Neomarxismus

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Dr. Hans Penner

 

Neomarxismus

Der Begriff „Neomarxismus“ wurde von Max Horkheimer geprägt, der seit 1931 das Frankfurter „Institut für Sozialforschung“, bekannt unter der Bezeichnung „Frankfurter Schule“, leitete. Im Gegensatz zum klassischen Marxismus wendet sich der Neomarxismus nicht nur gegen den Kapitalismus, sondern insgesamt gegen die christlich-abendländische Kultur. Der Neomarxismus bildete das ideologische Fundament der Kulturrevolution von 1968, deren Exponenten nach 30 Jahren „Marsch durch die Institutionen“ die Bundesregierung übernahmen. Der derzeitige kulturelle und wirtschaftliche Verfall Deutschlands dürfte in erheblichem Maße auf den Einfluß des Neomarxismus zurückzuführen seien.

1. Frankfurter Schule

Im Jahre 1923 gründete der ungarische Kommunist Georg Lukács (1885 -1971) mit Mitgliedern der Deutschen Kommunistischen Partei in Frankfurt am Main das „Institut für Marxismus-Forschung“, das kurz nach der Gründung umbenannt wurde in „Institut für Sozialforschung“. Das Frankfurter Institut war dem Moskauer „Marx-Engels-Institut“ nachgebildet worden. Lucács war in Ungarn Professor für Philosophie und Literaturhistoriker. Von 1933 bis 1938 und von 1942 bis 1945 war Lukács auch Mitarbeiter am Philosophischen Institut in Moskau.

Im Institut für Sozialforschung wurde später die als „Frankfurter Schule“ bekannt gewordene neomarxistische, dialektische „Kritische Theorie“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno entwickelt.

Max Horkheimer (1895 -1973) erhielt 1931 den Lehrstuhl für Sozialphilosophie an der Universität Frankfurt am Main, gleichzeitig auch die Leitung des Instituts für Sozialforschung. Horkheimer wich von der reinen Lehre des Marxismus ab und kam zu der Überzeugung, daß die Arbeiterklasse als Trägerin einer Revolution nicht in Frage käme. Horkheimer erkannte früh den gesellschaftlichen Wandel der Arbeitnehmerschaft zu einem Teil des Bürgertums, deshalb gab Horkheimer den Rat, den Marxismus neu zu definieren und zwar in kulturellen Begriffen als Neomarxismus.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung verlor das Institut für Sozialforschung seine Existenzmöglichkeit, zumal ein erheblicher Teil den Mitarbeiter nicht nur Marxisten, sondern auch Juden waren. Diese Mitarbeiter waren nicht im jüdischen Glauben verwurzelt, sondern sie waren säkularisierte Juden. Das Institut siedelte 1933 nach Genf, 1934 nach New York und 1940 nach Kalifornien um.

Im Jahr 1951 wurde das  „Institut für Sozialforschung“ in Frankfurt am Main mit Unterstützung der US-amerikanischen Besatzungsregierung neu gegründet .

Eine erhebliche Bedeutung erhielt die Frankfurter Schule und ihre Ideologie des Neomarxismus durch die studentische Kulturrevolution, die 1968 einen Höhepunkt erreichte:

„Man kann mit Fug und Recht von einer Kulturrevolution sprechen, da sich der Protest gegen das gesamte kulturelle Establishment richtet“ (Herbert Marcuse).

Der Neomarxismus bildete das geistige Fundament dieser Bewegung, die auch unter Bezeichnungen wie „Neue Linke“ oder „Außerparlamentarische Opposition“ bekannt wurde. Ein Teil dieser Bewegung radikalisierte sich und beging als „Rote Armee Fraktion“ (RAF) scheußliche Morde. Bei dem größeren Teil der Bewegung setzte sich die Auffassung durch, daß der Weg zur Macht und zur Regierungsverantwortung nicht im Sturz einer bestehenden Regierung zu gehen sei, sondern nur gewaltlos durch einen beharrlichen „Marsch durch die Institutionen“. Genau 30 Jahre später, zur Bundestagswahl 1998, wurde dieses Ziel erreicht.

