt… Es hieß, man müsse sie mit Samthandschuhen anfassen, besonders wenn man sie von einem Lager in ein anderes überstellte, und wehe dem Angestellten der Internationalen Hilfsorganisation, der in einem Lager, wo man die Juden hinbrachte, noch einen Streifen Stacheldraht übrig gelassen hatte! Sie wurden als ‚Verfolgte‘ eingestuft und waren neben den Kranken die einzigen Flüchtlinge, die eine Sonderration bekamen, ohne zu arbeiten…  Auf der anderen Seite der Straße, die das Lager in zwei Hälften teilte, gab es eine kleinere Gruppe von Deutschen. Die jüdischen Delegierten behaupteten, von diesen gehe die allergrößte Gefahr aus, und die Internationale Hilfsorganisation müsse die jüdischen Polizisten bewaffnen, um ihre Volksgenossen von den in ihrer Mitte lebenden Deutschen zu schützen… Dass fast jeder deutsche Bewohner des Dorfs schon nach einem halben Monat für die Juden arbeiten würde, hätte ich mir wahrhaftig nicht träumen lassen, als ich letzteren mit dem Versprechen beschwichtigte, ich werde mich für die Bewaffnung der jüdischen Flüchtlingspolizei einsetzen… Die jüdische Flüchtlingspolizei trug grüne Wolljacken und den Davidstern an der Mütze… Nichts blieb dem Zufall oder der Improvisation überlassen… Im jüdischen Sozialhilfebüro hingen martialische Plakate, auf denen junge Mädchen in Schützengräben zu sehen waren, die Handgranaten auf Araber warfen. Die jüdische Flüchtlingspolizei absolvierte Schiessübungen – mit den Karabinern, die wir ihnen zu ihrer ‚Verteidigung‘ gegen die Deutschen — welche mittlerweile im Lager die Schwerarbeit verrichteten – zur Verfügung gestellt hatten. In den jüdischen Werkstätten wurden jetzt feine Wollmäntel sowie schwere Lederschuhe mit Nulpen für unebenes Gelände hergestellt. Wir vermuteten, all dies sei für Israel bestimmt, und tatsächlich wurde es über irgendwelche mysteriösen Kanäle dorthin geschafft; wir sahen nie einen jüdischen Flüchtling, der eines diese nützliche Kleidungsstücke getragen hätte. …Über dem Lagersektor, in dem ein so emsiges Treiben herrschte, wehte eine Fahne, die wir nie zuvor gesehen hatten: hellblaue Streifen auf weißem Grund mit dem Davidstern.«

 

Den jüdischen Lagersektor schildert Kathryn Hulme wie folgt: »Stolz zeigten wir ihnen das große Lager, das wir für sie vorbereiteten, so wie ein Grundstückmakler einem Käufer ein luxuriöses Haus präsentiert. In ganz Bayern gab es kein komfortableres Flüchtlingslager… Die Rabbiner schüttelten ihre Köpfe; offenbar war es ihnen nicht fein genug.«

 

Des weiteren führt Kathryn Hulme aus, das von den Amerikanern erlassene Gesetz über die Behandlung der Flüchtlinge sei voller Bestimmungen gewesen, die nichtjüdische Flüchtlinge benachteiligt hätten; »doch die Juden, die behaupteten und beweisen konnten, dass sie in ihrem osteuropäischen Herkunftsland verfolgt worden waren, wurden privilegiert behandelt.« Die halb-regierungsamtlichen oder von der US-Regierung unterstützten amerikanischen Organisationen, fährt sie fort, hätten Maschinen und Werkzeuge für die Werkstätten sowie die Sonderrationen geliefert, die einzig und allein den Juden zuteil wurden.

 

Weitere Informationen über die Extrawürste, in deren Genuss die jüdischen Flüchtlinge kamen, lieferte ein Oberstleutnant Judah Nadich in der südafrikanischen Zeitung Jewish News vom 4. Februar 1949. Rabbiner Nadich war zuvor »jüdischer Berater General Eisenhowers bei den US-Streitkräften in Europa gewesen und hatte in Fragen, welche die Flüchtlinge und sonstige jüdische Probleme betrafen, eng mit ihm zusammengearbeitet«. Hier sein Bericht:

 

