Revolution der Freimaurerei

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Manfred Adler

DIE ANTICHRISTLICHE REVOLUTION DER FREIMAUREREI


I. DIE „GROSSE“ REVOLUTION

1. Das Signal zum Sturm
2. Die Französische Revolution (1789 – 1799)

II. DIE REVOLUTIONÄRE FREIMAUREREI

1. „Die große Unbekannte“ und „die große Revolution“
2.  Pluralität und Universalität der Logen
3.  Das utopische Endziel der freien Welt-Maurer
4.  Freimaurerei und Kommunismus

III. FREIMAUREREI UND RELIGION

1. Die Freimaurerei  eine antichristliche Ideologie
2. Die antichristliche Kulturrevolution
3. Vom ökumenischen Dialog zur Ökumene der Religionen

–  DEN HIRTEN UND SCHAFEN DER KIRCHE, BESONDERS DEN OPFERN DER ANTICHRISTLICHEN GNOSIS, IN BRÜDERLICHER SORGE ZUGEEIGNET  –

VORWORT

Der Verfasser, der als Priester im Schuldienst tätig war, möchte mit diesem Buch einem schwerwiegenden Informationsnotstand begegnen. Wenn ein Jesuit in einer Propagandaschrift für die Freimaurerei diese als „Elite der Welt“ und gleichzeitig als die „Große Unbekannte“ bezeichnet, ist unser Problem schon deutlich genug angesprochen. In der Tat ist das Wissen über die Freimaurerei in breitesten Schichten unserer Bevölkerung  die Intellektuellen nicht ausgenommen  sehr gering. Dieser Mangel wirkt sich in vieler Hinsicht äußerst negativ aus und macht sich besonders auch im Hinblick auf die vielen Gespräche und Verhandlungen bemerkbar, die im Zeitalter des Dialogs von seiten der Kirchen mit Vertretern der Freimaurerei geführt werden.
Bedauerlicherweise werden die Gespräche fast ganz unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt, wenn man von wenigen Zeitungsnotizen über öffentliche oder halböffentliche Veranstaltungen absieht, bei denen überdies die Tendenz allzu plump hervorsticht, als gäbe es zwischen Freimaurerei und Kirche keine Gegensätze mehr.

Einem solchen verhängnisvollen Irrtum muß energisch widersprochen werden. Der Verfasser tut dies aus Gewissenspflicht. Er weist nach, daß die Ideologie der Freimaurerei, der autonome Humanismus, mit dem rechtverstandenen christlichen Glauben absolut unvereinbar ist und stellt dabei einige antichristliche Aspekte heraus, die aus dem innersten Wesen der Freimaurerei hervorgehen.

Sollte der Titel des Buches manche Leser schockieren, so beweist das einmal mehr, wie groß die Ignoranz bezüglich des Freimaurerproblems tatsächlich ist. Sowohl Freimaurer als auch ihre Gegner wissen, daß die Prinzipien der Freimaurerei nicht nur zur Revolution führen, sondern selbst schon Revolution sind. Der Hinweis auf die antichristliche Tendenz der FreimaurerRevolution ist angesichts illusionärer Annäherungs- und Verbrüderungsbestrebungen zwischen Christen und Freimaurern in der Gegenwart von besonders dringlicher Aktualität.

Die Schrift beginnt folgerichtig mit der Großen Französischen Revolution, die allgemein als „Werk“ oder „Erfolg“ der Freimaurerei angesehen wird und endet mit der antichristlichen Kulturrevolution unserer Tage, die sich mitten durch den “ökumenischen Dialog“ hindurchzieht und mit dem gleichen Ziel wie die „große Revolution“, wenn auch mit anderen, subtileren und raffinierteren Methoden, durchgeführt wird. Dazwischen wird ein breites Spektrum von Informationen über die Freimaurerei geboten… Schließlich wird das Verhältnis von Freimaurerei und Islam ebenso angeschnitten wie das Zusammenspiel von Freimaurern und Kommunisten in jüngster Vergangenheit und Gegenwart.  –  MIRIAM – VERLAG  JESTETTEN

EINLEITUNG

Mancher Leser, der die vorliegende Schrift zur Hand nimmt, wird sich vielleicht fragen, warum es heute im deutschen Sprachraum kaum eine Schrift gibt, die sich eingehend in kritischer Weise mit der Freimaurerei befaßt, von der die meisten Zeitgenossen ohnehin nur sehr unklare Vorstellungen haben. Dafür gibt es in der Tat einige Gründe. Da besteht zunächst einmal bei Autoren und Verlegern eine nicht unbegründete Furcht vor der Freimaurerei, deren Macht leider immer noch größer ist als ihre Bekanntheit in der breiten Bevölkerung.

Was der militante Freimaurerbruder Albert Buddecke, Oberst a. D., im April 1928 in der „Allgemeinen Logenzeitung“ schrieb, scheint auch heute noch auf viele abschreckend zu wirken:

“Wer die Freimaurerei angreift, der muß wissen, daß er damit die Ethik bekämpft, die wir verkörpern wollen, und daß er einer Kulturmacht den Krieg erklärt. Auf den muß es aus der Freimaurerei von allen Seiten so niederblitzen und hageln, daß er die Waffen strecken muß und vor der Öffentlichkeit als ein Unwürdiger und Unsittlicher dasteht, der ein Heiligtum entweiht hat.“

Wir, Autor und Verleger, sind der Meinung, daß wir nur Gott zu fürchten haben und daß es unsere heilige Pflicht ist, die Wahrheit zu sagen und zu schreiben, sei sie gelegen oder ungelegen. Wer nämlich die Wahrheit aus Feigheit verschweigt, ist ein Feind der Freiheit. Denn nach wie vor gilt das Christuswort, daß uns „die Wahrheit freimachen wird“ (Joh. 8,32). Schließlich geht es in dieser Schrift letztlich um die Wahrheit, die Jesus Christus ist und verkündet hat.

Allerdings wäre es vermessen, hier den Anspruch zu erheben, die ganze Wahrheit über die Freimaurerei sagen zu wollen. Wir beschränken uns vielmehr auf das Wagnis, einige Wahrheiten über die Freimaurerei mitzuteilen, und zwar solche, die gegenwärtig besonders aktuell sind.

Bekanntlich hat die Freimaurerei viele Gesichter. Der Philanthrop Henri Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, war Freimaurer. Und nicht wenige Freimaurer – vor allem in den niederen Graden der Johannismaurerei  leisten heute vorbildliche caritative, humanitäre und soziale Arbeit im kommunalen, staatlichen und überstaatlichen Bereich. Das wird allgemein anerkannt. Doch ist damit die Funktion der Freimaurerei keineswegs erschöpft. Der Massenmörder von Hiroshima und Nagasaki (1945), der ehemalige USPräsident Harry S. Truman, war auch Freimaurer, und zwar Hochgradfreimaurer. Dieser „rauhe Stein“ bezeichnete bereits 1961/62 seinen Freimaurerbruder und späteren Nachfolger Richard Nixon als „schlitzohrigen, gottverdammten Lügner“ und „Hurensohn“, wie M. Miller in seinem 1973 in Washington erschienenen Buch „Plain Talk“ („offen gesagt“) berichtet. Auch der gescheiterte Marxist Salvador Allende, der Chile in ein politisches und soziales Chaos geführt hat, war Freimaurer. Über die zahlreichen politischen Verbrechen, die der Freimaurerei angelastet werden, ist schon vor Jahrzehnten viel geschrieben worden, besonders vor, während und nach dem I. Weltkrieg. Juan Maler bringt dazu in seinen Werken „Die Große Rebellion“ (1972), „Gegen Gott und die Natur“ (1971) und „Die sieben Säulen der Hölle“ (1974), die in Buenos Aires erschienen sind, eine Menge wissenswerter Einzelheiten und Zusammenhänge aus neuerer Zeit. Diese Bücher haben hohen politischen Informationswert.

Uns interessiert hier jedoch vorwiegend der antichristliche Aspekt der Freimaurerei, wobei freilich von vornherein die Einschränkung zu machen ist, daß es überheblich wäre, in dieser Schrift das ganze antichristliche Gesicht der Freimaurerei aufleuchten lassen zu wollen. Wir sind weniger anspruchsvoll und möchten nur einige antichristliche Gesichtszüge der revolutionären Freimaurerwelt aufzeigen.

Die von führenden Freimaurern schon seit längerer Zeit versuchte Infiltration der Katholischen Kirche mit dem Ziel, diese von innen heraus zu zerstören, hat nach dem II. Vatikanischen Konzil zu einem Einbruch freimaurerischen Ideengutes in die Kirche geführt, der in höchstem Grade besorgniserregend genannt werden muß. Schon aus diesem Grund ist es dringend notwendig, die geistige Welt der Freimaurerei und deren Unvereinbarkeit mit dem christlichen Glauben exakt zu analysieren und offenzulegen.

Was sich seit dem II. Vatikanum im Bereich von Freimaurerei und katholischer Kirche abgespielt hat, soll hier nur an einigen wenigen Tatsachen angedeutet werden. Der einzige Bischof, der auf dem Konzil selbst den zweimal erfolglosen Versuch unternahm, das Thema Freimaurerei und Kirche zur Sprache zu bringen, war Msgre. Méndez Arceo von Cuernavaca (Mexiko). Das Problem „Freimaurerei“ wurde auf dem Konzil nicht erörtert und das Wort „Freimaurerei“ erscheint deshalb auch in keinem einzigen Konzilsdokument. Inzwischen hat der freimaurerfreundliche Bischof Méndez Arceo – ob er selbst Freimaurer ist, wissen wir nicht  seinen Einfluß nicht immer segensreich geltend gemacht. Nur ein Beispiel sei hier angeführt. Im April 1972 fand in Santiago de Chile das erste Treffen der Christen für den Sozialismus statt, das von Bischof Méndez Arceo gesteuert war. „400 Delegierte aus 28 Ländern sprachen sich zugunsten eines Sozialismus aus, der das Eigentum an den Produktionsmitteln vollständig beseitigt. Sie unterstützten den Klassenkampf, legten an der Statue „Che“ Guevaras einen Kranz nieder und verherrlichten den Apostaten und GuerillaChef, den Expriester Camilo Torres“ (Der Fels, März 1974).

Die Unterstützung des Freimaurers und Marxisten Allende durch Bischof Méndez Arceo und besonders auch durch die Jesuiten, deren Provinzial P. Manuel Segura nach der Wahl Allendes zum Präsidenten (am 4. 11. 70) seine Mitbrüder aufrief, an dem Programm von Allendes „Volksfront“ (UP) aktiv mitzuwirken, hat sich ebenso als verhängnisvoller Fehlschlag erwiesen, wie auch jedes andere Experiment scheitern wird, die das Heil von der Kooperation mit Freimaurern und Marxisten erwarten.

Sowohl die Hierarchie in Chile als auch der Vatikan haben zu den genannten Vorgängen in Chile nicht nur geschwiegen. Die französischen Zeitschriften „Itinéraires“ und „L’Ordre Francais“ haben ausführlich über die vielfältige Unterstützung berichtet, die der gestürzte Freimaurer und Marxist Allende aus allen Kreisen des Klerus erhalten hatte. Andererseits wurde die große katholische Bewegung T.F.P. (Vereinigung zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum) schon 1968 von dem Erzbischof und Kardinal von Santiago gerügt, weil sie sich energisch gegen die Linksinfiltration katholischer Kreise zur Wehr setzte. Im gleichen Jahr richtete die Bewegung T.F.P. eine Botschaft an Papst Paul VI., in der er gebeten wurde, „dringend Maßnahmen gegen das Einsickern von Kommunisten in katholische Kreise zu treffen. Diese öffentliche Bittschrift trug die Unterschriften von 121.000 Chilenen. Die Antwort: Keine Antwort.

Die Mitglieder des Nationalrates der T.F.P. richteten zusammen mit anderen Aktivisten am 8. 10. 1970 ein Schreiben an Paul VI. in der Gewißheit, ein Wort seinerseits würde genügen, um zu verhindern, daß die christdemokratischen Parlamentarier den Sieg Allendes im Kongreß besiegeln. Die Antwort des Papstes war wiederum Schweigen!“ (Der Fels, März 1974).
Bezeichnend für die ideologische Anpassung der katholischen Kirche ist ein Wort Allendes in der NewYorkTimes vom 27. Oktober 1970:
“Es ist bekannt, daß die alte Unvereinbarkeit zwischen der Freimaurerei und der Kirche überholt ist. Was noch bedeutsamer ist: die katholische Kirche hat fundamentale Wandlungen durchgemacht … Ich glaube nicht, daß die Kirche ein Widerstandsfaktor gegenüber der Volksfrontregierung sein wird. Im Gegenteil, sie wird ein Element zu unseren Gunsten sein…“

Sie war es dank der „progressiven“ Änderungen, die sich nicht zuletzt auch in Rom mehr und mehr durchsetzten. Darüber finden wir einige wichtige Hinweise in dem Buch von L. de Poncins: La F:. M:. d’après ses documents secrets, das 1972 in vierter Auflage in Chireen-Montreuil erschienen ist. Im Vorwort dieser Auflage schreibt der Verfasser, der unbestritten zu den bestinformierten und hervorragendsten Freimaurerforschern Frankreichs zählt:

“ … Die neuen Methoden hinterlistiger Beeinflussung (penetration) erlauben der Freimaurerei die Kirche zu infiltrieren, wo sie in den Milieus der Progressisten tatkräftige Unterstützung findet … 
Gegenwärtig übt die Freimaurerei ihren Einfluß hauptsächlich auf religiösem und philosophischem Gebiet aus. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß der Progressismus, der die katholische Kirche seit dem II. Vatikanischen Konzil tiefgründig überflutet, ein Ergebnis des philosophischen Einflusses der Freimaurerei auf die Kirche ist. Zwischen der Maurerei und dem Progressismus besteht enge verwandtschaftliche Beziehung hinsichtlich der geistigen Konzeption. Das erklärt die hartnäckigen und erbitterten Anstrengungen, die von theologischen Progressisten unternommen werden, um beim Vatikan die Revision und Annullierung der Verurteilungen (der Freimaurerei) zu erreichen, die von allen Päpsten, angefangen von der ersten päpstlichen Verurteilung durch Clemens XII. im Jahre 1738, bis zu Pius XII. einschließlich, ausgesprochen wurden. Seit dem von Papst Johannes XXIII. einberufenen II. Vatikanischen Konzil ist in Rom bezüglich der Freimaurerei ein heftiger Kampf zwischen Traditionalisten und Progressisten entbrannt …“

Ähnliche Beobachtungen sind auch in Deutschland gemacht worden. So brachte die „Bruderschaft“, die Zeitschrift der Freimaurer in Deutschland, im März 1974 einen „Bericht über das Gespräch mit der evangelischen Kirche“, der mit den Worten beginnt:

“Nachdem der offizielle Dialog zwischen einer Kommission der katholischen Kirche und einer vom Senat der Vereinigten Großlogen von Deutschland berufenen bisher so überraschend gute Ergebnisse erbracht hatte, kam es zu drei offiziellen Gesprächen auch mit der evangelischen Kirche . . .“

Bezeichnend ist, daß der Verfasser des genannten Berichtes in der „Bruderschaft“ auf die gezielte Anfrage, wer an diesem „offiziellen Dialog“ teilnahm, wo er stattfand und worin die „so überraschend guten Ergebnisse“ bestehen, keine Antwort gab. Ein für das Gespräch mit den Kirchen zuständiger führender Bruder bestätigte nur „freimütig, daß solche Gespräche schon seit einer Reihe von Jahren stattfinden und daß sie zu einem guten Erfolg geführt haben. Dieser Erfolg war nur möglich, weil es sich bei diesem Dialog um einen solchen vertrauensvoller und vertrauter Art handelt, den die Gesprächspartner nur in beiderseitigem Einvernehmen vor die Öffentlichkeit bringen wollen …“ – Man fragt sich nun: Wem nützt ein solcher „vertrauensvoller und vertrauter“ Dialog? Wer hat hier etwas zu verbergen?

Ein katholischer Dialogpartner meinte dazu, daß das Kirchenvolk von den hier angesprochenen Fragen sowieso nichts verstehe und daß bei einer öffentlichen Diskussion über „Kirche und Freimaurerei“ nur unnötiger Krach zu erwarten sei von seiten der „Konservativen“.
So ist das also! Einerseits stilisiert man die vielbeschworene „Mündigkeit“ der Christen fast zur Ideologie hoch, andererseits ist das „Volk“ doch noch viel zu dumm und muß einfach überfahren werden, indem man auf dem Weg der „Geheimdiplomatie“ vollendete Tatsachen schafft, die das unmündige Volk dann im Gehorsam gegen Papst und Kirche zu akzeptieren hat. – Wir wehren uns mit aller Entschiedenheit gegen diese Art von Dialog.

Nicht zuletzt wurde dieses Buch deshalb geschrieben, weil wir der Überzeugung sind, daß es höchste Zeit ist, der „diskreten“ Geheimniskrämerei ein Ende zu setzen. Wir müssen in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, daß Jesus Christus seine Jünger nicht zum Dialog, sondern zur Mission ausgesandt hat. Der Missionsauftrag des Herrn lautet nicht: „Geht hinaus in alle Welt und führt nette Dialoge miteinander“, sondern: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Geht darum hin und machet alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie lehrt, alles zu halten, was ich euch aufgetragen habe. Seht ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Matth. 28).

Wie verlautet, soll Kardinal König im Herbst 1968 in Wien eine dreiköpfige Kommission deutschsprachiger Freimaurer zu einem ersten Gespräch empfangen haben, an dem auch drei Vertreter aus der katholischen Kirche teilnahmen. Weitere Zusammenkünfte sollen vereinbart worden sein. Die besorgte Frage ist aber die, ob sich die katholischen Partner bei all diesen Gesprächen und Konferenzen stets des Missionsauftrags Jesu bewußt waren? Haben sie den Mut gehabt, die Heilsbotschaft Jesu mit ihrem unverkürzten Missionsanspruch den Freien Maurern zu verkünden? Die „überraschend guten Ergebnisse“ des Dialogs, von denen die deutschen Freimaurer sprechen, stimmen uns jedenfalls nicht optimistisch. Ob es dieser Schrift gelingen wird, in dem Dialog mit der Freimaurerei neue Akzente zu setzen? Gott gebe es!   –   Pfingsten 1974   –  Manfred Adler

I.  DIE GROSSE REVOLUTION

1. Das Signal zum Sturm

Revolutionen beginnen nicht erst, wenn Schüsse fallen und Blut fließt. Sie haben vielmehr eine lange Vorgeschichte, eine Zeit der geistigen Vorbereitung und wirken noch weit hinein in den Raum der Zukunft. Dieses Gesetz gilt auch für die antichristliche Weltrevolution, die im Zeitalter der Aufklärung begann und bis zum Ende der Zeiten dauern wird, bis der Herr Jesus Christus bei seiner Wiederkunft den Antichristen entmachten und durch den Hauch seines Mundes vernichten wird (2. Thessalonicher 2,8).
Wie jeder Revolution, gehen auch der endzeitlichen, antichristlichen Revolution Ideen voraus, antichristliche Ideen, die von antichristlichen Denkern propagiert und von antichristlichen Mächten in die Tat umgesetzt und in die Gesellschaft hineingetragen werden. Versteht man Revolution in diesem umfassenden Sinn als geistige und blutige Umsturzbewegung, dann findet man die geistigen Wurzeln der antichristlichen Weltrevolution bereits in der Zeit der Renaissance, in der die geistige Welt der heidnischen Antike eine Wiedergeburt erlebte.

Die mittelalterliche Geisteswelt mit ihrer Hinordnung auf den transzendenten Gott als Zentrum und Maß aller Dinge wurde abgelöst vom Zeitalter eines neu aufbrechenden vorchristlichen Humanismus. Jetzt wird der Mensch wie zur Zeit der Sophisten das Maß aller Dinge, ein „Gott auf Erden“. Später werden in der Zeit der Aufklärung die neuheidnischen Ideen der RenaissanceHumanisten zum autonomen und antichristlichen Humanismus weiterentwickelt und der Mensch, seine Vernunft und Natur, zum alleinigen Maß aller Dinge und zum GegenGott gemacht.
Durch die Verabsolutierung der Vernunft im Rationalismus und der Natur im Naturalismus wird schließlich der sich offenbarende persönliche Gott überflüssig und zum Gott des Deismus reduziert.
Der Deismus sieht in Gott nur noch den symbolischen Baumeister der Welten, den großen WeltArchitekten (Demiurg), der die Welt zwar geschaffen hat, sich jetzt aber nicht mehr um sie kümmert und nicht mehr in den Lauf ihrer Geschichte eingreift. Gott und Welt sind nach der Schöpfung ohne Beziehung zueinander. Das All mit seinen unabänderlichen Gesetzen ist eine mechanisch perfekt funktionierende Maschinerie, die man schließlich in einem weiteren Schritt mit dem unpersönlichen Gott des Deismus identifiziert. Zuletzt glaubt man auf diesen MechanismusGott auch noch verzichten zu können  der deistische Gott ist in der Tat ein überflüssiger Gott und gelangt so entweder zum PanTheismus (Alles ist Gott) oder zum nackten Materialismus (Alles ist Materie) und damit zum ATheismus (Gott ist Nichts) oder Nihilismus.
Endstation dieser geistigen Entwicklung ist also ein atheistischer Humanismus. Der Mensch ohne Gott ist hier nicht nur das Maß aller Dinge, sondern sogar das „höchste Wesen für den Menschen“, weil der Mensch ohne ein „höchstes Wesen“ unmöglich leben kann.
Diesem Humanismus ohne Gott sind nicht nur die theoretischen und praktischen Atheisten zuzurechnen, sondern auch die zahlreichen sog. „atheistischen Christen“, für die das Wort „Gott“ nur noch eine Leerformel für Mitmenschlichkeit oder Solidarität ist. Das alles sind die Früchte des neuzeitlichen Aufklärungshumanismus, der den Menschen Schritt für Schritt dem persönlichen und dreieinigen Gott entfremdet bis hin zum radikalen atheistischen Nihilismus.
Für den persönlichen Gott der christlichen Offenbarung, für den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der in seinem Sohn in unsere Welt kam, um Gottes Herrschaft und Reich aufzurichten und alle Menschen aus Sünde und Gottentfremdung zu erlösen, der sein Wort und Heilswerk in der Kirche Jesu Christi und durch sie den Menschen offenbart und vermittelt, der Glaube, Hoffnung und Liebe sowohl den Menschen schenkt als auch von ihnen fordert, der durch Christus ewiges Leben gibt, alle Menschen an sich ziehen will und alle Menschen richten wird: für diesen christlichen Gott hat der Geist der Aufklärung kein Verständnis. Ein solcher Gott ist ein Fremdkörper in ihrer autonomen Geisteswelt und wird als solcher abgelehnt, lächerlich gemacht oder gehaßt.
Dasselbe Schicksal widerfährt selbstverständlich auch der Kirche, die diesen Gott verkündet und in seinem Namen wirkt. Sie wird verfolgt bis zur Vernichtung.

Voltaire, der einflußreichste Denker der französischen Aufklärung, hat die Parole zur Ausrottung der Kirche ausgerufen. Der ehemalige Jesuitenschüler, ausgestattet mit glänzender Begabung und gefeiert als Dichter und Schriftsteller, Historiker und Philosoph, trug die aufgeklärten und antichristlichen Ideen unermüdlich und außerordentlich erfolgreich in die Massen. Man hat ihn als Propagator des radikalen englischen Deismus und Patriarch des französischen Rationalismus bezeichnet. Hirschberger schreibt über ihn und seine Zeit:
„Die französische Aufklärung ist negativ, kalt, überkritisch eitel und hochmütig. Man kämpft gegen den Zwang der Dogmen der Kirche und gegen den Aberglauben der Metaphysik. Typisch ist Voltaire (1694 1778), das größte schriftstellerische Genie der Franzosen und ihr großer Vorkämpfer für Vernunft, Toleranz und Menschenrechte, für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Voltaire war weder ein schöpferischer noch ein exakter Denker, aber er verstand es, die Menschen zu fesseln. Dem Mann hat nur noch der Rundfunk gefehlt.“

Während der französischen Revolution, am 10. Juli 1791 wurde Voltaires Leiche aus der Abtei Selliers in das Pantheon zu Paris überführt. Am 11. Juli war die feierliche Beisetzung. Die Feierlichkeiten zu Ehren Voltaires dauerten indes bis zum 27. August 1791 fort. Bailly, einer der führenden Revolutionäre, feierte Voltaire in der Nationalversammlung als den „größten Mann, den Frankreich geboren hat“. Voltaire war nicht nur ein zeitweiliger Freund des Preußenkönigs Friedrich II., auch Alfred Rosenberg, der Rassentheoretiker der NaziIdeologie und Verfasser des „Mythos des 20. Jahrhunderts“ (1930) schätzte ihn sehr und nannte ihn sogar seinen geistigen Ahnherrn.

Zuletzt sei noch vermerkt, daß die Freimaurer aller Richtungen heute auf ihren Bruder Voltaire nicht minder stolz sind als sie es in der Vergangenheit waren, obwohl Voltaire erst in seinem letzten Lebensjahr von Benjamin Franklin in die Pariser Loge „Les Neufs Soeurs“ feierlich eingeführt wurde.

Voltaire ist für uns deshalb so bedeutsam und wichtig, weil er das Signal zum Sturm auf die Kirche gegeben und die antichristliche Weltrevolution eingeleitet hat. Sein fanatischer Haß gegen Kirche und Christentum ist in die Geschichte eingegangen unter der Parole: „Ecraséz l’infame!“  „Rottet sie aus, die Verruchte!“  Gemeint ist die Kirche.

Voltaires Haß hat Schule gemacht und die geistige Atmosphäre seiner Zeit entscheidend beeinflußt. Andere führende Köpfe der Aufklärung wollten ihm nicht nachstehen. So stammt von Diderot (1713-1784) einem der Herausgeber der großen französischen Enzyklopädie, der unter dem Einfluß des englischen Empirismus vom Deismus zum krassen Naturalismus, Materialismus und Atheismus der französischen Aufklärung kam, das entsetzliche Wort:

„Die Welt wird nicht eher glücklich, bis der letzte König mit den Gedärmen des letzten Priesters erwürgt ist.“

In Holbachs „System der Natur“, dem Hauptwerk des französischen Materialismus, wird die Religion als Hauptursache des menschlichen Elends bezeichnet. Montesquieu (1689 1755) zeichnete in seinen sozialkritischen „Persischen Briefen“ (1721) ein Zerrbild der Kirche und spottete über den „Zauberer, der die Leute glauben machte, daß drei eins, und das Brot, das man verspeise dennoch kein Brot und Wein, den man trinke, dennoch kein Wein sei“. Rousseau (1712 1778), der die Erbsünde leugnete, warf dem Christentum vor, es gebe den „Menschen zwei Gesetzgebungen, welche ihnen Pflichten auferlegen, die miteinander in Widerspruch stehen und es den Menschen unmöglich machen, zu gleicher Zeit fromm und gute Bürger zu sein“.
Diese wenigen Zeugnisse lassen deutlich genug den antichristlichen Geist der Aufklärung und ihrer maßgeblichen Vertreter erkennen, deren Haß auch heute noch Geschichte macht.

2. Die Französische Revolution (1789 – 1799)

Die Saat, die von Voltaire und den übrigen Wegbereitern und Propagandisten der Aufklärungsideologie ausgestreut wurde, trug erste Früchte in der Französischen Revolution, die von manchen Historikern mit dem Prädikat „große Revolution“ ausgezeichnet wurde und als solche auch in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Sicher sind in politischer Hinsicht durch diese Revolution die Weichen für kommende Jahrhunderte neu gestellt und Impulse zu großen Fortschritten und entscheidenden Veränderungen in der Gesellschaft gegeben worden. Denken wir nur an die Beseitigung des korrupten Absolutismus des sog. „ancien regime“, an die Durchsetzung des demokratischen Staatsgedankens, die Proklamation der Menschenrechte, die erstmals in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und in Europa von der französischen Nationalversammlung in der Erklärung vom 27. August 1789 staatsrechtlich verankert wurden, an die Überwindung des Hexenwahns und die Abschaffung der Folter bei Gerichtsprozessen.

Dennoch müssen wir heute feststellen, daß die negativen und zerstörerischen Wirkungen, die von der „großen Revolution“ von 1789 ausgegangen sind, vor allem der von ihr und durch sie eingeleitete kulturelle Zerfall und der Verlust der christlichen Wertordnung, bei weitem all das überwiegen, was durch die Revolution der Aufklärung an positiven und bleibenden Werten errungen werden konnte.
Besonders die Erschütterungen und Katastrophen der beiden Weltkriege und der kommunistischen Weltrevolution, die noch lange nicht abgeschlossen ist, haben uns bitter enttäuscht. Wie sind doch die großen Schlagworte der Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mißbraucht worden und wie sehr werden bis heute Menschenrechte und Menschenwürde in weltweitem Ausmaß mißachtet und verletzt!

Letztlich ist diese unmenschliche Entwicklung der Tatsache zuzuschreiben, daß die Französische Revolution eben doch nur vordergründig eine politische und soziale Umsturzbewegung war. In ihrem innersten Kern ist sie eine antichristliche Revolution gewesen und bis heute geblieben. In der Tat: Mit der Französischen Revolution hat nicht nur das Zeitalter der Revolutionen, sondern die universale und permanente Revolution selbst begonnen.

