Streit um Zion – Teil 1 – D.Reed

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Douglas Reed

Der Streit um Zion  – Teil 1

 

Kapitel 1    Der Beginn der Geschichte
Kapitel 2    Das Ende Israels
Kapitel 3    Die Leviten und das Gesetz
Kapitel 4    Die Ketten werden geschmiedet
Kapitel 5    Der Fall Babylons
Kapitel 6    Das Volk weinte
Kapitel 7    Die Übersetzung des Gesetzes
Kapitel 8    Das Gesetz und die Idumäer
Kapitel 9    Der Aufstieg der Pharisäer
Kapitel 10  Der Mann aus Galiläa
Kapitel 12  Licht und Finsternis
Kapitel 13  Der Zaun um das Gesetz
Kapitel 14  Die mobile Regierung
Kapitel 15  Der Talmud und die Ghettos
Kapitel 16  Die Sehnsucht nach dem Messias
Kapitel 17  Die zerstörerische Mission
Kapitel 18  Napoleon stellt die Gretchenfrage

– Kapitel 19 bis 27 sind als Teil 2, Kapitel 28 bis 41 unter Teil 3, 42 – 46 als Teil 4 auf meiner HP. – Das grosse Thema der Geschichte der Judenheit ist sehr komplex, weswegen diese Darstellung von Herrn Reed nur als eine Ergänzung betrachtet werden kann. Der biblische Aspekt in der Existenz des jüdischen Volkes wurde hier zu wenig bedacht. Auch, weil das Geistliche im Weltlichen meist verborgen bleibt. … Die Hervorhebungen im Text wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Jahre 2013 –

Einleitung von Ivor Benson

Der Verfasser:

In den Jahren unmittelbar vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war der Name Douglas Reed in Europa in aller Munde; seine Bücher wurden in einer Auflage von Zehntausenden von Exemplaren verkauft und er besaß in der gesamten englischsprachigen Welt Heerscharen von Lesern und Bewunderern, die seine Werke förmlich verschlangen. Als ehemaliger Zentraleuropa-Korrespondent der Londoner Times war er mit Büchern wie Insanity Fair, Disgrace Abounding, Lest We Regret, Somewhere South of Suez und Far and Wide zu großem Ruhm gelangt; jedes dieser Werke mehrte seinen Ruf als einer der führenden Auslandkorrespondenten der Welt.

Dass Douglas Reed und seine Werke fast ganz in Vergessenheit geraten sind, lässt sich unmöglich allein mit dem Vergehen der Zeit erklären. Ganz im Gegenteil: Die seitherigen Geschehnisse haben bewiesen, dass Reeds Deutung der zeitgeschichtlichen Entwicklungen voll zutraf und sein Schicksal, sowie das seiner Bücher, stellt ein zusätzliches Indiz für die Richtigkeit seines Geschichtsbildes dar.

Nachdem 1951 Reeds Buch Far and Wide erschienen war, in dem er die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika vor dem Hintergrund dessen deutete, was er in Europa über die Weltpolitik erfahren hatte, wurde er bei den Verlegern über Nacht zur Unperson und seine früheren Werke verschwanden auf Nimmerwiedersehen aus den Bücherläden und Bibliotheken.

Nun, wo seine öffentliche Karriere nach menschlichem Ermessen beendet war, konnte sich Reed einer gewaltigen Aufgabe zuwenden. All seine bisherigen Erfahrungen waren in gewissem Sinne lediglich eine Vorbereitung auf diese Aufgabe gewesen, eine Schulung, die keine Universität vermitteln konnte und die bloß einigen wenigen Glücklichen und Begabten offenstand – seine Jahre als Auslandskorrespondent, seine Reisen durch Europa und Amerika, seine Gespräche und Kontakte mit den großen politischen Führern seiner Zeit sowie sein intensives, auf Lektüre und Beobachtung Fußendes Studium des Besten, was die europäische Kultur hervorgebracht hat.

Scheinbare Niederlagen, die andere Menschen resigniert hingenommen hätten, verstärkten Reeds Entschlossenheit, sich ganz seinem wichtigsten Unterfangen zu widmen – der Erforschung der letzten zweitausend Jahre unserer Geschichte sowie ihre anschauliche Zusammenfassung auf eine Weise, die dem Leser zahlreiche zeitgenössische Entwicklungen verständlich macht, welche der breiten Öffentlichkeit heutzutage infolge einer unsichtbaren, jedoch ungemein wirksamen Zensur dunkel und unverständlich bleiben müssen.

Das Buch: Ab 1951 arbeitete Douglas Reed – die meiste Zeit über von seiner Frau und seinen kleinen Kindern getrennt – in der Central Library von New York oder saß in seinen bescheidenen Unterkünften in New York und Montreal vor seiner Schreibmaschine. Er arbeitete unermüdlich an seinem Buch, bis dessen Umfang schließlich auf 300.000 Wörter angewachsen war; 1956 ergänzte er es um einen Epilog.

Die Geschichte des Buches selbst – die ungewöhnlichen Umstände, unter denen es entstand, sowie die Tatsache, dass das Manuskript, nachdem es über zwanzig Jahre lang unbeachtet vergilbt war, schließlich doch einen Verleger fand, ist ein Bestandteil der Geschichte des 20. Jahrhunderts und wirft einen Lichtstrahl auf einen Kampf, von dem die überwältigende Mehrheit der Menschen nichts weiß: Jenem Kampf, der pausenlos auf dem Schlachtfeld des menschlichen Geistes tobt.

Es bedurfte ungewöhnlicher geistiger Kraft und Motivation, um ein dermaßen umfangreiches Buch zu schaffen, das so viele gewissenhafte Nachforschungen erforderte – umso mehr, als die Aussichten, es noch zu Lebzeiten seines Verfassers zu veröffentlichen, außerordentlich gering schienen.

Zwar ist eine Korrespondenz erhalten geblieben, die belegt, dass Reed bei einem Verleger die Möglichkeit einer Veröffentlichung seines Opus sondiert hat, doch das Manuskript wurde diesem niemals zugestellt und lag 22 Jahre lang in drei mit Reißverschlüssen versehenen Dossiers auf einem Kleiderschrank in Reeds Haus in Durban, Südafrika.

Entspannt und im Frieden mit sich selbst, im Bewusstsein, dass er sein großes Unterfangen so weit geführt hatte, wie es unter den obwaltenden Umständen möglich war, nahm Douglas Reed seinen erzwungenen Ruhestand gleichmütig hin. Er ließ die Vergangenheit auf sich beruhen und gewöhnte sich heiter an einen anderen Lebensstil. Die meisten seiner neuen Freunde und Bekannten, die er durch seinen Witz und seinen köstlichen Humor in seinen Bann zog, hatten jahrelang keine Ahnung, dass dieser Mann kein anderer war als der berühmte Schriftsteller Douglas Reed.

Eines stand für ihn fest: Ob noch zu seinen Lebzeiten oder nicht, die Zeit würde kommen, wo die Umstände es ermöglichen, der Welt sein Vermächtnis zur Kenntnis zu bringen – eine umfassende Revision der Geschichte sowie die erneute Verkündung der zentralen christlichen Botschaft.

Im letzten Kapitel, das den Titel „Die kritischen Jahre“ trägt, meinte Douglas Reed, wenn er 1949, als er mit der Arbeit an diesem Buch begann, bereits alles hätte planen können, hätte er keinen besseren Augenblick als die letzten Monate des Jahres 1956 wählen können, um die lange Geschichte des talmudischen Zionismus vor dem Hintergrund dessen, was sich auf der Weltbühne abspielte, einer kritischen Beurteilung zu unterziehen.

1956 war das Jahr, in dem die Zionisten bei einer amerikanischen Präsidentschaftswahl wieder einmal ihre Fähigkeit unter Beweis stellten, die westliche Politik entscheidend zu beeinflussen; es war das Jahr, in dem der Westen untätig zusah, wie sowjetische Truppen in Ungarn einen spontanen Volksaufstand niederschlugen und das entthronte jüdisch-kommunistische Regime wieder in den Sattel hoben; es war das Jahr, in dem Großbritannien und Frankreich unter zionistischem Druck versuchten, den Suezkanal wieder unter ihre Kontrolle zu bringen und sich damit auf ein desaströses Unternehmen einließen, aus dem Israel ein weiteres Mal als einziger Sieger hervorging.

Die Geschehnisse seit 1956, als Douglas Reed die letzten Zeilen seines Buches niederschrieb, hat die Richtigkeit seiner Deutung von mehr als zweitausend Jahren bewegter Geschichte erhärtet.

Der Nahe Osten ist auch weiterhin ein internationaler Krisenherd sowie jener Weltteil, wo Informationen am unverfrorensten verfälscht und jede echte Debatte am unerbittlichsten unterdrückt wird. Nur jene wenigen, die Bescheid über die Ränke des talmudischen Zionismus und des Kommunismus wussten, durften hoffen, die Hintergründe gewisser Schlüsselereignisse zu begreifen, beispielsweise jene des sogenannten Sechstagekrieges von 1967 oder jene der massiven Invasion des Libanon durch die israelischen Streitkräfte im Jahre 1982.

Wer Der Streit um Zion gelesen hat, wird nicht überrascht sein, zu erfahren, dass es eindeutige Anzeichen eines geheimen Zusammenspiels zwischen der Sowjetunion und Israel vor dem israelischen Angriff auf Ägypten gab. Erst nachdem Oberst Nasser von den Kremlbossen vor einem bevorstehenden israelischen Überfall auf das mit Ägypten verbündete Syrien gewarnt worden war, entsandte er fast alle seine Truppen an die Nordgrenze seines Landes, wo sie zur leichten Beute der weit überlegenden israelischen Streitkräfte wurden.

1982 bot sich ein ähnliches Bild. Damals lancierte Israel eine ebenso massive wie rücksichtslose Invasion im Südlibanon. Diese verfolgte vordergründig das Ziel, die PLO zu zerschlagen, war aber in Wirklichkeit Bestandteil einer Expansionspolitik, zu der sich gewisse jüdische Führer mit bemerkenswerter Offenheit geäußert haben.

Allerdings war die von prozionistischen westlichen Politikern und Medien geschaffene Mythologie, die Israel regelmäßig als kleine, tugendhafte, stets auf Hilfe und Schutz angewiesene Nation darstellte, mittlerweile reichlich unglaubwürdig geworden, so dass sich die wenigsten überrascht zeigten, als das britische Institute of Strategic Studies bekanntgab, Israel könne nun als viertstärkste Militärmacht der Welt nach den USA, der Sowjetunion und der Volksrepublik China, aber weit vor Nationen wie Großbritannien und Frankreich gelten. …

IVOR BENSON

Kapitel 1 Der Beginn der Geschichte

Der wahre Beginn dieser Geschichte fiel auf irgendeinen Tag im Jahre 458 v. Chr., zu dem wir im sechsten Kapitel des vorliegenden Buchs vorstoßen werden. An jenem Tage schuf ein kleiner palästinensischer Stamm namens Juda, der sich lange Zeit zuvor von den Israeliten abgesondert hatte, ein rassisch fundiertes Glaubensbekenntnis, das sich im folgenden auf die Geschicke des Menschengeschlechts womöglich verheerender ausgewirkt hat als Sprengstoffe und Seuchen. Es war dies der Tag, an dem die Theorie von der Herrenrasse zum „Gesetz“ erklärt wurde.

Zum damaligen Zeitpunkt war Juda nichts weiter als eines von vielen Untertanenvölkern des persischen Königs, und das, was man heute das „Abendland“ nennt, war noch gänzlich unbekannt. Mittlerweile ist die christliche Ära nahezu zweitausend Jahre alt, und die ihm entsprungene „abendländische Zivilisation“ lässt wachsende Anzeichen des Zerfalls erkennen.

Nach Ansicht des Verfassers ist dies in erster Linie eine Folge des vor rund 2500 Jahren in Juda entstandenen Glaubens. Dieser Prozess lässt sich von seinen Anfängen bis hin zu seinen gegenwärtigen Auswirkungen recht genau nachverfolgen, weil wir es hier mit überprüfbarer Geschichte zu tun haben.

Die Religion, die eine fanatische Sekte damals begründete, hat im Lauf dieser fünfundzwanzig Jahrhunderte zahllose Menschen zutiefst beeinflusst, was eine Erklärung für das Ausmaß ihrer zerstörerischen Wirkung liefert. Warum sie zu jener bestimmten Zeit, oder überhaupt, entstanden ist, kann niemand erklären. Wir haben es hier mit einem der größten Geheimnisse der Weltgeschichte zu tun, es sei denn, das Prinzip, wonach jede Aktion eine entsprechende Reaktion hervorruft, gelte auch auf religiösem Gebiet. Sollte dies zutreffen, so hat der Impuls, der in jener fernen Vergangenheit viele Menschen zur Suche nach einem universalen, liebenden Gott trieb, das düstere Gegenbild eines rachsüchtigen Stammesgottes erzeugt.

Der Judaismus war bereits im Jahre 458 v. Chr. eine rückschrittliche Religion, denn damals wandten sich die Menschen der kultivierten Welt von den Götzen und Stammesgöttern ab und suchten nach einem einzigen Gott aller Menschen, einen Gott der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe. Konfuzius und Buddha hatten bereits in dieser Richtung gewirkt, und unter den Nachbarvölkern Judas war der Monotheismus durchaus nicht unbekannt. Heutzutage wird oft behauptet, religiöse Menschen, seien sie nun Christen, Muselmanen oder Anhänger anderer Glaubensbekenntnisse, müssten dem Judaismus trotz seiner Irrtümer Achtung zollen, weil er unbestrittenermaßen die erste Universalreligion gewesen sei und alle anderen Universalreligionen deshalb in gewissem Sinne von ihm abstammten. Dies wird jedem jüdischen Kind eingetrichtert. In Wahrheit war die Vorstellung von einem einzigen Gott aller Menschen schon lange vor dem Entstehen des Stammes Juda bekannt, und der Judaismus stellte ihre Verneinung dar.

Im ägyptischen Totenbuch findet sich folgende Stelle: „Du bist der eine, der Gott, vom Anfang der Zeit an, der Erbe der Unsterblichkeit, selbstgeschaffen und selbstgeboren, du schufst die Erde und machtest den Menschen.“ Manuskripte dieses Totenbuchs sind in Pharaonengräbern aus dem Jahre 2600 v. Chr. vorgefunden worden und folglich über zweitausend Jahre älter als das judäische „Gesetz“. Man vergleiche damit folgenden Satz aus dem Alten Testament: „HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern?“ (2. Moses 15; 11.)

Die Sekte, die sich im Stamme Juda festsetzte und die Herrschaft über diesen errang, machte sich das aufstrebende Konzept eines Gottes aller Völker nur darum zu eigen, und integrierte es nur darum in seine Schrift, um einen Glauben zu begründen, der es verneinte. Gewiss, er verneinte es auf subtile Weise, begegnete ihm jedoch mit Verachtung, und da dieser Glaube auf der Theorie von der Herrenrasse beruhte, war eine solche Verneinung notwendig und unvermeidlich. Wenn es eine Herrenrasse gibt, so muss sie selbst Gott sein.

Dieser Glaube, der in Juda anno 458 v. Chr. zum Alltagsgesetz wurde, war weltweit einzigartig und ist es bis zum heutigen Tage. Er beruhte auf der Behauptung, der Stammesgott Jahwe habe „die Israeliten“ (richtig wäre: die Judäer) zu seinem „auserwählten Volk“ gemacht, und wenn sie sich an all seine Gebote hielten, werde er sie über alle anderen Nationen erheben und ihnen ein „gelobtes Land“ schenken. Dieser Theorie entsprangen, ob geplant oder aus unvorhergesehener Notwendigkeit, zwei Zwangsvorstellungen: Die von der „Gefangenschaft“ und die von der „Vernichtung“. Wenn Jahwe gemäß seinem Befehl an einem ganz bestimmten Ort in einem ganz bestimmten Land zu verehren war, mussten all seine Anhänger dort leben. Dies war jedoch nicht möglich, und jene, die – ob durch äußeren Zwang oder aus freiem Entscheid – anderswo lebten, wurden hierdurch automatisch „Gefangene“ bei „Fremden“, die „auszurotten“, „in den Staub zu werfen“ und zu „vernichten“ waren. Angesichts dieses Grundtenors des judäischen Glaubens machte es keinen Unterschied, ob diejenigen, die das auserwählte Volk „gefangen hielten“, Eroberer oder friedliche Gastvölker waren; das ihnen vorbestimmte Los war Vernichtung oder Versklavung.

Bevor sie vernichtet oder versklavt wurden, mussten sie die Judäer freilich eine Zeitlang „in der Gefangenschaft schmachten lassen“, nicht weil sie darauf ein natürliches Recht besessen hätten, sondern weil die Judäer sich nicht an die Gebote gehalten hatten und hierfür bestraft werden mussten. Einzig und allein auf diese Weise offenbarte sich Jahwe als der einzige Gott aller Völker; zwar hatte er nur ein einziges auserwählt, doch bediente er sich der Heiden, um sein auserwähltes Volk für seine Sünden zu züchtigen, ehe diese Heiden ihr vorbestimmtes Schicksal ereilte und sie der Vernichtung preisgegeben wurden.

Dies war das Vermächtnis, das den Judäern zufiel. Es war nicht einmal ihr eigenes, denn laut dem Alten Testament war der „Bund“ zwischen Jahwe und den „Kindern Israels“ geschlossen worden, und im Jahre 458 v. Chr. waren die Israeliten, die sich lange zuvor von den Judäern getrennt hatten, bereits in der Menschheit aufgegangen, in die sie auch die Vision eines universellen, liebenden Gottes einbrachten. Alles deutet darauf hin, dass die Israeliten jenen auf rassischer Grundlage beruhenden Glauben, der als „jüdische Religion“ oder „Judentum“ bekannt wurde, niemals gekannt haben. Dieser Glaube war einzig und allein eine Schöpfung der levitischen Judäer.

Was wir über die Geschehnisse vor dem Jahre 458 v. Chr. zu wissen glauben, besteht größtenteils aus Sagen, Legenden und Mythologie, während sich die auf dieses Datum folgenden Ereignisse im großen Ganzen verifizieren lassen. Die ersten Dokumente erschienen in den beiden Jahrhunderten vor diesem Schlüsseldatum, als der Stamm Judah bereits von den Israeliten ausgestoßen worden war, doch beruht unser Bild jener Zeit größtenteils auf mündlichen Überlieferungen. Die Pervertierung der israelitischen Religion erfolgte damals, während der Periode, wo man begann, die mündliche Tradition schriftlich festzuhalten. Was von den Worten der früheren Israeliten überliefert ist, beweist, dass sie an einen universalen Gott und an ein friedliches Zusammenleben mit ihren Nachbarvölkern glaubten. Dies änderte sich unter dem Einfluss von Wanderpredigern, welche die Judäer von den Israeliten absonderten und den Kult Jahwes begründeten, eines Gottes, der für Rassismus, Hass und Rache stand.

Laut der alten Tradition war Mose ein großer Stammesführer gewesen, der die Stimme des einzigen Gottes aus einem brennenden Dornbusch vernommen hatte und vom Berge niedergestiegen war, um dem Volk die Gebote dieses einzigen Gottes zu offenbaren. Als diese Tradition entstand, erlebte das religiöse Denken einen starken Aufschwung, und die Völker befruchteten sich gegenseitig mit ihren Überlieferungen und Gedanken.

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Vorstellung von einem einzigen Gott in Ägypten schon sehr früh lebendig war, was freilich nicht ausschließt, dass die Ägypter sie ihrerseits von anderen übernommen haben könnten. Die Gestalt Mose sowie seine Gebote waren einer bereits bestehenden Tradition entnommen. Die Geschichte von der Entdeckung des kleinen Mose in den Binsen ist offenkundig einer viel älteren Legende entlehnt, derjenigen vom babylonischen König Sargon dem Älteren, der ein- bis zweitausend Jahre zuvor gelebt hatte; die zehn Gebote weisen unverkennbare Ähnlichkeit mit älteren ägyptischen, babylonischen und assyrischen Gesetzen auf. Die Israeliten bauten also auf bereits vorhandenen Ideen auf und waren auf dem Weg zu einer Universalreligion dementsprechend schon weit fortgeschritten, als sie in der Menschheit aufgingen.

Doch dann kehrte Juda diesen Prozess um, so dass es der Effekt eines rückwärts laufenden Films war. Als die Herren Judas, die Leviten, ihr Gesetz begründeten, übernahmen sie ebenfalls vieles vom Erbe anderer Völker und bauten es in ihr Gesetz ein. Sie gingen zunächst von einem Gott aller Völker aus, dessen Stimme kurz aus einem brennenden Dornbusch erklungen war (was der mündlichen Überlieferung entsprach), verwandelten diesen jedoch in ihren fünf Gesetzesbüchern in einen rassischen Stammesgott, mit dem sie schachern konnten und der ihnen Land, Schätze, Blut sowie die Macht über andere als Gegenleistung dafür versprach, dass sie in einem bestimmten Land an einem bestimmten Ort ein rituelles Opfer darbrachten.

Somit begründeten sie eine permanente Gegenbewegung gegen sämtliche Universalreligionen und sorgten dafür, dass der Name Juda zum Synonym für selbstgewählte Absonderung vom Rest der Menschheit, Rassenhass, Mord im Namen der Religion und Rache wurde.

Diese Pervertierung lässt sich im Alten Testament verfolgen, wo Moses zunächst als Verkünder moralischer Gebote und Verfechter der guten Nachbarschaft erscheint, sich dann aber zum Organisator rassistisch motivierter Massaker mausert, nachdem die moralischen Gebote zwischen dem zweiten und dem vierten Mosesbuch in ihr Gegenteil verkehrt worden sind. Im Rahmen derselben Verwandlung befiehlt der Gott, der das Volk anfänglich ermahnt hat, das Gut und die Frauen seines Nachbarn nicht zu begehren, den Massenmord an einem Nachbarvolk, bei dem nur die Jungfrauen verschont bleiben sollen!

Somit erreichten die Wanderprediger, die sich den Stamm Juda lange zuvor Untertan gemacht hatten, dass ein kleines, unfreies Volk sich von der anderswo erstarkenden Idee eines Gottes aller Menschen abwandte und stattdessen einen blutrünstigen Stammesgott auf den Thron hob und ein rassistisches Gesetz begründete. Die Anhänger dieses Glaubens sollten fortan durch all die Jahrhunderte hindurch eine zerstörerische Mission erfüllen.

Dieser als göttliche Offenbarung dargestellter Glaube beruhte auf einer ganz bestimmten Version der Geschichte, bei der jedes Ereignis in Übereinklang mit dem Dogma stehen und dieses bestätigen musste.

Es war eine Geschichtsversion, die bis zur Schöpfung zurückreichte, deren genauen Zeitpunkt die Priester zu kennen vorgaben, genau wie sie behaupteten, Bescheid über die Zukunft zu wissen und somit die ganze Geschichte des Universums von ihrem Anfang bis zu ihrem Endpunkt zu kennen. Der Endpunkt würde der totale Triumph in Jerusalem sein, nachdem die Judäer die Judäer die Weltherrschaft angetreten hatten und die Heiden mitsamt ihren Königtümern der Vernichtung anheimgefallen waren.

Das Thema der Gefangenschaft des gesamten Volkes, die mit der Rache Jahwes an dessen Unterdrückern endet (alle Erstgeborenen Ägyptens müssen sterben), erscheint in dieser Version erstmals zum Zeitpunkt, wo das Volk Israel im Ägyptenlande schmachtet, dieses jedoch verlässt und zur Eroberung des Gelobten Landes aufbricht. Diese Episode war notwendig, um die Judäer zur zersetzenden Kraft innerhalb fremder Nationen zu machen, und wurde ganz offensichtlich zu diesem Zwecke erfunden. Die Spezialisten auf dem Gebiet der der jüdischen Geschichte sind sich einig, dass sich die im Zweiten Buch Mose erzählten Dinge in Wahrheit niemals zugetragen haben.

Ob Mose überhaupt gelebt hat, ist umstritten. Rabbi Emil Hirsch schrieb: „Sie sagen euch, Mose habe niemals gelebt. Ich stimme dem zu. Wenn sie mir sagen, dass die Geschichte, wonach sie von Ägypten kamen, Mythologie sei, werde ich nicht protestieren. Sie sagen mir, dass das Buch Jesaja in der Form, in der es uns heute vorliegt, aus Schriften bestehe, die zu wenigstens drei, wenn nicht gar vier verschiedenen Epochen stammten; ich wusste dies, bevor sie mir dies sagten; schon bevor sie es wussten, war dies meine Überzeugung.“

Mag Mose nun eine geschichtliche Gestalt sein oder nicht, einen Massenauszug aus dem Ägyptenlande nach Kanaan (Palästina) kann er unter keinen Umständen angeführt haben. Wie Rabbi Elmer Berger bestätigt, gab es zu einer Zeit, wo ein Mann namens Mose irgendwelche kleine Menschengruppen aus der ägyptischen Sklaverei geführt haben könnte, keine klar definierten israelitischen Stämme. Die Habiru (Hebräer) waren damals bereits in Kanaan ansässig, in das sie schon lange Zeit zuvor aus Babylonien gekommen waren. Der Name Habiru bezeichnete keine rassische und stammesmäßige Identität, sondern hieß ganz einfach „Nomaden“. Schon lange bevor irgendwelche von einem Moses geführten Einwanderergruppen nach Kanaan eingedrungen sein könnten, hatten die Habiru große Teile dieses Landes in Besitz genommen, und der Statthalter von Jerusalem meldete dem Pharao: „Der König besitzt kein Territorium mehr, die Habiru haben das gesamte Gebiet des Königs verwüstet.“

Ein stramm zionistischer Historiker, Dr. Josef Kastein, äußert sich hierzu völlig unmissverständlich. Wir werden sein Buch Geschichte und Schicksal der Juden immer wieder zitieren, denn wie unser eigenes umfasst es die gesamte Zeit, während der sich der Streit um Zion abspielte (mit Ausnahme der letzten zweiundzwanzig Jahre; es erschien anno 1933). „Zahlreiche andere semitische und hebräische Stämme wohnten bereits in dem Gelobten Land, das, wie Mose zu seinen Gefolgsleuten sagte, ihnen durch Erbrecht gehörte, mochten die tatsächlichen Verhältnisse in Kanaan dieses Recht auch längst hinfällig und illusorisch gemacht haben“, hält Dr. Kastein fest.

Als Zionist von echtem Schrot und Korn beharrt Dr. Kastein zwar darauf, dass das im Alten Testament festgelegte Gesetz buchstäblich erfüllt werden muss, macht jedoch kein Hehl daraus, dass er der Geschichtsversion, auf der dieses Gesetz fußt, keinen Glauben schenkt. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich von jenen christlichen Fundamentalisten, für die „jedes Wort wahr“ ist. Dr. Kastein räumt ein, dass das Alte Testament de facto ein politisches Programm ist, das entworfen wurde, um den Bedürfnissen einer ganz bestimmten Zeit gerecht zu werden, und immer wieder überarbeitet wurde, um dem Wandel der Umstände Rechnung zu tragen.

Historisch gesehen seien die Gefangenschaft im Ägyptenlande, die Tötung „aller Erstgeborenen“, der Auszug der Kinder Israels und die Eroberung des Gelobten Landes Mythen. Doch mochte die Geschichte selbst auch erfunden sein: Ihre Lehre, die Lehre von der Rache an den Heiden, wurde den Anhängern dieser Religion hartnäckig eingeimpft, mit tiefgreifenden Folgen bis in unsere Zeit hinein.

Diese – zu historischen Wahrheiten verklärten – Erdichtungen verfolgten offensichtlich das Ziel, die Judäer ihrer alten Überlieferung vom Gott, der, aus einem brennenden Dornbusch sprechend, in einem einfachen Gesetz die Regeln des moralischen Verhaltens und der guten Nachbarschaft festgelegt hatte, abspenstig zu machen, diese Überlieferung in ihr Gegenteil zu verkehren und ein Gesetz zu begründen, das auf Ausgrenzung, Hass und Rache beruhte. Mit dieser durch imaginäre historische Ereignisse legitimierten Religion ausgestattet, würde eine kleine Gruppe von Menschen auf die Reise in die Zukunft geschickt.

Dies geschah im Jahre 458 v. Chr. In den vielen Jahrhunderten, die seit der Zeit, in der ein Moses gelebt haben mochte, verflossen waren, hatten sich in Kanaan tiefgreifende Umwälzungen zugetragen. Aus den nomadischen Habiru, welche die alteingesessenen Kanaaniter durch fortgesetzte Einwanderung, Mischehen, Besiedlung oder Eroberung allmählich verdrängt hatten, war ein Stamm hervorgegangen, der sich Ben Yisrael, „Kind Israels“, nannte. Dieser Stamm war seinerseits in eine Reihe kleinerer Stämme zerfallen, die eine lose Föderation bildeten und sich oft befehdeten. Die meisten dieser Stämme, die Israeliten, waren im Norden Kanaans ansässig, während sich im Süden ein isolierter, von alteingesessenen Kanaanitern umgebener Stamm namens Juda herausbildete, der später das rassisch fundierte Glaubensbekenntnis hervorbringen sollte und von dessen Namen die Wörter „Jude“ und „Judentum“ abgeleitet sind.

Vom Augenblick an, wo sein Name zum ersten Mal in den Annalen der Geschichte erscheint, hinterlässt dieser Stamm Juda einen höchst merkwürdigen Eindruck. Er lebte abgesondert von seinen Nachbarn und stand ständig auf gespanntem Fuß mit ihnen. Laut den levitischen Schriften war er einer der Stämme Israels, und da die anderen Stämme in der Menschheit aufgegangen sind, macht es auf den ersten Blick den Anschein, als könne Juda als rechtmäßiger Erbe Anspruch auf all die herrlichen Dinge erheben, die Jahwe seinem „auserwählten Volk“ verheißen hat.

Dieser sonderbare Stamm war es also, der, mit der von den Leviten ersonnenen Lehre als Reisegepäck, den Weg in die Zukunft beschritt. Er war Jahwes „auserwähltes Volk“ und wenn er sich streng an all dessen „Gebote“ hielt, würde ihm dereinst ein gelobtes Land zuteil werden, und er würde über alle anderen Völker herrschen.

Zu den „Geboten“, die der Stamm Juda zu befolgen hatte, gehörte in der von den Leviten fabrizierten endgültigen Version auch der oft wiederholte Befehl, andere Nationen „vollständig zu vernichten“, „in den Staub zu werfen“ und „auszurotten“. Juda war dazu vorausbestimmt, eine Nation hervorzubringen, deren Mission die Zerstörung war.

 

Kapitel 2

Das Ende Israels

Rund ein halbes Jahrtausend vor dem Schicksalsjahr 458 v. Chr., also vor ungefähr drei Jahrtausenden, ging die kurze und spannungsgeladene Union zwischen Juda und den Israeliten (den „Kindern Israels“) zu Ende. Israel verwarf die Lehre vom auserkorenen Volk, die damals in Juda Gestalt annahm und ging seine eigenen Wege. (Dass die Zionisten ihren Staat, den sie 1948 in Palästina begründeten, „Israel“ nannten, war ein leicht durchschaubares Täuschungsmanöver.)

Die Faktoren, die zu der kurzlebigen Union führten, wurzelten in Ereignissen, die sich in früheren Jahrhunderten abgespielt hatten. Auf die mythologische Periode Mose folgte eine Epoche in Kanaan, während der Israel eine geschlossene Einheit bildete, eine Konföderation von zehn Stämmen. Juda, dem sich der sehr kleine Stamm Benjamin anschloss, war ein Duodez-Fürstentum im Süden.

Der Stamm Juda, der später den Zionismus hervorbringen sollte, trug einen anrüchigen Namen. Juda war nämlich der Mann gewesen, der seinen Bruder Joseph, den Lieblingssohn Jakobs (Israels), für zwanzig Silberlinge an die Ismaeliter verkaufte, so wie später Judas Ischariot, der einzige Vertreter des Stammes Juda unter den Jüngern Jesu, seinen Herrn und Meister für dreißig Silberlinge verriet. Nachdem er seinen Bruder in die Sklaverei verkauft hatte, begründete Juda durch einen Akt der Blutschande den nach ihm benannten Stamm (1. Mose 37 und 38). Die dem Priesterstande angehörenden Schreiber, welche diese Geschichte Jahrhunderte später schriftlich festlegten, hatten sich zu Herren des Stammes Juda aufgeschwungen, und da sie die mündliche Überlieferung nach freiem Ermessen verändern konnten, drängt sich die Frage auf, was sie dazu bewogen haben mag, diese Episode zu vermelden, die grelles Licht auf den blutschänderischen Ursprung und die verräterische Natur des angeblich von Gott auserkorenen Volkes wirft. Wie so vieles in den Schriften der Leviten ist dies ein Rätsel.

Wie dem auch sei, diese Schriften sowie die heutigen jüdischen Autoritäten sind sich darin einig, dass Israel und Juda verschiedene Völker waren. Im Alten Testament wird Israel oft „das Haus Josephs“ genannt, das im Gegensatz zum „Haus Judas“ steht. Die Jewish Encyclopedia vermerkt hierzu, Joseph und Juda hätten „zwei verschiedene Stammbäume verkörpert“, und ergänzt (wie bereits erwähnt), Juda sei „aller Wahrscheinlichkeit nach ein nichtisraelitischer Stamm“ gewesen. In der Encyclopedia Britannica liest man hierzu, der Judaismus habe sich „lange nach dem Aufgehen der Israeliten in der Menschheit“ entwickelt, und das wahre Verhältnis zwischen diesen beiden Völkern lasse sich am besten in dem Satz ausdrücken: „Die Israeliten waren keine Juden.“ Historisch gesehen überlebte Juda und brachte den Judaismus hervor, der seinerseits den Zionismus erzeugte. Israel hingegen verschwand als eigenständiges Volk, und zwar unter folgenden Umständen:

Der kleine Stamm im Süden, Juda, wurde mit dem landlosen Stamm der Leviten identifiziert. Diese erblichen Priester, die behaupteten, Jahwe habe ihnen ihr Amt auf dem Berge Sinai anvertraut, waren die wirklichen Väter des Judaismus. Sie wanderten von einem Stamm zum anderen und predigten, wenn ein Stamm Krieg führe, so sei dies der Krieg aller Stämme und Jahwes Krieg. Ihr Ziel war die Macht, und sie strebten die Schaffung einer Theokratie an, eines Staates also, in dem Gott der Herrscher und die Religion das Gesetz ist. Während der Periode der Richter gelang es ihnen, ihr Ziel in gewissem Umfang zu verwirklichen, denn die Richter waren natürlich sie selbst.

Was sie, und das isolierte Juda, am dringendsten brauchten, war eine Union mit Israel, doch diesem war die gesetzgebende Priesterschaft nicht geheuer, und es verlangte, dass sie sich einem König unterstellen möge. Alle Völker der Umgebung besaßen damals Könige.

Die Leviten ergriffen diese Gelegenheit beim Schopfe. Sie begriffen, dass, wenn es zur Ernennung eines Königs kam, die herrschende Klasse diesen stellen würde, und die herrschende Klasse waren sie. Samuel als Oberpriester hievte einen Marionettenkönig auf den Thron, hinter dem die Priesterschaft als wahre Inhaberin der Macht stand; dies wurde durch eine Bestimmung erreicht, der zufolge die Macht des Königs mit seinem Tode endete, was die Bildung einer Dynastie ausschloss. Als König wählte Samuel einen jungen Bauern aus dem Stamme Benjamin, Saul, der sich in Stammeskämpfen einen Namen gemacht hatte und von dem er wohl annahm, dass er leicht lenkbar sein würde. (Dass die Wahl auf einen Benjaminiten fiel, findet seine Erklärung vermutlich darin, dass Israel keinen Angehörigen des Stammes Juda als König akzeptiert hätte.) Dies war der Beginn des vereinigten Königreiches Israel, das jedoch nach dem Tode seines ersten Königs Saul wieder zerfiel.

In Sauls Schicksals (bzw. seiner Darstellung in den später entstandenen Schriften) kann man die sich damals herauskristallisierende ominöse Natur Judas bereits erkennen. Saul erhielt von Samuel den Befehl, einen heiligen Krieg gegen die Amalekiter zu führen: „So ziehe nun hin und schlag Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was es hat; verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel“ (1. Samuel 15,3). Saul „nahm Agag, den König von Amalek, lebendig gefangen, und an allem Volke vollstreckte er den Bann mit der Schärfe des Schwerts. Aber Saul und das Volk verschonten Agag und die besten Schafe und Rinder und das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war“ (1. Samuel 8,9). Dafür entkleidete ihn Samuel der Königswürde und wählte heimlich David aus dem Stamme Juda zu Sauls Nachfolger.

So steht es im Ersten Buche Samuel, das die Leviten Jahrhunderte später schufen. Ob sich die Ereignisse wirklich so zugetragen haben oder nicht, die Bedeutung dieser Darstellung liegt in den Schlüssen, die daraus zu ziehen sind. Jahwe erwartete die wortwörtliche Ausführung seines Befehls, an den Amalekitern den Bann zu vollstrecken und keinen von ihnen zu verschonen. Gnade oder Mitleid waren todeswürdige Verbrechen. So lautet auch der Grundtenor vieler anderer Schilderungen von Geschehnissen, von denen wir nicht wissen, ob sie wirklich zugetragen haben oder rein allegorisch sind.

Damals, vor dreitausend Jahren, zerfiel das vereinigte Königreich wieder, denn Israel wollte David, den Mann aus dem Stamme Juda, nicht als König. Dr. Kastein schreibt, „der Rest Israels“ habe David „ignoriert“, und Sauls Sohn Isch-Boscheth zu seinem König gemacht, worauf sich Israel und Juda „tatsächlich wieder getrennt“ hätten. Laut dem Zweiten Buche Samuels wurde Isch-Boscheth getötet, und sein Haupt wurde zu David gebracht, der die Einheit anschließend nominell wiederherstellte und Jerusalem zu seiner Hauptstadt machte. Doch eine wahre Einigung des Königtums oder der Stämme gelang ihm nicht; er begründete eine Dynastie, die mit dem Tode seines Sohnes erlosch.

Die jüdische Religion hält bis heute daran fest, dass der Messias zu einer Zeit kommen wird, wo ein weltlicher König „aus dem Hause David“ herrschen wird. Die rassische Absonderung von den Nichtjuden ist der oberste Grundsatz der jüdischen Religion (und in dem zionistischen Staat Gesetz). Somit ist der Ursprung der von David begründeten Dynastie von zentraler Bedeutung.

Zum Zeitpunkt der Union zwischen Israel und Juda waren Rassendiskriminierung und Ausgrenzung den Angehörigen beider Stämme ganz offensichtlich unbekannt, wie folgende Episode beweist: „Und es begab sich, dass David um den Abend aufstand von seinem Lager und sich auf dem Dach des Königshauses erging; da sah er vom Dach aus eine Frau sich waschen; und die Frau war von sehr schöner Gestalt“ (2. Samuel 11,2). David ließ diese Frau, Bathseba, zu sich kommen und schwängerte sie; ihren Mann, den Hethiter Uria, schickte er in den Krieg und befahl seinem Kommandanten brieflich, Uria dort aufzustellen, wo der Kampf am härtesten sei. Uria fiel, David reihte Bathseba in seinen Harem ein, und der zweite Sohn, den sie ihm gebar, Salomon, wurde der nächste König.

Somit war Salomon laut den levitischen Schreibern rassisch gesehen ein halber Hethiter. Er begann seine Herrschaft mit drei Morden, wobei eines der Opfer sein eigener Bruder war, und versuchte vergeblich, seine Dynastie durch eine später bei den Habsburgern gängige Methode – Eheschließungen mit fremden Prinzessinnen – zu retten. Er tat dies in einem Umfang, den sich kein Habsbu rger hätte träumen lassen, ehelichte Prinzessinnen aus Ägypten und vielen Nachbarstämmen und hielt sich außerdem Hunderte von Nebenfrauen. Dies beweist, dass es zu jenem Zeitpunkt noch keine rassische Absonderung gegeben haben kann. Salomon ließ den Tempel erbauen und führte eine erbliche Priesterschaft ein.

Dies ist die Geschichte der kurzen Union zwischen Israel und Juda, die im Jahre 937 v. Chr. ein Ende fand. Nach Salomons Tod trennten sich die ungleichen Partner wieder, und im Norden nahm Israel seine Existenz als unabhängige Nation wieder auf. Dr. Kastein schreibt:

„Die beiden Staaten hatten fortan im Guten und Bösen nicht mehr miteinander gemein als zwei beliebige andere Länder mit einer gemeinsamen Grenze. Von Zeit zu Zeit bekriegten sie einander oder schlossen Verträge ab, waren jedoch vollkommen getrennt. Die Israeliten hörten auf zu glauben, dass ihr Schicksal in der Absonderung von ihren Nachbarn liege, und König Jerobeam vollzog die Trennung von Juda auf dem religiösen Gebiet so vollständig wie auf dem politischen.“ Bezüglich der Judäer bemerkt Dr. Kastein: „Sie entschieden, dass sie dazu bestimmt waren, sich als abgesonderte Rasse zu entwickeln… sie verlangten eine Form der Existenz, die fundamental verschieden von jener der sie umgebenden Völker war. Die Unterschiede waren so groß, dass sie keinen Prozess der Assimilierung an andere zuließen. Sie forderten Trennung, absolute Abgrenzung.“

Somit ist die Ursache des Bruchs und der Trennung klar. Israel glaubte, sein Geschick sei es, in der Menschheit aufzugehen, und lehnte Juda aus denselben Gründen ab, die in den folgenden dreitausend Jahren andere Völker immer wieder dazu bewogen haben, dem Judentum mit Furcht, Abneigung und Ablehnung zu begegnen. Dr. Kastein schreibt zwar, „Juda“ habe „Trennung, absolute Abgrenzung“ verlangt, meinte aber in Wahrheit die Leviten: Wie hätten die einfachen Angehörigen des Stammes Juda damals „Trennung, absolute Abgrenzung“ fordern können, wenn Salomon zahlreiche Frauen aus fremden Völkern hatte?

Israel verwarf die Leviten mitsamt ihrem rassischen Glaubensbekenntnis. In den folgenden zweihundert Jahren, als Israel und Juda nebeneinander existierten und oft miteinander in Fehde lagen, meldeten sich immer wieder hebräische „Propheten“ zu Wort, welche die Leviten und die von diesen entwickelte Religion geißelten. Diese Stimmen aus dem Stammesdunkel, das einen erheblichen Teil des Alten Testaments verdüstert, wandten sich an die Menschheit, denn diese „Propheten“ verurteilten den im Entstehen begriffenen Glauben ebenso, wie ihn Jesus Christus sieben oder acht Jahrhunderte später, als er längst klare Konturen angenommen hatte, im Tempel zu Jerusalem verurteilte.

Fast all diese „Propheten“ waren Israeliten; viele von ihnen gehörten dem Stamme Joseph an. Sie hatten den Weg beschritten, der zum einen und einzigen Gott aller Völker und zum Aufgehen in der Menschheit führt. Hiermit standen sie keineswegs allein: Schon bald sollte Buddha dem Glauben an Brahma, den Schöpfer der Kastentrennung, und dem Götzendienst seine Predigt in Benares und seine Fünf Gebote der Aufrichtigkeit entgegenstellen.

Als Israeliten widersetzten sich die „Propheten“ der levitischen Lehre, die zusehends identisch mit den Namen Juda wurde. Wenn wir den Ausdruck „Propheten“ in Anführungszeichen setzen, dann darum, weil diese Männer niemals behaupteten, die Gabe der Weissagung zu besitzen, und erbost reagierten, wenn man sie als Propheten bezeichnete. („Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger “, Amos 7,14.) Sie waren die Protestanten ihrer Zeit und warnten einfach vor den absehbaren Folgen des rassischen Glaubensbekenntnisses; ihre Warnungen haben bis zum heutigen Tage nichts von ihrer Aktualität verloren.

Was sie zu ihrem Protest trieb, waren die Forderungen der levitischen Priesterschaft, insbesondere jene nach dem Recht auf die Erstgeborenen (laut 2. Mose 12-15 gehört alle Erstgeburt dem Herrn), sowie die Bedeutung, welche die Priester den Opferritualen beimaßen. Diese israelitischen Protestanten, denen das „sogenannte Gesetz Mose“ unbekannt war (C. G. Montefiore, Religion of the Ancient Hebrews , 1892), verabscheuten die blutigen Riten der Priester, die endlosen Opferungen von Tieren, die „Brandopfer“, an deren Geruch Jahwe angeblich Gefallen fand. Sie verwahrten sich gegen die von den Priestern verkündete Lehre, wonach die „Heiden“ zu erschlagen oder zu versklaven waren. Sie predigten, Gott fordere einen moralischen Lebenswandel, gutnachbarliches Verhalten und Gerechtigkeit gegenüber den Armen, den Waisen, den Witwen und den Unterdrückten, keine blutigen Opfer und keinen Hass auf die Heiden.

Diese Proteste sind die ersten Strahlen jener Morgenröte, die rund acht Jahrhunderte später hereinbrach. Dass sie in ein und denselben Schriften stehen wie jene Aufrufe zum Massenmord, an denen das Alte Testament so reich ist, mutet äußerst merkwürdig an. Es ist wahrhaftig seltsam, dass diese Mahnungen die Verfälschung der Überlieferung überlebten, als Israel verschwunden war und die in Juda unbeschränkt herrschenden Leviten die Schriften abfassten. Beispielsweise kann sich der heutige Leser nicht erklären, weshalb König David es Nathan erlaubt, ihn öffentlich dafür zu tadeln, dass er Uria in den Tod geschickt und sein Weib genommen hat. Möglicherweise gab es unter den späteren Schreibern, welche die historischen Erzählungen lange nach dem Ende Israels und dem Tode der israelitischen Protestanten verfassten, Männer, die deren Einstellung zumindest teilweise billigten und es fertigbrachten, den Protest auf diese Weise am Leben zu halten.

Auf diese menschenfreundlichen und aufgeklärten Passagen folgen freilich sehr oft fanatische, derselben Person zugeschriebene, welche erstere aufheben oder gar in ihr Gegenteil verkehren. Hier besteht die einzige vernünftige Erklärung darin, dass es sich um später vorgenommene Einschübe handelt, welche die Zweifler wieder auf den gewünschten Kurs, jenen des levitischen Dogmas, bringen sollten.

Was immer die Gründe gewesen sein mögen, die israelitischen Proteste gegen die Häresie Judas sind von zeitloser Gültigkeit und stellen ein Denkmal für das verschwundene Israel dar. Wie kleine Grashalme der Wahrheit zwängen sie sich durch die dunklen Steine der Stammeslegenden. Sie wiesen den Weg, der in die immer breitere Straße hin zur Menschheit mündet und weg vom Abgrund des Stammesdenkens führt.

Sowohl Elia als auch Elisa wirkten in Israel, und Amos sprach einzig und allein zu den Josephiten. Heftiger als alle anderen Propheten brandmarkte er die blutigen Opfer und die Riten der Priester: „Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich keinen Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärre deiner Lieder, denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,21-24) Und dann folgt die unsterbliche Absage an die Lehre vom „auserwählten Volk“: „Seid ihr Kinder Israels mir nicht gleich wie die Mohren? spricht der Herr.“ (Amos 9,7)

Ein anderer Israelit, Hosea, mahnt: „Ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.“ (Hosea 6,6)

Zur Zeit des Propheten Micha forderten die Leviten anscheinend immer noch, alle Erstgeborenen Jahwe zu opfern: „Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde? Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,6-8)

Diese Männer kämpften in den beiden Jahrhunderten, als Israel und Juda nebeneinander bestanden und einander bisweilen befehdeten, um die Seele der Stammesangehörigen. Während dieser Periode ließen sich die Leviten, die früher gleichmäßig auf alle Stämme verteilt gewesen waren, in immer größerer Zahl im kleinen Juda und in Jerusalem nieder und widmeten ihre Aufmerksamkeit vor allem den Judäern.

Im Jahre 721 v. Chr. wurde Israel von Assyrien angegriffen und besetzt, und die Israeliten wurden in die Gefangenschaft verschleppt. Juda blieb verschont und existierte noch ein Jahrhundert als unbedeutender Vasallenstaat zuerst der Assyrer und dann der Ägypter weiter. Es war mittlerweile zur Hochburg der levitischen Sekte geworden.

Zu diesem Zeitpunkt verschwinden die „Kinder Israels“ aus der Geschichte, und wenn die ihnen gemachten Versprechungen eingehalten werden sollen, ist dies offensichtlich die Aufgabe der Menschheit, in der sie aufgegangen sind. Da die Völker während der vergangenen siebenundzwanzig Jahrhunderte eine ausgeprägte Neigung zur Wanderung nach Westen erkennen ließen, kann man wohl davon ausgehen, dass in den Adern der Völker Europas und Amerikas auch Blut aus dem Stamme Israel fließt.

Juda machte freilich geltend, Israel sei mit Fug und Recht „verschwunden“, weil es den levitischen Glauben verwarf und „sich mit seinen Nachbarvölkern einließ“. Die Formulierung stammt von Dr. Kastein, der das „Verschwinden“ Israels fast siebenundzwanzig Jahrhunderte später ausdrücklich begrüßte: „Die zehn nördlichen Stämme hatten sich infolge ihrer getrennten Entwicklung so weit von ihren Verwandten im Süden entfernt, dass sich die Chronik ihres Untergangs auf eine kurze, nüchterne Feststellung der Fakten beschränkt und auf jede Kundgebung von Trauer verzichtet. Kein Epos, kein Klagelied, kein Mitleid begleitete die Stunde ihres Falls.“

Wer den Streit um Zion erforschen will, muss viel Vorarbeit leisten, ehe ihm dessen Geheimnisse offenbar werden, doch dann entdeckt er, dass Zion stets mit zwei Zungen spricht: Mit der einen zu den Heiden, mit der anderen für die Eingeweihten. Weder die Leviten des Altertums noch die heutigen Zionisten glauben ernsthaft daran, dass die Israeliten „spurlos verschwunden sind“ (auch diese Formulierung stammt von Dr. Kastein). Sie wurden für tot erklärt, so wie ein Jude, der eine Nichtjüdin ehelicht, heutzutage für tot erklärt wird (beispielsweise Dr. John Goldstein); sie wurden in exkommuniziert und „verschwanden“ lediglich in diesem Sinne.

Völker sterben nicht so leicht aus; hiervon legen die nordamerikanischen Indianer, die australischen Ureinwohner, die Maoris in Neuseeland, die Bantus in Südafrika und andere Völkerschaften Zeugnis ab. Wären die Israeliten physisch ausgerottet worden, so hätten sie übrigens nicht verschleppt werden können. Ihr Blut und ihre Gedanken überleben bis zum heutigen Tage irgendwo in der Menschheit.

Israel sonderte sich freiwillig von Juda ab; die Gründe, die es dazu bewogen, waren dieselben, die seither bei anderen Völkern regelmäßig Misstrauen und Abneigung gegenüber diesem Stamm erweckt haben. Die Israeliten „waren keine Juden“, die Judäer waren „aller Wahrscheinlichkeit nach keine Israeliten“.

Die wahre Bedeutung der Behauptung, wonach Israel „verschwunden“ sei, findet sich im Talmud, wo es heißt: „Die zehn Stämme haben keinen Anteil an der kommenden Welt.“ In anderen Worten: Der Himmel bleibt den „Kindern Israels“ verschlossen, weil sie es auf Erden verschmäht haben, sich vom Rest der Menschheit abzusondern.

Im Jahre 1918 beantwortete der Oberrabbiner des britischen Empire, J. H. Hertz, eine diesbezügliche Frage völlig eindeutig: „Die heutzutage als Juden bekannten Leute sind Abkömmlinge der Stämme Judah und Benjamin, zu denen noch eine gewisse Anzahl von Abkömmlingen des Stammes Levi kommt.“ Somit ist vollkommen klar, dass „Israel“ nichts zur Entstehung des Judentums beigetragen hat, und dass die Zionisten den Staat, den sie in unserem Jahrhundert in Palästina begründeten, „Israel“ nannten, ist ein billiges Betrugsmanöver.

Es muss triftige Gründe dafür gegeben haben, diesen Staat nach einem Volke zu benennen, das nicht jüdisch war und dem Glauben, aus dem sich später die jüdische Religion entwickeln sollte, nicht anhing. Eine einleuchtende Erklärung wäre folgende: Der Zionistenstaat wurde mit dem Einverständnis der großen Nationen des Westens geschaffen, und diese Nationen sind christlich. Vermutlich spekulierten die Zionisten darauf, dass die Vorstellung, sie hätten zur Erfüllung einer biblischen Prophezeiung beigetragen und dafür gesorgt, dass Gottes Versprechen an „Israel“ erfüllt werden konnte, die christlichen Völker mit Genugtuung erfüllen würde, gleichgültig wie hoch der Preis war, den unschuldige Menschen hierfür entrichten mussten.

Falls dies tatsächlich der Grund für die Wahl des Namens „Israel“ war, so erwies sich diese List zumindest vorläufig als erfolgreich, denn es ist noch nie sonderlich schwer gewesen, die große Masse zu „überzeugen“. Doch langfristig wird sich die Wahrheit durchsetzen; hiervon zeugen die Mahnungen der israelitischen Propheten, die bis zum heutigen Tage ihre Gültigkeit behalten haben.

Wenn der 1948 gegründete zionistische Staat Anspruch auf irgendeinen Namen aus dem Altertum erheben konnte, dann einzig und allein auf den Namen „Juda“. Dies haben wir in diesem Kapitel ausführlich nachgewiesen.

 

Kapitel 3

Die Leviten und das Gesetz

Während der hundert Jahre, die auf die Eroberung Israels durch die Assyrer folgten, begannen die Leviten das Gesetz niederzuschreiben. Anno 621 v. Chr. hatten sie das fünfte Buch Mose, das Deuteronomium, fertig erstellt und verlasen es im Tempel zu Jerusalem.

Es war dies die Geburt des Mosaischen Gesetzes, das Mose so freilich nie gekannt hat. Es wird ihm zwar zugeschrieben – daher sein Name –, doch alle namhaften Forscher sind sich darüber einig, dass es in Wahrheit das Werk der Leviten war, die Mose (sowie Jahwe) einfach das in den Mund legten, was ihnen in den Kram passte. Eine korrekte Bezeichnung wäre „das levitische Gesetz“ oder „das judäische Gesetz“.

Das Deuteronomium ist für den offiziellen Judaismus und Zionismus das, was das Kommunistische Manifest für die zerstörerische Revolution unseres Jahrhunderts war. Es bildet die Grundlage der Thora („des Gesetzes“), also der fünf Bücher Mose, deren griechische Bezeichnung Pentateuch lautet. Der Pentateuch ist das Rohmaterial, aus dem später der Talmud geschaffen wurde, und letzterer ist seinerseits die Basis jener „Kommentare“ und „Kommentare zu Kommentaren“, welche in ihrer Gesamtheit das jüdische „Gesetz“ darstellen.

Beim Deuteronomium handelt es sich um ein politisches Programm, einen Plan zur Ausplünderung und dauerhaften Unterjochung sämtlicher anderer Nationen. Im Westen ist dieser Plan im Verlauf des 20. Jahrhunderts bereits in erheblichem Umfang verwirklicht worden. Somit ist das Deuteronomium von unmittelbarer Bedeutung für die Geschehnisse der Gegenwart, und wenn man letztere in diesem Lichte analysiert, tritt vieles, was zuvor rätselhaft und verworren schien, in großer Klarheit zutage.

Dieses Programm wurde 621 v. Chr. an einem so kleinen Ort vor einem so kleinen Publikum verlesen, dass die überwältigende Rolle, die es in späteren Jahrhunderten für die gesamte Welt gespielt hat, umso erstaunlicher wirkt.

Ehe das Deuteronomium schriftlich niedergelegt wurde, gab es lediglich eine mündliche Überlieferung dessen, was Gott zu Moses gesagt hatte. Die Leviten spielten sich als Gralshüter dieser Überlieferung auf, und das gemeine Volk musste ihnen wohl oder übel glauben. (Die anmaßenden Behauptungen der Leviten waren eine der Hauptursachen für den Zorn der israelitischen „Propheten“.) Falls vor der Verlesung des Deuteronomium irgendwelche Manuskripte existierten, so waren sie fragmentarischer Natur und wurden von den Priestern sorgfältig gehütet; die einfachen Angehörigen des Stammes wussten davon so wenig wie heutzutage irgendwelche Kleinbauern in Kentucky von griechischer Poesie.

Dass sich das Deuteronomium von allen bisherigen Gesetzen unterschied, geht schon aus seinem Namen hervor, der „zweites Gesetz“ bedeutet. Es war das Gesetz des levitischen Judentums; wie bereits hervorgehoben, waren die Israeliten „keine Juden“ und hatten dieses Gesetz nie gekannt.

Bezeichnenderweise war das Deuteronomium, das fünfte Buch in unserer Bibel, das scheinbar die natürliche Fortsetzung der vorherigen vier darstellt, das erste, das seine heutige Form erhielt. Die beiden ersten Bücher Mose, Genesis und Exodus, bilden zwar den historischen Hintergrund, wurden von den Leviten aber erst später erstellt. Das dritte und das vierte Buch Mose (Leviticus und Numeri) entstanden zu einem noch späteren Zeitpunkt.

Das Deuteronomium stellte die in der früheren Überlieferung festgelegten moralischen Gebote förmlich auf den Kopf. Die Leviten hatten sich nämlich das Recht herausgenommen, nach freiem Ermessen Streichungen vorzunehmen und Ergänzungen hinzuzufügen. Sie waren fest davon überzeugt, dass Gott sie ermächtigt hatte, das Gesetz, welches er Mose mündlich offenbart hatte, zu verändern, um „den sich ständig wandelnden Existenzbedingungen im Geiste der traditionellen Lehre gerecht zu werden“ (Dr. Kastein).

Übrigens behaupteten sie auch, Mose sei auf dem Berge Sinai eine geheime mündliche Thora offenbart worden, die niemals schriftlich festgelegt werden dürfe. In Anbetracht der Tatsache, dass die Christen das Alte Testament später gemeinsam mit dem Neuen zu einem einzigen Buch, der Bibel, verbunden haben und der Durchschnittschrist davon überzeugt ist, mit der Bibel das vollständige „Mosaische Gesetz“ vor sich zu haben, ist dieser Umstand von besonderem Interesse.

Im Talmud heißt es: „Gott sah voraus, dass dereinst eine Zeit einbrechen würde, wo die Heiden sich der Thora bemächtigen und zu Israel sagen würden: ‚Auch wir sind Gottes Söhne.‘ Dann wird der Herr sagen: ‚Nur derjenige, der meine Geheimnisse kennt, ist mein Sohn.‘ Und was sind Gottes Geheimnisse? Die mündlich überlieferten Lehren.“ (Zitiert nach Dr. S. Funk, Die Entstehung des Talmud.)

Den wenigen Menschen, die das Deuteronomium im Jahre 621 v. Chr. lasen und so erfuhren, was das „Mosaische Gesetz“ war, teilten die Leviten mit, die Manuskripte seien „entdeckt“ worden. Die heutigen Judaisten verwerfen diese Behauptung und verfechten stattdessen die Ansicht, das Deuteronomium sei von den Leviten in Juda nach dessen Verstoßung durch die Israeliten und nach der Eroberung Israels durch die Assyrer geschaffen worden. Dr. Kastein schreibt:

„621 v. Chr. wurde ein vom Staub vieler Zeitalter bedecktes Manuskript in einem Archiv entdeckt. Es enthielt eine seltsame Version der Gesetze, die bis zum damaligen Zeitpunkt kodifiziert worden waren, eine Art Wiederholung und Variation davon, die eine große Zahl von Geboten bezüglich der Pflichten des Menschen gegenüber Gott und seinem Nachbarn enthielten. Es wies die Form von Ansprachen auf, von denen es hieß, Mose habe sie unmittelbar vor seinem Tode jenseits [d.h. westlich] des Jordan gehalten. Wer der Verfasser war, lässt sich unmöglich sagen.“

Somit glaubt Dr. Kastein, ein religiöser Eiferer, der erwartet, dass sich das „Gesetz Mose“ wortwörtlich in allen Einzelheiten erfüllen wird, nicht, dass dieses Gesetz von Mose, oder von Jahwe, stammt. Für ihn reicht es völlig aus, wenn es das Werk einer gesetzgebenden Priesterschaft ist, die für ihn eine göttliche Autorität darstellt.

Wie ähnlich das uns heute bekannte Deuteronomium dem anno 621 v. Chr. verlesenen ist, lässt sich nicht sagen, denn die Bücher des Alten Testaments wurden bis zu ihrer ersten Übersetzung wiederholt überarbeitet. Auch bei der Übersetzung wurden verschiedene Abänderungen vorgenommen, vermutlich um die Nichtjuden nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Zweifellos wurde das eine oder andere daraus entfernt, so dass das Deuteronomium in seiner ursprünglichen Gestalt noch blutrünstiger gewesen sein mag als in seiner gegenwärtigeren Gestalt.

Die Grundlage dieses „zweiten Gesetzes“ war religiöse Intoleranz (zu der später in einem weiteren „neuen Gesetz“ noch rassische Intoleranz stieß). Dies bedeutete notwendigerweise die Untergrabung der moralischen Gebote, die im Deuteronomium zwar zitiert, doch bald anschließend de facto aufgehoben werden. Nur jene, die sich auf die Verehrung des „eifersüchtigen“ Jahwe beziehen, bleiben in Kraft. Die übrigen wurden unter einer Flut von „Geboten und Rechten“ (in Ergänzung zum Gesetz erlassenen Bestimmungen) förmlich begraben.

Infolgedessen werden die moralischen Gebote, die Mord, Diebstahl, Ehebruch, Begehrlichkeit, unehrliches Verhalten gegenüber dem Nachbarn usw. untersagen, durch eine große Zahl von Befehlen zum Gespött gemacht, welche die Abschlachtung anderer Völker sowie die (individuelle oder kollektive) Ermordung Abtrünniger ausdrücklich vorsehen und dem „auserwählten Volk“ die Pflicht auferlegen, in Gefangenschaft geratene Frauen anderer Stämme zu Konkubinen zu nehmen, den Feind vollkommen auszurotten, „Fremdlinge“ vom Schuldenerlass auszunehmen und dergleichen mehr.