»Zu Eisenhowers Ehre sei gesagt, dass er, als man ihn [1945] auf die erbärmlichen Zustände in den Flüchtlingslagern hinwies, unverzüglich Schritte zur Behebung der Missstände einleitete. Es ergingen wichtige Anweisungen, durch welche die Lebensmittelrationen für die Verfolgten (nicht aber für die anderen Flüchtlinge) erhöht wurden; für Juden wurden Sonderlager errichtet; jüdische Flüchtlinge, die außerhalb der Lager lebten, erhielten eine Vorzugsbehandlung; es wurde ein Berater für jüdische Angelegenheiten ernannt, und dem Joint Distribution Committe, später auch der Jewish Agency, wurde volle Unterstützung zugesichert. In der britischen Zone gewährte Montgomery den Juden keine oder nur wenige solche Vergünstigungen, und ein steter Strom von Flüchtlingen ergoss sich in die amerikanische Zone. Eisenhower inspizierte die Lager häufig; seine persönlichen Besuche hoben die Moral der Flüchtlinge und verdeutlichten Offizieren niedrigeren Ranges die Einstellung ihres Oberbefehlshabers. Offiziere, die sich Verfehlungen zuschulden kommen ließen, wurden gerügt, darunter einer der hochrangigsten Generäle.«

 

Laut diesem Bericht sorgte Eisenhower also dafür, dass die Juden als privilegierte Klasse zu behandeln waren. Wenn er die »Empfehlungen« seines jüdischen Beraters Rabbi Nadich befolgt hat, war dies nichts weiter als natürlich, behauptete letzterer doch, die Juden, die nur einen verhältnismäßig geringen Anteil unter den Flüchtlingen bildeten, seien die einzigen »Verfolgten« und unterschieden sich deswegen grundlegend von den anderen. »Jüdische Berater« wie dieser Nadich sind mittlerweile zur Alltagserscheinung geworden.

 

Was 1933 noch von einer allgemeinen »Verfolgung Andersdenkender« im Dritten Reich die Rede gewesen, so sprach man 1945 nur noch von der »Verfolgung von Juden«. Die Propaganda hatte es fertiggebracht, sämtliche Opfer des Nationalsozialismus bis auf eine einzige Gruppe totzuschweigen. Dies geht nicht zuletzt aus dem zuvor zitierten Satz aus dem Bericht Kathryn Hulmes hervor, laut der jemand, der sein Wissen ausschließlich aus der Presse bezog, zwangsläufig den Eindruck erhalten musste, die Juden seien die einzigen Verfolgten gewesen. Während die große Mehrheit der Menschen, die unter dem Nationalsozialismus gelitten hatten, günstigstenfalls dem Vergessen preisgegeben und schlimmstenfalls an neue Unterdrücker ausgeliefert wurden, wurde eine einzige, privilegierte Opfergruppe unter dem Schutz der Westmächte nicht nur mit Kleidung und Speise, sondern auch mit Waffen und sonstiger militärischer Ausrüstung versorgt und nach Palästina gelotst, damit sie sich an der Eroberung dieses arabischen Gebiets beteiligen konnten.

 

Die Eroberer mochten aus dem asiatischen Osten stammen, doch der christliche Westen leitete ihnen tatkräftige Schützenhilfe. Bei der Unterstützung dieses Unterfangens waren sich die »freie Welt« und die versklavte Welt östlich des »Eisernen Vorhangs« nicht nur einig, sondern arbeiteten tatkräftig und zielstrebig zusammen. Ganz offensichtlich war hier eine unsichtbare, lenkende Kraft am Werk, die sich keinen Deut um Nationalstaaten und Grenzen scherte, sich nicht im geringsten dafür interessierte, wer im Krieg »Freund« und wer »Feind« gewesen war, und sich auch nicht um die von den »diktatorisch regierenden« Premierministern unermüdlich verkündeten hehren Prinzipien kümmerte. Der Westen beteiligte sich gemeinsam mit dem Osten an dem Rachefeldzug, aber das Muster, nach dem dieser ablief, stammte aus dem Osten.

