Das blutbeschmutzte Evangelium

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Richard Wurmbrand

 

DAS BLUTBESCHMUTZTE EVANGELIUM

 

INHALTSVERZEICHNIS

Kapitel  I      Episoden aus dem Leben der Untergrundkirche
Kapitel  II    Gibt es eine Untergrundkirche?
Kapitel  III   Nur bewiesene Tatsachen
Kapitel  IV    Rußlands Golgatha
Kapitel  V     Wieviele Christen sind in der Sowjetunion eingesperrt?
Kapitel  VI    Das Gefängnisregime
Kapitel  VII   Rot-China
Kapitel  VIII  Die christliche Kirche um Mitternacht
Kapitel  IX    Rumänien: Ein liberales kommunistisches Land
Kapitel  X     Die absolute Folter
Kapitel  XI    Schönheit strahlt um Mitternacht
Kapitel  XII   Die Verfolgung der Christen in Afrika
Kapitel  XIII  Die Stellung der Kirche in der freien Weit zum Kommunismus
Kapitel  XIV  Was wir nicht tun sollten!
Kapitel  XV    Was muß geschehen?
Kapitel  XVI   Der Bedarf an Literatur
Kapitel  XVII  Verbreitung des Evangeliums durch das Radio
Kapitel  XVIII Helft den Familien der christlichen Märtyrer
Kapitel  XIX   Antwort auf die häufigsten Kritiken
Kapitel  XX    Mein letztes Wort

 

Vorwort

Leider hat dieses 1973 herausgegebene Buch meines Freundes Pfarrer Richard Wurmbrand nichts an Aktualität verloren. Nicht nur in Nordkorea, Vietnam, Burma und dem Riesenreich China besteht weiterhin eine Verfolgung und Unterwanderung der Gemeinde Jesu Christi, sondern mehr oder weniger stark in allen Ländern der sog. Dritten Welt. Vor allem in allen muslimisch beherrschten Ländern existieren im Geheimen Gemeinden, die sog. Untergrundkirche. Geistlich ist sie ein bedeutender Teil des Leibes Christi.

Heute stehen wir offensichtlich vor der Erfüllung des Wortes Jesu, daß Zeiten der Verführung und Verfolgung kommen werden. Markus 13, 8-23: „Kriege und Kriegsgeschrei… und ein Volk wird sich erheben wider das andere .. Hungersnöte und Unruhen werden sein … uns sie werden euch den Gerichten überliefern, und in den Synagogen werdet ihr geschlagen werden, und man wird euch vor Fürsten und Könige stellen um meinetwillen, … es wird ein Bruder den anderen zum Tode überliefern und der Vater das Kind, und Kinder werden sich wider die Eltern erheben und werden sie zum Tode bringen; und ihr werdet von jedermann gehaßt sein um meines Namens willen. …und es werden falsche Propheten auftreten und werden Zeichen und Wunder tun, um womöglich auch die Auserwählten zu verführen…Siehe, ich habe euch alles vorhergesagt. – Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden“.

Auf diese kommende antichristliche Zeit muss die Gemeinde Christi sich dringend vorbereiten. Dazu möge der folgende Beitrag helfen.

Horst Koch, Herborn, im Februar 2008

 

 

Kapitel I

EPISODEN AUS DEM LEBEN DER UNTERGRUNDKIRCHE

In Nordkorea kennen nur sehr wenige Arbeiter einen freien Tag. Sie arbeiten vom 1.Januar bis zum 31. Dezember. Revolutionäre Feste werden gefeiert, indem man die Produktion steigert. Zu Hause kann man nur bleiben, wenn man krank ist.

In einer großen Kohlengrube mit ca. 40 000 Arbeitern hatte man festgestellt, daß sich regelmäßig am Sonntag 12 000 krank meldeten. Die Behörden schöpften Verdacht und kamen darauf, daß sich die Arbeiter abwechselnd in Privatwohnungen oder während der warmen Jahreszeit in den Wäldern versammelten. Ihr Pastor stimmte eine Hymne an, aber niemand sang. Die Gefahr, daß man sie hören könnte, war zu groß. Sie zogen es vor, die verschiedenen Lieder aus handschriftlich geschriebenen Gesangbüchern leise zu lesen und beteten auch lieber in totaler Stille. Der Pastor las einige Bibeiverse vor und predigte ganz kurz, dann dachte die Gemeinde darüber still nach und löste sich nachher in kleine Gruppen auf, wobei man sich vergewissern mußte, von niemandem gesehen zu sein.

45 Christen, die als die Anführer dieser christlichen Gruppe galten, wurden erschossen. Das Los der anderen kennen wir nicht.

Was ist das? Eine Szene aus dem Leben der Untergrundkirche, geschehen 1969.

Pastor Fang Tscheng ist im Gefängnis. Man hat ihn gefoltert, aber er hat seine Brüder nicht verraten.

Eines Tages führt man ihn wieder vor einem Offizier zum Verhör. In der Ecke des Raumes sieht er einen Berg von Lumpen und hört das Geraschei von Ketten. Plötzlich wird das Bild deutlicher: Es ist seine Mutter. Im Gegensatz zu früher sind ihre Haare jetzt weiß, ihre Gesichtsfarbe aschfahl. Man kann sehen, daß sie auch schwerste Mißhandlungen hinter sich hat.

Der Kommunist fragt Tscheng: „Ich habe gehört, daß ihr Christen glaubt, von Gott zehn Gebote erhalten zu haben, die ihr zu erfüllen versucht. Ich möchte diese kennenlernen. Wollen Sie so freundlich sein und sie mir aufzählen?“

Tscheng befindet sich in einem Gewissenskonflikt, aber eine solche Gelegenheit, einen Jünger Maos mit Gottes Gesetz bekanntzumachen, darf nicht versäumt werden. So beginnt er, die zehn Gebote aufzuzählen. Bei „Ehre Vater und Mutter“ wird er unterbrochen. Der Kommunist sagt: „Tscheng, ich möchte Dir die Gelegenheit geben, Deine Mutter zu ehren. Sie leidet hier in Ketten. Sage uns etwas über Deine Mitbrüder, und ich verspreche Dir, Dich und Deine Mutter heute abend frei zu lassen. Du wirst ihr helfen können und sie ehren. Zeig mir jetzt, ob Du wirklich an Gott glaubst und bereit bist, sein Gebot zu erfüllen“.

Hier ist es nicht leicht, sich zu entscheiden.

Tscheng wendet sich an seine Mutter: „Was soll ich tun, Mutter?“ Sie antwortet: „Ich habe Dich von Deiner Kindheit an gelehrt, Christus und die heilige Kirche zu lieben. Achte nicht auf mein Leiden. Bleibe dem Heiland und Seinen armen Brüdern treu, wenn Du Ihn verrätst, bist Du nicht länger mein Sohn.“

Das war das letzte Mal, daß Fang Tscheng seine Mutter gesehen hat. Wahrscheinlich ist sie an den Folgen der Folterungen gestorben.

Ein Offizier der Geheimpolizei sitzt im Arbeitszimmer eines Pastors. Der Kommunist ist sehr höflich. Er fragt den Pastor, ob er „Mitarbeiter“ der Geheimpolizei werden möchte. Dafür kann er predigen so viel er will. „Und dann, wie Sie wissen, haben wir heutzutage in der Kirche einiges mitzureden. Wir können sogar dafür sorgen, daß Sie Bischof werden.“

Der Pastor weigert sich.

Es ist ein Samstagnachmittag. Der Kommunist steht auf. Als er bereits bei der Tür steht, sagt er: „Um Ihre endgültige Antwort zu hören, werde ich Montag wiederkommen. überlegen Sie noch einmal. Übrigens, für Ihre Gemeinde sind Sie ein Heiliger; aber Sie erinnern sich doch an Ihre Affäre mit Betty!? Es ist lange her. Wir haben ein Bild, auf dem Sie sie umarmen. Das war sehr unvorsichtig von Ihnen. Wenn Ihre Gemeinde diese Geschichte erfährt, sind Sie erledigt. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Es wäre besser, wenn Sie unseren Vorschlag annehmen würden. Jedenfalls: Auf Wiedersehen – und einen gesegneten Sonntag.“

Am Sonntag erzählt der Pastor von der Kanzel seine Liebesaffäre, ohne den Namen des Mädchens zu nennen. Er sagt: „Wir sind alle Sünder, Pastoren genauso wie Laien. Ich habe gefehlt. Die Geheimpolizei erpreßt mich nun damit, um über Euch auszusagen. Ich möchte, daß Ihr über meine Sünde selber urteilt. Gott vergibt jedem, und ich will kein Judas werden. Ich habe Fehler gemacht. Letzten Endes habt Ihr zu entscheiden, ob ich als Euer Pastor bleiben kann oder nicht.“

Als er von der Kanzel heruntersteigt, drängen sich die Gläubigen um ihn. Mit Tränen in den Augen küssen sie ihn und sagen: „Verlaß uns nicht, denn wir sind auch nicht besser als Du. Jetzt wirst Du der beste Pastor sein.“

Als der Kommunist am Montag zurückkommt, sagt ihm der Pastor: „Gehen Sie und geben Sie bekannt, was Sie von mir wissen.“ Die Veröffentlichung hat dem Pastor nicht geschadet. Jeder sagte: „Wir kennen die Geschichte, er hat sie uns selber erzählt, und wir haben ihm vergeben.“

Kurze Zeit später ist dieser Pastor in das Gefängnis gekommen; für ihn war es jedoch, als ob er zu einem Fest ging.

Was ist das? Eine Begebenheit aus dem Leben der Untergrundkirche.

Ein Christ ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Er ist ein Bauer. Er geht auf das Feld und betet: „Gott, mache mich vollkommen.“ Eine innere Stimme antwortet: „Wärest Du bereit, ins Gefängnis zurückzukehren, um ein vollkommener Mensch zu werden?“ Er erschrickt. Er hat zuviel erdulden müssen. Er antwortet: „Alles, Herrgott, nur das nicht!“ Die innere Stimme sagt: „Dann verlange nicht danach, vollkommen zu werden.“ Ein langer innerer Kampf beginnt. Am Ende gibt der Christ nach. „Mach mich vollkommen, was es auch koste,“ betet er. Bald wird er abermals verhaftet und kommt in Einzelhaft. Er bleibt dort lange Zeit. Folterungen, Hunger, kein Tageslicht, nichts zum Lesen. Sein einziger Zeitvertreib besteht darin, mit einem Zellennachbar Klopfzeichen auszutauschen.

Eines Tages bekommt er einen neuen Zellennachbar. Er fragt nach seinem Namen. Es ist derselbe Name wie sein eigener: Es ist sein Sohn. Ermutigt durch das vorbildliche Beispiel seines Vaters ist der Sohn ebenso den Weg des Kreuzes gegangen und auch ins Gefängnis gekommen. Der Vater dankt Gott, daß einer seiner Söhne ein leidender Zeuge für den Glauben ist.
Ein großer Schritt auf dem Wege zur Vollkommenheit. – Aus dem Leben der Untergrundkirche, beschrieben von „Westnik Spasenia“ (Der Herold des Heils), das geheime Mitteilungsblatt der russischen Baptisten.

„SOWIETSKAIA BIELLORUSSIA“ vom 15. August 1967 schreibt: „Unkundige Fanatiker der Evangeliums-Christen-Baptisten aus Utewsk haben sich in der Umgebung angesiedelt … Sie sind entschlossen, das Volk zu bekehren und die Herrschaft der evangelischen Ideologie über das Land zu bringen, Religionsunterricht für Kinder einzuführen und der antireligiösen Propaganda entgegenzuwirken. Durch aktive Ausbildung und Anwerbung andererfür Christus zwingen sie jeden, ihre Heilslehre anzunehmen.“

Das Moskauer Verlagshaus „Znanie“ gab neulich ein Buch mit dem Titel „Unversöhnlichkeit“ des Kommunisten A. Schamaro heraus. Darin wettert er gegen die Christen; gleichzeitig aber beschreibt er sie:
„Die Prediger, die aktiven Träger der Religion in all ihren Formen, in Kirchen oder Sekten lachen nicht und machen keine Witze, sie handeln: Sie arbeiten Tag und Nacht. Oberall beten sie, bei Bushaltestellen, in Wartesälen von Spitälern. Sie suchen neue Leute für die Kirchen oder Sekten. Sie suchen sie überall. Auf der Straße halten sie unbekannte Menschen an, die ihrem Gesichtsausdruck nach vermutlich traurig sind … Tag und Nacht suchen sie „die verlorenen Schafe.“ „Glaube ohne Werke ist tot,“ sagen sie. Und sie meinen, daß es das größte Werk sei, das Gott gefällt und ehrt, Menschen zu fischen und neue Anhänger für die Kirchen und Sekten zu gewinnen … Wenn die schmutzigen Religionsprediger und Menschenfänger sich bemühen, keine Gelegenheit zu versäumen, um eine Seele unter denen zu fischen, mit denen sie arbeiten, unter denen, die in derselben Stadt oder in demselben Dorf leben, unter den Menschen, denen sie auf der Straße begegnen, dann werden sie sicherlich auch alles tun, um die Köpfe ihrer eigenen Kinder und die der Kinder ihrer Verwandten und Bekannten mit religiösem Glauben vollzustopfen.“

Wo gibt es solche treuen Pastoren? Wo gibt es solche eifrigen Christen? In der freien Welt begegnen wir ihnen nicht sehr oft. Nun, sie haben wieder einmal etwas über die Untergrundkirche gehört, so, wie sie von ihren ärgsten Feinden beschrieben wird.

Ein Brief kommt an. Der Briefschreiber stellt sich selber als Blumenhändler vor. Er ist Spezialist auf dem Gebiet der Orchideen-Zucht. Er hat neue Sorten von Orchideen gezüchtet, die sogar in Nord Sibirien wachsen. Sowohl aus seiner Umgebung, als auch aus anderen Landesteilen kommen Menschen, um seinen Katalog über 27 neue Orchideen Arten abzuschreiben. (Obrigens welcher Zufall! Das Neue Testament besteht aus 27 Büchern. Wäre es möglich, daß er der glückliche Besitzer eines Neuen Testaments ist und daß diese Menschen kommen, um es abzuschreiben?) Er sagt, daß die am meisten bewunderten Orchideen die Amosian Orchideen, Type 8 und 11 seien. Ich schlage die Bibel bei Amos 8, Vers 11 auf und lese: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn zu hören.“

Auf diese schlaue Art informieren diese Brüder die westlichen Christen, daß sie Bibeln brauchen.

Andere tun es einfacher. Ein Christ beginnt seinen Brief mit den Worten: „Lieber Zensor, ich weiß, daß jeder in das Ausland gerichtete Brief kontrolliert wird. Aber auch Sie sind ein Geschöpf Gottes, das einmal vor Seinem Richterstuhl stehen wird. Bitte, lassen Sie diesen Brief durch. Er schadet dem Staat nicht. Ich suche nur Kontakt mit meinen Glaubensbrüdern in einem anderen Land.“ Der Brief kam an. Mancher kommunistische Zensor ist doch noch ein Mensch mit Herz.

Eine Touristin kehrt aus der Sowjetunion zurück. Sie bekam dort verschiedene kleine Geschenke, darunter ein Handtuch. Die Touristin wurde am Grenzübergang sehr genau kontrolliert, aber auf das Handtuch achtete niemand. Als wir es bekamen, tauchten wir es in eine chemische Lösung und konnten eine Botschaft der Untergrundkirche lesen.

Dort existiert eine Kirche, die auf diesem Wege Verbindung mit anderen Kirchen unterhält.

Frau Ghinzburg ist eine Sowjet-Schriftstellerin und Kommunistin. Nichtsdestoweniger hat sie 17 Jahre in sowjetischen Gefängnissen verbracht. Sie wurde von ihren Parteigenossen eingesperrt. Das ist kein Ausnahmefall. Kommunismus ist nicht nur antichristlich, antijüdisch oder antiimperialistisch: Er ist einfach anti-jedermann. Der Kommunist Kossygin legte Kommunist Dubcek in Fesseln. Mao haßt Kossygin. Kossygin haßt Tito. Chruschtschow hat seine eigene Frau für acht Jahre ins Gefängnis gebracht. Der Kommunismus ist eine Religion des Hasses. Im Laufe von Parteisäuberungen wurden Tausende Kommunisten eingesperrt oder getötet. Frau Ghinzburg war eines dieser Opfer.

Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis schrieb sie ein Buch mit dem Titel „Der Wirbelsturm“. Sie versichert darin, daß sie nach wie vor eine überzeugte Kommunistin sei. Nichtsdestoweniger beschreibt sie offen die Greuel der kommunistischen Gefangenenlager. Unter anderem erzählt sie, daß in Nord-Sibirien, wo der Schnee nicht schmilzt, manche weiblichen christlichen Gefangenen sich weigerten, am Ostersonntag zu arbeiten, weil sie Christi Auferstehung feiern wollten. Dafür wurden sie bestraft, barfuß auf dem Eise zu stehen. Und die kommunistische Autorin fügt hinzu: „Keine einzige von ihnen wurde krank.“

Dies erinnert uns an eine Begebenheit, die sich vor 1600 Jahren zugetragen hat.

40 christliche Offiziere einer römischen Legion in Sebaste (Armenien) weigerten sich, dem römischen Kaiser als Gott zu opfern. Sie wurden nackt ausgezogen und mußten auf dem Eise des Kisil Irmak Flusses stehen. Am Ufer brannte ein Feuer. Für diejenigen, die zur Einsicht gelangen sollten, wurde ein warmes Bad vorbereitet. Jede Stunde fragte man die Offiziere, ob sie nicht doch bereit wären, ihrem Glauben abzuschwören, dann wäre ihr Leben gerettet. Nur einer schwörte am Ende dem Heiland ab. In diesem Moment erblickte der römische Kapitän, der die Hinrichtung überwacht hatte, 40 Engel mit 40 Kronen, die vom Himmel herabkamen, um die Märtyrer zu krönen. Jedoch fand einer der Engel kein Haupt, auf das er die Krone setzen konnte. Der Kandidat zum Martyrium war abgefallen. Daraufhin zog der Kapitän sich aus und schrie: „Engel, ich komme!“ und rannte auf das Eis. Er starb wie die anderen zum Ruhme ihres Heilandes.

Der Christ Ketschik war spät gläubig geworden. Er lebte von einer kleinen Rente. Seine Frau teilte seine christliche Überzeugung nicht mit ihm.
Eines Tages wird Ketschik bei einer geheimen Gebetsstunde erwischt und zu einer Geldstrafe von zwei Monatsgehältern verurteilt. Glücklich kam er vom Gericht zurück und sagte seiner Frau: „Siehst Du jetzt, wie recht ich hatte, als ich Dir erzählte, wie kostbar das Gebet sei? Du hast mir nicht geglaubt. Aber schau her, das Urteil. Die Komunisten kennen den Wert des Gebetes, sogar in ihren Augen hat das Gebet einen Wert von zwei Monaten Pension. Wenn sie so wertvoll ist, will ich von jetzt an keine Gebetsstunde mehr versäumen.“ In einem Jahr wurde er dreimal zu Geldstrafen verurteilt. Er verlor ein halbes Jahreseinkommen. Aber er lernte die Wahrheit über das, was Augustinus, der berühmte Kirchenlehrer, sagte:

„Das Gebet ist die Kraft eines Christen und die Schwäche Gottes.“

Msgr. Draganovic war der Leiter der jugoslawischen Abteilung im Vatikan. Er ist Kroate.
Schließlich entschied sich der Vatikan für eine Verständigung mit Tito. Er hatte ja nicht alle Katholiken getötet. Man ging über die Leichen hunderttausender Toten hinweg, man vergaß ihren unschuldigen Tod überhaupt zu erwähnen, und man unterzeichnete ein Konkordat. Msgr. Draganovic, ein Gegner des Kommunismus, mußte den Vatikan verlassen. Aber in Deutschland setze er seine Arbeit unter seinen verfolgten Brüdern fort.

Er ahnte die Möglichkeit seiner Entführung. Deshalb verfaßte er eine Erklärung und deponierte sie an einem sicheren Ort. Darin gab er bekannt, daß er niemals vorhat, nach Jugoslawien zurückzukehren, und daß er bereits jetzt schon jede Erklärung für null und nichtig erklärt, die er, sollte er jemals gegen seinen Willen nach Jugoslawien gebracht werden, abgeben würde. Msgr. Draganovic wurde nach Triest gelockt. Dort wartete angeblich jemand auf ihn, um ihm neue Dokumente und Fotos über Titos Verbrechen zu geben. Aus Triest ist er verschwunden.

Den Auslandskorrespondenten in Belgrad wurde eine von Draganovic geschriebene Erklärung übergeben, in der er mitteilt, aus eigenem freien Willen in sein Vaterland zurückgekehrt zu sein. Die Journalisten bekamen sogar Fotokopien dieses Dokuments. Es war tatsächlich seine Handschrift. Msgr. Draganovic aber ist ein gebildeter Mensch. In dieser Erklärung gebraucht er jedoch den Stil eines Analphabeten. Sie war von einem kommunistischen Offizier mit sehr geringer Schulbildung diktiert worden.

Nach einigen Wochen erschien Draganovic selber vor der Auslandspresse und erklärte, daß er nach Jugoslawien zurückgekehrt sei, um sich dem Gericht als „Kriegsverbrecher“ zu stellen, dies, obwohl er niemals in der Armee gewesen war. Nur Gott weiß wirklich, welche Folterungen und Gehirnwäschen er durchgemacht haben muß, um diese Erklärung abzugeben.

Die amerikanische Regierung entschuldigte sich bei den nordkoreanischen Kommunisten für das nicht vorgekommene Eindringen in territoriale Gewässer. Dies, obwohl der amerikanische Präsident von den Kommunisten nicht geschlagen worden ist. Wieso sollten wir uns dann über Draganovic wundern?

Dieser Prälat konnte sich nicht wehren. Niemand kann über ihn urteilen. Nach einer kommunistischen Folterung sind 80 kg Fleisch nicht mehr ein menschliches Wesen. Sie sind nicht mehr ein menschlicher Körper. Die Wurzel der Ziffer 4 ist plus 2 oder minus 2. Menschenfleisch unter kommunistischer Knute ist ein Bündel verschiedener Möglichkeiten: ein Held, ein Verräter oder ein Feigling.

Christen treffen sich im Wald. Die Polizei hat sie umzingelt. Einige versuchen zu fliehen, aber sie werden von Hunden aufgespürt.
Einige kommen auf kurze Zeit ins Gefängnis, 15 Tage. Für den Aufenthalt in der gastfreien Einrichtung, in der sie festgehalten werden, müssen sie aber bezahlen. Eine schwere Belastung für Angehörige von armen Sowjetbürgern.

Eine Christin kämpft mit der Polizei. Sie will nicht zulassen, daß man ihr Gebetbuch wegnimmt. Sie hat es 40 Jahre lang bewahrt und kann es sich nicht wieder verschaffen. Sie blutet. Ihr Nasenbein ist gebrochen. Sie ist auch an den Armen verletzt. Stellen Sie sich diese Szene vor! Physische Gewalttätigkeiten erdulden, um ein Buch behalten zu können, das Lobpreisungen für Gott enthält, während wir Gesangbücher haben, aber niemals daraus singen, außer in der Kirche.

In der Sowjetunion hat man hunderten Familien die Kinder weggenommen, weil die Eltern sie den Glauben gelehrt haben. Jetzt begreifen diese Familien die Worte des Herrn: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich eingehen,“ in einem neuen Licht. Nach ihnen bedeuten diese Worte, daß, wenn man nicht annimmt wie diese Kinder zu leiden, wenn man nicht annimmt, Vater und Mutter zu verlieren, man keinen Platz im Reiche Gottes hat.

Dies ist eine neue Auslegung der Bibel oder vielleicht eher die Rückkehr zu einer alten Interpretation und geschah in dieser ungewöhnlichen Welt, der Weit der Untergrundkirche.

Kinder kämpfen. Der Lehrer sagt: „Die Kosmonauten waren im Weltall und sind Gott nicht begegnet.“ Ein Schüler steht auf. Das Kind weiß, daß es wegen seiner christlichen Überzeugung Vater und Mutter verlieren kann, aber es sagt: „Genosse Lehrer, haben die Astronauten ein reines Herz? Ohne dieses werden sie Gott nie sehen können, gleichgültig auf welchem Stern sie landen. Aber wenn man eins hat, kann man Gott überall sehen, sogar auf der Bank einer atheistischen Schule!“

In einer anderen Schule werden die Kinder gelehrt, daß der Mensch vom Affen abstamme. Der Lehrer, der vermutet, daß Eva ein christliches Mädchen ist, weist auf sie und fragt, was sie darüber denke. Sie antwortet: „Ich bin Ihnen dankbar, Genosse Lehrer, für das, was Sie uns heute gelehrt haben. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum Kommunisten so böse sind und so viele unschuldige Menschen quälen. Jetzt haben Sie mir die Erklärung dafür gegeben. Sie stammen von den Affen ab.“

Die Kinder Wania, Pawlik, Andrei, Wera und Sweta bekamen eine Gummipuppe. Als die Kinder nun Gebetsstunde spielten, kamen sie in arge Verlegenheit, weil die Puppe die Knie nicht biegen konnte. Sie beklagten sich beim Lehrer, daß man ihnen eine ungläubige Puppe gegeben habe. „Wir haben gelernt, daß sich jedes Knie vor dem Namen Jesus Christus beugen muß.“ Welch eine Lehre für einen Atheisten!

Viele in der Untergrundkirche erzogene Kinder sagen offen, was sie über Gott und über Kommunisten denken.

