Spätregenbewegung

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Die Spätregenbewegung: Ursprünge des Abfalls

Im Februar 1948 traf sich eine Gemeinschaft von Gläubigen in North Battleford, Saskatchewan, um Gottes Kraft zu suchen. Eine Kraft „manifestierte sich.“ Es wurde von Wundern berichtet, und Christen strömten von überall her, um diese Kraftausrüstung zu empfangen. Die Spätregen-Bewegung entfaltete sich auf spektakuläre Weise, begleitet von Zeichen und Wundern, Prophetien und Geistesausrüstungen durch Handauflegung. Die Bewegung war auch von einem elitären Geist, falschen Prophetien und ihr eigentümlichen Autoritätsstrukturen, welche auf einem „neuen Wort des Herrn“ beruhten, gekennzeichnet. Als die christliche Gemeinde vor die Wahl gestellt wurde zwischen gut fundierter Lehre und Aufsehen erregenden Wundern, entschieden sich viele, dem ersten großen „Strom“ des 20. Jahrhunderts zu folgen. Man glaubte, dass gemäß Jesaja 43:18-19 etwas „Neues“ geschah. Was Bedenken bezüglich Lehre und Praxis anging, würde man sich später damit auseinandersetzen – wenn überhaupt. Das Pendel hatte in Richtung Erfahrung zu ungunsten der Schrift ausgeschlagen und war von nun an der neue Maßstab.

Viele wissen nicht, dass zwei Faktoren stark in diese Erweckung hineinwirkten. Der erste Faktor war das Buch, das von Franklin Hall im Jahre 1946 geschrieben wurde AtomicPower with God Through Fasting and Prayer (Atomkraft Gottes durch Fasten und Gebet), das von den damaligen Führern gelesen und weiterempfohlen wurde. Der zweite Faktor war, dass einer der bekanntesten Propheten der damaligen Zeit, William Branham, seine Kraft durch Handauflegung an andere weitergegeben hatte, die an der Erweckung teilnahmen. Seine Lehren beeinflussten die Entwicklung der Erweckung in Saskatchewan entscheidend.

Das Buch von Franklin Hall ist ein starker Aufruf an die Gemeinde, sich wieder dem Fasten und Beten zuzuwenden. Während Fasten durchaus biblisch ist, kommt das Buch Franklins hingegen zu dem Schluss, dass Gebet ohne Fasten wirkungslos sei. Als Beweis führte Franklin die erhörten Gebete der Heiden an, die ihren falschen Göttern Flehen und Bitten opferten. Al Dager, bekannter christlicher Theologe und Autor des Buches Vengeance is Ours: The Church in Dominion (Die Vergeltung ist unser: Die herrschende Gemeinde) hat in einer exzellenten Arbeit dominionistische Lehren und Praktiken untersucht; er bemerkt treffend: ,,Wenn wir Halls Lehre analysieren, müssen wir zu dem Schluss kommen, dass jene, die zu Dämonen beten, Erhörung ihrer Gebete erfahren, wenn sie fasten, während Christen keine Gebetserhörung erleben, wenn sie nicht fasten. Zumindest wird der Anschein erweckt, dass Gebetserhörung ohne Fasten nahezu unmöglich ist.“

In einem weiteren Buch von Hall vertritt er die Ansicht, dass die Gemeinde eine elitäre Gruppe von Gläubigen hervorbringen werde, die in der Lage sei, die Gesetze der Schwerkraft zu überwinden und kopfunter an der Deckenwand laufen zu können; ferner glaubte er, dass einige sogar vor der Wiederkunft Christi Unsterblichkeit erlangen würden. Er sprach auch von Goldstaub auf der Haut der Gläubigen. Es ist interessant, dass Berichte über Goldstaub immer wieder in den Gemeinden auftauchen, die im „Strom“ Gottes sind – obwohl eine chemische Analyse des „Goldstaubes“ ergeben hat, dass es sich um nicht mehr als Plastikteilchen handelt.

William Branham, der noch heute von manchen als einer der größten Propheten der Geschichte angesehen wird, war stark von den Lehren Halls beeinflusst, insbesondere von seinem Buch AtomicPower with God Through Fasting and Prayer. Branham erstaunte in den späten l940er Jahren die Massen mit detaillierten Worten der Erkenntnis und einer erstaunlichen Heilungsgabe. Es wurde berichtet, dass er Menschen, die er nie zuvor gesehen hatte, von Gesprächen und Ereignissen aus deren Leben berichten konnte und dass er Heilung über chronische Erkrankungen aussprechen und tatsächlich Heilung herbeiführen konnte. Er ließ sich als

Prophet des Herrn feiern und zog die Massen an. Aber was die Massen nicht zu hören bekamen, waren einige seiner Irrlehren.

Branham lehrte, dass Eva im Garten Eden Sex mit Satan hatte und Kain daraus hervorging. Er selbst hielt sich für den Engel der siebten Gemeinde in der Offenbarung und Elia, den Propheten. Für ihn galt die Lehre von Gottes Trinität als satanisch. Aber solange er diese Lehren nicht offen propagierte und es verstand, die Massen zu bewegen, erfreute er sich weltweiter Einladungen zum Predigtdienst.