 

Wer die rund drei Jahrzehnte von 1917 bis 1945 analysiert, kommt unweigerlich zum Schluss, dass sich die Revolution zum Zeitpunkt, wo der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, bereits seit einem Jahrhundert unter jüdischer Kontrolle befand. Dieser Zeitraum war nämlich verstrichen, seit Disraeli die Strippenzieher der Revolution als erster beim Namen genannt hatte. Wenn ich von einer »jüdisch kontrollierten Revolution« spreche, behaupte ich keineswegs, alle Juden seien Revolutionäre gewesen, sondern halte lediglich fest, dass sich die revolutionäre Führungsschicht aus dem talmudistischen Ostjudentum rekrutierte. Wie ich schon mehrfach hervorgehoben habe, kam der entschiedenste Widerstand gegen diese Bestrebungen von jenen Westjuden, die sich am weitesten von der talmudistischen Führung entfernt hatten. Somit muss ein seriöser Historiker ebenso säuberlich zwischen »Juden« und »Talmudisten« unterscheiden wie zwischen »Nationalsozialisten« und »Deutschen« oder zwischen »Kommunisten« und »Russen«.

 

In diesem Sinne war die Revolution meiner tiefen Überzeugung nach in den drei Jahrzehnten, die auf das Schicksalsjahr 1917 folgten, auch weiterhin jüdisch.

 

In Ungarn waren die Oberterroristen ausnahmslos in der UdSSR geschulte Juden: Matyas Rakosi, Bela Kun, Ernst Gerö und Tibor Szamuely. Die unverhohlen antichristlichen Handlungen dieses Regimes zeigten, wes Geistes Kind es war. F. Borkenau, Historiker der kommunistischen Internationale, bemerkt hierzu: »Die meisten bolschewistischen und linkssozialistischen Führer sowie ein erheblicher Teil ihres Stabes waren Juden… Deshalb war der Antisemitismus die natürliche Form des Widerstandes gegen den Bolschewismus.« Dieses Zitat ist recht aufschlussreich, belegt es doch, dass jede Reaktion gegen den Bolschewismus als »antisemitisch« angeschwärzt wird. Wer nicht als »Antisemit« an den Pranger gestellt werden will, tut folglich gut daran, nicht gegen den Bolschewismus Stellung zu beziehen!

 

In den folgenden zehn Jahren machte die Revolution, äußerlich gesehen, kaum Fortschritte. Zur nächsten großen Kraftprobe kam es in Spanien, wo die Revolutionäre Anno 1931 ihre Muskeln spielen ließen. Ihre Führer waren – großenteils jüdische – Emissäre aus Moskau, was bei zahlreichen überzeugten Republikanern, Spaniern und Nichtspaniern, einen Umdenkungsprozess auslöste. Viele Angehörige des Klerus sowie Laien, die für die Republikaner gestimmt hatten, mussten entsetzt zur Kenntnis nehmen, dass die von ihnen erhofften Reformen alsbald in eine Offensive gegen den christlichen Glauben ausarteten. Kirchen, Klöster und andere Gebäude, auf denen das Kreuz prangte, wurden gebrandschatzt, Priester und Nonnen ermordet. Dieser antichristliche Terror war der Pferdefuß, an denen man erkannte, wer hinter der Revolution stand, nämlich dieselben Kreise wie zuvor in Ungarn, Russland und Frankreich.

 

Das offizielle Organ der Komintern machte kein Hehl daraus, wer für die Attacken auf das Christentum verantwortlich war: »Die Flammen, die von den brennenden Kirchen und Klöstern Spaniens hochlodern, haben den wahren Charakter der spanischen Revolution gezeigt.« Die spanischen Kommunisten wüteten gegen das Christentum wie die »russischen« 1917 und danach. Der Kirchenbesitz wurde beschlagnahmt, ohne dass die spanischen Massen dadurch reicher geworden wären; die Goldreserven des Landes (ihr Wert betrug rund 700 Millionen Dollar) wurden vom letzten republikanischen Premierminister Juan Negrín nach Moskau geschafft (General Walter Krivitsky hat hierüber berichtet). Der Zorn jener Spanier, die auf die Errichtung einer konstitutionellen Republik gehofft hatten und sich als Untertanen einer aus dem Ausland importierten, antichristlichen Tyrannei wiederfanden, wurde durch den Mord am Monarchistenführer Calvo Sotelo zur Weißglut gesteigert, und in den folgenden Jahren bereitete Spanien dem Spuk ein Ende, so wie es jedes andere Land getan hat, dem es gelang, die Rote Armee mit ihren Kommissaren von seinen Grenzen fernzuhalten.