Y. I. Kuschew stand in Moskau vor Gericht. Er war einer der Organisatoren einer öffentlichen Demonstration gegen die Verhaftung von Sowjetdichtern. Er hatte geschrieen: „Gebt Dubrowolski frei!“ „Nieder mit der Diktatur!“ Der Staatsanwalt fragte ihn: „Glauben Sie an Gott?“   „Ja.“

Dann trat Anatali Krasnow Lewitin in den Zeugenstand der Verteidigung. Er hatte Kuschew zum Christentum bekehrt. Er weiß, daß er durch seine Aussage sich selber sehr schaden wird. Krasnow Lewitin war bereits wegen seines orthodoxen Glaubens sieben Jahre im Gefängnis gewesen. Jetzt sah er den von ihm Bekehrten auf der Anklagebank. Das ist etwas anderes, als wenn man jemanden bekehrt hat und sich dann freut, wenn er festlich gekleidet in der Kirche sitzt und singt.

Krasnow Lewitin sagte: „Kuschew hat unter meinem Einfluß verlangt, getauft zu werden. Ich stand auch auf dem Platz, wo die Demonstration stattfand. Jemand sagte zu mir: Sie haben Kuschew verhaftet.‘ Ich rannte ihm nach, aber es war zu spät. Sie zerrten ihn in ein Auto und fuhren weg. Und jetzt sehe ich ihn nach acht Monaten hier wieder, blaß und gezeichnet von seiner langen Haft.   Er ist ein ganz besonders gerechter Mann. Er tat alles aus Großmütigkeit. Er ist sehr selbstlos, denkt immer an andere, niemals an sich selbst. Ein begabter Dichter … Er besitzt alle Eigenschaften eines vorzüglichen Schriftstellers.“

Die Verteidigung fragte: „Waren Sie glücklich, daß Sie ihn taufen lassen konnten?“ Lewitin: „Natürlich war ich glücklich. Was für ein religiöser Mensch oder Schriftstellerwäre ich, würde ich darüber nicht glücklich sein, wenn Menschen an Gott zu glauben beginnen? Aber ich bin sehr unglücklich, ihn jetzt hier im Gericht zu sehen“. Die Verteidigung (die in der Sowjetunion fast dasselbe ist wie der Staatsanwalt): „Meinen Sie, daß man einen neunzehrijährigen Jungen ohne Erlaubnis der Eltern taufen dürfe?“
Krasnow Lewitin: „Es gibt ein Kirchengesetz, in dem es heißt, daß die Kirche nicht berechtigt ist, jemandem die Taufe zu verweigern, und die Evangelien fordern alle Menschen ohne Ausnahme auf, sich taufen zu lassen.“

Kuschews „Advokat“ Alski: „Lewitin pocht auf sein Recht, religiös zu sein und die Religion zu verbreiten; aber niemand hat ihm das Recht gegeben, Minderjährige mit Gewalt zur Religion zu zwingen. Bei der Urteilsfindung bitte ich Sie zu bedenken, wie wichtig es wäre, solche Jünglinge vor Lewitin zu schützen.“

Bald nach dem Prozeß gegen Kuschew wurde Lewitin verhaftet. Ein kommunistischer Generalmajor P. Grigorenko protestierte gegen diese Ungerechtigkeit. Er ist Atheist. Lewitin nannte ihn „den barmherzigen Samariter,“ der half, während Gottesdiener vorbeigingen. Grigorenko wurde in einer psychiatrischen Anstalt interniert.

In der russischen Stadt Liubetz gab es plötzlich eine neue Mode. Die Frauen trugen Schleifen mit Inschriften, wie: „Möge Gott aufstehen und seine Feinde niederwerfen“, „Der Allerhöchste wird helfen“, „Mögen die Teufel vor dem Angesicht des lebendigen Gottes zugrunde gehen“, usw. Diese Sprüche wurden zur glatten Herausforderung der Kommunisten offen getragen.

Aber wie konnten diese angefertigt werden? Jede Fabrik hat einen politischen Kommissar, der alles kontrolliert. Nun war aber der Geheimpolizist, der der Textilfabrik von Liubetz zugeteilt war, ein heimlicher Christ. Er hatte sich in die Polizei eingeschmuggelt, um so der Sache Christi zu dienen. Er heißt Stasiuk. Er wurde entdeckt und kam ins Gefängnis. Sein Werk war getan.

Wieder ein Beispiel, wie die Untergrundkirche arbeitete.

Einige Untergrundkirchen, vor allem bei den Orthodoxen, sind auch politisch tätig. Christen beschäftigen sich nicht gerne mit Politik. Aber, wenn sich die Kommunisten in kirchliche Angelegenheiten mischen, wenn kommunistische Politiker Millionen Christen einsperren und umbringen, dann haben die Gläubigen keine andere Wahl. Sie müssen sich verteidigen. Haben die schottischen Protestanten nicht mit Waffen gegen den blutrünstigen König James II. gekämpft?

In Leningrad deckte man ein Komplott von Brüdern der orthodoxen Untergrundkirche auf, das das kommunistische Regime stürzen wollte. 60 angesehene Intellektuelle waren in der Sache verwickelt.

Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, warum die Sowjetpresse viele Details über Verfolgung und Umfang der Untergrundkirche wiedergab. Wir können dieses Geheimnis jetzt erzählen, weil es gelüftet wurde.

Manche Christen brachten ein größeres Opfer, als das der Freiheit und des Lebens, wie es Märtyrer getan haben. Sie opferten Christus ihre Redlichkeit. Sie wurden Mitglieder der kommunistischen Partei. Sie versuchten in Spitzenfunktionen zu kommen, um der Untergrundkirche zu helfen.

Einige von ihnen wurden sogar Mitarbeiter von antireligiösen Zeitschriften und Zeitungen. Während sie scheinbar die Bibel bekämpften, veröffentlichten sie ganze Kapitel aus ihr, nur mit einigen kritischen Bemerkungen versehen. Auf diese Weise bekam die Untergrundkirche Seiten aus der Bibel, die von den Kommunisten gedruckt waren. Sie veröffentlichten auch Tatsachen über die Verfolgung.

Chmara stammte aus der Ukraine. Sein Vater war ein begüterter Bauer. Wegen dieses „Verbrechens“ wurde er mit seiner ganzen Familie nach Sibirien deportiert. Chmara wuchs dort mit Bitternis in seinem Herzen auf, er wurde ein asozialer Mensch, ein Dieb. Er mußte wegen krimineller Vergehen ins Gefängnis. Dort begegnete er Christen. Sie lebten in innerer Absonderung. Mit verklärtem Antlitz litten sie für einen Herrn, über dessen Person und Leben sie Wunderbares erzählten. Chmara war so beeindruckt von dem, was er sah und hörte, daß er einem von ihnen erzählte, wie er zum Dieb geworden war und mit den Worten endete: „Ich bin ein verlorener Mensch.“ Der Christ lächelte und fragte ihn: „Was ist eine Zehn-Rubel Note wert, wenn der Besitzer sie verloren hat? Ist sie noch immer zehn Rubel wert? Wird ein Diamantring weniger wert, wenn jemand ihn verliert? Ebenso behält ein verlorener Mensch den ganzen Wert eines Menschen, des schönsten Geschöpfes Gottes. Gott liebt die Menschen, auch wenn sie Sünder sind, und Er opferte Seinen Sohn für sie.“ Die alte Geschichte über Jesus folgte, erzählt in ihrer ganzen Einfachheit und mit dem immer wiederkehrenden Effekt. Chmara wurde bekehrt.

Im Jahre 1964 hatte er seine Strafe abgesessen und wurde entlassen. Er war nicht mehr der alte Säufer, der Weib und Kinder schlug. Er war ein neuer Mensch geworden. Sie alle, seine Brüder und seine Nachbarn bekehren sich. Chmara wurde ein Mitglied der Untergrundkirche.

Dann wurde er verhaftet. Die Geheimpolizei hatte keinen besonderen Grund zu seiner Verhaftung. Auf ihn war die Wahl für ein neues Experiment gefallen.

Die Kommunisten hatten eine leitende Persönlichkeit der Untergrundkirche (wir wollen sie Bruder X nennen) erwischt. Er hatte alle Folterungen überstanden und sich geweigert, die Sache zu verraten. Die Geheimpolizei überlegte: „Würden wir etwas erreichen, wenn wir einen seiner Mitbrüder vor ihm foltern und ihm sagen, daß die Folterung seines Brudes aufhört, wenn er die Geheimnisse preisgibt? Es wäre ein Versuch wert.“

Chmara wurde daraufhin in Anwesenheit des Bruders geschlagen und auf schreckliche Weise gefoltert. Die untere Seite seines Bauches wurde aufgeschlitzt, seine Zunge abgeschnitten, um aus einem leitenden Pastor einen Verräter zu machen. . . . Der Pastor wurde es jedoch nicht. Und was würde geschehen, wenn Chmara stirbt? Soll ein Pastor klagen, weil einer seiner Herde getötet wird und in die Hand desjenigen fällt, der die Lilien geschaffen hat? Chmara wird im Jenseits denselben Gott haben.

Bruder X erzählte nachher, daß er, während Chmara gefoltert wurde, nicht so viel an ihn gedacht hatte. Er wußte, daß Chmara über einen dornigen Pfad in den Himmel gehen würde. Aber er erschrak beim Anblick der sadistischen Freude auf den Gesichtern der Folterknechte. Er dachte, daß auch für diese Christus gestorben war, und er betete für sie.

Das Experiment war jedoch mißlungen. Der Körper wurde der Familie als abschreckendes Beispiel dafür zurückgegeben, daß andere sich nicht zu Christus bekehren. Aber der Anblick rief unter der Bevölkerung eine so große Entrüstung hervor, daß die Behörden nicht imstande waren, es zu verhindern: Das Begräbnis wurde zu einem Triumphzug der Untergrundkirche. Während christliche Lieder gesungen wurden, begleitete eine Menschenmenge von Gläubigen und Nichtgläubigen den Sarg auf den Friedhof.

Wie es bei den Kommunisten üblich ist, wollten sie dann die Henkersknechte loswerden. Diejenigen, denen befohlen worden war, diese Folterungen auszuführen, wurden verurteilt. Der Richter war eine Frau. Sie weinte, als sie von dem Geschehen hörte. Sie umarmte die Kinder Chmaras und bekehrte sich.

Ich, der ich aus einem kommunistischen Land komme, weiß, daß die verurteilten Folterknechte bald entlassen worden sind und dieselben Verbrechen woanders wieder begehen.

Jesus wurde in der Person Chmaras von Kulunda neuerlich gekreuzigt. Die Brüder Chmaras sitzen noch immer im Gefängnis.

Wie denken Untergrundchristen? Aida Skripnikowa, eine Heldin der christlichen Jugend in der Sowjetunion, 27 Jahre alt und zum viertenmal im Gefängnis (ihr Vater wurde wegen seines Glaubens von den Kommunisten erschossen) schreibt: „Ich kann mein Herz nicht zweiteilen, da es ganz der Kirche gehört.“ (Ein westlicher Christ würde sagen, „es gehört Christus“. Im Sowjetlager wird die Kirche sehr geliebt. Sie wird dort in ihrer ganzen Herrlichkeit gesehen. Dort wird das Wort von früher wahr: „Wer Gott zum Vater hat, hat die Kirche zur Mutter.“ Im Westen sprechen die Christen über die Kirche wie über eine Schwiegermutter.)
Skripnikowa fährt fort: „Der Religion gehört mein ganzes Herz; mir die Religion wegnehmen, heißt, mir mein Herz ausreißen.“

Zwei Frauen knieen auf den Stufen eines Warenhauses in Rußland. Wenn gefragt wurde, warum sie dort knieten, antwortete eine von ihnen: „Dies ist eine ehemalige Kirche. Es ist noch immer geweihter Grund. Wenn ich auf den Stufen kniee, kann ich den Priester hören, wie er Gott mit lauter Stimme preist. Sie werden sagen, daß hier Textilien verkauft werden, daß es keinen Priester gibt. Ich glaube ihnen aber nicht. Ich glaube, was ich höre. Ich spüre den Weihrauch. Ich sehe die Heiligenbilder. Der Gottesdienst geht weiter, deshalb komme ich jeden Abend her.“

„Typisch russische Mystik“, werden Sie sagen. Aber warum glauben Sie überhaupt, etwas sagen zu müssen? Wäre es nicht besser, sich jeden Kommentars zu enthalten? Sie befinden sich auf geweihtem Boden. Wer kann beurteilen, was auf heiligem Boden möglich oder unmöglich ist?

Ich bin Rumäne, nicht Russe. Meine ehemalige lutherische Kirche in Bukarest ist jetzt ein Filmstudio. Als ich nach ihrer Entweihung durch das Gebäude ging, hatte ich überhaupt keinen Zweifel, die Engel hatten es nicht verlassen.

Als die Kathedrale St. Sofia von den Truppen Mohammeds des Zweiten erobert wurde, unterbrach der Priester die liturgische Handlung und verschwand hinter einer Tür, die seither verschlossen blieb. Die damaligen Christen glaubten, daß, wenn Konstantinopel wieder christlich wird, derselbe Priester wieder erscheinen und die liturgische Handlung an der gleichen Stelle fortsetzen wird, an der er sie unterbrochen hatte. Im 15. Jahrhundert waren die Christen solche Kinder. Es gibt noch immer Kinder, die glauben, daß das Gebäude, das erst in eine Moschee und dann in ein Museum verwandelt wurde, wieder einmal eine Kirche sein und, daß der erwähnte Priester dort sein und seinen Dienst versehen wird. Die kindlichen Gemüter, die an Legenden glauben, werden immer weniger. Mein Gemüt ist unter diesen wenigen.

In Rußland gibt es Christen, die Tag und Nacht unter ihrem Hemd eiserne Ketten tragen, damit sie ihre gefesselten Brüder nie vergessen.

Ich habe Sie auf sehr heiliges Gebiet geführt.

Arme Kommunisten! Ihnen sind die Worte des Tertullian unbekannt: „Uns töten, heißt uns vermehren. Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche“. Ebenso wenig kennen sie das Wort von St. Hilarius: „Die Kirche triumphiert, wenn sie verfolgt wird und siegt, wenn sie verachtet wird.“

 

Kapitel II

GIBT ES EINE UNTERGRUNDKIRCHE?

Als ich durch die Veröffentlichung meiner Bücher „Gefoltert für Christus“, „Die Sowjetheiligen“, „In Gottes Untergrund“ und „Wurmbrand-Briefe“ sowie anderer Broschüren und Artikel diese wundervolle Welt des christlichen Märtyrertums bekanntmachte, als ich über diese Kirche, deren Geschichte, obwohl real, eher erfunden als wahr schien, erzählte, war die Reaktion ungeheuer groß. Ich gab es auf, die Briefe begeisterter Zustimmungen zu zählen, als sie die 1 000 000 Grenze überschritten hatten.

Christen wissen einfach, daß ihnen jetzt eine Wahrheit erzählt wurde, die man von ihnen bisher ferngehalten hatte. Das menschliche Herz fühlt vieles, wofür es keinen Beweis braucht … Sie wissen, daß Kommunismus atheistisch ist. Sie wissen, daß Kommunismus Diktatur bedeutet.

Auch in der freien Welt sind Christen von Atheisten umgeben, oder von Menschen, die eigentlich gottlos sind, obwohl sie sich zu einer Religion bekennen. Christen wissen aus eigener Erfahrung, wie tyrannisch ein Meister, Ehemann oder Eltern sein können, wenn ihnen die Ehrfurcht vor dem Schöpfer fehlt. Sie kennen den Widerstand ihres eigenen Herzens gegenüber dem schrecklichen Druck der Welt. Wenn sie etwas über die Streiter der Untergrundkirche lesen   die lieber sterben, als mit dem roten Drachen einen Kompromiß zu schließen, sehen sie in ihren wunderbaren Vorbildern nur eine Vergrößerung unter außergewöhnlichen Umständen dessen, was das Beste in ihnen selbst ist.

Ich bekam Briefe von Menschen, die mit mir im Gefängnis gesessen oder mit mir in der Untergrundkirche gearbeitet haben. Ein ehemaliger Mitgefangener schrieb: „Was Sie sagen, ist so wahr, wie zwei und zwei vier ist.“ Ein lutherischer Pastor aus Rumänien schrieb: „Wir stehen mit ganzem Herzen hinter Ihnen.“

Aber mich interessierten Briefe von Menschen mit völlig verschiedenen Anschauungen. Einer von ihnen kam aus Sikkim in Indien und ermutigte uns: „Froh über Ihre rechtzeitige Botschaft, konnte ich meine Tränen für Euch alle, meine Lieben nicht zurückhalten. Ich hoffe, daß die Botschaft über die Untergrundkirche die Gotteskinder der freien Welt ermutigen wird, solch hartes Los in den kommenden Tagen auch zu ertragen.“

Ich zitiere einen Brief aus Schweden: „Ich hörte Sie in einer Kirche in Stockholm. Tagelang danach konnte ich über nichts anderes denken oder sprechen, als über die Untergrundkirche.“

Ein Pastor aus Bombay schreibt: „Meine Kollegen sind immer durch die Veröffentlichungen Ihrer Mission beeindruckt und viele erzählen darüber in ihren eigenen Versammlungen. Der Dämon der Gleichgültigkeit gegenüber dem Märtyrium unserer Brüder hat eine Niederlage erlitten.“

Ein Amerikaner schreibt: „Bitte, machen Sie weiter. Das einfache Volk hört Sie mit Begeisterung. Schon allein, wenn Sie einen von uns zum Beten bringen würden, ist Ihre Sendung als Pastor erfüllt. Bitte, übermitteln Sie unsere Liebe unseren Brüdern und Schwestern in den kommunistischen Ländern.“

Eine andere Stimme aus Skandinavien: „Geben Sie nicht auf! Es stimmt, daß die meisten von uns schlafen, aber es gibt auch solche, die unter dieser Faulheit leiden. In unserer Gemeinde gibt es 10 000 Menschen. Davon kommen sonntags höchstens 25 in unsere riesige Kirche! Manchmal wird vom Sprecher ein Lied angestimmt, ohne daß irgend jemand den Mund aufmacht und mitsingt. . . . Ich erhielt die Botschaft der Untergrundkirche. Sie brachte mir eine heilsame Periode der Selbsteinkehr. Ich werde alles lesen, was ich von Ihrer Mission bekomme und es anderen weitergeben, so oft ich kann. Die Unkenntnis über die Lage der Kirche im Osten scheint in unserem Land groß zu sein.“

Aus einem Brief aus Indien: „Nachdem ich über die Märtyrer gelesen hatte, konnte ich in der darauf folgenden Nacht nicht schlafen. Ich bete, daß viele Menschen solcheschlaflosennächtehaben mögen und zum Gebet erweckt werden.“ Im selben Geist ein Brief aus Frankreich: „Das Beispiel der Untergrundkämpfer regt uns in richtiger Weise an. In ihm liegt Gnade für uns alle.“

Und hier ein englischer Brief: „Ich war kein Christ. Ich war nie Mitglied einer Kirche und habe nie wie ein Christ gelebt. Aber jetzt lese ich über die modernen Märtyrer und kann meine Tränen nicht zurückhalten. Jetzt verstehe ich das Gedicht:

„Wenn ich das wunderbare Kreuz betrachte,
auf dem der Prinz der Herrlichkeit starb,
betrachte ich auch meinen größten Gewinn als Verlust
und schütte Verachtung auf meinen ganzen Stolz.“

Unzählbare Briefschreiber waren dankbar, daß es ihnen zum ersten Mal möglich war, das biblische Gebot: „Weine mit denen, die weinen“ zu erleben. Christen besitzen eine der schönsten Gaben des Heiligen Geistes, die Gabe des „Weinenkönnens“ für ihre leidenden Brüder.

Ein Neuseeländer: „Die Dinge, die Sie beschreiben, könnten sich inunseremlandauchabspielen. Ich stellte mir diese Situation vor und kam zu dem Schluß, daß ich dann bereit wäre, mit Jesus zu leiden, wie ich einst gelobt habe.“

Ein Schotte: „Die Art und Weise des Christentums, wie es im Roten Lager lebt, wäre in unserem Land sehr notwendig.“

Ein Inder schreibt: „Der Schluß, den ich aus der Botschaft über die Untergrundkirche ziehe: „Ich wünschte, ich hätte mehr für Christus gelitten.“

Ein Brief aus Nigeria: „Sie fragten mich nach dem schnellsten Weg, die kommunistische Gefahr in meinem Land zu bekämpfen. Die beste Waffe haben Sie geliefert: Die Beispiele der Helden der Märtyrerkirche.“

Ein Brief aus Nordirland: „Meine Gemeinde ist sehr irdisch gesinnt. Meine Schwester und ich verurteilen die oberflächlichen Gottesdienste mit den abgedroschenen Predigten, die sich immer wiederholen. Der Gesang in unserer Kirche ist so tot und leer, daß er eine Beleidigung für den Herrn sein muß. Jedoch beim Lesen von den Christen, die ins Gefängnis kommen, weil sie christliche Lieder gesungen haben und dieses Singen wie Nachtigallen sogar im Kerker fortsetzten, habe ich mich entschlossen, mein Christsein durch die Stärke und Führung Christi so zu ändern, daß die Kirche im Westen genau so Seelen gewinnen kann, wie die Untergrundkirche in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang.“

Ein fünfzehnjähriger Junge aus Kalifornien schreibt, daß er die Kinder in der Volksschule dazu gebracht hat, auf Naschwerk und Limonaden zu verzichten und das dadurch gesparte Geld für Bibeln nach Rußland zu spenden.

Ein Brief aus Deutschland: „Pastor Wurmbrand hat mich endlich aus meiner christlichen Lethargie herausgerissen. Es wird mir immer ein brennendes Anliegen sein, für Brüder in kommunistischen Ländern zu beten und finanziell das Meinige zu tun.“

Eine Schweizerin schreibt: „Pfarrer Wurmbrand predigt nicht gegen die Kommunisten, sondern gegen den Kommunismus. Eindrücklich ist die Treue zum Glauben, die Wurmbrand bewahrt hat und durch die er noch heute unter ständiger Lebensgefahr predigt. Wieviel wäre wohl bei uns noch davon übrig nach so grausamen Jahren?“

Leiter der Kirchen in der freien Welt nahmen unsere Botschaft mit Liebe auf und öffneten uns ihre Kathedralen, um dort den Hilfeschrei der Christen zu überbringen, die für Christus gefoltert werden.

Aber wir stießen auch auf Skeptizismus. Diese Skeptiker hatten nicht den Bericht gelesen, den ich auf geheimem Wege von einem Offizier der russischen Geheimpolizei bekommen hatte: „Ich lese alle Ihre Bücher und bin glücklich, daß diese Dinge erzählt werden. Ich weiß, daß Ihre Behauptungen von einigen Menschen bezweifelt werden. Diesen Leuten würde ich empfehlen, herzukommen und zehn Jahre unter meinem Kommando in einem Sowjetgefängnis zu verbringen. Dann würden sie die Wahrheit kennenlernen. Mein einziger Einwand gegen Ihr Buch ist der, daß Sie zu mild schreiben. Ich an Ihrer Stelle hätte gedonnert.“

Ich befinde mich im Büro einer leitenden Persönlichkeit des Weltkirchenrates.

„Ihre Bücher und Vorträge haben große Sensation hervorgerufen. Ich bin überzeugt, daß Sie glauben, was Sie schreiben, aber objektiv betrachtet, sind Ihre Behauptungen doch unrichtig. Es gibt keine Untergrundkirche. Ich habe unzählige Male Rußland, Rumänien und andere kommunistische Länder besucht und nirgends auch nur die geringste Spur einer Untergrundkirche bemerkt.“

Ich fragte: „Waren Sie auch in China und Korea?“ „Nein. Meine Reisen haben mich nicht so weit geführt. Aber bleiben wir bei Rußland und Rumänien.“

Das lehnte ich ab: „Nein, ich bleibe nicht hier stehen. Nehmen wir an, meine Behauptungen sind falsch und es gibt in der Sowjetunion und in den europäischen Satellitenstaaten keine Untergrundkirche. Sie haben damit doch nichts gewonnen. Jeder vierte Mensch ist ein Chinese. Es steht fest, daß in China alle Kirchen mit Ausnahme zweier geschlossen wurden. Laut Berichten wurden eine Million Katholiken getötet, proportionell dieselbe Anzahl Protestanten. Die Gefängnisse sind überfüllt. Die Christen üben dort ihre Religion ausschließlich im Untergrund unter Gefahren von Folter und Todesstrafe aus. Dasselbe gilt für Nordkorea und die Mongolei. „Nendor“, Organ der albanischen kommunistischen Partei, teilt in der November Nummer 1968 offiziell die Schließung aller Kirchen mit. Ich nannte Ihnen vier Länder, über welche es nicht zu diskutieren gibt. Dort kann die Kirche nur im Untergrund existieren. Sie leidet. Anstatt über Rußland zu debattieren, warum nicht besser Hilfe für die chinesische Märtyrerkirche organisieren?“

Er sagte entschieden: „Bleiben wir bei den europäischen Ländern.“ Ich begriff, daß ich nachgeben mußte, sonst wäre die Diskussion zu Ende gewesen. Er ist Bischof, ich nicht. Er mußte recht haben.