Der Neomarxismus selbst bezeichnet seine Ideologie nicht als „Neomarxismus“ sondern als „Kritische Theorie“.

2. Ablehnung der abendländische Kultur

Wie der Marxismus wendet sich der Neomarxismus sowohl gegen den „Kapitalismus“ als auch gegen die abendländische Kultur im weitesten Sinne des Wortes. Da die abendländische Kultur wesentlich durch das Christentum geprägt wurde, ist der Neomarxismus zwangsläufig eine antichristliche Ideologie.

Der Neomarxismus distanziert sich von Friedrich Engels und knüpft beim “jungen Marx“ an. Er wendete sich gegen den dogmatischen Wissenschaftsanspruch des herrschenden Marxismus, z.B. des Leninismus und gegen das Geschichtsverständnis des Marxismus.

Politische Konsequenzen der Kulturfeindlichkeit des Neomarxismus sind die Bestrebungen, eine „multikulturelle“ Gesellschaft zu etablieren, die Immigration zu fördern und das Deutschtum zu bekämpfen.

Um das Christentum zu überwinden, war es erforderlich die Institutionen der Medien, der Kultur und der Erziehung mit Anhängern des Neomarxismus zu besetzen. Insbesondere die Lehrerschaft wurde vom Neomarxismus beeinflußt.

 Der „kulturpessimistische Part der Gegenwartsdiagnostik (wurde)… immer mehr von der als ‚links‘ wahrgenommenen ‚Frankfurter Schule‘.. gespielt… Tatsächlich lag die politisch-ideologische Wirkung der Präzeptoren des Instituts auf ihre jugendlichen Auditorien… in einer hermeneutischen Kulturkritik, deren implizite oder explizite Stoßrichtung sich zum Teil gegen die rapide Verwestlichung oder Amerikanisierung der Bundesrepublik richtete. Die Frankfurter Kritischen Theoretiker waren Teil eines wachsenden intellektuellen Gegenlagers zur ‚Adenauer-Republik’… Ein beachtliches und zunehmend meinungsführendes Segment der Schriftsteller, Publizisten, Künstler und Wissenschaftler begann in diesen Jahren, die Kulturkritik in eine erneuerte Kritik von Klassen- und Produktionsverhältnissen zu überführen… Man findet in den Zeitumständen mancherlei Plausibilitäten, aber kaum zwingende Gründe für diese forcierte neu- (oder auch pseudo-) marxistische Linkswendung“ (Koenen 2001:111).

Der Neomarxismus ist wie der Marxismus atheistisch und antichristlich. Das Christentum wurde als Katholizismus wahrgenommen, für die biblischen Grundlagen interessierte man sich nicht.

Seitens der Bundesregierung wurden „traditionelle Kollektivwerte von Familie, Religion und Eigentum ins Feld geführt. So bildete eine weitgehend anachronistische Ideologie des ‚christlichen Abendlandes‘ auch das Fundament der ersten Phase der europäischen Einigung“.

So beurteilt der ehemalige KBW-Funktionär Koenen heute die 70er Jahre (Koenen 2001:72). Dieses Zitat verdeutlicht, wie das Ausreißen der christlichen Wurzel des Abendlandes durch den Neomarxismus die Gegenwart prägt. Die gegenwärtige Bundesregierung lehnte überwiegend bei ihrer Vereidigung die Hilfe Gottes zur Durchführung ihrer Dienstgeschäfte ab.

3. Antijudaismus

Nach dem Untergang der NSDAP wird der Antijudaismus von den arabischen Palästinensern fortgesetzt. Nach der Beendigung des Vietnam-Krieges mußte der Neomarxismus eine neue Begründung für seine revolutionären Ambitionen finden:

„Kurze Zeit später verlagerte sich die entscheidende Kampffront dann bereits von Vietnam nach Palästina, wo ein heimatvertriebenes, entrechtetes Volk gegen den allmächtigen Welt-Zionismus kämpfte“ (Koenen 2001:122).

