Mediale Praktiken in der Schule

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  Prof. Dr. Reinhard Franzke

Automatisches Schreiben und innere Teams

–  Neue Unterrichtspraktiken oder Spiritismus? – 

Grundlagen

Wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe, befinden wir uns auf dem Weg zu einer neuen Pädagogik, der New-Age-Pädagogik, die in alle Schulen und Schulformen eindringt. Nach Auffassung diverser Pädagogen, Didaktiker und Unterrichtsmethodiker soll die Schule den Schülern zu einer neuen Spiritualität verhelfen. Dazu wird seit Jahren eine Fülle nicht mehr überschaubarer esoterischer Praktiken angeboten. In Wahrheit handelt sich um eine bestimmte Ausrichtung der Spiritualität. Verstehen wir unter Spiritualität die Kontaktaufnahme, Kommunikation und Kooperation mit transzendenten (oder spirituellen) Welten und Mächten, müssen wir im Prinzip zwei grundsätzliche und gegensätzliche Formen der Spiritualität unterscheiden: die christlich-biblische und die nichtchristlichen Formen. Die biblische Form der Spiritualität hält sich eng an die Bibel, das Wort Gottes; die nichtchristlichen Praktiken der Spiritualität schöpfen aus außerbiblischen Traditionen: dem Schamanismus, der Magie, der Hexenkunst, den fernöstlichen Religionen, der Esoterik, aus der pseudochristlichen Mystik u. v. m. 

Gottes Wort warnt uns vor nichtbiblischen Formen der Spiritualität. Wir sollen keine anderen Götter anbeten und verehren. Aus christlich-biblischer Sicht führt der Weg zum Gott der Bibel (Kontaktaufnahme) einzig und allein über Jesus Christus, indem ich mein Leben Jesus übergebe, Buße tue und ein neues Leben im Glauben und im Gehorsam gegenüber Gottes Geboten führe. Dazu erhält der Gläubige den Geist Gottes, den Heiligen Geist, der die Verbindung zu Gott herstellt, im Gläubigen wohnt und ihn führt und leitet. Die Kommunikation mit Gott erfolgt nur und nur über das Studium der Bibel, in der sich Gott äußert sowie im gläubigen Gebet im Namen Jesu Christi. Kooperation mit Gott meint, dass ich Gott diene, seinen Willen tue, Gott anrufe und um Hilfe, Weisheit und Führung bitte.

Aus biblischer Sicht gibt es unsichtbare Welten und Mächte: das Reich Gottes mit seinen Engeln und das Reich der Finsternis, mit bösen Geistern, Dämonen und mit dem Widersacher Gottes an der Spitze. Im ersten Gebot warnt uns Gott, mit dem Reich der Finsternis Kontakt aufzunehmen, indem wir die religiösen oder spirituellen Praktiken außerchristlicher (oder heidnischer) Traditionen übernehmen und ausführen. Das Wort Gottes zeigt uns, dass böse Geister und Dämonen vom Menschen Besitz ergreifen und sie manipulieren können. Die Bibel nennt diesen Zustand Besessenheit. Von Besessenheit wird auch in anderen Kulturen gesprochen. Dort gehören Besessenheitsrituale zum festen oder gar zentralen Bestandteil einer religiösen Kultur, so z. B. bei den Schamanen, im brasilianischen Spiritismus, bei Besessenheitsritualen auf der französischen Insel Reunion, oder Haiti u. v. m.

Die Bibel lehrt: Böse Geister und Dämonen können Besessene taub, blind, stumm, krumm, epileptisch, schwermütig (oder depressiv), asozial und gewalttätig machen. Sie können die Zunge eines Menschen nutzen und aus dessen Mund sprechen. Sie können übernatürliche Fähigkeiten (Wahrsagerei) und Körperkräfte verleihen, und sie können zu Selbstverletzungen und Selbstmordhandlungen führen. Kurz, wird man mit einem dieser Phänomene konfrontiert, ist aus christlich-biblischer Sicht immer an das Wirken übernatürlicher Mächte und Kräfte zu denken. Die Bibel lehrt auch, dass einem Menschen eine Vielzahl von Geistern innewohnen können (vgl. Mt 8,29; Markus 5, 8). 

Die nichtbiblische Spiritualität kennt eine Fülle spiritueller Praktiken. Zu den operativen Praktiken und „Verkehrsformen“ mit der Welt der Geister gehören:

 

Die spirituelle Transkommunikation

Klassische Formen der Anrufung übernatürlicher Mächte sind Zauber- und Beschwörungsformeln, moderne Formen sind Suggestionen, Affirmationen, Visualisierungen oder Imaginationen in Form innerer Bilder.

Die Mittel und Medien, mit denen sich diese Mächte mitteilen können, sind:

Gedanken, plötzliche Eingebungen oder Inspirationen, innere Stimmen, innere Bilder oder Visionen, besondere (Bauch-) Gefühle

Werkzeuge oder Gegenstände: Pendel, Wünschelrute, Gläser und Tische (beim Stühle- und Tischerücken) sowie

Zunge: beim Sprech- und Gesangsmedium

Hand: beim Schreibmedium, beim automatischen oder kreativen Schreiben, beim automatischen Malen oder Zeichnen, Komponieren, Operieren

Die magische Manipulation

Unter magischer Manipulation verstehen wir hier die Fähigkeit, sich selbst (Gesundheit, das Verhalten) und/oder die (Um-)Welt allein mit mentalen Mitteln (Suggestionen, innere Bilder) beeinflussen und manipulieren zu können.

Die mediale Konsultation

Unter medialer Konsultation verstehen wir die Praxis, Wissen und Ideen, Orientierung und Führung, Rat und Hilfe aus übernatürlichen Quellen zu beziehen. Die Mittel und Medien der Mitteilung sind die gleichen wie oben.

Die Astralprojektion

Unter Astralprojektion verstehen wir die außerkörperlichen Seelenreisen in Raum und Zeit.

Die Inkorporation und die paranormalen Praktiken 

Unter Inkorporation verstehen wir die zeitweise oder dauerhafte Innewohnung übernatürlicher Mächte, die den Betroffenen übernatürliche Fähigkeiten und Kräfte verleihen (siehe unten).

Voraussetzung ist in der Regel ein besonderer (erweiterter, veränderter oder tranceartiger) Bewußtseinszustand, der durch ein entsprechendes Setting und/oder durch entsprechende trance-induzierende Grundtechniken eingeleitet wird. Dazu gehören vor allem ein besonderer Ort (ruhig, ungestört, „heilig“, magisch), eine besondere Zeit (morgens, abends), eine besondere (bequeme oder rituelle) Körperhaltung, das Abschalten der Sinneswahrnehmung (Augen schließen), besondere Entspannungs- und Atemtechniken, „Achtsamkeit“ oder mentale Konzentration auf einen „Punkt“ (Atem, Mantra usw.), das Abschalten und Ausschalten des rational-analytischen Verstandes und der kontrollierten Gedankentätigkeit, die Aufgabe der bewußten Kontrolle über die Gedankentätigkeit (so zum Beispiel durch freie Assoziation, durch zügelloses Umherschweifen der Gedanken), die Produktion innerer Bilder, die Imitation und Identifikation (z. B. mit einem Tier), das völlige Loslassen und die kritiklose Akzeptanz und der völlige Verzicht auf (Wert-)Urteile, Beurteilungen und Bewertungen.

Wer so verfährt, dem öffnet sich früher oder später die Tür zu transzendenten Welten und Mächten, der kann eine der oben dargestellten „operativen Praktiken“ durchführen: der kann Wissen, Rat und Hilfe aus übernatürlichen Quellen bekommen, mit übernatürlichen Mächten kommunizieren, sich oder die Umwelt auf magische Weise beeinflussen, sich auf medialem Wege inspirieren, informieren und beraten lassen, körperlose Reisen in Raum und Zeit unternehmen, fremde Energien inkorporieren und übernatürliche Fähigkeiten und Kräfte aktivieren.

Die Grundlogik ist relativ einfach zu durchschauen: Zunächst geht man mit Hilfe der oben genannten Techniken in einen Zustand der TRANCE, dann wendet man sich einer der genannten operativen Praktiken zu und nimmt entsprechenden Verkehr mit den angerufenen  Mächten auf. Sind die Mächte inkorporiert, dann können sie unser Denken, unsere Wahrnehmung, unsere Gefühle kontrollieren und uns „innere Bilder“ schicken.

Darüber hinaus können sie übernatürliche oder paranormale Fähigkeiten und Kräfte verleihen: Schmerzunempfindlichkeit, ein Supergedächtnis, Fähigkeiten der außergewöhnlichen Wahrnehmung (ASW) wie Hellsehen, Hellhören, Telepathie, Gedankenübertragung, Telekinese und Apporte. Zu den übernatürlichen Phänomenen zählen außerdem Materialisationen, unsichtbare (tätliche und sexuelle) Angriffe, Spuk, Levitationen (von Gegenständen und Menschen), Bilokationen u. v. m. 

Die Bibel beschreibt und erklärt Besessenheitszustände und deren (soziale und asoziale) Folgen, sie lehrt nicht, wie man besessen wird. Das erfahren wir aus anderen Kulturen und aus der Psychologie und Psychotherapie. Wie man besessen wird, das wissen die meisten Psychologen, die davon leben, zahlreiche Patienten mit geistigen Mächten in Kontakt zu bringen und sie zeitweise oder gar dauerhaft besessen zu machen. Hierzu gibt es diverse Methoden.

Die Voice-Dialog-Methode von Stone/Stone („Du bist viele“)

Ausgangspunkt der VD-Methode ist die Grundlehre, wonach der Mensch (angeblich) aus mehreren „Teilpersönlichkeiten“ besteht, die dem Menschen weitgehend verborgen sind. In der VD-Methode gilt es, die Klienten mit diversen bzw. mit allen verborgenen „Teilpersönlichkeiten“ (oder inneren Stimmen) in Kontakt zu bringen, mit diesen zu sprechen, diese zu erkennen, anzunehmen und zu verehren, ohne jedes Vorurteil und ohne jede Kritik ihnen gegenüber. Ablehnung oder Kritik nehmen diese übel, indem sie sich zurückziehen, den Dialog abrechen, verbal (oder gar tätlich?) angreifen.

Um mit „Teilpersönlichkeiten“ in Kontakt zu treten und mit ihnen zu kommunizieren, verwickelt der Therapeut den Klienten in ein persönliches Gespräch, in dem dieser sich und seine Probleme offenbart. Aus jeder Äußerung wird eine Art „seelischer Landkarte“ (MIND MAP) konstruiert, die ein Beziehungsgeflecht angeblich existierender Teilpersönlichkeiten widerspiegelt: Ist der Klient fleißig, so äußerst sich der „Antreiber“ usw. Weitere „Teilpersönlichkeiten“ sind der Beschützer, der Bewacher, der Kritiker, der Perfektionist, das innere Kind, der gute (schlechte) Vater, die gute (schlechte) Mutter u. v. m.