In den folgenden Ausführungen geht es im wesentlichen darum, diese These durch Tatsachen zu belegen, wobei ich mich bewußt auf den religiösen Bereich beschränken und einige Gedanken über den antichristlichen Charakter dieser weltweiten Revolution darlegen möchte.
Beginnen wir mit den Vorgängen von 1789. Die näheren Umstände und Ursachen, die den gewaltsamen und blutigen Tumult auslösten, sind die Mißstände der absolutistischen Regierungsherrschaft, die Wühlarbeit der Freidenker und Freimaurer und die Frivolität und Sittenlosigkeit der höheren Stände gewesen. Unmittelbarer Anlaß zur Revolution war die Finanznot des Staates. . . 
Als König Ludwig XVI. (1772 1792) die seit 1614 nicht mehr versammelten Reichsstände (Adel, Klerus und Bürgerschaft) zum 5. Mai 1789 nach Versailles berief, wo die Bürger schließlich die Führung an sich rissen und sich am 23. Juni 1789 als Nationalversammlung konstituierten, um eine neue Verfassung zu schaffen, stand die französische Kirche, die etwa 1/10 des gesamten Grund und Bodens besaß, nicht gerade in gutem Ansehen. Die antikirchliche Propaganda der Aufklärer und der Haß, der allenthalben gegen den privilegierten Klerus geschürt wurde, waren nicht ohne Wirkung geblieben. Zwar haben sich vier Bischöfe und 149 Pfarrer am 23. Juni 1789 dem revolutionären und siegreichen „dritten Stand“ angeschlossen und mit der Masse der in der Nationalversammlung repräsentierten Staatsbürger vereinigt. Aber schon vor dem 4./5. August 1789, als der Klerus in der sog. „Opfernacht“ auf seine sozialen und wirtschaftlichen Privilegien verzichtete (wie etwa auf das Lehnswesen und den Kirchenzehnten) und mit dem Adel in der Preisgabe seiner alten Feudalrechte zugunsten der Bauern und Bürger wetteiferte, sind schon Kirchen und Klöster niedergebrannt worden.
Nachdem die gesamte mittelalterliche Feudalordnung der katholischen Kirche in Frankreich zusammengebrochen und zerstört war und es keine Standesunterschiede mehr gab, sind am 27. August 1789 die Bürger und Menschenrechte in der Nationalversammlung feierlich proklamiert und zum Staatsgesetz erhoben worden. Artikel 10 dieser Deklaration garantiert die Gewissens und Kultfreiheit. Er lautet:
„Niemand darf wegen seiner Überzeugungen, auch nicht der religiösen, behelligt werden, vorausgesetzt, daß ihre Betätigung die durch das Gesetz gewährleistete öffentliche Ordnung nicht stört.“  Dieser Artikel war kaum in Kraft, als durch die Französische Revolution das Grundrecht der Gewissens und Religionsfreiheit schon aufs schwerste verletzt wurde.
Doch bevor die blutige Verfolgung ausbrach, hat die Nationalversammlung das gesamte Kirchengut enteignet, um die Finanznot des Staates zu decken. Am 2. November 1789 wurde auf Antrag des liberalen und ehrgeizigen Bischofs Charles Maurice de Talleyrand von Autun beschlossen, das Kirchengut der Nation zur Verfügung zu stellen, was am 14. April 1790 durch das Gesetz über die Enteignung und Säkularisierung des gesamten Kirchengutes endgültig durchgeführt wurde. Vorher, am 13. Februar 1790, waren schon alle religiösen Orden und Kongregationen, die nicht der Krankenpflege, der Erziehung oder dem wissenschaftlichen Fortschritt dienten, – die also nach der Auffassung der damaligen Zeit keine „nützlichen Orden“ waren , aufgehoben worden. Dann folgte mit der „Constitution civile du clerge“ (Zivilkonstitution des Klerus) vom 12. Juli 1790 der schwerste Schlag gegen die katholische Kirche in Frankreich, die sich dadurch in den Grundlagen ihrer Existenz tödlich bedroht sah und deshalb dieser neuen Verfassung energischen Widerstand entgegensetzen mußte. Eine regelrechte Kirchenverfolgung begann.
Die Zivilkonstitution des Klerus sah vor, daß zunächst die 134 Bistümer Frankreichs entsprechend der neuen Departementseinteilung auf 83 reduziert werden, mehr als 50 Bischöfe mußten also entlassen werden. Die Besetzung der Kirchenämter (Bischofsstühle und Pfarreien) sollte durch politische Wahlgremien der Departements erfolgen. Die kanonische Visitation der Bischöfe wurde den Metropoliten, die der Pfarrer den Bischöfen übertragen. Alle Kirchenstellen ohne Seelsorge (Dignitäten, Priorate, Kanonikate und Benefitien an Dom und Kollegiatkirchen) wurden aufgehoben. Die französische Kirche sollte auf rein nationaler Grundlage neu konstituiert, vom Papsttum getrennt und dem Staat untergeordnet werden. Das war nichts anderes „als der Versuch einer vollständigen Unterdrückung der katholischen Kirche in Frankreich. Denn die durch die Konstitution aufgerichtete Kirche war vollkommen schismatisch. Der gallikanische Gedanke war in ihr konsequent bis zu Ende geführt; und er besagte in dieser Form nicht weniger als die Zerstörung des sakramentalen Priestertums. Die grundlegende Idee der Zivilkonstitution ist nämlich die radikal durchgeführte Grundidee der Aufklärung von der Identität aller Religionen. Nicht nur sollen die Priester und Bischöfe als einfache Staatsbeamte wie Parlamentarier gewählt werden (Demokratische Tendenzen; vgl. Konstanz und Basel), sondern an dieser Wahl sollen sich alle Bürger, Juden wie Protestanten, zu beteiligen das Recht haben. Das war vollkommen unchristlich. Die alleinige Wahrheit des Christentums und die aus der apostolischen Sendung erfließende Autorität des Priestertums waren geleugnet.
Im November 1790 wurde in einem weiteren Dekret der Nationalversammlung von allen Geistlichen der Eid auf die Zivilkonstitution verlangt. Mirabeau hatte in einer seiner Sturmreden angekündigt, wenn die Priester diesen Eid verweigern sollten, müßte die Nation daran zweifeln, daß die Priester noch brauchbare Bürger werden könnten und alle Kirchenämter für erledigt erklären. Aber nur etwa die Hälfte der Pfarrgeistlichen (25 000 bis 30 000), ein Drittel des Gesamtklerus, leisteten den Eid. 60 000 bis 70 000 Priester und alle Bischöfe, mit Ausnahme von vier Diözesan- und drei Weihbischöfen, verweigerten den Eid.
Der katholische Glaube bewies seine Macht, aber die französische Kirche war durch einen tiefen Riß gespalten. Die eidverweigernden Priester, die den größeren Teil des Volkes auf ihrer Seite hatten, wurden verfolgt. Papst Pius VI. (1775 1799) hatte aus Gründen der päpstlichen Gesamtpolitik einige Zeit gezögert, bis er dem französischen Klerus durch eine eindeutige Erklärung zu Hilfe kam. Erst am 13. April 1791 verwarf er durch das Breve „Caritas quae docente Paulo“ die Zivilkonstitution als haeretisch und schismatisch, suspendierte die vereidigten Geistlichen („jureurs“, „assermentes“), wenn sie nicht innerhalb von 40 Tagen widerrufen würden, und lobte die treugebliebenen, eidverweigernden Priester („nonjureurs“, „insermentes“). Für die Ausgewiesenen sorgte der Papst so gut er konnte und nahm viele von ihnen in den Kirchenstaat auf. Die Nationalversammlung nahm dem Papst darauf die Grafschaften Avignon und Venaissin, die zum Kirchenstaat gehörten. Pius VI. protestierte dagegen, aber die geraubten Besitzungen blieben für immer verloren.
Im Spätjahr 1791 versuchte die „Gesetzgebende Nationalversammlung“, den Widerstand der Geistlichen mit Gewalt zu brechen. Den eidverweigernden Priestern wurde Gehalt und Pension entzogen und der Aufenthalt im Lande unmöglich gemacht. Das Tragen der geistlichen Kleidung war ihnen verboten worden, die noch bestehenden religiösen Genossenschaften wurden unterdrückt, etwa 40.000 Priester sind eingekerkert, deportiert oder hingerichtet worden.
Mit den Septembermorden 1792 in den Gefängnissen von Paris, denen etwa 1400 Menschen, darunter mehr als 200 Priester und drei Bischöfe zum Opfer fielen, begann die erste größere Terrorwelle der Revolution, die Zeit der sog. „Schreckensherrschaft“, die bis zum Oktober 1795 dauerte.
Unter dem Druck der Verfolgung verließen etwa 30 000  40 000 Priester das Land (2. Emigration). Der Nationalkonvent (1792 1795) vollendete den radikalen Umsturz, das Königtum wurde am ersten Tag der Konventsherrschaft (21. September 1792) abgeschafft, Frankreich zur Republik erklärt und Ludwig XVI. am 21. Januar 1793 als „Verräter an Staat und Nation“ hingerichtet. – Im Oktober folgte ihm Königin MarieAntoinette.

Nach der Ermordung Marats am 13. Juli 1793 übernahm Robespierre die Herrschaft des Grauens. Die Guillotine liquidierte die Gegner der Republik, Opfer wurden massenweise erschossen oder ertränkt, die Ehescheidung ist erleichtert, die obligatorische Zivilehe eingeführt, das Zölibatsgesetz aufgehoben, die christliche Zeitrechnung abgeschafft und durch den Republikanischen Kalender verdrängt worden. An die Stelle der Sonntagsfeier wurde die Dekade gesetzt und die christlichen Feste sind durch republikanische ersetzt worden. Mit blindem und durchdachtem Haß versuchten die antichristlichen Revolutionäre, das Christentum und seine Geschichte radikal und total auszulöschen. Durch Dekret wurde schließlich am 10. November 1793 das Christentum offiziell abgeschafft und der Kult der Vernunft und Natur eingeführt. Die Verwirklichung von Voltaires „Ecrasez l’infame!“ durch die entfesselte Revolution schien greifbar nahe. –
Damals geschah in Paris etwas Ungeheuerliches. Extreme Revolutionäre, die von dämonischem Wahnsinn besessen zu sein schienen, führten die Hure und Schauspielerin Madame Maillard in gotteslästerlicher Prozession zum altehrwürdigen Gotteshaus „Notre Dame“ und setzten sie mitten auf den Hochaltar, genau dorthin, wo früher der Tabernakel stand. Hier empfing sie die Huldigung der Republik… – Der Revolutionsfanatiker P. G. Chaumette betete sie sogar an…
Das Bild der Heiligen Jungfrau Maria war vom Altar entfernt und durch die „Statue der Freiheit“ ersetzt worden. Die antichristlichen Funktionäre hatten sich des Heiligtums bemächtigt und es durch schmutzige Lieder und Orgien, die man nicht beschreiben kann, entweiht…
Mit diesem sakrilegischen Geschehen, das der Geschichtsschreiber Schuck „eines der schauerlichsten Ereignisse der Weltgeschichte“ nennt, nahm der moderne Kult mit den Huren und die sexuelle Revolution ihren Anfang, eine in ihrem tiefsten Wesen antihumane und antigöttliche Revolution, die nicht mit dem „Tode Gottes“, sondern mit dem totalen Untergang des Menschlichen im Menschen enden wird.
Wir dürfen dieses entscheidende und an geschichtlichen Konsequenzen kaum zu überschätzende Datum der Französischen Revolution nicht vergessen. Denn hier hat sich unter dem hemmungslosen Terror der Jakobiner „erstmals ein Staat nicht nur von der Kirche, sondern von jeder christlichen Überlieferung losgesagt. Er wollte selbst an die Stelle der Religion treten und schaffte sich seinen eigenen Kultus mit Dogma und Ritus.
Wohl konnte Robespierre im Frühjahr 1794 die Terrorherrschaft der blutrünstigen Jakobiner brechen  die nach ihrem Versammlungsort, dem Kloster St. Jakob in Paris, benannt werden  und vom Konvent an Stelle des atheistischen Vernunftkultes den deistischen Kult des „höchsten Wesens“ und die Unsterblichkeit der Seele dekretieren und proklamieren lassen. Das gehässige Wüten gegen Royalisten und Priester ging jedoch weiter. Als am 28. Juli 1794 auch Robespierre unter dem Fallbeil starb, hörte die Schreckenszeit auf. Ein fünfköpfiges Direktorium übernahm nun die Herrschaft (1795 1799). Unter dem Druck einer immer stärker werdenden religiösen Gegenbewegung sah sich der Konvent gezwungen, am 21. Februar 1795 die völlige Trennung von Kirche und Staat zum Gesetz zu erheben. Damit war ein entscheidender Schritt zur Verbesserung der religiösen Situation getan. Die Priester durften wieder zelebrieren, Kultfreiheit wurde verkündet und die noch nicht veräußerten Kirchen konnten wieder für den Gottesdienst benutzt werden. Trotzdem aber war damit der Religionshaß in der öffentlichen Meinung noch nicht überwunden. Es kam immer wieder zu Verfolgungen und Deportationen von Priestern…
In den folgenden Jahren bot sich Napoleon im Zuge der siegreichen Koalitionskriege die Gelegenheit, Rache an Pius VI. zu nehmen und die Ideen der Französischen Revolution in weite Teile Europas hineinzutragen. Nachdem Bonaparte 1796 in Italien bedeutende Siege gegen Österreich errungen hatte, stürzte er sich auf den schwachen Kirchenstaat. Bologna, Ravenna, Ferrara, Imola und Faenza konnte er ohne Schwertstreich einnehmen. Im Waffenstillstand von Bologna (1796) mußte der Papst die Legationen von Bologna und Ferrara abtreten, die Festung von Ancona übergeben, 20 Millionen Lire zahlen und 500 wertvolle Handschriften und 100 Kunstwerke ausliefern. Die harten Bedingungen veranlaßten den Papst, mit Österreich Verbindung aufzunehmen und mit Neapel ein Bündnis zu schließen. Aber im Frühjahr 1797 drang Napoleon in den Kirchenstaat ein und zwang den Papst zum Frieden von Tolentino. Der Papst mußte außer Avignon und Venaissin auch noch die Romagna abtreten und weitere 15 Millionen Lire zahlen. Die schönsten Kunstwerke, wie der Apoll von Belvedere und die LaokoonGruppe, wurden nach Paris geschleppt…
Am 10. Februar 1798 rückte der französische General Berthier in Rom ein, wo am 15. Februar die Republik ausgerufen wurde. 300 „Patrioten“ erklärten auf dem Forum den Papst für abgesetzt. Der achtzigjährige Pius VI. wurde in die Verbannung geschleppt, zuerst nach Siena, dann am 30. Mai 1798 nach Florenz. Als 1799 der zweite Koalitionskrieg begann, brachte man ihn über Parma, Tortona und Turin nach Briancon, Grenoble und endlich nach Valence, wo er am 14. Juli todkrank ankam. Am 29. August 1799 setzte dann der Tod seinem Leidensweg ein Ende. Die Malachiasweissagung aus dem Jahre 1590, die ihn „peregrinus apostolicus“ nennt, behielt auch hier recht: Er starb als Gefangener in der Fremde.
Das Papsttum schien jetzt wirklich am Ende zu sein. Leichenreden wurden ihm gehalten und Grabsteine gesetzt. Vor der Engelsburg in Rom stand die „Göttin der Freiheit“ mit der päpstlichen Tiara unter ihren Füßen. Aber dennoch konnte auch die „große Revolution“ mit dem konzentrierten Haß der antichristlichen Aufklärer den Felsenmann in Rom nicht überwinden. Die Funktionäre der Revolution von damals sind tot. Die Geschichte ist über sie hinweggegangen. Das Papsttum und die Kirche sind jedoch geblieben. Sie haben sogar im 19. und 20. Jahrhundert einen geistigen und moralischen Aufstieg erlebt, der in der Geschichte der Kirche seit dem Zeitalter der römischen Märtyrer ohne Beispiel ist. Die Kirche hat in der Französischen Revolution zwar viel gelitten, aber die Revolution hat ihr auch großen Gewinn gebracht und den Weg in eine wenn auch nicht bessere, so doch größere Zukunft eröffnet.

II. DIE REVOLUTIONÄRE FREIMAUREREI

1. „Die große Unbekannte“ und „die große Revolution“

Obwohl das Schrifttum über die Freimaurerei in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten fast unübersehbar geworden ist, gibt es kaum eine weltanschaulich relevante Gruppe unserer Gesellschaft, über die so wenig zuverlässige und allgemein bekannte Informationen vorliegen wie gerade über die Freimaurerbewegung. Im Angesichts dieser Tatsache kann man es nur als beachtenswertes Kuriosum werten, wenn ein niederländischer Jesuit 1968 in einem deutschen Freimaurerverlag ein Werk über die Freimaurerei veröffentlichte mit dem Untertitel „Die große Unbekannte“ (M. Dierickx S.J.: Freimaurerei – Die große Unbekannte, Bauhüttenverlag, Frankfurt-Hamburg, 1968)



Ob auf diese Weise „die große Unbekannte“ der breiten Öffentlichkeit besser bekanntgemacht werden kann, darf freilich mit guten Gründen bezweifelt werden. Der Hauptgrund, weshalb die Freimaurerei weithin fremd und unbekannt ist, darf wohl in dem Geheimnischarakter und der Geheimdisziplin gesehen werden, die den Logen von jeher anhaften und von ihrem eigentlichen Wesen anscheinend nicht zu trennen sind. Selbst viele Mitglieder deutscher Logen, vor allem aus der jüngeren Generation, haben heute kaum noch Verständnis für die traditionelle „Geheimniskrämerei“ der Maurerbrüder, an der sie nicht zuletzt deshalb auch Kritik üben, weil sie hauptsächlich für das oft schiefe und verzerrte Bild und für die nebulosen, phantastischen und manchmal sogar absurden Vorstellungen über die Freimaurerbewegung mitverantwortlich sind. (Zum Ganzen, Der Spiegel, Nr.15, 1963)

Außerdem versteht es die im allgemeinen publizitätsscheue Freimaurerei vortrefflich, die Masse des freimaurerischen wie des weniger zahlreichen freimaurerfeindlichen Schrifttums für sich zu konsumieren. Diese Art von Literatur wird nämlich vorwiegend nur von Freimaurern gelesen oder gekauft, bzw. aufgekauft. Letzteres kann dann der Fall sein, wenn ein für die Freien Maurer unangenehmes oder gar gefährliches Buch auf dem Markt erscheint.
Ein Buch dieser Art war zweifellos das 1952 in England erschienene Werk des anglikanischen Geistlichen W. Hannah Darkness visible (Sichtbare Finsternis), das der Frage nachgeht, ob die englische Freimaurerei mit dem Christentum vereinbar ist. W. Hannah, der sein Buch „eine Enthüllung und Deutung“ nennt, kommt mit seinem überzeugenden, sachlich nicht zu widerlegenden Tatsachenmaterial zu dem zwingenden Schluß, daß Christentum und Freimaurerei schlechthin unvereinbar sind.
Darkness visible erlebte in vier Monaten drei Auflagen und wurde von den englischen Freimaurern sofort mit Gegenschriften beantwortet, deren wichtigste von einem anonymen Verfasser mit dem Decknamen „Vindex“ stammt und unter dem Titel Light invisible (Unsichtbares Licht) herausgegeben wurde. „Vindex“ beginnt seine Ausführungen mit einem umfangreichen Katalog von Schmähungen, bringt aber keinen einzigen sachlichen Gegenbeweis, der die von W. Hannah belegten Argumente im einzelnen hätte erschüttern können.

Ein weiterer Grund, warum die „Diener der königlichen Kunst“ – wie die Freimaurer gern genannt werden – bei den „Profanen“ so wenig bekannt sind, besteht in der von ihnen meisterhaft beherrschten Kunst, in ihren Publikationen die Wirklichkeit zu verschleiern oder durch nichtssagende bis widersprüchliche Formulierungen, die oft nur mehr oder weniger unwichtige Gegebenheiten betreffen, von den eigentlich bedeutsamen Fakten abzulenken, bzw. diese unkenntlich zu machen.
Dazu nur folgendes Muster-Beispiel. Nach dem II. Weltkrieg versuchten etwa 6000 deutsche Freimaurer das Logenleben in der Bundesrepublik Deutschland wieder in Bewegung zu setzen. Ihre Stuhlmeister fanden sich erstmals 1949 in der Frankfurter Paulskirche zusammen, um über den Wiederaufbau und die Vereinigung der verschiedenen Logen in Deutschland zu beraten. Nachdem es 1958 endlich gelungen war, die zwei großen Gruppierungen der deutschen Maurerei, die sog. „humanitären Logen“ (unter dem offiziellen Titel: „Alte Freie und Angenommene Maurer“ = A. F. u. A. M.) und die sog. „christlichen Logen“ (genannt Freimaurer-Orden… bzw. Freimaurer von Deutschland = FvD) zu den Vereinigten Großlogen von Deutschland – Bruderschaft deutscher Freimaurer (VGLvD) zusammenzuschließen, geriet die so vereinigte Maurerei schon sehr bald in eine ernste Existenz- und Führungskrise. Es war gerade zu der Zeit, als die Vereinigten Großlogen, nach deren Grundgesetz (Charta) die Freimaurerei „ein ethischer, kein politischer Bund ist“, ihre größten „außenpolitischen“ bzw. ,,internationalen Erfolge“ zu verzeichnen hatten. Damals entstand ein sehr heftiger Streit um die Person des Altgroßmeisters Theodor Vogel, dem „Nachkriegs-Einiger“ und „Patriarch der Herren im Schurz“. Die unzufriedenen Brüder warfen Vogel vor: „Eitelkeit, die sich gleichermaßen in leerem Posieren und hektischer Betriebsamkeit äußere; Machtmißbrauch, der bis zur persönlichen Verunglimpfung von Brüdern gehe, die im Wege stehen; Inkonsequenz, weil Vogel zuerst um die Gruppe der abseits stehenden Logen des sog. Schottischen Ritus gebuhlt habe und später dann, als sie sich nicht seiner Zentral-Organisation anschlossen, zu einer ganz unmaurerischen Kampagne gegen die „Schotten“ ausholte, sowie schließlich die Stagnation der deutschen Freimaurerei überhaupt, an der Vogel insofern schuld sei, als ihm nur Freimaurer-Politik, nicht aber die praktisch Freimaurerarbeit in der Stille interessiere (Der Spiegel, Nr.15, April 1963).

Die Kritik an Altgroßmeister Vogel war angesichts der personellen Notlage innerhalb der deutschen Logen verständlich: Das Durchschnittsalter der Brüder lag bei 55 Jahren, über die Hälfte der rund 400 deutschen Logen konnten im abgelaufenen Freimaurerjahr – vom Herbstkonvent 1960 bis zum Herbstkonvent 1961 – keinen einzigen Lehrling aufnehmen, zahlreiche Logen existierten nur noch auf dem Papier. Die Großlogen mußten den Schrumpf-Logen, deren Mitglieder nicht mehr praktizierten, die Legitimation entziehen. Es schien, als sollte die Freimaurerei mit ihren Feinden auch zugleich ihre Freunde verlieren.
Theodor Vogel war es nicht gelungen, die deutsche Öffentlichkeit – und vor allem die Jugend – für die Königliche Kunst zu interessieren. Die publizistische Werbung hieb ohne den gewünschten und erhofften Erfolg, nicht zuletzt deshalb, weil die stereotypen Formeln der freimaurerischen Begriffssprache (Terminologie) für Nichteingeweihte nur schwer verständlich oder gar nichtssagend sind. Mehrere Logen, die an Universitäten errichtet worden waren, gingen wieder ein oder verliefen sich.
Dazu kam die Kritik an Vogels autokratischem Regierungsstil. „Tatsächlich pflegte der bärtige Patriarch lästige Mitmaurer jeweils rasch vom Gerüst zu jagen, so etwa die Großmeister Ehmke und Mohr. Der hannoversche Chirurg Ehmke war 1954 zum AFAM-Großmeister gewählt worden und glaubte nun, den Ansichten Vogels nicht mehr strikte Observanz zu schulden. Vogel ließ ihn kurzerhand abwählen.
Der stellvertretende Großmeister Mohr geriet 1958 in die Vogel-Linie. Er sollte mit den Hochgrad-Maurern verhandeln. Vogel warf ihm anschließend Fälschung des Verhandlungsprotokolls vor und setzte gegen den Bruder ein Ehrengerichtsverfahren durch.
Als Mohrs Freunde nach dessen Rehabilitierung nun den Fabrikamen (gemeint ist Vogel, d. Verf.) wegen falscher Anschuldigung vor den Vereins-Kadi bringen wollten, mobilisierte Vogel den AFAM-Großbeamtenrat. Eisern beschlossen die Würdenträger, daß kein Verfahren durchgeführt werden könnte, ehe nicht sie selbst dazu die Genehmigung erteilt hätten. Niemand wagte, sich auf eine Interpretation der Statuten einzulassen. Das Verfahren fiel aus.
Tatsächlich hat sich Theodor Vogel mittlerweile nahezu unangreifbar verschanzt.
In der von ihm geschaffenen Dachorganisation wechseln zwar jährlich die Großmeister, die von Vogel als dem ersten Großmeister berufenen Amtsträger pflegen jedoch ihre Positionen beizubehalten. Vogel blieb Präsident des Großmeister-Amtes der VGL, des Quasi Kabinetts, und leitet in dieser Behörde überdies noch das „Amt für brüderliche Beziehungen“ unmittelbar, das Außenministerium der deutschen Freimaurerei.

Die AFAM, seine Hausmacht, dirigiert Altgroßmeister Vogel über den sogenannten Distriktsmeistertag, eine Konstruktion, die er sich selbst zurechtgemauert hat.
Als Altgroßmeister ist er Vorsitzender des Distriktmeistertages, der laut AFAM-Verfassung „die Durchführung von Anordnungen des Landesgroßmeisters aussetzen“ kann. Wer immer AFAM-Großmeister ist – der Distriktsmeistertag unter der Hammerführung des Theodor Vogel bestimmt, was die humanitäre Großloge unternimmt.
Gestützt auf die AFAM und seines Einflusses in der VGL sicher, startete der Altgroßmeister schließlich immer kühnere Unternehmen; er wollte nicht nur Großmeister der Johannis-Freimaurer, sondern auch „Souveräner Großkommandeur“ und damit Chef der schottischen Hochgrad-Freimaurer werden, und er setzte es durch, daß die VGL die brüderlichen Beziehungen zur Grande Loge de France abbrach.
Der plötzliche Hochgrad-Ehrgeiz ihres Großmeisters konsternierte die dreigradigen AFAM-Maurer nicht wenig.
Andererseits hatte die christliche Gruppe, deren Ritus ebenfalls neun Grade aufweist, kein Verständnis für die Offensive gegen die Hochgrade, die Vogel einleitete, nachdem ihn die Schotten hatten abblitzen lassen.
Der gekränkte Obermaurer scheute sich nicht einmal davor, die stolzen Schotten in der für jedermann käuflichen „Bruderschaft“ anzukratzen. In den vertraulichen Mitteilungen – „Nur für Brüder Meister“ – schwang er die Kelle noch wilder … Die AFAM-Logen erbitterte schließlich, daß sich ihr Altgroßmeister in die historische Auseinandersetzung zwischen angelsächsischen und französischen Freimaurern hineinziehen ließ.
Einziger Grund für den drastischen Bruch mit den Franzosen: Die Grande Loge de France war und ist nicht bereit, ihre Bindungen zum Grand Orient de France zu lösen. Der Grand Orient wiederum, Frankreichs größte Freimaurer-Vereinigung, wird seit 1877 von der angelsächsischen Freimaurerei boykottiert, weil er nicht gemäß den „Alten Pflichten“ die Anerkennung eines höchsten Baumeisters zur Voraussetzung der Aufnahme macht.

Das unbrüderliche Ende der brüderlichen Verbindungen zwischen deutschen und französischen Maurern brachte dem Theodor Vogel lediglich einige wohlwollende Händedrücke englischer Brüder ein, die von ihrem festungsartigen Bau in der Londoner Great Queen Street aus mit strengen Blicken darauf achten, daß ihre Boykott-Bestimmungen möglichst uneingeschränkt auch von den übrigen Großlogen durchgeführt werden …
Bei den Humanitären, auf deren Kommandobrücke Theodor Vogel nach wie vor agierte, bahnte sich die offene Meuterei an. Auf dem Berliner Freimaurer-Konvent des Jahres 1961 verweigerten erstmals an die 80 Logen dem Vogel die Gefolgschaft. Nur mühsam konnte der Riß verputzt werden.
Wie brüchig der Mörtel war, zeigte sich ein Jahr später auf dem Paulskirchen-Konvent. In den Orgelpausen flüsterten sich die Brüder zu, der Altgroßmeister habe soeben beim Landgericht Frankfurt gegen den AFAM-Beschluß geklagt, ein neues Vereinskonto zu errichten. Die AFAM-Logen hatten sich mit diesem Beschluß kurz zuvor dagegen gewehrt, daß ihnen ihr Patriarch die Verfügung über das alte Konto entzogen hatte.

Die „Bruderschaft“ beschrieb später die weiteren Vorgänge so: „Es hatten sich in den letzten Monaten innerhalb der Großen Landesloge AFAM divergierende Kräfte geltend gemacht, die über deren Reihen hinaus die Einheit der Vereinigten Großlogen mit einer Hypothek zu belasten schienen … Die Einsicht und die Arbeit einer Reihe von Brüdern, die sich für die Einheit verantwortlich fühlten, hat die lastende Bürde noch während des Fünften Konvents von der Bruderschaft genommen.“
Und, als Gipfelleistung maurerisch-humaner Berichterstattung: „Wen wundert es, daß der Einiger der deutschen Freimaurer, Dr. Theodor Vogel, auch bei der Lösung dieser krisenhaften Zustände in der AFAM die Initiative ergriffen hat.“
Tatsächlich traten die streitenden Gruppen, nachdem sie sich mittags im Hotel nicht hatten verständigen können, am Abend erneut gegeneinander an.
Fazit des Gesprächs, das im Morgengrauen endete und bis heute als freimaurerisches Geheimnis allerhöchsten Grades behandelt wird: „Der Altgroßmeister mußte seine Klage gegen die Landesgroßloge zurückziehen, und eine Kommission aus acht prominenten Brüdern soll Vogels Funktionen und Politik mit den Interessen der Bruderschaft abstimmen.“ (Spiegel, Nr.15, S.54).

Das vielfarbige und vielsagende Spiegel-Bild, das uns hier gezeichnet wird, „enthüllt“ und beleuchtet nicht nur ein Stück Zeitgeschichte deutscher Freimaurerei. Es macht auch deutlich, wie unsachlich es wäre, pauschal und vereinfachend von der Freimaurerei schlechthin zu reden. Es gibt die Freimaurerei nur als zerrissene und zerstrittene „pluralistische Gesellschaft“ und man muß deshalb, wenn im konkreten Fall von „Freimaurerei“ die Rede ist, immer sorgfältig und gewissenhaft differenzieren, was um so mehr zu beachten ist, wenn Aussagen über die „Welt-Freimaurerei“ gemacht werden. Außerdem bestätigt besonders der Vergleich der Zitate aus der Freimaurer-Zeitschrift „Bruderschaft“ mit den wirklichen Vorkommnissen die Behauptung, daß die Freimaurer die Kunst, wirkliche Gegebenheiten zu verschleiern, meisterhaft beherrschen. Und das ist, wie schon gesagt, auch ein entscheidender Grund dafür, weshalb die Freimaurerei bis heute für viele „die große Unbekannte“ geblieben ist.

Nach diesen klärenden Vorbemerkungen können wir nun an die Frage herangehen, welche Rolle die französische Freimaurerei des 18. Jahrhunderts in der Französischen Revolution von 1789 spielte, mit der ja nach unserer Auffassung die „große und permanente Revolution“ der Neuzeit und Endzeit begann. Die Auffassungen darüber gehen sowohl innerhalb wie außerhalb der Freimaurerei auseinander, manchmal liegen die Unterschiede allerdings nur in subtilen Nuancen und Akzentsetzungen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in deutschen Freimaurerkreisen die These verbreitet, daß die Französische Revolution „nur ein Werk der Freimaurer war, denn alle hervorragenden Männer jener Zeit waren Freimaurer“ (Deutsche Freimaurerzeitung vom 24. Dezember 1864).

Daß diese Behauptung eine – für das 19. Jahrhundert typische – freimaurerische Übertreibung ist, liegt auf der Hand. Die heutigen Freimaurerbrüder sind von dem großspurigen Pathos ihrer Vorfahren abgerückt und nüchterner geworden. Richtig ist, daß viele bedeutende Persönlichkeiten zur Zeit der Französischen Revolution Freimaurerlogen angehörten. Bei den führendеп Enzyklopädisten z. B. war das durchweg der Fall. Allein in Paris gab es 1789 nicht weniger als 65 Logen.
Dennoch waren aber auch viele „hervorragende Männer jener Zeit“ keine Freimaurer. Übereinstimmung besteht bei den Kennern der Geschichte des 18. Jahrhunderts freilich darin, daß ohne die subversive und offene Agitation der französischen Freimaurer die Französische Revolution, wie sie sich tatsächlich abgespielt hat, nicht möglich gewesen wäre. Wenn in einem neueren französischen Werk die Formel aufgestellt wird: „Die Freimaurerei macht nicht die Revolutionen; sie bereitet sie vor und sie setzt sie fort“, so wird diese Meinung von den geschichtlichen Ereignissen nicht bestätigt. Die fanatischen und brutalen Jakobinerklubs, die in der Zeit des Konvents (1792 -1794) maßgeblich die revolutionäre „Schreckensherrschaft“ ausübten, waren nämlich nach einem Bericht, der am 13. April 1883 der Loge von Nantes vorgelegt wurde, nichts anderes als Freimaurerlogen, die man in aktive politische Klubs umgewandelt hatte.

Dafür spricht unter anderem die Tatsage, daß diese Klubs die Titel von Logen beibehielten. Auch in anderen Ländern gab es geheime Verschwörungsgesellschaften, die mit den Jakobinern in Paris in Verbindung standen, so in Ungarn und Süddeutschland. Der Name „Jakobiner“ geht zurück auf das Dominikanerkloster St. Jacques (St. Jakob) in der Rye Saint-Honoré, wo sie im November 1789 bretonische Deputierte der Nationalversammlung, die im Klub „Breton“ vereinigt waren, niederließen. Von diesem Versammlungsort stammt der Name „Jakobinerklub“. Anfänglich nannten sich seine Mitglieder „Société des amis de la constitution“. Sehr schnell breiteten sich die politischen (demokratisch-republikanischen) und antikirchlichen Ideen dieses Klubs in der Pariser Bevölkerung und im ganzen Land aus. Der Pariser Mutterklub zählte 1792 schon 760 Tochtervereine. Die rasche Verbreitung ging entscheidend auf die Mitgliedschaft der Frauen zurück, die immer eifriger und zahlreicher an den Versammlungen teilnahmen, die viermal in der Woche (von 18 – 22 Uhr) stattfanden.

