Schwarmgeistiges

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K R Ä F T I G E     I R R T Ü M E R

Eine Stellungnahme zum Thema „Schwärmer einst und jetzt“

von Richard Ising

Darum sendet ihnen Gott auch kräftige Irrtümer, daß sie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern hatten Lust an der Ungerechtigkeit.                     2.Thess. 2, 11-12

Gekürzt, die Hervorhebungen sind auch von mir. Horst Koch, Herborn, 2012

Vorwort
In der Gegenwart erleben wir einen allgemeinen Niedergang von Kultur und Moral. Wir sehen Zerfallserscheinungen in Staat, Gesellschaft und Familie, eine Verrohung der Sitten, Verweltlichung der Kirche und ein Erkalten des geistlichen Lebens. Andererseits ist ein Eindringen schwarmgeistiger Strömungen in christliche Kreise bis hin zum Pietismus zu beobachten. … Man streckt sich nach Geistesgaben aus, hat Visionen und Offenbarungen und bewertet sie höher als das Gotteswort. Man knüpft daran die Erwartung einer Neubelebung der evangelischen Kirche. Es handelt sich hierbei um schwarmgeistige Bewegungen, die niemals zu einer Neubelebung führen können, sondern zum weiteren Zerfall beitragen. …
1. September 1965                             Der Herausgeber

Inhaltsangabe
I. Allgemeine Kennzeichen des Schwarmgeistes 

II. Der Grund unseres Glaubens ist das Wort Gottes 

III. Religiöse Schwärmer in der Heiligen Schrift
IV. Schwarmgeistige Strömungen in der Kirchengeschichte
V. Der Schwarmgeist und seine Auswirkungen in der Neuzeit
 2. Die Pfingstbewegung und ihre Ausläufer
  3. Evangelische Orden
 c) Die Kommunität von Taize
 d) Die Marienschwesternschaft in Darmstadt
 4. „Brückenbauer“ zum Schwärmertum 


I. Allgemeine Kennzeichen des Schwarmgeistes
Auf der 14. Gnadauer Konferenz 1910 in Wernigerode wurden aus biblischer Sicht grundsätzliche Feststellungen über die Pfingstbewegung und das Schwärmertum gemacht. Wir entnehmen dem Buch von D. Paul Fleisch „Die Pfingstbewegung in Deutschland“, die folgende Erklärung von Pastor Buddeberg als Vertreter des reformierten Pietismus in seinem Referat „Wo fängt die Schwärmerei an?“ eine äußerst prägnante Kennzeichnung des Wesens der Schwärmerei, die wir ebenfalls gekürzt wiedergeben.
1. Die Schwärmerei ist eine Krankheit des Glaubenslebens, ein erregtes Fiebern
    der Seele.
2. Die Schwärmerei ist eine Versuchung des Satans, der die Kinder Gottes zum
    Glaubensübermut verleiten möchte. Die Versuchungsgeschichte des Heilands
    ist ein Beleg dafür.
3. Die Wurzel der Schwärmerei liegt a) in dem mangelnden Wahrheitssinn,
     b) in dem Hochfahren des menschlichen Geistes.
4. Aller Schwärmerei liegt ein unpersönlicher, naturhafter Gesetzesbegriff
     zugrunde.
5. Die Schwärmerei fängt da an, wo der Mensch die Gesetze überfliegt, die
     Gott für seinen Verkehr mit den Menschen ein für allemal gegeben hat.
6. Solche Gesetze sind:
a) Gott will durch sein geoffenbartes Wort mit uns verkehren.  – Die Schwärmerei will darüber hinaus „inneres“ Wort Gottes haben und richtet ein neues Prophetentum mit autoritativer Gewalt auf.
b) Gott will durch seinen Sohn mit uns verkehren. – Die  Schwärmerei löst den Geist von der Person Christi.
c) Gott hat uns an die Schöpfung und ihre Ordnung gewiesen. – Die Schwärmerei will alles „Kreatürliche“ hinter sich lassen  und nur Geist sein.
d) Gott stellt seinen Verkehr mit uns Sündern auf den Grund  der rechtfertigenden Gnade. – Die Schwärmerei läßt die  Rechtfertigung als eine Anfangsstufe des Glaubens hinter  sich.
e) Gott stellt seinen Verkehr mit uns Sündern auf die Furcht  des Herrn. – Die Schwärmerei überspringt in falscher Vertraulichkeit diese heiligen Grenzen.
f) Gott tut uns seinen Willen vornehmlich kund durch sein  Wort, durch die Lebensführung und durch erfahrene Christen. – Die Schwärmerei will nur unmittelbar vom Geist geleitet werden.
g) Gott stellt seinen Verkehr mit uns auf den Glauben und nicht  auf das Schauen. – Die Schwärmerei möchte aus der Glaubensbahn heraustreten und Gesichte und Erscheinungen haben.  Sie überschätzt die ekstatische Frömmigkeit.
h) Gott stellt die Entwicklung unseres Glaubens unter die Gesetze des wachstümlichen Lebens. – Die Schwärmerei möchte  aber durch einen Glaubensflug auf die Höhen des christlichen Lebens kommen (Sündlosigkeit).
i) Die Schwärmerei überspringt schließlich die geschichtliche  Entwicklung des Reiches Gottes und möchte es in der Ungeduld eigenwillig aufrichten.
Auf die Frage, wie sich die Kirche vor den Irrungen der Schwärmerei bewahren könne, gab Pastor Buddeberg folgende Hinweise:
1. Sie bleibe auf dem Boden des Wortes Gottes stehen.
2. Sie bleibe auf dem Boden der Rechtfertigung aus Gnaden.
3. Sie bleibe auf dem Boden der Erfahrung der Gläubigen in allen Jahrhunderten.

Dem Schwarmgeist wohnt immer etwas Berauschendes, den klaren Blick Benebelndes bei. Man muß staunen, wohin er vernünftige Christen bringen kann. Man wird sagen dürfen, daß er sie oft geradezu  sie gründlich blamierende oder gar anstößige Dinge zu tun veranlaßt, um die von ihnen vertretene Sache Gottes vor der Welt lächerlich zu machen und in Verruf zu bringen . . .
Der Schwarmgeist bietet sich an als höhere Stufe des Christentums. Auch werden viele getäuscht durch lichtähnliche Charaktereigenschaften . . .  Der Schwärmer ist unbelehrbar. . .“
Wir schließen diese Wiedergabe mit einem Ausspruch von D. Walter Michaelis: „Man darf eine Bewegung nie nach einigen prächtigen Menschen beurteilen, die auch darin sind, s o n d e r n nach dem führenden Gut, den ursprünglichen Quellen und den maßgebenden Grundsätzen.“

II. Der Grund unseres Glaubens ist das Wort Gottes
Der allmächtige Gott offenbart sich durch den Mund seines Knechtes Mose dem Volke Israel mit dem Worte 5. Mose 6,4: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr.“ Diese große und einzigartige Offenbarung wiederholt sich in der ganzen Heilsgeschichte des Alten und Neuen Testaments. Worauf soll Israel hören? Auf die Offenbarung Gottes. Auf nichts anderes soll es hören, wie geschrieben steht 5.Mose 4,2: „Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf daß ihr bewahren möget die Gebote des Herrn, eures Gottes, die ich euch gebiete.“
Derselbe Gott in Christo Jesu beschließt das Bibelbuch mit den Worten Offenbarung 22,1819: „Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und wenn jemand etwas davontut von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott abtun seinen Anteil vom Baum des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben steht.“
Mose befiehlt seinem Volk ernst, auf dieses heilige, unteilbare Wort zu achten. In 5. Mose 13,16 gebietet Gott wiederum durch ihn: „Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten, daß ihr darnach tut. Ihr sollt nichts dazutun noch davontun. Wenn ein Prophet oder Träumer unter euch wird aufstehen und gibt dir ein Zeichen oder Wunder, und das Zeichen oder Wunder kommt, davon er dir gesagt hat, und er spricht: Laß uns andern Göttern folgen, die ihr nicht kennt, und ihnen dienen: so sollst du nicht gehorchen den Worten solches Propheten oder Träumers; denn der Herr, euer Gott, versucht euch, daß er erfahre, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebhabt . . . Der Prophet aber oder der Träumer soll sterben.“

Israel ist diesem großen Gottesgebot nicht treu geblieben und hat andere Götter hereingeholt. So ist der Zorn Gottes entbrannt, wie wir in den Gerichtswegen Gottes sehen, die er von der 40jährigen Wüstenwanderung an mit Israel gegangen ist bis hin zur Vertreibung aus dem verheißenen Lande in die Gefangenschaft nach Assyrien und Babel. Um des Eides willen, Abraham gegeben, errettet er sie wieder und legt ihnen aufs neue ans Herz Jes. 45,21 ff.: „Verkündiget und machet euch herzu, ratschlaget miteinander. Wer hat dies lassen sagen von alters her und vorlängst verkündigt? Habe ich’s nicht getan, der Herr? Und ist sonst kein Gott außer mir, ein gerechter Gott und Heiland; und keiner ist außer mir.“ … Am deutlichsten aber hat er durch den Sohn, das fleischgewordene Wort, geredet, wie geschrieben steht Hebr. 1,12: „Nachdem vorzeiten Gott manchmal und auf mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn.“
Wie redet der Sohn? Er steht auf dem ganzen Wort und sagt Matth. 5,18: „Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde vergehe, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis daß es alles geschehe.“ Seinen Widersachern, den Schriftgelehrten, bestätigt er das Glaubensbekenntnis der Väter Mark. 12,29: „Das vornehmste Gebot ist das: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist allein der Herr . . .“

Da nach dem Hebräerbrief Gottes letzte und klarste Offenbarung der Sohn ist, bezeugt Johannes in Kap. 1,14 bündig und schlüssig: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Das Johannesevangelium zeugt von dem Kampfe des Lichtes mit der Finsternis, des Glaubens gegen den Unglauben. Also bezeugt es die Wahrheit, die in der Person Jesu leibhaftig vor ihnen steht. Er sagt ihnen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Dem Pilatus bezeugt er: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.“ Die Wahrheit ist Gottes Wort, denn sein Wort ist nichts als W a h r h e i t ! (Psalm 119, 160). „Das Wort Gottes (also die Wahrheit) ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidiges Schwert, und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens“ (Hebr. 4,12). Der Glaube ist gegründet auf Jesu Wort: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Das Wort des Herrn steht wie ein ewiger Fels, der alle Stürme dieser Zeit überdauern wird. An ihm werden sich brechen die schäumenden Wogen des Unglaubens und der Schwärmerei.

III. Religiöse Schwärmer in der Heiligen Schrift

1. Zur Zeit Jesu
Zur Zeit Jesu und der Apostel wollten sich die selbstgerechten, frommen Pharisäer der Wahrheit des Wortes Gottes nicht beugen. Sie blieben in ihren schwärmerischen Phantasien von dem kommenden Messias, der ein machtvolles Königreich aufrichten werde, wo sie, die jetzigen Volksführer, die zukünftigen Führer sein würden. Jesus wies ihnen den Weg der Gnade, den Heilsweg des Lammes Gottes, in dem erstmalig die Versöhnung der Sünden nach Jes. 53 geschaffen werden mußte. Sie aber ärgerten sich an dem Kreuzesweg und schlossen ihre Augen vor der Erkenntnis ihrer eigenen Sünde und der Gnade Gottes. So ist denn buchstäblich erfüllt worden, was sie und das von ihnen aufgewiegelte Volk über sich und ihre Kinder riefen: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Matth. 27,25).
Die Kreuze um Jerusalem, an die Titus bei der Eroberung die flüchtenden Juden heften ließ, zeugen von der Wahrheit der prophetischen Worte Jesu, von dem Gericht über die, welche die einzigartige Gnade mit Füßen getreten hatten.
Menschliches Urteil muß ihnen das Zeugnis geben, daß sie Eiferer um das Gesetz sind, wie ein Paulus von sich selbst in Phil. 3,6 bezeugt. Aber in ihrem Eifer sind sie schuldig geworden an der Gnade Gottes und an seiner Gemeinde. Auch über sie kann man sagen: Weil sie die Wahrheit in Jesus Christus nicht annahmen, ist ihnen das Gesetz Moses zu einer Decke geworden, die ihnen den Weg zur Gnade verhüllte, während gerade das Gesetz ein Zuchtmeister auf Christus hin sein sollte.

2. Zur Zeit der Apostel
Schon in der Apostelzeit regten sich die Widerchristen. Der Apostel Johannes hebt immer wieder warnend den Finger auf: „Kindlein, hütet euch vor den Abgöttern“ (1. Joh. 5,21) und „Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, daß der Widerchrist kommt, so sind nun schon viele Widerchristen gekommen; daran erkennen wir, daß die letzte Stunde ist“ (1. Joh. 2,18). Er fährt erklärend in Vers 1921 fort: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns. Denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben, aber es sollte offenbar werden, daß sie nicht alle von uns sind. Doch ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und wisset alles. Ich habe euch nicht geschrieben, als wüßtet ihr die Wahrheit nicht, sondern ihr wisset sie und wisset, daß keine Lüge aus der Wahrheit kommt.“
Das untrügliche Erkennungszeichen solcher Widerchristen ist also:
Sie kommen aus der Gemeinde Jesu, die eine Grundfeste der Wahrheit ist, und sind innerlich der Lüge verhaftet. So haben sie äußerlich einen Schein der Wahrheit und sind innerlich Lüge. Darum können sie nicht bleiben in der Gemeinde Jesu und sondern sich ab. Im Missionsgebiet des Apostels Paulus zeigten sich in den Anfangszeiten ernste Krisen durch judenchristliche Gläubige. Paulus wehrt sie im Galaterbrief sieghaft ab und stellt das Evangelium „allein aus Gnaden  nicht aus den Werken“ fest. Er hat in Gal. 1,89 ein hartes Wort gegen alle, die außer dem Evangelium Christi noch etwas Zusätzliches verkündigen: „Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, als wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch Evangelium predigt anders, als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.“
So blieb es bei dem großen Wort: „Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht“ (Röm. 10,4). …

Luther hat aus schmerzlicher eigener Erfahrung und gegründet auf Gottes Wort folgendes gesagt: „Gott will den Leib geehrt haben, das ist, er soll sein Futter, Kleider usw. zur Notdurft haben und nicht mit unträglichem Fasten, Arbeit oder unmöglicher Keuschheit verderbt werden, wie der Menschen Lehren tun. Christus kommt nicht so, daß er äußerliche Dinge ändern und sein Geschöpf verstören und anders machen wolle … „

IV. Schwarmgeistige Strömungen in der Kirchengeschichte

1. Die Montanisten
2. Die Donatisten
3. Die Schwärmerei im Mittelalter
a) Die hl. Katharina von Siena (1347-1380)
b) Die hl. Theresia (1515-1582)
4. Luther und der Schwarmgeist
5. Der Schwarmgeist bei Ignatius von Loyola (1491-1556)
IV. Der Schwarmgeist und seine Auswirkungen in der Neuzeit
(Weggelassen, wegen Platzersparnis. H.Koch)