Am Ende des Deuteronomium sind die moralischen Gebote zu nichts zerronnen. An ihre Stelle tritt, unter dem Deckmantel einer Religion, die phantastische politische Idee eines Volkes, das eigens in die Welt entsandt wurde, um die anderen Völker zu vernichten und zu „besitzen“ und sich die Erde Untertan zu machen. Entfernt man alle diesbezüglichen Stellen, so bleibt kein Deuteronomium und damit auch kein mosaisches Gesetz mehr übrig.

Dieses Konzept der Vernichtung als Glaubensgrundsatz ist einzigartig. Wo es im politischen Denken vorkommt (beispielsweise in der kommunistischen Philosophie), dürfte es vermutlich auf das Deuteronomium zurückgehen, denn eine andere mögliche Quelle ist nicht bekannt.

Das Deuteronomium ist vor allem ein vollständiges politisches Programm: Die Geschichte unseres Planeten, der von Jahwe für sein „besonderes Volk“ geschaffen wurde, soll eines Tages durch dessen Triumph und den Untergang aller anderen Völker ihren Abschluss finden. Die Belohnungen, die den Frommen winken, sind ausschließlich materieller Natur: Sklaven, Frauen, Beute, Territorien, Weltreich. Die einzige Bedingung dafür, dass den Frommen all dies zuteil wird, ist die Befolgung der „Gebote und Rechte“, und diese befehlen in erster Linie die Vernichtung anderer. Die einzige Schuld, welche die Frommen auf sich laden können, ist die Nichtbefolgung dieser Gesetze. Intoleranz gegenüber anderen gilt als Gehorsam gegen Jahwe, Toleranz als Ungehorsam und somit als Sünde. Die Strafen für diese Sünde sind rein diesseitig und ereilen den Leib, nicht die Seele. Wenn von den Frommen moralisches Verhalten verlangt wird, dann einzig und allein gegenüber ihren Glaubensgenossen; für „Fremdlinge“ gelten die moralischen Gebote nicht.

Diese singuläre Form des Nationalismus wurde den Judäern erstmals im Deuteronomium als Jahwes „Gesetz“ schmackhaft gemacht, das dieser Mose wortwörtlich offenbart habe. Die Vorstellung der Weltherrschaft durch Vernichtung wird im zweiten Kapitel des Deuteronomium in Form jener Ansprachen eingeführt, von denen Dr. Kastein schreibt, Mose habe sie „unmittelbar vor seinem Tode jenseits des Jordan gehalten“:

„Und der Herr sprach zu mir: […] Von heute an will ich Furcht und Schrecken vor dir auf alle Völker unter dem ganzen Himmel legen, damit, wenn sie von dir hören, ihnen bange und weh werden soll vor deinem Kommen.“ (5. Mose 2,1; 2,25)

Zum Beweis dafür, dass Jahwe es ernst meint, wird sogleich das Schicksal zweier Völker geschildert. Der König von Sihon „zog aus uns entgegen mit seinem ganzen Kriegsvolk zum Kampf nach Jahza. Aber der HERR, unser Gott, gab ihn vor unseren Augen dahin, dass wir ihn schlugen mit seinen Söhnen und seinem ganzen Kriegsvolk. Da nahmen wir zu der Zeit alle seine Städte ein, an Männern, Frauen und Kindern, und ließen niemand übrigbleiben. Nur das Vieh raubten wir für uns und die Beute aus den Städten, die wir eingenommen hatten.“ (5. Mose 2,32-35) Genau gleich erging es darauf dem König von Basa. Dass die Sieger niemanden übrigbleiben lassen, ist ein regelmäßig wiederkehrendes Leitmotiv derartiger Schilderungen.

Auf diese ersten Beispiele der Macht Jahwes, die Heiden mit Stumpf und Stiel auszurotten, folgt die später oft wiederholte Warnung, er werde sein auserwähltes Volk bestrafen, indem er es unter die Ungläubigen zerstreue, falls es seine „Gebote und Rechte“ missachte. Bald darauf folgen die zehn Gebote, doch deren Gültigkeit wird sofort durch eine Flut jener Befehle außer Kraft gesetzt, welche die Ausrottung ganzer Volksstämme gebieten:

„Wenn dich der HERR, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her, die Hethiter, Girgasiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind als du, und wenn sie der HERR, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und keine Gnade gegen sie üben, und sollst dich nicht mit ihnen verschwägern; eure Töchter sollt ihr nicht geben euren Söhnen, und ihre Töchter nicht nehmen für eure Söhne. Denn sie werden eure Söhne mir abtrünnig machen, dass sie anderen Göttern dienen; so wird dann des HERRN Zorn entbrennen über euch und euch bald vertilgen. Sondern so sollt ihr mit ihnen tun: Ihre Altäre sollt ihr einreißen, ihre Steinmale zerbrechen, ihre heiligen Pfähle abhauen und ihre Götzenbilder mit Feuer verbrennen. […] Lass dir nicht grauen vor ihnen; denn der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, der große und schreckliche Gott. Er, der HERR, dein Gott, wird diese Leute ausrotten vor dir, einzeln nacheinander. Du kannst sie nicht auf einmal vertilgen, damit sich nicht die wilden Tiere wider dich vermehren. Der HERR, dein Gott, wird sie vor dir dahingeben und wird eine große Verwirrung über sie bringen, bis er sie vertilgt hat, und wird ihre Könige in deine Hände geben, und du sollst ihren Namen auslöschen unter dem Himmel. Es wird dir niemand widerstehen, bis du sie vertilgt hast.“ (5. Mose 7,1-5; 7,21-24)

Im 20. Jahrhundert maßen die Nationen des Abendlandes diesen Aufrufen zu Mord und Vernichtung keine Bedeutung mehr bei, doch die direkt davon betroffenen Völker dachten anders. So flohen die arabischen Einwohner Palästinas nach dem Massaker von Deir Yassin in hellen Scharen aus ihrer Heimat, weil jedermann wusste, welches Signal ihnen die Mörder mit dieser Tat übermittelt hatten: Wenn sie zurückblieben, würden auch sie „ausgerottet“, „vertilgt“ und „ausgelöscht“ werden.

Sie wussten, dass die Zionistenführer im Laufe ihrer Verhandlungen mit britischen und amerikanischen Politikern unmissverständlich klargestellt hatten, dass sie die Bibel als „ihr Mandat“ betrachteten (Dr. Chaim Weizmann), und dass dies eine Anspielung auf jene Stellen im Alten Testament war, in denen anderen Volksstämmen die Vernichtung angedroht wird, mochten die westlichen Politiker dies auch nicht wahrhaben wollen. Sie wussten, dass der Westen die Eindringlinge unterstützt hatte und auch weiterhin unterstützen würde und dass ihre einzige Hoffnung auf Überleben in der Flucht lag. Die im Jahre 1948 verübte Schlächterei von Deir Yassin war nichts weiter als die wortwörtliche Befolgung jener „Gebote und Rechte“, die im siebten Kapitel jenes Gesetzeskodexes stehen, welchen die Leviten vervollständigt und im Jahre 621 v. Chr. vor dem Volk verlesen hatten.

Mose zählt die „Gebote und Rechte“ auf, die sein Volk zu erfüllen hat:

„Zerstört die heiligen Stätten, wo die Heiden, die ihr vertreiben werdet, ihren Göttern gedient haben, es sei auf hohen Bergen, auf Hügeln oder unter grünen Bäumen, und reißt um ihre Altäre und zerbrechet ihre Steinmale und verbrennt mit Feuer ihre heiligen Pfähle, zerschlagt die Bilder ihrer Götzen und vertilgt ihren Namen von jener Stätte. […] Wenn der HERR, dein Gott, vor dir her die Völker ausrottet, zu denen du kommst, ihr Land einzunehmen, und du es eingenommen hast und darin wohnst, so hüte dich, dass du dich nicht verführen lässt, es ihnen nachzutun, nachdem sie vertilgt sind vor dir, und dass du nicht fragst nach ihren Göttern. (5. Mose 2-3, 29-30)

Das Gesetz auferlegt den Gläubigen also, andere Religionen mitsamt ihren Heiligtümern zu vernichten. Hatte es sich ursprünglich unterschiedslos gegen alle nichtjüdischen Glaubensbekenntnisse gerichtet, so erhielt es viele Jahrhunderte später, nach dem Entstehen des Christentums und der massenhaften Einwanderung von Juden in christliche Länder, eine spezifisch antichristliche Stoßrichtung. Die zu neun Zehnteln dem Ostjudentum entstammten bolschewistischen Führer befolgten den im Deuteronomium erlassenen Befehl, die Altäre der Nichtjuden umzureißen, ihre Steinmale zu zerbrechen und die Bilder ihrer „Götzen“ zu zerschlagen, indem sie russische Kathedralen sprengten.

Die Inquisition zur Aufspürung von Häretikern sowie das Denunziantentum sind Erscheinungen, die das Abendland in seinen rückständigen Perioden gekannt, in seinen aufgeklärten jedoch verworfen hat. Auch diese Phänomene dürften auf das Deuteronomium zurückgehen, es lasse sich eine frühere Quelle ausfindig zu machen. Im dreizehnten Kapitel des Deuteronomium heißt es:

„Wenn ein Prophet oder Träumer unter euch aufsteht und dir ein Zeichen oder Wunder ankündigt und das Zeichen oder Wunder trifft ein, von dem er dir gesagt hat, und er spricht: Lasst uns anderen Göttern folgen, die ihr nicht kennt, und ihnen dienen, so sollst du nicht gehorchen den Worten eines solchen Propheten oder Träumers; denn der HERR, euer Gott, versucht euch, um zu erfahren, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebhabt. […] Der Prophet aber oder der Träumer soll sterben, weil er euch gelehrt hat, abzufallen von dem HERRN, eurem Gott… […] Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lasst uns hingehen und anderen Göttern dienen… […] so willige nicht ein und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge ihn nicht schonen, und du sollst dich seiner nicht erbarmen und seine Schuld nicht verheimlichen, sondern sollst ihn zu Tode bringen. Deine Hand soll die erste wider ihn sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volks. Man soll ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich abbringen wollen von dem HERRN, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat, auf dass ganz Israel aufhorche und sich fürchte und man nicht mehr solch Böses tute unter euch.“ (5. Mose 13,2-12)

Das Anzeigen von Verwandten, die der Ketzerei verdächtigt werden, ist also Gesetz. Dieser terroristische Grundsatz wurde in Russland 1917 von den Bolschewisten eingeführt. Die christliche Welt bekundete damals ihren Abscheu vor solch barbarischen Praktiken, doch die ideologische Grundlage letzterer wird im Deuteronomium unmissverständlich formuliert: Verwandte und Freunde, die einen Angehörigen des auserwählten Volkes dazu verführen wollen, „anderen Göttern zu dienen“, sind zu verzeigen und zu steinigen.

Bezeichnenderweise heißt es im Deuteronomium, die Hand des Verwandten oder Freundes solle „die erste wider ihn sein“, und erst anschließend solle „das ganze Volk“ seine Hand gegen den Frevler erheben. Dieses „Gebot“ wird noch in unseren Tagen befolgt, soweit es die örtlichen Umstände zulassen. Natürlich kann man Abtrünnige in einer nichtjüdischen Gesellschaft nicht öffentlich steinigen, denn nach dem Gesetz des „Fremdlings“ wäre dies ja Mord. Deshalb tritt an die Stelle der Todesstrafe eine Zeremonie, bei welcher der Ketzer formell für tot erklärt und betrauert wird. In seinem 1955 erschienenen Buch All the Doors were opened hat Dr. John Goldstein sowohl diese symbolischen Riten als auch einen darauf folgenden Versuch beschrieben, die Todesstrafe tatsächlich zu vollziehen. Dies war im Lauf der Jahrhunderte in geschlossenen jüdischen Gemeinden, wo das Gesetz des „Fremdlings“ nicht hinreichte, oftmals der Fall.

Das Gesetz verlangt die Ausrottung der Einwohnerschaft ganzer Städte, wenn diese der Apostasie für schuldig befunden worden ist: „Wenn du von irgendeine Stadt, die dir der HERR, dein Gott, gegeben hat, darin zu wohnen, sagen hörst: Es sind etliche heillose Leute aufgetreten aus deiner Mitte und haben die Bürger ihrer Stadt verführt und gesagt: Lasst uns hingehen und anderen Göttern dienen, die ihr nicht kennt, so sollst du gründlich suchen, forschen und fragen. Und wenn sich findet, dass es gewiss ist, dass solch ein Gräuel unter euch geschehen ist, so sollst du die Bürger dieser Stadt erschlagen mit der Schärfe des Schwerts und an ihr den Bann vollstrecken, an allem, was darin ist, auch an ihrem Vieh, mit der Schärfe des Schwerts. Und alles, was in ihr erbeutet wird, sollst du sammeln mitten auf dem Marktplatz und mit Feuer verbrennen die Stadt und all ihre Beute als ein Ganzopfer für den HERRN, deinen Gott, dass sie in Trümmern liege für immer und nie wieder aufgebaut werde.“ (5. Mose 13,13-17)

Bezüglich des Vernichtens unterscheidet das Deuteronomium zwischen nahen (d.h. in Kanaan gelegenen) und fernen Städten. Wenn eine „ferne“ Stadt erobert worden ist, gilt: „Und wenn sie der HERR, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was männlich darin ist, mit der Schärfe des Schwerts erschlagen. Nur die Frauen, die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, und alle Beute sollst du unter dir austeilen und sollst essen von der Beute deiner Feinde, die dir der HERR, dein Gott, gegeben hat.“ (5. Mose 20,13-15) Das die Frauen der eroberten Städte als Beute in den Besitz des „Gottesvolkes“ übergehen sollen, ist ein mehrfach wiederkehrendes Thema; so heißt es in 5. Mose 21,10-14, wenn ein Jude unter den Gefangenen „ein schönes Mädchen“ sehe, dürfe er sie in sein Haus führen, doch wenn er keinen Gefallen mehr an ihr finde, solle er sie wieder gehen lassen.

Anders verhält es sich bei einer „nahen“ Stadt; diese verfällt laut dem Gesetz der vollständigen Vernichtung: „Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erben geben will, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken.“ (5. Mose 20,16-17) Diese Stelle liefert abermals eine Erklärung für die Massenflucht der palästinensischen Araber nach Deir Yassin, dessen Bevölkerung restlos abgeschlachtet worden war. Somit wurde ein Gesetz aus dem Jahre 621 v. Chr. im Jahre 1948 n. Chr. wortwörtlich befolgt, und die geballte Macht des Westens stand hinter der Erfüllung dieses Gesetzes, das die völlige Vernichtung der Besiegten vorsah.

Im vierzehnten Kapitel des Deuteronomium lesen wir: „… du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott, und der HERR hat dich erwählt, dass du sein Eigentum seist, aus allen Völkern, die auf der Erde sind“ (5. Mose 14,2). Der Genuss von Aas ist den Juden verboten, aber: „Dem Fremdling in deiner Stadt darfst du’s geben, dass er’s esse oder dass er’s verkaufe einem Ausländer, denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott.“ Alle sieben Jahre sollen die Kinder Israels „ein Erlassjahr halten“, von dem Fremdlinge allerdings nicht profitieren: „Wenn einer seinem Nächsten etwas geborgt hat, der soll’s ihm erlassen und soll’s nicht eintreiben von seinem Nächsten oder von seinem Bruder; denn man hat ein Erlassjahr ausgerufen dem HERRN. Von einem Ausländer darfst du es eintreiben; aber dem, der dein Bruder ist, sollst du es erlassen“ (5. Mose 15,2-3).

Gewiss, im zehnten Kapitel des Deuteronomium heißt es, die Juden müssten „auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland“ (5. Mose 10,19). Dieser Satz wirkt in diesem Zusammenhang jedoch wie ein Fremdkörper und wird in Kapitel 23 durch folgende, uns bereits vertraut anmutende Ermahnung wieder aufgehoben: „Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen, weder für Geld noch für Speise noch für alles, wofür man Zinsen nehmen kann. Von dem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, aber nicht von deinem Bruder…“ (5. Mose 23,20-21) – Einem noch krasseren Beispiel für diese unterschiedliche Behandlung des Volksgenossen und des Fremden werden wir im Buch Hesekiel begegnen.

Das Deuteronomium endet mit einer langen, beschwörenden Litanei von Segnungen und Flüchen. Vor seinem Tod mahnt Mose das Volk einmal mehr, zwischen beiden zu wählen, und beide werden in großer Ausführlichkeit geschildert.

Die Segnungen sind durchwegs rein materieller Art: Wohlstand durch die Mehrung von Familie, Ertrag und Besitz, den Sieg über die Feinde und die Herrschaft über die Welt. „Wenn du nun der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst und tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, so wird dich der HERR, dein Gott, zum höchsten über alle Völker auf Erden machen, und weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorsam gewesen bist, werden über dich kommen und dir zuteil werden alle diese Segnungen. […] Und du wirst vielen Völkern leihen, aber von niemandem borgen. Und der HERR wird dich zum Kopf machen und nicht zum Schwanz, und du wirst immer aufwärts steigen und nicht heruntersinken…“ (5. Mose 28,1; 28,13)

Die Segnungen umfassen dreizehn Verse, die Flüche fünfzig bis sechzig. Die Gottheit, in deren Namen diese Flüche ausgesprochen werden, ist eindeutig imstande, Böses zu tun, was in einem späteren Buch des Alten Testaments, Hesekiel, denn auch ausdrücklich betont wird.

Die jüdische Religion fußt letztlich auf Furcht und Schrecken, und die Liste der Flüche im 28. Kapitel des fünften Buch Mose zeigt die Bedeutung, welche die Priesterschaft der (bei orthodoxen Juden heute noch lebendigen) Praxis des Verfluchens beimaß. Es sei in Erinnerung gerufen, dass diese Flüche nicht etwa eine Strafe für unmoralisches Verhalten, sondern eine für Nichtbefolgung des Gesetzes darstellen: „Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des HERRN, deines Gottes, und wirst nicht halten und tun all seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden all diese Flüche über dich kommen und dich treffen: Verflucht wirst du sein in der Stadt, verflucht wirst du sein auf dem Acker. Verflucht wird sein dein Korb und dein Backtrog. Verflucht wird sein die Frucht deines Leibes, der Ertrag deines Ackers, das Jungvieh deiner Rinder und Schafe. Verflucht wirst du sein bei deinem Eingang und verflucht bei deinem Ausgang.“ (5. Mose 28,15-19)

Pest, Auszehrung, Entzündung Getreidebrand, Dürre, Aussatz, Pocken, Grind, Krätze, Blindheit und Wahnsinn sind die angedrohten Strafen für Ungehorsam gegenüber dem Gesetz. „Mit einem Mädchen wirst du dich verloben, aber ein anderer wird es nehmen. […] Deine Söhne und deine Töchter werden einem andern Volk gegeben werden, dass deine Augen zusehen müssen und täglich vor Verlangen nach ihnen vergehen, und in deinen Händen wird keine Kraft mehr sein. […] Ein Mann unter euch, der zuvor verwöhnt und in Üppigkeit gelebt hat, wird seinem Bruder und der Frau in seinen Armen und dem Sohn, der noch übrig ist von seinen Söhnen, nichts gönnen von dem Fleisch seiner Söhne, das er isst, weil ihm nichts übriggeblieben ist von allem Gut in der Angst und Not, mit der dich dein Feind bedrängen wird in allen deinen Städten.“ (5. Mose 28,30; 28,32; 28,54-55)

Diese fürchterlichen Drohungen waren in dem großen Bannfluch enthalten, der bis in die Neuzeit gegen Abtrünnige ausgesprochen wurde, und sind in den Hochburgen des talmudischen Judentums vermutlich heute noch Gang und Gebe.

Die erwähnten Katastrophen und Seuchen, warnt Mose, würden das Volk heimsuchen, „wenn du nicht darauf hältst, dass du alle Worte dieses Gesetzes tust, die in diesem Buch geschrieben sind, und nicht fürchtest den herrlichen und heiligen Namen, den HERRN, deinen Gott. (5. Mose 28,58) „Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem ihr den HERRN, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm anhanget.“ (5. Mose 30,19)

Dieser Art waren also die Verlockungen und Drohungen, mit denen die Judäer, die sich 621 v. Chr. im Tempel zu Jerusalem versammelt hatten, von ihrem Stammeshäuptling Josia, dem Sprecher der Priesterschaft, konfrontiert wurden. Laut diesem „Mosaischen Gesetz“ bestand der Zweck und Sinn ihres Lebens darin, andere Völker zu vernichten oder zu versklaven, damit sie sich ihres Eigentums bemächtigen und Macht ausüben konnten. Von jenem Augenblick an konnte sich Israel glücklich schätzen, für tot erklärt worden und von der Teilnahme an einer solchen Welt ausgeschlossen worden zu sein. Die Israeliten waren in den pulsierenden Blutstrom der Menschheit eingegangen, während die Judäer an dessen Ufern gestrandet waren und sich in den Klauen einer fanatischen Priesterschaft befanden, die ihnen unter Androhung all dieser Flüche befahlen, zu zerstören.

Das Entsetzen, das diese Flüche hervorriefen, wurde von den Leviten wie folgt gemildert: „Wenn nun dies alles über dich kommt, sei es der Segen oder der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es zu Herzen nimmst, wenn du unter den Heiden bist, unter die dich der HERR, dein Gott, verstoßen hat, und du dich bekehrst zu dem HERRN, deinem Gott, dass du seiner Stimme gehorchst, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und von ganzer Seele in allem, was ich dir heute gebiete, so wird der HERR, dein Gott, deine Gefangenschaft wenden und dich deiner erbarmen und wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, unter die dich der HERR, dein Gott, verstreut hat. […] Aber all diese Flüche wird der HERR, dein Gott, auf deine Feinde legen und auf die, die dich hassen und verfolgen.“ (5. Mose 30,1-3; 30,7) Wenn Jahwe die Flüche auf die Feinde seines Volkes legt, dann nicht etwa, weil diese gesündigt hätten, sondern lediglich, um den Segen, der den begnadigten Judäern zuteil wird, noch zu mehren!

Dieser Satz enthüllt in aller Deutlichkeit, welchen Status das Deuteronomium für die Nichtjuden vorsieht. In letzter Konsequenz besitzen diese überhaupt kein Existenzrecht; wie könnten sie auch eines besitzen, wenn Jahwe „nur sein heiliges Volk kennt“? Dass die Nichtjuden vorderhand noch existieren dürfen, erklärt sich einzig und allein mit den Aufgaben, die ihnen in den zitierten Passagen des Deuteronomiums zugewiesen werden: Sie müssen die Judäer aufnehmen, wenn diese zur Strafe für ihre Nichtbefolgung des Gesetzes zerstreut werden, und später, wenn die Judäer ihre Sünden bereut und Vergebung erlangt haben, die von ihnen genommenen Flüche erben. Gewiss, die Verfluchung der Nichtjuden wird im letzten der zitierten Sätze damit begründet, dass sie Jahwes Volk „hassen und verfolgen“, doch wie kann man ihnen dies zur Last legen, wenn der Hass und die Verfolgung, unter denen die Judäer zu leiden haben, nichts weiter als die Konsequenz des Fluchs ist, den Jahwe über sie verhängt hat? Immerhin hat dieser selbst entschieden, sein Volk zu „zerstreuen unter alle Völker von einem Ende der Erde bis ans andere, und du wirst dort anderen Göttern dienen, die du nicht kennst noch deine Väter: Holz und Steinen. Dazu wirst du unter jenen Völkern keine Ruhe haben, und deine Füße werden keine Ruhestatt finden.“ (5. Mose 28,64-65)

Im Deuteronomium finden wir auf Schritt und Tritt das, was George Orwell „Doppelsprech“ nennt: Der Herr hat sein auserkorenes Volk zur Strafe für seine Nichtbefolgung des Gesetzes heimatlos gemacht und unter die Heiden zerstreut. Diese tragen weder für die Zerstreuung noch für den Ungehorsam der Judäer auch nur die geringste Verantwortung, sind aber dennoch „Verfolger“ und müssen deshalb ausgerottet werden.

Wer sich diese und ähnliche Passagen zu Gemüte führt, vermag die jüdische Einstellung gegenüber dem Rest der Menschheit, der Schöpfung und dem Universum besser zu verstehen, insbesondere das Gejammer über die unaufhörliche Verfolgung der Juden, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte jüdische Literatur zieht. Wer das Deuteronomium als sein Gesetz anerkennt, für den ist allein schon die Existenz anderer Völker Verfolgung; dies geht aus dem Text des fünften Buchs Mose klar hervor.

Die nationalistischsten und die aufgeklärtesten Juden sind sich in einem Punkt oft einig: Sie sind außerstande, die Welt und das Weltgeschehen anders als von einem jüdischen Standpunkt aus zu betrachten, und aus dieser Warte scheint der „Fremdling“ unwichtig. Diese Denkstruktur ist das Erbe von fünfundzwanzig Jahrhunderten jüdischen Glaubens; auch jene Juden, welche die Abartigkeit dieses Glaubens einsehen, vermögen es längst nicht immer, ihre Seele und ihren Geist vollständig von dem Dämon zu befreien.

Die letzte von uns angeführte Passage aus dem Deuteronomium zeigt, dass die herrschende Sekte die Zerstreuung des auserwählten Volkes zugleich als Folge einer Handlung Gottes und als Verfolgung seitens der Gastvölker deuten, wobei diese zur Strafe mit den ursprünglich gegen die Auserwählten selbst gerichteten Flüchen bedacht werden. Für dermaßen egozentrisch denkende Menschen ist ein politisches Verbrechen, dem 95 Nichtjuden und 5 Juden zum Opfer fallen, bloß eine jüdische Katastrophe. Dies ist noch nicht einmal bewusste Heuchelei. Im zwanzigsten Jahrhundert ist dieses Denkschema anderen Völkern aufgenötigt worden und findet auf alle größeren Tragödien des Westens Anwendung. Somit leben wir in einem Jahrhundert des levitischen Betrugs.

Nachdem der Mose des Deuteronomium den Judäern in Aussicht gestellt hat, sämtliche Flüche würden auf die Nichtjuden abgewälzt, wenn die Judäer sich an all seine „Gebote und Rechte“ hielten, beglückt er sie zum Schluss noch mit einer neuen Verheißung: „Der HERR, dein Gott, wird selbst vor dir hergehen. Er selber wird diese Völker vor dir her vertilgen, damit du ihr Land einnehmen kannst.“ (5. Mose 31,3) Darauf segnet Mose im Lande Moab das Zeitliche. Das gelobte Land hat er noch gesehen, aber nicht betreten.

Im Mosaischen Gesetz nahm eine zerstörerische Idee Gestalt an, die sich viele Jahrhunderte später zur tödlichen Bedrohung für die christliche Zivilisation des Abendlandes entwickeln sollte. Während der christlichen Ära beschloss ein Rat von Theologen, das Alte und das Neue Testament sollten gemeinsam zu einem Buch gebunden werden. Sie galten als gleichberechtigt, als sei das Alte Testament der Stamm und das Neue die Blüte. Eine vor mir liegende Enzyklopädie vermeldet lakonisch, für die christlichen Kirchen sei das Alte Testament „ebenso göttlichen Ursprungs“ wie das Neue. Diese vorbehaltlose Akzeptanz, die wohlverstanden für das gesamte Alte Testament gilt, hat in den christlichen Kirchen sowie bei den christlichen Massen zweifellos viel Verwirrung angerichtet, weil das Dogma von der Gleichwertigkeit der beiden Testamente den Glauben an einander entgegengesetzte Dinge erfordert. Wie kann ein und derselbe Gott den Menschen in den Gesetzen, die er Mose offenbarte, einerseits befohlen haben, nicht zu töten und das Gut ihres Nachbarn nicht zu begehren, andererseits jedoch, eben diesen Nachbarn auszurauben und umzubringen? Wie kann man den liebenden Gott aller Menschen, den das Neue Testament lehrt, mit der rachsüchtigen und grausamen Gottheit des Deuteronomium gleichsetzen?

Wenn das Alte Testament einschließlich der im vorhergehenden zitierten blutrünstigen Gesetze und Befehle jedoch tatsächlich „ebenso göttlichen Ursprungs“ ist wie das Neue, durfte sich der weiße Mann in der Tat darauf berufen, wenn er Dinge tat, die der christlichen Zivilisation zur Schande gereichten: Der Import afrikanischer Sklaven nach Amerika durch die britischen Siedler; die Behandlung der Indianer auf dem nordamerikanischen Kontinent; die harte Herrschaft der Buren über die Bantuvölker Südafrikas. Dann durfte der weiße Mann die Verantwortung für all dies mit Fug und Recht seinen christlichen Priestern oder Bischöfen anlasten, die ihm versichert hatten, das Alte Testament, in dem unzählige Male befohlen wird, zu morden, zu knechten und zu plündern, sei „ebenso göttlichen Ursprungs“ wie das Neue. Kein christlicher Geistlicher, welcher desgleichen lehrt, darf sich schuldlos nennen. Der von Theologen getroffene Entscheid zur Verkündung dieses Dogmas hat über das Christentum und die kommenden Jahrhunderte den Schatten des Deuteronomium geworfen, so wie er auf die Judäer fiel, als es ihnen im Jahre 621 v. Chr. vorgelesen wurde.

Nur ein einziges anderes Buch hat vergleichbare Wirkung auf den Geist der Menschen und künftiger Generationen ausgeübt wie das Deuteronomium, nämlich das Neue Testament. Man vereinfacht nur wenig, wenn man die gesamte Geschichte des Abendlandes, insbesondere jene unseres schicksalhaften zwanzigsten Jahrhunderts, als Kampf zwischen dem Gesetz Mose und dem Neuen Testament sowie zwischen den zwei Teilen der Menschheit auffasst, von denen der eine die Botschaft des Hasses und der andere die Botschaft der Liebe vertritt.

Mit dem Deuteronomium schlug zugleich die Geburtsstunde des Judentums. Wäre dessen Einfluss auf die Leviten und die von ihnen versklavten Judäer beschränkt geblieben, so wäre dies freilich eine Totgeburt gewesen, und die Menschheit hätte nie etwas vom Mosaischen Gesetz erfahren. Schließlich waren die Judäer gering an Zahl, und selbst ein hundertfach stärkeres Volk hätte nie und nimmer hoffen dürfen, diese barbarische Doktrin der gesamten Welt mit roher Gewalt aufzunötigen. Der einzige Weg, auf dem das Mosaische Gesetz Macht und Einfluss gelangen konnte, bestand darin, in den folgenden Jahrhundert ein Element der Zerstörung in das Leben anderer Völker einzubringen, und dies war nur dann möglich, wenn ein mächtiger „Fremdling“ (welcher natürlich genauso verflucht wurde wie alle anderen „Fremdlinge“), ein starker König der „Heiden“ (dessen Endgeschick selbstverständlich die Vernichtung war), die Träger dieses Gesetzes mit seinen Waffen und seinen Schätzen unterstützte.

Genau dies geschah, als Josia dem Volk anno 621 v. Chr. das Zweite Gesetz vorlas, und genau dies sollte sich in späteren Jahrhunderten bis in unsere Tage regelmäßig wiederholen. Mochte die Wahrscheinlichkeit, dass sich dergleichen ereignen würde, auch verschwindend gering sein, so lässt sich doch hieb- und stichfest nachweisen, dass es geschehen ist! Die Herrscher der „anderen Nationen“, die nach dem Gesetz Mose auszuplündern und auszurotten waren, nahmen die Anhänger dieses zerstörerischen Glaubens immer wieder unter ihre Fittiche, machten sich zu Schirmherren ihrer herrschenden Sekte und halfen dieser bei der Verwirklichung ihrer monströsen Ziele. Dies alles taten diese Herrscher auf Kosten ihrer eigenen Völker.

Um das Jahr 596 v. Chr. herum, also etwa zweieinhalb Jahrzehnte nach der Verlesung des Deuteronomium, wurde Juda von den Babyloniern erobert. Vor dem Hintergrund der damaligen bahnbrechenden Umwälzungen war dies nichts weiter als eine unbedeutende Episode, die jedoch den Schlussstrich unter das kurze judäische Experiment zu setzen schien. In der Tat sollte Juda niemals wieder als unabhängiger Staat existieren, und wären die Leviten, das Zweite Gesetz und die fremden Helfer nicht gewesen, so wären die Judäer wie vor ihnen die Israeliten in der Menschheit aufgegangen.

Doch es kam anders. Der Sieg Babylons war nicht der Endpunkt, sondern der Ausgangspunkt einer Entwicklung, deren Folgen für den Rest der Welt wahrhaftig ungeheuerlich sein sollten. Anstatt in Babylon in Vergessenheit zu geraten, wurde das Gesetz dort stärker, weil ihm erstmals ein fremder König seinen Schutz verlieh. Zum ersten Mal wurde die Idee von einem Staat im Staate, einer Nation in der Nation, in die Praxis umgesetzt, und die Judäer sammelten ihre erste Erfahrung darin, wie man durch Unterwanderung eines fremden Staates Macht gewinnt. Für die anderen Völker braute sich damals allerlei Unheil zusammen.

Zum unglücklichsten aller Völker scheinen freilich die Judäer, oder Juden, selbst geworden zu sein. Der jüdische Schriftsteller Maurice Samuel, schrieb 1924 in seinem Buch You Gentiles: „Wir Juden, die Zerstörer, werden für immer Zerstörer bleiben… Nichts, was die Nichtjuden tun, wird unsere Bedürfnisse und Forderungen je zu befriedigen vermögen.“

Auf den ersten Blick wirkt dies wie frecher Hohn, doch wer den Streit um Zion gewissenhaft erforscht hat, hört hier eher einen Aufschrei der Hoffnungslosigkeit – den Aufschrei eines zutiefst unglücklichen Menschen, der spürt, dass er der gnadenlosen Lehre von der Zerstörung, die das Mosaische Gesetz predigt, nicht entrinnen kann.

 

Kapitel 4

Die Ketten werden geschmiedet

Die babylonische Episode hatte äußerst weitreichende Folgen, damals für den kleinen Staat Juda und heute für die gesamte westliche Welt. Während dieser Periode taten die Leviten Dinge, welche das Leben der Völker nachhaltig beeinflussen sollten. Sie verfassten nach dem Deuteronomium vier weitere Bücher und begründeten damit ein auf rassischer und religiöser Intoleranz fußendes Gesetz, das, konsequent durchgesetzt, die Judäer für alle Zeiten vom Rest der Menschheit absondern musste. Mittels Experimenten entwickelten sie in Babylon Methoden zur Erzwingung dieses Gesetzes und sorgten somit dafür, dass sich die Judäer strikt von ihrem Gastvolk abgrenzten. Es gelang den Leviten, das Vertrauen der Babylonier zu gewinnen, worauf sie ihre privilegierte Position prompt nutzten, um Babylons Verderben herbeizuführen. Dies besagt zumindest ihre Version der Geschichte, die sie der Nachwelt überlieferten; die Nachwelt akzeptierte diese Version als wahr und begann in den Judäern eine unwiderstehliche, zerstörerische Kraft zu sehen.

Die erste „Gefangenschaft“, die ägyptische, scheint eine Legende zu sein. Was wir aus anderen Quellen wissen, spricht vieles dafür, dass die levitischen Schreiber die Knechtschaft im Ägyptenlande sowie die Plagen, mit denen Jahwe die Ägypter züchtigte, erfunden haben, um ihrer Version der babylonischen Gefangenschaft mit einem ideologischen Unterbau zu versehen.

Wie dem auch sei, das wahre Schicksal der Judäer in Babylon dürfte recht wenig mit der in den levitischen Schriften festgelegten Version zu tun haben, laut der ein ganzes Volk in die Knechtschaft verschleppt wurde, jedoch später in großen Scharen in seine Heimat zurückkehrte. Ein Massenauszug von Gefangenen aus Babylon nach Jerusalem kann sich nicht zugetragen haben, weil sich die Mehrheit der Judäer, aus denen später die Juden hervorgehen sollten, zum damaligen Zeitpunkt bereits freiwillig über zahlreiche Länder westlich und östlich von Juda zerstreut hatte, wo die Bedingungen für den Handel günstig waren.

In jener Hinsicht bot sich schon damals ein ganz ähnliches Bild dar wie heute. In Jerusalem hielt sich lediglich der harte Kern der Judäer auf, d.h. in erster Linie die fanatischsten Anhänger des Tempelkults sowie Menschen, die in Juda ihrem Broterwerb nachgingen. Die Historiker sind sich darüber einig, dass nicht mehr als einige zehntausend Judäer nach Babylon verschleppt worden sind und dass diese lediglich eine kleine Minderheit der Gesamtbevölkerung ausmachten.

Die Zerstreuung der Judäer war kein geschichtlich einzigartiges Phänomen, wie in den Klageliedern behauptet wird: Die indischen Parsen wurden während derselben Periode ebenfalls unter ganz ähnlichen Umständen unter die Völker zerstreut und überlebten den Verlust ihres Landes und Staates als Glaubensgemeinschaft in der Diaspora. Auch in späteren Jahrhunderten gab es viele rassische oder religiöse Gruppen, die weit entfernt von ihrer Urheimat lebten und überlebten. Nach einigen Generationen betrachten die Angehörigen einer solchen Gruppe die Heimat ihrer Ahnen einfach als „das alte Land“, und die religiösen unter ihnen blickten beim Beten in der Richtung, in der eine ihnen heilige Stadt (wie Rom oder Mekka) lag. Der Unterschied zu den Judäern bestand darin, dass das alte Land und die heilige Stadt bei diesen zusammenfielen, die Jahwe-Religion eine triumphale Rückkehr sowie die Wiedererrichtung des Tempelkults auf den Leichen der erschlagenen Heiden verlangte und diese Religion gleichzeitig als Alltagsgesetz diente, was bedeutete, dass ein weltliches politisches Programm, eine nationalistische Stammesideologie, zugleich Glaubensbekenntnis war. Vergleichbare Religionen dieser Art sind schon in alter Zeit verkümmert; nur diese eine überlebte, um durch all die Jahrhunderte hindurch die Existenz anderer Völker negativ zu beeinflussen, bis hin in unsere Tage, wo ihre zerstörerischen Auswirkungen besonders krass zutage treten.

Dies alles war das direkte Ergebnis der Experimente, welche die Leviten in Babylon anstellten, sowie der Erfahrungen, die sie sammelten, als sie die von ihnen kodifizierte Religion erstmals in einer fremden Umgebung testen konnten. Die Toleranz, mit der die babylonischen Eroberer ihren judäischen Gefangenen begegneten, unterschied sich radikal von der den Judäern eingetrichterten Ideologie, denn immerhin befahl das Zweite Gesetz letzteren, die Besiegten restlos auszurotten. Dr. Kastein meint, die Verschleppten hätten in Babylon „völlige Freiheit“ bei der Ausübung ihres Glaubens sowie bei der Wahl von Wohnort und Beruf genossen und ein Recht auf Selbstverwaltung besessen. Diese Großzügigkeit der Sieger bot den Leviten die Möglichkeit, weitgehend freie Menschen tatsächlich in Gefangene zu verwandeln; auf Geheiß ihrer Priester mussten sie sich in geschlossenen Wohnbezirken ansiedeln, womit die Geburtsstunde des Ghettos geschlagen hatte und die Leviten diktatorische Macht über das Fußvolk errangen. Die talmudischen Gesetze der nachchristlichen Zeit, welche die Exkommunizierung von Juden vorsahen, die jüdisches Eigentum ohne Erlaubnis der Leviten an „Fremdlinge“ verkauft hatten, gehen auf dieses erste Experiment der Selbstabsonderung in Babylon zurück.

Um ihre Gemeinde an die Kandare nehmen zu können, bedurften die Priester der Unterstützung durch die Herrscher des Gastvolkes. Diese Unterstützung erhielten sie in der Tat, und später hat sich dasselbe Trauerspiel unzählige Male wiederholt.

Nun, wo sie ihr Volk fest im Griff hatten, konnten sich die Leviten der Aufgabe zuwenden, das „Gesetz“ zu vervollständigen. Die vier Bücher, die auf das Deuteronomium folgten, bildeten zusammen mit letzterem die Thora; dieses hebräische Wort bedeutete ursprünglich „Lehre“, nahm nun aber die Bedeutung „Gesetz“ an.

Streng genommen ist unsere Formulierung, wonach die Leviten das Gesetz „vervollständigt“ hatten, unrichtig, denn vervollständigt wurde einzig und allein die Thora in Gestalt der fünf Bücher Mose. Das „Gesetz“ selbst wurde nicht vervollständigt, weder damals noch später. Dies wäre schon darum ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, weil es laut dem Talmud eine „geheime Thora“ gibt; bei dieser soll es sich um die Fortsetzung der bekannten Thora handeln, und die Priester machen geltend, Gott habe ihnen das Recht verliehen, sie zu deuten. Das Gesetz wurde immer wieder geändert, meist um irgendwelche Schlupflöcher zu stopfen, die es einem „Fremdling“ hätten ermöglichen können, dieselben Rechte zu genießen wie ein „Nachbar“, d. h. ein Angehöriger der judäischen Glaubensgemeinschaft. Einige diesbezügliche Beispiele haben wir bereits angeführt; anderen werden wir uns später zuwenden. Das Ergebnis solcher Abänderungen bestand meist darin, den Hass und die Verachtung gegenüber dem „Fremdling“ noch zu steigern, indem allerlei diskriminierende Bestimmungen und Praktiken in das Gesetz eingebaut wurden.

Mit der Fertigstellung der Thora war ein gewaltiger, einzigartiger Zaun zwischen den Anhängern des Gesetzes und dem Rest der Menschheit errichtet, der freilich noch nicht ganz undurchdringlich war. Die Thora sah keinen Unterschied zwischen dem Gesetz Jahwes und dem Gesetz der Menschen, zwischen religiösem und zivilem Gesetz vor. Theologisch wie juristisch existierte das Gesetz des „Fremdlings“ für die Judäer nicht, und jeglicher Versuch, sie zu seiner Einhaltung zu zwingen, galt ihnen als „Verfolgung“, denn Jahwes Gesetz war ihr einziges Gesetz. Die Priesterschaft machte geltend, die Thora regele sämtliche Akte des Alltagslebens bis hin zu den trivialsten.

In seinem 1882 erschienenen Buch Religion of the Ancient Hebrews bemerkte C. G. Montefiore treffend, das Alte Testament sei „geoffenbarte Gesetzgebung, nicht geoffenbarte Wahrheit“ und meinte, die israelitischen Propheten könnten nichts von der Thora gewusst haben, da diese von den Leviten in Babylon abgeschlossen worden sei. Wenn der Prophet Jeremia sagte, die Feder der Schreiber sei kraftlos, so spielte er offensichtlich auf die von den Leviten vorgenommene permanente Umschreibung des Gesetzes und auf die zahllosen „Gebote und Rechte“ an, die sie den Geboten Mose hinzufügten.

Der Begriff der „Sünde“ fehlt in der Thora völlig. Dies ist nur allzu logisch, denn ein Gesetz ahndet keine Sünden, sondern lediglich Verbrechen und Vergehen. Das einzige Verbrechen oder Vergehen, welches dieses Gesetz kannte, war Nichtbefolgung der Vorschriften. Das, was gemeinhin unter Sünde verstanden wird – ein Verstoß gegen die Moral –, wurde in manchen Fällen ausdrücklich gebilligt und ließ sich in anderen durch ein Tieropfer sühnen.

Die Vorstellung von der „Rückkehr“ war, gemeinsam mit den damit verwandten Themen der Vernichtung und der Herrschaft, die Grundlage des Dogmas, das mit diesen Konzepten stand und fiel. Allerdings empfand das Volk keinerlei Bedürfnis, nach Jerusalem zurückzukehren (auch heute lehnt die große Mehrheit der Juden eine „Rückkehr“ instinktiv ab, so dass es für den Zionistenstaat wesentlich leichter ist, im Ausland Geld einzusammeln als Einwanderer zu rekrutieren).

Die wortwörtliche Befolgung des Gesetzes war oberster Grundsatz, was bedeutete, dass der Besitz Palästinas, des „Zentrums“ des künftigen Reiches, lebenswichtig war – und ist. Seine Bedeutung war politischer Art und hing nicht davon ab, ein wie großer Teil des Judentums dort wohnte.

Rekapitulieren wir: In Babylon schrieben die Leviten die Bücher Exodus, Genesis, Leviticus und Numeri. Genesis und Exodus, die beiden ersten Bücher Mose also, legten eine bestimmte Version der Geschichte fest, um einen ideologischen Unterbau für das „Gesetz“ zu schaffen, das die Leviten bereits zuvor in Gestalt des Deuteronomium kodifiziert hatten. Sie beginnt ganz am Anfang, mit der Schöpfung, deren genaues Datum die Schreiber zu kennen vorgaben. Was immer von der alten israelitischen Tradition überlebt haben mag, findet sich in Genesis und Exodus sowie in den aufgeklärten Passagen der prophetischen Bücher. Doch werden diese menschenfreundlichen Stellen mit deprimierender Regelmäßigkeit schon bald durch andere, von fanatischer Intoleranz zeugende, aufgehoben, die wohl nachträglich von den Leviten eingeschoben worden sind.

Weshalb die Leviten diese Überbleibsel des Glaubens an einen liebenden Gott aller Menschen in den Texten beließen, lässt sich nicht ohne weiteres erkennen; schließlich stehen sie in schroffstem Widerspruch zum alten Gesetz, und es wäre den Schreibern ein Leichtes gewesen, sie zu tilgen. Ein möglicher Grund liegt darin, dass die frühere mündliche Tradition bei den Stammesangehörigen zu gut bekannt war, als das man sie einfach hätte verschwinden lassen können, so dass man sie beibehielt, ihre Gültigkeit jedoch durch die Erfindung allegorischer Geschehnisse und die Hinzufügung neuer Gebote aufhob.

Obgleich Genesis und Exodus nach dem Deuteronomium geschaffen wurden, sind sie keineswegs von jenem fanatischen Stammesdenken geprägt, das im Deuteronomium ebenso wie in Leviticus und Numeri eine absolut dominierende Stellung einnimmt: Diese drei Bücher tragen den unverkennbaren Stempel levitischer Schreiber im isolierten Juda sowie in Babylon. In der Genesis hingegen findet sich nur eine einzige Passage, die eine Vorahnung des künftigen extremen Stammesdenkens vermittelt: „Und ich will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen, und in dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden.“ (1. Mose 12,2-3) Auch in Exodus findet man lediglich harmlos anmutende Stellen wie die folgende: „Wirst du […] alles tun, was ich dir sage, so will ich deiner Feinde Feind und deiner Widersacher sein.“ (2. Mose 23,22) Selbst bei diesem unverfänglichen Satz handelt es sich möglicherweise um einen nachträglich von den Leviten vorgenommenen Einschub. Allerdings geschieht hier etwas Bedeutsames: Der Bund zwischen Jahwe und seinem Volk wird mit Blut besiegelt: „Da nahm Mose das Blut und besprengte das Volk damit und sprach: Sieht, das ist das Blut des Bundes, den der HERR mit euch geschlossen hat auf Grund aller dieser Worte.“ (2. Mose 24,8) Fortan fließt das Blut in Strömen.

Mit diesem Blutritual wird das erbliche, permanente Priesteramt der Aaroniten begründet. Jahwe spricht zu Mose: „Du sollst Aaron, deinen Bruder, und seine Söhne zu dir herantreten lassen aus der Mitte der Kinder Israel, dass er mein Priester sei, er und seine Söhne…“ (2. Mose 28,1) Wie eine Priesterweihe zu verlaufen hat, wurde laut den levitischen Schreibern von Jahwe selbst in allen Einzelheiten festgelegt: „Dies ist’s, was du mit ihnen tun sollst, dass sie mir zu Priestern geweiht werden: Nimm einen jungen Stier und zwei Widder ohne Fehler. […] Und du sollst den Stier schlachten vor dem HERRN, vor der Tür der Stiftshütte, und sollst von seinem Blut nehmen und mit deinem Finger an die Hörner des Altars streichen und alles andere Blut an den Fuß des Altars schütten. […] Und den einen Widder sollst du nehmen, und Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände auf seinen Kopf legen. Dann sollst du ihn schlachten und sein Blut nehmen und ringsum an den Altar sprengen. […] Den anderen Widder aber sollst du nehmen, und Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände auf seinen Kopf legen, und du sollst ihn schlachten und von seinem Blut nehmen und es Aaron und seinen Söhnen an das rechte Ohrläppchen streichen und an den Daumen ihrer rechten Hand und an die große Zehe ihres rechten Fußes; und du sollst das Blut ringsum an den Altar sprengen. Und du sollst von dem Blut auf dem Altar nehmen und Salböl und sollst Aaron und seine Kleider, seine Söhne und ihre Kleider, damit besprengen. So werden er und seine Kleider, seine Söhne und ihre Kleider geweiht.“ (2. Mose 29,1; 29,11-12; 29,15-16; 29,19-21)

Dieses Bild blutbespritzter Priester ist des Nachdenkens wert. Ungeachtet der seit dem Erlass dieser Gebote verflossenen Zeit drängt sich die Frage auf: Warum wird in dem von den Leviten festgelegten Gesetz derartiger Nachdruck auf Blutopfer gelegt? Die Antwort dürfte in der genialen Begabung der Sekte liegen, den Menschen Furcht und Schrecken einzuflößen, denn allein schon das Wort „Blut“ ließ den frommen und abergläubischen Judäer vor Angst um seinen eigenen Sohn erzittern. Die fanatischen Priester erhoben nämlich Anspruch auf die Erstgeborenen ihrer Anhängerschaft; das Buch Exodus lässt hieran keinen Zweifel aufkommen:

„Und der HERR redete mit Mose und sprach: Heilige mir alle Erstgeburt bei den Kindern Israels; alles, was zuerst den Mutterschoss durchbricht, bei Mensch und Vieh, das ist mein.“ (2. Mose 13,1-2)

Laut einer früher zitierten Stelle aus dem Buche Micha hatte die Praxis, erstgeborene Kinder zu opfern, lange Bestand, und allein schon der Anblick der blutbefleckten Levitenpriester muss die einfachen Stammesangehörigen mit Schrecken erfüllt haben, denn in den Jahwe zugeschriebenen Worten ist ausdrücklich von der „Erstgeburt bei Mensch und Vieh“ die Rede. Dieses Gebot wirkte auch noch nach, nachdem die Priesterschaft (in einem Geniestreich, auf den wir noch zu sprechen kommen werden) die Menschenopfer in der Praxis eingestellt, den Anspruch auf die Erstgeborenen jedoch aufrechterhalten hatte. Das Blut, mit dem der Priester bespritzt wurde, mochte tierischen Ursprungs sein, symbolisierte in den Augen der Gemeindemitglieder aber immer noch das ihrer eigenen Söhne!

In den talmudischen Hochburgen des Judentums hielt sich das Ritual des Bespritzen der Priester mit Blut übrigens bis in unsere Tage und ist somit keine bloße Reminiszenz an eine graue Vorzeit. Vierundzwanzig Jahrhunderte nach der Niederschrift des Buches Exodus erklärten die reformierten Rabbiner Amerikas 1885 in Pittsburgh: „Wir erwarten weder eine Rückkehr nach Palästina noch ein Opferritual unter der Obhut der Söhne Aarons noch die Wiederinkraftsetzung irgendwelcher Gesetze, die im jüdischen Staat galten.“ Die Bedeutung dieser Erklärung lag darin, dass diese Rabbiner es noch im Jahre 1885 für nötig erachteten, sie öffentlich abzugeben, was beweist, dass der orthodoxe Flügel des Judentums die Gesetze einschließlich des „Opferrituals“ auch weiterhin befolgte. (Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatten die reformierten Rabbiner Amerikas an Boden eingebüßt, während sich die Vertreter des zionistischen Chauvinismus im Vormarsch befanden.)

Dass die Thora von den Leviten niedergeschrieben worden ist, lässt sich unter anderem auch daran erkennen, dass mehr als die Hälfte des Inhalts der fünf Bücher aus peinlich genauen Anweisungen besteht, die angeblich von Gott selbst erteilt worden sind: Anweisungen für den Bau und die Ausstattung von Altären und Tabernakeln; den Stoff und das Muster von Kleidungsstücken, Mitren und Gürteln; die Art von Goldketten und Edelsteinen, welche die blutbespritzen Priester zu tragen haben; die Anzahl der als Sühne für verschiedene Verstöße zu opfernden Tiere; die Art und Weise, wie das Blut zu verwenden ist; die Bezahlung von Abgaben und Schekeln sowie ganz allgemein die Privilegien und Vergünstigungen für die Priesterschaft. Zahlreiche Kapitel sind blutigen Opfern gewidmet.

Vermutlich schätzt Gott das Blut von Tieren oder die erlesenen Gewänder der Priester allerdings weniger hoch, als man bei der Lektüre dieser Schilderungen annehmen müsste. Dies und nichts anderes gab den Anstoß zum Protest der israelitischen „Propheten“: Sie geißelten die Mumifizierung einer primitiven Stammesreligion; nichtsdestoweniger ist diese noch heute das Gesetz der herrschenden Sekte und stellt in unseren Tagen eine Macht ohnegleichen dar.

Als die Leviten diese Gesetzesbücher zusammenstellten, bauten sie darin zahlreiche allegorische oder lehrhafte Beispiele für die letalen (tödlichen) Folgen der Nichtbeachtung des Gesetzes ein. Es sind dies die Gleichnisse des Alten Testaments, und ihre „Moral“ ist stets die gleiche: Wer das Gesetz verletzt, dem winkt der Tod! Im Buche Exodus finden wir das berühmteste dieser Gleichnisse, die Geschichte vom goldenen Kalb. Während sich Mose in den Bergen aufhielt, goss Aaron ein goldenes Kalb; als Mose zurückkehrte und sah, dass sein Volk dieses anbetete, „trat er in das Tor des Lagers und rief: Her zu mir, wer dem HERRN angehört! Da sammelten sich zu ihm alle Söhne Levi. Und er sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Ein jeder gürte sein Schwert um die Lenden und gehe durch das Lager hin und her von einem Tor zum anderen und erschlage seinen Bruder, Freund und Nächsten. Die Söhne Levi taten, wie ihnen Mose geheißen hatte; und es fielen an dem Tage vom Volk dreitausend Mann.“ (2. Mose 22,26-28)

Das Christentum hat die Parabel vom goldenen Kalb mit dem gesamten Alten Testament übernommen und sieht in ihr eine Warnung vor jeglichem Götzendienst. Allerdings mögen die Leviten, welche diese Geschichte erfanden, damit ein Ziel verfolgt haben, das man heute nicht mehr ohne weiteres erkennt. Viele Judäer, darunter auch einige Priester, mögen sich gedacht haben, Gott werde größeren Gefallen am symbolischen Opfer eines goldenen Kalbes finden als an der unaufhörlichen, blutigen Opferung wirklicher Tiere, dem Verspritzen ihres Bluts und dem „süßen Duft“ ihrer brennenden Kadaver. Die Leviten wehrten sich mit Zähnen und Klauen gegen jede Verwässerung ihrer Rituale, so dass sich die von ihnen ersonnenen Gleichnisse stets gegen jene richten, welche diese Rituale im einen oder anderen Punkt ändern wollen.

Einen vergleichbaren Fall stellt die Rebellion des Korah dar, die im 16. Kapitel des Buches Numeri geschildert wird. Zweihundertfünfzig Mann unter der Führung Korahs empören sich gegen Mose, worauf sich die Erde unter ihnen auftut und sie verschlingt, „mit ihren Sippen, mit allen Menschen, die zu Korah gehörte, und mit all ihrer Habe. Und sie fuhren lebendig zu den Toten hinunter mit allem, was sie hatten, und die Erde deckte sie zu, und sie kamen um, mitten aus der Gemeinde heraus.“ (4. Mose 16,32-33) Das Volk murrte aber weiter, worauf der Herr es mit einer Seuche schlug, an der 14.700 Menschen zugrunde gingen, ehe Aaron Fürbitte für das Volk einlegte (4. Mose 17,13-14)

Die Moral von der Geschichte war, dass man gut daran tat, der Priesterschaft die gebotene Ehrfurcht entgegenzubringen: „Und der HERR sagte zu Aaron: Siehe, dies überlasse ich dir bei dem Dienst an meinen Opfergaben: von allen heiligen Gaben der Kinder Israels gebe ich dir einen Anteil, dir und deinen Söhnen, als ewiges Anrecht. […] Alles Beste von Öl und alles Beste vom Wein und Korn, die Erstlingsgabe, die sie dem HERRN bringen, habe ich dir gegeben.“ (4. Mose 18,8; 18,12) Vermutlich aufgrund der Beschränkungen, die sich die Leviten aus Rücksicht auf die alte Tradition beim Umschreiben der Geschichte auferlegen mussten, finden sich in den Büchern Genesis und Exodus kaum vergleichbare Stellen. Der Fanatismus, der im Deuteronomium erstmals unverbrämt zutage tritt, wird in den Bücher Leviticus und Numeri auf die Spitze getrieben.

Genau wie das Deuteronomium waren auch Leviticus und Numeri angeblich von Mose hinterlassen worden, der darin seine Gespräche mit Jahwe schilderte. Im Fall dieser beiden letztgenannten Bücher verzichteten die Leviten jedoch auf die Behauptung, man habe sie in Gestalt eines „vom Staub der Zeit bedeckten“ Manuskriptes entdeckt. Leviticus und Numeri belegen, dass sich der Fanatismus der Sekte mittlerweile zur Weißglut gesteigert hatte, denn sie wimmeln nur so von Aufrufen zu Glaubens- und Rassenhass. Im Deuteronomium hatte Jahwe sein Volk immerhin noch gemahnt, den Fremdling zu lieben, auch wenn dieses (wahrscheinlich der alten israelitischen Tradition entstammende) Gebot dann durch eine Flut von Vorschriften außer Kraft gesetzt wurde, in denen der Fremdling unter anderem vom Verbot des Wuchers ausgenommen wurde.

Leviticus ging noch weiter. Wohl findet sich dort folgende Stelle: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ (3. Mose 19,33-34.) Doch in Kapitel 25 folgt die unvermeidliche Aufhebung dieses Gebots: „Willst du aber Sklaven und Sklavinnen haben, so sollst du sie kaufen von den Völkern, die um euch herum sind, und auch von den Beisaßen, die als Fremdlinge unter euch wohnen, und von ihren Nachkommen, die sie bei euch in eurem Land zeugen. Die möget ihr zu eigen haben und sollt sie vererben euren Kindern zum Eigentum für immer; die sollt ihr Sklaven sein lassen. Aber von euren Brüdern, den Kindern Israel, soll keiner über den andern herrschen mit Härte.“ (3. Mose 25,44-46)

Somit war die Versklavung von „Fremdlingen“, deren Sklavenstatus von einer Generation auf die andere überging, zu einem Bestandteil des (heute noch gültigen) Gesetzes geworden. Wenn das Alte Testament „nicht minder göttlichen Ursprungs“ ist als das Neue, besaßen die Weißen sehr wohl das Recht, schwarze Afrikaner als Sklaven nach Amerika zu verschiffen, und die Buren handeln nicht mehr als billig, wenn sie die Eingeborenen Südafrikas unterdrücken.

Folgende Episode in Leviticus schildert die grauenvollen Konsequenzen, die sich aus der Nichtbefolgung des Gesetzes ergeben, und zeugt von der Radikalität der Leviten: „Und Aarons Söhne Nadab und Abihu nahmen ein jeder seine Pfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten so ein fremdes Feuer vor den HERRN, das er ihnen nicht geboten hatte.“ Dieser nicht den Vorschriften entsprechende Opferakt war ein todeswürdiges Verbrechen: „Da fuhr ein Feuer aus von dem HERRN, und verzehrte sie, dass sie starben vor dem HERRN.“ (3. Mose 10,1-2)

Das extremste der fünf Bücher Mose ist Numeri, das als letztes niedergeschrieben wurde. In ihm fanden die Leviten einen Weg, ihren vornehmsten Anspruch, das Recht auf alle Erstgeborenen, de facto aufzugeben, das entsprechende Gebot aber in Kraft zu lassen. Dies war ein geradezu genialer politischer Schachzug. Der Anspruch auf „alle Erstgeburt“ hatte den Priestern offenbar große Unannehmlichkeiten bereitet, doch konnten sie den ersten Artikel eines Gesetzes, bei dessen Befolgung es nicht den geringsten Spielraum gab, unter gar keinen Umständen preisgeben; hätten sie dies getan, so wären sie selbst dem Tod verfallen. Durch eine abermalige Neudeutung des Gesetzes ernannten sie sich selbst zu Stellvertretern der Erstgeborenen und sicherten sich somit die ewige Dankbarkeit des Volkes, ohne auch nur das Geringste zu riskieren:

„Und der HERR redete mit Mose und sprach: Nimm die Leviten statt aller Erstgeburt unter den Kindern Israels und das Vieh der Leviten statt ihres Viehs, dass die Leviten mir gehören sollen. Ich bin der HERR. Aber als Lösegeld für die 273 Erstgeburten der Kinder Israel, die die Zahl der Leviten übersteigen, sollst du fünf Lot Silber erheben für jeden Kopf. […] Und du sollst das Silber für die, welche überzählig sind unter ihnen, Aaron und seinen Söhnen als Lösegeld geben.“ (4. Mose 3,44-48)

Nachdem sich die Leviten so als Wohltäter aufgespielt hatten, legten sie zahlreiche weitere „Gebote und Rechte“ fest. Sie herrschten durch nackten Terror und verstanden es meisterhaft, dem Volk mit allerlei neuen Mitteln Furcht einzuflößen; ein markantes Beispiel hierfür bietet ihr „Eifersuchtsgesetz“: Wenn der „Geist der Eifersucht“ über einen Mann kommt, soll er seine Gattin zum Priester bringen; dieser soll ihr „bitteres, fluchbringendes Wasser“ einflössen und dazu sagen: „Hat kein Mann bei dir gelegen und bist du deinem Mann nicht untreu geworden, so dass du dich unrein gemacht hast, so soll dir dies bittere, fluchbringende Wasser nicht schaden. Wenn du aber deinem Mann untreu geworden bist, dass du unrein wurdest, und hat jemand bei dir gelegen außer deinem Mann, so soll der Priester mit einem Verwünschungsschwur die Frau beschwören und zu ihr sagen: Der HERR mache deinen Namen zum Fluch und zur Verwünschung unter deinem Volk, dadurch dass der HERR deine Hüfte schwinden und deinen Bauch schwellen lässt!“ (4. Mose 5,19-21) Schwoll der Bauch der Frau, nachdem sie das bittere Wasser getrunken hatte, so war sie des Ehebruchs überführt und damit des Todes schuldig. Es ist nur allzu klar, welche Macht solch ein Ritual der Priesterschaft vermittelte; ähnliche „Gottesurteile“ werden von den Medizinmännern Afrikas praktiziert.