Der revolutionäre Fanatismus und das Bestreben der Jakobiner, alle Lebensbereich zu politisieren, ihre radikale Abkehr von Offenbarungschristentum und Kirche zugunsten einer natürlichen Aufklärungsreligion mit eigenen Kultformen, waren bereits erste Signale, die den modernen totalitären Staat ankündigten.

Für die Tatsache, daß Freimaurer die Französische Revolution nicht nur vorbereitet und fortgesetzt, sondern аuch aktiv in ihr mitgewirkt haben, spricht ferner die Rolle, die von den beiden großen Revolutions-Parteien gespielt wurde. Die Girondisten und die Bergpartei vertraten in der Tat die zwei Hauptrichtungen der französischen Freimaurerei des 18. Jahrhunderts. Die erstere war liberal und individualistisch orientiert, die letztere huldigte einem schwärmerischen Sozialismus. 
Wenn diese Parteien auch manchmal sehr gegensätzliche Positionen einnahmen, so widerspricht das keineswegs der Tatsache, daß sie beide von Freimaurern geführt wurden. Freimaurer waren und sind Individualisten, die das Ideal der Freiheit nicht immer einmütig und eindeutig auslegen und verstehen. So erklärte beispielsweise bei der Gründung der Taunusloge „Zur Freiheit“ im Orient Bad Homburg am 12. Mai 1973 der Festredner: „Es ist eine alte Weisheit, daß zwei Freimaurer mindestens drei verschiedene Ansichten über den rechten Weg der Freimaurerei haben, fast könnte man sagen, weil sie Freimaurer sind, müsse das auch so sein. Noch weiter aber gehen die Ansichten unter Freimaurern auseinander, wenn es sich um die innere Ordnung ihres Bundes handelt.“ (Die Bruderschaft, Juli 1973).

Wer diese innere Welt der Freimaurerei nur einigermaßen kennt, wird auch die Feststellung des belgischen Sozialdemokraten Hendrik de Man akzeptieren, der in seinen Erinnerungen berichtet, daß schon vor dem I. Weltkrieg „die Politik der sozialistischen Parteien von den gleichen Logen gelenkt wurde wie die Politik ihrer scheinbaren Gegner, der bürgerlichen Liberalen. Die intellektuellen Führer beider ,feindlichen Lager‘, die einander auf der Strasse bekämpften, seien im Grunde von den gleichen Hochgradmaurern dirigiert worden.“ (E. Franzel, Groß-Loge im Angriff, Augsburg, S.6)
Wenden wir uns nun noch diesen nicht unwichtigen Bemerkungen wieder der Französischen Revolution zu. Inzwischen hat maurerische Formulierungskunst eine neue Erklärung für das Verhältnis von Freimaurerei und Revolution gefunden. So schrieb 1964 ein eingeweihter und erleuchteter Autor über die freimaurerischen „Erfolge“ zwei Sätze, die meines Erachtens zum Besten gehören, was je über die Freimaurerei geschrieben wurde:
„Zu den freimaurerischen ,Erfolgen’ kann man auch die Französische Revolution rechnen. Zwar wurde sie nicht von den Freimaurern ausgelöst (die Freimaurerei will in sich selbst eine Revolution sein, sie will keine Revolutionen beginnen), aber zum ersten Mal wurden die Ideale der Freimaurerei in unübertrefflicher Prägnanz formuliert: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. (H. Lohfeldt, Die königliche Kunst – Freimaurerei in Deutschland, in „Kristall“ Nr. 10, 1964).
Wir bewundern die Bescheidenheit des Verfassers, der die wichtigste Aussage in Klammern setzt: „Die Freimaurerei will in sich selbst Revolution sein.“ Was heißt das? Wenn ich es richtig verstehe, besagt dieses Wort soviel wie: Zum Wesen der Freimaurerei gehört notwendig das revolutionäre Element. Wenn Freimaurerei und Revolution identisch sind, ist es unlogisch und zwecklos darüber zu streiten, ob die Freimaurer Revolutionen nur planen und vorbereiten, oder ob sie diese beginnen und durchführen oder sie auch noch fortsetzen. Die Gleichsetzung von Freimaurerei und Revolution schließt alle diese Aspekte in sich ein, weil der Begriff „Revolution“ inhaltslos wäre, wenn er nicht sowohl die notwendige Planung und Vorbereitung als auch den Beginn und die Durchführung in sich vereinigte. Weiter ergibt sich aus der genannten Gleichung die wichtige Erkenntnis, dаß die Freimaurerei Revolutionen nicht nur fortsetzt, sondern sie ist selbst die fortgesetzte oder permanente Revolution. Solange die Freimaurerei existiert, ist sie Revolution. Und das heißt wiederum: Es ist ihre beständige und unaufhörliche Aufgabe, Revolutionen zu planen und vorzubereiten, zu beginnen und durchzuführen und sie auch fortzusetzen. Noch einmal: „Die Freimaurerei will in sich selbst eine Revolution sein.“ Eine bessere Formel über das Wesen der Freimaurerei gibt es wahrscheinlich nicht.

Sieht man das Problem Freimaurerei und Revolution unter dieser Perspektive, dann scheint es nicht übertrieben, wenn ein Religionswissenschaftler meint: „Es darf behauptet werden, die Freimaurerei hatte in allen geistigen, wirtschaftlichen und politischen Revolutionen der letzten zwei Jahrhunderte, doch nicht in der bolschewistischen ihre Hand im Spiel.“ Das ist gewiß keine Übertreibung, wohl aber eine Unterschätzung der freimaurerischen „Erfolge“. Denn zu den unbestreitbaren „Erfolgen“ gewisser Freimaurer zählt auch die bolschewistische Revolution, und zwar deshalb, weil Lenin und Trotzky, die Väter der russischen Oktoberrevolution nicht nur leidenschaftliche Kommunisten, sondern auch erleuchtete Freimaurer waren. Sie gehörten dem 33. (das ist der höchste) Grad des sog. Schottischen Ritus an. Als die bolschewistische Oktoberrevolution 1917 siegreich vollzogen war, hielt Bruder Rozières in der Loge „Art et Travail“ am 24. Dezember 1917 in Paris eine große Lobrede auf die ruhmreichen russischen Hochgradbrüder. Nebenbei sei noch erwähnt, daß auch Bela Khun (= Cohn), der „Bluthund von Ungarn“, Kurt Eisner, der durch den Spartakistenputsch in München bekannt wurde, und Sun-Yat-Sen, der 1912 die Revolution in China durchgeführt hat, dem 33. Grad des „Schottischen Ritus“ angehörten.

2. Pluralität und Universalität der Logen

In der liberalen Geisteshaltung, die für Freimaurer aller Richtungen charakteristisch ist, dürfte der Hauptgrund dafür liegen, daß es trotz intensiver Bemühungen bis heute noch nicht gelungen ist, eine einheitlich organisierte Weltfreimaurerei zu schaffen. Eine freimaurerische Weltbewegung in Form einer Weltloge auf internationaler Basis gibt es nicht. Zwar schrieb ein so liberaler Dichter und Schriftsteller wie Thomas Mann im Jahre 1918 in seinen Betrachtungen eines Unpolitischen: „Die Geschichtsforschung wird lehren, welche Rolle die Freimaurer-Weltloge … bei der geistigen Vorbereitung und wirklichen Entfesselung des Weltkrieges gespielt hat.“
Doch bei allen „Erfolgen“, die man den Freimaurern im Hinblick auf die Veränderung der Weltgesellschaft durch Kriege und Revolutionen gewiß nicht absprechen kann: eine Freimaurer-Weltloge war bisher von den Geschichtsforschern deshalb noch nicht zu entdecken, weil den Freien Maurern der „Erfolg“ einer Welt-Einheits-Loge bis zur Stunde versagt geblieben ist. „In den Zwanziger Jahren gab es zwar hier und dort Freimaurerische Bestrebungen, eine ,blaue Internationale`, einen Zusammenschluß der wichtigsten Logenverbände in der Welt, zu gründen. Aber dazu ist es nie gekommen.“
Nicht einmal in einzelnen Ländern ist es möglich, die verschiedenen Großlogen unter einer großen Dachorganisation zusammenzufassen. So sind zum Beispiel in den „Vereinigten Großlogen von Deutschland-Bruderschaft der deutschen Freimaurer“ (VGLvD) die etwa 200 „humanitären Logen“ der Großen Landesloge A.F.u.A.M. mit den traditionellen drei Johannisgraden (Lehrling, Geselle, Meister) und die rund 80 „christliche Logen“ umfassende Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLLFvD), die außer den Johannisgraden noch die sog. Andreas-Grade (4. und 5. Grad) und die Kapitel-Hochgrade kennt, zusammengeschlossen. Außerdem gehören die Große National-Mutter-Loge „Zu den drei Weltkugeln“ (GNML3W) mit rund 25 Logen, die Province of British Freemasons mit rund 10 Logen und die American-Canadien Provincial Grand Loge, A.F.u.A.M. mit rund 40 Logen als Provinzialgroßlogen der VGLvD an. Außerhalb dieser Vereinigten Großlogen stehen im wesentlichen folgende Logen:
1. Der Schottische Ritus (mit 33 Graden unter einem Großkommandeur),
2. Der Rektifizierte Schottische Ritus (4 Stufen, Schottenloge, Innerer Orient unter einem Großprior),
3. Der York Ritus (5 Stufen = 33 Grade, Markmeister, Altmeister, Kapitel, Großrat und Komturei unter einem Großkomtur) und einige Sondergruppen wie etwa der „Großorient von Deutschland“ und der „Droit Humain“, der auch Frauen in seine Tempel aufnimmt.
Auf dem Großlogentag der A.F.u.A.M. 1973 in München sagte der Großmeister dieser Großloge, Bruder H. Hinterleitner, in seinem Grußwort: „Auch das Jahr 1972/73 hat uns der einigen und einzigen Deutschen Großloge keinen Schritt nähergebracht, wir werden uns damit abfinden müssen.“
Der Berichterstatter, Bruder R. Appel, bemerkt dazu: „Wer die Hauptversammlungen dieser Großloge in den vergangenen Jahren verfolgt hat, der weiss, daß den energischen Impulsen nach mehr Einheit stets auch die Entschiedenheit nach Kündigung der Magna Charta gegenüberstand.“
Auf die Kritik, die während der Versammlung an der Entwicklung der Vereinigten Großlogen von Deutschland geübt wurde, antwortete deren Großmeister, Bruder F. Heller, und bat um Geduld. Auch gab er zu, daß von manchen die Aufgaben und Probleme der VGLvD unterschätzt worden seien.
Die anschließende Diskussion – die ganze Bandbreite von den Vertretern der einen Großen Loge bis zu denen der Aufkündigung der Magna Charta wurde sichtbar – schälte die Frage heraus, ob nicht anstelle der Magna Charta ein besserer Vertrag treten solle. Altgroßmeister Bruder Theodor Vogel bat darum, solche Überlegungen nicht anzustellen und gab eine längere Ausführung über die Entwicklung der Freimaurerei in Deutschland von 1945 bis 1958 … Dann gab Br. Hinterleitner die neuen Leitgedanken aus: Wer die Vereinigten Großlogen von Deutschland zerstört, der zerstöre auch die GLA.F.u.A.M. Es gelte, sich von den Illusionen zu befreien. Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gelehrt, daß zu wenig Information über die Partner der Magna Charta vorhanden gewesen sei, was zu manchen Fehlschlüssen geführt habe. Eine Großloge dürfe nicht von Wunschdenken geleitet werden. ’Meine Brüder‘, sagte er, respektiert die GLLFvD wie auch wir respektiert werden wollen. Das ist die rechte Partnerschaft. Er fragte weiter, warum es denn unbedingt die eine Große Loge von Deutschland sein müsse, wenn die Möglichkeiten brüderlichen, aufrichtigen Zusammenwirkens noch nicht ausgeschlüpft seien. Die Aufgaben der VGLvD seien klar: Die Beziehungen zu den anderen Großlogen der Welt zu pflegen und für das Inland den Rahmen zu bieten, in dem sich heute Freimaurerei in Deutschland darstelle“ (Die Bruderschaft, Jhrg. 15, S.158).
Aus einer freimaurerischen Selbstdarstellung wie dieser, kann auch der „profane“ Leser mancherlei Erkenntnisse gewinnen. Vor allem jene, daß es bei aller organisatorischen Zersplitterung und Pluralität der Auffassungen innerhalb der Großlogen doch so etwas wie eine universale Solidarität aller Freimaurer gibt, d. h. ein weltweites brüderliches Zusammenstehen und Zusammenwirken. Das gilt auch für die beiden großen Richtungen der Weltfreimaurerei, die seit 1877 aus religiösen Gründen gespalten sind: die “reguläre Freimaurerei“, die mit der englischen MutterLoge an dem Bekenntnis zu dem deistisch verstandenen „Baumeister der Welten“ festhält und die “irreguläre Freimaurerei“, die unter der Führung des GroßOrient von Frankreich vor allem in den romanischen Ländern und in Lateinamerika arbeitet, als militante AntiKirche auch Atheisten aufnimmt und jede religiöse Bindungspflicht ablehnt. Trotz solcher ideologischer Differenzen arbeiten Vertreter dieser beiden Richtungen in gewissen Bereichen brüderlich miteinander zusammen. Francis Viaud erklärte als Großmeister des GroßOrients von Frankreich auf der Generalversammlung im Jahre 1952 ausdrücklich, daß der Groß-Orient sich nicht darauf einlassen werde, von seinen Mitgliedern den Glauben an „Gott“ zu verlangen, er werde aber in bestimmten Aktionen mit allen Freimaurern zusammenarbeiten.
Um ein Bild über die weltweite Freimaurersolidarität gewinnen zu können, ist ein kurzer Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung und Ausbreitung der Logen notwendig.
Der Name „Freimaurer“ stammt ursprünglich aus dem Mittelalter und bezeichnete dort die Mitglieder einer großen kirchlichen Brudersdiaft, die als Maurer wie andere Handwerker auch, in Zünften organisiert, jedoch nicht an den örtlichen Zunftzwang gebunden waren, sondern als freie Maurer von Ort zu Ort zogen und ihre Bauhütten (Logen) errichteten. Sie arbeiteten als Architekten, Bildhauer und Steinmetzen an den großen Domen und Kirchen des Mittelalters und verfügten über große fachliche Kenntnisse, die sie Außenstehenden gegenüber geheimhielten. Durch geheimnisvolle symbolische Zeichen (Bilder, Worte, Griffe und Handlungen) und Riten führten sie ihre Mitglieder stufenweise als Lehrlinge, Gesellen und Meister in die Baukunst ein. Zur Zeit der Renaissance und der Glaubensspaltung („Reformation“) gerieten die kirchlichen Freimaurerbruderschaften mehr und mehr in Verfall oder sie verwandelten sich in reine Geselligkeitsklubs, die seit 1614 auch Angehörige anderer Gesellschaftskreise, besonders aus dem Adel, aufnahmen. Das war vor allem in dem konservativen England der Fall. Damals ging die Werkmaurerei in die Geistesmaurerei über. Die alten Bezeichnungen blieben, bekamen aber einen neuen Inhalt. Der Versammlungsort dieses Klubs, meist ein Gasthaus, war nun zur Loge (lodge = Bauhütte) geworden. Später verstand man unter „Loge“ die Vereinigung der freien Maurer selbst, die gewöhnlich den Namen ihres Versammlungslokals zur Bezeichnung ihrer „Loge“ wählten.
Aus den mittelalterlichen Steinmetzgilden sind im Laufe der Zeit neue brudersdiaftlidie Vereinigungen geworden, die für ihre geistige Maurerarbeit die Begriffe und Zeichen der alten Maurerbünde übernahmen, ihnen jetzt aber symbolisdie Bedeutung gaben. Die Geburt der „symbolischen oder spekulativen Maurerei“ war damit eingeleitet. Nachdem anfangs Geselligkeit und Bruderhilfe im Vordergrund ihrer Bestrebungen standen, drangen in die Logen nach und nach immer stärker weltanschaulidie Ideen ein. In dem konfessionell zersplitterten England des 17. Jahrhunderts konnten sich besonders die Gedanken des Deismus und Rationalismus ausbreiten und mit ihnen die Ideale der Aufklärung, die eine universale Menschheitsverbrüderung und Einheitsreligion herbeiführen und damit dem Streit der Religionen und Konfessionen und allen Kriegen ein Ende setzen sollten. Der ebenso grandiose wie utopische Traum vom „ewigen Frieden“ hat in diesem Aufklärungsoptimismus seine Wurzeln.
Im Mutterland der Freimaurerei, in England, schlossen sich am 24. Juni 1717, am kirchlichen Festtag des Heiligen Johannes des Täufers, vier Londoner Logen zur ersten FreimaurerGroßloge zusammen. Dieser Gründungstag, der als offizieller Geburtstag der Freimaurerei allgemein anerkannt wird  andere Altersangaben haben nur legendären Charakter  wurde gewählt, weil Johannes der Täufer Schutzpatron der mittelalterlichen Werkbruderschaften war. (Es wurde auch daran erinnert, daß der 24. Juni der längste Tag des Jahres ist, auf den die kürzeste Nacht des Jahres folgt, was für mystisch oder symbolisch denkende Maurer vielleicht nicht ohne geistige Bedeutung ist.) Von daher sind auch die Bezeichnungen „JohannisFreimaurerei“ und „JohannisLogen“ zu verstehen. Auf ihren drei Graden bauen alle später entstandenen Hochgradsysteme auf. Die JohannisMaurerei wird auch „blaue Freimaurerei“ genannt, weil sie in ihren Abzeichen die blaue Farbe trägt. Religionsgeschichtlich sei noch daran erinnert, daß genau 200 Jahre nach der abendländischen Glaubensspaltung die von Martin Luther proklamierte „Freiheit des Christenmenschen“, besonders seine Absage an Papsttum und kirchliches Lehramt, in den negativen Freiheitsbegriff der Freimaurerei umgeschlagen ist.
Die Logen haben sich radikal freigemacht von der göttlichen Offenbarung und dem ihr eigenen Freiheitsbegriff, der in der Wahrheit gründet, die Christus ist und die er in seiner Kirche und durch sie verkündet. Anstelle der göttlichen Wahrheit, die frei macht (Joh. 8,32) sucht der aufgeklärte und freie Maurer nun das Heil im Aufbau einer neuen Welt, in der nicht mehr Gott, sondern die menschliche Vernunft über Wahrheit und Freiheit entscheidet und verfügt. Die Geschichte des Turmbaus zu Babel wiederholt sich aufs neue. Die Tragödie des „Humanismus ohne Gott“ nimmt ihren Lauf und führt schließlich zur totalen Unfreiheit im gottlosen Bolschewismus, der 200 Jahre nach dem Ereignis von 1717 die letzte Konsequenz der Entfremdung von Gottes Wahrheit offenbart und mit revolutionärem Fanatismus seinen Weg in die Geschichte beginnt.
Die schnell sich ausbreitende Freimaurerei hat diese Entwicklung entscheidend beeinflußt und vorangetrieben. Schon 1725, zwei Jahre nach der Einführung des Konstitutionsbuches mit den „Alten Pflichten“, die der englische Theologe James Anderson, Prediger an der schottischen Presbyterianerkirche in London als Glaubensbekenntnis der Freimaurer formulierte, entstanden die Großloge von Irland und die erste Loge in Paris. Drei Jahre später, 1728, wurde die erste Loge in Madrid gegründet, 1730 entstand die erste englische Kolonialloge in Kalkutta und die erste Loge in den USA. Hier kam es 1733 zur Bostoner Großloge. Benjamin Franklin gab 1734 die Konstitutionen von Anderson für die USA heraus.
In Lissabon, Den Haag und Stockholm sind 1735 erste Logen gebildet worden, 1736 folgten die Großloge von Schottland und die Großloge von Frankreich, die seit 1773 „Grand Orient de France“ genannt wird und in der Folgezeit beherrschenden Einfluß auf die Loge in den romanischen Ländern und auch in Lateinamerika gewann. Im Jahr 1737 wurde erstmals ein Mitglied des englischen Königshauses in die Freimaurerei aufgenommen.
Die erste deutsche Loge konstituierte sich am 6. Dezember des gleichen Jahres in Hamburg und gab sich die Bezeichnung „Absalom zu den drei Nesseln“. Schon acht Monate später nahm Stuhlmeister Baron von Oberg in einer mitternächtlichen Zeremonie das 31. Mitglied dieser Loge auf: den jungen Kronprinzen Friedrich von Preußen, den späteren Friedrich II.
Weitere Logengründungen folgten. In Berlin: 1740 die Loge „Zu den drei Weltkugeln“, die seit 1744 als Großloge besteht. Die „Großloge der Freimaurer von Deutschland“ entstand 1770 ebenfalls in Berlin. Sie entwickelte sich später zu dem „christlichen FreimaurerOrden“ (FO). Heute trägt sie den Namen „Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland“. Die „Großloge von Preußen genannt Royal York zur Freundschaft“ wurde erst 1798 in Berlin gegründet.
Im Jahr 1757 ist die Großloge der Niederlande, 1760 die Große Landesloge von Schweden, 1775 die erste Schwarzen Loge in den USA, 1784 der Großorient von Polen und Litauen, 1815 die Großloge von Rußland, 1822 die erste südamerikanische Großloge in Brasilien, 1824 die erste mittelamerikanische Großloge in Haiti, 1833 die Großloge von Belgien errichtet worden. In der Schweiz begann die Großloge 1844, in Luxemburg 1849, in Kanada 1855, in Dänemark 1858, in Portugal 1859, in Italien 1861, in Griechenland und Spanien 1868, in Ungarn 1870/ 1871, in Australien 1884, in Norwegen 1891, in Jugoslawien 1909, in der Tschechoslowakei 1920, in Polen 1921 und in Rumänien 1923.
Schon früh wurde die Ausbreitung der Freimaurerei durch Verbote in mehreren Ländern erheblich erschwert. So gab es Verbote in den Niederlanden (1735), in Frankreich (1737), in Hamburg (1738), das erste kirchliche Verbot durch Papst Clemens XII. (28. 4. 1738), in Florenz (1739), in Wien und Lissabon (1743), in Bern (1745), in der Türkei (1748), in Rußland (1796), in Spanien (1813), in Ungarn (1820), in den USA (1826). Heute ist die Freimaurerei in der Sowjetunion und den Ostblockstaaten sowie in Spanien, Ägypten, Pakistan und in den übrigen islamischen Staaten verboten.
Die Konferenz der moslemischen Weltorganisation „Motamar AlMunazzamat AlIslami“ hat 1974 die Mitgliedschaft von Moslems in Freimaurerlogen sowie in Rotary- und LionsClubs als mit dem Islam unvereinbar erklärt und untersagt. Bereits 1973 war die Freimaurerei in Pakistan verboten worden. Unter dem Titel: Das „Licht ist erloschen“ teilt ein anonymer Autor dazu unter anderem folgende Einzelheiten mit:
“Die Regierung Pakistans hat im Zusammenwirken mit dem nationalen Islamkonzil die Freimaurerei im Bereich der Islamischen Republik verboten. Diese Erklärung gab am 7. Juni dieses Jahres (1973) Innenminister Abdul Oayyum Khan vor der Nationalversammlung in Islamabad ab. Abdul Oayyum Khan führte dabei aus, der Bann gegen die Freimaurerei sei auf einen Antrag hin ausgesprochen worden, den das Parlament des Bundesstaates Pandschab am 6. Dezember 1972 vorgelegt habe. Die Logengebäude in ganz Pakistan würden beschlagnahmt und in Schulen und andere Unterrichtsstätten umgewandelt. Islam und Freimaurerei seien unvereinbar … Da Pakistan als moslemische Führungsmacht anerkannt ist, kann nun mit einem Bann seitens der internationalen Hohen Islambehörden gerechnet werden, die im Dezember 1973 und Januar 1974 in Beirut und in Mekka zusammentreten werden. Um die Hintergründe der pakistanischen Maßnahmen nochmals ins Gedächtnis zu rufen, hier der Wortlaut des pandschabischen Antrages, aus dem man bereits die Ansätze zu einem generellen Verbot herauslesen kann: Unser Volk  so heißt es da u. a.  hat den Eindruck, daß die Freimaurerlogen eine Unterorganisation des internationalen Zionismus sind. Sie arbeiten daher gegen die Interessen unseres pakistanischen Volkes. Deshalb stellt das Parlament des Pandschab den Antrag, die Freimaurerlogen in der islamischen Republik zu verbieten.‘ Die pakistanisehe Regierung ist am 7. Juni dieses Jahres, am Vorabend des Todestages des Propheten Mohammed, diesem Antrag aus dem Pandschab gefolgt. Ein spektakuläres Datum; denn der Prophet des Islam spielt in der uralten Tempelbaulegende eine zentrale Rolle als Empfänger des adamschen Meisterschurzes  und die alte orientalische Maurerei sieht in ihm ihren Stifter.“
Der Verfasser hat vorausgesehen, daß die anderen Moslemstaaten dem Beispiel Pakistans folgen werden und stellt im Anschluß daran „nach freier Maurer Art“ seinen Maurerbrüdern in Deutschland einige ebenso unbefangene wie aufschlußreiche Fragen. „Es war gut und brüderlich“, schreibt er, „daß unsere Großloge dem israelischen Großmeister nach dem Verbrechen in München eine Beileidsbekundung zugehen ließ. Wo aber blieb ein tröstendes Wort gegenüber dem libanesischen Großmeister, als Israelis im ’Gegenschlag‘ oder zu anderer Gelegenheit arabische Kinder und Mütter mordeten? Drängt sich hier nicht die Frage auf, ob der eine Mörder eben Mörder ist und der andere  trotz Mord  ein Gentleman? Oder billigt die Freimaurerei in der Nahost-Frage gar das inhumanitäre ’Auge um Auge, Blut um Blut‘? Warum hält unsere Großloge, prädestiniert durch leidvolle Erfahrung, die Großmeister in der nahöstlichen Welt nicht an, mutig gegen die Greueltaten gegenseitigen Völkermordes aufzustehen, sich brüderlich zu begegnen  dem Haß mit Liebe entgegenzutreten? Deutsche Freimaurer stifteten für die Hinterbliebenen der Opfer von München, sie betreuen israelische Jugendgruppen. Gut. Wo aber bleibt das humanitäre Gewissen deutscher Freimaurer gegenüber den Opfern von Beirut, die ja obendrein noch Christen waren? Gibt es eine doppelte Moral? Wir werden aufgefordert, Bäume für den Märtyrerwald in Israel zu stiften. Gut, stiften wir. Aber würden wir das auch für einen arabischen Märtyrerwald tun? Oder sind die Ermordeten dort keine Märtyrer?“

Er ruft dann seinen Brüdern ins Bewußtsein, daß „diese Versäumnisse sicherlich mit zum Verbot führten“, möchte aber nicht mißverstanden werden, denn, so schreibt er, „zu viele Juden sind meine Brüder“. 
Schließlich zitiert er aus dem Brief eines alten und erfahrenen deutschen Freimaurers vom April 1973 folgende Sätze:
„Die einseitige Stellungnahme der deutschen Freimaurerei zugunsten Israels bedrückt mich. Helfen Sie also, mit dem Gebrauch der Wasserwaage, das Gleichgewicht maurerischer Toleranz im Bereich der deutschen Bruderschaft wieder herzustellen.“ Im Anschluß an dieses Zitat fragt er: „Wenn das schon einem deutschen Bruder auffällt, sollte diese Tendenz dann dem Islam verborgen bleiben?“  (Die Bruderschaft, Jhrg. 15, Nr. 8/9).
Der angeführte Bericht läßt  wie durch einen schmalen Spalt hindurch  einen gewissen Einblick gewinnen in die internationale Verflechtung und Solidarität freimaurerischer Aktivitäten, über alle Grenzen von Religionen und Rassen hinweg. Außerdem deutet er das besonders seit der Mitte des 19. Jahrhunderts weit über Deutschland hinaus bemerkbare starke Gewicht und die einflußreiche Macht des jüdischen Elements innerhalb der Freimaurerei an. Der anonyme Verfasser rechnet nämlich damit, daß seine mutigen Fragen eine Protestwelle gegen ihn auslösen könnten. Ein weiteres Zeugnis für die beispielhafte WeltBruderkette, die Freimaurer aus allen Erdteilen miteinander verbindet, war am 29. September 1962 auf dem 5. Deutschen Freimaurerkonvent in der Frankfurter Paulskirche aus dem Munde des weitestgereisten und meistfotografierten deutschen Freimaurers, des Altgroßmeisters Theodor Vogel, zu vernehmen. Er erklärte stolz:
“Es lohnt sich nicht, die Liste aller Großlogen des Erdballs aufzuzählen, mit denen die Vereinigte Großloge heute Vertretungen austauscht. Es genügt, die Großlogen zu nennen, mit denen sie noch keine regulären Beziehungen unterhält: Island, Pennsylvanien, Utah, BritischKolumbien, Neuseeland.“  Ein anderes VogelZitat:
“Ich war mit schwarzen, braunen und gelben Maurern an der Logentafel gesessen, ich habe mit dem Bruder aus Tokio und Manila, aus Reykjavik und Tucson, aus Teheran und Ankara, aus Algier und Tel Aviv, aus Sao Paulo und Dublin, aus Korsika und von den Antillen beim festlichen Mahl das Brot gebrochen.“ (Der Spiegel, S.54)
Wenn nun in der islamischen Welt das „Licht“ der Logen ganz erloschen ist, so ist dadurch die weltweite Bruderkette gewiß um viele wichtige Glieder ärmer geworden.
Es ist dies ein schwerer Schlag und ein schmerzlicher Verlust für die Vertreter der „Königlichen Kunst“, deren weltumspannender Tempelbau dadurch einen erheblichen Rückschlag erlitten hat. Doch damit wird ihre Position als Weltmacht  und das ist die Freimaurerei trotz aller Zerrissenheit und Krisen und trotz zahlreicher gegenteiliger Behauptungen nach wie vor  wahrscheinlich nicht entscheidend verändert.
Ein „Geheimbund“ – heute spricht man von „geschlossener Gesellschaft“ – wie die edle Maurerzunft hat doch im Laufe der Jahrhunderte reiche Erfahrungen mit der „Schwarzarbeit“ im Untergrund gesammelt. Die Sache der Freien Maurerei wird anderswo um so besser weitergehen, die Anstrengungen können zur Erreichung anderer, schon lange abgesteckter Ziele verstärkt werden. Mit konzentrierter Kraft kann nun die antichristliche Revolution weitergeführt werden.