„Naive Menschen sind leicht zu beeindrucken. Und Sie haben die Gabe dazu. Aber ich bin auch nicht dumm. Ich habe mich sehr wohl umgesehen, als ich in Rußland war. Es existiert keine Untergrundkirche dort.“ Ich antwortete: „Ich bin jetzt fünf Jahre im Westen und habe mich sehr aufmerksam für alles interessiert und umgesehen. Ich habe aber noch nie einen Sowjetspion gesehen. Meinen Sie, es wäre richtig, wenn ich nun behaupten würde, daß es solche Spione nicht gibt? Menschen, die im Untergrund arbeiten, stellen sich selbst niemals als solche vor.“

Er ging in seinem Zimmer erregt auf und ab. Seine neuen Schuhe knarrten. Ich erinnerte mich, wie ich im Gefängnis ein Paar Schuhe mit einem ehemaligen General geteilt hatte. Jeden zweiten Tag bekam sie einer von uns, um damit im Hof zu exerzieren. Der Bischof hatte wahrscheinlich ein einziges Paar ganz abgetragene Schuhe gehabt und hatte daher jetzt ganz neue an. Der Bischof sprach: „Ein Vergleich ist kein Argument. Der Ausdruck „Untergrundkirche“ hat eine ganz bestimmte Bedeutung. Wir leben nicht in den Zeiten der Katakomben. Eine Untergrundkirche müßte geheime Seminare, Druckereien, geheime Gottesdienste, Sonntagsschulen usw. haben. Solche Dinge können nicht unbemerkt bleiben.“

Ich war gut vorbereitet zu ihm gekommen. Ich nahm aus meiner Tasche „Nauka i Religia“ (Wissenschaft und Religion), das berüchtigte kommunistische Magazin der Sowjetunion vom Mai 1966. Darin stand ein Artikel mit dem Titel „Podpole“ (Untergrund), in dem über eine Christin namens Elischa, die ein geheimes Seminar für junge Gläubige gegründet hatte, geschrieben wird. Das Seminar befindet sich tief in den sibirischen Wäldern, viele Meilen von den letzten Behausungen entfernt, weit weg vom letzten Dorf, nur durch Sumpf und Urwald erreichbar. Dort lag das Seminar, bestehend aus zwei Gebäuden, eines für Männer, eines für Frauen. Die Christen nennen das Seminar „Die Waldakademie“. Das atheistische Magazin übt Kritik am Sekretär der kommunistischen Jugendorganisation dieses Distriktes, der nicht die leiseste Ahnung vom Bestehen dieses Seminars hatte. Auch Christen wissen von seiner Existenz nur, wenn sie etwas mit der Schule direkt zu tun haben. Die Regeln der Konspirativität werden perfekt eingehalten.

Hier haben wir ein Zeichen einer regulären Untergrundkirche: „Geheime Seminare.“

Ich zeigte als Beweis für das Bestehen von Untergrunddruckereien ein Buch, geschrieben von dem sowjetischen Autor P. Sawkin. Es heißt: „Eine Begegnung im Verborgenen.“ Es endet mit der Schilderung einer Verhaftung von Christen, die eine solche Druckerei betrieben.

Dann zeigte ich eine russische Ausgabe des Neuen Testamentes, im Geheimen in der Sowjetunion gedruckt. Es gibt also vielmehr als eine geheime Druckerei. Sie haben eine geheime Bibelgesellschaft.

Mein Bruder, der gegen mich argumentierte, meinte nun: „Was Sie sagen, kann wahr sein, aber ist es doch nicht, wenn man die Dinge genauer betrachtet. Wir wissen, daß eine kleine baptistische Splittergruppe existiert, die diese Dinge tut. Kürzlich hat sich diese Gruppe aber mit der offiziellen Kirche wieder vereint. Es war eine kleine vorübergehende Angelegenheit. Sie haben diese Sache aufgebauscht.“

Ich antwortete: „Es tut mir leid, daß ich Ihnen widersprechen muß. Aus dem Dokument geht deutlich hervor, daß die Akademie im Wald orthodox ist. Laut Sawkins Buch wurden wegen der Druckerei der orthodoxe Priester Pletkow und einige orthodoxe Frauen verhaftet. „Anglican Digest“, eine der Zeitschriften der bischöflichen Kirche der Vereinigten Staaten schreibt, daß die orthodoxe Untergrundkirche in der Sowjetunion   und jetzt halten Sie sich fest   45 Millionen Mitglieder hat. Diese amerikanische Kirche arbeitet im Weltkirchenrat mit den offiziellen Kirchen Rußlands zusammen. Sie hätte also kein Interesse die Rolle der Untergrundkirche zu übertreiben.

In der Januar Nummer von „Headway“, Jahrgang 1968, ein Magazin, das keine großen Sympathien für Sekten hat, heißt es, daß die Anzahl der Untergrundbaptisten vier Millionen sei. Wenn Sie die Katholiken dazuzählen, die Pfingstler und andere Gruppen, zeigt es sich, daß jeder vierte Einwohner der Sowjetunion gewisse Beziehungen zu Untergrundkirchen hat. Es handelt sich nicht um eine kleine baptistische Splittergruppe.“

Ich nahm wieder eine Menge von Artikeln aus der Sowjetpresse aus meiner Tasche und wollte ihm Berichte über geheime Begegnungen und geheime Sonntagsschulen für Kinder zeigen. Aber er schien nicht wie ein Eiszapfen in der Sonne vor meinen Beweisen zu schmelzen.

Lenin hat einmal ähnlich gesagt: Wenn wichtige Interessen es verlangen, solle man ruhig abstreiten, daß zwei mal zwei vier ist, auch dann, wenn andere Menschen dies behaupten würden.

Ich erinnerte mich an die Hunderttausende von Briefen der Zustimmung. Menschen schrieben, daß sie, als sie den Hilfeschrei der Märtyrerkirche vernommen hatten, weinten, daß sie schlaflose Nächte gehabt hätten. Andere wollten ihre Ruhe haben. Sie wollten schlafen.

Der Bischof schüttelte mir die Hand und sagte: „Ich fühle mit Ihnen. Ich weiß, daß Sie viel gelitten haben. Deshalb sind Sie so aufgewühlt. Wir müssen nüchtern denken. Ein Mensch, der solche Leiden ertragen hat, kann nicht mehr objektiv sein. Die Tatsachen stimmen nicht mit Ihren Aussagen überein. Bei Ihnen ist alles Gefühl.“

Die Tür wurde bereits geöffnet. Der Sekretär kündigte den nächsten Besucher an. Als ich die Tür hinter mir zuzog, knarrte sie. Mein letzter Gedanke beim Weggehen war, sie bräuchten eine Ölspritze, um die Türangeln zu schmieren. Was für Gedanken gehen einem manchmal durch den Sinn!

 

Kapitel III
NUR BEWIESENE TATSACHEN

Die Episoden aus dem Leben der Untergrundkirche mögen schön und eindrucksvoll sein. Wir müssen jedoch zwischen schönen Legenden und einer eindrucksvollen Wirklichkeit unterscheiden. Für kurze Zeit möchte ich meine eigene Gefühlsregung ausschalten und nur Tatsachen nennen, die aus unzweifelhaften Quellen stammen. Ich kann sie nicht totschweigen und zwar nicht wegen der Umstände meines eigenen Schicksals, das mich in Konflikt mit dem Kommunismus brachte, sondern weil ich Jesus liebe. In Math. 24,31 steht geschrieben, daß seine Engel seine Auserwählten von den vier Winden sammeln werden. Wenn aber das Evangelium in der kommunistischen Welt nicht verkündet wird, werden die Engel die Auserwählten nur von drei Winden sammeln und das Wort des Herrn wird nicht in Erfüllung gehen.

Im Roten Lager wird die Kirche verfolgt. Sie braucht unsere Hilfe. Deshalb müssen die Tatsachen ihres Märtyrertums bekanntgemacht werden. Man unterrichtet in den Seminaren über verschiedene Kirchen, nicht aber über die Untergrundkirche, eine Kirche, die in einem Drittel der Welt existiert. Das muß aufhören. Ihr Bestehen, ihr Opfergang, ihr Sieg müssen bekanntgemacht werden.

„Sowjetskaia Moldawia“ vom 11. Juni 1968 schreibt unter dem Titel: „Es gibt keine offenkundigere und verwerflichere Lüge als die christliche Religion“ über eine geheime Zusammenkunft von Baptisten in Kischinew. Kinder überwachen die Straße, damit kein Fremder stört. Viele, die die Versammlung besuchen, sind jung. Der Schuldige ist Horew, der bereits einige Jahre im Gefängnis verbracht hat. Wie die Zeitung weiter ausführt, organisierte er solche Zusammenkünfte. Er verbreitete geheime religiöse Literatur. Ebenso schuldig ist der Christ S. Apostu, der geheime Gebetsversammlungen in den Wäldern organisierte.

Die „Prawda“ vom 19. August 1969 schreibt von einer baptistischen Untergrundkirche in der Stadt Mozdok. Die Gläubigen treffen sich in einer Wohnung, die aus zwei Schlafzimmern besteht. Diese sind überfüllt.

Die Zeitung behauptet, daß „die Menschen während des Gottesdienstes weinen.“ Das ist eines der charakteristischen Merkmale der Untergrundkirche. Ich kann mich nicht erinnern, je einen religiösen Dienst ohne Tränen miterlebt zu haben. Sie hören nicht die Predigten, sie erleben sie. Sie haben Teil am Leiden Christi, an den Leiden aller Menschen. Sie vergießen ihre Tränen für diejenigen im Westen, die die kostbare Gabe eines empfindsamen Herzens und die Fähigkeit, für diejenigen zu weinen, die verfolgt werden, verloren haben.

„Prawda“ (vergessen Sie bitte nicht, daß dieses Wort in russisch „Die Wahrheit“ bedeutet) beschreibt die heimliche Taufe von drei Gläubigen. Für die Taufe begeben sich die Christen nachts durch durikle Straßen, um keinem Menschen zu begegnen. Nun, warum sind sie eigentlich so verrückt und lassen sich heimlich taufen, wenn es in der Sowjetunion religiöse Freiheit gibt, wie immer wieder behauptet wird?

Derselbe Artikel in der „Prawda“ nennt die Tatsache, daß Christen auch Liebe gegenüber Feinden lehren, „Verrat“. Der Artikel schließt mit dem Bericht über die Verhaftung verschiedener Christen, unter welchen sich ein gewisser Tscherwiakow befindet. Er wird beschuldigt, eine Art Bibel Sommerschule für Kinder gegründet zu haben. Zwölf Buben und Mädchen wurden dort im Worte Gottes unterrichtet. Für dieses Verbrechen bestraft, arbeitet Tscherwiakow jetzt in eiskalten Wintern in einem Sklavenarbeitslager in Nordsibirien. Er steht bis zu den Knieen im Schnee.

In der französischen christlichen Zeitung „Tant qu’il fait jour“ vom November 1969 beschreibt ein dänischer Christ seine Teilnahme an einer Versammlung der Untergrundkirche irgendwo in der Sowjetunion. Er hatte die Adresse von einem Mitglied bekommen. Als es ihm gelungen war, eines Tages ungesehen aus dem Hotel zu gehen, begegnete er in den verhältnismäßig düsteren Außenbezirken einem jungen Mädchen, das ihn in schlechtem deutsch fragte, ob sie ihm helfen könne. Er nannte das vereinbarte Losungswort. Sie bat ihn, ihr zu folgen und ging in einiger Entfernung vor ihm her. Sie tat so, als ob sie ihn nicht kenne. Sie führte ihn in ein Haus, in dem sich junge Männer und Mädchen zwischen 18 und 25 Jahren aufhielten. Sie brauchen keine nervenreizenden Drogen, keine aufputschenden Mittel, um Mut zu fassen. Jesus auf seinem Weg zum Kreuz zu folgen und ihn trotz Verhaftungs  und Todesgefahr zu verehren, ist Reiz genug. Um nicht aufzufallen, erleuchtete nur eine Kerze den Raum. Anfangs sprach niemand ein Wort. Nach längerer Zeit in stillem Gebet, wurde flüsternd aus der Bibel vorgelesen. Dann verschwanden die Christen einer nach dem anderen, in unregelmäßigen Abständen in die Nacht. Aber für sie war die Nacht nicht dunkel. Sie waren das Licht im dunklen Rußland.

„Zaria Wostoka“, eine kaukasische kommunistische Zeitung, berichtet in ihrer März Nummer Jahrgang 1969 von der Verhaftung von Peter Restschuk und anderen, die in Suhum eine geheime Druckerei errichtet hatten.

Ich kann eine solche geheime Druckerei beschreiben, die ich selber gesehen habe. Stellen Sie sich eine kleine staatliche Warenhandlung vor. Lastwagen laden Material ab oder holen das Unverkaufte. Niemand würde bemerken, daß Papierballen abgeladen oder bedrucktes Material in Kartons aufgeladen werden. Im Keller des Hauses befindet sich ein Brunnen. Es liegt am Rande eines kleinen Städtchens. Im kommunistischen Lager findet man nicht überall fließendes Wasser. Ein Mann wird an einem Seil in den Brunnen hinuntergelassen. Auf einer Seite des Brunnens, gerade über dem Wasserspiegel, führt ein Tunnel zu einem kleinen Raum, in dem sich die geheime Druckerei befindet. Die Menschen, die dort arbeiten, haben nur wenig Luft. Sie müssen immer wieder hinaufsteigen, um Luft zu schnappen. Eine solche Druckerei wurde entdeckt. Andere setzen ihre Arbeit fort. Aber der „Herold des Heils“ erscheint seit vielen Jahren regelmäßig. Es ist die Untergrundzeitung der Baptisten in der Sowjetunion.

Es handelt sich nicht nur um Baptisten. Die Sowjetunion ist hauptsächlich orthodox. „Sowjetskaia Kirghizia“ vom 15. November 1969 schreibt über den orthodoxen Mönch Zosima, der schon einmal aus Glaubensgründen eingesperrt worden war. Nach seiner Freilassung errichtete er in seinem Wohnzimmer eine Kirche und betete dort die Liturgie. Die Kirche ist das Haus des Christen. So war es in den Zeiten des Neuen Testaments. Auch im Westen würde dies viel nützlicher sein, als die riesigen Gebäude, die es dort gibt und die nur zu oft menschenleer und geistlos sind.

Die Kommunisten berichten, daß die Christen von dem Mönch folgendes sagten: „Die Herrlichkeit Gottes strahle um ihn“, „Gott gab ihm eine Redegabe wie den Aposteln“, „er führte ein rechtschaffenes und untadeliges Leben.“

In dem Artikel wird der Ausdruck „Untergrundkirche“ gebraucht, und er ist der zutreffendste. „Untergrund“ ist ein anderer Ausdruck für „geheim“. Die Kirche des Mönchs Zosima war zweifellos geheim. Wer sie besuchen wollte, brauchte die Empfehlung einer vertrauten Person und mußte versprechen zu schweigen, genau wie bei der Akademie im Walde. Man konnte die Kirche von einer Straße betreten und von einer anderen verlassen. (Eine solche Kirche mit zwei Ausgängen rettete mir in der Nazizeit das Leben.)

Der Mönch Zosima riet den Christen, klug wie Schlangen und rechtschaffen wie Tauben zu sein und wenn sie gefragt werden sollten, wo sie gewesen seien, dies nicht zu verraten, sondern eine Ausrede bei der Hand zu haben.

Ich bin überzeugt, daß St. Dominik sich nicht geirrt hat, als er von einer heiligen Verstellung schrieb. Das bedeutet nicht, daß der Zweck die Mittel heiligt. Im Gegenteil, das Ziel, persönliche Vollkommenheit und Reinheit des Herzens zu wahren, rechtfertigt keinesfalls, daß schlechte Mittel für diesen Zweck gebraucht werden, und zwar, daß man die von den Kommunisten terrorisierte Weit ohne das Evangelium läßt, das man ihnen ohne Gebrauch von konspirationeller Technik nicht bringen kann. Moralisten werden dies Heuchelei nennen, aber sie vergessen, daß es unmoralisch ist, die Opfer der Tyrannei ohne die Kenntnis Christi zu lassen.

Zosima hatte auch eine geheime Werkstätte zur Herstellung von Kerzen. „Sowjetskaia Kirghizia“ schreibt, daß viele Menschen seine heimlich erzeugten Kerzen kauften. Dies zeigt, daß es Gebiete gibt, in denen keine andere Möglichkeit, Kerzen zu bekommen, vorhanden ist; Kerzen, die von unseren orthodoxen Brüdern als für den Gottesdienst unentbehrlich betrachtet werden. Die Zeitung berichtet nicht, was mit dem Mönch Zosima geschehen ist. Aber hunderte von Artikeln in der Sowjetpresse rechtfertigen die Annahme, daß er wieder im Gefängnis ist.

Mehr als dies. In der riesigen Sowjetunion gibt es einen ganzen Bezirk, der nur von Christen bewohnt wird, ein Gebiet, über das die Menschen im Westen nichts wissen. Die Welt erfuhr darüber zum ersten Mal aus kommunistischer Quelle und zwar aus der September Nummer von „Nauka i Religia“ Jahrgang 1968. Dort wird von einer großen Zahl von orthodoxen Altgläubigen berichtet. Sie leben in einem unzugänglichen Gebiet im weiten Norden Sibiriens. Diese Christen lehnen die bestehende Sowjetrealität ab, so wie die Protestanten vor Jahrhunderten die damals unterdrückende katholische Wirklichkeit ablehnten und nach Amerika flohen. „Nauka i Reilgia“ schreibt: „Sie sind eine geheimnisvolle, unglaubliche, neu entdeckte Welt. Frauen und Männer anerkennen die antichristliche Macht nicht, aber sie wollen einen gerechten Tod als einen Schritt vorwärts zum ewigen Leben.“

Die atheistische Zeitschrift bringt uns auch verschiedene Photos aus Sibirien, darunter eine Wiedergabe ihrer Bibel. Auf dem Bild sieht man in der Mitte ein ganz großes Loch, das von Ratten genagt wurde. Sie konnten diese Bibel nicht durch eine neue ersetzen.

Ich bin kein götzerischer Anbeter von Tatsachen. Jeder Mensch sieht, was er „Tatsachen“ nennt, in Übereinstimmung mit einem praeexistenten Bild, das ihm im Geiste vorschwebt. Es ist unmöglich, Tatsachen, unabhängig von Meinungen, die durch Betrachtung der Dinge aus verschiedenen Standpunkten entstehen, festzusetzen. Aber meine Gegner wollen Tatsachen. Hier haben sie sie.

 

Kapitel IV

RUSSLANDS GOLGATHA

Ziffern zeigen, daß während der kommunistischen Herrschaft mehr Menschen Verfolgungen erlitten haben, als jemals in der Geschichte. Im roten Lager sind es die Kinder Gottes in der Sowjetunion, die den längsten Leidensweg hinter sich haben.

Das Kriterium der Wahrhaftigkeit jedes Berichtes über die Lage der Religion in diesem Lande ist, ob die heutigen Märtyrer erwähnt werden oder nicht.

Als der israelische Außenminister Eban die Bundesrepublik Deutschland besuchte, begab er sich zuerst nach Dachau, an die Stelle, an der seine Volks  und Glaubensgenossen ermordet wurden. Sollten die Christen nicht von den Juden lernen, wie man sich benimmt?

Mir ist kein einziger Fall eines Kirchenführers bekannt, der bei seinem Besuch in Rußland oder in einem anderen kommunistischen Land einen Blumenstrauß am Grabe eines Märtyrers niedergelegt hätte, oder der jemals versucht hätte, Christen im Gefängnis zu besuchen. Aber „Bratskij Westnik“, das Organ der offiziellen Baptisten der Sowjetunion, berichtete, daß eine Delegation schwedischer Baptisten Prediger das Mausoleum Lenins besuchte, des Mörders von Millionen Christen, anstatt zum Grabe auch nur eines seiner Opfer zu gehen. Eban wäre in Deutschland nicht zum Grabe eines Nazikriegsverbrechers gegangen. Lehrt uns die christliche Religion nicht eine höhere Form von Solidarität gegenüber unschuldigen Opfern als die mosaische?

Was uns betrifft, schlagen unsere Herzen für die Märtyrer. Wir bemitleiden sie nicht. Ihre Fesseln sind aus reinem Gold. Ihr Kreuz verbreitet Wohlgeruch. Alle Menschen, die wache geistige Sinne haben, wissen es. Für Christen war das Gefängnis immer ein auserlesener Obstgarten, wo der süßeste Nektar floß.

Noch geben wir den Opfertaten der Märtyrer eine Ehre, die nur dem Kreuze Christi gebührt. Nur auf dieses Kreuz treffen die Worte von St. Johannes Christostomus zu:“ Das Kreuz ist der Wille des Vaters, die Ehre des Sohnes, die Freude des Heiligen Geistes, die Zierde der Engel, die Zuversicht der Treuen und der Ruhm des Paulus. Durch das Kreuz erkennen wir die Schwere der Sünde und die Größe von der Liebe Gottes zu den Menschen.“ Aber die genaue Kenntnis der Lage russischer Christen wird unseren Verstand und unser Herz stärken, und wird uns helfen, in die Fußstapfen Christ! zu treten.

Rußland! Sein Schriftsteller Tiutschew schrieb: „Man kann es mit dem Verstand nicht erfassen, man kann es mit keinem Maßstab messen. Es ist etwas Einmaliges. Man kann an Rußland nur glauben.“ Ich, für meine Person, tue es. Ich glaube, daß es einmal an den Füßen Christi seinen Frieden finden wird.

Wir lieben Rußland. Jesus stieg zur Hölle hinab, so versenken wir uns in Rußlands Hölle. Als Bruder Andrew, der Autor von „Gottes Schmuggler“, in Norwegen einen Appell an christliche Arbeiter richtete, daß sie sich Rußland widmen sollten, meldeten sich in einer Versammlung freiwillig 200 Menschen. Dasselbe geschieht jetzt überall in der freien Welt. Junge Christen nehmen die Gefahr des Gefängnisses auf sich, indem sie in Moskau auf öffentlichen Plätzen gegen die Verfolgungen protestieren. In der freien Welt gibt es jetzt unzählige Christen, die die Worte eines russischen Untergrunddichters, dessen Verse handgeschrieben von Hand zu Hand gehen, auf sich selbst beziehen können:

„Ich neige mich zum Kopfende Deines Bettes, Du Rußland,
und wasche Deine Tränen und Deinen Eiter mit meinem Blut.“

Die russischen Märtyrer stehen in ihrem Kampf nicht mehr allein. In den freien Ländern gibt es Millionen Menschen, die mit denen weinen, die in der Sowjetunion über die Schließung ihrer geliebten Gotteshäuser trauern.

Die „Prawda“ vom 18. April 1968 schreibt, daß es im Bezirk Wologodsk jetzt nur noch zehn Kirchen gibt, während es vor der kommunistischen Machtergreifung 800 waren. Geschah dies, weil die Christen aufgehört haben zu glauben? Die Antwort steht in demselben Artikel: „Die Sektenführer konnten ihren Einfluß vergrößern. Religion ist in unseren Tagen nicht gefahrlos. Sie liegt nicht in ihren letzten Atemzügen, wie manche glauben! Im Gegenteil, sie zeigt die Tendenz vorzudringen, anzugreifen.“

Es ist nicht ihre Schuld, daß sie aus dem Untergrund angreift. Sie wurde durch die Schließung der Kirchen in einer Zeit, in der sie ihren Einfluß ausweitete, in den Untergrund getrieben.

Am 8. April 1968 berichtete die „Prawda“ die Schließung von 210 Kirchen im Gebiet Odessa.

Wie steht es um die Kirchen, die offen bleiben durften? In Moskau, Leningrad und einigen anderen Städten, die von fremden Touristen besucht werden, scheint alles in Ordnung zu sein. Aber wie ist es in den kleineren Städten und Dörfern?

Aus einer geheimen Mitteilung der Untergrundkirche erfahren wir, daß am 10. April 1969 in Kopeisk eine Gruppe Atheisten, angeführt von einem Polizisten, ihren Gottesdienst gestört hat. Die Ruhestörer stellten Flaschen mit alkoholischen Getränken auf den Abendmahlstisch und fotografierten die Gläubigen als bei einem Gelage zechend.

Diese Bilder werden dann für die atheistische Propaganda verwendet.

Die Behauptung der Untergrundkirche ist durch offizielle Berichte bestätigt. In der Zeitschrift „Nauka i Religia“ vom November 1967 schreiben die Kommunisten, was sich in der offiziellen Baptistenkirche in der Stadt Batjatitsch ereignet hat. Der atheistische Dozent Biltschenko betrat am Sonntag die Kirche, schob den Prediger beiseite und hielt einen gotteslästernden Vortrag. Die Gläubigen, die zum Beten gekommen waren, mußten sich dieses gottlose Geschwätz anhören. Ausländer und Kirchenführer aus dem Westen sind nie anwesend, wenn sich in Kirchen solche Dinge abspielen.

Der Psalmist liebte das Haus Gottes. Jeder Christ liebt es. Wenn Du am nächsten Sonntag in Deiner bequemen Kirchenbank sitzst, denke an die in Warenhäuser, Museen, Fabriken und Tanzlokale umgebauten russischen Kirchen. Von den mehr als 50 000 bestehenden orthodoxen Kirchen vor der Revolution gibt es nur noch 7000.   Vergiß nicht die Kirchen, die dem Gespött ausgesetzt sind!

Der Tempel des Heiligen Geistes jedoch ist der Christ selber. Gegen ihn wird der große Kampf geführt.

Ein von 180 jungen Christen unterschriebener und an die Sowjetregierung und andere Behörden gerichteter Brief wurde aus der Sowjetunion herausgeschmuggelt. Er führt das Datum 13. Mai 1969 und protestiert gegen die Verhaftung einer großen Anzahl von Brüdern. Der Jüngste unter ihnen, E. Radosiawow, ist erst 19 Jahre alt. Der älteste christliche Gefangene ist Peter Popow, er ist 80 Jahre alt (das Alter des heiligen Polykarp, als er vor die Löwen geworfen wurde).

Als diese Gruppe von Baptisten verhaftet wurde, erzählte Direktor Malamud den Kindern in der Schule Nr. 61, daß die Baptisten verurteilt wurden, weil sie Gott ein Mädchen durch Kreuzigung geopfert hätten. Deshalb müssen Kinder und Eltern sich vor den Baptisten hüten.

Das war nicht die Phantasie nur eines Mannes. Das staatliche Verlagshaus von Leningrad veröffentlichte ein Buch mit dem Titel „Kinder und Religion“. Hier wiederholen die Kommunisten die bereits vor langer Zeit gegen die Juden verwendete alte Lüge, daß Christen den Ritualmord lehren und ausüben.

Um ihre Sünden zu sühnen, töten Christen angeblich ihre eigenen Kinder. Vor Jahrhunderten erfanden die römischen Christenverfolger diese Lüge. Jetzt ist sie von den Bolschewiken wieder ausgegraben worden, um Kindern Angst zu machen und sie davon abzuhalten, Christen zu werden.