Von schicksalsschwerer Bedeutung sind jene Passagen in Numeri, in denen es um Mose und die Midianiter geht. Wer das Buch Exodus aufmerksam gelesen hat und somit das Leben und die Taten Mose kennt, weiß, dass dieser nach dem Zweiten Gesetz sowie nach verschiedenen in Leviticus und Numeri festgelegten Vorschriften des Todes schuldig geworden war. Indem Mose Zuflucht bei den Midianitern suchte, wo er Zippora, die Tochter des midianitischen Hohepriesters Jethro ehelichte (2 Mose 2,21), hatte er einen Frevel begangen. Doch da Mose der Angelpunkt der ganzen Geschichte und der Mann ist, der das ihm offenbarte Gesetz dem Volk verkündigt, mussten ihn die Leviten unter allen Umständen entsühnen, um zu verhindern, dass das Gesetz unglaubwürdig wurde.

Kapitel 31 des vierten Buch Mose vermittelt Aufschluss darüber, wie die Leviten dieses Problem lösten. Man erfährt dort, wie Mose die „Gebote und Rechte“ erfüllte und seine Verstöße gegen das Gesetz wieder gutmachte, indem er den gesamten Stamm der Midianiter außer den Jungfrauen niedermetzeln ließ. Somit hatte er dem rassisch-religiösen Dogma seinen Tribut gezollt und seinen Frevel gesühnt; aus dem wohlwollenden Patriarchen der älteren Überlieferung war also der Begründer eines Gesetzes geworden, das Hass und Mord predigte!

Zuvor, in Kapitel 25 wird folgendes berichtet: „Und Israel lagerte in Schittim. Da fing das Volk an zu huren mit den Töchtern der Moabiter; die luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter. Und das Volk aß und betete ihre Götter an. Und Israel hängte sich an den Baal-Peor. Da entbrannte des HERRN Zorn über Israel, und er sprach zu Mose: Nimm alle Oberen des Volks und hänge sie vor dem HERRN auf im Angesicht der Sonne, damit sich der grimmige Zorn des HERRN von Israel wende. Und Mose sprach zu den Richtern Israels: Es töte jeder seine Leute, die sich an den Baal-Peor gehängt haben.“ (4. Mose 25,1-5). Der Kult Baals war in ganz Kanaan weitverbreitet, und dass er dem Jahwe-Kult Konkurrenz machte, war für die Leviten eine ständige Quelle der Besorgnis.

Somit tritt hier das Thema des Glaubenshasses auf. Gleich anschließend begegnen wir auch dem Rassenhass: „Und siehe, ein Mann von den Kindern Israels kam und brachte unter seine Brüder eine Midianiterin vor die Augen des Mose und der ganzen Gemeinde der Kinder Israel, die da weinten vor der Tür der Stiftshütte. Als das Pinhas sah, der Sohn Eleasars, des Sohnes des Priesters Aaron, stand er auf aus der Gemeinde und nahm einen Spieß in seine Hand und ging dem israelitischen Mann nach in die Kammer und durchstach sie beide, den israelitischen Mann und die Frau, durch ihren Leib.“ (4. Mose 25,6-8) Dank dieser Tat klang die Pest ab, die zuvor 24000 Opfer gefordert hatte, und „der HERR redete mit Mose und sprach: Pinhas, der Sohn Eleasars, des Sohnes des Priesters Aaron, hat meinen Grimm von dem Kindern Israel gewendet durch seinen Eifer um mich, dass ich nicht in meinem Eifer die Kinder Israel vertilge. Darum sage: Siehe, ich gebe ihm meinen Bund des Friedens.“ (4. Mose 25,10-12)

Somit wurde der Bund zwischen Jahwe und der erblichen aaronitischen Priesterschaft von den levitischen Schreibern erneut mit Blut besiegelt, diesmal freilich nicht mit dem von Stieren oder Widdern, sondern mit dem zweier Menschen, die bei einem religiös und rassisch motivierten Mord umgebracht worden waren – einen Mord, dank dem Jahwe den Kindern Israel ihre Verirrungen verzieh.

Das im 31. Kapitel beschriebene Massaker an den Midianitern ist Moses letzte Tat, mit der er sich für die Ewigkeit rehabilitiert. Jahwe spricht zu ihm: “Übe Rache für die Kinder Israel an den Midianitern, und danach sollst du versammelt werden zu deinen Vätern.“ So zogen Moses Krieger „zum Kampf aus gegen die Midianiter, wie der HERR es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war. […] Und die Kinder Israel nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten sie und verbrannten mit Feuer all ihre Städte, wo sie wohnten, und alle ihre Zeltdörfer.“ (4. Mose 31,7-10)

Doch dies reichte nicht aus. Mose, Ehemann einer Midianiterin und Vater ihrer beiden Söhne, „wurde zornig über die Hauptleute des Heeres, die Hauptleute über tausend und über hundert, die aus dem Feldzug kamen, und sprach zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? Siehe, haben nicht diese die Kinder Israel durch Bileams Rat abwendig gemacht, dass sie sich versündigten am HERN durch den Baal-Peor, so dass der Gemeinde des HERRN eine Plage widerfuhr. So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.“ (4. Mose 31,14-17)

Es folgt eine Aufzählung der Kriegsbeute: Nach den 675.000 Schafen, den 72.000 Rindern und den 61.000 Eseln werden 32.000 Mädchen, „die nicht von Männern berührt waren“, erwähnt. Diese wurden zwischen die Leviten, die Krieger und die Gemeinde geteilt, während das Gold vollumfänglich den Leviten „für den HERRN“ zufiel.

Nun darf sich Mose zur ewigen Ruhe legen, und das Buch Numeri geht zu Ende. Eine dämonischere Anstachelung zu Mord und Raub lässt sich kaum denken. Um das Ausmaß der Ungeheuerlichkeiten zu erfassen, welche die Leviten Jahwe und Mose in den Mund legten, muss man das 25. sowie das 31. Kapitel von Numeri mit den Kapiteln 2, 3 und 18 von Exodus vergleichen. Es ist dies eine unverhüllte Warnung an das auserkorene Volk, das hier erfährt, was Jahwe von ihm verlangt, und es ist bis heute eine Warnung für andere.

Die Verfasser dieses Gesetzes gehörten einer kleinen Sekte in Babylon an, die lediglich auf ein paar tausend Anhänger zählen konnte, doch die Macht ihrer monströsen Ideologie erwies sich als außerordentlich groß. Indem sie ihren Gefolgsleuten die verlockendsten irdischen Belohnungen in Aussicht stellen, die man sich vorstellen kann, verschrieben sie sich der niedrigeren jener beiden Kräfte, die immerfort um die Seele des Menschen kämpfen: Den leiblichen Instinkten, die den Menschen nach unten ziehen und in ewigem Krieg mit den nach oben strebenden Impulsen des Geistes stehen.

Die christlichen Theologen erkennen diesem Gesetz einen höheren Ursprung zu als die jüdischen Gelehrten. Vor mir liegt eine unlängst erschienene christliche Bibel, in der erläutert wird, dass die fünf Bücher der Thora ebenso wie die historischen, prophetischen und poetischen Bücher „als wahr anerkannt“ werden. Dies ergibt sich logischerweise aus dem bereits erwähnten Dogma, wonach das Alte Testament „ebenso göttlichen Ursprungs ist“ wie das Neue.

Die jüdischen Gelehrten urteilen anders. Dr. Kastein beispielsweise meint, die Thora sei „das Werk eines anonymen Erstellers“ gewesen, der „ein pragmatisches historisches Werk geschaffen“ habe. Dies entspricht durchaus den Fakten; der Schreiber oder die Schreiber liefert oder liefern eine Version der Geschichte, die aus subjektiven Erwägungen geschrieben wurde, um dem Kompendium von Gesetzen, die darauf beruht, einen ideologischen Unterbau zu verleihen; sowohl die Geschichte als auch die Gesetze dienten einem politischen Zweck. „Eine einigende Idee lag allem zugrunde“, kommentiert Dr. Kastein, und diese „einigende Idee“ war ein Stammesnationalismus, welcher dermaßen fanatisch war, dass die Welt weder vorher noch später je seinesgleichen gekannt hat.

Während das Gesetz niedergeschrieben wurde (abgeschlossen wurde es erst nach der babylonischen „Gefangenschaft“), erhoben die beiden letzten Mahner ihre Stimme: Jesaja und Jeremia. Die Hand der Leviten lässt sich an jenen Einschüben erkennen, die offensichtlich in diese Bücher eingefügt wurden, um sie mit dem „Gesetz“ und der dieser unterstützenden Geschichtsversion vereinbar erscheinen zu lassen. Dieses Fälschungswerk lässt sich im Buch Jesaja mit aller Klarheit belegen; hier ist die Beweisführung sehr einfach. Fünfzehn Kapitel wurden von einem Schreiber verfasst, der über die Babylonische Gefangenschaft Bescheid wusste, obwohl der Prophet Jesaja ca. zweihundert Jahre vor dieser gelebt hat. Christliche Gelehrte versuchen diesen Widerspruch zu lösen, indem sie den Urheber dieser fünfzehn Kapitel als „Deutero-Jesaja“, d. h. zweiten Jesaja, bezeichnen.

Im Buch Jesaja findet sich folgender berühmte, aber oft aus dem Zusammenhang gerissene Ausspruch: „Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst…“ (Jesaja 42,6-7) Vom Standpunkt des damals im Entstehen begriffenen Gesetzes aus war dies pure Häresie, so dass die Leviten folgende Sätze hinzufügten (denn dass diese vom selben Autor stammen wie die vorher zitierten, ist allzu unwahrscheinlich): „Siehe, ich will deine Hand zu den Heiden hin erheben und für die Völker mein Banner aufrichten. […] Sie werden vor dir niederfallen zur Erde aufs Angesicht und deiner Füße Staub lecken. […] Und ich will deine Schinder sättigen mit ihrem eigenen Fleisch, und sie sollen von ihrem eigenen Blut wie von süßen Wein trunken werden. Und alles Fleisch soll erfahren, dass ich der HERR, dein Heiland bin und dein Erlöser, der Mächtige Jakobs.“ (Jesaja 42,22-23; 42,26) (Diese Sätze klingen, als stammten sie von Hesekiel, der, wie wir noch sehen werden, der wahre Vater des rabbinischen Gesetzes war.)

Das Buch Jeremia scheint ebenfalls von den Leviten manipuliert worden zu sein, sonst ließe sich folgende, ganz am Anfang stehende Stelle nicht erklären: „Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst…“ (Jeremia 1,10) Diese Worte stammen schwerlich vom Autor folgender, bereits im nächsten Kapitel stehenden Stellen: „Und des HERRN Wort geschah zu mir: Geh hin und predige öffentlich der Stadt Jerusalem und sprich: So spricht der HERR: Ich gedenke der Treue deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, im Land, da man nicht sät. […] Was haben eure Väter Unrechtes an mir gefunden, dass sie von mir wichen und hingen den nichtigen Götzen an und wurden so zunichte. […] Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben.“ (Jeremia 2,1-2; 2,5; 2,13)

Jeremia weist auf den Schuldigen, Juda (und es mag sehr wohl sein, dass er für diesen Frevel mit dem Tode büßen musste): „Das abtrünnige Israel steht gerechter da als das treulose Juda.“ (Jeremia 3,11) Israel war dem Herrn abtrünnig geworden, doch Juda hatte ihn verraten – eine unverkennbare Anspielung auf das neue Gesetz der Leviten. Es folgt (wie bei allen „Propheten“) eine leidenschaftliche Philippika gegen die priesterlichen Riten und Opfer:

„Verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Hier ist des HERRN Tempel! Sondern bessert euer Leben und euer Tun, dass ihr recht handelt einer gegen den andern und keine Gewalt übt gegen Fremdlinge, Waisen und Witwen und nicht unschuldiges Blut vergießt an diesem Ort und nicht andern Göttern nachlauft zu eurem Schaden. […] Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und opfert dem Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt. […] Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Räuberhöhle? […] Ich habe euren Vätern an dem Tage, als ich sie aus Ägyptenlande führte, nichts gesagt noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern…“ (Jeremia 7,4-5; 7,9; 7,11; 7,21)

Mit solchen Worten prangerte Jeremia, wie später Jesus, die Zerstörung des Gesetzes an, die im Namen seiner Erfüllung betrieben wurde. Offenbar verlangten die Leviten noch zu Jeremias Zeiten das Opfer der Erstgeborenen, denn sonst ließe sich folgende Stelle nicht erklären: „Sie haben […] die Höhen des Topheth im Tal Ben-Hinnon gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist.“ (Jeremia 7,30-31)

Wegen dieser „Greuel“, fährt Jeremia fort, werde der Herr „in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems wegnehmen den Jubel, die Freude und Wonne und die Stimme des Bräutigams und der Braut; denn das Land soll wüst werden“. (Jeremia 7,54)

Es ist dies eine berühmte politische Prophezeiung, die in der Tat in Erfüllung gehen sollte. Mit ihrem geradezu genialen Talent, die Dinge auf den Kopf zu stellen, beriefen sich die Leviten später auf diese Weissagung, um ihre Behauptung zu begründen, Judas Fall sei auf die Nichtbefolgung des Gesetzes zurückzuführen gewesen, während Jeremia ganz im Gegenteil gewarnt hatte, das Gesetz werde das „verräterische“ Juda in den Untergang führen. Würde Jeremia heute auferstehen, so könnte er genau dieselben Worte auf den Zionismus anwenden, denn die Ausgangslage ist verblüffend ähnlich, und die Konsequenzen sind voraussehbar.

Als Juda fiel, tat Jeremia seinen berühmtesten Ausspruch, jenen, den sich die jüdischen Massen oft instinktiv in Erinnerung rufen, den zu beherzigen die herrschende Sekte ihnen jedoch beharrlich verbietet: „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN, denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl.“ (Jeremia 29,7) Die Leviten erteilten ihre zornige Antwort in Psalm 137:

„An den Wassern von Babylon saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. […]
Denn die uns gefangen hielten hießen uns dort singen und in unserem Heulen fröhlich sein:
Singt uns ein Lied von Zion!

Wie könnten wir des HERRN Lied singen in fremden Landen?
Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte. […]
Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der vergilt, was du uns angetan hast!
Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert!“

In Jeremias Mahnung und der Antwort der Leviten liegt der ganze Streit um Zion mitsamt den Auswirkungen, die er bis in unsere Tage für andere Völker zeitigt.

Jeremia, der vermutlich hingerichtet wurde, würde heutzutage als „Verrückter“, „Paranoiker“, „Antisemit“ und dergleichen an den Pranger gestellt; damals nannte man solche Menschen „Propheten und Träumer von Träumen“.

Während Jeremia als Flüchtling in Ägypten weilte, sprach Jesaja in Babylon („der zweite Jesaja“) folgende freundlichen Worte, welche wie ein letztes Tageslicht vor dem einbrechenden Dunkel der Lehre wirken, die schon bald triumphieren sollte: „So spricht der HERR: Wahret das Recht und die Gerechtigkeit, denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbar werde. […] Und der Fremdling, der sich dem HERRN zugewandt hat, soll nicht sagen: Der HERR wird mich getrennt halten von seinem Volk. […] Und die Fremden, die sich dem HERRN zugewandt haben, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben […] die will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethaus […] denn mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker.“ (Jesaja 56,1; 56,3; 56,6-7)

Mit diesem kurzen Blick auf einen liebenden Gott der gesamten Menschheit endeten die Proteste. Von nun an hatten die Leviten und ihr Gesetz die uneingeschränkte Macht inne, und damit begann die tatsächliche Gefangenschaft der Juden, denn ihre Unterjochung durch das Gesetz des Religions- und Rassenhasses ist die einzige Knechtschaft, in der sie je geschmachtet haben.

Ebenso wie die früheren „Propheten“ sprachen Jeremia und der „zweite Jesaja“ für die Menschheit, die sich allmählich zum Lichte vortastete, während die Leviten den Weg zurück in die Finsternis antraten. Noch bevor das Gesetz vollendet wurde, hatte Prinz Sidhatta Gautama Buddha die erste Religion der Menschheit gestiftet, die auf seinem Ersten Gesetz der Liebe beruhte: „Von Gutem muss Gutes kommen und von Bösem Böses.“ Dies war die vorausgenommene Antwort auf das Zweite Gesetz der Leviten, auch wenn letztere schwerlich von Buddha und seinen Lehren wussten. Es war auch die logische Antwort der Zeit, und des menschlichen Geistes, auf den Brahminismus, den hinduistischen Rassismus und den Kult der Herrenkaste, der auffallende Ähnlichkeit mit dem Judaismus aufweist.

Fünfhundert Jahre später sollte eine zweite Menschheitsreligion geboren werden und weitere fünfhundert Jahre darauf eine dritte. Die kleine Nation Juda lag in den Ketten des Gesetzes, die sie daran hinderten, sich auf die Menschheit hin zu bewegen; sie war in einem fossilen Stadium geistiger Entwicklung festgefahren, doch ihr primitiver Stammesglaube blieb lebendig und mächtig. Das im zwanzigsten Jahrhundert immer noch ungeheuer einflussreiche Levitische Gesetz ist seinem Wesen nach ein Überbleibsel grauer Vorzeit.

Ein solches Gesetz musste bei den Völkern, unter denen die Judäer lebten, zwangsläufig zuerst Neugier und dann Besorgnis hervorrufen. Dieser Prozess begann, als die Judäer um 538 v. Chr. aus Babylon nach Jerusalem zurückkehrten. Anfänglich bekamen lediglich kleine Sippen und Stämme – die unmittelbaren Nachbarn der Judäer in Jerusalem – die Segnungen des judäischen Glaubens zu spüren, doch dann breitete er sich kreisförmig aus, so dass eine stetig wachsende Zahl von Völkern seine Auswirkungen zu fühlen bekam, bis hin in unser Jahrhundert, wo er besonders unheilvolle Folgen zeitigte.

 

Kapitel 5

Der Fall Babylons

Ehe andere Völker die Auswirkungen des Mosaischen Gesetzes erstmals zu spüren bekamen, trug sich im Jahre 538 v. Chr. ein Ereignis zu, das ungeahnte Bedeutung für die Geschichte unseres Jahrhunderts gewinnen sollte: Der Fall Babylons.

Die Parallelen zwischen den Geschehnissen unserer Zeit (d.h. der Gestalt, welche die Welt als Ergebnis der beiden großen Kriege angenommen hat) und dem Fall Babylons sind allzu frappant, um auf bloßem Zufall zu beruhen; in der Tat lässt sich nachweisen, dass ihnen ein sorgsam durchdachter Plan zugrunde lag. Ohne es zu ahnen, unterstehen die Völker des Westens in unserem Jahrhundert nicht etwa ihrem eigenen Gesetz, sondern dem Gesetz Judas, wobei ihre von fremden Kräften gesteuerten Regierungen als dessen Vollzieher walten.

In allen drei Fällen (beim Untergang Babylons, im Ersten sowie im Zweiten Weltkrieg) traten grundsätzlich dieselben Akteure auf, und die Ereignisse verliefen nach demselben Schema. Auf der einen Seite stand jeweils ein fremder Potentat, der die Judäer, später „Juden“ genannt, unterdrückte. In Babylon war dies König Belsazar, im Ersten Weltkrieg der russische Zar und im Zweiten Weltkrieg Adolf Hitler. Diesem „Unterdrücker“ tritt ein anderer mächtiger Fremder entgegen, der „Befreier“. Dieser war in Babylon der Perserkönig Kyros, im Ersten Weltkrieg Lord Balfour, im Zweiten Weltkrieg der amerikanische Präsident Truman.

Der dritte Akteur ist ein triumphierender Prophet Jahwes, der am Hofe des Befreiers weilt und dem Unterdrücker seinen Untergang prophezeit. In Babylon hieß dieser Prophet Daniel. Im Ersten sowie im Zweiten Weltkrieg hieß er Dr. Chaim Weizmann.

Soviel zu den Akteuren; gehen wir zur Handlung über. In allen drei Fällen übt Jahwe Rache an den Heiden; die Juden triumphieren und werden voll rehabilitiert:

–  König Belsazar, dem Daniel seinen baldigen Tod geweissagt hat, wird „in derselben Nacht“ umgebracht, und sein Reich fällt dem Feind in die Hände.
–  Die jüdischen Schergen, die den Zaren mitsamt seiner Familie ermordeten, schreiben folgende Zeilen an die Wand des Raumes, wo sich das
   Verbrechen zugetragen hat: „Belsazar ward in selbiger Nacht, von seinen Knechten umgebracht.“ Es sind dies die letzten Worte des Gedichtes
   „Belsazar“, das von dem jüdischen Dichter Heinrich Heine stammt.
–  Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die in Nürnberg zum Tode verurteilten NS-Führer am jüdischen Tag der Sühne gehängt.

Somit verliefen die beiden großen Kriege unseres Jahrhunderts nach einem im Alten Testament beschriebenen Muster – der Eroberung Babylons durch die Perser, auf welche die Befreiung der Juden folgte.

Gewiss: Die Babylonier und die Perser, die diesen Krieg ausfochten, werden dabei ihre eigenen Ziele verfolgt und sich herzlich wenig um die Judäer geschert haben. Doch in der uns überlieferten Version der Ereignisse dreht sich alles nur um diese und ihr Geschick; der Rest ist vergessen. Das einzige, was man heute mit jenem Krieg in Verbindung bringt, sind die Rache Jahwes und der Triumph der Judäer. Eine ähnliche Verengung unseres Geschichtsbilds zeichnet sich allmählich in Bezug auf die beiden Weltkriege ab.

König Belsazar ist als Unterdrücker der Judäer in die Geschichte eingegangen; obwohl die Verbannung des auserwählten Volkes nach Babylon die von Jahwe angeordnete Strafe für seine Nichtbefolgung des Gesetzes ist, gilt Belsazar als „Verfolger“ und muss deshalb unnachsichtig bestraft werden. Aber auch der Perserkönig Kyros ist nichts weiter als Jahwes Werkzeug, dem die Aufgabe zufällt, die Flüche, die dieser über sein Volk verhängt hat, auf dessen Feinde abzuwälzen, nachdem diese ihre Mission, die Judäer eine Zeitlang zu knechten, erfüllt haben. Dementsprechend darf Kyrus keinen Dank dafür erwarten, dass er Babylon erobert und die Judäer befreit hat; er ist im Grunde um kein Haar besser als Belsazar, und auch seinem Reich winkt früher oder später die Vernichtung.

Soweit wir aus glaubwürdigen historischen Quellen wissen, war Kyrus ein aufgeklärter Herrscher und der Begründer eines Imperiums, das sich über ganz Westasien erstreckte. Die Geschichtsbücher vermelden, er habe „den unterworfenen Nationen Religionsfreiheit und die Bewahrung ihrer Institutionen“ zugestanden. Somit waren die Judäer nur eines von vielen Völkern, die von dieser toleranten Politik profitierten; wäre es König Kyrus vergönnt, heute unter die Lebenden zurückzukehren, wäre er vermutlich bass erstaunt darüber, als Mann in die Geschichte eingegangen zu sein, dessen einziges und dauerhaftes Verdienst darin bestand, ein paar tausend Judäern die Rückkehr nach Jerusalem erlaubt zu haben. Würde er aber zufällig die Einschätzung der Politiker des 20. Jahrhunderts teilen, welche diesem Entscheid ungeheure Bedeutung beimessen, so würde er zu seiner Verwunderung feststellen, dass er mit diesem Gnadenakt einen vermutlich größeren Einfluss auf die Geschichte der nächsten zweieinhalb Jahrtausende ausgeübt hat als irgendein anderer Herrscher vor oder nach ihm. Keine andere Tat eines Fürsten des Altertums hatte nämlich dermaßen gewaltige Auswirkungen bis in unsere Zeit hinein.

Im 20. Jahrhundert haben zwei Generationen westlicher Politiker darin gewetteifert, die Rolle eines modernen Kyrus spielen zu dürfen. Die Folge war, dass die beiden Weltkriege bloß zwei wirklich wichtige und langfristige Ergebnisse gezeitigt haben: Jahwes Rache am „Verfolger“ sowie ein jüdischer Triumph in Form von „Rückkehr“ und „Wiedergutmachung“. Damit ist die überlieferte Version der Geschehnisse in Babylon im 20. Jahrhundert zum obersten „Gesetz“ geworden, das über allen anderen Gesetzen, über der Wahrheit und der Geschichte steht.

Diese überlieferte Version ist freilich großenteils Legende oder, wie man heute sagen würde, Propaganda. König Belsazar dürfte von den Leviten erfunden worden sein. Jenes Buch des Alten Testaments, das vom Fall Babylons kündet, wurde Jahrhunderte später verfasst und einem „Daniel“ zugeschrieben. Dieser, einer der in der babylonischen Gefangenschaft schmachtenden Judäer, soll dank seiner Fähigkeit, Träume zu deuten, zu einer hochangesehenen Persönlichkeit am Königshof geworden sein. Ihm fiel die Aufgabe zu, das „Zeichen an der Wand“ zu deuten (Daniel, 5.)

Belsazar, „der Sohn Nebukadnezars“, demütigt die Judäer, indem er die goldenen und silbernen Gefäße, die sein Vater aus dem Tempel zu Jerusalem raubte, bei einem Festmahl für seine Prinzen, Frauen und Konkubinen benutzt. Hierauf schreibt eine Hand die Worte „Mene, mene, tekel, upharsim“ an die Wand. Belsazar lässt Daniel holen, damit dieser ihm den Sinn der Inschrift offenbare, was er bereitwillig tut: „Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden. Dein Reich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben.“ (Daniel 5, 26-28.) Belsazar wird „in derselben Nacht“ getötet (Daniel 5, 30), und der persische Eroberer zieht in Babylon ein, worauf er die Judäer freilässt.

Auf diese Weise werden der Tod eines Königs und der Untergang seines Reichs als unmittelbare Folgen der Beleidigung Judas sowie als Rache Jahwes an den Verächtern seines Volkes dargestellt.

Der kleine Schönheitsfehler, dass weder Daniel noch König Belsazar je gelebt haben, ist nicht von Bedeutung, denn durch ihre Aufnahme in die levitischen Schriften hat diese Geschichte den Status eines legalen Präzedenzfalls erworben. Wie bereits erwähnt, schrieben die Mörder der Zarenfamilie im Jahre 1918 die letzten Worte aus Heinrich Heines Gedicht „Belsazar“ an die blutbefleckten Wände, wodurch sie sich zu ihrer Tat bekannten und diese mit eben diesem Präzedenzfall rechtfertigten.

Wenn eine alte Legende noch nach fünfundzwanzig Jahrhunderten dermaßen folgenschwere Auswirkungen zeitigen kann, bringt es wenig, säuberlich nachzuweisen, dass ihr Inhalt historisch falsch ist, denn sowohl die Politiker als auch die Massen lieben Legenden mehr als die Wahrheit. Tatsache ist nichtsdestoweniger, dass von den drei Protagonisten der Geschichte nur König Kyros nachweislich gelebt hat, während Belsazar und Daniel Erfindungen der levitischen Phantasie sein dürften.

Die Jewish Encyclopedia hebt hervor, dass König Nebukadnezar keinen Sohn namens Belsazar hatte und dass in Babylon kein Belsazar auf dem Thron saß, als es von Kyros erobert wurde. „Der Verfasser des Buches Daniel verfügte einfach nicht über korrekte Unterlagen“, kommentiert sie diesen Sachverhalt und gibt damit zu erkennen, dass sie nicht glaubt, das Buch Daniel sei von jemandem geschrieben worden, der die betreffenden Geschehnisse miterlebt hat. In der Tat: Hätte ein Günstling am Hofe des babylonischen Königs dieses Buch verfasst, so hätte er doch zumindest den Namen des Herrschers gekannt, dem er sein baldiges Ende prophezeite, und somit „über korrekte Unterlagen verfügt“.

Es unterliegt also keinem Zweifel, dass das Buch Daniel ebenso wie die Mose zugeschriebenen Gesetzesbücher das Werk der levitischen Schreiber war, die auch weiterhin dafür sorgten, dass die Geschichte in Übereinklang mit dem damals bereits schriftlich festgelegten Gesetz stand. Wenn man zwecks Illustrierung dieses Gesetzes, und um einen historischen Präzedenzfall zu schaffen, einen König Belsazar erfinden konnte, konnte man sich ohne weiteres auch einen Propheten Daniel aus den Fingern saugen. Dieser offensichtlich mythische Daniel ist der Lieblingsprophet der Zionisten unserer Zeit. Sie sind ungemein angetan von einer Geschichte, in der erzählt wird, wie Jahwe die den Juden zugefügte Schmach rächt und dem Schuldigen sein Schicksal mittels Zeichen an der Wand voraussagt, und sie sehen darin ein Vorbild für alle künftigen Zeiten. Stärker als sämtliche bisher verflossenen Jahrhunderte hat das unsere sie in ihren Überzeugungen bestätigt; für sie erteilt Daniel, dessen Deutung sich noch in derselben Nacht als richtig erweist, den früheren israelitischen Propheten, die einen liebenden Gott aller Menschen gepredigt hatten, die gebührende Antwort. Der Fall Babylons, bzw. die Art, wie sich dieser laut der levitischen Version abspielte, stellt in ihren Augen einen schlagenden Beweis für die Richtigkeit und die Kraft des Mosaischen Gesetzes dar.

Freilich wäre nichts von alledem ohne König Kyros geschehen, der als einziger der drei Hauptakteure unzweifelhaft eine historische Gestalt war und einigen tausend Judäern die Rückkehr nach Jerusalem gestattete. Die Strategie der levitischen Politiker, die darin bestand, Kontrolle über einen fremden Potentaten zu gewinnen und ihn zur Verwirklichung ihrer Ziele vor ihren Karren zu spannen, hatte ihre Feuerprobe glänzend bestanden.

Der Perserkönig war der erste einer langen Reihe nichtjüdischer Herrscher, die sich von der Sekte umgarnen ließen; durch ihn stellte sie erstmals unter Beweis, dass sie das Geheimnis entdeckt hatte, wie man fremde Regierungen erst unterwandert und dann lenkt. In unserem Jahrhundert hat sie diese Kunst zu derartiger Perfektion entwickelt, dass alle Regierungen der westlichen Welt im Wesentlichen ein und derselben Kontrolle unterstehen, was bedeutet, dass ihre Handlungen letzten Endes stets jenen zugute kommen, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen. Gegen Ende dieses Buches wird der Leser erfahren, mit welchen Mitteln die westlichen Regierungen beeinflusst und die Völker zum Nutzen und Frommen der Hintergrundmächte gegeneinander aufgehetzt werden. Um zu erfahren, warum sich die Regierenden im Westen, darunter auch die Führer seines eigenen Landes, von den Drahtziehern manipulieren lassen, wird der Leser freilich in seine eigene Seele blicken müssen.

König Kyros war der erste Herrscher, der sich von der Sekte ködern ließ. Ohne seine Unterstützung hätte sich diese nicht wieder in Jerusalem einnisten und den skeptischen judäischen Massen, die aus aller Welt gespannt nach Judäa blickten, erzählen können, das Gesetz sei in der Tat mächtig und werde wortwörtlich erfüllt werden. Vom Fall Babylons zieht sich ein roter Faden durch die Geschichte bis hin zu den dramatischen Geschehnissen unseres Jahrhunderts, und König Kyros, diese erste nichtjüdische Marionette der Sekte, trägt ein noch höheres Maß an Verantwortung für die Rückschläge und den Niedergang des Abendlandes als die tückische und verschlagene Sektenpriesterschaft selbst.

„Der Judaismus entstand im Namen des persischen Königs und dank der Macht seines Imperiums, was bedeutet, dass die Politik des Alkemenidenreichs aufs nachhaltigste in die Gegenwart hineinwirkt“, urteilte Professor Eduard Meyer, der Verfasser von Die Entstehung des Judentums, im Jahre 1896. Die Schlussfolgerung dieses Fachmanns ist nachweislich richtig. Fünfhundert Jahre vor dem Beginn der abendländischen Geschichte legten die Leviten das Gesetz fest und schufen dann mit tatkräftiger Unterstützung des Perserkönigs Kyros ein Strickmuster für die künftige Unterwanderung und letztendliche Zerstörung des Abendlandes.

Als Kyrus in Babylon einzog, waren die fünf Gesetzesbücher noch nicht vollständig abgeschlossen; die Sekte arbeitete immer noch an ihrer Ausfeilung sowie an der Erstellung einer Geschichtsversion, die sie ideologisch stützte. Parabeln wie die vom „König Belsazar“ sollten das Unglaubliche glaubhaft erscheinen lassen und eine Rechtfertigung für künftige Schreckenstaten liefern. Die judäischen Massen wussten damals freilich noch nichts vom Gesetz der rassischen Intoleranz, während ihnen religiöse Intoleranz bereits hinreichend vertraut war.

Der Sekte stand noch die Arbeit bevor, das Gesetz zu vervollständigen und dann ihrem eigenen Volk aufzunötigen. Als dies im Jahre 458 v. Chr. unter einem neuen persischen König geschah, nahm der Streit um Zion endgültig die Gestalt einer unversöhnlichen Konfrontation zwischen den Judäern und dem Rest der Menschheit an. Nun war die Nabelschnur, welche die Gefolgschaft der Sekte mit den übrigen Menschen verbunden hatte, unwiderruflich zerschnitten. Ein einsames Volk, dem die Priesterschaft ihre Version des Falls von Babylon gebührend eingetrichtert hatte, ließ sich von ihr auf den Weg in eine Zukunft führen, in der sein Los darin bestand, als Fremdkörper unter jenen anderen Völkern zu leben, deren Vernichtung ihm sein Gesetz befahl.

 

Kapitel 6

Das Volk weinte

Das erste fremde Volk, welches mit dem von den Leviten in Babylon geschaffenen Mosaischen Gesetz konfrontiert wurde, waren die Samariter, welche die Judäer anno 538 v. Chr. bei ihrer Rückkehr nach Jerusalem mit offenen Armen empfangen und sich zum Zeichen ihrer Freundschaft anerboten hatten, den 596 v. Chr. von den Babyloniern zerstörten Tempel wiederaufzubauen. Auf Befehl der Leviten wurde das Angebot schroff zurückgewiesen; als Reaktion auf diese Brüskierung nahmen die Samariter gegenüber den Judäern nun eine feindliche Haltung ein, und der Tempel konnte erst 520 v. Chr. wiedererrichtet werden. (Die Fehde dauerte jahrhundertelang an und ist noch heute nicht erloschen, obwohl das Volk der Samariter mittlerweile auf einige Dutzend Seelen zusammengeschrumpft ist.)

Die Freundlichkeit, mit der die Samariter die Heimkehrer zunächst begrüßt hatten, beweist, dass die Nachbarvölker der Judäer deren neues Gesetz noch nicht kannten und angesichts der Barschheit, mit der man ihre Freundschaft ablehnte, aus allen Wolken fielen. Freilich macht es den Anschein, als hätten die Judäer selbst das Wesen dieses Gesetzes noch nicht richtig kapiert. Die Schreiber arbeiteten damals in Babylon immer noch an der Erstellung der Gesetzesbücher, und ungeachtet der Mahnungen ihrer Priester empfanden die Judäer offenbar nicht den geringsten Wunsch, sich rassisch und religiös von ihren Mitmenschen abzusondern.

Die Brüskierung der Samariter war ein Vorzeichen kommender Dinge. Ihrer Abstammung nach waren die Samariter Israeliten, in deren Adern allerdings auch das Blut anderer Völker floss. Sie beteten zu Jahwe, anerkannten Jerusalem jedoch nicht als heilige Stadt an, was für die Leviten, die wohl die Gefahr einer Wiedergeburt Israels mit anschließender Annexion Judas befürchteten, bereits ein hinreichender Grund war, sie zu hassen. Deshalb wurde das Volk der Samariter in Acht und Bann getan; nahm ein Judäer auch nur ein Stück Brot von einem Samariter entgegen, so verstieß er aufs schwerste gegen die von den Leviten festgelegten Gebote und Rechte und machte sich eines gräulichen Frevels schuldig.

Nach diesem ersten Zusammenprall mit einem Nachbarvolk sahen sich die Judäer in dem verwüsteten und entvölkerten Jerusalem um. Mit Ausnahme einiger Greise hatte keiner von ihnen die Stadt je zuvor zu Augen bekommen. Die „Rückkehrer“ waren zahlenmäßig recht schwach und zählten nur etwa 40.000 Personen, was nicht mehr als fünf bis zehn Prozent der gesamten judäischen Bevölkerung entsprach; die übrigen hatten sich, teils seit Jahrhunderten, freiwillig über andere Länder zerstreut.

Für die „Heimkehrer“ waren dies keine rosigen Zeiten, und sie werden herzlich wenig Anlass zum Frohlocken gesehen haben, auch wenn die Priesterschaft einen enormen politischen Erfolg errungen hatte. Die Leviten sahen sich derselben Schwierigkeit gegenüber wie die Zionisten in den Jahren 1903, 1929 oder 1953; das auserwählte Volk empfand nur geringe Neigung, in das gelobte Land zu ziehen. Außerdem gedachten sich ihre Führer durchaus nicht an die Spitze der „Rückkehrenden“ zu stellen, sondern zogen es vor, an den Fleischtöpfen Babylons zu hocken, genau wie die meisten Zionistenführer heute lieber in New York leben, als ihre Zelte in Israel aufzuschlagen.

Die Lösung, welche die Leviten 538 v. Chr. fanden, wies erstaunliche Ähnlichkeit mit derjenigen auf, für die man sich 1946 n. Chr. entschied: Die fanatischsten Eiferer waren zur „Rückkehr“ bereit, und eine Minderheit derjenigen, die zu arm waren, um selbständig über ihre Zukunft entscheiden zu können, erhielt kurzerhand den Marschbefehl. Wer für sich das Privileg beanspruchte, in Babylon zurückbleiben zu dürfen (unter ihrem eigenen Fürsten, dem Exilarchen!), musste dafür tief in die Tasche greifen, so wie wohlhabende amerikanische Juden heutzutage genötigt werden, Geld für die Unterstützung des Zionistenstaates locker zu machen.

Die jüdische Nation war zum damaligen Zeitpunkt bereits unwiderruflich zerstreut, und es sollte nie mehr möglich sein, alle Juden in Kanaan zu versammeln. Dies war eine nackte und nicht wieder rückgängig zu machende Tatsache. „Aus dem Exil kehrte nicht die Nation zurück, sondern bloß eine religiöse Sekte“, kommentierte Prof. J. Wellhausen diesen Sachverhalt in seinem 1897 erschienenen Buch Israelitische und Jüdische Geschichte. Allerdings war diese symbolische „Rückkehr“ für die Priesterschaft von allergrößter Bedeutung, ermöglichte sie es ihr doch, eine mystische Herrschaft über die Diaspora-Juden zu erringen. Sie diente als Beweis dafür, dass das „Gesetz“ wahr und gültig war und dass die Mission des „auserkorenen Volkes“ darin bestand, andere Völker zu ruinieren und über sie zu herrschen.

Für jene Minderheit, die tatsächlich nach Jerusalem zurückgekehrt war, und für die Mehrheit, die lediglich aus der Ferne zusah, bedeutete die „Rückkehr“ etwas ganz Unterschiedliches. Ersteren bot sie die Möglichkeit, Jahwe an dem vom Gesetz vorgeschriebenen Ort auf die vom Gesetz befohlene Weise zu huldigen. Letztere sahen darin einen Sieg des judäischen Nationalismus und ein Vorzeichen des künftigen endgültigen Triumphs, den das Gesetz dem auserwählten Volk in Aussicht stellte.

Die Massen, welche die Entwicklung von ferne verfolgten, hatten miterlebt, mit welchen Mitteln dieser Sieg erfochten worden war. Die Abgrenzung der Judäer von ihren Nachbarvölkern hatte sich als erfolgreich erwiesen, und die hauptsächlichen Instrumente zur Erzwingung dieser Abgrenzung waren das Ghetto und die Synagoge. Das Ghetto (seinem Wesen nach ein levitisches Konzept) war in Babylon in Gestalt jener geschlossenen Gemeinschaft, in der die Judäer lebten, getestet worden.

Das gemeinsame Lesen des Gesetzes hatte sich als brauchbarer Ersatz für das Ritual der Jahwe-Verehrung bewährt, die laut dem Gesetz einzig und allein im Tempel zu Jerusalem erfolgen durfte (dies war der Beginn der Synagoge). Die Institutionen des Ghettos und der Synagoge wurden von den Diasporajuden übernommen und schweißten sie sowohl mit den Judäern in Babylon als auch mit den Rückkehrern in Jerusalem zusammen.

Somit hatte die Priesterschaft ihre Fähigkeit, ihre theokratische Herrschaft auch ohne eigenes Territorium und unter einem fremden König auszuüben, eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sie regierte ihr Fußvolk gemäß ihrem eigenen Gesetz und dieses wurde den Judäern erstmals in der babylonischen Gefangenschaft aufgezwungen. Dr. Kastein schreibt: „Anstelle der Verfassung des nicht mehr existierenden Staates wurde eine Gemeindeautonomie begründet, und an die Stelle der Staatsmacht trat eine neue Macht, die stabiler und dauerhafter war: Das harte und unerbittliche Regime, das auf der Verpflichtung beruhte, den Vorschriften des Rituals ohne jedes Wenn und Aber zu gehorchen.“

Diese Worte muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Wir haben in diesem Buch bereits zahlreiche „Vorschriften des Rituals“ zitiert. Den Leviten war es also in der „Gefangenschaft“, in einem fremden Land, gelungen, ein „hartes und unerbittliches Regime“ zu errichten! Diese Leistung ist wahrlich einzigartig; sie hat bis in unsere Tage Bestand.

„Fremdlinge“ fragen sich oft verwundert, mit welchen Mitteln die herrschende Sekte es wohl fertigbringen mag, eine über alle Welt zerstreute Gemeinschaft in einem derart eisernen Würgegriff zu halten. Die Macht der Sekte beruht letzten Endes auf Terror und Furcht. Ihre Geheimnisse werden gegenüber Außenstehenden eifersüchtig gehütet, doch wer sich tiefer in die Materie einarbeitet, kann sich eine gewisse Vorstellung davon machen.

Eine furchtbare Waffe der Priesterschaft ist die Exkommunizierung, und die lähmende Furcht, welche die Drohung damit erzeugt, beruht in gewissem Ausmaß darauf, dass fromme Juden an die Wirksamkeit der im Deuteronomium und anderen Büchern des Alten Testaments zitierten Flüche glauben, was auch die Encyclopedia Judaica einräumt. Dies erinnert an den Schwarzafrikaner, der fest überzeugt ist, sterben zu müssen, wenn das „tagati“ über ihn verhängt wird, oder an den Schwarzen Haitis, der den Fluch der Voodoo-Priester mehr als alles andere fürchtet. Aus der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden, ist eine schreckliche Strafe, die in der Vergangenheit oft tödliche Folgen nach sich zog.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Thora und der Talmud für fromme (oder abergläubische) Juden das einzige Gesetz darstellen; sie mögen die Gesetze ihres Gastlandes formell anerkennen, aber stets mit innerem Vorbehalt. Ihrem einzigen Gesetz zufolge liegt sowohl das Rechtswesen als auch die politische Macht in der Hand der Priesterschaft, die es in der Vergangenheit oft fertigbrachte, sich das Recht zur Herrschaft über ihre Gemeinde von der Regierung des jeweiligen Gastlandes verbriefen zu lassen. Zu den Befugnissen, die das Gesetz der Priesterschaft verlieh, gehörte auch die Verhängung von Todesurteilen für alle möglichen Vergehen, und in den geschlossenen Gemeinden der Diaspora haben die Priester ausgiebig von diesem Recht Gebrauch gemacht.

Jerusalem, wohin eine Minderheit der Judäer zurückgekehrt war, lag sehr weit von Babylon entfernt, und nach ihrem ersten Streich (der Verschmähung der von den Samaritern angebotenen Freundschaft) erwiesen sich die Leviten offenbar außerstande, die normalen menschlichen Regungen ihrer Untertanen zu unterdrücken. Die Judäer, die in einem verarmten Streifen Land hausten, gingen unter Missachtung der Gebote ihrer Priester Mischehen mit Angehörigen ihrer Nachbarvölker ein. Ihrem Selbstverständnis nach verletzten sie dadurch keine Bestimmung ihres Gesetzes. Sie wussten, dass König Salomon Hunderte von (großenteils fremdstämmigen) Frauen gehabt und dass Mose einen midianitischen Schwiegervater besessen hatte, doch da das Buch Numeri damals noch nicht fertig erstellt war, wussten sie nicht, dass Mose vor seinem Tod sämtliche Midianiter außer den Jungfrauen hatte niedermetzeln lassen. So ehelichten sie die Söhne und Töchter ihrer Nachbarn, und dieser natürliche Prozess nahm in den ersten acht Jahrzehnten nach der Rückkehr seinen Fortgang.

Während dieser Zeit schlossen die Leviten in Babylon die Gesetzesbücher ab, deren Auswirkungen alle anderen Nationen seither so drastisch zu fühlen bekommen haben. Die treibende Kraft hinter der Erstellung dieser Bücher war Hesekiel aus der Familie des Hohepriesters, und manches spricht dafür, dass alle fünf Bücher Mose seinen Stempel tragen. Er war der Ahn der Intoleranz, des Rassismus, der zur Religion verklärten Rachsucht sowie des Mordes im Namen des Herrn.

Das Buch Hesekiel ist das wichtigste des ganzen Alten Testaments, wichtiger noch als das Deuteronomium oder die Bücher Leviticus und Numeri, weil es allem Anschein nach die Quelle ist, aus der sich die finstere Ideologie dieser Gesetzesbücher speist. Wer die im Deuteronomium geäußerten Flüche aufmerksam liest, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Gottheit, die sie ausspricht, diabolischer Natur ist – das, was wir mit dem Namen „Gott“ verbinden, lässt sich mit dermaßen grässlichen Drohungen einfach nicht vereinbaren. Führt sich der Leser dann das Buch Hesekiel zu Gemüte, so findet er seine Ahnung schwarz auf weiß bestätigt. Im zwanzigsten Kapitel lässt Hesekiel Gott nämlich ausdrücklich zugeben, dass er schlechte Gesetze erlassen hat, um sein Volk für die Missachtung seiner Gebote zu züchtigen:

“Das Haus Israel war mir ungehorsam in der Wüste, und sie lebten nicht nach meinen Geboten und verachteten meine Gesetze, durch die der Mensch lebt, der sie hält, und entheiligten meine Sabbate sehr. […] Und ich sprach zu ihren Söhnen in der Wüste: Ihr sollt nicht nach den Geboten eurer Väter leben und ihre Gesetze nicht halten und mit ihren Götzen euch nicht unrein machen. Ich bin der HERR, euer Gott. Nach meinen Geboten sollt ihr leben und meine Gesetze sollt ihr halten und danach tun. […] Aber auch die Söhne waren ungehorsam, lebten nicht nach meinen Geboten, hielten auch meine Gesetze nicht. […] Darum gab ich ihnen Gebote, die nicht gut waren und Gesetze, durch die sie kein Leben haben konnten und ließ sie unrein werden durch ihre Opfer, als sie alle Erstgeburt durchs Feuer gehen ließen, damit ich Entsetzen über sie brachte und sie so erkennen mussten, dass ich der HERR bin.“ (Hesekiel 20,13; 20,18-19; 20,21; 20,25-26.)

Diese Stelle liefert den Schlüssel zum Verständnis des gesamten Mosaischen Gesetzes!

Im selben Kapitel antwortet Hesekiel anscheinend auf Jeremias Kritik an der von den Leviten angeordneten Opferung der Erstgeborenen. Wie erinnerlich heißt es in Jeremia 7,30-31: „Denn die Kinder Juda tun, was mir missfällt, spricht der HERR. Sie haben ihre Greuelbilder gesetzt in das Haus, das nach meinem Namen genannt ist, um es unrein zu machen, und haben die Höhen des Topheth im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist“.
Das Schicksal der verbrannten Söhne und Töchter lässt Hesekiel herzlich kalt; ihn empört allein der Gedanke, der Herr könne das Opfer der Erstgebotenen nicht verlangt haben, denn schließlich hatten ihm die Schreiber dieses Gebot mehrfach in den Mund gelegt. Hesekiel geht es lediglich darum, zu beweisen, dass Gott dergleichen sehr wohl befohlen hat, und so die Priesterschaft zu rechtfertigen; wie nebenbei lässt er Jahwe einräumen, dass dieses Gebot „nicht gut“ ist und die Judäer infolge dieses Gesetzes „kein Leben haben“ können, doch dies scheint ihm offenbar nicht von Bedeutung zu sein.

Das Dogma der christlichen Theologen, wonach das Alte Testament „nicht minder göttlichen Ursprungs“ sei als das Neue, gilt sicherlich auch für die zitierte Stelle aus dem Buche Hesekiel… Hesekiel erstickt jedes mögliche Aufbegehren gegen das Gebot, alle Erstgeburt zu opfern, im Keim: „… sollte ich mich von euch, Haus Israel, befragen lassen? So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich will mich von euch nicht befragen lassen.“ (Hesekiel 20,31.)

Hesekiel hatte den Fall Judas und die Verschleppung der Sekte nach Babylon miterlebt, so dass das nach ihm benannte Buch teilweise einen Augenzeugenbericht über jene Ereignisse darstellt. Die restlichen, „prophetischen“ Teile des Buchs belegen, dass der Ahn des orthodoxen Judentums ein Mann mit finsteren, ja dämonischen Neigungen war; gewisse Passagen hätten wohl nicht veröffentlicht werden können, wären sie nicht ein Teil der „heiligen Schrift“ gewesen.

Im vierten Kapitel weissagt Hesekiel mit Worten, die er Jahwe in den Mund legt, der Stadt Jerusalem eine Belagerung. Hesekiel soll „die Schuld des Hauses Israel tragen“, indem er Gerstenfladen isst, „die du vor den Augen der Leute auf Menschenkot backen sollst“. Auf Hesekiels Einwand, er habe noch nie unreine Speisen zu sich genommen, mildert Jahwe die Busse: „Sieh, ich will dir Kuhmist statt Menschenkot zulassen, dein Brot darauf zu bereiten.“ (Hesekiel 4,15.) Bald darauf droht Jahwe den Verächtern des Gesetzes folgendes an: „Weil ihr es schlimmer getrieben habt als die Heiden […] darum sollen in deiner Mitte Väter ihre Kinder und Kinder ihre Väter fressen. […] Es soll ein Drittel von dir an der Pest sterben und durch Hunger vernichtet werden in deiner Mitte, und das zweite Drittel soll durchs Schwert fallen rings um dich her, und das letzte Drittel will ich in alle Winde zerstreuen und will hinter ihnen her das Schwert ziehen.“ (Hesekiel 5,10-12.) Auf Drohungen dieser Art legten die Leviten besonderes Gewicht.

Man rufe sich in Erinnerung, dass diese grauenvollen Strafen nicht etwa für sündhafte Taten, sondern lediglich für die Nichtbefolgung des Gesetzes verhängt werden! Es folgen seitenlange Flüche, und Jahwe verspricht seinem Volk, sich der Heiden als Zuchtrute zu bedienen: Er will „die Schlimmsten unter den Völkern“ auf die Judäer hetzen und in deren Häusern wohnen lassen. (Hesekiel 7,24.)

Bei seiner Aufzählung der Strafen für die Verehrung „anderer Götter“ schilderte Hesekiel auch eine Vision von der Einnahme Jerusalems durch die Heiden:

„Und siehe, da kamen sechs Männer auf dem Wege vom oberen Tor her, das gegen Norden liegt, und jeder hatte ein Werkzeug zum Zerschlagen in der Hand. Aber es war einer unter ihnen, der hatte ein Kleid aus Leinwand an und ein Schreibzeug an seiner Seite. Und sie kamen heran und traten neben den kupfernen Altar. Und die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich von dem Cherub, über dem sie war, zu der Schwelle des Tempels am Hause, und der HERR rief den, der das Kleid von Leinwand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite, und sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Greuel, die darin geschehen. Zu den andern Männern aber sprach er, so dass ich es hörte: Geht ihm nach durch die Stadt und schlagt drein, eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und keinen verschonen. Erschlagt Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Frauen, schlagt alle tot; aber die das Zeichen an sich haben, von denen sollt ihr keinen anrühren.“ (Hesekiel 9,2-6.)

Wer dergleichen gebührend verinnerlicht hatte, betrachtete es sicherlich als weise Vorsichtsmaßnahme, gebührend zu „seufzen und zu jammern“; hier liegt vielleicht der Ursprung der Klagemauer. Es folgt Kapitel um Kapitel mit den schrecklichsten Drohungen, freilich stets mit der tröstlichen Einschränkung, wenn die Verächter des Gesetzes Busse täten und sich an Jahwes Gebote hielten, würden den Heiden noch grauenhaftere Dinge zustoßen.

Während die von Hesekiel gegründete Schreiberschule in Babylon noch acht Jahrzehnte lang an der Fertigstellung des Gesetzes arbeitete, entwickelten die heimgekehrten Judäer in Jerusalem normale Beziehungen zu ihren Nachbarn. Jene fanatische Abgrenzung, welche das im Entstehen begriffene Gesetz für sie vorsah, hatten sie niemals praktiziert. Viele von ihnen beteten immer noch zu „anderen Göttern“ um Regen, gute Ernte, Sonnenschein und fruchtbare Herden und wandten sich nur an Jahwe, wenn sie in Stammesfehden verwickelt waren.

Dann, anno 458 v. Chr., schlugen die Leviten zu.

Ihr Gesetz war mittlerweile bereit, doch dies war nicht das Wichtigste. Sehr viel bedeutsamer war, dass der persische König gewillt war, ihm Nachdruck zu verschaffen. Zum ersten Mal hatte die herrschende Sekte jenes Wunder vollbracht, das sich später noch oft wiederholen sollte: Mit irgendwelchen Mitteln hatte sie einen fremden Herrscher, der von Rechts wegen ihr Herr und Meister und nach allen Maßstäben ein mächtiger Potentat war, dazu bewogen, ihr seine Soldaten und sein Geld zur Verfügung zu stellen!

An jenem Tage des Jahres 458 v. Chr. wurden die Judäer in Jerusalem endgültig vom Rest der Menschheit abgesondert und gerieten in eine Sklaverei, die sie in Babylon niemals gekannt hatten. Es war dies wahrhaftig „der Beginn der Geschichte“. Ihre Einzelheiten werden in den Büchern Esra und Nehemia erzählt. Esra und Nehemia waren zwei Emissäre, welche die Leviten von Babylon nach Jerusalem entsandt hatten, um über die Einhaltung des von Hesekiel und Konsorten geschaffenen Gesetzes zu wachen.

Esra, ein Vertreter der Hohepriester, kam mit rund 1500 Mann nach Jerusalem. Er kam im Namen des Perserkönigs Artaxerxes, mit persischen Soldaten und persischem Gold, so wie Dr. Chaim Weizmann im Jahre 1917 n. Chr. mit britischen Waffen und britischem Gold und dreißig Jahre später mit amerikanischem Geld und amerikanischer Unterstützung kommen sollte. Esra war rechtlich gesehen ein persischer Emissär, so wie Dr. Weizmann, ein in Russland geborener Jude, 1917 rechtlich gesehen ein britischer Emissär war.

Mit welchen Kniffen die Sekte König Artaxerxes dazu gebracht hat, sich vor ihren Karren spannen zu lassen, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Nach König Kyros war er der zweite fremde Potentat, der sich zu Handlangerdiensten für die Sekte hergab. In unseren Tagen ist dies für westliche Politiker zur unabdingbaren Voraussetzung für eine Karriere geworden.

Esra brachte das neue, rassische Gesetz mit. Die ersten, denen er es aufnötigte, waren seine eigenen Reisegefährten; er erlaubte nämlich nur denjenigen, ihn zu begleiten, die nachweisen konnten, dass sie abstammungsmäßig Judäer oder Leviten waren. Als Esra und seine Leute Jerusalem erreicht hatten, waren sie entsetzt und bestürzt über die Vielzahl gemischter Ehen: Die Judäer fanden Gefallen daran, nach ihrer eigenen Façon zu leben, indem sie Mischehen mit Nachbarstämmen eingingen, mit denen sie friedliche, durch familiäre Bande gestützte Beziehungen entwickelt hatten.

Dr. Kastein muss zähneknirschend einräumen, dass die Judäer mit diesen Eheschließungen ihre Tradition so befolgten, wie sie damals verstanden wurde und gegen kein ihnen bekanntes Gesetz verstießen. Esra brachte das neue Gesetz Hesekiels, welches endgültig an die Stelle der alten Tradition trat. Kraft seines Amtes als Abgesandter des Perserkönigs befahl er den Bewohnern Jerusalem, sich zu versammeln und teilte ihnen mit, dass sämtliche gemischten Ehen aufzulösen seien:

„Ihr habt dem HERRN die Treue gebrochen, als ihr euch fremde Frauen genommen und so die Schuld Israels gemehrt habt. Bekennt sie nun dem HERRN, dem Gott eurer Väter, und tut seinen Willen und scheidet euch von den Völkern des Landes und von dem fremden Frauen.“ (Esra10,10-11.)

Es wurde ein Ältestenrat gebildet, dem die Aufgabe oblag, alle Mischehen aufzulösen und so die „friedlichen, durch familiäre Bande gestützten Beziehungen“ zu den Nachbarvölkern zu zerstören.

Dr. Kastein meint, Esras Maßnahme sei „zweifellos reaktionär“ gewesen, denn sie habe „einer Regelung, die zum damaligen Zeitpunkt nicht in der Thora verankert war, den Status eines Gesetzes verliehen“. Ganz nebenbei erwähnt erschien Dr. Kasteins Buch in Berlin, und zwar 1933, in jenem Jahre also, als Hitler an die Macht kam; zwei Jahre später sollte dieser die Nürnberger Gesetze erlassen, die dem Gesetz Esras auffallend glichen, von den Zionisten aber nichtsdestoweniger als „infam“ gegeißelt wurden.* Zu ihrer Abschaffung wurden die Armeen des Westens mobilisiert, die somit unter umgekehrten Vorzeichen dieselbe Rolle spielten wie die persischen Heere im Jahre 458 v. Chr.!

Das neue Gesetz hatte dieselben natürlichen Auswirkungen wie die jüdisch geführte Oktoberrevolution des Jahres 1917: Die Nachbarvölker empfanden tiefe Beunruhigung und Sorge über dieses unerhörte Ereignis. Sie fühlten sich bedroht und griffen Jerusalem an, wobei sie das Wahrzeichen ihrer Erniedrigung, die Stadtmauern, einrissen. Damals war Esra offenbar bereits nach Babylon zurückgekehrt; die den Judäern aufgezwungenen künstlichen Strukturen begannen flugs zu bröckeln, und die Natur forderte ihre Rechte: Abermals wurden Mischehen eingegangen, die zu „friedlichen, durch familiäre Bande gestärkten Beziehungen“ mit den Nachbarvölkern führten. Eine solche Entwicklung lässt sich einzig und allein durch rohe Gewalt verhindern.

Nach dreizehn Jahren, anno 445 v. Chr., holten die Führer der Sekte in Babylon zum nächsten Streich aus und entsandten Nehemia nach Jerusalem. Auch er war eine jener Gestalten, die für jene Epoche genau so typisch sind wie für das 20. Jahrhundert. Er war judäischer Abstammung und genoss die Gunst des Perserkönigs Artaxerxes, dessen Mundschenk er war (so wie heute zionistische „Berater“ die rechte Hand britischer Premierminister und amerikanischer Präsidenten sind; die Parallele könnte kaum eindeutiger sein). Nehemia kam mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet nach Jerusalem und ließ die eingerissenen Stadtmauern sofort wieder aufbauen (mit persischem Geld wohlverstanden; auch dies ist eine unverkennbare Parallele zur heutigen Zeit), wodurch er das erste waschechte Ghetto schuf. Freilich stand dieses noch leer, aber nicht für lange:

„Und die Oberen des Volks wohnten in Jerusalem. Das übrige Volk aber warf das Los darum, wer von jeweils zehn nach Jerusalem, in die heilige Stadt, ziehen sollte, um dort zu wohnen, und die neun in den anderen Städten.“ (Nehemia 11,1.)

Somit war die Rasse zum obersten, wenn auch noch ungeschriebenen Grundsatz des Gesetzes geworden. Jahwe-Anhänger, die gegenüber den persischen Beamten und den levitischen Weisen nicht einwandfrei nachweisen konnten, dass sie einem der drei Stämme Juda, Benjamin und Levi entstammten, wurden „mit Abscheu“ (so Dr. Kastein) zurückgewiesen. Jedermann musste die unbestreitbare „Reinheit seines Stammes“ anhand der Geburtenregister nachweisen. Die im 20. Jahrhundert von Hitler erlassenen Bestimmungen über den „Ariernachweis“ waren weniger extrem.

444 v. Chr. wies Nehemia Esra an, das Verbot von Mischehen in der Thora zu verankern. Hierdurch wurde es endgültig Bestandteil des schon zuvor oft modifizierten „Gesetzes“. Die Oberhäupter der Sippen und Familien wurden versammelt und mussten geloben, dass sie und ihre Angehörigen sich an sämtliche Gebote und Rechte der Thora halten würden, insbesondere an die neuen.

Im Buch Leviticus wurde ein (unerlässlicher) Einschub vorgenommen, laut dem Jahwe sein Volk von anderen Göttern abgesondert habe, damit es einzig und allein ihm gehöre. Den Judäern wurde es unter Androhung der Todesstrafe verboten, außerhalb ihres Stammes zu heiraten; wer eine fremde Frau ehelichte, brach Gott die Treue (Nehemia 13,27). Im heutigen Zionistenstaat gilt dieses Gesetz immer noch. „Fremdlingen“ wurde das Betreten Jerusalems untersagt, so dass die Stadt „von allem Ausländischen gereinigt“ wurde (Nehemia 13,30).