Schließlich wird der Klient in einen Zustand der Trance versetzt, der die Tür zu spirituellen (transzendenten) Welten und Mächten öffnet und dem Klienten oder Therapeuten ermöglicht mit den sich offenbarenden „Teilpersönlichkeiten“ längere Gespräche über den Klienten und seine Probleme zu führen. Nacheinander dürfen alle „Teilpersönlichkeiten“ ihre Meinung zum Klienten und seinen Problemen äußern. Dabei soll man sich entspannen, die Augen schließen, etwas visualisieren oder imaginieren, meditieren. Bei jeder angerufenen „Teilpersönlichkeit“ sitzt der Klient auf einem anderen Stuhl, bei jeder verwandelt sich der Klient in eine andere Person mit einer anderen Stimme, mit einer anderen Gestik und Mimik. 

Nach Stone/Stone ist die VD-Methode ein Werkzeug der spirituellen Transformation des Menschen (vgl. S. 118), das Zugang zu „spirituellen Dimension“, zum „Höheren Selbst“, zum „Gott in uns“, aber auch zum „Dämonischen“ ermöglicht. Schlimmer noch: Die „innere Stimme“ redet dir ein, du seiest Gott (vgl. S. 308). Bibelkenner wissen sofort, wer hier redet. Schon auf den ersten Seiten der Bibel redet die Schlange Eva ein, sie könne „sein wie Gott“, wenn sie nur von Baum der Erkenntnis essen würde. Nach Auffassung von Stone/Stone ist die VD-Methode höchst gefährlich. Es gilt vorsichtig zu sein. Nach einer Sitzung sollte der Klient auf keinen Fall sofort ins Alltagsleben zurückkehren oder gar Autofahren.

Kurz: Die VD-Technik ist eine Technik, die Besessenheitszustände induziert. Sie versetzt den Klienten in einen Zustand der leichten Trance. Dann werden geistige Wesenheiten oder Geister (sog. Teilpersönlichkeiten) auf- und angerufen, die vom Klienten Besitz ergreifen und seine Stimme nutzen, um den Klienten und Therapeuten dubiose Einsichten, Absichten und Botschaften zu vermitteln. In der Regel handelt es sich um esoterisches und antichristliches Gedankengut: Man solle recht viel joggen, sich „richtig“ (vegetarisch) ernähren, mehr meditieren, esoterische (New-Age-)Praktiken verbreiten helfen, sich vom Ehepartner trennen oder gar scheiden lassen (vgl. S. 314) und die „Götter verehren“.

VD ist eine von vielen neuartigen Techniken des Chanelling: Der Klient wird zum Medium oder Kanal (chanel) für Botschaften aus dem Jenseits, aus dem Reich der Finsternis.

Mediale Konsultationen in der Hypnose (Eberwein/Schütz)

Nach Eberwein/Schütz („Die Kunst der Hypnose.“ Paderborn 1999) ist Hypnose eine spirituelle Praktik, die die Tür zu spirituellen Welten und Mächten öffnet . Türöffner ist der Zustand der Trance, der auf vielfältige Art und Weise hergestellt werden kann. In dem Buch finden sich mindestens zwei Dutzend Techniken der Tranceeinleitung. Im Kapitel über „Teile-Arbeit“, wird uns offenbart, dass „es in jedem von uns ein tieferes Wissen gibt“, das wir „höheres Selbst“, „innere Stimmen“, „Archetypen“, „Geistführer“, „gechannelte Wesenheiten aus dem Jenseits“, „Unbewusstes“ oder halt „Teil“ nennen. Mit diesem „Teil“ sollen wir Kontakt aufnehmen. Dazu sollen wir uns an einen besonderen Ort begeben, eine besondere Körperhaltung einnehmen, die Augen schließen, auf den Atem achten, nach innen gehen, alle inneren Wahrnehmungen ohne jede Bewertung und Kritik einfach nur passiv beobachten, „innere Bilder kommen lassen“, einen „Teil“ anrufen, eine vorbereitete Frage stellen und auf die Antwort warten. Dieser „Teil“ kann in vielen Maskeraden erscheinen, die uns unter Umständen erschrecken. Das kann auch ein Teufel sein (vgl. S. 158 f). Dieser „Teil“ wird uns eine Antwort, eine Botschaft, mit Hilfe eines inneren Bildes, eines Symbols, einer inneren Stimme und/oder eines besonderen Körpergefühls zukommen lassen. Es kann ein Wort, ein Satz, eine Stimme oder ein Geräusch auftauchen. Erscheint der Geist noch immer nicht, so soll man sich einen tiefen Brunnen vorstellen. Dem Rat des angerufenen „Teiles“ sollen wir unbedingt Folge leisten. Wenn der „Teil“ bedrohlich wird, sollen wir magische Hilfsmittel (vgl. S. 168) anwenden; der „Teil“ fühlt sich dann „respektiert und wertgeschätzt“. Wenn wir Ideen brauchen, sollen wir den Teil, der auch als Dschinn (dämonischer Geist) erscheinen kann, bitten, Ideen für uns zu produzieren. „Dabei sollten Sie sich an den Regeln orientieren,…die man Brainstorming nennt“ (S. 175), heißt es bei Eberwein und Schütz. Alles soll akzeptiert, nichts soll bewertet oder gar kritisiert werden. Zur Verbesserung der Kommunikation mit dem Dschinn können wir auch Fantasierreisen unternehmen, bei denen uns der „Teil“ als Geistführer begleitet. Am Schluss wird uns verheißen, dass wir einen „inneren Meister“ haben, der immer bei uns ist (vgl. S. 186)!


Die freie Assoziation – eine Hypnosetechnik

Die Zahl der Trancetechniken, die die Tür zur spirituellen Welt öffnen, ist unüberschaubar. Eberwein und Schütz präsentieren mindestens zwei Dutzend. Eine nicht direkt genannte Technik ist die „freie Assoziation“, die Freud in die Psychotherapie eingeführt hatte. Dabei soll der Klient den rational-analytischen Verstand, das Denken und Nachdenken abschalten und alles, was dem Klienten einfällt, äußern, ohne die Einfälle und Ideen zu ordnen, zu bewerten, zu beurteilen, zu zensieren oder gar zu kritisieren.

Eine Durchsicht der einschlägigen Hypnoseliteratur legt die Einsicht oder Regel nahe: Was ich im Zustand der Trance erlebe, kann umgekehrt zur Einleitung einer Trance benutzt werden. Mache ich eine „Einheitserfahrung“ (Ich bin eins mit allem), fordere ich den Klienten auf, sich vorzustellen, er sei eins mit einem Baum, er sei ein Baum. (Eine beliebte Methode im Grundschulunterricht, vgl. Roschitsch/Müller: Praxisbuch Methodentraining, Donauwörth 2004, S. 8 ff: Stell dir vor, du bist ein Baum, der Baum kann erzählen usw.). Erlebe ich das Gefühl der Schwere oder Wärme, fordere ich den Klienten auf, sich vorzustellen, der Arm sei schwer oder warm (so z. B. beim Autogenen Training). Fängt der Klient im Zustand der Trance an, „frei zu assoziieren“, dann fordere ich den Klienten auf, den Verstand abzuschalten, „frei zu assoziieren“, alles mitzuteilen, was ihm zu einem Thema oder Problem einfällt.
“Der Hypnotisierte erlebt assoziativ-symbolisch und traumhaft-ganzheitlich statt klar abgegrenzt und analytisch-logisch.“ (S. 28)

Genau deshalb hatte Freud die „freie Assoziation“ vorgeschlagen, genau deshalb sollen wir beim Mind Mapping (und beim „Clustering“, beim „Brainstorming“, beim „Blitzlicht“ uam) den rational-analytischen Verstand abschalten und „frei assoziieren“. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit der rechten und linken Gehirnhälfte zu tun. Es handelt sich um eine raffinierte Technik der Tranceeinleitung, die früher oder später die Tür zu transzendenten Welten und Mächten öffnet, die die Psychologie „Welt des Unbewussten oder Unterbewusstseins“ nennt.


Befragung von „Teilpersönlichkeiten“ im NLP

Die Befragung von Teilpersönlichkeiten findet sich auch im NLP. In der NLP-Literatur haben Krankheitssymptome (angeblich) eine Absicht; Charaktereigenschaften repräsentieren einen Persönlichkeitsanteil. Beide wollen uns angeblich eine Botschaft senden, die wir empfangen und ernst nehmen sollten. Dazu müssen wir in einen Zustand der TRANCE gehen. Die Augen schließen, unsere Aufmerksamkeit auf sog. Submodalitäten (Farbe, Form, Temperatur, Klang usw.) dieser Symptome richten.

Dann sollen wir den angerufenen Teil, der sich angeblich hinter diesem Symptom verbirgt, Fragen stellen: „Guter Teil, …möchtest du mit mir kommunizieren? … Was möchtest du mir mitteilen?“ Die Antworten haben wir kritiklos zu akzeptieren. Vielleicht droht uns dieser Teil, zu dem wir höflich und respektvoll zu sein haben, mit einer Antwort: Ich habe die Fähigkeit, dir Kopfschmerzen zu schicken. Der „Persönlichkeitsteil“ erwartet, dass wir unser Verhalten und unser Leben, solange verändern, bis dieser „Teil“ mit uns zufrieden ist. Schließlich haben wir zu fragen, ob es noch weitere „Persönlichkeitsteile“ gibt, die um Einverständnis gebeten werden müssen. Dieser Dialog ist so lange fortzusetzen, bis auch der zweite (oder dritte und vierte) „Persönlichkeitsanteil“ mit mir zufrieden ist. (vgl. Heinze/Heinze-Vohmann: NLP – mehr Wohlbefinden und Gesundheit. München 1996).

Eine andere Variante geht davon aus, dass das Unbewusste (bzw. Teilpersönlichkeiten) unser Verhalten bestimmen (Mohl, A.: Der Zauberlehrling. Paderborn 1997, S. 211 ff) und (nur) gute Absichten verfolgt, dass man mit dem Unbewussten Verbindung aufnehmen, mit ihm reden, es um etwas bitten und mit ihm verhandeln kann (vgl. S. 213). Haben wir ein Problem, so sollen wir mit dem „Persönlichkeitsanteil“ Kontakt aufnehmen, der das Problemverhalten erzeugt und diesen Teil  nach Verhaltensalternativen fragen. Dazu soll man „nach innen gehen“, sich an den „Teil“ wenden und ihn fragen, ob er bereit ist, mit uns zu kommunizieren. Ist er einverstanden, gilt es Signale zu vereinbaren, die Botschaften der „Teile“ transportieren: Bilder, Worte, Klänge, Körperempfindungen. Auch hier haben wir den „Teil“ zu fragen, welche Absichten er mit dem (Krankheits) Symptom verfolgt  und den (inneren) Dialog so lange fortzusetzen, bis er mit unserer Verhaltensänderung einverstanden ist. Sind zwei „Persönlichkeitsteile“ an dem Verhalten oder Problem beteiligt, müssen beide „Teile“ gefragt und in einen langwierigen Verhandlungsprozess einbezogen werden; sind es mehrere „Teile“ müssen wir entsprechend viele „Teile“ anrufen und befragen.