3. Das utopische Endziel der freien WeltMaurer
Mancher kritische Zeitgenosse wird sich wohl an den Kopf gegriffen haben, wenn ihm am Ende der vorgängigen Skizzierung die in sich uneinige und scheinbar schwache Maurerzunft gar als „Weltmacht“ mit dem Ziel einer „antichristlichen Weltrevolution“ vorgestellt wurde. Sind solche für Freimaurer ebenso schmeichelhaft wie verletzend klingende Formulierungen nicht Ausdruck einer anachronistischen Freimaurerhetze, die den Blick für Realitäten verloren hat und deshalb auf keinen Fall ernst genommen werden darf?
Hat sich nicht gerade nach dem 2. Vatikanischen Konzil das Verhältnis der Freimaurerei zur Katholischen Kirche und umgekehrt entscheidend und grundlegend zum Besseren verändert? Und wie kann man den Logen „antichristliche“ Absichten und Tendenzen unterstellen, wo es doch innerhalb der Freimaurerei selbst eine angesehene „christliche“ Richtung gibt, die Christus sogar als ihren „Obermeister“ anerkennt?
Solche Fragen sind sicher berechtigt und dürfen nicht ohne Antwort im Raum stehen bleiben. Sie werden in den folgenden Ausführungen Schritt für Schritt beantwortet, und der Leser mag sich darüber selbst ein sachliches Urteil bilden, wenn er diese Schrift zu Ende gelesen hat.
Was will die Freimaurerei eigentlich? Will sie mit ihrer königlichen Baukunst nicht einen geistigen Tempel errichten, in dem die gesamte Menschheit in „Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit“ vereint ist? Will sie nicht ihr „Licht“, das Licht der Aufklärung“, in der Finsternis“ unserer Welt überall entzünden und ihrer Humanität und ihrer Toleranz, d. h. ihrer Weltanschauung  oder wenn man will: ihrer Ideologie  weltweite Geltung verschaffen? Will sie nicht, daß ihre Ideen, die man als „Heilslehre“ bezeichnen darf, auf der ganzen Welt zur Herrschaft gelangen und den Aufbau einer neuen und besseren, einer heilen Welt, endlich vollenden? Hat sich nach Meinung der Freimaurer das konfessionelle Christentum, das doch der Menschheit das Heil und die Erlösung schon seit fast 2000 Jahren bringen will, nicht als unfähig erwiesen, seiner Heilssendung gerecht zu werden? Haben die christlichen Kirchen in der Verwirklichung ihres Heilsauftrages nicht kläglich versagt und ist aus diesem Grund die Freimaurerei, wie Lessing sagt, nicht „etwas Notwendiges, das in dem Wesen des Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft gegründet ist“?
In einem „Allgemeinen Handbuch der Freimaurerei“ aus dem Jahr 1900 wird die Freimaurerei beschrieben als „geschlossener Bund, der unter Formen, die dem Handwerk entlehnt sind, für die Wohlfahrt der Menschheit arbeitet und bestrebt ist, sich und andere zu veredeln und einen allgemeinen Menschheitsbund herbeizuführen“.
Eine klare und umfassende Definition dieser Art findet man in modernen maurerischen Selbstdarstellungen kaum noch. Vergleicht man damit etwa die Thesen, die der Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit der Vereinigten Großlogen von Deutschland über Grundlage, Wesen und Aufgabe der Freimaurerei im Jahre 1970 veröffentlicht hat, so wird besonders dem NichtEingeweihten der Unterschied auffallend deutlich. 

Er schreibt u. a.:
“Grundlage der Freimaurerei ist die Einsicht, daß alle mit den Menschen gegebenen Konflikte ausgetragen werden können, ohne sich zugleich zerstörerisch gegen andere Menschen zu richten, wenn nur ein ausreichendes Vertrauensverhältnis zwischen den Menschen verschiedener Überzeugung geschaffen werden kann.
Objekt der Freimaurerei ist der einzelne Mensch, der deshalb, ganz im Sinne eines ethischen Imperativs, durch permanente Aufklärung in einer brüderlichen Gemeinschaft dazu befähigt werden soll, sich und seine Mitmenschen ungeachtet aller Gegensätze in jedem Augenblick mit der Menschheit als Ganzes zu identifizieren. Sie bringt ihr Bemühen auf die Formel, daß sie den Menschen sittlich vervollkommnen wolle, wobei sie davon ausgeht, daß auch die sittlichen Normen einem ständigen Wandel unterworfen sind. Sie verweist deshalb, auf ihre Grundlagen angesprochen, auf Freiheit, Toleranz und Brüderlichkeit, die zwar auch ständig neu zu definieren sind, von deren Kern aber nichts aufgegeben werden darf.
Freimaurerei versteht sich also als angewandte Humanität, die nicht organisiert oder aufgezwungen, sondern aus eigenem Entschluß im täglichen Leben praktiziert wird. Sie setzt voraus, daß Konflikte zwischen Menschen und Menschengruppen unvermeidlich sind, zeigt aber zugleich die Grenzen auf, in denen diese Konflikte ausgetragen werden können, ohne dem Ganzen zu schaden und damit selbstzerstörerisch zu wirken …
Die Freimaurerei geht also von dem aus, was allen Menschen  einschließlich ihrer Konflikte  gemeinsam ist, und das bedeutet, daß sie sich in dem gleichen Maße wandelt, wie sich das Bild ändert, das sich jede Zeit vom Menschen macht. So kann der einzelne Freimaurer, je nach dem Zeitgeist, ebenso dazu veranlaßt sein, zum Widerstand gegen den Staat zu ermuntern, wenn dieser die Freiheit seiner Bürger zugunsten eines verabsolutierten Kollektivs beseitigen will, wie den Staat bei seinen Gemeinschaftsaufgaben zu unterstützen, wenn die Grundlagen des Staates ein Opfer hemmungsloser Eigen oder Gruppeninteressen zu werden drohen. Die Freimaurerei läßt sich deshalb mit keinem Prädikat belegen, das Menschen nur zufällig und nur zeitbedingt anhaftet: pazifistisch oder patriotisch, revolutionär oder reaktionär, liberal oder autoritär, sozialistisch oder elitär, national oder weltbürgerlich. Der einzelne Freimaurer mag dieser oder jener Idee zuneigen, der Freimaurerei selber geht es nur um die Einsicht des Freimaurers, daß jeder Mensch, sei er nun Freund oder Feind, unabhängig von seinen Ideen, zunächst und vor allem ein Mensch ist, der in gleicher Weise wie er selbst mit der Menschheit als Ganzes identifiziert werden muß.
Um das Bewußtsein, daß ein Mensch zunächst mit der Menschheit und dann erst mit der von ihm vertretenen Idee zu identifizieren ist, zu wecken und zu fördern, bedient sich die Freimaurerei einer nur ihr eigentümlichen Methode … Auf diese Weise hat es in der Freimaurerloge der Mensch mit nichts anderem als nur mit seinem Mitmenschen zu tun, wie er sich darstellt, wenn man ihn aller besonderen Überzeugungen, Vorurteile und zeitlichen Titel entkleidet. Vom Mitmenschen bleibt nur noch übrig, was an ihm Mensch ist, allein das allen Menschen Gemeinsame kann sich manifestieren, und der Mitmensch wird somit weitgehend zum eigenen Spiegelbild …
Der Mensch wird hier in einmaliger Weise aus seinen besonderen Verhältnissen herausgelöst und ausschließlich auf den Mitmenschen fixiert. Der bezwingende Einfluß dieser besonderen psychologischen Lage wird überdies noch durch die der Freimaurerei eigentümlichen rituellen Handlungen verstärkt, in denen die Brüderlichkeit aller Menschen feierlich beschworen wird, wobei die Werkzeuge des Bauhandwerks dazu dienen, als Symbole die tätige Teilnahme eines jeden an einem unteilbaren Ganzen, nämlich der Menschheit, zu versinnbildlichen.
Auf diese Weise wird, so meint die Freimaurerei, die zwischenmenschliche Beziehung, losgelöst von jeder besonderen Bindung, so stark in das Bewußtsein des einzelnen Freimaurers gerückt, daß dies nicht ohne Einfluß auf sein Wirken in der nichtfreimaurerischen Umwelt bleiben kann. Sein so geschärftes Vermögen, zwischen Mensch und Sache zu unterscheiden, und seine rational und emotional geförderte Einsicht, daß im Zweifelsfalle erst der Mensch und dann die Sache kommen müsse, werden ihn dann auch im täglichen Leben entsprechend handeln lassen …
Sowohl das, worin alle Freimaurer übereinstimmen, als auch das, worüber ihre Ansichten auseinandergehen, trägt somit dazu bei, die Freimaurer zu einer Gemeinschaft so unterschiedlich gesinnter Menschen zu machen, wie sie in keiner anderen Vereinigung anzutreffen sind.
Die Spannweite der Freimaurerei und ihr Integrationsvermögen, das Gegensätze nicht aufheben, sondern fruchtbar machen will, erklärt, warum in ihr nicht nur Gleichgesinnte, sondern gerade Ungleichgesinnte zusammengeschlossen sind …
Die Freimaurerei erfüllt auf diese Weise die selbstgestellte Aufgabe, Menschen, die sich ihren Überzeugungen nach feindlich gegenüberstehen, zu veranlassen, ihre Konflikte in einer Atmosphäre gegenseitigen menschlichen Vertrauens auszutragen. Da Welt und Menschen sich ständig wandeln, das Vertrauen ununterbrochen erschüttert wird und immer wieder neu begründet werden muß, bleibt der Freimaurerei ihre besondere Aufgabe erhalten, solange es Menschen gibt.“ (R.Appel/D.Möller, Was ist Freimaurerei, Hamburg 1970, S.9-15)
Mit vielen Worten hat der Verfasser hier dem Nicht-Eingeweihten doch nur wenig mehr als nichts gesagt. Wahrscheinlich hat er auch gar nicht beabsichtigt, den “Profanen“ viel zu offenbaren. Der Kenner der freimaurerischen Geisteswelt freilich wird die Meisterarbeit, die aus den vorliegenden Darlegungen zu erkennen ist, bewundern. In verhüllenden und verschleiernden Wendungen wird zwar auch der auf die „Menschheit als Ganzes“ sich beziehende und erstreckende Weltauftrag des Freimaurers mehrmals ausdrücklich betont, doch so, daß ein Außenstehender wohl kaum die Tendenz der Freimaurer nach geistiger Weltherrschaft herauslesen kann, was er ja auch gar nicht soll. Auf die einzelnen Aussagen dieser „Zeichnung“ werden wir im Zusammenhang mit der Frage nach dem Verhältnis von Freimaurerei und Kirche näher eingehen müssen.
Die universale Bruderkette und der Tempel der Freimaurerei erstreckt sich jedenfalls „von Osten nach Westen, von Süden nach Norden und vom Mittelpunkt der Erde bis zu den Sternen“, wie es bei den Freimaurern heißt. Die individuelle Selbstvervollkommnung des Maurers, die Arbeit am „rauhen Stein“, die so geschehen muß, daß der zugerichtete Stein sich „winkelrecht in den Bau des Tempels einfügen“ läßt, genügt nicht. Denn nach freimaurerischer Tradition ist „alle zu erreichende Vollendung des einzelnen ohne Wert, wenn sie nicht in den Dienst an der menschlichen Gesellschaft gestellt wird …
Darum muß der Freimaurer, auch über den engen Kreis seines Lebens und seiner Loge hinaus, seinen Blick beständig auf die ganze Menschheit gerichtet halten und nach Kräften alles fördern, was dem Frieden und der Verständigung zwischen allen Menschen und Völkern dient. Diese Arbeit am Tempelbau der Menschheit wird oft des Dankes und der Anerkennung durch die Zeitgenossen entraten müssen, aber er ist verpflichtet, einen Baum auch dann zu pflanzen, wenn er selbst nicht mehr in seinem Schatten ruhen wird.
Dies ist die höchste Lehre, die der Freimaurer seinem symbolischen Brauchtum zu entnehmen vermag, sich als ein Werkzeug zu erkennen im Dienste des Großen Baumeisters der Welt, um die Menschen  ungeachtet ihrer zufälligen äußeren Unterschiede  zu Brüdern zu machen“. (H.Vollkammer, Was ist Freimaurerei, S.33)
Bei der so notwendigen und wichtigen „Arbeit am Tempelbau der Menschheit“ spielen die der Freimaurerei eigenen Symbole eine unverzichtbare Rolle. Sie sind nicht nur das geeignete Mittel, um die besondere Lehre der Tempelmaurer vor den NichtEingeweihten geheimzuhalten, sondern „dienen auch als das ihnen verständliche Bindemittel untereinander dort, wo die Sprachen die Völker trennen. Freimaurer unterschiedlicher Sprache und Nation würden einander fremd sein, aber Symbole und Zeichen führen sie als Brüder zusammen.
Die Symbolik der Freimaurer ist darum eine Eigentümlichkeit, durch die sich die Freimaurerei wesentlich von Institutionen und Gesellschaften ähnlicher Geisteshaltung unterscheidet. Sein und Leben einer Loge besteht aus diesen überlieferten und immer gültigen Formen. Verlangte man die Preisgabe dieser in der Abgeschlossenheit der Loge angewandten Symbolik, würde man das Auslöschen der Freimaurerei betreiben“ (R.Appel, S.27).
Festzuhalten bleibt also, daß Lehre und Brauchtum der Logen hinzielen auf die Errichtung eines weltumspannenden geistigen Tempelbaues. Das Wort des Freimaurers und Philosophen Johann Gottlieb Fichte, daß der Freimaurer das Vaterland der anderen achte, das seine aber liebe und sein in Freimaurerkreisen oft zitiertes anderes Wort, daß Vaterlandsliebe die Tat, dagegen Weltbürgersinn der Gedanke des Freimaurers sei, muß nach K. Bona dahin revidiert werden, „daß immer mehr Weltbürgersinn des Freimaurers Tat wird“. (R.Appel, S.76).
Letzten Endes hat Christoph Martin Wieland doch recht, wenn er über die zwar national geprägte, jedoch international nicht nur durch Ideen, sondern auch durch Taten miteinander verbundene Freimaurerei schreibt:
“Es ist eine der wesentlichsten Bedingungen unseres Bundes, alle Menschen, ohne Rücksicht auf Stand, Religionsunterschied, bürgerliche und nationale Verhältnisse, als unsere Brüder anzusehen und zu behandeln. Der Freimaurer ist als solcher kein Bürger dieses oder jenes Staates, er ist ein Weltbürger, oder genauer im Geiste unserer Weihe zu reden, ein Theopolit, Gottesbürger, ein Mitglied der allumfassenden Stadt Gottes.“
Von den Freimaurern in Deutschland war in einer Illustrierten 1964 zu lesen: „Sie stellen neben den Gedanken der Liebe zum Menschen, den das Christentum seit nunmehr rund 2000 Jahren verkündet, ihre ebenso großartige Utopie, daß die Menschen aus der Vernunft heraus zu einer Lösung aller Probleme kommen, wenn man will: Zu einer Weltregierung.“ (H. Lohfeldt, a.a.O. S.65)
Damit ist endlich das politische Endziel der Welt-Maurerei ohne Umschweife und diplomatische Verschleierungstricks beim Namen genannt. Tatsächlich ist es der geheime und offene Traum der maurerischen Weltpolitik, eine universale Weltregierung in einem universalen WeltEinheitsStaat zu errichten. Nicht zuletzt um dieses Endziels willen waren einflußreiche kosmopolitische Maurerbrüder maßgeblich an der Gründung der „Organisation der Vereinten Nationen“ (United Nations Organization = UNO) beteiligt, die ihr „Hauptquartier“ in New York haben und 1945 an Stelle des Völkerbundes traten, der sich 1920 in Genf konstituiert hatte. Über die Absichten und politischen “Erfolge“ der UNO mag man streiten. Das markanteste, mutigste und aufrichtigste Wort, das über die UNO bis heute gesagt wwurde, stammt nach meiner Meinung von A. Solschenizyn, der sie „eine unmoralische Institution in einer unmoralischen Welt“ nannte.
Über den einen WeltStaat und die eine WeltRegierung gibt es schon seit längerer Zeit Visionen und Vorstellungen, mögen diese der Natur der Sache wegen auch noch ziemlich vage und unausgegoren sein.
So erschien gleich nach dem II. Weltkrieg in Deutschland die Schrift „Aufbruch zum Weltbundesstaat“ von R. Wilbrandt. Der liberale Theoretiker begründet darin die Notwendigkeit eines Weltbundesstaates so: „Der Staat kann nur durch den Staat überwunden werden: der kleine durch den großen, der große durch einen Weltbundesstaat, in welchem sich all die Großen wie die kleinen zu einem einzigen riesigen Staatswesen zusammenschließen. Der Staat bleibt dann als  große oder kleine  Verwaltungsprovinz, endet aber als Souverän. Zwar ohne äußere Politik, würde der Staat zugleich doch fortbestehen: in seinen positiven Leistungen; und zugleich aufhören, Staat zu sein: vermöge Wegfalls jener Bedingung, nur auf sich selbst gestellt zu sein.“ (S. 41f).
Der Verfasser scheut sich nicht, den „Gegner einer solchen Selbstaufhebung, zugleich aber Vollendung des Staates die Dummheit“ zu nennen, die nach seiner Meinung „die stärkste Macht ist“. (S. 43).

Die drei Konsequenzen, die sich aus der Existenz eines Weltbundesstaates objektiv ergeben würden, sieht er so:
1. Der Weltbundesstaat läßt keinen Raum für Expansion. ja, er nimmt
2. dem Einzelstaat die Möglichkeit, auszuschließen, also von sich fernzuhalten, was ihm an menschlichen Qualitäten unerwünscht ist. Noch mehr, er verschließt
3. einer Bevölkerung, die bereits von einer fremden Erobererschicht beherrscht wird  heute deutlich erkennbar und als Fremdherrschaft empfunden in Kolonialländern mit geistig regsamer Bevölkerung, wie Indien, die Möglichkeit der Empörung, der Selbstbefreiung; nimmt ihr also jenes von John Locke so herrlich verfochtene, in Schillers Wilhelm Tell wiederkehrende ’an den Himmel appellieren‘, bis die Fremdherrschaft abgeschüttelt ist“ (S. 45).
Die barbarische Logik, die aus Punkt 3 hervorsticht, läßt dem kritischen Leser erschreckend bewußt werden, daß dieser so konstruierte Weltstaat um des lieben Friedens willen eine unerträgliche Weltdiktatur ausüben müßte. Um mit dem großen russischen Atomphysiker und Bürgerrechtskämpfer A. Sacharow zu reden: die Welt müßte das werden, was die Sowjetunion heute bereits ist: „ein gigantisches Konzentrationslager“.

Wir sehen, wie eng blinder Liberalismus und brutale Diktatur miteinander verwandt sind. Ohne auf weitere Einzelheiten dieser utopischen Traumvision einzugehen, sei zuletzt nur noch die Frage nach der Rolle und Funktion der Religion, bzw. der Religionen in dem von R. Wilbrandt gezeichneten Weltbundesstaat gestellt. Der Verfasser, der auf dieses Problem nur flüchtig eingeht, zitiert in diesem Zusammenhang C. Bornhausen, nach dem „die restlose Überwindung der Selbstsucht der einzige Weg zu Gott“ ist. In dieser „wunderbar zusammenfassenden Formel treffen sich Held, Märtyrer, Christ und Buddhist: als Einzelselbst auf die Welt gekommen, überwinden sie das, werden seelisch zu einem Teilchen Gottes, mit ihm verbunden … Christen und Buddhisten können so leben. Christen, wenn sie nicht dem Dogma leben, sondern der Tat, selbstlos liebend  ja echte Liebe ist so . . .“ (S. 77).
Somit ist also klar die Christen müssen als selbstlos Liebende auf ihr „Dogma“ verzichten, was letztlich auf die Vernichtung des „wahren Christentums“ hinausläuft. Ein dogmenfreies, bekenntnisloses Christentum wäre nicht mehr das von dem historischen Jesus von Nazareth, dem menschgewordenen und wesenhaften, d. h. mit Gott dem Vater wesensgleichen Sohn Gottes gewollte und in seiner auf Petrus und die Apostel gegründeten Kirche anwesende und verleiblichte Christentum. Aber  und das ist unbedingt anzuerkennen  die Ideen R. Wilbrandts decken sich vollständig mit der sowohl a-dogmatischen als auch anti-dogmatischen Ideologie der Freimaurer, die selbst allerdings auch wieder ein Dogma ist, oder wenn man will, eine dogmatische Superreligion. Ein französischer Freimaurer hat das in der geistreichen Formel zum Ausdruck gebracht: „Wir Freimaurer der Tradition gestatten uns das Wort eines berühmten Staatsmannes zu verdeutlichen und zu übersetzen, indem wir es den Umständen angleichen: Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Muselmanen, Hinduisten, Buddhisten, Freidenker und gläubige Denker sind bei uns nur Vornamen. Unser Familienname ist Freimaurerei.“
Übrigens stimmt diese Aussage genau mit den Äußerungen deutscher Freimaurer überein, die wir oben schon zitiert haben. Da ist nämlich zu lesen, daß der Freimaurer sich „mit der Menschheit als Ganzes zu identifizieren“ habe, daß die Freimaurerei „von dem ausgehe, was allen Menschen gemeinsam ist“, daß es der Mensch in der Loge „mit nichts anderem als nur nüt seinem Mitmenschen zu tun hat, wie er sich darstellt, wenn man ihn aller besonderen Überzeugungen … entkleidet“ und von ihm „nur noch übrigbleibt, was an ihm Mensch ist, allein das allen Menschen Gemeinsame“. In der Loge wird der Mensch ja „in einmaliger Weise aus seinen besonderen Verhältnissen herausgelöst und ausschließlich auf den Mitmenschen fixiert“. Das ist ganz klar das absolute humanistische Grunddogma der Freimaurerei, vor dem alle übrigen „besonderen Überzeugungen“ der Menschen zurücktreten und verschwinden müssen. Die “besonderen Überzeugungen“ der Religionen und Konfessionen haben in der Freimaurerwelt nur noch eine deklamatorische oder propagandistische dejureExistenz, de facto sind sie dort zum Tod oder doch zur Unwirksamkeit verurteilt. Solange die Freimaurerei an diesem ihrem Grunddogma festhält, ist sie mit echtem Christentum ebensowenig zu vereinbaren wie Feuer mit Wasser.
Die Idee eines einheitlichen Weltstaates mit einer einheitlichen Weltregierung impliziert nach dem bisher Gesagten nicht nur ein politisches, sondern auch ein religiöses  für uns ein antichristliches  Programm. Bischof R. Graber (Regensburg) hat in seiner außerordentlich aufschlußreichen Schrift zum 1600. Todestag des Heiligen Athanasius darauf hingewiesen, daß im Schoß gewisser Geheimgesellschaften „die Keime für das gelegt wurden, was man später Synarchie nannte, d. h. einen einheitlichen Weltstaat mit einer einheitlichen Regierung, die als Gegenkirche geplant ist…  Pierre Virion vor allem gebührt das Verdienst, auf diese Geheimgesellschaften in seinen Schriften  aufmerksam gemacht zu haben. Wenn man nur einen Bruchteil dessen liest, was Virion aus all den heute so ziemlich verschwundenen Schriften der geheimen Wortführer zusammengetragen hat, so ist man erstaunt und entsetzt, daß hier gegen Ende des vorigen Jahrhunderts bereits alle Ideen auftauchen, die heute in der nachkonziliaren Zeit die Kirche auf eine Zerreißprobe stellen. Dabei ist jedoch zu beachten, daß alle diese destruktiven Gedanken insgeheim auf ein einheitliches Ziel ausgerichtet sind, nämlich die Gegenkirche oder die „neue“ Kirche zu schaffen, indem man die alte Kirche unterminiert und umfunktioniert und zwar weniger durch einen von außen kommenden Angriff, sondern, wie man heute im politischen Raum sagt, durch den „Marsch durch die Institutionen“. Wir haben den französischen Ausdruck für alle diese Bestrebungen schon einmal genannt, nämlich Synarchie. Es handelt sich hier um die Summe von geheimen Mächten aller“ Orden“ und Schulen, die sich zusammengetan haben, um eine unsichtbare Weltregierung zu bilden. Politisch erstrebt die Synarchie die Integration aller sozialen und finanziellen Mächte, die diese Weltregierung unter sozialistischer Führung natürlich zu tragen und zu fördern hat. Der Katholizismus würde folglich wie alle Religionen von einem universellen Synkretismus absorbiert werden. Er würde beileibe nicht unterdrückt, sondern integriert werden, wobei das Prinzip der Kollegialität dies bereits deutlich anvisiert. Man sieht gerade hier, welch unterirdische Konsequenzen die Prägung solcher neuer Worte hat. Im Letzten würde die Synarchie, voll verwirklicht, die Gegenkirche bedeuten … Der Plan der Synarchie wurde in den Jahren 1880  1890 ausgearbeitet.“ (R. Graber)
Der englische Journalist und Schriftsteller D. Reed, der von 1928  1935 Korrespondent der „Times“ in Berlin und von 1935  1938 Chefkorrespondent dieser Zeitung in Mitteleuropa mit Sitz in Wien war, darf als einer der besten Kenner der geheimen Drahtzieher hinter den Kulissen des großen Welttheaters in den letzen Jahrhunderten bezeichnet werden. Als hellsichtiger Beobachter der politischen Vorgänge während der Zeit nach dem I. Weltkrieg konnte er schon 1933 den II. Weltkrieg für das Jahr 1938/39 voraussagen. Nachdem er feststellen mußte, daß seine Berichte und Meldungen von der Zensur immer mehr verändert wurden und man ihn in der “Times“ nicht mehr alles schreiben ließ, was er wußte, entschloß er sich, seine Kommentare künftig als freier Schriftsteller in Buchform herauszugeben. So veröffentlichte er 1948 in London ein Buch, das wie kaum ein anderes Werk die geheimen Mächte entlarvte. Begreiflich, daß es in Deutschland nicht gedruckt werden durfte. Erst 1952 konnte es in deutscher übersetzung im ThomasVerlag, Zürich, unter dem Titel: „Der große Plan der Anonymen“ erscheinen. Darin schreibt D. Reed: „Wenn ich zurückschaue auf die rauchigen dreißiger und jetzt um mich herum in die qualmigen vierziger Jahre, dann ist das Abstoßende daran nicht der Rauch, sondern der Plan. Dieser geht dahin, Freiheit und Recht und die Wurzel, aus denen beides entspringt, das Christentum, in diesen Ländern zu zerstören« (S. 61).
An Hand zahlreicher Beispiele belegt D. Reed diese Feststellung, indem er nachweist, wie aus den „Geheimen Gesellschaften“ und ihren Dokumenten nach und nach die einzelnen Elemente des genannten Plans hervorgetreten sind. Er kommt schließlich zu der unerschütterlichen Überzeugung, „daß es in der Welt große, organisierte Mächte gibt, die, über viele Staaten ausgedehnt, gemeinsam daran arbeiten, durch das Chaos die Herrschaft über die Menschheit zu erlangen. An erster und wichtigster Stelle streben sie nach der Zerstörung des Christentums, der Nationalität und der Freiheit in Europa“ (S. 314).