2. Die Pfingstbewegung und ihre Ausläufer
a) Die Pfingstbewegung
Wir haben festgestellt, daß im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder der Schwarmgeist aufgetreten ist, stets unter anderem Namen, aber mit den gleichen Symptomen. Eine solche Strömung, behaftet mit allen Merkmalen des Schwarmgeistes, ist die Zungen- oder Pfingstbewegung. Sie trat um 1905 erstmals in einem spiritistisch-religiösen Kreis Kaliforniens auf. Dabei ist wesentlich, daß in Los Angeles schon damals Spiritismus, Okkultismus und andere dunkle Dinge zu Hause waren. Die Pfingstbewegung löste eine so ungeheure explosive Wirkung in der christlichreligiösen Welt aus, daß sie in wenigen Jahren über den ganzen Erdkreis gegangen ist. Im Jahre 1906 kam sie nach Europa, im darauffolgenden Jahr nach Deutschland. Sie hat die Kirchen wie auch die inneren pietistischen Kreise unterwandert und durchdrungen. Ihre staunenswerte Missionstätigkeit hat in der Jetztzeit keine Parallele. Sie gleicht dem eisigen Labradorstrom und hat in breiter Front alles überflutet. Wiewohl sie sich als Pfingstbewegung bezeichnet, also als eine Bewegung in der Kraft des Heiligen Geistes, hat sie eine große Zersplitterung in sich selbst erfahren, die gleichfalls keine Parallele hat. Wir haben in Deutschland weit über 40 Pfingstrichtungen, die sich z. T. scharf befehden. In USA sind es etwa 200. Daran ist zu erkennen, daß diese Bewegung niemals etwas mit dem Heiligen Geist zu tun hat, der seine Gemeinde „beruft, sammelt , erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten einigen Glauben“, wie es in der Erklärung des 3. Artikels unseres Glaubensbekenntnisses heißt.
K. Hutten, „Seher, Grübler, Enthusiasten“: Wir entnehmen diesem Buch die nachstehenden Ausführungen über die Anfänge der Pfingstbewegung in Deutschland (S. 488-489):
„Auch in Deutschland war der Boden schon vorbereitet, als das Pfingstfeuer von Los Angeles nach Europa herübergetragen wurde. 1905 war Torrey in Blankenburg. Hier wurde die Geistestaufe nicht allein gepredigt, sondern es ging schon dort genügend warm her, um sie zu empfangen. Auch der schlesische Evangelist Eugen Edel (1872-1951) empfing sie mit einigen andern. Der Redakteur des Allianzblattes veröffentlichte eine Broschüre „Hunger nach Pfingsten“. Pastor Ernst Modersohn (1870-1948) bezeichnete die Blankenburger Konferenz als den „Hufschlag des weißen Pferdes“ (Offenbarung 6). Anfang 1907 reisten einige Männer, darunter Pastor Jonathan Paul, nach Christiania (Oslo). Paul veröffentlichte im Allianzblatt einen Bericht über die dortigen Erweckungsversammlungen. Im Juni 1907 kam auch der Leiter der Strandmission in Hamburg, Emil Meyer, nach Christiania. Auf seine Veranlassung schickte der Methodistenprediger Barratt die 2 norwegischen Zungenrednerinnen, Agnes Telle und Dagmar Gregersen, nach Hamburg. In der Begegnung mit ihnen kam der Evangelist Heinrich Dallmeyer „unter den Geist“, ohne allerdings die Zungenrede oder sonst eine Geistesgabe zu bekommen. Er hielt in Hamburg Versammlungen, in denen die Norwegerinnen in Zungen redeten. „Schon damals gab es wilde Szenen, einen richtigen Spiritistenspuk.“ Trotz starker Bedenken nahm er sie nach Kassel mit, wo er im Juli 1907 eine Evangelisation hielt. Den Teilnehmern, Mitgliedern der verschiedenen Gemeinschaftskreise, wurde von ihm der Empfang eines „reinen Herzens“ und der „Fülle des Geistes“ verheißen. Einige Wochen später wurden ähnliche Versammlungen auch in Großalmerode (Hessen) gehalten. An beiden Orten wurde in Zungen geredet. Es kam zu allerlei unguten Ausbrüchen einer entfesselten Ekstase, die starken Widerspruch hervorriefen. Männer und Frauen wälzten sich unter Stöhnen, Zuckungen, Krämpfen und Hallelujageschrei auf dem Boden. Auf dem Gipfelpunkt der Erregung setzte das Zungenreden ein. Der „Geist“ entlarvte geheime Sünden von Teilnehmern. Er erklärte, der ganze Saal sei voll von Dieben. „Ich werde noch mehr offenbar machen; ich werde noch schärfer schneiden; ich werde eure Sünde an eure Stirn schreiben, ich werde Namen nennen.“ Ein Zungenredner brüllte: „Betet mich an! Ich bin Gott!“ Einer schrie unentwegt: „Raus!“ Andere stießen Laute aus, die den „Tönen einer gezogenen Säge“ glichen! Ein Gemeinschaftsleiter machte Luftsprünge. Ein Pastor wand sich einer Schlange gleich zwischen den Stühlen hindurch. Diese Vorgänge boten natürlich Nahrung für sensationelle Presseberichte. Es kam in Kassel zu einem Straßenauflauf, und auf dringende Bitte der Polizei wurden die Versammlungen beendet.“
Der Hauptvertreter der Zungenbewegung in Deutschland war Pastor Paul (1853-1931). Er war anfangs ein gesegneter Pastor der pommerschen Landeskirche und gleichzeitig 2 Jahrzehnte führend in der ostdeutschen Gemeinschaftsbewegung. Im Jahre 1904 begann er öffentlich seine Heiligungslehre in Wort und Schrift zu bezeugen. Das Kernstück ist die Botschaft vom „reinen Herzen“.
In seinem Monatsblatt „Die Heiligung“ erschien in dieser Zeit ein Aufsatz mit dem Titel „Frei von der innewohnenden Sünde“. Der Inhalt ist kurz in diesem, seinem Zeugnis zusammengefaßt:
„Durch den Glauben an das Opfer Jesu empfange ich die Vergebung der Sünden. Durch einen weiteren Glaubensschritt empfange ich die Heiligung, das ,reine Herz`, und stehe in dem Unschuldsstand wie Adam und Eva vor dem Sündenfall.“ Pastor Paul behauptete, der Sünde gestorben zu sein. Im Jahre 1919 sah er den Irrtum ein und bekannte: „Wenn ich von der Rechtfertigung redete, hatte ich des Geistes J a , wenn ich von der Heiligung redete, hatte ich des Geistes J a , wenn ich von der Sündlosigkeit redete, hatte ich des Geistes  J a   nicht “ (bezeugt von seinem Schwiegersohn Vietheer). Obwohl er wegen seines Irrtums von bewährten Gottesmännern ernst gewarnt und auf das Wort 1. Joh. 1,8 hingewiesen wurde, blieb er ablehnend. Und nun das Bedeutsame: Jedermann, der ihn kannte, mußte ihm seine Lauterkeit, Selbstlosigkeit, Sanftmut und Liebe bezeugen. Aber in der Sache der Heiligungslehre und der pfingstlichen Irrung blieb er unbelehrbar. Hier verstieß er gegen das Wort: „Die Weisheit läßt sich sagen.“
Über seine Persönlichkeit seien folgende drei Beurteilungen aus der Schrift von Pfarrer von Eicken: „Heiliger Geist  Menschengeist  Schwarmgeist“ (S. 86-87) angeführt:
1. Dr. Lepsius berichtet wie folgt: „Pastor Paul hat mir mit seinem lauteren Gemüt und liebevollen Herzen immer brüderlich nahegestanden. Ich gestehe, daß ich sonst von dem Brauche, der in Gemeinschaftskreisen herrscht, mit dem Wort ,Bruder` und ,Schwester` äußerst freigebig zu sein, nicht sehr erbaut bin, denn seit ich die Erfahrung gemacht habe, daß ,Bruder` zehnmal weniger als ,Freund` heißt, und daß man niemals gegen Freunde so handeln würde, wie man gegen Brüder handelt, bin ich mit dem Wort ,Bruder` etwas sparsam geworden. Aber Pastor Paul ist mir immer ein lieber Bruder gewesen und ist es noch . . . Pastor Paul sorgte dafür, einen Ton kindlicher Heiterkeit und brüderlichen Vertrauens unter uns aufrechtzuerhalten . . .“

2. Robert Volkmann, langjähriger Evangelist und Inspektor der deutschen Zeltmission in Geisweid, erzählte mir um 1930 ein für Pastor Paul typisches Beispiel eines selbstlosen Verhaltens: Volkmann, von Hause aus wohlhabend, hatte vor dem ersten Weltkrieg an Pastor Paul zum Bau eines Hauses in Berlin-Steglitz eine Hypothek von 10 000 Goldmark gegeben. Am Ende der großen Inflation von 1918/1923 wurden bekanntlich Hypotheken mit 10 bis 12 % aufgewertet in neuer Reichsmark (= Goldmark). Pastor Paul aber zahlte die Hypothek 100%ig in der neuen Währung zurück.
3. Ich selbst (v. Eicken) konnte Anfang 1924 auf einer mehrtägigen Konferenz in Ferndorf bei Kreuztal Pastor J. Paul kennenlernen und gewann einen deutlichen Eindruck seiner herzgewinnenden Freundlichkeit, zuchtvollen Selbstbeherrschung in schwierigen Augenblicken und großen seelsorgerlichen Weisheit.
Soweit Pfarrer v.Eicken über Pastor J. Paul.
So also sieht der fromme Mensch den „liebenswerten, selbstlosen, lauteren“ Pastor Paul. Gottes Wort sagt aber von den Lehrern: „Ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach.“ Sein Schwiegersohn Heinrich Vietheer berichtet in dem Buch „Unter der guten Hand Gottes“ (S. 152): „Ehe Pastor Paul heimging, rief er uns und alle die Missionsgeschwister, die gerade in meinem Missionshause anwesend waren, zusammen und sagte uns: Ich war am Bahnhof der Ewigkeit, und die Tür war mir verschlossen, und es wurde mir gesagt: Du hast von dem Gift der alten Schlange getrunken.“ Damit wird der große Irrtum Pastor Pauls in seinem Leben und seiner Lehre nochmals bezeugt.
Dazu sei ein eigenes Erlebnis aus der Jugendzeit des Herausgebers mitgeteilt:
In unserem Hause verkehrte der alte, ehrwürdige Bruder Thomä. Wir, als junge Christen (um 1904-05), schwärmten von dem damals so hell leuchtenden Gemeinschaftsstern Pastor Paul. Thomä hörte das und sagte: „Pastor Paul?!“ und schüttelte mit dem Kopf. Dann fuhr er fort: Auf der Konferenz in Bentschen (frühere Provinz Posen) sprach Pastor Paul über seine Heiligungs- und Sündlosigkeitslehre. Ich stand auf und sagte ihm: „In der Bibel steht: Wer kann merken, wie oft er fehle?“ Darauf wehrte Paul freundlich ab und ließ diesen biblischen Einwand nicht gelten. Thomä setzte hinzu: „Ich will nichts mehr von Pastor Paul wissen, denn er läßt Gottes Wort nicht stehen.“
Einige Jahre später, an einem Sonntagmorgen im Sommer, ist derselbe Bruder Thomä im Frühgottesdienst bei dem gläubigen Pastor Lohwasser. Hinterher nimmt er mit nur wenigen das Heilige Abendmahl. Zum Schluß tritt Pastor Lohwasser zu dem alten Thomä, begrüßt ihn und spricht einige Worte mit ihm. Thomä sagt mit seiner gebrochenen, fast tonlosen Stimme: „Ich erwarte vom Herrn etwas ganz Großes.“  Am nächsten Morgen fand man diesen wartenden Simeon, im Frieden heimgegangen, tot im Bett. „Ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach.“
Hiermit sei das Ende dieser beiden Persönlichkeiten gegenübergestellt. Bruder Thomä erkennt bereits 1904 die falsche Grundhaltung zur biblischen Heiligungslehre und lehnt Pastor Paul scharf ab. Thomä hat das Ende eines Simeon.  Pastor Paul besteht hartnäckig auf seiner Heiligungserfahrung und später auf seiner Geistestaufe durch die Zungenbewegung. Das Ende ist der erschütternde Ausspruch: „Du hast von dem Gift der alten Schlange getrunken.“ Dieses Gift haben seine Anhänger auch getrunken. Dennoch erkennen wir, daß auch Pastor Paul noch am Ende seiner Wegstrecke Licht über seinen Irrweg geschenkt wurde. Auch er erfährt, wie wir es alle erfahren, daß wir, Schächer oder Apostel, allein  aus  Gnaden  selig werden.
Das Gegenstück zu der hochstehenden Ethik Pastor Pauls ist das Geschehen in Brieg in der Arbeit des Predigers Edel. Bei Pastor Paul ethischer Hochstand, hier moralischer Tiefstand; alles aber Ausflüsse desselben dämonischen Zungengeistes.
D. Fleisch berichtet von einem Flugblatt ausgetretener Pfingstgeschwister. Er schreibt darüber auf S. 262 des eingangs erwähnten Buches: Der jetzige Schriftleiter des Allianzblattes, Nagel, erhielt es (das Flugblatt) von J. Seitz und veröffentlichte es: „Ein ernstes Wort in letzter Stunde“. Darin hieß es: „Wie war es möglich, daß ein Werk, das so herrlich anfing und einzigartig dastand, solchen Schiffbruch erlitt? Weil der Leiter ein Mietling war . . . weil er Kopfwissenschaft predigte und es nicht selber vorlebte . . . Das Gericht hat schon angefangen am Hause Edel. Schon im April 1919 hatte der Brieger Vorstand der Gemeinschaft dem Prediger Edel gekündigt, nachdem durch Gesichte und Offenbarungen die Vorgänge (schwere sittliche Verfehlungen) in seinem Hause bekanntgeworden sind. Trotzdem diese Geschehnisse schon in Berlin bekannt waren, bestanden die Brüder Humburg, Martensen und Pastor Paul darauf, daß Edel in Brieg verblieb.“ Im Herbst 1919 hätten die Brüder aber eingesehen, daß es so nicht weitergehe. „Die Welt sieht in solch einem Falle eine Disziplinarversetzung vor. Hier aber sollte es im alten Gleise seinen Gang weitergehen.“
„Ist es nicht erschütternd, daß in einem leitenden christlichen Hause solch ein Morast von Unsittlichkeit groß werden und jahrelang sich breitmachen konnte? Und Prediger Edel sah dem allen zu und rührte nicht daran, weil er selbst nicht rein war. Und wo bleibt die tiefe Buße?“ „Aber den Gaben werden die Gefäße hochmütig und vergessen den Zweck der Gabe und den Geber selbst. Deswegen fallen all die Auserwählten, und der Herr kommt nicht zu seinem Ziel. Edel, Humburg und Martensen, das sind drei Namen, die Bücher reden! Hochmut und Herrschsucht kommt vor dem Falle.“
Gleichzeitig schrieb das Vorstandsmitglied Fabrikant Bild in Brieg an Nagel, daß er aus der Pfingstbewegung ausgetreten sei. Das Allianzblatt bemerkte dazu: „Nach uns von zuverlässiger Seite gemachten Mitteilungen sind in der Tat Dinge aller skandalösester Art geschehen. In ihrem Offenbarwerden liegt eine erneute Entlarvung des Irr- und Schmutzgeistes, der in der sogenannten Pfingstbewegung sein Wesen hat. Vorkommnisse der oben angedeuteten Art beschränken sich nämlich keineswegs auf Brieg allein. Wir geben zur Beleuchtung des furchtbaren Standes der Dinge den Ausspruch einer Ohren- und Augenzeugin wieder, die für das Gesagte einsteht: ,Es sind in den Kreisen der Pfingstbewegung Dinge geschehen, denen gegenüber die Besucher in den Hamburger Verbrecherkellern gut abschneiden würden.´“
Die Vorgänge in Brieg waren nur Symptom eines allgemeinen und vielfältig auftretenden moralischen Tiefstandes in diesen Kreisen. Gelegentlich einer Begegnung im April 1909 sagte General v. Viebahn zu D. Michaelis: „Dürfen wir es länger mit ansehen, daß immer mehr Geschwister in diese unheilvolle Bewegung gezogen werden?“ Sie verabredeten ein Zusammentreffen mit Prediger J. Seitz, Pastor L. Wittekind und Pastor Stockmayer. Dabei erschien es den Genannten notwendig, einen größeren Bruderkreis nach Berlin einzuladen, der dann im September zusammentrat. Es waren etwa 60 Brüder aus allen Teilen des Landes, aus den Gnadauer Gemeinschaftskreisen und aus den Freikirchen. Unter ihnen waren solche, derer wir gern als Väter gedenken, wie Elias Schrenk, Walter Michaelis, Otto Stockmayer, Leopold Wittekind, v.Viebahn, Prediger Wächter, K. Mascher u. a. Nach Tagen ernsten Austausches wurde die sogenannte „Berliner Erklärung“ herausgegeben und von 56 Brüdern unterschrieben. Sie fand auf der einen Seite große Zustimmung, während sie von der Gegenseite heftig angegriffen wurde. Der wesentliche Inhalt der „Berliner Erklärung“ ist in Satz Nr. 1 wie folgt ausgedrückt:
„Die sogenannte Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten. Sie hat viele Erscheinungen mit dem Spiritismus gemein. Es wirken in ihr Dämonen, welche, vom Satan mit List geleitet, Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder Gottes zu verführen. In vielen Fällen haben sich die sogenannten „Geistbegabten“ nachträglich als besessen erwiesen.“
Die „Berliner Erklärung“ schuf Klarheit und Scheidung in vielen Kreisen. Einige Führer der Gemeinschaftsbewegung glaubten allerdings, eine neutrale Haltung einnehmen zu können. Zu ihnen zählten Krawielitzki, Modersohn, Schenk/Lindenwald, Coerper/ Liebenzell.
Als diese Neutralen in der Folgezeit gleiche oder ähnliche Schäden in ihren Kreisen feststellten wie die Väter der „Berliner Erklärung“, schieden sie sich von der Pfingstbewegung. In ihrer inneren Haltung sind sie jedoch zum großen Schaden des Reiches Gottes und ihrer selbst immer neutral geblieben. Pastor Modersohn schreibt in seinen Lebenserinnerungen: „Er führet mich auf rechter Straße“ auf S. 236: „Wenn ich auch davon überzeugt hin, daß auch Dämonisches in der Pfingstbewegung je und je hervorgetreten ist, so glaube ich doch mit Thimme, daß man vieles hätte durch Vorgänge des Unterbewußtseins erklären sollen, wie man das auch beim Spiritismus tut.“

Diese Ansicht ist in zweifacher Weise irrig und gefährlich. Mit dem Worte „Unterbewußtsein“ versucht man, etwas zu erklären, und bringt damit doch nur einen hohlen Wortbegriff. Wir können es schon dem Heiland glauben, daß es in der Frage zwischen Glaube und Unglaube, zwischen Gott und Teufel keine Zwischeninstanz gibt. „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Matth. 6,24). Nicht bloß das glitzernde Geld oder irgendeine irdische Habe meint er damit, vielmehr spricht er von den beiden Herren , denen wir nicht zugleich dienen können. Luther sagt: „Von irgendeinem wird der Mensch geritten, entweder von Gott oder vom Satan.“
Wenn wir schon das nichtssagende Wort „Unterbewußtsein“ stehen lassen wollen, dann müssen wir es als ein Neutrum ansehen, das sich entweder unter der Herrschaft Gottes oder unter der Herrschaft Satans befindet. Gefährlich aber ist es, wenn Modersohn das Unterbewußtsein mit dem Höllengewächs des Spiritismus zusammenbringt. Hier werden die gefährlichsten Dinge aller Zeiten, auf die Gott die Todesstrafe gesetzt hat (5. Mose. 18,9-12), verharmlost.
Die Beurteilung der Pfingstbewegung durch Pfarrer Krawielitzki, den Gründer des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes, gibt Pfarrer Mundt in seiner Lebensbeschreibung über Krawielitzki folgendermaßen wieder: An einen Bruder, der nicht aus der Pfingstbewegung herausfand, schrieb er u. a. : „Es wurde mir unwiderleglich klar, daß die Bewegung freilich nicht eine dämonische, aber doch eine fleischlich-seelische und vom eigenen Geist ist, die der Feind in unseren Tagen zum schlimmsten Schaden für das Reich Gottes und vieler aufrichtiger Kinder Gottes gebraucht.“ Beide, Modersohn und Krawielitzki, damals noch junge Pastoren, sind also weit abgerückt von der ernsten Feststellung der Väter: „Die Pfingstbewegung ist von unten!“ Entsprechend dieser falschen Beurteilung des Pfingstgeistes verlief die Entwicklung derjenigen Gläubigen, die sich an den beiden Genannten orientierten.
In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg kamen aus Posen und Westpreußen viele Pfingstler in das restliche Deutschland herein. Dadurch gab es in Deutschland ein neues Aufleben des Pfingstgeistes. Im März 1924 erließ der Vorstand des Gnadauer Verbandes eine neue Warnung gegen die Zungenbewegung. Pfarrer Coerper/Liebenzell unterschrieb sie nicht.