Kurz, im NLP werden Menschen gedrängt, Kontakt mit unsichtbaren geistigen Mächten aufzunehmen und sich von ihnen beraten und führen zu lassen. Unter Umständen gilt es ein ganzes (inneres) Team von Geistern anzurufen, um ein akutes Problem zu lösen. Das ist Spiritismus und nicht moderne Psychologie! Erschreckend ist die Tatsache, wie einfach es ist, mit unsichtbaren Wesen Kontakt aufzunehmen: Man schließe die Augen, wende sich „nach innen“ und rufe die Geister herbei. Diesen ist es offensichtlich egal, wie man sie nennt: Unbewusstes, Teil oder Teilpersönlichkeit.


Geisterkonferenzen nach Napoleon Hill

In seinem Buch „Denke nach und werde reich“ offenbart uns Napoleon Hill, ein Vertreter des „Positiven Denkens“, das Geheimnis seines großen Erfolges. Nach eigener Aussage berief er jede Nacht eine „imaginäre Ratsversammlung“ ein, die sich aus neun Persönlichkeiten zusammensetzte. Danach sprach er jeden seiner unsichtbaren Berater mit lauter Stimme persönlich an und bat, einen ganz bestimmten, spezifischen Beitrag … zu leisten.“ (S. 217) Zu den angesprochenen Geistern gehörten unter anderem Napoleon, Darwin, Lincoln, Ford, Edison. Wie Hill weiter ausführt, verselbständigten sich die unsichtbaren Ratgeber, so dass er nicht mehr zwischen Einbildung und Realität unterscheiden konnte und panische Angst bekam. Gleichwohl will er den Lesern glauben machen, er hätte nie mit realen Geistern verkehrt (vgl. S. 219).


Das Konzept der Multiplen Persönlichkeit

Nach M. Huber zeichnet sich eine multiple Persönlichkeitsstörung durch die Existenz zweier oder gar mehrerer Persönlichkeiten aus (vgl. Multiple Persönlichkeiten. Frankfurt a. M. 1995, S. 26), die wechselweise die Kontrolle über eine Person, über Verhalten, Denken, Körper und Gefühle übernehmen (S. 26 f). Angeblich können Menschen mehrere Dutzend „Innenpersonen“ beherbergen; angeblich ist die Person gespalten aufgrund frühkindlicher Traumata, meist verursacht durch Misshandlung, sexuelle Gewalt und/oder Erlebnisse in satanistischen Ritualen. „Fast alle Multiplen haben als Kind sexuelle Gewalt erlebt.“ (S. 57) Die „Persönlichkeitsspaltung“ ist angeblich ein Schutz- und Abwehrmechanismus und eine Form der Bewältigung traumatischer Erfahrungen. Symptome einer multiplen Persönlichkeitsstörung sind: geistige Verwirrung, unerklärliche Panikattacken, schlechtes Erinnerungsvermögen, verschiedene Handschriften, das Hören innerer Stimmen, die angeblich immer die Wahrheit sagen, Wechsel (Switch) der Verhaltensweisen, Mimik, Gestik, usw., Veränderung der Stimme, paranormale Fähigkeiten, übernatürliche Kräfte, übersinnliche Erfahrungen, Selbstzerstörung, Selbstverletzung u. v. m. Im weiteren Verlauf ihrer Argumentation versucht Huber krampfhaft zu belegen, dass „Multiple“ nicht schizophren oder paranoid sind (vgl. S. 154 ff).

Interessant ist nun die „Therapie“ der Multiplen. Zunächst werden die Frauen hypnotisiert, dann werden ihre „Innenpersonen“ bzw. das „Unbewusste“ angesprochen und um Hilfe gebeten  (S. 236). In diesem Zustand sieht die Klientin evtl. innere Bilder, sie hört innere Stimmen, sie nimmt Gerüche, Geschmäcker oder besondere Gefühle wahr. Am Schluss gilt es dem „Unbewussten“ (!?) zu danken und sich von diesem respektvoll zu verabschieden (vgl. S. 242). Die inneren Erfahrungen werden sodann in Bildern, Geschichten, inneren Landkarten (Mind Maps) aufgezeichnet. Nach und nach nimmt die Therapeutin Kontakt mit sämtlichen „Innenpersonen“ oder „Persönlichkeitsteilen“ Kontakt auf. Aufgabe der Therapeutin ist es, die angeblich existierenden Innenpersonen miteinander in Kontakt zu bringen und das Trauma noch einmal zu durchleben, die Innenpersonen aufzufordern, gut füreinander zu sorgen, sich in ein heilendes, helles und warmes Licht zu tauchen und die vielen „Innenpersonen“ zu einer Gesamtpersönlichkeit zusammenzuschweißen (S. 339, 351).

Das ist alles Unfug. Hypnose ist keine Heilmethode, Hypnose ist eine spirituelle Praktik, die die Hypnotisierten mit unsichtbaren Wesenheiten in Kontakt bringt. Die in Trance wahrgenommenen Bilder sind in der Regel falsch. Die angeblich wiedererlebten traumatischen Szenen sind raffinierte Inszenierungen geistiger Mächte, die die Bibel Lügengeister nennt. In Hypnose können beliebige „Filme“ auf den inneren Bildschirm projiziert werden (vgl. Franzke, R.: Vorsicht! Hypnose. Hannover 2003). Die Kindheitstraumata sind meist bloße Erfindungen. In Wahrheit ist die „multiple Persönlichkeitsstörung“ ein pseudowissenschaftliches Etikett für den klassischen Tatbestand der Besessenheit. Das kann an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt und belegt werden. Das Beispiel der „multiplen Persönlichkeit“ soll nur zeigen, dass die Psychotherapie das Phänomen kennt, dass seelisch kranke Menschen den Eindruck haben können, in ihrer Seele würden viele verschiedene Personen mit einer jeweils eigenen Persönlichkeit existieren. Die „Therapie“ besteht nun offensichtlich darin, diese „Persönlichkeitsanteile“ zu einem „inneren Team“, das an einem Strang zieht, zusammenzuschweißen, und zwar im Zustand der TRANCE.

In Amerika hat die Theorie und Therapie multipler Persönlichkeiten kein gutes Ansehen. Hunderte von „Multiplen“ haben sich von ihren Therapeuten losgesagt und sie mit Millionenklagen vor Gericht gestellt. Sie und viele Experten sind überzeugt, dass die „multiple Persönlichkeitsstörung“ eine bloße Erfindung und ein gutes Geschäft der Therapeuten ist und dass die Therapeuten die Persönlichkeitsstörung mit Hilfe der Hypnosepraktiken selbst hervorgebracht haben. Mit anderen Worten: Die „Therapeuten“ machen ihre Klienten, meist Frauen, bewusst krank und besessen, wenn sie ihre Patienten in Trance mit geistigen Mächten in Kontakt bringen. Je länger die „Therapie“, desto kränker wird die Person.


Psychiatrie: Innere Stimmen und innere Dialoge

Ein Vergleich mit der Symptomatik Schizophrener zeigt deutliche Parallelen. Schizophrene gelten als gespaltene Persönlichkeiten, die sich unter einem fremden Einfluss sehen, der auch ihre Gedanken betrifft. Sie haben akustische, optische und taktile Halluzinationen. Sie hören fremde, meist bedrohliche Stimmen, Wörter oder gar Sätze, zuweilen Vorträge. Unter Umständen hören sie „innere Stimmen“, die sich miteinander unterhalten. Viele erleben bildhafte Visionen, Frauen glauben sich missbraucht, vergewaltigt, geschändet (vgl. Schulte/Tölle: Psychiatrie. Berlin/Heidelberg 1975, S. 163 ff, 168; vgl. Redlich/Freedman: Theorie und Praxis der Psychiatrie. Frankfurt a. M. 1970, S. 687 ff), wobei die Psychiatrie, davon ausgeht, dass es sich bei allen hier genannten Phänomenen um bloße Einbildungen („Halluzinationen“) bzw. um Dysfunktionen des Gehirns und/oder der Nerven handelt, während christlich-biblische, esoterische und spiritistische Sichtweisen den Verdacht nahe legen, dass es sich durchaus um Einflüsse unsichtbarer (spiritueller) Welten und Mächte handeln könnte. Die Psychiatrie ist nicht einmal ansatzweise bereit, diese Hypothese in Erwägung zu ziehen und bei den Kranken nach entsprechenden Ursachen zu suchen (Ausnahme: M. Scott Peck: Die Lügner. München 1990), die nach Auffassung des Psychiaters Scott Peck in der Regel okkulte Praktiken sind (vgl. S. 220). Vor diesem Hintergrund besteht der begründete Verdacht, dass die oben genannten Praktiken der Psychologie und Psychotherapie, die Patienten oder Klienten besessen und geisteskrank machen können.


Das Modell der „inneren Teams“ (nach Thun)

Vor diesem Hintergrund können wir das eingangs vorgestellte „Modell der inneren Teams“,  das die Schüler im Schulunterricht einüben und anwenden sollen, sehr viel besser verstehen. Offensichtlich sollen die Schüler „Teilpersönlichkeiten“ oder Geister anrufen und sie um Rat und um Hilfe bitten. In einem Interview in der Zeitschrift „Managerseminare“ (Januar 2009) behauptet Thun, dass wir bei der Lösung von Problemen unseren „inneren Menschen“, zu dem wir „einen guten Kontakt haben müssen“, zur Beratung heranziehen sollten. Im Kern bestehe das Modell der inneren Teams aus einer „Visualisierung und Vitalisierung der inneren Mitspieler“. „Ich weiß die Lösung nicht, aber schauen wir mal wer sich in uns drinnen zu diesem Problem meldet.“ Es ist einfach nicht zu glauben, woran Menschen, die die Existenz Gottes bestreiten würden, in Wahrheit glauben: an „innere Stimmen“, an „innere Menschen“ die in uns, in den Tiefen der Seele hausen und angeblich alles (besser) wissen als wir selbst. Das ist Spiritismus.


Spiritismus

Unter Spiritismus verstehen wir den Glauben an die Existenz von Geistern, die in der Regel als Geist von Verstorbenen angesehen werden. Es gibt eine Vielzahl spiritistischer Praktiken: Seancen, Ouija-Bretter, Tische- und Gläserrücken, Sprech- und Schreibmedien (Trancereden, automatisches Schreiben), Hellsehen, Hellhören, Zweites Gesicht,  sowie Spuk, Materialisationen, Telekinese, Apporte, Levitationen u. v. m. (vgl. Koch, Kurt: Okkultes ABC).  Im Zentrum stehen die Kontaktaufnahme mit dem „Geist von Verstorbenen“ mit Hilfe von Seancen, Ouija-Brettern, Medien, Tische- und Gläserrücken. Im weiteren Sinne gehören hierzu alle Formen der Kontaktaufnahme und Kommunikation mit Jenseitsmächten.

Im Laufe der Geschichte gab es eine Vielzahl spiritistischer Bewegungen und Traditionen. Eine erste Blütezeit hatte der Spiritismus in Nordamerika in der Mitte des 19. Jahrhunderts, danach entwickelten sich spiritistische Bewegungen in Frankreich und in England. Heute ist der Spiritismus die am weitesten verbreitete Religion in Brasilien sowie auf vielen karibischen Inseln. Bekannte Vertreter des Spiritismus sind vor allem der Franzose Kardec („Das Buch der Geister“; „Das Buch der Medien“) sowie Swedenborg und Mesmer. In Deutschland verbreitete sich der Spiritismus vor allem in der Nachkriegszeit und später in der Jugendkultur. 