 

In den USA haben sowohl zionistische als auch antizionistische Juden mehr oder weniger offen eingeräumt, dass die Revolution in Spanien jüdische Wurzeln hatte. Richter Brandeis wandte sich entschieden gegen alle Versuche, in der Judenfrage ein Arrangement mit Hitler anzustreben, und ließ gegenüber Rabbiner Stephen Wise folgenden markigen Spruch fallen: »Deutschland möge das Los Spaniens teilen!« Bernard J. Brown schrieb: »Die Juden waren genauso verantwortlich für die Etablierung einer Republik in Spanien und die Überwindung der Autorität der Kirche in diesem Land, wie in jedem anderen Land, in dem Freiheit herrscht.“

 

In den beiden Jahrzehnten zwischen dem Ende des Ersten und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Anzahl der jüdischen Köpfe unter den Häuptern, die bei festlichen Anlässen über die Kremlmauern ragten, zusehends geringer (wenn die geknechteten Russen ihre Herrscher zu Gesicht bekamen, musste ihr frenetischer Jubel von einer Schallplatte abgespielt und via Lautsprecher verbreitet werden). Bei den großen Schauprozessen gab es unter den Angeklagten viele Juden; andere verschwanden ohne jede Erklärung einfach von der politischen Bühne. Nichtsdestoweniger scheint die jüdische Kontrolle über die UdSSR sowie die internationale Revolution hierdurch keinen nennenswerten Schaden erlitten zu haben, wie folgende Zahlen belegen:

 

1920 konnte man offiziellen bolschewistischen Statistiken entnehmen, dass von 545 sowjetischen Spitzenfunktionären nicht weniger als 447 Juden waren. Zum damaligen Zeitpunkt war die offizielle sowjetische Doktrin immer noch dieselbe wie während der Oktoberrevolution. Erziehungsminister Lunatscharski, einer der wenigen ethnischen Russen in Spitzenpositionen, sprach wie ein waschechter Talmudist: »Wir hassen das Christentum und die Christen; selbst die besten unter ihnen müssen als unsere schlimmsten Nachbarn gelten. Sie predigen Nächstenliebe und Gnade, was unseren Grundsätzen zuwiderläuft. Nieder mit der Nächstenliebe; was wir wollen, ist Hass. Wir müssen hassen lernen – erst dann werden wir die Welt erobern.« Dies ist bloß ein Zitat unter unzähligen ähnlichen; meines Wissens lässt sich für diese Denkweise nur eine einzige Quelle ausfindig machen, nämlich der Talmud.

 

1935 stattete der damalige britische Außenminister Anthony Eden der Hauptstadt der Weltrevolution als erster britischer Minister einen Besuch ab. Zu seinem Gefolge gehörte unter anderem ich als Korrespondent der Londoner Times. Zuvor hatte sich diese Zeitung geweigert, einen Vertreter nach Moskau zu entsenden, so dass ich nach Robert Wilton, dessen Geschichte ich in einem früheren Kapitel erzählt habe, der erste Times – Journalist war, der aus der sowjetischen Kapitale berichtete. Russland-Spezialist unseres Blatts war zuvor R. O. G. Urch gewesen, der in der lettischen Hauptstad Riga akkreditiert war und gegen den hinter den Kulissen unermüdlich gehetzt wurde. Ich wusste hierüber Bescheid, doch da ich in solchen Fragen damals noch etwas begriffsstutzig war, verstand ich den Hintergrund der Kampagne gegen Urch nicht.

 

In Moskau fiel mir gleich etwas auf, was ich nie zuvor in einem anderen Land erlebt hatte. In meinem ersten Bericht schrieb ich, Eden sei vom Bahnhof aus durch Straßen gefahren, die »von einer mürrischen und schweigenden Menschenmenge gesäumt« waren. Ein jüdischer Zensor verlangte, die anstößigen Worte zu streichen. Zuerst hielt ich dies für eine bloße Grille (ich fragte den Mann, ob ich vielleicht lieber hätte schreiben sollen, die Straßen seien »von Vertretern des Bürgertums in Zylindern« gesäumt gewesen), doch schon am folgenden Tag sah ich vieles mehr, was meinen ersten Eindruck bekräftigte. In meinem 1938 erschienenen Buch Insanity Fair schrieb ich:

 