Sowohl Nehemia als auch Esra waren Augenzeugen dieser Ereignisse. Nehemia ist der ideale, unanfechtbare Erzähler: Er war an Ort und Stelle zugegen; er war der Diktator, der das Gesetz verkündete und seine Einhaltung erzwang. Als Esra das Gesetz auf Nehemias Geheiß erstmals verlas, geschah folgendes: „Alles Volk weinte, als sie die Worte des Gesetzes hörten.“ (Nehemia 8,9.)

Dieser wie von einem Journalisten jener Zeit formulierte Satz ermöglicht es dem Leser, sich die Szene so drastisch vorzustellen, als hätte sie sich vor vierundzwanzig Stunden und nicht vor vierundzwanzig Jahrhunderten zugetragen. Er sieht die weinende, ins Ghetto verbannte Menschenmenge des Jahres 444 v. Chr. mit den Augen eines Mannes, der, flankiert von persischen Soldaten, sein Volk in seine erste wirkliche Gefangenschaft zwingt, jene geistige Gefangenschaft, in der fortan jeder Mensch, der sich „Jude“ nannte, schmachten sollte.

Nehemia blieb zwölf Jahre lang in Jerusalem und kehrte dann an den babylonischen Hof zurück. Abermals begannen die künstlichen Strukturen sogleich zu bröckeln, so dass er ein paar Jahre später nach Jerusalem zurückkehrte, wo Mischehen wiederum Gang und Gebe geworden waren. Wie Dr. Kastein berichtet, „löste er diese zwangsweise auf und verhängte die schwersten Strafen für künftige Verstöße dieser Art“. Als nächstes „untersuchte er die Geburtsregister ein weiteres Mal sorgfältig, um das Prinzip der Selektion rigoros durchsetzen zu können“, wobei er sämtliche Familien – selbst solche, die der aaronitischen Priesterschaft angehörten – aus der Gemeinde ausschloss, wenn er auch nur den geringsten Makel in ihrer Genealogie entdeckte. Schließlich „säuberte er die Gemeinde erbarmungslos von all jenen, die es an bedingungslosem und totalem Gehorsam gegenüber der herrschenden Ordnung und dem Gesetz hatten fehlen lassen“ und ließ das gesamte Volk sein Gelübde wiederholen.

Dies war der „neue Bund“, so wie das Deuteronomium das „zweite Gesetz“ gewesen war. Die Worte „neu“ bzw. „zweites“ waren jeweils der Pferdefuß, an dem man die Häresie erkannte. Alle Bewohner Jerusalems wurden gezwungen, den „neuen Bund“ zu unterzeichnen, als handle es sich um einen Geschäftsvertrag. Nun konnte Nehemia endgültig nach Babylon zurückkehren; er hatte seine „Mission der Isolierung“ erfüllt und „ließ eine Gemeinschaft hinter sich, die sich in allen fundamentalen Fragen einig und fähig war, sich selbständig zu behaupten. Er hatte ihr Alltagsleben für sie organisiert und ihre geistigen Grundlagen geschaffen.“ Die Formulierungen stammen von Dr. Kastein. Mit welchen Mitteln man die Gemeinschaft soweit gebracht hatte, dass sie sich „in allen fundamentalen Fragen einig war“, hat der Leser ja bereits erfahren.

Damals waren seit der Verstoßung Judas durch Israel rund vierhundert Jahre und seit der Eroberung Israels durch die Assyrer rund dreihundert Jahre vergangen. Die Leviten hatten diesen langen Zeitraum genutzt, um die alte Tradition zu pervertieren, ihr rassisch-religiöses Gesetz schriftlich festzulegen und es den Judäern in der kleinen persischen Provinz Judäa schließlich wie Handfesseln anzulegen. Es war ihnen geglückt, einen surrealistischen Stammesglauben zu schaffen und eine von ihnen selbst geleitete Theokratie zu begründen. Von nun an sollte ihr Volk bei seiner Reise durch die Jahrhunderte stets die Rolle eines Katalysators spielen.

Mehr als hundert Generationen lang, seit dem Tag, als das weinende Volk durch die Macht der persischen Waffen gezwungen worden war, den neuen Bund zu unterzeichnen, hat dieses Volk, dessen Blut sich allmählich verändern mochte, das die Ketten des Gesetzes jedoch niemals abschütteln konnte, seine Bürde und sein Erbe in geistiger Isolierung vom Rest der Menschheit getragen. Das Paradox ist wahrhaftig singulär: Zwar war die Versklavung der Judäer von den Leviten geplant worden, aber die Sklavenketten waren ein persisches Fabrikat. Damals wie auch in Zukunft wachte die fanatische Sekte darüber, dass die Gefangenschaft ihres Volkes fortdauerte, doch dass der Sekte dies gelang, hatte sie fremden Waffen und fremdem Geld zu verdanken.

Wer trägt ein höheres Maß an Verantwortung: Derjenige, der einen anderen zur bösen Tat anstachelt, oder jener andere, der sie begeht? Falls der Täter schuldiger ist als der Verführer, ist das Verdikt der Geschichte zwar paradox, aber eindeutig: Die Hauptverantwortung für die Häresie des Judentums liegt bei jenen Nichtjuden, die sich von den Perserkönigen bis in die Gegenwart vor den Karren der Sekte spannen ließen, welche diese Häresie begründet hatte.

Wir sprechen mit gutem Grund von einer „Häresie“. An jenem Tag, als die Soldaten König Artaxerxes die Bewohner von Jerusalem dazu zwangen, Hesekiels neuen Bund zu unterzeichnen, war die Perversion der alten israelischen Tradition endgültig Tatsache geworden, und an die Stelle der Bejahung Gottes trat seine Verneinung.

Zwischen dem Gott der moralischen Gebote und der boshaften Gottheit Hesekiels, die sich damit brüstete, die Opferung der Erstgeborenen befohlen zu haben, um die Menschen mit Furcht zu erfüllen, klaffte ein unüberbrückbarer Abgrund. Nun wurde kein geoffenbarter Gott mehr verehrt, sondern ein menschengemachter, die Inkarnation eines primitiven Stammesdenkens. Was die alten Judäer in Form des neuen Bundes unter Zwang unterschrieben, war entweder eine formelle Leugnung Gottes oder aber die formelle Behauptung, Gott sei Juda. Letzteres wird in der Tat von manchen Zionisten unserer Zeit behauptet, so dass die Häresie offen und unverhüllt zutage tritt:

„Gott geht im Nationalismus Israels auf. Er wird zum nationalen Ethos. … Er erschafft die Welt in der hebräischen Sprache. Er ist der Nationalgott.“ (Rabbi Solomon Goldman.)

„Wir und Gott sind zusammen aufgewachsen… Wir haben einen Nationalgott… Wir glauben, dass Gott ein Jude ist und dass es keinen englischen oder amerikanischen Gott gibt“ (Maurice Samuel.)

„Es war nicht Gott, der diese Menschen wollte und ihnen einen Sinn gab. Es war dieses Volk, das diesen Gott wollte und ihm diesen Sinn verlieh.“ (Dr. Kastein.)

Diese Aussagen sind eindeutig genug. Sie in unserem Jahrhundert in New York, Chicago, London oder Berlin zu machen, war ein leichtes, doch wer die längst aufgegangene Saat gesät hat, lesen wir im Buch Nehemia: „Alles Volk weinte, als sie die Worte des Gesetzes hörten.“ Seit jenem Tage hat dieses Volk auch anderen Völkern mehr als einmal Anlass zum Weinen gegeben.

 

Kapitel 7

Die Übersetzung des Gesetzes

Im Lichte der seitherigen Entwicklungen war das wichtigste Ereignis der vier Jahrhunderte, die auf die schriftliche Festlegung des Gesetzes folgten, die erste Übersetzung der (später als „Altes Testament“ bekannt gewordenen) judäischen Schriften in eine fremde Sprache, das Griechische. Dank dieser Übersetzung erhielten die „Heiden“ die Möglichkeit, sich zumindest teilweise mit einem Gesetz vertraut zu machen, das ihre eigene Versklavung oder Vernichtung und die unumschränkte Herrschaft Judas vorsah. Ohne diese Übersetzung hätten sie über die Natur des Judaismus lediglich Spekulationen anstellen können, doch nun lagen ihnen alle Beweise schwarz auf weiß vor.

Aus diesem Grund wirkt es auf den ersten Blick äußerst befremdlich, dass diese Übersetzung überhaupt in Auftrag gegeben wurde. (Der Überlieferung zufolge wurde sie zwischen 275 und 150 v. Chr. von zweiundsiebzig jüdischen Gelehrten in Alexandria erstellt.) Dr. Kastein schreibt, sie sei „mit einem ganz bestimmten Ziel vor Augen“ angefertigt worden, nämlich dem, den Text „für die Griechen verständlich zu machen; dies führte zu der Verzerrung und Entstellung von Wörtern, zu Bedeutungsänderungen und der häufigen Verwendung allgemeiner Ausdrücke und Ideen für rein lokale und nationale“.

Falls Dr. Kastein beabsichtigt haben sollte, seine Leser über den wirklichen Zweck der Übersetzung hinwegzutäuschen, hat er seine Worte unbedacht gewählt: Man macht einen Text nicht dadurch „verständlich“, dass man ihn „verzerrt und entstellt“, seine Bedeutung verändert und eindeutige Begriffe durch zweideutige ersetzt. Außerdem musste Dr. Kastein als erstrangiger Kenner der jüdischen Religion wissen, was auch der Außenstehende der Jewish Encyclopedia entnehmen kann, nämlich dass der Talmud „es verbot, einen Nichtjuden die Thora zu lehren, und dass jeder, der dies tat, des Todes war“. In der Tat schätzte der Talmud die Gefahr, die dadurch heraufbeschworen wurde, dass Heiden das Gesetz kennenlernten, dermaßen groß ein, dass er eine mündliche Thora begründete, als letztes Bollwerk der Geheimnisse Jahwes, die hierdurch vor dem neugierigen Auge der Nichtjuden geschützt wurden.

Die Übersetzung der judäischen Schriften ins Griechische erfolgte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht den Griechen, sondern den Judäern selbst zuliebe. In Babylon hatte das judäische Fußvolk seine hebräische Sprache verlernt; diese wurde allmählich zum priesterlichen Mysterium, zu „einem der geheimen geistigen Bande, welche die Judäer mit der Diaspora verbanden“, um Dr. Kasteins Formulierung aufzugreifen. Zur Umgangssprache der Judäer wurde das Aramäische. Doch die größte jüdische Gemeinde befand sich in Alexandria, wo das Griechische die Alltagssprache war; die meisten Judäer verstanden überhaupt kein Hebräisch mehr, und deshalb wurde eine griechische Version des Gesetzes zur unabdingbaren Voraussetzung für seine Interpretation.

Die Priester konnten freilich nicht ahnen, dass Jahrhunderte später eine neue Weltreligion entstehen sollte, welche die judäischen Schriften in ihre eigene Bibel eingliedern und das Mosaische Gesetz somit der ganzen Welt bekannt machen würde. Hätten sie dies vorausgesehen, so wäre die griechische Übersetzung wohl unterblieben.

Nichtsdestoweniger wiesen die Priester die Übersetzer zweifellos darauf hin, dass ihre Arbeit den Nichtjuden erstmals Gelegenheit bieten würde, das Gesetz kennenzulernen. Dies war wohl der Grund für die von Dr. Kastein erwähnten Verzerrungen, Entstellungen und Veränderungen.

Was wurde übersetzt? Zunächst einmal die fünf Gesetzesbücher, also die Thora. Nachdem Esra und Nehemia den nach Jerusalem Zurückgekehrten den „neuen Bund“ aufgenötigt hatten, hatte die Priesterschaft in Babylon eine abermalige Revision der Thora vorgenommen: „Einmal mehr verliehen anonyme Herausgeber ihrer Geschichte, ihren Traditionen, Gesetzen und Gebräuchen eine Bedeutung, die in vollem Übereinklang mit der Theokratie stand und sich auf das Regierungssystem anwenden ließ… Die Gestalt, welche die Thora damals erhielt, war die endgültige und definitive; fortan durfte kein Jota mehr daran geändert werden; man durfte keinen einzigen Gedanke, kein Wort und keinen Buchstaben mehr ändern“ (Dr. Kastein).

Wenn sterbliche Menschen einem angeblich bereits definitiv festgelegten Text „eine Bedeutung verleihen“ und alle geistige Tradition so zurechtstutzen, dass sie sich zur Rechtfertigung weltlicher politischer Ambitionen hergibt, kann das Ergebnis ganz unmöglich die ursprüngliche Offenbarung Gottes sein. Die frühere, israelitische Version des Gesetzes war gründlich gesäubert oder gar ausgelöscht worden, und an ihre Stelle war das judäische Rassengesetz in seiner „endgültigen und definitiven Form“ gerückt.

Dieselbe Methode gelangte bei der Erstellung der anderen Bücher zur Anwendung, mochten sie nun historischer, prophetischer oder lyrischer Art sein. Das Buch Daniel beispielsweise wurde ungefähr zur selben Zeit niedergeschrieben, d.h. rund vierhundert Jahre nach den Ereignissen, die es schildert. Unter diesen Umständen verwundert es keineswegs, dass der anonyme Verfasser die geschichtlichen Fakten durcheinander brachte. Mit bemerkenswerter Offenheit äußert sich Dr. Kastein über die Art und Weise, wie diese Bücher verfasst wurden:

„Die Herausgeber, welche den Büchern Josua, Richter, Samuel und Könige ihre endgültige Gestalt verliehen, sammelten jedes Fragment [der alten Lehren und Überlieferungen] und interpretierten sie kreativ… Es war nicht in jedem Falle möglich, bestimmte Worte bestimmten Personen zuzuordnen, weil diese so oft anonym gearbeitet hatten, und den Herausgebern ging es weit mehr um das betreffende Thema als um philologische Genauigkeit; sie begnügten sich damit, die Aussagen der Propheten so gut wie sie konnten aneinanderzureihen.“

Diese Methode mag eine Erklärung dafür liefern, dass ein und dieselbe „messianische“ Prophezeiung zwei Propheten in den Mund gelegt wurde (Jesaja 2,2-4 und Micha 4,1-4), und dass wir auch in anderen Büchern auf zahlreiche Wiederholungen stoßen. Wie Dr. Kastein treffend bemerkt, ging es den Herausgebern um „das betreffende Thema“ und nicht um „philologische Genauigkeit“, d. h. um das Wort Gottes. „Das betreffende Thema“ aber war politischer Nationalismus in der extremsten Form, und die Respektierung dieses Dogmas war die einzige Regel, die es zu beachten galt. Wer den Ursprung dieser Bücher studiert, begreift ohne weiteres, auf welche Weise sie nach der Verstoßung Judas durch Israel erstellt wurden.

Im Verlauf von fünf oder sechs Jahrhunderten schufen Generationen politischer Priester jenes Buch, das zwischen 275 und 150 v. Chr. ins Griechische übersetzt wurde. Nach dem Erscheinen Jesu Christi wurde dieses Werk mitsamt dem Neuen Testament vom Heiligen Hieronymus ins Latein übertragen, und „beide galten der Kirche als gleichermaßen göttlichen Ursprungs und als Bestandteile eines einzigen Buches“, wie eine typische moderne Enzyklopädie schreibt. Dieses theologische Diktum wurde auf dem Konzil von Trient im 16. Jahrhundert formell bekräftigt und von fast allen protestantischen Kirchen ungeprüft übernommen, obgleich letztere in dieser Frage wahrhaftig triftigen Grund zum Protestieren gehabt hätten…

In Anbetracht der bei der Übersetzung vorgenommenen Veränderungen (vgl. Dr. Kasteins diesbezügliche Bemerkungen) können heutzutage allenfalls Judaisten darüber urteilen, wie nahe der Text des Alten Testaments in seiner hebräisch-aramäischen Originalversion jener Fassung kommt, die zuerst ins Griechische und dann aus dem Griechischen ins Latein übersetzt und als einer von zwei Bestandteilen in die christliche Bibel eingegliedert wurde. Jedenfalls wurden erhebliche Veränderungen vorgenommen, und abgesehen davon gibt es noch die „mündliche Thora“ sowie die talmudische Fortsetzung der Thora, so dass die nichtjüdische Welt niemals die ganze Wahrheit über das judäische Gesetz erfahren hat.

Tatsache ist und bleibt jedoch, dass das Alte Testament zum Bestandteil der christlichen Religion geworden ist, worüber man sich nur wundern kann. Ungeachtet sämtlicher Streichungen und Modifizierungen sind die rachsüchtige Stammesgottheit, der barbarische Glaube und das Gesetz der Versklavung und Vernichtung für jedermann unschwer zu erkennen. Nachdem das Gesetz erst einmal übersetzt war, vermochten auch noch so viele Verzerrungen, Entstellungen, Veränderungen und sonstige Taschenspielertricks seine wahre Natur nicht zu kaschieren; dies ist der beste Beweis dafür, dass jene, welche die Übersetzung in Auftrag gaben, nicht ahnten, welch weltweite Beachtung sie dereinst finden würde.

Mit dieser Übersetzung drang das Alte Testament, wie wir es heute nennen und kennen, in das damals eben erst im Entstehen begriffene Abendland ein – mitsamt seiner Lehre des Rassenhasses und der Zerstörung, die lediglich durch die moralischen Gebote ein wenig gemildert wird. Als das Abendland und das Christentum neunzehneinhalb Jahrhunderte alt geworden waren, sprachen ihre Führer, welche vor der Macht der Sekte zitterten, vom Alten Testament so ehrfürchtig, als sei es die bessere Hälfte des Buchs, nach dem sie zu leben vorgaben. Nichtsdestoweniger war es auch weiterhin das, was es stets gewesen war: Ein Gesetz zur Versklavung und Vernichtung der Völker, und alles, was die westlichen Führer in selbstgewählter Knechtschaft tun, dient diesem Zweck.

 

Kapitel 8

Das Gesetz und die Idumäer

Wie die alexandrinischen Juden lernten zunächst die Griechen und anschließend andere heidnische Völker die von den Leviten erstellten Schriften kennen. In der kleinen Provinz Judäa waren an die Stelle der persischen Machthaber längst die Griechen getreten, die jedoch später ihrerseits den Römern weichen mussten.

Nächst der Übersetzung der Schriften war das zweitwichtigste Ereignis dieser chaotischen Jahrhunderte judäischer Geschichte der erzwungene Übertritt der Idumäer, eines Stammes, den man früher als Edomiter bezeichnet hatte, zum Jahwe-Kult. (Das Wort „Judentum“ wurde anscheinend erstmals von dem jüdischen Historiker Flavius Josephus als Bezeichnung für Kultur und Lebensweise der Judäer verwendet, so wie man die griechische Kultur und Lebensweise „Hellenismus“ nannte, und besaß ursprünglich keine spezifisch religiöse Bedeutung. In Ermangelung eines treffenderen Ausdrucks werden wir es jedoch fortan zur Kennzeichnung der von den Leviten unter krasser Verzerrung des Mosaischen Gesetzes geschaffenen rassischen Religion benutzen.)

Die Geschichte kennt nur eine einzige weitere Massenbekehrung zum Judentum, die etwa acht bis neun Jahrhunderte später erfolgen sollte und, wie wir nachweisen werden, von unmittelbarer Bedeutung für die Gegenwart war. Andererseits waren individuelle Konversionen während dieser Zeit durchaus nichts Ungewöhnliches; die Rabbiner scheinen sie sogar gefördert zu haben, denn kein Geringerer als Jesus selbst warf den Schriftgelehrten und Pharisäern vor, Land und Meer zu durchziehen, „um einen Judengenossen zu gewinnen“ (Matthäus 23,15.)

Aus irgendwelchen Gründen wurde das im zweiten Gesetz sowie im neuen Bund verankerte Verbot der Mischehen sowie der Aufnahme Fremder damals also nicht konsequent befolgt. Vermutlich lag die Ursache hierfür in der zahlenmäßigen Schwäche der Judäer: Wäre das rassische Gesetz strikt eingehalten worden, so wäre der kleine Stamm Juda immer mehr geschrumpft, und die Priester hätten sich in der misslichen Lage von Generälen befunden, die zwar einen Schlachtplan, aber keine Soldaten zu seiner Verwirklichung besitzen.

Wie dem auch sei, fest steht, dass es zahlreiche Konversionen und Mischehen gab. In der Jewish Encyclopedia heißt es hierzu, Juda habe „in seiner Früh- und Spätzeit durch die Aufnahme Außenstehender an Kraft gewonnen“, und andere Autoritäten äußern sich im gleichen Sinne. Unter diesen Umständen muss der Stamm Juda bereits in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten allerlei fremdes Blut aufgenommen haben.

Dies änderte freilich nichts daran, dass das Rassengesetz auch weiterhin in Kraft war und diese Konversionen ihm keinerlei Abbruch taten. Erst in der christlichen Ära hörten die Übertritte zum Judentum fast gänzlich auf, und die Juden wurden wiederum zu einer durch das strenge Verbot der Rassenmischung vom Rest der Menschheit abgesonderten Gemeinschaft. Dieses Verbot wurde und wird auch vom Zionismus vollumfänglich aufrechterhalten und laut dem Talmud sind Proselyten „für das Judentum so schädlich wie Geschwüre für einen gesunden Leib“.

Glühende Zionisten stoßen sich noch heute die Köpfe an der Klagemauer wund, wenn sie an den Skandal mit den Edomitern (oder Idumäern) denken, deren Übertritt zum Judentum für sie einen schlagenden Beweis für die Richtigkeit der eben zitierten Talmudstelle liefert. Dass es überhaupt zu diesem Übertritt kommen konnte, war ihrer Ansicht nach auf den leichtfertigen Umgang der Priester mit der Geschichte und dem Gesetz zurückzuführen.

In der Genesis heißt es freilich, das Volk der Edomiter habe von Esau abgestammt („Dies ist das Geschlecht Esaus, der auch Edom heißt“; 1. Mose 36,1), und Esau war der Bruder Jakobs, der Israel genannt wurde. Somit waren Juda und Edom laut der ursprünglichen Überlieferung verwandt; dies wird noch im Deuteronomium ausdrücklich anerkannt, wo der Herr zu Moses sagt:

„Und gebiete dem Volk und sprich: Ihr werdet durch das Land eurer Brüder, der Söhne Esaus, ziehen, die auf dem Seïr wohnen, und sie werden sich vor euch fürchten. Aber hütet euch ja davor, sie zu bekriegen; ich werde euch von ihrem Lande nicht einen Fuß breit geben, denn das Gebirge Seïr habe ich den Söhnen Esaus zum Besitz gegeben. Speise sollt ihr für Geld von ihnen kaufen, damit ihr zu essen habt, und Wasser sollt ihr für Geld von ihnen kaufen, damit ihr zu trinken habt.“ (5. Mose 2; 4-6.) Die Kinder Israel befolgten diesen Befehl und umgingen das Gebiet der Edomiter.

Ab ca. 400 v. Chr. wurden die Judäer von ihren Nachbarstämmen mit Argwohn und Furcht betrachtet, und die Edomiter machten da keine Ausnahme. Diese Befürchtungen erwiesen sich später als wohlbegründet, denn als sich Juda zur Zeit der Hasmonäer, unter denen der Herrscher jeweils König und Hohepriester zugleich war, zu einer ernstzunehmenden Regionalmacht gemausert hatte, griff der König und Hohepriester Johannes Hyrcanus (134 – 104 v. Chr.) die Edomiter, die man mittlerweile Idumäer nannte, an und zwang sie mit vorgehaltenem Schwert, sich beschneiden zu lassen und das Mosaische Gesetz zu übernehmen. Johannes Hyrcanus musste zwischen zwei politischen Parteien lavieren. Die gemäßigtere davon, die Sadduzäer, welche die Monarchie unterstützten, sprach sich gegen eine Ausrottung der Idumäer aus und begnügte sich mit ihrer Zwangsbekehrung zum Judentum. Den Sadduzäern stand die radikale Partei der Pharisäer entgegen, die das alte, despotische Priestertum der Leviten verkörperten und diesem wieder zur uneingeschränkten Macht verhelfen wollten.

Vermutlich hätten die pharisäischen Fanatiker als Erben der Leviten es gerne gesehen, wenn Johannes Hyrcanus das Gesetz rigoros ausgelegt und die Idumäer mit Stumpf und Stiel ausgerottet hätte. Sie widersetzten sich dem König erbittert (so wie sich der Hohepriester Samuel einst dem König Saul widersetzt hatte) und arbeiteten auf den Sturz der Monarchie hin. Besonders aufschlussreich war, dass sie die Katastrophe, die Juda später ereilte, als Züchtigung für die unangebrachte Milde gegenüber den Idumäern deuteten! Für sie war die zweite Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr. die unvermeidliche Strafe dafür, dass Johannes Hyrcanus das Gesetz zu lasch ausgelegt hatte. Wie vor ihm Saul hatte er durch seine Barmherzigkeit gegenüber dem Feind „gefrevelt“.

Allerdings mussten sich die Pharisäer rund 150 Jahre gedulden, ehe der Beweis für diese These erbracht war (falls irgendjemand außer ihnen selbst diesen Beweis anerkannte). Zur Vorgeschichte der Katastrophe folgendes:

Der Idumäer Antipatras (ca. 100 – 43 v. Chr.) gelangte an dem kleinen Hof von Jerusalem zu hohen Ehren, so wie einst dem legendenumrankten Daniel an den weit größeren Höfen des babylonischen und des persischen Königs Karriere ein ungeahnter Aufstieg beschieden gewesen war. Hierauf wandten sich die Pharisäer an den römischen Triumvir Pompeius mit dem Gesuch, in Judäa einzugreifen, die Monarchie abzuschaffen und das alte Priestertum wieder in den Sattel zu heben. Doch schlug dieser Plan fehl: Obwohl die Dynastie der Hasmonäer in den folgenden, durch chaotische Kriege und Aufstände gekennzeichneten Jahrzehnten tatsächlich vernichtet wurde, war Antipatras dem Idumäer ein unaufhaltsamer Aufstieg beschieden, und schließlich machte ihn Cäsar zum Statthalter von Juda; sein Sohn Herodes wurde von Antonius gar zum König von Juda ernannt!

Die Zustände in der kleinen Provinz blieben jedoch heillos chaotisch, so dass Rom schließlich keine andere Wahl hatte, als die Zügel selbst in die Hände zu nehmen, womit auch der letzte Anschein von Unabhängigkeit dahin war.

Dass es soweit kam, war offensichtlich die Schuld der Pharisäer, welche die römische Einmischung provoziert hatten. Allerdings schoben sie die Verantwortung dem „Halbblut“ und „idumenäischen Sklaven“ Herodes zu: Sie argumentierten, dies alles wäre nicht geschehen, hätte Johannes Hyrcanus „das Gesetz befolgt“ und die Idumäer „vollständig vernichtet“.

Höchst aufschlussreich ist, mit welch leidenschaftlichem Ingrimm Dr. Kastein diesen Vorwurf zweitausend Jahre später aufgriff, als hätten sich die betreffenden Dinge erst am Tag zuvor zugetragen. Ein Zionist des zwanzigsten Jahrhunderts, dessen Buch im Jahre der Machtergreifung Adolf Hitlers erschien, war felsenfest davon überzeugt, dass die zweite Katastrophe Judas, die Zerstörung des Tempels, die logische Folge eines Verstoßes gegen das Rassengesetz war!

Wie wir sehen werden, bedeutete die Katastrophe Judas für die Pharisäer einen Sieg; es ist dies eines jener Paradoxe, an denen die Geschichte Zions von Anbeginn an so ungemein reich ist.

Anmerkung des Übersetzers: In diesem Kapitel sah ich mich gezwungen, gewisse Veränderungen vorzunehmen. Reeds Behauptung, Jahwe habe den Israeliten die Ausrottung der Edomiter befohlen, findet im Text des Alten Testaments keine Stütze, so dass ich die betreffenden Sätze streichen musste. Des Weiteren habe ich einige für den Leser nützliche Informationen hinzugefügt.

 

Kapitel 9

Der Aufstieg der Pharisäer

Zu den Pharisäern, welche in der kleinen römischen Provinz Juda die stärkste politische Partei bildeten, gehörte der ungeheuer einflussreiche harte Kern der Sekte, der früher vom levitischen Priestertum vertreten worden war. Die Pharisäer waren die Träger der levitischen Idee in ihrer radikalsten Spielart, wie wir sie in den Büchern Hesekiel, Esra und Nehemia finden; laut der Jewish Encyclopedia mussten sie schwören, „die levitischen Reinheitsgesetze streng zu befolgen“.

So wie die Leviten einst über die israelitischen Reformatoren triumphiert und Juda von seinen Nachbarvölkern abgesondert hatten, waren die Pharisäer allzeit bereit, jeden Versuch zur Wiedereingliederung Judas in die Menschheit im Keim zu ersticken. Sie waren die Gralshüter des zerstörerischen Prinzips, und das nächste Kapitel der Geschichte Zions war dasjenige ihres Sieges. Wie weiland der Triumph der Leviten erfolgte auch jener der Pharisäer vor dem Hintergrund der Zerstörung Jerusalems.

Innerhalb der Priesterkaste war es im Verlauf der Generationen zu einer Art Aufstand gegen die ständigen Veränderungen des Gesetzes gekommen, welche mit den Schreibern aus der Schule Hesekiels und Esras begonnen hatten. Die betreffenden Priester waren der Überzeugung, das Gesetz habe seine endgültige Form erlangt und dürfe nicht weiter „umgedeutet“ werden. Dieser Herausforderung, welche den jüdischen Nationalismus bis in seine Grundfesten erbeben ließ, widersetzten sich die Pharisäer mit größter Erbitterung: Sie waren die Hüter der Tradition und des mündlichen Gesetzes, das Gott Mose offenbart hatte und das niemals schriftlich festgelegt werden durfte, jedoch die Grundlage des gesamten übrigen Gesetzes darstellte. Die Behauptung der „Weisen“, die Geheimnisse Gottes zu kennen, liegt der mystischen Ehrfurcht zugrunde, mit der unzählige Generationen von Juden ihnen begegneten; sie vermag eine Furcht einzuflößen, der sich selbst aufgeklärte jüdische Freidenker nicht völlig entziehen können.

Nichtsdestoweniger führte der instinktive Drang, dieses Joch abzuschütteln, immer wieder zum Entstehen gemäßigter Fraktionen innerhalb des Judentums. Während des Zeitraums, um den es hier geht, wurde diese Tendenz durch die Sadduzäer verkörpert, welche die Mehrheit des Priestertums stellten. Sie wollten „den Frieden der Stadt wahren“ und jeden gewaltsamen Zusammenprall mit der römischen Besatzungsmacht tunlichst vermeiden. Mit den Pharisäern standen die Sadduzäer auf gespanntem Fuß. Solche Flügelkämpfe haben die Geschichte des Judentums fünfundzwanzig Jahrhunderte lang begleitet und sind auch in der Gegenwart nicht erloschen.

Obwohl es sich sehr wohl lohnt, diese innerjüdischen Konflikte zur Kenntnis zu nehmen, sind sie für den Rest der Menschheit im Grunde lediglich von theoretischem Interesse. Die Geschichte zeigt nämlich, dass immer, wenn der Streit für oder gegen die „Wahrung des Friedens in der Stadt“ wieder aufflammte, der Sieg jener Partei zufiel, die für Abgrenzung und Zerstörung stand, und dass sich das jüdische Fußvolk unweigerlich um diese Partei scharte. Das vorderhand letzte Beispiel hierfür bietet unser Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begegneten die jüdischen Gemeinden Deutschlands, Englands und Amerikas (die man mit den Sadduzäern vergleichen könnte) den aus Russland stammenden Zionisten (die den Pharisäern entsprachen) mit schroffer Ablehnung, doch innerhalb von fünfzig Jahren brachte die extreme Partei es fertig, bei Unterredungen mit westlichen Regierungen als einzige Vertreterin „der Juden“ aufzutreten und jede Opposition innerhalb der jüdischen Gemeinden weltweit fast gänzlich zum Verstummen zu bringen.

Die Pharisäer verkörpern das zweite Glied im Stammbaum der Sekte, die in unserer Zeit für dermaßen schwerwiegende Umwälzungen verantwortlich ist. Das erste Glied waren die Leviten in Babylon gewesen, das zweite waren wie eben erwähnt die Pharisäer in Jerusalem, das dritte dann die Talmudisten in Spanien, das vierte die Rabbiner in Russland, und das fünfte sind die Zionisten der Gegenwart.

Laut den Kennern der hebräischen Sprache hat der Name „Pharisäer“ die Bedeutung von „einer, der sich absondert“; gemeint ist damit ein Mann, der sich von allen unreinen Menschen und Dingen fernhält, um jenen Grad an Heiligkeit und Rechtschaffenheit zu erreichen, der Voraussetzung für den Umgang mit Gott ist. Die Pharisäer bildeten eine Liga oder Brüderschaft; in ihren innersten Kreis wurde nur aufgenommen, wer in Gegenwart dreier Mitglieder schwor, das levitische Reinheitsgesetz aufs strengste zu befolgen. Somit waren die Pharisäer die frühesten Spezialisten auf dem Gebiet der geheimen Verschwörung und erhoben diese in den Rang einer politischen Wissenschaft.

Alles spricht dafür, dass das Wissen und die Erfahrung, welche die Pharisäer auf diesem Wege erwarben, ihren Niederschlag in den Methoden jener konspirativen Parteien fanden, die im Verlauf der letzten beiden Jahrhunderte in Europa entstanden sind. Dies gilt in besonders hohem Masse für die zerstörerische kommunistische Revolution in Europa, die von Juden vorbereitet und von Juden geführt wurde. Eine Erfindung der Pharisäer war beispielsweise eine auf gegenseitiger Furcht und gegenseitigem Misstrauen beruhende Technik, durch welche die Verschwörer unserer Tage zusammengekittet werden und denen konspirative Organisationen ihre Schlagkraft verdanken. Diese Technik besteht darin, die Spione ihrerseits ausspionieren und die Spitzel ihrerseits bespitzeln zu lassen; auf ihr basiert der Zusammenhalt der Kommunistischen Partei, und sie gelangt auch in der Roten Armee zur Anwendung, deren offizielles Reglement den „politischen Kommissar“ und den „Informanten“ als Bestandteil der militärischen Struktur anerkennt, vom Generalstab bis hinab zum Zug.

Wie gesagt waren die Pharisäer die Begründer dieser Technik, welche sie mit einem Zitat aus dem Buch Leviticus begründeten, laut dem ein Wächter von einem anderen Wächter zu überwachen ist. Man kann das Wesen der revolutionären Maschinerie, die im 19. Jahrhundert in Europa in Gang gesetzt wurde, nur verstehen, wenn man sich vor Augen hält, dass die meisten ihrer Schöpfer und Führer den Talmud verinnerlicht hatten und mit talmudischen Praktiken vertraut waren. Die ersten Talmudisten aber waren die Pharisäer. Sie behaupteten, alles, was die Schreiber getan hätten, sei göttlich inspiriert gewesen, sogar ihre Irrtümer. Dies ist eine Grundregel des Talmud.

Unter der drückenden Herrschaft der Pharisäer keimte auch der Messias-Gedanke, der durch all die Jahrhunderte hindurch ungeahnte Auswirkungen haben sollte. Den früheren israelitischen Propheten war er noch fremd gewesen; diese hatten die Vorstellung von der Herrenrasse noch nicht gekannt und konnten deshalb auch die später aufkommende Idee von einem Gesandten Jahwes nicht vorausahnen, der das Königreich der Herrenrasse auf Erden begründen würde.

Die jüdischen Autoritäten lassen keine Zweifel an der Mission des künftigen Messias aufkommen. Laut der Encyclopedia Judaica glaubten die Pharisäer, er werde bewirken, „dass Gottes Königtum in Zukunft weltweit anerkannt wird… Gottes Königtum schloss jedes andere aus.“ Da Jahwe laut der Thora nur die Juden „kannte“, bedeutete dies, dass die Welt dann den Juden gehören würde. Allfällige Zweifel hieran räumt der Talmud aus, in dem es heißt, Nichtjuden seien „als solche von einer künftigen Welt ausgeschlossen“ (so der frühere Rabbiner Laible).

Die breite Masse der Juden erwartete zweifellos, der „Gesalbte“ werde den Ruhm der Nation wiederherstellen, in einem vollkommenen theokratischen Staat nicht nur als geistiger, sondern auch als weltlicher Führer walten und das zerstreute jüdische Volk in einem universalen, diesseitigen Reich vereinen. Somit war die Messias-Idee in ihrer pharisäischen Ausprägung in keiner Weise mit der Erwartung eines himmlischen Königreichs identisch, zumindest für die große Mehrheit des Volkes nicht.

Logisch gesehen stellt die Vorstellung vom Messias die Krönung der von der Sekte gepredigten Lehren dar. Wie die Leviten, deren Tradition sie weiterführten, behaupteten die Pharisäer, alles zu wissen, vom Datum der Erschaffung der Welt über ihren Sinn bis hin zu den Umständen, unter denen das auserwählte Volk triumphieren würde. Nur über eines schwiegen sie sich hartnäckig aus: Über den Zeitpunkt, wo sich die erwarteten glorreichen Geschehnisse zutragen würden. Das dem Volk auferlegte Gesetz war hart, und es war nur allzu natürlich, dass die Juden zu wissen begehrten, wann sie endlich frei sein würden – so wie jeder Gefangene wissen will, wann seine Haftzeit zu Ende geht.

Hierin scheint der Ursprung des Messianismus zu liegen. Das Volk, das bei der Verkündung des neuen Gesetzes einst „geweint“ hatte, musste dessen Härte nun schon vierhundert Jahre lang erdulden. Spontan fragte es sich: Wann? Wann würde das glorreiche Ereignis eintreten, das erlösende Ende seiner Prüfungen? Es befolgte alle „Gebote und Rechte“, was eine schwere, Tag für Tag zu tragende Bürde darstellte. Es befolgte sie, weil es einen „Bund“ abgeschlossen hatten, der ihm reichen Lohn in Aussicht stellte. Wann würde ihm dieser Lohn zuteilwerden? Seine Herrscher standen in unmittelbarer Verbindung mit Gott und kannten Gottes Geheimnisse; sie mussten also in der Lage sein, die Frage nach dem Wann zu beantworten.

Doch ausgerechnet auf diese Frage wussten die Pharisäer keine Antwort. Anscheinend verlegten sie sich auf allerlei Ausflüchte: Sie waren zwar nicht gewillt zu sagen, wann es so weit sein werde, doch jedenfalls werde „einer mit den Wolken des Himmels“ kommen; ihm würden „Macht, Ehre und Reich“ zufallen, „dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten“ (Daniel 7,13-14).

So fand der unterdrückte, gettoisierte jüdische Geist Trost in der Verheißung eines Erlösers. Es war dies die Geburtsstunde des Messianismus. Fortan gab es in der jüdischen Geschichte immer wieder Perioden, wo die fieberhafte Erwartung des Messias das Volk schier in Raserei versetzte. Den vorerst letzten dieser Ausbrüche erleben wir gegenwärtig, im zwanzigsten Jahrhundert mit.

Dies war der geschichtliche und gesellschaftliche Hintergrund, vor dem der Mann aus Galiläa vor fast zweitausend Jahren erschien. Der in Judäa zurückgebliebene Teil der Juden lebte seit der Trennung von Israel, also seit sechs Jahrhunderten, in einem Zustand, den Dr. John Goldstein als „jüdische Finsternis“ bezeichnet, und wartete mittlerweile ungeduldig auf den Messias, der ihm Erlösung bringen sollte. Doch als er der mit Sehnsucht Erwartete dann kam, versprach er durchaus nicht, das Volk auf jenen Weg zu führen, den es laut den Verheißungen der Pharisäer begehen würde, wenn es das Gesetz getreulich befolgte. Er wies ihm keinen Weg, der durch die Ruinen vernichteter Nationen zu einem mit Gold gefüllten Tempel führte. Er wies ihm den Weg ins Himmelreich.

Die Macht der Pharisäer war groß, und der fremde Statthalter zitterte vor ihren Drohungen (eine unverkennbare Parallele zur Gegenwart!). Wer in dem Mann aus Galiläa, der irdischen Lohn gering schätzte, den ersehnten Messias sah und dies öffentlich bekundete, riskierte Kopf und Kragen. Er beging nämlich einen „Frevel“, und wie der Perserkönig fünfhundert Jahre zuvor war auch der römische Statthalter gewillt, dem jüdischen Gesetz Nachdruck zu verschaffen.

Selbstverständlich war ein großer Teil des Volkes nur allzu bereit, sein Ohr einem Mann zu leihen, der ihm den Weg aus der Finsternis ins Licht und in die Menschheit wies. Doch wie weiland die Leviten saßen auch die Pharisäer am längeren Hebel; der Sieg fiel ihnen zu, mit dem Ergebnis, das abermals viele Menschen Grund zum Weinen hatten und die katalytische Kraft des Messiasglaubens ungebrochen blieb.

 

Kapitel 10

Der Mann aus Galiläa

Um Christi Geburt herum war die Vorahnung, dass schon bald ein wunderbares Wesen erscheinen würde, unter den Judäern weit verbreitet. Sie sehnten sich nach einem Beweis dafür, dass Jahwe den mit seinem auserkorenen Volk abgeschlossenen Bund zu halten gedachte. Um dieser Stimmung Rechnung zu tragen, hatten die Schreiber in die Schriften allmählich die Vorstellung vom Gesalbten eingefügt, vom Messias, der kommen würde, um den Bund zu erfüllen.

Die Targam, die rabbinischen Kommentatoren des Gesetzes, schwärmten: „Wie schön er ist, der Messias-König, der dem Hause Juda entstammen wird. Er wird seine Lenden gürten und in die Schlacht gegen seine Feinde ziehen, und viele Könige werden erschlagen werden.“

Diese Sätze erhellen, was für Erwartungen man bei den Judäern geweckt hatte. Sie hofften auf einen kriegerischen, rächenden Messias, der an die Tradition der „Tötung aller Erstgeborenen Ägyptens“ und der „Zerstörung Babylons“ anknüpfen würde, indem er Judas Feinde „mit einer eisernen Rute züchtigen“ und „wie ein Töpfergefäß in Stücke schlagen“, den Juden ein Reich von dieser Welt schenken und das Stammesgesetz wortwörtlich erfüllen würde. Dies und nichts anderes hatten Generationen von Pharisäern und Leviten ihrem Fußvolk nämlich in Aussicht gestellt.

Die Vorstellung eines demütigen Messias, dessen Lehre „Liebet eure Feinde“ lautete und der „der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit“ war (Jesaja 53,3), musste dem Volk völlig unverständlich vorkommen, und hätte es jemand auf die betreffende Stelle im Buch Jesaja aufmerksam gemacht (deren Bedeutung freilich erst nach dem Leben und Tod Jesu zutage trat), so hätte er selbst als der „Allerverachtetste und Unwerteste“ gegolten. Doch genau solcher Art war der Mann, der kam: Er war demütig, predigte Liebe, erhob den Anspruch, der Messias zu sein, und wurde von vielen als solcher anerkannt.

Mit einigen wenigen Worten fegte Er den gesamten Ballast der rassischen Politik weg, mit der die herrschende Sekte das frühere Moralgesetz übertüncht hatte, und legte das Verschüttete frei. Mit untrüglicher Sicherheit erkannten die Pharisäer in Ihm sogleich den gefährlichsten aller „Propheten und Träumer von Träumen“.

Unter den Judäern fand Er jedoch eine zahlreiche Anhängerschaft; viele von ihnen mussten also instinktiv geahnt haben, dass ihre wirkliche Knechtschaft geistiger Art und ihr wahrer Unterdrücker nicht der Römer, sondern der Pharisäer war. Dennoch: Die Mehrzahl der Judäer erwartete einen kriegerischen, nationalistischen Messias und stimmte gedankenlos in den Chor der Pharisäer ein, die Jesus als Gotteslästerer und falschen Messias brandmarkten.

Durch diese Verwerfung Seiner Botschaft pflanzten sie allen kommenden Generationen von Juden einen quälenden Zweifel ein, der auch dadurch nicht geringer wird, dass es nicht statthaft ist, ihn zu äußern (der Name Jesu darf in einem frommen jüdischen Haus nicht einmal erwähnt werden): Ist der Messias erschienen, nur um von den Juden verworfen zu werden, und wenn ja, was für eine Zukunft erwartet sie dann nach dem Gesetz?

Eines der vielen Paradoxe in der Geschichte Zions besteht darin, dass christliche Geistliche und Theologen unserer Generation oft geltend machen, Jesus sei Jude gewesen, während die jüdischen Autoritäten dies bestreiten. (Jene Rabbiner, die Ihn bei politischen oder „interkonfessionellen“ Veranstaltungen bisweilen als Juden anerkennen, stellen keine echten Ausnahmen von dieser Regel dar, denn vor einem jüdischen Publikum gäben sie dergleichen nicht von sich; ihr Ziel besteht einzig und allein darin, bei ihren nichtjüdischen Zuhörern Punkte zu sammeln)1

Wenn jüdische Persönlichkeiten Jesus öffentlich als Juden bezeichnen, verfolgen sie damit ausschließlich politische Ziele. Oft geht es ihnen darum, Vorbehalte gegen den zionistischen Einfluss auf die internationale Politik oder die zionistische Invasion Palästinas auszuräumen, indem sie unterstellen, da Jesus Jude gewesen sei, dürfe niemand die Juden für irgendetwas kritisieren. Selbstverständlich ist dies ein äußerst fadenscheiniges Argument, doch die Massen fallen leicht darauf herein, und das Resultat ist abermals ein Paradox: Um sich den Juden anzubiedern, stellen nichtjüdische Politiker häufig eine Behauptung auf, die für gläubige Juden anstößig ist!

Das englische Wort „Jew“ und das deutsche Wort „Jude“ sind neuzeitlichen Ursprungs und den zur Zeit Jesu verwendeten aramäischen, griechischen oder lateinischen Ausdrücken für die „Judäer“ keineswegs gleichzusetzen. Für „Jew“ bzw. „Jude“ gibt es nämlich keine allgemein anerkannte Definition, so dass gewisse ansonsten peinlich auf Genauigkeit bedachte Wörterbücher offenkundig absurde Definitionen wie „Person hebräischer Rasse“ feilbieten.

Wenn die Behauptung „Jesus war ein Jude“ einen Sinn haben soll, gilt es also die Maßstäbe Seiner Zeit anzulegen, und diesen zufolge musste Er, um Jude zu sein, eine von drei Bedingungen erfüllen: 1) Er musste dem Stamme Juda angehören; 2) Er musste Seinen Wohnsitz in Judäa haben; 3) Er musste Seinem Glauben nach ein „Jude“ sein, falls es damals überhaupt eine solche Religion gab.

Kurzum: Die drei möglichen Kriterien waren Rasse, Wohnsitz und Glaubensbekenntnis.

Wir gedenken nicht, uns in diesem Buch mit der Frage nach der rassischen Abstimmung Jesu auseinanderzusetzen; die hierzu von gewissen christlichen Geistlichen abgegebenen Stellungnahmen sind recht befremdlich. Der Leser wird seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen müssen, wenn er auf diese Frage eine Antwort wünscht.

Der Stammbaum Marias wird im Neuen Testament nicht erwähnt, doch gibt es drei Stellen, die darauf hinzudeuten scheinen, dass Sie dem Hause Davids entstammte. Bei Matthäus 1,20 nennt der Engel Joseph den „Sohn Davids“, und bei Lukas 1,27 lesen wir, dass die Jungfrau Maria „vertraut war einem Manne mit Namen Joseph, vom Hause David“, aber Joseph war nicht der leibliche Vater Jesu. Jüdische Gelehrte tun diese Hinweise auf Josephs Abstammung mit dem Argument ab, sie seien nachträglich eingefügt worden, um die Geschichte Jesu mit den alten Prophezeiungen vereinbar erscheinen zu lassen.

Gehen wir zum zweiten Punkte über. Jesus wurde in Bethlehem geboren (Matthäus 2,1), doch lässt sich nicht ausschließen, dass sich Seine Mutter aus Galiläa dorthin begeben hatte, um sich registrieren zu lassen. Abermals wenden die jüdischen Gelehrten ein, man habe den Hinweis auf Bethlehem eingeflochten, um folgender alttestamentarischer Prophezeiung gerecht zu werden: „Und du, Bethlehem Ephratha, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll der kommen, der in Israel Herr sei…“ (Micha 5,1.)

In der Jewish Encyclopedia heißt es, die Heimatstadt Jesu sei Nazareth gewesen; in der Tat ist man sich allgemein darüber einig, dass Er Galiläer war, wo auch immer Er das Licht der Welt erblickt haben mag. Galiläa, wo Er fast sein ganzes Leben verbrachte, war politisch völlig von Juda getrennt, unterstand einem eigenen römischen Tetrarchen und galt Juda als „fremdes Land“ (so Heinrich Graetz in seinem 1888 erschienenen Werk Volksthümliche Geschichte der Juden). Eheschließungen zwischen Judäern und Galiläern waren verboten, und schon vor Jesu Geburt hatte einer der maccabäischen Prinzen, Simon Tharsi, sämtliche in Galiläa ansässigen Judäer nach Judä abschieben lassen.

Dies bedeutet, dass sich die Galiläer rassisch und politisch von den Judäern unterschieden.

War der Galiläer Jesus in religiösem Sinne das, was man heutzutage einen „Juden“ nennen würde? Es versteht sich von selbst, dass die jüdischen Autoritäten dies mit Haut und Haaren bestreiten, und der bei politischen oder interkonfessionellen Veranstaltungen sowie auf den Kanzeln christlicher Kirche oft getane Ausspruch „Jesus war ein Jude“ könnte in einer Synagoge leicht einen Tumult auslösen. In der Tat ist nicht klar, was sich prominente Persönlichkeiten denken, wenn sie diesen Satz aussprechen. Zur Zeit Jesu gab es keine „jüdische“ oder auch nur „judaistische“ Religion. Es gab den Jahwe-Kult, und es gab verschiedene Sekten wie die Pharisäer, Sadduzäer und Essener, die sich gegenseitig befehdeten und sich die Macht über das Volk streitig machten. Sie waren nicht nur Sekten, sondern zugleich politische Parteien und die Mächtigste davon waren die Pharisäer, die für sich in Anspruch nahmen, die Moses von Gott offenbarten „mündlichen Überlieferungen“ zu kennen.

Wenn die heutigen Zionisten „die Juden“ sind (was alle großen westlichen Nationen anerkennen), so bildeten die Pharisäer zur Zeit Jesu in Judäa die Entsprechung zu den Zionisten. Jesus hat die Pharisäer mit besonderer Schärfe angegriffen. Gewiss, Er hat auch die Sadduzäer und die Schriftgelehrten getadelt, doch die Evangelien vermitteln Aufschluss darüber, dass Er die Pharisäer als Feinde Gottes und der Menschen betrachtete und dass sich Sein Zorn in besonderem Masse gegen sie richtete. Was Er ihnen, und nur ihnen, vorwarf, waren dieselben Dinge, die laut den heutigen Zionisten die Merkmale der Juden, des Jüdischseins und des Judentums sind.

Vom religiösen Standpunkt aus verkörperte Jesus zweifellos das Gegenteil von all dem, was heutige für einen orthodoxen Juden kennzeichnend ist und damals für einen Pharisäer kennzeichnend war.

Niemand kann mit absoluter Sicherheit sagen, welcher Bevölkerungsgruppe und welchem Glauben Jesus angehörte, und die propagandistischen Behauptungen nichtjüdischer Politiker klingen ebenso hohl und falsch wie die höhnischen Worte über den „Bastard“, die einst in den jüdischen Ghettos die Runde machten.

Was Er tat und sagte, ist von dermaßen überwältigender Bedeutung, dass nichts anderes zählt. Ein (wenn auch auf bedeutend niedrigerer Ebene) vergleichbarer Fall ist derjenige Shakespeares. Die grandiose literarische Qualität seiner Werke ist über jeden Zweifel erhaben, so dass die Frage, ob er oder ein anderer sie geschrieben hat, im Grunde genommen unwichtig und der unaufhörliche Streit darüber müßig ist.

Der Sohn eines Zimmermanns aus Galiläa hatte offensichtlich keine formelle Erziehung genossen, keine Rabbinerschule besucht und keine Ausbildung als Priester erhalten. „Woher kommt diesem solche Weisheit und Taten? Ist er nicht des Zimmermanns Sohn? […] Woher kommt ihm denn das alles?“ fragten die Schriftgelehrten bestürzt. (Matthäus 13,54-55.)

Was die Lehre dieses dem einfachen Volk entstammten jungen Mannes zum blendenden Licht der Offenbarung macht, ist der dunkle Hintergrund des levitischen Gesetzes und der pharisäischen Tradition, gegen die Er sich wandte, als Er in Juda wirkte. Noch heute hat jemand, der das Alte Testament aufmerksam und kritisch studiert hat und sich dann der Bergpredigt zuwendet, den Eindruck, aus der Finsternis ins Licht getreten zu sein.

Das Gesetz, das zu „erfüllen“ Jesus gekommen war, hatte sich zu einem ungeheuer umfangreichen, in seiner schwindelerregenden Kompliziertheit erstickenden und lähmenden Wust von Regeln entwickelt. Die Thora war lediglich der Anfang gewesen, der Unterbau, auf dem eine Unmenge von Interpretationen und rabbinischen Urteilen Fußte; wie fromme Seidenraupen spannen die Schriftgelehrten den Faden unentwegt weiter, um jede denkbare Handlung des Menschen erfassen und beurteilen zu können. Es hatte der harten Arbeit ganzer Generationen von Rechtsgelehrten bedurft, um verbindlich festzulegen, dass man ein Ei nicht am Sabbat essen durfte, wenn der größere Teil davon den Leib der Henne bereits verlassen hatte, ehe ein zweiter Stern am Firmament erschien.

Um die Bücher, die das Gesetz mitsamt den dazu gehörenden Kommentaren enthielten, unterbringen zu können, brauchte es mittlerweile eine regelrechte Bibliothek, und um all seine Facetten auch nur zu resümieren, hätte man ein ganzes Komitee von Juristen einberufen müssen. Der junge Mann aus Galiläa schob diesen Kram mit einer Handbewegung beiseite und verkündete eine Wahrheit, die zugleich die herrschende Häresie enthüllte, indem er „das ganze Gesetz und die Propheten“ auf zwei Gebote reduzierte: „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte“ sowie „Du sollst denen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22,37-38.)

Es war dies die Bloßstellung und Verurteilung der grundlegenden Häresie, mit der Leviten und Pharisäer das Gesetz im Verlauf der Jahrhunderte in sein Gegenteil verkehrt hatte. Das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ findet sich zwar schon im Buch Leviticus (3. Mose 19; 18), doch unter dem „ Nächsten “ war einzig und allein der Mitjude zu verstehen. Jesus stellte die frühere, in Vergessenheit geratene Tradition der Liebe zum Nächsten unabhängig von seiner Rasse oder seinem Glauben wieder her; hierin lag ganz offensichtlich der Sinn Seines Ausspruchs: „Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ (Matthäus 5,17.) Er fügte hinzu: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“ (Matthäus 5,43-44.)

(Spitzfindige Kritiker wenden hier ein, das Gebot, seinen Feind zu hassen, finde sich im Alten Testament nirgends, doch ist klar, was Jesu mit dem betreffenden Satz meinte: Die unzähligen im Alten Testament verzeichneten Aufrufe zum Massenmord an Menschen, die nicht zu den „Nächsten“ zählen, beruhen auf nacktem Hass.)

Es war dies eine direkte Herausforderung des Gesetzes in seiner von den Pharisäern verkörperten Form. Eine weitere Herausforderung lag darin, dass es Jesus bewusst ablehnte, die Rolle des nationalistischen Befreiers zu spielen, der sich anheischig machte, den Judäern das ihnen verheißene Territorium Untertan zu machen. Hätte er sich hierauf eingelassen, so hätte er sicherlich weit mehr Anhänger gewonnen, und die Pharisäer hätten sich womöglich hinter ihn gestellt. Doch seine Absage an jede Form weltlicher Macht hätte schroffer kaum ausfallen können: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Johannes 18,36.) „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht nachgraben noch stehlen.“ (Matthäus 6,19-20.)

Jedes dieser einfachen Worte war eine implizite, aber unmissverständliche Herausforderung an die mächtigsten Männer, die es damals im Lande gab, und erschütterte die Religion, welche die Sekte im Verlauf von Jahrhunderten geschaffen hatte, bis in ihre Grundfesten.

Was das Alte Testament auf Hunderten von Seiten gelehrt hatte, widerlegte die Bergpredigt in einigen wenigen Sätzen. Sie stellte dem Hass die Liebe, der Rache die Barmherzigkeit, der Bosheit die gute Tat, der Abgrenzung die Nächstenliebe, der Diskriminierung die Gerechtigkeit, der Entstellung des Gesetzes seine Wiederherstellung und dem Tod das Leben entgegen. Sie begann (wie gewisse Kapitel des Deuteronomium) mit Segenssprüchen, ließ diesen aber keine Flüche folgen.

Das Deuteronomium lockte mit materiellen Gütern wie Land und Beute als Belohnung für die strenge Befolgung Tausender von „Geboten und Urteilen“, von denen manche den Mord befahlen. Die Bergpredigt versprach keinen irdischen Gewinn, sondern lehrte einfach, dass moralisches Verhalten, Demut, das Streben nach Gerechtigkeit, Gnade, Reinheit, Friedfertigkeit und Charakterstärke um ihrer selbst willen Segen und reichen geistigen Lohn erbringen würden.

Im Deuteronomium pflegten sich Segenssprüchen Flüche anzuschließen. Die Bergpredigt enthielt keine Drohungen; sie verlangte nicht, Übertreter des Gesetzes zu steinigen oder an einen Baum zu hängen, und lehrte nicht, gewisse Verstöße gegen das Gesetz könnten gesühnt werden, wenn man seine Hände im Blute einer jungen Kuh bade. Das Schlimmste, was dem Sünder zustoßen konnte, war, „der Letzte im Himmelreich“ zu sein; die schönste Belohnung, auf die der Tugendhafte hoffen durfte, bestand darin, „im Himmelreich groß genannt zu werden“.

Der junge Galiläer predigte niemals Unterwürfigkeit, sondern lediglich innere Demut, und in einem Punkt war und blieb er unerbittlich: In seinen Angriffen auf die Pharisäer.

Wie bereits erwähnt, bezeichnete das Wort „Pharisäer“ jemanden, der sich von unreinen Personen oder Dingen fernhält. Die Jewish Encyclopedia schreibt: „Lediglich in Bezug auf den Umgang mit der unreinen und ungewaschenen Menge unterschied sich Jesus klar von den Pharisäern.“ In diesem „lediglich“ offenbarte sich jedoch ein gewaltiger Unterschied – die unüberbrückbare Kluft zwischen der Vorstellung von einem Stammesgott und jener von einem Gott aller Menschen, zwischen dem Credo des Hasses und jenem der Liebe. Jesus hatte den Pharisäern den Fehdehandschuh hingeworfen, und sie hoben ihn unverzüglich auf, indem sie Ihm allerlei Fallen stellten:

„Und da Jesus von dannen ging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm. Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tische mit Jesus und seinen Jüngern. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum ißt euer Meister mit Zöllnern und Sündern?“ Nach dem pharisäischen Gesetz war letzteres eine schwere Sünde. Doch Jesus zeigte sich seinen Widersachern im Streitgespräch sehr wohl gewachsen: „Da das Jesu hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. […] Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“ (Matthäus 9,9-13.)

Die Pharisäer beobachteten Ihn und die Seinen weiterhin mit Argusaugen. Einmal sahen sie, wie Seine Jünger am Sabbat Ähren ausrauften (was ebenfalls einen Verstoß gegen das Gesetz darstellte) und sprachen: „Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat nicht erlaubt ist. “ Auch diesen Vorwurf vermochte Jesus mühelos zu kontern: „Habt ihr nicht gelesen, was David tat, da ihn und die mit ihm waren hungerte? Wie er in das Gotteshaus ging und aß die Schaubrote, die er doch nicht durfte essen noch die, die mit ihm waren, sondern allein die Priester?“ (Matthäus 12,2-4.) Immer wieder stellten die Pharisäer Ihm Fangfragen, die sich freilich niemals auf Glauben und Moral, sondern stets nur auf den Ritus bezogen: „Warum übertreten Deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Sie unterlassen die Waschung der Hände vor dem Essen?“ Ein weiteres Mal parierte Jesus die Anklage mit dem Hinweis auf eine Stelle im Alten Testament: „Ihr Heuchler, gar fein hat Jesaja von euch geweißagt und gesprochen [Jesaja 29,13] : Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir; vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.“ (Matthäus 15,8-9.)

Somit stellte Jesus klar, dass „das Gesetz“ nicht Gottes Gesetz, sondern das Gesetz der Leviten und Pharisäer, also Menschengebot war. Fortan war jeglicher Kompromiss ein Ding der Unmöglichkeit. Jesus „rief das Volk zu sich und sprach zu ihm: Höret zu und fasset es! Was zum Munde eingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was zum Munde ausgeht, das macht den Menschen unrein.“ (Matthäus 15,10-11.) Mit diesen Worten bekundete Jesus seine Geringschätzung für eines der am eifersüchtigsten gehüteten Vorrechte der Priesterschaft, die Festlegung der Speisegesetze mit ihren Schlachtritualen, dem Ausblutenlassen der Schlachttiere, der Definition von reinen und unreinen Speisen etc. All dies war für ihn „nichts als Menschengebote“, obwohl es Moses zugeschrieben wurde und die Pharisäer der strikten Befolgung der Speisegesetze höchste Bedeutung beimaßen. Wie erinnerlich hatte der Prophet Hesekiel, dem Jahwe befohlen hatte, zur Sühne für die Verletzung des Gesetzes durch das Volk auf Menschenkot gebackenes Brot zu essen, darauf hingewiesen, dass er sich stets streng an die Speisegebote gehalten hatte, worauf Jahwe seinen grässlichen Befehl abmilderte. Auch die Jünger standen anscheinend noch so sehr unter dem Einfluss der Speisegebote, dass sie nicht begriffen, weshalb nicht das, was zum Munde eingeht, sondern das, was vom Munde ausgeht, den Menschen unrein macht, und Jesus um eine Erklärung baten, da die Pharisäer an Seinen Worten „Ärgernis genommen“ hätten (Matthäus 15,12). Seine Antwort war für die Pharisäer abermals pure Häresie: „Merket ihr noch nicht, dass alles, was zum Munde eingeht, das geht in den Bauch und wird durch den natürlichen Gang ausgeworfen? Was aber zum Munde herausgeht, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung. Das sind die Stücke, die den Menschen unrein machen. Aber ohne Waschung der Hände essen macht den Menschen nicht unrein.“ (Matthäus 15,17-20.) Der letzte Satz war nach levitischem Gesetz ein weiterer schandbarer Frevel, und die Pharisäer „hielten Rat, wie sie ihn fingen in seiner Rede“ (Matthäus 22,15). Sie ersannen zwei tückische Fangfragen, mit deren Hilfe sie ihn zu Fall zu bringen hofften.