Versteht man unter Spiritismus die Gesamtheit aller Praktiken und Bewegungen, die behaupten Wissen und Mitteilungen aus einer anderen Welt zu bekommen, dann gibt es eine Vielzahl von Medien und spiritistisch beeinflussten Persönlichkeiten und Bewegungen. Hierzu gehören der Buddhismus, der Hinduismus, der Islam, die Mormonen, die Theosophie, das Heimholungswerk (der G. Wittek, Universelles Leben), die Findhorn-Bewegung (in Schottland), die bekannten Vertreter der Esoterik wie Shakti Gawain, Jane Roberts („Der Weg zu Seth“) und die Schauspielerin Shirley Mclaine  („Zwischenleben“). Sie sind oder waren Medien, oder sie hatten engen Kontakt zu Medien, die behaupteten Botschaften von unsichtbaren Wesenheiten erhalten zu haben. Bekannte Beispiele sind Buddha (die „Vier Edlen Wahrheiten“ des Buddhismus), indische Weise (die indischen Veden und die Bhaghavad-Gita, die Heilige Schrift des Hinduismus), Mohammed (Suren des Korans), Schmidt (der Begründer des Mormonismus), Madame Blavatsky (die Begründerin der Theosophie), Gabriele Wittek (Heimholungswerk, Universelles Leben) und viele andere. Die Kontaktaufnahme geschieht zu verstorbenen Verwandten (Onkel Hans), zu berühmten Persönlichkeiten (Napoleon), Religionsgründern (Jesus u. a.) und/oder Gottheiten.

Medien sind auch und vor allem viele Künstler, Musiker, Schriftsteller, Dichter und Wissenschaftler. Einschlägige Recherchen haben ergeben, dass die meisten klassischen Musiker im Zustand der Trance von „Musen“ beeinflusst wurden (vgl. Kurt Koch: „Musik unter der Lupe“; Ders.: „Okkultismus und Seelsorge“; Abell, Arthur M.: „Gespräche mit berühmten Komponisten.“ Haslach o. J, bei Artha). Es ist bekannt, dass Goethe mit Geistern sprach und als Schreibmedium fungierte (vgl. Meskemper, G.: „Falsche Propheten unter Dichtern und Denkern.“ Schwengeler  2000, 5. Auflage), auch F. Schiller hat offensichtlich über tiefes Wissen verfügt, wie man Jenseitsquellen anzapft (vgl. unten). In einem Brief an A. v. Humboldt schrieb er, dass er „von Dämonen öfters hin und her geführt werde“ (Meskemper, a. a. O., S. 85). Auch viele Wissenschaftler lassen sich von geistigen Wesenheiten inspirieren. Die bekanntesten Beispiele sind die Psychologen C. Rogers und C. G. Jung (vgl. Nannen, Els: Der getriebene Visionär….; Franzke, R.: „Psychotherapien.“ Lage 2008). Beide hatten Kontakte zu den „Geistern von Verstorbenen“. C. Rogers ließ sich von seiner verstorbenen Frau inspirieren, C. G. Jung von „Philemon“ und anderen Dämonen, wie er es nannte. Ganz offensichtlich war C. G. Jung ein Schreibmedium, das von Dämonen inspiriert und dessen Hand beim Schreiben seiner „wissenschaftlichen Abhandlungen“ von einer inneren Kraft geführt wurde. Mehrmals klagte er, dass er ihr Sklave sei und dass ihn die Dämonen quälen würden: „Es war eine dämonische Macht in mir … All meine Schriften sind sozusagen Aufträge von innen her… Den Geist, der mich bewegte ließ ich zu Worte kommen.“ Von einem „Baumgeist“ in seinem Garten inspiriert wurde der Schriftsteller Michael Ende („Momo“), wie er selbst mehrmals freimütig mitteilte.

Die Botschaften, die die meisten Medien erhalten, wo und wann immer sie auf diesem Planeten arbeiten, sind in der Regel identisch: Es gibt ein Leben nach dem Tod, der Tod ist nicht zu fürchten, die Jenseitswelt ist ein Paradies; wir werden immer wieder verkörpert, das irdische Schicksal wird durch unser Karma bestimmt, die Welt ist letztlich eins, eine Einheit, das Heil muss man sich verdienen, durch gute Taten und/oder religiöse Übungen, man solle und müsse Kontakt mit den Geistern aufnehmen, sie können und sollen uns helfen, führen und leiten, man solle die spirituellen Erkenntnisse und Praktiken weiter verbreiten und die Menschheit missionieren. Eine gewisse Ausnahme bildet der Islam, der die Idee der Wiedergeburt ablehnt und die Existenz der Hölle postuliert.

Rein formal betrachtet, wurde auch die Heilige Schrift „gechannelt“, auch sie stammt aus einer unsichtbaren Welt, rein formal waren auch die Propheten des Alten Testaments, Jesus Christus, der Apostel Paulus „Medien“, die Botschaften von Gott erhielten. Bei den großen Weltreligionen spricht man jedoch von göttlichen Offenbarungen und Propheten, und nicht von Medien und gechannelten Botschaften. Aus christlich-biblischer Sicht gibt es (nach Vollendung der Bibel) keine göttlichen Offenbarungen mehr; alle Offenbarungen, die mit diesem Anspruch auftreten, müssen somit aus einer anderen (nichtgöttlichen) Quelle stammen.

Spiritistische Praktiken nach J. Greber

Das Buch von J. Greber („Verkehr mit der Geisterwelt Gottes“) ist gewissermaßen die Bibel des modernen Spiritismus. Greber postuliert die Existenz einer Geisterwelt, die er die „Geisterwelt Gottes“ nennt. Er unterscheidet zwischen guten und bösen Geistern. Techniken der Kontaktaufnahme und Kommunikation mit der Geisterwelt sind vor allem

das Inspirationsmedium
das Sprechmedium
das Schreib- und Zeichenmedium.

Allen Kardec unterscheidet Physikalische, Sensitive, Hörende, Sprechende, Sehende, Heilende, Schreibende, Mechanische, Intuitive, und Inspirierte Medien („Das Buch der Medien“ Freiburg im Breisgau 1987; S, 133 ff). Physikalische wirken auf materielle Gegenstände, Sensitive nehmen die Geisterwelt wahr, Hörende hören innere oder gar von außen kommende Stimmen, Sprechende leihen den Geistern ihre Sprechwerkzeuge, Sehende sehen die Geister, Schreibende leihen den Geistern ihre Hand, Mechanische nutzen Werkzeuge (Tische, Gläser, Pendel, Wünschelrute), Intuitive und Inspirierte nutzen die Seele und empfangen Ideen und Gedanken. Nach Kardec kann der Grad des beteiligten Bewusstseins variieren. Medien können ohne Bewusstsein, mit halbem Bewusstsein und bei vollem Bewusstsein agieren.     

Nach Greber ist die Kontaktaufnahme mit geistigen Welten und Mächten denkbar einfach. Man geht zunächst in einen Zustand der TRANCE, dann ruft man die Geister an, eventuell beim Namen, dann überlässt man ihnen die Gedankentätigkeit (Inspirationsmedium), die Zunge (Sprechmedium) oder die Hand (Schreib- oder Zeichenmedium). Nach Auffassung von Greber handelt es sich hierbei um einen Zustand der teilweisen oder gar vollständigen Besessenheit bzw. Inbesitznahme des menschlichen Körpers. Die angerufenen Geister dringen in den Körper und übernehmen die Kontrolle über die genannten Körperteile. Überraschend ist die Tatsache, dass die im Zustand der Trance gemachten Aussagen meist nachprüfbare Fakten enthalten, die die Medien nicht kennen konnten.

Automatisches Schreiben nach J. Greber

Beim automatischen Schreiben nach J. Greber („Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes.“ New Jersey 1991) sollen die Beteiligten einen ruhigen Raum aufsuchen, eine besondere Zeit (die Abendstunde) wählen, das Licht dämpfen, sich innerlich sammeln oder mental konzentrieren, sich von der (Außen-)Welt und allen weltlichen Gedanken abwenden, eine Kette bilden, die Gedanken nach innen, auf „das Höhere“, richten, an das Gute denken, ein Blatt Papier und einen Bleistift nehmen, den eigenen Willen ausschalten, die Hand locker halten und inneren Schreib-Impulsen nachgeben (vgl. S. 120 ff). „Vielleicht stellt sich ein Ziehen oder eine Steifwerden der Hand ein, die den Bleistift hält, und sie beginnt sich zu bewegen. Wird er zur Niederschrift von Gedanken gedrängt, die mit großer Bestimmtheit ihm inspiriert werden, so schreibe er sie nieder. Wird seine Hand durch eine fremde Kraft in Bewegung gesetzt, so gebe er nach“. Nach Greber geschieht das automatische Schreiben in einem Zustand der Trance oder Halbtrance, in dem die Geister vom Medium Besitz ergreifen und die Hand oder die Gedanken kontrollieren.


Kreatives Schreiben im Deutschunterricht

Zu den spiritistischen und medialen Praktiken in der Schule gehört zweifellos auch das „kreative Schreiben“, das im modernen Deutschunterricht gelehrt wird. Nach Brenner lautet die Anweisung an die Kinder wie folgt:

„Ihr nehmt Papier und Stift zur Hand und verteilt euch sitzend oder liegend im Raum. Jeder sollte für sich eine private Ecke ausmachen. Unterdessen wird mit einem Recorder Instrumentalmusik eingespielt. Ihr sitzt oder liegt zunächst zwei, drei Minuten in aller Ruhe, vielleicht mit geschlossenen Augen, und konzentriert euch auf den „Film“, der durch euren Kopf läuft. Beginnt nach diesen zwei, drei Minuten, den assoziativen Strom in eurem Kopf möglichst entspannt und schreibend umzusetzen. Am besten geht das, wenn ihr auf Syntax verzichtet und nur einzelne Wörter ohne Punkt und Komma in rascher Folge aneinander reiht. In diesem ununterbrochenen Schreibprozess soll der „Film“, der durch den Kopf läuft, in seiner ganzen Sprunghaftigkeit und scheinbaren Unstrukturiertheit festgehalten werden. Oft werdet ihr mit den geschriebenen Worten kaum nachkommen. Euer inneres Auge sieht sehr viel und wirft es euch manchmal rasend schnell zum Schreiben hin. Dieses gelingt aber nur, wenn ihr euer äußeres Auge fast abschaltet, wenn ihr den Raum und die Leute um euch herum vergesst. Außerdem ist planendes Überlegen fehl am Platz. Lasst das Nachdenken sein, das nachträgliche Prüfen von Geschriebenem! Überlegt nicht: „Passt das zusammen?“ Alles passt. Es soll ein „bewusstloses“ Schreiben werden. Sollte der „Film“ im Kopf einmal stocken, könnt ihr das letzte auf dem Papier notierte Wort immer wieder neu schreiben, bis der „Film“ wieder läuft. Lange dauert die Unterbrechung dann nicht.“ (Brenner, S.: Kreatives Schreiben. Frankfurt a. M. 1990, S. 92)

Und bei Böttcher heißt es: „In meditativer Stille sitzen die Kinder mit gezücktem Stift vor einem leeren Blatt. Der Schreibstart beginnt frei, mit einem selbst gewählten oder einem vorgegebenen Thema. Dies kann ein Reizwort, eine Frage, ein kurzer Satz oder eine Zeile aus dem literarischen Text sein – aber auch Musik, ein Bild, Gerüche oder ein Gegenstand. Ab Schreibstart soll innerhalb eines bestimmten Zeitraums dem assoziativen Fluss oder Film im Kopf folgend unaufhörlich geschrieben werden. Sollte der Assoziationsfluss stocken, so wird das zuletzt geschriebene Wort so lange wiederholt, bis er wieder in Gang kommt. Nach ca. drei bis zehn Minuten stoppt die Lehrerin das Schreiben.“ (Böttcher, J: Kreatives Schreiben. Berlin 1990, S. 49).