Viele Christen werden heutzutage in der Sowjetunion unter der Beschuldigung des Ritualmordes verurteilt. Ein Beispiel: Im Jahre 1969 gab der Militär-Verlag in Moskau ein Buch von F. Dolgich und A. Kurantow mit dem Titel „Wir dürfen nicht vergessen“ heraus. In diesem Buch wird dem Pastor M. Kriwolapow aus dem Dorf Neftegorsk im Bezirk Karaganda nachgesagt, „daß er Gott den dreijährigen Sohn des Christen Oslowetz als unschuldiges Lamm geopfert hat.“ Angeblich tötete er das Kind in Anwesenheit der Mutter und aller Gläubigen. Keiner der Gläubigen versuchte, dieses schreckliche Verbrechen zu verhindern. Sie alle waren der Meinung, daß dies mit dem Willen des Heiligen Geistes geschah. Es wurde behauptet, daß das Kind während der Nacht im Wald begraben worden sei. Die junge Mutter starb vor Kummer. – Es ist überflüssig, zu sagen, daß diese aus sowjetischen Büchern gesammelten Tatsachen erfunden sind.

Wurden Kriwolapow und andere wie er bereits als Mörder hingerichtet oder befinden sie sich in der Todeszelle und warten auf den Tod?

Sogar wenn man ein Baptistenprediger mit Genehmigung des kommunistischen Mordregimes ist, ist man dennoch vor Verfolgung und jahrelanger Haft in Staatsgefängnissen nicht sicher.

„Sowjetskaja Moldawja“ vom 13.11.1969 schreibt über den Prozeß gegen einen solchen Pastor namens Slobodschlkow in Kischinew, Es war stadtbekannt, daß er den Leiter der Untergrundkirche Rudenko angezeigt hatte, der deshalb eine zehnjährige Gefängnisstrafe bekam. Rudenko starb an den Folterungen, die er durchstehen mußte.

Slobodschikow selbst dachte auf gutem Fuß mit den Kommunisten zu stehen und deshalb außer Gefahr zu sein. Er erlaubte sich darum, während einer Baptisten Hochzeit ein Mikrophon zu benutzen und (so heißt es in dem Artikel) „überführte sich selbst so der ärgsten Verbrechen.“ Während er mit den Kindern sprach, entschlüpften seinen Lippen einige Worte über Christus. Die Zeitung schreibt weiter, daß es besser gewesen wäre, die Kinder über den 12jährigen Knaben Paul Morozow, einen Sowjethelden, dessen Statue in einem Moskauer Park steht, zu lehren. Das Heldentum bestand darin, daß er seinen eigenen Vater anzeigte, weil dieser von einem ihm früher gehörigen und sich jetzt im Besitz einer Kolchose befindenden Feld, etwas Weizen genommen hatte. Der Vater wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Den Jungen aber lynchte die Bevölkerung.

Slobodschikow wurde nun zweier Verbrechen beschuldigt. Er hatte beim Predigen ein Mikrophon verwendet und, anstatt den Jungen zu loben, der seinen Vater ins Gefängnis gebracht hatte, sprach er schöne Worte über Christus, der seinen Eltern gegenüber gehorsam gewesen war. Deshalb bekam Siobodschikow eine zweijährige Gefängnisstrafe. Im Gefängnis wird er sich sicher an sein Opfer Rudenko erinnert und seinen Verrat bereut haben.

Die Weltpresse hat die Verhaftung der Orthodoxen Talantow und Krasnow Lewitin gemeldet. Die Anklage gegen sie bestand darin, daß sie gegen das Fehlen religiöser Freiheit in Rußland, gegen das Schließen von Kirchen und gegen das sinnlose Verbrennen von lkonen protestiert hatten. Man kann ein Heiligenbild verbrennen. Ein seinen Glauben kennender orthodoxer Gläubiger verbeugt sich nicht vor dem Bild. Für ihn ist das Bild durchsichtig. Durch das Bild hindurch  blickt er zur Heiligkeit Jesu, zur Reinheit Marias, zum Mut der Märtyrer, die darauf abgebildet sind. Wenn man Heiligenbilder verbrennt, verbrennt man gleichzeitig damit viele abergläubische Vorstellungen, die mit ihnen verbunden sind. Aber Feuer kann niemals diejenigen verbrennen, die darauf abgebildet sind. Genauso wenig kann man die Liebe zu diesen Heiligen aus den Herzen der Christen austreiben. Der Christ auf Erden ist eins mit Christus und mit den verherrlichten Heiligen im Himmel.

Das Schließen der Kirchen, Einkerkern der Christen,Wegnehmen von Kindern   das alles scheint den Kommunisten noch zu wenig zu sein. Aus einem Dokument der Untergrundkirche geht hervor, daß die hochbetagten orthodoxen Nonnen Morozowa, Gherasimtschuk und Korolenko im Kloster von Potschaev vergewaltigt worden seien.

Tomakowa wurde entjungfert und getötet. Der Schriftsteller Galanskow, der diese Nachricht in der geheimen Zeitschrift „Phönix“ (ein sagenhafter Vogel, der aus seiner eigenen Asche aufstieg und in den Katakomben als Symbol für den Heiland galt) veröffentlichte, wurde deshalb inhaftiert.

Das Moskauer Verlagshaus gab ein Buch mit dem Titel „Psychose und Religion“ heraus. Die Kommunisten behaupten darin, daß man Gläubige nicht mit Argumenten überzeugen kann, Christen müssen als geisteskrank betrachtet und in Nervenheilanstalten interniert werden. Wir haben jetzt Glaubensbrüder und  schwestern in Zwangsjacken und mit Knebel im Mund. Wir kennen die genaue Adresse in der Stadt Kalinin, wo sich diese psychiatrische Anstalt befindet, und in welcher man „Kranke“ heilt.

Alle Bekenntnisse werden verfolgt. Der Lutherische Weltbund hat vergessen, uns zu informierten. Wir mußten aus der Erzählung des Kommunisten M. Glinka „Dies geschieht immer seltener“ erfahren, daß die größte Lutherische Kirche in Leningrad in ein Schwimmbad verwandelt wurde.

Die Zeitung „Unirea“ vom Januar 1969 berichtet über die Verurteilung des katholischen Priesters Potochniak in Lwow zu fünf Jahren Schwerarbeit.

Wenn es keinen Gott gäbe, wäre der Brunnen der Lebenskraft der Kirche in der Sowjetunion unerklärlich. Die Kirche treibt Blüten trotz Verfolgung. Sie ist die am schnellsten wachsende Kirche Europas.

 

Kapitel V

WIEVIELE CHRISTEN SIND IN DER SOWJETUNION EINGESPERRT?

Die einzige richtige Antwort auf diese Frage ist, daß niemand es weiß.

„Free Trade Union News“, das Organ der amerikanischen Gewerkschaften, eine gesunde proletarische Quelle, schreibt in ihrer Ausgabe vom April 1968, daß in der Sowjetunion 56 Konzentrationslager festgestellt werden konnten. Die totale Anzahl der Gefangenen wird auf 1 150 000 geschätzt.

Wieviele von diesen leiden für ihren Glauben an Gott? Versuchen sie selber die richtige Zahl auf Grund der folgenden Angaben zu finden:

Am 8. Mai 1969 berichtet die „Prawda Wostoka“ über die Verurteilung von 8 Christen   Friesen, Schmidt, Walla und andere in der Stadt Angren. Sie erhielten zwischen zwei und fünf Jahren Gefängnisstrafen, weil sie auf drei Arten versucht hatten, böswillig Krankheiten in der Bevölkerung zu verbreiten: Und zwar durch heilige Kommunion aus ein und demselben Kelch, durch Taufe mehrerer im gleichen Becken und durch gegenseitige Begrüßung mit dem heiligen Kuß. (Die russischen Christen haben die biblische Gewohnheit, jedesmal wenn sie sich treffen, sich mit einem Kuß und mit den Worten „Der Friede Gottes sei mit dir“ zu begrüßen, anstatt mit dem nichtssagenden „Wie geht’s?“ der Christen im Westen. Diese Christen glauben an die Bibel. Kann mir jemand sagen, wo in der Bibel „Wie geht’s?“ steht? Hat der heilige Paulus seine Brüder so begrüßt?).

Nun, das ist sowjetische Justiz. Miteinander in ein Schwimmbassin zu steigen, verbreitet keine Krankheiten, mit anderen getauft zu werden, wohl. Unheilige Küsse sind immun. Nur heilige Küsse übertragen Mikroben. Wenn man den heiligen Kuß austauscht, kann das 5 Jahre Gefängnis einbringen.

Nur einen Monat später, am 12. Juni 1969, teilte dieselbe Zeitung die Verhaftung anderer fünfzehn Menschen wegen ihrer religiösen Überzeugung mit,   dies in derselben Stadt. Sie hatten das Verbrechen begangen, von Haus zu Haus zu gehen und Seelen zur Erlösung zu rufen. Unter den fünfzehn Menschen befindet sich ein gewisser Rabintschuk mit fünf Söhnen. Stellen Sie sich den Schmerz von Frau Rabintschuk vor. Sie verlor an einem Tag die gesamte Freude ihres Hauses.

So wurden während eines Monats dreiundzwanzig Menschen wegen ihres Glaubens in der einen Stadt Angren verurteilt. Dreiundzwanzig von denen wir wissen. Es könnten mehr sein. Wir haben keinen Grund zu glauben, daß der antichristliche Terror in Angren ärger ist als anderswo. In der Sowjetunion gibt es 5092 Städte. Wenn in einer Stadt dreiundzwanzig Menschen aus Glaubensgründen ins Gefängnis kommen, wie viele gefangene Christen muß es dann wohl geben? Wer weiß, was in den Dörfern geschieht, von denen wir nie etwas erfahren?

Es ist naiv, das Problem der gefangenen Christen in Rußland auf einige hundert Baptisten zu beschränken. Die eingesperrten Baptisten allein zählen mehr als das.

Die baptistische Untergrundkirche wird nicht zentral geleitet und hat keine Möglichkeit zu wissen, was auf dem weiten Gebiet der Sowjetunion geschieht. Es gibt mehrere geheime Gruppen von Baptisten, die unabhängig voneinander arbeiten.

Im Dezember 1969 teilte die Europäische Baptisten Union mit großer Freude mit, daß die „Initiativniki“, das ist die Untergrundkirche der Baptisten in der Sowjetunion, sich mit der offiziellen Kirche vereinigt hat. In demselben Monat jedoch, und zwar am 4. Dezember, teilte „Roter Stern“, das Organ der Roten Armee, die Verurteilung einer Gruppe von baptistischen Soldaten mit. Niemand weiß, wieviele zu welchen Strafen und unter welchen Beschuldigungen. Die Namen wurden nicht bekanntgegeben. Nur so viel wurde über sie gesagt, daß „die Baptisten eine böse Religion besitzen und kein Mitleid mit ihren Kindern haben. Sie töten ihre Kinder nur deshalb nicht, weil das Gesetz es verbietet.“ Im Januar 1970, nachdem für ausländische Delegationen eine Wiedervereinigung inszeniert wurde, ging die ganze Untergrundtätigkeit weiter, genau so wie die Hetze gegen sie in der Sowjetpresse.

Es müssen sich Tausende Baptisten in Gefängnissen befinden. „Kristeligt Dagbladet“, Kopenhagen, vom 4. März 1970 schätzt die Zahl auf 10 000.

In meinem Buch „Die Sowjetheiligen“ habe ich viele Beispiele von Verurteilungen von Pfingstlern gegeben. In meiner Aussage vor dem Parlament der Vereinigten Staaten gab ich die Namen von verfolgten Adventisten an. In Litauen unterschrieben im August 1969 vierzig katholische Priester einen Protest gegen die Verurteilung ihrer Kollegen M. Gylys und J. Sdepskis zu Zwangsarbeit. Frau Paskeviciute, eine Katholikin, die Kinder für die erste Kommunion vorbereitet hatte, wurde in ein Arbeitslager deportiert, wo sie an totaler Erschöpfung starb. Aber die große Masse von gefangenen Christen sind die Orthodoxen, die die Mehrheit der Sowjetbevölkerung ausmachen.

Laut Angabe ihrer Delegation auf dem Kongreß des Weltkirchenrates in Neu Delhi, hat die offizielle orthodoxe Kirche eine Mitgliederzahl von 50 Millionen. Die orthodoxe Untergrundkirche wird auf noch einmal 45 Millionen geschätzt. Und dann existieren noch die sogenannte „Wahre orthodoxe Kirche“ und die Altorthodoxen. Alle geben eine große Zahl von Gefangenen her. Manchmal lesen wir über sie in der Sowjetpresse. Andere Nachrichten bekommen wir aus der Untergrundliteratur. Die Namen der meisten dieser Märtyrer kennt jedoch nur Gott allein. Es gibt Gefangene vieler nur in der Sowjetunion bestehenden christlichen Sekten, wie zum Beispiel die Molokans, die Duhobortsi, die Murashewtzi und andere.

Die Untergrundkirche ist der mächtigste antikommunistische Faktor in der Sowjetunion. Sie ist auch der am besten organisierte Faktor. Wenn die Zahl von 1 150 000 gefangenen Menschen stimmt, bilden die religiösen Gegner, von den Kommunisten als „politische Kriminelle“ bezeichnet, einen großen Teil davon. Die Kommunisten behaupten immer wieder, daß die Religion ihr Feind Nr. 1 ist.

Wieviele Christen befinden sich in der Sowjetunion im Gefängnis? Niemand weiß es. Bedenke nur die Tatsache, daß in einer einzigen Stadt während eines einzigen Monats dreiundzwanzig Menschen für ihren Glauben verurteilt wurden. Die Sowjetunion hat 5 029 Städte und das Jahr hat 12 Monate. Vielleicht sollten wir trotz dieser traurigen Sachlage ein wenig lachen, auch wenn es ein bitteres Lachen ist.

„Moscow News“, die englischsprachige Zeitung, die in der Hauptstadt der Sowjetunion erscheint, schreibt am 25. Oktober 1969: „Alle religiösen Gemeinschaften in diesem Lande (Baptisten, Mennoniten, Methodisten, Adventisten, Pfingstler und sogar Jehovas Zeugen) haben das Recht, ihren Gottesdienst in Freiheit in eigens dafür zugewiesenen Häusern auszuüben.“ Die Zeitung erklärt nicht, daß diese „Häuser“ Gefängniszellen sind.

Michael Schidkow, eine der führenden Persönlichkeiten der offiziellen Baptisten Union der UDSSR, erklärte auf dem europäischen Baptistenkongreß in Wien im August 1969, daß niemand in seinem Land wegen seines Glaubens verfolgt wird. Michael Schidkows Vater saß viele Jahre in Sibirien, weil er es gewagt hat, gegen den Wunsch der kommunistischen Diktatoren an Christus zu glauben.

Kein einziger Delegierter widersprach Michael Schidkow.

 

Kapitel VI

DAS GEFÄNGNISREGIME

Wir könnten die Zustände in Sowjetgefängnissen an Hand von Berichten beschreiben, die die Untergrundkirche herausgeschmuggelt hat. Dies könnte aber als voreingenommen betrachtet werden. Deshalb möchte ich einem Kommunisten erlauben, die Sachlage zu schildern.

Unter Dubcek gab es in der Tschechoslowakei eine kurze Atempause. Man konnte ziemlich frei sprechen. In dieser Zeit erzählte ein gewisser Löbl, ein Alt-Kommunist, ehemaliger hoher Beamter im Außenhandelsministerium, wie er unter Novotny von seinen eigenen Kameraden gefoltert wurde. Das geschah, als die tschechische Geheimpolizei von russischen Spezialisten geführt wurde. Löbls Geschichte ist durch die Veröffentlichungen anderer Kommunisten, die die gleiche Feuerprobe durchgemacht haben, bestätigt (siehe Arthur Londons „Das Geständnis“ und das Buch von Frau Slansky über ihren von seinen eigenen Genossen gehängten Mann) und gibt uns ein Bild davon, was demnach auch unsere Brüder in den Sowjetgefängnissen erleiden. Sie verpflichtet uns, das Gebot: „Gedenket der Gebundenen als die Mitgebundenen“ (Hebr. 13,3) zu erfüllen.

Ich zitiere die tschechische kommunistische Zeitschrift „Reporter“ vom 15. Mai 1968. Löbl schreibt, daß er während des Verhörs, das täglich durchschnittlich 16 Stunden dauerte, nicht sitzen durfte. Er mußte 16 Stunden lang stehen oder gehen, tagein, tagaus. Die ganze Zeit quälte ihn der Hunger. Nach 14 Tagen waren seine Füße aufgeschwollen. Jeder Muskel seines Körpers zuckte bei der geringsten Berührung. Manchmal mußte er einen Tag lang mit dem Gesicht zur Wand gekehrt stehen. Selbst in der Toilette gab es keine Sitzgelegenheit.

Löbl stand unter Drogen. Ebenso ich. Ebenso Christen in den Gefängnissen der Sowjetunion. „Manchmal schien es, als ob jemand versuchte, seine Hand in mein Hirn zu drücken. Es war das ähnliche Gefühl, das jemand nach einer Lachgasverabreichung hat.“ Von anderen Gefangenen, die das Gefängnishospital reinigen mußten, hörte ich, daß sie mit Rauschgiften gefüllte Flaschen gefunden hatten. Diese wurden in die Suppe der Gefangenen geschüttet.

„Zusätzlich zu den gewohnten Schlägen gab es Duschen mit eiskaltem Wasser, Quetschen der Genitalien oder es wurde der Kopf des Opfers in ein feuchtes Tuch gesteckt, und wenn dieses Tuch langsam trocknete, zog es sich zusammen und verursachte unerträgliche Schmerzen … Ich war kein Mensch mehr.“

Während dieser kurzen Zwischenperiode in der Tschechoslowakei erfuhren wir, was ununterbrochen im Sowjetlager geschieht, aber unerwähnt bleibt. Die tschechische kommunistische Zeitung „Kulturny Zhivot“ vom 31. Mai 1968 schreibt: „Die Kirche in ihrer Gesamtheit war seit 1950 eingekerkert … In den Gefängnissen schossen die Aufseher von den Wachtürmen in die Zellen, Hunde ohne Maulkorb wurden in das Gefängnisspital gebracht. Die Insassen wurden mit Pferdepeitschen auf den Kopf geschlagen und mit Wasserschläuchen angespritzt. Die Untersuchungsrichter brüllten: „Wir erkennen keinerlei Humanismus an.“ Einige, z. B. Hermanovsky, ein junger Mann, wurde während dieser Folter wahnsinnig. In einem der Transporte befand sich der 75jährige Bischof Vojtassak. Sie zogen ihn nackt aus und ließen ihn stundenlang auf steinernem Fußboden stehen.

Als er die Kniebeugen nicht mehr fortsetzen konnte, schrien sie ihn an: „Mache weiter bis du Blut spuckst, du . . .“

Zu dieser Zeit reiste der ehemalige Theologieprofessor Hromadka, ein Tscheche, im Auftrag des Weltkirchenrates in alle Kontinente und sprach über die religiöse Freiheit.

Lies nicht nur die Geschichte dieser Folterungen, sondern stelle Dir vor, daß Du selber gefoltert wirst. Denn in Wahrheit bist Du es. Alle Christen sind ein Herz und eine Seele. Sie bilden den mystischen Leib Jesu Christi. Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit ihm. Niemals soll jemand sagen: „Ich kümmere mich nicht darum. Es betrifft nicht mich, es sind die Zähne oder der Magen, die schmerzen.“ Man müßte vielmehr sagen: „Ich habe Schmerzen“ und alle Glieder würden mithelfen, die Schmerzen zu lindern.

Mit einem starren Blick in seinen Augen, mit einem vor Sorge grau gewordenen Antlitz warnte mich eine führende Persönlichkeit der deutschen lutherischen Kirche: „Solche Sachen soll man nicht schreiben, es wird alles nur ärger machen.“ Meine Hände begannen zu beben, und ich sagte mit erhobener Stimme:

„Vor vielen Jahrhunderten würden sich Chinesen geweigert haben, einen ertrinkenden Mann zu retten, aus Angst die Wassergötter herauszufordern. Eine solche Mentalität ist im 20. Jahrhundert veraltet. Krokodile fressen Menschen, nicht, weil Zoologen über deren Freßgier geschrieben haben, sondern weil es ihr Instinkt ist. Die russischen Kommunisten begannen mit den Verfolgungen der Christen, als ich neun Jahre alt war. Sie werden damit fortfahren, und ihre Unbarmherzigkeit wird noch zunehmen, weil das ihre Lehre ist, und nicht, weil ich gegen diesen Terror protestiere und Hilfe für die Verfolgten organisiere.“

 

Kapitel VII

ROT – CHINA

Ein geistreicher Mensch hat ausgerechnet, daß, wenn man das ganze chinesische Volk mit der Schnelligkeit einer Person pro Sekunde an sich vorbeiziehen lassen würde, mehr als zwanzig Jahre vergingen, ehe das letzte Glied der Prozession vorbei wäre. Aber unter dieser gigantischen und sich stets vermehrenden Menge gäbe es nur sehr wenige Christen.

Sogar vor der kommunistischen Machtübernahme gab es in China auf 475 Einwohner nur einen Christen. Wir müssen uns der quantitativen Unbedeutendheit der Missionsarbeit bewußt sein. Zehn Prozent der Weltbevölkerung spricht englisch. Sie verfügt über neunzig Prozent der Prediger und Pastoren. Nur zehn Prozent der Prediger arbeitet unter den neunzig Prozent, die unglücklicherweise zu den nicht englischsprechenden Menschen gehören. Soweit mir bekannt ist, bilden Norwegen und Nordirland Ausnahmen. Die missionarischen Bemühungen der Kirchen in anderen westlichen Ländern sind gering. Von dem unermeßlichen Einkommen der Kirchen Amerikas wird nur 6 Prozent für karitative und missionarische Zwecke verwendet. Wir haben nicht den großen Auftrag erfüllt „Gehet hin und lehret alle Völker.“

In China waren die Christen immer eine kleine Minderheit.

Und jetzt haben die Christen den Angriff einer neuen Religion „Die Mao Anbetung“ abzuwehren. Kreuz und quer durch China entstanden riesige Mao-Statuen. Millionen Menschen wurden durch die Methode einer bis ins Letzte perfektionierten Gehirnwäsche mesmerisiert. Einige der christlichen Lehrer Chinas hatten sich vorher streng an das Evangelium gehalten. Nie erwähnten sie die kommunistische Gefahr, denn dies hätte dazu führen können, in die Politik verwickelt zu werden. Aber, wenn kommunistische Politiker in den rellgiösen Bereich eindringen und dort ihr Gift verbreiten oder mit der Verfolgung der Kinder Gottes beginnen, wird uns die Politik aufgezwungen. Es darf und kann ihr dann nicht ausgewichen werden. Wer glaubt, daß man Religion und Politik trennen kann, hat weder von Religion noch von Politik eine Ahnung.

Schlage die Stellen in der Bibel nach, die politische Zusammenhänge aufweisen. Du wirst finden, daß diese 70 Prozent der Schrift ausmachen. Die Bildung einer Nation, die Befreiung von Sklaven, genaue Gesetze für das staatliche Leben, Regierung von Richtern und Königen, Propheten, die ihre Gedanken über große Mächte und Völker, welche die Juden umgeben, ausdrücken: „Gib Cäsar“, „Sei der Obrigkeit untertan“, aber auch die Beschreibung dieser Behörden als wilde Bestien wie bei Daniel und in der Offenbarung, alle diese und viele andere Stellen in der Bibel sind politisch.

Christen müssen der Politik gegenüber Stellung beziehen, aber ohne sie durch persönlichen Ehrgeiz und ungerechtfertigte nationale Ambitionen zu beschmutzen.

Jedenfalls waren die chinesischen Christen auf diesen Angriff nicht vorbereitet. Als die Kommunisten China unter ihre Gewalt brachten, waren sie in Rußland bereits 30 Jahre an der Macht. In den chinesischen Kirchen und Seminaren war über die Erfahrungen und Arbeitsmethoden der Untergrundkirche nichts unterrichtet worden. Beispiele russischer Märtyrer waren ihnen unbekannt.

Auf dem unter kommunistischer Herrschaft stehenden chinesischen Festland läuten keine Glocken mehr. Alle Kirchen, außer zwei fraglichen, sind geschlossen und entweiht. An den Wänden steht geschrieben „Hängt Gott!“, die gleiche Losung, die Rotgardisten bei ihren Märschen brüllen.

Ein Augenzeuge, der nach Hongkong floh, erzählte von der Steinigung eines christlichen Mädchens in einem kommunistischen Zwangsarbeitslager. An Händen und Füßen gefesselt, mußte sie inmitten eines Kreises von Menschen knien, die den Befehl hatten, sie zu steinigen. Wer sich weigerte mitzumachen, wurde erschossen. Der Augenzeuge erzählte auch, daß sie mit einem strahlenden Gesicht, wie der heilige Stephanus, starb. Einer von denen, die das mitangesehen hatten, wurde durch dieses Mädchen, das ihr Zeugnis mit Blut besiegelte, gläubig.

Fünf Studenten sangen christliche Lieder beim Ausheben von tiefen Gräbern, in die sie dann hineingestoßen und lebendig begraben wurden.

Die Zeitung „Vart Land“ vom 11.2.1969 berichtet, daß im Distrikt Swatow ein Pastor mit einer Narrenkappe auf dem Kopf durch die Straßen getrieben wurde. Die Kappe war voll Spott Inschriften. Getreue Pastoren führte man mit kahlgeschorenen Köpfen in Umzügen herum, dem Gespött ausgesetzt. Aber diese Pastoren sammeln dennoch ihre Herde in kleinen Gruppen, meistens nicht größer als vier bis zehn Personen.

Christen mußten in den Straßen niederknien. Dann wurden sie angespuckt. Einigen wurden die Haare so abgeschnitten, daß nur ein kreuzförmiger Haarrest zum Zeichen, daß sie Christen sind, übrigblieb.