b) Die Gruppenbewegung
Ein neuer listiger Angriff des altbösen Feindes geschah durch die Gruppenbewegung, die in den dreißiger Jahren in Deutschland aufkam. Ihr Führer, der amerikanische Pfarrer Frank Buchman, hörte 1908 in einer Dorfkapelle bei Keswik in England eine Pfingstlerin predigen. „In der Folge begann er über die Dinge nachzudenken und hatte daraufhin eine Vision, die ihn aufforderte, sich Christus zu übergeben. Er vollzog die Übergabe und empfand ein vibrierendes Gefühl, als ob ein starker Lebensstrom plötzlich in ihn gegossen würde. Von diesem Zeitpunkt an hatte er Macht.“ (Vgl: I. C. Brown: „The Oxford Group Movement, is it of God or of Satan?“) Daraufhin schrieb er an die Presbyter seiner Heimatgemeinde, mit denen er in Streit stand, einen Entschuldigungsbrief.
Göttliche Buße bekennt mit David: „An dir allein habe ich gesündigt“ (Ps. 51,6). Göttliches Heilserlebnis wird geschildert durch Jak. 1,18: „Er hat uns geschaffen nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit“ und 1. Petr. 1,23: „als die da wiedergeboren sind nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt.“ Das echte Heilserlebnis schließt ab mit dem Wort Römer 8,16: „Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind.“
Das alles finden wir nicht bei Buchman. Seine Bußrichtung ist falsch; an die Stelle des Glaubens tritt bei ihm ein vibrierendes Gefühl seiner Nerven. Auch die Frucht dieser „Bekehrung“ ist darum falsch, doch: „Er hatte Macht!“
Seine Botschaft besteht in den 4 Absoluten:  1. Absolute Ehrlichkeit  2. Absolute Reinheit  3. Absolute Liebe  4. Absolute Selbstlosigkeit

Er beginnt also mit der Selbstheiligung statt mit dem Gnadenakt göttlicher Rechtfertigung. Buchmans Buße besteht im Stillewerden (Meditieren), im Erkennen der eigenen Fehler und im öffentlichen Bekennen. Die während des Meditierens einströmenden Gedanken werden als göttliche Eingebungen betrachtet, aufgeschrieben und nachher öffentlich innerhalb der Gruppe bekannt.
Das Wort Gottes spielt keine oder nur eine unbedeutende Rolle. Durch das öffentliche Bekennen von Sünden erfolgt eine Gewissensentlastung. Dieses Bekennen haben wir auch in der Heidenwelt heute und im alten Rom und in Griechenland. Solche Bekenntnisse bringen wohl Gewissensentlastung, doch sie führen nicht zum Ergreifen des Heils im Glauben an Jesus Christus. Gegen das öffentliche Bekennen, wie es in der Pfingstbewegung, Gruppenbewegung, in der Moralischen Aufrüstung und in ihren mancherlei Abarten geschieht, steht, so fromm und demütig es äußerlich erscheinen mag, das Wort Jak. 5,16: „Bekennet  einer  dem andern  seine Sünden und betet füreinander, daß ihr gesund werdet.“ Die biblische Grundlage der Vergebung liegt in dem Wort: „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen . . .“ (1. Joh. 1,9), und der Grund des Heils steht auf dem Wort: „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde“ (1. Joh. 1,7). In der Buchmanschen Praxis ist davon nichts zu merken.
Die Buchmansche Seelenbehandlung machte wie die Zungenbewegung einen schnellen Lauf durch die Welt. Hatte man sich von den exaltierten Dingen der Zungenbewegung abgewendet, so fielen die religiösen Gemüter der Kirche und z. T. des Pietismus auf das moralische Kleid herein. Es entstanden tatsächlich moralische Wandlungen. Ja, bis in Wirtschaft und Politik hinein zeigte sich die „segensreiche“ Wirkung der Gruppenbewegung. Je stärker sie aber die Welt erfaßte, um so weitherziger mußte sie den Rahmen spannen, um viele zu erreichen. Darum wurde der Name Jesu immer spärlicher genannt. Das Kreuz des Herrn Jesus rückte ganz beiseite, und die weitere Folge dieser falschen Weichenstellung war die uns heute bekannte „Moralische Aufrüstung“.

c) Die Moralische Aufrüstung
Frank Buchman hat an seinem 70. Geburtstag von Hollywood aus seinen amerikanischen Freunden und Mitarbeitern das neue Programm entwickelt. Buchman zitiert darin Worte des Engländers Lord Ruffield: „Wenn wir glücklich leben wollen, wie wir es alle so sehr wünschen, müssen wir den gegenwärtigen, uns bedrängenden Problemen ins Auge blicken. Sie wurden durch Menschen verursacht. Wir müssen in vollem Umfang die Prinzipien der Wahrhaftigkeit, Unantastbarkeit, Selbstlosigkeit und das mitfühlende Verständnis für Probleme und Ansichten unserer Nächsten in unser persönliches, familiäres und industrielles Leben hineintragen.“
Frank Buchman fährt dann fort: „Welches ist für alle diese guten Nachrichten der gemeinsame Nenner? Es ist die Einigkeit  diese fast in Vergessenheit geratene Lösung aller Probleme von heute. Spaltungen sind das Erkennungszeichen unseres Zeitalters. Spaltungen im Heim, Spaltungen in der Industrie, Spaltungen in der Nation, Spaltungen zwischen den Nationen. Einigkeit ist unser größtes Bedürfnis, Uneinigkeit ist das Werk menschlichen Stolzes, des Hasses, der Lust, der Furcht, der Gier, Einigkeit ist die Gnade der Wiedergeburt. Wir haben die Kunst, Einigkeit zu schaffen, verlernt, weil wir das Geheimnis der Wandlung und der Wiedergeburt vergessen haben.“ An Stelle der Formulierung von Lord Ruffield könnte man auch aus dem ursprünglichen Programm der Gruppenbewegung die schon genannten Urforderungen derselben setzen: absolute Reinheit, Ehrlichkeit, Selbstlosigkeit, Liebe.
Dieses Programm ist Buchmans neue Ideologie, die bisher der heutigen Demokratie fehle. Hiernach entstehe eine von „Gott inspirierte Welt“, in der Menschen, Familien, Gemeinschaften, Nationen sich ändern. Dem selbstsüchtigen Menschen seien diese Grundsätze unbequem. Wer sich aber ihnen hingebe, dem komme eine Erleuchtung, wie sie auch Buchman im Jahre 1908 gekommen ist. Buchman sagt darüber in seiner Proklamation: „ I c h gebe innerlich meinen Stolz und Materialismus preis. I c h sagte Gott und denen i c h unrecht getan: Es ist mir leid. I c h lernte vor Gott gehorchen und seinen Auftrag an die Menschen annehmen.“

D. Walter Michaelis stellt im Gnadauer Gemeinschaftsblatt, August 1948, mit Recht die Frage: In welcher Kraft soll diese übermenschliche Aufgabe in einer Welt der brutalen Selbstbehauptung gelöst werden?
Die Rede Buchmans bleibt die Antwort darauf schuldig. Zwar sagt sie: „Wir haben die Kunst, Einigkeit zu schaffen, verlernt, weil wir das Geheimnis der Wandlung und der Wiedergeburt vergessen haben.“ Was ist aber mit Wiedergeburt gemeint? Offenbar wird das Wort auch in nur menschlichem Sinn gebraucht.
Und was heißt: „Die Moralische Aufrüstung ist die gute Straße einer von Gott inspirierten Ideologie, auf der sich alle finden können, Katholiken, Juden, Protestanten, Hindus, Mohammedaner, Buddhisten und Konfuzianer, sie alle finden die gute Straße eines einigenden Programms. Sie können alle zusammen vorwärts gehen. Es hebt sie über alle Differenzen hinaus auf die Ebene einer höheren Ideologie.“
Das kann doch nicht anders verstanden werden, als daß die Anhänger all dieser Religionen innerhalb des Bereichs derselben und mit den Kräften derselben (also auch Islam, Buddhismus) sich durch Wandlung ihres Wesens erheben sollen zu der Ebene einer höheren Ideologie. Daran ändert auch der Hinweis auf Gottes Plan, so wie er dasteht, mit dem wir unser Leben in Übereinstimmung zu bringen haben, nichts. An „Gott“ glauben alle die Genannten.
In dieser Proklamationsrede ist kein Wort vom Evangelium der Bibel, kein Wort von dem Kreuz unseres Herrn Jesu Christi, das da selig macht (errettet alle, die an ihn glauben, die Juden vornehmlich und auch die Griechen). Hier stellt sich ein frommes Ich vor, das eine außerordentliche Inspiration bekommen hat und nun nicht nur selbst eine Umwandlung erfuhr, sondern die Macht bekam, auch andere umzuwandeln. Hier stellt sich ein frommes Ich vor, das eine weltweite Mission erfüllen will, an der alle Menschen in allen Religionen teilhaben sollen, auf der höheren Ebene der neuen Ideologie, die die Menschen auf der Grundlage eines seichten Gottesglaubens und moralischer Taten zu einem glücklichen Leben und einer besseren Zukunft führen will. Das untrügliche Wort Gottes redet eine ganz andere Sprache. Es spricht von einer Menschheit, die sich nicht in eine völkerverbrüdernde Demokratie hineinentwickeln wird, sondern in eine religiöse Diktatur eines Übermenschen, der zuletzt mit Zeichen und Wundern göttliche Anbetung fordern wird. Dieser Geist des Antichristen ist heute schon wirksam in den Kindern des Unglaubens und auch in dem Propheten der Moralischen Aufrüstung und seinen Jüngern. Es gibt nur ein Heil, wie es uns das Evangelium darbietet. Es gibt nur einen Mittler, um zu Gott zu kommen. Da nach dem Worte der Schrift der Zorn Gottes auf allen liegt, die nicht an den Herrn Jesus glauben, und da auf die unbußfertige Menschheit Gottes Gericht und ewiges Verderben wartet, müssen wir es mit allem Ernst betonen: Buchman ist ein Lügenprophet. Seine Anhänger sind Gefolgsmänner dieses Lügenpropheten. Sie werden alle teilhaben an dem Fluch Gottes, den Paulus ausspricht in Gal. 1,8: „Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, als wir euch gepredigt haben, der sei verflucht.“ Es bleibt bei dem Ausspruch des Apostels Petrus in Apg.4,12: „In keinem andern ist das Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden“, als der Name Jesus.
Wir sind an dem Punkt angelangt, den Israel erreicht hatte, als es neben dem Herrn im Tempel noch auf den Höhen, den Baal, die Aschera und den Moloch anbetete. Danach kam das Ende. In unseren Gemeinden sitzen neben den lauteren Seelen die Anhänger der Isebel, von denen der Herr Offb. 2,20 ff. sagt: „Ich habe wider dich, daß du das Weib Isebel duldest, die da spricht, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. Und ich habe ihr Zeit gegeben, daß sie sollte Buße tun, und sie will nicht von ihrer Unzucht lassen. Siehe, ich werfe sie auf ihr Bett und werfe in große Trübsal, die mit ihr die Ehe gebrochen haben, wenn sie nicht lassen von des Weibes Werken, und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen. Und alle Gemeinden sollen erkennen, daß ich es bin, der die Nieren und Herzen erforscht, und ich werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken.“
Die religiösen Bewegungen, die im 3. Reich verboten waren, traten nach dem Ende des 2. Weltkrieges neu hervor. Sie wurden verstärkt einmal durch das Hereinströmen der Bewohner aus den Ostgebieten, die stark mit Schwarmgeist durchsetzt waren, zum andern durch den amerikanischen Einfluß auf allen Gebieten des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens. Das neue Aufbrechen des Zungengeistes aus beiden Richtungen hat eine Flutwelle schwarmgeistiger Bewegung erzeugt, unterstützt durch Zeichen und Wunderwirkungen. Es fanden große Heilungsfeldzüge statt, zu denen Zehntausende liefen. Besonders sind es amerikanische Heilsapostel, wie Hicks, Branham, Roberts, Osborn usw.

Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen . . .(Hebr. 13,17)