 

Mind Mapping – eine Technik des automatischen Zeichnens

Neben dem automatischen und kreativen Schreiben gibt es das automatische Zeichnen. Hier werden keine Texte, sondern Zeichnungen angefertigt. Eine moderne Variante ist das Mind Mapping. Auch hier wird eine leichte TRANCE eingeleitet. Die Betroffenen sollen das rational-analytische Denken abschalten und „frei assoziieren“; sie sollen alles, aber auch wirklich alles notieren, was ihnen zu einem Begriff oder Thema einfällt, ohne die Einfälle zu bewerten. Wie uns der „Erfinder“, Tony Buzan freimütig mitteilt, wird mit dieser Technik eine übernatürliche Wissens- und Inspirationsquelle angezapft (vgl. Buzan, T: „Das kleine Mind-Map- Buch.“ München 2004, S. 30). Die Ideen kommen entweder in Form innerer Bilder, die von Hand in eine Mind Map übertragen werden, oder eine übernatürliche Kraft steuert direkt die Hand, die die Mind Map quasi automatisch anfertigt: „Wenn eine Pause (beim Mind Mapping, R. F.) auftritt, werden Sie wahrscheinlich bemerken, dass Ihr Bleistift oder Federhalter ziellos herumwandert.“ (vgl. Buzan: T.: „Kopftraining.“ 1974, 19. Auflage, S. 112 ).

Mit anderen Worten: Das Mind Mapping, das in allen Schulstufen, Schulformen und Schulfächern sowie in den Universitäten gelehrt und praktiziert wird, ist nichts anderes als eine moderne Variante des automatischen Schreibens oder Zeichnens, das nun nicht mehr nur in spiritistischen oder esoterischen Geheimzirkeln, sondern in allen öffentlichen Schulen praktiziert wird. Dass Mind Mapping eine spiritistische Praktik ist, wird offen und freimütig von Beyer dargelegt (vgl. Beyer, M.: BrainLand. …). Wie sie ihren Lesern mitteilt, hat sie die Idee des Mind Mapping von “Brain man“, einem unsichtbaren Geistwesen, gechannelt bekommen, und „Brain man“ preist das Mind Mapping als eine Technik der einseitigen Kommunikation mit „BrainLand“ und mit den „BrainLändern“. – Wo liegt das?

Automatisches Schreiben im Deutschbuch („deutsch.ideen“)

Die Technik des automatischen Schreibens, die das Deutschbuch („deutsch.ideen“) anbietet, ist im Prinzip mit der spiritistischen Praktik nach Greber, mit der Technik des kreativen Schreibens und der Technik des Mind Mapping identisch. Die Schüler sollen es sich bequem machen, sich mental konzentrieren, den Geist passiv machen und schnell schreiben, ohne Nachzudenken. Ein Vergleich aller Techniken zeigt erstaunliche Parallelen.

Die Beteiligten sollen eventuell

* einen besonderen Ort aufsuchen (ruhig, ungestört)
* eine besondere Zeit wählen (Abenddämmerung)
* eine besondere Körperhaltung einnehmen (bequem machen)
* eine besondere Geisteshaltung einüben (Sammlung oder Konzentration)
* unsichtbare Mächte anrufen, um Rat bitten (Unbewusstes, Teilpersönlichkeit, innere Stimmen, innere Teams).

Sie sollen

* Körper, Geist, Seele und Muskulatur entspannen

* die Sinneswahrnehmung abschalten (die Augen schließen)

* sich von der Außenwelt abwenden und zur „Innenwelt“ hinwenden

* den Verstand und die Gedankentätigkeit abschalten

* die eigene Kontrolle über den Verstand und die Gedankentätigkeit aufgeben („frei assoziieren“)

* das Denken und Nachdenken einstellen (auf Rechtsschreibung und Zeichensetzung verzichten)

* nichts Beurteilen, Bewerten oder gar Kritisieren

* das Bewusstsein auf einen Gedanken oder „Punkt“ einengen (fokussieren)

* tranceinduzierende Hilfsmittel verwenden (gedämpftes Licht, leise Musik u. v. m.).

Nach einiger Übung öffnet sich die Tür zu transzendenten oder spirituellen Welten und Mächten, meist Unbewusstes oder Teilpersönlichkeit genannt. Es ist, als ob sich eine Schleuse öffnet; es ergießt sich ein gewaltiger Strom von Bildern, Gedanken, Worten oder Sätzen, die im Inneren wahrgenommen werden, eine innere Kraft führt die Hand beim (automatischen) Schreiben oder Zeichnen (einer Mind Map). Die Medien werden Werkzeuge einer fremden Macht, die sie versklavt, vergewaltigt und quält (so auch der Psychologe C. G. Jung). Die Frage ist nur, ob und inwieweit die Teilnehmer die Bilder- und Gedankenflut stoppen können. In der Psychiatrie sitzen die Opfer derartiger Praktiken, auf Kosten der Versicherten. Dass diese Techniken den Geist der Schüler verwirren, zeigen die Produkte des kreativen Schreibens, die meist wirres Zeug sind.

Zum besseren Verständnis des automatischen Schreibens tragen zwei weitere Texte im Schulbuch („deutsch.ideen“) bei. So mahnt zum Beispiel Friedrich Schiller seinen Freund Theodor Körner, er solle seinen Verstand abschalten, weil „der Verstand die zuströmenden Ideen gleichsam an den Thoren schon zu scharf mustert“, der Verstand also eine Art Wache darstelle, die die Ideenproduktion blockiert (vgl. S. 15). Und ein Brief von Max Ernst vermittelt den Schülern die irreführende Sichtweise, wonach das „Unterbewusstsein einen unerschöpflichen Vorrat an vergrabenen Bildern trägt“ und „Entdeckungsfahrten ins Unbewusste unverfälschte Fundgegenstände (Bilder) ans Tageslicht fördern“ (S. 15). Am Schluss sollen die Schüler die Positionen von F. Schiller und M. Ernst vergleichen, obwohl die Schulbuchautoren nirgends erwähnen, dass hier Künstler, Dichter und Literaten als Medien fungieren, die von unsichtbaren Mächten inspiriert werden, so z. B. auch Friedrich Schiller und Max Ernst.

 

Sichtweisen und Interpretationen

Eine Durchsicht der einschlägigen Literatur zeigt, dass es unterschiedliche Sichtweisen der beschriebenen Phänomene gibt:

Die Betrugshypothese
Die spiritistische Sicht
Die psychologische, parapsychologische oder animistische Sicht
Die christlich- biblische Sicht

Zu 1) Die Betrugshypothese besagt, dass die Leser und/oder Zuschauer auf irgendeine raffinierte Art und Weise getäuscht und betrogen werden. Die Autoren erfinden und präsentieren dem Leser Märchen, und die vermeintlichen Medien sind nichts anderes als gute Schauspieler.

Zu 2) Aus psychologischer bzw. parapsychologischer (oder animistischer) Sicht werden die beschriebenen Phänomene meist nicht geleugnet, sie sind auch nicht Erfindungen oder gemeiner Betrug; sie haben jedoch eine natürliche und keine übernatürliche Ursache. In der Regel wird auf das „Unbewusste“ bzw. auf außergewöhnliche psychische oder mentale  Kräfte verwiesen, die angeblich die besagten Phänomene hervorbringen. Das Wissen sei bereits im Unterbewusstsein gespeichert gewesen; dieses speichert (angeblich) alles, auch das, was wir nicht bewusst wahrnehmen. Um diese Ansicht wissenschaftlich zu stützen, wurde in Deutschland eigens ein Forschungsinstitut für Parapsychologie in Freiburg eingerichtet, dessen ganzes Bestreben darin besteht, uns glauben zu machen, dass es keine Geisterwelt gibt. Dabei sind die Ausführungen und Begründungen der Mitarbeiter meist derart abenteuerlich und absurd, dass sie sich und die Wissenschaft diskreditieren. Eine Durchsicht der einschlägigen (Hypnose-)Literatur zeigt allerdings, dass das „Unbewusste“ oder „Unterbewusstsein“ ganz offensichtlich ein unsichtbares Geistwesen mit personalen und übernatürlichen Eigenschaften ist (vgl. u. a.: Eberwein/Schütz: Die Kunst der Hypnose. …. ) Nach Ansicht der Autoren können wir das „Unbewusste“, das unendlich viele Namen hat befragen, am Rat und um Hilfe bitten; es kann und wird uns antworten mit Hilfe von inneren Bildern, inneren Stimmen, besonderen Gefühlswahrnehmungen uam. Dabei müssen wir uns den Wünschen und Befehlen des UB fügen, ansonsten wird es uns schaden!

Zu 3) In spiritistischer Sicht handelt bei den genannten spiritistischen Phänomenen um das Wirken von Geistern, Geistwesen, um Geister, die im Zustand der Trance, wenn der eigene Geist ausgeschaltet ist, in den Körper der Medien eintreten (vgl. Greber, a. a. O., S. 109) und vom Körper des Mediums Besitz ergreifen. „Medien sind Werkzeuge der Geisterwelt“ (S. 118), die entweder die Hand des Mediums kontrollieren oder den Medien bestimmte Gedanken eingeben.

Die parapsychologische oder animistische These wurde unter anderem von Prof. Staudenmeier verbreitet, der behauptet: “Diese Geister sind nichts anderes als Äußerungen meines Unterbewusstseins.“ (zit. nach Ruthe, S. 131) Was kann man von jemandem erwarten, der jahrelang Kontakt mit diesen Mächten gesucht und mit ihnen experimentiert hat? Der bekannte Parapsychologe Prof. Bender und alle anderen Mitarbeiter des Freiburger Instituts weisen die Jenseitsvorstellung zurück und behaupten, die Mitteilungen würden aus dem Inneren oder Unbewussten kommen. Die Technik des automatischen Schreibens wird verharmlost und mit dem unbewussten Gekrakel beim Telefonieren verglichen.

