Blut und Tränen – R.Wurmbrand

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Richard Wurmbrand

 

Blut und Tränen

 

 – Dokumente zur Christenverfolgung in kommunistischen Ländern –

 

WER IST RICHARD WURMBRAND?

Pfarrer Wurmbrand ist zur Zeit wahrscheinlich der Pfarrer, der in der ganzen westlichen Welt am meisten beachtet wird. Woran liegt das?

Dieser Mann trägt Orden und Ehrenzeichen, die kein westlicher Pfarrer mehr aufzuweisen hat. Wer hat ihm diese Orden verliehen? Die Kommunisten!

Die Kommunisten? Dann muß es wohl der Leninorden sein, den Niemöller auch besitzt. Nein, dieses Zeichen des Verrates am christlichen Glauben trägt Wurmbrand nicht.

Dieser Mann hat höhere Orden. Er trägt die durch Leiden und Opfer geheiligten Zeichen des Märtyrers an seinem Leibe: 18 tiefe Foltermerkmale kommunistischer Behandlung. In 14jähriger Haft sind sie ihm eingebrannt, eingeschnitten, eingerissen, eingeschlagen worden.

Kein Wunder, daß die Kommunisten die Aussagen dieses Mannes fürchten. Und nur zu sehr verständlich, daß die Handlanger dieses Terrorsystems ihn nun bekämpfen, um sich dadurch rein zu waschen.
Die eigentliche Tragödie ist aber nicht, daß Kommunisten ihn bekämpfen, sondern daß auch einige Christen mit diesen gemeinsame Sache machen.

Das Buch „Gefoltert für Christus“ ist also auch unter Christen zu einem Zeichen geworden, dem widersprochen wird. So sehr ist es dem kommunistischen System gelungen, sich zu tarnen.

In diese Turbulenz von Angriff und Verteidigung kommt nun dieses neue Buch „Blut und Tränen“. Es ist im Grunde nur eine Dokumentation der Wahrhaftigkeit von Wurmbrands Aussagen. Eine hohe Instanz der freiheitlichen Welt, eine Kommission des amerikanischen Parlaments, ließ sich die Dokumente von Wurmbrand in einem grandiosen Verhör vorlegen und prüfte sie gewissenhaft nach. Man kann Wurmbrand angreifen, ihm widersprechen, aber man kann diese Dokumente nicht widerlegen.

Dr. Kurt E. Koch – im Jahre 1969

 

Kongreß der Vereinigten Staaten – Abgeordnetenhaus – Ausschuß für nichtamerikanische Betätigungen – Washington, den 30. November 1967

 –  ÖFFENTLICHES VERHÖR  –

Ein Unterausschuß des Komitees für nichtamerikanische Betätigungen wurde einberufen und versammelte sich in Zimmer 429 des Cannon House Office Building, Washington D. C.

Vorsitz hatte William M. Tuck.
Mitglieder des Unterausschusses waren:
Abgeordneter William Tuck aus Virginia,
Vorsitzender Edwin E. Willis aus Louisiana,
Vorsitzender des vollständigen Komitees John C. Culver aus Iowa,
Richard L. Roudebush aus Indiana und
Albert W. Watson, aus Süd-Carolina.

Anwesend waren folgende Unterausschußmitglieder: die Abgeordneten Tuck, Willis und Roudebush. Ferner beteiligten sich die Komiteemitglieder John M. Ashbrook aus Ohio und Del Clawson aus California.
Außerdem war die Anwesenheit einiger Mitglieder des Stabes zu verzeichnen: Direktor Francis J. Mc Namara, Hauptbeirat Chester D. Smith und Beirat Alfred M. Nittle.

Der Vorsitzende, der Abgeordnete William Tuck, eröffnete die Sitzung. In der einleitenden Ansprache erläuterte der Herr Vorsitzende den Sinn und die Aufgabe der kommenden Verhandlung. Die Erfahrungen von Herrn Pfarrer Wurmbrand in der Zeit seiner Gefangenschaft standen zur Diskussion.

Vorsitzender: „Pfarrer Wurmbrand, wollen Sie bitte dem Komitee Ihren vollen Namen nennen?“
Wurmbrand: „Mein Name ist Richard Wurmbrand.“
Smith: „Wo und wann sind Sie geboren?“ Wurmbrand: „Ich bin am 24. März 1909 in Bukarest, Rumänien, geboren.“
Smith: „Haben Sie die amerikanische Staatsbürgerschaft?“
Wurmbrand: „Nein, ich bin ein rumänischer Staatsangehöriger, ein Ausländer.“

Von Rumänien bis USA

Smith: „Wann kamen Sie in die Vereinigten Staaten und aus welchem Land?“
Wurmbrand: „Das erste Mal kam ich im April 1966 von Rumänien über Norwegen in die Vereinigten Staaten.“
Smith: „Wie kam es, daß Sie nach hierher kamen?“
Wurmbrand: „Man hat mich von Rumänien losgekauft. Durch kirchliche Organisationen wurde ich für ein Lösegeld von der rumänischen Regierung freigekauft. Ich kam nach Norwegen, und dort wurde ich eingeladen, in der Amerikanisch-Lutherischen Kirche und vor einer Versammlung von NATO-Personal zu predigen.

Ich erzählte ihnen, was in Rumänien vor sich geht. Besonders bei der NATO-Versammlung kam es zu
einem interessanten Zwischenfall. Ein Oberst der amerikanischen Streitkräfte fragte mich: ,Was halten Sie von einer friedlichen Koexistenz mit dem Kommunismus?‘
,Im Gefängnis bin ich so viele Jahre mit Taschendieben zusammen gewesen, so daß ich die Gelegenheit hatte, ihr Handwerk zu studieren. In einem unbewachten Augenblick war der Geldbeutel des Obersten in meiner Tasche. Dann reichte ich ihm die Hand und sagte: ,Lassen Sie uns in Frieden miteinander leben. Doch Ihr Geldbeutel bleibt in meiner Tasche.“

Das ist das Ziel der Kommunisten. Sie haben halb Europa eingesteckt. Sie haben China genommen und auch Rumänien. Sogar Rußland haben sie durch Gewalt an sich gerissen.
Es gibt kein Land, in dem die Kommunisten durch freie Wahlen an die Macht gelangten. Sie haben ein Drittel der Welt gestohlen, und jetzt sagen sie: ,Laßt uns in Frieden nebeneinander koexistieren‘. Sie müssen zurückgeben, was sie gestohlen haben.
Die Soldaten, die in der Amerikanisch-Lutherischen Kirche und in der Militärkapelle anwesend waren, wurden durch meine Predigt sehr bewegt. Sie legten sofort das Geld zusammen, damit ich nach Amerika reisen konnte, um dort die gleichen Berichte zu geben.
Pfarrer Myrus Knutson von der Our Savior’s American Lutheran Kirche in Los Angeles und Oberst Sturdy, einem Militärgeistlichen, möchte ich hier meinen Dank aussprechen sowie den unbekannten Spendern, die dazu beigetragen haben.“

Smith: „Wie waren Sie in der Lage, Rumänien zu verlassen?“

Wurmbrand: „Ich bin in Rumänien 14 Jahre lang im Gefängnis gewesen. Mein Urteil lautete auf 25 Jahre, aber 1964 wurde ich infolge einer allgemeinen Amnestie freigelassen.
Zu dieser Zeit war eine Delegation unserer rumänischen Regierung in Amerika, um Anleihen aufzunehmen und Handelsbeziehungen anzuknüpfen. Dabei kam es ihnen zu Ohren, daß die Regierung der Vereinigten Staaten stark von der öffentlichen Meinung beeinflußt werde. Die Delegation hörte auch, daß die öffentliche Meinung des Westens gegen die Inhaftierung so vieler Menschen stehe.
Nach dieser Information trieb man uns schon am nächsten Tag aus dem Gefängnis. Soviel kann Amerika für die versklavten Völker tun!
Nach der Entlassung nahm ich erneut die christliche Untergrundarbeit auf. Bald fingen die Kommunisten jedoch wieder an, diejenigen zu verhaften, die sie freigelassen hatten. Ich schwebte daher wieder in Gefahr. Doch es kam Hilfe. Kirchliche Organisationen, bes. die Norwegische Israelmission, bezahlten für mich ein Lösegeld in Höhe von 29 000 DM.“

Smith: „Hatten die Behörden keine Angst, Sie aus Rumänien herauszulassen?“

Wurmbrand: „Das ist eine sehr interessante Frage. Die rumänischen Behörden haben einige der Inhaftierten aus Rumänien herausgelassen. Wir haben uns nach dem Grund gefragt. Die kommunistischen Stellen verlassen sich sehr auf die Gehirnwäsche, die sie an den Gefangenen vorgenommen haben. Dieses Vertrauen besteht nicht ohne Grund. Ich will hier keine Namen nennen, aber es sind in Amerika einige rumänische Geistliche, die mit mir zusammen im Gefängnis gewesen sind. Sie sind genauso wie ich gefoltert worden. Unter dem Einfluß der Gehirnwäsche, der sie im Gefängnis ausgesetzt waren, loben einige von ihnen hier den Kommunismus. Man hat ihnen gegenüber allerlei Drohungen geäußert, so daß sie es nicht wagen, gegen den Kommunismus auszusagen. Aber es gibt auch noch einen anderen Grund. Als man einem katholischen Priester einen Reisepaß aushändigte, der es ihm erlaubte, nach Westdeutschland auszureisen, fragte er die Geheimpolizei: ,Haben Sie denn keinerlei Befürchtungen, daß Sie mich nach Deutschland reisen lassen? Sieben Jahre lang bin ich im Gefängnis gewesen. Ich habe soviel Schreckliches durchgemacht. Im Westen werde ich diese Dinge erzählen.‘
Lachend antworteten sie: ,Sie können ruhig dort diese Dinge erzählen. Erzählen Sie ihnen aber ja nur alles! Beschreiben Sie ihnen die schlimmsten Dinge! Je mehr Sie erzählen werden, desto weniger wird man Ihnen Glauben schenken. Niemand wird Ihnen vertrauen.‘

Amerika hat nicht an Hitlers Gaskammern geglaubt, bis die amerikanischen Truppen sie vorfanden. So ist es auch mit den kommunistischen Greueltaten. Sie kommen einem einfach unglaublich vor.
Ich frage mich manchmal selbst des Nachts, ob alles nicht ein Alptraum gewesen ist. So unglaubhaft sind die kommunistischen Grausamkeiten.
Die Kommunisten schüchtern ehemalige Gefangene durch Drohungen ein und haben deshalb kaum die Befürchtung, daß die Gefangenen aussagen werden.“

Smith: „Was sind Sie von Beruf?“
Wurmbrand: „Ich bin ein lutherischer Pfarrer und arbeite jetzt für eine Mission, die sich ,Mission für Europas Millionen‘ nennt. Ihr Ziel ist es, das Evangelium in Europa zu verbreiten. Ich bin mit der Missionsarbeit in den kommunistischen Ländern beauftragt.“

Forderung nach Dokumenten

Smith: „Haben Sie irgendwelche Beglaubigungsschreiben, mit denen Sie sich und Ihre Betätigungen ausweisen können?“
Wurmbrand: „Ja.
Als wir Rumänien verließen, war es uns nicht erlaubt, auch nur ein Stück Papier mitzunehmen. Ich habe viele Leute gebeten, die mich in Rumänien gekannt haben, mir ein Beglaubigungsschreiben zu geben.
Hier habe ich ein Schreiben von einem Mitglied unserer königlichen Familie vorzuweisen. Es heißt darin: ,Ich kann mit Bestimmtheit behaupten, daß es sich bei Wurmbrand um einen Mann edlen Charakters handelt. Ich habe über ihn seit 1947 gewußt .. . Er hat mich tief beeindruckt. Was er berichtet, stimmt mit dem, was ich weiß, überein. Es freut mich, daß Sie an diesem Mann ein wahres Interesse haben, denn er ist es wirklich wert …‘
Ein anderes stammt von Peter Dinisiu, Baptistenprediger rumänischer Herkunft. Es lautet: ,Ich kenne Pastor R. Wurmbrand seit 1936. Er war der Leiter der Schwedischen Israelmission und Vertreter des Weltkirchenrates, einer der bekanntesten lutherischen Pastoren Rumäniens.‘

Ferner ist hier ein Beglaubigungsschreiben von einem der größten christlichen Oberhäupter Rumäniens. Dieser Brief ist aus Rumänien herausgeschmuggelt worden. Um seiner persönlichen Sicherheit willen kann ich den Namen nicht nennen. In dem Schreiben heißt es: ,Ich kann Herrn Wurmbrand als einen der treuesten Nachfolger Jesu Christi empfehlen.'(In der Zeit zwischen dem Verhör und der Veröffentlichung des Protokolles ist dieser rumänische Kirchenführer gestorben. Darum darf jetzt sein Name genannt werden. Es handelt sich um Dr. Friedrich Müller, ehemaliger Bischof der Deutschen Evangelischen Landeskirche.)