3. Evangelische Orden
a) Luthers Erfahrungen mit der Möncherei und sein Urteil darüber
Obiges Gotteswort soll man ernst nehmen und auf die Lehren der Geschichte wohl achten. Lehrreich und wegweisend ist es darum, Dr. M. Luthers Werdegang vom suchenden Menschen zum gläubigen Christen aufzuzeichnen. Dr. Martin Luther ist ein rechter Mönch gewesen. Die Not um sein Seelenheil trieb ihn ins Kloster; der letzte Anstoß geschah im Hochsommer 1505. Über den Weg Luthers ins Kloster und seine Erfahrungen als Mönch gibt Rudolf Thiel in dem bereits genannten Buch eine ausführliche Darstellung, die wir nachstehend gekürzt folgen lassen.
Der 21jährige ist erst kürzlich Magister der sieben freien Künste geworden und beginnt nun das Studium der Jurisprudenz. Bei einem Besuch daheim trägt er seinem Vater die Bitte vor, die Jurisprudenz mit der Theologie zu vertauschen. Der Vater setzt ihm ein scharfes „Nein“ entgegen. So tritt er geschlagen den Heimweg an. Unterwegs überrascht ihn das Gewitter. In sich fühlt er die anklagende Stimme des Gewissens, um sich fühlt er im Rollen des Donners den drohenden Gott. Jetzt blitzt es hell auf! Donnerschlag! Schwefel, Rauch, Dampf! Ein Feuermeer! Luther schreit auf: „Hilf, heilige Anna! Ich will ein Mönch werden!“ So vertauscht er das braune Barett des Magisters mit der Kutte des Bettelmönches. Luther tritt in das Augustinerkloster in Erfurt ein. Er empfängt einen wütenden Brief seines Vaters; „ungehorsam und ungeraten“, so nennt der Vater den Sohn. Bei der Aufnahme zunächst auf ein Probejahr  wird Luther mit allem Ernst und aller Feierlichkeit auf die Mönchsgelübde verpflichtet:
Verzicht des Eigenwillens, also Gehorsam,
Schmach der Armut, also Demut,
Ertöten des Fleisches, also Keuschheit.
Unter dem Gesang: „Komm, Heiliger Geist . . .“ zieht danach die Prozession der Mönche in den Chor der Kirche. Dort, vor dem großen Hochaltar, befindet sich das Grab des Bruders Zacharias, der sich auf dem Konzil zu Konstanz den Ruhm des Huß-Besiegers und die goldene Tugendrose aus des Papstes Hand erworben hatte. Auf diesen Grabstein wirft sich der junge Mönch in Kreuzesform hin und lauscht den Gebeten, die man über ihn zum Himmel schickt: „Gott, der du die Herzen deiner Gläubigen durch den Heiligen Geist erleuchtest, gib diesem deinem Knecht, Rechtes zu denken im Heiligen Geist und sich seines Trostes zu erfreuen. Allmächtiger, erhöre unser Flehen, gewähre uns Hoffnung und Zuversicht der Frömmigkeit, auf die Fürsprache dieses ruhmreichen Bekenners, des heiligen Bischofs Augustin, und schenke uns gütig deine gewohnte Barmherzigkeit durch Christum, unsern Herrn!“ Zum Schluß erhält Martin von allen siebzig Brüdern einen Friedenskuß und wird entlassen mit den Worten: „Nicht der angefangen hat, sondern der beharret bis ans Ende, der wird selig werden.“
Luther lernt unter der Führung eines Novizenmeisters das echte Mönchsgebaren: Eine neue Art zu gehen mit leichtgebeugtem Nacken und niedergeschlagenem Blick. Er lernt besondere Ehrenbezeigungen vor Mensch und Gott: Sich zu verneigen, das Knie zu beugen und zu Boden zu fallen. Beim Empfang einer auch noch so kleinen Gabe verbeugt er sich tief und spricht: „Der Herr sei gepriesen in seinen Gaben!“ Seine kleine Zelle mit Stuhl, Tisch und Strohbett weiß Ergreifendes zu erzählen von seinem Seelenkampf, seinem Gebetsaufschrei: „Meine Schuld, meine große Schuld!“, seinem Fasten und Kasteien. Jeden Freitag nach der Frühmesse wird neu gebeichtet, und neue Bußstrafen werden entgegengenommen. Eifrig liest er die Heilige Schrift, wie es zu den Pflichten eines Augustiners gehört. Er wundert sich, daß darin vielmehr steht, als er jemals von ihrem Inhalt vernommen hat. Die Geschichte Jesu und sein Todesleiden widerstreben ihm zunächst. Er wird aber erschüttert bei dem Wort: „Ihr sollt vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“ Auch die Briefe der Apostel bleiben ihm fremd. „So vieles Unbegreifliches, so viele Widersprüche!“ Am Alten Testament ergreift ihn nichts Sonderliches. Doch die Psalmen, die erfassen sein Herz. Ja, die Psalmen mit ihrer wunderbaren Poesie. Da klingt seine Seele mit. „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott!“
Dagegen können ihm die Legenden der Heiligen nichts bieten, wie z. B. die folgende: „St. Bernhard in der Wüste betete den Rosenkranz, und als die Räuber kamen, um ihn zu ermorden, da sahen sie an seiner Seite eine Jungfrau stehen, die nahm Rosen ab von seinem Mund, jede zehnte rot, die anderen weiß, und flocht aus ihnen einen Kranz und jene flohen vor dem Wunder…“ Er glaubt es, ohne Zweifel. („Ist doch nichts so ungereimt und lügnerisch gewesen, was wir nicht geglaubt hätten!“ So wird er später diese Mär glossieren.) Aber die Nüchternheit des Vaters hindert doch, daß er frommseliges Vergnügen daran hätte: Wenn diese „Heiligen“ die Wunder Christi wiederholen, warum sind sie dann sonst so menschlich, allzumenschlich? Denn von St. Benediktus muß er lesen, daß er noch tief im Fleische steckte und von den Weibern angefochten wurde und sich den Kitzel und die Brunst vertrieb, indem er sich in Nesseln legte und sein Fleisch an Dornen blutig riß. Der heilige Franz fühlte sich sogar gedrungen, Schneeballen um sich aufzustellen und sich zuzurufen: „Sieh, da hast du Weib und Kind, die mußt du ernähren, mit Arbeit und mit Sorgen…“ Und Luther denkt im Stillen: „Solche hohen geistlichen Leute sollten diese jugendliche Brunst und fleischliche Anfechtung nicht haben!“
Wahrhaftig, er fühlt sich ihnen überlegen! Sein Übereifer hat ihn noch nichts dergleichen spüren lassen. Es fällt ihm alles, wovon man soviel Wesens macht, auf wunderbare Weise leicht. Die guten Ratschläge der Brüder, wie man sich in Anfechtungen über Wasser hält, die braucht er nicht. Das Mönchtum geht ihm ein wie seine eigene Natur. Ja, er ist auf dem besten Weg, ein rechter kleiner Heiliger zu werden. Er kasteit sich, daß es eine Lust ist. Er erwürgt sich schier mit Fasten und mit Wachen. Mitten im Winter zieht er die leichteste Kutte an, und statt den geheizten Gemeinschaftsraum zu benützen, läßt er sich in der Zelle fast erfrieren. Dreimal die Woche ist noch nicht genug gefastet; und wenn die anderen an fleischlosen Tagen zu seiner Mißbilligung immer noch so gut essen wie der arme Mann am Ostertag, so übt er sich derart in der Enthaltsamkeit, daß er noch viel später mit einem Hering den ganzen Tag aushalten kann. So erreicht er es, daß er nach seinem Probejahr so aussieht wie die jungen Kuttenträger, die er als Knabe manchesmal mit frommer Scheu bestaunt hat: Bleich, hohl und eingefallen, mehr einem lebenden Leichnam ähnelnd als einem der Welt abgestorbenen Lebendigen.
Der Lohn bleibt nicht aus. Sein Leben hat „in Anderer Augen einen großen Schein“. Im Kloster gilt er schon als halber Heiliger. Der strenge Pater Nathin nennt ihn einen zweiten Paulus, wenn er den Nonnen predigend sein Vorbild rühmt.
Und wenn Luther die Übung der Demut auf sich nimmt: um Käse bettelt, die Latrine fegt, den Brüdern so, wie Jesus tat, die Füße wäscht, dann ist er so stolz und gefällt sich gut, wie er später mit grimmiger Ironie bekennen wird: „Ei, war ein köstlich Leben!“
Luther wird nach zwei Jahren Priester. Nach dem Weiheakt sitzt Luther neben seinem Vater beim Festmahl zwischen berühmten Doktoren und Professoren der Theologie. Sie wenden sich lächelnd an den Alten, der nicht fröhlich dreinschaut und nicht im Rufe eines Pfaffenfreundes steht: „Lieber Mann, warum habt Ihr Euch so dagegen gesträubt und wart so zornig, daß Euer Sohn ein Mönch geworden ist? Vielleicht denkt Ihr jetzt billiger darüber: Ist doch ein so fein geruhsam göttlich Leben!“ Da sagt der alte Luther laut und mürrisch: „Ihr gelehrten Herren, habt Ihr nicht gelesen in der Heiligen Schrift, daß man Vater und Mutter ehren soll!“
Die Patres bleiben stumm, der Bruder Martin, rot geworden, sagt mit belegter Stimme: „Ich bin nicht gern und eigenwillig Mönch geworden, noch weniger um des Bauches willen, sondern in Todesangst und Schrecken hat mich eine Erscheinung vom Himmel berufen.“ Da knurrte der Alte: „Gebe Gott, daß es nicht ein Betrug und Teufelsgespenst gewesen ist!“
Luther beginnt das Theologiestudium auf Befehl seiner Oberen. Er studiert die Kirchenväter, danach die mittelalterliche Scholastik mit Thomas von Aquin. Es läßt ihn unbefriedigt. Nun wird er Mystiker. „Er lernt, sich mit Tränen der Andacht zu erquicken. Er bringt es zu kunstgerechten Träumereien über das Hohelied. Er wartet auf Gesichte, indem er lange Stunden nach den Anleitungen des Bonaventura spekuliert. Wahrhaftig glückt es ihm einmal, in den ersten Himmel entrückt zu werden und unter den Chören der Engel zu weilen.“
Aber des „Spieles, in die bloße Majestät zu gaffen“, wird dieser redliche und ganz unmystische Charakter sehr bald überdrüssig. Er fühlt sich nicht würdig genug dazu. Und schließlich steigt in ihm ein unüberwindlicher Widerwille auf gegen diese Art, sich in den Himmel einzulügen. Er freut sich, daß ein alter Kirchenvater seine Mönche in der Wüste warnte: „Wenn du meinst, du hast schon einen Fuß auf der Schwelle in den Himmel, so zieh ihn ja wieder bald zurück und folge mit dem andern Fuße nicht!“ Er belehrt sich an der Geschichte einer Nonne, die sich dünken ließ, sie habe einen goldnen Rock an, eine goldne Krone auf dem Haupt, und sitze da wie auf der Hochzeit eine Braut , und als die andern Nonnen kamen, da sahen sie, daß jene einen Kuhdreck auf dem Kopfe hatte!
Sein Leben lang wird er vor den mystischen Spekulationen warnen: „Die werden vom Satan über den Haufen geworfen, wie ich selbst mehr als einmal erfahren habe, laß anderen ihre großen und prächtigen Spekulationen und laß dich einen äußerlichen oder weltlichen Menschen nennen und verstecke dich nicht, wie die unflätigen Mönche und Nonnen tun: sich kitzeln mit ihrer Andacht und vor Freude trunken sind und sich dünken lassen, sie sitzen Gott auf seinem Schoße.“
Er studiert Philosophie und besonders den Aristoteles. Vergeblich,  er bleibt unbefriedigt. jetzt packt ihn das Thema „Erbsünde“. Es packt ihn so gewaltig, daß er seinem Vater Staupitz schreibt: „Mea culpa!“ „Meine Schuld, meine Schuld!“ Ein neues Eifern in Werkgerechtigkeit hebt an. Da eröffnet sich ihm eine frohe Hoffnung. Er darf im Auftrage seines Ordens nach Rom. Dort liest er Seelenmessen in den Kirchen. Besonderes Heil erwartet er in der Kirche San Giovanni: „Selige Mutter, deren Sohn am Sonnabend hier Messe hält!“ Luther versucht, diese Verheißung wahr zu machen.  Allein er findet einen Haufen Priester vor, die genau dasselbe wollen, und verläßt nach stundenlangem Warten tief betrübt den vielumworbenen Gnadennort. Sein Magen knurrt, er kauft sich einen Hering. Es ekelt ihn das Gaukelspiel des Messelesens an. Nach drei Wochen versteht er es, wenn fromme Brüder fluchen: „Gibt’s eine Hölle, so ist Rom darauf gebaut, es kann nicht länger stehen, es muß brechen!“ Trotzdem wandert Luther als der „tolle, hoffärtige Heilige“ durch alle Kirchen und Klöster, um keinen Ablaß zu verfehlen, um alles treu zu glauben, „was daselbst erlogen und erstunken ist.“
Beim Rosenkranzbeten und Hinaufrutschen der Heiligen Treppe kommt ihm endlich das große Fragezeichen. Er hört die Stimme seines Vaters, des nüchternen, geraden, groben Mannes: „Wer weiß, ob es wahr ist? Hat es Gott geboten? Kann Gott Gefallen haben an diesem Werk der Kniee, nicht des Herzens?“ Es fällt ihm der Vers des Römerbriefes ein: „Der Gerechte wird von seinem Glauben leben.“
Über die Gerechtigkeit Gottes, und wie sie Luther im Glauben erfaßte, hören wir Luther selbst:
Er schildert vorher die tiefe Not, in die ihn sein ruheloses Gewissen trotz aller frommen Möncherei trieb, und seine Empörung gegen Gott, daß die durch die Erbsünde Verlorenen nicht nur mit Unheil aller Art durch das Gesetz des Dekalogs bedrückt seien, sondern daß auch noch das Evangelium uns mit seiner Gerechtigkeit und seinem Zorn drohe und fährt dann fort: „So raste ich wild erregten Gewissens und mühte mich doch mit ungestümem Eifer, mit glühend heißem Durst zu erfahren, was St. Paulus wolle (nämlich Röm. 1,17) mit der Gerechtigkeit Gottes, bis sich Gott meiner erbarmte.“ Es ging ihm auf, was die geoffenbarte Gerechtigkeit Gottes sei, „nämlich die justitia passiva“, mittels derer uns die Barmherzigkeit durch Glauben rechtfertigt, wie geschrieben steht: „Der Gerechte lebt aus dem Glauben.“ „Hier fühlte ich mich geradezu von neuem geboren, ich fühlte, daß sich mir die Tore aufgetan hatten und ich mitten ins Paradies eingetreten war. Da zeigte mir sofort die ganze Schrift ein anderes Antlitz . . .“
„Schon pries ich mit einer Liebe, die ebenso groß war wie der Haß, den ich vorher dem Worte justitia Dei entgegengebracht hatte, es als das mir süßeste Wort; so ist diese Paulusstelle mir in Wahrheit das Tor zum Paradies gewesen.“
Luthers Meinung über das hinter ihm liegende Klosterleben ist herausgeboren aus tiefen, siebenjährigen Wehen eines suchenden, werkenden und schließlich verzweifelnden Herzens: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Luther kann ebenso scharf und schneidend sprechen, wie es ein Paulus tat, wenn er die Verdreher des Evangeliums mit den Worten belegt (Gal. 1,89): „Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, als wir euch gepredigt haben, der sei verflucht!“
Rückschauend auf sein früheres Klosterleben sagt Luther: „Wer da gelobt, ein Klosterleben zu führen, der vermeint ein besseres zu führen denn ein anderer Christenmensch, und mit seinem Leben nicht allein sich selbst, sondern auch andern Leuten zu helfen. Derselbe tut nicht anders, denn daß er Christus verleugnet und tritt Christi Verdienst mit Füßen.“
Im Jahre 1528 schreibt Luther im „Bekenntnis der Artikel des Glaubens wider die Feinde des Evangeliums und allerlei Ketzereien“: „Weil ich sehe, daß des Rottens und Irrens je länger desto mehr wird, und das Toben und Wüten des Satanas kein Aufhören hat, so will ich mit dieser Schrift vor Gott und aller Welt meinen Glauben Punkt für Punkt bekennen, worauf ich bis in den Tod zu bleiben gedenke . . .
Demnach verwerfe und verdamme ich auch als lauter Teufelsspaltung und Irrtum alle Orden, Regeln, Klöster, Stifte und was von Menschen über die Schrift hinaus und ohne sie erfunden und eingerichtet und mit Gelübden und Verpflichtungen festgelegt worden ist, obgleich viele große Heilige darin gelebt haben und als die Auserwählten Gottes zu dieser Zeit dadurch verführt und doch schließlich durch den Glauben an Jesus Christus erlöst und entronnen sind.
Denn weil diese Orden, Stifte und Absonderungen in der Meinung ergriffen und gehalten werden, als wollte und könnte man durch diese Wege und Werke selig werden und der Sünde und dem Tod entlaufen, so ist es eine öffentliche Verleugnung der einzigen Hilfe und Gnade unseres einzigen Heilands und Mittlers Jesus Christus. Denn ,es ist uns sonst kein Name gegeben, durch welchen wir sollen selig werden` (Apg. 4,12), als dieser, welcher da heißt Jesus Christus, und es ist unmöglich, daß noch mehr Heilande, Wege, oder Weisen seien, selig zu werden neben der einzigen Gerechtigkeit, die unser Heiland Jesus Christus ist (Röm. 3,25).“
Auf dem Hintergrund dieser Stellungnahme Martin Luthers sei nun über einige evangelische Ordensgründungen der neueren Zeit in den folgenden Abschnitten berichtet.