Die erste dieser beiden Frage lautete wie folgt: „Sage es, ist es recht, dass man dem Kaiser Steuer zahle, oder nicht?“ (Matthäus 22,17). Mit einem Nein hätte sich Jesus nach dem Gesetz der römischen Herrscher strafbar gemacht, und die Pharisäer hätten ihn unweigerlich bei der Besatzungsmacht denunziert.

Diese Methode ist noch heute, im 20. Jahrhundert, Gang und Gebe. Wer sich an öffentlichen Debatten beteiligt, weiß, dass die Gegenseite regelmäßig hinterlistige Fangfragen vorbereitet, die man in der Hitze des Gefechts oft nicht oder nicht korrekt beantworten kann. Gewiefte Diskussionsredner kennen verschiedene Kniffe, mit denen man sich um die Beantwortung solcher Fragen drücken kann, beispielsweise indem man „Kein Kommentar“ sagt oder mit einer Gegenfrage kontert. Eine tatsächliche und vollständige Antwort zu erteilen, anstatt zu solchen Ausflüchten zu greifen, und dabei seinen Grundsätzen treu zu bleiben, ist eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Sie verlangt unerhörte Schlagfertigkeit, Geistesgegenwart und gedankliche Klarheit. Die Antwort, die Jesus auf diese Frage der Pharisäer gab, war dermaßen großartig, dass kein sterblicher Mensch hoffen darf, es ihm gleichzutun:

„Da nun Jesus merkte ihre Bosheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? […] So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das hörten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon.“ (Matthäus 22; 18-22.)

Die zweite der beiden tückischen Fangfragen wurde von einem Schriftgelehrten gestellt, der von Jesus wissen wollte, was er tun müsse, um das ewige Leben zu erlangen. Als Jesus antwortete, er solle Gott von ganzem Herzen lieben und seinen Nächsten wie sich selbst, doppelte der Schriftgelehrte mit der nächsten, scheinbar harmlosen, doch in Wahrheit höchst verfänglichen Frage nach: „Wer ist denn mein Nächster?“

Welcher sterbliche Mensch hätte so geantwortet wie Jesus? Gewiss, der eine oder andere Sterbliche hätten die Frage nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet, obgleich er sich klar darüber war, dass er dadurch Kopf und Kragen riskierte; Märtyrer hat es schließlich immer gegeben. Doch Jesus tat weit mehr als dies: Er entwaffnete den Frager wie ein erfahrener Fechter, der seinem Widersacher den Degen mühelos aus der Hand schlägt. Der Schriftgelehrte wollte ihm die Aussage entlocken, auch der Heide sei ein „Nächster“, was einem Verstoß gegen das Gesetz gleichgekommen wäre. In der Tat antwortete Jesus in diesem Sinne, doch so, dass der Schriftgelehrte nichts dagegen einzuwenden vermochte. Weder zuvor noch später dürfte ein Schriftgelehrter je derart elegant schachmatt gesetzt worden sein!

Laut levitisch-pharisäischer Lehre war nur der Judäer ein „Nächster“, nicht aber der Heide, und aus bereits früher erwähnten Gründen galten die Samariter den Pharisäern als die verächtlichsten unter allen Heiden. Allein schon die Berührung durch einen Samariter wurde als Verunreinigung eingestuft, die nach dem Gesetz ein kompliziertes Säuberungsritual erforderte. Dass Jesus bei dem Gleichnis, in das er seine Antwort kleidete, die Rolle des „Nächsten“ ausgerechnet einem Samaritaner zuwies, zeugte von ungeheurer Kühnheit und war ein wahrhaftig übermenschlicher Geniestreich:

„Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. Es begab sich aber von ungefähr, dass ein Priester dieselbe Straße hinab zog; und da er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit; da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in einer Herberge und pflegte sein. Des anderen Tages zog er heraus zwei Silbergroschen und gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst dartun, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher dünkt dich, der unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?“ (Lukas 10; 30-36.)

Der in die Enge getriebene Schriftgelehrte brachte das verhasste Wort „Samariter“ nicht über die Lippen und antwortete einfach: „Der die Barmherzigkeit an ihm tat.“ Hierdurch verurteilte er unfreiwillig jene, in deren Namen er sprach, nämlich die Priester und die Leviten. Nachdem Jesus den Schriftgelehrten auf diese Weise gezwungen hatte, die bodenlose Heuchelei des Gesetzes bloßzustellen, mahnte er ihn: „So gehe hin und tue desgleichen“. (Lukas 10; 37.)

Ein gemäßigter jüdischer Autor, C. G. Montefiore, beklagt in seinem 1892 erschienenen Buch Religion of the Ancient Hebrews, dass Jesus eine Ausnahme von seinem Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ gemacht habe, indem er nie ein gutes Wort für die Pharisäer fand. Die Wissenschaftler mögen über diesen Punkt debattieren. Jesus wusste, dass die Pharisäer Ihn sowie jeden anderen, der sie entlarvte, umbringen würden. Es trifft durchaus zu, dass Er die Pharisäer (und mit ihnen die Schriftgelehrten) härter als jede andere Menschengruppe angeprangert hat, weil er in ihnen offensichtlich die für die Pervertierung des Gesetzes verantwortliche Sekte sah. Die unerbittlichste Verurteilung, die Er je ausgesprochen hat, lautet wie folgt:

„Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid gleichwie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat. So auch ihr; von außen scheint ihr von den Menschen fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und Übertretung. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut und schmücket der Gerechten Gräber und sprecht: Wären wir zu unsrer Väter Zeiten gewesen, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden an der Propheten Blut! So gebt ihr über euch selbst Zeugnis, dass ihr Kinder seid derer, die die Propheten getötet haben. Wohlan, erfüllet auch ihr das Maß eurer Väter! Ihr Schlangen, ihr Otterngezüchte! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?“ (Matthäus 23, 27-33.)

Manche Kritiker geben sich schockiert über die Härte der letzten Worte. Betrachtet man sie freilich in ihrem Zusammenhang mit den vorausgehenden Sätzen, so stellt man fest, dass sie eine deutliche Anspielung auf das bevorstehende Ende Jesu darstellen; hier spricht ein Mensch von seinen künftigen Mördern, und unter diesen Umständen konnten keine Worte hart genug sein. (Immerhin milderte er den furchtbaren Satz „Wohlan, erfüllet auch Ihr das Maß Eurer Väter!“ später mit den Worten ab: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23, 34.)

Die Dinge trieben nun rasch ihrem Höhepunkt zu. Es versammelten sich „die Hohepriester und die Ältesten des Volkes im Palast des Hohepriesters, der da hieß Kaiphas, und hielten Rat, wie sie Jesus mit List griffen und töteten“. (Matthäus 26; 3, 4.) Der einzige Judäer unter den zwölf Jüngern, Judas Ischariot, „und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen von den Hohepriestern und Ältesten des Volkes“ betraten den Garten Gethsemane, wo sich Jesus aufhielt. “Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s, den greifet. Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Gegrüßet seist du Rabbi! Und küsste ihn.“ (Matthäus 26, 47-49.)

Es lohnt sich durchaus, für einen Augenblick bei diesem Judas zu verweilen. Im 20. Jahrhundert wurde er zweimal zum Heiligen verklärt, zuerst nach der bolschewistischen Revolution in Russland und dann nach Hitlers Niederlage in Deutschland. Diese beiden Fälle zeigen, dass die Sekte, die zu Beginn unserer Zeitrechnung in Jerusalem mächtiger gewesen war als Rom, im zwanzigsten Jahrhundert im abendländischen Kulturkreis abermals die stärkste Macht darstellte.

Laut dem Matthäus-Evangelium hat sich Judas bald nach seinem Verrat erhängt, und wenn er die Todesart der „von Gott Verfluchten“ wählte, kann ihm seine Tat schwerlich Glück gebracht haben. Für zionistische Historiker vom Schlage Dr. Kasteins ist Judas eine sympathische Gestalt; Dr. Kastein erklärt, er sei ein guter Mensch gewesen, der von Jesus enttäuscht gewesen sei und deshalb „heimlich mit ihm gebrochen“ habe (der Ausdruck „heimlich brechen“ kommt nur in der zionistischen Literatur vor).

Die Pharisäer, die den Sanhedrin kontrollierten, urteilten als erste über Jesus; Er stand also vor dem, was man heute als „jüdisches Gericht“ bezeichnen könnte, obwohl der Ausdruck „Volksgericht“ wohl passender wäre; schließlich war Er von einem Denunzianten an seine Häscher verraten, von einem Mob ergriffen und vor ein Gericht gezerrt worden, das keine legale Befugnis zu Seiner Aburteilung besaß, und das gegen Ihn verhängte Todesurteil beruhte auf den Aussagen falscher Zeugen, die Ihn erfundener Verbrechen bezichtigten.

Die „Ältesten des Volkes“, welche den Gang der Ereignisse genau so lenkten wie in unseren Tagen die „Berater“ der nominellen Herrscher, konstruierten nun eine Anklage, die sowohl nach judäischem als nach römischem Gesetz nur das Todesurteil zur Folge haben konnte. Nach mosaischem Gesetz hatte Jesus gefrevelt, indem er sich als Messias bezeichnete; nach römischem Gesetz hatte er sich des Hochverrats schuldig gemacht, indem er vorgab, der König der Juden zu sein.

Der römische Landpfleger Pilatus tat, was er konnte, um den Forderungen der wutschnaubenden „Ältesten des Volkes“ nach der Hinrichtung des Angeklagten nicht stattgeben zu müssen. Dieser Pilatus war der Prototyp der britischen und amerikanischen Politiker des 20. Jahrhunderts. Er fürchtete die Macht der Sekte mehr als alles andere. Seine Frau bat ihn, Jesus zu verschonen. Wie ein echter Politiker versuchte er die Verantwortung auf einen anderen abzuwälzen, nämlich Herodes Antipas, den Tetrarchen von Galiläa, dessen Untertan Jesus als Galiläer war, aber Herodes „sandte ihn wieder zu Pilatus“ (Lukas 23; 11). Nun ließ Pilatus Jesus geißeln, in der Hoffnung, damit werde sich die Menge zufriedengeben; „die Juden aber schrien und sprachen: Lässt du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht“ (Johannes 19; 12), was der kaum verhüllten Drohung gleichkam, den Landpfleger beim römischen Kaiser anzuschwärzen. Angesichts dieser Drohung strich Pilatus die Segel, so wie ein britischer Gouverneur nach dem anderen und ein UN-Botschafter nach dem anderen angesichts der Drohung, ihn in London oder. New York anzuschwärzen, die Segel gestrichen hat. Genau wie diese Männer neunzehn Jahrhunderte später wusste Pilatus offenbar, dass ihn die Regierung, die ihn als Landpfleger nach Judäa entsandt hatte, seines Amtes entheben würde, wenn er nicht tat, was von ihm verlangt wurde.

Die Ähnlichkeit zwischen Pilatus und gewissen britischen Gouverneuren der Zwischenkriegszeit ist fürwahr verblüffend. Zumindest einer dieser Gouverneure muss sich dessen bewusst gewesen sein, denn als er sich telefonisch mit einem mächtigen zionistischen Rabbiner in New York in Verbindung setzte, fragte er scherzhaft, ob der Hohepriester Kaiphas wisse, dass Pontius Pilatus am Apparat sei.

Pilatus versuchte die Verantwortung für den Tod Jesu den Juden anzulasten: „So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz.“ Doch die Juden durchkreuzten dieses Ausweichmanöver mit Leichtigkeit: „Wir dürfen niemanden töten.“ (Johannes 18; 31.) Der Landpfleger unternahm einen weiteren Versuch, Jesus zu retten, indem er „dem Volk“ anheimstellte, ob es lieber Jesus oder den Raubmörder Barrabas begnadigen wollte. Seine Hoffnungen waren freilich vergeblich, denn „das Volk“ und „der Mob“ sind Synonyme, und der Mob lässt niemals Gnade walten, sondern tanzt stets nach der Pfeife der herrschenden Clique (was Pilatus wissen musste). In der Tat „überredeten die Hohepriester und die Ältesten das Volk, dass sie um Barrabas bitten sollten und Jesus umbrächten“ (Matthäus 27; 20).

Ihre Fähigkeit, die Menschenmenge zu beeinflussen, hat die Sekte bis zum heutigen Tage beibehalten.

Je mehr diese Geschehnisse in die Vergangenheit entrücken, desto eindrücklicher wirkt dieser weltgeschichtlich einzigartige Schlussakt. Der Purpurmantel, das Rohr, dass man Jesus zwecks Nachäffung eines Zepters in die Hand drückte, die Dornenkrone und die spöttischen Ehrungen, die man Ihm zuteil werden ließ – nur Pharisäerhirne konnten dieses makabre Ritual ersinnen, das den Sieg des Opfers heute um so großartiger erscheinen lässt. Der Weg nach Golgatha, die Kreuzigung Jesu zwischen zwei Schächern waren der sichtbare Beweis dafür, dass Rom an jenem Tage Handlangerdienste für die Sekte verrichtete, so wie Persien fünf Jahrhunderte zuvor das Werk der Leviten verrichtet hatte.

Die Pharisäer hatten die Judäer gelehrt, einen Messias zu erwarten, und nun ließen sie den ersten, der den Anspruch erhob, der Messias zu sein, ans Kreuz schlagen. Dies bedeutete, dass der wirkliche Messias noch erscheinen musste. Laut den Pharisäern stand die Ankunft des Königs aus dem Hause Davids, der seinem Volk die Weltherrschaft bescheren würde, noch bevor, und hieran hat sich bis heute nichts geändert.

In seinem Buch, dessen Thema die Geschichte des Judaismus seit seinen Anfängen ist, widmet Dr. Kastein dem Leben Jesu ein Kapitel. Nachdem er dargelegt hat, dass Jesus ein Versager gewesen sei, schließt er seine Ausführungen mit folgenden, vielsagenden Worten ab: „Sein Leben und Tod sind unsere Angelegenheit!“

1) Rabbiner Stephen Wise, während des Zeitraums von 1910 bis 1950 führender zionistischer Aktivist in den USA, bediente sich dieses Arguments aus offenkundigen politischen Gründen, nämlich zur Täuschung nichtjüdischer Zuhörer. Als er an Weihnachten 1925 bei einer „interkonfessionellen Veranstaltung“ in der Carnegie Hall eine Ansprache hielt, sagte er: „Jesus war ein Jude, kein Christ.“ Für diesen Ausspruch wurde er von der Gesellschaft orthodoxer Rabbiner der USA exkommuniziert, während ihn ein Verband christlicher Geistlicher als „Bruder“ willkommen hieß. Rabbi Wises Kommentar sprach für sich: „Ich weiß nicht, was schmerzhafter war: Die Tatsache, dass eine christliche Organisation mich als Bruder willkommen hieß und in ihrem Schoss aufnahm, oder der heftige Tadel der Rabbiner.“

 

Kapitel 11

Der pharisäische Phönix

Nun ereignete sich wiederum eines jener Paradoxe, an denen die Geschichte Zions so reich ist: Die Katastrophe, die wenige Jahrzehnte nach Jesu Tod über Judäa hereinbrach, bedeutete zugleich einen Triumph der Pharisäer, die fortan die unangefochtene Herrschaft über die Juden ausübten. Durch die Kreuzigung Jesu hatten sie sich eines „Propheten und Träumers von Träumen“ entledigt, der das Gesetz in den Staub zu werfen drohte. Während der kurzen Frist, die Judäa noch beschieden war, schalteten sie sämtliche anderen Parteien, die mit ihnen um die Macht unter diesem Gesetz gewetteifert hatten, gnadenlos aus.

Wie die Jewish Encyclopedia berichtet, fanden die Pharisäer nach dem Tode Jesu in Agrippa I., dem letzten judäischen König aus dem Geschlecht des Herodes, einen „Unterstützer und Freund“. Agrippa half ihnen bei der Ausmerzung der Sadduzäer, die von der Bühne verschwanden, so dass den Pharisäern die gesamte Macht zufiel. Wie einst die Leviten nach der Trennung Judas von Israel konnten sie in Jerusalem fortan schalten und walten, wie es ihnen beliebte, und wie damals folgte die Katastrophe auf dem Fuß. Doch wie weiland die Leviten erhoben sich auch die Pharisäer schon bald phönixgleich aus der Asche, so dass sich die Geschichte wiederholte.

Vor diesen Geschehnissen, während der letzten Jahre, die der kleinen und innerlich zerrissenen Provinz noch vergönnt waren, revidierten die Pharisäer das Gesetz – das „Menschengebot“, wie es Jesus abfällig genannt hatte – ein weiteres Mal. Dr. Kastein bemerkt hierzu: „Das jüdische Leben wurde durch die Lehren der Pharisäer geregelt; die ganze Geschichte Judas wurde von pharisäischem Standpunkt aus rekonstruiert… Das Pharisäertum formte den Charakter des Judentums sowie das Leben und Denken der Juden für alle Zeiten… Es macht den ‚Separatismus‘ zu seinem Hauptmerkmal.“

In anderen Worten: Unmittelbar nach Jesus, der das „Menschengebot“ scharf gegeißelt hatte, verstärkten die Pharisäer wie vor ihnen die Leviten den rassischen und stammesmäßigen Charakter sowie die Härte des Gesetzes noch weiter; am Vorabend der endgültigen Zerstreuung der Judäer unter die Völker wurde das Credo der Zerstörung, Versklavung und Unterjochung also abermals verschärft.

Dr. Kasteins Worte sind von besonderem Interesse. Wie bereits erwähnt, hatte er früher geschrieben, nach dem „neuen Bund“, den Nehemia den Judäern aufnötigte, sei die Thora „ein letztes Mal überarbeitet“ worden und seither habe man „kein Wort“ daran geändert. Außerdem gilt es der Tatsache Rechnung zu tragen, dass das Alte Testament bereits ins Griechische übersetzt war, als die Pharisäer ihre letzten Retuschen daran vornahmen, so dass sich diese ausschließlich auf das hebräische Original beziehen konnten. Unter diesen Umständen besteht Grund zur Annahme, dass Dr. Kastein an den Talmud gedacht hat, jene riesenhafte Fortsetzung der Thora, die anscheinend in den letzten Jahren Judäas in Angriff genommen wurde, auch wenn man sie erst viel später schriftlich niederlegte. Wie dem auch sei, das „Leben und Denken“ der Juden wurde „für alle Zeit“ geprägt, und der „Separatismus“ war das oberste Prinzip des Gesetzes.

Im Jahre 70, rund dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Tode Jesu, fiel alles in Trümmer. Das nicht enden wollende Chaos und die permanenten Unruhen in Judäa hatten dazu geführt, dass den Römern der Geduldsfaden riss. Die Pharisäer, die früher eine römische Intervention provoziert hatten und unter der römischen Besatzung die eigentlichen Herren des Landes gewesen waren, verhielten sich passiv. Die anderen Völker Palästinas, insbesondere die Galiläer, hatten sich nicht unter das römische Joch beugen wollen und Aufstände angezettelt, bis Rom seine Legionen ausschwärmen und Jerusalem dem Erdboden gleichmachen ließ. Judäa wurde zum eroberten Territorium erklärt, und sein Name verschwand von der Landkarte. Viele Jahrhunderte lang lebten in Jerusalem überhaupt keine Juden; das einzige Volk, das seit alttestamentarischer Zeit ununterbrochen in Palästina ansässig ist und von dem zumindest ein kleiner Teil sämtliche Verfolgungen überlebt hat, sind die Samariter.

Dr. Kastein nennt jene siebzig Jahre, die mit der Zerstörung Jerusalem durch die Römer endeten, das „heroische Zeitalter“, vermutlich weil die Pharisäer während dieser Epoche als Sieger aus dem Ringen um die Seele des Judentums hervorgegangen sind. Auf den Widerstandskampf gegen die römische Besatzungsmacht kann sich das Wort „heroisch“ schwerlich beziehen, denn dieser Kampf wurde in erster Linie von den nichtjüdischen Galiläern ausgefochten, von denen Dr. Kastein ausgesprochen wenig hält.

 

Kapitel 12

Licht und Finsternis

Ehe Jerusalem anno 70 n. Chr. fiel, durchschritten zwei Gruppen von Reisenden seine Tore. Die Jünger Jesu brachten der Menschheit eine neue Botschaft – das Christentum war geboren. Die Pharisäer, die vorausahnten, welches Unheil durch ihre Schuld über Jerusalem hereinbrechen würde, siedelten in ein neues Hauptquartier über, von dem aus die herrschende Sekte wie einst in Babylon die Juden in aller Welt zu beherrschen gedachte.

Diese beiden kleinen Gruppen von Reisenden waren die Vorhut zweier Parteien: der Partei des Lichts und der Partei der Finsternis. Wie ein Mensch und sein Schatten zogen sie fortan all die Jahrhunderte hindurch immer weiter nach Westen.

Die Krise, der sich das Abendland heute gegenübersieht, lässt sich direkt auf den Auszug dieser beiden Gruppen aus dem todgeweihten Jerusalem vor neunzehnhundert Jahren zurückführen, denn die Ideen, deren Träger sie waren, ließen sich unter keinen Umständen vereinbaren. Früher oder später musste die eine über die andere triumphieren, und nie zuvor besaß die zerstörerische Partei dermaßen greifbare Chancen auf den Sieg wie in unserer Generation.

In den Jahrhunderten, die dem unseren vorausgingen, war die Geschichte des Abendlandes im Wesentlichen eine Geschichte des Kampfes zwischen diesen beiden Ideen. Wenn das Gesetz der Leviten und Pharisäer die Oberhand gewann, machte das Abendland Menschen zu Sklaven, zerrte Ketzer vor Inquisitionsgerichte, schickte Querdenker auf den Scheiterhaufen oder aufs Schafott und huldigte primitiven Visionen von einer Herrenrasse. So gesehen war das 20. Jahrhundert jene Epoche, in der das Abendland seine schwersten Niederlagen erlitt. Wenn das Abendland Menschen und Nationen befreite, Gerechtigkeit zwischen ihnen walten ließ, jedermann das Recht auf einen fairen und öffentlichen Prozess zusprach, von der Idee einer Herrenrasse abrückte und Gott als Vater aller Menschen anerkannte, folgte es der Lehre jenes Mannes, der gekommen war, um „das Gesetz zu erfüllen“.

Nach der Eroberung Jerusalems prägten die Römer Medaillen mit der Aufschrift: Judae devicta, Judae capta (Judäa ist besiegt, Judäa ist geknechtet). Dieser Siegesruf war freilich verfrüht: Jerusalem mochte in Trümmern liegen, Judäa frei von Juden sein, aber die herrschende Sekte war quicklebendig und ließ sich nicht so leicht unterkriegen. Ihre Widersacher waren von den römischen Eroberern gänzlich aufgerieben worden, und sie hatte sich bereits in einem neuen „Zentrum“ eingenistet, in das sie sich vor dem Fall Jerusalems rechtzeitig abgesetzt hatte.

In ihrer neuen Hochburg herrschten die Pharisäer so unumschränkt wie einst die Leviten in Babylon, doch in der Außenwelt sichteten sie einen neuen Feind. Jene, die Christus als Messias anerkannt und ihren Glauben nach ihm benannt hatten, erwiderten diese Feindschaft nicht, huldigten sie doch dem Grundsatz: Liebet eure Feinde. Für die Pharisäer, deren oberstes Gebot Hasset eure Feinde lautete, stellte dies allein schon einen dreisten Affront und eine Herausforderung an die Sektenführer in ihrer neuen Zitadelle dar. Sie begriffen auf Anhieb, dass die neue Religion vernichtet werden musste, wenn das Gesetz seine Vorherrschaft wahren sollte und ließen sich auch durch jene mahnenden Stimmen nicht beirren, die (damals wie auch früher und später) in ihren eigenen Reihen laut wurden.

Die Mehrheit der Pharisäer fühlte sich allerdings stark genug, die neue Religion, gestützt auf ihr eigenes, menschengemachtes Gesetz zu „zerstören“, mochten hierzu auch Jahrhunderte erforderlich sein. Nachdem die Pharisäer die überlebenden Judäer ihrem Schicksal überlassen und ihr neues Hauptquartier in Jamnia (das immerhin noch in Palästina lag) aufgeschlagen hatten, nahmen sie ihr finsteres Geheimnis, wie man Macht über die Menschen erringt, mit sich in eine Welt, in der nichts mehr wahr wie zuvor.

Früher war ihre Stammesreligion eine unter vielen gewesen. Blutrache war unter den Menschen und den Sippen die Regel. Die „heidnischen“ Nachbarvölker mochten Abscheu und Furcht vor der außergewöhnlichen Grausamkeit und Rachsucht des judäischen Glaubens empfinden, doch der Unterschied zu ihren eigenen religiösen Vorstellungen war letzten Endes lediglich gradueller Art. Nun aber sah sich die herrschende Sekte einem Glaubensbekenntnis gegenüber, das jeden einzelnen Grundsatz ihres Gesetzes radikal in Frage stellte und sich von ihm unterschied wie der Tag von der Nacht. Darüber hinaus stellte die neue Weltreligion aufgrund ihres Geburtsortes und der Umstände, unter denen sie entstanden war, eine permanente Anklage gegen die Sekte dar.

Von ihrer neuen Hochburg aus schickten sich die Pharisäer an, diese bedrohliche Kraft mit Stumpf und Stiel auszurotten. Ihre Aufgabe war unvergleichlich schwieriger als jene der Leviten in Babylon; der Tempel lag in Schutt und Asche, und Jerusalem war menschenleer. Der Stamm Juda war bereits vor geraumer Zeit auseinandergefallen, und die Rasse der Judäer war in voller Auflösung begriffen. Was blieb, war eine „jüdische Nation“, deren Angehörige freilich allerlei fremdes Blut in sich aufgenommen hatten und über die gesamte bekannte Welt zerstreut waren. Das einzige, was sie zusammenhalten konnte, war die Macht des Stammesgedankens und die Hoffnung, das „auserwählte Volk“ werde in das ihm „verheißene Land“ zurückkehren. Außerdem galt es die Überzeugung dieser zerstreuten Nation wachzuhalten, dass ihre Aufgabe darin bestand, ihre Gastvölker zu vernichten.

In seiner der Außenwelt mittlerweile bereits bekannten Form konnte das Gesetz nicht mehr abgeändert oder um neue historische Kapitel erweitert werden. Dazu kam, dass Jesus den Schriftgelehrten vorgeworfen hatte, das ursprüngliche Gesetz verfälscht und durch „Menschengebote“ ersetzt zu haben. Gewiss, man hatte Ihn ans Kreuz geschlagen, doch damit hatte man Seine Kritik nicht widerlegt und Seinen Anhängern nicht den Mund gestopft, wie die stetig wachsende Anzahl der Christen bewies. So kraftvoll war Seine Herausforderung des Gesetzes gewesen, dass nicht einmal die Pharisäer hoffen durften, Skeptiker allein dadurch in die eigenen Reihen zurückzupfeifen, dass sie Jesus als „Verächter des Gesetzes“ schmähten.

Nichtsdestoweniger erforderten die sich stetig wandelnden Verhältnisse eine regelmäßige Neudeutung des Gesetzes, um dem „auserkorenen Volk“ vor Augen führen zu können, dass jedes beliebige Ereignis die Erfüllung einer Voraussage Jahwes war, auch wenn es zunächst durchaus nicht so aussah. Die Pharisäer in Jamnia, die auch weiterhin darauf beharrten, im Besitz der mündlich offenbarten Geheimnisse Gottes zu sein, begannen die „Gebote und Rechte“ so zu interpretieren, dass es den Anschein machte, sie bezögen sich auf das Christentum. Dies war die Geburtsstunde des Talmuds, der im Grunde genommen nichts weiter als der antichristliche Wurmfortsatz der Thora ist.

Der Talmud wurde im Verlauf der Jahrhunderte zum „Zaun um das Gesetz“, zur Palisade, welche das „auserwählte Volk“ nach außen abschirmte. Um seine Bedeutung zu erkennen, muss man den historischen Hintergrund betrachten, vor dem er entstand: Judäa existierte nicht mehr; „das Volk“ war unter allen Nationen der bekannten Welt zerstreut; eine neue Religion, die Gott als Vater aller Menschen und nicht bloß als Schutzherrn eines auserwählten Stammes betrachtete, hatte ihren Siegeszug angetreten.

Nach menschlichem Ermessen schien die Aufgabe, welche sich die Pharisäer gestellt hatten, vollkommen aussichtslos: Allzu groß musste die Verlockung, in der Menschheit aufzugehen, für das zerstreute Völklein sein! Doch die Geschichte hat bewiesen, dass das ehrgeizige Unterfangen der Pharisäer vom Erfolg gekrönt war. Dank dem Talmud war es ihnen gelungen, einen Zaun zwischen den Juden und den durch das Christentum aktivierten Kräfte der Integration zu errichten.

Zwei Beispiele aus jüngster Vergangenheit mögen veranschaulichen, welche Auswirkungen der Talmud noch viele Jahrhunderte nach seiner Erstellung zeitigt. Die Bücher der Gebrüder Thoreau ermöglichen dem Leser den einen oder anderen Blick hinter die Mauer, die der Talmud errichtet hat; in einem davon schildern sie einen kleinen Judenjungen in Polen, dem man beigebracht hatte, jedesmal, wenn er an einem am Straßenrand prangenden Kruzifix vorbeiging, auf dieses zu spucken und zu sagen: „Verflucht seiest du, der du eine neue Religion geschaffen hast.“ Im Jahre 1953 beschrieb ein junger Missionar der Jerusalemer Moravianerkirche die Übernahme des dortigen Krankenhauses für Aussätzige, das den Namen „The Jesus Mission“ trug, durch die Zionisten. Gleich als erstes übertünchten sie den Namen „Jesus“, der seit mehr als hundert Jahre über dem Eingangstor des Krankenhauses gestanden hatte.

Fälle wie diese (sowie das Verbot, den Namen Jesu zu erwähnen) gehen direkt auf die Lehren des Talmuds zurück; dieser war de facto ein weiteres „neues Gesetz“ mit spezifisch antichristlicher Stoßrichtung. Aus diesem Grund lässt sich die folgende Periode in der Geschichte Zions am treffendsten als jene der Talmudisten charakterisieren, welche nach den Leviten und den Pharisäern der dritten Phase dieser Geschichte ihren Stempel verliehen.

Während die Pharisäer, die man fortan Talmudisten nennen darf, in ihrer neuen Akademie in Jamnia an ihrem neuen Gesetz feilten, verbreitete sich die Botschaft Jesu Christi über das ganze römische Reich. Entscheidenden Anteil hieran hatte ein ehemaliger Pharisäer, Saulus von Tarsus, der vor dem Fall Jerusalems von dort nach Damaskus zog, um die Ketzer Mores zu lehren, unterwegs aber zum Gefolgsmann Christi wurde. Er predigte den Heiden ebenso wie den Juden, und als ihn die Juden deswegen lästerten, sprach er: „Euch musste zuerst das Wort Gottes gesagt werden; nun ihr es aber von euch stoßet und achtet euch selbst nicht wert des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden. Denn so hat uns der Herr geboten: Ich habe dich den Heiden zum Licht gesetzt, dass du das Heil seiest bis ans Ende der Erde.“ (Apostel 13; 46, 47.)

Laut Dr. Kastein hat jener Saulus, der zum Paulus wurde, „all jene, die er von der Wahrheit seiner Prophezeiung überzeugen konnte, zu Renegaten im weitesten Sinne gemacht, ob sie nun Juden oder Heiden waren“. Was Paulus sowie die anderen Apostel sagten, entsprach freilich voll und ganz dem Geiste jener Zeit, denn überall begannen sich Menschen zu dem Gott aller Menschen vorzutasten und wandten sich der Lehre Jesu zu, so wie Pflanzen aus dem Erdreich nach dem Lichte streben. Dieser erwachende Impuls mag auch der Grund dafür gewesen sein, dass es Jesus beschieden war, ausgerechnet unter den Judäern zu wirken, denn deren Stammesreligion war die fanatischste von allen, und da jede Aktion eine Reaktion hervorruft, entsprach es der Logik der Dinge, dass die Gegen-Idee dort erschien, wo der Druck am größten war.

Es war dies ein schicksalhafter Augenblick in der Geschichte des damals noch wenig bekannten und dünn besiedelten Weltteils, den man heute das Abendland nennt. Wären die Jünger nicht westwärts gewandert, so wäre das Abendland mit all dem, was es verkörpert, wohl niemals entstanden.

Was man gemeinhin als „abendländische Zivilisation“ bezeichnet, ist ohne das Christentum schlechthin nicht denkbar. Im Verlauf der neunzehn Jahrhunderte, die auf Jesus folgten, erlebte das Abendland eine derartige Entwicklung zum Höheren, dass es den Rest der Welt weit hinter sich ließ. Auf materieller Ebene war sein Vorsprung dermaßen groß, dass es sich zum Zeitpunkt, wo ich dieses Buch schreibe, anschickt, Schiffe ins Weltall zu entsenden und das Universum zu erforschen. Doch dies ist der geringere Teil seiner Errungenschaften. Weitaus wichtiger noch war seine Höherentwicklung auf geistigem und moralischem Gebiet. Das Abendland begründete das Prinzip, wonach jeder Mensch das Recht auf einen öffentlichen und gerechten Prozess sowie auf Freilassung bei Beweis seiner Unschuld hat. Dieses Recht, das im 20. Jahrhundert freilich wieder nachhaltig bedroht ist, stellt eine der gewaltigsten Errungenschaften der Menschheit dar; ob es Bestand haben wird oder nicht, ist entscheidend für ihre Zukunft.

Die Schatten, welche den Jüngern folgten, als sie kurz vor dem Fall Jerusalems dessen Tore durchschritten und ihre Reise antraten, folgten auch dem Christentum bei seiner Ausbreitung nach Westen, und die talmudische Sekte heftete sich all die Jahrhunderte lang hartnäckig an seine Fersen. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde das Abendland zum Schauplatz des Kampfes zwischen jenen Nationen, die mit dem Christentum entstanden waren, und der Sekte, die unbeirrbar an ihrer zerstörerischen Mission festhielt.

An diesem Kampf sind allerdings auch andere Parteien beteiligt. Gut fünf Jahrhunderte nach Jesus brachte die dem Menschen innewohnende Sehnsucht nach einem Gott aller Menschen eine weitere Eingottreligion hervor, die dem talmudischen Rassismus den Fehdehandschuh hinwarf. Träger des neuen Glaubens war ein semitisches Volk, die Araber.

Mohammed (den Dr. Kastein verächtlich als „halbgebildeten Beduinen“ abtut) hatte wie dereinst Saulus auf seinem Weg nach Damaskus eine Vision. Seine Lehre ähnelte derjenigen Jesu in mancher Hinsicht. Er anerkannte Jesus zwar nicht als Gesalbten oder Sohn Gottes, wohl aber als großen Propheten wie Abraham und Mose und sah sich selbst als Nachfolger Mose und Jesu und als Propheten Gottes, den er Allah nannte. Für ihn gab es nur einen Gott, Allah, den Schöpfer der Menschheit, der kein Stammesgott der Araber, sondern der Gott aller Menschen war.

Wie das Christentum predigte auch der Islam nicht den Hass. Mohammed äußerte sich voller Ehrfurcht über Jesus und seine Mutter, sehr im Gegensatz zum Talmud, die beide mit Schmutz übergießt. Die Juden hingegen galten ihm als zerstörerische, nur auf ihren eigenen Nutzen bedachte Gemeinschaft. Im Koran heißt es über sie: „Sooft sie ein Leuchtfeuer als Signal des Krieges entfachen, wird Gott es löschen. Und ihr Ziel wird sein, Unruhe auf der Welt zu stiften, aber Gott liebt die Unruhestifter nicht.“ In diesem Sinne haben sich weise Männer all die Jahrhunderte hindurch über den Stammesglauben und die Sekte geäußert, bis hin in unser zwanzigstes Jahrhundert, ehe jede öffentliche Erörterung der Frage de facto verboten wurde.

So wurde der Islam geboren; wie sich das Christentum westwärts und der Buddhismus schon vor ihm ostwärts verbreitet hatte, verbreitete er sich über die Länder südlich des Mittelmeers und im Osten bis hin nach Indien. Drei gewaltige Ströme waren entsprungen, denen eines fernen Tages beschieden sein wird, zusammenzufließen, denn die Unterschiede zwischen diesen Weltreligionen sind in keinem einzigen Punkt unüberwindlich, und in der Verwerfung der Vorstellung von der Herrenrasse sowie der zerstörerischen Idee sind sie sich einig.

Das Christentum und der Islam gewannen einen erheblichen Teil der Menschheit für sich und kanalisierten so den dem Menschen innewohnenden monotheistischen Impuls. In schroffem Gegensatz zu diesen Weltreligionen blieb das Judentum weiterhin in seinem Stammesdenken gefangen, und der innere Kreis der Sekte wachte mit Argusaugen darüber, dass es so blieb.

Im 20. Jahrhundert gelang es der mächtigen Sekte, die christlichen und die islamischen Völker gegeneinander aufzuhetzen. Falls die heutige oder die nächste Generation Zeuge eines gewaltigen Krieges zwischen diesen beiden Weltreligionen werden sollte, wird dessen einziger Zweck darin bestehen, die Sekte mitsamt ihrer Lehre von der Herrenrasse zu stärken.

Zu dieser seltsamen Konstellation hat also der Auszug der beiden Parteien aus Jerusalem vor neunzehnhundert Jahren geführt.

 

Kapitel 13

Der Zaun um das Gesetz

Die Geschichte Zions lässt sich in fünf deutlich unterscheidbare Phasen untergliedern: Die Epoche der Leviten, die Epoche der Pharisäer, die Epoche der Talmudisten, das kurze Zwischenspiel der „Emanzipation“ sowie die Epoche der Zionisten. Bei unserer Darstellung sind wir mittlerweile zur dritten Epoche vorgestoßen.

Die levitische Periode begann im isolierten Juda; ihren Fortgang nahm sie während der babylonischen „Gefangenschaft“ sowie nach der Rückkehr, als das mosaische Gesetz schriftlich festgelegt und dem Volk aufgezwungen wurde. Die anschließende pharisäische Periode fiel im großen ganzen mit der Zeit der römischen Herrschaft über die Provinz Judäa zusammen, die mit der Zerstörung Jerusalems, der Zerstreuung der letzten Judäer, der uneingeschränkten Herrschaft der Pharisäer sowie der Übersiedlung der „Regierung“ in ihre neue Hochburg Jamnia ihren Abschluss fand.

Die dritte, talmudistische Phase war mit Abstand die längste, dauerte sie doch nicht weniger als siebzehn Jahrhunderte, von 70 bis ca. 1800 n. Chr. Während dieser Epoche ließ sich ein Großteil des Judentums in Europa nieder, und die „Regierung“ wachte von wechselnden „Zentren“ aus argwöhnisch darüber, dass die über viele Länder zerstreute Nation unter ihrer Kontrolle blieb, das Gesetz befolgte und sich von den anderen Völkern abgrenzte.

Da die talmudistische Phase in denselben Zeitraum fiel wie die Entstehung und Blüte der christlichen abendländischen Zivilisation, lag es in der Natur der Dinge, dass das Christentum ins Fadenkreuz der Sekte geriet und sich die zerstörerischen Gebote des Gesetzes jetzt spezifisch gegen die Christen (und nicht wie früher ganz allgemein gegen „Heiden“, „Fremdlinge“ und „andere Götter“) richteten.

In den Augen der herrschenden Sekte und ihrer frommen Anhänger war diese lange, vom abendländischen Standpunkt aus so unermesslich bedeutsame Zeitspanne im Prinzip genau so unwichtig wie die babylonische. Dass letzteres ganze fünfzig Jahre gedauert hatte, erstere hingegen volle siebzehn Jahrhunderte, fiel nicht sonderlich ins Gewicht: Beide waren ihrem Wesen nach Epochen des Exils, beide mussten nach dem Gesetz mit der Vernichtung der „Unterdrücker“, dem Triumph der Juden und einer neuen „Rückkehr“ enden, wobei einem neuen Daniel die Aufgabe zufallen würde, diese Entwicklung einzuläuten.

Die siebzehn talmudistischen Jahrhunderte waren nach dem Wortlaut des Gesetzes eine Epoche der „Gefangenschaft“; dem Gesetz zufolge schmachtet das auserwählte Volk nämlich immer in der Gefangenschaft, wenn es außerhalb Jerusalems lebt, und diese Gefangenschaft ist definitionsgemäß stets eine Verfolgung . Dementsprechend vermag ein strammer Zionist wie Dr. Kastein diesen siebzehn Jahrhunderten, die den Aufstieg und die Blüte des Christentums sahen, herzlich wenig Positives abzugewinnen und begnügt sich damit, die „Verfolgungen“ der Juden zu schildern, die sich während dieser Epoche abgespielt haben; alles andere ist für ihn belangloses Hintergrundgetöse. Die ganze Zeit hindurch hatte sich Jahwe der „Heiden“ bedient, um die Juden für ihre Verfehlungen zu züchtigen, zugleich jedoch den Triumph seines auserkorenen Volkes vorbereitet, das den „Heiden“ die erlittenen Peinigungen dereinst mit Zins und Zinseszinsen heimzahlen würde. Das einzige erfreuliche Resultat dieser siebzehn christlichen Jahrhunderte ist für Dr. Kastein, dass die Juden dank ihren talmudistischen Herrschern weiterhin von der Menschheit getrennt lebten.

Dies war in der Tat erstaunlich; die ganze Geschichte negativer Errungenschaften verzeichnet nichts, das sich mit dieser Leistung der Weisen von Zion vergleichen ließen. Mit dem Talmud hatten sie jenen „Zaun um das Gesetz“ errichtet, der siebzehnhundert Jahre lang dem Druck sämtlicher zentrifugalen Kräfte, welche ein Aufgehen der Juden in der Menschheit begünstigten, erfolgreich widerstand.

Während die Führer der Sekte diesen Zaun verstärkten, bemühte sich die europäische Menschheit nach der Annahme des Christentums in einem mühsamen, viele Jahrhunderte dauernden Prozess, ihr moralisches Gesetz auf das Alltagsleben anzuwenden, indem sie Leibeigenschaft und Sklaverei abschaffte, Klassenprivilegien und Ungleichheit verringerte und ganz allgemein die Würde des Menschen förderte. Dieser Vorgang ist als „Emanzipation“ bekannt geworden, und um das Jahr 1800 herum war er soweit gediehen, dass er das System der absoluten Herrscher und der von Geburt privilegierten Kasten endgültig aus den Angeln gehoben hatte.

Unter der Leitung ihrer talmudistischen Führer fochten die Juden beim Kampf um die Emanzipation in vorderster Reihe mit. Dies war an und für sich nur recht und billig. Die christlichen Massen waren von Anfang an der Überzeugung gewesen, dass die von ihnen ersehnten Freiheiten eines Tages allen Menschen zugute kommen würden, ganz unabhängig von ihrer Rasse, Klasse oder Religion; dies war der grundlegende Sinn ihres Kampfes, und hätten sie sich mit weniger zufrieden gewesen, so hätten sie Verrat an sich selbst begangen.

Nichtsdestoweniger lag im Fall der Juden ein offenkundiges Paradox vor, das deren Gastvölker stutzig werden ließ und mit Besorgnis erfüllte. Das jüdische Gesetz verkündet die Lehre von der Herrenrasse in seiner arrogantesten und brutalsten Form – wie konnten die Juden da anderen Völkern das Recht auf ihren eigenen Nationalismus absprechen? Weshalb forderten die Juden die Einreißung aller Schranken zwischen den verschiedenen Menschengruppen, wenn sie selbst eine noch weit höhere Schranke zwischen sich und dem Rest der Menschheit errichtet hatten? Wie konnte ein Volk, das behauptete, Gott habe die Welt nur geschaffen, damit es über sie herrschen könne, und er habe ihm verboten, sich mit anderen Nationen zu vermischen, über „Diskriminierung“ klagen?

Heute, wo weitere anderthalb Jahrhunderte verflossen sind, haben die geschichtlichen Ereignisse eine eindeutige Antwort auf diese Fragen erteilt.

Tatsache ist, dass der jüdischen Forderung nach Emanzipation in keiner Weise die hehre Idee der menschlichen Freiheit zugrunde lag, denn das jüdische Gesetz stellte eine radikale Verneinung dieser Idee dar. Die talmudistischen Judenführer hatten mit sicherem Instinkt begriffen, dass der rascheste Weg zur Beseitigung der Hindernisse, die ihnen die Herrschaft über den Rest der Menschheit verwehrten, in der Zerstörung der legitimen Regierungen der anderen Völker lag, und um dies zu erreichen, mussten sie das Banner der „Emanzipation“ schwenken.

Sobald diese Emanzipation ihnen Tür und Tor geöffnet hatte, konnten sie die anderen Nationen mit einem revolutionären Virus infizieren, das zur Zersetzung sämtlicher rechtmäßigen Regierungen führen musste. Dann konnten Revolutionäre die Macht ergreifen, und diese Revolutionäre würden talmudistisch geschult sein und an den Fäden talmudistischer Strippenzieher tanzen. Alles, was sie taten, würde dem mosaischen Gesetz entsprechen. Auf diese Weise konnte man im Abendland eine Neuauflage des Untergangs von Babylon inszenieren.

Die bisherige Geschichte unseres zwanzigsten Jahrhunderts belegt mit hinreichender Klarheit, dass dies in der Tat das Ziel war, auf das die Talmudisten während der dritten Phase der Geschichte Zions, also von 70 bis ca. 1800 n. Chr., beharrlich hingearbeitet hatten. Somit wohnte dem Begriff „Emanzipation“ für die talmudistischen Führer des Judentums eine vollkommen andere Bedeutung inne als für die christlichen europäischen Völker, unter denen die Juden lebten. Für letztere war die Emanzipation ein Ziel an sich: Das Ende der Knechtschaft. Für die mächtige Sekte war sie bloß ein Mittel zum Zweck, ein Werkzeug zur Schmiedung eines neuen, fürchterlichen Jochs.

Dieses Unternehmen war allerdings mit einem ungeheuren Risiko befrachtet: Die Niederreissung der Schranken zwischen den verschiedenen nichtjüdischen Menschengruppen konnte nur allzu leicht auch die Schleifung der Barrikaden zwischen den Juden selbst und dem Rest der Menschheit nach sich ziehen. Dies hätte den Plan zum Rohrkrepierer werden lassen, weil er die Auflösung jenes Volkes bewirkt hätte, dessen historische Mission es war, nach der Erkämpfung seiner Emanzipation sämtliche anderen Nationen „in den Staub zu werfen und zu vernichten“.

Genau dies wäre während der kurzen vierten Phase der Geschichte Zions um ein Haar geschehen, der Phase der Emanzipation, die ziemlich genau mit dem 19. Jahrhundert zusammenfiel und die Gefahr der Assimilierung akut werden ließ. In diesem Jahrhundert der „Freiheit“ bekundeten sehr viele Juden in Westeuropa sowie der Neuen Welt den Wunsch, die Ketten des jüdischen Gesetzes abzuschütteln und sich mit den anderen Völkern zu vermischen. Dies ist der Grund dafür, dass der zionistische Historiker Dr. Kastein das 19. Jahrhundert als das dunkelste Zeitalter der gesamten jüdischen Geschichte einstuft, in dem die tödliche Gefahr des Aufgehens in der Menschheit über den Juden schwebte – eine Gefahr, die glücklicherweise gebannt werden konnte. Allein schon die Vorstellung, die Zerstörung der jüdischen Religions- und Rassenschranken hätte zur Assimilierung und damit zum allmählichen Verschwinden der Juden führen können, erfüllt Dr. Kastein mit kaltem Grausen. Folgerichtigerweise tadelt er die Emanzipationsbestrebungen des 19. Jahrhunderts als „rückständig“ und dankt Gott dafür, dass die „zionistische Ideologie“ die Juden vor dem grausen Los der Assimilation bewahrt hat.

So kam es zur fünften Phase, die ungefähr um 1900 begann und in der wir leben. Der talmudistische Zaun hatte geschwankt, doch er war nicht umgestürzt, und am Ende der vierten Phase lebten die Juden weiterhin unter ihrem Gesetz, mochten sie dem Verständnis ihrer Gastvölker nach auch voll emanzipiert sein. Jene, die dem Gesetz mittels Assimilierung entrinnen wollten, wurden durch die mystische Kraft des Nationalismus in die Umfriedung ihres Stammes zurückgelockt.

Unter konsequenter Ausnutzung der dank der Emanzipation gewonnenen Macht über verschiedene Regierungen gelang es der Sekte, eine abermalige „Rückkehr“ in das „gelobte Land“ zu inszenieren und so das Gesetz von 458 v. Chr. mitsamt seiner destruktiven, imperialistischen Mission zu erfüllen. Das Weltjudentum wurde in einen Taumel chauvinistischer Raserei versetzt, dessen Auswirkungen heute noch gar nicht abzuschätzen sind; die den Juden offenstehenden enormen Möglichen zur Einflussnahme auf westliche Regierungen wurden zielstrebig genutzt, mit dem Ergebnis, dass die grauenvollen Zerstörungen, welche die abendländische Welt im 20. Jahrhundert hinnehmen musste, letzten Endes das Resultat der alten, ehrgeizigen Bestrebungen Zions sind, die, in ein neues Gewand gehüllt, zum Dogma der westlichen Politik wurden.

Während ich diese Zeilen niederschreibe, ist diese Phase in ihr sechstes Jahrzehnt getreten, und die bisherigen Ergebnisse bieten Anlass zu tiefstem Pessimismus. Das mosaische Gesetz regelt heute das Leben der westlichen Völker, die de facto diesem und nicht ihren eigenen Gesetzen unterstehen. Die politischen und militärischen Operationen der beiden Weltkriege dienten in letzter Konsequenz den Zielen der Zionisten: um diese zu fördern, wurde das Blut Europas vergossen, wurden die Schätze Europas verschachert.

Jedem Einsichtigen ist klar, dass die vierzig Jahre ständigen Blutvergießens im Nahen Osten lediglich ein fahles Vorspiel zu kommenden Gräueln darstellen. Palästina ist ein Krisenherd, wo jederzeit ein dritter Weltkrieg ausbrechen kann, und selbst wenn er anderswo ausbricht, wird er letztendlich den Zielen Zions dienen, denn dieses wird sich erst dann zufrieden geben, wenn ein unvergleichlich größerer Teil des Nahen Ostens als der heutige Staat Israel erobert ist, die „anderen Götter“ vertrieben und alle „heidnischen“ Völker zu Sklaven geworden sind.

Dr. Kastein sieht in dieser fünften Phase das goldene Zeitalter, in dem die Geschichte nach dem von jüdischem Standpunkt aus sinnlosen Interregnum der christlichen Ära „wiederbeginnen kann“ und der Zionismus „als Vollstrecker einer weltweiten Mission“ sein historisches Erbe antreten und die Weltherrschaft erringen wird, die man ihm im Jahre 70 n. Chr., als die Geschichte „unterbrochen“ wurde, verruchterweise verwehrt hat.

Wir sind nun bei der dritten Phase der Geschichte Judas angelangt, jener langen Zeitspanne, zu deren Auftakt die talmudistischen Schriftgelehrten in der Akademie von Jamnia das Gesetz in zäher Webarbeit zu einem gigantischen Spinnennetz ausbauten, dem ein Jude kaum entrinnen konnte, ohne Kopf und Kragen zu riskieren. So wurde das scheinbar Unmögliche möglich: Ein kleines, über alle Länder der damals bekannten Welt zerstreutes Volk wurde volle siebzehn Jahrhunderte lang vom Rest der Menschheit abgesondert und für eine zerstörerische Mission geschult, die im 20. Jahrhundert nach Christus zur Ausführung gelangen sollte.

In den folgenden Kapitel wollen wir etwas näher mit dieser bemerkenswerten Periode der Vorbereitung und Organisation auseinandersetzen, während der die Sekte das mosaische Gesetz mit einem Zaun umgab, um das Volk, dem die Ausführung der zerstörerischen Mission oblag, vor dem verderblichen Virus der Freiheit zu schützen.

Kapitel 14

Die mobile Regierung

Die pharisäischen Weisen, die ihren Sitz kurz vor der im Jahre 70 n. Chr. erfolgten Zerstörung Jerusalems nach Jamnia verlegt hatten, orientierten sich am Vorbild der Leviten in Babylon. Sie gedachten ein Machtzentrum zu schaffen, von dem aus sie ihre mittlerweile über zahllose Länder zerstreuten Untertanen wirksam kontrollieren konnten. Dabei kamen ihnen die in Babylon und Jerusalem gesammelten Erfahrungen ebenso zugute wie die Jahrhunderte alten Geheimnisse, in die sie eingeweiht waren, und es gelang ihnen, eine mobile Regierung zu begründen, die bis zum heutigen Tage die Macht über die Juden ausübt.

Vor der letzten Schlacht gegen Rom siedelte, um Dr. Kastein zu zitieren, „eine Gruppe von Lehrern, Gelehrten und Erziehern, welche die Verantwortung für das Geschick ihres Volkes auf ihre Schultern nahmen und so dessen Zukunft für alle Zukunft gestalteten, nach Jamnia über… In Jamnia wurde eine zentrale Organisation zur Lenkung des jüdischen Volkes aus dem Boden gestampft… Wenn eine Nation so vernichtend geschlagen worden ist wie damals die Juden, geht sie normalerweise zugrunde. Das jüdische Volk ging jedoch nicht zugrunde… Es hatte bereits während der babylonischen Gefangenschaft gelernt, sich veränderten Bedingungen anzupassen… Und nun wählte es eine ähnliche Strategie.“

In Jamnia wurde der alte Sanhedrin, der Legislative, Judikative und Exekutive zugleich gewesen war, unter einem anderen Namen neu gegründet. Außerdem wurde eine Akademie geschaffen, welcher die Weiterentwicklung des Gesetzes oblag. Dort fuhren die Schriftgelehrten fort, Jahwes Pläne zu offenbaren und das Gesetz, von dem schon mehrfach behauptet worden war, es habe seine endgültige Form gefunden, weiterzuentwickeln. Da das Gesetz dem Dogma zufolge jeden einzelnen Aspekt des jüdischen Lebens zu regeln hat und sich die Umwelt, in der die Juden leben, kontinuierlich wandelt, kann von einer „endgültigen“ Fassung des Gesetzes in der Tat keine Rede sein: es muss fortwährend durch neue Zusätze erweitert werden.

Allein schon diese Tatsache machte regelmäßige Revisionen des Gesetzes notwendig; dazu kam jedoch ein neuer Faktor in Gestalt des aufblühenden Christentums, und es erwies sich als unabdingbar, die Haltung des Judentums gegenüber dieser aufstrebenden Kraft verbindlich festzulegen. So erhielt die Thora einen monströsen Wurmfortsatz in Gestalt des Talmud, von dem es hieß, er sei genauso wichtig, wenn nicht gar wichtiger als die Thora selbst.

Von Jamnia aus wachten die Weisen von Zion streng über die Einhaltung des Gesetzes, das, so Dr. Kastein, „eine unüberwindliche Sperre gegenüber der Außenwelt bildete“, eine „gnadenlose Disziplin erzwang“ und „Bekehrungswillige auf Distanz hielt“. Damit wurde das Ziel verfolgt, „das Leben der Juden grundlegend anders zu gestalten als jenes der Nichtjuden“. Jedes Gesetz, das im Sanhedrin die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt hatte, war für die weit zerstreuten jüdischen Gemeinden zwingend gültig; „Kritikern drohte der Bannfluch, was dem Ausschluss aus der Gemeinschaft gleichkam“.

Auf diese Weise wurde „der Mittelpunkt des Kreises schließlich fixiert und der Kreis selbst in Form des Gesetzes und des Zauns, der das Volk umgab, fein säuberlich umrissen “. Während dieses Zeitraums (das Christentum war in Rom noch nicht zur Staatsreligion geworden) erteilte das „Zentrum“ den Juden über seine geheimen Kanäle die Erlaubnis, ihren Glauben nach außen hin zu verleugnen und zum Schein zu einer „heidnischen Religion“ überzutreten, sofern die Umstände dies erforderten.

Rund ein Jahrhundert lang hatte die Regierung in Jamnia ihren Sitz; dann siedelte sie nach Usha in Galiläa über, wo der Sanhedrin neu konstituiert wurde. „Das Judentum auferlegte sich selbst Beschränkungen und grenzte sich immer schroffer von seiner Umwelt ab“, hält Dr. Kastein fest. Während dieser Zeit wurden zum Christentum übergetretene Juden formell mit einem Fluch belegt. Im Jahre 320 bekehrte sich der römische Kaiser Konstantin zum christlichen Glauben und erließ Gesetze, welche Eheschließungen zwischen Christen und Juden untersagten und es den Juden verboten, christliche Sklaven zu halten. Dies war nichts weiter als eine natürliche Reaktion auf das jüdische Gesetz der Absonderung sowie die von der talmudistischen Regierung in Usha geförderten Praxis, „Fremde“ zu Sklaven zu machen, doch den Juden galt dergleichen als „Verfolgung“, und um sich dieser „Verfolgung“ zu entziehen, verlegte die Regierung ihren Sitz nach Babylonien. Dort existierte immer noch eine intakte jüdische Gemeinde, die Nachfolger jener Judäer, die acht Jahrhunderte zuvor die Fleischtöpfe Babylons der Rückkehr nach Jerusalem vorgezogen hatten. Als Regierungssitz wählte die talmudistische Regierung die Stadt Sura, während die Akademien in Pumbedita neu begründet wurden.

Der in Jamna und Usha begonnene Talmud wurde in Sura und Pumbedita vollendet. Dr. Kastein schwärmt, überall sei „ein Ring von gewaltigem Ausmaß und kolossaler Elastizität“ um die Juden errichtet worden; der mystische Kreis der Furcht und des Aberglaubens wurde enger gezogen. Von Sura aus herrschte ein Exilarch (so nannte man die dem Hause David entstammenden politischen Führer der im Exil lebenden Juden), doch dieser wurde mit der Zeit zur bloßen Vorzeigefigur. Schon bald legte, um abermals Dr. Kastein zu zitieren, „der Vorsitzende der Akademie“ (d. h. der Hohepriester und „Premierminister“) die Regeln und Bestimmungen „nicht nur für die babylonischen Juden, sondern für das Judentum in seiner Gesamtheit“ fest. „Die Juden in aller Welt anerkannten die Akademien in Babylon als rechtmäßiges Zentrum des Judentum, und jedes dort verabschiedete Gesetz galt als verbindlich.“

Dies heißt, dass die Nation innerhalb der Nationen, der Staat innerhalb der Staaten an das talmudistische Zentrum in Babylonien gekettet war und von ihm gelenkt wurde.

Der Kern des Dogma waren auch weiterhin die von Hesekiel, Esra und Nehemia geschaffenen und erzwungenen Gebote, aber de facto hatte der Talmud die Thora in den Hintergrund gedrängt, so wie die Thora seinerzeit die „mündlichen Traditionen“ verdrängt hatte. Die Oberhäupter der Institutionen in Sura und Pumbedita wurden Gaonim genannt und herrschten autoritär über die über alle Herren Länder zerstreuten Juden. Die schattenhaften Exilarchen, die später als Nasim, „Prinzen“, bezeichnet wurden, waren wenig mehr als Hampelmänner der geistlichen Macht, die auch den Sanhedrin kontrollierte und befugt war, ihm seiner Vollmacht zu entziehen. Wenn sich Juden irgendwo auf der Welt über die korrekte Auslegung oder Anwendung des Gesetzes in einer Alltagsfrage im Unklaren waren, wurden die Gaonim zu Rate gezogen. Diese fällten dann im Namen Jahwes Entscheidungen und Urteile, die alle Juden der Welt akzeptieren mussten, wollten sie nicht der Ächtung anheimfallen.

So gerieten sämtliche Juden, wo immer sie ansässig sein mochten, unter den lähmenden Einfluss des Talmud. Dr. Kastein schreibt, dieser habe sich „wie ein eng gewobenes Netz… über Arbeitstage und Feiertage, über Handlungen und Gebete der Gläubigen, über ihr ganzes Leben und jeden einzelnen ihrer Schritte“ gelegt, und fährt fort: „Kein einziger Aspekt ihres sichtbaren Lebens wurde fortan noch durch willkürlichen Entscheidungen geregelt oder dem Zufall anheimgestellt.“ Das Bild, das Dr. Kastein hier zeichnet, ist das eines absoluten Despotie, die sich von anderen totalitären Herrschaftsformen nur dadurch unterscheidet, dass die Despoten und ihre Untertanen räumlich weit voneinander entfernt lebten. Wenn eine dermaßen straff kontrollierte Volksgruppe eine segensreiche Mission zu erfüllen hat, kann sie anderen Völkern unermessliche Vorteile bringen; ist ihre Aufgabe hingegen zerstörerischer Art, so wirkt sie wie eine Sprengladung in einem Felsen, die aus sicherer Entfernung durch den Druck auf einen Knopf gezündet wird.

Sechshundert Jahre lang residierte die talmudistische Regierung in Jamnia, Usha und Sura, also unweit der Urheimat der Judäer. Die umliegenden orientalischen Völkerschaften wussten, mit wem sie es zu tun hatten, und sorgten dafür, dass ihnen die barbarische Stammesreligion nicht allzu gefährlich wurde. Solange die Talmudisten keine Rückendeckung seitens fremder Herrscher genossen, waren ihre Nachbarn durchaus imstande, mit ihnen einen Modus vivendi zu finden und sogar mehr oder weniger freundschaftlich mit ihnen zusammenzuleben.