Die auftretenden Ängste oder gar Psychosen würden nicht durch die Praktiken hervorgerufen, sondern bloß „ans Licht geholt“. Obwohl die Vertreter der Amtskirche der animistischen These zuneigen und den Einfluss finsterer Mächte bestreiten, warnen sie vor okkulten Praktiken. Sie könnten krank machen und Leben zerstören: „Wer mit Hilfe okkulter Praktiken Antworten sucht, lässt sich auf ein (lebens-)gefährliches Spiel ein …Gott warnt vor solchen Praktiken … Dies zu mißachten, kann tödliche Folgen haben.“ (Knackstedt, S. 35)

Ein Okkultismus-Reader für die Schulen (Unterrichtsmaterialien zur Einführung, Erklärung und Überwindung okkulter Praktiken für die SEK I und II) verwirft die spiritistische Sichtweise und meint, man könne alle Phänomene animistisch deuten und erklären. Angeblich würde das Unterbewusstsein die Hände (beim automatischen Schreiben) steuern und das Wissen anderer Anwesender auf telepathischem Wege anzapfen. Eine abenteuerliche und völlig absurde Vorstellung, die auch W. Janzen vertritt. „Spiritistische Praktiken wie Pendeln, automatisches Schreiben, Tischrücken, Glasrücken usw. beruhen auf solchen, verselbstständigten Denkprozessen und fungieren als „Steigrohre des Unbewussten.“ (S. 115). Spiritismus öffne die „Schleusen des Unbewussten“, das die genannten Phänomene hervorbringe.  

Der Spiritist J. Greber weist derartige Behauptungen zurück: “Vom Unterbewusstsein und Gedankenübertragung, mit der manche alles Derartiges zu erklären suchen, konnte in diesem Fall also keine Rede sein“ (vgl. Greber, S. 34). „Was nie im Bewusstsein eines Menschen war, kann bei ihm auch nie zum Unterbewusstsein werden.“ (S. 6). Nach seiner Auffassung gibt es „nur eine Erklärung, die unser Denken befriedigt, nämlich: Es sind außerirdische Geistwesen, die sich dieser Medien als Werkzeuge bedienen, um uns von der Existenz eines Jenseits, von dem Dasein Gottes und einer Geisterwelt zu überzeugen …“ (S. 61 f).

Ein aufmerksames Studium der einschlägigen Literatur, insbesondere der Hypnoseliteratur, legt die Vermutung nahe, dass die Einleitung von Trancezuständen die Tür zu einer Welt der Geistwesen mit personalen und übernatürlichen Eigenschaften öffnet. Diese können offensichtlich auf Gedanken, Arme, Finger, Hände, Zunge, Wahrnehmungen, Gefühle (Depressionen), Körpergefühle, Pendel, Wünschelruten und Gegenstände aller Art einwirken; sie können innere Bilder und innere Stimmen schicken; sie können die Schmerzempfindlichkeit ausschalten und die Gedächtnisleistung steigern; und sie können uns Wissen aus übernatürlichen Quellen, Botschaften, Befehle und Drohungen zukommen lassen.     

Den wirklichen Charakter des automatischen Schreibens offenbart das Hypnoselehrbuch von Tepperwein (Die hohe Schule der Hypnose, Kreuzlingen 1977). Dort heißt es: „Wenn Sie einen weichen Bleistift in Ihre Hand nehmen und sie ganz locker auf ein Blatt Papier legen, dann kann es sein, dass Ihr Unterbewusstsein die Kontrolle über die Handmuskeln übernimmt. Sie beginnen dann automatisch zu schreiben. Während Ihre Hand eifrig schreibt, können Sie ein Buch lesen oder sich mit jemanden unterhalten…Bitte erschrecken Sie aber nicht, denn es ist schon ein ungewöhnliches Gefühl, wenn Sie zum ersten Mal spüren, wie eine fremde Kraft mit ihrer Hand schreibt.“ (S. 204 f) Eine fremde Kraft übernimmt die Kontrolle über einen Teil des Körpers. Psychologie und Parapsychologie nennen diese Kraft „Unterbewusstsein“, der Spiritismus nennt sie „Geister der Verstorbenen“ und die Bibel „Mächte der Finsternis“.

 

Weitere mediale Praktiken im Schulunterricht

Zu den medialen Praktiken, die Wissen aus einer „anderen Welt“ vermitteln können, gehören schließlich auch die modernen „Unterrichtsmethoden“ wie Brainstorming, Blitzlicht, Bilderdenken, Fantasiereisen, Piktogramme, Denkblatt, Schreibgespräch, Blindenführung, Memory, KIM-Spiele u. v. m. Hier geht es in der Regel darum, eine bestimmte (meditative) Geisteshaltung einzuüben und darum innere Bilder vor dem inneren oder geistigen Auge sehen zu lernen. Die Geisteshaltung ist immer dieselbe: Die Schüler sollen den rational-analytischen Verstand abschalten, das Denken oder Nachdenken sowie das Unterscheiden, Beurteilen und die Kritik einstellen. Diese Geisteshaltung wird schon im Yoga gelehrt und praktiziert. So heißt es zum Beispiel in einem Yoga-Buch, die Praktizierenden sollten eine passive Geisteshaltung einnehmen: Sie sollen (alles) loslassen, (nur) beobachten und nichts bewerten. Wer so verfährt, der empfängt früher oder später „innere Bilder“ und „innere Botschaften“. Wie wir aus der Hypnose-, Meditations- und Yogaliteratur wissen, öffnet diese Geisteshaltung die Tür zu transzendenten (spirituellen) Welten und Mächten, die auf Fragen offensichtlich mit Hilfe innerer Bilder, inneren Stimmen uam antworten können (vgl. Franzke, R.: Meditation und Yoga. Hannover 2004).

Eine weitere Technik der Geistesschulung ist das so genannte Einheitsbewusstsein. Die Meditierenden sollen, sich vorstellen mit einem Gegenstand eins zu sein. Diese Praktik findet sich in allen fernöstlichen Religionen und Philosophien, aber auch im Schulunterricht.

 

Techniken der spirituellen Geistesschulung im Schulunterricht

Meditation

Das „Praxisbuch Methodentraining“ für den Grundschulunterricht von Roschitsch/Müller (Donauwörth 2004) beginnt ohne Umschweife mit der Aufforderung, die Grundschüler sollten sich vorstellen, ein Baum zu sein. Das Methodenbuch „Methoden für die Bildungsarbeit“ von Siebert nimmt Elemente der Transzendentalen Meditation, Meditations-, Stille- und Konzentrationsübungen in den Katalog moderner Unterrichtsmethoden auf, und zwar unter den irreführenden Titeln: „Emotionales Training“ und „Muntermacher“. Dabei sollen die Schüler die Augen schließen, alle Gefühle zulassen und ein Mantra denken und ständig wiederholen.

Brainstorming

Das „Brainstorming“ soll neue, kreative Ideen hervorbringen. Dazu sollen die Schüler alles, was ihnen zu einer Frage oder zu einem Impuls einfällt, äußern, ohne die Gedanken oder Ideen zu bewerten oder zu kritisieren (vgl. Mattes, W.: Methoden für den Unterricht. Braunschweig 2004, S. 18). Nach Peterßen (Kleines Methoden-Lexikon. Stuttgart 1999) sollen die Schüler alle „spontan assoziierten Gedanken und Einfälle äußern“ (S. 50). Es darf keine Wertungen und keine Kommentare der Mitschüler geben. Nach Siebert sollen die Schüler „assoziativ denken“ und alle Ideen mitteilen. „Rückfragen, Kritik, Kommentare sind nicht erlaubt“ (S. 40). „In kurzer Zeit sollen möglichst viele Ideen gesammelt werden. „Freie Assoziationen sind erwünscht. Eine Bewertung oder Kritik der Äußerungen ist nicht erlaubt.“ Nach Thal/Ebert sollen die Schüler ihrer Fantasie freien Lauf lassen und die Ideen nicht bewerten (Methodenvielfalt im Unterricht. Neuwied 2004, vgl. S.67). Auch nach Gugel sollen die Schüler alle Ideen äußern, und seien sie auch noch so abwegig (Methoden-Manual „Neues Lernen“. Weinheim und Basel 2006). Bei der „Assoziationskette“ sollen die Schüler spontan ihre Assoziationen zu einem vorgegebenen Impuls sagen, wenn ihnen ein Ball oder ein Wollknäuel zugeworfen wird (vgl. Gugel S. 170). 

Blitzlicht

Das „Blitzlicht“ soll eine Art Momentaufnahme sein, bei der nach den Gefühlen, Erwartungen und Wünschen der Schüler gefragt wird. Auch hier sollen sich die Schüler kurz, knapp und spontan äußern; die Äußerungen dürfen (zunächst) nicht kommentiert und diskutiert werden (vgl. Siebert, S. 86; Peterßen, S.  47 f; Gugel, S. 63).

Um Missverständnissen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, dass die genannten Praktiken zunächst völlig harmlos sind. Es kommt, wie so oft, auf die Umstände an. Welcher Geistszustand wird induziert? Sollen die Schüler ihren rational-analytischen Verstand abschalten, aus dem hohlen Bauch, nach dem Gefühl und möglichst unter Zeitdruck antworten, oder sollen sie ernsthaft und ohne Zeitdruck über die gestellten Fragen nachdenken und diese sorgfältig ausformulieren? 

Visualisierungsübungen

Visionen oder Visualisierungen werden insbesondere in der Magie und in der Hexenkunst genutzt (vgl. Franzke, R.: Visualisierung. Hilfe durch innere Bilder? Lage 2008):

„Das wichtigste Werkzeug, das wir (die Hexen) besitzen, ist unsere Vorstellungskraft.“ (Budapest, S. 52)

„Für ein erfolgreiches magisches Arbeiten ist es von ausschlaggebender Wichtigkeit, dass der Magier über die Fähigkeit verfügt bzw. sie sich aneignet, mental-bildhafte Vorstellungen zu erzeugen…“ (Butler: Die hohe Schule der Magie, S. 168)

„Die Visualisierung ist … die grundlegendste und fortgeschrittenste Technik für Magie und Wicca.“ (Cunnigham: Wicca, S. 104)

„Denken Sie immer daran, dass die Grundlage aller Magie die Fähigkeit ist, in Ihrem Geist ein vollkommenes Bild … heraufbeschwören …“ (Die bekennende Hexe Morrison: Zauberbuch für neue Hexen, S. 126)

„Die wirklich wichtigste Fähigkeit, die notwendig ist, um erfolgreich Magie zu betreiben, ist die Kunst des Visualisierens. Sie ist die Basis der Magie.“ (Die bekennende Hexe Ansha: Das große Praxisbuch der weißen Magie, S. 46)

„Ohne diese Fähigkeit (des Visualisierens) bleiben Zaubersprüche und magische Rituale nämlich wirkungslos.“ (Die bekennende Hexe Raven Wolf: Zauberschule der neuen Hexen, S. 117)

„Führen Sie Visualisierungsübungen durch … Visualisieren Sie z. B. verschiedene Göttinnen.“ (Die bekennende Hexe Thea: Die große Hexenschule, S. 109)

„In enger Verbindung zur magischen Konzentration steht die magische Vorstellung (Imagination), eine unentbehrliche Voraussetzung der praktischen Magie.“  (Ulrich, S.31)

Mit anderen Worten: Innere Bilder sind Mittel und Medien der spirituellen Transkommunikation, der wechselseitigen Kommunikation mit spirituellen Welten und Mächten. Innere Bilder haben einen Sender und einen Empfänger: geistige Mächte oder Menschen. Innere Bilder wenden sich an geistige Mächte, mit Hilfe innerer Bilder wenden sich geistige Mächte an uns, wenn wir im Zustand der Trance empfangsbereit sind.       