»Das Personal der Abteilung für Zensur, d. h. der gesamten Maschinerie, welche die ausländische Presse kontrolliert und ihr einen Maulkorb anlegt, bestand durchwegs aus Juden, und dies verblüffte mich stärker als alles andere, was ich in Moskau sah. In dem ganzen Büro schien kein einziger nichtjüdischer Funktionär zu sitzen… Man sagte mir, die Zahl der Juden im Regierungsapparat sei gering, aber in diesem Büro, das ich schon bald ausgezeichnet kannte, schienen Juden die volle Kontrolle auszuüben, und ich fragte mich, wo bloß die Russen geblieben waren. Die Antwort schien zu sein, dass sie sich in der mürrischen und schweigenden Menschenmenge befanden, die ich gesehen hatte, aber nicht erwähnen durfte.«

 

Von erfahrenen Russland-Hasen erfuhr ich schon bald, dass die Anzahl der Juden im Regierungsapparat in Tat und Wahrheit keineswegs so gering war, wie man mir weismachen wollte, vor allem aber, dass sie die Regierung wenn nicht vollständig, so doch weitgehend kontrollierten. Es gelang mir in Moskau einfach nicht, irgendwelche ethnischen Russen kennenzulernen; dies war die Kehrseite dieser einzigartigen Erfahrung. Nie zuvor war ich einer Herrscherkaste begegnet, die dermaßen strikt von den Sklavenmassen getrennt lebte.

 

Zur Zeit meines Moskaubesuchs besaß ich keinen Grund, mir Gedanken über den unverhältnismäßig starken Anteil von Juden in dieser oder jener Organisation zu machen, denn damals, Anno 1935, hatte ich noch kaum begonnen, mich mit der »jüdischen Frage« auseinanderzusetzen. Meine eben geschilderten ersten Eindrücke waren die eines geschulten Beobachters, der nie zuvor in Moskau oder überhaupt in Russland gewesen war. Bestätigt wurden sie von einem nicht minder erfahrenen Mann, der volle zwölf Jahre lang (von 1922 bis 1934) in der sowjetischen Hauptstadt gelebt hatte. Dieser Mann war William Henry Chamberlin. Sein 1934 erschienenes Buch Russia´s Iron Age ist bis heute ein Standardwerk über jene Epoche. Unter anderem schrieb er:

 

»Eine erhebliche Zahl von Juden hat in der sowjetischen Bürokratie Karriere gemacht. Unter einem runden Dutzend von Funktionären, die ich im Pressedepartement des Kommissariats für auswärtige Angelegenheiten kennengelernt habe, gab es nur einen einzigen Nichtjuden. Die Dominanz der Juden in diesem Kommissariat war während meines Aufenthalts fast schon grotesk; die Russen waren hauptsächlich in Gestalt der grauhaarigen Pförtner sowie der ungekämmten alten Frauen vertreten, die Tee servierten. Auch in der [Geheimpolizei] GPU, der kommunistischen Internationale sowie im Handels- und im Wirtschaftsdepartement gab es viele Juden.«

 

Bei meinem Moskaubesuch im Jahre 1935 lernte ich einige der jüdischen Oligarchen kennen. Einer von ihnen war der stattliche Maxim Litwinow, eine Gestalt, wie man sie im Romanischen Café oder im Café Royal antrifft. Litwinow war zu einer der markantesten Figuren der Revolution geworden, genau wie Umansky, ein aalglatter, stets lächelnder Mann und gefährlicher als eine Klapperschlange. Wenn ich mich recht entsinne, stammte er aus Rumänien, doch wirkte er so unrussisch, als wäre er irgendwo im afrikanischen Busch geboren.

 

Meines Wissens hatte sich die Situation 1937 kaum verändert. A. Stolypin, Sohn des 1911 von einem jüdischen Terroristen ermordeten reformistischen Premierminister Pjotr Stolypin, schrieb, die Ersetzung von Juden durch Russen oder andere Nichtjuden auf den höchsten Stufen der sowjetischen Gesellschaftspyramide sei offensichtlich ein taktischer Schachzug, denn die Juden säßen immer noch an den wichtigsten Schalthebeln der Macht, und am Tage, an dem sie diese aufgeben müssten, werde »das ganze marxistische Gebäude wie ein Kartenhaus einstürzen«. Stolypin zählte die immer noch von Juden besetzten hohen Ämter auf und wies insbesondere darauf hin, dass die eigentlichen Schlüsselpositionen der Kontrolle durch Terror weiterhin fest in jüdischer Hand waren. Es waren dies die Konzentrations- und Sklavenarbeitslager, die von einem jüdischen Triumvirat überwacht wurden und in denen vielleicht sieben Millionen Russen einsaßen, die – durchwegs von jüdischen Kommissaren geleiteten – Gefängnisse, das gesamte Informationswesen einschließlich der Zensur sowie das seinem Wesen nach zutiefst talmudistische System der »politischen Kommissare«, das die bewaffneten Streitkräfte einer terroristischen Disziplin unterwarf.