Hier habe ich ferner ein anderes Dokument von dem Baptistenpastor in Akron, Alexander Bale. Er ist auch rumänischer Herkunft. Er schreibt: ,Ich kannte Wurmbrand in Rumänien persönlich. Er ist einer der bekanntesten lutherischen Pastoren. Er war der Leiter der Schwedischen Israelmission und Vertreter des Weltkirchenrates. In Rumänien ist er allgemein als ein Kämpfer gegen den Kommunismus bekannt.‘
Hier ist ein anderer Brief von Myrus Knutson von der Our Savior’s American Lutheran Kirche in Los Angeles. Darin heißt es: ,Man hat das Leben und die Berichte Wurmbrands eingehend nachgeprüft. Wurmbrand ist vertrauenswürdig und zuverlässig.‘

Hier liegt ferner ein Dokument vor von der Missionsgesellschaft ,Freunde Israels in Philadelphia. Es heißt darin: ,Wir kennen Wurmbrand. Seine wertvollen Dienste, die er seiner Gemeinde in den Zeiten der Not geleistet hat, und seine vollkommene Hingabe für die Sache Jesu Christi haben Richard Wurmbrand zu einem der bemerkenswertesten protestantischen Pastoren und Christen unserer Zeit gemacht.‘

Ein anderes Schriftstück stammt aus der Feder von Robert Tobias, dem ehemaligen stellvertretenden Sekretär des Weltkirchenrates in Genf. Er schrieb: ,Herr Wurmbrand war Vertreter des Weltkirchenrates.‘
Der Leiter der Lutherischen Weltföderation in Israel, Magne Solheim, der damals in Rumänien war, spricht auch über meine Arbeit im Weltkirchenrat und über die 14 Jahre im Gefängnis. Ich lese aus seinem Brief: ,In der Zeit von 1946—1948, als ich auch als Vertreter der Wiederaufbauabteilung des Weltkirchenrates in Rumänien weilte, arbeitete Pastor Wurmbrand mit mir zusammen, und er leistete sehr wertvolle Dienste.‘

Wenn wir schon lutherische Kirchenführer als Zeugen nennen, dann nehmen Sie bitte auch diesen Brief zu den Akten. Herr Fredrik Schiotz, Präsident der lutherischen Kirchen, schrieb: ,Wir wissen, daß Pfarrer Wurmbrand 14 Jahre um Christi willen in kommunistischen Gefängnissen saß. Wir achten ihn um des Kreuzes willen, das er trug.‘

Hier habe ich ferner einen interessanten Brief eines rumänischen Pfarrers. Es handelt sich um Milan Haimovici, der selbst sieben Jahre in kommunistischen Gefängnissen verbrachte und auch gefoltert wurde. Er schreibt: ,Nachdem man viele Fragen im Blick auf Pfarrer Wurmbrand an mich gerichtet hat, muß ich als einer, der selber gefoltert worden ist, bekennen, daß ich aus eigener Erfahrung weiß, wie Pfarrer Wurmbrand gefoltert worden ist. Die Folterungen bestanden unter anderem darin, daß unser ganzer Körper und unsere Fußsohlen stundenlang geschlagen wurden. Oft ließ man uns auch über lange Zeiträume hinweg hungern. Oder man sperrte uns wochenlang in besonders kleine Zellen, in denen man nur stehen konnte. Die Kommunisten haben uns manchmal auch gezwungen, aus Töpfen zu essen, in die wir unsere Notdurft verrichtet hatten. Ich muß gestehen, daß ich selbst aus einem solchen Topf gegessen habe. Manchmal haben sie uns auch gezwungen, uns barfuß auf brennende Kohlen zu stellen.

Im Namen Gottes kann ich schwören, daß ich all diese Folterungen durchgemacht habe, und nicht nur ich, sondern viele Tausende anderer Gefangener auch, und ebenso Pfarrer Wurmbrand.‘

Ein weiteres Zeugnis, das ich bei mir habe, stammt von Peter Trutza, einem Baptistenprofessor am Northern Baptist Theological Seminary, rumänischer Herkunft. Auch dieses Schriftstück gibt Auskunft über meine Vertretungen beim Weltkirchenrat, und daß ich als lutherischer Pfarrer und Kämpfer gegen den Kommunismus in Rumänien bekannt war und bin.

Der Priester Galdau der rumänischen Orthodoxen Kirche in New York stellte mir folgendes Zeugnis aus: ‚Wurmbrand ist ein lutherischer Pfarrer, der während seiner Rumänienzeit durch seinen Kampf gegen den Kommunismus bekannt wurde. Er ist der Verfasser einiger Bücher, die dieses Thema behandeln.
Zusammen mit Pfarrer Magne Solheim vertrat er den Weltkirchenrat in Rumänien.

Die Internationale Juden-Christliche Allianz gab mir folgende Bestätigung: ,Man hat Pfarrer Wurmbrand von Rumänien für eine große Summe Lösegeld losgekauft, und unsere Organisation hat sich maßgeblich daran beteiligt, um diese Summe von gläubigen Christen aufzubringen.‘

Der schwedische Pfarrer Gote Hedenquist, ehemaliger Sekretär des Weltkirchenrates, erwähnt meine vierzehnjährige Gefängniszeit und meine Arbeit für diese Organisation.

So könnte ich noch gut 50 andere Beweise erbringen, aber ich glaube, daß die genannten genügen. Ausdrücklich will ich hier betonen, daß durch die Vorlage dieser Papiere die angeführten Personen keinerlei Verantwortung für meine Aussage tragen. Ich spreche nur in meinem eigenen Namen, als ein Privatmann. Weder diese Briefschreiber, noch meine Mission sind zu Rate gezogen worden, und sie haben keinerlei Verantwortung für das, was ich aussagen werde. Ich möchte auch besonders zum Ausdruck bringen, daß ich auf keinen Fall mit der freundlichen Einstellung des Weltkirchenrates dem Kommunismus gegenüber einverstanden bin, obwohl ich für diese Organisation gearbeitet habe.“

Die Kommunisten und die Juden

Vorsitzender: „Herr Wurmbrand, sind Sie deutscher Abstammung?“
Wurmbrand: „Nein, ich bin Jude.“
Vorsitzender: „Darf ich eine Frage an Sie richten?
Werden die Juden hinter dem Eisernen Vorhang genauso verfolgt wie die Christen?“
Wurmbrand: „In Rumänien bin ich zusammen mit jüdischen Rabbinern im Gefängnis gewesen. Ich kann einige Namen nennen: Schoenfeld, Deutsch, Junior und viele andere. Ich kann mich nicht mehr an all die Namen erinnern.
Die Kommunisten machen in ihrer religiösen Verfolgung keinen Unterschied.
So bezeugt zum Beispiel Svetlana Stalina, daß ihr Mann in Rußland nur deswegen elf Jahre zwangsweise verschickt worden ist, weil er ein Jude war. Es lag kein anderer Grund vor. Sie sagte auch, daß ihre Schwägerin ebenfalls nur deswegen deportiert worden ist. Sie ist in einem Konzentrationslager getötet worden. Über diese Tatsachen muß die Öffentlichkeit mehr und mehr informiert werden.“

Vorsitzender:
„Diese Tatsachen müssen allgemein bekannt werden. Ich bin Ihnen, der Sie jüdischer Abstammung sind, dankbar, daß Sie diese Vorfälle ans Licht bringen. Das schätze ich sehr.“
Wurmbrand: „Man sagt den Antikommunisten sehr oft nach, daß sie gegen die Juden eingestellt sind. Leider ist das manchmal wahr, aber viel häufiger trifft das nicht zu. Auf jeden Fall kann man mir das nicht vorwerfen, denn ich bin ein Jude und liebe mein jüdisches Volk. Gewöhnlich wird angenommen, daß Stalin gegen die Juden eingestellt war. Stalin aber hat nicht einen einzigen Juden umgebracht. Er hat seine Schergen gehabt, und diese hießen Mikojan, Chruschtschow, Kossygin und Breschnjew. Sie waren mit ihm zusammen Mitglieder des Zentralkomitees, als man diese antisemitische Politik betrieb. Es ist heller Wahnsinn, wenn einige Juden in Amerika und in andern Teilen der Welt bereit sind, für diesen antisemitischen Kommunismus zu sterben.
Djilas, ein alter Kommunist, den Tito verhaftete, erwähnt in seinem Buch den Antisemitismus, der im Kreml herrscht, und vor dem er sich selbst fürchtete.
Ein Christ kann die Juden nur lieben, denn von menschlicher Seite her, vom Volkstum her, ist das Christentum jüdischen Ursprungs.
Vom religiösen Standpunkt aus gesehen, werden die Juden in Rußland schrecklich behandelt. In Kiew gibt es ungefähr 300.000 Juden, die nur eine Synagoge besitzen, der ein achtzigjähriger Rabbiner noch vorsteht.
In Vilnus gibt es auch nur eine einzige Synagoge.
Den Hauptrabbiner von Georgien hat man an den Füßen aufgehängt.
In Taschkent hat erst kürzlich eine Judenverfolgung stattgefunden. Man hat Juden in Rußland zum Selbstmord getrieben, indem man sie vor der Geheimpolizei erscheinen ließ, die ihnen auftrug, De-monstrationen gegen Israel zu organisieren.

Diesem Auftrag konnten sie nicht Folge leisten, erstens, weil Israel im Recht ist, und zum anderen, weil sie selbst zu Israel gehören. Und sie bereiteten ihrem Leben lieber selbst ein Ende, als ins Gefängnis zu gehen.
In der vergangenen Woche wurden aus der polnischen Armee Offiziere jüdischer Abstammung entlassen.
Man hat die Einstellung der Kommunisten gegenüber den Juden in der kürzlichen Krise im Nahen Osten gesehen, wo alle kommunistischen Länder auf Seiten der Feinde Israels waren.
Ich bedauere es sehr, daß es immer noch einige Juden gibt, die es nicht begreifen, daß ein Kommunist zu sein gleichzeitig bedeutet, zum Verräter an den Juden zu werden.“

Vorsitzender: „Ihre Aussage ist für mich von großer Wichtigkeit. Ich bin froh, daß dies im Protokoll zum Ausdruck kommt. Ich bitte Sie, diesen Punkt etwas zu erläutern.“

Wurmbrand: „Karl Marx war antisemitisch. Obwohl er selbst jüdischer Abstammung gewesen ist, hat er ein heftiges antisemitisches Buch mit dem Titel ,Das jüdische Problem‘ geschrieben. Ich kann Herrn Aptheker, dem Theoretiker der amerikanischen kommunistischen Partei, nur empfehlen, dieses Buch zu lesen.
Die offizielle Linie der „Kommunistischen Internationale* den Juden gegenüber ist in einem Buch von Heller mit dem Titel ,Der Untergang des Judentums?‘ festgelegt. Dies ist eines der grundsätzlichen Bücher der Kommunistischen Internationalen Organisation. Die Erstauflage dieses Buches erschien in Deutschland. In dieser Veröffentlichung wird behauptet, daß der Kommunismus das Ende für das Judentum bedeutet.
Ich nehme an, daß Herr Aptheker, für den ich wie für jeden Menschen Gefühle der Liebe hege, dieses Buch nicht gelesen hat. Ich würde ihm dieses Buch sowie das Buch von Marx ,Das jüdische Problem‘ zum Lesen empfehlen.
Der Kommunismus ist von Anfang an antisemitisch gewesen.
Meines Wissens ist die Anzahl der jüdischen Kommunisten gering. Nur wenige Juden sind Kommunisten, aber diese wenigen machen viel Lärm, so daß es fälschlicherweise den Anschein hat, als ob es viele gäbe.“