Die Fähigkeit innere Bilder vor dem inneren Auge zu sehen, ist uns nicht angeboren, sie muss geübt werden. Dazu bietet die einschlägige Literatur eine Reihe von Visualisierungsübungen an. Eine wichtige Visualisierungsübung, die zum Standardprogramm der Magier gehört, sind die KIM-Spiele (vgl. Butler, Walter E.: Die hohe Schule der Magie. Freiburg 1997, S.174 ff): Gegenstände werden abgedeckt, kurz aufgedeckt und sollen anschließend erinnert werden. Die Hoffnung besteht darin, dass sich ein Nachbild einstellt, das die Gegenstände auf dem inneren Bildschirm erscheinen lässt. In jedem Schulungsprogramm der Hexenliteratur finden sich Visualisierungsübungen. Man soll eine brennende Kerze auf den Tisch stellen (eine Blume auf den Tisch legen) in die Flamme starren, die Augen schließen und auf das Nachbild warten. 

Sinn und Zweck dieser Übungen besteht darin, bei geschlossenen Augen innere Bilder vor dem inneren oder geistigen Auge wie auf einem Bildschirm sehen zu lernen. Dabei sind zwei Varianten zu unterscheiden: die aktive und die passive. Bei der aktiven lerne ich, Wunschbilder, Bilder, die meine Wünsche zum Ausdruck bringen, auf den inneren Bildschirm projizieren, bei der passiven Variante, lasse ich die Bilder „einfach kommen“ bzw. „in mir aufsteigen“. Das alles wird im Schulunterricht geübt. Hierzu einige wenige Beispiele.

Das Denkblatt

Beim „Denkblatt“ sollen die Schüler (wie beim Mind Mapping) einen Begriff in die Mitte des Blattes schreiben und sich fragen: „Welche Bilder steigen in mir auf?“ (Müller, F.: Selbstständigkeit fördern und fordern. Weinheim und Basel, 2006, S. 45)

Bilderdenken

Beim „Bilderdenken“ sollen die Schüler lernen, Zahlen oder Begriffe in Bilder oder Symbole zu übersetzten. Eine Eins wird zum Beispiel durch eine Kerze dargestellt  (vgl. Mattes, a. a. O., S. 88f.). Auch diese Übungen fördern, das Visualisierungsvermögen der Schüler, so dass früher oder später innere Bilder vor dem inneren Auge entstehen können.

Blindenführung

Bei der „Blindenführung“ sollen die Schüler mit verbundenen Augen durch den Klassenraum geführt werden. Auch diese Praktik kann die Visualisierungsfähigkeit der Schüler fördern. Nach einiger Übung erinnern sich die Schüler nicht nur an die Lage der Möbel, sie „sehen“ sie vor dem geistigen Auge, wie viele Blinde auch.

Fantasiereisen

Fantasiereisen sollen nicht nur die Fantasie, sondern auch die Visualisierungsfähigkeit der Schüler fördern. Immer wieder sollen sich die Schüler etwas im Geiste vorstellen: einen Gegenstand, eine Reise in Zeit und Raum, eine Gestalt, die auf sie zukommt und die sie um Rat bitten sollen. Die „Reisetexte“ enthalten ganz bewusst zahlreiche Pausen, in denen die Schüler innere Bilder wahrnehmen sollen, die als Medium von Botschaften aus einer anderen Welt fungieren können. Insofern sind auch die hier genannten „Unterrichtsmethoden“ mediale Praktiken, wenn und soweit sich die Schüler in einem Zustand der leichten Trance befinden, um, so B. Janssen, „dem Unbewussten (sic!), dem Gefühl und der Intuition … mehr Raum zu geben“ (vgl. Kreative Unterrichtsmethoden, Braunschweig 2005, S. 34). Nach Thal/Ebert sollen die Schüler zur „Entspannung“ im Geiste eine Fantasiereise untenehmen (vgl., S. 141, 147. Sie sollen sich vorstellen, in einem Wald zu sein. Dabei werden alle fünf Sinne angesprochen. Immer wieder lässt der Text Raum für innere Bilder, die vor dem geistigen Auge erscheinen sollen. Am Schluss heißt es, sie sollen „in diesen Raum zurückkommen“. Wo waren sie während der Reise? In anderen Texten sollen sie eine Gestalt wahrnehmen, die auf sie zukommt; diese sollen sie freundlich und respektvoll begrüßen und um Rat bitten (vgl. Franzke, R.: Stilleübungen und Fantasiereisen: Hannover 2008; New-Age-Pädagogik. Hannover 2008; Franzke, R.: Visualisierung. Lage 2008).

In einer anderen Unterrichtseinheit, die ebenfalls als Unterrichtsmethode ausgegeben wird, sollen die Schüler eine „Reise durch den Körper“ unternehmen. Am Schluss sollen sie wieder „in diesen Raum zurückkommen“ (vgl. Thal/Ebert, a. a. O., S. 147 ff). Aus spiritistischer, magischer, schamanischer und esoterischer Sicht haben sie tatsächlich ihren Körper und den Klassenraum verlassen und eine außerkörperliche Seelenreise unternommen (vgl. Franzke, R: Was ist Schamanismus? Lage 2008) Auch bei Gugel sollen sich die Schüler entspannen, die Augen schließen, den Atem aufsuchen. Nach einem Impuls durch den Lehrer („Ich sehe …“) sollen die Schüler Bilder vor dem inneren oder geistigen Auge ablaufen sehen (vgl. Gugel, S. 160).

An dieser Stelle konnten und wollten wir nur eine kleine Auswahl medialer Praktiken der aktuellen Methodenliteratur vorstellen, die den medialen Charakter direkt ansprechen. Darüber hinaus gibt es eine kaum noch überschaubare Fülle neuer Unterrichtsmethoden mit medialem Charakter, die die gleichen Effekte hervorbringen, ohne sie zu erwähnen. Mediale Effekte sind früher oder später immer zu erwarten, wenn die Praktik in einen Zustand der leichten Trance führt.

 

Entspannungsübungen

Mediale Praktiken sind schließlich auch die bekannten Entspannungsverfahren wie das Autogene Training und die Progressive Muskelentspannung. Nach J. H. Schultz sollen die Teilnehmer in der Oberstufe des Autogenen Trainings das „Unbewusste“ fragen: Wer bin ich? Was ist mein Weg? Was soll ich tun? (vgl. Hoffmann, B.: Handbuch Autogenes Training. München 1997, S. 525 ff; Thomas, K.: Praxis des Autogenen Trainings. Stuttgart 2006, S. 164 ff). Das „Unbewusste“ antwortet auf diese Fragen mit inneren Bildern und entsprechenden „Botschaften“. Vor allem Thomas weist darauf hin, dass es zu gefährlichen Begegnungen mit Horrorwesen kommen kann, die nur mit magischen Mitteln (!) bekämpft werden können (vgl. S. 166, 173 – 183). Man hört innere Stimmen, man sieht innere Bilder, Teufelsgesichter, Ungeheuer oder gar „Jesus Christus“ (S. 186 f), die unter Umständen nicht verschwinden (vgl. S. 164). Trotzdem gehören „Entspannungsübungen“ inzwischen zum Standardprogramm deutscher Schulen. Schlimmer noch: Sie gelten als Unterrichtsmethoden, die den vermeintlichen Stress der Schüler bekämpfen sollen. Wer nun meint, soweit ginge die Schule nicht, der irrt. Auch wer nicht fragt, bekommt unter Umständen innere Bilder und Botschaften aus einer anderen Welt. Das passiert immer, wenn wir mit Hilfe von Entspannungsübungen einen Zustand der leichten Trance einleiten und die Tür zur anderen Welt öffnen. Vor der Tür stehen Wesen, die nur darauf warten, dass wir die Tür öffnen und ihnen die Chance geben, uns zu beeinflussen (vgl. Franzke, R.: Entspannungstechniken. Lage 2008).

Das „Praxisbuch Methodentraining“ von Roschitsch/Müller (Donauwörth 2004, 2. Auflage) enthält fast nur noch Unterrichtspraktiken mit medialem Charakter. Dazu gehören Entspannungs-, Atem-, Konzentrations-, Wahrnehmungs-, Achtsamkeits-, Meditations-, Stille-, Imaginations-, Energie-, Empathie-, Körper- und Kreativitätsübungen sowie Mind Mapping, Fantasiereisen, Clustering, u. v. m.

Die christlich-biblische Sicht

Aus biblischer Sicht gibt es keine Frage, wie die genannten Praktiken zu bewerten sind.  Die Bibel, also Gott selbst, lehrt uns, dass es eine unsichtbare Welt gibt, eine Welt mit unsichtbaren Wesen. Das glauben im Übrigen mehr als sechs Milliarden Menschen aller großen Weltreligionen, einschließlich der archaischen und esoterischen Glaubenslehren. Die Vertreter der Psychologie und Parapsychologie sind eine verschwindend geringe Minderheit auf diesem Globus. Hinzu kommt, dass selbst die Wissenschaften und die Wissenschaftler, die in der Regel die Existenz unsichtbarer Welten und Wesen leugnen, in Wahrheit Kontakte zur Geisterwelt pflegen (siehe oben: C. Rogers, C. G. Jung). 

Die christlich-biblische Glaubensauffassung unterscheidet zudem das Reich Gottes mit Gott, Jesus Christus, dem Heiligen Geist und die Engel Gottes und das Reich der Finsternis mit seinen Bewohnern, den bösen Geistern und Dämonen. Die angerufenen Geister sind nicht die Geister von Verstorbenen, sondern gefallene Engel. Darüber hinaus lehrt die Bibel: Wer Kontakt zu übernatürlichen Mächten und Kräften sucht und den biblischen Weg verlässt, der kommt früher oder später mit den Mächten der Finsternis in Kontakt. Nach Auskunft der Bibel sind diese Lügengeister, die nur kommen, um zu töten, zu stehlen und zu zerstören (Joh 10,10). Deshalb sollen wir keine anderen Götter anbeten (Erstes Gebot), sie nicht verehren und keinen Kontakt zu ihnen aufnehmen, indem wir die entsprechenden schein-religiösen oder spirituellen Praktiken ausüben. Eine dieser Praktiken ist die Einleitung eines Trancezustandes, der immer nur die Tür zu den Mächten der Finsternis öffnet. Vor diesem Hintergrund gehört es zum Pflichtprogramm aller Gläubigen (und auch Nichtgläubigen), die vielfältigen Techniken der Einleitung von Trancezuständen kennen und vermeiden zu lernen (vgl. Franzke, R.: Vorsicht! Hypnose. Hannover 2004).