Doch dann vollzog sich ein Ereignis, dessen fatale Auswirkungen erst in jüngster Vergangenheit so richtig spürbar wurden: Die talmudistische Regierung verließ den Nahen Osten und siedelte in das inzwischen christlich gewordene Europa um. Fortan hatte sie ihren Sitz unter Völkern, denen ihr Dogma und ihre Methoden seltsam und unbegreiflich vorkamen. Dies führte im Lauf der Jahrhunderte immer wieder zu heftigen Zusammenstößen zwischen den ehrgeizigen Eindringlingen mit ihrer fremden Religion und den auf Wahrung ihrer eigenen Interessen bedachten Einheimischen; in unserem Jahrhundert haben diese Konflikte ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Der europäische Mensch, insbesondere der nordeuropäische, ist von Natur aus offenherzig und bedient sich der Sprache, um seine Wünsche und Absichten kundzutun. Dieser ihm eigene Charakterzug wurde durch das Christentum noch verstärkt. Der Orientale, der sich zunehmend in Europa breitmachte, war von ganz anderer Wesensart: Er war ein geborener Ränkeschmied, liebte Geheimnistuerei und Intrigen, und die Sprache diente ihm dazu, seine wahren Absichten zu verschleiern. Dank diesen Eigenschaften waren die fremden Eindringlinge gegenüber ihren europäischen Gastvölkern von Anfang an im Vorteil.

Das Vordringen der Sekte nach Europa war die Folge der islamischen Expansion. Unter dem grünen Banner des Propheten hatten die Araber die Römer aus Palästina vertrieben, so dass dessen alteingesessene Bewohner, die schon zwei Jahrtausende vor dem Einfall der ersten hebräischen Stämme dort gelebt hatten, endlich Herr im eigenen Haus waren; sie sollten es bis zum Jahre 1517 bleiben, als die Türken Palästina unterjochten.

Hier lohnt sich ein Vergleich zwischen der islamischen und der judäischen Behandlung von Kriegsgefangenen. Als die Araber anno 637 zum Sturm auf Palästina ansetzten, erteilte ihnen der Kalif einen Befehl folgenden Wortlauts: „Ihr sollt nicht verräterisch oder treulos handeln, keine Grausamkeiten begehen und niemanden verstümmeln, keine Kinder oder Greise töten, keine Palmen oder Obstbäume fällen oder verbrennen, keine Schafe, Kühe oder Kamele töten, und ihr sollt jene in Frieden lassen, die sich in ihren Klosterzellen dem Gottesdienst hingeben.“ Hingegen heißt es im Deuteronomium: „Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken.“ (5. Mose 20; 16, 17.)

Von Palästina aus verbreitete sich der Islam über ganz Nordafrika, so dass die zahlreichen dort lebenden Juden unter eine einheitliche Fremdherrschaft gerieten. Als nächstes wandte sich der Islam Europa zu und setzte nach Spanien über. Hierdurch fiel der Schatten des Talmudismus erstmals auf das christliche Abendland. Die Juden dienten sich den Mauren nämlich als Hilfstruppen an und unterstützten den islamischen Eroberungsfeldzug mit Soldaten und Geld, wofür sie mit allerlei Privilegien belohnt wurden, insbesondere mit dem Recht zur Verwaltung der eroberten Städte. Im Koran heißt es von den Juden, ihr Ziel bestehe darin, „Unruhe auf Erden“ zu stiften, und die arabischen Heere erleichterten ihnen die Verwirklichung dieses Ziels ungemein.

Das christliche Spanien geriet unter islamische Herrschaft. Die talmudistische Regierung machte sich diese günstige Konstellation zunutze, um ihren Sitz aus Babylonien nach Spanien zu verlegen, und leitete hierdurch einen Prozess ein, dessen Folgen wir heutzutage ausbaden müssen. Dr. Kastein schreibt:

„Das über die ganze Welt zerstreute Judentum tendierte stets dazu, einen fiktiven Staat an Stelle dessen zu errichten, den es verloren hatte, und wandte sich deswegen regelmäßig an ein gemeinsames Zentrum um Rat… Dieses Zentrum befand sich jetzt in Spanien, wohin die nationale Regierung aus dem Osten umgesiedelt war. So wie Babylonien durch einen Wink der Vorsehung die Stelle Palästinas eingenommen hatte, rückte Spanien nun durch eine freundliche Fügung des Geschicks an die Stelle Babyloniens, das als Zentrum des Judentums nicht länger funktionsfähig war. Alles, was getan werden konnte, war bereits getan; die Ketten waren geschmiedet, mit denen sich der einzelne fesseln konnte, um nicht von seiner Umgebung verschlungen zu werden: Der Talmud.“

Dr. Kasteins Wortwahl entbehrt nicht der Pikanterie: Es dürfte fürwahr selten vorkommen, dass sich ein Mensch aus freier Wahl mit Ketten fesselt, die ein anderer für ihn geschmiedet hat! Jedenfalls waren die Juden nach wie vor Gefangene ihrer herrschenden Kaste. Ob ihre Gefangenschaft womöglich noch drückender war als früher, vermochten nur die Juden selbst zu beurteilen; für das Abendland zählte einzig, dass die jüdische Regierung nun in Europa hockte. Sowohl das herrschende Zentrum als auch die zerstörerische Idee hatten sich auf europäischem Boden eingenistet.

Die talmudistische Regierung der Nation innerhalb der Nationen spann ihre Fäden fortan auf spanischem Territorium. Die Gaonim erließen ihre Anordnungen; die talmudistische Akademie wurde in Cordoba eröffnet; zumindest zeitweise waltete ein schattenhafter Exilarch als formeller Herrscher der Juden.

Dies alles geschah unter der Schirmherrschaft des Islam. Wie vor ihnen die Babylonier und die Perser begegneten auch die Mauren dieser fremden Kraft in ihrer Mitte mit bemerkenswerter Toleranz. In den Augen der spanischen Bevölkerung nahm der fremde Tyrann zunehmend jüdische Züge an, während seine arabischen verblassten; die Mauren mochten Spanien zwar erobert haben, traten ihre Macht aber mehr und mehr an die Juden ab. So wiederholte sich die Geschichte, die sich zuvor in Babylon abgespielt hatte, in spanischen Landen; in späteren Jahrhunderten sollte sie in annähernd jedem größeren europäischen Staat ihre Neuinszenierung erleben.

Fast acht Jahrhunderte lang blieben die Mauren in Spanien. Als diese lange, drückende Zeit im Jahre 1492 zu Ende ging, wurden die Juden gemeinsam mit den Arabern des Landes verwiesen, sofern sie sich nicht bereit erklärten, zum Christentum zu konvertieren. Für die Spanier verkörperten sie das Antlitz der Fremdherrschaft, in deren Windschatten sie gekommen waren, und nach deren Zusammenbruch mussten sie alsbald ihr Bündlein schnüren.

Das „Zentrum“ der talmudistischen Regierung wurde nun nach Polen verlegt.

Damals, vor viereinhalb Jahrhunderten, spielte sich eines der rätselhaftesten Ereignisse in der Geschichte Zions ab: Warum in aller Welt beschlossen die Führer der Sekte, ihre neue Hochburg ausgerechnet in Polen zu errichten? Bis zu jenem Zeitpunkt hatten die Annalen der Geschichte keine nennenswerte Abwanderung von Juden nach Polen verzeichnet. Jene Juden, die im Schlepptau der Mauren nach Spanien gelangten, waren von Nordafrika gekommen, und nach ihrer Vertreibung kehrten sie entweder in die alte Heimat zurück oder wanderten von dort aus weiter ostwärts, um sich in Ägypten, Palästina, Italien, der Türkei oder auf den griechischen Inseln niederzulassen. Auch in Frankreich, Deutschland, Holland und England hatten sich bereits jüdische Kolonien gebildet, die nun durch Zuwanderer aus Spanien Verstärkung erhielten. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass eine erwähnenswerte Zahl von spanischen Juden nach Polen emigriert oder dass dieses Land zu irgendeinem früheren Zeitpunkt Ziel einer jüdischen Masseneinwanderung gewesen wäre!

Nichtsdestoweniger „entstand“ im 16. Jahrhundert nach der Verlegung des jüdischen Zentrums nach Polen dort „eine nach Millionen zählende jüdische Bevölkerung“, wie sich Dr. Kastein auszudrücken geruht. Nach Millionen zählende Bevölkerungsgruppen pflegen freilich nicht einfach zu „entstehen“. Dr. Kastein muss sich bewusst gewesen sein, dass er seinen Lesern eine Erklärung für dieses Phänomen schuldete; da er jedoch in keiner Weise gewillt war, sich des Themas anzunehmen, begnügte er sich mit der lakonischen Bemerkung, die Existenz einer riesigen jüdischen Gemeinschaft in Polen, von der bisher niemand etwas gehört hatte, gehe „eher auf Einwanderung – anscheinend aus Frankreich, Deutschland und Böhmen – als auf irgendwelche anderen Ursachen“ zurück. Welcher Art diese „anderen Ursachen“ wohl sein mochten, darüber schweigt er sich aus. Es ist höchst ungewöhnlich, dass ein seriöser Forscher eine dermaßen kapitale Frage mit einem einzigen Satz abhandelt, der zudem nichts weiter als eine müßige Spekulation enthält! Wenn ein zionistischer Historiker ein so zentrales Thema einfach unter den Teppich kehrt, kann man sicher sein, dass er etwas zu verstecken hat. Doch wer die Wahrheit ernstlich sucht, kann sie auch in diesem Falle finden.

Hinter der fadenscheinigen Erklärung Dr. Kasteins verbirgt sich das wichtigste Ereignis in der jüngeren Geschichte Zions. Das neue „Zentrum“ der jüdischen Regierung wurde inmitten einer zahlenmäßig sehr starken Gruppe von Menschen errichtet, welche die Welt nicht als Juden kannte und die im eigentlichen Sinne des Wortes auch gar keine waren. In ihren Adern floss kein einziger Tropfen judäischen Blutes (ganz nebenbei gesagt muss das judäische Blut auch bei den Juden Westeuropas zu jenem Zeitpunkt bereits stark verdünnt gewesen sein), und ihre Ahnen hatten Judäa niemals zu Gesicht bekommen. Sie stammten nämlich aus dem heutigen Südrußland, aus einem Gebiet zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer.

Dieses Volk waren die Chasaren, ein turko-mongolischer Stamm, der vermutlich im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zum Judentum übergetreten war. Es handelte sich um die einzige Massenbekehrung einer großen Bevölkerungsgruppe, die rassisch mit den Judäern nichts gemein hatte (die Idumäer waren immerhin „Brüder“ gewesen). Über die Gründe, welche die talmudistischen Führer dazu bewogen haben mögen, diesen kollektiven Übertritt zu ihrem Glauben zu fördern oder zumindest zu dulden, kann man nur spekulieren.

Dieses Geschehnis sollte für das Abendland weitreichende und möglicherweise tödliche Folgen haben. Ihr natürlicher Instinkt sagte den Europäern stets, dass die größte Bedrohung für ihr Überleben aus Asien kam. Nach der Verlagerung der talmudistischen Hochburg nach Polen ließen sich die Chasaren in wachsender Zahl dort nieder und wanderten später als „Juden“ nach Westeuropa weiter, wodurch sie den Alten Kontinent in die schwerste Krise seiner Geschichte stürzten. Zwar war ihre Bekehrung zum mosaischen Glauben schon viele Jahrhundert früher erfolgt, aber ihre Urheimat lag dermaßen weit entfernt, dass die Welt vielleicht nie von ihnen erfahren hätte, wäre das talmudistische Zentrum nicht nach Polen verlegt worden, wo um 1500 herum bereits eine erhebliche Zahl dieser Chasaren wohnte und in das sie nun von Osten her in immer größeren Scharen einwanderten.

Zum Zeitpunkt, wo sie als „Ostjuden“ bekannt wurden, sprach man längst nicht mehr von „Judäern“, sondern nur noch von „Juden“; dass sie tatsächlich aus Judäa stammten, hätte ihnen ohnehin kaum jemand abgenommen. Von nun an predigte die jüdische Führung das Dogma von der „Rückkehr“ einem Volk, in dessen Adern mehrheitlich kein einziger Tropfen semitischen Blutes rann und das nicht die geringsten abstammungsmäßigen Bindungen an Palästina besaß! Die talmudistische Regierung stützte sich fortan auf eine Manövriermasse, die zwar weiterhin asiatischen Ursprungs war, jedoch aus einem ganz anderen Teil Asiens stammte als die Judäer.

Auch auf polnischem Boden errichteten die Talmudisten de facto einen Staat im Staate. Wie vor ihnen schon so viele andere Völker begegneten die Polen der Nation innerhalb der Nation, die vor ihren Augen Gestalt annahm, mit erstaunlicher Duldsamkeit, was freilich wie in allen früheren Fällen die rabiate Feindseligkeit der talmudistischen Juden gegenüber ihrem Wirtsvolk in keiner Weise dämpfte.

Dr. Kastein meint, während der polnischen Periode habe eine unabhängige jüdische Regierung bestanden. Die Polen erlaubten den Talmudisten, sich eine „Verfassung“ zu geben, und während des 16. und 17. Jahrhunderts lebten die Juden unter einer „autonomen Regierung“. Sie errichteten, immer nach Dr. Kastein, „ein eisernes System der Autonomie und eine eiserne religiöse Disziplin, die unvermeidlicherweise zur Bildung einer oligarchischen Regierungskaste und der Entwicklung einer extremen Form des Mystizismus führte“. Solcher Art waren also die Rahmenbedingungen, unter denen sich die kommunistischen und zionistischen Revolutionäre unseres Jahrhunderts unter strenger Absonderung von ihrer nichtjüdischen Umwelt und mit eiserner Disziplin auf ihre Mission vorbereiteten.

Diese autonome talmudistische Regierung trug den Namen Kahal. Auf seinem eigenen Territorium übte der Kahal uneingeschränkte Macht über seine jüdischen Untertanen aus, doch unterstand er seinerseits der polnischen Regierung. Er durfte in den Ghettos und Gemeinden Steuern eintreiben, musste der polnischen Regierung aber regelmäßig eine gewisse Summe an Steuergeldern entrichten. Er erließ Gesetze, die sämtliche Beziehungen zwischen seinen jüdischen Untergebenen regelten, und war befugt, diese zu richten, freizusprechen und zu verurteilen.

Todesurteile zu fällen, war ihm zwar untersagt, doch stand dieses Verbot nur auf dem Papier. Prof. Salo Baron schreibt in seiner 1937 erschienenen Studie Social and Religious History of the Jews: „In Polen, wo das jüdische Gericht keine Ermächtigung zur Verhängung der Todesstrafe besaß, wurde das Lynchen als außergerichtliche Präventivmaßnahme von rabbinischen Autoritäten wie Solomon Luria gebilligt.“ Dieses Zitat macht klar, was Dr. Kastein mit seinen häufigen, jedoch vorsichtig formulierten Anspielungen auf „eiserne Disziplin“, „unerbittliche Disziplin“, „gnadenlose Disziplin“ etc. meint.

Kurz und gut: Auf polnischem Boden wurde ein nach den Regeln des Talmud verwalteter jüdischer Staat begründet. Lassen wir wieder einmal Dr. Kastein zu Worte kommen:

„Solcher Art war die Verfassung des jüdischen Staates, der auf fremdem Boden errichtet worden war, durch eine Mauer aus fremden Gesetzen geschützt wurde und eine teils selbstgewählte, teils von außen aufgezwungene Struktur aufwies… Er besaß seine eigenen jüdischen Gesetze, seine eigene Priesterschaft, seine eigenen Schulen, seine eigenen gemeinnützigen Einrichtungen und seine eigenen Vertreter in der polnischen Regierung… In anderen Worten, er wies sämtliche Elemente auf, die einen Staat ausmachen.“ Dies war „in erheblichem Masse der Kooperationsbereitschaft der polnischen Regierung zu verdanken.“

1772 wurde Polen geteilt; die als Staat im Staate organisierte große ostjüdische Gemeinde wurde von dieser Teilung selbstverständlich in Mitleidenschaft gezogen, und der größte Teil davon geriet unter russische Herrschaft. Zum ersten Mal seit mehr als zweieinhalb Jahrtausenden und weniger als zweihundert Jahre vor unserer eigenen Zeit verschwand das „Zentrum“ der jüdischen Regierung, das sich zuvor in Judäa, Babylon, wieder in Judäa, Galiläa, Babylonien, Spanien und Polen befunden hatte, aus dem Gesichtsfeld. Dr. Kastein behauptet, es habe „aufgehört zu bestehen“. Dies würde bedeuten, dass das Judentum von jenem Zeitpunkt an keiner zentralen Autorität mehr unterstand, doch dass eine solche früher so lange und so erfolgreich existiert hatte, spricht ebenso gegen diese Annahme wie die Ereignisse der folgenden beiden Jahrhunderte. Dr. Kastein bestätigt dies unfreiwillig, indem er an anderer Stelle voller Genugtuung konstatiert, im 19. Jahrhundert habe „eine jüdische Internationale Gestalt angenommen“.

Es unterliegt keinem Zweifel, dass das Zentrum auch nach 1772 weiter bestand; es war lediglich in den Untergrund abgetaucht. Warum sich seine Führer zu diesem Schachzug entschlossen, lässt sich den darauf folgenden Entwicklungen entnehmen.

Das 19. Jahrhundert war eine Epoche revolutionärer Verschwörungen kommunistischer und zionistischer Prägung, die später offen ihr Haupt erhoben und unserem eigenen Jahrhundert ihren Stempel verliehen. Alles spricht dafür, dass die Fäden dieser Verschwörungen in diesem talmudistischen Zentrum zusammenliefen. Hätte letzteres weiterhin offen existiert, so wäre die Quelle der Verschwörungen sowie deren ostjüdischer Charakter für jedermann klar ersichtlich gewesen.

Erst 1917, als eine zum allergrößten Teil aus Juden bestehende Regierung in Russland die Macht an sich riss, wurden die Zusammenhänge auch für den Außenstehenden erkennbar, doch damals war der jüdische Einfluss auf die westlichen Regierungen bereits so groß, dass jede offene Diskussion dieses Phänomens nach Kräften unterdrückt wurde und es beinahe schon als Häresie galt, das Thema auch nur zur Sprache zu bringen.

Die Russen, deren Land die damals weltweit größte jüdische Gemeinschaft beherbergte, begriffen allerdings, was gespielt wurde. Hieraus macht auch Dr. Kastein kein Hehl: „Die Russen fragten sich, aus welchen Gründen sich die Juden einfach nicht mit dem Rest der Bevölkerung vermischen wollten; sie gelangten zum Schluss, die Juden besäßen in ihrem geheimen Kahal eine mächtige Stütze, und es existiere ein Welt-Kahal.“ Mit seinem Hinweis auf die „jüdische Internationale“ des 19. Jahrhunderts liefert Dr. Kastein selbst ein starkes Indiz für die Richtigkeit dieser Einschätzung.

Anders gesagt, die „Regierung“ bestand auch weiterhin, doch im Verborgenen und vermutlich in veränderter Form; Dr. Kastein wird kaum zufällig von einer „Internationalen“ gesprochen haben. Die logische Folgerung ist, dass das „Zentrum“ heutzutage nicht in einem einzigen Land liegt; obwohl seine hauptsächliche Machtbasis selbstverständlich die USA sind, dürfte es heute die Gestalt eines Direktorats aufweisen, dessen Angehörige in verschiedenen Staaten leben, aber Hand in Hand arbeiten und die Regierungen ebenso wie die Völker kontrollieren.

Somit hatte die Russen, die zum Zeitpunkt, wo das „Zentrum“ scheinbar verschwand, von dessen fortgesetzter Existenz ausgingen, mit ihrer Sicht der Dinge richtig gelegen.

Die Art und Weise, wie dieses internationale Direktorat Macht über die Nichtjuden erringt und wie es diese Macht ausübt, ist durchaus nicht mehr in undurchdringliches Dunkel gehüllt; wie wir im folgenden zeigen werden, sind in den letzten fünfzig Jahren hierzu zahlreiche zuverlässige Informationen erschienen.

Rätselhafter als die Herrschaft der Talmudisten über die Nichtjuden mutet ihre Fähigkeit an, die Juden selbst in einem eisernen Würgegriff zu halten. Wie konnte es einer Sekte bloß gelingen, ein über aller Herren Länder zerstreutes Volk fünfundzwanzig Jahrhunderte lang zu kontrollieren und zur Befolgung eines archaischen Stammesgesetzes zu zwingen? Im nächsten Kapitel werden wir den einen oder anderen Einblick in die Methoden gewinnen, welcher sich die Weisen von Zion während der längsten Periode ihrer Geschichte – der talmudistischen Epoche, die von 70 bis ca. 1800 n. Chr. dauerte – bedient haben. Diese Methoden sind dermaßen ausgeprägt orientalischer, asiatischer Natur, dass sie für die westliche Mentalität fast unbegreiflich sind; noch am ehesten verständlich dürften sie jenen sein, die vor dem Zweiten Weltkrieg persönliche Erfahrungen mit den ostjüdischen Gemeinden gesammelt haben oder unter totalitären Regimen leben mussten, wo die Geheimpolizei die Bevölkerung in Furcht und Schrecken hält.

 

Kapitel 15

Der Talmud und die Ghettos

Bei aller Unterschiedlichkeit der Standpunkte wird man eines nicht bestreiten können: Einem Gesetz, dem ein über die ganze Welt zerstreutes Volk neunzehn Jahrhunderte lang gehorchte, obwohl es hundertmal Gelegenheit besaß, sich seinem Bann zu entziehen, muss eine große Kraft innewohnen. Der Talmud war und ist ein solches Gesetz und das einzige seiner Art.

Laut der Jewish Encylopedia galt „der Talmud als höchste Autorität… Selbst die Bibel nahm ihm gegenüber lediglich den zweiten Rang ein.“ In L’Histoire et les histoires dans la Bible zitiert Monseigneur Landrieux aus den Archives Israélites: „Die absolute Überlegenheit des Talmud über die Bibel Mose muss von allen anerkannt werden.“ Schließlich bekräftigt der Talmud selbst: „Die Worte der Weisen sind wichtiger als die Worte der Propheten.“ (Berachot, I. 4.)

Die Erstellung des Talmud begann in Jamnia, wobei ein unter dem Namen „Juda der Heilige“ (oder „der Prinz“) bekannt gewordener Rabbiner dieselbe Rolle bei der Revision des Gesetzes spielte wie weiland Hesekiel und Esra in Babylon. Die „Gebote und Urteile“ der Bücher Deuteronomium, Leviticus und Numeri wurden massiv erweitert. Sämtliche von „Zentrum“ erlassenen neuen Gesetze wurden der bereits in schriftlicher Form vorliegenden Thora als „mündliche Thora“, die den Schriftgelehrten nach ebenfalls göttlichen Ursprungs war, beigefügt und in der Mishna fixiert. Unter dem altbewährten Vorwand der „Vervollständigung“ kam später die Gemara hinzu, eine riesige Sammlung rabbinischer Diskussionen und Regelungen, doch da die Gemara das Werk zweier verschiedener jüdischer Gemeinden war, von denen die eine im fünften Jahrhundert in Palästina und die andere im siebten Jahrhundert in Babylonien wirkte, unterscheidet man zwischen dem palästinensischen und dem babylonischen Talmud.

Somit entstand der Talmud während der christlichen Ära. Er ist seinem Wesen nach antichristlich. Angeblich geht er auf dieselbe Quelle wie die Thora zurück, und die Schriftgelehrten, die ihn niederschrieben, machten geltend, sie revidierten bzw. erweiterten das Gesetz kraft einer Ermächtigung, die ihnen auf dem Berge Sinai „mündlich“ verliehen worden sei.

In meinem Exemplar der christlichen Bibel heißt es, die Kirchen sämtlicher Glaubensrichtungen betrachteten das Alte Testament als „göttlich inspiriert“; somit sei es für sie „eine göttliche Regel oder Richtlinie des Glaubens und des Lebenswandels“. Dieses Dogma lässt sich auf das Konzil von Trient zurückführen. Hier drängt sich die Frage auf, ob dem Talmud eine andere Inspiration zugrunde lag als der Thora. Wenn dies nicht der Fall war, was spricht dann dagegen, den antichristlichen Talmud als Ergänzung zur christlichen Bibel anzuerkennen? Ein solcher Schritt hätte zur Folge, dass das Gesamtwerk mehrere Regale einer Bibliothek einnähme und das Neue Testament nur noch ein dünnes Büchlein wäre, das sich inmitten der dicken Talmudbände verlieren und dazu noch von deren gesammeltem Inhalt widerlegt würde.

D. P. Drach, der eine talmudistische Erziehung genossen hatte, später jedoch zum Christentum übertrat, fasst den Grundtenor des Talmud in seiner 1844 erschienenen Studie De L’Harmonie entre l“Eglise et la Synagogue wie folgt zusammen:

„Die Grundsätze der Gerechtigkeit, Billigkeit und Barmherzigkeit gegenüber dem Nachbarn gelten für den Christen ausdrücklich nicht; sie ihm gegenüber zu beherzigen, stellt im Gegenteil ein Verbrechen dar… Der Talmud verbietet ausdrücklich, einen Nichtjuden vor dem Tod zu retten…, ihm verlorenes Hab und Gut zurückzuerstatten oder Mitleid mit ihm zu empfinden.“

Das Dogma der Theologen, wonach das Alte Testament „ebenso göttlichen Ursprungs“ ist wie das Neue, scheint unter den Christen heillose Verwirrung angerichtet zu haben, die dem Christentum womöglich noch zum Verhängnis gereichen wird.

Die von D. P. Drach zitierten Verbote aus dem Talmud finden sich, anders formuliert, bereits im Deuteronomium, das ein rundes Jahrtausend vor dem babylonischen Talmud schriftlich schriftgelegt worden war. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie sich im Talmud spezifisch gegen die Christen richten.

Weshalb brauchte es den Talmud überhaupt? Die Gründe liegen auf der Hand. Die Judäer waren endgültig – oder zumindest bis zu jenem Zeitpunkt, wo die „in der Gefangenschaft Schmachtenden“ in das „gelobte Land“ zurückkehren und sich um den Tempel versammeln würden – über die ganze damals bekannte Welt zerstreut. In den Ländern, wo sie sich niedergelassen hatten, war ihnen ein neuer „Feind“ in Gestalt einer Religion entstanden, deren Stifter die Pharisäer und Schriftgelehrten als „Heuchler“ gebrandmarkt hatte. Zudem kannten die Heiden das mosaische Gesetz mittlerweile in seiner griechischen Übersetzung und waren sogar der Ansicht, das eine oder andere daran sei durchaus brauchbar. Infolgedessen benötigte das auserkorene Volk, um sich auch künftig gebührend von seiner Umwelt abzugrenzen, ein neues, einzig und allein ihm gehörendes Gesetz, das kein Unbefugter zu Gesicht bekommen würde. Es galt also einen „Zaun“ um die Thora zu ziehen, der stark genug war, um die im Exil lebenden Juden sowohl vor der Assimilierung an ihre Umwelt als auch vor der Verlockung, „fremde Götter“ anzubeten, zu schützen.

Somit war der Talmud im Wesentlichen eine Abwehrreaktion auf das Christentum; die Weisen von Zion ließen ihr Fußvolk in neuer Schlachtordnung aufmarschieren, um wirksamer auf die „Angriffe“ des neuen „Feindes“ antworten zu können. Die für Laien gedachten Enzyklopädien (deren Inhalt in unserem Jahrhundert hinsichtlich aller das Judentum betreffenden Themen so verändert worden ist, dass er nicht mehr als zuverlässig bezeichnet werden kann) täuschen den nichtjüdischen Leser über diesen Sachverhalt hinweg. Beispielsweise heißt es in einer vor mir liegenden Enzyklopädie: „Der Talmud ist von den Christen manchmal zu Unrecht als antichristlich angegriffen worden.“ Die von einem parteiischen Schreiberling eingefügten zwei Wörter „zu Unrecht“ sind eine unverfrorene Lüge und verwandeln eine neutral formulierte Feststellung in eine propagandistische. Die hasserfüllten Attacken auf das Christentum verleihen dem Talmud seine unverwechselbare Tonart und sind im Grunde genommen das einzig Neue an ihm; der Rest ist ein Wiederkäuen der Lehren Hesekiels und der Pharisäer.

Die Jewish Encyclopedia vermerkt: „Die jüdischen Legenden im Talmud, die Midrash [Predigten in der Synagoge] sowie das im Mittelalter entstandene ‚Leben Jesu Christi‘ (Toledoth Jeshua) tendieren dazu, die Person Jesu in Verruf zu bringen, indem sie ihm eine uneheliche Geburt, Zauberei und einen schmachvollen Tod zuschreiben.“ In der Tat wird Er im Talmud regelmäßig als „jener Anonyme“, ‚Lügner“, „Betrüger“ oder „Bastard“ geschmäht; der Vorwurf, Er sei ein „Bastard“, diente dazu, ihn für geächtet zu erklären, denn im Deuteronomium heißt es: „Es soll auch kein Mischling in die Gemeinde des HERRN kommen; auch seine Nachkommenschaft bis ins zehnte Glied soll nicht in die Gemeinde des HERRN kommen.“ (5. Mose 23, 3.) Den Namen Jesu auch nur zu erwähnen, ist in jüdischen Familien verboten.

Das in der Jewish Encyclopedia erwähnte, „im Mittelalter entstandene“ Werk über das „Leben Jesu“ ist keineswegs ein genierliches Überbleibsel aus einer fernen Vergangenheit, wie man dieser Formulierung entnehmen könnte, sondern wird in jüdischen Schulen noch heute als Unterrichtsmaterial benutzt. Es handelt sich um ein von Rabbinern verfasstes Machwerk der talmudistischen Ära, in dem die rituellen Verhöhnungen, die Jesus vor Seiner Kreuzigung erdulden musste, in abgeänderter Form wiederholt werden. Jesus wird dort als unehelicher Sohn einer Friseuse namens Maria sowie eines römischen Soldaten namens Panthiera dargestellt und mit einem verächtlichen Namen bezeichnet. Des Weiteren heißt es, Sein Stiefvater habe ihn nach Ägypten mitgenommen, wo Er in der Zauberei unterwiesen worden sei.

Die Quintessenz dieser betrügerischen Jesus-Biographie (die das einzige ist, was ein frommer Jude über Jesus lesen darf) liegt darin, dass Er nicht von den Römern gekreuzigt wurde. Nachdem Er in Jerusalem erschienen und dort festgenommen worden ist, wird Er als Zauberer an den Sanhedrin ausgeliefert und anschließend für vierzig Tage an den Pranger gestellt, ehe man Ihn am Tage des Passa-Festes steinigt und hängt. Diese Hinrichtungsmethoden entsprechen genau den Vorschriften des Gesetzes: „Und wenn du findest, dass es gewiss wahr ist, dass solch ein Greuel in Israel geschehen ist, so sollst du den Mann oder die Frau, die eine solche Übeltat begangen haben, hinausführen zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen.“ (5. Mose 17, 4,5.) „Wenn jemand eine Sünde getan hat, die des Todes würdig ist, und wird getötet und man hängt ihn an ein Holz, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz bleiben, sondern du sollst ihn am selben Tage begraben – denn ein Aufgehängter ist verflucht bei Gott –, auf dass du dein Land nicht unrein machst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gibt.“ (5. Mose 21, 22-23.) Der Tod am Kreuz hätte nicht in Übereinklang mit diesen Geboten gestanden. Des Weiteren wird in dem betreffenden Buch ausgeführt, Jesus brodle in der Hölle in siedendem Kot.

Im Talmud wird Jesus auch als „Narr“, „Hexer“, „Laie“, „Götzendiener“, „Hund“, „Kind der Lust“ usw. verunglimpft. Angesichts dieser viele Jahrhunderte lang wiederholten Lästerungen ist es nur folgerichtig, dass Jesus in einem 1880 neu aufgelegten Buch des spanischen Juden Mose de León als „toter Hund, der in einem Misthaufen begraben ist“, geschmäht wird. Der hebräische Originaltext dieser Talmudstellen findet sich in Laibles Buch Jesus Christus im Talmud. Laible meint, während der Epoche der Talmudisten sei der Hass auf Jesus zum „hervorstechendsten nationalen Zug des Judentums“ geworden, und die Berührung mit dem Christentum habe die Juden „immer wieder in einen Zustand des Zorns und des Hasses versetzt, der die Grenze zum Wahnsinn überschritt“ ; er fährt fort: „Der Hass und die Verachtung der Juden richteten sich stets in erster Linie gegen die Gestalt Jesu… Der Hass der Juden auf Jesus ist eine eindeutig nachgewiesene Tatsache, auch wenn sie ihn so wenig wie möglich zeigen wollen.“

Um die Außenwelt darüber in Unkenntnis zu halten, was hinter dem talmudischen Zaun gelehrt wurde, beschlossen die führenden Rabbiner im 17. Jahrhundert, die eben zitierten Passagen zu zensieren. Damals war die Kenntnis des Talmud dank der Aufklärungsarbeit zum Christentum konvertierter Juden bereits recht verbreitet, was den talmudistischen Weisen heillosen Ärger einbrockte. Zur Schadensbegrenzung wurde 1631 bei einer Synode in Polen ein Dekret erlassen, welches D. P. Drach später aus dem Hebräischen übersetzte. Hier der entscheidende Abschnitt:

„… wir befehlen euch unter der Drohung der Exkommunizierung, in künftigen Ausgaben der Mishna oder der Gemara nichts zu drucken, was in gutem oder in schlechtem Sinne von den Taten Jesu des Nazareners berichtet, und stattdessen einen Kreis einzusetzen, der die Rabbiner und Schulmeister darauf aufmerksam machen wird, dass sie den Schülern diese Stellen einzig und allein mündlich beibringen dürfen. Dank dieser Vorsichtsmaßnahme werden die Gelehrten unter den Nazarenern keinen Vorwand mehr finden, uns in dieser Frage anzugreifen.“

Heutzutage, wo die nichtjüdischen Regierungen es durch eine strenge Zensur de facto verboten haben, diesem Thema auf den Grund zu gehen oder Einwände gegen solche Passagen zu erheben, sind die gestrichenen Stellen in den hebräischen Ausgaben des Talmud dem Vernehmen nach wieder eingesetzt worden.

Die hasserfüllten Lästerungen gegen den Begründer eines anderen Glaubens unterscheiden das Judentum grundlegend von den übrigen Religionen. Christen, Moslems, Buddhisten, Konfuzianer etc. lehren keinen Hass auf andere Konfessionen oder deren Begründer. Sie begnügen sich damit, die Unterschiede zwischen ihrer eigenen und fremden Religionen gebührend zu unterstreichen und glauben, dass sich ihre Pfade eines Tages mit denen der Andersgläubigen kreuzen werden, wenn es Gott gefällt.

Der Koran beispielsweise berichtet von Jesus, dieser sei „vom Heiligen Geist“ gestärkt worden, während er den Juden vorwirft, den „Apostel Gottes“ , dem „die Frohbotschaft mit ihren Richtlinien und ihrem Licht“ offenbart wurde, verworfen zu haben. Von Seiner Mutter heißt es im Koran: „O Maria! Wahrlich hat Gott dich erwählt und gereinigt und dich über die Frauen der Welt erhoben.“ Welche Ehrfurcht das heilige Buch der Muselmanen Jesus entgegenbringt, geht auch aus folgender Stelle hervor: „Jesus, Marias Sohn, berühmt in dieser Welt und in der nächsten und einer von denen, die Zugang zu Gott haben.“

In schärfstem Gegensatz hierzu steht der Talmud, das letzte „neue Gesetz“. Warum er geschaffen wurde, kann nach dem bisher Gesagten keinem Zweifel mehr unterliegen: Sein Zweck bestand darin, die ursprünglich unterschiedslos gegen alle Nichtjuden gerichteten Bestimmungen des Gesetzes spezifisch auf das Christentum auszudehnen und klarzustellen, wie sich ein Jude letzterem gegenüber zu verhalten hat. Eine zusätzliche Notwendigkeit zur Erweiterung des Gesetzes ergab sich daraus, dass die Nichtjuden in der ins Griechische übersetzten Thora etliches gefunden hatten, das ihnen zusagte, mochte sie in ihrer Gesamtheit auch eindeutig gegen sie gerichtet sein. Diese Konstellation hatten die levitischen Schriftgelehrten nicht voraussehen könnten, weil sie die Übersetzung nicht voraussehen konnten. Die herrschende Sekte benötigte also ein von ihr selbst geschriebenes neues Gesetz, das vor den neugierigen Blicken der „Heiden“ geschützt sein und den Juden in Erinnerung rufen würde, dass das Gesetz auch weiterhin einzig und allein ihr Gesetz war, auch wenn die Heiden unbegreiflicherweise entschieden hatten, seinen älteren Teil in ihre eigene Bibel zu integrieren.

Somit hatte der Talmud den Effekt, den Graben zwischen Juden und Nichtjuden noch zu vertiefen und die Schranke zwischen ihnen noch zu erhöhen. Dies bewerkstelligte er beispielsweise dadurch, dass er Nichtjuden als Kreaturen definierte, „deren Fleisch wie das Fleisch der Esel und deren Ausscheidungen wie die Ausscheidungen der Pferde sind“. Dieser Art war also die von den talmudistischen Weisen geschaffene Weiterentwicklung des Gesetzes!

Denselben Geist atmeten auch die im Talmud figurierenden Gebote. Ihnen zufolge durfte ein verlorener Gegenstand seinem Eigentümer zurückgegeben werden, wenn dieser ein „Bruder“ oder „Nachbar“, nicht jedoch, wenn er ein Nichtjude war. Das Verbrennen nichtjüdische Bücher wurde nachdrücklich empfohlen: Bücherverbrennungen sind eine talmudische Erfindung, so wie die Jagd auf Hexen in der Thora befohlen wird. Tagtäglich musste ein frommer Jude die Formel rezitieren: „Gesegnet seiest Du, der Du mich nicht zum Goy gemacht hast.“ Das im Buch Leviticus festgelegte Gebot „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19, 18) gilt, wie ein Rabin Levi ausdrücklich hervorgehoben hat, nicht für den Nichtjuden. Wenn ein Jude einem Nichtjuden ein Grundstück verkauft, das an das Land eines anderen Juden grenzt, wird er exkommuniziert. Bei einem straf- oder zivilrechtlichen Verfahren darf ein Nichtjude nicht als Zeuge auftreten, weil man sich nicht darauf verlassen kann, dass er sein Wort halten wird wie ein Jude. Tritt ein Jude vor einem nichtjüdischen Gericht als einziger Zeuge gegen einen anderen Juden auf, so hat dies die Exkommunizierung zur Folge. Außerehelicher Verkehr mit einer nichtjüdischen Frau ist kein Ehebruch, „denn die Heiden haben keine nach dem Gesetz getrauten Frauen; diese sind nicht wirklich ihre Frauen.“ Nichtjuden haben an der künftigen Welt grundsätzlich keinen Anteil.

Das ursprüngliche moralische Gebot „Du sollst den HERRN deinen Gott lieben von ganzem Herzen“ legt der Talmud wie folgt aus: “Ein Mann soll sich dem Studium der Heiligen Schriften und der Mishna widmen und Umgang mit gelehrten und weisen Männern pflegen.“ In anderen Worten: Seine Liebe zu Gott beweist ein Jude am klarsten dadurch, dass er den Talmud studiert und seinen nichtjüdischen Mitmenschen meidet!

Gewisse Episoden aus unseren eigenen Tagen veranschaulichen, wie nachhaltig die seit vielen Jahrhunderten andauernde talmudische Gehirnwäsche das Denken jener, die ihr ausgesetzt waren und sind, korrumpiert hat. 1952 berichtete ein Frank Chodorov folgende Anekdote:

„In einer eiskalten Nacht kam der Rebbe in bemitleidenswertem Zustand in unser Haus getorkelt; es brauchte ein halbes Dutzend Tassen heißen Tees, um ihn aufzutauen. Er erzählte nun, ein mitfühlender Goy habe ihm ein Paar Handschuhe angeboten, doch er habe die milde Gabe ausgeschlagen: ein Jude dürfe nämlich nicht dazu beitragen, dass einem Nichtjuden für eine gute Tat ein Segen (mitvah) zuteilwerde. Es war dies das erste Mal, dass ich mit der Lehre vom ‚auserwählten Volk‘ konfrontiert wurde, und sie kam mir dumm und gemein vor.“

Dieses Beispiel spricht Bände über den „Zaun“, den der Talmud zwischen den Juden und dem Rest der Menschheit errichtet hat, und über die Verachtung und den Hass auf die „Fremdlinge“, die er den Juden einflößt.

Welche Folgen hatte er für die Juden selbst? Die Antwort finden wir in der Encyclopedia Judaica: „Die Talmudisten machten die Thora zum Strafgesetz.“ Im Allgemeinen formuliert die Encyclopedia Judaica klar und unmissverständlich, doch in diesem Fall ist ihre Formulierung unsauber. Schließlich war die Thora schon früher ein Strafgesetz gewesen (es reicht, sie zu lesen, um sich dessen gewahr zu werden), und die in ihr vorgeschriebenen Strafen waren immer wieder vollstreckt worden (beispielsweise von Esra und Nehemia gegen die Juden und später auf Drängen des Sanhedrin von den Römern gegen den „Propheten und Träumer von Träumen“ Jesus). Möglicherweise meint die Encyclopedia Judaica, unter den Talmudisten seien die in der Thora festgelegten Strafen mit aller Konsequenz vollzogen worden.

Dass dies in der Tat der Fall war, beweist die zuvor zitierte, von den Rabbinern empfohlene Praxis des Lynchens „als außergerichtliche Präventivmaßnahme“ (wie erinnerlich hatten die Regierungen der Gastvölker den jüdischen Gerichten das Verhängen von Todesurteilen untersagt). Die Thora mitsamt ihrem Wurmfortsatz, dem Talmud, war also in der Tat ein „Strafgesetz“. Zwischen den wenigen moralischen Geboten der alten Überlieferung und dem uferlosen Wust von Gesetzen und Vorschriften des Talmuds klaffte ein Abgrund – nicht zuletzt deshalb, weil Letzterer moralisches Verhalten oft ausdrücklich untersagte und mit drakonischen Strafen ahndete. Nicht moralisches Verhalten, sondern die Befolgung des Gesetzes war gefragt.

Das talmudische Gesetz regelte jeden auch nur denkbaren Aspekt des Lebens eines Juden an jedem beliebigen Ort der Welt: Eheschließung, Scheidung, Eigentumsrecht, Schiedssprüche, Handelsbeziehungen, bis hin zu den hintersten Einzelheiten der Kleidung und der Körperpflege. Da im Alltagsleben oft unvorhergesehene Dinge zu geschehen pflegen, musste die Frage, was unter allen erdenklichen neuen Umständen legal oder illegal (nicht: „richtig oder falsch!“) war, unablässig debattiert werden; dies fand seinen Niederschlag in der ungeheuren Menge rabbinischer Streitgespräche und Urteile, von denen der Talmud nur so wimmelt.

War es ein ebenso schwerer Verstoß gegen das Gesetz, an einem Feiertag einen Floh zu töten, wie ein Kamel? Ein hochgelehrter Rabbiner hielt es für zulässig, den Floh langsam zu zerquetschen, während ein anderer es sogar als statthaft erachtete, ihm die Füße abzuhacken. Wie viele weiße Haare durfte eine rote Opferkuh haben, um immer noch als rote Kuh zu gelten? Welche Arten von Krätze machten dieses oder jenes Reinigungsritual notwendig? Musste der Hohepriester zuerst sein Hemd oder seine Strümpfe anziehen? Auch über Methoden der Hinrichtung eines Abtrünnigen wurde eifrig debattiert: Nach der Auffassung der Weisen musste man ihn würgen, bis er den Mund öffnete, so dass man ihm siedendes Blei in den Schlund gießen konnte. Ein ganz besonders frommer Rebbe regte an, ihm den Mund mit einer Zange aufzureißen, damit er nicht erstickte, ehe das flüssige Blei in ihn eindrang und seine Seele mitsamt seinem Körper verzehrte. Das Wort „fromm“ ist hier durchaus nicht sarkastisch gemeint, denn der betreffende Schriftgelehrte bemühte sich aufrichtig um die korrekte Auslegung des Gesetzes.

Ein weiterer Punkt, der von den Talmudgelehrten erörtert und geregelt wurde, war folgender: Durfte man am Sabbat eine Laus oder einen Floh töten? Die Antwort war, dass die Tötung einer Laus statthaft, die eines Flohs hingegen eine Todsünde war.

Sehr anschaulich schreibt Dr. Kastein:

„Der Talmud wurde zum unzerbrechlichen Hülse um einen Kern, der entschlossen war, zu überleben; er umhüllte das Herz des Juden mit einer Spiritualität, die zwar eiskalt, doch zugleich auch stahlhart und deshalb ein sicherer Schutz war… Der Talmud, den die Juden überall hin mitnahmen, wurde ihr Heim.“ Ein Heim aus Eis und Stahl, von Zäunen und Mauern umgeben, mit lauter zugemauerten Fenstern und verbarrikadierten Türen…

In diesem Heim vermochten die Juden „aufgrund ihrer Überzeugung, das auserwählte Volk und zur Erlösung bestimmt zu sein… sämtliche Geschehnisse ausschließlich von dem Standpunkt aus deuten, dass sich alles nur um sie drehte.“ Wenn die Erde unter Myriaden von Sternen im All kreiste, dann einzig und allein darum, damit die Juden dereinst in einem Tempel, um den herum sich die Leichen erschlagener Heiden türmten, einen goldenen Thron besteigen konnten: „Das Gesetz hatte eine unüberwindliche Barriere gegenüber der Außenwelt errichtet.“

Kein Jude konnte diesen ungeheuerlichen Wust von Gesetzen überschauen, es sei denn, er war Talmudgelehrter. Wahrscheinlich war es keinem Nichtjuden möglich, sich eine unveröffentlichte Ausgabe zu beschaffen. Um die vorhandenen Übersetzungen mit den Originalfassungen zu vergleichen, müsste eine große Zahl von Spezialisten ihr ganzes Leben ausschließlich dieser Aufgabe widmen. In der Vergangenheit hielten viele Forscher die Tatsache, dass lediglich ein kleiner Teil der talmudischen Literatur übersetzt worden ist, für äußerst vielsagend, doch wir messen diesem Umstand keine sonderliche Bedeutung bei. Was die Juden selbst sowie zum Christentum konvertierte Ex-Juden bis anhin über den Talmud offenbart haben, reicht völlig aus, um sich ein klares Bild von ihm zu machen. Wer sich ernsthaft für dieses Thema interessiert, dem stehen neben der Jewish Encyclopedia insbesondere folgende Werke zur Verfügung: Die deutsche Übersetzung des palästinensischen sowie des babylonischen Talmuds (erstere erschien 1880 in Zürich, letztere 1889 in Leipzig); William Ruben, Der alte und der neue Glaube im Judentum ; H. L. Strack, Einleitung in den Talmud ; Laibles Jesus Christus im Talmud ; D. P. Drach, De l’Harmonie entre l“Eglise et la Synagogue sowie Heinrich Graetz, Volkstümliche Geschichte der Juden .

Auch die jüdischen Schriftgelehrten räumen ein, dass der Talmud Menschenwerk ist, im Gegensatz zur Thora, von der es heißt, ihr Inhalt sei Mose von Jahwe offenbart worden. Dieser Unterschied ist von großer Bedeutung. Seine Ursachen liegen auf der Hand: Da die Schriftgelehrten unmöglich endlos behaupten konnten, wieder einmal „vom Staub der Zeiten“ bedeckte Manuskripte aus der Zeit Mose entdeckt zu haben, mussten sie die Verantwortung für die Revisionen des Gesetzes wohl oder übel selbst übernehmen, wobei sie für sich in Anspruch nahmen, die unfehlbare Gabe der Interpretation zu besitzen, die dem ersten ihres Geschlechtes „mündlich“ verliehen worden sei. Damit behaupteten sie implizit, selbst Gott zu sein!

Dr. Kastein trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt: „Es war nicht Gott, der dieses Volk mitsamt seinen Plänen schuf; es war dieses Volk, das Gott mitsamt seinen Plänen schuf.“ Noch treffender wäre es gewesen, wenn er „diese Schriftgelehrten“ statt „dieses Volk“ geschrieben hätte. Die früheren Generationen der Schriftgelehrten hatten die im Deuteronomium festgehaltene Offenbarung geschaffen; die späteren schufen den Gott des Talmud und verlangten von „diesem Volk“, den Talmud als Fortsetzung der früheren Offenbarung anzuerkennen.

Als der Talmud abgeschlossen war, stellte sich eine Frage, auf die nur die Zukunft eine Antwort erteilen konnte: Würde es der neuen Sekte gelingen, den Diasporajuden dieses neue Gesetz so aufzuzwingen, wie Esra und Nehemia den Judäern im Jahre 444 v. Chr. den neuen Bund mit persischer Rückendeckung hatten aufzwingen können?

Die Geschichte hat diese Frage mit ja beantwortet. 1898 erklärte der Zionist Dr. Mandelstamm aus Kiew beim zweiten zionistischen Weltkongress in Basel: „Die Juden lehnen die Idee der Verschmelzung mit anderen Nationalitäten entschieden ab und halten unbeirrt an ihrer historischen Hoffnung auf ein Weltreich fest.“

Wir Menschen des 20. Jahrhunderts sind Zeugen des Versuchs zur Verwirklichung dieser Hoffnung. Dass die Talmudisten dem Sieg mittlerweile greifbar nahe gerückt sind, verdanken sie wahrscheinlich in erster Linie der Institution des Ghettos.

Im zwanzigsten Jahrhundert hat man der Öffentlichkeit weisgemacht, das Ghetto sei eine Art Konzentrationslager gewesen, in das die Juden von ihren Verfolgern gepfercht wurden. Eine ähnliche Geschichtsklitterung stellt die heutige Darstellung politischer und rassischer Verfolgung im Abendland dar; im zwanzigsten Jahrhundert neigt man zusehends dazu, nur noch von der „Verfolgung der Juden“ zu sprechen und alle anderen Verfolgungen unter den Teppich zu kehren.

In den vergangenen neunzehn Jahrhunderten hatten in Europa die unterschiedlichsten Menschengruppen unter Verfolgungen zu leiden. Selbstverständlich blieben solche auch den Juden nicht erspart, doch die Opfer, die sie erbringen mussten, entsprachen ihrem Anteil an der Bevölkerung, was bedeutet, dass nur ein geringer Prozentsatz der Gesamtopferzahl auf die jüdische Volksgruppe entfiel. Bei der umfangreichsten Verfolgung unseres Jahrhunderts, derjenigen im bolschewistischen Russland, waren die Juden nicht Opfer, sondern Täter. Ich weiß nicht, ob ich mir je über diesen Tatbestand klar geworden wäre, hätten meine persönlichen Erfahrungen mich nicht schonungslos damit konfrontiert.

Das Ghetto wurde den Juden mitnichten von ihrer Umwelt aufgenötigt. Es war das logische Produkt des talmudischen Gesetzes und ließ sich direkt auf die babylonische Erfahrung zurückführen. Wie erinnerlich bezeichnet Dr. Kastein den Talmud als das „Heim“, das die Juden überallhin mitgenommen hätten. Allerdings brauchten sie neben diesem geistigen Heim auch ein physisches, eines mit vier Wänden und einem Dach. Da der Talmud selbst festhielt, dass Nichtjuden keine „Nachbarn“ waren, und es verbot, letzteren ein Grundstück zu verkaufen, das an das Land eines Juden grenzte, war die Absonderung der Juden von ihrer Umwelt sowie ihre Selbstisolierung in Ghettos die natürliche Konsequenz.

Das erste Ghetto war jenes, das die Leviten mit dem Segen der örtlichen Herrscher in Babylon eingerichtet hatten. Das zweite entstand in Jerusalem: Von persischen Soldaten unterstützt, umgab Nehemia Jerusalem mit einer neuen Mauer und verwies darauf sämtliche Nicht-Judäer der Stadt. Dies waren die historischen Modelle für das europäische Ghetto, das wohl drückendste geistige Erbe der heutigen Juden:

„Das Ghetto, Freund, das Ghetto, wo alle Hoffnung bei Geburt schon stirbt.“

Juden, die nie ein Ghetto zu Gesicht bekommen haben, tragen eine ererbte Erinnerung daran in sich, die sie wie ein Albtraum verfolgt. Dieser Albtraum ist die Frucht des talmudischen Gesetzes, dem sich die Ahnen dieser Juden fügsam unterworfen haben. Das Ghetto war das ideale Instrument zur Einpferchung einer unter Gastvölkern lebenden Minderheit, zu ihrer Entmündigung und Versklavung.

Auch außerhalb Polens, wo sich alles jüdische Leben in Ghettos abspielte, kam die Forderung nach der Einrichtung solcher oft von den Talmudisten. Die heutzutage grassierende Vorstellung, wonach das Ghetto sichtbares Symbol der Unterdrückung gewesen sei, fügt sich nahtlos in die Legende von der unaufhörlichen „Verfolgung“ der Juden ein; diese Legende dient hauptsächlich zur Terrorisierung der Juden selbst, die so davon abgehalten werden sollen, ihrer Herde den Rücken zu kehren. Dieselbe Funktion erfüllt das heute unermüdlich verbreitete Ammenmärchen vom „Antisemitismus“.

Im antiken Alexandria, dem New York jener Tage, sowie im Kairo und im Córdoba des Mittelalters wurden die jüdischen Wohnviertel auf Wunsch der Rabbiner eingerichtet. Im Jahre 1084 beantragten die Juden von Speyer beim deutschen Fürsten die Einrichtung eines Ghettos; anno 1412 wurde, ebenfalls auf Ersuchen der Juden, in Portugal ein Ghetto-Gesetz eingeführt. Die Errichtung der Ghettomauern in Verona und Mantua wurde von den dortigen Juden jahrhundertelang beim Purimfest gefeiert. Die Ghettos in Russland und Polen waren ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil der talmudistischen Organisation, und jeder Versuch zu ihrer Abschaffung wäre von den jüdischen Führern als „Verfolgung“ gegeißelt worden.

Als Mussolini zu Beginn der dreißiger Jahre das Römer Ghetto schleifen ließ, stimmte die jüdische Presse ein Wehgeheul an; Bernard J. Brown schrieb in seinem 1933 erschienenen Buch From Pharao to Hitler:

„Eines der einzigartigsten Phänomene des jüdischen Lebens in Goluth gehört der Vergangenheit an. Wo noch vor wenigen Monaten ein lebhaftes jüdisches Leben pulsierte, sind nur noch ein paar halbzerstörte Gebäude als letzte Überreste des einstigen Ghettos übrig geblieben. Es fiel der faschistischen Leidenschaft für das Schöne zum Opfer; auf Mussolinis Befehl wurde das Ghetto dem Erdboden gleichgemacht.“ (Zitiert nach Bernard J. Brown, From Pharao to Hitler, 1933.)

Mit dieser Formulierung wird suggeriert, die Schleifung des Ghettos sei „Faschismus“ gewesen, so wie die (auf jüdisches Verlangen erfolgte) Einrichtung solcher Ghettos von den heutigen zionistischen Historikern als „Verfolgung“ angeprangert wird.

Im Sog der Emanzipation verschwanden die Ghettos zumindest in Westeuropa nahezu vollständig; ihre Bewahrung hätte allzu deutlich bewiesen, dass die Führer des Judentums keineswegs gedachten, ihr eigenes Volk an den Segnungen der von ihnen so eifrig gepredigten Emanzipation teilhaben zu lassen.

In ihrer Ausgabe von 1903 vermeldete die Encyclopedia Judaica: „In der ganzen zivilisierten Welt gibt es kein einziges Ghetto im ursprünglichen Sinne des Wortes mehr.“ Die Einschränkung „im ursprünglichen Sinne des Wortes“ ist sehr wichtig, weil die Juden vielerorts auch weiterhin in geschlossenen Gemeinschaften lebten, mochten die sichtbaren Mauern auch gefallen sein. Das Verbot, Nichtjuden ein an jüdisches Land angrenzendes Grundstück zu verkaufen, ist weiterhin in Kraft. Hierzu ein Beispiel: Wer Montreal kennt, weiß, dass dort ein ganzer Distrikt östlich des Berges fast ausschließlich von Juden bewohnt wird, so dass er de facto ein Ghetto ohne Mauern darstellt.

Das Verschwinden des Ghettos während des Jahrhunderts der Emanzipation war für die Macht der Talmudisten ein empfindlicher Schlag. Um zu verhindern, dass sich der Geist des Ghettos verflüchtigte, bedurfte es schleunigst eines Ersatzes, und diesen fand man in Gestalt des Zionismus, der nichts anderes als ein neues Instrument zur Einpferchung der Herde in eine Umfriedung ist.

Rabbiner Elmer Berger meinte: „Viele wünschen eine strengere Kontrolle der Juden durch Juden und bedauern das Schwinden dieser Kontrolle in Russland, wo das Ghetto sie einst leicht und absolut machte.“

Bernard J. Brown schrieb in seinem oben zitierten Buch: „Nur einem geistig verblendeten Menschen kann entgehen, dass die Förderung eines Gruppenlebens, das auf alten religiösen und kulturellen Traditionen Fußt, eine Rückkehr ins Ghetto bedeutet… Eine Menschengruppe, welche die Verewigung des Ghettolebens anstrebt, darf keinen Anspruch auf Ruhm erheben… Schon eine oberflächliche Auseinandersetzung mit der Geschichte zeigt, dass der Jude sein eigenes Ghetto gebaut hat.“

Zwei namhafte zionistische Autoritäten stellen also klar, dass der Zionismus die Wiedergeburt der talmudischen Ghettomentalität verkörpert. Er zielt darauf ab, die Früchte der Emanzipation zunichte zu machen und den Juden wiederum einzubläuen, dass sie sich von ihrer Umwelt abzusondern hätten. Die chauvinistischen Parolen, welche die Gründung des Staates Israel im Nahen Osten begleiteten, sind im Grunde nichts weiter als ein Mäntelchen zur Tarnung dieser Absichten.

In ihrer Ausgabe von 1916 vermerkte die Jewish Encyclopedia unter dem Stichwort „Die Einstellung des modernen Judentums“: „Das moderne Judentum, so wie es in den Katechismus eingegangen ist, in den Erklärungen verschiedener Rabbinerkonferenzen erläutert und in den Predigten moderner Rabbiner interpretiert wird, beruht auf der Anerkennung der Einheitlichkeit der Menschenrassen; das Gesetz der Rechtschaffenheit und Wahrheit gilt für alle Menschen ohne Unterschied der Rasse oder Religion, und seine Verwirklichung steht jedermann offen. Rechtschaffenheit wird nicht durch Geburt verliehen. Die Nichtjuden können einen ebenso hohen Grad an Rechtschaffenheit erlangen wie die Juden… In den modernen Synagogen bezieht sich das Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Leviticus 29) auf alle Menschen.“

Seit 1916 hat sich sehr viel geändert, und heute, im Jahre 1955, lassen diese Worte eine Entwicklung erahnen, die hätte eintreten können, jedoch nicht eintrat. Zweifellos gibt es auch in unseren Tagen ein paar Rabbiner, die das Gesetz in ihren Predigten so auslegen, doch sofern sie keine Helden und Märtyrer sind, können sie vor ihren Gemeinden nicht bestehen, denn diese sind den Sirenenklängen der Zionisten erlegen und dadurch in frühere Jahrhunderte zurückversetzt worden.

Die Zionisten haben sowohl die nichtjüdischen Regierungen als auch die jüdischen Massen fest im Griff, und die Meinung vereinzelter Dissidenten ist von geringer Bedeutung. Das levitische Gesetz in seiner pharisäischen und talmudistischen Interpretation ist wieder voll in Kraft. Dieses Gesetz hat das Verhalten der Juden gegenüber anderen Völkern in der Vergangenheit geprägt und wird es auch in Zukunft prägen, was auch immer die „Einstellung des modernen Judentums“ anno 1916 gewesen sein mag.

Der große Umschwung erfolgte im Jahre 1917, also unmittelbar nach der Veröffentlichung des Enzyklopädieeintrags, dem das obige Zitat entnommen ist. Unter den jüdischen Massen war das Erbe des Talmuds und der Ghettos so tief verwurzelt, dass sie sich nicht um die „Einstellung des modernen Judentums“ scherten, sondern es vorzogen, ihr Ohr den fanatischen Weisen von Zion zu leihen, die damals die Bühne betraten. 

 

Kapitel 16

Die Sehnsucht nach dem Messias

Das talmudistische Regime in den strikt abgeschotteten Ghettos war seiner Natur nach terroristisch und bediente sich klassischer totalitärer Methoden, indem es seine Spione, Schnüffler und Denunzianten ihrerseits ausspionierten ließ und Abweichler mit Bannfluch, Exkommunizierung und Tod bedrohte. Die kommunistischen Regierungen, die mittels Geheimpolizei und Konzentrationslagern herrschen, haben sich dieses System, das den talmudisch geschulten Begründern des Kommunismus wohlbekannt war, offensichtlich zum Vorbild genommen.

Während der viele Jahrhunderte dauernden Herrschaft der Talmudisten zeitigten der Terror und das Dogma, das er schützte, zwei markante Ergebnisse: Periodisch wiederkehrende Sehnsüchte nach dem Messias, die den Wunsch der „Gefangenen“ widerspiegelten, der Schreckensherrschaft zu entrinnen, sowie ebenfalls periodisch aufflammende Proteste gegen das Dogma seitens der Juden selbst.

Dieses Aufbegehren war in gewissem Sinn ein Echo der Gefühle, die das Volk zur Zeit Nehemias geäußert hatte; damals „weinte“ es, als das Gesetz verlesen wurde. Der Talmud verbot den Juden fast jede Tätigkeit außer dem Anhäufen von Geld ( „Sie gestanden den Menschen um sich herum nur gerade so viel zu, wie erforderlich war, um ihre wirtschaftlichen Aktivitäten möglich zu machen“, schreibt Dr. Kastein) sowie dem Studium des Talmud ( „Immer wenn das Gesetz keine eindeutige Antwort auf eine Alltagsfrage erteilte, bemühten sie sich um seine Interpretation“ ).