 

Tarnung beiderseits

Smith: „Pfarrer Wurmbrand, sind Sie unter einem anderen Namen oder verschiedenen Namen bekannt gewesen?“
Wurmbrand: „Ja. Aus zweierlei Gründen habe ich in meinem Leben sehr viele verschiedene Namen gehabt.
Der erste Grund ist, daß ich für die Untergrundkirche gearbeitet habe. Außerdem habe ich in Rumänien die geheime christliche Missionsarbeit unter den Soldaten der sowjetischen Armee geleitet.
Unser Vaterland wurde von ungefähr einer Million russischer Soldaten überrannt. Ich spreche fließend Russisch, genauso gut wie ich Englisch spreche. Sie werden natürlich sagen, genauso schlecht, aber jedenfalls beherrsche ich ihre Sprache. Ich organisierte sofort ein geheimes Werk unter den Soldaten und zur gleichen Zeit eine Untergrundmission unter den Rumänen selbst. Wohin ich auch immer fuhr, sei es in ein Dorf oder sei es in eine Stadt, überall erschien ich unter einem anderen Namen.
Jetzt verstehe ich Teile der Heiligen Schrift, die mir zuvor nie klar gewesen sind. Ich lernte es begreifen, warum es im Neuen Testament heißt: Simon, den er Petrus nannte, Jakobus und Johannes, denen er den Namen Donnersöhne gab, Simon, genannt Niger, Johannes mit dem Zunamen Markus usw“.
Jetzt verstehe ich diese Zusammenhänge. Die Kirche der Urchristen war eine geheime Organisation, also auch ein Untergrundwerk. Die Christen in kommunistischen Ländern arbeiten genauso unter Decknamen. Und wir stellen uns niemals mit Namen vor. Ich habe auch unter falschem Namen Bücher herausgebracht.

Die Kommunisten haben übrigens auch ihr Tarnungssystem.
Als ich im Gefängnis eintraf, sagte man mir gleich am ersten Tag: ,Von nun an heißen Sie Vasile Georgescu. Ihren richtigen Namen dürfen Sie niemandem sagen.*
Man hat mich nicht auf die übliche Art und Weise verhaftet, sondern einfach auf der Straße entführt. Das war damals der Brauch der Geheimpolizei.
Man protestierte gegen meine Verhaftung. Der schwedische Gesandte und andere erhoben Einspruch. Die Kommunisten gaben zur Antwort: ,Man hat Wurmbrand nicht verhaftet, sondern er ist verschwunden.‘ Damit kein Wächter, etwa unter Alkoholeinfluß, das Geheimnis ausplaudern konnte, daß ich im Gefängnis steckte, durfte er nicht meinen richtigen Namen wissen.
Auch griechisch-katholischen Bischöfen und anderen Gefangenen, die im Ausland bekannt waren, wurden im Gefängnis falsche Namen gegeben.“

Smith: „Warum war das notwendig?“
Wurmbrand: „Für uns in der Untergrundkirche war es eine Notwendigkeit, Decknamen zu haben, weil uns die Geheimpolizei auf Schritt und Tritt verfolgte. Wenn es in einem Dorf oder in einer Stadt bekannt geworden wäre, daß ich da bin, hätte man mich sofort verhaftet. Aber mit diesem falschen Namen konnte ich mich verbergen. Wenn die Geheimpolizei ihren Gefangenen im Kerker andere Namen gab, so war das nur der Versuch, vor den Leuten zu verheimlichen, wer im Gefängnis war.
Die Geheimpolizei hatte die Methode, die Leute von der Straße weg zu verschleppen. Die unglücklichen Opfer waren dann plötzlich verschwunden. Auf die Anfragen der Familie gaben sie unter anderem zur Antwort: ,Ja, wer kann denn wissen, wo er untergetaucht ist? Vielleicht hat er irgendwo ein Mädchen gefunden, und jetzt ist er verschwunden.‘

Anna Pauker, die damals Leiterin des rumänischen Außenministeriums war, sagte zu dem schwedischen Gesandten Patrick von Reuterswärde: , Wurmbrand ist nicht verhaftet worden. Er ist irgendwo untergetaucht; höchstwahrscheinlich ist er aus dem Land geflohen.‘
Das war der Grund, weshalb man uns im Gefängnis falsche Namen gab.“ Ashbrook: „Darf ich an dieser Stelle eine Frage an Sie richten?

Pfarrer Wurmbrand, Sie behaupten, daß die Gefängnisverwaltungen, wenn nötig, Ihren richtigen Namen und die richtigen Namen anderer religiöser Gefangener in Wirklichkeit vor der Öffentlichkeit geheimhalten würden.
Geschah dies aus dem Grunde, weil man sich sonst in Rumänien gegen den Staat wegen seiner Unterdrückung der Religion empört hätte? Fürchtete sich die Regierung, der öffentlichen Meinung entgegenzutreten?“
Wurmbrand: „Darauf werde ich eine einfache Antwort geben. Ich habe in Kansas City gepredigt. Dort wurde ich mit den Worten vorgestellt: ,Hier ist ein Pfarrer aus einem kommunistischen Land.‘
Ich protestierte: ,Ich bin nicht aus einem kommunistischen Land. Ich komme aus einem christlichen Land, welches von den Kommunisten unterdrückt wird.‘

 

Terror der Minorität

Bei uns ist praktisch beinahe niemand kommunistisch eingestellt. Die Kommunisten sind eine kleine, eine unendlich kleine Minorität, die durch Terror und Betrug regiert. Diese Regierung ist uns von den Russen aufgezwungen worden. Rumänien aber ist kein kommunistisches Land.

14 Jahre habe ich unter Dieben und Mördern zugebracht und nicht in der Gesellschaft vornehmer Herren. Es mag sein, daß ich feine Manieren verlernt habe, und daß ich unhöflich bin. Ich habe hier aber geschworen, die ganze Wahrheit zu sagen. Deswegen werde ich einfach berichten, was ich weiß und was ich denke.
Mein Sohn studiert jetzt an einer Universität in Kalifornien. Dort hat man ‚Amerikanische Mörder‘ an die Wände geschrieben. An unseren Universitäten kommt so etwas nicht vor. Wenn jemand das in einer rumänischen Universität schreiben würde, dann würden die rumänischen Studenten dies sofort entfernen.
In unserem Lande könnte niemand eine amerikanische Fahne verbrennen. Die Rumänen würden auf ihm mit Füßen herumtrampeln. Wir sind kein kommunistisches Land.“

Ashbrook: „Dann kann man wohl mit Recht annehmen, daß es zum Beispiel unter den Christen in Rumänien nicht allgemein bekannt ist, daß Sie 14 Jahre lang im Gefängnis waren?“

Wurmbrand: „Die Kommunisten befürchteten, daß Unruhen entstehen könnten. Zuletzt wurde es aber doch bekannt. Die Machthaber hatten nur versucht, die Unruhen solange wie möglich hinauszuzögern. … Bevor ich Rumänien verließ, mußte ich zweimal vor der Geheimpolizei erscheinen. Man sagte mir: Jetzt verlassen Sie Rumänien. Über Jesus können Sie predigen, soviel Sie wollen. Nur uns erwähnen Sie nicht! Wenn Sie über uns zu reden anfangen, werden wir einem Gangster tausend Dollar geben, damit er Sie erledigt. Diese Aussage entsprach nicht der Wahrheit, weil die Kommunisten nämlich schon für 500 Dollar Mörder dingen.
Man drohte mir auch, mich eventuell nach Rumänien zurückzuholen. Daß Menschenverschleppungen vorkommen, weiß ich aus eigenem Erleben. Ich habe mit einem rumänisch-orthodoxen Bischof, Vasile Leul, die gleiche Zelle geteilt. Ihn hatte man aus Österreich verschleppt und ihn wieder in ein rumänisches Gefängnis zurückgebracht. Es gibt viele andere, die das gleiche Schicksal erlitten haben. Die Geheimpolizei warnte mich auch: ,Wir können Sie ebenfalls moralisch erledigen. Wir erfinden eine Affäre mit einem Mädchen oder die Veruntreuung von Geldern oder etwas Ähnliches, und die Leute werden es glauben. Sehen Sie sich deshalb vor, wie Sie handeln.‘  Ich weiß von sehr schlimmen Verbrechen, die erst kürzlich an anderen unglücklichen Opfern verübt worden sind.“

 

Mord und Menschenraub

Tschechoslowakische Agenten der kommunistischen Geheimpolizei mit Namen Jaroslav Kovar, Jindrich Zelenka und Josef Ruzicka haben elf Männer und zwei Frauen, die in Westdeutschland, der Schweiz und anderen Ländern der freien Welt lebten, getötet. Die Kommunisten waren aus irgendeinem Grund der Ansicht, daß deren Leben ihnen eine Gefahr sein könnte.

Ich habe hier sogar die Namen der ermordeten Personen:
Es handelt sich um Christa Wanninger. Sie wurde in Rom getötet. Marcel Leopold. Er wurde mit einem vergifteten Pfeil umgebracht. Dr. Paul Stauffer wurde durch fünf Schüsse getötet.
Matus Cernak erhielt in seiner Wohnung in München ein Paket. Beim Öffnen explodierte es, und drei Personen kamen ums Leben.
Ein Überläufer der tschechoslowakischen Polizei gab die Namen der Mörder bekannt und berichtete von den verbrecherischen Aktionen.

Was für wunderbare Zustände in unserem Lande herrschen, können Sie an der Tatsache ersehen, daß der Bruder unseres Staatspräsidenten Ceaucescu vor ungefähr zwei Monaten landesflüchtig wurde. Dieser Flüchtling ging nach Frankreich, und von dort aus verschleppten ihn die Agenten der rumänischen Geheimpolizei. Er befindet sich jetzt in einem rumänischen Gefängnis. Ich könnte Ihnen viele solcher Fälle, die geschehen sind,“

 

Sie wollen es nicht glauben

Roudebush: „Ich möchte noch eine andere Frage an Sie stellen. Sie sagten, daß die Geheimpolizei bei Ihrer Freilassung keinerlei Furcht vor dem hatte, was Sie berichten würden. Die Polizei war der Ansicht, daß die Menschen der freien Welt Ihnen die Berichte nicht glauben würden.“
Wurmbrand: „Ja.“

Roudebush: „Finden Sie, daß diese Behauptung wahr ist?“
Wurmbrand: „Sie ist zum Teil wahr. Beinahe jeden Abend predige ich in irgendeinem Hörsaal oder in einer Kirche irgendeiner konfessionellen Richtung. Ich habe vor Katholiken, Lutheranern, Juden und vielen anderen gepredigt. Die breite Masse glaubt uns. Sie weint, wenn sie hört, was dort geschieht. Nur hat das Volk nicht den geringsten Einfluß auf diese Vorgänge.
Wenn man aber zu den Kirchenführern kommt, so schenken einige einem keinen Glauben, oder sie bitten mich, ja flehen mich sogar an, nicht über meine Erfahrungen zu sprechen.“

Roudebush: „Sie behaupten, daß Sie von Kirchenführern gebeten wurden, über Ihre Erlebnisse nicht offen zu reden?“
Wurmbrand: „Ja, gewiß. Es ist ein Buch von mir erschienen mit dem Titel ,Wurmbrands Briefe‘. In diesem Buch sind Briefe enthalten, die ich an die Leiter des Weltkirchenrates und an christliche Organisationen in Amerika und auch an katholische Kirchenhäupter geschrieben habe. Solche Kirchenführer baten mich: ,Gut, reden Sie über Jesus! Wir wissen, daß Sie ein sehr begabter Prediger sind, und hierin werden wir Sie unterstützen. Aber sprechen Sie nicht gegen den Kommunismus, weil das den Haß der Menschen auf die Kommunisten und die Russen erwecken würde.“

Ich gab zur Antwort: ,Ich bin ein Mann, der nicht aus dem Urwald kommt, sondern aus dem Dschungel eines unterirdischen Gefängnisses. Ich habe 14 Jahre lang kaum ein einziges Buch zu Gesicht bekommen. In der gleichen Zeit habe ich — von ein oder zwei Ausnahmen abgesehen — nie einen Bleistift in meiner Hand gehalten.
Sie geben mir diesen Rat, aber ich weiß, daß Sie persönlich gegen die Ungerechtigkeiten, die man den Negern im Süden zufügt, demonstriert haben. Ich bin ein Fremder in diesem Land, und ich weiß nicht, ob diese Ungerechtigkeiten wirklich geschehen sind, oder ob es sich um unerwiesene Behauptungen handelt.
Nehmen wir an, daß sie tatsächlich wahr sind. Sie haben dagegen einen Protestmarsch unternommen.
Hatten Sie keine Befürchtungen dabei, daß Sie den Haß der Neger auf die Weißen schüren würden?