 

Anno 1938 floh ein niedrigrangiger Sowjetdiplomat namens Butenko, der in Bukarest stationiert gewesen und nach Moskau zurückbeordert worden war, stattdessen nach Italien. In einem Gespräch mit der Zeitung Giornale d’Italia sagte er, die neue Herrscherklasse in seinem Land rekrutiere sich fast ausschließlich aus Juden. Insbesondere in der Ukraine befänden sich die ganze Verwaltung sowie sämtliche Industrien in jüdischen Händen; dies sei eine von Moskau gezielt betriebene Politik.

 

Im Lichte dieser Fakten kann man festhalten, dass sich die Identität der Manager der Revolution zwischen 1917 und 1938 nicht wesentlich geändert hatte: Sie mochten 1938 die meisten sichtbaren Führungspositionen geräumt haben, zogen hinter den Kulissen aber immer noch die Fäden. Dann senkte sich der Rauchvorhang des Krieges nieder; erst während der Schlussphase des großen Völkerringens sowie in den unmittelbaren Nachkriegsjahren ließ sich die Entwicklung wieder einigermaßen klar beobachten.

 

Schon lange vor dem Beginn der Feindseligkeiten, im Mai 1938, legte Stalin die Kriegsziele der Revolution beim dritten Kongress der Komintern in Moskau eindeutig fest:

 

»Eine hinreichend energische Wiederaufnahme der revolutionären Aktionen wird nur dann möglich sein, wenn es uns gelingt, die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten zwischen den kapitalistischen Ländern auszunutzen, indem wir einen bewaffneten Konflikt zwischen ihnen entfachen… Die Revolution sollte ganz allgemein allen Kriegen ein Ende bereiten. Die zentrale Aufgabe unserer Parteigenossen im Ausland besteht darum darin, die Provozierung eines solchen Konflikts zu erleichtern.«

 

Es wird dem Leser nicht entgangen sein, dass die Sowjetunion der hier skizzierten Strategie bis zum – durch den Hitler-Stalin-Pakt erfolgreich provozierten – Kriegsausbruch unbeirrbar treu blieb. Indem die westlichen Führer ihre früher lautstark proklamierten eigenen Kriegsziele aufgaben und halb Europa an die Revolution auslieferten, sorgten sie dafür, dass die sowjetischen Kriegsziele in diesem Weltteil voll und ganz verwirklicht wurden.

 

Wer waren nun die »Manager«, welche die Revolution den 1945 vom Westen verratenen osteuropäischen Ländern aufnötigte? Ein weiteres Mal bietet sich uns hier die Gelegenheit, die Identität der revolutionären Führer unter die Lupe zu nehmen. Da es für die Spitzenpositionen in diesen Ländern theoretisch jede Menge Kandidaten aus der einheimischen Bevölkerung gab, bestand für die Revolution scheinbar nicht die geringste Notwendigkeit, diesen Staaten jüdische Regierungen aufzuzwingen – es sei denn, dies war eine planmäßig verfolgte Politik.

 

Arthur Bliss Lane, US-Botschafter im kommunistischen Polen, hielt fest, dass Juden, von denen viele aus dem Ausland eingewandert waren, einen ganz unverhältnismäßig hohen Anteil von Schlüsselpositionen innerhalb des terroristischen Apparats innehatten. Major Tufton Beamish, Abgeordneter des britischen Unterhauses, schrieb: »Viele der mächtigsten Kommunisten in Osteuropa sind Juden… Ich war überrascht und schockiert über die hohe Zahl von Juden bei der Geheimpolizei.«

 