4. Freimaurerei und Kommunismus
Papst Leo XIII. veröffentlichte am 20. April 1884 die heute noch lesenswerte Enzyklika „Humanum genus“ gegen die Freimaurerei seiner Zeit. Er forderte darin die Bischöfe auf, „den Freimaurern ihre Masken vom Gesicht zu reißen, damit man sie als das erkenne, was sie sind“. Der Papst sieht in dem Vernichtungskampf, der damals gegen die Kirche Christi und die von ihr geschaffene Kultur tobte, das Reich Satans am Werk, „unter dessen Herrschaft alle jene stehen, die dem ewigen göttlichen Gesetz den Gehorsam verweigern, die über Gott hinweggehen oder gegen ihn etwas unternehmen“.
Seiner Meinung nach scheinen die Feinde Gottes und seiner Kirche „miteinander verschworen zu sein zu einem überaus erbitterten Kampf unter der Leitung und Hilfe des Bundes der sogenannten Freimaurer. Ohne ihre Pläne zu verheimlichen, stacheln sie gegen die Majestät Gottes auf. Offen und unverhohlen arbeiten sie daran, die heilige Kirche zu vernichten, und zwar in der Absicht, die christlichen Völker aller jener Güter völlig zu berauben, die ihnen durch unseren Heiland Jesus Christus zuteil geworden sind“.
Der Papst stellt fest, daß „es eine Reihe von Sekten gibt, die voneinander nach Namen, Gebräuchen, Form und Herkunft verschieden sind, aber durch die Gleichheit ihrer Ziele und die Ähnlichkeit ihrer Grundsätze miteinander und mit dem Bund der Freimaurer in engem Zusammenhang stehen; dieser ist gleichsam das Zentrum, von dem alle ausgehen und zu dem alle zurückkehren“.
Wenn dieses sicher nicht leichtfertige Urteil des Papstes zutrifft, war die Freimaurerei des letzten Jahrhunderts die antichristliche Weltmacht, von der die übrigen kirchenfeindlichen Gruppen inspiriert und gesteuert wurden. „Das letzte und hauptsächliche Ziel ihrer Pläne ist unverkennbar: die gesamte vom Christentum geschaffene religiöse und bürgerliche Ordnung zu stürzen und nach ihrem Plan durch eine andere zu ersetzen, deren Grundlage und Gesetze auf dem Naturalismus beruhen … Darin sollen die menschliche Natur und die menschliche Vernunft in allem die höchsten Lehrer und Herrscher sein.“ Im Anschluß daran nennt der Papst die Bestrebungen der Freimaurer im einzelnen, u. a. die Leugnung jeder göttlichen Offenbarung, den Kampf gegen die katholische Kirche, die Trennung von Kirche und Staat, die Förderung des religiösen Indifferentismus und der laizistischen Erziehung, der Ehescheidung und des staatlichen Atheismus.
Man wird heute dagegen einwenden: Die Freimaurerei des 20. Jahrhunderts ist nicht mehr die des 19. Jahrhunderts. Sie hat sich inzwischen sehr stark gewandelt, wobei die leidvollen Erfahrungen der zwei Weltkriege und der in unserem Jahrhundert überall sich durchsetzende ökumenische Gedanke und der auch im Bereich der Weltanschauungen und Religionen sich vollziehende Abbau des FreundFeindDenkens maßgeblich zu einer Verbesserung des Verhältnisses von Freimaurerei und Kirche beigetragen haben. An dieser Auffassung ist sicher richtig, daß sich in der Freimaurerei ebenso wie in der Kirche und anderswo manches gewandelt hat. So haben sich zweifellos die Methoden der Freimaurerei im Kampf gegen das Bekenntnischristentum geändert. Die offene und brutale Revolution gegen die katholische Kirche wurde aufgegeben, weil sie nicht zum erstrebten Ziel führte. Heute versucht die Freimaurerei mit einer der modernen Zeit besser entsprechenden Methode ihre Pläne zu verwirklichen. Das geschieht durch eine neue revolutionäre Methode, die ich „Revolution auf leisen Sohlen“ oder „Revolution mit freundlicher Miene“ nennen möchte. Man versucht die Anwendung dieser Methode besonders seit dem II. Vatikanischen Konzil, genauer seit der Ankündigung dieses Konzils durch Papst Johannes XXIII. Es wäre aber eine sehr gefährliche, wenn nicht gar eine geradezu katastrophale Naivität, wenn jemand ernsthaft glauben wollte, daß die Freimaurerei ihre von Anfang an gesteckten Ziele aufgegeben hätte. Ihre Methoden mögen sich geändert haben, ihre Ziele sind die gleichen geblieben. Wer diesen unverrückbaren und unabdingbaren, vom Wesen der Freimaurerei unablösbaren Tatbestand nicht erkennt, ist wirklichkeitsfremd und kennt die eigentlichen „Geheimnisse“ der Freimaurerei eben noch nicht. Diese Feststellung, die keineswegs einem blinden Freimaurerhaß entspringt, sondern im Verlauf der folgenden Gedankengänge sachlich belegt werden wird, scheint nicht zuletzt im Hinblick auf gewisse Entwicklungen in der sog. nachkonziliaren Zeit sehr wichtig zu sein. Gibt es doch in unserem Jahrhundert nicht nur im Bereich der Politik, sondern auch im Raum der Kirche allzu viele von jenen Figuren, die Lenin einmal „nützliche Idioten“ nannte. –
Papst Pius XII. gehörte jedenfalls nicht zu ihnen. Er sprach am 24. Juli 1958  einige Monate vor seinem Tod  anläßlich der 8. Pastoralen Bildungswoche über die „Wurzeln des modernen Glaubensabfalls“ und nannte in diesem Zusammenhang „den wissenschaftlichen Atheismus, den dialektischen Materialismus, den Rationalismus, den Laizismus und die Freimaurerei, die gemeinsame Mutter aller jener“.
Der klarsichtige Papst sprach hier ein außerordentlich gewichtiges Wort über die geistesgeschichtlichen Hintergründe, die u. a. auch das auf gewissen Sektoren der Politik und Kultur tatsächlich bestehende Zusammenspiel von Freimaurerei und Kommunismus allein erklären können. In der Tat darf die Freimaurerei als geistige Mutter des wissenschaftlichen Atheismus und des dialektischen Materialismus, der die Philosophie des Kommunismus darstellt, betrachtet werden, wenngleich die meisten Mitglieder der sog. „regulären Freimaurerei“ keine Atheisten sind und den Kommunismus nicht unterstützen, sondern Männer, die an ein „höheres Wesen“ unter dem Symbol des „Großen Baumeisters des Universums“ glauben, wie es in Punkt 2 der sog. „basis principles“, die zuletzt 1929 neu gefaßt wurden, gefordert wird, und als solche den atheistischen und diktatorischen Kommunismus ablehnen.
Man darf allerdings nicht übersehen, daß die „irreguläre Freimaurerei“, die im wesentlichen von den Bestimmungen in Artikel 2 und 3 der „basic principles“ abweicht, auch militante Atheisten in ihre Logen und Großlogen aufnimmt. Viele Freimaurer sehen überdies in den genannten Forderungen der Allgemeinen Grundsätze (basic principles) einen Verstoß gegen das im Kapitel 1 der „Allgemeinen Pflichten“ von 1723 ausgesprochene Grundprinzip der Toleranz, welches besagt, es sei ratsam, die Freien Maurer „nur zu der Religion zu verpflichten, in der alle Menschen übereinstimmen und jedem seine besonderen Überzeugungen selbst zu belassen“. Diese gewiß problematischen Grundsätze haben schon manche heftigen Diskussionen unter Freimaurern ausgelöst und neben anderen Gründen auch dazu geführt, daß selbst „reguläre“ amerikanische Logen entgegen den verbindlichen Forderungen der “Alten Pflichten“ schon seit Jahrzehnten „eine bedeutende Zahl entschiedener Ungläubiger zu ihren Mitgliedern zählen“.
Wie es scheint, gibt es auch in deutschen Logen die Möglichkeit, daß ein Bruder „im Hinblick auf die moderne Wissenschaft ernsthaft an der Existenz Gottes als des Baumeisters, d. h., als einer geistigen und willensmäßigen hinter dem Aufbau der Welt stehenden Kraft zweifelt“, wie Bruder K. Saur in einem Aufsatz über den Großen Baumeister in der deutschen „Bruderschaft“ andeutet. Er bemerkt dazu: „Wenn hier die Betonung auf ,ernsthaft‘ liegt, gehört dieser Bruder unbedingt in unsere Reihen. Allerdings werden wir von ihm verlangen, daß er sich mit der Frage nach Gott und dem, was die Wissenschaft dazu in Wirklichkeit zu sagen hat, gründlich auseinandersetzt.“ Das heißt im Klartext: Ein Bruder, der an der Existenz des „Allmächtigen Baumeisters aller Welten“ ernsthaft zweifelt, kann auch in Deutschland Freimaurer sein, er gehört sogar „unbedingt in unsere Reihen“. (Die Bruderschaft, Nr. 15)
Wie dem auch sein mag, folgendes steht jedenfalls fest: Es gibt sowohl in der regulären“ als auch in der „irregulären“ Maurerei nicht wenige Mitglieder, die Atheisten sind. Als Atheisten haben sie den Atheismus mit den Kommunisten gemeinsam. Damit ist ihnen notwendig auch ein Nein zum Glauben der Kirche gemeinsam und nicht selten verbindet beide auch eine gemeinsame Frontstellung gegen die Kirche. Wenn sie auch die Dogmen des dialektischen Materialismus nicht unbedingt mit den Kommunisten teilen, so stehen doch alle Freimaurer  seien sie nun gläubig oder ungläubig  mit den Kommunisten gemeinsam auf dem Boden des Rationalismus und Laizismus, d. h. sie betrachten die menschliche Vernunft (ratio) als höchste Instanz ihres Erkennens und Wollens und sie sind bestrebt, den Einfluß der Kirche aus dem öffentlichen Leben auszuschalten (Laizismus). Freimaurer und Kommunisten haben schließlich ein gemeinsames politisches Endziel: Der eine WeltStaat unter einer WeltRegierung.
Das Endziel des revolutionären Kommunismus ist die bolschewistische Weltrevolution, die etappenweise zu einer sozialistischen WeltRepublik führen soll. Der britische Politiker John Strachey, der in seiner Laufbahn Antifaschist, verschiedene Male ein Konservativer, dann ein unabhängiger Labourmann, dann ein führender Mann des Kommunismus und nach dem II. Weltkrieg schließlich sozialistischer Minister in England war, schrieb bereits 1937 in seinem Buch Der kommende Kampf um die Macht, „daß die einzig mögliche Zukunft für Großbritannien darin liegt, sich zuerst als freie Republik in einen Bund der europäischen Völker und später der weltumspannenden Gemeinschaft der Sowjetrepubliken einzureihen“.(D.Reed, Der große Plan der Anonymen)
Gut informierte politische Kreise in Europa kennen schon seit Jahren das politische Ziel der Sowjetunion, in Europa eine „Union der sozialistischen Staaten“ zu schaffen. Es ist bemerkenswert, daß Moskau diesen Begriff offiziell zum ersten Mal in der sowjetischen Parteizeitung „Prawda“ vom 17. Oktober 1973 eingeführt hat. Das Fernziel der zur gleichen Zeit stattfindenden „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ ist damit genau abgesteckt. Wann diese vom Kreml geplante „Union der Sozialistischen Staaten Europas“ Wirklichkeit werden wird, ist heute noch ungewiß. Politische Experten nehmen an, daß der Tag, an dem Europa oder doch wenigstens der größte Teil unseres Kontinents in der Hand der sog. „Imperialisten“ sein wird, nicht mehr allzu fern ist.
Die meisten Zeitgenossen wissen freilich nicht, daß ein konkreter Plan zur Sowjetisierung bzw. Sozialisierung Europas schon seit gut 30 Jahren besteht, ein Plan, der von einem der prominentesten Freimaurer unseres Jahrhunderts zusammen mit dem kommunistischen Massenschlächter Stalin ausgearbeitet wurde. Leider ist der Weltöffentlichkeit dieser Plan aus dem Jahr 1943 erst 1962 bekannt geworden, als die aufsehenerregende Biographie des amerikanischen Kardinals Spellman erschien. Aus der Biographie, die ein zeitgeschichtlich äußerst wertvolles Dokument darstellt und besonders für die Europäer aufschlußreich ist, geht hervor, daß der Hochgradfreimaurer F. D. Roosevelt 1943 bereit war, ganz Europa dem Kreml auszuliefern. Die genannte Biographie enthält die Gedächtnisaufzeichnung eines Gesprächs, das Präsident Roosevelt 1943 mit Kardinal Spellman führte. Dabei teilte der Präsident dem Kardinal mit, daß nach vorliegendem Plan die Welt zwischen den USA, China, Großbritannien und der Sowjetunion aufgeteilt werde. Während den Vereinigten Staaten die Herrschaft im Pazifik zufallen soll, wird China die Hegemonie über den Fernen Osten erhalten. England, das vorwiegend koloniale Interessen verfolge, bekommt Afrika, und Moskau den europäischen Kontinent als Herrschaftsgebiet.
Vermutlich hat der damalige Kardinal von New York gegen diese entsetzliche „Friedensordnung“, die das alliierte Frankreich ebenso wie den Vatikan der Sowjetdiktatur unterwerfen sollte, Einwände erhoben bzw. protestiert. Denn er verschweigt in seiner Notiz nicht, welchen „Trost“ ihm der Präsident zu bieten versuchte. Spellman referiert wörtlich: „Es ist natürlich, daß die europäischen Länder sich fürchterlichen Veränderungen unterziehen müssen, um sich Rußland anzupassen, aber er (Roosevelt) hofft, daß die europäischen Einflüsse binnen zehn oder zwanzig Jahren die Russen dahin bringen, daß sie weniger barbarisch sind. Mag dem sein wie auch immer, die USA und Großbritannien können nicht gegen die Russen kämpfen … Er hofft, daß aus der erzwungenen sich bald eine wirkliche und dauerhafte Freundschaft entwickelt. Die europäische Bevölkerung wird einfach die russische Herrschaft in der Hoffnung ertragen müssen, daß sie in zehn oder zwanzig Jahren in der Lage sein wird, gut mit den Russen zusammenzuleben…“ (Kath. Nachrichten-Agentur (KNA) vom 23. 5. 1962)
Präsident Roosevelt unterhielt damals mit dem Vatikan sog. „freundschaftliche Beziehungen“. Später wurde bekannt, daß einer seiner ersten Berater ein kommunistischer Agent war. Ob der Präsident geistig zu naiv war, um die Doppelgesichtigkeit und das Doppelspiel seiner verwerflichen Politik zu erkennen?
Oder sollte er diesen Plan mit kaltem Zynismus vorgelegt haben?  –  Wir werden darauf wahrscheinlich keine klare Antwort finden.
An der Tatsache, daß der Plan existiert, besteht jedoch kein Zweifel. Ebenso ist sicher, daß der Plan nur zum Teil verwirklicht ist, denn Europa ist erst zur Hälfte dem russischen Machtbereich unterstellt. Die Unterwerfung der noch freien Hälfte Europas wird gegenwärtig durch fieberhafte Aktivität vorbereitet. Das Schlagwort vom Frieden, der in Europa „sicherer“ gemacht werden soll, bedeutet nach sowjetischem Verständnis nichts anderes als die Herrschaft der Kremlimperialisten über das ganze Europa. Denn erst wenn sie dieses ganz in ihrer Hand haben, wird der Friede „sicherer“ sein, als er es zur Zeit ist. Nicht wenige Europäer aber befürchten angesichts jüngster amerikanischsowjetischer Abmachungen auf höchster Ebene, daß der Freimaurer Richard Nixon oder ein anderer ihm folgender Bruder auf den Spuren des brüderlichen Vorgängers Roosevelt einen ähnlichen Verrat an Europa üben könnte, wie jener ihn 1943 versucht habe.
Wenden wir uns nach diesem weltpolitischen Exkurs nun dem eigentlich antikirchlichen Komplott von Freimaurern und Kommunisten zu. Obwohl in der sowjetischen Machtsphäre alle Logen verboten sind und die meisten Freien Maurer den Kommunismus sowjetischer Prägung nicht anerkennen, gibt es doch auch Logen, die mit den Kommunisten sich verschworen haben zum gemeinsamen Kampf gegen die Kirche. Wie wir bereits wissen, hatten die Väter der russischen Oktoberrevolution Beziehungen zu französischen Logen. Die politischen Verschwörer hatten fast alle in irgendeiner Form Verbindungen mit geheimen Gesellschaften und Zirkeln, die ihrerseits wieder mit den eigentlichen Freimaurerlogen Kontakte pflegten. Wie die Freimaurerei kam auch der Kommunismus ursprünglich aus dem Untergrund. Die betont antikirchliche Tradition großer Teile der französischen Freimaurerei macht die gegenwärtige De factoAllianz mehrerer französischer Logen mit dem Kommunismus verständlich.
Ein Beispiel aus Südamerika, wo der Einfluß des Grand-Orient sehr stark ist, mag die Zusammenarbeit von Freimaurern und Kommunisten etwas beleuchten. Vom 26. bis 28. März (Gründonnerstag bis Karsamstag) 1959 fand in Montevideo ein Freimaurerkongreß statt, der sog. „Zweite Internationale Kongreß für die Allgemeine Brüderlichkeit“. Zur Warnung vor dessen Bestrebungen veröffentlichte der argentinische Episkopat am 20. Februar 1959 ein gemeinsames Hirtenwort. Darin wiesen die argentinischen Bischöfe im Einklang mit den Päpsten auf die “satanische Verschwörung … über der Menschheit hin“ und erklärten u. a.: „Bei der 4. Interamerikanischen Freimaurerkonferenz 1958 in Santiago de Chile wurde verkündet, daß ’der Orden seinen Adepten Hilfe leistet, damit sie in der Öffentlichkeit ihrer Nationen oberste Stellungen erringen‘. Das Thema hieß ’Verteidigung des Laizismus‘, und die entwickelte neue Taktik traf sich mit den jüngsten Parolen des Internationalen Kommunismus. Die Freimaurer sollen den Laizismus in allen Bereichen vorantreiben  die Kommunisten sollen die soziale Ordnung untergraben. Als Parole wurde ausgegeben: ’Auf dem Weg über alle beeinflußten politischen Parteien ist die laizistische Kampagne zu verstärken. Es muß versucht werden, die Warnrufe der katholischen Kirche zu besänftigen, indem wir direkte freimaurerische Aktionen vermeiden. Die Aktionen zur Spaltung der Arbeiterbewegung sind zu vermehren, um dann deren Überrumpelung voranzutreiben. Freimaurerei und Kommunismus verfolgen gegenwärtig in Lateinamerika die gleichen Ziele, deshalb ist auf gleichlaufende Aktionen zu achten, wobei das Bündnis öffentlich nicht in Erscheinung tritt.’
Der bevorstehende Zweite Internationale Kongreß für die Allgemeine Brüderlichkeit in Montevideo ist eine Probe all dieser Bestrebungen. Es ist ein Freimaurerkongreß unter kommunistisdier Inspiration, der die freimaurerische Phrase von der allgemeinen Brüderlichkeit der Ausbreitung des internationalen Kommunismus dienstbar machen will. Er gibt vor, ’für die menschliche Verbrüderung und den Frieden der Welt‘ kämpfen zu wollen. Zwei Schlagworte, die die ruchlosen Ziele der Freimaurerei und des Kommunismus verbergen sollen!“

Die Bischöfe gingen dann auf das Verhältnis von Marxismus und Freimaurerei ein und fuhren fort: „Marxismus und Freimaurerei haben das gemeinsame Ideal der irdischen Glückseligkeit. Ein Freimaurer kann die philosophischen Ideen des Marxismus ohne Abstriche annehmen. Wie der Großmeister der Loge von Paris bestätigt, ist zwischen den Prinzipien des Marxismus und der Freimaurerei kein Widerspruch denkbar.

Um ihre Ziele zu erreichen, bedient sich die Freimaurerei der Hochfinanz, der hohen Politik und der Weltpresse, während der Kommunismus im sozialen und wirtschaftlichen Bereich eine Revolution gegen Vaterland, Familie, Eigentum, Moral und Religion vorantreibt. Die Freimaurer betreiben ihre Ziele mit geheimen subversiven Mitteln, die Kommunisten mit offenen. Die Freimaurerei bewegt die sektiererischen politischen Minderheiten  der Kommunismus stützt sich auf eine Politik der Massen, indem er die Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit ausbeutet …

Katholizismus und Freimaurerei sind Dinge, die sich absolut widersprechen und ausschließen, so wie Christus und Antichrist. Jeder soll auch wissen, daß Liberalismus und Laizismus in allen ihren Formen die ideologische Ausprägung der Freimaurerei datstellen. Es tut nicht viel zur Sache, daß viele Liberale keine Freimaurer sind: es gibt bewußte Instrumente und blinde Instrumente. Entscheidend ist, daß der Sache nach die einen wie die anderen zusammenhelfen, um die Kirche Christi und die katholische Ordnung unserer Republik zu zerstören.

Was die Freimaurer in ihrer Tätigkeit antreibt, ist letztlich der Haß gegen Christus und gegen alles, was in den menschlichen Seelen und den menschlichen Einrichtungen seinen Namen trägt. Ihr endgültiges Ziel ist die Zerstörung alles Christlichen und alles dessen, was sich an der biblischen Lehre ausrichtet …

Wir klagen Freimaurerei und Kommunismus als Feinde unserer überkommenen Werte und unserer Zukunft an  als Feinde, die es darauf abgestellt haben, alles Edle und Heilige in unserem Land auszurotten.“

Der Text der bischöflichen Verlautbarung enthält Aussagen, die zum Teil nur für militante antichristliche Logen um den GrandOrient zutreffen, aber auch solche, die für die gesamte Weltfreimaurerei charakteristisch sind, wie etwa die Feststellung, daß sich die Freimaurerei zur Erreichung ihrer Ziele „der Hochfinanz, der hohen Politik und der Weltpresse bedient“ und „daß Liberalismus und Laizismus in allen ihren Formen die ideologische Ausprägung der Freimaurerei darstellen“.
Durch ihre Machtpositionen und Schlüsselstellungen in der Hochfinanz, in der hohen Politik sowie im Nachrichten- und Pressewesen ist die liberale und elitäre Maurerei in der Lage, wie keine Macht dieser Welt die Öffentlichkeit mit den von ihr propagierten Ideen und Zielen des Liberalismus zu beeinflussen. Die auf diesem Gebiet von ihr gesteuerte geistige Revolution mit dem Ziel, die Welt zu verweltlichen und das Christentum zu entchristlichen  wie der moderne Säkularisierungsprozeß auf eine knappe Formel gebracht werden kann  hat bereits solche weltweiten „Erfolge“ und Einbrüche in den christlichen Raum, vorwiegend in die christliche Theologie des Westens hinein erzielt, daß die von manchen katholischen Autoren heruntergespielte Bedeutung der Freimaurerei als antichristliche Kraft nicht gerechtfertigt erscheint. So meinte beispielsweise K. Algermissen: „Mit dem weltanschaulichen Liberalismus hat auch die Freimaurerei, trotz Zunahme an Mitgliedern, ihre Blütezeit hinter sich. Ihre Geschichte im ganzen wie in den einzelnen Ländern ist erfüllt von Auseinandersetzungen der Großlogen untereinander. Ihre zum Teil große caritative Tätigkeit ist anzuerkennen, allerdings weithin auf die Unterstützung bzw. Protektion bedürftiger Logenbrüder gerichtet. Die religiösgeistigen Kämpfe der Gegenwart und Zukunft werden wesentlich zwischen Christentum und Marxismus durchgeführt. Mag die Freimaurerei, besonders in den romanischen Ländern, auch weiterhin die antikirchliche Tätigkeit fortsetzen, so ist sie doch nicht als der Hauptfeind des Christentums anzusehen.“

Wenn diese vor dem II. Vatikanischen Konzil geschriebenen Sätze schon nicht der vorkonziliaren Situation gerecht werden, so erst recht nicht derjenigen nach dem großen Konzil. Noch weniger kann eine nachkonziliare Verharmlosung der freimaurerischen Bestrebungen akzeptiert werden, wie sie die „HerderKorrespondenz“ 1969 vertrat. Da wird nämlich behauptet: „Die Freimaurerei stellt heute keine Großmacht mehr dar, die der Kirche gefährlich werden könnte oder auch nur möchte. In ihrem überwiegenden Teil handelt es sich um eine tolerant gesinnte Gesellschaft, in der Geselligkeit und Clubleben eine ebenso große Rolle spielen wie weltanschauliche Fragen und sittliche Verantwortung. Die alte Gegnerschaft entbehrt heute der Grundlage.”

Ein solches Urteil mag wohl den Intentionen der Logen entgegenkommen, die ja bestrebt sein müssen, den Eindruck der Gefährlichkeit und Feindschaft gegenüber der Kirche nicht aufkommen zu lassen oder von sich zu weisen. Es ist jedoch schlichtweg falsch und wird von den Tatsachen widerlegt, wenn der Freimaurerei die „Großmacht“Stellung und „Gegnerschaft“ zur Kirche abzusprechen versucht wird. Auch der Hinweis auf die Auseinandersetzungen, die innerhalb der Großlogen stattfinden, ist kein überzeugendes Argument gegen die Weltfreimaurerei als liberale Führungsmacht. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten und kleinlicher Streitereien innerhalb der Logen und Großlogen besteht doch überall in der Freimaurerei eine geschlossene ideologische Einheitsfront gegen die katholische Kirche und ihren Anspruch, als hierarchisch verfaßte Gemeinde von Jesus Christus mit dem Auftrag gegründet zu sein, die von Gott geoffenbarte Heilsbotschaft allen Menschen unfehlbar zu verkünden und ihnen das durch den Sohn Gottes gewirkte Heil zu vermitteln. Freimaurerei und Kommunismus verfolgen überall das Ziel, durch liberale bzw. atheistische Propaganda und „Aufklärung“ die gläubigen Christen aller Konfessionen vom Offenbarungsglauben abzubringen oder ihn zu verfälschen, d. h. zu zerstören, wenn auch ihre jeweiligen Mittel und Methoden, mit denen sie dieses Ziel zu erreichen hoffen, verschieden sind. Das gleichgerichtete antichristliche Ziel beider Großmächte erklärt z. B. auch, warum die liberale, weitgehend von Freimaurern beherrschte Presse des Westens, zwar gegen die Unfreiheit und Unterdrückung von Intellektuellen in der Sowjetunion mehr oder weniger engagiert Stellung nimmt, über die brutale und unerbittliche Verfolgung der Christen im sowjetischen Machtbereich jedoch kaum berichtet, geschweige denn dagegen protestiert. Nicht zu Unrecht hat man in diesem Zusammenhang von einem „Komplott des Schweigens“ gesprochen.

III. FREIMAUREREI UND RELIGION

1. Die Freimaurerei  eine antichristliche Ideologie
Die wichtigste Frage, die in diesem Kapitel zu besprechen ist, betrifft die Religiosität der Freimaurerei und läßt sich in zwei Teilfragen gliedern:
Ist die Freimaurerei eine Religion oder nur ein ethisches System?
Ist die Freimaurerei mit dem Christentum vereinbar?
Über diese Grundfragen wird besonders seit dem II. Weltkrieg und mit Schwerpunkt seit dem II. Vatikanischen Konzil engagiert gestritten. Die Antworten, die bisher von Freimaurern und ihren Gegnern auf diese Fragen gegeben wurden, sind unbefriedigend und verwirrend. Bei den heutigen Freimaurern fällt die Tendenz auf, die Freimaurerei nicht als Religion zu betrachten. Wie schon W. Hannah (1952) bemerkte, verwenden sie gern die Formel: „Freimaurerei ist nicht eine Religion, sondern ist Religion.“ Manchmal sagen sie auch: „Freimaurerei ist nicht eine Religion, sondern sie ist religiös.“
Fast dieselbe Formulierung findet sich in einer deutschen Freimaurerschrift (1970), wo gesagt wird: „Mit der geheimnisvollreligiösen Bedeutung der Symbole hat es eine besondere Bewandtnis. In der letzten Unausdeutbarkeit und Vielfalt eines Symbols ergreift der Betrachter religiösen Bereich. Freimaurerei ist darum religiös; sie ist aber keine Religion.“
M. Dierickx schreibt, daß die Freimaurerei „keine Religion ist, wohl aber ein ethisches System“. Mit dieser Behauptung, die für ihn „unverrückbar feststeht“, will er dem nach seiner Meinung „bedeutsamsten Vorbehalt gegen die Freimaurerei“ begegnen, nämlich der „Gefahr des Synkretismus“, und er hofft damit, viele Einwände, die z. B. Hannah und Whalen machen, entkräften zu können.“
Doch dazu muß leider gesagt werden, daß M. Dierickx die Freimaurerei nicht gründlich genug studiert hat. Gegen seine Auffassung spricht schon das erste und wichtigste Kapitel der „Alten Pflichten“ von 1723, die nach wie vor als allgemein anerkanntes Grundgesetz der „regulären Freimaurerei“ gelten. Ganz im Einklang mit den Aussagen dieses Kapitels der „Alten Pflichten“, hat die Großloge von England im Jahr 1950 die Großloge von Uruguay förmlich exkommuniziert, als diese die Glaubensformel so weit faßte, daß sie von Gläubigen und Ungläubigen angenommen werden konnte, und erklärt: „Die wahre Freimaurerei ist eine Religion. Der Glaube, den man haben muß, besteht darin, daß man dem Gott der Christen eine wirkliche Ehrung erweist. Die Freimaurerei ist vom Glauben des Mittelalters inspiriert und muß ihm die Treue wahren … Da Sie unseren Weisungen nicht Folge geleistet haben, trifft Sie dasselbe Schicksal, das wegen desselben Verbrechens den GroßOrient von Frankreich getroffen hat. Wir erkennen Sie und alle, die Ihnen folgen, nicht mehr als rechtmäßige Freimaurer an.”
Was die englischen Maurer unter dem „Glauben“ an den „Gott der Christen“ verstehen, werden wir im folgenden näher zu analysieren haben. Doch zuvor soll noch ein anderer prominenter Freimaurer aus England zu unserer Frage Stellung nehmen.
Sir J. Codeburn, ehemaliger GroßDiakon von England und stellvertretender Großmeister von Australien gibt dazu folgende Erklärung:
“Die Frage, ob die Freimaurerei eine Religion ist, ist heftig diskutiert worden. Aber die Kontroverse scheint nur ein Wortgefecht zu sein. Vielleicht ist es der beste Weg zu einem Abschluß, wenn man zunächst die Punkte aufzählt, die den meisten Religionen gemeinsam sind, und dann untersucht, inwieweit die Freimaurerei sich von ihnen unterscheidet. Religion befaßt sich mit der Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer und flößt vor allem Ehrfurcht vor dem Schöpfer ein. Die Religionen sind reich an gottesdienstlichen Formen des Gebetes und Lobpreises. Sie geben ferner Verhaltensregeln, indem sie einen Gott oder einen Helden als Muster zur Nachahmung vorstellen … Es würde schwer fallen, zu sagen, welche dieser charakteristischen Merkmale der Freimaurerei fehlen. Ganz gewiß besitzt sie alle in reicher Fülle. Ihre Zeremonien sind ausgearbeitet und unübertroffen an Schönheit und Sinntiefe. Sie sind durchsetzt von Gebet und Danksagung … Wenn der Titel einer Religion der Freimaurerei versagt würde, könnte sie wohl mit Recht als eine Vereinigung von Religionen bezeichnet werden.“

Es könnten noch mehrere Urteile dieser Art hier angeführt werden. Doch es gibt keinen besseren Beweis für die These, daß die Freimaurerei eine Religion ist, als der Text der offiziellen „Alten Pflichten“ selbst, der ganz klar in der Freimaurerei „die Religion“ sieht, „in der alle Menschen übereinstimmen“. Eine sachliche Auseinandersetzung mit dieser These macht es notwendig, sie im Zusammenhang mit dem ganzen ersten Kapitel der „Alten Pflichten“ zu sehen. Der Text dieses Kapitels, das die Überschrift trägt „Von Gott und Religion“, lautet:
“Der Maurer ist als Maurer verpflichtet, dem Sittengesetz zu gehorchen; und wenn er die Kunst recht versteht, wird er weder ein engstirniger Gottesleugner, noch ein bindungsloser Freigeist sein. In alten Zeiten waren die Maurer in jedem Lande zwar verpflichtet, der Religion anzugehören, die in ihrem Lande oder Volk galt, heute jedoch hält man es für ratsamer, sie nur zu der Religion zu verpflichten, in der alle Menschen übereinstimmen, und jedem seine besonderen Überzeugungen selbst zu belassen. Sie sollen also gute und redliche Männer sein, von Ehre und Anstand, ohne Rücksicht auf ihr Bekenntnis oder darauf, welche Überzeugungen sie sonst vertreten mögen. So wird die Freimaurerei zu einer Stätte der Einigung und zu einem Mittel, wahre Freundschaft unter Menschen zu stiften, die einander sonst fremd geblieben wären.”
Aus dem vorliegenden Text ist folgendes zu entnehmen:
Die Freimaurer sind nicht mehr verpflichtet, der Religion anzugehören, die in ihrem Land oder Volk galt; für sie gilt nach dem Konstitutionenbuch von 1723 nur „jene Religion, in der alle Menschen übereinstimmen!“
Was heißt das? Als die Verfasser der Konstitutionen diesen Satz niederschrieben, waren in den Logen noch nicht Mitglieder verschiedener Religionen, sondern nur Christen verschiedener Konfessionen vereinigt. Will man also den Begriff „Religion“ im ersten Teil des Satzes richtig deuten, muß man ihn korrekt als „Konfession“ im Sinne einer christlichen Kirche oder Gemeinschaft verstehen, denn in nichtchristliche Länder und zu anderen Religionen (Islam, Buddhismus) kam die Freimaurerei erst später. Die Konfession also, die der einzelne Maurer früher gehabt hat, darf jetzt sein Leben und Wirken in der Loge nicht mehr bestimmen. Er muß seine persönlichen religiösen Überzeugungen „vor der Logentür zurücklassen“, wie ein deutscher Freimaurer schrieb. „Auf diese Weise hat es in der Freimaurerloge der Mensch mit nichts anderem als nur mit seinem Mitmenschen zu tun, wie er sich darstellt, wenn man ihn aller besonderen Überzeugungen, Vorurteile und zeitlichen Titel entkleidet.“ (St . Zickler, Was ist Freimaurerei, S.11). Ein ehrliches Eingeständnis also. Die Freimaurerei „entkleidet“ ihre Mitglieder „aller besonderen Überzeugungen, Vorurteile und zeitlichen Titel“.
Und womit wird der entblätterte oder entlaubte Baum geschmückt?, so möchte man jetzt gern wissen. Er wird mit einer neuen Religion beschenkt, er empfängt das freimaurerische „Licht“ und er wird gleichzeitig auf diese neue SuperReligion verpflichtet und nur auf sie. Der Ausdruck SuperReligion ist berechtigt, weil nach freimaurerischer Meinung diese Religion des nackten Humanismus hoch über allen Konfessionen steht. Als Einheitsideologie, die vom Menschen nur noch gelten läßt, „was an ihm Mensch ist, allein das allen Menschen Gemeinsame“, soll diese „Religion, in der alle Menschen übereinstimmen“, das befreiende und erlösende Element für die bessere Welt sein, die allein von den Meistern der „Königlichen Kunst“ erbaut werden kann. Die Freimaurerei ordnet das religiöse Bekenntnis  ursprünglich irgendein christliches Bekenntnis, heute kann es faktisch auch jedes nichtchristliche Bekenntnis sein  ihrer Ideologie oder Religion des nackten Humanismus  wie ich sie nennen möchte  unter. In freimaurerischer Diktion heißt das: Der „Mensch“ steht über der „Sache“.
Für James Anderson war diese humanistische Religion, die er an Stelle der überholten früheren „Religionen“ (=Konfessionen) als neue verpflichtende Religion setzte, nichts anderes als ein besseres „Christentum“, das man im großen und ganzen mit dem Deismus identifizieren kann, das aber jedenfalls nichts mehr mit dem echten, von Jesus Christus gestifteten Christentum zu tun hat.
Das authentische Christentum, das sich auf Christus beruft, ist mit dem „Logenchristentum“ absolut unvereinbar. Und zwar deshalb, weil Christus von seinen Jüngern das Bekenntnis fordert. Echtes Christentum war, ist und bleibt wesentlich Bekenntnischristentum oder Konfessionschristentum. Es lebt von Jesus Christus, „dem Gesandten und Hohenpriester unseres Bekenntnisses (Hebräer 3,1), der „unter Pontius Pilatus Zeugnis gab im herrlichen Bekenntnis“ (1. Tim. 6,13), und der seine Zeugen in alle Welt sandte, damit sie ihn „vor den Menschen bekennen“. Ja er macht dieses Bekenntnis sogar zur Voraussetzung für das ewige Heil, wenn er sagt:
“Ein jeder nun, der sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel. Denket nicht ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Mt 10,32ff).
Der Herr wußte, daß das Bekenntnis für ihn die Menschen entzweien und Kampf und Streit zur Folge haben werde. Seine Forderung bleibt aber dennoch bestehen. Die Freimaurerei wollte von Anfang an mit ihrer Humanismus-Religion den sogenannten „Religionskriegen“ und jeglichem Konfessionshader ein Ende setzen. Sie wählte für dieses Ziel aber bedauerlicherweise das untauglichste Mittel: die Ausschaltung des christlichen Glaubensbekenntnisses, das für jeden gläubigen Christen unverzichtbar ist.
Der christliche Bekenner kann und darf seine persönliche Glaubensüberzeugung auf keinen Fall „vor der Logentür zurücklassen“, er muß sie auch in der Loge als „freier“ Mann frei bekennen dürfen. Wenn ihm die Loge diese positive Bekenntnisfreiheit verweigert und ihm einen religiös verbrämten EinheitsHumanismus zur Pflicht machen will, dann muß er die Loge ablehnen.
Als Glaubender steht er unter dem Wort Christi und dem Glaubensgehorsam. Der Heilige Paulus beschreibt die Bekenntnispflicht in Röm 10,10 so: „Aus dem Herzen kommt der Glaube, der zur Gerechtigkeit führt, und aus dem Munde das Bekenntnis zum Heil.“
Das heißt: Der Christ darf seinen Glauben nicht im Herzen verstecken, er muß ihn in den Mund nehmen und bekennen: das ist sein Heil. Inhalt des christlichen Bekenntnisses ist jesus Christus, der einzige und natürliche Sohn Gottes. „Wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. Das ist der Antichrist, der den Vater leugnet und den Sohn.“ So steht es im 1. Johannesbrief (2, 22. Darf man von diesem Schriftwort ausgehend, eine Religion, die das Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, ablehnt und aus ihren Tempeln verbannt, nicht eine unchristliche Religion nennen?
Und hat die Katholische Kirche und jede andere christliche Kirche, die unwandelbar am Bekenntnis Jesus Christi festhält, nicht die Pflicht, eine solche Religion als unvereinbar mit dem Bekenntnis zu jesus Christus zu verurteilen? Nach freimaurerischer Sprachregelung sind alle dogmatischen Religionen und Konfessionen intolerant. Kirchen, die sich als bekennende Kirchen verstehen, als Konfessionsgemeinschaften, sind von der Freimaurerei immer als intolerant verschrien und bekämpft worden.
Der frühere Kultusminister von BadenWürttemberg, Dr. Gotthilf Schenkel, der am 4. 10. 1959 auf einer Kundgebung der Bruderschaft der Deutschen Freimaurer in der Frankfurter Paulskirche über „Die Gegenwartsaufgaben der Freimaurerei“ sprach, schilderte kurz die Gründung der ersten Großloge im Jahr 1717, die sich gegen die Intoleranz der Kirchen und Konfessionen gewendet habe und sagte, der Kampf gegen Intoleranz sei auch heute noch ein wesentlicher Grundzug der Freimaurerei und die Toleranz ein entscheidendes Prinzip. (FAZ, 5. Okt. 1959).
Demnach ist also die Freimaurerei wesentlich ein Kampfbund gegen die „Intoleranz der Kirchen und Konfessionen“. 