Warum kann man in jeder amerikanischen Stadt Filme über die Greueltaten der Nazis gegenüber den Juden sehen — und solche Filme sollte es geben. Es war ein ungeheuerliches Verbrechen, Millionen von Juden zu töten. Meine Familie ist auch getötet worden. Aber ich kann dem nicht zustimmen, daß es nur verkehrt ist, Juden zu töten. Man sollte genausowenig Russen töten oder Rumänen und Chinesen. Diese Menschen werden aber von den Kommunisten überall getötet. Nennen Sie mir in Amerika einen Film über diese Greueltaten, die ich aus der Sowjetpresse dokumentarisch belegen kann. Es sind ja Greueltaten, die heute geschehen.

Und mir sagten dann solche Kirchenführer: Sprechen Sie nicht über diese Dinge. Dann fragte ich sie: Wie ist das möglich, daß Sie mir genau den gleichen Rat geben wie damals die Geheimpolizei? Jene haben mir auch aufgetragen: predigen Sie Christus und reden Sie nicht über den Kommunismus.
Die breite Masse der Christen und Juden kann einfach fühlen, daß ich die Wahrheit spreche. Sie reagieren darauf, und sie weinen.
Aber die Kommunisten sind nicht an der breiten Masse interessiert, weil sie wissen, daß die Dinge hier nicht entschieden werden. Was nun die kirchlichen Leiter, die an der Spitze stehen, angeht, so mußte ich die bittere Erfahrung machen, daß viele von ihnen nicht meinen Berichten glaubten.

Irregeführt

Als ich nach Amerika kam, war ich leichtgläubig. Ich glaubte, daß ein Leiter des Weltkirchenrates oder des National Council oder der Presbyterianischen Kirche oder der Lutherischen Kirche ein Vertreter Christi hier auf Erden sei. Ich ging zu solchen Männern wie zu Brüdern. Aber ich fand bei ihnen nicht das Mitgefühl für die Märtyrerkirche, das Christus hatte.

Ich kann nicht wirklich zum Ausdruck bringen, was mich beseelt. Ich bin nur ein schwacher Mensch. Wenn die Menschen der westlichen Welt schlafen, so kann ich es nicht. Die schrecklichen Erfahrungen der Vergangenheit stehen mir vor der Seele. Wenn ein Christ der westlichen Welt zur Kirche geht, so hört er dort die christlichen Lieder. Ich aber höre die Schreie der gefolterten Märtyrer. Es gibt ein anderes christliches Lied, welches man in den kommunistischen Ländern singt: ,Haaa, haaa, haaa, schlagt mich nicht, schlagt mich nicht!‘  Das ist ein christlicher Gesang, den ich 14 Jahre lang Tag und Nacht zu hören bekam. Auch jetzt, nachdem ich in der freien Welt lebe, höre ich immer noch diesen Gesang. Meine Seele und meine Erinnerung ist darin verwickelt; und ich meine, daß jeder Christ so wie ich mit den Gefolterten mitfühlen muß. Wir Christen sind ein Leib. Und selbst, wenn Sie nicht Christ sein sollten, dann sind Sie aber ein Mensch, und Sie müssen mit anderen Menschen empfinden. Ich würde auch für einen Mohammedaner fühlen. Ich fühle für einen Kommunisten, wenn man ihn foltert. Ich fühle mit einem Verbrecher. Einen Verbrecher sollte man nicht foltern.

Während meines Aufenthaltes in Philadelphia berichteten die Zeitungen von einer Massenversammlung gegen den Vietnamkrieg. Ich habe niemals eine Demonstration gegen die Regierung meines Landes gesehen. So etwas gibt es in den kommunistischen Ländern einfach nicht.
So ging ich aus Neugierde hin, und ich stand in der Nähe des Rednerpultes. Ein presbyterianischer Pfarrer leitete die Demonstration. Solange er gegen den Präsidenten Johnson und gegen den Krieg sprach, berührte mich das nicht. Ich bin ja ein Ausländer. Ich werde mich niemals in die inneren Angelegenheiten Amerikas mischen. Aber dann fing er an, den Kommunismus zu loben. Das konnte ich nicht ertragen. Und da er ein kleiner Mann war und ich groß bin, machte ich nur eine Handbewegung. Damit war der Redner von der Plattform weggefegt. Ich stand oben. Ich sagte dann diesem Redner: ,Wie können Sie es wagen, die Kommunisten zu rühmen? Die Kommunisten foltern Christen/ Er fragte mich: ,Was wissen Sie über den Kommunismus?‘

Da antwortete ich ihm: ,Ich bin ein Doktor des Kommunismus, und ich werde Ihnen meinen Doktortitel zeigen.‘ Damit zog ich mich bis zur Hüfte aus und zeigte meinen Oberkörper. Ich habe 18 Narben. Ich wußte nicht, daß es in Ihrem Lande verboten ist, sich in der Öffentlichkeit zu entkleiden. Als ich auf meine Narben wies, erklärte ich: ,Diese Wunden stammen von der Behandlung der Kommunisten.‘
Ein Zuhörer fragte mich: , Warum haben die Kommunisten Sie so behandelt?‘ Ich antwortete: ,Weil ich ein Mörder bin? Glauben Sie, daß man Mörder foltern sollte? Ist Oswald (Mörder von Präsident Kennedy) gefoltert worden? Hat man Ruby (Mörder von Oswald) gefoltert? Sind Sie wirklich der Meinung, daß man Mörder foltern soll?“ Die Anwesenden antworteten: ‚Nein!‘
‚Gut‘, sagte ich, ‚ich bin niemals des Mordes angeklagt gewesen. Ich bin ein Geistlicher, genau wie der Redner hier. Dieser Mann ist aber ein Judas. Er lobt die Kommunisten anstelle von Jesus.‘
Und dann wurde dieser presbyterianische Pfarrer von seinen Anhängern als ein Judas mit Pfui-Rufen überschüttet. Jemand zerschnitt die Leitung des Mikrophons, die Polizei führte mich hinaus.“

Vorsitzender: „Herr Pfarrer, ich will mich nicht gegen Ihre Aussage wenden, aber Sie behaupten Dinge, die man hier nur schwer glaubt.“

Wurmbrand: „Ja, ich bin mir dessen bewußt. Unglaubliche Dinge geschehen. Es gibt einige amerikanische Pfarrer, die den Kommunismus öffentlich loben.“
Vorsitzender: „Es ist unvorstellbar, daß es verantwortliche religiöse Führer gibt, die nicht haben wollen, daß Sie gegen den Kommunismus aussagen, und Sie dazu noch warnen, darüber zu sprechen. Das kommt mir in der Tat unerhört vor.“
Wurmbrand: „Wenn Sie mir es erlauben, so werde ich Ihnen Dokumente aus der Sowjetpresse zeigen, welche die Verurteilung von Christen bezeugen. Wenn ich diese Zeitungen lesen kann, dann kann sie jeder andere in Amerika auch lesen und sich die Zeitungen übersetzen lassen.

Wegnahme der Kinder

Meine russischen Dokumente bezeugen, daß man Kinder von ihren Eltern weggenommen hat, weil sie von ihnen über Christus unterrichtet worden sind. Wie.würde es Ihnen, meine Herren, gefallen, wenn man Ihnen die Kinder wegnähme? Ich kann Ihnen alle diese Dokumente hier vorlegen.
Die Dokumente bezeugen auch die Beschlagnahmung der Bibeln. Sie beschreiben alle Greuel, die sie begehen. Ich ging mit solchen Dokumenten zu christlichen Kirchenführern. Einige von ihnen waren mit anderen Problemen beschäftigt. Sie hatten gegen den Krieg in Vietnam vor dem Weißen Haus zu demonstrieren und hatten daher keine Zeit für meine Dokumente. Ich spreche hier nicht über das Für und Wider des Vietnamkrieges. Ich habe kein Verlangen, mich hier einzumischen. Warum haben aber diese Kirchenführer nicht vor der russischen Botschaft für ihre gefolterten Brüder in Christus demonstriert?

Ich übergebe Ihnen hiermit diese Unterlagen. Wenn die Kirchenführer bisher falsch informiert gewesen sind, so können sie es von nun an nicht mehr behaupten. Ich bin bereit, mich sowohl mit den Leitern der kommunistischen Partei als auch mit den Führern der kirchlichen Organisationen auseinanderzusetzen. Wenn sie behaupten, daß es in den kommunistischen Ländern religiöse Freiheit gibt, dann sollen sie aber meine Gegenbeweise widerlegen. Man kann an mir zweifeln, aber nicht an meinen Dokumenten.

Sokrates sagt: ,Man kann mich widerlegen. Aber die Wahrheit kann nicht widerlegt werden. Man kann Sokrates einfach als einen Homosexuellen abschreiben, aber seine Philosophie läßt sich nicht so abschreiben. Mich können Sie auch abschreiben. Ich bin ein Sünder. Meine Dokumente aber, die ich Ihnen hier vorlege, können nicht widerlegt werden. Jemand schrieb mir einen Brief: ,Ich kenne eine Ihrer Sünden, die Sie im Jahre 1930 begangen haben.‘ Vielleicht hat dieser Briefschreiber von einem Rumänen davon gehört. In diesen Worten lag eine Drohung und die Hoffnung, daß ich in der Zukunft schweigen werde.
Meine Antwort an diesen Brief Schreiber lautete: ‚1930 war ich zwanzig Jahre alt und kein Christ. Ich kann Ihnen eine Liste mit 50 Sünden, die ich 1930 begangen habe, schicken und eine andere mit 50 Sünden, die ich heute begehe. Glauben Sie denn nicht an die Vergebung der Sünden durch das Blut Jesu Christi?‘ Wie kann ein christliches Kirchenoberhaupt mich an eine Sünde erinnern wollen, die seit langem durch die Vergebung und die Taufe weggewaschen worden ist?
Mich braucht also niemand daran erinnern, daß ich ein Sünder bin. Über diese Anklage kann man aber nicht die Tatsachen widerlegen, daß die Kommunisten die Angehörigen der Religion verfolgen. Diese Tatsachen müssen Amerika und der ganzen freien Welt bekannt gemacht werden. Die Christen sind in den Ostblockstaaten unterdrückt. Sie werden dort tyrannisiert. Ich überbringe Ihnen den Schrei derjenigen, die man unterdrückt. Wenn es mir erlaubt ist, so werde ich Ihnen ein Dokument zeigen.“

Smith: „Herr Vorsitzender, Pfarrer Wurmbrand hat dem Komitee vor einigen Monaten über 50 Dokumente zugesandt, die wir bei seiner heutigen Aussage vorlegen wollen. Diese Dokumente sind in russischer Sprache. Auf die Bitte des Komitees hin hat die Bibliothek des Kongresses diese Dokumente ins Englische übersetzt. Jedoch hat Pfarrer Wurmbrand jetzt Dokumente neueren Datums, die er mit seiner Aussage unterbreiten wird.
Weil dem Komitee nicht genügend Zeit zur Verfügung stand, sich diese Dokumente ins Englische übersetzen zu lassen, wird Pfarrer Wurmbrand bei seinem Vortrag jeweils den Inhalt der Schriftstücke zusammenfassen.
Ich ersuche um Erlaubnis, daß alle diese Dokumente, sowohl diejenigen, die man uns zuvor zugesandt hat, als auch die, welche er heute unterbreiten wird, zu einem Teil des Protokolls gemacht werden. Später soll dann festgestellt werden, ob man sie als Beweismittel vervielfältigt.“