Die Talmudisten lenkten die Betätigung ihres Volkes so, dass sich dieses immer hoffnungsloser in das Netz verstrickte, in dem es gefangen war: „Sie begnügten sich nicht damit, das Gesetz mit einem Zaun zu umgeben, sondern zogen einen solchen auch um sich selbst, indem sie sich entschiedener denn je zuvor von ihrer Umwelt abschirmten und sich noch fester an einen Kreis von Gesetzen banden“, meint Dr. Kastein. Bei jedem Atemzug und jeder Bewegung mussten sie sich fragen: „Erlaubt oder verbietet der Talmud das?“ Die Antwort auf diese Frage erteilte jeweils die herrschende Sekte.

Selbst die lammfrommsten Mitglieder der Gemeinschaft bekundeten bisweilen Zweifel an der Weisheit eines solchen Gesetzes und fragten sich: „Kann es wirklich stimmen, dass jeder neue Erlass und jedes neue Verbot in der Offenbarung Gottes auf dem Berge Sinai wurzelt?“ Genau dies behaupteten die jüdischen Herrscher. „Der jüdischen Auffassung nach hatte Gott Moses auf dem Berge Sinai sowohl das mündliche als auch das schriftliche Gesetz eröffnet, d. h. das Gesetz mit all seinen Interpretationen und Anwendungsmöglichkeiten“, schreibt Alfred Edersheim in The Life and Times of Jesus the Messiah (1883). Das Volk unterwarf sich dieser unverhüllt politischen Forderung zwar, vermochte sie jedoch längst nicht immer innerlich zu akzeptieren, und wenn diese innere Rebellion an die Oberfläche schwappte, konnte dies die unerwartetsten Folgen nach sich ziehen.

Ein portugiesischer Marrano (so nannte man die zum Christentum übergetretenen Juden, welche dem Judentum allerdings oft insgeheim treu geblieben waren) namens Uriel da Costa kehrte zunächst zum Glauben seiner Väter zurück, doch dann überkam ihn grenzenloser Abscheu vor dem Talmud. Anno 1616 veröffentlichte er in Hamburg ein Traktat mit dem Titel These gegen die Tradition , in dem er die „Pharisäer“ attackierte und behauptete, die talmudischen Gesetze seien von diesen selbst geschaffen wurden und mitnichten göttlichen Ursprungs. Das Traktat richtete sich an die Juden von Venedig, mit dem Ergebnis, dass der dortige Rabbiner, ein Leo Modena, prompt den gefürchteten Bannfluch gegen da Costa verhängte. Nach Modenas Tod fand bei in seiner Hinterlassenschaft Dokumente, aus denen hervorging, dass er genau gleich gedacht hatte wie da Costa, dies jedoch nicht zu sagen gewagt und seinen Gesinnungsgenossen stattdessen exkommuniziert hatte. So wie Modena haben sich in unserem Jahrhundert zahlreiche Kommunisten verhalten, welche Menschen zum Tode verurteilten, deren Überzeugungen sie insgeheim teilten. 1624 doppelte da Costa mit einem neuen Traktat nach, das den Titel Überprüfung der pharisäischen Tradition durch ihren Vergleich mit dem geschriebenen Gesetz trug. Die Talmudisten Amsterdams, wo sich da Costa damals aufhielt, zeigten ihn bei den holländischen Gerichten an, und zwar mit der Begründung, sein Traktat stelle eine Bedrohung des christlichen Glaubens dar! Die christlichen Behörden ordneten prompt die Verbrennung der Schrift an und machten sich somit zu Vollstreckern des talmudischen Gesetzes.

Die Willfährigkeit, mit der sich Nichtjuden der herrschenden jüdischen Sekte unterwerfen, ist ein Phänomen, welches man seit der babylonischen Epoche bis in die Gegenwart immer wieder beobachten kann. Da Costa wurde buchstäblich zu Tode gehetzt und schied 1640 durch eigene Hand vom Lichte.

Die jüdische Geschichte verzeichnet zahlreiche solche Episoden. Wer sich in die einschlägige Literatur vertieft, den übermannt schon bald das Grausen. Der „große Bannfluch“ lief in der Praxis auf ein Todesurteil hinaus, was natürlich auch sein Sinn war. Er belegte das Opfer mit sämtlichen im Deuteronomium aufgezählten Flüchen, und die Juden glaubten, diese Flüche würden wortwörtlich in Erfüllung gehen (orthodoxe Anhänger der Sekte vertreten diese Ansicht noch heute).

In der Jewish Encyclopedia liest man unter dem Stichwort „Flüche“: „Die talmudische Literatur zeugt von einem manchmal an reinen Aberglauben grenzenden Glauben an die Macht des bloßen Wortes… Ein von einem Schriftgelehrten ausgesprochener Fluch erfüllt sich unfehlbar, selbst wenn er ungerechtfertigt ist… Schriftgelehrte verfluchten manchmal nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit einem wütenden, starren Blick. Die unvermeidliche Folge dieses Blicks war entweder der sofortige Tod oder Armut.“

Die hier beschriebene Praxis ist augenscheinlich mit dem identisch, was man heute den „bösen Blick“ nennt. In der von mir benutzten Enzyklopädie heißt es hierzu: „Dieser Aberglaube ist alten Datums und tritt bei fast allen Rassen auf; bei Analphabeten und Wilden ist er heute noch verbreitet.“ Aus der Jewish Encyclopedia geht hervor, dass es sich hierbei um eine durch das jüdische Gesetz sanktionierte Strafe handelt; wie bereits erwähnt, hält dieselbe Quelle klipp und klar fest, dass sogar die Bibel gegenüber dem Talmud zweitrangig ist. M. L. Rodkinson, ein Gelehrter, dem die Übersetzung des Talmud ins Englische anvertraut wurde, meint, „keine einzige Zeile“ des Talmud sei geändert worden. Allerdings greift der Talmud im vorliegenden Fall lediglich das bereits von den Leviten im Deuteronomium festgelegte Gesetz über den Bannfluch auf.

Dies alles bedeutet, dass die Verhängung des Bannfluchs sowie die Bestrafung eines Opfers durch den bösen Blick noch heute Bestandteil des Gesetzes sind; die eben angeführten Zitate lassen keine andere Deutung zu. (Ein zeitgenössisches Beispiel für den talmudischen „wütenden, starren Blick“ findet man in Whittaker Chambers‘ 1952 erschienenem Buch Witness, wo er seine Begegnung mit den Anwälten des Sowjetspions Alger Hiss schildert; dass Chambers bald darauf einen Selbstmordversuch beging und nur durch eine gütige Fügung des Schicksals überlebte, ist eine Tatsache, die jeder auslegen kann, wie er will).

Die Exkommunizierung hatte also tödliche Folgen. M. L. Rodkinson bemerkt hierzu treffend:

„Wir können uns vorstellen, wie furchtbar sie [die Rabbiner] sich an einem gewöhnlichen Menschen oder Gelehrten rächten, der es wagte, Meinungen zu äußern, die in irgendeiner Hinsicht von ihren eigenen abwichen, oder den Sabbat verletzte, indem er beispielsweise ein Taschentuch trug, oder den Wein von Nichtjuden trank, was laut den Rabbinern einen Verstoß gegen das Gesetz darstellt. Wer konnte Widerstand gegen die fürchterliche Waffe der Exkommunizierung leisten, die sie benutzten, um einen Menschen in einen gehetzten Wolf zu verwandeln, vor dem seine Umwelt wie vor einem Aussätzigen zurückschauderte? Viele, die diesen bitteren Kelch leeren mussten, wurden in den Tod getrieben, und viele andere verfielen dem Wahnsinn.“

Ein solch trauriges Geschick ereilte etliche der großen jüdischen Protestanten.* Zu jenen Juden, die ihre Stimme gegen den Talmud erhoben, gehörte der 1632 in Amsterdam geborene Baruch Spinoza. Der von den Amsterdamer Rabbinern gegen ihn ausgesprochene Bannfluch lässt sich direkt auf die Flüche des Deuteronomium zurückführen:

„Durch das Urteil der Engel, durch den Urteilsspruch der Heiligen verhängen wir den Bannfluch über Baruch Spinoza, stoßen ihn aus unserer Gemeinde aus, verdammen und verwünschen wir ihn vor diesen heiligen Büchern mit den 613 darin enthaltenen Geboten; wir belegen ihn mit dem Bannfluch, den Joshua über Jericho verhängte, mit dem Fluch, den Elias über die Kinder [die ihn verhöhnt hatten und zur Strafe sogleich von Bären zerrissen wurden] aussprach, und mit allen Flüchen, die in der Thora niedergeschrieben sind; verflucht sei er bei Tag und verflucht bei Nacht; verflucht, wenn er ausgeht, und verflucht, wenn er eingeht; möge ihm der Herr niemals verzeihen; mögen der Zorn und der Ingrimm des Herrn über diesem Manne lodern und alle Flüche über in bringen, die in der Thora niedergeschrieben sind. Der Herr tilge seinen Namen unter dem Himmel. Der Herr sondere ihn von allen Stämmen Israels zur Vernichtung ab, mit allen Flüchen des Firmaments, die in der Thora niedergeschrieben sind. Niemand spreche mit ihm, niemand schreibe ihm, niemand erweise ihm irgendwelche Freundlichkeiten, niemand hause unter demselben Dache wie er, niemand leiste ihm je Gesellschaft.“

Spinoza wurde aus Amsterdam verbannt und, wie es in einer Enzyklopädie heißt, „Zielscheibe einer Verfolgung, die sein Leben bedrohte“. Von seinen Glaubensbrüdern gemieden und geächtet, starb er im Alter von 44 Jahren. Weit weg vom talmudischen Zentrum, jedoch nicht weit genug.**

Ein rundes Jahrhundert nach Spinoza verkündete Moses Mendelssohn (1729-1786) die ketzerische Lehre, die Juden sollten ihrem Glauben zwar treu bleiben, sich jedoch unter ihren Mitmenschen integrieren. Dies hätte in der Praxis bedeutet, dass die jüdische Gemeinschaft die Ketten des Talmud gesprengt und zu jener alten Religion zurückgefunden hätten, nach der sich die jüdischen Protestanten zurücksehnten. Sein Grundsatz lautete: „Oh meine Brüder, beschreitet den Pfad der Liebe, so wie ihr bisher den des Hasses beschritten habt.“ Mendelssohn war mit dem Talmud aufgewachsen. Für seine Kinder erstellte er eine deutsche Übersetzung der Bibel, die er dann unter den Juden zu verbreiten begann.

Die talmudistische Rabbinerschaft erklärte, die jüdische Jugend werde „aus Mendelssohns Übersetzung zwar die deutsche Sprache, nicht aber das Verständnis der Thora lernen“, und verbot das Werk: „Allen, die dem Judentum treu sind, ist die Benutzung der Übersetzung unter Strafe der Exkommunizierung untersagt.“ Anschließend überantworteten die Rabbiner die Übersetzung in Berlin öffentlich dem Feuer.

Die großen jüdischen Protestanten erzeugten innerhalb des Judentums zwar stets Schockwellen, scheiterten jedoch ausnahmslos: stets behielt die herrschende Sekte die Oberhand. Hierfür gab es zwei Gründe: Erstens gewährten die jeweiligen nichtjüdischen Regierungen der Sekte mitsamt ihrem Dogma regelmäßig ihre Unterstützung, und zweitens fügten sich die jüdischen Massen den Befehlen der Sekte widerstandslos. In diesem Punkt unterschied sich die jüdische Masse, oder der jüdische Mob, nicht von der Masse oder dem Mob aller anderen Völker der Geschichte. Die Masse nahm die Revolution in Frankreich, den Kommunismus in Russland, den Nationalsozialismus in Deutschland fügsam hin; ihre Trägheit war stets größer als ihre Bereitschaft, Widerstand zu leisten und die damit verbundenen Risiken in Kauf zu nehmen. Dementsprechend verhielt sich auch die überwältigende Mehrheit der Juden, die niemals gegen den talmudistischen Terror rebellierte.

In unserem Jahrhundert erklärten jüdische Freidenker optimistisch, dieser Terror habe seine Wirksamkeit eingebüßt. So schrieb Bernard J. Brown 1933 in seinem Buch From Pharao to Hitler: „Die Drohung der Exkommunizierung hat ihren Stachel verloren… Den Rabbinern und den Priestern ist die Kontrolle über das menschliche Denken entglitten, und es steht den Menschen frei, ungehindert zu glauben, was sie wollen.“ In ähnlichem Sinne äußerte sich Rabbiner Elmer Berger im Jahre 1946: „Der Durchschnittsjude braucht sich nicht mehr vor der Strafe der Exkommunizierung zu fürchten.“

Bernard J. Brown und Rabbiner Elmer Berger frohlockten zu früh: Die seitherigen Ereignisse haben unter Beweis gestellt, dass die mächtige Sekte auch weiterhin sehr wohl imstande war, die Juden in aller Welt an die Kandare zu nehmen.

Tatsache ist und bleibt allerdings, dass die Gnadenlosigkeit der talmudistischen Herrschaft mit ihren sichtbaren und unsichtbaren Ghettos immer wieder Weinen und Murren erzeugte und regelmäßig dazu führte, dass die Versklavten ungestüm an ihren Ketten zerrten. Dies veranlasste die Talmudisten zu einer zumindest vordergründigen Milderung ihrer Tyrannei. Dr. Kastein meint, ungefähr um 900 herum sei „eine Diskussion des Talmud und des religiösen Dogmas statthaft geworden“. Rein äußerlich geschehen schien dies einer Abkehr vom Dogma gleichzukommen, dem zufolge kein Komma irgendeines von den Rabbinern gefällten Urteilsspruch angefochten werden durfte, ebenso wenig wie auch nur der geringste Zweifel an der Offenbarung des Gesetzes auf dem Berge Sinai statthaft war.

Eine echte Debatte hätte in den Ghettos für frischen Wind gesorgt, doch wäre die jüdische Führung gewillt gewesen, eine solche zuzulassen, so wäre ein Spinoza nicht verfolgt worden. Erlaubt wurde in Synagogen und Schulen lediglich eine bizarre Dialektik, die letztlich dazu diente, zu beweisen, dass unter dem Talmud alles erlaubt war; der eine Kontrahent stellte eine Behauptung auf, der andere bestritt diese, und dann wiesen beide nach, dass das Gesetz ihnen recht gab!

Diese Dialektik (auf welche die Gebrüder Thoreau in ihren Büchern kurz eingehen) wurde „Pilpulismus“ genannt. Sie liefert den Schlüssel zu einem Geheimnis, das Nichtjuden immer wieder mit ungläubigem Staunen erfüllt: Die Gewandtheit, mit der die Zionisten für sich Rechte beanspruchen, die sie anderen absprechen. Ein „pilpulistisch“ geschulter Diskussionsredner konnte mit größter Leichtigkeit nachweisen, dass das jüdische Gesetz, welches es den Juden erlaubte, christliche Sklaven zu halten, nichts wie billig, das von den Römern erlassene Verbot dieser Praxis hingegen „Verfolgung“ war. Nicht minder mühelos konnte er den Beweis dafür erbringen, dass das jüdische Verbot von Mischehen „freiwillige Absonderung“ war, während ein entsprechendes Gesetz von nichtjüdischer Seite einer „auf Vorurteilen basierenden Diskriminierung“ (Dr. Kastein) gleichkam, oder dass sich ein Massaker an Arabern sehr wohl mit dem jüdischen Gesetz vereinbaren ließ, während ein Massaker an Juden nach jedem Gesetz ein Verbrechen darstellte.

Dr. Kastein charakterisiert den „Pilpulismus“ als „Art von geistiger Gymnastik, die oft praktiziert wird, wenn der menschliche Intellekt, der unter dem Druck der Außenwelt zu ersticken droht, kein Ventil für einen kreativen Ausdruck im wirklichen Leben findet“. Der hervorgehobene Satzteil ist allerdings pure Augenwischerei: Den menschlichen Intellekt erstickte in den Ghettos mitnichten der „Druck der Außenwelt“, sondern der Druck innerhalb der jüdischen Gemeinden selbst.

Die pilpulistischen „Diskussionen des Talmud“ mögen den Ghettojuden die Illusion vermittelt haben, in der despotischen Gesellschaft, in der sie lebten, ein gewisses Mitspracherecht zu besitzen (so wie heutzutage in diktatorischen Einparteienstaaten „Wahlen“ durchgeführt werden). Ihren stürmischsten Ausdruck fand die Sehnsucht der geknechteten jüdischen Massen jedoch in dem periodisch wiederkehrenden Ruf nach dem Messias; möglicherweise hatten die Führer der Sekte die „Diskussion des Talmud“ aus dem Kalkül heraus erlaubt, solche Ausbrüche leichter kontrollieren zu können.

Immer und immer wieder erscholl in den Gemeinden der klagende Ruf: „Wir erfüllen sämtliche Gebote und Erlasse; nun schenkt uns den verheißenen, wundervollen Lohn!“ So erschien ein „Messias“ nach dem anderen, und jeder ließ in den jüdischen Gemeinden die Erwartungen bis zum Siedepunkt hochwallen. Jeder dieser Emporkömmlinge wurde jedoch als „falscher Messias“ gegeißelt, da die herrschende Sekte nicht in der Lage war, den triumphalen Einzug der Juden in Jerusalem, den das Gesetz ihnen verheißen hatte, zu verwirklichen, und die Hoffnungen der Menschen in den Ghettos wichen wieder dumpfer Verzweiflung.

Zu den frühen „Erlösern“ gehörten Abu Isa aus Isfahan im siebten, Zonarias aus Syrien im achten und Saadya ben Joseph im zehnten Jahrhundert. Der berühmteste „Messias“ von allen war jedoch Sabbatai Zevi aus Smyrna, der anno 1648 verkündete, das Tausendjährige Reich stehe unmittelbar bevor. Dies tat er, indem er den gefürchteten Namen Gottes in der Synagoge aussprach, worauf er sogleich mit dem Bannfluch belegt wurde. Um sich den unerquicklichen Folgen dieser Maßnahme zu entziehen, flüchtete er und blieb viele Jahre lang im Exil. Doch hatte er in den jüdischen Gemeinden, die der ersehnten Erlösung entgegenfieberten, derart immense Hoffnungen geweckt, dass er 1665 nach Smyrna zurückkehrte und den Talmudisten, die in ihm die schwerste Bedrohung ihrer Autorität seit Jahrhunderten erkannten, unerschrocken die Stirn bot.

Sabbatai Zevi selbst behauptete niemals, der Messias zu sein. Das Verlangen, die Ketten des Talmud abzuschütteln und triumphierend in Jerusalem einzuziehen, war jedoch derart überwältigend, dass die jüdische Gemeinde in Smyrna, gefolgt von den jüdischen Massen in aller Welt, den von den Talmudisten gegen Sabbatai Zvi verhängten Bannfluch ignorierte und ihn zum Messias ausrief. Hierauf erklärte er 1666 zum messianischen Jahr, verteilte die Herrscherkronen aller Länder unter seine Freunde und zog gen Istanbul, um den türkischen Sultan, der damals zugleich der Herrscher Palästinas war, vom Throne zu stoßen. Vielerorts verkauften die Juden ihre Geschäfte, ihre Häuser und ihr Vieh, um sich auf die „Rückkehr“ und den Tag vorzubereiten, an dem sie die Weltherrschaft übernehmen würden. Wie Samuel Pepys in seinem berühmten Tagebuch festhält, wurden im Februar 1666 unter den Londoner Juden Wetten darüber abgeschlossen, ob Sabbatai Zevi tatsächlich zum „König der Welt und wahren Messias“ erklärt werden würde.

Wie nichts anders zu erwarten war, wurde Sabbatai Zvi nach seinem Eintreffen in Istanbul prompt verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Dies mehrte sein Ansehen noch und ließ die Schar seiner Anhänger weiter anschwellen. Das Gefängnis wurde von einer lärmigen Menschenmenge belagert, so dass man den prominenten Häftling in eine Festung in Galipoli überstellte, die durch jüdische Geschenke prompt in eine Art königliche Residenz umgewandelt wurde. Die Emotionen erreichten nun ihren Siedepunkt: Für eine unter die Völker zerstreute, seit langem vom Rest der Menschheit isolierte Nation war er der König der Welt, der gekommen war, um sie zu befreien und über alle anderen Völkerschaften zu erheben.

Sabbatai Zev hatte genau dasselbe getan wie die Führer der Sekte vor ihm: Er hatte versprochen, was er nicht zu halten vermochte. Es ist dies die Achillesferse der jüdischen Religion, die dereinst zu ihrem Untergang führen muss. Im Gegensatz zu den vorsichtigen Weisen hatte er allerdings den verhängnisvollen Fehler begangen, sich selbst eine genaue Frist zu setzen, nämlich den letzten Tag des Jahres 1666! Als sich das Jahr seinem Ende zuneigte, entsandte die talmudistische Führung in Polen, die mittlerweile keinen Zweifel am Ausgang der Affäre mehr hegte, einen Boten zum Sultan und prangerte Sabbatai Zev als „falschen Messias“ an. Hierauf beschloss der Gefangene in seinem „Palast“, seine Haut zu retten und trat mit großem Pomp zum Islam über. Er beschloss seine Tage am Hof des Sultans, so wie gar mancher Zionist heutzutage seinen Lebensabend in New York verbringt. Für einen kurzen Augenblick hatte er die talmudistische Regierung bis ins Mark erschreckt und dazu genötigt, den Bannfluch über ihn und seine Anhänger zu verhängen. Bis zum heutigen Tage besitzt er eine kleine Gefolgschaft, die glaubt, Zvi Sabbatai werde einst wiederkehren und sein Beispiel sei streng zu befolgen, einschließlich seiner Bekehrung zum Islam.

Der Zionismus unserer Zeit ist eindeutig eine neue Form des Messianismus und wird die jüdischen Massen früher oder später zwangsläufig ebenso enttäuschen wie die „falschen Erlöser“ vergangener Jahrhunderte. Nach dem Tode Sabbatai Zvis standen die Juden vor einem Scherbenhaufen und waren nach wie vor Gefangene in ihren Ghettos. Nun, wo ihre Hoffnungen auf Befreiung zerronnen waren, wandten sie sich unter dem wachsamen Blick ihrer Herren wieder dem Studium des Gesetzes und seiner zerstörerischen Botschaft zu. Sie wurden für eine Aufgabe benötigt und sorgfältig auf diese vorbereitet.

 

Kapitel 17

Die zerstörerische Mission

Nach langjährigem Studium, während dessen er Hunderte von Büchern las, gelangte der Verfasser des vorliegenden Werks allmählich zur Einsicht, dass sich die zentrale Botschaft der Geschichte Zions in dem bereits früher zitierten Satz von Maurice Samuel zusammenfassen lässt: „Wir Juden, die Zerstörer, werden für immer Zerstörer bleiben… Nichts, was die Nichtjuden tun, wird unsere Bedürfnisse und Forderungen je befriedigen.“

Auf den ersten Blick wirkt dies wie die Prahlerei eines Neurotikers, doch je mehr man sich in die Materie vertieft, desto klarer begreift man, dass diese Worte tödlich ernst gemeint und sorgfältig gewählt sind. Sie bedeuten, dass ein Mensch, der als Jude geboren wurde und Jude bleibt, eine zerstörerische Mission auszuführen hat, der er sich nicht entziehen kann. Befolgt er diesen Auftrag nicht, so ist er in den Augen der Weisen kein guter Jude; will er ein guter Jude sein, so muss er seine Mission erfüllen.

Dies ist der Grund dafür, dass die Führer der Juden im Verlauf der Geschichte zwangsläufig eine destruktive Rolle spielen mussten. In unserem zwanzigsten Jahrhundert erwarb diese zerstörerische Mission ihre bisher größte Dynamik, mit Ergebnissen, deren Tragweite sich vorderhand noch gar nicht abschätzen lässt.

Mit dieser Auffassung stehen wir durchaus nicht allein. Zionistische Schriftsteller, abtrünnige Rabbiner und nichtjüdische Historiker bestätigen, dass eine solche zerstörerische Mission existiert; ihr Vorhandensein ist vermutlich der einzige Punkt, über den sich alle ernstzunehmenden Forscher einig sind.

Aus der jüdischen Perspektive lässt sich der Sinn der gesamten Geschichte darauf reduzieren, dass die Juden nichtjüdische Gesellschaften zerstören müssen, um dem Gesetz Genüge zu tun und somit die Bedingung für den endgültigen Triumph des Judentums zu erfüllen. Der Ausdruck „die gesamte Geschichte“ bedeutet für den Juden etwas grundlegend anderes als für den Nichtjuden. Der Christ beispielsweise versteht hierunter die christliche Ära sowie die dieser vorausgehenden Perioden bis in jene ferne Vergangenheit, wo die nachweisbaren Fakten allmählich den Legenden und Mythen weichen. Für den Juden ist „Geschichte“ gleichbedeutend mit den in der Thora sowie dem Talmud verzeichneten Ereignissen, und diese betreffen ausschließlich die Juden; die ganze, einen Zeitraum von über drei Jahrtausenden umspannende Erzählung dreht sich um jüdische Vernichtungsfeldzüge und jüdische Rache.

Die logische Folge dieses Weltbilds besteht darin, dass die gesamte Geschichte der anderen Nationen buchstäblich zu Nichts zerfällt wie das Bambus- und Papiergerüst einer chinesischen Laterne. Für den Nichtjuden ist es ein heilsames Experiment, seine gegenwärtige und vergangene Welt durch dieses Spektrum zu betrachten und dabei entdecken zu müssen, dass all jene Ereignisse, die er als wichtig betrachtet und die ihn mit Stolz oder Scham erfüllen, einzig und allein als verschwommener Hintergrund der Geschichte Zions existieren. Das Ganze wirkt so, als blicke man mit einem Auge durch das falsche Ende eines Fernrohrs auf sich selbst und mit dem anderen durch ein Vergrößerungsglas auf Juda.

Für den orthodoxen Juden ist die Erde immer noch flach, und Juda steht im Zentrum des Weltalls. Die herrschende Sekte hat es in erheblichem Umfang fertiggebracht, dieses Weltbild den großen Nationen aufzuzwingen, so wie sie das Gesetz zuerst den Juden selbst aufgezwungen hat. 

Das Gebot „Zerstöre!“ ist das Leitmotiv des von den Leviten geschaffenen Gesetzes. Wird es außer Kraft gesetzt, so ist das, was noch übrigbleibt, nicht mehr das „Mosaische Gesetz“, sondern etwas grundlegend anderes. Der Imperativ „Zerstöre!“ ist das Markenzeichen der jüdischen Religion. Dass die Urheber des Gesetzes ausgerechnet dieses Verbum gewählt haben, dürfte schwerlich dem Zufall zuzuschreiben sein. An und für sich wären auch andere Wörter denkbar gewesen – „erobern“, „besiegen“, „überwinden“, „unterjochen“ – doch die Schriftgelehrten entschieden sich für „zerstören“ und legten dieses Wort Gott in den Mund.

Diese Perversion war es, die Jesus geißelte, als er den Pharisäern vorwarf, dass „sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind“ (Matthäus 15,8-9).

Die erste Stelle des Alten Testaments, wo geschildert wird, wie Jahwe „Rache“ an den Heiden übt, findet sich im Buch Exodus: „So spricht der HERR: Um Mitternacht will ich durch Ägyptenland gehen, und alle Erstgeburt in Ägyptenland soll sterben, vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron sitzt, bis zum ersten Sohn der Magd, die hinter ihrer Mühle hockt, und alle Erstgeburt unter dem Vieh. Und es wird ein großes Geschrei sein in ganz Ägyptenland, wie nie zuvor gewesen ist noch werden wird; aber gegen Israel soll nicht ein Hund mucken, weder gegen Mensch noch Vieh, auf dass ihr erkennet, dass der HERR einen Unterschied macht zwischen Ägypten und Israel.“ (2.Mose 11,4-7) Von diesem Augenblick an zieht sich der Befehl „Zerstöre!“ wie ein roter Faden durch das ganze Gesetz sowie die ganze Darstellung der geschichtlichen Begebenheiten. Bisweilen ist die Frage, wer zerstören soll, Gegenstand von Verhandlungen zwischen Jahwe und seinem auserwählten Volk: Entweder anerbietet sich Jahwe selbst, zu zerstören, oder sein Volk bittet ihn darum. In beiden Fällen wird der Zerstörungsakt als etwas dermaßen Verdienstvolles dargestellt, dass er eine entsprechende Gegenleistung erheischt: „Ja, mein Engel wird vor dir hergehen und dich bringen zu den Amoritern, Hethitern, Perisitern, Kanaanitern, Hewitern und Jebusitern, und ich will sie vertilgen. Du sollst ihre Götter nicht anbeten noch ihnen dienen noch tun, wie sie tun, sondern du sollst ihre Steinmale umreißen und zerbrechen.“ (2. Mose 23,23-24) Als Gegenleistung dafür, dass Jahwe andere Stämme vernichtet, muss sein Volk also die Steinmale der Vernichteten umreißen und zerbrechen. Andererseits „gelobte Israel dem HERRN ein Gelübde und sprach: Wenn du dies Volk in meine Hand gibst, so will ich an ihren Städten den Bann vollstrecken. Und der HERR hörte auf die Stimme Israels und gab die Kanaaniter in ihre Hand, und sie vollstreckten den Bann an ihnen und ihren Städten.“ (4. Mose 21,2-3)

Da der Befehl „Zerstöre!“ unter den unabänderlichen Geboten einen derart hohen Stellenwert innehat, ist jeder Akt der Milde ein schwerer Verstoß gegen das Gesetz und nicht bloß ein Irrtum. Für dieses Verbrechen wurde Saul, der erste und einzige wahre König des vereinigten Königtums von Israel und Juda, von den Priestern seines Amtes enthoben und an seiner Stelle David, der Mann aus Juda, auf den Thron gesetzt. In derselben Richtung weist das im Buch Numeri geschilderte Massaker an den Midianitern, mit dem Mose seine Laufbahn beschließt.

Dies also war die Grundlage, auf der das Gesetz und die Darstellung der geschichtlichen Ereignisse sowohl jener Zeit als auch späterer Zeiten beruhte. Nachdem sich Israel von diesem Gesetz losgesagt hatte, standen die Judäer mit ihren Leviten allein auf weiter Flur; ihre Priesterschaft bekräftigte, dass das Zerstören Jahwes oberstes Gebot war und dass sie von ihm dazu bestimmt waren, dieses Gebot zu erfüllen. Somit wurden die Judäer das einzige Volk der Weltgeschichte, dessen Mission spezifisch im Zerstören bestand. Gewiss, dass Kriege Zerstörungen mit sich bringen, ist eine Binsenwahrheit, doch das Zerstören als Ziel an sich war zuvor unbekannt gewesen, und die einzige Quelle dieser singulären Ideologie findet sich in der Thora und im Talmud.

Rekapitulieren wir: Die Absicht der Weisen bestand eindeutig darin, eine zerstörerische Kraft zu organisieren; hierin liegt die große Wahrheit des eingangs angeführten Zitats von Maurice Samuel.

Wenn ein unter die Nationen zerstreutes Volk einem solchen Gesetz huldigt, so hat dies zwangsläufig missliche Folgen für seine Gastvölker. Die Jahre 458–444 v. Chr., als die Leviten ihr weinendes Volk mit persischer Rückendeckung unter ihr Joch zwangen, waren die Geburtsstunde einer Nation, welche auf die sie umgebenden Gesellschaften immer und immer wieder eine katalytische Wirkung ausgeübt hat, ohne sich selbst nennenswert zu wandeln. Die Juden wurden zu einem weltweiten katalytischen Faktor, und die Veränderungen, die sie hervorriefen, waren negativer Art. Ihre Gastvölker haben schwer unter der Gegenwart einer feindlichen Minderheit in ihrer Mitte gelitten, wobei die Komplizenschaft der nichtjüdischen Regierungen mit der Sekte ihr übriges tat. Dass die Erfüllung ihrer finsteren Mission die Juden glücklich gemacht hat, darf man übrigens füglich bezweifeln.

Immerhin: Die Nichtjuden haben überlebt und werden auch in Zukunft überleben. Trotz aller Daniels, aller Mordechais und ihrer Nachfolger in späteren Jahrhunderten ist das Ende der Nationen, deren Vernichtung Jahwe seinem Volk verheißen hat, weit und breit nicht in Sicht.

Das Gesetz befahl dem auserkorenen Volke ausdrücklich, die Nationen, unter die Jahwe es zerstreut hatte, zur Strafe für ihre Verfehlungen in den Untergang zu treiben. Die Vorstellung, das auserwählte Volk könnte unter Umständen gemeinsame Sache mit den Feinden seines Gastvolkes machen, erscheint erstmals ganz am Anfang des Buches Exodus:

„Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Joseph und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk Israel ist mehr und stärker als wir. Wohlan, wir wollen es mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unseren Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Lande ausziehen.“ (2. Mose 1,8-10)

Das Buch Exodus dürfte zwar wenig mehr als eine Sammlung von Legenden sein, doch später, zu einem Zeitpunkt, wo sich die geschilderten Ereignisse im großen Ganzen verifizieren lassen (dies gilt beispielsweise für den Untergang Babylons), werden sie ganz ähnlich dargestellt: Die Judäer verbünden sich mit den Feinden Babylons und heißen die persischen Eroberer jubelnd willkommen. Die Zerstörung Babylons wird als ausschließlich um der Judäer willen begangener Racheakt Jahwes dargestellt, bei dem auch der babylonische König über die Klinge springen muss. Mag diese Episode auch erfunden sein; als historischer Präzedenzfall eignet sie sich trefflich.

Die Darstellung der Geschichte des Alten Testaments endet mit dem nächsten Racheakt, dessen Opfer diesmal die persischen Befreier sind. Westliche Spitzenpolitiker unseres Jahrhunderts, die von ihren zionistischen Besuchern schmeichelnd mit dem guten König Kyrus verglichen werden, täten gut daran, im Alten Testament nachzulesen, was den Persern widerfuhr. Nach der Logik der Dinge mussten diese nämlich ihrerseits einen hohen Preis dafür entrichten, dass sie die Judäer in ihrer Mitte duldeten.

Die im Buch Esther erzählte Geschichte wird durch keine nichtjüdischen Quellen erhärtet und ist rein allegorischer Natur. Die Rolle des heidnischen Verfolgers spielt hier Haman, ein vornehmer Höfling des Perserkönigs Ashaverus, der seinen Herrn vor den Juden warnt: „Es gibt ein Volk, zerstreut und abgesondert unter allen Völkern in allen Ländern deines Königreichs, und ihr Gesetz ist anders als das aller Völker, und sie tun nicht nach des Königs Gesetzen. Es ziemt dem König nicht, sie gewähren zu lassen.“ (Esther 3,8) Diese Worte Hamans unterscheiden sich kaum von dem Urteil, das heutzutage jeder beliebige Staatsmann über das „abgesonderte“ Volk und sein einzigartiges Gesetz fällen könnte; in der Vergangenheit hat sich gar mancher Staatsmann in der Tat so geäußert. Doch laut dem Buch Esther fährt Haman fort: „Gefällt es dem König, so lasse er schreiben, dass man sie umbringe.“ (Esher 3,9) Ashaverus lässt sich überzeugen und erteilt den Ausrottungsbefehl. (Dass Haman einen Massenmord an den Juden anregt und der König einen solchen anordnet, ist erforderlich, damit die spätere Rache der Juden als gerechtfertigt erscheint.) „Und die Schreiben wurden gesandt durch die Läufer in alle Länder des Königs, man solle vertilgen, töten und umbringen alle Juden, jung und alt, Kinder und Frauen, auf einen Tag, nämlich am dreizehnten Tag des zwölften Monats, das ist der Monat Adar, und ihr Hab und Gut plündern.“ (Esther 3,12-13)

Die späteren Schriftgelehrten, welche das Buch Esther verfassten, wollten das Thema des mächtigen Juden am Hof des fremden König offenbar variieren und erfanden deshalb die Gestalt der Esther, der jüdischen Lieblingskonkubine des Königs, die er an Statt seiner ungehorsamen Gattin Vashti zur Königin gemacht hat. (Esther 2,17) Auf Esthers Fürbitte widerruft Ashaverus den Mordbefehl und lässt Haman mitsamt seinen zehn Söhnen an den Galgen hängen, den Haman für Esthers Vetter und Pflegevater Mordechai errichtet hat. Der König gewährt Mordechai freie Hand, worauf dieser „den Fürsten, Statthaltern und Obersten in den Ländern von Indus bis zum Nil, hundertsiebenundzwanzig Ländern“, gebot, den Juden die Erlaubnis zu geben, „sich zu versammeln und ihr Leben zu verteidigen und alle Macht des Volks und Landes, die sie angreifen würde, zu vertilgen, zu töten und umzubringen samt den Kindern und Frauen und ihr Hab und Gut zu plündern“ (Esther 8,11). Nach der Veröffentlichung dieses Dekrets war „in allen Ländern und Städten, an welchen Ort auch immer des Königs Wort und Gesetz gelangten, Freude und Wonne unter den Juden, Gastmahl und Feiertag; und viele aus den Völkern im Lande wurden Juden; denn die Furcht vor den Juden war über sie gekommen“. (Esther 8,17)

Die Juden nutzten die ihnen zugesicherte Handlungsfreiheit weidlich: „So schlugen die Juden alle ihre Feinde mit dem Schwert und töteten und brachten um und taten nach ihrem Gefallen an denen, die ihnen feind waren. Dazu töteten sie […] die zehn Söhne Hamans, des Sohnes Hammedathas, des Judenfeindes. […] Auch die andern Juden in den Ländern des Königs kamen zusammen, um ihr Leben zu verteidigen und sich vor ihren Feinden Ruhe zu verschaffen, und töteten fünfundsiebzigtausend von ihren Feinden; aber an die Güter legten sie ihre Hand nicht.“ (Esther 9,5; 9,16) Anschließend befahl Mordechai, den vierzehnten und fünfzehnten Tag des Monats Adar, an denen sich der Massenmord zugetragen hatte, zum Feiertagen zu ernennen.

Alles deutet darauf hin, dass Haman, Mordechai und Esther Phantasiegestalten sind. Auch ein König Ashaverus lässt sich historisch nicht nachweisen; allerdings behauptet eine Enzyklopädie (vermutlich um dem Buch Esther den Nimbus geschichtlicher Authentizität zu verleihen), Ashaverus sei „mit Xerxes identifiziert worden“. Wenn dies zutrifft, war er der Vater des König Artaxerxes, der Nehemiah durch seine Soldaten nach Jerusalem eskortieren ließ, wo er den Juden seinen rassischen „Neuen Bund“ aufzwang. In diesem Fall schützte Artaxerxes ein Volk, das 75.000 seiner persischen Untertanen niedergemetzelt hatte! Die gesamte Geschichte entbehrt jeder historischen Grundlage und riecht meilenweit nach chauvinistischer Propaganda.

Dies ändert freilich nichts an der erstaunlichen Tatsache, dass diese erfundene Geschichte fatal an gewisse Erscheinungen unserer Zeit gemahnt, in der ein auf solchen Anekdoten beruhendes Gesetz den Völkern des Westens aufgenötigt worden ist. Heutzutage kann man zwar nur in Ausnahmefällen „Jude werden“, aber der Satz „viele aus den Völkern im Lande wurden Juden; denn die Furcht vor den Juden war über sie gekommen“ mutet unheimlich aktuell an. Im sechsten vorchristlichen Jahrhundert mögen kein König Ashaverus und kein Mordechai gelebt haben, doch in unseren Tagen ist Mordechai quicklebendig und ungeheuer mächtig; zwei Generationen von Politikern ließen sich bei ihren Handlungen mehr von der Furcht vor ihm als von der Sorge um das Wohl ihrer Völker leiten.

Die Realitäten unserer Tage lassen selbst die unwahrscheinlichsten Erzählungen aus ferner Vergangenheit real erscheinen!

Belsazar, Daniel, Ashaverus und Mordechai sind Phantasiefiguren, die zur Illustration des levitischen Gesetzes erfunden wurden. Doch das Massaker am Zaren und seiner Familie wurde 1918 in Übereinstimmung mit Daniel 5,30 begangen, und die in Nürnberg zum Tode verurteilten nationalsozialistischen Führer wurden in Übereinstimmung mit Esther 9,13-14 gehängt. Somit wurden Anekdoten aus alter Zeit zum Gesetz unseres Jahrhunderts. Die beiden ausgelassensten Feste der jüdischen Religion erinnern an alte Legenden von Rache und Massenmord: Die Tötung der Erstgeborenen Ägyptens sowie die Abschlachtung von 75.000 Persern.

Vielleicht trifft es sogar zu, dass die Juden innerhalb von 50 Jahren nach ihrer Unterwerfung durch Babylon die Zerstörung des babylonischen Königreiches durch die Perser ermöglichten und 50 Jahre nach ihrer Befreiung durch den Perserkönig dessen Reich unter Kontrolle brachten – und zwar in solchem Ausmaß, dass die Statthalter des Königs, „von Indien bis Äthiopien“, aus Furcht vor den Juden ein Pogrom an 75.000 Menschen anordneten und gewisse von den Juden als ihre Feinde bezeichneten Personen als „von Gott verflucht“ umbringen ließen. In diesem Fall erging es den persischen „Befreiern“ der Juden weit schlimmer als zuvor deren babylonischen „Unterdrückern“.

In diesem Zusammenhang ist der Hinweis darauf unerlässlich, dass es im Judentum seit jeher zwei grundverschiedene Richtungen gegeben hat. Einige Zitate aus unserer Zeit mögen dies veranschaulichen.

Ein Rabbiner aus Chicago, Salomon B. Freehof, den Bernard J. Brown in seinem Buch From Pharao to Hitler zitiert, vertritt die Ansicht, die Erzählung von Haman, Mordechai und Esther sei „die Essenz der gesamten Geschichte des jüdischen Volkes“, während Brown selbst meint, das Purimfest solle abgeschafft und der Vergessenheit preisgegeben werden, sei es doch heutzutage eine „Travestie eben jener Feste, die den israelitischen Propheten so zuwider waren“ . (Allerdings war Purim noch nicht erfunden worden, als Jesaja und Hosea ihre Stimme gegen die herkömmlichen Feste erhoben.)

Dies schrieb Bernard J. Brown im Jahre 1933, doch die Ereignisse des Jahres 1946, als die nationalsozialistischen Führer an einem jüdischen Feiertag gehängt wurden, beweisen, dass seine Aufforderung ebenso ungehört verhallt ist wie seine anderen, bereits früher zitierten Mahnungen. Wie zwanzig Jahrhunderte früher triumphierte anno 1946 die Denkweise Rabbiner Freehofs. Die Hauptelemente des Purimfestes treten in anderem Gewande sowohl in früheren als auch in späteren Epochen der Geschichte Zions auf: Immer wieder bedienen sich die Juden eines nichtjüdischen Herrschers, um ihre nichtjüdischen Feinde zu vernichten und so ihre Rachsucht zu stillen.

Das Buch Esther ist das letzte Geschichtsbuch des Alten Testaments, so dass der Wissbegierige die jüdischen Autoritäten zu Rate ziehen muss, um zu erfahren, ob auch die späteren Ereignisse in der jüdischen Geschichtsschreibung auf dieselbe Weise dargestellt werden, nämlich als ununterbrochene Kette von „Verfolgungen“ der Juden seitens der Heiden, von denen jede zum Untergang des betreffenden heidnischen Volkes und zu einer jüdischen Racheorgie führt.

Wer dieser Frage nachgeht, kommt zum Ergebnis, dass die gesamte Geschichte bis hin in die Gegenwart von den Führern der Sekte in der Tat so gesehen und den jüdischen Massen so präsentiert wird. So wie Ägypten, Babylon und das Perserreich im Alten Testament nur insofern existieren, als sie die Juden unterwerfen und knechten, ehe sie Jahwes Rache ereilt, schildern die jüdischen Historiker auch die späteren Epochen einzig und allein vom jüdischen Standpunkt aus. Das einzige, was diese Historiker an Griechenland, Rom und allen späteren Reichen interessiert, ist ihre Einstellung gegenüber den Juden bzw. die Einstellung der Juden ihnen gegenüber.

Nach Babylon und Persien war das nächste Land, das die zersetzende Kraft dieser fremden Minderheit zu spüren bekam, Ägypten. Schon ehe die babylonische Eroberung Jerusalems einen Strom von Flüchtlingen in Bewegung setzte, von denen die meisten nach Alexandria abwanderten, war die dortige jüdische Gemeinde die zahlenmäßig stärkste der Welt. Wie später Russland und nach diesem Amerika war Ägypten zu jener Zeit das Land mit der weltweit größten jüdischen Bevölkerung.

Dr. Kastein schreibt zunächst, Ägypten sei für die Juden eine „historische Zufluchtsstätte“ gewesen, doch wer diese Formulierung als Ausdruck warmer Dankbarkeit deutet, täuscht sich gründlich, denn aus Dr. Kasteins folgenden Ausführungen geht hervor, dass unter einer „Zufluchtsstätte“ ein Ort zu verstehen ist, der zerstört werden muss. Was er über die Einstellung der Juden gegenüber den Ägyptern berichtet, erinnert stark an die im Buch Exodus geschilderte erste „Gefangenschaft“ der Kinder Israels im Ägyptenlande: Die Juden in Ägypten „bildeten eine geschlossene Gesellschaft… sie führten ein abgesondertes Leben und bauten ihre eigenen Tempel… Für die Ägypter bewies die religiöse Absonderung der Juden, dass sie sie und ihre eigene Religion verachteten.“ Die Juden, fügt er hinzu, hätten „selbstverständlich“ die persische Sache unterstützt, weil die Perser ihnen früher bei der Rückkehr nach Judäa geholfen hätten.

Dass Ägypten die Judäer gastfreundlich aufgenommen und ihnen Zuflucht gewährt hatte, bedeutete also keineswegs, dass es irgendwelchen Anspruch auf Dankbarkeit oder Loyalität hätte erheben dürfen. Die Feindseligkeit der Juden gegenüber ihrem Wirtsvolk führte auch in diesem Fall dazu, dass sie sich auf die Seite seiner Feinde stellten, was bei den Ägyptern selbstverständlich die Alarmglocken läuten ließ: „Andere Gründe für die Feindseligkeit, die ihnen entgegenschlug, waren die Entschlossenheit der Juden, sich nicht an das Volk, das sie umgab, anzupassen oder sich mit dem Land, wo sie lebten, zu identifizieren… Die tiefe geistige Notwendigkeit, mit jedem Zweig der Nation in Verbindung zu bleiben, der Ruf nach Loyalität gegenüber jeder Gruppe ihres eigenen Volkes, so klein diese auch sein mochte, führte zwangsläufig dazu, dass sie keine ergebenen Bürger eines bestimmten Staates sein konnten.“

„Wie einst in Babylon“, fährt Dr. Kastein fort, hätten die Juden in Ägypten die persischen Eroberer „mit offenen Armen empfangen“ – und dies, obwohl die Ägypter die Juden gastfreundlich aufgenommen hatten.

Nach Babylon, Persien und Ägypten kam Griechenland an die Reihe. Anno 332 eroberte Alexander der Große das Perserreich, und auch Ägypten geriet unter makedonisch-griechische Herrschaft. Alexandria wurde zur griechischen Hauptstadt. Gewiss, viele alexandrinische Juden hätten es gerne mit Jeremia gehalten und dazu beigetragen, den „Frieden der Stadt“ zu wahren. Doch einmal mehr behielten die mächtige Sekte und ihre zerstörerische Lehre die Oberhand.

Als strammer Gefolgsmann der Sekte billigt Dr. Kastein Griechenland und seiner Zivilisation zwar widerwillig „intellektuelle Brillanz“ zu, versteigt sich jedoch zu der Behauptung, es sei „der Prototyp all dessen, was verlogen, grausam, verleumderisch, hinterlistig, träge, eitel, korrupt, raffgierig und ungerecht ist“ gewesen. Seine Bemerkungen zu der griechischen Episode beschließt er mit dem triumphierenden Satz: „Die alexandrinischen Juden führten den Zerfall der hellenistischen Zivilisation herbei.“

Babylon, Persien, Ägypten, Griechenland… Bis zu Beginn der christlichen Ära wurde die Geschichte, bis zurück zur Schöpfung, den Juden in ihren Schriften und von ihren Gelehrten also als rein jüdische Affäre präsentiert, bei der die Heiden nur insofern eine Rolle spielten, als sie auf das jüdische Leben einwirkten und in Frieden und Krieg Zielscheibe jüdischer Zerstörungswut waren.

War diese Porträtierung der vorchristlichen Geschichte wahrheitsgetreu, und wird auch die christliche Geschichte bis in die Gegenwart von den jüdischen Historikern so dargestellt?

Vom Standpunkt unserer eigenen Generation aus entspricht die jüdische Darstellung der vorchristlichen Geschichte durchaus der Wahrheit. In unserem Jahrhundert wurden Konflikte zwischen verschiedenen Nationen nach dem Strickmuster des Konflikts zwischen Babylon und Persien so manipuliert, dass sie mit jüdischen Triumphen und der Stillung jüdischer Rachegelüste endeten, selbst wenn die Juden zumindest äußerlich anfangs überhaupt nichts mit diesen Konflikten zu tun gehabt hatten. Somit wurden die Zerstörungen, die sie hervorriefen, zu Akten der Erfüllung des jüdischen Gesetzes, so wie einst die Tötung der Erstgeborenen Ägyptens, der Untergang Babylons und der auf Anstiftung Mordechais verübte Massenmord an 75.000 Persern.

Auf Griechenland folgte Rom, und zu Roms Blütezeit lebte Cicero, ein Mann, der offenbar bereits wusste, was Dr. Kastein zwei Jahrtausende später bestätigen sollte, nämlich dass die Juden bei der Zersetzung der griechischen Zivilisation eine maßgebliche Rolle gespielt hatten. Beim Prozess gegen Flaccus warf Cicero nämlich einen furchtsamen Blick über die Schulter, als er auf die Juden zu sprechen kam; er wusste, dass sie zusammenhielten wie Pech und Schwefel und jeden in den Ruin zu treiben vermochten, der sich ihnen widersetzte. Deshalb riet er zu Vorsicht beim Umgang mit ihnen.

Fuscus, Ovid und Persius äußerten ähnliche Warnungen, und zu Jesu Lebzeiten schrieb Seneca: „Die Bräuche dieser verbrecherischen Nation greifen so rasch um sich, dass sie bereits in jedem Lande Anhänger haben, und hierdurch zwingen die Unterworfenen den Eroberern ihre Gesetze auf.“ Während jener Zeit äußerte sich der römische Geograph Strabo zu der Verteilung und Zahl der Juden (die in unserer Zeit offensichtlich weitaus größer ist, als die offiziellen Statistiken erkennen lassen); Strabo meinte, es gebe auf der ganzen Erde keinen Ort, wo man sie nicht antreffe.

Aus nichtjüdischer Sicht haben Griechenland und Rom dauerhafte Werte geschaffen, auf denen die europäische Zivilisation beruht. Aus Griechenland kam die Schönheit; alle Dichtung und Kunst geht auf griechisches Vorbild zurück. Aus Rom kam das Recht; römisches Recht liegt der Magna Charta ebenso zugrunde wie dem Prinzip, dass jedermann Anspruch auf einen gerechten und öffentlichen Prozess hat. Es ist dies eine der gewaltigsten Errungenschaften des Abendlandes.

Für zionistische Gelehrte waren Griechenland und Rom nichts weiter vergängliche, widerwärtige heidnische Gebilde. Dr. Kastein meint verächtlich, Judäa habe in Rom „von Anfang an zu Recht lediglich eine Vertreterin geistesfeindlicher, stupider und brutaler Gewalt“ erblickt.

In den ersten drei nachchristlichen Jahrhunderten wurden die Christen im römischen Reich verfolgt. Nachdem Kaiser Konstantin 320 zum Christentum konvertiert war, wurde es den Juden verboten, ihre Sklaven zu beschneiden, christliche Sklaven zu halten oder nichtjüdische Partner zu ehelichen. Diese umgekehrte Anwendung des jüdischen Gesetzes war für Dr. Kastein „Verfolgung“!

Nach dem Zerfall des römischen Reiches im Jahre 395 wurde Palästina Bestandteil von Ostrom, d.h. Byzanz. Erst als die Mehrzahl der Bevölkerung Roms das Christentum angenommen hatte, wurde das Verbot der jüdischen Zuwanderung nach Jerusalem aufgehoben; ohne das Christentum würden in Jerusalem möglicherweise noch heute keine Juden leben. Doch im Jahre 614, als Krieg zwischen Byzanz und Persien herrschte und die Perser in Palästina eindrangen, „stießen die Juden in hellen Scharen zu den persischen Heeren“ und beteiligten sich anschließend „mit dem Ingrimm von Menschen, die sich für dreihundert Jahre Unterdrückung rächen wollten, an einem umfangreichen Massaker an Christen“ (Dr. Kastein). Unter „Unterdrückung“ versteht Dr. Kastein wie bereits erwähnt, dass es den Juden verboten gewesen war, christliche Sklaven zu halten…

Nachdem die Juden ihr Mütchen an den Christen gekühlt hatte, schwand ihre Begeisterung für die Perser merklich. Bereits vierzehn Jahre später waren sie „nur allzu bereit, mit dem byzantinischen Kaiser Heraklit zu verhandeln“ und ihm bei seinem Versuch einer Rückeroberung Palästinas zu helfen.

Wie Cicero und andere antike Denker vor ihm begegnete auch der Begründer des Islam, Mohammed, den Juden mit Argwohn. Im Koran heißt es: „Du wirst sicherlich erkennen, dass die gewalttätigsten Feinde der Rechtgläubigen die Juden und die Götzendiener sind.“ Allerdings legte der Islam in der Praxis ebenso wenig besondere Feindschaft gegen die Juden an den Tag wie das Christentum, und Dr. Kastein findet verhältnismäßig freundliche Worte für ihn: „Der Islam räumte Andersgläubigen völlige wirtschaftliche Freiheit und eine autonome Verwaltung ein… Der Islam praktizierte zweifellos Toleranz gegen Angehörige anderer Religionen… Unter dem Christentum boten sich dem Judentum niemals so gute Chancen, so gute Möglichkeiten, zu gedeihen.“

„Möglichkeiten, zu gedeihen“ winkten den Juden auch auf europäischem Boden, in Spanien; obgleich der Islam die Juden neben den Götzendiener als die „gewalttätigsten Feinde der Rechtgläubigen“ einstufte, öffneten die Mauren ihnen das Tor nach Europa.

Im Jahre 637 eroberte Kalif Omar Jerusalem und wandte sich anschließend westwärts. Nach der islamischen Invasion Spaniens verlegte die talmudistische Regierung ihren Sitz in jenes Land. Die in Spanien herrschenden westgotischen Könige hatten über die bereits in ihrem Land ansässigen Juden ähnlich gedacht wie vor ihnen Cicero und Mohammed. Einer der letzten dieser Könige, Eurich, bat die Bischöfe beim Konzil von Toledo (ca. 680), „eine letzte Anstrengung zu unternehmen, um diese jüdische Pest mit Stumpf und Stiel auszurotten“. Schon bald danach endete die Herrschaft der Westgoten: Süd- und Zentralspanien gerieten unter islamische Herrschaft. Laut Dr. Kastein „stellten die Juden Wachen und Garnisonen für Andalusien“. Genauer geschildert wird diese erste Begegnung zwischen den Juden und Völkern nordeuropäischer Abstammung von Prof. Graetz in seinem Buch Volksthümliche Geschichte der Juden:

„Die Juden Afrikas […] und ihre unglücklichen Glaubensgenossen auf der Halbinsel machten gemeinsame Sache mit dem mohammedanischen Eroberer Tarik… Nach der Schlacht von Jérez im Juli 711 und dem Tod des letzten westgotischen Königs Roderich stießen die siegreichen Araber weiter vor und wurden überall von den Juden unterstützt. In den eroberten Städte ließen die moslemischen Generäle, die jeden Mann zur Eroberung des Landes benötigten, lediglich eine kleine Garnison ihrer eigenen Truppen zurück und überließen sie ansonsten der Obhut der Juden. Auf diese Weise wurden die Juden, die eben noch Knechte gewesen waren, zu den Herren von Córdoba, Granada, Málaga und vieler anderer Städte. Als Tarik vor der Hauptstadt Toledo auftauchte, entdeckte er, dass diese nur von einer kleinen Garnison verteidigt wurde. Während die Christen in den Kirchen für die Sicherheit ihres Landes und ihrer Religion beteten, öffneten die Juden den siegreichen Arabern die Tore, empfingen sie jubelnd und rächten sich so für die vielen Leiden, die ihnen widerfahren waren. Als Musa Ibn Nossair, der Statthalter Afrikas, mit einer zweiten Armee nach Spanien übersetzte und weitere Städte einnahm, überließ er sie ebenfalls der Obhut der Juden.“

Dieses Bild entspricht voll und ganz demjenigen früherer historischer Ereignisse oder Legenden, bei denen die Juden beteiligt waren: Ein Konflikt zwischen zwei „fremden“ Völkern wurde zu einem jüdischen Triumph, dem eine jüdische Racheorgie folgte. Wie einst in Babylon und Ägypten fielen die Juden auch in Spanien dem Volk, unter dem sie lebten, in den Rücken und öffneten die Tore dem fremden Eindringling, der die eroberten Städte anschließend den Juden zur Verwaltung überließ.

Im Krieg sind die Hauptstadt und die anderen großen Städte eines Landes die Früchte des Sieges, doch in Spanien fielen diese Früchte nicht den siegreichen Arabern, sondern den Juden zu. Ganz offensichtlich schlugen die Generäle des Kalifen die Warnungen des Koran ebenso in den Wind wie unsere heutigen Politiker jene des Neuen Testaments.

Hinsichtlich der „vielen Leiden“, die den Juden angeblich widerfahren waren, hält Prof. Graetz ausdrücklich fest, dass das grausamste davon das Verbot der Sklavenhaltung war: „Die schlimmste dieser Bedrückungen war, dass ihnen das Recht auf den Besitz von Sklaven verweigert wurde; fortan durften die Juden weder christliche Sklaven kaufen noch als Geschenk erhalten.“

Falls die arabischen Eroberer auf die Dankbarkeit jener gehofft hatten, denen sie die Hauptstadt Toledo sowie andere große Städte zur Verwaltung anvertraut hatten, irrten sie sich gründlich. Nach dem Sieg der islamischen Heere sang Judah Halevi von Córdoba:

„Wie kann ich würdig mich erweisen meiner heiligen Mission
Wo Zion doch in Ketten liegt, von Rom verdammt zu Schmach und Fron?
Wie kann getreu erfüllen ich den Eid, den ich geschworen
Wenn ich als Fröner schmachten muss unter dem Joch des Mohren?
Staub ist mir aller Reichtum im Spaniolenland,
Doch ehr ich Staub wie Gold, wo einst der Tempel stand.“

Der Geist, der aus diesen Versen spricht, erfüllte die Berater des Kalifen mit Besorgnis, so wie er früher die westgotischen Könige, den Propheten Mohammed und römische Politiker mit Besorgnis erfüllt hatte. In Worten, die von einem Cicero stammen könnten, warnte Abu Ishak von Elvira seinen Kalifen in Córdoba vor der drohenden Gefahr:

„Die Juden sind zu großen Herren geworden; ihr Stolz und ihr Hochmut kennen keine Grenzen… Mache solche Männer nicht zu deinen Ministern, denn die ganze Erde seufzt unter ihnen; schon bald wird sie erbeben, und wir werden alle zugrunde gehen… Ich kam nach Granada und sah, dass dort die Juden herrschten. Sie hatten die Provinzen und die Hauptstadt unter sich verteilt; überall regierte einer dieser Verfluchten. Sie trieben Steuern ein, sie lebten im Wohlstand, sie waren prunkvoll gekleidet, während eure Kleidung, oh Muselmanen, alt und zerschlissen war. Alle Staatsgeheimnisse waren ihnen bekannt, aber es ist Tollheit, Verrätern zu vertrauen!“

Abu Ishaks Mahnungen verhallten ungehört: Der Kalif wählte seine Minister auch weiterhin unter den Kandidaten der talmudistischen Regierung in Córdoba. Die spanische Periode zeigt womöglich klarer als jede andere, dass die jüdische Darstellung der Geschichte der Wahrheit näher kommen mag als die nichtjüdische, denn von der Eroberung Spaniens profitierten die Juden mit Sicherheit mehr als die Mauren. Diese herrschten formal rund 800 Jahre über die Halbinsel, ehe sie von den Spaniern vertrieben wurden.

Obwohl die Juden ihrer Tradition treu blieben und den Spaniern bei der Vertreibung der Moslems halfen, war das allgemeine Misstrauen ihnen gegenüber so groß, dass es sich nicht mehr beschwichtigen ließ. Es richtete sich insbesondere gegen die zum Christentum übergetretenen Juden, die sogenannten Marranos, denen die Spanier nicht abnahmen, dass ihre Konversion aus ehrlicher Überzeugung erfolgt war. Hiermit hatten sie recht: Wie Dr. Kastein berichtet, herrschte zwischen den Juden und den Marranos “eine geheime Atmosphäre der Verschwörung“. Ganz offensichtlich hatten die Marranos von dem im Talmud verbrieften Recht zur Scheinkonversion Gebrauch gemacht.

Dies änderte freilich nichts daran, dass die spanischen Könige während der allmählichen Wiedereroberung der Halbinsel auch weiterhin regelmäßig Juden und Marranos zu ihren Finanzministern ernannten.

Diese Entwicklung fand ihren krönenden Höhepunkt in der Ernennung eines gewissen Isaac Arrabanel zum Verwalter der Staatsfinanzen, die mit der Auflage verbunden war, die notwendigen Mittel für die Eroberung Granadas bereitzustellen. Die Weisen von Zion hielten sich streng an das im Gesetz festgelegte Gebot, „allen Nationen zu leihen und von keiner zu borgen“; wie Dr. Kastein festhält, gewährten sie dem christlichen Norden tatsächlich finanzielle Unterstützung bei der Vorbereitung des Sturms auf die letzten islamischen Bastionen im Süden.