b) Die Christusbruderschaft in Selbitz
Siegfried von Kortzfleisch schreibt in seinem Buch: „Mitten im Herzen der Massen“ über den Anfang der Christusbruderschaft in Selbitz: „Die Christusbruderschaft ist, ähnlich wie die Marienschwesternschaft in Darmstadt, die Frucht einer Erweckungsbewegung unter Jugendlichen. Es begann in Schwarzenbach an der sächsischen Saale, wo seit 1937 Walter Hümmer als zweiter Pfarrer lebte.“
Als Pfarrer Hümmer zum Heeresdienst eingezogen wurde, betrieb seine Gattin mit zwei geistbewegten Frauen (Baptistinnen) die Sache weiter. In der Neujahrsnacht 1947 wurde es unter der gemeinsamen Betrachtung des 4. Kapitels des Epheserbriefes einigen gewiß, daß sie zu einem dauernden gemeinsamen Leben berufen seien (Orden). Die eigentliche Gründung dieses Ordens fand am Karfreitag 1948 statt. Francois Biot  schildert in seinem Buch Evangelische Ordensgemeinschaften das Werden des Ordens wie folgt: „Als erste Folge dieses Schrittes lösten sich die Glieder der neuen Gemeinschaft aus ihren familiären und beruflichen Bindungen. Dieser notwendige Bruch wurde jedoch die Ursache mannigfacher Schwierigkeiten in den Familien und in der Gemeinde Schwarzenbach. Gleichwohl begannen nach einigen Tagen stiller Einkehr, die sie zusammen in Stuttgart verbrachten, sieben Schwestern und vier Brüder am 1. Januar 1949 das gemeinsame Leben der Christusbruderschaft und setzten damit ihre in langer Selbstprüfung gereifte Überzeugung, daß sie dieses Leben nur in Armut, Gehorsam und Keuschheit führen könnten, in die Tat um.“
S. v. Kortzfleisch führt dann weiter aus:
„Die Nöte begannen“, berichtet Hümmer selbst, „Eltern lehnten sich auf, die Kirchenleitung in München wurde von aufgeregten Berichten beunruhigt, man schmähte sie auf der Straße. Die Gegner schienen nicht gewillt, die Entscheidung hinzunehmen. Die Bruderschaft war ihnen ein Ärgernis. Der Friede in der Gemeinde war dahin. Bischof Meiser im fernen München mußte selbst eingreifen. Die Schwärmer wurden sorgfältig verhört. . . Die Christusbruderschaft aber hieß der Landesbischof an einen anderen Ort ziehen. Ihr Leiter erhielt eine neue Pfarrstelle und durfte seine Schar mitnehmen . . . Das neue Domizil in Selbitz liegt nur 25 km von Schwarzenbach entfernt, aber das kirchliche Klima war der Bruderschaft hier von Anfang an freundlicher gesonnen.“ 1954 erfolgte die Grundsteinlegung des Klosters mit der Inschrift Eph. 2,10: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.“ Im Juli 1956 erfolgte die Einweihung. Soweit die geschichtliche Entwicklung.
S. v. Kortzfleisch fährt dann fort:
„Acht Jahre lang, von 19541962 haben die Selbitzer, mit einer Unterbrechung von zwei Jahren, gebaut, und sie haben so solide gebaut wie kaum eine andere Kommunität. Das Mutterhaus liegt auf dem Wildenberg oberhalb der Stadt, in einer Lichtung zwischen Fichten. Es umschließt einen stattlichen viereckigen Hof. Zimmer und Gänge sind behäbig groß, sie haben hohe, lichte Fenster. Zentralheizung bewahrt vor unfreiwilligen Bußübungen. Die Bruderschaft verficht nicht ideologisch ein Armutsprinzip. Sie scheute sich nicht, für ihren Bau finanzielle Hilfen zu beantragen, wo immer es zu verantworten war und aussichtsreich zu sein versprach.
In den vier Flügeln sind auch ein Siechenheim und ein Jugendheim eingerichtet, alles unter demselben Dach; man war also nicht darauf bedacht, eine Klausur zu schaffen. Das Ganze hat den Grundriß wie ein Kloster, aber es ist keines. Niemandem wird der Einblick verwehrt. Der Eingang besteht aus einer riesigen Glaswand, durch die man bis auf den Hof schaut. Die Bruderschaft hat zwar das gemeinsame Leben gewählt, aber ihre Gemeinschaft sondert sich so wenig wie möglich ab. Sie hat zwar die klassischen Grundverpflichtungen der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams übernommen, aber da immer stärker die kirchlichen Aufgaben ihre Entscheidungen bestimmen, sind die ordensmäßigen Elemente für die Struktur der Gemeinschaft nicht übermäßig prägend geworden. Die Elemente des Ordens sind entschärft, sind vermenschlicht. Die Bruderschaft nennt sich einen evangelischen Orden, aber das darf nicht in einem strengen Sinn verstanden werden.“
Über das Zölibat schreibt Hümmer: „Keuschheit heißt für uns inneres Gelöstsein von Menschen und frei sein von Begehren. Diese Berufung soll ein Zeichen sein für diese Welt, die vergeht, und des Reiches, das kommt, und in dem wir nicht freien, noch uns freien lassen werden.“
Nach v. Kortzfleisch schrieb Walter Hümmer im November 1957 in einem gedruckten Brief über die Ehelosigkeit unserer Brüder, sie seien ehelos geblieben, um ein Zeichen aufzurichten, daß man um Christi willen tatsächlich der ganzen Welt den Rücken zuwenden kann,  zu Bruderschaften aber hätten sich diese Protestanten gegen die Verweltlichung und Verbürgerlichung der Jesusnachfolge dann zusammengeschlossen „aus den praktischen Gründen der zusammengefaßten geistlichen Stoßkraft und des unbehinderten Einsatzes fürs Reich Gottes heraus.“
Die Mitglieder des Ordens stehen dem Selbitzer Pfarrer in seiner kirchlichen Arbeit zur Verfügung. Ein anderer hilft in der Münchener Stadtmission, die Schwestern arbeiten im Krankenhaus oder als Gemeindeschwestern. Ein Teil der Mitglieder arbeitet im Haus der Einkehr, in dem Freizeiten gehalten werden…
Die Aufnahmebedingungen sind streng. Erst nach etwa zwei Jahren erfolgt die Einkleidung auf Probe. Nach Absolvierung eines Bibelkurses werden sie ihrer Begabung gemäß in eine passende Berufsausbildung geführt. Erst nach fünf bis sieben Jahren erfolgt die Einsegnung. Ein Gelübde wird dabei nicht abgelegt. Die lange Probezeit ist bedeutsam. Man will gewiß damit den Zweck verfolgen, daß sich der Zögling seiner Berufung ganz gewiß wird, zumal man schon die Erfahrung machte, daß sich aus der Gemeinschaft Bruder mit Schwester verheiratete.
Die nunmehr rund hundert Jahre alte evangelische Diakonie in Deutschland entstand aus einer Erweckungsbewegung. Das gilt besonders für das in Deutschland und über seine Grenzen hinaus bekannte Werk in Bethel. Vater Friedrich v. Bodelschwingh bekam seine Schwestern und Brüder insbesondere aus der Minden-Ravensberger Erweckung. Dasselbe vollzog sich dann auch später bei den Diakonissenanstalten des jüngeren Pietismus, der sogenannten Gemeinschaftsbewegung. Vandsburg, der jetzige Deutsche GemeinschaftsDiakonieverband, hat unter den Pfarrern Blazejewski und Krawielitzki eine namhafte Ausdehnung erfahren. Die kirchliche Linie Bethels und die Gemeinschaftslinie des Deutschen GemeinschaftsDiakonieverbandes u. a. Diakonissenhäuser kamen aus einer echten, vom Geiste Gottes bewegten Erweckung, was aber von den heutigen Klostergründungen nicht zu sagen ist.
Pfarrer Hümmer betont, daß seine Christusbruderschaft, wie auch die Darmstädter Marienschwesternschaft aus einer nach dem 2.Weltkrieg entstandenen Erweckungsbewegung herkomme. Diese Erweckungen aber kamen, soweit wir unterrichtet sind und aus den Erscheinungsformen beurteilen können, nicht aus dem lauteren Quell des Wortes Gottes und des Geistes der Wahrheit. Wir finden aus den Äußerungen der Christusbruderschaft wie auch aus der Literatur der Marienschwesternschaft klare Hinweise einer unbiblischen Geistesbewegung. Da ist insbesondere zu nennen das öffentliche Bekennen der Sünden in ihren Zusammenkünften. Das haben wir zur Genüge durch die Jahrzehnte erlebt in der Pfingstbewegung und in ihren Kindern: der Gruppenbewegung und der Moralischen Aufrüstung. Jak. 5,16 aber steht geschrieben: „Bekennet einer dem andern seine Sünden und betet füreinander. . .“ Die von Pfarrer Hümmer besonders betonte Ehelosigkeit der Glieder der Christusbruderschaft kann man zwar mit Matth. 19,12 unterbauen: „Denn etliche enthalten sich der Ehe, weil sie von Geburt an zur Ehe unfähig sind; etliche enthalten sich, weil sie von Menschen zur Ehe untauglich gemacht sind; und etliche enthalten sich, weil sie um des Himmelreiches willen auf die Ehe verzichten.“ Dieses Jesuswort trifft in den beiden ersten Fällen auf solche Leute zu, die ohne ihr Wollen für den ehelosen Stand bestimmt sind. Der dritte Fall: „ . . .weil sie um des Himmelreiches willen auf die Ehe verzichten“, trifft zweifellos die Menschen, welche freiwillig um des Himmelreiches willen in das Zölibat eingehen.
Hümmer schreibt darüber: „Der Herr selbst hat uns solchen Wandel der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams vorgelebt und vorgelitten. Darum gibt es für einen Jünger Jesu nichts Seligeres, als in der evangelischen Gelöstheit von Besitz, Begehren und Selbstbestimmung zu leben, aus Dank und Liebe zu Jesus.“ Das heißt also doch nichts anderes, als daß die andern, die Ehelichen also, wiewohl sie Jünger Jesu sind, dieses außerordentlich Seligere nicht erfahren. Nach Hümmer wäre also ein wirklicher, geheiligter, seliger Jesuswandel nur in der Ehelosigkeit möglich.
Wenn er für die Ehelosigkeit Paulus mit 1. Kor. 7 zitiert, so sei derselbe Paulus dagegen gehalten, der sich gegen die Spalter und Irrlehrer in Kolossä wendet, die auf Engelserscheinungen und große Demut pochen, dabei aber Menschengebote aufrichten, einen Schein der Weisheit haben durch selbsterwählte Geistlichkeit und Demut, und dadurch, daß sie des Leibes nicht schonen und dem Fleisch nicht seine Ehre geben zu seiner Notdurft. In 1. Tim. 4,13 wird er noch deutlicher, wenn er sagt: „Der Geist aber sagt deutlich, daß in den letzten Zeiten werden etliche von dem Glauben abfallen und anhangen den verführerischen Geistern und Lehren böser Geister durch die Heuchelei der Lügenredner, die ein Brandmal in ihrem Gewissen haben. Sie gebieten, nicht ehelich zu werden und zu meiden die Speisen, die Gott geschaffen hat, daß sie mit Danksagung empfangen werden von den Gläubigen und denen, die die Wahrheit erkennen.“
Bezeichnend für den Geist in dieser Bruderschaft ist auch, daß die Eheleute Hümmer getrennt leben und die Schwesternschaft den Vorrang vor der Bruderschaft hat. Frau Hümmer und die Schwestern der Bruderschaft sprechen auch in gemischten Versammlungen. Es wurde uns weiter berichtet, daß die Führung bei Frau Hümmer liege.
Der Name der Bruderschaft und die Gestaltung der Tracht werden als ein Wunder und eine direkte Gabe vom Himmel bezeichnet. Derartige besondere Offenbarungen hat die Pfingstbewegung in Überfülle gehabt.
Abschließend sei noch die Kreuzbruderscbafl in Neresheim erwähnt, die ein Kind der Pfingstbewegung ist und die gleichen Symptome aufweist:
Außer der Ehelosigkeit bisher Unverheirateter verfocht der Leiter dieser Bruderschaft den Grundsatz, daß Eheleute wie Bruder und Schwester miteinander leben sollten. Sie stützten sich dabei auf das Wort: „In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien lassen“ (Matth. 22,30). Wieder sind die Geistgetauften sündlos wie Adam und Eva vor dem Fall. Im internen Gebetskreis wird somit nackt gebetet. Drei uneheliche Kinder waren die schauerliche Frucht des Geistes in dieser Bruderschaft.
Bei Evangelisationen in Süddeutschland brachte der Leiter häufig eine Gruppe seiner Brüder mit, die den Vortrag des Leiters dann mit HallelujaRufen unterbrachen.
Zur feierlichen Einsegnung trugen alle Glieder der Bruderschaft weiße Gewänder. Die sittlichen Entgleisungen der letzten Zeit, die dort geschahen, veranlaßten die württembergische Kirchenleitung zur Liquidierung des Ordens.
Außer den noch folgenden Orden in Taize und Darmstadt gibt es noch mehrere kleine ordensähnliche Gemeinschaften, deren Gründer nach S. v. Kortzfleisch sämtlich aus der Gruppenbewegung hervorgegangen sind.