Doppelte Kirche

Vorsitzender: „Ich kann diese Dokumente akzeptieren, die aus Rußland stammen. Ich muß aber doch bekennen, daß es für mich unglaubhaft klingt, daß ein verantwortungsbewußter Geistlicher oder ein verantwortungsbewußter Mensch in Amerika es versuchen würde, Ihr Reden gegen den Kommunismus zu unterdrücken.“

Wurmbrand: „Der Ausdruck ‚Kirche‘ ist ein zweideutiges Wort. Es gibt eine Kirche, die Gemeinde Jesu, die Braut Christi. Ich habe viele dieser Kirche für Jesus sterben sehen. Es gibt aber auch eine Kircheneinrichtung, in der man ein Oberhaupt werden kann, wenn man die richtigen akademischen Qualifikationen dafür besitzt, und nicht etwa deshalb, weil man von einer brennenden Liebe für Jesus beseelt ist. Es ist eine Kirche, in der man keine Tränen für diejenigen vergießt, die zu Tode gefoltert werden.
Die wahre Kirche weint und jubiliert mit. Wenn Sie es gestatten, lege ich Ihnen nur ein einziges Dokument vor, das ich aus der Vielzahl der anderen ausgesucht habe.“

Tuck: „Vorausgesetzt, daß es zum vorgeschlagenen Verfahren des Beirates keinen Einwand gibt, können Sie fortfahren.“

Smith: „Pfarrer Wurmbrand, Sie haben die Eröffnungsrede des Herrn Vorsitzenden gehört, in der er darauf hinwies, daß die kommunistische Partei der Vereinigten Staaten im Gegensatz zu ihrer alten Propagandalinie der Unvereinbarkeit von Kommunismus und Religion jetzt behauptet, daß sich Christentum und Kommunismus vereinbaren lassen. Sie fordern, daß Christen mit den Kommunisten zusammenarbeiten sollen, und daß dies zu ihrem gegenseitigen Nutzen gereichen könnte.

Die Zeitschrift Political Affairs (Politische Affären) ist ein offizielles Organ der kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten. In der Juliausgabe dieser Zeitschrift vom Jahre 1966 steht ein Artikel von Herbert Aptheker.
Herbert Aptheker ist als der Theoretiker der kommunistischen Partei anerkannt. Ich zitiere: ‚Natürlich bekämpft der Marxismus die religiöse Verfolgung und bekämpft vor allem die Zwangsmethoden, welche sich gegen die Religion richten.‘
Ferner zitiere ich einen anderen Verfasser, Fräulein Betty Gannet, eine hohe Parteifunktionärin der kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten. Sie ist gegenwärtig die Herausgeberin der Political Affairs. Sie schreibt in der gleichen Nummer zu dem Thema ‚Religion in der Sowjetunion‘ folgendes: ‚Entgegen der in unserem Land allgemein verbreiteten falschen Auffassung hat die Sowjetunion niemais Gesetze erlassen, welche die Gewissensfreiheit oder das Recht der Religionsausübung einschränken. Im Gegenteil, sie hat nicht nur Religionsfreiheit proklamiert, sondern gesetzlich garantiert. Kein Organ der Sowjetregierung hat je eine antireligiöse Propaganda angeordnet.‘

Haben Sie heute irgendwelche Dokumente bei sich, die beweisen, daß diese Behauptungen falsch sind?“

Wurmbrand: „Zuallererst habe ich die doktrinären Feststellungen unserer Kommunisten. Hier in Amerika behaupten sie, was von Ihnen vorgelesen worden ist.
Als die Kommunisten bei uns in Rumänien an die Macht gelangten, waren sie sehr schwach. Sie gaben deshalb vor, Freunde der Religion zu sein. Unsere kommunistische Partei hatte nur 10 000 Mitglieder, als sie die Regierungsgewalt an sich rissen. Diese Regierung ist uns von den Russen aufgezwungen worden. Wyschinski war zu unserem König gegangen, hatte mit der Faust auf den Tisch geschlagen und erklärt: ,Sie müssen diese kommunistische Regierung nominieren.‘

Damals, als sie sich schwach fühlten, haben sie in Rumänien eine Konferenz für die Vertreter aller Religionen in unserem Parlamentsgebäude anberaumt. Es waren damals 4000 Priester, Pfarrer, Rabbiner und Mullahs anwesend. Der Premierminister der kommunistischen Regierung hielt eine Rede und erklärte: ,In alten Zeiten hat man in Rußland schlimme Dinge gegen die Religion unternommen. Diese Zeiten sind längst vorbei. Sie sollten auf unserer Seite stehen. Wir werden die Religionen und Kirchen unterstützen.‘ Der Innenminister, Teohari Georgescu, ein alter Kommunist, bekreuzigte sich großartig und küßte die Ikonen (Heiligenbilder).
Wir haben das gesehen. Und die Priester glaubten ihnen. 4000 Priester und Pfarrer spendeten dem kommunistischen Premierminister Beifall. Unter diesen 4000 befand sich nur ein Pfarrer, der an Ort und Stelle protestierte. Ein Pfarrer unter Viertausendl Dieser kam ins Gefängnis. Er steht heute vor Ihnen.
Überall in der Welt sagen die Kommunisten, daß sie Freunde der Religion sind, bis sie am Schalthebel sitzen. Dann ändern sie ihre Taktik.

Ich werde Ihnen jetzt zeigen, was sie tun, wenn sie einmal die Regierung übernommen haben. Ich habe hier Hunderte von Dokumenten. Ich kann Ihnen gar nicht alle unterbreiten und habe nur aus allerjüngster Zeit ausgewählt, etwa Ende 1966 und 1967. Ich habe aber auch Dokumente älteren Datums.

Aggressiver Atheismus

Zuerst lege ich Ihnen zwei doktrinäre Erklärungen der Kommunisten vor. In der Prawda vom 12. Januar 1967 lesen wir folgendes:
,In wahrem Einklang mit den Leninistischen Traditionen werden die Probleme des Atheismus von unserer Partei stets mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Der Kampf gegen religiöse Überreste ist nicht von der Beschaffenheit einer Kampagne eines vereinzelten und in sich abgeschlossenen Vorfalles. Vielmehr ist der Kampf ein untrennbarer Teil der ganzen ideologischen Aktivität der Parteiorganisation. Die Partei ist in ihrer ganzen Organisation und ihren ideologischen Institutionen auf eine aggressive atheistische Aktivität ausgerichtet.‘
Diese Erklärung kam gerade einige Tage, bevor Podgorny eine Audienz beim Papst erhielt. In der Parteizeitschrift Der Kommunist der Armee vom Februar 1967 lesen wir folgendes:
„Religion und wissenschaftlicher Kommunismus können weder etwas gemeinsam haben, noch sind sie miteinander verwandt, was durch die Schüler des Marxismus-Leninismus nachgewiesen wurde. In der Zukunft wird man alle Formen der Religion auf den Abfallhaufen der Geschichte werfen.“

In dieser Ausführung ist bedeutsam, daß alle Formen der Religion einmal absolviert werden, auch diejenigen, mit denen der Kommunismus heute zusammenarbeitet.
Wie die praktische Seite dieser kommunistischen Doktrinen aussieht, werde ich Ihnen jetzt anhand der Verurteilung von Christen erläutern.

In der Zeitung ,Bakinsky Rabotshi‘ (Der Arbeiter von Baku) wird in der Nummer vom 20. Februar 1967 der Bericht über einen Schauprozeß gegeben. Der Artikel ist überschrieben: ,Die Fanatiker dürfen nicht Hand an Kinder legen.‘ Hunderte von Arbeitern von allen Fabriken und auch die Studenten wurden gezwungen, in einem großen Auditorium an dem Schauprozeß teilzunehmen. Die abkommandierten Zuhörer müssen während der Verhandlungen die Verachtung des Angeklagten durch Pfuirufe ausdrücken. In dem vorliegenden Fall handelte es sich um einen Vassily Romanov. Die Anklageschrift sagte aus, daß sein Verbrechen darin bestand, daß er viele Kinder und Jugendliche für Christus gewonnen hatte. Der Mann hatte über das Jüngste Gericht und die bevorstehende Wiederkunft Christi gepredigt. Sein schlimmstes Verbrechen bestand darin, daß er sagte: ,Wir müssen unsere Feinde lieben.‘ Feindesliebe gilt also in der kommunistischen Welt als Verbrechen.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Familie. Mein Sohn besuchte eine kommunistische Schule. In den Anfangsklassen der Volksschule brachte man ihnen das Rechnen in folgender Weise bei: ,Wenn du von 22 Amerikanern 18 erschossen hast, wie viele bleiben dann übrig?‘ Um einen solchen Haß säen zu können, müssen die Kommunisten natürlich die Feindesliebe bekämpfen.

In dem erwähnten Schauprozeß wurde dann der Angeklagte Romanov gemäß § 141 des Strafgesetzbuches der Sowjetrepublik verurteilt. Dieser Paragraph gilt bis heute. Und die amerikanischen Kommunisten sagen, daß es kein Gesetz gibt, das einem Menschen verbietet, die Religion auszuleben oder über Jesus zu sprechen.
Weitere Artikel werden diesen Sachverhalt noch deutlicher machen.

Dieser verurteilte Christ Romanov hat unter anderem Kindern religiöse Filme gezeigt, die in unser Land eingeschmuggelt worden sind. Die Missionsgesellschaft, der ich angehöre, hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, heimlich religiöse Filme in die kommunistischen Länder einzuführen. Romanov hat ferner die Kinder unterrichtet und sie gelehrt, Seelen zu gewinnen und religiöse Gedichte in der Schule zu verteilen. In der Sowjetpresse hieß es dann in dem Kommentar über die Verurteilung Romanovs: ,Wir haben religiösen Sekten gegenüber Geduld, solange sie ihre Hände von unserer Jugend lassen.‘ Ihnen macht es nichts aus, wenn eine Frau von 70 Jahren gläubig ist.

In dem gleichen Hetzartikel gegen die Christen heißt es, daß die Kinder von Adventisten am Samstag nicht zur Schule kommen wollen. Ferner hat ein Schüler, Alexander Zhukov, unter dem Einfluß des christlichen Glaubens sich geweigert, die rote Fahne zu tragen.
Unsere christliche Jugend trägt die rote Fahne nicht, weil sie weiß, daß diese mit dem Blut der Christen besudelt ist. Ich habe eine große Hochachtung für diese tapfere christliche Jugend.

In einer unserer Schulen erzählte der Professor, daß der Mensch vom Affen abstammt. Dann fragte er die Schüler: ,Was ist eure Meinung?‘ Ein junges Mädchen stand auf und sagte: ,Genosse Professor, ich bin Ihnen für das dankbar, was Sie uns heute gelehrt haben. Ich habe mich immer gewundert, wie es kommt, daß die Kommunisten so schlecht sind. Sie haben es mir jetzt erklärt. Sie stammen von den Affen ab‘.

Eine andere kommunistische Zeitung Prawda Vostoka (Wahrheit des Ostens) brachte am 22. Oktober 1966 einen Artikel mit der Überschrift: ‚Chrapov, Sie werden nicht Ihres Glaubens wegen verurteilt.‘
In diesem Artikel schrieb der Reporter folgendes: ,Ich habe mit dem Angeklagten gesprochen. Er erklärte, daß er für seinen Glauben leide. Das ist aber nicht der Fall.‘  Dann berichtet der Reporter, warum Chrapov vor Gericht gezogen worden war. Chrapov, Bohn, Hartfeld und andere waren Mitglieder einer illegalen Baptistengemeinde in Taschkent. Dies sind die Baptisten, die nicht auf einen Kompromiß mit dem Kommunismus eingehen wollen. Sie veröffentlichten ein religiöses Blatt Der Heilsbote. Nun wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, daß sie in diesem Blatt die folgenden verbrecherischen Sätze veröffentlicht haben: ,Der auferstandene Gott will uns von jeglicher sklavischen Abhängigkeit von der Welt frei machen. Jede Freundschaft mit der Welt ist geistliche Prostitution.‘

Chrapov hatte auch die Brüderliche Gemeinschaft der Christlichen Jugend organisiert. Das ist eine Jugendvereinigung ähnlich wie der CVJM. Dieser christliche Verein besaß eine heimliche Druckerpresse
für christliche Literatur. Kinder, die zu dieser Jugendorganisation gehörten, weigerten sich, die roten Halstücher zu tragen. Das ist der Sachverhalt, der in dem erwähnten Artikel dargestellt wurde.