Die genauesten Beschreibungen von Folterungen gegen Christen haben wir von ihren russischen Genossen, mit denen sie zeitweilig im Streit sind, bekommen. Ein Dieb, den ich im Gefängnis kennenlernte, hatte sehr hohe moralische Prinzipien. Er erzählte mir einmal, daß er entschieden jeden Diebstahl verurteile und als unethisch betrachte, wenn er nicht von ihm selber verübt wurde. Genau so denken die russischen Kommunisten. Sie beanspruchen für sich das Monopol des Folterns von Unschuldigen in der ganzen Welt. Laut „Literaturnaja Gazeta“, einer Moskauer Zeitschrift (zitiert in Russkaja Jizn vom 18. Juni 1969), werden die chinesischen Kommunisten wegen Grausamkeit, die sie aber in der Sowjetunion gelernt haben, angeklagt.

Bei einer Folter, die „Kleine Kritik“ genannt wird, muß das Opfer mit einer Narrenkappe und einer Tafel auf seiner Brust, auf der die gegen ihn erhobene Beschuldigung steht, durch die Straße marschieren. Dies wird drei Tage lang hintereinander fortgesetzt. Nach diesen Strafmärschen wird das Opfer zur schmutzigsten und schwersten Arbeit gezwungen. Man gibt ihm nur einmal am Tag zu essen. Bevor man ihm das Essen gibt, muß er sich neunzig Mal vor dem Bild Maos verbeugen.

Wenn es nicht gelingt, das Opfer durch diese Behandlung umzuerziehen, folgt die „Große Kritik“. Mit auf den Rücken gebundenen Händen muß es zwei Monate lang täglich einer Versammlung beiwohnen. In dieser Versammlung wird die Sünde, nicht an Mao zu glauben, angeprangert. Dann wird es grausam geschlagen und bespuckt. Nach jeder Versammlung muß der Mensch ehrfurchtsvoll die neunzig Beugungen vor dem Bild Maos machen.

Die dritte Foltermethode heißt „Flugzeug“. Auf die Schultern des Opfers wird ein Stab gelegt. Die Hände, die nach hinten gebunden sind, werden zu dem Stab hinaufgestreckt, bis sie aus den Gelenken springen. In dieser Lage muß sich das Opfer 180 mal vor dem einen, der über allen Göttern erhaben steht, beugen.

Während der Folter, die „Goldene Waage“, genannt, wird auf die Schultern des Schuldigen ein schweres Brett gelegt. Auf jede Seite des Brettes legen die roten Bewacher drei Ziegelsteine. Mit dieser Last auf den Schultern muß er zwei Stunden lang vor dem Bildnis Maos in „Habt Acht” Stellung stehen.

Alle zwanzig Minuten wird auf jeder Seite ein Ziegelstein dazugelegt. Zum Schluß hat er achtzehn Steine zu tragen. Wehe ihm, wenn sie herunterfallen. Wenn er seine Beine oder Knie auch nur ein wenig bewegt, fängt die ganze Tortur von vorne an.

Eine andere Qual besteht darin, daß die Häupter der Christen kahlgeschoren und mit heißer Asche bestreut werden. So müssen sie vor der geheiligten lkone Maos in „Habt Acht“ Stellung stehen. Sie dürfen sich nicht bewegen.

Ein Christ ertrug alle diese Erniedrigungen, aber er weigerte sich nachzugeben. In seinem Innersten wiederholte er immerfort: „Für mich ist eines ganz sicher, es gibt einen Gott. Sonst weiß ich nichts.“ (Er hatte nie von der „Gott ist tot“ Theologie gehört.) Unablässig wiederholte er: „Macht mit mir, was Ihr wollt, ich werde meinen Glauben nicht verleugnen.“ Mutiger Sung Fu. Wir wissen nichts über sein Ende.

Christen wurden aufgefordert, ihre Bibeln und religiösen Bücher abzugeben, damit sie öffentlich verbrannt werden. Einige wußten instinktiv, andere hatten in der Kirchengeschichte gelesen, daß, wenn in den ersten Jahrhunderten ein Christ den Verfolgern seine Bibel übergab, er für immer aus der Kirche ausgeschlossen wurde.

Christus ist das Wort des lebendigen Vaters. Ebenso die Heilige Schrift. Sie herzugeben, damit sie verbrannt wird, ist gleich Christus auszuliefern, damit er getötet wird. Es gab Christen, die sich dem gebührenden Respekt vor dem Worte Gottes bewußt waren. Sie versteckten die Bibel.

„Asian News Report“ berichtet in ihrer März Nummer 1968: „In Kanton wurde eine Christin, die ihre Bibel in einem Polster versteckt hatte, von den Roten Gardisten der gemeinsten Erniedrigung unterworfen. Man zog sie nackt aus, beschmierte sie mit Honig und zwang sie, stundenlang so in der Sonne zu stehen.“

Bibelsendungen aus dem Ausland wurden mit dem Vermerk zurückgeschickt, daß sich deren Inhalt „gegen Gesetz und Moral der Volksrepublik China“ richte.

Eine Bibel zu besitzen, bedeutet, sich in tödlicher Gefahr zu befinden. Ein Bruder, der aus dem Westen geschickt worden war um zu helfen, wurde von einem chinesischen Christen in dessen Zimmer mitgenommen. Um sicher zu sein, daß niemand von draußen etwas sehen konnte, schloß er die Fensterläden. Er entfernte dann einige Bretter aus dem Fußboden und nahm eine Bibel und ein Liederbuch heraus. So oft er sicher war, unbeobachtet zu sein, holte er sie, um daraus zu lesen.

In dem bekannten Buch „Rot oder tot“ des deutschen Christen Rittling wird behauptet, daß die Rote Garde Menschen mit rot glühenden Feuerhaken gefoltert hat. Es gab Fälle von Kreuzigungen. Derselbe Bericht besagt auch, daß Kommunisten sich manchmal lieber einsperren lassen, als mit den Folterungen der Christen fortzufahren. Einer von ihnen wurde belauscht als er sagte, „wenn wir den Christen die Zunge abschneiden und ihnen das Sprechen verbieten, dann lieben sie mit ihren Händen, mit ihren Füßen und Augen, sie lieben überall und immer bis zum letzten Atemzug. Weiß denn niemand, wie man die Kraft zur Liebe bei diesen dummen Christen abtöten kann? Weiß denn niemand, wie man an ihren Christus Hand anlegen kann?“

 

Kapitel VIII

DIE CHRISTLICHE KIRCHE UM MITTERNACHT

In Hongkong erzählte ein Flüchtling: In einer christlichen Zelle einer zu Schwerarbeit verurteilten Kommune traf man sich jeden Morgen vor Arbeitsbeginn in einem Kellergeschoß. War das nicht möglich, dann zitierten sie leise, während sie in der Frühe in Gruppen zu zweit zur Arbeit gingen, Teile aus der Heiligen Schrift unter dem Vorwand, sich zu unterhalten. Wie gut ist es, Vorrat aus dem Worte Gottes im Herzen zu haben.

Diese kleine Zelle wurde von den Kommunisten entdeckt. Der Flüchtling und sein Freund wurden ins Gefängnis gebracht. Der Freund starb dort.

Chinesische Gefängnisse sind der Hölle ähnlich: Schmutzig, feucht, kalt und voller Ungeziefer. Es wird angenommen, daß heutzutage etwa 40 000 Protestanten eingekerkert sind. Die Anzahl der Katholiken muß höher sein.

Aber die schmutzigen Zellen sind ein Schauplatz für Episoden von himmlischer Schönheit.

In einer Zelle zitterten zwei Christen vor Kälte. Jeder hatte nur eine dünne Decke. Der eine Christ bemerkte, wie der andere zitterte und es kam ihm der Gedanke, „wenn das Christus wäre, würdest du ihm deine Decke geben?“ Natürlich würde er es tun. Und sofort breitete er die Decke über seinen Bruder. Am nächsten Tag wurden zusätzlich Decken verteilt.

Gefangene Christen erleiden Gehirnwäsche. Während sie im Gefängnishof hocken, werden sie regelmäßig von kommunistischen Lektoren besucht.

Als ein Kommunist versuchte, einen Christen von seiner Anschauung zu überzeugen, schrieb dieser in chinesischen Buchstaben das Wort „Gerechtigkeit“ in den Sand. Chinesische Buchstaben werden gezeichnet, nicht geschrieben. Die Zeichnung für das Wort „Gerechtigkeit“ zeigt ein Lamm über dem persönlichen Fürwort „ich“. Der Christ fragte den Kommunisten: „Können Sie mir sagen, was dieses Zeichen bedeutet?“ Er antwortete: „Gerechtigkeit.“ Dann zeigte der Christ auf das Lamm über dem „ich“ und zitierte aus dem Neuen Testament: „Siehe das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“, das Lamm Gottes, das das sündenbeladene Ich bedeckt. Der kommunistische Lektor ging schweigend weg. Vielleicht kam er selbst aus einer christlichen Familie.

Zwei Christen wurden zu Folter und Tod geführt.

„Es ist aus“, sagte der eine mit einem Seufzer. Sein Bruder antwortete: „Nein, als Jesus litt, sprach er nicht so. Seine Worte lauteten, Es ist vollbracht..“

Durch sein Kreuz erlöste Jesus die Menschheit. Um Seelen zum Heil zu bringen, welches der Erlöser uns zur Verfügung stellte, müssen andere bereit sein, Kreuze zu tragen. Wenn Wasserstrahlen in ihre Nasenlöcher gespritzt, Holzstücke zwischen ihre Knöchel gepreßt werden, sie mit Elektroschocks behandelt und sogar gekreuzigt werden, dann nehmen unsere chinesischen Brüder und Schwestern Anteil an den Leiden Christi.

Nicht nur die Helden des Glaubens leiden. Chinas Kirche hat nicht nur gläubige, sie hat auch verräterische Führer. Kein Wunder. Die erste Gruppe der Apostel besaß auch einen Judas. Diese Verräter haben von Anfang an darin mit den Kommunisten zusammengearbeitet, die Gläubigen vom rechten Weg abzubringen und 278 000 Gläubige dazu bewogen, das kommunistische Manifest zu unterschreiben.

Die Kommunisten schätzen den Verrat, aber nicht den Verräter. Wenn die Roten sie ausgenützt haben, bringen sie die Verräter ins Gefängnis, zusammen mit den gläubigen Christen, die sie angezeigt haben. Dort in ihrer schmutzigen Zelle haben sie Zeit nachzudenken. Was ist besser, der Kompromiß mit den Tyrannen oder die Reinheit der Seele?

Aus Angst, in einem Augenblick der Schwäche Geheimnisse der Untergrundkirche preizugeben, verübten viele Pastoren Selbstmord. Wir wissen auch von christlichen Laien, die dasselbe taten. Andere wurden wahnsinnig, wie zum Beispiel der Priester Beda Zang, der ununterbrochen vor sich hersprach: „Zang Beda, 47 Jahre alt, Zang Beda, 47 Jahre alt ..“ Er konnte nicht mehr schlafen bis er starb.

Es sagte mir jemand: „Ich konnte Ihre Bücher nicht bis zu Ende lesen. Sie bereiten mir schlaflose Nächte.“ Genau das ist es, was ich erreichen wollte.

Ich möchte, daß Du ein Leidensgefährte derer wirst, die nicht mehr schlafen können. Ich kannte einen Gefangenen, den die Kommunisten 25 Tage und Nächte nicht schlafen ließen.

Vor der kommunistischen Machtergreifung hatte China 6 000 Missionare. Jetzt gibt es keinen einzigen mehr. Manche Missionsstellen schmieden große Pläne für den Fall, daß sich die Tore Chinas vielleicht öffnen würden. Nein, ich bin dafür, die Tore aufzubrechen. Wir können nicht zulassen, daß Millionen Chinesen ohne Kenntnis über Christus sterben in der Hoffnung, daß es vielleicht in der nächsten Generation anders kommen wird.

Gott riß den Vorhang des Tempels in Jerusalem entzwei. Warum nicht den Bambusvorhang zerreißen? Warum nicht heimlich in Rotchina mit der Bibel eindringen, dafür Gefängnis oder Tod riskieren? Die große Zahl der Missionare, die in China während des Boxeraufstandes starben, und die Märtyrer der kommunistischen Periode, die jetzt verherrlichte Heilige im Himmel sind, fordern uns auf, ihrem Beispiele zu folgen.

 

Kapitel IX

RUMÄNIEN: EIN LIBERALES KOMMUNISTISCHES LAND

Vor mir saß ein ganzes Komitee von leitenden Persönlichkeiten der Kirchen. „Ihr Fehler, Herr Wurm¬brand“, sagte einer von ihnen, „ist es, daß Sie die Dinge übertreiben. Sie werfen alle Kommunisten in einen Topf. Ich gebe zu, daß die Zustände in Rotchina sehr schlecht sind“. Was Großes haben nun die Christen Chinas von dieser leitenden Persönlichkeit bekommen: Das Zugeständnis der Folterungen, die sie nun einmal ertragen müssen. Und welche reiche Kirche mein Diskussionspartner vertrat! „In Rußland könnten die Dinge auch besser sein. Aber eben komme ich aus Rumänien zurück. Die große Freiheit dort können Sie nicht abstreiten“.

Zufrieden mit sich selbst, blickt er um sich auf die anderen Kollegen. Dann streckt er seine Hand in meine Richtung: „Wollen Sie dies bestreiten?“ Es gibt Hände von denen eine Kraft ausstrahlt; von dieser Hand nicht.

Über die Lage in Rumänien scheinen die Meinungen einmütig zu sein. Der Papst, der Weltkirchenrat, die Bibelgesellschaft, der Lutherische Weltbund, die Baptistische Allianz   was für eine Einheit in der Gesinnung! Im Lob über die Religionsfreiheit unter dem rumänischen Kommunismus stimmen sogar leitende Pfingstler mit dem Papst überein.

Sie alle besitzen eine Tugend, die ich nicht habe, die Bereitschaft, das ihnen Gesagte leicht zu glauben. Man kann ihnen sogar einreden, daß Gänse Schwäne sind.

Im Januar 1968 empfing der Papst den Ministerpräsidenten und den Außenminister Rumäniens Manescu. Die rumänischen Kommunisten hatten ungefähr 1200 griechisch katholische Kirchen gestohlen und sie den ihnen hörigen Orthodoxen gegeben. Nach dem Besuch erhielten die Katholiken das Gestohlene nicht zurück. Alle griechisch katholischen Bischöfe bis auf einen starben im Gefängnis. „Unirea“ vom Juni 1969 meldet, daß Priester und Laien der griechisch katholischen Kirche Rumäniens zusammengerechnet zu 5 000 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt wurden. Alle ihre Schulen und Wohltätigkeitsinstitutionen sind konfisziert worden. Der Papst schüttelte Hände mit den Mördern seiner Herde.

Ein Bischof aus dem Westen, der Rumänien besucht hatte, veröffentlichte darüber in seinem Diözesenblatt einen Bericht. In ihm erscheint das Wort „Nachtmahl“ sechsmal, das Wort „Mittagessen“ fünfmal und das Wort „Frühstück“ einmal. Das Wort „Märtyrer“ erscheint überhaupt nicht. Seine Kollegen waren gemartert worden und jetzt saß der Bischof aus dem Westen mit ihrem Henker Dogaru an einem Tisch und lobte das gute Essen. Fremde Bischöfe essen in Rumänien wirklich gut.

In Rumänien erscheinen religiöse und patriotische Zeitungen, die einen Fehler haben: In Rumänien kennt sie kein Mensch. Sie sind ausschließlich für Ausländer da. Wenn jemand dies nicht glaubt, soll er an einem Zeitungsklosk in Bukarest nach „Glasul patriei“ (Stimme des Vaterlandes) fragen. Er wird das Blatt nicht bekommen. Aber im Westen kann man es überall sehr leicht beziehen und sich so überzeugen, was für gute Zeitschriften in Rumänien erscheinen.

In einer Ausgabe lobt der Priester Staniloaie die religiöse Freiheit in Rumänien. Fünf Jahre lang war er mit mir zusammen im Gefängnis. Er schreibt unter Zwang.

Ich wurde unterbrochen. Der eine, der es tat, ein kleiner kahler Mann mit hellblauen Augen sagte mir mit Aufrichtigkeit: „In der Vergangenheit sind schreckliche Dinge passiert, aber Ceauschescu hat das geändert.“

Ich antwortete: „Und wo sind T. Dumitrache, Jorgu Stavar, Elena Sincai? Sie wurden Weihnachten 1968 unter der Beschuldigung verhaftet, auf der Straße für religiöse Freiheit demonstriert zu haben. Seitdem sind sie verschollen. Es gibt Berichte, daß sie dem grausamen Gefängnisregime erlegen sind.“ („Bire“ 1. Dezember 1969). Der orthodoxe Priester Felea, die Äbtissin Neamtu, die katholischen Priester Deliman, Koracsony, Demedzin, Benöcz, der Adventist Boian, die Pfingstier Alecu Jacob und Jerneu sind im Gefängnis.

Die Kommunisten Rumäniens lügen genau so wie die anderen. Sie haben amerikanische Baptisten und Pfingstler um Dollars gebeten, mit denen sie Kirchen bauen wollten. Aber wozu Dollars dafür geben? Zwei Drittel der rumänischen Baptisten , Pfingstler , Brüder- und Adventisten Kirchen wurden verboten und die Gebäude werden für andere Zwecke verwendet. Warum werden diese Kirchen nicht zurückgegeben?

Das Ziel der Kommunisten Rumäniens ist das gleiche aller Leninisten der Welt: Die Vernichtung der Religion. „Romania“ vom 5. Juni 1969 schrieb, daß Mihai Gere, einer der kommunistischen Parteisekretäre, in einer Versammlung des Nationalverbandes der Pioniere (kommunist. Kinderorganisation) sagte, daß die politische Erziehung der Pioniere fehlerhaft war, da zu wenig Nachdruck auf die atheistische und antireligiöse Bildung gelegt wurde.

Ist Rumänien ein Land mit religiöser Freiheit? Die Bibelgesellschaft ist verboten. Gleichfalls der C.V.J.M., die Heilsarmee (dort heißt sie „Die Armee des Herrn“), die Kirche der Nazarener und viele andere Organisationen.

Niemand darf ohne Erlaubnis der Regierung Prediger einer freien Gemeinde sein. Diese Erlaubnis wird nur gegeben, wenn die Kommunisten sicher sind, daß man predigt, was sie wünschen. Die Glaubenstaufe muß von einem Bevollmächtigten der Regierung erlaubt werden. Ein Durchschnitt von 25 Prozent der beantragten Taufen wird gestattet. So entstand die Praxis der geheimen Taufe, die während der Dunkelheit gespendet wird. Diejenigen, die dabei erwischt werden, werden verurteilt.

Im Januar 1970 erreichte uns die Nachricht von der Verurteilung der baptistischen Diakone – Gheorghe Potoc aus dem Dorfe Leasa, Lupei Vasile aus Bontesti, Popa Ioan aus Sic und Florea aus Suseni – weil sie geheim getauft hatten.

Um andere vor der Gefahr der Verhaftung zu schützen, greifen Christen oft zur Selbsttaufe. Sie gehen allein zu einem Fluß, und nachdem sie die Worte: „Ich taufe mich selbst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ sprechen, tauchen sie in das Wasser.

165 Pastoren der Baptisten wurde die Erlaubnis zu predigen entzogen. Die Anzahl der orthodoxen Klöster wurde von 182 auf 47 vermindert, die Anzahl der Mönche und Nonnen von 6097 auf etwa 2000. Es gibt in Rumänien 800 griechisch katholische Priester, die ihren Beruf nicht ausüben dürfen, weil sie sich nicht den kommunistischen Regeln unterwerfen.

 

Kapitel X

DIE ABSOLUTE FOLTER

Eine Regierung ist nicht nur für das zu verurteilen, was sie im Augenblick tut. Wir müssen auch das berücksichtigen, womit das Regime herumexperimentiert und welche seine künftigen Absichten sind. Die Regierung der Sowjetunion führt keinen Krieg, aber sie experimentiert mit Wasserstoffbomben und Raketen. Andere Regierungen tun das auch.

Ebenso muß jeder, der die religiöse Lage in Rumänien beurteilen will, sich daran erinnern, daß unter anderen Ceauschescu, Maurer, Manescu und Bodnarasch Mitglieder dieser Regierung oder des Zentralkomitees der Partei sind.

Dieselben Leute waren an der Macht, als Rumänien das Experimentierfeld für die vollkommene Folterung, welche die Willenskraft bricht, war.

Die große Neuerung russischer und chinesischer Kommunisten war die Anwendung der von Pawlow erfundenen Technik der Gehirnwäsche, um Gefangene umzuerziehen. Die Resultate waren erstaunlich. Bedenke die große Anzahl amerikanischer Gefangener aus dem Koreakrieg, die Mitarbeiter der Kommunisten geworden sind! Denke an die Bolschewiken, wie Zinowjew, Kamenow und Bucharin, die Verbrechen, die sie garnicht begangen hatten, bekannt haben und die leidenschaftlich um ihr Todesurteil flehten. Denke an Kardinal Mindzenty, der zugab, Spion und Devisenschmuggler gewesen zu sein.

Aber Pawlow’s Methode, die in vielen Versuchen mit Hunden ausprobiert wurde, war nicht vollkommen, weil Menschen nicht wie Hunde reagieren. Bei Menschen kann man bedingte Reflexe hervorrufen, aber man wird bei Bildung solcher Reflexe auf Widerstand stoßen. Ich wurde fast drei Jahre lang der Gehirnwäsche unterzogen, aber mein Hirn blieb in dem Zustand, den die Kommunisten als schmutzig bezeichnen würden.

Die Gehirnwäsche kann man mit Herzwäsche bekämpfen. Während die Person, die die Gehirnwäsche durchführt, ohne Überzeugung von dem spricht, wozu man sie beauftragt hat, kann man in sich selbst ohne die Lippen zu rühren, ununterbrochen einen gewissen kurzen Satz in entgegengesetzter Richtung wiederholen. Zum Beispiel: Als die Gehirnwäscher sagten: „Das Christentum ist tot“, „Das Christentum ist tot“, wiederholte ich in mir selbst fortwährend: „Christus lebt“, „Christus lebt“, „Christus lebt“.

Aber Rumänien ist das Mutterland einer Art von Folter geworden, die jede Willenskraft brechen konnte.

Christen konnten das Schlagen auf die Genitallen, Fesselung zum stundenlangen Stehen auf Zehenspitzen, das Aufziehen des Körpers mit nach hinten gebundenen Händen und Füßen, das Einklemmen der Finger zwischen einer Tür, die dann zugeschlagen wurde usw. ertragen, wenn ihnen dies von den kommunistischen Gegnern angetan wurde.

Die rumänischen Kommunisten erfanden die Foltermethode von Christen und Patrioten aber durch eigene Mitgefangene. Ein kommunistischer Offizier unterbrach die Folter nach einigen Stunden. Mit den Mitgefangenen jedoch ist man Tag und Nacht in derselben Zelle; diese Folter endet nie. Zweitens, von einem Kommunisten erwartet man nichts anderes als Schlechtigkeit. Aber es ist schrecklich, mit einem Christen zusammen zu sein, mit dem man früher zur Kommunion gegangen war oder mit dem man in einer patriotischen Organisation zusammengearbeitet hatte, der sich jetzt daran ergötzte, einen auf raffi¬nierteste Weise zu quälen. Er wurde mit dem Versprechen bestochen, daß man ihn entlassen werde, er wurde bedroht oder zuerst selbst gefoltert. Die Raffiniertheit der Grausamkeit bestand darin, daß die durch die Roten bestochenen Christen zuerst mit dir beten mußten, mit dir, der du ahnungslos warst, daß sie kommunistische Werkzeuge geworden waren. Oder sie mußten mit dir über die Bibel sprechen und bei einem gewissen Zeichen sich auf dich stürzen und dich einer schrecklichen Folterprobe unterziehen.

Als ich aus Rumänien herauskam, verhielt ich mich reserviert. Ich erzählte nicht alles, was in den rumänischen Gefängnissen passiert war. Ich hatte keine Zeugen, die meine Behauptungen bestätigen konnten. Sie wären unglaublich erschienen. Deshalb schwieg ich über viele Leiden. Jetzt habe ich Zeugen.

D. Bacu und Ion Cirja, ehemalige Mitgefangene, haben Bücher über die perfekte kommunistische Folterung in unserem Land veröffentlicht. Leider sind diese Bücher nur in rumänisch erhältlich.

Ich zitiere aus „Piteschti“, aus dem Buch von Herrn Bacu. Piteschti ist der Name einer rumänischen Stadt mit einem berüchtigten Gefängnis. Der ursprüngliche Name der Stadt kommt vom slawischen Wort Pitka und bedeutet Folterung. Welche Vorbestimmung liegt manchmal in einem Namen! Die Dinge, die er beschreibt, sind genauso in anderen Gefängnissen geschehen. Diese Folterungen wurden nicht von Kommunisten ausgeführt (obwohl unter kommunistischer Aufsicht), sondern Christen folterten Christen, Patrioten folterten Patrioten.

„Wir mußten Fußböden scheuern, während zwei oder drei Mitgefangene auf uns ritten … Wir wurden gezwungen, wie Schweine zu essen. Wir mußten niederknien, mit nach hinten geketteten Händen und so heiße Suppe aus der Schüssel schlürfen. Abends wurde Brot vor uns hingeworfen, und wir mußten es in derselben Stellung essen, wobei nur vom Mund Gebrauch gemacht werden konnte. Der letzte Krümel mußte mit den Lippen oder mit der Zunge vom Boden gesammelt werden. Den ganzen Tag mußte man auf der Bettkante mit ausgestreckten Füßen sitzen, die Hände auf den Knien, gerade aufgerichtet, mit den Augen vor sich hinschauend, ohne die geringste Bewegung. Nach 16 Stunden einer solchen Tortur durfte man schlafen, aber nur auf dem Rücken liegend, das Gesicht nach oben, den Körper total ausgestreckt, mit den Händen über der Decke. Wenn man seine Lage änderte, wurde man vom Bewacher mit einem Stock geschlagen.