Die Neomarxisten identifizierten sich damit mit Zielen von A. Hitler, der ebenfalls gegen den Welt-Zionismus kämpfte:

„Eine große Bewegung unter ihnen (den Juden), die in Wien nicht wenig umfangreich war, trat auf das schärfste für die Bestätigung des völkischen Charakters der Judenschaft ein: der Zionismus“ (Hitler 1934:60).

Am 09.11.69 wurde ein Anschlag auf das Jüdische Gemeindezentrum in Westberlin verübt. 1969 reisten Neomarxisten zur Al Fatah nach Jordanien, um mit Yassir Arafat zu sprechen und um sich in Palästinenserlagern einer paramilitärischen Ausbildung zu unterziehen.

Am … reiste eine SDS-Delegation zu einer internationalen Konferenz nach Algier, um die Solidarität mit der PLO zu bekunden. An dieser Konferenz nahm auch der spätere Vizekanzler J. M. Fischer teil. Heute nehmen die Medien vorwiegend eine antiisraelische und propalästinensische Stellung ein.

4. Neomarxismus und Bundesregierung

Die Bundesregierung Deutschland seit 1998, 30 Jahre nach Beginn des „Marsches durch die Institutionen“ der Bewegung, ist stark vom Neomarxismus geprägt. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich selbst als Marxist bezeichnet. Sein Stellvertreter Joseph Fischer (Deckname Joschka) war an terroristischen Aktivitäten beteiligt, die bis heute nicht hinreichend aufgeklärt sind.

„Das halbe Kabinett und prominente Figuren der Parlaments- und Parteiszene haben ihre politische Biographie als Marxisten, Kommunisten und sozialistische Systemveränderer verschiedener Couleur begonnen, als Sponti-Militante oder K-Grüppler, RAF-Anwälte, SHB-Aktivisten oder Juso-Antirevisionisten“. Auch Verantwortungsträger „in staatlichen Behörden und privaten Verbänden, in Justiz und Anwaltskanzleien, in Medien oder Universitäten, in Gewerkschaften und selbst in den Vorstandsetagen der Wirtschaft“ wurden vom „Geist von ’68“ geprägt, der „längst Teil der Lebensluft dieses Landes geworden ist“ (Koenen 2001).

Dieser mephistophelische „Teil von jenem Geist, der stets verneint“ hat Blut, Tränen und Werteverfall gebracht, aber keine konstruktiven Beiträge zur Gestaltung unseres Gemeinwesens:

„Daß irgendwer ihrer (der siebziger Jahre) mit Nachsicht gedächte, wäre zuviel verlangt“ (H.M.Enzensberger).

5. Wertewandel  

Die Frankfurter Schule dürfte entscheidend den negativen Wertewandel der Bundesrepublik verursacht haben.

6. Theorie der Selbstverwirklichung

Abraham Maoslow, Carl Rogers und Rolo May lehrten, daß die wichtigste Quelle der Autorität im Menschen selbst liegt, daß man nur auf sich selbst hören muß. Zur Theorie der Selbstverwirklichung gehört die uneingeschränkte Befriedigung der Bedürfnisse und die sofortige Befriedigung der Bedürfnisse. Die Theorie der Selbstverwirklichung gehört zum Kern des Neomarxismus. Die Gesellschaft ist jedoch auf monogame, von Treue geprägte Ehen, angewiesen. Die Theorie der Selbstverwirklichung zerstört die Basis von Familie und Gesellschaft.