Zu den Berichten stelle ich Ihnen auch Bilder zur Verfügung. Zunächst einmal aus der Prawda Ukrainy vom 4. Oktober 1966. Es ist eine Aufnahme von Prokofiev, einem der größten Helden des christlichen Glaubens in Rußland. Er ist bereits dreimal im Gefängnis gewesen, weil er heimlich Kindergottesdienste gehalten hat. Immer, wenn er aus dem Gefängnis entlassen worden war, nahm er seine Tätigkeit wieder auf. Und jetzt steht er wieder mit anderen vor Gericht.

Über einen anderen Prozeß berichtet die Sowjetskaya Rossiya vom 23. August 1966. Die Überschrift des Zeitungsartikels lautet: ,Dem muß Einhalt geboten werden/ Um was geht’s? In Rostow am Don wurden eine Reihe von Christen vor Gericht gezogen. Man legte ihnen zur Last, daß sie am 2. Mai 1966 eine religiöse Demonstration in den Straßen organisiert und an diesem Tage 40 Jungen und Mädchen getauft hatten. Was für ein Greuel! Jungen und Mädchen zu taufen! Den Angeklagten konnte auch nachgewiesen werden, daß sie im Besitz einer illegalen Druckerpresse waren.
Eine andere Gruppe von Angeklagten wurde beschuldigt, Kindergottesdienste gehalten zu haben, in denen Kinder von acht bis elf Jahren im Worte Gottes unterrichtet worden sind. Auch diese Christen wurden aufgrund von § 142 des Strafgesetzbuches der Russischen Republik verurteilt.

Wem soll ich jetzt glauben? Herrn Aptheker oder der russischen Presse? Wer kennt den Kommunismus besser?
Die kommunistische Partei von Amerika sagt, daß es keine Gesetze gegen die Religion in der Sowjetunion gibt, und ich habe Ihnen bereits bewiesen, daß man Urteile aufgrund von § 141 und 142 ausgesprochen hat. Die Christen wurden zu verschieden langen Gefängnisstrafen verurteilt, schrieb die Tagespresse. Man gab die Länge der Urteile nicht an. Es kann sich um 20 Jahre handeln.

Unter den 40 getauften Jungen und Mädchen befanden sich ein Medizinstudent, ein Student einer Technischen Hochschule, ferner Mitglieder der kommunistischen Jugendorganisation. Die kommunistische Zeitung sagt, daß die Entlastungszeugen, die vor Gericht zu erscheinen hatten, eine fanatische Haltung zeigten.
In der illegalen Literatur, die man unter der Jugend verbreitete, wurde zur christlichen Aktivität aufgefordert: »Ergreift das geistliche Schwert, das Wort Gottes». Sie behaupten, daß die Bücher der Baptisten gefährlich sind. Ein Ausspruch, der bei der Gerichtsverhandlung den Beschuldigten vorgeworfen wurde, lautete: ,Nehmt Kinder zu Beerdigungen mit, damit sie sehen, daß es sich nicht lohnt, sich mit vergänglichen Dingen zu befassen.‘

Dem materialistisch eingestellten Kommunismus sind solche Dinge natürlich ein Greuel. Ich selbst muß bekennen, daß ich durch Besuche von Friedhöfen innerlich aufgeweckt worden bin. Ich sagte mir, daß ich selbst einmal auf dem Friedhof enden werde. Schnee wird auf mein Grab fallen. Hier habe ich politische und alle möglichen Ideale, und es ist mein Wunsch, Geld zu haben und Mädchen, und alles wird einmal mit einer Beerdigung enden. Und dann entdeckte ich eine andere Partei, die ewiges Leben geben kann. Ich habe diese Partei gewählt, es ist die Gemeinde Jesu Christi.

Die Untergrundkirche

Damit habe ich eine Reihe von Verbrechen aufgedeckt, für die man in Rußland ins Gefängnis kommt. Sie haben damit gleichzeitig das Schicksal der Menschen der Untergrundkirche gesehen. Der Führer der Untergrundkirche ist ein Ingenieur. Diese Kirche existiert nämlich auch innerhalb der russischen Intelligenz. Wir haben Studenten, Ingenieure und Akademiker in unseren Reihen. Sie fordern die Kinder auf, die Bibel zu lesen. Später reißen dann die so beeinflußten Kinder ihre roten Halstücher weg.

Hier lege ich Ihnen eine andere Zeitung vor, die Prawda Ukrainy. Am 12. Juli 1966 erschien ein Artikel mit der Überschrift: ,Sie erhielten das, was sie verdienten.‘ Es handelt sich hier wieder um einen Schauprozeß in der Stadt Nikolayew gegen Zaitshenko, Maria Yakimenko und andere. Die Namen dieser Märtyrer sollten im Munde aller Christen sein. Die heilige Thérèse, den heiligen Basilius und den heiligen Martin kennen wir alle, obwohl sie vor Hunderten von Jahren lebten, aber die Märtyrer der Gegenwart werden niemals erwähnt.

Zu einem der größten Kirchenführer Amerikas sagte ich einmal: ,Ich habe hier in meiner Tasche eine Liste mit 150 protestantischen Pfarrern, die kürzlich nach Sibirien deportiert worden sind. Nicht alle von ihnen sind dort angekommen. Einige sind den Folterungen erlegen.‘ Der Kirchenführer bat mich nicht um diese Liste. Auch als ich ihn fragte: ,Wollen Sie nicht diese Namen auf Ihrer Gebetsliste haben?‘ gab er keine Antwort.

Ein weiterer Anhaltspunkt für die Christenverfolgung in Rußland gibt uns die Prawda Ukrainy vom 4. Oktober 1966. Der Artikel ist überschrieben: Das Gesetz gilt für jeden. Die Christen Bundarenko, Velitchko, Overtshuk und andere wurden aufgrund des § 138 des Gesetzes der Ukraine vor Gericht gestellt. Daraus geht hervor, daß jede Republik einen Paragraphen gegen die Religion in ihrem Gesetz hat. Es gibt viele Republiken in der Sowjetunion.

Den Angeklagten wurden folgende Aussprüche zur Last gelegt: ,Wenn die Kirche sich menschlichen Satzungen unterwirft, verliert sie den Segen Gottes.‘  ,Heute diktiert Satan, und die Kirche akzeptiert allerlei Entscheidungen, welche sich gegen das Gebot Gottes richten.‘ Den Angeklagten wurde auch vorgehalten, daß sie das atheistische Begräbnis eines christlichen Kindes verboten haben. Ferner haben die Angeklagten die jungen Leute aufgefordert, sich um Christus zu sammeln. Das Urteil für diese Aufrührer war zwei und drei Jahre Zuchthaus.

Der zynische Schlußsatz dieses Zeitungsartikels lautet: ,In unserem Lande wird niemand seiner religiösen Gesinnung wegen verurteilt. Aber niemand hat das Recht, das sowjetische Gesetz zu übertreten.‘
Das ist die Taktik der Kommunisten. Sie sagen, diese verurteilten Christen haben nichts weiter getan, als ihren christlichen Glauben verbreitet. Die Religion selbst ist frei, aber es ist einem Sowjetbürger nicht erlaubt, das Gesetz zu übertreten. Und das Gesetz sagt, daß es nicht erlaubt ist, christliche Propaganda zu machen.
Im Vergleich zu den Zeitungslügen in Rußland sind die Lügen der Kommunisten in Amerika sehr klein.
Die Zeitung ,Sowjetskaya Rossiya‘ berichtet am 22. November 1966 den Prozeß gegen drei Frauen, die ihren Kindern den christlichen Glauben gelehrt haben. Es ist häufig vorgekommen, daß Kinder gegen das Verbot ihrer Eltern das Haus verlassen und den Kindergottesdienst besucht haben. Hinterher erklärten die Kinder ihren Eltern: ,Wenn ihr mich nicht dorthin gehen laßt, dann werde ich weglaufen.‘

In Rumänien habe ich selbst einen derartigen Fall von Treue erlebt. Ein Mädchen kam in unseren heimlichen Kindergottesdienst. Die Eltern hörten davon und verboten dem Kind den Besuch. Das Mädchen antwortete: ,Wenn ihr mich nicht gehen laßt, dann werde ich nichts mehr essen.‘ Drei Tage lang hungerte das Kind. Die Eltern bekamen es mit der Angst zu tun, und sie gaben schließlich die Erlaubnis und sagten: ,Du kannst gehen, aber nimm Nahrung zu dir.‘ Sie war die einzige Tochter und antwortete: ,Nein, ich werde nicht gehen, es sei denn, ihr kommt mit.‘ Das Mädchen gewann tatsächlich ihre Eltern für Christus.

So kämpfen in der kommunistischen Welt Kinder für Jesus. In diesem Zeitungsartikel der ,Sowjetskaya Rossiya‘ rühmen sich die Kommunisten, daß sie diese drei Frauen ins Gefängnis gesteckt haben.
Und in Amerika gibt es sogar Kirchenführer, die bestreiten, daß es eine Untergrundkirche gibt. Auch in anderen Ländern bezweifelt man die Existenz der Untergrundkirche.

Hier lege ich ein Flugblatt der Untergrundkirche vor. Das Blatt ist auf einer geheimen Druckerpresse in Rußland gedruckt worden. Es gibt ja in Rußland viele Geheimdruckereien, auch geheime Kindergottesdienste und eben auch eine geheime Untergrundkirche. Ich frage mich, warum die Untergrundkirche nicht beim Weltkirchenrat vertreten ist. Der Erzbischof und andere hohe Würdenträger, die kommen aus den kommunistischen Ländern heraus. Natürlich soll man sie empfangen. Ich liebe jeden Menschen. Aber warum werden die Helden der Untergrundkirche niemals eingeladen? Und als einer kam, wollten eure amerikanischen Kirchenführer, daß er schweige. Was mich betrifft, ich habe in kommunistischen Gefängnissen nicht geschwiegen und werde es auch hier nicht tun.
Mit diesen Berichten haben Sie über die Tatsachen der Verurteilung von Christen erfahren. Ich selbst habe ein Buch herausgebracht mit dem Titel Gefoltert für Christus. Das Buch enthält viele Berichte über die Leiden und die Verfolgungen der Christen in der Sowjetrepublik. Auch mein zweites Buch Wurmbrands Briefe bringt Dokumente aus der gleichen Quelle.

Folter und seelischer Terror

Nach der Pause versammeln sich die Abgeordneten Tuck, Roudebush, Clawson und andere.
Vorsitzender: „Die Sitzung ist hiermit wieder eröffnet. Herr Pfarrer Wurmbrand, Sie können mit Ihrem Bericht fortfahren.“
Wurmbrand: „Ich glaube, daß die schon berichteten Tatsachen ausreichen. Wenn jemand wissen möchte, wie man verhaftete Christen behandelt, dann schlage ich vor, daß der Betreffende zu mir kommt. Ich will ihm dann die Folterstellen an meinem Körper zeigen.
Jesus zog sich vor dem Apostel Thomas aus, als dieser ihm nicht glauben wollte. Ich rühme mich nicht der Narben, die ich habe. Es sind nicht meine, sondern es sind die Ehrenzeichen der verleumdeten christlichen Gemeinde.
Jedes Jahr gibt es in der kommunistischen Welt Märtyrer. Hmara aus dem Dorf Kulunda war nur drei Monate im Gefängnis. Sein Leichnam wurde dann seiner Familie zurückgegeben. An Händen und Füßen konnte man Brandwunden feststellen. Der Unterleib war zum Teil aufgeschlitzt, und der ganze Körper war grün und blau geschlagen.
Hier ist eine Aufnahme des Gefängnisses in Kasan, wo sich viele christliche Gefangene befinden. Und hier ist die Insel Novaya Zemlya, ebenfalls mit einem Gefängnis.
Ich habe mich oft gewundert, wie es kommt, daß das arme Rußland mit Amerika in der Herstellung von Raketen konkurrieren kann. Im Grunde genommen ist das sehr einfach. In den USA muß man für einen Ingenieur 20 000 oder 30 000 Dollar jährlich bezahlen. Die Russen machen es sich einfacher. Sie verhaften die Ingenieure, und dann müssen diese Männer ohne Gehalt für sie arbeiten. Dazu werden diese Intellektuellen noch geschlagen und gefoltert. Auf der Insel Novaya Zemlya arbeiten christliche Gefangene an Raketen und Raketengeschossen.