Sechs Gefangene wurden aufeinandergelegt. Unter dem Druck dieser Last versagten die Unterleibsmuskeln des Untersten. Er tat in der Zelle, was man ihm verboten hatte, in der Toilette zu tun. Er wurde gezwungen, seine Unterhose mit der Zunge zu reinigen. Anfänglich weigerte er sich. Seine Finger wurden zwischen zwei Holzstücke geklemmt und dann … Der Student A. O. wurde gezwungen, seine Notdurft in seiner Schüssel zu verrichten. In derselben Schüssel bekam er dann seine Mahlzeit und mußte sie essen. Der Student N. V., der es nicht fertig brachte, seine Adern durchzuschneiden, steckte seinen Kopf in einen Eimer mit heißem Essen und wollte so sterben. Er starb nicht. (Christen, die versuchen sich umzubringen! Was für ein wunderbarer Stoff für moralische Entrüstung in der freien Welt). Manche versuchten, ihre Adern mit den Zähnen aufzureißen.

Es war verboten, den Gefangenen auf die Schläfen zu schlagen, auf die Herzgegend, auf das Genick, überall dort, wo der Tod unmittelbar eintreten konnte. Sie wollten nicht den physischen Tod herbeiführen … Sie machten ein teuflisches Experiment: Den Tod der Seele, sie durch bedingte Reflexe ersetzend, zu verursachen.

Zu Ostern kleideten sie einen Gefangenen in Tücher. Er mußte die Rolle von Jesus Christus spielen. Sie machten das Abbild eines Geschlechtsorganes aus Seife, das ein Theologiestudent, der die Rolle Christi spielte, auf seiner Brust anstatt eines Kreuzes zur Schau tragen mußte. Er mußte durch das Zimmer gehen, wobei er mit Stöcken geschlagen wurde   der Weg nach Golgatha. Andere Christen wurden gezwungen, sich vor ihm zu verbeugen, das nachgebildete Geschlechtsorgan zu küssen und zu sagen: „Ich neige mich vor deiner Allmächtigkeit.“ Es gab nur einen, der sich weigerte, bei dieser Gotteslästerung mitzumachen. Man hat ihn stundenlang gefoltert.

In meinem Buche „Gottes Untergrund“ erzählte ich, was mit einem armenisch katholischen Priester geschah, der gezwungen wurde, die Heilige Messe über Exkremente und Urin zu lesen. Ich wollte damals absichtlich nicht alles sagen, aber jetzt, wo es von anderen erzählt wurde, kann ich hinzufügen: Diejenigen, die ihn dazu zwangen, waren abgefallene Mitchristen, die vorher bei ihm gebeichtet und mit ihm gebetet hatten, die gelehrt wurden, ihre Rolle vollkommen zu spielen. Er vertraute in sie als seine Herde. Sie folterten ihn, bis er halb wahnsinnig wurde und alles tat, was sie befahlen. Darf ich hinzufügen, daß er, als er aus dem Gefängnis entlassen worden war, seine Sünde einem anderen Priester beichtete. Dies wurde der Hierarchie mitgeteilt mit dem Resultat, daß er exkommuniziert wurde. Ich bin der Meinung, daß die Kirchenführer im Westen, die keinen Finger ausgestreckt haben, um uns zu helfen, an seiner Stelle hätten exkommuniziert werden sollen.

Ich habe einen adventistischen Bauern gekannt, dem langsam und mit Unterbrechungen alle Zehen von seinen Mitchristen abgeschnitten worden waren. Diese Tortur dauerte wochenlang. Die Folterer nahmen sich Zeit.

Später hatten einige dieser abgefallenen Christen schrecklich unter Gewissensnot zu leiden. Mein ehemaliger Mitgefangener Ion Cirja erzählte von einem, der sich selbst mit dem Kopf bis an die Schultern hinunter in eine Tonne mit Notdurft steckte. Mit dem Schmutz an seinem Gesicht schrie er: „Reinigt mich nicht. Ich will so bleiben. Was an meinem Gesicht klebt, ist nichts. Meine Seele ist schmutziger.“ Er hatte seine Glaubensbrüder zu Tode gefoltert. Ich werde Euch nicht sagen, wie weit ich ging, um mich in die Lage dieser armen wertvollen Seele zu versetzen, die, obwohl von Christus geliebt, doch vom rechten Wege abgekommen war. Aber ich konnte mich mit ihm identifizieren, seinen Schmutz fühlen, als ob er mein eigener wäre, seine Schuld war wie meine, ich konnte ihm die Versicherung geben, daß ich um nichts besser war als er. Das war es, was Christus tat, als er unsere Schuld auf sich nahm.

Es ist wesentlich, die Sünden anderer auf sich zu nehmen.

Christus sagte zu seinen Gegnern: „Auf daß über euch komme all das gerechte Blut, das auf Erden vergossen wurde, anfangend mit dem Blut des gerechten Abel . . .“ (Matth. 23,35). Sicher: An einem Verbrechen sind die Pharisäer nicht schuldig. Sie hatten keinen Anteil am Tode Abels. Es gab zu jener Zeit weder Juden noch Pharisäer. Wie kann Jesus sie für das Blut Abels verantwortlich machen? Warum sagt Jesus in derselben Predigt: „Jerusalem, Jerusalern, die du tötest die Propheten . . .“ (Matth. 23,37). Nirgends in der Bibel steht geschrieben, daß irgendein Prophet in Jerusalem getötet wurde. Auch in der profanen Geschichtsschreibung ist davon keine Rede.

Es liegt ein tieferer Sinn darin. Wer nicht lernt, die Schuld anderer Mitmenschen, auch solcher, die ihm völlig fremd sind und solcher, die vorigen Generationen angehörten, als seine eigene Schuld zu betrachten, wird niemals imstande sein, wirklich die Gerechtigkeit eines anderen zu erfassen.

Wenn ich es nicht lerne, mich selbst in jedem anderen Menschen zu sehen, wenn ich mich selbst nicht mit Kain, dem Mörder von vor tausenden Jahren, zu identifizieren vermag und meine Hände mit dem von ihm vergossenen Blut befleckt sehe, wie kann ich dann wirklich begreifen, daß Jesus mein wahres Ich ist, und daß sein Opfer, das vor langer Zeit gebracht wurde, meine Gerechtigkeit ist? Wie werde ich diese ldentifizierung mit Christus lernen?

Es muß die tägliche Praxis von Christen sein, daß sie immer und überall, wo sie Sünde und Verbrechen begegnen, diese als ihre eigenen betrachten.

Ich war imstande, diesem Manne, als er sich beruhigte, zu zeigen, daß Christus sich selbst mit Kot beschmiert hat, daß er es zuließ, wie Schmutz verworfen zu werden, um sogar das Verbrechen der Folterung von Mitchristen zu sühnen. Wie wunderbar wird es sein, im Himmel denjenigen Menschen als einen schön gekleideten Engel zu sehen, der den verrückten Impuls spürte, sich in Exkremente zu stürzen.

Aber täuschen wir uns nicht. Fälle solcher Reue und die seelische Heilung von Christen, die bis zum Äußersten gegangen waren, im Dienste der Atheisten ihre Brüder in Christo zu foltern, sind äußerst selten gewesen. In 99 Prozent dieser Fälle sind deren Herzen für immer versteinert. Wer weiß, ob es nicht einen Punkt gibt, von dem aus keine Umkehr mehr möglich ist?

Lies das Buch „Psychopolitik“ von Lawrentij Berija, dem ehemaligen Innenminister der Sowjetunion und Du wirst sehen, wie wissenschaftlich die Kommunisten das alles ausgedacht haben.

Lenin verbrachte ganze Nächte mit Prof. Pawlow, um zu lernen, wie seine Experimente über Bildung von bedingten Reflexen bei Hunden auf Menschen übertragen werden könnten. Sie können übertragen werden. Menschen können – genau wie Hunde – zu dem gebracht werden, was man in der Reflexologie „Das ultra-paradoxe Benehmen“ nennt, das ist z. B. die Hand der Person zu lecken, die Dich schlägt und die Hand dessen zu beißen, der Dich füttert.

Man braucht dazu eine nervöse Erschöpfung des Opfers, die durch Schlaflosigkeit, Hunger, Demütigungen, raffinierte Folterungen, langen Aufenthalt in Dunkelhaft oder grelles Licht etc. herbeigeführt wird. Beim Menschen muß noch eine Sache hinzugefügt werden, um vollkommene Resultate zu erzielen. Die Greueltaten müssen dem Opfer von solchen Personen zugefügt werden, die dass Opfer am meisten liebt und denen es am meisten vertraut.

Die Menschen, die Pawlow und die auf seinen Theorien basierende Sowjetpolitik nicht kennen oderselbst erlitten haben, werden von den Kommunisten immer leicht betrogen werden können. Metropolit Manuel Lemeschewski aus Rußland verbrachte 27 Jahre im Gefängnis. Danach brach er zusammen. Er wurde Mitglied der von den Sowjets kontrollierten orthodoxen Kirche, deren Aufgabe es ist, dem Regime zu dienen und zu schmeicheln, das ihm so grauenhafte Leiden auferlegte.

Msgr. Augustin, das reale Oberhaupt der römischkatholischen Kirche Rumäniens, war auch in Gefängnissen gewesen. Ich traf ihn dort. Seine Liebe und Treue strahlte bis zu einem bestimmten Moment. Dann brach er zusammen. Die Kommunisten können sich nun ganz auf ihn verlassen.

Es ist interessant, zu beobachten, mit welchem Vertrauen rumänische Kommunisten orthodoxe Priester, die früher mit mir eingesperrt waren, die geschlagen und mit Elektroschocks gequält wurden, in die Vereinigten Staaten, Frankreich und nach Rom geschickt haben, um dort für sie Propaganda zu betreiben. Sie reisen jetzt um die Welt und preisen die Freiheiten unter dem Kommunismus. Sie erfüllen ihren Auftrag fehlerlos. Dank des Pawlow’schen Systems wurden sie zu Neurotikern mit ultra-paradoxem Benehmen. Ihre Reaktion auf die Folter ist nicht Abscheu, sondern Unterwerfung.

Denen, die sie gequält haben, sind sie treu ergeben. In einem gewissen Stadium schrecken Menschen, die im Gefängnis gezwungen werden, Urin zu trinken, nicht mehr davor zurück, nein, sie betteln bei Nacht: „Gebt uns mehr Urin!“ Ein rumänischer orthodoxer Priester, namens Anania, der sehr viel in kommunistischen Gefängnissen gelitten hat, befindet sich jetzt in den Vereinigten Staaten und verhält sich gegenüber dem von den Roten kontrollierten Patriarchat loyal.

Das alles gehört in die Welt der Verrücktheit, aber es ist eine wissenschaftlich erzeugte und bewährte Verrücktheit.

Bei einem westlichen Kirchenleiter befindet sich ein russischer oder rumänischer Baptistenprediger oder orthodoxer Bischof. Es wurde ihm versichert, daß dieser Mann viele Jahre Gefängnishaft hinter sich hat. Wie kann man einen Mann aus dem Westen überzeugen, daß der Mensch vor ihm kein echter Christ, sondern ein Lakei des Kommunismus geworden ist? Zu allererst müßte er Reflexologie und kommunistische Psychopolitik studieren. Aber wann hat der westliche Kirchenleiter Kommunismus studiert? Auf welchen Seminaren wird man über Kommunismus von diesem Gesichtspunkt aus belehrt? Nirgends! Obwohl die Kommunisten ein Drittel der Welt beherrschen! Wem sollten wir erzählen, daß junge Männer, die zu Offizieren der Geheimpolizei ausgebildet werden, in obszöner Weise das Bild der Heiligen Jungfrau entweihen müssen? Es macht sie zu unbarmherzigen Folterern der Christen.

Mir wurde gesagt, daß niemals ein Verlag im Westen solche Grausamkeiten veröffentlichen, und daß die Menschen im Westen sie auch nicht lesen würden. Dann werden wir diese Informationen handgeschrieben verbreiten, wie auch die Bibel in Rußland handgeschrieben zirkuliert. Die Christen der freien Welt müssen all diese Dinge bis ins letzte Detail wissen, denn es könnte ihr künftiges Los sein. Weder meine Worte noch meine Gedanken werde ich zensieren, um dadurch zu erreichen, daß sie veröffentlicht werden.

Von Hunderten von Gefangenen in Piteschti, einige wegen ihrer christlichen Überzeugung, andere aus patriotischen Gründen verhaftet, gelang es dreien, Selbstmord zu verüben. Zwei Gefangene bewahrten ihren Glauben unbefleckt. Alle anderen verleugneten ihren Glauben, gaben Geheimnisse preis, zeigten sogar ihre Eltern an oder wurden zu Folterern anderer Gefangener. Der Versuch war gelungen.

Ceaucescu, Kossygin, Tito und Ulbricht wissen nun, wie man es macht. Es gab Experimente mit Nuklearkraft. Heutzutage sammeln die Großmächte nur noch nukleare Bomben. Sie werden in der Absicht gesammelt, sie in Zukunft zu verwenden. Dasselbe geschah hier. Ein schreckliches Experiment ohne Beispiel in der Geschichte des Folterwesens wurde in Rumänien gestartet. Es wurde nicht allein vom ehemaligen Premierminister Gheorgiu Dej, der bereits gestorben ist, gemacht. Ceaucescu, Maurer, Manescu und der Rest der Bande arbeiteten mit ihm zusammen. Die Methode wurde auch nach Rotchina exportiert. Heutzutage möchten die rumänischen Kommunisten mit dem Westen Geschäfte abwickeln. Sie möchten Anleihen und deshalb benehmen sie sich vorübergehend anständig. Aber ihr Charakter ist derselbe geblieben. Sie haben das, was sie verbrochen haben, nie bereut. Sie haben den Leninismus nie aufgegeben. Ihr Ziel ist noch immer die Ausrottung der Religion. Und in dem Augenblick, in dem sie es für nützlich betrachten, werden die rumänischen und an¬dere Kommunisten wieder mit den sicheren Methoden von Piteschti beginnen.

Was nun die Liberalisierung Rumäniens betrifft, ist es wichtiger, zu wissen, was die Rumänen und nicht was zufällige Besucher denken, die die echte Wirklichkeit nicht kennen. Ich möchte die Lage durch einen Witz schildern, der in Rumänien verbreitet ist: Ein Tourist fragt einen Taxichauffeur: „Sind Sie frei?“

Er antwortet: „Nein, mein Herr, ich bin ein Rumäne.“

Ein zweiter Witz. Ceauscescu besucht eine Einrichtung für Irrsinnige. Man hat die Insassen instruiert, „Hurra“ zu rufen und Ceaucescu war sehr zufrieden, aber er hatte bemerkt, daß einer unter ihnen ihm nicht Beifall zollte. Er fragte den Mann warum. Der Mann antwortete: „Genosse Ceaucescu, ich bin nicht verrückt, ich bin Arzt.“

 

Kapitel XII

DIE VERFOLGUNG DER CHRISTEN IN AFRIKA

Als ich die Bücher“Gefoltert für Christus“ und „Die Sowjetheiligen“ schrieb, gab es noch so etwas wie einen Eisernen Vorhang und einen Bambusvorhang. Seitdem aber haben diese zu existieren aufgehört. Der Kommunismus beginnt nicht irgendwo an der Berliner Mauer und endet in Nordkorea. Mehrere Länder in Afrika, wie Sansibar, Kongo-Brazzaville, Guinea sind kommunistisch geworden. Auf Ceylon, im Irak und auf Island sind Kommunisten Regierungsmitglieder geworden. In vielen Teilen Afrikas führen die Kommunisten einen Guerillakrieg. In Moskau und Peking ausgebildete arabische Guerillas kämpfen in dem Glauben, daß sie dies für ihre nationale Sache tun. Aber Kommunisten sind nicht so selbstlos, daß sie Guerillas für etwas ausbilden, das nicht ihren, sondern anderen Idealen dient. Die Roten haben auch in Laos und Kambodscha große Fortschritte gemacht.

Es tut mir leid, daß ich aus Platzmangel nicht mehr über andere europäische und asiatische kommunistische Länder schreiben kann, aber einige Worte über Afrika.

Hammer und Hacke befinden sich jetzt in der Flagge von Kongo-Brazzaville (die Sichel ist hier unbekannt). Bei der ersten großen Massenversammlung in Brazzaville wurde die „Internationale“ gesungen, als ob sie die nationale Hymne wäre. Die Christen erinnern sich noch an die Greueltaten der Sambiers, die erst vor einigen Jahren eine große Zahl von Missionaren und christlichen Eingeborenen getötet haben. Jetzt regieren die Mörder den Staat.

Denken wir an einige der Verbrechen, die von denen begangen wurden, die heute diesen Teil des Kongo regieren: Sie öffneten den Brustkasten von lebendigen Menschen, rissen das Herz heraus und aßen es auf. Sie schnitten die Ohren und Genitalien von christlichen Eingeborenen ab und zwangen sie, nachher ihre eigenen Organe zu essen. Sie öffneten mit Gewalt den Mund von Christen und gossen Benzin in den Bauch, danach schlitzten sie den Bauch auf und zündeten das Benzin an. (Aus dem Buch von Pater Werenfried van Straaten: „Wo Gott weint“.) Die Leute, die diese Verbrechen begangen haben, sind in China, Rußland und Kuba ausgebildete Guerillas. Sie haben die Macht im Staate erobert. Man schaudert, wenn man bedenkt, was den Christen dort jetzt bevorsteht.

Es wäre vor allem für amerikanische Christen wichtig zu bedenken, daß in den Vereinigten Staaten der Kommunismus nur in der Form von Macht der Schwarzen zur Macht kommen kann, und daß solche schrecklichen Greuel dann den amerikanischen Christen bevorstünden.

Der Premierminister von Uganda erklärte: „Wir wollen nach links gehen“, was heutzutage bedeutet: Wir werden eine Politik verfolgen, die in letzter Konsequenz zur Ausrottung der Christen führt.

Odinga in Kenia gab die Zustimmung, daß sein Haus zu einem Treffpunkt für extrem linksgerichtete Anhänger, für kommunistische Diplomaten und für alle diejenigen wurde, die den Sieg des Roten Sterns herbeiwünschen. Kommunistische Freunde gaben Odinga Geld, um Studenten auf Universitäten in kommunistischen Ländern zu senden. Ein von ihm vorbereiteter Putsch konnte im letzten Augenblick von Kenjatta verhindert werden, wie dies auch in Lesotho mit einem anderen von den Kommunisten bestochenen Abenteurer geschah.

70 Tonnen atheistische Literatur werden jeden Monat aus Rotchina nach Afrika gebracht. Aber es sind nicht nur die Gedanken Maos, die gebraucht werden, um das Volk zu locken. Die Kommunisten fangen die Jugend in Süd Afrika mit Sex Demonstrationen, gemeinsamen schwarz weißen Nacktparties, wie es sich neulich in einem Prozeß gezeigt hat.

In den portugiesischen Territorien, Nambuanfongo und Luvo, haben kommunistische Guerillas, die in China, Kuba und der Sowjetunion ausgebildet wurden, Christen und Nichtchristen, die es wagten, sich zu widersetzen, auf langen Brettern festgebunden und sie dann in rotierende Sägen gesteckt, wie Baumstämme. Einer der Verbrecher, der später diese Grausamkeiten einem Reporter der Pariser Zeitung „Le Monde“ beschrieb, sagte mit einem breiten Grinsen, daß, wenn die Menschen festgebunden waren, „wir sie der Länge nach durchsägten.“ Weiße und schwarze Christen wurden, vor und nach Aufschlitzung des Bauches, genotzüchtigt. Einige wurden geschändet, während die Eingeweide heraushingen. Sie stopften die Geschlechtsorgane in den Mund derer, die es wagten, ihrer Religion treu zu bleiben und nicht bereit waren, die Greuel als Religion anzuerkennen. Al. Venter, Journalist mit einer bemerkenswerten Objektivität, schreibt in seinem Buch „Die Terrorkämpfer“: „Die Vorfälle, wie sie hier beschrieben wurden, sind nicht allein dastehend.“

Blut und Tränen   das ist die Geschichte des Kommunismus.

 

Kapitel XIII

DIE STELLUNG DER KIRCHE IN DER FREIEN WELT ZUM KOMMUNISMUS

In Italien wählt jeder Dritte kommunistisch, in Frankreich jeder Vierte. Sogar Christen wählen in Unwissenheit diejenigen, die sie foltern werden, wenn sie zur Macht kommen. Kommunisten sind Meister des Betruges. Sie überzeugen die Menschen in der freien Welt, daß sie die religiöse Freiheit garantieren. Aber das hat Lenin Rußland auch versprochen. Versprechen kostet nichts. Christen, die mit den Kommunisten sympathisieren, täten gut, über das folgende Zitat aus „Woprosi Filosofij“, einer Moskauer Zeitschrift vom Januar 1968 nachzudenken: „Vom Standpunkt des Marxismus Leninismus verlangt Gewissensfreiheit die völlige Verneinung der Religion, ihre definitive Niederlage und ihre Ausschließung aus dem gesellschaftlichen Leben.“

In den Vereinigten Staaten hat Revolutionismus eine äußerst raffinierte Form angenommen. Es sei genug, aus dem Buch:„Tue es“ von Jerry Rubin, einem linken Führer, folgendes zu zitieren: „Wir haben Jugend, Musik, Sex, Drogen und Rebellion mit Verrat kombiniert – und das ist eine schwer zu besiegende Mischung.“

Dieser Mann wurde von einem Berufungsgericht freigesprochen, weil er für ungefährlich gehalten wurde. Das Bombenlegen und Töten von Polizisten, sowie die Besetzung von Hochschulen oder Kirchen sind tägliche Vorkommnisse. Soll uns dies zu Antikommunisten prägen? Was werden wir dadurch gewinnen? Hitler war unzweifelhaft ein Antikommunist. Nichtsdestoweniger war er ein Tyrann und Schurke. In meinen Augen bedeutet es nichts, Antikommunist zu sein. Ich bin interessiert zu wissen, wofür ein Mensch ist und nicht wogegen.

Die Kommunisten sind Menschen und müssen geliebt werden. Pfarrer Niemöller, zu jener Zeit Vizepräsident des Weltkirchenrates, versicherte der norwegischen Presse, daß der Kommunismus seit 1920 keine Märtyrer mehr geschaffen habe. Das Hilfskomitee für internierte Personen der evangelischen Kirche Deutschlands, sowie ihre Abteilung für ausländische Angelegenheiten, verneinten im Jahre 1969 die Existenz von christlichen Gefangenen im kommunistischen Lager. Dies trotz klarer entgegengesetzter Beweise. Die Kirchenpolitik besteht darin, die Roten nicht zu ärgern.

Solche Kompromisse entwaffnen christliche Streiter, die sich dem Kommunismus zu widersetzen haben. Das Organ des Moskauer Patriarchats Nr. 3/68 berichtet über ein Symposium von Kirchenführern in Ostdeutschland. Bujewski, Sekretär für ausländische Beziehungen des Moskauer Patriarchats behauptet darin: „Die 50 Jahre seit der Oktoberrevolution charakterisieren die neue sozialistische Gesellschaft als eine Gesellschaftsordnung, die der Menschheit Frieden und Menschenliebe bringt. Jeder Christ muß die Tatsache anerkennen, daß die Grundlage der kommunistischen Revolution die Liebe zur Menschheit ist, und er muß Gott für die Revolution danken.“

Die anwesenden Pfarrer schluckten diese Niederträchtigkeit. Bujewski’s ehemaliger Vorgesetzter, Chruschtschow, hat der Menschheit erzählt, wieviele unschuldige Opfer von Stalin in dieser Revolution, für die wir dem Herrgott dankbar sein müssen, getötet wurden. Stalins eigene Tochter fügte uns noch andere Tatsachen hinzu.

Ich glaube nicht an das, was man gewöhnlich Antikommunismus nennt, und ich weigere mich, irgendeiner antikommunistischen Bewegung beizutreten, aber genauso wenig glaube ich an einen Kompromiß mit dem Kommunismus in religiöser oder politischer Hinsicht. Jede Brücke, die in Richtung Kommunismus geschlagen wird, wird es den Roten leichter machen, Flüsse und Ozeane zu überqueren, um die Freiheit zu zerstören.

Der Kommunismus ist eine Religion des Hasses. Ich glaube an das, was der heilige Johannes vom Kreuze lehrte: „Wo keine Liebe ist, bringe Liebe und es wird Liebe wachsen.“

Ich glaube, es ist richtig, dem Beispiele von St. Patrick zu folgen, der, als er von den Iren als Sklave gehalten und wie ein Sklave behandelt wurde, dann, als er nach England entkam, sich für seine edle Aufgabe vorbereitete. Nachdem er viele Hindernisse überwunden hatte, kehrte er zu seinen ehemaligen Sklavenhaltern zurück und brachte ihnen die Lehre von Christus.

Psalm 104,35 wurde unrichtig übersetzt. Im Hebräischen lauten die Worte: „Laß die Sünde (und nicht die Sünder) von der Erde verschwinden und laß das Böse nicht mehr zu.“ Der Talmud kommentiert: „Wenn die Sünde verschwindet, wird es keine Sünder mehr geben.“ In Sprüche 24,29 steht geschrieben: „Sprich nicht: Wie man mir tut, so will ich wieder tun und einem jeglichen sein Werk vergelten‘.“ Wenn man eine Blume zertritt, vergilt sie Dir mit ihrem Duft.

Christen sind auf der Seite der von den Kommunisten Unterdrückten. Christliche Pflicht ist es, sie und ihre Kirchen mit Bibeln und christlicher Literatur zu versorgen, ihnen die Heilige Schrift durch Rundfunk zu verkündigen und den unzähligen Familien der Märtyrer zu helfen.

Christen sind auf der Seite der Untergrundkirche in den kommunistischen Ländern und nicht auf Seiten der offiziellen Pfarrer, die zu Marionetten der Kommunisten geworden sind. Kommunisten sind Antimenschen, so etwas wie die Antimaterie im physi¬kalischen Bereich. Wenn jemand mit ihnen jetzt Freundschaft schließt und ihnen gehorcht, sind wir berechtigt zu fragen, welche Haltung dieser Mensch einnehmen wird, wenn der wahre Antichrist erscheint?