Der Neomarxismus war von Anfang an durch einen extremen Egozentrismus gekennzeichnet. Nie wurden die Interessen anderer vertreten, sondern nur der Wille zur eigenen Macht. Gemeinschaft oder Kameradschaft wurden pervertiert zur Komplizenschaft oder Kumpelhaftigkeit. Ein Symptom dieser Bewegung sind die sechs Ehescheidungen des Bundeskanzlers und seines Stellvertreters.

Auf dem Gebiet des Bildungswesens wird zwar die Vorstellung vertreten, daß alle Menschen gleich begabt sind und daß Kinder kollektivistisch erzogen werden müssen. Alle Aufgaben müssen kollektivistisch gelöst werden. Andererseits wird unter dem Ideal der Freiheit das Ausleben der individuellen Bedürfnisse verstanden. Subjektunabhängige Werte werden verneint.

7. Sexualisierung der Gesellschaft

Ein wesentliches Ziel des Neomarxismus ist die sexuelle Freizügigkeit, die als Ausdruck der Freiheit des Menschen betrachtet wird. Judentum und Christentum konzentrieren die Sexualität auf die Ehe. Der Neomarxismus entkoppelt Sexualität und Ehe. Die gesellschaftlichen Folgen sind weitreichende. Wir beobachten einen dramatischen Rückgang der Ehen und Familien. Bevölkerungswissenschaftler sprechen von einer „Demographischen Katastrophe“.

„Im Begriff ‚antiautoritär‘ verband sich die Kampfansage gegen einen ‚autoritären Staat‘ mit der Denunziation von ‚autoritären Strukturen‘ in allen gesellschaftlichen Bereichen, besonders in der Familie, dem primären Hort der ‚autoritären Persönlichkeit‘. „…die ‚autoritäre Kleinfamilie‘  (wurde) als Hort eines alltäglichen Faschismus und einer permanenten Unterdrückung jugendlicher Lebenstriebe entlarvt“ (Koenen 2001:80). „Die bürgerliche Familie, hieß es… , bestehe aus dem ‚Mann als Bourgeois und der Frau als Prolet – Herr und Knecht‘, was objektiv auf die ‚Funktion der Männer als Klassenfeind‘ hinauslaufe“ (Koenen 2001:126).

Die familienfeindliche Ideologie des Neomarxismus wurde von der Bundesregierung Schröder/Fischer weitgehend übernommen. Die Praxis der Trennung auch kleiner Kinder von der Familie wurde aus der DDR übernommen. Die Folge ist eine Zunahme von psychischen Störungen.

8. Feminismus und Familie

Aus dem Neomarxismus ging eine feministische Bewegung hervor.

„Jedenfalls, was 1968 mit der Gründung der ersten Weiberräte, Kinderläden, Sexpol-Gruppen usw. begonnen hatte, wurde nach dem Zerfall von APO und SDS endgültig zu einer Bewegung im gesamtgesellschaftlichen Maßstab“ (Koenen 2001:233).

Eines der Ziele dieser Bewegung war die Legalisierung der Tötung ungeborener Menschen. Eine herausragende Gestalt ist Alice Schwarzer:

„Ein einschneidendes Datum ist der Moment, als 1977 ‚Emma‘ die Bühne betritt. Emma ist eine Zeitschrift, die mit der Person ihrer Herausgeberin Alice Schwarzer weitgehend verschmilzt… Nach der erfolgreichen „Stern“-Kampagne ‚Ich habe abgetrieben‘ (1972) landete sie mit ihrem Buch ‚Der kleine Unterschied und seine großen Folgen‘ (1975) einen Bestseller, in keinem der neuen Frauenverlage, sondern in einem großen Verlagshaus“ (Koenen 2001:255,256).

Der Neomarxismus hat erreicht, daß die Tötung ungeborener Menschen zwar rechtswidrig, aber nicht strafbar ist, wenn sogenannte Beratungsscheine ausgestellt werden. Diese Regelung bedeutet eine Aushöhlung des Rechtsstaates. Gegenwärtig werden werktäglich etwa tausend ungeborene Menschen getötet.