Matyas Rakosi, als Matyas Rosenfeld in der Vojvodina geboren, kehrte 1945 als Premierminister nach Ungarn zurück – diesmal im Windschatten der Roten Armee, die dafür sorgte, dass er diesen Posten auch behielt. Acht Jahre später, Anno 1953, berichtete die Associated Press, 90% der höchsten Beamten des kommunistischen ungarischen Regimes seien Juden, »einschließlich Premierminister Matyas Rakosi«. Im selben Jahr vermeldete die Londoner Times, Rakosis Kabinett sei »vorwiegend jüdisch«. Wie in den anderen kommunistischen Ländern begann die Christenverfolgung auch in Ungarn mit der Einkerkerung hoher kirchlicher Würdenträger. Für Aufsehen im Ausland sorgte vor allem der Prozess gegen Kardinal Mindszenty, der wegen Verrats vor Gericht gestellt und eingesperrt wurde. Über die wahren Gründe seiner Inhaftierung vermittelt folgende Botschaft Aufschluss, die der Zentralrat der Juden in Ungarn, die Ungarische Zionistische Organisation sowie die Ungarische Sektion des Jüdischen Weltkongresses 1949 an die Juden der Welt richteten: »Mit großer Erleichterung haben die ungarischen Juden die Nachricht von der Festnahme Kardinal Mindszentys aufgenommen. Durch diesen Schritt hat die ungarische Regierung den Häuptling einer Pogrom-Clique dorthin befördert, wo er hingehört.«

 

Über die kommunistische Tschechoslowakei schrieb die – in solchen Fragen zuverlässige – Londoner Zeitschrift New Statesman sieben Jahre nach Kriegsende: »Wie anderswo in Zentral- und Südosteuropa sind sowohl die Parteiintellektuellen als auch die Schlüsselfiguren in der Geheimpolizei mehrheitlich jüdischer Abstammung.« Zur Lage in Rumänien äußerte sich die New Yorker Harald Tribune im Jahre 1953 folgendermaßen: »Zusammen mit Ungarn hat Rumänien wahrscheinlich die höchste Zahl von Juden in der Verwaltung.«

 

In Rumänien wütete der Terror unter der Außenministerin Anna Pauker, einer Jüdin, deren Vater – ein Rabbiner – und jüngerer Bruder in Israel leben. Es ist dies ein interessantes Fallbeispiel für ein ideologisches Zerwürfnis innerhalb einer jüdischen Familie, ein Phänomen, das Chaim Weizmann in seinem Bericht über seine Kindheit in Russland geschildert hat, wo sich der Riss zwischen »revolutionärem Kommunismus« und »revolutionärem Zionismus« durch unzählige jüdische Sippen zog. Immerhin nutzte Anna Pauker ihr Amt, um ihrem Vater die Gelegenheit zur Auswanderung nach Israel zu bieten.

 

Die Rolle, die Frauen in der Revolution spielen, angefangen bei den Damen aus der höheren Gesellschaft, die strickend um die Guillotine herum saßen, ist für einen Historiker besonders interessant. In der DDR wurde der Terror von Hilde Benjamin dirigiert, die zuerst Stellvertretende Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs und dann Justizministerin war. Die »Rote Hilde« wird in der Presse oft als Jüdin identifiziert, und die Brutalität des von ihr dirigierten Gewaltregimes ist allgemein bekannt: selbst die Londoner Times schreckte nicht davor zurück, sie die »gefürchtete Frau Benjamin« zu nennen. Unter ihrer Führung wurden innerhalb von zwei Jahren fast 200.000 DDR-Bürger wegen »politischer Verbrechen« abgeurteilt, und sie führte persönlich den Vorsitz über mehrere Schauprozesse nach sowjetischem Muster, bei denen den Angeklagten Delikte wie die Mitgliedschaft bei den Zeugen Jehovas vorgeworfen wurden.

 

Laut der Volkszählung von 1946 zählte die sowjetische Besatzungszone Deutschlands im Jahre 1946 17.313.700 Einwohner, von denen jüdischen »Schätzungen« zufolge lediglich zwei- bis viertausend Juden waren. Über diese winzige Minderheit berichtete der Johannesburger Zionist Record Anno 1950: »Das Leben in der Ostzone hat ihr Schicksal zum Besseren gewendet. Nicht wenige von ihnen haben hohe Positionen in der Regierung und Verwaltung inne, Positionen, die zuvor kein Jude je in Deutschland bekleidet hat und welche die Juden allem Gerede von Demokratie zum Trotz in Westdeutschland nicht einmal heute einnehmen können. Mehrere Juden haben im Informations-, Industrie- und Justiministerium wichtige Stellungen inne. Der Oberste Richter im östlichen Sektor von Berlin ist Jude, ebenso wie mehrere höhere Richter in der Provinz um Berlin herum. Auch in der Presse und im Theater nehmen viele Juden verantwortungsvolle Positionen ein.«