Indem wir der Untergrundkirche helfen, umarmen wir mit Liebe auch ihre Folterer. Unser Dienst muß auf sie ausgedehnt werden. Auch sie müssen für Christus gewonnen werden.

St. Patrick gewann Irland, wir wollen die kommunistische Welt für Christus gewinnen.

Jede Missionstätigkeit, bei der das Leiden Christi leidenschaftlich gepredigt wird, ist wertvoll. Aber die Missionstätigkeit in den kommunistischen Staaten hat Vorrang. Vom Standpunkt des Heiles sind alle Menschen gleich. Nicht aber vom Standpunkt der missionarischen Strategie.

Der hl. Paulus schreibt, daß das Evangelium Christi die Kraft Gottes für jeden ist, der glaubt, zuerst für die Juden, dann auch für die Griechen (Rö. 1,16).

Er schreibt dieses nicht deshalb, weil das Heil eines Juden für Gott kostbarer ist als das eines Menschen einer anderen Nation. Er spricht hier vom Standpunkt der strategischen Priorität. Die wohl stärksten Argumente des hl. Paulus für seine Behauptung, daß Jesus der Erlöser ist, sind in den alten heiligen Schriften der Juden enthalten. Ein Heide mußte über sie sehr gut nachdenken, wenn er Christ werden wollte. Christ zu werden konnte bedeuten, daß er von wilden Tieren zerrissen werden könnte. Vorsichtshalber wäre ihm zu raten gewesen, erst einen jüdischen Nachbarn zu fragen, ob die Behauptung des hl. Paulus hinsichtlich der Prophezeiungen über Jesus in den hl. Schriften richtig war, da er sehr oft keinen Zugang zu diesen Schriften hatte. Die Antwort der Juden war meistens: „Nein, Jesus war ein Betrüger“, und dann waren alle missionarischen Anstrengungen entwertet. Deshalb war es von größter Wichtigkeit, das Evangelium erst den Juden zu predigen, den Bewahrern der hl. Schriftrollen, um so eine eindrucksvolle Gruppe hebräischer Christen heranzubilden, die bezeugen würden, daß die Prophezeiungen in der Person Jesus erfüllt sind. Dann erst entstand die Möglichkeit, auch Menschen anderer Nationen zu gewinnen.

Dasselbe geschieht jetzt. Die Bekehrung eines Eingeborenen in Neuguinea oder Südafrika ist genau so wichtig, wie die eines Russen. Aber wenn der Eingeborene im Urwald ungerettet bleibt, kann er zumindest nicht die Kirche und die christliche Zivilisation zerstören. Wenn wir das Heil der kommunistischen Welt nicht bringen, können die Kommunisten die christliche Welt zerstören. Vergiß nicht, daß sie eine große Erfahrung im Foltern besitzen.

Genau so meinen wir, daß die Überbringung des Evangeliums Christi an die Kommunisten aus folgenden Gründen Vorrangstellung   zumindest aber Gleichrangigkeit   einnehmen muß:

Sie könnten die Christenheit in einem großen Teil der Welt austilgen, genau wie die Mohammedaner dies vor Jahrhunderten im Norden Afrikas getan haben, wo es zu damaligen Zeiten ein blühendes Christentum gab. Es würden dann alle Missionsgesellschaften verschwinden, die sich mit der Verkündigung des Evangeliums an die Andersgläubigen beschäftigen. Es wäre auch mit einem Großteil des kirchlichen Lebens in der freien Welt zu Ende.

Die Londoner „Times“ vom Mai 1968 teilte mit, daß sowjetische Unterseeboote mit Atomantrieb die atlantische und pazifische Küste der Vereinigten Staaten dauernd kontrollieren. Die Sowjets besitzen Unterseeboote, die mit 16 Raketen, jede mit einer Reichweite von 2 000 Meilen, ausgerüstet sind. Sie kreuzen in einer Entfernung von nur 80 Meilen vor der amerikanischen Küste. Sollten wir den Verwüstungen, die die Sowjets damit anrichten könnten, mit Wasserstoffbomben entgegentreten?

Oder sollten wir versuchen, die Mannschaft von solchen Sowjetunterseebooten für Christus zu gewinnen? Sollten wir nicht versuchen, die kommunistische Welt, Unterdrücker und Sklaven, zu gewinnen? Einmal bekehrt, würden die Kommunisten niemals Städte zerstören, von denen sie wissen, daß sie voller Kirchen und gläubiger Seelen sind. Ich verstehe unter dem Wort „Bekehrung“ etwas völlig anderes, als das gewöhnlich sogenannte Ereignis, welches Christen verschiedener Nationen nicht daran hinderte, sich gegenseitig, mit dem Segen ihrer Priester und Pastoren versehen, in zwei Weltkriegen zu töten. Ich verstehe unter Bekehrung eine neue Geburt, das Werden eines neuen Geschöpfes, welches alle Menschen in der Liebe Gottes umarmt.

Das ist unsere Haltung gegenüber dem Kommunismus   weder haßerfüllt noch Kompromisse eingehend, sondern seelengewinnende Liebe verbreitend.

Wird es uns gelingen, die kommunistische Welt zu gewinnen? Sicher unter zwei Bedingungen:

1. Wir müssen imstande sein, die Fragen der Kommunisten und die Bedenken, die sie gegen unsere Religion anführen, zu beantworten. Dies bedeutet eine große intellektuelle Aufgabe, der die besten Köpfe der Kirche sich ganz widmen sollten.

2. Wir sollen, was wir lehren, auch leben. Wir ver¬langen nichts Unmögliches. „Sei vollkommen“ oder „Liebe von ganzem Herzen“ sind Gebote, die nicht auf einmal ganz erfüllt werden können. Aber es ist genau wie mit der Eroberung eines Landes im Krieg. Man hat eine Strategie, um das Endziel zu erreichen. Aber man muß täglich taktische Entschlüsse für jeden einzelnen zum Ziel führenden Schritt fassen. Das letzte zu erreichende Ziel ist Jesusähnlichkeit. Heute wird von uns nur der eine tägliche Schritt vorwärts in dieser Richtung verlangt. Weder Gott noch die Menschen können mehr von uns verlangen. Aber wir werden die kommunistische Weit ohne solche einzelnen entscheidenden Schritte nie gewinnen. Die Gewinnung der kommunistischen Weit für Christus ist deshalb mit einer christlichen Revolution in der freien Welt verbunden.

Unsere Liebe umfaßt auch die Antikommunisten, denen wir einen neuen konstruktiven Weg weisen. Wir lieben auch diejenigen, die Kompromisse machen. Wir haben für die religiösen Persönlichkeiten des Westens, die Kompromisse schließen, vollkommenes Verständnis. 58 Prozent der Orthodoxen der ganzen Weit und zwei Drittel der Baptisten Europas leben in kommunistischen Staaten. Die Verbindung mit ihren offiziellen Führern abzubrechen, würde heißen, mit einem sehr kleinen Teil zurückzubleiben.

Aber Sankt Athanasius zog vor, mit der Wahrheit allein zu [eben und ein ganzes ökumenisches Konzil gegen sich zu haben, welches ihn unter der groben, verleumderischen Beschuldigung, einen Bischof getötet und eine Jungfrau genotzüchtigt zu haben, ausgeschlossen hatte. Ein Papst zog es vor, eher England für die Kirche zu verlieren, als auch nur einmal in der Sache einer Scheidung nachzugeben, die Christus verboten hatte. Wir können die westlichen Kirchenführer und ihre Überlegungen verstehen, aber wir können sie nicht billigen. Kein Kompromiß, sondern geheime christliche Mission im roten Lager ist unsere Linie.

 

Kapitel XIV

WAS WIR NICHT TUN SOLLTEN!

In Briefen oder in großen Versammlungen wurde ich immer wieder gefragt: „Was können wir für unsere leidenden Brüder tun? Was können wir gegen die Verbreitung des Kommunismus in der freien Welt tun?“

Bevor ich die Frage „was können wir tun“ beantworte, möchte ich erst sagen, was wir nicht tun sollten.

Schlafen wir nicht! Der ukrainische Schriftsteller Schewtschenko schrieb: „Es ist furchtbar, in Gefängnis und Ketten zu liegen, aber es ist noch ärger, in Freiheit zu schlafen.“

Dein Land und Deine Kirche sind ebenfalls Zielscheibe des Weltkommunismus. Die Kommunisten arbeiten ununterbrochen an der Untergrabung Deines Landes und sie wollen Deine Kirche zerstören.

Mache Dir keine Illusionen. Glaube nicht an solche Phrasen, wie „am Ende wird das Recht siegen.“ Das Ende ist vielleicht erst nach Jahrhunderten. Der Islam triumphiert über das Christentum in Nordafrika seit tausend Jahren, und an dieser Situation hat sich bis heute nichts geändert. Als Jesus versprach, daß die Pforten der Hölle seine Kirchen nicht überwältigen werden, verließ er sich darauf, daß seine Schüler nicht schlafen würden, indem sie hoffen, daß Siege vom Himmel fallen. Verlasse Dich nicht auf schöne, klingende Worte, wie „Gott wird uns retten.“ Gott hilft nicht, damit zwei und zwei etwas anderes ergibt als vier.

Schlaf und Apathie werden niemals zum Sieg der Christen führen. Wenn wir so weiter handeln wie bisher, wird die Verfolgung von Christen in den kommunistischen Ländern noch schlimmer werden und der Sozialismus sowie der Islam werden sich noch weiter ausbreiten. Die Welt, in der wir leben, ist rauh und unromantisch. Nette, hoffnungerweckende Sprüche werden sich als unwahr erweisen. Wir sollten darum den Sozialismus nicht als den alleinigen Hauptfeind betrachten, solange wir es nicht gleichzeitig einsehen, daß wir seine Komplizen sind. Denn: Nicht der Eiserne Vorhang ist das große Hindernis für die Verbreitung des Evangeliums in kommunistischen Ländern. Ihn können wir leicht durchbrechen. Der seidene Vorhang des satten Lebens ist das große Hindernis.

In Miami sah ich eine Vorstellung. Ein barfüßiger Mann kämpfte mit einem Alligator. Er schlug ihn mit einem Stock auf den Kopf. Er zog ihn am Schwanz. Ab und zu schnappte der Alligator nach ihm, aber er biß ihn nie. Ich fragte den Mann: „Sie schauen gesund aus. Sie könnten auf ganz andere Weise ihr Brot verdienen. Eines Tages wird der Alligator Sie beißen und dann sind Sie tot.“ Er antwortete: „Das wird nie geschehen.“ Erstaunt über seine Sicherheit fragte ich ihn, ob er mit dem Alligator ein Übereinkommen habe. Er antwortete: „Nein, aber vor jeder Vorstellung gebe ich dem Alligator reichlich zu fressen. Ein übersatter Alligator beißt nicht.“ Dies ist die Lage vieler Christen im Westen. Die Vereinigten Staaten geben mehr Geld für Kaugummi als für Missionen aus.

Als ich über diese Dinge im Westen sprach, sagte mir mancher Christ: „Sie haben recht.“ Das ist aber nicht genug. Trefft eine Entscheidung! Auf wieviel unnütze oder sogar nützliche Dinge könntest Du verzichten, um dadurch für die heilige Sache mehr zu tun?

Eine Kirche mit bequemen Bänken, mit philosophischen Predigten, an denen man ein Vergnügen hat, eine Kirche ohne missionarische Ziele, eine Kirche, in der über unwichtige Dinge diskutiert wird, während die Menschheit in eine Katastrophe hineinrast, kann zu einem Judas lschariot der Christenheit werden.

Die Kirche, die Braut Christi, ist unbefleckt und rein. Sie wird niemals Verrat üben. Die Kirchen   die römisch katholische, die anglikanische, die orthodoxe, die lutherische, die baptistische, die Pfingstler   sind menschliche Einrichtungen. Sie haben in der Vergangenheit manch häßliche Rolle gespielt. Denken wir an die Inquisition, den Antisemitismus, das „Heil Hitler-Schreien“, die Haarspaltereien in Sachen, in denen niemand die Wahrheit kennt, die gotteslästernden Ketzereien. Diese Kirchen können wieder zu Verrätern werden, wenn sie nicht aufpassen.

Wie steht es um unsere Kirchen? Die christlichen Missionen sind im Abnehmen. Es gibt weniger protestantische Missionare als vor 10 Jahren und das in einem Verhältnis von einem Mann auf fünf Frauen. Die Weltbevölkerung wächst mit 63 Millionen im Jahr. Nur zwei Millionen davon haben Aussicht, etwas über das Evangelium zu erfahren.

Kämpfe gegen den Kommunismus, aber sei nicht anmaßend ihm gegenüber. Der Kommunismus hat nicht allein das Monopol des Bösen. Auch beim Christentum gibt es genügend Fehler. Wir vergessen die Nöte der Welt, der wir die Erlösung zu bringen haben.

Hüten wir uns vor antikommunistischer Hysterie oder Bigotterie (Frömmelei), die uns dazu bringt, in jedem, der sich für die Armen, die Hungrigen, für die Opfer rassischer, nationaler oder religiöser Diskriminierung einsetzt, einen Sowjetspion zu sehen. Der Sozialismus wächst leider aus den Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft!

Glaube nicht, daß Politiker das kommunistische Problem lösen können. Churchill schrieb: „Es ist die Pflicht der zivilisierten Welt, Rußland zu besiegen. Die Sowjets repräsentieren Rußland nicht. Sie vertreten ein internationales Konzept, welches dem, was wir Zivilisation nennen, völlig fremd und sogar feindselig gegenübersteht.“ Dennoch war er es, der in Jalta (Krim) halb Europa den kommunistischen Henkern auslieferte.

Richard Nixon schrieb im September 1961 in „Reader’s Digest“: „Das Ziel der Vereinigten Staaten soll kein kleineres sein, als der kommunistischen Welt den Frieden zu bringen.“ Als er Präsident der Vereinigten Staaten wurde, tanzte er mit dem kommunistischen Staats  und Parteiführer von Rumänien Ceaucescu auf einem öffentlichen Platz.

Ich glaube nicht, daß die kommunistische Gefahr auf militärischem Wege gebannt werden kann, noch wünsche ich es. Wir wissen nicht viel über das Leben nach dem Tode. Aber wenn man einen Kommunisten tötet, mag es sein, daß man ihm jede Möglichkeit nimmt, erlöst zu werden. Soldaten haben das Recht, in einem legitimen Verteidigungskampf für ihr Land zu töten, das Endziel muß aber immer der Friede sein, ein Friede, auf Gerechtigkeit begründet.

Der ganze militärische Kampf gegen den Kommunismus ist zweifelhaft. Wenn jemand in Vietnam eine Vietkongfahne hißt, wird er von einem amerikanischen Soldaten erschossen, in den Vereinigten Staaten aber marschieren tausende Menschen mit Vietkongfahnen. Niemand belästigt sie. Die Amerikaner bekämpfen den Kommunismus in Kuba nicht. Sie bekämpfen ihn auch nicht in ihrem eigenen Land, aber in Vietnam bekämpfen sie ihn, obwohl sie mit den Sowjets, die die Vietkong unterstützen, freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Der politische und militärische Kampf wird ohne die Absicht zu siegen geführt, und dieser Kampf hat deshalb auch keine Chance des Erfolges. Die westdeutsche Regierung hat vor dem Kommunismus kapituliert. Auch von dieser Seite her gibt es keine Hoffnung!

 

Kapitel XV

WAS MUSS GESCHEHEN?

Menschen sind nicht bereit, wegen des Kummers eines anderen Menschen zu sterben. Aber dies erwarten wir von Dir: Dich selbst zu verneinen, dem eigenen Ich zu sterben, um für Christus zu leben, die Schmerzen der Gefangenen zu empfinden, als ob Du mit ihnen mitgefangen wärest (Hebr. 13,3).

Du hast Brüder und Schwestern, die zu dieser Stunde mit den Händen nach hinten gefesselt manchmal wochenlang ihr Essen wie Hunde auflecken müssen. Deine Brüder und Schwestern sind in Zwangsjacken und geknebelt. Zu dieser Stunde weint Frau Malozemlowa in ihrem Hause. Sieben Kinder wurden ihr weggenommen, weil sie ihnen von Gott erzählt hatte. Ihre Kinder und Tausende von anderen weinen und schreien verzweifelt: „Mama, Mama!“ Sie werden vielleicht ihre Mütter nie wiedersehen. Stirb, was Dein eigenes Leben anbetrifft und lebe ihr Leben.

Ein Christ, auch wenn es ihm gut geht, wenn er frei, jung und gesund ist, ist wie sein Meister immer ein Mensch des Kummers, von Schmerzen erfüllt (Jes. 53,3). Dies, weil er wie ein Schwamm den Schmerz jedes Unschuldigen aufsaugt.

Habt Anteil an unseren Schmerzen, helft uns das Kreuz tragen, wie Simon von Kyrene Christus geholfen hat, sein Kreuz zu tragen!   Das ist der Schrei der Untergrundkirche.

Man hört immer wieder in den Kirchen, „und wur¬de gekreuzigt unter Pontius Pilatus.“ 2000 Jahre sind seither vergangen. Der Fleck wurde nicht mehr weggewaschen. Wird es nicht einmal gesagt werden, daß die Christen in kommunistischen Staaten verfolgt wurden, ohne Evangelium lebten, daß die Familien christlicher Märtyrer hungerten, während die Christen in der freien Welt reicher waren als je zuvor? Deine Reichtümer, auch wenn sie nur verhältnismäßig gering sind, werden beim letzten Gericht eine schreckliche Last für Dich sein. Genauso, ja noch viel schlimmer als mit Deinen Reichtümern, wird es mit Deiner Bequemlichkeit, Deiner Leichtfertigkeit, Deinem Vergnügen sein. Schüttle diese Bürden ab, bereite Dich auf die Begegnung mit Jesus vor, der Dir sagen wird: „Ich war im Gefängnis und Du besuchtest mich nicht.“ Suche Du Seine Freundschaft! Gehe mit Ihm ins Gefängnis! Es ist der einzige Ort, wo Du bei Ihm sein kannst. Er hat nir gesagt, daß Er in Kathedralen sein wird¬.

Bete für die Untergrundkirche! Elias war ein Mann mit denselben Schwächen wie wir. Aber das Los eines ganzen Landes hing von den Gebeten dieses Mannes ab. Bete und habe das Bewußtsein, das er hatte. Verlange von Deinem Pfarrer oder Priester, daß in jedem Gottesdienst öffentlich für die Märtyrer in den kommunistischen und islamischen Staaten gebetet wird!

Nach einem alten Kanon eines ökumenischen Beschlusses ist jede Liturgie, in der die Märtyrer nicht erwähnt werden, ungültig. Denke nicht nur an die Märtyrer der verangenen Jahrhunderte. Denke an die Märtyrer, die heutzutage getötet werden!

Und wenn Du betest, bemühe Dich, richtig zu beten, wie es in manchen Gebetbüchern steht, „zusammen mit den Engeln und Erzengeln!“

Jeder von uns hat einen Schutzengel. Diese Engel haben Flügel. Wozu? Weil sie unsere Botschafter sein wollen. Wir haben sie arbeitslos gelassen. Sag Deinem Engel: „Fliege zu einem Christen in Ketten, zu einer Mutter, der man die Kinder weggenommen hat, zu einem Mitbruder, der Folterungen erleidet und sage ihnen, daß sie nicht vergessen sind und daß jemand für sie betet! Stärke sie in ihrem Glauben!“

Bete nicht oberflächlich, sondern streite im Gebet wie Epaphroditus (Phil. 2,25 30), ja, wie Jesus selbst!

Inniges Beten geht Hand in Hand mit regelmäßigem Fasten. Die Kirchenväter und die großen Evangelisten glaubten an das Fasten. Tertuillan schrieb eine Abhandlung über dieses Thema. Der St. Polykarp sah im Fasten eine mächtige Hilfe gegen die Versuchung. Luther, Calvin, Spurgeon wußten um die Notwendigkeit des Fastens.

Tausende Christen in den Gefängnissen haben kein heiliges Abendmahl. Denke an sie bei jeder Kommunion. Wenn du die Worte hörst: „Dies ist mein Leib, der für dich gebrochen wurde“, denke an den Körper unseres Herrn, der auf Golgatha geopfert wurde, aber denke auch an seinen mystischen Leib, der heute von den Kommunisten gebrochen wird. Nicht nur sein Blut ist vergossen worden, das Blut seiner Braut wird auch auf manchem modernen Goigatha vergossen. Gib eine Träne für die, die ihren Leib und ihr Blut heute opfern. Iß die Hostie nicht, wie das Vieh Gras frißt!

Als ich in den Westen kam und dann auch nach Australien, Asien und Afrika, um dort die Botschaft der Untergrundkirche zu verkünden, nachdem meine Bücher „Gefoltert für Christus“, „Die Sowjetheiligen“ und „In Gottes Untergrund“ erschienen waren, war die Reaktion der Christen groß. Die Bücher wurden inzwischen in 40 Sprachen übersetzt. Und in 50 Ländern der freien Welt wurden Missionen für die kommunistische Welt geschaffen. Das Ziel dieser Missionen, die in internationaler Gemeinschaft zusammenarbeiten, ist, die Untergrundkirche in den kommunistischen Ländern mit Bibeln, christlicher Literatur und mit evangelistischen Radiosendungen zu versorgen, die Unterstützung von Untergrundpredigern, Hilfe an Familien von christlichen Märtyrern, aber auch die Predigt des Evangeliums unter den Revolutionären in der freien Weit. Ein Gramm Vorbeugungsmittel ist besser als ein Kilo Heilmittel.

Es ist leichter Revolutionen durch die Gewinnung der extremen Jugend für Christus zu verhindern, als den verfolgten Christen zu helfen, wenn Kommunismus und Islam bereits gesiegt haben.

Spurgeon sagte einmal: Ich bin für die Missionstätigkeit schon allein aus eigennützigen Gründen. Was für eine Freude wird es sein, wenn ich im Himmel einigen Seelen begegne, die durch meine Anstrengungen, Gebete oder Gabe erlöst worden sind. Sie werden kommen und sagen: „Wir sind hier durch Deinen Anteil an der Missionsarbeit und durch Deine Bemühungen“.

Nicht viele Christen besitzen einen solchen heiligen Egoismus. Sie haben konkrete Pläne, in die Kirche oder in ein Kino zu gehen. Sie bereiten ihre Urlaubsreisen genau vor. Aber sie bereiten sich nicht detailliert für ihren Gang zum Himmel vor. Sooft wir einatmen, sterben vier Menschen. Jede Stunde sterben 4000 Menschen, das sind 100 000 im Tag. Zwei Drittel davon leben unter kommunistischer oder islamischer Herrschaft und werden mit Gewalt vom Evangelium ferngehalten. Vermeide Streit über Post  oder Prämillennarismus (Berechnung der Zeit vor und nach dem Tausendjahr Reich), Kinder- oder Erwachsenentaufe, apostolische Sukzession (ununterbrochene Amtsnachfolge der Priester durch Handauflegung von den Aposteln), Uneinigkeiten bei der Auslegung der Bibel (welche nicht von Gott inspiriert wurde, um Subjekt von Debatten zu werden), kümmere Dich nicht um allerlei dumme moderne Theologie!

Diese Theologie ist Sünde. Sie entfacht Zank. Wenn der Zimmermann Jesus versucht hätte, die Bücher von Karl Barth, Bultmann, John Robinson und anderen Theologen oder Bücher derer theologischen Gegner zu lesen, hätte er sie nach den ersten Seiten beiseite gelegt. E hätte sie nicht begriffen. Sie sind viel zu gescheit geschrieben. Glaube an Gott, an die Liebe, an das ewige Leben und erzähle verlorenen Seelen von Jesus!

Erwarte nicht, daß Deine Kirchenführer es tun. Nur sehr selten kam die Initiative guter Dinge von ihnen.

Die Bibelgesellschaft entstand, als ein Mädchen von einem Bauernhof in Wales einem getreuen Pastor begegnete. Die China Inland Mission wurde von einem Angestellten einer Drogerie begonnen. Der Pionier der protestantischen Missionen in Indien war ein Schuhflicker namens Carey. Moody war ein Schuhverkäufer. Spurgeon besuchte nie eine Hochschule.

Auf, Schuster, Kaufleute, Menschen von geringer Bildung, Menschen ohne Rang, aber mit einer heißen Liebe zu Gott! Tuet Ihr die Arbeit! Viele Pastoren und Bischöfe werden sich anschließen. Heiße sie willkommen, wenn sie es tun. Aber warte nicht! Das Werk des Herrn drängt!

 

Kapitel XIX

ANTWORT AUF DIE HÄUFIGSTEN KRITIKEN

Wir nehmen nicht sehr viel Rücksicht auf Kritik. Wir wissen, daß die, die unsere Arbeit kritisieren, sich nicht um die Unterstützung verfolgter Christen kümmern. Die Menschen, die helfen, üben keine Kritik. Mich persönlich interessiert es nicht, was die ganze Welt von mir denkt. Sie dachte auch über Jesus nichts Gutes.

Aber auf gewisse ernste Zweifel an unserer Arbeit möchte ich doch antworten:

Es gibt Christen, die fragen: „Bringen sie die verfolgten Christen durch das heimliche Einschmuggeln von Bibeln und die Hilfe, die Sie der Untergrundbewegung gewähren, nicht in Gefahr?“

Sicher, wir könnten sie in Gefahr bringen. Brachte Jesus Menschen in Gefahr, als er sie aufrief, seine Jünger zu werden? Er sagte zu ihnen: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“. (Matth. 10,16). Das bedeutete sicher, Menschenleben zu gefährden. Die Apostel wären nicht einen vorzeitigen Märtyrertod gestorben, wenn Jesus sie nicht zu einer solchen gefährlichen Aufgabe auserkoren hätte. Der hl. Paulus brachte das Leben seiner Konvertiten in Gefahr. Auf ihn hörend, kamen sie dazu, von wilden Tieren gefressen zu werden. Jeder christliche Soldat muß bereit sein, für seinen Herrn zu sterben. Jeder Offizier einer christlichen Armee muß bereit sein, nicht nur zu sterben, sondern auch andere für die gute Sache in den Tod zu schicken. Hätten die Reformatoren ihre Lehren nicht verkündet, wären tausende Menschen nicht auf Scheiterhaufen gestorben. Katholiken wären von Protestanten und umgekehrt nicht getötet worden, hätte der Papst sie nicht gelehrt, gegen das, was er als eine Irrlehre betrachtete, zu kämpfen. Wenn Du überzeugt bist, daß Deine Sache die Sache Christi ist, ist es richtig, Dein Leben dafür zu geben und andere zu lehren, dasselbe zu tun.