„Bekanntlich ist die Bewegung der 68er dann nahtlos in den Feminismus übergegangen, und was beide verknüpft hat, ist der Angriff auf die bürgerliche Familie. All das war so erfolgreich, daß sich seither kein ernstzunehmender Konservativismus mehr formieren konnte. Und auch wenn heute in den Sonntagsreden der Politiker wieder viel über die Bedeutsamkeit von Kindern zu hören ist, so sehen sich Eltern, die ihre Kinder tatsächlich in den Mittelpunkt des Lebens rücken, einem sehr abweisenden kulturellen Klima ausgesetzt. Die Kultur der Jobs verachtet die Kultur der Familie. … Eine Frau, die arbeitet, ist unserer Gesellschaft heute mehr wert als eine Hausfrau und Mutter.

Die höchste Wertschätzung genießt das berufstätige Paar mit ganztätig betreutem Kind. Dann folgt die alleinerziehende, berufstätige Mutter – sie ist die eigentliche Heldin des sozialdemokratischen Alltags. Ihr folgen die Singles bzw. Dinks. Am unterer Ende der Werteskala rangiert die klassische Familie mit arbeitendem Ehemann und Mutter/Hausfrau. Ihr gilt nur noch der Spott der neuen Kulturrevolutionäre, die die Lufthoheit über den Kinderbetten längst erobert haben. … Frauen arbeiten, weil die staatliche Förderung von Kindertagesstätten es billiger macht, die eigenen Kinder betreuen zu lassen.

Damit sind wir bei der aktuellsten Politik, beim neuen Kulturkampf um die Kinder. Als hätte die DDR einen späten ideologischen Sieg errungen, predigen die meisten Politiker heute ganz selbstverständlich die Verstaatlichung der Kinder. Denn Kinderkrippen, Kindertagesstätten und Ganztagsschulen sind nicht als Hilfestellungen für notleidende Eltern, sondern als neue familienpolitische Norm konzipiert. Die Schule wird zum Kinderbetreuungszentrum, in dem die Kinder nicht primär lernen sollen, sondern integriert‘ werden“. (Bolz 2006)

9. Einfluß auf die Sozial-Philosophie

Der Neomarxismus hat stark die Sozial-Philosophie beeinflußt. Unter Gerechtigkeit wird verstanden, daß niemand für irgendetwas verurteilt werden darf. Jede Meinung ist so gut wie irgendeine andere. Jeder hat das Recht zu definieren, was für ihn richtig ist. Durch Verwerfen der Strafe kann die Schuldhaftigkeit ausgelöscht werden. Eine absolute Wahrheit gibt es nicht. Was für den einen wahr ist, braucht nicht für den anderen wahr zu sein. Diese Ideologie führt zur Desintegration der Gesellschaft, zur Erhöhung der Kriminalität und zur Verminderung der innenpolitischen Sicherheit.

10. Widerstand gegen die friedliche Kernenergie-Nutzung  

Die Neomarxisten organisierten zahlreiche Sabotageakte gegen Einrichtungen der Kernenergie-Nutzung (z.B Brokdorf oder Grohnde 1976/77). Diese Sabotageakte wurden nicht aus Sorge um Sicherheit oder Umweltschutz durchgeführt – Fachfragen wurden nicht diskutiert -, sondern hatten ausschließlich die Schädigung der Wirtschaft oder die „Entlarvung der Gewalttätigkeit des Staates“ zum Zweck. Der Unterschied zwischen Atombomben und friedlicher Nutzung der Kernenergie wurde nicht wahrgenommen:

„In der Bilderwelt der Gedichte Enzensbergers war die Radioaktivität allgegenwärtig“ (Koenen 2001:98).