Über die Behandlung im Gefängnis habe ich schon mehrmals berichtet. Es gibt aber noch eine viel größere Not als ein Gefängnisaufenthalt. Deshalb will ich Ihnen mitteilen, was die Sowjetpresse über die Wegnahme der Kinder von ihren Eltern berichtet. Ich weiß, wie es mir selbst zumute war. Sie können es mir glauben, daß ich im Winter meinen nackten Oberkörper gegen die eiskalten Eisenstäbe gedrückt habe, um das Feuer der Sehnsucht nach meinem Kind zu löschen. Ich weiß, was es bedeutet, von seinen Kindern jahrelang getrennt zu sein.

Ich habe hier eine Moskauer Zeitung Znamya Yunosti vom 29. März 1967 vor mir. Der Fall von Frau Antonina Ivanovna Sitsh wird hier berichtet. Das Gericht in Kaliningrad entzog ihr das Elternrecht und nahm ihr den Sohn Vsetsheslav weg. Der Grund war, daß sie ihren Sohn über Jesus gelehrt und ihn dazu angestiftet hatte, die Augen zu schließen, wenn in der Schule atheistische Bilder gezeigt wurden. Ich möchte den amerikanischen Kindern auch einen solchen Rat geben, wenn manchmal Schmutz im Fernsehen gezeigt wird.

Die Zeitung sagt ferner, daß diese Frau Sitsh ein zweites Verbrechen beging. Sie hat nicht nur ihre Kinder im christlichen Glauben erzogen, sondern sie hat auch ihren Jungen Vsetsheslav von der atheistischen Schule gestohlen und hat ihn zu gläubigen Menschen in der Stadt Vitebsk geschickt.
Der Junge wurde dort aber wieder entdeckt, weil er es nicht lassen konnte, für Jesus zu zeugen. Er wurde zurückgebracht. Unter der Beihilfe eines Angestellten der atheistischen Schule schmuggelte dann die Mutter ein Notizbuch mit Bibelversen für ihren Sohn in diese Schule hinein.
Ihr zweites Kind, der achtjährige Leonid, der wohl weiß, daß sein Bruder von der Mutter weggenommen worden ist, zeigte die gleiche Haltung. Einmal sagte er seinem Lehrer: ,Sie tun mir leid, Sie werden in die Hölle kommen, weil Sie nicht an Jesus glauben.‘ Der Junge hat auch den roten Stern von der Wand heruntergerissen.

Ein anderes Kind machte viel von sich reden. Es ist der neunjährige Junge Kolya Sviridov. Bereits in diesem jugendlichen Alter zeigte er einen außergewöhnlichen Glauben. Die Zeitung deutet an, daß der Junge wahrscheinlich der alten Herrscherfamilie Rußlands angehört.
Wegen seines starken Glaubens wurde der Junge von seiner Mutter weggenommen. In der atheistischen Schule fuhr er fort zu beten und für Jesus zu zeugen. Schließlich übergab man ihn einem berüchtigten Hauptmann der kommunistischen Geheimpolizei. Sein Name ist Hutorin. Dieser Rohling hatte nun das Kind umzustimmen. Der Beamte zwang das Kind und brachte es soweit, daß es sagte: ,Es gibt keine Gottheiten.‘ Die Zeitung ,Komsomolskaya Prawda‘ vom 22. Mai 1966 ist sich nicht sicher, was der Junge damit gemeint hat. Vielleicht sollte das nur eine Absage an die mythologische Götterwelt sein und keineswegs etwa ein Treuebruch gegenüber dem christlichen Gottesglauben. Die Folterknechte haben den Jungen seelisch so ruiniert, daß er nicht einmal mehr seine Mutter erkannte, als sie ihn besuchen durfte. Die Ärzte haben festgestellt, daß der Junge mit seinen neun Jahren bereits an einer Herzmuskelentzündung leidet. Und hier in Amerika verbreitet man die Lüge, daß in der Sowjetunion Religionsfreiheit herrsche.

Hier kann ich Ihnen ein Foto aus Oshkol’noye Vospitaniye vom März 1966 vorlegen. Die Geheimpolizei ist in das Haus einer christlichen Familie eingedrungen und hat vier Kinder beim Beten ertappt und sie den Eltern weggenommen.
Hier ist eine Aufnahme von dem Prozeß gegen Frau Makrinkova. Man hat ihr sechs Kinder entrissen. Wer kann nachfühlen, was das Mutterherz an Schmerz dabei erleidet?
So gibt es manche Mütter, und ich habe solche gekannt, denen man alle Kinder weggenommen hat. In einem Haus, das vom Lärm und Kinderlachen erfüllt war, herrscht jetzt eine große Stille.
Ich habe diese Mütter getroffen, sie waren wie versteinert. Man konnte nicht mit ihnen sprechen. Aus einer Einzelfamilie sechs Kinder wegnehmen — und das wird heute Religionsfreiheit genannt, sogar von einigen Kirchenführern des Westens.

Hier lege ich Ihnen ,Ogonyok‘ vor, eine Moskauer Zeitschrift. Der Christ Lazarev hat in dieser kleinen Hütte, die ich Ihnen hier auf dem Foto zeige, heimlich Kindergottesdienst gehalten. Dafür wurde er vor Gericht geschleppt und verurteilt.
Viele solcher Tatsachen könnte ich Ihnen berichten. Ich habe Ihnen nur wenige ausgewählt, wo man Vätern und Müttern das Elternrecht abgesprochen hat.

Die Bibel in Rußland

Nun einige Berichte über die Bibel. Die Bibel gilt als Opium, als Gift. Sie ist nicht erlaubt.

Hier in dieser Moskauer Zeitung vom 6. Juli 1966 ist ein Foto, das Hunderte von beschlagnahmten Bibeln zeigt. Die Kommunisten sagen: ,Wir lassen es nicht zu, daß man unser Volk vergiftet.‘ In diesem Artikel beschuldigen sie Herrn Murrey, einen der Direktoren der Britisch-Christlichen-Europamission und der Amerikanischen Mission für Europas Millionen, zu der ich auch gehöre.
Sie haben ihn mit Recht beschuldigt. Er hat tatsächlich versucht, diese Bibeln nach Rußland einzuschmuggeln.
Hier lege ich Ihnen eine handgeschriebene Bibel in Litauisch vor. Die Christen schreiben Bibeln und auch christliche Bücher mit der Hand ab, weil sie eben keine Druckerlaubnis haben.

In Moskau gibt es eine katholische Kirche. De Gaulle hat sie besucht. In dieser Kirche hätte er diesen Katechismus lesen können. (Wurmbrand zeigt den Katechismus.) Der Katechismus ist auf einem Vervielfältigungsapparat abgezogen worden. Es gibt keinen gedruckten Katechismus in der katholischen Kirche von Moskau.
Hier ist wiederum die Zeitung Ogonyok, die die Geschichte einer Frau Persis bringt. Sie wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie heimlich Kerzen und Ikonen hergestellt hatte.
Ich selbst bin ein Protestant. Wir benutzen keine Ikonen. Aber ich sehe es als ein Verbrechen an, jemanden ins Gefängnis zu stecken, nur weil er sich einige Ikonen anfertigt. Das ist also die Religionsfreiheit‘, wie sie von der Sowjetpresse verkündigt und von der westlichen Welt vielfach geglaubt wird.

Wer kennt den Kommunismus besser? Die Prawda, Kossygin oder Herr Aptheker, der Theoretiker der amerikanischen kommunistischen Partei? Wem von ihnen sollen wir glauben? Aptheker sollte zu Herrn Kossygin fahren, und sie sollten zusammen beraten, welche Aussagen sie machen wollen.
In der Bibel steht geschrieben, daß Jesus durch unwahre Zeugenaussagen belastet werden sollte. Man suchte eine Handhabe, um ihn töten zu können. Aber die Zeugenaussagen stimmten nicht überein. Ich würde den Kommunisten vorschlagen, wenn sie lügen wollen, daß sie vorher zusammenkommen und vereinbaren, was sie verbreiten wollen.

Schließen der Kirchen

Jeder der Kommunisten hat eine andere Aussage.
Die amerikanischen Kommunisten reden über die Religionsfreiheit in Rußland, aber ihre Genossen in Rußland verleugnen sie.
Nun einiges über das Schließen der Kirchen. Meine eigene Kirche in Bukarest ist jetzt ein Kino. Es ist das Gebäude der rumänisch-lutherischen Kirche in Bukarest. Nur ein Pfarrer kann wissen, was das bedeutet. Man liebt doch seine Kirche, wie man sein eigenes Kind liebt.

Aber dies ist nur eine meiner Behauptungen. Und jetzt die Beweise.
Ich lege Ihnen hier die Sowjetskaya Moldavia vom 13. August 1966 vor. Ich kann auf mein Vaterland stolz sein. Sie wissen, was Moldau ist. Es ist ein Teil Rumäniens, den die Russen uns gestohlen haben, unser Bessarabien.
In diesem Teil der Sowjetunion ist die Untergrundkirche am stärksten. Die Russen konnten uns zwar das Land wegnehmen, den christlichen Glauben konnten sie nicht ausmerzen. Hier ist der Artikel mit der Überschrift: ,Wo die Glocken klangen.‘
Es wird berichtet, daß die Kirchen in Nikolayew, ferner die Kirchen in den Dörfern Floreshti, Cretzoaia und in anderen geschlossen worden sind. Diese Kirchen sind in Apotheken, in Schulen, in Tanzlokale und Museen umgewandelt worden.
Hier lege ich Ihnen Aufnahmen von verschiedenen Kirchen vor, die ihres Zweckes entfremdet worden sind. Zum Beispiel hier diese Aufnahme von der Kirche des Gewandes der Jungfrau Maria. Und hier ist die Kathedrale der Ankündigung — jetzt ein Museum.
Hier ist die Aufnahme der neuen Kirche in Klaipeda, die erst 1960 fertiggestellt worden ist. Den Turm hat man zerstört. Die Kirche selbst wird als Konzerthalle benutzt.
Die Kathedrale von Vilna ist jetzt ein Museum der Künste. Hier haben Sie zum Beispiel eine Aufnahme eines Konzertes in diesem Museum.
Die Jesuitenkirche und das Kloster in Kaunas sind jetzt Warenlager. Wenn Sie die Kirchen sehen wollen, die noch offen sind, dann betrachten Sie einmal diese lutherische Kirche. Sie hat ein Dach aus Gras.
Und dann sagen die Kommunisten: ,Wir haben offene Kirchen.‘ Hier können Sie also an dem Bildmaterial sehen, wie die Sachlage ist.