c) Die Kommunität von Taize
Roger Schutz, der Gründer und Leiter des Ordens in Taize, entstammt einer reformierten Theologenfamilie in Genf. Im Jahre 1939 studierte er in Lausanne Theologie. „Er war Sprecher der Studentengemeinde und einer der ersten Köpfe in einem Kreis von Studenten, die sich mit traditioneller, individualistischer Christlichkeit nicht begnügen wollten.“ 1942 verteidigte er nach altem Brauch vor der Theologischen Fakultät in Lausanne seine Dissertation: Das Mönchsideal bis Benedikt und seine Übereinstimmung mit dem Evangelium. Ähnliche Gedanken wie in seiner Dissertation hat er in der bereits vorher veröffentlichen Schrift geäußert, in welcher er als Hauptproblem der gegenwärtigen Kirche die Frage der Gemeinschaft bezeichnete. „Seine Beschäftigung mit dem alten Mönchstum und seine Erfahrungen mit einem Kreis von Studenten, den er um sich gesammelt hatte, wiesen ihn immer mehr in die Richtung einer klar geordneten Communaute“ (G. Schönweiß: Der Orden von Taize). Nach diesem ihm vorschwebenden Ideal wurde der Orden in Taize gegründet.
Taize  oder TaizelesCluny wie es auch heißt  ist ein alter verfallener Ort mit einem verwahrlosten Schloß, unweit der mittelalterlichen Klostergründung von Cluny. In diesem Dorf erwarb Schutz 1940 von einer alten Dame das Herrenhaus. 1944, nach Beendigung der deutschen Besatzung, kehrte Schutz aus der Schweiz zurück und zog mit mehreren Gleichgesinnten zu gemeinsamem Werk dorthin.
1957 waren es 35, 1962 50 Brüder, darunter Schweizer, Franzosen, Holländer, Spanier, Deutsche. 1949 verpflichteten sie sich zu gemeinsamem, ehelosem Leben in Armut und Gehorsam. „Die Brüder waren zu der Erkenntnis gekommen, daß eine ortsgebundene Kommunität ohne diese dreifache Bindung ihrer Glieder keinen dauerhaften Bestand haben kann. Ebenso wie in christlicher Sicht eine Familiengemeinschaft ohne endgültige gegenseitige Bindung von Mann und Frau nicht lebensfähig ist . . .“ ( nach F. Biot ).
Die Brüder, unter der Führung ihres Priors Schutz, führen ein arbeitsames, aufgelockertes Gemeinschaftsleben mit täglichen Gottesdiensten, mit Abendmahlsgang und einem zurückgezogenen Gebetsleben in der sogenannten Retraite, wie sie auch in anderen heutigen Klostergründungen, z. B. in Darmstadt, gepflegt werden. Die Brüder bekennen selbst, daß die Entwicklung von Taize spektakulär gewesen sei, doch soll ihr eigentliches Ziel darin bestehen: „Nicht von sich zu zeugen, sondern für Christus.“
In der Praxis pflegen sie eine offene Bruderschaft, indem sie in Gruppen in Frankreich, Italien, England und anderswo wirken, sich aber immer wieder zu gemeinsamen Begegnungen und zur inneren Sammlung in Taize einfinden.
Die Zeitschrift Christ und Welt brachte 1961 in Nr. 46 den nachstehend auszugsweise wiedergegebenen Bericht über Taize:
„ . . . Das ganze Dorf Taize-les-Cluny  ist ein Einsprengel neuer Kultur inmitten dieser alten sterbenden Landschaft .. . 1942 kam Roger Schutz, heute der Prior des Ordens, hierher. Pastor Schutz bot damals den ins unbesetzte Frankreich fliehenden Juden im Landschlößchen Zuflucht . . . Im Jahre 1944 war Schutz wieder in Taize, mit ihm ein Landwirt und ein Theologe. Sie nahmen über 20 Waisenkinder, Hinterbliebene des Judenmordes, auf. Weitere junge Männer kamen hinzu, und in der Osternacht 1949 verpflichteten sich sieben von ihnen zu einer lebenslangen Bruderschaft, der Communaute de Taize. Heute (1961) zählt diese Gemeinschaft über 45 Männer: Schweizer, Franzosen, Holländer, Spanier, Deutsche. Zehn von ihnen haben noch nicht die zwei Jahre als Novizen durchlaufen, tragen also noch nicht den Ring der Bruderschaft. Dieser Ring ist Ausdruck ihrer Verpflichtung, die in einer Regel umrissen ist. Die Verpflichtung ähnelt äußerlich den alten Mönchsgelübden, akzentuiert sie aber neu . . . Nicht zufällig zieht man den Ausdruck Verpflichtung dem belasteten Begriff Gelübde in Taize vor. Das Leitwort dieser Regel ist die disponibilite, die rückhaltlose Verfügbarkeit zum Dienst in der Kirche und an der Welt…  Um ganz verfügbar zu sein, bleibt jeder Bruder ehelos. Er hat das Zölibat frei gewählt, ja es ist für ihn eine Berufung genau derselben Bindekraft wie die Ehe. „Christus allein bringt in einem Bruder die Verwandlung der sinnlichen Leidenschaften in völlige Nächstenliebe zustande“, heißt es dazu in der Regel. „Wenn die Eigensucht deiner Begierden nicht von einer wachsenden Hingabe überflügelt wird, wird die Ehelosigkeit eine unglaubliche Last. Dieses Werk Christi in sich erfordert unendliche Geduld“. … Zu der Verfügbarkeit jedes Bruders gehört auch die Gütergemeinschaft. Alle Einkünfte und Gehälter der Brüder gehen in die gemeinsame Kasse. Keiner von ihnen hat Privatbesitz. Wieder wird die traditionelle Mönchsregel durchbrochen, die die Armut als einen geistlichen Wert ansieht. 1n Taize heißt es: ,Die Gütergemeinschaft ist vollständig. Glaube nicht, wenn du ein sehr persönliches Geschenk erhältst, daß du davon entbunden bist, es abzugeben. Die Loslösung von den kleinen Dingen bleibt schwer bis ans Ende. (Aber) der Mut, alle Güter zum Besten zu gebrauchen, ohne Angst vor der Armut, gibt eine unglaubliche Kraft. Armut ist keine Tugend an sich. Der Geist der Armut nach dem Evangelium ist das Leben ohne Sicherung des Morgen in der Gewißheit, daß gesorgt wird.` . . . Bald, nach Festigung ihrer Gemeinschaft, arbeiten die ,evangelischen Mönche` teilweise wieder in dem Beruf, den sie erlernt haben . . . Eine weitere ,Regel`: ,Damit dein Gebet wahrhaftig sei, mußt du dich bei der Arbeit mühen‘,… ,Wenn du dich einer spielerischen Liebhaberei dauernd überläßt, bist du unfähig zur wahren Bitte, dein Gebet wird recht, wenn es mit der Arbeit verschmilzt.` … Die Männer von Taize wollen endlich aufhören, nur andere zur Verwirklichung des Glaubens aufzurufen. Daher ihr Versuch, das Evangelium nicht bloß zu predigen, sondern selbst zu leben . . .“
Wiewohl sie sich als evangelische Bruderschaft bezeichnen, pflegen sie einmal den Gedanken der Ö k u m e n e  man bezeichnet sie sogar als Creme der Ökumene  zum anderen legen sie großen Wert auf die Beziehungen zum Vatikan.
In dem Buch von Roger Schutz: Das Heute Gottes werden bedeutsame Aufschlüsse über den Orden gegeben. Zwei Dinge stehen klar im Mittelpunkt:
1.    die Kirche
2.    die Ökumene
Darüber schreibt der katholische Kaplan Frangois Biot:
„In der K i r c h e stehen die Brüder durch ihr kontemplatives Leben, ihre täglichen Gottesdienste, die häufige Feier der Eucharistie, durch ein glühendes Gebet um die sichtbare Einheit des Leibes Christi, durch ihren Dienst der Begegnungen, ihr Offensein gegenüber Christen aller Bekenntnisse.“
Er gibt dann bezüglich der weiteren Entwicklung die Auffassung von Roger Schutz wieder:
„Die kommenden Generationen werden immer weniger den Widerspruch der Spaltung der Christenheit in verschiedene Konfessionen ertragen. Sie werden den Verlust der Energie nicht mehr dulden, die dazu aufgewendet wird, konfessionelle Positionen zu rechtfertigen, während durch das schwindelerregende Wachstum der Völker die Zahl der Menschen, die von Gott nichts wissen, von Tag zu Tag zunimmt. Sie werden sich dagegen wehren, daß die besten Kräfte der Christen dafür verlorengehen, daß diese sich wechselseitig nachweisen, wie wohlbegründet ihre konfessionellen Einstellungen sind.
Ohne das Gebet für die Einheit wäre die ökumenische Arbeit nur lähmend und vergeblich. Angesichts der Schwierigkeiten, die sich durch die Sünde und die menschlichen Traditionen der einen und der andern angehäuft haben, belebt das Gebet noch im hintersten Winkel der Sackgassen, die unser Vorwärtskommen immerfort hemmen, die Hoffnung und die Liebe neu. Im Gebet für die Einheit bitten wir um die Barmherzigkeit Gottes, indem wir uns um unsrer Fehler und um der Hindernisse willen demütigen, die wir auf dem Weg aufrichten, und wir bitten für alle, die im besonderen für die Einheit arbeiten, damit sie in Gott und durch ihn zu Werkzeugen der Einheit werden.“
Um diesem Ziel näher zu kommen, hat Roger Schutz eine aus vier Teilen bestehende Regel aufgestellt:
1. Das gemeinschaftliche Handeln in Gebet, Mahlzeit, Rat und Zucht.
2. Die geistliche Ordnung. Darin findet sich wörtlich folgender Gedanke:  Während deines Tageslaufs sollen Arbeit und Muße durch Gottes Wort belebt werden. Bewahre in allem die innere Stille, um in Christus zu bleiben. Laß dich vom Geist der Seligpreisungen durchdringen: Freude, Einfalt, Barmherzigkeit.
3. Die drei Verpflichtungen: Zölibat, gemeinschaftlicher Besitz, Unterordnung unter eine Autorität: den Prior.
4. Die ausgesandten Brüder, die neuen Brüder, die Gäste.
Diese Regel schließt mit der Ermahnung, die bei einem feierlichen Versprechen vorgelesen wird (vgl. Biot S. 108).
Wie schon erwähnt, legt Roger Schutz besonderen Wert auf die Beziehungen zum Vatikan. Bereits 1949 wird Verbindung mit dem Vatikan aufgenommen. Schutz reist regelmäßig zum Papst. Zum 2. Vatikanischen Konzil wird Roger Schutz mit seinem Stellvertreter als Beobachter eingeladen. Sie sind persönliche Gäste des VatikanSekretariats zur Förderung der Einheit der Christen.
An dieser Stelle geben wir aus der Zeitschrift „Vigilance“, die von Pfarrer Marion in Genf herausgegeben wird, zwei Artikel über den Katholizismus wieder (vgl. die Zeitschrift: Zeugendienst und Bibelaktion, Dez. 1964, Nr. 12):
„Ansichten eines Bischofs über Taize. Man schreibt uns: Bei meinem kürzlichen Besuch in Obervolta berichtete mir jemand, der am 22. April einem Vortrag des Bischofs Dupont von Bobo Douolasso beigewohnt hatte, von der Rede des Kirchenfürsten. Die für junge Christen katholischen Bekenntnisses bestimmte Zusammenkunft in jener Stadt war öffentlich; ich verrate also kein Geheimnis, wenn ich wiedergebe, was ein zuverlässiger Zeuge mir mitteilte.
Nachdem der Bischof vom letzten Konzil in Rom erzählt hatte, fragte er, ob jemand eine Frage zu stellen habe. Da er von der Anwesenheit protestantischer Beobachter geredet hatte, fragte man ihn, was er von den TaizeBrüdern halte.
Er sprach zuerst seine Bewunderung aus über die Frömmigkeit des Priors dieser Gemeinschaft, Pfarrer R. P. Schutz, und fügte hinzu, er habe ihn jeden Morgen in einer Nebenkapelle der Petruskirche in die Anbetung des heiligen Sakraments vertieft gesehen, so daß er zu der Überzeugung gekommen sei, Pater Schutz nehme im Geheimen die Eucharistie. Was nun die Stellung Taizes zur Kirche betreffe, sei Schutz nach Rom gekommen, um den Papst vor der Gefahr der protestantischen Missionen in Lateinamerika zu warnen; und diesem Schritt zufolge habe der Heilige Stuhl ein ganzes Heer von Priestern und Missionaren dorthin gesandt.
Schließlich fragte sich der Bischof, warum der Prior von Taize nicht einfach in den Schoß der Kirche zurückkehrte. Pfarrer Schutz habe darauf geantwortet, wenn er jetzt nach Rom überträte, würde er allein kommen; wartete er jedoch, bis er seinen Auftrag ausgeführt habe, so könne er mit einem Teil der Protestanten Frankreichs kommen.
Ich kann für die Echtheit der Worte des Bischofs bürgen. Gewiß verpflichten sie nur ihn, aber ist es nicht erbaulich zu sehen, wie ein Kirchenfürst die Berufung der TaizeBrüder beurteilt, nachdem er ihrem Prior persönlich begegnet war? Wie viele Protestanten Frankreichs und anderer Länder werden bereit sein für diesen Marsch nach Rom? Das weiß Gott allein. Unsererseits ermahnen wir die Gläubigen der reformierten Kirche zur Wachsamkeit.“
Dazu bemerkt die Redaktion der Vigilance:
„Die obigen Ausführungen bestätigen leider gewisse Äußerungen eines Taize-Bruders, Max Thurian, in seiner Schrift Simple expose de la foi chretienne (Schlichte Betrachtung über den christlichen Glauben). In diesem Werk spricht Max Thurian der sogenannten allgemeinen ? Kirche die Fähigkeit zu, dem in der Heiligen Schrift enthaltenen (!) Wort Gottes eine sozusagen unfehlbare Deutung zu geben. Er rühmt in Maria die Mutter Gottes, deren Fürbitte uns helfen kann. Er glaubt an die tatsächliche Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Brot und Wein des Heiligen Abendmahls (Transsubstantiation), und noch einige andere rein katholische Lehren. Angesichts dieser schweren theologischen Abweichungen Taizes hat man triftige Gründe, sich zu beunruhigen, wenn dieses protestantische Kloster zu einem Treffpunkt unserer Gemeindeglieder, besonders der Jugend wird. Wohin soll das führen?“
Soweit die ergänzenden Ausführungen zur Stellung der Taize-Brüder zum Katholizismus.
Roger Schutz besucht 1962 den ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel, außerdem nimmt er Korrespondenz auf mit dem Patriarchen Alexis von Moskau. 1962 wird in Taize die Versöhnungskirche eingeweiht, welche von der deutschen Aktion Sühnezeichen gebaut wurde. (Aktion Sühnezeichen ist gegründet worden durch Präses Kreißig, Magdeburg, der bereits im Hitlerdeutschland in aktiver Gegenstellung gegen das Naziregime war und nun helfend und heilend mit seiner Aktion eintritt, wo deutsches Unrecht geschehen ist. Kreißig gehörte der Gruppenbewegung an.)
Von Kortzfleisch schreibt auf Seite 130 seines Buches über die Einweihung:
„Unter den mehr als tausend Menschen beim ersten Gottesdienst am 5. August war der anglikanische Bischof Stephen Neill, der orthodoxe Metropolit Melinton vom ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel, der schwedische lutherische Primas Erzbischof Hultgren, der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, D. Kurt Scharf. Am Tage darauf aber zelebrierte der katholische Bischof von Autun, zu dessen Diözese Taize gehört, in der Krypta der neuen Kirche eine Messe nach römischem Ritus. Am selben Tag kam auch der Erzbischof von Rouen und der Präsident des Sekretariats für die christliche Einheit in Frankreich.“
Beim Überprüfen dieses letzten Abschnittes der Einweihungsfeierlichkeit der Versöhnungskirche drängt sich die Wahrheitsfrage auf: Der evangelische Theologe und Prior der Kommunität von Taize nimmt von dem evangelischen Präses der Aktion Sühnezeichen das Gotteshaus als Geschenk und Vermächtnis hin. Das eigentliche Ziel der Bruderschaft besteht nach ihrem Selbstzeugnis darin: „Nicht von sich zu zeugen, sondern für Christus!“ Das Christuszeugnis kann nach dem Worte Jesu nur ein Zeugnis der Wahrheit sein. Diese Wahrheit wird nur bestehen und echt sein im Worte Gottes, wie geschrieben steht: „Dein Wort ist nichts als Wahrheit.“ Und wenn nun schon bei solcher weltumspannenden Bewegung der Ökumene, wie sie in Taize verwirklicht werden soll, die Liebe das Bindeglied ist, dann doch nur in dem Sinne, wie Johannes sagt: „Die ich liebe in der W a h r h e i t !“
Der Wanderer, der diese Versöhnungskirche besucht, findet am Gotteshaus die Inschrift: „Ihr, die ihr eintretet, versöhnet euch: Der Vater mit seinem Sohne, der Mann mit seiner Frau, der Gläubige mit dem, der nicht glauben kann, der Christ mit seinem getrennten Bruder.“
Bruderliebe, Nächstenliebe, allgemeine Liebe, das also ist das Signum dieser Kirche. Das offenbart gleichzeitig die Geisteshaltung dieser Bewegung.
Paulus spricht 2. Kor. 5,20: „So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott!“
Die Brüder von Taize wollen nicht von sich zeugen, sondern für Christus. Ist das nun der Christus Gottes, von dem Paulus zeugt? Oder ist es bei aller Menschen und Bruderliebe der Christus, von dem Jesus Christus in Matth. 24,5 spricht: „Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: „Ich bin der Christus, und werden viele verführen“, und Verse 2426: „Denn mancher falsche Christus und falsche Propheten werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste! so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der Kammer! so glaubt es nicht!“
Wenn der in Taize an führender Stelle stehende Max Thurian an die Transsubstantiation glaubt, dann müssen wir als evangelische Christen feststellen: Der Christus in der katholischen Messe ist nach dem wahrhaftigen Gotteswort gewißlich nicht der Christus Gottes!
Wie haben wir nun die Ökumene im Lichte der Heiligen Schrift zu beurteilen?  Die Einheit nach Jesu Wort ist im Hohenpriesterlichen Gebet begründet (Johannes 17,2223): „Ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie e i n s seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf daß sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast.“ Die erbetene Einheit wird bewirkt durch das Gebet Jesu (Joh. 17,17): „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.“
Die bisher geformte Ökumene, die die Einheit der Christenheit der Welt darstellen soll, steht nie und nimmer in der Wahrheit, denn hier findet sich alles zusammen, was sich Christen nennt: Der Liberale, der die Gottheit Christi leugnet; der Abgöttische, der neben dem wahren, dreieinigen Gott noch andere Götter anbetet: die Mutter Maria und das Meßopfer; und neuerdings eine nicht geringe Zahl von übergeistlichen Mystikern, die neben dem Gotteswort noch ihre besonderen Offenbarungen haben und an deren Göttlichkeit festhalten.
Die Ökumene heute ist nichts anderes als ein Parallelfall zur Mischreligion Israels, wo neben dem Gott Israels Baal und Astarte angebetet und dem Moloch Kindesopfer dargebracht wurden. Wir kommen auf die am Anfang dieses Buches zitierte Schriftstelle zurück: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr.“
Taize hat ein religiöses Idealbild einer Einheit vor sich, die sich im christlichen Sinne niemals erfüllen kann, denn sie ist gegen das Hohepriesterliche Gebet und ist gegen das prophetische Wort Jesu selbst, der da spricht von der bittenden und schreienden Witwe, die die Gemeinde Jesu in der Endzeit darstellen wird. Diese bedrängte Schar aber hat die Verheißung: „Fürchte dich nicht, du k l e i n e Herde! Denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben“ (Luk. 12,32).
Gottes Wort sagt uns vom völligen Zusammenbruch des äußeren christlichen Gebildes und von der Sichtbarmachung der Gemeinde Jesu erst beim Kommen Jesu.
Zusammenfassend sei festgestellt, daß der Prior des Ordens in Taize, Roger Schutz, und sein Stellvertreter der katholischen Kirche verhaftet und Schrittmacher sind zu dieser abgöttischen Kirche. Ihr betontes Reden um die Einheit ist nichts anderes als ein Hinarbeiten auf eine Einheitsreligion unter der Führung Roms. Roger Schutz bezeichnet sich als evangelischen Theologen; dem steht entgegen, daß er den schwer ringenden evangelischen Missionen in Lateinamerika den Kampf ansagte. Jesus sagt dazu: Ihr Heuchler!
Wie kann man lehren: „Über Rom ist die Seligkeit zu finden, und über Maria geht die Brücke zu Jesus und Gott in den Himmel.“
Zum Schluß wird uns nun noch einmal im besonderen Licht klar, was die Überschrift über dem Eingang der Versöhnungskirche in Taize bedeutet:
„Ihr, die ihr eintretet, versöhnet euch: Der Vater mit seinem Sohn, der Mann mit seiner Frau, der Gläubige mit dem, der nicht glauben kann, der Christ mit seinem getrennten Bruder.“
Kurz gefaßt, es ist eine Versöhnungskirche, in der der Mensch mit dem Menschen sich versöhnt, in der der Mensch handelt. Gottes Wort sagt aber 2. Kor. 5,1920:
„Denn Gott versöhnte in Christus die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott!“
G o t t ist der Handelnde, der lebendige Gott versöhnt die Menschen durch seinen Sohn Jesus Christus.
Die TaizeBrüder bezeichnen ihre Kirche nicht auf Grund der Heilstat von Golgatha, wo Gott in Christus die Welt versöhnte, sondern auf Grund einer ethischen Tat, von Mensch zu Mensch, als Versöhnungskirche.
Wir sind also auf den Grundsatz des selbstgerechten Menschen zurückgefallen, wie er im Goethewort seinen Ausdruck findet: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“, nur mit dem Unterschied des Vorzeichens der katholischen Glaubenslehre: „Glauben u n d gute Werke“.
Aus diesem Grunde müssen wir die unbiblische Lehre dieses Ordens ablehnen und vor diesem Orden ernstlich warnen.