Wenn aber die von Christus gestiftete und in seinem Namen auftretende Kirche ihrem Wesen nach eine konfessionelle Gemeinschaft ist, wenn echtes Christentum nur im Bekenntnis existieren kann, dann ist die Freimaurerei als religiöse Gegenbewegung zu diesem Christentum antichristlich orientiert.
Ist diese Freimaurerei nach ihrem eigenen Grundgesetz darüber hinaus auch noch eine eigentliche Religion, dann ist sie nach den Gesetzen der Logik eben eine antichristliche Religion. Zu dieser Erkenntnis muß jeder kommen, der das innere Wesen der Freimaurerei gründlich erforscht und seinen Verstand nicht vor der Logentür zurück läßt oder ihn in der Loge abgibt. Es ist kein Zufall, wenn außerhalb der Katholischen Kirche auch andere Kirchen bzw. Kirchliche Gemeinschaften zu der Überzeugung gelangt sind, daß Freimaurerei und Christentum schlechthin unvereinbar sind. So erklärten  um nur ein Beispiel zu nennen  die Bischöfe der griechischorthodoxen Kirche auf ihrer Konferenz am 12. Oktober 1933 u. a.:
“Freimaurerei ist eine Mysterienreligion, sie ist vom christlichen Glauben völlig verschieden, ihm entgegengesetzt und fremd. Wie die Mysterienkulte, trotz scheinbarer Toleranz und Anerkennung fremder Götter, zum Synkretismus führen, das Vertrauen zu anderen Religionen untergraben und allmählich ins Wanken bringen, so ist die heutige Freimaurerei; sie möchte nach und nach alle Menschen umfassen und sittlich vervollkommnen, das Erkennen der Wahrheit fördern und sich zu einer Art ÜberReligion erheben, wobei sie auf alle andere Religionen (die christliche nicht ausgenommen) als etwas Minderes herabsieht. Während das Christentum, das als eine geoffenbarte Religion im Besitz der mit der Vernunft erfaßbaren und der darüber hinausgehenden Dogmen und Wahrheiten ist, zuerst und vor allem Glauben fordert und seine moralische Auffassung auf die übernatürliche göttliche Gnade gründet, hat die Freimaurerei nur eine natürlidie Wahrheit und bringt ihre Eingeweihten zum freien Gedanken und zur freien Forschung durch die Vernunft allein. Die Struktur ihrer Moral fußt allein auf den natürlichen Kräften des Menschen und dient nur natürlidien Zwecken. Unlängst hat die Inter-Orthodoxe Kommission, die auf dem Berge Athos zusammenkam und an der die Verantwortlichen aller unabhängigen orthodoxen Kirchen beteiligt waren, die Freimaurerei als ein falsches und antichristlidies System charakterisiert.“
Mit Genehmigung der Bischofskonferenz gab dann Erzbischof Chrysostomos von Athen folgende Beschlüsse bekannt: „Die Freimaurerei kann absolut nicht mit dem Christentum in Einklang gebracht werden, weil sie eine Geheimorganisation ist, die im dunkeln und geheimen arbeitet und lehrt sowie den Rationalismus vergöttert … Daher kann einem Geistlichen nicht erlaubt werden, Mitglied dieser Gesellschaft zu werden. Ich meine, daß jeder Geistliche, der es dennoch tut, ausgestoßen zu werden verdient … Wir erklären, daß alle gläubigen Kinder der Kirche außerhalb der Freimaurerei bleiben müssen … Es ist unrecht, zu Christus zu gehören und Erlösung sowie seelische Vervollkommnung außer denn bei Ihm zu suchen.“ (M. Dierickx, a.a.O. S.182)
Das Urteil der Interorthodoxen Kommission, wonach die Freimaurerei ein „antichristliches System“ ist, deckt sich voll und ganz mit der Argumentation, die an Hand der Analyse des ersten Kapitels der „Alten Pflichten“ in dieser Schrift vorgetragen wurde. Die Verurteilungen, die seitens der RömischKatholischen Kirche seit 1738 ausgesprochen wurden  bisher sind über 12 Verbote der Freimaurerei durch Päpste erlassen worden und rund 200 päpstliche Interventionen gegen Freimaurerei und andere geheime Gesellschaften erfolgt  gehen von der Grundtatsache des antichristlichen Charakters der Freimaurerei aus und sollten von daher auch verstanden werden. Dabei steht eindeutig fest, daß sich die betreffenden Verurteilungen nicht nur auf die militant antikirchliche „irreguläre Freimaurerei“ beziehen, sondern ebenso die „reguläre“ angelsächsische Richtung treffen.
Die Meinung von M. Dierickx, daß die im Kanon 2335 des Kirchlichen Gesetzbuches (1918) für Mitglieder der Freimaurerei verhängte Exkommunikation nicht den „regulären Logen“ gilt, weil diesen ja keine Verschwörung gegen die Kirche zur Last gelegt werden könne, geht an der Wirklichkeit leider vorbei und beruht auch dann auf falschen Voraussetzungen, wenn mehrere Theologen und Kirchenrechtler in dieser Frage die Ansicht von M. Dierickx teilen.“ (M. Dierickx, a.a.O. S.192)
Angesehene und führende Freimaurer sehen im ökumenischen Dialog nach dem II. Vatikanischen Konzil die große Chance oder sie hegen zumindest die Hoffnung, daß die Katholische Kirche ihre Haltung gegenüber der Freimaurerei revidiere. Sie selbst wollen aber die Freimaurerei in ihrem Wesen nicht verändert wissen, wenngleich sie auch einige unwesentliche kosmetische Reformen in ihrem Ritual und Brauchtum für notwendig erachten, heute manchmal mit der Absicht, dadurch die Logen für Katholiken als akzeptabel erscheinen zu lassen. Ihre kluge Taktik hat sich als erfolgreich herausgestellt, obwohl sich das innere Wesen der Freimaurerei nicht im geringsten geändert hat.
Altgroßmeister F. A. Pinkerneil äußerte 1961 seine ganz aufrichtige Meinung darüber, wenn er schreibt: „Es erscheint unmöglich, die Gegnerschaft der Katholischen Kirche auch nur zu mildern. Wir können nichts mehr tun  und das werden wir tun  als eine bedauerliche Wandlung der Katholischen Kirche seit der Zeit, wo Bischöfe und Prälaten führende und angesehene Freimaurer waren, festzustellen und den Gründen nachzugehen. jedenfalls haben wir Freimaurer uns in den beiden Jahrhunderten nicht gewandelt. Wir erstreben in dieser Hinsicht eine faire, geistig hochstehende Auseinandersetzung.“ Wer die Freimaurerei kennt, kann voraussagen, daß sie sich auch in der Zukunft nicht wandeln wird, jedenfalls nicht in ihrer Haltung gegenüber der Katholischen Kirche, sofern sie ihrem Bekenntnis und ihrer Sendung treu bleibt.
Da die Kirche aber keinen Verrat an dem von ihrem göttlichen Stifter stammenden Heilsauftrag üben darf, wird die ersehnte und erstrebte geistige Ökumene mit der Freimaurerei solange nicht möglich sein, als die „dogmenlose Freimaurerei“ die katholische Kirche, „die auf dem Dogma beharren muß“ (Delters) nicht anerkennt und zu ihr zurückkehrt. Wie sehr aber einerseits das wirkliche Wesen der Katholischen Kirche mißverstanden werden kann und wie tief andererseits der Graben ist, der die Freimaurerei von der Kirche trennt, zeigen folgende Äußerungen eines vielzitierten Freimaurers. Er meint, „daß die Kirche Roms weniger eine katholische, das heißt allgemeine Kirche ist, als vielmehr eine römische, die mit dem imperialen Anspruch auf absolute Führung des vergangenen Roms auftritt. Das Imperium Romanum ist verschwunden, untergegangen. Doch der Geist Roms verkörperte sich in der Kirche, die aus einer katholischallgemeinen zu einer römischen wurde …
Rom beruft sich stets auf das seinem ersten Bischof, dem Apostel Petrus, vom Erlöser übertragene Hirtenamt. Darin und in der ununterbrochenen Sukzession des Bischofamtes von Rom liegt zweifellos ein Quell der Stärke der römischen Kirche. In allen Wandlungen, denen sie unterlag, blieb ihr Machtanspruch auf die Seelenführung der Menschen bestehen. Diesen Anspruch versucht sie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu erhalten und zu mehren. Für sie bleibt der Mensch ein der Führung bedürftiges, sündiges Geschöpf.
Nun bleibt die Menschheit als Ganzes ebensowenig stehen, wie der Einzelne. Wie das Kind und der jugendliche Mensch der Mündigkeit entgegenreifen, so auch die Menschheit.
Die Freimaurerei steht auf dem Standpunkt, daß viele Menschen die Schwelle der Mündigkeit, der geistigen Mündigkeit, überschritten haben, ja sogar, daß die Menschheit als Ganzes sich mehr und mehr der Schwelle der Mündigkeit nähert. Der geistigmündige Mensch soll aus eigener Kraft seinen Weg suchen und finden … Wie das Kind einmal selbständig gehen lernt und sich von Rockschoß der Mutter löst, so muß auch der Mündige sich einmal von der geistigseelischen Bevormundung durch die Kirche lösen …
Aus dem Machtanspruch, den die römische Kirche insbesondere auf die Seelen der Gläubigen erhebt, ergibt sich, daß sie nicht tolerant sein kann …
Was die römische Kirche im Kult und den Sakramenten den Gläubigen zu spenden hat, gehört zum Gewaltigen. Stünde dahinter nicht eine aus römischjuristischem Denken geborene Dogmatik und als Inspirator derselben das Machtgespenst der Caesaren, würde man sie, nicht zuletzt im Hinblick auf ihren Sakramentalismus, als die katholische, das heißt als die umfassende, allgemeine Kirche anerkennen können. Und das ist es, was die römische Kirche und Freimaurerei in ihrem Wesen trennt.“ (Herderkorrespondez, HK, 1953, Heft 12, S.570)
Man muß diesen Text, der 1958 veröffentlicht wurde, mit Bedacht lesen, um die tiefe Kluft, die Freimaurerei und römischkatholische Kirche voneinander trennt, richtig erkennen zu können. Wie klar hat der Verfasser doch gerade den Wesensunterschied zwischen freimaurerischer Mündigkeitsideologie und der „Dogmatik“ der Mutter Kirche herausgestellt.
Fast möchte man meinen, daß der erst nach dem II.Vatikanischen Konzil spürbar gewordene Aufbruch zur Mündigkeit in der Kirche mit der Tendenz, sich „vom Rockschoß der Mutter“ Kirche zu lösen, mit der freimaurerischen Mündigkeit geistig verwandt sei.
Und was sagt der Herr Jesus Christus dazu? Er stellte seinen Aposteln und Jüngern ein Kind vor Augen. Dieses Kind ist Vorbild für alle, die vor Gott mündig, d. h. vollkommen werden und in das Reich Gottes eingehen wollen. Und er sandte unserem mündigen Jahrhundert, in dem bis heute schon mehr Kinder gemordet wurden als in der Gesamtgeschichte der Menschheit, immer wieder große Heilige, die in vorbildlicher Weise uns den Weg der „geistigen Kindheit“ als den Weg des Evangeliums vorgelebt haben. Wer die beiden Wege kennt und miteinander vergleicht, wird zur Einsicht und Überzeugung gelangen, daß zwischen freimaurerischer Mündigkeit und geistiger Kindschaft des Christen ein Abgrund klafft, der unüberbrückbar ist. Wenn ein katholischer Jurist wie A. Mellor und ein Kirchengeschichtler wie M. Dierickx und manche gutwilligen Ökumeniker mit ihnen den Versuch machen wollen, die beiden extremen AntiThesen und Anti-Mächte, die hinter ihnen stehen, miteinander versöhnen zu wollen, so mag ihr Versuch zwar gut gemeint sein, er ist aber genauso unrealistisch und unmöglich wie die Quadratur des Kreises.
Wir haben bei der bisherigen Argumentation stets die Unvereinbarkeit der „regulären Freimaurerei“ mit dem BekenntnisChristentum der katholischen Kirche im Blick gehabt. Wenn schon hier eine akzentuiert antichristliche Spiritualität festzustellen war, so tritt dieselbe Geisteshaltung bei der „irregulären Freimaurerei“ noch viel auffallender in Erscheinung. Der GrandOrient von Frankreich und die unter seiner Führung stehenden Logen können geradezu als AntiKirche bezeichnet werden. Ihr Haß gegen alles Christliche und Katholische erinnert an den antichristlichen Agitator Voltaire, dessen Geist besonders in der romanischen Maurerei weiterlebt. Es genügt schon ein Blick in die Protokolle des GrandOrient, um diesen antichristlichen Haß zu erkennen. Im folgenden greifen wir aus den Protokollen der Generalversammlungen von 1951 und 1952 einige charakteristische Aussagen heraus.“ (Aus La documentatio catholique, Herderkorrespondenz, Heft 12, 1952)
Der Berichterstatter Cheval legte das gesellschaftspolitische Programm der Freimaurerei des französischen GroßOrients dar, von dem sich die GroßLoge von Frankreich wohl in der Tonart der Formulierungen, nicht aber in der Sache unterscheidet, und sprach dabei als Endziel des Grand Orient die vollständige Laisierung an, das heißt die totale Verdrängung der Kirche aus allen öffentlichen Bereichen.
Er sagte in diesem Zusammenhang ein Wort, das wir nicht vergessen sollten: „Die Idee des Laizismus ist für uns nicht eine objektive Idee, sie ist unser Wesen…
Folgende drei Entschließungen wurden vom Konvent einstimmig angenommen: „Der Konvent des Groß Orients von Frankreich stellt fest, daß die menschliche Freiheit durch die klerikalen Umtriebe des Vatikan in Frankreich, den überseeischen Gebieten der Union Francaise und in der ganzen Welt bedroht ist. Er beschließt, um der Kirche die Stirn zu bieten:
1. mit allen Mitteln das verborgene Spiel der Staatssekretarie des Vatikans zu enthüllen, deren Ziel es ist, der ganzen Menschheit die entehrende Vormundschaft der politischen, wirtschaftlichen und religiösen Diktatur aufzuerlegen;
2. alle Freimaurer des GroßOrient von Frankreich aufzufordern, daß sie zu jeder Stunde und an jedem Orte am Zusammenschluß aller Laien arbeiten, und von jenen, die wichtige Stellungen innehaben, zu verlangen, daß sie das Ideal der Laieninstitutionen mit demselben Eifer verteidigen;
3. in dem unversöhnlichen Kampf gegen den römischen Klerikalismus alle Bündnisse zu schließen, die mit dem freimaurerischen Ideal vereinbar sind.“
Am Schluß bekräftigte der Konvent seine Entschließungen mit folgendem Eid, der nach den Worten des Großmeisters nicht zur Abstimmung gestellt, sondern um der größeren Feierlichkeit willen ohne Diskussion von allen Anwesenden mit einem feierlichen „Wir versprechen es“ angenommen wurde: „Wir Freimaurer des GroßOrients von Frankreich übernehmen die feierliche Verpflichtung, mit allen unseren Kräften, zu jeder Stunde und an jedem Orte das Ideal und die Institution des Laientums zu verteidigen, die der höchste Ausdruck der Grundsätze der Vernunft, der Toleranz und der Brüderlichkeit sind, denen wir Treue geschworen haben, als wir die Erleuchtung empfingen.“
Auf dem Kongreß des Jahres 1952 findet man in einer der letzten Reden eine ausführliche Definition über den Begriff „Geist des Laientums“ („Esprit laique“). Der Redner Jolly erklärte dazu:
“Laie sein, das heißt nicht, das menschliche Denken auf den sichtbaren Horizont begrenzen oder dem Menschen verbieten, daß er von der Suche nach Gott träume. Es heißt, für das gegenwärtige Leben die pflichtgemäße Anstrengung fordern. Es heißt, die Gewissen derer, die noch vom Zauber alter Gläubigkeit gehalten sind, nicht verletzen wollen und nicht verachten. Es heißt, den Religionen, die vorübergehen, das Recht verweigern, die Menschheit zu regieren, die unvergänglich ist. Es heißt, daran glauben, daß das Leben der Mühe wert ist, gelebt zu werden, dieses Leben lieben, dieses Tränental von der Erde wegweisen, nicht zugeben, daß diese Tränen notwendig und wohltätig sind oder daß das Leiden providentiell ist: es heißt, für kein Elend Partei ergreifen. Es heißt, dem Übel im Namen der Gerechtigkeit den Kampf liefern. Laie sein, das heißt drei Tugenden besitzen: Caritas, das ist Liebe zu den Menschen; Hoffnung, das ist das wohltuende Gefühl, daß ein Tag kommen wird, an dem sich die Träume der Gerechtigkeit, des Friedens und des Glücks erfüllen werden; Glaube, das ist der Wille, an den sieghaften Sinn unaufhörlicher Anstrengung zu glauben … Dies ist es, dem jeder unserer Brüder sich verbünden muß.“
Mit Recht hat ein Kommentator zu der vorliegenden Definition bemerkt: „In diesen Worten wird wohl das wahre Glaubensbekenntnis der freimaurerischen Religion und Sozialethik treffender ausgedrückt sein als in den Riten und Zeremonien der Loge. Sie zeigen mit eine geradezu erschütternden Deutlichkeit, daß Freimaurerei, europäischer Liberalismus, Laizismus und Marxismus weltanschaulich, wenn auch mit gewissen Unterschieden, die gleiche Haltung zum Ausdruck bringen, die man als die vollendete Perversion des christlichen Glaubens wird bezeichnen müssen.“
Die Glaubensauffassung und Weltanschauung des Grand-Orient, so wird mancher einwenden, kann doch nicht als normgebend und typisch für die gesamte Freimaurerei hingestellt werden. Und doch, so muß diesem Argument entgegengehalten werden, läßt sich auch in vielen angelsächsischen Logen, vorwiegend in der neuen Welt, bei allen sonstigen Unterschieden, eine verblüffende Übereinstimmung mit dem GroßOrient hinsichtlich laizistischer Bestrebungen beobachten …
Auch die amerikanische Freimaurerei kann in ihrer Gesamtheit keinesfalls als kirchenfreundlich betrachtet werden. Die amerikanischen Logen haben in letzter Zeit zunehmend Atheisten aufgenommen, nachdem der Großmeister der Großloge des Südens erklärt hatte, daß die amerikanische Freimaurerei der in den „Alten Pflichten“ enthaltenen Glaubensformel nur unter der Bedingung zustimme, „daß sie die Achtung vor jeder Glaubensüberzeugung ausdrücken und ein Zeichen für die Verbindung zwischen Gläubigen und Ungläubigen sein soll“. Die amerikanischen Freimaurer sind wie alle anderen davon überzeugt, daß sie über jede „partikularistische Religion“ erhaben sind und erstreben, wie ihre Konferenz von Washington es bereits 1912 formulierte, „eine universale Religion auf der Grundlage der Liebe zur Menschheit“.
Die amerikanische Freimaurerei ist zwar in zahlreiche selbständige Logen gegliedert und hält im allgemeinen an ihrem englischen bzw. schottischen Ursprung fest. Das hindert sie jedoch nicht, in Glaubensfragen den englischen Freimaurern religiöse Enge und zu großen Konservatismus vorzuwerfen. Es gibt auch in den USA Logen, die ganz im Stil des GroßOrients eine militant antikirchliche Propaganda betreiben und den Einfluß der katholischen Kirche aus dem gesellschaftlichen Leben ausschalten wollen, was sich in jüngster Zeit besonders im Zusammenhang mit der Frage der katholischen Privatschulen beobachten läßt, worüber wir uns später eingehender zu befassen haben. Schon im Jahr 1949 warnte das Informationsblatt des schottischen Ritus „Scottish Rite News“ entschieden „vor den Umtrieben der römischkatholischen Kirche und des Kommunismus, die zwei große Bedrohungen für die Demokratie darstellen, die uns teuer ist.“
In diesem Blatt waren alle Vorwürfe gegen die Kirche zu finden, wie sie der GroßOrient nur immer vorgetragen hat, angefangen von dem Märchen, Hitler, Mussolini und Franco seien „Agenten des Vatikans“ gewesen bis zu der verleumderischen Behauptung, Rom wolle durch einen dritten Weltkrieg ein katholisches Europa wiederherstellen, aus dessen Führungsstellen die Freimaurer von Katholiken bereits verdrängt seien. Die römischkatholische Kirche wird zum eigentlichen Feind Amerikas gestempelt. Doch genug davon.
Es ist nun an der Zeit, unter die Ausführungen dieses Kapitels einen Strich zu ziehen und zu fragen, wie es angesichts der in unserer Analyse aufgezeigten Unvereinbarkeit von Freimaurerideologie und jeder Form von Bekenntnischristentum zu erklären ist, daß, wie M. Dierickx mitteilt, „vier bedeutende KardinalErzbischöfe Westeuropas einigen Freimaurern, die sich zum Katholizismus bekehrten oder ihn wieder ausüben wollten, erlaubten, in den Logen zu verbleiben… Wir persönlich kennen mehrere Katholiken, die es mit ihrem Glauben ernst nehmen und doch Freimaurer sind“.
Erst recht stellt sich uns diese Frage, wenn die Meldung zutrifft, daß der praktizierende Katholik Mellor in die Pariser Loge ’Esperance’ aufgenommen werden konnte, ohne daß Rom Einspruch erhob. Alec Mellor arbeitet schon seit mehr als zehn Jahren für seine „getrennten Brüder, die Freimaurer“. (A.Mellor, Unsere getrennten Brüder, die Freimaurer, Verlag Styria,Graz, Wien, Köln, 1964) 

Wie der deutsche Freimaurer F. Bolle schreibt, ist Mellor „ein gläubiger Sohn seiner Kirche und Anwalt am Kassationshof in Paris; im März 1969 wurde er Freimaurer“. Die Frage, wie solche Vorgänge zu erklären sind, ist gestellt und bleibt im Raum stehen, in der Hoffnung, daß die Betroffenen und Verantwortlichen sie zu gegebener Zeit beantworten werden. Für alle gläubigen Katholiken, die dem Selbstzerstörungsprozeß der Kirche entgegenwirken wollen, bleibt indessen die heilige Pflicht, ihren Hirten die Gaben des Heiligen Geistes zu erflehen, besonders die der „Unterscheidung der Geister“, damit von ihnen keine Entscheidungen getroffen werden, die der Kirche schaden und dem Heil der Menschen und der Menschheit abträglich sind.
Wenn die Reform des Kirchlichen Gesetzbuches abgeschlossen sein wird, dürfte die Freude in allen Logen der Welt wenigstens in einem Punkt sehr groß sein. Denn dann wird die jetzt noch auf dem Papier des alten Kodex stehende, in der Praxis jedoch bereits mehrfach unterlaufene Exkommunikation für Katholiken, die Mitglieder einer Freimaurerloge sind, nicht mehr zu finden sein. Unter Berufung auf die Katholische NachrichtenAgentur (KNA) brachte „Die Bruderschaft“, das Organ der Freimaurer in Deutschland, in Nr. 8/9 (September) 1973 folgende Notiz:
„Die Exkommunikationen gegen katholische Freimaurer soll aufgehoben werden. Ein entsprechender Erlaß ist bereits vor zwei Jahren von der Glaubenskongregation ausgearbeitet worden. Wann er veröffentlicht wird, steht allerdings noch nicht fest. In Rom wird vermutet, daß die Veröffentlichung erst zusammen mit dem neuen Kirchenrecht erfolgt, an dem zur Zeit gearbeitet wird.  Die Bischöfe von England und Wales haben die Geistlichen ihres Landes von dieser bevorstehenden Erleichterung unterrichtet. Wahrscheinlich werde man dabei von Rom aus jeder nationalen Bischofskonferenz die Entscheidung darüber zugestehen, ob den Laien künftig gestattet sein soll, der Gemeinschaft der Freimaurer anzugehören.“
Abschließend sei dazu nur soviel bemerkt: Die Aufhebung der Exkommunikation hebt die Unvereinbarkeit von Freimaurerei und katholischem Glauben nicht auf.
Es ist und bleibt für einen Katholiken unmöglich, ein „gläubiger Sohn seiner Kirche“ und gleichzeitig ein wirklicher Freimaurer zu sein. Wenn M. Dierickx meint, die letzten Hindernisse zwischen Freimaurerei und Kirche könnten „nur durch eine aktive Teilnahme von Katholiken am Logenleben beseitigt werden“ und zur Begründung auf die Situation in der Vereinigten Großloge von England und in Skandinavien verweist, wo durch Bischöfe und Pfarrer als Logenmitglieder ein positiver Einfluß auf die Logen ausgeübt werde, wenn er weiter den englischen Freimaurer und anglikanischen Geistlichen J. L. C. Dart zitiert, nach dem Geistliche und Laien Mitglieder der Freimaurerei werden müssen, damit diese „nicht den Feinden der Religion in die Hände fällt“, wenn er schließlich schreibt, es komme ab und zu vor, daß „ein katholisch getaufter, der sich später der Religion entfremdete, durch die Freimaurerei und die Arbeit in der Loge zu seinem Glauben zurückfindet … Persönlich haben wir ein Dutzend französische Freimaurer kennengelernt, die (auf’s neue) katholisch geworden sind“, so ist darauf folgendes zu erwidern: Alle Versuche dieser Art Propaganda sind nicht überzeugend. Zunächst haben die genannten Bischöfe und Geistlichen den Prozeß der Entchristlichung in ihren Ländern auch als Mitglieder der Logen nicht aufhalten können. In Schweden z. B., das schon lange vor England eine unmenschliche und unverantwortliche Abtreibungsgesetzgebung einführte, hat man es erreicht, daß christliche Prinzipien im öffentlichen und kulturellen Leben, in der Justiz, Schule, Hochschule, Erziehung, Sitte, Sexualität, Ehe, Familie so gut wie außer Spiel gesetzt sind.“ (R. Braun, Was geht in Schweden eigentlich vor, Nürnberg, S.7)
Hätten Bischöfe und Geistliche in den betreffenden Ländern für die Forderungen des Evangeliums und gegen die religiösen und sittlichen Auflösungstendenzen der Liberalen gekämpft, dann hätten sie ihrem Volk und ihrer Kirche wahrscheinlich einen besseren Dienst erwiesen als durch ihre Mitarbeit in den Logen. Eine ihrem Wesen nach antichristliche Institution kann durch christliche Mitglieder nicht verchristlicht werden, wohl aber werden selbst viele Christen von ihr aufgesaugt. Das ist eine geschichtliche Erfahrung, die im Bereich der Religion ebenso gemacht wurde wie in dem der Politik. Und was die Behauptung betrifft, daß ehemalige Getaufte durch die Freimaurerei und das Leben in der Loge ihren ursprünglichen Glauben wiedergefunden haben, so überzeugt sie ebenfalls nicht. Im Falle von Y. Marsaudon, dem «Staatsminister« des Obersten Rates von Frankreich, der hier als Musterbeispiel genannt wird, darf sogar mit guten Gründen bezweifelt werden, daß er den katholischen Glauben wirklich wiedergefunden hat. Einige Äußerungen in seinem Buch «L’Oecumenisme vu par un FrancMacon de Tradition« sprechen dagegen. Falsch ist z. B. seine von Dierickx zitierte Behauptung, daß „diese gewaltige Institution“ (Kirche) … echt freimaurerisch ist, daß „das Wesen des Freimaurers und das eines gläubigen Christen einander nicht widerstreiten“ und daß „Christentum etwas anderes ist als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirche“ (M. Dierickx).
Einige andere Sätze, die Dierickx nicht zitiert, wiegen allerdings noch schwerer. So ist es mit dem römischkatholischen Glauben schlechthin unvereinbar, wenn Y. Marsaudon schreibt: „Eines Tages muß die dogmatische Kirche verschwinden oder sich angleichen und, um sich anzugleichen, zu den Quellen zurückkehren“ (S. 120). Auch das andere Wort von ihm, das wir bereits kennen, wonach die Namen der verschiedenen Religionen und Konfessionen „bei uns nur Vornamen sind, unser Familienname ist Freimaurerei“ (S. 126), kann mit dem katholischen Glauben nicht in Einklang gebracht werden. Der Versuch, Freimaurerei und Kirche, antichristliche und christliche Religion auf einen Nenner zu bringen, gelingt nicht.