Eine späte Folge der Sabotageakte der Neomarxisten gegen die Kernenergie ist das Bestreben des ehemaligen Bundeskanzlers G. Schröder, die deutschen Kernkraftwerke, die 30 % des elektrischen Stromes erzeugen, stillzulegen. Die Folge ist eine Verlagerung der deutschen Stromerzeugung ins Ausland, ein unabsehbarer volkswirtschaftlicher Schaden. Im März 2001 hat das Bayernwerk mit Russland die jährliche Lieferung einer Strommenge vereinbart, die der Leistung eines halben deutschen Kernkraftwerkes entspricht.

11. Gewaltbereitschaft

Wenn Demokratie eine Form des politischen Lebens ist, die von der Gleichheit und Freiheit aller Bürger ausgeht, waren die Neomarxisten nie demokratisch, sondern versuchten ihren Willen stets durch irgendeine Form von Zwang durchzusetzen, sei es durch Psychoterror, durch Blockaden, durch Diffamierungen, durch Wahlmanipulationen, durch Vandalisierung oder durch brachiale Gewalt.

„Unsere Alternative zu der herrschenden Gewalt ist die sich steigernde Gegengewalt“ (Dutschke, zit. Koenen 2001:130).

Die Neomarxisten verhielten sich wie die Sturmabteilungen (SA) der Nationalsozialisten in der Weimarer Republik: In der „Schlacht am Tegeler Berg“ am 04.11.1968 wurden 130 Polizisten verletzt.

Nach einer Parabel von Mao Tse Tung vermehren sich die Fische im Teich von selbst, wenn die Temperatur steigt. Durchaus friedliche intellektuelle Kreise wärmten konzentrisch das geistige Klima auf, in welchem Terrorismus gedeihen mußte.

Adorno hatte schon recht, als er in einem Interview sagte, er habe doch schlechterdings ’nicht ahnen können‘, daß Leute seine Theorien ‚mit Molotow-Cocktails verwirklichen‘ wollten“ (Koenen 2001:116).

Über den Einfluß von Professor Renate Riemeck, Vorstandsmitglied der DFU, auf das Schicksal ihrer Pflegetochter Ulrike Meinhoff können nur Mutmaßungen angestellt werden.

„Die volle Identifikation mit der Notwendigkeit des revolutionären Terrorismus… in der Dritten Welt ist unerläßliche Bedingung… für die Entwicklung der Formen des Widerstandes bei uns…“ (Dutschke, zit. Koenen 2001:49).

Dutschke, die Schlüsselfigur der neomarxistischen 68er Bewegung, kann man als theoretischen Terroristen bezeichnen.

12. Feindbild von der Kriegsgeneration

Aus der Sicht der Neomarxisten waren in der Zeit des Dritten Reiches alle erwachsenen Deutsche Kriminelle, jeder hatte Kenntnis von den Konzentrationslagern, jeder befürwortete sie, jeder wollte die Juden vernichten, jeder wollte den Krieg. Die Kriminalität der Vätergeneration hatte, so meinte man, zu schrecklichen psychischen Schäden der Nachkriegsgeneration geführt. Die Nachkriegsgeneration sah sich deshalb gezwungen, durch einen totalen Bruch mit der Vätergeneration diese Schäden zu heilen. Der Nationalsozialismus wurde mit der Bezeichnung der italienischen nationalistischen Bewegung des Faschismus benannt, wahrscheinlich, um die nahe Verwandtschaft zwischen Nationalsozialismus und Lenin-Sozialismus zu verhüllen.  

Die Wehrmachtsausstellung hält an diesem Feindbild durch teilweise gefälschte Bilder bis in die Gegenwart fest. Die Rote Armee hatte den Befehl, im Feindesland Frauen zu vergewaltigen. Die Wehrmacht hatte diesen Befehl nicht.

13. Feindbild von der Bundesrepublik Deutschland

Weil aus der Sicht der Neomarxisten alle älteren Deutschen Faschisten waren, waren auch alle Verantwortungsträger der Bundesrepublik Faschisten. Also war auch die Bundesrepublik Deutschland ein faschistischer Staat.