d) Die Marienschwesternschaft in Darmstadt
Eine ähnliche Geisteshaltung wie in Taize finden wir auch bei der Marienschwesternschaft in Darmstadt. Die Begründerin, Dr. Klara Schlink, schreibt in Oekumenische Marienschwesternschaft – Weg und Auftrag: „Gott hat mir 1934 in Hamburg die eigentliche Aufgabe gezeigt: ein Haus auf dem Berg zu errichten, das Gottes große Taten, die Er auch heute tut, verkündigen sollte.“
1935 verlassen sie und ihre Freundin, Erika Madauss, ihre Tätigkeit mit gesichertem Unterhalt (Frl. Madauss als Fürsorgerin und Dr.. Schlink in der Leitung des Deutschen Christlichen Studentenbundes), um im Elternhaus Schlink in Darmstadt Bibelkurse anzufangen. Sie führt weiter aus:
„Damals zogen wir wie Abraham im Gehorsam auf einen Ruf Gottes hin in ein gänzlich unbekanntes Land, um dort einem Auftrag für Sein Reich zu leben. Doch Gott führte uns zwölf Jahre lang, vor allem in den ersten Jahren, Wege völliger Aussichtslosigkeit, da alles, was wir unternahmen, mißlang. Es waren Wege scheinbarer Sinnlosigkeit, voll von Demütigungen, Glaubensdunkel und viel Not  Vorbereitungswege für den eigentlichen Auftrag: Die Gründung der Marienschwesternschaft später.“
Wie Dr. Klara Schlink nun die Stadt auf dem Berg baut, schildert sie in der Zeitschrift Der weite Raum, 1963, Nr. 6 (Zeitschrift der Kaiserswerther-Mutterhausdiakonie) wie folgt:
„Die Marienschwesternschaft wurde in der geschichtlichen Stunde des Zusammenbruchs des nationalsozialistischen Reiches unter den Gerichtsschlägen Gottes über unser Volk, insbesondere über unsere Stadt, geboren.
In jener Nacht der fast völligen Zerstörung Darmstadts im September 1944, als die Jugend unserer Darmstädter Mädchenbibelkreise vom Tode bedroht war, hatte Gott ihnen wie mit einem hellen Blitz ihr vergangenes Leben in Seinem Licht erleuchtet. Sie hörten im Herzen Seinen Gerichtsspruch: „Gewogen und zu leicht befunden“  lau im Gebet, lau in der Nachfolge Jesu, und: „Die Lauen werde ich ausspeien aus meinem Munde“. Gott hatte ihr persönliches Leben wie das unseres ganzen Volkes, unserer Stadt, gerichtet, und sie spürten: Wenn Gott richtet und züchtigt, wartet Er auf unsere Antwort, auf eine Umkehr. Denn Gott richtet, auf daß in unserem Leben etwas neu werde. Und aus Gnaden wirkte der Herr in einer Reihe von Herzen Reue. Die Mädchen kamen in der Folgezeit, nun aus der Stadt evakuiert, von weither, um zu beichten, und fuhren fröhlich von dannen, Gott hatte eine Wende in ihrem Leben geschenkt. Er ließ aus der Reue eine Liebe zu Jesus erwachsen, die sie trieb, die bedingungslose Nachfolge Jesu zu erwählen.
In der folgenden Passionszeit 1945 waren Mutter Martyria und ich, Mutter Basilea, mit einer kleinen Schar der Schülerinnen unserer Mädchenbibelkreise zu stillen Rüsttagen im Odenwald. Wessen Bild konnte uns da anders vor Augen treten als das Bild des Schmerzensmannes Jesu, der sich uns in seinem Wort nahte? Es war, als sei er wirklich unter uns getreten  wie einst, einsam, verlassen und hinausgestoßen von seinen Menschen, weil auch heute kaum einer ihn mit seinem Staatsgefolge  Armut, Niedrigkeit, Schmach und Gehorsam  aufnehmen und diesen Weg mit ihm gehen wollte! Wir hörten gleichsam seine dringliche Bitte an uns: Wer von euch will meinen Weg mit mir gehen, an meiner Seite stehen und diesen Weg als mein Nachfolger für sein Leben erwählen, den Weg der Armut, Niedrigkeit, der Enttäuschung und des Allesverlassens? Und die demütig anklopfende Liebe des Herrn aller Herren, der für uns Sünder diesen Weg beschritten hatte und in den Tod gegangen war, bezwang in jener Stunde die Herzen, die durch das Gericht Gottes in den Monaten vorher zur Reue gekommen waren, und sie gaben ihm zu solchem Weg ihr Ja.  –  Aus den Mädchenbibelkreisen entstand dann zwei Jahre später 1947 die Oekumenische Marienschwesternschaft.“
In ihrem Buch Oekumenische Marienschwesternschaft  Weg und Auftrag schildert Frl. Dr. Schlink noch nähere Einzelheiten (S. 1718):
„In diesen Freizeittagen ergab es sich zum erstenmal, unbeabsichtigt und von dem Geist Gottes geführt, daß dieser kleine Jugendkreis als eine zueinander gehörende und zur gleichen Zeit erweckte Jüngerschar gemeinsam in das Licht Gottes treten durfte. In dieser Stunde wurden wir nun miteinander zur Buße geführt. Eine nach der anderen kniete nieder, getroffen von Gottes heiligem Geist, und bekannte ihre Sünden. Es war heilige Stunde, eine Stunde tiefer Demütigung, in der vor Gott und Menschen offenbar wurde, wer wir in Wahrheit sind. Unser wahres Angesicht wurde aufgedeckt, die frommen Masken fielen. Dieser Vorgang war von größter Bedeutung hinsichtlich unseres späteren Auftrages als Marienschwesternschaft, der uns in diesen Monaten schon von Gott ins Herz gegeben wurde. Es war der Auftrag des priesterlichen Gebets, des Sichbeugens unter eigene und fremde Sünde und der Anbetung.“
Was von Frl. Dr. Schlink im vorerwähnten Abschnitt als Geist Gottes bezeichnet wird, kann man prüfen an dem Rundbrief des Mädchenbibelkreises Darmstadt vom November 1945. Dort heißt es:
„Uns alle aber wies der Geist durch zwei Gesichte auf den ganzen Ernst der Buße hin. Br. List sah, wie ein Engel unsere Lippen mit einer glühenden Kohle berührte. Eines unserer Mädel sah im Geist einen goldenen Ölzweig, von dem sich jede ein Blatt abbrach und in den Mund nahm, aus dem dann eine Feuerflamme herausschlug. Dadurch wurde uns klar, daß, bevor uns Christus recht als Priester einkleiden könnte, erst die Entkleidung an uns geschehen müßte (Sündenbekenntnis voreinander). Wir beschlossen nun, nach der Nachmittagsstunde unser Bußbekenntnis abzulegen. Beim Beten vor der Nachmittagsstunde sah D. über jedem von uns ein Schwert liegen und darüber drei Feuerflammen und über allem die himmlische Stadt. Der Geist trieb uns, ins himmlische Jerusalem hineinzusehen, und machte uns damit das verheißene Ziel so begehrenswert, daß wir bereit wurden zu einem radikalen Sündenbekenntnis. Es heißt, vorwärts zu eilen und sich im Kampf bis aufs Blut gegen die Sünde und im Leiden zubereiten zu lassen, damit wir für die Entrückung bereit sind.  Anschließend an diese Stunde gingen wir ins Gebet um rechte Buße. Es war sehr ernst, mit welcher Gewalt der Bußgeist über uns kam. Eine nach der anderen brach in die Knie und bekannte vor dem gekreuzigten Gott ihre Schuld in wahrer Reue. Als wir alle bekannt hatten, sah Frl. Dr. im Geist über uns das Wort stehen: Siehe, ich mache alles neu. Wir waren alle so glücklich, und nach und nach kehrte der Friede in unsere Herzen ein. Abends kamen die Falkengesässer Geschwister im kleinen Kreis dazu, und der Geist schenkte uns, über die Liebe zu sprechen. Frau Z. bekam die Botschaft: ,Gott will uns ins Reich der Liebe führen.` H. sah den Heiland ins Zimmer treten und jedem von uns segnend die Hände aufs Haupt legen und dann die Flamme auf jeder, das Zeichen, daß er seine Liebe in uns gesenkt hat.“
Über diese Gesichte und Offenbarungen sagt Gottes Wort in nüchterner Weise Kol. 2,1819: „Lasset euch niemand das Ziel verrücken, der sich gefällt in falscher Demut und Verehrung der Engel und sich mit seinen Gesichten rühmt und ist ohne Ursache aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn und hält sich nicht an das Haupt, von dem her der ganze Leib durch Gelenke und Bänder gestützt und zusammengehalten wird und so wächst zu der Größe, wie Gott sie will.“
Aus diesem BußGrunderlebnis entstand die Marienschwesternschaft mit den 3 Gelübden, die in den katholischen Orden die Grundlage für das gemeinsame Leben bilden, nämlich:  Armut –  Keuschheit –  Gehorsam.
Darüber schreibt S. v. Kortzfleisch: Das Katholisierende des Ordens führt kaum mehr zu eifrigen oder gar erregten Protesten. Die verwunderten, bewundernden und preisenden Berichte überwiegen. Gerade das hat einen alten Freund der Schwestern, der im Laufe der Jahre zum kritischen Freund wurde, schließlich bewegt, die Dinge zurechtzurücken. Pfarrer Rudolf Wintermann aus Darmstadt nahm einen Bericht der Journalistin Marlies FleschThebesius zum Anlaß, ihr in der hessischen Kirchenzeitung Weg und Wahrheit im Juni 1960 zu antworten. Es geht ihm um die Weise, w i e berichtet wird, unreflektiert, ohne Hinweis auf die Kehrseite. Aber die Antwort traf nicht so sehr Frau FleschThebesius als vielmehr die Schwestern, von denen sie berichtet, daß sie in Zeiten des Mangels beteten  „und nun stellte sich das notwendige Geld danach von selbst ein“. Muß man nicht an die Menschen in Chile denken, sagte Wintermann, die durch die furchtbare Erdbebenkette in bittere Not gekommen sind? Wenn wir daran denken, daß dort Menschen aus der Tiefe nach Gott schreien, dann „hören wir endlich auf, die Geschichte der Marienschwesternschaft so darzustellen, als habe Gott nichts anderes zu tun, als sich in ganz besonderer Weise um dieses besondere Schwesternhaus zu sorgen und zu zeigen, daß Gebet, Buße, Friede und Vergebung doch sehr lohnende Dinge sind“.
Und wie ist es mit dem Elisabethenstift in Darmstadt, mit dem Diakonieverein und dem Roten Kreuz, die Mühe haben, junge Schwestern zu gewinnen? „Liegt das etwa daran, daß sie weniger fromm sind als die Marienschwestern? Liegt es daran, daß sie schon lange keinen Heiligenschein mehr tragen? Oder liegt es vielleicht daran, daß hier ein ganz anderer, höchst strenger und schwerer Dienst vom frühesten Morgen bis zum späten Abend gefordert wird, ja zu Zeiten auch in der Nacht? Liegt es daran, daß diesem Dienst oft jegliche öffentliche Anerkennung fehlt, wie sie etwa die Marienschwesternschaft mit ihren geistlichen Spielen bei den beiden letzten Kirchentagen erworben hat? Liegt es daran, daß hier niemand daran denkt, eine Theaterkirche  mit 1000 Plätzen zu erbauen, dafür aber oft bittere Not hat, den Etat unter Dach zu bringen?“
Die Einwände der Kritik, soweit sie bisher veröffentlicht sind, lassen sich in etwa fünf wesentlichen Punkten zusammenfassen:
1. Immer hat in der Kirche das stumme, helfende Dienen die Verkündigung korrigiert. Die Marienschwestern aber verzichten immer mehr auf Diakonie. Werden sie nicht um sich selbst zu kreisen beginnen? Sie stehen, im Gebet und Spiel, vor Gott. Aber die Gefahr wächst, daß Gott zu einem Spiegel wird, in dem man sich selbst betrachtet.
2. Der Gedanke, daß man das geistliche Spiel als eine fortdauernde, legale Form der Verkündigung ansehen müsse, ist fragwürdig. Kann man jahrelang spielen, ohne zum Schauspieler zu werden, auch zum Schauspieler vor Gott?
3. Die Marienschwestern und ihre Oberinnen, die sich fast ausschließlich von den ihnen zuteil werdenden Losungen und Weisungen leiten lassen, führen ein zu eigenwilliges Leben. Sie gliedern sich nicht hinreichend ein in den Rahmen der Kirche. Sie stellen sich nicht unter eine höhere kirchliche Ordnung.
4. Eine große Reihe von Vorbehalten betrifft das Auseinanderfallen von Idee und Wirklichkeit: Sie sagen, das Ende ist ganz nahe herbeigekommen, doch sie bauen für Generationen. Die Schwestern üben die Armut, aber die Schwesternschaft wird immer reicher. „Die Rede von der Armut der Schwestern ist ein sehr peinliches Wortspiel“, so wird dies schroff zusammengefaßt.
So muß es kommen, wenn einer eine besondere Berufung hat, wenn er davon spricht und auch andere unter die gleiche Berufung stellt. Dann muß er eine Lehre entwickeln; die Lehre aber hatte nur die schmale Basis eines außerordentlichen religiösen Erlebens…
Die vorerwähnten Ausführungen zeigen, wieweit sich die innere Stellung der Marienschwestern vom Evangelium und den reformatorischen Bekenntnisschriften entfernt hat. Wir haben es hier mit einer falschen Lehre zu tun, die wir auf Grund des Wortes Gottes als Irrlehre bezeichnen müssen. In diesem Offenbarwerden der Gesichte und Prophezeiungen (auch Zungenreden haben sie) zeigt sich ein falscher Geist, der in der Gestalt eines Lichtengels Gottes Wort verkündet und dieses durch Zeichen und Wunder bekräftigt. Eingang findet dieser falsche Geist immer leicht bei uns Menschen, wenn wir uns dem Hochmut öffnen (Haus auf dem Berg). Dann genügt nicht der schlichte Dienst in einem Bibelkreis oder bei einer Missionsgesellschaft und dergleichen, dann muß etwas Außerordentliches begonnen werden, das ein weites Echo in der Öffentlichkeit findet. Da genügen nicht mehr normale evangelische Gottesdienste, da werden evangelische Messen gehalten. Es genügen nicht Gebetszeiten und Gebetsgemeinschaften, da wird das Kettengebet gehalten, bei dem jeweils zwei Schwestern sich ablösen in der Gebetswache Tag und Nacht. Dr. Kl. Schlink sagt, wenn ihren Schwestern nicht ständig neue Gebetsgegenstände gegeben würden, dann erschlaffe ihr Gebetsleben. An im voraus bestimmten Tagen und Stunden haben die Marienschwestern im inneren Kreis das Zungenreden. Einem Besucher, der sein Befremden darüber zum Ausdruck brachte, daß man das Zungenreden so festsetzen könne, sagte Fräulein Dr. Schlink 1964: „Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.“ Als sie sich erbot, sofort vor dem Besucher in Zungen zu reden, verzichtete der Besucher auf diese Sondervorführung.
An jedem Freitag, als dem Todestage Jesu, versammeln sich die Marienschwestern um den mit einem Schleier verhüllten Kruzifixus und beklagen und beweinen den Tod Jesu. Das ist aber nicht biblisch. Johannes sieht in der Offenbarung Kap. 5 das erwürgte Lamm die sieben Siegel brechen. Die Himmelswelt klingt auf in Lob und Anbetung. Vers 11 und 12 heißt es: „Und ich sah, und hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war vieltausendmal tausend, und sie sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das erwürgt ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“ Und die Vertreter der Menschenwelt singen und sprechen in Vers 9: „Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist erwürgt und hast mit deinem Blut für Gott erkauft Menschen aus allen Geschlechtern . . .“ Und wir stimmen mit der Gemeinde Gottes heute in den Lobpreis ein: „Tausend, tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür.“

Wie bezeugt sich der falsche Geist?

1. Er stellt neben Gottes Wort Gesichte und Offenbarungen und gibt eine unbiblische Auslegung des Wortes

In den entscheidenden Punkten des Lebens gibt nicht das Gotteswort den Ausschlag, sondern der Geist, der aus der jeweiligen Offenbarung spricht. Als ein Beispiel u. a. sei ein Geschehen aus den Jahren 1962/63 angeführt.
L. S., die Tochter gläubiger Eltern, wird auf einer Freizeit, die von einer Marienschwester geleitet wird, stark beeindruckt. Sie entschließt sich zur Aufgabe ihres Lehrerinnenstudiums, um Marienschwester zu werden. Der Vater ist dagegen. Nach Bitten und Ermahnungen gebietet er der Tochter, zunächst das Studium zu vollenden. Da schaltet sich die Führung der Marienschwestern ein. Briefe gehen hin und her. Von der Leitung der Marienschwestern wird der Tochter L. S. geschrieben, man habe um die Entscheidung ernst gebetet und danach die Losung gezogen aus Apostelgesch. 5,29:  „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Daraus wird nun von der Leitung gefolgert: Es ist Gottes Wille, daß die Tochter L. gegen den Willen des Vaters das Studium aufgibt und Marienschwester wird. In diesem Gehorsam beweise sie die rechte Jesusliebe. So geschah es dann auch. Die Tochter L. schied aus dem Vaterhause, ohne von dem Vater Abschied zu nehmen, und trat in das Mutterhaus in Darmstadt ein. Wir sagten oben, daß in den entscheidenden Phasen der Lebensführung sich der falsche Geist einschaltet, Gottes Wort beiseite drängt und seine jeweilige Botschaft durch Offenbarung, Gesichte, Losungziehen oder sonst ein Zeichen über Gottes Gebot stellt. Vater S. hat führenden Persönlichkeiten der Evangelischen Kirche diese Vorgänge zur Beurteilung unterbreitet. Sie stehen alle eindeutig dazu: Gottes Wort steht über dem Losungziehen. (Bei diesen Losungen handelt es sich nicht um die bekannten Herrnhuter Losungen.)
Was für ein Gott ist das nun, der durch das Losungziehen der Marienschwestern einen anderen Willen kundtut als in seinem ehernen Gesetz des 4. Gebotes 2. Mose 20,12: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, gibt“?
Auf dieses Wort greift der Herr Jesus zurück, wenn es Matth. 15,1 ff. heißt: „Da kamen zu Jesus Pharisäer und Schriftgelehrte von Jerusalem und sprachen: Warum übertreten deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Sie unterlassen die Waschung der Hände vor dem Essen. Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Satzungen willen? Gott hat geboten: ,Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben.` Aber ihr lehret: Wer zu Vater oder Mutter spricht: Ich opfere Gott, was dir sollte von mir zukommen, der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht zu ehren; und so habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Satzungen willen. Ihr Heuchler, gar fein hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen: Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir; vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.“ (Ergänzend dazu Mark. 7,9)
Weiter betont die Leitung der Marienschwestern, daß ihre ganze Arbeit auf diese Weise von Gott geführt und aufgebaut wurde. Wir fragen uns, nachdem wir Gottes Wort aus Mose gehört und des Heilands Bestätigung und Erklärung aus Matthäus und Markus vernommen haben:
Was für ein Gott hat die Marienschwestern geführt und dort gehandelt? Das kann niemals der Gott sein, der am Sinai die Zehn Gebote gab und niemals das fleischgewordene Wort, der Sohn Gottes Jesus Christus, der auf dem Felsen des alttestamentlichen Gotteswortes steht und in ernster Sprache die Satzungen und Erklärungsversuche der heuchlerischen Pharisäer abweist.
Niemals ist es der Gott, der sich uns im Alten wie im Neuen Testament offenbart mit dem heiligen Wort: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr.“ Niemals ist das, was die Marienschwestern der Tochter L. inspirierten, eine Gottesoffenbarung! Niemals ist das Gerede von der bei ihnen so oft betonten Jesusliebe echt! Dieser Gehorsam, den die Leitung der Marienschwesternschaft verlangt und der sich auf eine Gottesoffenbarung durch das Losungziehen gründet, beruht auf einer Täuschung. In diesem Losungziehen, das das Gottesgebot mißachtet, erkennen wir die List Satans, der sogar die Heilige Schrift für seine Zwecke mißbraucht (Matth. 4,6). So werden unmündige Gemüter verwirrt und verführt.
Ebenso fragwürdig ist die Behauptung der Marienschwestern: Mutterhaus und Mutterhauskapellenbau sowie der Ankauf von Kanaan (großes Gelände am Mutterhaus) sind im Namen des Herrn auf sein Wort hin geschehen. Für den Ankauf von Kanaan  war die Losung maßgeblich: „Deinem Samen will ich dies Land geben“ (1. Mose 12,7).
Der Gott, der bei diesen Schwestern mit solcher Frivolität das eherne Gottesgebot beiseite schiebt, ist niemals der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, sondern ganz gewiß der G o t t  d i e s e r  W e l t im allerfrömmsten Gewande.