2. Die antichristliche Kulturrevolution
 
Im Jahr 1963 wurde F. A. Pinkerneil, der damalige Großmeister der VGLvD, in einem Interview gefragt, ob er bereit sei, „die Freimaurerei als ein religiöses Bekenntnis anzusprechen“. Seine Antwort: „Ich bin dagegen, zu sagen, Freimaurerei ist eine Ersatzreligion. Ich bekenne aber, daß ich die Freimaurerei tatsächlich für ein religiöses Bekenntnis ansehe, weil in ihrem Mittelpunkt die Fühlung mit Gott steht“ (Der Spiegel, Nr.15, 1963).
Wie läßt sich dieses Bekenntnis eines angesehenen deutschen Freimaurers mit der Meinung von A. Mirgeler vereinbaren, die Freimaurerei sei „nicht zu verstehen als eine neue, dritte oder vierte Konfession neben den bestehenden, auch nicht als die Ablösung des traditionalen Glaubens durch einen militanten Deismus, Atheismus oder Indifferentismus. Sie tendiert vielmehr auf einen weltanschauungsfreien Raum, in dem nach den Religionskriegen eine friedliche Koexistenz überhaupt erst wieder möglich wird“? (Die Freimaurerei – Eine geistesgeschichtliche Untersuchung, in „Hochland“, Juni 1963)
Wo in der Welt gibt es einen „weltanschauungsfreien Raum“ für Menschen, in deren „Mittelpunkt die Fühlung mit Gott steht“, oder um mit dem ehemaligen Großredner der Landesgroßloge A.F.u.A.M., Senator a. D. Yström (Bremen) zu sprechen, das Streben nach verfeinertem Menschentum, das keine Utopie, sondern das Credo zur Humanität ist?“ Hildesheimer Allg. Zeitung, 19.11.1982, Bericht über die 200-Jahrfeier der Loge „Pforte zum Tempel des Lichts“ in Hildesheim).
Nein, die Freimaurer sind keine „weltanschauungsfreien“ Gesellen. Ihr Bekenntnis ist in der Tat ein „Credo zur Humanität“ und dieses ist nach den Worten eines dänischen Freimaurers die „universelle, moralphilosophische Religion, die rein moralische HumanitätsReligion“ der Freimaurerei.“ (F. Hilling, zitiert aus Europäische Freimaurerzeitung, vom Juni 1964).
Genau die Religion also, die wir im vorhergehenden Kapitel eingehend als antichristliche Religion analysiert haben. Über den Gottesdienst und die Dogmatik, die gnostischen und synkretistischen Elemente der maurerischen „HumanitätsReligion“ brauchen hier keine näheren Einzelheiten dargelegt zu werden. Darüber haben andere Autoren bereits ausführlich und gründlich genug geschrieben.
Uns interessiert vielmehr die Frage, wie die vielgerühmte freimaurerische Toleranz der Kirche Jesu Christi begegnet, die den Anspruch erhebt, allein zur Verkündigung der von Gott geoffenbarten Heilsbotschaft von ihrem Herrn Jesus Christus zu allen Völkern gesandt zu sein mit dem Auftrag, die Menschen zu Glauben und Taufe zu rufen und ihnen ewiges Leben im Reiche Gottes zu vermitteln. Wer dieser Frage nachgeht, muß leider feststellen, daß die „HumanitätsReligion“ der Logen für die katholische Kirche, die nach dem II. Vatikanischen Konzil „in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit ist“, weder Verständnis noch die geringste Toleranz aufbringt. Im Gegenteil: Die Freimaurer treten dieser nach ihrem Vokabular „intoleranten Kirche“ und ihren „Dogmen“ mit aller Entschiedenheit entgegen.
Th. Vogel, der Patriarch der deutschen Freimaurer, sagte 1955 in Essen: „Da der Freimaurer jeden Dogmaglauben ablehne, werde er auch in seiner eigenen Organisation ein Dogma nicht dulden.“ Kurz und gut: Die Freimaurer geben zu, gegen jedes dogmatische Bekenntnis, das mit ihrer eigenen „HumanitätsReligion“ nicht übereinstimmt, unduldsam, d. h. intolerant zu sein: Sie „dulden“ kein (fremdes) Dogma in ihrer „eigenen Organisation“.
Ihr leidenschaftlicher und unerbittlicher Kampf gegen das weltumfassende Bekenntnischristentum gilt von jeher in erster Linie der Bekenntnisschule. Christliche Erziehung ist ihrem Wesen nach immer bekenntnisgebunden, weil Christentum notwendig Bekenntnis ist und nur in Bekenntnissen (Konfessionen) existiert. Ein Christentum „hoch über allen Konfessionen“, wie es liberale Kulturkämpfer wollen, ist kein echtes Christentum mehr. Ein solches verfälschtes „LogenChristentum“ wäre vielmehr mit der antichristlichen „HumanitätsReligion“ identisch. Da nun die katholische Kirche nicht bereit ist, sich selbst auflösen und entkonfessionalisieren zu lassen, da sie die bedingungslose Nivellierung und Einschmelzung in die freimaurerische Humanitätsideologie nicht mitmacht und das Recht auf christliche Erziehung, die vor allem in der katholischen Schule vermittelt wird, verteidigt, wird sie von der Freimaurerei dadurch zu vernichten versucht, daß man die katholischen Schulen auf politischem Weg liquidiert oder sie langsam sterben läßt, indem man ihnen die finanzielle oder wirtschaftliche Basis entzieht. Im letzten Jahrhundert wurde dieses Ziel, die Kirche über die konfessionslose Schule zu zerstören, von den Freimaurern ganz offen und ehrlich verkündet. So ist zum Beispiel am 11. Juni 1879 auf dem Hauptkonvent aller Logen in Neapel die „Entchristlichung mit allen Mitteln, vorzüglich durch Vernichtung des Katholizismus“, beschlossen worden. Damals wußte man auch schon, wie dieses Ziel am schnellsten erreicht werden kann: „In acht Jahren wird man durch konfessionslose Schulen eine Generation ohne Glauben haben…“, so hieß es wörtlich im Jahr 1879 in Neapel.“ (A. J. Fava, Le secret de la Franc-Massonerie, 1883).
Im 20. Jahrhundert werden die freimaurerischen Pläne nicht mehr mit solcher Ehrlichkeit proklamiert. Heute formuliert man die unveränderten Ziele freundlicher und mit mehr diplomatischem Geschick. So wurde auf der Generalversammlung des GroßOrients von Frankreich im Jahr 1952 erklärt: „In einer Demokratie, die darum besorgt ist, die Persönlichkeit des Kindes und die Grundsätze der Gerechtigkeit, Freiheit und Brüderlichkeit zu achten, die ihre Devise sind, darf es nur eine einzige nationale Schule geben, die allen die gleichen Möglichkeiten zur Entwicklung unter den gleichen Bedingungen gibt. Man muß die Jugend lehren, miteinander zu leben, sich zu verstehen und sich zu lieben. Nur auf den Bänken ein und derselben einzigen Schule werden sie das tun können.“ Doch in der folgenden Begründung kommt der kulturrevolutionäre Geist wieder offen zum Vorschein, wenn es heißt: „Dies um so mehr, als die apostolische und römische Kirche in Verfolgung ihrer Pläne zur Unterjochung des Geistes unter ihre Dogmen, moralischen und materiellen Interessen das gegenwärtige Klima der Verwirrung und Unsicherheit, in dem wir uns befinden, gründlich ausbeutet. Es ist ihr gelungen, sich eine genügende parlamentarische Mehrheit zu verschaffen. In Erwartung der großen Revanche, die wir kraftvoll vorbereiten und erreichen müssen, müssen wir den Grundsatz der Verstaatlichung der Erziehung und folgerichtig der Unterdrückung der Privatschulen aufrechterhalten. Die Nation muß das gesamte Erziehungswesen übernehmen, das vollständig laisiert und dreigliedrig verwaltet wird (Staat, Delegierte der Lehrerschaft, Delegierte der Eltern).“
A. Giraud, der 1951 einen Bericht namens der Kommission für das Schulproblem erstattete, sprach dabei den denkwürdigen Satz: „Im Westen gibt es nicht mehr Sozialisten, Kommunisten und Radikale, es gibt nur noch, und zwar mit Grund, Antiklerikale: der Antiklerikalismus macht einen Teil unserer Rasse aus. Entschuldigen Sie uns.“
Die Kommission sollte für den Konvent im folgenden Jahr ein genaues Programm für die Entwicklung der laizistischen Erziehung ausarbeiten, wobei ihr der Gedanke als Richtschnur dienen sollte, daß die Freimaurerei sich schon immer „gegen den Pluralismus auf dem Gebiet der Schule“ und für das Staatsschulmonopol im Dienste des Laizismus ausgesprochen habe.
Das Projekt der Schulkommission wurde der Generalversammlung 1952 vorgelegt. Darin wird unter Berufung auf das Prinzip der Gleichheit aller Menschen eine totale Demokratisierung der Erziehung, d. h. die schon erwähnte Verstaatlichung des gesamten Erziehungswesens gefordert, was identisch ist mit der Liquidierung aller konfessionellen Schulen, die in Frankreich ohnehin nur als Privatschulen bestehen. Aus der staatlichen Einheitsschule müssen alle konfessionellen und sozialen Unterschiede verschwinden.
Der Staat soll bereits den Kindern von vier Jahren an Gelegenheit zu vorschulischer Erziehung bieten, ein Gedanke, der in Deutschland erst 15 Jahre später zaghaft in die Öffentlichkeit getragen wurde, Einzige Leitungsbehörde für die gesamte Staatserziehung soll das Ministerium für nationale Erziehung sein. In einem anderen Teil wird schließlich auch die Nationalisierung der Freizeit und Feriengestaltung sowie der Erwachsenenbildung behandelt. Das umfassende Programm endet mit Entschließungen, die nichts anderes als Kampfmaßnahmen gegen jeglichen Einfluß der Kirche auf das Erziehungswesen beinhalten. Daß im Zuge dieser Maßnahmen auch die Verjagung der religiösen Orden gefordert wurde, überrascht nicht.“ (M. Dierickx)
Eine sachkritische Würdigung dieses freimaurerischen Erziehungsprogramms kommt zu folgendem Schluß:
Im Namen von Freiheit und Gleichheit wird hier eine totale Kulturdiktatur angestrebt, die sich ihrem Wesen nach von der in den kommunistisch beherrschten Staaten praktizierten Kollektiverziehung in nichts unterscheidet. Mögen die Erziehungsinhalte hier und dort verbal verschieden sein, im Endeffekt haben sie das gleiche kulturrevolutionäre Ziel, das schon in der Französischen Revolution angestrebt wurde: die Vernichtung des Christentums als der Wurzel der persönlichen Freiheiten, besonders der Glaubens und Gewissensfreiheit.
Wenn es gelingen sollte, dieses Ziel zu erreichen, dann wäre auch noch der letzte Rest von wahrer Demokratie im Westen beseitigt. Diese Erkenntnis hat niemand klarer ausgesprochen als der große europäische Demokrat Robert Schuman, der in seinem Buch Pour l’Europe schreibt:
“Die Demokratie wird christlich sein oder sie wird nicht sein. Eine antichristliche Demokratie ist eine Karikatur, die in der Tyrannei oder in der Anarchie endet“ (S. 70).
Die größte und heimtückischste Bedrohung unserer demokratischen Gesellschaftsordnung kommt allerdings weniger von der kommunistischen Politik und Unterwanderungsstrategie, von außen also, als vielmehr von der inneren Zersetzung der demokratischen Ordnung durch die extremen liberalen Kulturrevolutionäre, deren geistige Verwandtschaft mit den roten Kulturdiktatoren nirgendwo so deutlich in Erscheinung tritt als gerade auf dem Feld ihrer gemeinsamen antichristlichen Kulturpolitik.
Die antikatholischen Bestrebungen des GrandOrient beschränken sich keineswegs nur auf Frankreich. Man darf nach der kulturpolitischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte feststellen, daß die radikalen Parolen der französischen Maurer auch im Bereich der angelsächsischen Logen aufgegriffen wurden und in verschiedenen Ländern Schule gemacht haben.
In Deutschland sind die Forderungen der Generalversammlung des GroßOrients von 1952 in ähnlichen, fast gleichlautenden Formulierungen während des Wahlkampfs im Jahr 1953 wieder aufgetaucht. Die Schlagworte vom „Politischen Katholizismus“ und „Konfessionalismus“ wurden damals von führenden Freimaurern wie Thomas Dehler  (F.D.P.)und Reinhold Maier, vom Deutschen Industrieinstitut und vom Pressedienst der SPD propagandistisch hochgespielt. Dehler behauptete, das Wesen der Demokratie schließe „jeden Anspruch auf absolute Gültigkeit aus“. Er warf der katholischen Kirche vor, sie mache die Frage der staatlichen Konfessionsschule zum Anlaß politischer Auseinandersetzungen und schaffe dadurch „politisches Unheil“. Der Katholik, der sich der Kirche unterwerfe und sich konfessionell binde, könne deshalb kein guter Demokrat sein.
Ähnliche Behauptungen sind in Deutschland immer wieder von der sog. „Humanistischen Union“ aufgestellt worden. So erklärte beispielsweise der Heidelberger Psychologe Prof. A. Mitscherlich auf einer Versammlung der „Humanistischen Union“ am 28. Januar 1962 in Frankfurt, Bekenntnisschulen und konfessionelle Lehrerbildung seien unvereinbar mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Er wandte sich gegen die sog. „Konfessionalisierung des öffentlichen Lebens“ und forderte u. a.: die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen und die Einführung eines religionskundlichen Unterrichts allgemeiner Art, da der Offenbarungsglaube nicht zu letzter Toleranz fähig sei, wie er meinte. „Weil aber in der Bundesrepublik starke Tendenzen zur Intoleranz und zur Mißachtung der pluralistischen Struktur in der modernen Gesellschaft zu beobachten seien, brauche die Demokratie eine starke Organisation, die für die Wahrung der demokratischen Prinzipien eintrete.“ Diese Aufgabe habe sich die „Humanistische Union“ Dr. Szczesnys gestellt.“
Als in Bayern zu Beginn des Jahres 1968 nach drei Volksbegehren endlich ein Schulkompromiß zustande gekommen war, der für den Freistaat Bayern eine einzige öffentliche Schule vorsieht, in der „nach den Grundsätzen der christlichen Bekenntnisse“ unterrichtet werden soll, nahm der Vorsitzende der „Humanistischen Union“ am 20. Februar 1968 in München dagegen Stellung und erklärte, daß durch die geplante Einführung dieser Schule „ein Gewissensterror wie in den kommunistischen Staaten“ ausgeübt würde. Die Einigung der Parteien bedeute keinen Kompromiß, sondern eine „Kapitulation der SPD und F.D.P. vor den Kirchen“. Vor einem solchen „Diktat einer unbelehrbaren Minderheit“ müsse man warnen. Gleichzeitig mit dieser Erklärung Szczesnys gab Rechtsanwalt E. Fischer in München bekannt, daß die „Humanistische Union“ gegen das derzeitige bayerische Volksschulgesetz Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht habe, die auch dann aufrechterhalten bleibe, wenn einem Volksbegehren der Parteien oder der Kompromißformel in einem Volksentscheid entsprochen würde.
Die Konzeption und Zielsetzung der militanten „Humanistischen Union“ stimmt im wesentlichen mit den Bestrebungen der freimaurerischen Humanitätsideologie überein. Der Einfluß der elitären Freimaurerei ist deshalb so stark, weil viele Schlüsselpositionen im Bereich der Hochfinanz, der Presse und des Nachrichtenwesens in den meisten westlichen Ländern von Mitgliedern der Logen besetzt sind. Dadurch wird besonders die öffentliche oder veröffentlichte Meinung entscheidend von den Ideen der liberalen Kulturkämpfer geprägt und überall eine für die autonome Geisteswelt der Freimaurerei charakteristische Atmosphäre geschaffen.
Wenn der Freimaurer und PressekonzernChef Axel Springer einen Großteil der deutschen Presse kontrolliert und der Stuhlmeister der ältesten Hamburger und deutschen Loge gleichzeitig Chef vom Dienst in der Zentrale einer großen deutschen Presseagentur ist (FAZ, 10.12.1962, Bericht über die 225-Jahresfeier der Loge Absalom zu den drei Nesseln), dann versteht man, wie die in den NachrichtenAgenturen gefilterten und durch die Massenmedien in die Bevölkerung geschleusten Informationen und Nachrichten die Öffentlichkeit entscheidend im Geiste der Freimaurerideologie beeinflussen, manipulieren und programmieren können.
Inzwischen ist es den offenen und verborgenen Feinden des Christentums und der Kirche gelungen, die katholische Bekenntnisschule in Deutschland fast vollständig zu beseitigen. Sie haben damit ein langumkämpftes Ziel ereicht und wahrscheinlich einen ihrer größten Siege in unserem Jahrhundert errungen. Es wäre aber eine unverzeihliche Fehleinschätzung der antichristlichen Kulturkämpfer, wenn man annehmen sollte, sie gäben sich mit diesem Sieg zufrieden. Das ist nicht der Fall.
Denn die fast kampflose Kapitulation der deutschen Katholiken, deren geistliche Führungsspitze im Jahr 1967  als der Liquidierungsprozeß der Konfessionsschulen begann die Parole „Kein Schulkampf“ ausgab, wird die liberalen Kulturrevolutionäre jetzt um so mehr ermutigen, ihre antichristliche Aggression zu gegebener Zeit fortzusetzen und ihre nächsten und fernsten Ziele noch rücksichtsloser als bisher anzusteuern. Durch die progressive Zerstörung von Glaube und Moral, die von aufgeklärten, rationalistischen und modernistischen Theologen innerhalb der Kirche mächtig vorangetrieben und von den Verantwortlichen in der Kirche in unverantwortlicher Weise hingenommen wird, durch die von den „humanen“ Antichristen und ihren christlichen Nachbetern uns eingeimpfte Überwindung des „FreundFeindDenkens“ in der Kirche die dadurch leichter umfunktioniert werden kann  ist inzwischen ein erheblicher Verlust an Glaubenssubstanz und ein Klima der Entchristlichung entstanden, das es den antichristlichen Funktionären immer leichter macht, ihre Pläne zu verwirklichen.
Was auf uns zukommt ist schon in einer Resolution der Freireligiösen Gemeinde Bayerns vom 26. März 1962 in aller Deutlichkeit ausgesprochen worden: die völlige Trennung von Staat und Kirche, die Beseitigung des christlichen Charakters der Gemeinschaftsschulen und höheren Schulen, die Ausschaltung des kirchlichen Einflusses in Verwaltung und Justiz, die Abschaffung der Säuglingstaufe und schließlich die Überprüfung aller Gesetze zum Zwecke der Beseitigung der Bevorzugung der Kirchen und kirchlichen Organisationen. Zu der öffentlichen Kundgebung der Freireligiösen Gemeinde, auf der diese Resolution gefaßt wurde, hatte der Vorsitzende der bayerischen Landesgemeinde besonders den damaligen Leiter des Sonderprogramms beim Bayerischen Rundfunk, Dr. G. Szczesny, begrüßt.
Ein ähnliches Entchristlichungsprogramm wird einige Jahre später von dem ehemaligen evangelischen Theologen I. Kahl in dem antichristlichen Pamphlet Das Elend des Christentums  oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott entworfen. Die Schrift, deren Gehässigkeit kaum noch zu überbieten ist, erschien mit einer Einführung von Gerhard Szczesny erstmals 1968 als Taschenbuch im RowohltVerlag, Reinbek bei Hamburg.
Unter dem Titel Postchristliche Perspektiven, Religionsfreiheit fordert der Verfasser eine „emanzipierte Gesellschaft…, die sich am Glück aller orientiert“ (S. 119), eine „humane Gesellschaft“, in der die Religionsfreiheit wie er und seine antichristlichen Gesinnungsgenossen sie verstehen, endlich verwirklicht werden soll. Dazu ist notwendig, daß zuerst die Kindertaufe abgeschafft wird, denn so schreibt er wörtlich  „die Kindertaufe ist verfassungswidrig“ (S. 121). Mit Entschiedenheit verlangt er die „Trennung von Staat und Kirchen“ (S. 122), die „Trennung von Universität und Kirchen“, d. h. die Beseitigung der theologischen Fakultäten an den Universitäten (S. 125) und zuletzt die „Trennung von Schule und Kirchen“, d. h. die Abschaffung des konfessionell gegliederten christlichen Religionsunterrichts an den staatlichen Gemeinschaftsschulen (S. 127).
Die konzentrierte Aktion der organisierten und gesteuerten antichristlichen Kulturrevolutionäre wurde systematisch und geplant weitergeführt und erreichte einen spektakulären Höhepunkt im Jahr 1973. Die westdeutsche DreiPunktePartei (F.D.P.), „zu der sich die Freimaurer, sofern sie sich politisch betätigen, auf Grund der liberalen Geisteshaltung besonders hingezogen fühlen“ (Kristall, Nr.10/1964, S.63), veröffentlichte in der „Frankfurter Rundschau“ vom 23. August 1973 den Entwurf eines Grundsatzpapiers Freie Kirche im freien Staat Thesen zum Verhältnis von Staat und Kirche. Dieser Entwurf wurde von einem im Frühjahr 1973 durch den Bundesvorstand der F.D.P. berufenen Sonderausschuß für das Verhältnis von Staat und Kirche unter Vorsitz der Bundestagsvizepräsidentin und EKDSynodalin Liselotte Funcke ausgearbeitet und vorgelegt. Der F.D.P.Bundesvorstand hat am 26. August 1973 die Vorlage als „geeignete Grundlage für die Diskussion in der Partei“ freigegeben. Ursprünglich war auch eine Diskussion der „Thesen“ auf dem Bundesparteitag der F.D.P. (vom 11. bis 14. November) in Wiesbaden geplant, doch fand die Diskussion dort aus begreiflichen Gründen nicht statt. Die Proteste und ablehnenden Reaktionen, die aus der Öffentlichkeit gegen dieses Kirchenpapier laut wurden, ließen es den Parteistrategen ratsam erscheinen, das antikirchliche Machwerk vorerst auf Eis zu legen und auf günstigere Zeiten für einen neuen Vorstoß zu warten. Da der Text des Entwurfs programmatisch die Ziele der antichristlichen Kulturkämpfer zusammenfaßt und in einigen Punkten konkrete Neuansätze formuliert, soll er hier im vollen Wortlaut zitiert werden. (Wird hier ausgelassen.H.K.) Im Oktober 1974 haben die Delegierten des F.D.P. Parteitages in Hamburg den nur unwesentlich geänderten Entwurf mit überwältigender Mehrheit angenommen. Nach einjähriger Diskussion und teils heftigen Auseinandersetzungen mit den Kirchen wurden die antikirchlichen Thesen mit 262 gegen 82 Stimmen bei vier Enthaltungen verabschiedet.

3. Vom ökumenischen Dialog zur Ökumene der Religionen

Mit Papst Johannes XXIII. begann eine neue Ära der Kirchengeschichte. Die universale Brüderlichkeit, die dieser Papst aller Welt vorlebte, weckte auch in der Welt der Freimaurerei große Erwartungen. Man hoffte auf einschneidende und grundlegende Änderungen und Wandlungen im Verhältnis von Katholischer Kirche zur Freimaurerei. Der gütige RoncalliPapst, den man in Frankreich besonders gut kannte und sehr schätzte, gab gerade durch seinen brüderlichen Stil nicht zuletzt dem Groß-Orient von Frankreich Anlaß, die primitive und militante antiklerikale und antikirchliche Kampagne durch eine bessere revolutionäre Methode abzulösen. Die gehässigen Töne gegen die Kirche verstummten. Die Parole hieß nun: Ökumenischer Dialog. Der Dialog erlaubte es schließlich, mehr und mehr aus der subversiven Untergrundaktivität aufzutauchen und an das Licht der Öffentlichkeit zu treten. Die Revolutionäre des GroßOrient begannen eine Offensive der brüderlichen Umarmung, sie zeigten plötzlich ein freundliches Gesicht. Die antichristliche Revolution sollte auf leisen Sohlen und mit freundlicher Miene und mittels des ökumenischen Dialogs größere Fortschritte machen und noch bessere Erfolge erzielen. Soweit man heute die Situation überblicken kann, hat sich die neue maurerische Taktik als erfolgreich erwiesen.
Die erste spektakuläre Aktion, die das Zeitalter des Dialogs mit der Katholischen Kirche einleitete, war die Einladung des ehemaligen Kanzelredners von Notre Dame in Paris, Pater Riquet S. J., zu einem Vortrag vor Freimaurern in der Loge Volney in Laval (Westfrankreich), einer Loge des GroßOrient. Der Vortrag fand am 18. März 1961 statt. Marius Lepage, der Meister vom Stuhl der VolneyLoge, schrieb dazu am 16. März 1961 in der Pariser “Le Monde“:
„Die Mitglieder der Loge von Laval, die sich ausschließlich auf den philosophischen und theologischen Bereich beschränken, haben gewünscht, daß eine besonders qualifizierte geistliche Persönlichkeit ihnen auseinandersetze, welches die doktrinäre Stellung der Kirche dem atheistischen Problem gegenüber sei.
Unter diesen Mitgliedern gibt es Gläubige, Ungläubige und Agnostiker. Sie alle stimmen darin völlig überein, ihrem Meister vom Stuhl jene Schritte zuzutrauen, die dieser für unerläßlich hält, damit ihnen, soweit das möglich ist, Genugtuung verschafft werde. Unter diesen Umständen ist es geschehen, daß ausnahmsweise P. Riquet ermächtigt wurde, über dieses Problem zu uns zu sprechen.
Jeder Gedanke des ’Widerspruchs’ war und bleibt bei diesem Vortrag etwas, was nicht in Frage kommt: dieser Vortrag ist eine rein private Angelegenheit, die, wie es bei allen freimaurerischen Veranstaltungen geschieht, nicht als Gelegenheit eines Widerspruchs benutzt wird. Eine Freimaurerloge  wie immer sie auch eingestellt sein mag  ist nicht mit einem ’Vorstadtklub‘ (einem Debattierklub) zu vergleichen.
Für jeden denkenden Menschen ist das Problem des Glaubens und des Unglaubens in sich schon ohnehin schmerzlich genug, so daß es mit der menschlichen Würde als unvereinbar angesehen werden müßte, wollte man eine solche Gelegenheit zu leidenschaftlichen Auseinandersetzungen benutzen.
Historisch steht es nun einmal einwandfrei fest, daß seit zweihundert Jahren niemals ein Priester seine Füße über die Schwelle einer Freimaurerloge gesetzt hat – wenigstens nicht in Frankreich. Es ist mir ganz besonders angenehm, dem Schicksal einer Loge vorzustehen. deren sämtliche Mitglieder  wie immer auch ihre philosophischen, persönlichen Gefühle sein mögen  den Wert einer sicheren Aufklärung zu schätzen wissen.
Ich bin glücklich, mit tiefer Ehrfurcht alle jene zu begrüßen, Geistliche und Laien, die in ähnlicher Weise überstanden haben, daß die ’Liebe’ sich auf alle Menschen zu erstrecken hat, auf Gläubige und Ungläubige und daß Gott allein es ist, ’der die Herzen der Menschen durchforscht‘.“ (Aus: Zimmer-Korrespondenz, Nr.778, 21.3.1961)
Am gleichen Tag meldete die Katholische Nachrichtenagentur KNA, abweichend von der Erklärung M. Lepages, daß am Samstag, 18. März, erstmals seit zwei Jahrhunderten. ein katholischer Priester mit Billigung seiner kirchlichen Obrigkeit eine FreimaurerLoge in Frankreich betreten werde, um dort „vor einem ausschließlich aus Freimaurern bestehenden Auditorium die Gegenrede zum Thema ’Atheismus’ zu halten. Es ist der berühmte französische Jesuitenpater und Prediger Michel Riquet, langjähriger Dom und Fastenprediger in Notre Dame (Paris), der die VolneyLoge in Laval zu seiner Kanzel machen wird. Die Aufforderung zu einem Streitgespräch kam von einem Freimaurer, und man rechnet mit der Anwesenheit namhafter Freimaurer aus den verschiedenen Gegenden Frankreichs“ (KNA/PD – 61/III/212).
Eine „Gegenrede“ oder ein „Streitgespräch“ war indes nicht geplant und fand auch nicht statt. Am 22. März 1961 berichtete KNA:
“Als ein historisches Ereignis in der Geistesgeschichte Frankreichs wurde in einem gemeinsamen Kommunique das Auftreten eines katholischen Geistlichen in der Freimaurerloge von Laval bezeichnet. Mit Billigung seiner kirchlichen Vorgesetzten sprach am Sonntagabend der bekannte Domprediger Pater Riquet vor aus allen Gegenden Frankreichs zu dieser ungewöhnlichen Sitzung versammelten Freimaurern über die Einstellung der Kirche zu den verschiedenen Formen von Atheismus.
In der nur Freimaurern zugänglichen geschlossenen Sitzung hob Pater Riquet, dem Kommunique zufolge, hervor, daß über die natürlichen Meinungsunterschiede hinweg eine Übereinstimmung der Herzen geschaffen werden müsse. Das von der Loge und Pater Riquet gemeinsam herausgegebene Kommuniqué gibt der Hoffnung Ausdruck, daß, wenn auch beim gegenwärtigen Stand der Geister nicht von einem Einvernehmen zwischen Kirche und Freimaurerei gesprochen werden könne, doch alle Menschen guten Willens zu einer gegenseitigen Achtung gelangen können, zum Segen der Gesellschaft“.
Damit war ein Anfang gesetzt. Schon ein Jahr später wurde dem Kapuzinerpater N. M. Wildiers von seinem Freund, dem Freimaurer N. E. van der Laaken, die Gelegenheit geboten zu einem Vortrag vor den versammelten Logen von Amsterdam. P. Wildiers, der durch seine Studien und Vorträge über Teilhard de Chardin bekannt geworden war, sprach vor den Freimaurern in Amsterdam über Teilhard.
Im Juni 1971 wurde erstmals ein Bischof in eine Loge der Grand Loge de France (GLDF) eingeladen. Bruder Dr. Pierre Simon, der von 1969  1971 Großmeister der GLDF war und dieses Amt 1973 wieder übernahm, lud den Weihbischof von Paris, Msgre Pezeril, in die GLDF ein. Nach einer FreimaurerZeitung „war es das erste Mal seit der französischen Revolution, daß ein amtierender Bischof offiziell in einer Freimaurerloge empfangen wurde.

