Erneuerbare Energien gegen Kernenergie?

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 Erneuerbare Energien gegen Kernenergie?

 

Von Sigurd Schulien

Solarenergie und Windenergie fallen immer in geringer Konzentration und ungleichmäßig an. Der Energiebedarf eines Industrielandes wie Deutschland muß allerdings stetig und zuverlässig gedeckt werden, auch wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Das bedeutet, daß bei der Nutzung von erneuerbaren Energien ein leistungsfähiger Energiespeicher erforderlich ist, der die benötigte Energie liefert, wenn keine erneuerbaren Energien vorhanden sind.

Dieser Energiespeicher ist bekannt, nämlich Wasserstoff,  der durch Zersetzung von Wasser in seine Grundbestandteile Wasserstoff  und Sauerstoff mit Hilfe von Strom aus Solarzellen oder Windrädern erzeugt  werden kann. Denn die in Solarzellen oder mit Windrädern erzeugte  elektrische Energie ist in der Lage, Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff  und Sauerstoff zu zerlegen. Konkret heißt das: mit ca. 4,5 kWh elektrischer  Energie kann man mit Hilfe von Elektrolyseuren aus etwa einem Liter  flüssigem Wasser ca. einen Kubikmeter gasförmigen Wasserstoff und 0,5  Kubikmeter Sauerstoff erzeugen. Diese Gase kann man speichern und bei  Energiebedarf wieder rekombinieren lassen (Knallgasreaktion). Dabei wird  die bei der Wasserzersetzung aufgewandte Energie zum großen Teil wieder  gewonnen als thermische oder auch als elektrische Energie (letzteres in  Brennstoffzellen).  Es macht also keinen Sinn, Windräder oder Solarzellen zu entwickeln, wenn  man sich nicht auch um die dazu passende Speichertechnik kümmert. Dies  hat man in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten nicht in der  notwendigen Weise getan, obwohl die Wissenschaft immer die Politiker  darauf hingewiesen hat. Das führt nun zu der absurden Tatsache, daß für  1000 Megawatt installiert Windkraftleistung fast die gleiche konventionelle  Kraftwerkleistung vorgehalten werden muß für den Fall eventueller  Windflauten. Denn wenn die Windräder keine oder zu geringe Leistung  abgeben, muß diese aus anderen zusätzlichen Kraftwerken kommen. Wenn  diese nicht vorhanden sind, werden die konventionellen Kraftwerke  überlastet, die dann nach ca. 30 Minuten wegen Überhitzung der  Generatoren abschalten. Die Stromlieferung ist somit zu Ende und nicht  einfach wieder in Betrieb zu setzen.  Umgekehrt weiß man bei Starkwind in Schleswig-Holstein nicht, wohin mit  der erzeugten elektrischen Leistung. Denn wenn man den Strom direkt ins  Netz einspeist, steigt dessen Spannung. Das führt schließlich dazu, daß die  angeschlossenen Glühlampen und Geräte den Geist aufgeben. Natürlich  könnte man mit dem erzeugten Strom sofort Wasser zersetzen und  Wasserstoff erzeugen, den man speichern oder dem Erdgas zumischen  kann.

Aber man tut es nicht! Vielmehr tut man etwas ganz Absurdes: man  reduziert bei Starkwind die Leistung der konventionellen Kraftwerke (Kohle, Kernkraftwerke), die billigen Strom erzeugen, damit die Windräder ihren  teuren Strom nach dem EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) ins Netz  speisen können.  Seit ca. 1960 wurden von Wissenschaft und Technik in Deutschland  Vorschläge gemacht, die Wasserstofftechnik für die Energieversorgung zu  entwickeln. Dies ist hartnäckig von den politischen Entscheidungsträgern  nicht zur Kenntnis genommen worden. Neben der Solar- und  Windenergietechnik hätte die Wasserstofftechnik zügig entwickelt werden  müssen, um zu einem nachhaltigen und realistischen sowie wirtschaftlichen  Energiesystem auf der Basis erneuerbarer Energien zu kommen. Wie schon  erwähnt, ist dies nicht geschehen. Die in Deutschland seit den 1980er Jahre  laufenden experimentellen Wasserstoffprojekte zur Speicherung  erneuerbarer Energien wurden seit den 1990er Jahren nicht mehr gefördert,  obwohl sie erfolgversprechende Ergebnisse geliefert hatten. Beispiele  sind die eingestellten Projekte an der Universität Stuttgart (Hysolar), das  Solar-Wasserstoff-Bayern-Projekt in Neunburg vorm Wald, das Projekt bei  der Frauhhofer-Gesellschaft in Freiburg, an der Fachhochschule Wiesbaden,  bei verschiedenen Firmen. Es ist kaum etwas übrig geblieben von diesen  vielfältigen zukunftweisenden Entwicklungsaktivitäten. Der Vorschlag, die  Wasserstofftechnik zur Methanoltechnik weiterzuentwickeln, wurde von der  Politik erst gar nicht angenommen. Da die Speicherung von gasförmigem  Wasserstoff aufwendig und teuer ist, wurde vorgeschlagen, den mit  erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoff mit Kohlendioxid reagieren zu  lassen. Dabei entsteht Methanol, ein flüssiger Energieträger und  Chemierohstoff, der leicht speicherbar ist und für den auch schon eine  Speicherinfrastruktur besteht ( z.B. Tankstellen).

Die Entwicklung  breitbandiger Solarzellen hohen Wirkungsgrades wurde nicht vorangebracht.  Ein ingenieurmäßiger realistischer Entwurf großer Wasserstoffsysteme zur  Energieversorgung abgelegener Regionen mit Hilfe von erneuerbaren  Energien und Wasserstoff fand nicht statt.  Die Entwicklung zur Serienreife dieser für die landesweite Anwendung der  erneuerbaren Energien unabdingbaren Techniken dauert Jahrzehnte.  Welches die Gründe sind für die Ablehnung der Wasserstofftechnik durch  die Politik, ist nicht nachvollziehbar, denn die erneuerbaren Energien ohne  Speicherung sind in einem Industrieland wie Deutschland Unfug. Vermutlich  steckt dahinter die Absicht unserer Freunde aus der Londoner City, die  deutsche Industrie zu vernichten bzw. ins Ausland zu treiben.  Wegen der in den letzten Jahren begangenen Fehler der Energiepolitik wird  darum kein Weg an der Nutzung der Kernenergie in den nächsten 30-40  Jahren vorbei führen. Nur so kann der Zusammenbruch unseres  Sozialsystems verhindert werden.  Die erneuerbaren Energien können beim jetzigen Stand der Technik den  Energiebedarf eines Industrielandes wie Deutschland nicht decken. Wenn  das Speicherproblem gelöst ist, können sie einen größeren Anteil der  Energieversorgung Deutschlands gewährleisten, aber nie 100%.  Weitere Einzelheiten zu energiepolitischen Fragen, zur Kernenergie,  erneuerbaren Energie und zum Klimaproblem finden Sie unter

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ADEW Arbeitsgemeinschaft Deutsche Energie- und Wirtschaftspolitik  Postfach 100 133, 63701 Aschaffenburg  www.adew.eu        

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