Doch schließlich explodierte der Zorn, der sich während der achthundertjährigen Fremdherrschaft auf die jüdischen Helfershelfer der Mauren angestaut hatte: 1492 wurden die Juden aus Spanien, 1492 auch aus Portugal ausgewiesen. Noch heute hegen die zionistischen Historiker einen tiefverwurzelten Hass auf Spanien und sind davon überzeugt, dass Jahwes Rache an diesem Land noch nicht vollendet ist. Manche von ihnen betrachten den Sturz der spanischen Monarchie viereinhalb Jahrhunderte nach der Reconquista sowie den anschließenden Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 als Ratenzahlungen bei der Begleichung der Schuld, welche die Spanier auf sich geladen haben. Nach der Machtübernahme der deutschen Nationalsozialisten im Jahre 1933 sagte einer der führenden amerikanischen Zionisten, der Richter am Obersten Gerichtshof Brandeis, zu Rabbiner Stephen Wise: „Möge Deutschland das Schicksal Spaniens ereilen!“ In diesem Licht ist auch die Behandlung zu sehen, die Spanien in den folgenden Jahrzehnten widerfuhr, insbesondere sein langer Ausschluss aus den Vereinten Nationen.

Zum Zeitpunkt der Reconquista waren fünfzehn Jahrhunderte der christlichen Ära vergangen. Die Ereignisse dieser Epoche bestätigten das in den historischen Teilen des Alten Testaments erscheinende Strickmuster sowie die Gebote des jüdischen Gesetzes. Unter der Herrschaft der Talmudisten waren die Juden auch weiterhin eine zerstörerische Kraft, und der Kontakt mit ihnen wirkte sich auf andere Völker unweigerlich negativ aus.

Als „Gefangene“ und „Verfolgte“ (beides waren sie in der Tat, doch war es nicht fremde Völkerschaften, die sie gefangen hielten und verfolgten, sondern ihr eigenes Gesetz) mussten sie stets die Rolle spielen, welche dieses Gesetz für sie vorsah: Sie mussten „niederreißen und zerstören“ und wurden von ihren Führern benutzt, um „Unruhen anzuzetteln“, wie es im Koran heißt; anschließend nutzten ihre Herrscher diese Unruhen, um Macht zu gewinnen, Rache zu nehmen, fremde Eindringlinge zu unterstützen und Aufstände zu finanzieren.

Es gab zwar immer wieder Juden, die ihre Stimme gegen die talmudistischen Tyrannen erhoben, aber das Gesetz war zu stark für sie. Die Erfüllung ihrer Mission mochte die Juden ja nicht glücklich machen, doch ihm zu entziehen vermochten sie sich nicht.

Die erste Begegnung der Juden mit einer abendländischen Nation endete nach acht Jahrhunderten damit, dass ihr Gastland sie ausspie. Nun war der für unsere heutige Generation so entscheidende Augenblick gekommen, auf den wir in dem Kapitel Die mobile Regierung bereits hingewiesen haben. Ohne die geheimnisvollen Entwicklungen, die sich tief in Russland abgespielt hatten, wäre die zerstörerische Kraft des Judentums allmählich verpufft.

Die Erfahrung der Vertreibung war für die davon betroffenen Juden ein schwerer Schock gewesen. Sie und ihre Nachkommen gaben wiederholt zu erkennen, dass sie gewillt waren, die Lehren aus dem Geschehenen zu ziehen und nach einem Weg zu suchen, der es ihnen ermöglichen würde, zwar Juden zu bleiben, doch zugleich zum Teil der Menschheit zu werden. Dies hätte das Todesurteil für die zerstörerische Idee und deren Trägerin, die Sekte, bedeutet.

Die Idee überlebte jedoch, und zu ihrem Bannerträger wurde ein Volk, das abstammungsmäßig rein nichts mit den „Kindern Israels“ oder dem Stamme Juda zu tun hatte. Die Angehörigen dieses Volkes nannten sich zwar Juden, doch bedeutete dies lediglich ein Bekenntnis zu einem politischen Programm. Auf dieses Volk müssen wir nun näher eingehen. Zunächst aber noch einige Bemerkungen zu den spanischen Juden und ihrem Schicksal nach der Vertreibung.

Schon zu Beginn der achthundertjährigen jüdischen Geschichte in Spanien (711–1492) waren die dortigen Juden, welche die damals weltweit größte jüdische Gemeinde bildeten, abstammungsmäßig keine reinen Judäer mehr und konnten nicht einmal geltend machen, durchwegs aus Palästina zu stammen. Prof. Graetz schreibt: “Die erste Ansiedlung von Juden im schönen Hisperien ist in Dunkel gehüllt“; er ergänzt, die spanischen Juden hätten Wert darauf gelegt, „eine weit in die Vergangenheit zurückreichende Abstammung“ beanspruchen zu können und darum behauptet, „nach der Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar dorthin verschleppt worden zu sein“.

Im Verlauf der Jahrhunderte hatten die äußeren Umstände und die menschliche Natur einen Vermischungsprozess unvermeidlich gemacht. Die Vorstellung eines Volkes, das dazu auserkoren war, auf den Leichen erschlagener Heiden zu thronen und über die Welt zu herrschen, stieß bei primitiven Stämmen in aller Welt auf Anklang; ein (bereits beschnittener) Araber konnte sich beispielsweise mühelos in einen Juden verwandeln. Weitab vom „Zentrum“, in den Städten und Wüsten Nordafrikas, waren die Rabbiner froh um jeden Konvertiten, der zu ihrer Gemeinde stieß. Während die Anhänger heidnischer Religionen von den christlichen Kaisern Roms verfolgt wurden, blieben die Juden von jeglichen Repressalien verschont, so dass viele Verehrer von Isis, Baal und Adonis, die keine Christen werden wollten, von der Möglichkeit Gebrauch machten, stattdessen zum Judentum überzutreten. An Orten, die allzu fern von Babylon lagen, ließ sich das strenge Gesetz der Rassentrennung damals nicht durchsetzen.

Dies bedeutet, dass die Juden, die im Windschatten der Araber nach Spanien kamen, bereits Vertreter einer Mischrasse waren. Während der achthundert Jahre in Spanien, wohin auch die talmudistische Regierung ihren Sitz verlegt hatte, wurde das Rassengesetz wesentlich strikter gehandhabt als zuvor, mit dem Ergebnis, dass sich ein neuer rassischer Typus herausbildete, der „Sepharde“. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien verlegte die Regierung ihr Hauptquartier wie bereits erwähnt nach Polen. Was wurde nun aus diesen sephardischen Juden, die zumindest teilweise noch judäischer Abstammung waren?

Die Jewish Encyclopedia äußert sich hierzu völlig unmissverständlich: „Die Sephardim sind die Nachfahren der Juden, die aus Spanien und Portugal vertrieben wurden und sich in Südfrankreich, Italien, Nordafrika, Kleinasien, Holland, England, Nord- und Südamerika, Deutschland, Dänemark, Österreich und Ungarn niederließen.“ Man beachte, dass Polen in dieser Aufzählung fehlt! Die talmudistische Regierung verlegte ihren Sitz zwar dorthin, doch die breite Masse der Sepharden folgte ihr mitnichten, sondern ließ sich anderswo nieder. Somit war die Regierung mit einem Schlag von ihrem Volk getrennt, und dieses zerstreute sich über alle möglichen Länder. Diese Zerstreuung beschreibt die Jewish Encyclopedia wie folgt:

„Unter diesen Siedlern gab es viele, die Abkömmlinge oder Oberhäupter wohlhabender Familien waren und als Marranos namhafte Positionen in den Ländern bekleidet hatten, die sie hatten verlassen müssen… Sie betrachteten sich als höhere Klasse, als den Adel des Judentums, und ihre von ihnen verachteten Glaubensbrüder anerkannten sie als solche… Die Sepharden waren nie in anrüchigen Berufen tätig, trieben keinen Wucher und vermischten sich nicht mit den niedrigen Klassen. Obwohl die Sepharden friedlich mit den anderen Juden zusammenlebten, gingen sie nur selten Mischehen mit ihnen ein… In der Moderne haben die Sepharden ihre Autorität, die sie mehrere Jahrhunderte lang über andere Juden ausübten, eingebüßt.“

Rekapitulieren wir: Nachdem die Sepharden die spanische Halbinsel verlassen hatten, zogen sie nicht nach Polen, sondern ließen sich stattdessen in Westeuropa, Nordafrika und im Osmanischen Imperium nieder. Sie vermischten sich nicht mit den anderen Juden, die sie „verachteten“, sondern verharrten in hochmütiger Isolierung, büßten ihre Autorität jedoch schließlich ein. (In den jüdischen Standardwerken findet man die widersprüchlichsten Angaben über den Anteil der Sepharden an der jüdischen Gesamtbevölkerung; gemäß einigen Quellen waren sie eine starke, gemäß anderen nur eine kleine Minderheit. Die betreffenden Statistiken lassen sich biologisch nicht erklären und dürften wohl unzuverlässig sein.)

Wie auf den Wink eines Zauberers hin wandelte sich die Natur des Volkes, über welches das talmudistische Zentrum seit zweitausend Jahren geherrscht hatte, nach dessen Umsiedlung nach Polen abrupt. Nachdem jene Juden, welche die Welt bisher gekannt hatte, arg gebeutelt aus ihrer ersten großen Kraftprobe mit einer westlichen Nation hervorgegangen waren, wurden sie über Nacht zu einer Minderheit innerhalb ihres eigenen Volkes. Die talmudistische Regierung schickte sich an, den zweiten Zusammenprall mit der abendländischen Welt von einem neuen Zentrum aus vorzubereiten, und ließ sich unter einer asiatischen Völkerschaft nieder. Bei dieser handelte es sich um die Chasaren, die viele Jahrhunderte zuvor zum Judentum übergetreten waren. Fortan benutzte die herrschende Sekte dieses wilde Volk, dem die ernüchternde Erfahrung der Vertreibung erspart geblieben war, als Werkzeug zur Durchsetzung ihrer Ziele.

1951 wurde einem New Yorker Verleger, der erwog, eines unserer Bücher zu publizieren, seitens einer jüdischen politischen Zentrale dringend von einem solchen Schritt abgeraten, und zwar mit folgender Begründung: „Mr. Reed hat die Chasaren erfunden.“

Tatsache ist indessen, dass die jüdischen Autoritäten die Existenz des Chasarenvolkes und seine Bekehrung zum Judentum anerkennen, und dass sich die Entwicklung des Chasarischen Reichs anhand von Landkarten verfolgen lässt. Um 600 n. Chr., als es seine größte Ausdehnung erlangt hatte, reichte es vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer. Allen Schilderungen zufolge waren die Chasaren ein tatarischer oder turko-mongolischer Stamm. Laut der Encyclopedia Judaica trat der Chasarische Khagan (Häuptling) „mit den vornehmsten seiner Untertanen und einer großen Zahl seines heidnischen Volkes vermutlich um 679 n. Chr. zum Judentum über“. Diese Darstellung wird durch einen ungefähr aus dem Jahre 960 stammenden Briefwechsel zwischen Hasdai Ibn Shapnet, dem Außenminister des in Córdoba residierenden Kalifen Abd el Rahman, und dem Chasarenkönig Joseph erhärtet. Die Encyclopedia Judaica bestätigt, dass die jüdischen Gelehrten keinen Zweifel an der Echtheit dieser Korrespondenz hegen. In dieser tauchte erstmals das Wort Aschkenasen auf; hierunter waren die bisher unbekannten, von den anderen Juden grundverschiedenen Ostjuden zu verstehen.

Die turko-mongolischen Aschkenasen unterschieden sich von den einzigen zuvor im Westen bekannten Juden, den Sepharden, in jeder Beziehung außer der Religion. Im folgenden Jahrhundert lockerte sich der Würgegriff der talmudistischen Führung um die weit zerstreuten westlichen Gemeinden; um so unerbittlicher schwang sie ihre Zuchtrute hingegen über die neuen, kompakten jüdischen Siedlungen im Osten. Juden mit semitischen Gesichtszügen wurden seltener, und heutzutage weist der typische Jude gewisse mongolische Züge auf, was die logische Folge seiner Abstammung ist.

Kein Nichtjude wird je erfahren, weshalb die Führer der Sekte vor dreizehnhundert Jahren die Massenbekehrung eines zahlenmäßig starken heidnischen Volkes zum talmudischen Judentum duldeten. Führte hier der Zufall Regie, oder waren die Weisen von Zion fähig, alle Eventualitäten vorauszusehen? Wie dem auch sei: Nach der Zerstreuung der Sepharden und dem herben Rückschlag, den die zerstörerische Idee mit der Vertreibung der Juden aus Spanien hatte hinnehmen müssen, verfügten die Führer der Sekte nun über eine gewaltige Reservearmee und über das ideale Menschenmaterial zur Verwirklichung ihrer destruktiven Ziele.

Schon vor ihrem Übertritt zum Judentum lieferten die Chasaren ihren nördlichen Nachbarn, den Russen, einen Krieg bis aufs Messer. Schließlich zerstörten die Russen das Chasarenreich, begründeten eine russische Monarchie und nahmen das Christentum an.

Als die Chasaren zum Judentum übertraten, war die Erstellung des Talmud bereits abgeschlossen. Um das Jahr 1000 herum brach das Chasarische Königreich zusammen. Unter der Führung ihrer talmudistischen Regierung betrachteten die Chasaren die mittlerweile christianisierten Russen weiterhin als ihre Erzfeinde, wozu die antichristliche Stoßrichtung des Talmuds natürlich das ihre beitrug. In den folgenden Jahrhunderten wanderten sie in verschiedene Teile Russlands ab, insbesondere nach Kiew (die traditionelle „heilige Stadt“ des russischen Christentums) sowie andere ukrainische Städte, aber auch nach Polen und Litauen.

Obgleich in ihren Adern kein Tropfen judäischen Blutes rann, wurden die Chasaren unter ihren talmudistischen Herrschern zu einem typischen Staat im Staate. Die Gebiete, wo sie sich niederließen, wurden zu Zentren antirussischer Agitation, die schließlich zur „Weltrevolution“ ausufern sollte. Dort schmiedeten sie die Waffen, mit denen sie das Christentum und das Abendland zu zerstören gedachten.

Dieser wilde Volksstamm aus dem tiefsten Asien lebte so streng nach dem Talmud wie die Juden Babylons oder Córdobas. Jahrhundert um Jahrhundert befolgten sie das Gesetz, um einst in ein gelobtes Land „zurückkehren“ zu dürfen, das keiner ihrer Altvorderen je betreten hatte, und von dort aus über die Welt zu herrschen. Von jenen westlichen Politikern des 20. Jahrhunderts, die eifrig für das zionistische Projekt schwärmten, hat wohl kein einziger je etwas von den Chasaren gehört. Nur die Araber, für die es um Land und Leben ging, wussten Bescheid und versuchten 1947 vergeblich, den Vereinten Nationen über diesen Tatbestand die Augen zu öffnen.

Kehren wir ins 16. Jahrhundert zurück. Damals zerfiel das Judentum also in zwei Gruppen: Die über zahlreiche westliche Länder zerstreuten Sepharden und die in kompakten Siedlungsgebieten lebenden Ostjuden oder Aschkenasen. Zum damaligen Zeitpunkt wusste man noch nicht, ob es dem talmudistischen Zentrum gelingen würde, die Ostjuden zu einer ebenso mächtigen zerstörerischen Kraft zu machen, wie es die Westjuden früher gewesen waren, und ob es dazu in der Lage sein würde, die Kontrolle über die zerstreuten jüdischen Gemeinden, denen der Schock ihrer Vertreibung aus Spanien noch in den Knochen saß, aufrecht zu erhalten.

Letzteres glückte den Führern der Sekte nicht ganz. Abgesehen davon, dass die Sepharden zahlenmäßig schrumpften, lockerte sich auch der Zusammenhalt zwischen ihnen (dies ist zumindest die Ansicht der jüdischen Autoritäten). Ganz anders entwickelte sich jedoch die Lage im Osten. Zwar hörte das talmudistische Zentrum nach der Teilung Polens „zu existieren auf“ (Dr. Kastein), doch die zerstörerische Idee erschien in Europa in neuem Gewandte: Sie nannte sich fortan „Revolution“.

Die drei wichtigsten Revolutionen der letzten vierhundert Jahre waren die britische, die französische und die russische. Jede davon war zerstörerischer als die vorhergehende, jede davon war aufgrund gewisser Merkmale unschwer als Erbin der vorhergehenden zu erkennen, und diese Merkmale gingen auf das jüdische Gesetz zurück, wie es in der Thora und dem Talmud festgelegt ist. Laut diesem Gesetz ist die einzige legitime Regierung die Regierung Jahwes und die einzige legitime Nation das von Jahwe auserkorene Volk, während das Christentum nach dem Talmud die ärgste aller „heidnischen“ Religionen ist.

Anfangs richteten sich alle drei Revolutionen gegen „Könige und Priester“ als Symbolfiguren der Unterdrückung. Doch heute, wo die Macht der Könige und Priester der Vergangenheit angehört, die Revolution jedoch fest im Sattel sitzt, zeigt sich deutlich, dass dies nur hohle Schlagworte zur Täuschung der Massen waren. Die eigentliche Attacke galt der Nation (die der ermordete Monarch in allen drei Fällen symbolisierte) und der Religion (die Zerstörung von Kirchen war ebenfalls ein symbolischer Akt).

Der Hass auf Nation und Religion ließ klar erkennen, welche Kräfte hinter den drei Revolutionen standen: Die Thora und der Talmud sind die einzigen identifizierbaren Quellen dieser Ideologie. Sobald die talmudistische Regierung äußerlich von der Bildfläche verschwunden war, trat diese zerstörerische Weltanschauung ihren Siegeszug durch Westeuropa an.

Die drei Revolutionen verliefen ebenso nach dem Muster der im Alten Testament geschilderten historischen Episoden wie die Ereignisse der christlichen Ära bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien. Alle drei endeten mit einem jüdischen Triumph. Waren sie alle von den Talmudisten vorbereitet, angezettelt und gelenkt worden?

In diesem Punkt besteht ein zentralen Unterschied zwischen den ersten beiden und der dritten dieser Revolutionen.

Dass die Talmudisten bei der englischen und der französischen Revolution ihre Hand im Spiel gehabt haben, lässt sich nicht nachweisen; jedenfalls haben wir keine Beweise dafür entdeckt. Hingegen besteht kein Zweifel daran, dass die Ergebnisse dieser beiden Revolutionen für die Juden einen Sieg auf der ganzen Linie bedeuteten: Den zuvor zumindest formell aus England ausgewiesenen Juden wurde von Cromwell offiziell erlaubt, sich dort aufzuhalten; die französischen Juden erhielten nach dem Sieg der Revolution volle Bürgerrechte. Somit gingen die Juden aus beiden Revolutionen als Gewinner hervor, obwohl diese ursprünglich in keinerlei Zusammenhang mit jüdischen Anliegen standen und nicht auf das Wirken der Weisen von Zion zurückgingen.

Vollkommen anders verhält es sich mit der russischen Revolution. Diese mündete in den größten Triumph, den die Juden in ihrer gesamten Geschichte zu erringen vermochten; kein im Alten Testament geschilderter oder in den Annalen der christlichen Ära verzeichneter jüdischer Sieg reicht an diesen heran, und die Racheorgie, die sich an diesen Triumph anschloss, übertraf alles, was die Welt zuvor gesehen hatte. Diese Revolution war von talmudistisch geschulten Juden organisiert, gelenkt und kontrolliert worden. Es ist dies eine nachweisbare historische Tatsache, die sich nicht unter den Teppich kehren lässt, und zugleich das wichtigste Ereignis in der gesamten Geschichte Zions; sie wirft ein grelles Licht auf die Vergangenheit und liefert zugleich den Schlüssel zur Enträtselung der Zukunft.

In unserem Jahrhundert, in dem sich dieses Ereignis zutrug, erwarb der Ausdruck „Weltrevolution“ einen neuen Sinn, oder genauer gesagt, trat sein wahrer Sinn zutage: Zerstörung ohne Ende, bis das Gesetz erfüllt ist. Als das Wort „Revolution“ im Sprachgebrauch der abendländischen Völker aufkam, wies es einen viel engeren Sinn auf; man verstand darunter eine gewaltsame Erhebung, die sich an einem bestimmten Ort infolge spezifischer Umstände zu einem gewissen Zeitpunkt ereignete. Unerträgliche Unterdrückung provozierte eine gewalttätige Reaktion, so wie der Deckel eines Kessels weggeblasen wird, wenn der Dampf darin einen zu hohen Druck erzeugt. Dies war die volkstümliche Vorstellung von der „Revolution“, genährt durch die Führer der Sekte, die es besser wussten.

Die Russische Revolution ließ jedoch erkennen, dass die Revolution als permanenter Zustand geplant war: Ihre zerstörerischen Auswirkungen waren permanent, und sie wurde permanent organisiert, mit einem permanenten Hauptquartier und Personal und weltweiten Zielen. Somit lagen ihre Wurzeln nicht in irgendwelchen lokalen Missständen oder irgendeiner lokalen Unterdrückung. Sie stand für Zerstörung um ihrer selbst willen und war ein Werkzeug zur Beseitigung aller legitimen Regierungen, die durch andere Herrschaftsformen und andere Herrscher ersetzt werden sollten. Um wen konnte es sich bei diesen Herrschern aber handeln, wenn nicht um die Talmudisten selbst? Die Tatsache, dass die Russische Revolution weitgehend von talmudistischen Juden geplant und durchgeführt wurde, sowie die offensichtlich talmudistischen Ziele der „Weltrevolution“ sprechen eine deutliche Sprache.

Es liegt auf der Hand, dass das Endziel der Operation „Weltrevolution“ in der endgültigen Erfüllung des Gesetzes bestand, dem zufolge Jahwe seinem Volk verheißen hatte, es „über alle anderen Nationen der Erde“ zu erheben. Ohne dieses verborgene Motiv hätte sich keine der drei Revolutionen so entwickelt, wie es tatsächlich der Fall war. Sie repräsentierten verschiedene Etappen auf dem Weg zur Erfüllung des Gesetzes. Historische Figuren, die zu ihren Glanzzeiten gewaltige, souveräne Herrscher zu sein schienen wie König Kyros oder der legendenumwobene König Ashaverus, wirken nachträglich wie Marionetten in dem großen Drama der jüdischen Geschichte, die ihrem Finale furiose in Jerusalem entgegensteuert.

Ein scheinbar gewaltiger und souveräner Herrscher war auch Oliver Cromwell. Von ihm weiß der Durchschnittsengländer heute kaum mehr, als dass er einen König enthaupten und die Juden nach England „zurückkehren“ ließ. Erinnert man sich zusätzlich noch an das von ihm befohlene Massaker an Priestern im irischen Drogheda (ein Ereignis, das in der englischen Geschichte beispiellos dasteht), erkennt man in ihm mühelos eine typische Marionette, die lediglich geschaffen wurde, um das Gesetz seiner Erfüllung einen Schritt näherzubringen.

Cromwell gehörte zu den ersten einer ganzen Reihe sogenannter „alttestamentarischer Christen“. Dieser Ausdruck soll darüber hinwegtäuschen, dass diese Männer in Wahrheit antichristlich gesinnt waren; schließlich lehrt uns eine unanfechtbare Autorität, dass man nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen kann. Dass Cromwell das Weihnachtsfest verbot, Kirchen brandschatzen und Priester er morden ließ, und dass er manchen Juden für kurze Zeit sogar als der künftige Messias galt, rundet das Bild ab.

Während Cromwell an der Macht war, putschte Sabbatai Zevi die Leidenschaften der jüdischen Massen, die sehnsüchtig den Messias erwarteten, bis zum Siedepunkt hoch und erschütterte die Herrschaft der Talmudisten hierdurch bis in die Grundfesten. Die Furcht der Talmudisten vor Sabbatai Zevi mag der Grund und dafür gewesen sein, dass sie Cromwell zu seiner Vernichtung zu benutzen versuchten. Tatsache ist jedenfalls, dass jüdische Emissäre aus Amsterdam in dringender Mission nach England geschickt wurden, um in Erfahrung zu bringen, ob Cromwell jüdischer Abstammung sei. Hätte die Antwort auf diese Frage ja gelautet, so wäre Cromwell womöglich zum Messias ausgerufen worden, besaß er doch eine Qualifikation, die ihn für die Weisen von Zion äußerst anziehend machte: Seine Zerstörungswut. (Sollte je ein Messias ausgerufen werden, so steht der Welt womöglich eine Überraschung ins Haus: Als ich 1939 in Prag war, predigte dort ein Rabbiner, Hitler sei der jüdische Messias, und eine jüdische Bekannte wollte von mir besorgt wissen, was ich von dieser Theorie halte.)

Cromwells Stammbaum vermittelte keinerlei Hinweise darauf, dass er dem Hause Davids entstammte, sonst hätte er sich vermutlich bereit erklärt, die ihm zugedachte Rolle zu spielen. Seine Anhänger, feuerspeiende Fanatiker mit dem Schwert in der einen und der Bibel in der anderen Hand behaupteten, seine Bluttaten stellten Erfüllungen alter Prophezeiungen dar, und indem er den Juden die Rückkehr nach England erlaube, schaffe er die notwendigen Voraussetzungen für den Beginn des Millenniums. Sie regten sogar an, Cromwells Staatsrat solle nach dem Vorbild des alten Sanhedrin aus siebzig Mitgliedern bestehen! Cromwell selbst hielt zwar nicht viel von den Predigern des „Millennium“, doch als „Realpolitiker“ der in unserem Jahrhundert sattsam bekannten Sorte schwadronierte er mit Vorliebe von „religiöser Freiheit“ und der Erfüllung von Prophezeiungen, während seine Häscher Jagd auf Geistliche machten.

Cromwells wahres Ziel bestand darin, finanzielle Unterstützung seitens der reichen Amsterdamer Juden zu gewinnen. (Das Gebot des jüdischen Gesetzes, wonach die Juden allen Nationen leihen, jedoch von keiner borgen sollen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.) John Buchan schreibt in seinem 1934 erschienenen Buch John Cromwell , die Juden von Amsterdam hätten „ den spanischen, den portugiesischen und einen Großteil des levantinischen Handels“ kontrolliert und fährt fort: „Sie kontrollierten den Fluss der Goldbarren; sie halfen Cromwell regelmäßig, die finanziellen Schwierigkeiten seiner Regierung zu überwinden“. Der Amsterdamer Rabbiner Manasseh ben Israel, der das Kommen des Messias und die Rückkehr der Juden nach Palästina geweissagt hatte), begab sich nach London, und die Sache wurde unter Dach und Fach gebracht.

Manasseh ben Israels Petition an Cromwell gemahnt an den formell respektvollen, jedoch unterschwellig drohenden Ton, dessen sich in unserem Jahrhundert ein Dr. Chaim Weizmann bei seinen Verhandlungen mit britischen Premierministern und amerikanischen Präsidenten zu bedienen pflegte. Er ersuchte darum, den Juden die Wiederkehr nach England zu erlauben, spielte dunkel auf Jahwes Rache an jenen an, die es an der gebotenen Demut gegenüber seinem Volk fehlen ließen, und schwenkte nach der Peitsche das Zuckerbrot, indem er für eine kooperative Haltung reiche Belohnung verhieß. Das Bild erinnert lebhaft an einen New Yorker Zionisten, der einen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten belehrt, dass er nur dann auf die Stimmen der New Yorker zählen darf, wenn er sich verpflichtet, den zionistischen Staat in Krieg und Frieden mit Geld und Waffen zu unterstützen.

Was von Cromwell verlangt wurde, war in Wirklichkeit ein Akt der politischen Unterwerfung gegenüber dem jüdischen Gesetz und nicht die „Rückkehr“ der Juden: Diese hatten England nämlich überhaupt nie verlassen! Gewiss, sie waren offiziell des Landes verwiesen worden, doch war diese Verordnung toter Buchstabe geblieben, und nun forderten sie von Cromwell, ihnen formell das Bleiberecht einzuräumen. Der Widerstand der öffentlichen Meinung hinderte ihn daran, sich diesem Ansinnen zu beugen.

Nachdem Cromwells kurzes Interregnum zu Ende gegangen war, hatte die zerstörerische Bewegung nur wenig Boden gewonnen. England vermochte sich ohne sonderliche Mühe von den Schlägen zu erholen, welche die Revolution ihm versetzt hatte, und trat nur unwesentlich gerupft in die folgende Etappe seiner Geschichte ein. Die legitime Regierung wurde unverzüglich wiederhergestellt, und die Religion war durch den Angriff fremder Kräfte kaum mehr geschwächt worden als durch die zunehmende Indifferenz der englischen Bevölkerung, die sich ungefähr zu jener Zeit breitzumachen begann.

Nichtsdestoweniger war das neue Phänomen der „Revolution“ erstmals in Europa aufgetreten, und 150 nach ihrer Vertreibung aus Spanien waren die Juden jäh ins Rampenlicht gerückt.

Nach dem Ende der Cromwell-Ära wurde der neue König von den Juden so für ihre Zwecke eingespannt, als habe sich überhaupt nichts geändert. Die Juden ließen ihre finanzielle Unterstützung nun König Charles II. zukommen, der schon bald nach seiner Thronbesteigung den verlangten Unterwerfungsakt leistete und den Aufenthalt der Juden in England formell legalisierte. Dies brachte seiner Dynastie allerdings keinerlei Vorteile, denn die Amsterdamer Juden finanzierten den Feldzug Wilhelm von Oraniens gegen Charles‘ Bruder und Nachfolger James II., der seines Throns verlustig ging und nach Frankreich fliehen musste. Für die Dynastie der Stuarts bedeutete dies das Aus. Somit lautet die Antwort auf die Frage, wer siegreich aus dem Kräftemessen zwischen Cromwell und den Stuarts hervorgegangen sei: „Die Juden.“

Rund 150 Jahre später erhob die Revolution abermals ihr Haupt, diesmal in Frankreich. Auf den ersten Blick schien sich diese Revolution grundlegend von der englischen zu unterscheiden, doch war dem wirklich so? Genau wie zuvor in England und später in Russland attackierten die Revolutionäre in Frankreich Nation und Religion unter dem Vorwand des Kampfes gegen die „Tyrannei von Königen und Priestern“, um nach ihrer Machtübernahme eine weit brutalere Tyrannei zu errichten.

Als die Französische Revolution ausbrach, war die talmudistische Regierung nach der kurz zuvor erfolgten Teilung Polens „verschwunden“, um Dr. Kasteins Formulierung aufzugreifen. Dies änderte allerdings nichts daran, dass sie im Verborgenen weiter ihre Fäden spann; eine Organisation, die zweieinhalb Jahrtausende lang ununterbrochen existiert hat, verschwindet nicht so ohne weiteres. Doch hatte ihr Abtauchen in den Untergrund zur Folge, dass es für die Historiker fast unmöglich ist, zu ermitteln, ob sie an der Französischen Revolution mitbeteiligt war, und wenn ja, in welchem Ausmaß. Die 120 Jahre darauf ausgebrochene Russische Revolution war dann in zuvor undenkbarem Umfang von talmudistischen Juden kontrolliert; dies könnte einen Hinweis darauf liefern, dass letztere auch bei der Französischen Revolution eine größere Rolle gespielt haben, als sich anhand der bekannten Dokumente nachweisen lässt.

Wie dem auch sei: Die Französische Revolution wurde unter dem Banner der Menschenrechte (womit zweifellos die Rechte aller Menschen gemeint waren) vorbereitet, doch kaum war sie ausgebrochen, kam wundersamerweise sofort die jüdische Frage aufs Tapet. Bereits 1791 gewährten die Revolutionäre den französischen Juden volle Gleichberechtigung. Zum Vergleich: Eine der ersten Handlungen der bolschewistischen Revolutionsregierung bestand in der Verabschiedung eines Gesetzes gegen „Antisemitismus“.

Aus diesem Grund erweckt die Französische Revolution genau wie die Englische Revolution und viele andere gewalttätige Ereignisse der Geschichte den Eindruck, als hätten die Juden zu ihren hauptsächlichen Gewinnern gehört; zumindest legt die Art und Weise, wie die Historiker die Geschehnisse darstellen, diesen Schluss nahe. Vermutlich hatten die revolutionären Massen ganz andere Ziele vor Augen gehabt, genau wie später die Massen, die in zwei europäischen Kriegen kämpfen mussten.

Die Emanzipation der Juden war ein permanentes Ergebnis einer Revolution, die sonst recht wenig Dauerhaftes zu schaffen vermochte und Frankreich in einen Zustand geistiger Apathie versetzte, aus dem es sich nie wieder so richtig erholt hat. Die Geschichte Frankreichs nach der Revolution ist die eines langen Interregnums, in der es mit fast allen der Menschheit bekannten Regierungsformen experimentierte, ohne dadurch sein Glück und seine Stabilität zurückzugewinnen.

Vom Fall Babylons bis zur Französischen Revolution waren die Juden unter ihren Gastvölkern stets eine zerstörerische Kraft. Dies war in Anbetracht des Glaubens, dem sie anhingen und der zugleich ihr Alltagsleben regelte, völlig unvermeidlich. Unter dem jüdischen Gesetz konnten sie gar nicht anders handeln: Sie waren dazu verdammt, für immer Zerstörer zu sein. Die Geschichte der von der totalitären Sekte kontrollierten Juden wiederholte sich in Babylon, in Persien, in Ägypten, in Griechenland, in Rom und in Spanien und konnte angesichts des einzigartigen jüdischen Gesetzes gar nicht anders verlaufen.

Gewiss: Nicht alle Juden haben diese Geschichte geschrieben, und letztere ist nicht die Geschichte aller Juden. Wer diesen Hinweis unterließe, beginge denselben Fehler wie jemand, der „die Deutschen“ für den Nationalsozialismus oder „die Russen“ für den dem russischen Wesen grundsätzlich fremden Kommunismus verantwortlich machen würde.

Immer und immer wieder hat sich innerhalb des Judentums Widerstand gegen das Gesetz geregt. Etliche Beispiele hierfür haben wir in diesem Buch bereits angeführt. Jüdische Dissidenten haben sich erbitterter gegen die ihnen aufgezwungene Mission, Zerstörer zu sein, gewehrt als die Nichtjuden gegen die ihnen drohende Zerstörung. Diesen Vorbehalt gilt es stets im Auge zu behalten, wenn wir von „den Juden“ sprechen.

Wiederholen wir: In den drei Jahrhunderten nach der Vertreibung der Juden aus Spanien rückte die „Judenfrage“ bei zwei blutigen europäischen Revolutionen, die anfangs den Anschein erweckt hatten, als prallten dabei lediglich zwei verfeindete inländische Gruppen aufeinander, in den Brennpunkt der Geschehnisse. (Auf die absolut zentrale Rolle des Judentums bei der Russischen Revolution werden wir zum gegebenen Zeitpunkt zu sprechen kommen.)

Nachdem sich die Wogen der Französischen Revolution geglättet hatten, betrat ein Mann die Weltbühne, der einen ernsthaften Versuch zur Beilegung des Streits um Zion unternahm. Die Geschichte verzeichnet alle nur denkbaren Methoden zur Lösung dieses Problems, von Gewalt und Unterdrückung bis hin zu Beschwichtigung, Kompromiss und Kapitulation. All diese Versuche scheiterten, und das Problem bleibt bis zum heutigen Tage eine blutende Wunde der nichtjüdischen Welt (sowie der Juden selbst, die immer wieder unter dem Hass ihrer Umwelt zu leiden hatten).

Die Methode dieses Mannes war die einfachste, die man sich nur denken konnte. Gerade deshalb denken die treuen Anhänger Zions noch heute mit Beklemmung daran zurück: Diesem klugen Mann hätten sie sich um ein Haar nicht gewachsen gezeigt! Doch musste auch er scheitern, vermutlich weil diese Frage für Menschen unlösbar ist und nur Gott eine Lösung finden kann, wenn die Zeit dafür reif ist.

Dieser Mann war Napoleon. Mit seinem Versuch zur Lösung der jüdischen Frage wollen wir uns nun auseinandersetzen, ehe wir uns wieder der Entwicklung der Revolution zuwenden. 

 

Kapitel 18

Napoleon stellt die Gretchenfrage

Schon bald nach seiner Ernennung zum Kaiser von Frankreich (wenn nicht bereits zuvor) wurde sich Napoleon Bonaparte bewusst, dass eines der schwierigsten Probleme, denen er sich gegenübersah, nicht französischer, sondern fremder Natur war: Die „Judenfrage“. Viele Jahrhunderte lang hatte die abendländische Menschheit unter diesem Problem gelitten. Kaum hatte Napoleon den Papst für sich gewonnen und den Kaiserthron bestiegen, sah er sich jäh mit dieser heiklen Frage konfrontiert.

Wie es seiner Art entsprach, packte Napoleon den Stier bei den Hörnern und versuchte die Juden zu einer klaren Antwort auf die uralte Frage zu bewegen: Waren sie ehrlich bestrebt, Teil der Nation zu werden und sich an ihre Gesetze zu halten, oder befolgten sie insgeheim ein anderes Gesetz, welches ihnen gebot, die Völker, unter denen sie lebten, zu unterwerfen und letztlich zu vernichten?

Diese Gretchenfrage Napoleons an die Juden stellte seinen zweiten Versuch zur Lösung des jüdischen Problems dar. Da sein erster Versuch weitgehend unbekannt ist, lohnt es sich, darüber einige Worte zu verlieren.

Napoleon gehörte zu den ersten, die auf die Idee verfielen, Jerusalem für die Juden zu erobern und, um den heute modischen Ausdruck vorwegzunehmen, „die Prophezeiung zu erfüllen“. Hierdurch schuf er einen Präzedenzfall und wurde zum Vorläufer prominenter britischer und amerikanischer Führer unseres Jahrhunderts, die sich wohl mit Händen und Füssen dagegen verwahrt hätten, mit Napoleon verglichen zu werden: Lord Balfour, Lloyd George, Woodrow Wilson, Franklin D. Roosevelt, Harry Truman und Winston Churchill.

Napoleons Unterfangen war so kurzlebiger Natur, dass die Geschichte nur wenig darüber zu berichten weiß und seine Beweggründe fast völlig im Dunkeln bleiben. Da er zum damaligen Zeitpunkt noch nicht französisches Staatsoberhaupt, sondern erst Oberkommandierender der französischen Armee war, lässt sich nicht ausschließen, dass es ihm lediglich darum ging, sich die Unterstützung der im Nahen Osten lebenden Juden bei seinem dortigen Feldzug zu sichern. Falls er sich allerdings bereits als Ersten Konsul oder gar als Kaiser aller Franzosen sah, ist es sehr wohl denkbar, dass er (wie vor ihm Cromwell) auf die finanzielle Unterstützung der europäischen Juden bei der Verwirklichung seiner ehrgeizigen Pläne spekulierte.

Welche dieser beiden Hypothesen zutrifft, sei dahingestellt. Tatsache ist jedenfalls, dass der Korse der erste europäische Potentat war (als Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte verdient er diese Bezeichnung), der um die Gunst der jüdischen Führer buhlte, indem er ihnen Jerusalem versprach. Mit diesem Schritt stellte er sich de facto hinter die These, wonach die Juden eine separate Nation bilden, auch wenn er sich später in gegenteiligem Sinn äußerte.

Gesicherte historische Informationen über diese Episode sind spärlich und beruhen ausschließlich auf zwei Berichten, die 1799 im Pariser Moniteur erschienen. Damals führte Napoleon Krieg in Ägypten, mit dem Ziel, die Engländer aus dem Nahen Osten zu vertreiben.

Der erste der beiden Berichte war am 17. April 1799 in Istanbul verfasst worden und wurde am 22. Mai veröffentlicht. Darin hieß es: „Bonaparte hat eine Proklamation verabschiedet, in der er alle Juden Asiens und Afrika auffordert, sich um sein Banner zu scharen, um das alte Jerusalem wiederherzustellen. Er hat bereits eine große Anzahl von ihnen bewaffnet, und ihre Bataillone bedrohen Aleppo.“

Diese Sätze lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Napoleon wollte „die Prophezeiung erfüllen“, indem er die Juden nach Jerusalem „zurückkehren“ ließ.

Einige Wochen später berichtete der Moniteur: „Bonaparte hat Syrien nicht nur erobert, um Jerusalem den Juden zu geben: Er hat weitergehende Pläne.“

Möglicherweise hatte Napoleon erfahren, dass der erste Bericht in Frankreich sehr ungünstig aufgenommen worden war: Die Vorstellung, der Krieg gegen England könnte (ebenso wie zuvor die Revolution gegen „Könige und Priester“) letzten Endes nur Wasser auf jüdische Mühlen leiten, erregte Unmut und Besorgnis. Der Artikel mag den Engländern unter den Arabern mehr Sympathien eingebracht haben als Napoleon unter den Juden… Der Sturm im Wasserglas legte sich jedoch schon bald, denn Napoleon stieß nie nach Jerusalem vor. Zwei Tage vor der Veröffentlichung des ersten der beiden Moniteur-Artikel hatte er bereits den Rückzug nach Ägypten angetreten, nachdem ihm eine britische Flotte unter Sir William Smith bei Acre eine folgenschwere Niederlage beigebracht hatte.

Wäre es Napoleon tatsächlich geglückt, Jerusalem für die Juden zu erobern, so hätten die Weisen von Zion in seinem Stammbaum schon bald eifrig nach mosaischen Ahnen ausgespäht, so wie sie es früher bei Cromwell getan hatten. Bereits einige Tropfen jüdischen Blutes hätten vermutlich ausgereicht, um ihn zum Messias auszurufen…

1925 kommentierte ein Philip Guedalla Napoleons gescheiterten Jerusalem-Plan mit folgenden Worten: „Ein zorniger Mann glaubte, eine historische Chance verpasst zu haben. Doch eine geduldige Rasse wartete weiter, und ein Jahrhundert später, nachdem andere Eroberer dieselben staubigen Pfade betraten hatten, erwies es sich, dass wir unsere Chance nicht versäumt hatten.“ Der Hinweis bezog sich auf die britischen Truppen, die Jerusalem anno 1917 tatsächlich erobert und somit vollbracht hatten, was Napoleon verwehrt geblieben war. Als typischer Zionist betrachtete Guedalla die britischen Soldaten als bloße Werkzeuge bei der Verwirklichung jüdischer Ziele. Er tat diesen Ausspruch übrigens in Gegenwart des ehemaligen Premierministers Lloyd George, der Albions Heere 1917 auf die „staubigen Pfade“ des Nahen Ostens entsandt hatte und den die Juden seither huldvoll als „Werkzeug in den Händen des jüdischen Gottes“ (Dr. Kastein) priesen.

1804 wurde Napoleon zum Kaiser gekrönt. Bereits zwei Jahre später nahm die „jüdische Frage“ in seiner Agenda einen derart hohen Stellenwert ein, dass er einen zweiten Anlauf zu ihrer Lösung unternahm.

Wie so viele andere Potentaten vor und nach ihm verfolgte ihn diese Frage bei all seinen Feldzügen permanent. Nachdem sein Versuch, Jerusalem für die Juden zu erobern und diesen hierdurch offiziell eine nationale Heimstatt zu schenken, missglückt war, schlug er nun den umgekehrten Weg ein und verlangte von den Juden, sich klipp und klar zu entscheiden, ob sie eine separate Nation bilden oder Teil der französischen Nation sein wollten. Seine wohlwollende Einstellung gegenüber den Juden war vielen Franzosen sauer aufgestoßen, und er wurde mit Klagen und Eingaben überschüttet, die ihn um Schutz vor den Juden ersuchten. Um dieser Stimmung Rechnung zu tragen, bezeichnete er die Juden vor dem Staatsrat als „Heuschrecken und Raupen“, die Frankreich „auffräßen“, und sprach von ihnen als von einer „Nation in der Nation“ (eine Einschätzung, der selbst orthodoxe Juden damals heftig widersprachen).

Der Staatsrat war seinerseits gespalten und konnte sich nicht zu einer klaren Stellungnahme durchringen, so dass Napoleon 112 führende jüdische Persönlichkeiten aus Frankreich, Deutschland und Italien nach Paris beorderte und ihnen eine Liste mit Fragen vorlegte.

Die Welt, in die sich der französische Kaiser hierdurch vorwagte, ist für den Nichtjuden fremd und unverständlich, doch zwei Zitate bringen zumindest ein wenig Licht ins Dunkel:

„Da sich die Juden als das auserwählte, zur Erlösung bestimmte Volk betrachteten, war ihr Weltbild judäozentrisch, und die Juden konnten alles, was geschah, nur von ihrem eigenen Standpunkt aus betrachten; sie standen stets im Mittelpunkt.“ (Dr. Kastein).

„Der Jude konstruierte eine ganze Geschichte der Welt, bei der er der Mittelpunkt war, von diesem Augenblick an, d. h. vom Augenblick an, wo Jahwe den Bund mit Abraham schließt, stellt die Geschichte Israels die Geschichte der Welt, ja die Geschichte des ganzen Kosmos dar und ist das einzige, worum sich der Schöpfer der Welt kümmert. Es ist, als ob die Kreise immer enger würden und schließlich nur noch der Mittelpunkt übrig bliebe: Das Ego.“ (Houston Stewart Chamberlain.)

Das erste Zitat stammt von einem zionistischen Juden, das zweite von einem Mann, den dieser zionistische Jude als „Antisemiten“ schmähen würde; wie der Leser erkennt, sind sich die beiden über die Essenz des jüdischen Glaubens jedoch völlig einig! Wer sich ernsthaft mit dieser Frage befasst, wird sich bald gewahr, dass es hier keinerlei Meinungsunterschiede zwischen talmudistisch geschulten jüdischen Gelehrten und angeblich „in Vorurteilen befangenen“ Kritikern des Judentums gibt. Die jüdischen Extremisten stoßen sich lediglich daran, dass Leute, die „außerhalb des Gesetzes“ stehen, sich überhaupt die Freiheit herausnehmen, Kritik an ihnen zu üben.

Napoleons Gretchenfrage an die Juden zeigt, dass er die Natur des Judentums und den spannungsgeladenen Charakter der Beziehungen zwischen Nichtjuden und Juden ausgezeichnet begriffen hatte; hierdurch unterschied er sich wohltuend von den britischen und amerikanischen Politikern des 20. Jahrhunderts, die sich dem Zionismus mit Haut und Haaren verschrieben haben. Napoleon wusste, dass die Welt laut dem jüdischen Gesetz an einem genau bekannten Datum einzig und allein um der Juden willen erschaffen worden war, und dass alles, was sich auf ihr zutrug (einschließlich seiner eigenen ruhmvollen Laufbahn) lediglich dazu diente, den Juden ihrem Triumph näher zu bringen. Somit verstand er einen Sachverhalt, den Dr. Kastein später unter Bezugnahme auf den Perserkönig Kyros und seine Eroberung Babylons im Jahre 538 v. Chr. wie folgt formuliert sollte:

„Wenn der größte König jenes Zeitalters ein Werkzeug in den Händen des jüdischen Gottes war, so bedeutete dies, dass dieser Gott nicht nur über das Schicksal eines Volkes, sondern über das Schicksal aller Völker und nicht nur über das Geschick einer Nation, sondern über das Geschick aller Nationen der Welt bestimmte.“

Napoleon hatte versucht, sich selbst zum „Werkzeug in den Händen des jüdischen Gottes“ zu machen, doch hatten ihm die Briten bei Acre einen Strich durch die Rechnung gemacht und ihm die Eroberung Jerusalems verwehrt. Mittlerweile war er aber Kaiser von Frankreich und gab sich nicht mehr mit der Rolle eines „Werkzeugs“ zufrieden. Er wollte die Juden zwingen, klar kundzutun, wem ihre Loyalität galt, und stellte ihnen listig formulierte Fragen, die sie unmöglich beantworten konnten, ohne entweder die Grundidee ihres Glaubens zu verraten oder aber der Doppelzüngigkeit geziehen zu werden. Dr. Kastein geißelt diese Fragen als „infam“, doch zollt er hiermit lediglich der jüdischen Einstellung Tribut, der zufolge Außenstehende grundsätzlich kein Recht haben, Juden irgendwelche kritischen Fragen zu stellen.

An anderer Stelle verleiht Dr. Kastein seiner Bewunderung für Napoleon unfreiwillig Ausdruck, indem er diesem zubilligt, „die Essenz des Problems korrekt begriffen“ zu haben. Es ist dies die höchste Anerkennung, die Dr. Kastein einem nichtjüdischen Herrscher in seinem Buch je zollt.

Wenn irgendein Sterblicher darauf hoffen durfte, eine Lösung des „jüdischen Problems“ zu finden, dann am ehesten Napoleon. Seine Fragen trafen nämlich den Kern der Sache und ließen einem wahrheitsliebenden Menschen, der sie beantworten musste, nur die Wahl zwischen einem Treuebekenntnis und dem Geständnis, ein illoyaler Bürger seines Staates zu sein.

Die (von den jüdischen Gemeinden ausgewählten) Delegierten, die der Vorladung Folge leisteten und sich nach Paris begaben, steckten in einer Zwickmühle. Einerseits waren sie ausnahmslos in einem uralten Glauben erzogen worden, dem zufolge sich ihr Volk für immer von allen anderen Nationen „absondern“ musste, da es von Gott dazu auserkoren war, letztere „in den Staub zu werfen und zu vernichten“, um schließlich in ein gelobtes Land „zurückkehren“ zu dürfen.

Andererseits gehörte gerade ihr Volk zu jenen, die von der Revolution und ihren Emanzipationsbestrebungen am meisten profitiert hatten, und der berühmteste General dieser Revolution, der nun von ihnen einen Offenbarungseid forderte, hatte einige Jahre zuvor versucht, „das alte Jerusalem wiederherzustellen“. Und jetzt wollte dieser Mann von ihnen wissen, ob sie Teil der von ihm regierten Nation seien oder nicht!

Napoleons Fragen waren wie Pfeile, welche die von Thora und Talmud errichtete Trennmauer zwischen den Juden und dem Rest der Menschheit zu durchbohren drohten. Die wichtigsten dieser Fragen lauteten wie folgt:

•  Erlaubte das jüdische Gesetz Mischehen?

•  Galten die Franzosen den Juden als Fremde oder als Brüder?

•  Betrachteten die Juden Frankreich als ihr Heimatland, dessen Gesetze für sie verbindlich waren?

•  Machte das jüdische Gesetz einen Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Schuldnern?

Alle diese Fragen betrafen die von den Leviten erlassenen diskriminierenden religiösen und rassischen Gesetze, welche die moralischen Gebote de facto aufgehoben hatten.

Napoleon stellte den jüdischen Vertretern diese Fragen, auf welche die Welt seit Jahrhunderten vergeblich eine Antwort erwartete, formell und unter größtmöglicher Publizität. Nun, wo die Augen der gesamten französischen Nation auf sie gerichtet waren, standen die jüdischen Führer vor einer für sie fatalen Alternative: Entweder sie sagten sich ehrlich von dem Rassengesetz los, oder sie erklärten es zum Schein für überholt und praktizierten es heimlich weiter. Der Talmud erlaubte ihnen diesen Ausweg.

Dr. Kastein schreibt: „Die jüdischen Gelehrten, denen es oblag, die gegen die Juden erhobenen Vorwürfe zu entkräften, befanden sich in einer außerordentlich schwierigen Position, denn für sie war alles, was im Talmud stand, heilig, selbst dessen Legenden und Anekdoten.“ In anderen Worten, sie mussten notgedrungen zur Täuschung greifen, denn ungeachtet der von Dr. Kastein gewählten Formulierung verlangte man von ihnen keineswegs, „Vorwürfe zu entkräften“, sondern lediglich, bestimmte Fragen zu beantworten.

Die jüdischen Abgeordneten bekundeten einmütig, so etwas wie eine jüdische Nation gebe es nicht mehr; die Juden wünschten keinesfalls in geschlossenen, selbstverwalteten Gemeinschaften zu leben; sie seien in jeder Hinsicht Franzosen und sonst gar nichts.

Bezüglich der Mischehen drückten sie sich um eine klare Antwort und hielten lediglich fest, solche seien nach dem Zivilrecht zulässig.

Selbst Dr. Kastein sieht sich genötigt, Napoleons folgenden Schritt als „Geniestreich“ zu bezeichnen. Er lieferte den historischen Beweis für folgende Tatsache: Wenn man die Vertreter des Judentums zwingt, öffentlich gewisse für ihre Gastvölker lebenswichtige Fragen zu beantworten, lügen sie entweder, oder sie legen in guten Treuen Versprechungen ab, die sie dann nicht halten können. Die Ereignisse der folgenden Jahrzehnte belegen nämlich, dass die wahren Machthaber innerhalb des Judentums niemals auf ihren Anspruch verzichtet haben, eine separate Nation zu vertreten. Somit errang Napoleon ungeachtet seiner späteren Niederlagen auf dem Schlachtfeld einen historischen Sieg, von dessen Früchten wir bis heute zehren.

Der französische Kaiser war darauf bedacht, von den jüdischen Führern möglichst klare Antworten zu erhalten, die auch in Zukunft für alle Juden der Welt verbindlich sein und feste Richtlinien für ihr Handeln aufstellen sollten. Zu diesem Zweck ordnete er die Einberufung des Großen Sanhedrin an.

Aus allen Teilen Europas begaben sich die Angehörigen des Sanhedrin (in Übereinstimmung mit der Tradition waren es ihrer 71, darunter 46 Rabbiner und 25 Laien) nach Paris, wo sie sich im Februar 1807 mit großem Pomp versammelten. Obgleich der Sanhedrin als solcher schon seit Jahrhunderten nicht mehr getagt hatte, war das talmudistische Zentrum in Polen erst vor kurzem in den Untergrund abgetaucht, so dass die Vorstellung einer offiziellen jüdischen Regierung noch höchst lebendig und realistisch war.

Die Konzessionen des Sanhedrin waren noch spektakulärer als die der zuvor einberufenen jüdischen Würdenträger. Er begann seine Erklärung mit einem Dank an die christlichen Kirchen für den Schutz, den diese den Juden in der Vergangenheit gewährt hatten; es lohnt sich, dieses Eingeständnis mit der gängigen zionistischen Geschichtsversion zu vergleichen, laut der die Juden unentwegt von den Christen verfolgt worden sind. Des Weiteren anerkannte der Sanhedrin das Verschwinden der jüdischen Nation als historische Tatsache. Hiermit beseitigte er das zentrale Dilemma, welches sich dadurch ergeben hatte, dass das bisher für die Juden gültige Gesetz keine Unterscheidung zwischen religiösem und zivilem Recht erlaubte. Da die „Nation“ angeblich nicht länger existierte, konnte man geltend machen, die talmudischen Gesetze, welche das Alltagsleben regelten, seien nicht länger gültig, doch die Thora als Religionsgesetz sei unantastbar. Der Sanhedrin griff prompt zu dieser Ausflucht und fügte hinzu, wenn die religiösen Gesetze im Widerspruch zu den Gesetzen eines Staates stünden, in dem Juden lebten, so hätten letztere Vorrang. Fortan werde Israel nur noch als Religion existieren und keinerlei nationalen Ansprüche mehr erheben.

Es war dies ein einzigartiger Triumph Napoleons (wer weiß, inwiefern er zu seinem Untergang beigetragen hat?). Die Juden wurden zumindest offiziell vom Talmud befreit, und der von den Leviten zweieinhalbtausend Jahre zuvor versperrte Weg zu ihrer Wiedereingliederung in die nichtjüdische Gesellschaft und ihrer Aufnahme in die Menschheit war wieder frei. Der Geist der Diskriminierung und des Hasses schien gebannt.

Die Erklärungen des Sanhedrin bildeten die Rechtfertigung für die in den folgenden Jahren überall in Westeuropa energisch erhobene Forderung nach vollen bürgerlichen Rechten, die jüdischen Strömungen und Gruppierungen des Westens stellten sich aufs nachdrücklichste hinter diese Forderung.

Von nun an verwahrte sich auch das orthodoxe Judentum entrüstet gegen die Unterstellung, die Juden bildeten einen Staat im Staat. Noch weiter ging das Reformjudentum, das, so Rabbiner Moses P. Jacobson, „sämtliche Gebete abschaffte, die auch nur den Verdacht aufkommen ließen, die Juden hofften noch auf eine nationale jüdische Wiedergeburt oder strebten eine solche an“.

Somit gingen die Gegner der Judenemanzipation im Britischen Parlament ihres schlagkräftigsten Arguments verlustig. Bisher hatten sie behaupten dürfen, die Juden erwarteten „einen großen Erlöser, ihre Rückkehr nach Palästina, den Wiederaufbau ihres Tempels und die Wiedergeburt ihrer alten Religion“ und würden England deshalb „stets nur als Stätte des Exils und nicht als ihr Land betrachten“ (so Bernard J. Brown). Diese Warnungen waren voll und ganz berechtigt, verhallten jedoch ungehört. Nach kaum neunzig Jahren wurden die Erklärungen des von Napoleon einberufenen Sanhedrin faktisch widerrufen, so dass sich Bernard J. Brown zu folgendem Eingeständnis genötigt sah:

„Obwohl die Juden in fast jedem Land die dauerhafte Anerkennung ihrer Gleichberechtigung erkämpft haben, ist der jüdische Nationalismus mittlerweile zur Philosophie Israels geworden. Wir Juden dürfen uns nicht wundern, wenn man uns vorwirft, wir hätten die Gleichheit vor dem Gesetz unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erfochten, wir seien immer noch eine Nation in der Nation, und die uns zugestandenen Rechte sollten uns wieder aberkannt werden.“

Napoleon hat der Nachwelt unfreiwillig einen Dienst erwiesen, indem er den Beweis dafür lieferte, dass die von ihm erzwungenen Zusicherungen wertlos waren. In den restlichen neun Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts hämmerten die talmudistischen Herrscher der Juden ihrem Fußvolk gebührend ein, dass es für sie nur ein einziges Gesetz gab und dass dieses für sie die Richtschnur ihres Denkens und Handelns zu sein hatte. Unterstützung erhielten die Talmudisten dabei von nichtjüdischen Politikern, die ihnen Handlangerdienste leisteten wie einst der Perserkönig Artaxerxes dem Judenführer Nehemiah.

Hatten die von Napoleon einberufenen jüdischen Repräsentanten, und nach ihnen die Mitglieder des Sanhedrin, ihre Erklärungen in guten Treuen abgegeben, oder hatten sie bewusst gelogen? Die Antwort lautet vermutlich: Teils, teils. Schließlich hat es innerhalb des Judentums schon immer zwei grundverschiedene Hauptströmungen gegeben.

Ohne Zweifel waren sich die jüdischen Vertreter bewusst, dass ihre Antworten die Emanzipation der Juden auch in anderen Staaten entscheidend fördern würden. Andererseits gab es unter ihnen sicherlich solche, die aus voller Überzeugung für eine Aufnahme der Juden in die Menschheit eintraten; wie bereits erwähnt war der Impuls, die Stammesgrenzen zu durchbrechen, im Judentum schon immer lebendig, auch wenn er von der herrschenden Sekte regelmäßig unterdrückt wurde. Unter diesen Umständen darf man davon ausgehen, dass manche Delegierten es mit ihrer Erklärung ehrlich meinten, während andere von Anfang an mit gezinkten Karten spielten.

Der von Napoleon einberufene Sanhedrin wies einen grundsätzlichen Schwachpunkt auf. Er repräsentierte einzig und allein die Juden Westeuropas, die mehrheitlich sephardischer Abstammung waren und ihre Vormachtstellung innerhalb des Judentums in zunehmendem Masse einbüßten. Das talmudistische Zentrum befand sich in Russland oder dem damals russisch beherrschten Teil Polens, wo die überwiegende Mehrheit der Juden, die Aschkenasen oder Ostjuden, lebten. Falls sich Napoleon dieser Tatsache überhaupt bewusst war, scheint er ihr keine sonderliche Bedeutung beigemessen zu haben. Die östlichen Talmudisten waren im Sanhedrin nicht vertreten, und die von letzterem erteilten Antworten galten ihnen als blanke Häresie. Schließlich waren sie die Gralshüter der von Leviten und Pharisäern geschaffenen Tradition!

Mit der Einberufung des Sanhedrin in Paris fand die dritte, talmudische Phase der Geschichte Zions ihren Abschluss. Begonnen hatte sie im Jahre 70 n. Chr., als die Talmudisten nach dem Fall Jerusalems in die Fußstapfen der Pharisäer traten. Nach siebzehn Jahrhundert machte es vordergründig den Eindruck, die Fragen, welche den Gastvölkern der Juden keine Ruhe gelassen hatten, seien endgültig beantwortet.

Die Juden schienen bereit, Bestandteil der Menschheit zu werden und dem Rat ihres französischen Glaubensgenossen Isaac Berr zu folgen, der ihnen empfohlen hatte, „sich in allen nicht unmittelbar mit unserem geistigen Gesetz verknüpften Fragen von Engstirnigkeit, Gruppendenken und Isolationismus zu befreien“. In weltlichen Dingen, meinte Berr, müssten die Juden „unter allen Umständen einfach als Individuen, als Franzosen auftreten“ und sich „von Patriotismus und der Sorge um das Wohl der Völker leiten lassen“. Für den Talmud, den „Zaun um das Gesetz“, hätte dies das Aus bedeutet.

Doch all dies erwies sich als Illusion. Der heutige, nichtjüdische Forscher kann sich des Eindrucks nicht erwehren, damals sei eine einmalige Chance vertan worden während der strenggläubige Jude die Dinge natürlich grundlegend anders sieht: Für ihn konnte eine tödliche Gefahr, das Aufgehen der Juden in der Menschheit, im letzten Augenblick mit knapper Not verhütet werden.

Somit begann die vierte Epoche in der Geschichte Zions, die kurze Periode der Emanzipation im 19. Jahrhundert. Während dieser Zeit schickten sich die Talmudisten im Osten an, all das zunichte zu machen, was der Sanhedrin verkündet hatte, und die dank der Emanzipation erworbenen Rechte nicht etwa zur Gleichstellung der Juden mit den anderen Menschen, sondern ganz im Gegenteil zu deren erneuter Absonderung und Ausgrenzung zu benutzen und lauter denn je zuvor nach einer „nationalen Heimstatt“ für das jüdische Volk zu schreien. Die Juden sollten nicht bloß wieder eine Nation innerhalb der anderen Nationen werden, sondern eine Nation, die sich über alle anderen Nationen erhob.

Die Bemühungen der Talmudisten waren von Erfolg gekrönt und zeitigten Ergebnisse, deren Zeugen wir in der gegenwärtigen Periode sind. Es ist dies die fünfte Periode der Geschichte Zions, die Periode des Zionismus. Die Geschichte seiner Erfolge ist untrennbar mit jener der Revolution verbunden, der wir uns nun wieder zuwenden wollen.

Soweit Teil 1.

Teil 2 des Buches beinhalten die Kapitel 19 bis 27.

Teil 3 die Kap. 28 bis 41

Teil 4 Kap. 42 bis 46

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