„Alles in dieser neuen Bonner Republik war doppelbödig, nichts war wörtlich zu nehmen“, so ist heute noch die Ansicht von G. Koenen (Koenen 2001:105).

„Der ‚latente Faschismus‘ des Systems oder eine universelle Tendenz der ‚Faschisierung‘ wurden damit zu einem Hauptvorwurf gegen die bürgerliche Gesellschaft, wo ‚Ausbeutung‘ oder ‚Entfremdung‘ alleine nicht ausreichten, um eine derart radikale Fundamentalkritik und Gegnerschaft zu begründen. In einer flankierenden Operation wurde der geläufige Begriff des ‚Totalitarismus‘ von den kommunistischen Diktaturen des Ostens abgezogen und auf den Faschismus als Form einer offenen bürgerlichen Klassendiktatur konzentriert… Faschismus war somit der Inbegriff der ‚repressiven‘, ‚autoritären‘, kurz der ‚totalitären‘ Tendenzen der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft selbst“ (Koenen 2001:113).

Die Sowjetunion wollte die Teilung Deutschlands nicht, die Teilung Deutschlands ist aus der Sicht der Neomarxisten vielmehr deshalb erfolgt, weil Konrad Adenauer Verträge mit den USA abschloß. Aus Gründen der Selbstverteidigung war die Sowjetunion angeblich gezwungen, die Mauer zu bauen. Jeder freiheitsliebende Mensch wurde deshalb aufgefordert, mit allen Mitteln gegen den Staat der Bundesrepublik zu kämpfen, der „strukturelle Gewalt“ ausübt und die zwischenmenschlichen Beziehungen „repressiv entstellt“.

„Faschistisch“ waren auch die USA: Hans Magnus Enzensberger kündigte seine Gastdozentenstelle an einer US-amerikanischen Universität mit den Worten:

„Der Zustand der Vereinigten Staaten erinnert mich heute, in mehr als einer Hinsicht, an die deutsche Situation in den dreißiger Jahren… Die Methoden der Unterdrückung haben sich seit jenen primitiven Zeiten phantastisch verfeinert…“ (zit. Koenen 2001:84).

Der Einsatz von Gewalt gegen den Staat hatte auch den Zweck, die sonst verborgene Gewaltbereitschaft des Staates offenbar zu machen. Die diesbezüglichen Tätigkeitsfelder waren der „Fahrpreiskampf“, der „Häuserkampf“, die „§218-Kampagnen“ und die „Anti-AKW-Bewegung“.

„Das Ziel war immer und unverrückbar ‚die Revolution‘, die natürlich nur als eine internationale gedacht werden konnte, als Weltrevolution mithin“ (Koenen 2001:19).  

Der Einsatz von Gewalt gegen den Staat der Bundesrepublik durch die Anti-AKW-Bewegung dauert bis in die Gegenwart an und wird zur Verschrotten der deutschen KKW führen.

14. Feindbild vom Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland

Aus der Sicht der Neomarxisten war das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik ein kapitalistisches und ein Subsystem der US-amerikanischen Wirtschaft. Dieses System wird von wenigen Kapitalisten gesteuert. Diese Kapitalisten diktieren den Konsum:

„Denn ‚totalitär‘ ist.. auch eine nicht-terroristische Gleichschaltung der Gesellschaft, die sich in der Manipulation von Bedürfnissen… geltend macht“ (Marcuse, zit. Koenen 2001).

Das System ist eine totalitäre Diktatur, nur mit anderen Mitteln als das Dritte Reich. Die Arbeiter werden ausgebeutet und unterdrückt, allerdings sind sie sich dessen nicht bewußt:

„Das Proletariat… war unfähig geworden, sein Unglück überhaupt noch zu empfinden“ (Koenen 2001:51).

Die Bewußtseinsveränderung der Arbeiter ist eine dringliche Aufgabe der Neomarxisten. Diesbezügliche Aktivitäten wurden „Betriebsarbeit“ genannt.