 

Nicht einmal die offiziell in der DDR lebenden maximal viertausend Juden würden ausreichen, um all diese hochgestellten Posten zu bekleiden! In einer anderen Ausgabe derselben Zeitschrift las man:

 

»Als kurz nach dem Krieg die russische Besatzungsbehörde errichtet wurde, gab es viele Juden, die in der sowjetischen Verwaltung Schlüsselpositionen und hohe Stellungen einnahmen. Dazu gehörten Juden, die in Russland gelebt hatten… und mit der Roten Armee nach Deutschland und Österreich gekommen waren, ferner Juden aus den in den letzten zehn Jahren von Russland besetzten baltischen Staaten Lettland und Litauen.«

 

Wir sind mit unserer Darstellung der Ereignisse mittlerweile fast schon in der Gegenwart angelangt und werden dieses Thema im Schlusskapitel abschließen.

 

Resümieren wir das in diesem Kapitel Gesagte: Als sich die Revolution 1945 auf die vom Westen preisgegebenen Gebiete in Osteuropa ausdehnte, geschah dasselbe wie 1917 und 1918 in Russland. Die Talmudisten ergingen sich in wilden Racheorgien, und im östlichen Teil Europas kamen Regime an die Macht, die in unterschiedlich großem Umfang von Juden kontrolliert wurden. In den folgenden acht Jahren änderte sich hieran nicht viel. Die seitherige Entwicklung hat unsere Erkenntnisse über die Natur der Revolution, ihrer Führungsschicht sowie ihrer talmudistisch geprägten Ideologie ein weiteres Mal bestätigt.

 

Der Schluss des Buches ist in Teil 4:

 

Kapitel 43 Der zionistische Staat
Kapitel 44 Das Weltinstrument
Kapitel 45 Die jüdische Seele
Kapitel 46 Die kritischen Jahre

 

 

 

ANHANG

 

Wegen der Überlänge des kompletten Buches DER STREIT UM ZION von ca. 500 DIN A4 Seiten habe ich die Unterteilung in vier Gruppen unternommen. Auch die Hervorhebungen im Text sind von mir. Horst Koch, Herborn, im Frühjahr 2013. – Allerdings kann ich Ihnen auf Anfrage als PDF auch das komplette Buch zusenden.

 

Sehr zu empfehlen ist Reeds deutsches Buch Der grosse Plan der Anonymen, siehe evtl bei www.amazon.de

 

Dies Buch hilft sehr zu einem Hintergrundverständnis unserer europäischen Nachkriegsgeschichte, und natürlich auch betreffs unserer heutigen politischen Situation. …

 

www.horst-koch.de  –  info@horst-koch.de

 

 

 

DER STEIT UM ZION

 

Teil 1:

 

Kapitel 7   Die Übersetzung des Gesetzes
Kapitel 8   Das Gesetz und die Idumäer
Kapitel 9   Der Aufstieg der Pharisäer
Kapitel 10  Der Mann aus Galiläa
Kapitel 12  Licht und Finsternis
Kapitel 13  Der Zaun um das Gesetz

 

Kapitel 14  Die mobile Regierung
Kapitel 15  Der Talmud und die Ghettos
Kapitel 16  Die Sehnsucht nach dem Messias
Kapitel 17  Die zerstörerische Mission
Kapitel 18  Napoleon stellt die Gretchenfrage

 

Teil 2:

 

Kapitel 19  Die Weltrevolution
Kapitel 20  Der Plan
Kapitel 21  Die Warnungen Disraelis
Kapitel 22  Die Manager
Kapitel 23  Der »Prophet«
Kapitel 24  Die Geburt des Zionismus
Kapitel 25  Die Zionistische Weltorganisation

 

Kapitel 26  Die Häresie Dr. Herzls
Kapitel 27  Die »Protokolle«

 

 

 

Teil 3:

 

Kapitel 29 Der Ehrgeiz des Oberst House
Kapitel 30 Erster Weltkrieg
Kapitel 31 Ein Netz von Intrigen
Kapitel 32 Abermals die Weltrevolution

 

Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41

 

 

 

Teil 4:

 

Kapitel 43 Der zionistische Staat
Kapitel 44 Das Weltinstrument
Kapitel 45 Die jüdische Seele
Kapitel 46 Die kritischen Jahre
Epilog

 

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