Sein Leben schien wirklich vom Übernatürlichen charakterisiert gewesen zu sein. Und Branham zögerte nicht, dies zu betonen. Er bezeugte, dass sich schon bei seiner Geburt ein Heiligenschein um seinen Kopf manifestierte, und es gibt ein Photo von ihm, als er predigte und sich ein runder Lichtglanz auf sein Haupt legte. Das nannten seine Nachfolger manchmal die „Feuersäule“. Dieses seltsame Phänomen ereignete sich in einem größeren Ausmaße am 11. Juni 1933, als Branham Neubekehrte im Ohio River bei Jefferson, Indiana, taufte. Nachdem er eine Stimme gehört hatte, blickte er auf und sah ein mysteriöses, sternenhelles Licht am

Himmel, das sich schnell auf ihn herabsenkte. Einige der Anwesenden unter den ca. 4000 Menschen fielen zu Boden und beteten an, andere verließen den Ort panikartig. Die Stimme aus dem Himmel berief Branham dazu, der Vorläufer des wiederkommenden Christus zu werden, so wie Johannes der Täufer den Messias angekündigt hatte.

Am 28. Februar 1963 erschien einige Meilen außerhalb von Tuscon, Arizona, ein großer Wolkenring am klaren Himmel. Branham behauptete, er sei in die Mitte dieser Wolke entrückt worden, wo sieben mächtige Engel erschienen, die ihn zu einem weiteren göttlichen Dienst beriefen: Er sollte der Gemeinde die sieben Siegel der Offenbarung enthüllen.4 Nimmt man dies ernst, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass die Gemeinde 2000 Jahre warten musste, bis Branham erschien, um eine vollkommene Offenbarung der Bibel zu empfangen.

Branham wurde sein Leben lang von geistlichen Wesen begleitet. Seit seiner Kindheit folgte ihm ein Engel, der sich ihm, als er erwachsen geworden war, als ein junger Mann mit langem Haar und einem langen Gewand offenbarte. Als er aus einem hellen Lichtstrahl herausgetreten war, berief er ihn, auszugehen und die Kranken zu heilen. Der Engel teilte ihm mit, dass er die Krankheiten von Menschen durch ein Vibrieren in der linken Hand diagnostizieren könne. Branham behauptete ferner, dass ihm damals eine weitere Geistesgabe gegeben worden war – er sollte wissen, was in den Herzen der Menschen war.

Nachdem Branham im Jahre 1965 einem Autounfall erlag, war er nicht mehr leiblich gegenwärtig. Indes lebte sein Vermächtnis in Form von erstaunlichen Ereignissen, übernatürlichen Zeichen und prophetischer Salbung weiter. Bis heute sind ihm seine Nachfolger ergeben. Das Vibrieren in der Hand als Zeichen göttlicher Salbung gibt es auch heute noch. Viele, die der Spätregen-Bewegung und später der Glaubensbewegung (Kenneth Hagin, Kenneth Copeland, Joyce Meyer u.a.) angehörten, berichteten von Hitze oder Vibrationen in ihren Händen als Beweis der heilenden Kraft Gottes. Während Branham und die Anhänger der Spätregen-Bewegung sich vordergründig Gottes irrtumslosem Wort verpflichtet fühlten, sind doch ihre Praktiken und eigenartigen Lehren ein Beweis für das Gegenteil. Hier sind einige ihrer grundlegenden Lehren:

– Eine große Endzeitarmee wird aufstehen und Autorität über die Erde ausüben, indem Satan und sein Heer unterworfen werden wird.
– Es wird einen elitären Überrest in der Gemeinde geben – damit sind die Anhänger der Spätregen-Bewegung gemeint.
– Besondere Geistesgaben können durch Handauflegung auf andere übertragen werden.
– Die Gemeinde muss alle charismatischen Gaben und Dienste wiederherstellen, um vollkommen zu werden.
– Moderne Apostel und Propheten müssen die Gemeinde führen, und die Christen
   haben sich diesen unterzuordnen.
– Damit Autorität hergestellt wird, muss der fünffältige Dienst nach Epheser 4:1 erfüllt werden.
– Die Gemeinde muss in vollkommene Einheit geführt werden.
– Die Entrückung der Gemeinde ist ein Mythos, der von Satan erfunden wurde, um die Gemeinde in eine Mentalität zu führen, die sich von der Welt zurückzieht.
– Einige der Vertreter der Spätregen-Bewegung werden schon auf Erden
   Unsterblichkeit erlangen.
– Statt der Entrückung wird Christus nicht für die Gemeinde, sondern in der
   Gemeinde kommen (und diese vollmächtig ausrüsten).

Gemäß der Schrift sind die Gläubigen der letzten Tage nicht zum Triumph über die Nationen bestimmt (Mt.24:9). Was die Wiederherstellung der Offenbarungserkenntnis angeht, um vollkommen zu sein, muss auf Kolosser 2:10 verwiesen werden, wo es heißt, dass wir in Christus vollkommen sind. Die Gemeinde besitzt seit dem Missionsbefehl alle Autorität, allerdings gebunden an Christus Jesus (Mt.28:18, Titus 2:11-15), und sie hat alle Gaben und Offenbarungen, um in dieser Welt gerecht zu leben und Zeuge für Jesus Christus zu sein (2.Petr.1:3). Der Gott der Bibel ist mächtig genug, das Werk des Heiligen Geistes in der Geschichte der Menschheit fortzuführen. Er muss es nicht immer wieder von neuem schaffen, wie die Spätregenbewegung lehrt. Der Kanon der Schriften ist endgültig abgeschlossen. Propheten fügen der Bibel etwas hinzu. Sie hatten diese Aufgabe, bevor die Bibel als vollendetes Schriftzeugnis vorlag. Heute gibt es keinen Mangel, was die geoffenbarte Schrift angeht. Die so genannten Propheten fügen der Schrift lediglich etwas hinzu. Während sie dies vehement verneinen würden, reicht schon ein flüchtiger Blick in ihre Lehren, um sie zu entlarven.

„Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden.“   2. Timotheus 4:3-4

Quelle: Lighthouse Trails Newsletter, September 2008.

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