Bekanntlich ist es gefährlich, einen Menschen, der fast verhungert ist, zu füttern. Man könnte seinen Magen damit verderben. Aber sollten wir deshalb den Hungernden kein Essen geben? Nein, man soll sie füttern, aber mit Vorsicht. Ebenso muß die Untergrundarbeit verrichtet werden, aber Fehler und falsche Methoden müssen möglichst vermieden werden.

Ein ungarischer Christ schrieb in einem Artikel gegen mich unter anderem, daß ich durch meine Aktivitäten die Schlinge in dem Seil zuziehe, die man den Christen in den kommunistischen Staaten schon um den Hals gelegt hat. Das war im Jahre 1967. Zeit genug zum Rückblick. Seit damals wurde in Ungarn kein einziger Christ gehängt oder auch nur eingesperrt. Das Gegenteil geschah. In diesem Augenblick befindet sich in Ungarn kein einziger Protestant wegen seines Glaubens im Gefängnis. Auch wurde in keinem anderen kommunistischen Land irgend jemand als Folge unserer Tätigkeit eingesperrt. Wir wissen, wie man vorsichtig arbeitet.

Wenn die Ziffer der Verhaftungen nach dem Erscheinen meiner Bücher in den kommunistischen Staaten gewachsen wäre, hätte man die Schuld auf mich gewälzt, aber nach der Veröffentlichung meines Buches erhielt die Bibelgesellschaft die Möglichkeit, in manchen kommunistischen Staaten Bibeln zu drucken. Dies wurde nicht als mein Erfolg anerkannt.

Man hat mich beschuldigt, ein Antikommunist zu sein. Darauf möchte ich mit einem Ausspruch von Spurgeon antworten: „Wir können nichts anderes tun, als gegen diejenigen zu kämpfen, die Gott bekämpfen.“

Lenin schrieb: „Alle modernen Religionen und Kirchen sind Agenturen der bürgerlichen Reaktion, die dazu dienen, die Ausbeutung der arbeitenden Klasse zu beschützen und diese Klasse einzuschläfern.“ Die Leninisten wünschen die Vernichtung der christlichen Religion. Dies ist ihr Ziel. Und es muß vereitelt werden! Wir müssen den Kommunismus bekämpfen. Das Christentum hat immer gegen seine Feinde gekämpft. Meine Botschaft lautet: „Stelle das Böse im Kommunismus bloß, besiege es, aber freue dich über die Bekehrung von Kommunisten, nicht darüber, sie getötet, zu haben.“

Jeder ehrt Dietrich Bonhoeffer, den Märtyrer für Christus, aber er hatte Tyrannenmord gerechtfertigt. Warum aber greift man mich an als Verkünder eines ungerechtfertigten Antikommunismus, wenn ich doch Christen nur dazu aufrufe: „Gewinnet die Tyrannen für Christus!“?

Teure Brüder kritisierten mich, daß ich nicht das reine Evangelium predige. Mein Evangelium ist voll Tränen und Blut, Speichel, Kot und Urin, die in den kommunistischen Staaten die Gesichter der Heiligen Gottes besudeln. Es ist ein blutbeschmutztes Evangelium. Ein Evangelium aber, das diese Greueltaten, die gegen Christen begangen werden, verschweigt, das uns nicht aufruft für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen, mit den Leidenden mitzuleiden, ist kein wahres Evangelium.

Ich kenne keinen hervorragenden Prediger in der Geschichte der Kirche, der das reine Evangelium gepredigt hätte.

Auch Johannes Goldmund wurde beschuldigt, sich nicht an das reine Evangelium zu halten, weil er in seinen Predigten den Erzbischof Theophilus von Alexandria der Simonie, der Zweckentfremdung von Geldern und der Anwendung von Brutalität beschuldigte.

Dieser Heilige raste gegen die entartete Eudoxia, Kaiserin von Byzanz, die er eine zweite Isebel nannte. Deshalb mußte er ins Exil gehen. War das schlecht? Hatte er unrecht?

Hatte der heilige Ambrosius unrecht, als er dem König nach der Rückkehr aus einem ungerechten Krieg, die Kirche zu betreten, verweigerte?

Warum hielt sich Charles Spurgeon nicht an das reine Evangelium? Es war zur Zeit der amerikanischen Sezessionskriege. Spurgeon war auf Seite der Nordstaaten, die für die Abschaffung der Sklaverei im Süden kämpften. In den Südstaaten wurden von seinen Glaubensbrüdern seine Bücher und sein Bild verbrannt. Er beschränkte sich nicht auf die Predigt des persönlichen Heiles der Seelen.

Von diesen Predigern habe ich gelernt, was das richtige Evangelium ist.

Es wird mir nun meine energisch ablehnende Haltung gegenüber den orthodoxen Metropoliten und protestantischen Kirchenführern im roten Lager, die den Kommunisten schmeicheln, vorgeworfen.

Wieviel Wahrheiten gibt es eigentlich? Als Hitler Norwegen besetzte, verweigerte der lutherische Landesbischof Berggraf jeden Kompromiß mit ihm. Er zog es vor sein Gefangener zu werden. Seine Pastoren folgten nahezu geschlosssen seinem Beispiel. Das war wahrscheinlich richtig.

Aber Rumänien, Bulgarien, die baltischen Staaten, Ungarn, die Tschechoslowakei wurden von den Sowjets überrannt. Ich erwarte von den Leitern der Kirchen, daß sie mir sagen, Berggraf wäre im Unrecht gewesen. Dann würde ich sie begreifen. Sie verehren seine Haltung als richtig. Zur gleichen Zeit aber setzen sie in die Leitung des Weltkirchenrates Bischöfe und protestantische Führer aus Rußland, dem Baltikum, Rumänien, der Tschechoslowakei usw. ein, die die Unterdrücker ihrer Heimatländer loben.

Papst Pius XII und den damaligen Führern der deutschen lutherischen Kirche hat man vorgeworfen, die Juden gegen Hitler nicht in Schutz genommen zu haben. Aber heutzutage werden die Juden aus Polen vertrieben und werden in der Sowjetunion verfolgt. Die Existenz des Staates Israel wird von der Sowjetpolitik bedroht. Übernehmen die offiziellen Kirchenführer der Sowjetunion die Verteidigung des auserwählten Volkes?

Hat der Weltkirchenrat es getan? Auch der Vatikan erkennt den Staat Israel nicht an.

Hitler hatte die Tschechoslowakei überrollt. Es war eine Schande, daß die damaligen deutschen Kirchenführer nicht protestiert hatten. Damit ist jeder einverstanden. Aber die Tschechoslowakei wurde noch einmal, und zwar von den Sowjets überrollt. Haben die offiziellen Kirchenführer in der Sowjetunion protestiert? Der Untergrundkämpfer Krasnow Lewitin protestierte öffentlich und wurde deshalb zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Wer vertritt heute das Gewissen Christi in Rußland?

Andere sagen mir: „Alles, was Sie über den Kommunismus behaupten, mag richtig sein, aber wir soll¬ten erst im Haus der Christenheit Ordnung machen.“

Es ist, wie wenn man verlangen würde, daß jeder Polizist zuerst wiedergeboren und ein Heiliger werden muß, bevor er das Recht bekommt, auf Verbrecher zu jagen. Das Christentum mag seine Mängel und Fehler haben. Aber es besitzt die Wahrheit über Christus und das ewige Leben. Die Kirche hat eine göttliche und eine menschliche Seite.

Die göttliche Seite besteht aus dem Worte Gottes, den Sakramenten, der Gemeinschaft mit den Engeln und Heiligen, der Herrschaft Christi, den schönen Beispielen derer, die Ihm in Wahrheit folgen.

Die Kirche hat auch eine menschliche Seite. Ihre Mitglieder sind Sünder, die schlechte Taten begehen. Der Kommunismus hat keine göttliche Seite. Er ist nicht einmal menschlich. Kommunisten verfolgen nicht nur die Christen. Sie hassen einfach. Sie hassen sich gegenseitig. Der Kommunist Kossygin haßt den Kommunisten Dubcek. Der Kommunist Mao haßt den Kommunisten Kossygin. Genosse Breschnew haßt den Genossen Tito. Stalin mordete seine besten Freunde und Chruschtschow hielt seine eigene Frau acht Jahre im Gefängnis. Sich dem Kommunismus widersetzend hat die Kirche recht, ebenso wie ein unbekehrter Polizist im Recht ist, gegen Verbrecher zu kämpfen. Christen sollten gleichzeitig ihr eigenes Haus in Ordnung bringen und den Kommunismus bekämpfen.

Etwas anderes wird mir vorgeworfen: „Die Kirche hat ihre Führer, ihre Präsidenten, Bischöfe und wie sie sonst noch heißen; wir müssen auf sie hören. Einige dieser Kirchenführer sind nicht Ihrer Meinung. Sollten wir nicht eher auf unsere Bischöfe hören als auf Sie? Sie sind kein Bischof und haben auch keine andere höhere Position in der kirchlichen Hierarchie.“

Meine Antwort mag stolz scheinen, aber sie muß gegeben werden: „Verlanget doch, daß man mir einen Bischofsitz verleiht!“ Wie ist es möglich, daß Wurmbrand, der die Botschaft der leidenden Kirche einem Drittel der Welt überbringt, bis jetzt noch nicht zum Bischof oder zum Leiter irgendeiner anderen protestantischen Konfession ernannt wurde? Es ist nicht wichtig, daß er nicht zu dieser Konfession gehört. Der hl. Ambrosius wurde noch vor seiner Taufe zum Bischof ernannt. Er besaß auch kein Doktorrat in Theologie. Er besaß nur von Gott einen Auftrag für die Kirche. Es ist nicht mein Fehler, daß die Existenz der Untergrundkirche nicht zur Kenntnis genommen wird, und daß deren Abgesandte an höchster Stelle nicht empfangen werden. Ich kümmere mich nicht um hohe Stellen in der Kirche. Ich muß diese Antwort denen geben, für die kirchliche Autorität alles bedeutet. Nicht jeder Kirchenführer ist ein Kind Gottes.

Als zwei Kirchenführer Rundbriefe gegen mich schrieben, einer in den Vereinigten Staaten, ein anderer in Westdeutschland, erinnerte ich mich, was ein katholischer Historiker des 14. Jahrhunderts über Wycliff geschrieben hatte: „Dieses Instrument des Teufels, dieser Feind der Kirche, dieser Urheber der Verwirrung des einfachen Volkes, dieses Abbild eines Heuchlers, dieses Idol der Ketzer, dieser Verursacher von Spaltungen, der durch ein schreckliches Strafgericht Gottes geschlagen wurde, wurde gelähmt und lebte bis zum Silvestertag, an dem er seinen böswilligen Geist in die Wohnungen der Finsternis aushauchte.“ Nach seinem Tod exkommuniziert, wurde das Skelett von Wycliff ausgegraben und verbrannt.

Es gibt aber auch viele gläubige Bischöfe und andere Kirchenführer, die uns unterstützt haben und noch unterstützen.

Zusammenfassend sei gesagt, alle wohlmeinenden Kritiken haben zwei Dinge gemeinsam: Kritiker betrachten das kirchliche Leben, wie sie es im freien Westen kennen, als das normale. Die Untergrundkirche mit ihren Schleichwegen, ihren Decknamen, Losungsworten, heimlichen Treffen im Wald, Nichtunterwerfung unter staatliche Gesetze, Infiltration in kommunistische Kreise, betrachten sie als eine Kirche, die sich auf einem falschen Weg verirrt hat, anstatt hier ein völlig neues Phänomen zu erkennen. Es handelt sich hier um die Kirche der Katakomben, angepaßt an die Umstände des 20. Jahrhunderts, welches eine perfektionierte Polizei, aber auch eine perfektionierte Technik der Geheimarbeit kennt.

Andere finden für meine Person keine Bezeichnung. Sie wissen nicht, wo sie mich einreihen könnten. Ich passe nicht in ihre vorbestimmten Kategorien hinein. Jeder Mönchsorden hat seine Regel. Ebenso jede protestantische Missionsgesellschaft. Aber auf Grund welcher Regel arbeiteten der heilige Franziskus Xavier, der erste Missionar in Indien, oder später ein Hudson Taylor, Carey, Morrison, Patton, Livingstone? Sie schufen Regeln für die, die nach ihnen kommen würden. Bis dahin waren sie ihre eigene Regel, wie es immer bei Pionieren und Wegbahnern der Fall ist. Ich vergleiche mich nicht mit diesen großen Persönlichkeiten, aber auf meinem bescheidenen Niveau bin ich auch ein Schrittmacher, der erste der die Botschaft der Untergrundkirche den Gläubigen im Westen überbringt. Ich hatte keinen Vorgänger, als ich meine geheime Missionsarbeit in der Sowjetarmee begann. Ich kann nach niemandes Regeln gerichtet werden. Wenn Dein Land von den Kommunisten überrannt und Du gezwungen sein wirst, im Untergrund zu arbeiten, wirst Du nach den Regeln verfahren müssen, die Du von mir gelernt hast.

Es gab persönliche Angriffe gegen mich   „Verrückter, Nazi, Faschist, Antisemit, Kommunist, Anarchist, Jesuitenagent, Ungebildeter, Schwindler usw.“ Die Verleumdungen gingen nie so weit wie diejenigen, die seiner Zeit gegen die Gläubigen geschleudert wurden, die heute als wunderschöne Sterne am geistigen Firmament strahlen. Wenn diese Menschen Ärgeres durchgemacht haben als ich, warum sollte ich meine Person verteidigen?

Aber ich verteidige die Sache der Untergrundkirche. Was ich über ihre Leiden und Siege behaupte, ist unwidersprechbar. Aus diesem Grunde versuchen meine Gegner, die Christen von der Botschaft, die ich zu überbringen habe, zum Botschafter abzulenken. Sie möchten, daß die Gläubigen über die Frage „Wer ist Wurmbrand?“   und nicht über die Frage „Was ist die Untergrundkirche?“ diskutieren. Sie werden keinen Erfolg haben. Die Sache der Untergrundkirche ist bereits zur Angelegenheit der gläubigen Christen in der ganzen Welt geworden. In 50 Ländern der freien Welt wurden Missionen errichtet, um die Untergrundkirche zu unterstützen. Christus ist auf unserer Seite. diesem

Ich weiß ganz genau, daß ich einseitig bin. Es gibt so etwas wie eine heilige Einseitigkeit. Als die Juden von den Nazis verbrannt wurden, mußte man einseitig sein. Es wäre falsch gewesen, die Frage zu stellen: „Haben denn die Juden nie gegen das deutsche Volk gesündigt? Haben nicht manche Juden zur Zeit der Weimarer Republik Falsches getan? War es seitens Hitler absolut falsch, zu rebellieren und mehr Lebensraum zu fordern, wenn England ein Weltreich besaß und Rußland über ein ausgedehntes, aber schlecht verwaltetes Gebiet verfügte, usw.?“

Männer, Frauen und sogar Kinder wurden verbrannt. Sie mußten verteidigt werden. Alles andere zählte nicht. Einseitigkeit war die richtige Haltung.

Die Untergrundkirche ist auch nicht ideal. Sie hat ihre Fehler, wie sie auch die offizielle Kirche in den kommunistischen und islamischen Staaten hat, aber sie wird verfolgt. Das verpflichtet mich, auf die Seite der Untergrundkirche zu treten. Gott ist immer auf der Seite des Verfolgten.

Aber deutlich auf einer Seite stehend, hüte ich mich doch vor der trügerischen Sicherheit, die gewöhnlich die Einseitigkeit begleitet. Es gibt nichts, das nicht eine Kehrseite hätte. Es gibt starke Argumente für einen Dialog mit Kommunisten. Kontakte mit der offiziellen Kirche sind auch sehr nützlich. Ich verlange von allen, diese Kontakte fortzusetzen, erwarte aber stets, dabei nie die Brüder in Ketten zu vergessen.

 

Kapitel XX

MEIN LETZTES WORT

Viele Christen der freien Welt, hätten sie zur Zeit Noahs gelebt, würden gesagt haben: „Es gibt kein Anzeichen für Regen. Es ist geradezu lächerlich, von einer Bedrohung durch eine Flut zu sprechen. Noah muß ein schrulliger, eigenartiger Mensch sein, der unter jedem Bett Sünder sieht. Warum kündigt er uns eine bevorstehende geologische Katastrophe an, was nicht seine Aufgabe ist, und warum bleibt er nicht bei der Verkündigung der wahren Religion, beim reinen Evangelium? Geologie gehört nicht zur Religion, Überschwemmungen auch nicht, sondern nur die persönliche Erlösung durch das Blut des Messias, der eines Tages kommen wird. Auf alle Fälle gibt es keinen Grund zur Eile“.

Wenn sie zur Zeit Noahs gelebt hätten, wären sie mit den Gottlosen zugrunde gegangen. Es hätte nur wenige Ausnahmen gegeben. Heute gibt es sicherlich mehr sichtbare Anzeichen einer antichristlichen Bedrohung, als es damals Anzeichen für eine nahende Flut gab, da Noah begann, seine Arche zu bauen. Was Noahs Evangelium anbetrifft, hatte er es direkt von Gott. Gott muß doch wissen, welches das reine Evangelium ist. Und Er verlangt von einem Lehrer der Gerechtigkeit nicht nur, über das persönliche Heil zu predigen, sondern auch über Geologie und Wetterprognosen. Dies, weil die Katastrophe, die bevorstand, eine Strafe Gottes sein sollte, genauso wie der Kommunismus, der Islam und andere antichristliche Strömungen.

Wir besitzen mehr Anzeichen einer drohenden Katastrophe als zur Zeit Noahs. In der freien Welt gibt es kaum einen Tag ohne Explosionen, Ermordung von Polizisten, Krawallen oder Besetzung von Universitätsgebäuden, die alle auf das Konto von Revolutionären gehen.

Gus Hall, der Sekretär der kommunistischen Partei Amerikas, damals noch ein unwichtiger Mann, sagte vor zwanzig Jahren: „Ich träume von der Stunde, in der der letzte Abgeordnete mit den Gedärmen des letzten Predigers zu Tode gewürgt ist. Und da die Christen es anscheinend lieben, über Blut zu sprechen, warum geben wir ihnen nicht ein bißchen davon? Schlitzt die Kehlen ihrer Kinder auf und legt sie auf die Kanzel. Laßt sie in ihrem eigenen Blut ertrinken und schaut, ob sie dann noch Lust haben, ihre Hymnen zu singen“ (Zitat aus dem Protokoll einer Sitzung des USA Senatsunterausschusses, 86. Kongreß, Seite 798).

Aber Hall hat seitdem schwer gearbeitet. Jetzt kann er erklären, daß Kommunisten und liberale Christen so viele gemeinschaftliche Ziele haben, daß sie miteinander arbeiten können und sollten. Dieses gemeinsame Ziel ist sicher nicht der Sieg des Christentums. Hall würde dafür nicht arbeiten. Welches ist dann das Ziel? Sollten Theologen und Pastoren soweit gebracht worden sein, daß sie unbewußt das Blutbad gegen ihre eigenen Brüder vorbereiten? In Westdeutschland gibt es Pfarrer, die Kommunisten sind, also Genossen der Christenmörder.

Der Einfluß des Kommunismus in Italien und Frankreich wurde bereits erwähnt.

In England ist ihr Einfluß in den Gewerkschaften groß. Ebenso in den Straßenkämpfen in Irland. Aber nicht nur dort. „Liverpool Daily Post“ vom 29. Mai 1968 bringt eine Äußerung des Sir Hugh Greens, damals Generaldirektor der BBC, daß er Kommunisten in seinem Mitarbeiterstab hat, „aber dies ist nicht meine Sache“. Aber sie sind die Sache der Zuhörer, die prokommunistische Gehirnwäsche erleiden.

Der Kommunismus kann besiegt werden. Gott hat sein ausgewähltes Werkzeug für diesen Zweck. Es ist die Untergrundkirche, die weltweite verborgene Gemeinde Christi.

Die Christen der freien Welt müssen von ganzem Herzen diese geheime Kirche unterstützen, oder sie werden es in ihrer Generation noch erleben, daß ihre eigenen Kirchen unterminiert und zerstört werden. Das ist die Wahl.

Es gibt einen Größeren als die Kirche. Ihr Oberhaupt, Jesus Christus, wird den Geist der Gnade über seine Anhänger ausgießen. Statt dem unnützen Geschwätze im Westen über Vereinigung von leeren Kirchen verschiedener Bekenntnisse, wird es zu einer echten Einheit zwischen der freien Kirche und der Märtyrerkirche kommen.

Einer unserer Kuriere schreibt: „Ich erinnere mich an die Freude, die die Schwester in Rußland am Abend hatte, als sie auf dem Tisch die russischen Bibeln sah. Sie stürzte sich buchstäblich auf sie zu und küßte den Stoß Bibeln, dann beteten wir. Am nächsten Tag war unser Bruder bereits um 5 Uhr früh auf, packte sie ein, um sie zu verteilen.“ Eine solche Freude und eine solche Liebe sind ansteckend. Von der Untergrundkirche werden die Christen im Westen die Begeisterung, die Ekstase, die Pflege des Wortes Gottes und die hohe Berufung lernen, sowohl ein Soldat in Christi Heer zu sein, als auch die göttliche Ungeduld in der Erwartung des Reiches.

Wenn ich meinem persönlichen Wunsch nachgehen könnte, würde ich mich am liebsten zu einer stillen Gemeinschaft mit Gott, wie ich sie in meiner Einzelzelle hatte, zurückziehen. Aber Gott entscheidet. Ich kann Gemeinschaft mit Ihm nur auf der Tonleiter der Hilfeschreie meiner geschlagenen und gefolterten Brüder haben. Mein Platz ist auf dem Golgatha des 20. Jahrhunderts.

Christus leidet hier wieder in seinem mystischen Körper.

An Seiner Rechten leidet der reuige Dieb: Die letzten Worte von Zinowiew, Präsident der Kommunistischen Internationale, der von Stalin erschossen wurde, waren: „Höre, Israel, der Herr unser Gott ist der einzige Gott.“

Die letzten Worte von Jagoda, Chef der russischen Geheimpolizei, waren: „Es muß einen Gott geben. Er bestraft mich wegen meiner Sünden.“

Die letzten Worte Jarosiawskis, Präsident der internationalen Gottlosenbewegung, waren: „Bitte, verbrennt alle meine Bücher. Seht den Heiligen. Er wartet schon lange auf mich. Er ist hier.“

An Seiner linken Seite befinden sich die nicht reuigen Kommunisten. Sie leiden schwer an ihrem verbitterten Herzen.

Und dann gibt es die große Masse der Millionen, die, genau wie damals auf Golgatha, einfach dastehen und auf das, was geschieht, schauen. Und man hört aus dem Munde der Braut einen Aufschrei, einen Schrei wie den, mit dem Jesus starb. Dir diesen Schrei zum Gehör zu bringen, war der Zweck dieses Buches.

Ich möchte auf theologische Universitäten, auf Seminare und zu Kirchenführern gehen, um ihnen zu sagen: „Hört auf, die Bibel zu zerstückeln, hört auf mit den wertlosen theologischen Debatten, mit euren endlosen und fruchtlosen Diskussionen über Fragen der Verschmelzung von Kirchen in ein großes Nichts.“ Manche nennen mich yerrückt. Ich könnte wie ein Verrückter schreien, daß im Sowjetlager Seelen in die Hölle gehen, nachdem sie schon ihr ganzes irdisches Leben in einer Hölle verbracht haben. „Eure Nachlässigkeit ist schuld. Fürchtet Ihr Gott nicht? Wißt Ihr nicht, daß Ihr Ihm Rede und Antwort stehen müßt?“

Die Christen in den kommunistischen und islamischen Staaten haben Gefängnis ertragen, ohne mit irgendeiner Hilfe aus dem Westen zu rechnen. Sie haben ihren Glauben bewahrt. Ihn allen Geschöpfen kundzutun, so wie es die Liebe befiehlt, die alle Menschen umarmt, ist der Untergrundkirche ohne unsere Hilfe nicht möglich.

Die Seelen, die wegen des kommunistischen Giftes untergehen, sind für mich und sie eine schmerzhafte Wunde. Willst Du nicht versuchen, diese Wunde zu heilen?

Ich habe die schrecklichen Leiden, die die Christen durchzustehen haben, beschrieben. Dies geschah nicht, um Dein Mitleid für die Unglücklichen zu erregen, sondern für die, die Gelegenheit hätten zu helfen, aber diese Gelegenheit nicht wahrnehmen und auch für die Niemande, die dauernd über dieses oder jenes, das ich sage, etwas auszusetzen haben. Ich bin nicht unfehlbar. Nicht alles was ich sage, muß richtig sein. Mein Charakter und meine Handlungen sind weit davon entfernt, vollkommen zu sein.

Aber, daß die Kirche der freien Welt der Untergrundkirche im Kampf für Christus und im Kampf gegen Kommunismus und Islamismus die Hand reichen muß, ist zweifellos richtig. Tue dies, und Gott wird Dich segnen!

Die Herborhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Februar 2008

Weitere Beiträge von Pfarrer Wurmbrand auf meiner Webseite:

1. Vorbereitung auf die Untergrundkirche

2. Was Christen glauben (auch in Englisch und Spanisch)

3. Bibel und Prophetie

4. Karl Marx und Satan (auch in Englisch)

5. Warum bin ich Revolutionär

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