Das Schlimme ist, dass selbst die meisten Gläubigen sich nicht die Mühe machen, die Geister unterscheiden zu lernen. Kritiklos übernehmen sie die Lehren und Praktiken der Welt, obwohl doch das Wort warnt, wir sollen uns nicht verführen lassen. Schaut man sich um, so praktizieren selbst Christen fremdreligiöse oder gar okkulte Praktiken. Wollen wachsame Christen ihre Kinder vor weltlichen und fremdreligiösen Einflüssen schützen und ihre Kinder in christliche Bekenntnisschulen schicken, ist der Widersacher schon da und verbreitet die Lehren und Praktiken der New-Age-Pädagogik (vgl. Franzke, R.: New-Age-Pädagogik, Hannover 2008). Wollen sie ihre Kinder zu Hause unterrichten, ist der Widersacher schon da und streut „Unkraut“ aus in Form von Brain Boys, Mind Mapping und vielen anderen esoterischen Irrlehren (Montessori-, Waldorf-Pädagogik, das Konzept des selbstständigen Lernens, Stresshysterie u. v. m.). Auf Wächter und Mahner glauben sie, verzichten zu können.   

Fazit

Für die Schulen ist ein striktes Verbot aller spiritistischen und esoterischen Praktiken zu fordern. Spiritismus, in Form von Geisterbeschwörungen (automatisches Schreiben mit Hilfe angerufener Geister) und Geisterkonferenzen („innere Teams“ konsultieren), gehören nicht in den Unterricht staatlicher Pflichtschulen. Sie verletzen das Hypnose- und das Therapieverbot sowie das Neutralitätsgebot der Schule. Die genannten spiritistischen Praktiken führen immer in einen Zustand der Trance, der von den Autoren regelmäßig verschwiegen und auch geleugnet wird. Das automatische Schreiben ist eine bekannte therapeutische Praktik. Spiritismus ist eine weit verbreitete Religion, die den Glauben an die Existenz von Totengeistern vermittelt. Wenn das christliche Kreuz und das muslimische Kopftuch gegen die Neutralitätspflicht der Schulen verstoßen, dann erst recht das konkrete Einüben religiöser und quasireligiöser Praktiken, die aus nichtchristlichen Kontexten stammen. Erst kürzlich hat der Europäische Gerichtshof das Aushängen von Kreuzen im Klassenzimmer als Verstoß gegen die Religionsfreiheit der Schüler geächtet. Das Gleiche muss selbstverständlich für alle hier genannten Praktiken gelten. Aus christlich-biblischer Sicht handelt es sich beim Spiritismus zudem um eine schlimme Irrlehre, da hier weder Teile des Unbewussten noch sog. Teilpersönlichkeiten, sondern Geistwesen kontaktiert werden, die die Schüler früher oder später krank machen und geistig verwirren können, was schon heute bei vielen Schülern zu beobachten ist.

Das Schicksal des Musikers Robert Schumanns, der das Tischrücken praktizierte, sollte uns zu denken geben. Es wird berichtet, dass er akustische und visuelle „Halluzinationen“ hatte, dass er Gespräche mit mehreren Geistern („inneren Teams“!) führte und zum Sklaven von Geisterstimmen wurde, denen er gehorchen mußte. Sie gaben ihm immer neue Ideen und Aufträge. Eines Tages erhielt er den „Auftrag“, sich das Leben zu nehmen; er tat es, wurde gerettet und landete in der Heilanstalt (nach Zoff, bei Meskemper, S. 151 f). Das könnte auch das Schicksal von Robert Enke und vieler Schüler sein, die in der Schule mit Hilfe medialer Praktiken Kontakt zu einer unsichtbaren Geisterwelt aufgenommen haben.  

Vor diesem Hintergrund sollen zum Schluss einige wenige Warnungen der Spiritisten zitiert werden. So verweist zum Beispiel A. Kardec darauf, dass die Geister lästig werden können und man stets Kontakt zu einem Schutzgeist suchen müsse. Das „Hörende Medium“ könne sich nicht die Ohren zustopfen, müsse die vielfach obszönen und unflätigen (inneren) Stimmen anhören. Ein weiterer Schutz, die bösen Geister zu vertreiben und die guten Geister anzuziehen, bestehe darin „Gutes zu tun“ (S. 210 f). Gleichwohl können, so Kardec nach Aussage eines angerufenen Geistes, Kontakte zur Geisterwelt zu einer „Art von Irrsinn“ führen (vgl. S. 212).

Auch Greber unterscheidet zwischen guten und bösen Geistern (a. a. O:, vgl. S. 129) und er schreibt: So können uns die Geister „als Schreckgestalten, Teufelsfratzen oder sonstige Gebilde scheußlichster Art in Angst versetzen“ (vgl. S. 129). Nach Greber schadet der Spiritismus (angeblich) nicht, wenn man das Gute will, sich mit Gott hält, sich unter den Schutz Gottes stellt und allein das Seelenheil sucht (vgl. S. 131, 133 f), und er warnt: „Der Spiritismus schadet …, wenn ihr Gott dabei außer acht lasset, alles mit dem Bösen betreibt, euch sogar an dem Bösen belustigt und das Gebet vergeßt.“ (S. 134) Davon ist im Schulbuch („deutsch.ideen“) und im Schulunterricht keine Rede. Greber berichtet von Fällen, bei denen das Medium (ein Junge) immer wieder von einer inneren Kraft gezwungen wurde, die eingegebenen Gedanken nieder zu schreiben (vgl. S. 33, 34). Dem Inspirationsmedium „werden von einem Geist bestimmte Gedanken mit einer solchen Kraft eingegeben, dass die eigenen Gedanken des Mediums verdrängt werden und es ganz unter der Gewalt jenes Geistes steht.“(S. 33) Das Gleiche berichtet der Psychologe C. G. Jung.

Wer nun behauptet, Kontakte zur Geisterwelt seien nicht zu fürchten, weil es sie nicht gibt, der hat die Pflicht zu erklären, warum die oben genannten „Spiele“ geisteskrank machen und die „Spielenden“ in die Psychiatrie oder gar in den Tod treiben können. Ich kenne einige Studentinnen, die offen zugaben, mit der Geisterwelt in Kontakt zu stehen, sie alle landeten in der Psychiatrie, ein Student nahm sich das Leben. Unter diesen Umständen ist es nicht übertrieben, festzustellen, dass hier Schüler der schlimmsten Form von Gewalt ausgesetzt werden. Sie ist schlimmer als die klassische Form der körperlicher Züchtigung (die mit Recht verbannt und verboten ist) und schlimmer als seelische Gewalt (durch Diffamierung und Diskriminierung, vgl. hierzu das „Lehrerhasserbuch“); es ist eine Art „metaphysische Gewalt“, der die Kinder ausgesetzt sind, die sie in den Wahnsinn oder gar in den Tod treiben kann.

Grund genug, die Schüler (und ihre Eltern) aufzuklären und vor medialen und anderen esoterischen Praktiken zu schützen. Was aber ist zu tun, wenn nicht einmal die bibeltreuen Gläubigen an der New-Age-Pädagogik interessiert sind und die christlichen Schulen und Heimschulbewegungen New-Age-Ideologien (Montessori- und Waldorf-Pädagogik, Stresshysterie, selbstständiges Lernen u. v. m.) und diverse New-Age-Techniken verbreiten und sich jeder Diskussion verschließen? Sie sollen doch „Salz und Licht“ in dieser Welt sein.

Überblick: Mediale Praktiken im Schulunterricht

Fassen wir zusammen. Es gibt diverse mediale Praktiken, die nach und nach in den Schulunterricht eindringen und als Unterrichtsmethoden ausgegeben werden. Diese lassen sich nach dem zentralen Mittel und Medium unterscheiden, das der Übermittlung von Wissen und Botschaften dient. Das sind nach meiner Kenntnis bislang die Hand, die Muskulatur, die Gedankentätigkeit, innere Bilder, innere Stimmen und Werkzeuge. Zu fragen ist, ob und inwieweit inzwischen auch die „Gefühle“ als Mittel und Medium der medialen Information und Konsultation genutzt werden, so z. B. im Rahmen der vielen Gefühlstrainings. Auf alle Fälle werden sie im Rahmen des NLP-Rechtschreibtrainings als Instrument der Wahrsagerei genutzt.

a) Hand: automatisches/kreatives Schreiben; automatisches Zeichnen: Mind Mapping

b) Gedankentätigkeit/gedankliche Inspiration: Brainstorming, Blitzlicht u. v. m.

c) innere Bilder: Fantasiereisen, Empfang von inneren Bildern, Blindenführungen usw.

d) innere Stimmen: „Innere Teams“

e) Muskulatur: kinesiologischer Muskeltest

f) Werkzeuge: Pendeln, Gläserrücken

g) Gefühle (?).

 

Empfehlungen

Schüler sollten sich von allen medialen Praktiken fernhalten. Werden sie von den Lehrkräften zur Ausführung gezwungen, sollten sie die Teilnahme vortäuschen. Beim Schreiben und Zeichnen (Mind Mapping) sollten sie nie den Verstand abschalten und immer unter der Kontrolle ihres Verstandes schreiben und zeichnen; immer wieder Pausen zum Nachdenken einlegen, sinnvolle Texte zu vorgegebenen Themen schreiben und die Regeln der deutschen Sprache beachten. Sie sollten niemals irgendeine unsichtbare Instanz mit personalen und quasigöttlichen Eigenschaften (innere Stimme, Teilpersönlichkeit, das Unbewusste oder Unterbewusstsein u. a.) anrufen, um Rat und um Hilfe bitten, auf innere Bilder oder innere Stimmen achten. Pendeln, Gläserrücken und den kinesiologischen Muskeltest sollten sie immer und auf alle Fälle verweigern, ganz gleich wie diese Praktiken verharmlost werden. Schließlich sollten sie alle Gefühlstrainings unterlassen bei denen es darum geht, die Gefühle wahrzunehmen, vor allem wenn das Arrangement auf die Einleitung einer Trance abzielt (ruhiger Raum, bequem machen, Augen schließen, die Gedanken kommen und gehen lassen, sich etwas vorstellen usw.).
Prof. Dr. Reinhard Franzke, Januar 2010

Literatur zur Vertiefung

Ankerberg/Weldon: Standpunkt: Channeling. Asslar 1989
Boysen/Hemminger/Küenzlen: Im Sog der Psychoszene. Stuttgart 1988
Brooks Alexander: Spirit Channeling. Marburg 1989
Franzke, R.: Meditation und Yoga. Hannover 2003
Franzke, R.: New-Age-Pädagogik. Hannover 2008 (4. Auflage)
Franzke, R.: Vorsicht! Hypnose. Hannover 2002
Freeman, H. E.: Befreiung aus dem Netz des Okkultismus. Urbach 1987
Hunt, D.: Die okkulte Invasion. Bielefeld 1999
Janzen, W.: Okkultismus. Mainz 1988
Kiene, P.F.: Alarm! Okkultismus. Zürich 1994
Larson, B.: Geht unsere Jugend zum Teufel. Neuhausen-Stuttgart 1990
Mischo, J.: Okkultismus bei Jugendlichen. Mainz 1991
Ruthe, R.: Medien, Magier, Mächte. Moers 1988
Koch, Kurt: Christus oder Satan

 

Einige Hervorhebungen im Text wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Februar 2010

www.horst-koch.de

info@horst-koch.de

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