2. Der falsche Geist verführt zur Unnüchternheit
Paulus schreibt (2. Thess. 3,10): „ . . . wenn jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen.“ Was macht die Marienschwesternschaft? Statt ihr tägliches Brot mit ihrer Hände Arbeit zu verdienen, treiben sie fromme Kurzweil mit Beten, Fasten, Theaterspielen und dergleichen. Ihre Unnüchternheit wird wieder offenbar an dem am Eingang stehenden Tisch, der einlädt zum fröhlichen Geben. Fehlt das Fleisch, die Wurst, das Gewürz, Zahnpasta dann betet man eben, und es liegt nachher auf dem Gabentisch. Unser Herr und Heiland hat das viel einfacher und nüchterner gemacht: Er führte für sich und seine Jünger eine Geldtasche mit und ließ jeweils das Nötige kaufen, wie Joh. 4,8 beweist: „Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß sie Speise kauften.“ Joh. 13,29 steht: „Etliche meinten, weil Judas den Beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe, was uns not ist zum Fest.“
Die Marienschwestern leben nicht in der nüchternen Welt des Glaubens, der Gottes Wort als Grundlage und Richtschnur hat. Wie sie selbst bezeugen, schauten sie ihre Tracht, den Schleier und Verlobungsring in Gesichten. Auch sei auf ihr unnüchternes Reden von der Endzeit hingewiesen, wie es besonders in ihrem Spiel zum Ausdruck kommt.
Auch ihr künstlerisches Schaffen (Dichtung, Musik und Plastik) führen sie auf direkte Gabe vom Herrn zurück. Ein Beispiel für diese Dichtkunst gibt Dr. Kl. Schlink in dem Buch: Zielklar ist Gott am Werk, 1963:
Wir hören aus dem oben genannten Buch, Seite 8082, was eine der Schwestern bei der Gestaltung von Engelsfiguren erlebte: „Da Gott sie die himmlischen Gestalten oft im Gesicht sehen ließ, waren sie ihr sehr vertraut. So schreibt sie in jener Zeit: ,Wie dankbar empfinde ich immer wieder die Nähe der himmlischen Welt. Sie umgibt mich wie ein warmer Strom der Liebe in aller Dunkelheit. Ich hatte solche Schmerzen, da sah ich einen Engel mit dunklen Locken an meinem Bett sitzen. Er schaute mich strahlend an und sagte: Siehe, immer komme ich zu dir! Ich trage in den Händen diese goldene Schale, in die du dein Ja zum Leiden hineinlegen sollst, und dann eile ich mit großer Freude zum Herrn. Ich fragte ihn, wie er heiße. Er sagte: ,Aurina`. Da packte mich wieder eine Angst vor diesen Dingen, und ich dachte: Solch einen Namen gibt es nicht!  Wochen nachher las ich in einem Buch, daß es ein lateinischer Name ist und golden bedeutet. Wie ist der Herr so gnädig!` (Aurina ist in keinem üblichen Lexikon zu finden. Die angegebene Übersetzung: „golden“ scheint ein Phantasieprodukt der ekstatischen Schwester zu sein. Der Herausgeber.)
sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein. . .“ Im Alten Testament, Psalm 73,26 heißt es: „Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ Paulus schreibt z. Kor. 1,8: „Denn wir wollen euch nicht verschweigen, liebe Brüder, unsere Trübsal, die uns in der Landschaft Asien widerfahren ist, wo wir über die Maßen beschwert waren und über Vermögen, so daß wir auch am Leben verzagten.“

3. Die Geisteswirkungen in der Marienschwesternschaft entsprechen den Geisteswirkungen in der Pfingstbewegung
Diese oben zitierten Praktiken der Marienschwesternschaft, verbunden mit Botschaften, Gesichten, Zungenreden, sind die gleichen, wie sie sich in der sogenannten Pfingstbewegung offenbarten und noch heute offenbaren. Die Führung der Marienschwesternschaft leugnet zwar, Beziehungen zur Pfingstbewegung zu haben, die Tatsachen reden aber eine andere Sprache. Nach ihren eigenen Aussagen besaßen und besitzen sie Verbindung mit dem Pfingstkreis in Falkengesäß/Odenwald, der sich um Familie List gebildet hat. Herr List ist bereits aus dem schon erwähnten Gesicht aus der Passionszeit 1945 bekannt. Chinamissionar Kampmann schrieb am 27. 10. 1943 an den MethodistenSuperintendenten Riedinger, den geistlichen Vater der Marienschwesternschaft:
„Ist Dir bekannt, was Frau R. mir sagte, daß zur Belebung des Mütterkreises die Mütter eines Tages einen buchstäblichen Kreis zu bilden hatten, innerhalb dessen zwei Frauen aus Falkengesäß anwesend waren? Eine derselben forderte die Mütter auf, dauernd Halleluja zu rufen. Nach kurzer Zeit geriet dann eine der Mütter in Ekstase. Ist das geistliche Übung oder Spiritismus? . . . Den Dämonismus der Zungenbewegung kenne ich seit 1906 mit zunehmender, schrecklicher Deutlichkeit.“
Frl. Dr. Schlink betonte auf Anfrage, daß einige Mädchen des Darmstädter Bibelkreises schon die Gaben gehabt hätten, bevor die entscheidende Freizeit in Falkengesäß/Odenwald stattfand. Über die geistliche Herkunft dieser ersten Gabenträger gab sie keine Auskunft. Die geistliche Mutter der Dr. Klara Schlink aber hat ihre geistliche Tochter nachdrücklich vor dem Pfingstgeist gewarnt, wie der verstorbene Pastor Karl Stegemann bezeugte.
Aus alledem ist erwiesen, daß die Gnadengaben (Visionen, Botschaften, Zungenreden) aus der Quelle des Pfingstgeistes kommen und niemals göttlichen Ursprungs sein können.
Eine nicht mehr zu übertreffende Botschaft wird uns berichtet in dem schon erwähnten Rundbrief von 1945:
„Er, der Gekreuzigte, schenkte uns die Botschaft: I c h  trete mitten unter euch mit meinen Wundmalen, die für euch bluten, o empfangt mit dürstender Seele die Liebe meiner einigenden und heiligenden Kraft an euch, so werdet ihr satt werden. Ich will euch begegnen in meiner Kreuzesschönheit, und eure Augen sollen aufgetan werden für alle meine Schmerzen um euch und die Kraft meiner aufopfernden Liebe für euch, Segen über Segen und Gnadenfülle habe ich für euch bereitet, da ihr mich erkennt, denn selig das Auge, das mich erkannt hat in meinem Kreuzesleiden und dessen Herz davon erfüllt wird.“
Bestätigt wird diese Botschaft von Fabrikant Krüger, der am 16. 3. 1949 an Chinamissionar Kampmann schreibt:
„ . . . Ich habe die kleine Schrift von Otto Kaiser über die Pfingstbewegung durchgelesen. Was dort 1907 geschehen ist und geschrieben wurde, deckt sich genau mit dem, was in dem inneren Kreis des Steinberges (Elternhaus der Dr. Kl. Schlink) vor sich geht. Die von Kaiser angegebenen Botschaften und Offenbarungen decken sich genau mit den Offenbarungen des Steinberges. Bitte, nimm die Botschaft der Frau Oberin Schlink an Frau R. zur Hand, wovon Du ja eine Abschrift haben wirst, da findest Du sofort, daß sie, nachdem die Einleitung ganz ordnungsgemäß ist, dann nachher in der Person des Hei1ands spricht. Hierin ist klar und deutlich bewiesen, daß diese Botschaft unter Inspiration dämonischer Geister vor sich geht.“
Im Abschnitt über die Pfingstbewegung ist bereits auf die Botschaft in „IchForm“ hingewiesen worden und auf Grund des Gotteswortes bewiesen, daß so Gott nicht spricht. Hier aber in den inneren Kapitelsitzungen tritt ein  C h r i s t u s  auf, vor dem der Herr in seinem Wort Matth. 24,2426 ernst warnt: „Denn mancher f a 1 s c h e Christus und f a 1 s c h e Propheten werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden.“
Der gekreuzigte und auferstandene Herr ist nie in den Leib eines Menschen hineingefahren, um durch das Medium in erster Person zu sprechen. Das geschieht nur in spiritistischen und anderen dämonischen Geisterkundgebungen und bei Besessenen und Wahrsagern, aber nie hören wir aus dem Mund der Apostel das „Ich-Jesus“ oder ähnliche Reden.

Schriftgemäße Prüfung des Geistes
Ohne recht zu prüfen, laufen die religiösen Menschen zu Tausenden nach Darmstadt und kommen hingerissen und begeistert zurück. Die warnenden Stimmen werden überhört, abgelehnt und von sogenannten frommen Führern wird drohend der Finger erhoben: „Ihr betrübt den Heiligen Geist!“
Wir berufen uns darum auf das untrügliche Gotteswort, wie geschehen. Wir fügen die schriftgemäße Prüfung hinzu, die nach unserem Wissen bei den Marienschwestern nie geschehen ist, nämlich die Prüfung nach 1. Joh. 4, 13: „Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt. Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: ein jeglicher Geist, der da bekennt, daß Jesus Christus ist im Fleisch gekommen, der ist von Gott; und ein jeglicher Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists, von welchem ihr habt gehört, daß er kommen werde, und ist jetzt schon in der Welt.“
Es steht außer Zweifel, daß die Marienschwestern an die Wahrheit der Bibel glauben, an Jesus Christus, den Menschen und Gottessohn, gestorben, begraben, auferstanden und gen Himmel gefahren, wie wir es im Apostolikum bekennen.   D i e s e r  G e i s t  aber, der in sie hineingedrungen ist und nun aus ihnen durch die Botschaften spricht, wird und muß, wenn er im Namen Jesu geprüft wird, bekennen, daß er nicht der Christus Gottes ist, sondern ein Lügengeist.
Wir fügen ergänzend als Beispiel für eine Geisterprüfung hinzu, was Prediger Johannes Seitz, Teichwolframsdorf, in der Schweiz erlebte:
„Ich erhielt von einem Pfarrer aus der Schweiz einen Brief mit der Bitte, ihn zu besuchen. Er schrieb: ´Bei uns ist der Heilige Geist eingezogen. Meine Schwester redet in Zungen und hat die Gabe der Weissagung. Täglich kommen Menschen zum Glauben.´ Darauf schrieb ich ihm, er möge vorsichtig sein, denn unter 100 Fällen sind 99 solcher Dinge vom Teufel bewirkt. Darauf erhielt ich die Antwort, ich hätte mich am Heiligen Geist versündigt und müsse jetzt kommen, um den Geist zu prüfen.  Daraufhin fuhr ich in die Schweiz. In der Abendstunde kam die Schwester in weißem Gewand ins Zimmer zu mir und dem Pfarrer. Der Geist sprach aus ihr: ´Ich bin gesandt von den himmlischen Höhen, auch euch das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus zu verkündigen.´ Ich fragte: Woher kommst Du? Antwort: Vom Himmel. Ich sagte: Hast Du uns etwas anderes zu bringen, als was in der Bibel steht? Wisse, wir nehmen nichts an, was nicht in der Bibel steht. Der Geist aus der Dame: Ich bringe euch nur das, was in der Bibel steht. Da sagte ich: Dann bist Du nicht von Gott, sondern vom Teufel. Der Pfarrer erschrak und sagte: Bruder Seitz, du versündigst dich. Ich gab ihm zur Antwort: Du bist Theologe und weißt nicht, daß nirgends in der Bibel steht, daß Gott Geister fürs Evangelium schickt? Das ist unsere Aufgabe. Wir Staubgeborenen Menschen sind dazu berufen, das Evangelium zu verkündigen. Dafür schickt Gott keine Geister.  Du hast mich gebeten zu kommen, um den Geist nach dem Worte Gottes zu prüfen. Laß uns niederknien und den Herrn bitten, Klarheit zu schenken.
Wir knieten nieder und beteten. Nach längerem Gebet riß der Geist die Dame hoch und schrie: Verflucht ist Jesus Christus, ich bin verraten…  Die mit diesem „Heiligen Geist“ begnadete Schwester ist nach ernstem Gebetsringen von ihrer Besessenheit frei geworden.“
Was sind das alles für ungezählte, verlogene und weithin ins Verderben führende, den Namen und die Ehre Gottes verlästernde Zungenbotschaften! Erschütternd ist, daß sie dem König der Wahrheit, unserem Herrn und Heiland Jesus Christus, in den Mund gelegt werden.
Gebe der Herr, daß sich aus dem Kreis der Marienschwestern noch viele retten lassen von dem Weg, zu dem sie verführt sind. Unsere evangelische Christenheit aber möge sich warnen lassen vor blinder Bewunderung alles dessen, was an Außerordentlichem von Darmstadt ausgeht. Besonders aber wollen wir uns alle warnen lassen vor dem Geist des Hochmuts, der immer den Lügengeistern die Türen öffnet.

Zusammenfassung

Der Hochmut als Grundübel allen Abfalls
Die allgemeinen Kennzeichen des Schwarmgeistes sind bereits auf den ersten Seiten zusammengefaßt worden. Hier soll lediglich noch einmal das Grundübel allen Abfalls hervorgehoben werden, nämlich der Geist des Hochmuts. Dieser Hochmutsgeist beginnt bei Luzifer und geht durch das ganze Menschengeschlecht. Wo Irrlehrer auftreten, wo Menschen vom wahren Glauben abfallen und ihre eigene Lehre bringen, da tritt der Geist des Hochmuts deutlich hervor. Montanus nennt sich Paraklet (Heiliger Geist), die Zwickauer Propheten erheben sich über Luther, Ignatius von Loyola und Irving haben einen unauslöschbaren Ehrgeiz, die Pfingstler behaupten eine Perfektion der Heiligung und meinen, durch Zungenreden und Geistestaufe in einem besonderen Gnadenstand zu sein, und Dr. Klara Schlink will etwas Besonderes, nämlich eine „Stadt auf dem Berge“ gründen und glaubt, mit der Einführung von Kettengebeten, Fasten, weißen Gewändern Gott einen besonderen Dienst zu tun. Ernste Warnungen, die sie auf den teuflischen Charakter ihres Weges hinwiesen, wurden von allen abgewiesen.
Aus diesem besonderen Hochmutsgeist kommen auch die übrigen Abirrungen wie z. B.:
1. Visionen und Offenbarungen; sie wurden von allen erwähnten Irrlehrern über das Wort Gottes gestellt.
2. Durch Selbstheiligung Verdrängung der Rechtfertigung (Ehelosigkeit, Armut, Gehorsam, Fasten, Ernährung durch Hostie, Verlassen der Familie usw.).
3. Selbstquälerische Meditation über das Leiden Christi (hl. Theresia, Ignatius von Loyola, Marienschwestern). Unnatürliches Weinen (hl. Theresia, Ignatius von Loyola, Marienschwestern). Stille Zeit (hl. Theresia, Zwickauer Propheten, Gruppenbewegung, Taize, Marienschwestern).
4. Unnüchternes Gebet (Kettengebete und  bei den Marienschwestern  Gebete um die natürlichen Dinge unseres Lebens, die nach Gottes Wort durch Arbeit erworben werden müssen; 2. Thess. 3,612).
5. Unbiblisches öffentliches Sündenbekenntnis (Pfingstbewegung, Gruppenbewegung, Marienschwestern).
6. Unbiblisches Hervortreten der Frauen (Montanisten, Nonnen des Mittelalters, Zwickauer Propheten, Pfingstbewegung, Selbitzer Bruderschaft, Marienschwestern).
7. Überspitzte Enderwartung (Montanisten, Donatisten, Schwärmer der Reformationszeit, Irving, Pfingstbewegung mit ihren Abzweigungen).
8. Offenbarungen des falschen Christus in „IchForm“ (Montanus, Schwärmer der Reformationszeit, Pfingstbewegung mit ihren Abzweigungen, Marienschwestern).
 Wer Ohren hat zu hören, der höre. –

Ausklang
In dem vorliegenden Buch wurde den geistigen Strömungen in den verschiedenen Zeiten der Kirchengeschichte wie auch der Gegenwart immer wieder das Wort der Heiligen Schrift als alleingültige Norm gegenübergestellt. Nur im Licht des ewigen Gotteswortes ist es möglich, Wahrheit und Irrtum alles irdischen Strebens zu erkennen. Auch Dr. Martin Luther war sich der grundlegenden Bedeutung dieses Gotteswortes bewußt, darum lehnte er alles wunderbare, religiöse Beiwerk von Träumen, Visionen und dgl. ab und wies nachdrücklich auf das Wort Matth. 17, 5 hin: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; d e n  s o 11 t  i h r  h ö r e n !“
Wie der Herr Jesus dieses Wort verstanden haben will, lehrt er die Emmausjünger mit den Worten Lukas 24, 25 ff.: „O ihr Toren und trägen Herzens, zu glauben alle dem, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen in der ganzen Schrift aus, was darin von ihm gesagt war.“
An demselben Osterabend unterweist er die Jüngerschar in gleicher Weise, wie geschrieben steht Lukas 24, 44: „Das ist’s, was ich zu euch sagte, als ich noch bei euch war: es muß alles erfüllt werden, was von mir g e s c h r i e b e n ist im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, daß sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen: Also ist’s geschrieben, daß Christus mußte leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und daß gepredigt werden muß in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern.“
So kämpfte der Herr gegen seine Widersacher, die Pharisäer und Sadduzäer, und weist sie auf das geschriebene Wort hin. Diesem Wort sollen die Jünger Glauben schenken. Der Glaube des Thomas soll nicht beruhen auf des Thomas vorgesetzter Meinung: „Es sei denn, daß ich sehe und lege meine Hände . . .“, sondern so sagt ihm Jesus: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“
Der Apostel Paulus schreibt ausführlich den Korinthern über die Geistesgaben, betont aber in 2. Kor. 5,7: „Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“
Der religiöse Mensch ist immer geneigt zu frommen Erscheinungsformen: Stimmen hören, Gesichte sehen, Wunderbares erleben, selige Gefühle haben und ähnliches. Das normale Wachstum des Christenmenschen geht durch die Scheidung des Seelischen vom Leben im Geist und in der Wahrheit. Hebr. 4,12: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“

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