Um das Bewußtsein der Arbeiter der Opelwerke zu verändern, nahm der heutige Vizekanzler J.M.Fischer zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben eine geordnete Berufstätigkeit auf sich (bisher war er als Pflastermaler, Taxifahrer und Bücherdieb tätig). Weil er zu einem Streik aufrief, wurde er schon nach einem halben Jahr aus den Opelwerken hinausgeworfen.

Die Soziale Marktwirtschaft, die als dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus den Wiederaufbau, die Integration der Heimatvertriebenen und einen Wohlstand für alle ermöglichte, wurde von den Neomarxisten nicht wahrgenommen. Auch die heutige Bundesregierung zeigt kein Verständnis für die Soziale Marktwirtschaft. Die unwirtschaftliche Windenergienutzung wurde durch planwirtschaftliche Gesetze erzwungen.

Ein wichtiger Repräsentant der Frankfurter Schule war T. Adorno, der die These vertrat:

„Die moderne technische Zivilisation selbst bringe autoritäre, manipulative, emotionslose, technokratische Charaktere vom Schlage eines Höss oder Eichmann en masse hervor“ (Koenen 2001:115).

Aus der Sicht von Adorno wird Kriminalität durch die gesellschaftlichen Verhältnisse erzeugt.

In logischer Folge ergibt sich aus dem Neomarxismus eine industriefeindliche Einstellung. Ergebnisse dieser Ideologie schlugen sich nieder in der Deindustrialisierungpolitik der Regierung Schröder.

Die versuchte Vernichtung der Kerntechnologie, die Subventionierung der unwirtschaftlichen Windenergienutzung über die Strompreise und die de facto Besteuerung der Kohlendioxidproduktion bewirken eine drastische Verschlechterung des Industriestandortes Deutschlands.

15. Propagierung des Sozialismus

Von den Opfern totalitärer Parteien des 20. Jahrhunderts wurden etwa 10 % von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und etwa 90 % von der Kommunistischen Partei der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken (KPdSU) und anderen kommunistischen Parteien ermordet. Im Vernichtungslager Auschwitz starben die Menschen einen schnellen Tod durch Giftgas, im Vernichtungslager Spassk des KARLAG (mit 1,5 Millionen Insassen) einen langsamen Tod durch Hunger und Kälte.

Trotz Kenntnis der kommunistischen Greueltaten legten sich die neomarxistischen Organisationen vorwiegend kommunistische, sozialistische oder von der Roten Armee (Armee der UdSSR) entlehnte Bezeichnungen zu: Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW), Linkssozialisten, Maoisten, Neoleninisten, Rote Armee Fraktion (RAF), Rote Zellen, Sozialistischer Deutscher Studentenbund (SDS), Trotzkisten. Andere Bezeichnungen brachten die Demokratiefeindlichkeit zum Ausdruck wie Außerparlamentarische Opposition (APO) oder Revolutionäre Zellen (RZ). Die Greueltaten der KPdSU wurden total verdrängt. Das Messen mit zweierlei Maß ist auch für die Bundesregierung unter Schröder/Fischer charakteristisch. Nationalistische Gewalttaten werden stark übertrieben dargestellt, während die verbrecherische sozialistische Partei SED/PDS als Koalitionspartner akzeptiert wurde.

16. Förderung durch die DDR

„Eine linke Zeitschrift wie ‚Konkret‘, die bis 1964 von der DDR finanziert worden war, konnte unter ihrem Herausgeber Klaus Rainer Röhl ihre Finanzlücke schlagartig durch eine neuartige Mischung von Politik und Sex schließen“ (Koenen 2001:74).

Quellen

Bolz,N.; die Helden der Familie; München 2006

Koenen, G.; Das rote Jahrzehnt; Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967-1977; Köln 2001

Lang,N.; Sozialwissenschaftliches Grundwissen im Web, Juni 2001, www.socioweb.de

www.iavg.org

www.horst-koch.de

 info@horst-koch.de

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