Im Frühjahr 1961, noch rechtzeitig vor dem Konzil, erschien aus der Feder des angesehenen Rechtsgelehrten Alec Mellor mit dem Imprimatur der Erzdiözese Paris das aufsehenerregende Werk „Nos frères séparés, les francsmacons“ („Unsere getrennten Brüder, die Freimaurer“), das in „Le Monde“ eine „leidenschaftliche Studie über die Freimaurerei und den Katholizismus“ genannt wurde und heftige Auseinandersetzungen und Diskussionen bei Katholiken und Freimaurern auslöste.
So hieß es in einer Leserzuschrift an „La France Catholique“:  “ … Die Wahrheit war und ist, daß die Freimaurerei  und sie hat das niemals verheimlicht  gegen die Kirche ist, wie geheim das auch immer geschehen mag und ganz besonders in Frankreich nicht aufhören wird, es weiterhin zu tun, also gegen den Katholizismus zu arbeiten.“
Aber auch von seiten der Freimaurer regte sich Widerspruch. Ein aufrichtiger und ehrlicher Bruder, ein gewisser Universitätsprofessor SélamVoize, schrieb in „Le Monde“ vom 11. 7. 1961: “…Wir sind keine getrennten Brüder  wir gehören einer anderen Familie an: der Familie der autonomen Geisteswelt und beanspruchen das Recht, als Bahnbrecher in unserem Leben zu wirken … Der Freimaurergeist ist kein Geist der Unterwerfung, weder unter eine überalterte Hierarchie, noch eine sonstige überholte Institution. In der Freimaurerei herrscht der Geist der Freiheit.“ –
Der Jesuit F. Hillig ist in einer besonnenen und ausgewogenen Abhandlung dieser fundamentalen Frage nachgegangen. Selbst da, wo die Logen weniger radikal sind und sich in Glaubensdingen zurückhalten, ist das ganze von Deismus, Relativismus und Indifferentismus bestimmte Klima, das in ihnen herrscht, einer klaren Glaubenshaltung abträglich. Wie zur Zeit des Kulturkampfes, als Papst Leo XIII. sein Rundschreiben „Humanum genus“ gegen die Freimaurerei veröffentlichte (1884), „steht die Kirche heute genau der gleichen Feindseligkeit und den gleichen Tendenzen und Schachzügen gegenüber wie damals. Man braucht etwa nur die letzten Jahrgänge der Herderkorrespondenz durchzusehen. Immer wieder werden dort zum Beispiel Meldungen aus Mittel- und Lateinamerika registriert, aus Brasilien, Chile, Ecuador, Guatemala, den Philippinen über: „Freimaurerische Aktivität gegen die katholischen Schulen, Drohungen, Schließungen, Schikanen;  Großloge gründet eigenen Zweig zur Förderung des Laizismus und des antiklerikalen Kampfes;  Einführung der Zivilehe, der Ehescheidung;  Kircheneigentum beschlagnahmt, Einreiseverbot für Priester und ähnliches mehr. Nicht nur in Lateinamerika, in allen Ländern lateinischer Kultur ist die Kirchenfeindlichkeit der Logen besonders kraß und hartnäckig …
Selbst die Maurerei in den Vereinigten Staaten, zahlenmäßig der größte Zweig der Weltmaurerei, darf nicht einfach für weltanschaulich harmlos angesehen werden. Zwar haben sich sowohl Roosevelt wie Truman, die wie viele andere Präsidenten der USA der Loge angehörten, zum Heiligen Stuhl freundlich gestellt; aber danach allein kann man nicht urteilen. Joseph Berteloot hat gezeigt, daß die Maurerei der Vereinigten Staaten ein doppeltes Gesicht besitzt. Es fehlt auch hier nicht an antikatholischen Scharfmachern, zumal sich in den Logen der USA immer mehr ein heftiger Patriotismus durchsetzt. Ganz im Stil der Nazis werden die Katholiken verdächtigt, daß sie keine guten Patrioten sein könnten, da sie einem ausländischen Oberhaupt Gehorsam gelobt hätten, wobei Vatikan und römische Kirche als eine dunkle Macht der Weltunterjochung erscheinen. ..“
F. Hillig bringt dann aus der „Europäischen Freimaurerzeitung“, Jahrgang 1964, einige Zitate deutscher und ausländischer Freimaurer, von denen hier nur ein Ausschnitt aus einer Abhandlung über „Glanz und Elend der Konzile“ wiedergegeben werden soll. Es heißt da: „Den persönlichen Primat des Papstes zu brechen, wäre Voraussetzung für die Unio sancta und für die Zusammenführung der Kirche.  Mit ziemlicher Sicherheit glauben wir sagen zu können, daß die Unfehlbarkeit des Papstes und sein Primat gegenüber dem Konzil auch 1964 nicht gebrochen werden wird. Das Mittelalter wird auf dem Gebiet der kirchlichen Verfassung nach wie vor in unsere Zeit hineinragen  wir meinen: nicht zum Nutzen der Kirche und der modernen Probleme, die zu bewältigen sind. Und solange die persönliche Vorherrschaft eines einzelnen in der Kirchenverfassung nicht beseitigt ist, solange wird unserer Ansicht nach auch jede Reform auf anderen Gebieten scheitern. Die verfassungsmäßige Macht des Papstes und seiner von ihm ernannten Kardinäle ist das institutionelle Hindernis jeder besseren Einsicht und Reform. . .“ (F. Hillig).
Bischof R. Graber (Regensburg) hat neuerdings diese Zitate aus dem Jahr 1964 ergänzt durch Äußerungen vorwiegend aus dem Bereich der französischen Maurerei aus dem fahr 1968, die in dieselbe Richtung tendieren und wir werden in den folgenden Ausführungen von einem prominenten Freimaurer erfahren, was er im Jahr 1973 zu der Frage „Kirche heute und morgen“ geschrieben hat.
Man wird F. Hillig zustimmen müssen, wenn er sich dem unkritischen Optimismus eines A. Mellor  mag er auch von ihm gut gemeint sein  nicht anschließen kann und die Frage: „Haben sich die Freimaurer gewandelt?“ nicht bejaht.
Nun ist inzwischen (1968) das hier schon mehrfach erwähnte Werk des Jesuiten M. Dierickx über „die große Unbekannte“ erschienen. Bringt uns der Historiker M. Dierickx auf dem Weg des Dialogs den „getrennten Brüdern“ in der Freimaurerei näher? Signalisiert seine pro-maurerische Schrift einen Durchbruch zur brüderlichen Ökumene mit den Freimaurern, oder kann sie wenigstens durch überzeugende Argumente eine Neubesinnung und Neugestaltung im Verhältnis von Freimaurerei und Kirche einleiten und bewirken? Auffallend und aufsehenerregend zugleich ist das Lob, mit dem das Buch von M. Dierickx von seiten katholischer und freimaurerischer „Ökumeniker“ bedacht wurde und die Unterstützung, die der Autor für dieses Buch von beiden Seiten erfahren hat.
Im Vorwort von H. Vorgrimler, Schüler von Karl Rahner, Prof. für Katholische Dogmatik an der Universität Münster (Westfalen) und Consultor des Sekretariates für die Nichtglaubenden, heißt es:
“. . . Es gibt in der katholischen Literatur kein vergleichbares Werk über Geschichte, Lehre, Symbolik und Aufbau des Freimaurertums … Als Vertreter einer objektiven Wissenschaft, der Historik, spricht der Verfasser den Wunsch und die Hoffnung aus, die Katholische Kirche möge ihren Standpunkt gegenüber dem Freimaurertum, wie er vor allem in der Kirchlichen Gesetzgebung zum Ausdruck kommt, revidieren. Er steht damit heute nicht allein da. Die hochstehende katholische Kulturzeitschrift La revue nouvelle (Brüssel) zum Beispiel hat sich im April und Oktober 1968 ebenso geäußert. Ich möchte mich diesen Initiativen von katholischer Seite anschließen … Mit der Hochschätzung der Gewissensfreiheit, mit der Respektierung der Überzeugung eines jeden Menschen, auch des Atheisten, wie sie feierlich vom letzten Konzil proklamiert wurden, hat die römischkatholische Kirche auf einen Weg zurückgefunden, der für sie lange im Dunkeln lag und auf dem die Freimaurer ihr vorangegangen sind … Die Kirche läßt sich nicht in herablassender Geste herbei, mit dem Andersdenkenden zu sprechen und ihm Anteil an ihrer Weisheit zu gewähren, sondern sie weiß, daß er in Theorie und Praxis Einsichten hat, über die sie nicht genug verfügt, die aber auch für sie wesentlich sind. Zu lange hat die katholische Kirche ignoriert, was ihr das Freimaurertum werbend oder in herber Kritik zu sagen hatte . . .“
Unkritische Sätze, wie sie hier von einem katholischen Dogmatiker geschrieben wurden, fordern nicht zuletzt deswegen eine kritische Stellungnahme heraus, weil der gelehrte Theologe zugleich als Consultor eines wichtigen römischen Sekretariats über besonderen Einfluß verfügt. Hier sei nur folgendes festgestellt: Eine gründliche Analyse des freimaurerischen und des kirchlichen Verständnisses von „Gewissensfreiheit“ kommt zu dem Schluß, daß beide Seiten unter Gewissensfreiheit etwas je wesentlich verschiedenes meinen. Die Freimaurer haben in der Theorie und in den von ihnen entscheidend geprägten demokratischen Verfassungen und Menschenrechtsdeklarationen die Gewissensfreiheit zwar proklamiert, aber sie haben von jeher den Respekt vor der Gewissensüberzeugung offenbarungsgläubiger Christen in der Tat vermissen lassen. Ähnlich wie die totalitären Ideologien des Faschismus und Kommunismus haben die liberalen Kulturdiktatoren Gewissensfreiheit auf dem Papier stets groß geschrieben  auch in der sowjetischen Verfassung von 1936 wird Gewissensfreiheit garantiert , in der Praxis jedoch haben alle Antichristen leidenschaftlich gegen das Wirksamwerden christlicher Gewissensüberzeugung in der Gesellschaft gekämpft und es zu verhindern versucht. Oder ist die Feststellung, daß das Schulgebet in den USA verfassungswidrig ist, ein Beweis für freimaurerische Achtung vor der Gewissensfreiheit gläubiger Staatsbürger? Ist das laizistische Programm der liberalen Maurer, die Tendenz, eine entchristlichte Gesellschaft aufzubauen und alle konfessionellen Schulen  auch die Privatschulen  abzubrechen und niederzureißen etwa ein Zeichen von „Hochschätzung der Gewissensfreiheit“ christlicher Menschen? Wenn die Kirche auch in der Vergangenheit im guten Glauben gegen die Gewissensfreiheit Andersdenkender in unheilvoller Weise verstoßen hat, so kann sie doch heute nicht der Freimaurerei auf einem Weg folgen, auf dem diese ihr eben nicht vorangegangen ist, sie kann auch von den andersdenkenden Maurern nicht Einsichten übernehmen, die diese gar nicht haben. –
Dem Vorwort von H. Vorgrimler folgt in dem Buch von M. Dierickx ein Geleitwort des schon genannten Kapuziners N. M. Wildiers, der durch die „Begegnung mit verschiedenen führenden Mitgliedern der Freimaurerei in Holland“, wie er schreibt, veranlaßt wurde, sich eingehender mit der Freimaurerei zu beschäftigen und sie umfassender zu studieren, wobei ihm einige Umstände zu Hilfe kamen, „nicht zuletzt die Gespräche … mit dem Pariser Anwalt Alec Mellor…“
N. M. Wildiers schreibt wörtlich: „Die Frage, mit der uns das Buch konfrontiert, ist die, ob wir unter den heutigen Verhältnissen unseren Standpunkt gegenüber der Freimaurerei nicht gründlich revidieren müssen. Sie einfach abzulehnen, als sei die Freimaurerei weiter nichts als eine Gemeinschaft von Menschen, die sich gegen Kirche und Staat verschwören wollen, wie es noch im kirchlichen Gesetzbuch heißt, ist nicht nur lächerlich, sondern auch grundverkehrt. Was auch immer bei einigen irregulären Logen vorgekommen sein mag, in der regulären und von der Vereinigten Großloge von England anerkannten Freimaurerei ist davon bestimmt keine Spur zu entdecken. Infolge mangelnder Kenntnis, die zum Teil auf ungenügende objektive Unterrichtung zurückzuführen ist, werden häufig Urteile gefällt, sie sich bei genauerer Prüfung als ungerecht herausstellen müssen … Wenn es darüber hinaus noch zu einem offenen Gespräch, zur Beseitigung von Vorurteilen und letztlich zum besseren gegenseitigen Verständnis beitragen sollte, dann wäre dem Ideal von Weisheit, Stärke und Schönheit, dem wir doch alle nachstreben müssen, ein großer Dienst erwiesen“ (S. 7f).
Zu diesen kräftigen Behauptungen und Vorurteilen hier nur eine Frage: Stammen diese Sätze, die sich nach unseren bisherigen Ausführungen als offensichtlich falsch und wirklichkeitsfremd entlarven, von einem wirklich gut informierten gläubigen Christen oder von einem Mann, der an der Wahrheit vorbei – bewußt oder unbewußt  einseitig und tendenziös Werbung für die Freimaurerei betreibt?
Das dritte Wort, das der Einleitung des Verfassers selbst vorausgeht, kommt aus der Feder und dem Herzen des Freimaurers P. J. van Loo, der als Großsekretär des Großostens der Niederlande zeichnet. Er bescheinigt dem Buch von M. Dierickx, daß „es zweifellos das beste Werk ist, das ein Nichtfreimaurer über dieses umfassende Thema geschrieben hat“ und macht im Hinblick auf den zweiten Teil des Buches die nicht unwichtige Bemerkung, daß der Verfasser hier „nicht nur den Verstand, sondern auch das Herz mitsprechen läßt, zweifellos die natürliche Folge eines sich über Monate erstreckenden Umgangs mit Freimaurern im Haus der Großloge in den Haag…“
Getreu seiner freimaurerischen Humanitätsreligion schließt P. J. van Loo seine Einleitung mit den Worten: „Die Freimaurer trachten danach, das zu überwinden, was die Geister und Seelen trennt, und das zu suchen, was die Menschen verbindet. Dieser Grundsatz zieht sich ebenfalls wie ein roter Faden durch das ganze Werk von Prof. Dierickx. Deshalb allein schon muß der Herausgabe seines Werkes von Herzen zugestimmt werden“ (S. 9).
Diesem aufrichtigen Bekenntnis ist nichts hinzuzufügen. Der Dialog erfolgt ganz im Sinne der Freimaurerei. –
Dieselbe Linie kann man auch in anderen Veröffentlichungen der jüngsten Zeit beobachten. So ist in einem Bericht der Herderkorrespondenz zu dem Thema „Gewandeltes Verhältnis zur Freimaurerei“ der vielsagende Satz zu lesen: „Die ’irenische’ Einstellung, wie sie Mellor und Dierickx in ihren Schriften vertreten, wird eher zu einer Annäherung führen als die Fortsetzung unfruchtbarer Polemik und das Beharren auf katholischen Prämissen. Dieser Satz, der genau so gut in irgendeiner „FreimaurerKorrespondenz“ stehen könnte, besagt nicht mehr und nicht weniger, als daß die katholische Kirche sich wandeln muß, wenn es zu einer Annäherung kommen soll. Und das heißt sie muß ihre „Prämissen“, ihre eigentümliche Lehre (Dogmatik) aufgeben, was letztendlich heißt: die Kirche muß sich selbst aufgeben.
Verständlich ist es, wenn Prof. Dierickx am Anfang seiner so vielbelobten Schrift für empfangene Hilfen und Anregungen dankt. Er nennt u. a. „auch andere niederländische, französische und belgische Freimaurer, so Michel Riquet S. J. (!) und Alec Mellor,“ die ihm „zahlreiche interessante Hinweise“ gaben (S. 14).
„Nicht zuletzt“ dankt er „ehrerbietig S. E. L. J. Kardinal Suenens, Erzbischof von MechelnBrüsell, und S. E. Dr. B. J. Alfrink, Erzbischof von Utrecht, für die Unterstützung und Förderung“, die sie ihm angedeihen ließen, erklärt aber ausdrücklich, „von keiner Seite beauftragt“ worden zu sein, „dieses oder ein ähnliches Buch zu schreiben“ (S. 15).
Nachdem wir uns mit einigen fundamentalen Thesen seines Buches bereits kritisch auseinandergesetzt haben, ist es zum Schluß notwendig, wenigstens noch ein Buch zu erwähnen, das 1973 erschienen ist und einen in Fragen Theologie und Religion außerordentlich belesenen und informierten Autor zum Verfasser hat. (J. Böni, Kirche heute und morgen, Quo vadis, Ecclesia? Verlag Fritz Meili, CH 9043 Trogen.a.Rh., 1973)

 Das Buch von J. Böni ist deshalb besonders aufschlußreich und wertvoll, weil in ihm das Wort “Freimaurerei“ nicht ein einziges Mal vorkommt. Auch läßt der Verfasser nicht ausdrücklich erkennen, daß er selbst Freimaurer ist. Wohl teilt er mit, sich jahrzehntelang intensiv mit theologischen Problemen beschäftigt und ein Studium der vergleichenden Religionsgeschichte absolviert zu haben. Er war acht Jahre als katholischer Geistlicher tätig und wirkt im Anschluß daran seit 35 Jahren als reformierter Pfarrer. Das alles erleichterte es ihm, „ein Bild von der gegenwärtigen Lage in der christlichen Welt zu entwerfen; aufzuzeigen, welche Wege sich in der augenblicklichen Krise anbieten und schließlich einen Ausblick in die Zukunft zu wagen. 
Da wir alle zur Entscheidung herausgefordert sind, wendet meine Schrift sich auch an alle“ (S. 6).
Der Schweizer Altgroßmeister J. Böni, Bern, behandelt auf den 296 Seiten seines Buches in fünf Abschnitten die Themen: Glaube in der Krise, Grundwerte jeder Gemeinschaft, Kirche in der Krise, Wege aus der Krise – Quo vadis ecclesia? und zuletzt: Zu neuen Ufern  Ökumene der Religionen.
Dieses letzte Kapitel ist für uns deshalb von großer Bedeutung, weil hier der Verfasser sein Freimaurerherz weit öffnet und uns tiefen Einblick in eine neue Variation des alten Traums von der “Religion, in der alle Menschen übereinstimmen“, gewährt.
Nach dem kurzen theologischen Lebenslauf, den der gelehrte Altgroßmeister anfangs enthüllt hat, wird kaum ein Leser über die betont antikatholische Einstellung J. Bönis überrascht sein. Er weist zunächst darauf hin, daß der römische Katholizismus „in seinem ganzen reaktionären Juridismus, seiner absolutistischen hierarchischen Struktur“ im Widerspruch zum Evangelium steht und deshalb nicht akzeptiert werden kann (S. 17).
Dagegen betrachtet er es als Pflicht, den „progressiven Kräften in der römischen Kirche“ zu helfen, die etwa als Theologen die „Mängel und Schwächen der absolutistischen Papstkirche zugeben“ oder als „Priester sich gegen das unevangelische Gesetz wehren, mit welchem sie der ’unauslöschliche Charakter‘ und das Zölibatsversprechen fesseln“ (S. 19).
Er zitiert u. a. seinen Landsmann Hans Küng, um in einem bestimmten Punkt seine „nie verhohlene Überzeugung von römischkatholischer Seite bestätigt“ zu finden (S. 20) oder um sich über „Wahrheit und Wahrhaftigkeit“ belehren zu lassen (S. 49; 53). Da er zwischen logischer und ontologischer Wahrheit nicht zu unterscheiden versteht, behauptet er, daß es in der Welt des Glaubens Wahrheit im Sinn von Richtigkeit oder richtiger Lehre nicht geben kann, sondern nur Wahrheit im Sinne von ganz persönlicher Erfahrung mit dem Numinosen (Göttlichen), weshalb für „jeden Menschen nur die Glaubensaussagen wahr sind, die er selbst erlebt hat und daher nachvollziehen kann. Sie gelten für ihn absolut (S. 46) 
… Kirche kann Wahrheit nicht haben, nicht darstellen, sie kann sie nur bezeugen. Dabei ist sie in der Gefahr, die dem Evangelium entnommenen Wahrheiten zu einer Lehre zu vergewaltigen, sie für allgemeingültig zu erklären, um daran dann christliche Kirchen zu messen, die einem anderen Verständnis der Heiligen Schrift anhängen. Je statischer ihr WahrheitsLehrGefüge ist, um so intoleranter wird nach innen und außen die betreffende Institution. Dabei wird nur allzu oft vergessen, daß wir aller Wissenschaft zum Trotz immer noch keinen ’Indikator’ haben, der uns anzeigt, was am biblischen Text sprachliches Gewand, urchristliches Kerygma, frühchristliche Tradition und was darin oder dahinter wirklich Gottes Wort ist“ (S. 50).
Obwohl J. Böni dem ihm in etwa geistesverwandten H. Küng viel Verständnis entgegenbringt, lehnt er doch dessen „Ideal“ einer Kirche“ ab, da dieses „eine Diktatorenkirche ist“ (S. 57).
Im Abschnitt III: Kirche in der Krise, behandelt J. Böni u. a. neben der „Theologie der Bewahrung“ sehr ausführlich die „Theologie der Befreiung“ (S. 7796) mit den Untertiteln: Sozialisierung, Demokratisierung, Humanisierung, Nationalisierung, Dezentralisierung und Politisierung. Darin erwähnt er u. a. die weltweit bemerkbar gewordenen Spannungen zwischen „der römischen Kirchenleitung und nationalen Bischofsgruppen“ im Zusammenhang mit dem Holländischen Katechismus, „der von Rom heftig bekämpft, doch vom Holländischen Pastoralkonzil mit Billigung von Kardinal Alfrink gestützt wurde“ (S. 89). Den Primas von Belgien, Kardinal Suenens, nennt er „Exponent einer Dezentralisation“ (S.92).
Zur „Theologie der Erneuerung“ zitiert er AlvarezBolado: „Die theologische Richtung, die wir Kirche der Erneuerung genannt haben, besteht auf der kirchlichen Neuformulierung des Glaubensinhaltes, auf der Reformierung der Strukturen und auf dem Wert der ‚contestation‘ als wirkungsvoller Form der innerhalb und außerhalb der Kirche notwendigen Kritik und Veränderung … Diese Theologie besteht vorzugsweise auf einer tastenden und schöpferischen Orthopraxis (rechtes Tun) anstelle einer Orthodoxie („rechte“ Lehre) der Wiederholung oder einer anpaßlichen NeoOrthodoxie. Aber in ihrem Bestehen auf der Orthopraxis legt sie den Akzent auf die Orthopraxis des christlichen Gemeinschaftsverhaltens, von dem allein sie glaubt, es könne ein sichtbares Zeichen des Volkes Gottes sein.. .“ (S. 97).
Besonders allergisch ist J. Böni gegen das sog. „sacrificium intellectus“, das Opfer des Verstandes, das dem Gläubigen abverlangt wird, wenngleich ihm die Kirche nie etwas un- oder widervernünftiges zu glauben auferlegt. Für ihn und viele Christen des 20. Jahrhunderts ist es intellektuelle Unredlichkeit und Meinungszwang, wenn ein „sacrificium intellectus“ gefordert wird. Seine Sympathie gehört deshalb dem „Bund für Freies Christentum, in welchem sich Evangelische mit katholischen Gleichgesinnten treffen“.

Im Blatt „Freies Christentum“ vom September 1971 war in einem Aufsatz über „Die Annäherung der Konfessionen und das freie Christentum“ u. a. zu lesen: “ … Wenn wir uns gegen die Ausübung eines demoralisierenden Meinungszwanges in den kommunistischen Ländern wenden, so dürfen wir die etwaige Restauration eines dogmatisch fundierten kirchlichen Meinungszwanges ebensowenig dulden … Die aus der antiken Welt übernommenen ‚offiziellen‘ Glaubenslehren können gar nicht mehr als verbindlich angesehen werden. Das ‚freie Christentum (kath)‘ wehrt sich gegen jede autoritäre Bevormundung, auch gegen diejenige des Papstes und der Bischöfe … Kein freier Christ evangelischer oder katholischer Herkunft wird bereit sein, alle überlieferten Dogmen als verbindliche Lehren anzuerkennen, die auch dann im ‚Gehorsam des Glaubens‘ bejaht werden müßten, wenn sie der ernsthaften persönlichen Überzeugung schroff entgegenstehen … Wir leben einer dritten Kirche der Zukunft zu“ (S. 104ff).
Wenn man solche Sätze liest, kommt unwillkürlich die Frage auf, ob dieses sog. „Freie Christentum“ nicht genau so richtig „FreimaurerChristentum“ genannt werden könnte.
In dem darauffolgenden IV. Abschnitt: Wege aus der Krise  Quo vadis ecclesia? befaßt sich J. Böni mit der Bewegung des Ökumenismus. Wie er meint, regierten die Päpste in den 300 Jahren nach dem Konzil von Trient (1545-1563) die „römische Kirche absolutistisch, d. h. ohne Konzil bis zum I.Vatikanum, 1869/1870, das  wie man längst eingesehen hat  mit dem fatalen Unfehlbarkeitsdogma und dem Primat die gesamte christliche Welt in eine scheinbar oder gar anscheinend ausweglose Lage gebracht hat“ (S. 113). „Weitab vom Beispiel Jesu Christi“ endete die römische Kirche „im unfehlbaren Absolutismus des Papstes und der vollkommenen Gesetzlichkeit des Codex juris canonici von 1918“ (S. 158).
Aber auch am ökumenischen Rat der Kirchen übt er Kritik, da er nach seiner Meinung „Demokratie in Organisation und Führung sowie Toleranz“ vermissen läßt (S. 159).
Unter der Überschrift: Das ewig gleiche Rom, bezeichnet J. Böni den „Mythus der römischen Unfehlbarkeit“ als Grundlage für das „exklusive Identitätsverständnis und die ganze konservativrückschrittliche Selbstherrlichkeit“ der katholischen Kirche (S. 203). Er stellt sodann fest, daß auch aus den Reihen der katholischen Kirche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Primats als einziger maßgeblicher Autorität in Sachen des Glaubens und der Sitte laut wird und zitiert an dieser Stelle aus einem Aufsatz von P. J. David in der Orientierung vom 15. Februar 1971 einige charakteristische Sätze (S. 204ff).
Im Anschluß daran kritisiert er den „Nimbus der Irrtumslosigkeit“ und das geplante „neue Grundgesetz der römischen Kirche“, das dem Bestreben dienen soll, „das ewig gleiche Rom für die Zukunft in seiner heutigen Struktur, als juridischpolitische absolutistische Machtkirche, zu festigen“ (S. 210). Mit dem katholischen Theologen J. B. Metz, Münster, ist J. Böni einig, wenn er zitiert: „Fortschritte in den ökumenischen Beziehungen kann es nur geben, wenn eben die Lebenspraxis der Kirche und die Strukturen, in denen sie sich vollzieht, selbst gewandelt werden … Theologie als Instanz kritischer Freiheit der Kirche kann und muß dabei zu einem Ort der Emanzipation von bestimmten Praxen und Strukturen der Kirche werden  (S. 228).
J. Böni sieht in dem „ewig gleichen Rom“ das Haupthindernis für alle ökumenischen Bestrebungen, denn „in der römischen Hierarchie ist der Wille zur Erhaltung der Macht und des päpstlichen Absolutismus immer noch größer als jegliche Einsicht“ (S. 233).
Da eine Ökumene der christlichen Kirchen und Gemeinschaften wenig oder gar keine Aussicht hat jemals verwirklicht werden zu können, bleibt als Ausweg aus dem ökumenischen Dilemma nur eine Ökumene der Religionen als Endziel einer universalen religiösen ÖkumenismusBewegung. Das ist das große und eigentliche Thema des Buches, das im IV. Kapitel: Zu neuen Ufern  Ökumene der Religionen, dargelegt wird (S. 242292).
Nach einer theologisch total abwegigen Exegese von Galater 6,15 (Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Schöpfung) im Anschluß an eine Interpretation von Paul Tillich, nach der es „nicht auf das Besondere in der Religion ankommt“ und „sogar die Frage ob Christentum oder kein Christentum ganz belanglos und letztlich ein Nichts ist“, entdeckt der Verfasser endlich seine eigentliche religiöse Zielvorstellung wie einen „Silberstreifen am Horizont“.
Das intolerante Christentum, für das NichtChristen „nach wie vor Objekte der Mission“ sind, und die westliche Kirchtumstheologie erscheinen jetzt als große Hindernisse auf dem Weg zu einem partnerschaftlichen Dialog nützt anderen Religionen auf der Basis der Gleichwertigkeit. Besonders „das bestehende Selbstverständnis und die intolerante Ekklesiologie der römischen Kirche machen jegliche gleichwertige Partnerschaft mit anderen Religionen, ja selbst anderen Konfessionen unmöglich“ (S. 249).
Die Aufteilung der Menschen in solche erster und zweiter Klasse, die auf der „wesensmäßigen Intoleranz aller Offenbarungsreligionen“ beruht, muß überwunden werden (S. 266).
Wir spüren von nun an, wie das freimaurerische Ideengut immer deutlicher in den Gedankengängen Bönis zum Ausdruck kommt und konsequent auf das Endziel der Freimaurerei hinsteuert: in aller Welt jener Religion zum Durchbruch und zum Sieg zu verhelfen, in der alle Menschen übereinstimmen.
Der erste Theologe, der um 1650 dieses große Ziel eines religiösen Menschheitsbundes verkündete, war Comenius, der Bischof der Böhmischen Brüder, Philosoph, Pädagoge und Sozialreformer. Von ihm schreibt J. Böni: „Er wollte ’ein universales Licht‘ entzünden, die ’Religion, in der alle Menschen übereinstimmen’“(S. 271).
Seine MenschheitsbundVision fiel zwar dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer, wagte sich aber in der Aufklärungszeit erneut ans Licht, jetzt im Gewande des Rationalismus. „Wir finden sie wieder in Lessings Drama Nathan der Weise, in welchem zum Schluß Christ, Mohammedaner und Jude geschwisterlich und freundschaftverpflichtet und verbunden sind.
Mit der bekannten Ringparabel symbolisiert der Dichter seine Auffassung, daß Christentum, Judentum und Islam als geschichtliche Wahrheiten nur zufällige sind, die alle gleichermaßen die ewige notwendige Wahrheit verhüllen“ (S.271).
Das ist reinrassische Freimaurerideologie: die geschichtlich gewordenen religiösen Sonderformen (Religionen) „sind nur von relativer Dauer und ebensolcher Bedeutung“ (S. 272).
Mit diesem ehrlichen Zeugnis hat Bruder J. Böni den Ökumenikern aller Richtungen einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Es bleibt nur zu hoffen, daß sie sein Buch unvoreingenommen und mit demselben Ernst lesen, in dem es geschrieben wurde. Dann müssen schließlich auch manche schwachsichtig gewordenen christlichen Ökumeniker erkennen, daß es zwischen dem Offenbarungs und Bekenntnischristentum, dem sich die Kirche Jesu Christi verpflichtet weiß, und dem der Freimaurerideologie verhafteten „Freien Christentum“ bzw. dem „Weltbund für religiöse Freiheit“, dem bereits 10 Millionen Menschen aus verschiedenen Kirchen und Religionen angehören, eine gemeinsame Basis mit dem Ziel einer brüderlichen Gemeinschaft in Christus nicht geben kann. Es gibt bis heute noch kein einziges Anzeichen dafür, daß die Freimaurerei auch nur in einem einzigen wesentlichen Punkt den geringsten Abstrich an ihrer Humanitätsideologie und ihren religiösen Zielvorstellungen vorgenommen hätte. Sie ist bei allen taktischen Manövern sich selbst konsequent treu geblieben, während sie von allen Andersdenkenden unablässig Anpassung und Aufgabe ihrer „Intoleranz“ fordert. –

SCHLUSSWORT
Überzeugt von der unumstößlichen Tatsache, daß die Freimaurerei ihr innerstes Wesen, wie es in dem Grundgesetz der „Konstitutionen“ von 1723 grundgelegt ist, niemals ändern kann und wird, geben wir das letzte Wort dieser Schrift einem Freimaurer, der ohne Übertreibung zu den einflußreichsten Vertretern der internationalen Freimaurerei im 20. Jahrhundert gezählt werden darf: QuartierlaTente. Er war protestantischer Pfarrer, Großmeister der Schweizer Großloge „Alpina“ und zeitweilig Leiter der freimaurerischen Weltgeschäftsstelle in Genf. 27 Jahre lang war er überdies Staatsrat und Leiter des Departements für Unterricht und Kultur in der Schweiz.
Er schreibt über die Versöhnung von Freimaurerei und Christentum: „Die Versöhnung ist nicht mehr möglich. Es kann daher nur Kampf geben, einen Kampf ohne Gnade, der mit dem Sieg der Wissenschaft und des Gewissens enden wird … Der Maurer ist ein freier Mensch; der Katholik ist ein Sklave, der einer erzwungenen Disziplin des Geistes unterworfen ist. Und nichts ist unverträglicher mit freimaurerischem Geist.“ (QuartierlaTente: Two Centuries of Freemasonry, Bern, 1917)
In der Tat ist jeder wahre Christ ein Sklave (Diener) Jesu Christi. Im Neuen Testament wird das oftmals bezeugt, besonders in den Paulusbriefen. Diese Sklaverei aber, die nichts anderes ist als der unbedingte Glaubensgehorsam gegenüber dem Herrn Jesus Christus, nimmt der Christ in freier Liebe auf sich, weil er davon überzeugt ist, daß nur Christus allein uns zur wahren Freiheit befreit.
Ungehorsam gegen Jesus Christus führt in die Sklaverei der Sünde: das heißt in die Unmenschlichkeit und Barbarei. 

Die Wissenschaft der Freimaurerei  die Aufklärung  hat die gesamte Menschheit in eine Sackgasse geführt. Der autonome Humanismus hat nicht Freiheit für alle, sondern eine neue Form der Sklaverei für viele geschaffen, aus der nur Jesus Christus und seine Gnade befreien kann.

Dieser Beitrag entstammt dem Buch DIE ANTICHRISTLICHE FREIMAUREREI, erhältlich im Miriam-Verlag in 79798 Jestetten, Brühlweg 1

Die Hervorhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Oktober 2006

Weitere ergänzende Beiträge:
1. Die geplante Weltregierung, von Manfred Adler
2. Weltmacht Zionismus, von Manfred Adler
3. Christus und die Welt des Antichristen, von Pfr. Wolfgang Borowsky
4. Die Verschwörung des Antichristus, von Norbert Homuth
5. Das antichristliche Weltsystem, von Erich Sauer
6. Das Völkergericht, von Erich Sauer
7. Karl Marx und Satan, von Pfr. Richard Wurmbrand

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