Roudebush: „Pfarrer Wurmbrand, Sie haben gesagt, daß einige Kirchen offen sind. Sie erwähnten die katholische Kirche, in der General de Gaulle in Leningrad zum Gottesdienst gegangen ist.“
Wurmbrand: „Jawohl, de Gaulle ist in eine Kirche gegangen.“
Roudebush: „Wissen Sie von irgendwelchen zuverlässigen Kirchenführern, außer denen der Untergrundkirche, in der kommunistischen Welt? Haben Sie Kenntnis von vertrauenswürdigen religiösen Oberhäuptern außerhalb der Untergrundkirche?“

Wurmbrand: „Ja. Ich bin selbst ein Protestant, aber ich liebe die Wahrheit mehr als den Protestantismus. Zuallererst muß ich Kardinal Wyszynski von Polen meine Anerkennung aussprechen. Er ist im Gefängnis gewesen, und er fährt fort, dem Kommunismus entgegenzutreten.
Solche offiziellen Kirchenführer existieren auch. Es gibt einige lutherische Bischöfe in der DDR, die in derselben Lage sind. Vereinzelt gibt es auch in Rumänien offizielle Baptistenpfarrer, die ihren Glauben nicht verleugnet haben. Im allgemeinen wird die Leitung der Kirchen vollkommen von den Kommunisten beherrscht und kontrolliert. Ich werde Ihnen sofort den Beweis dafür erbringen.“

Roudebush: „Es gibt also doch noch echte Kirchenoberhäupter?“
Wurmbrand: „Ja, es gibt einige, die Christus treu ergeben sind“

Die Spitzel

Wurmbrand: „Ja, es gibt Ausnahmen. In der Regel verhält es sich aber anders. Wenn Sie mir erzählen, daß ein Mann in Amerika der Pfarrer einer lutherischen Kirche ist, dann weiß ich, daß er auf einem Seminar ausgebildet worden ist. Man muß mir das nicht ausdrücklich sagen, denn sonst wäre der Mann ja nicht Pfarrer einer Kirche.
Wenn man mir sagt, daß jemand ein offizieller Pfarrer einer russischen Kirche ist, weiß ich, daß er in der Regel ein Spitzel der Kommunisten ist, sonst hätte er nicht diesen Posten.
Am Sonntag predigt dieser Pfarrer. Am Montag hat er vor einem Vertreter des Kultusministeriums zu erscheinen. Dann muß der Gemeindepfarrer alle Fragen beantworten, die ihm vorgelegt werden. Sie können lauten: ,Wer ist in Ihrer Kirche gewesen? Wer waren die Jugendlichen? Wer versucht, Menschen für Christus zu gewinnen?‘ Wenn jemand gebeichtet hat: ,Was ist gebeichtet worden?‘ Weitere Fragen: ,Wer ist im Gebet ernst und treu? Was für eine politische Gesinnung haben Ihre Gemeindeglieder?

Der Pfarrer hat alle diese Fragen klar und eindeutig zu beantworten.
Natürlich gibt es auch solche, die versuchen, so wenig wie nur möglich zu sagen, um die Behörden irrezuführen. Es gibt aber auch Pfarrer, die mehr sagen als geschieht. Diese Männer haben an ihrem Spitzeldienst Gefallen gefunden.
Die kommunistische Geheimpolizei versucht natürlich auch, die Untergrundkirche zu infiltrieren. Andererseits versuchen wir dasselbe bei der kommunistischen Geheimpolizei.
Es gibt Mitglieder der Untergrundkirche, die der Geheimpolizei beitreten. Schließlich können heimliche Mitglieder der Untergrundkirche auch Leiter der offiziellen Kirche werden. Sie berichten uns dann, was dort vor sich geht und wie wir uns schützen können. Es handelt sich hierbei um sehr aufrichtige Christen.
Ich habe Ihnen mit diesen Tatsachen ein wenig die Augen geöffnet über all die Vorgänge in den kommunistischen Ländern.

Wer aber sind die offiziellen Kirchenführer?
Karev ist der Vorsitzende der russischen Baptisten. Er veröffentlichte in der Zeitschrift Sowjetisches Leben vom Juni 1966: ,Baptisten haben das Recht, ihre Kinder im Geiste ihres Glaubens zu erziehen.‘
Soll ich jetzt Karev glauben? Oder soll ich das für wahr halten, was die sowjetischen Zeitungen berichten, daß die Kinder von ihren Eltern weggenommen werden, wenn diese sie im Glauben unterweisen?

Der orthodoxe Erzbischof Pimen nannte Svetlana Stalina einen Judas Ischariot, weil sie landesflüchtig wurde. Diese Kirchenführer sind willenlose Werkzeuge der Kommunisten.
Herr Orlow, der ehemalige zweite Vorsitzende des All-Union Council (Dachorganisation aller christlichen Vereinigungen), der Union der evangelischen Baptisten, hat erklärt:
,Die evangelischen Baptisten sowie alle anderen Christen der Sowjetunion loben und danken Gott, daß die sowjetische Regierung im Verlaufe der letzten 40 Jahre nach den hohen Idealen des Christentums gehandelt hat, weil dies auch die Ideale des Evangeliums sind.‘

So hat also die Sowjetregierung nach den hohen Idealen des Christentums gehandelt, als sie die baltischen Länder stahl, ebenso die Hälfte von Polen und Bessarabien? Sie handelte gemäß den hohen Idealen des Christentums, als sie Ungarn überrannte? Sie handelte nach dem Evangelium, als sie unter Stalin Millionen unschuldiger Menschen tötete? Der Baptist Orlow pflichtet all diesen Schrecken dieser ganzen Jahre bei.
Eine andere Erklärung dieses sogenannten Baptistenführers zeigt seine Gesinnung: ,Wir halten unsere sowjetische Regierung, die uns die religiöse Freiheit gegeben hat und sie vor jeglicher Zuwiderhandlung beschützt, in hohen Ehren. In unserem Lande erfreuen sich alle Kirchen und Religionen der vollkommenen und gleichen Freiheit.‘
Das sind die hauptsächlichen Tatsachen über Rußland, die ich Ihnen vorzulegen hatte. Wenn Sie wollten, könnte ich stundenlang fortfahren.“

Politik des Hasses

Wurmbrand: „Ich habe Ihnen nun viele Dokumente vorgelegt.“

Smith: „Pfarrer Wurmbrand, Roger Garaudy, der Theoretiker der kommunistischen Partei Frankreichs, wird in der Zeitschrift ,Look‘ vom 2. Mai 1967, Seite 36 angeführt, daß er folgende Behauptung während seiner Vorträge in den Vereinigten Staaten gemacht hat: ,Man sagt uns Kommunisten, ihr bietet eure Hand an, wenn ihr nicht an der Macht seid, und eure Faust, wenn ihr an der Macht seid.‘
Am Anfang kam der Marxismus in Länder, wo das Christentum reaktionär war. Man bekämpfte es wie eine politische Partei und nicht wie eine Religion. Diese Angst vor der Verfolgung ist von politischen Stellen aus verbreitet worden und nicht von religiösen. Was ist Ihre Stellungnahme aufgrund Ihrer Erfahrungen zu dieser Behauptung?“

Wurmbrand: „In allererster Linie haben die Kommunisten in den Artikeln, die ich Ihnen vorgelegt habe, keinerlei politische Anklage gegen diejenigen hervorgebracht, die sie ins Gefängnis gesteckt haben. Sie sagen, daß die Verurteilten nur ihre religiösen Glaubensüberzeugungen weitergetragen haben. Die Frau Sitsh hat man nicht etwa angeklagt, weil sie ihrem Kind irgendwelche konterrevolutionären Lehren beigebracht hatte. Sie hatte es nur im Evangelium unterrichtet.
Damit geben doch die Kommunisten zu, daß sie Menschen aus rein religiösen Gründen ins Gefängnis werfen.
Selbst wenn das, was Herr Garaudy sagt, wahr wäre, so würde er dadurch nichts erreichen. Es ist auch ein Verbrechen, jemanden aus politischen Gründen zu verfolgen.
In Rußland und in anderen kommunistischen Ländern bringt man eben nicht nur Konterrevolutionäre ins Gefängnis, sondern auch Kommunisten, Parteiangehörige selbst.
Ich bin mit dem kommunistischen Führer Rumäniens, Patrashcanu, der dem Kommunismus in Rumänien zur Macht verholfen hatte, im Gefängnis gewesen. Er war mit mir zusammen in derselben Zelle, und man hat ihn so gefoltert, bis er verrückt wurde. Und dann hat man ihn erschossen.

Anna Pauker, Vasile Luca und andere kommunistische Führer sind mit mir im gleichen Gefängnis gewesen.
Die Kommunisten bringen also selbst die ins Gefängnis, die ihnen zur Macht verholfen haben. Ich schlage Herrn Gus Hall, dem Generalsekretär der KP Amerikas, Herrn Aptheker und anderen amerikanischen Kommunisten vor, daß sie in eine Kirche gehen und zu Gott beten, an den sie nicht glauben, daß der Kommunismus in Amerika niemals an die Macht kommt. Solange nämlich der Kapitalismus in Amerika herrscht, sind diese kommunistischen Führer frei.

Wenn der Kommunismus an die Macht kommt, werden sie erschossen. In Rußland, Rumänien und Bulgarien haben die Kommunisten die kommunistischen Führer getötet.
In Bulgarien hat man Kostov aufgehängt. In Ungarn wurde Rajk gehängt.
Bei uns hat man Anna Pauker ins Gefängnis gesteckt. Trotzki, Zinoviev und andere wurden getötet. Kommunisten töten sich gegenseitig.

Der Kommunismus ist eine Religion des Hasses. Kirchenführer in Amerika haben mir gesagt, wir müßten versuchen, mit den Kommunisten ins Gespräch zu kommen. Ich selbst bin sehr für einen Dialog. Zuallererst sollten die Kommunisten aber ins Jenseits gehen und mit den Bischöfen und Christen reden, die sie zu Tode gefoltert haben. Das würde ein ganz interessantes Gespräch geben.
Bei uns in Rumänien hat man fast alle katholischen Bischöfe unter Folterungen getötet. Vielleicht sind zwei oder drei von ihnen mit dem Leben davongekommen.

Bischof Aftenie ist im Gefängnis als Geisteskranker gestorben. Ich habe ihn zuvor gekannt. Er war nicht verrückt. Er hat unter den Folterungen seinen Verstand verloren.
Auch Bischof Durkowitsch habe ich persönlich gekannt. Katholiken haben ihm nachgesagt, daß das bloße Berühren seiner Kleidung heilen konnte. Dieser Mann ist im Gefängnis getötet worden.
Deshalb sollten die Kommunisten einmal in den Himmel gehen und dort mit denen sprechen, die von ihnen getötet worden sind.

Und sie töten immer noch: Protestanten, Katholiken und Griechisch-Orthodoxe.
In Rotchina werden jetzt Tausende von Christen getötet. Rote Garden haben Diplomaten auf den Straßen, wie jedermann sehen konnte, zum Froschmarsch gezwungen. Die gleichen Männer haben in chinesischen Gefängnissen den christlichen Gefangenen die Ohren und die Zungen abgeschnitten oder ihnen die Beine abgehackt, wenn sie nicht Jesus verleugnen wollten.
Ein Christ, über den man das auch berichtet hat, ist der bekannte chinesische gläubige Schriftsteller Watchman Nee. Die Kommunisten sollen also zu diesen zu Tode gefolterten Christen gehen und mit ihnen ein Gespräch beginnen. Das wäre die richtige Art von Dialog.

Frieden mit den Kommunisten?

Kirchenführer in der westlichen Welt haben mir gesagt, wir sollten versuchen, das kommunistische System zu vermenschlichen und mit ihm Frieden zu schließen. Wie steht’s damit?

Ich lege Ihnen hier die Kazakstanskaya Prawda vom 4. März 1967 vor. Dies ist ein Artikel mit der Überschrift: ,Die Schule der Unversöhnlichen.‘ Unter dieser Überschrift beschreiben die Kommunisten das Institut des wissenschaftlichen Atheismus. Ihre Lehre lautet: ,Niemals Aussöhnung, niemals Frieden mit dem Christentum.‘ Frieden kann man nicht einseitig schließen. Der Gangster bedroht mich mit dem Gewehr, und ich will Frieden haben. Aber wenn er sein Gewehr nicht niederlegt, dann muß ich gegen ihn kämpfen, und ich muß etwas unternehmen.

Einige Leute sagen: ,Wir werden nicht kämpfen.‘ Aber die Kommunisten ihrerseits kämpfen.
Hier habe ich das Verzeichnis der Werke, die in Moskau gegen die Religion erschienen sind. Allein im Jahre 1967 liegen so viele Titel vor, daß sie gar nicht alle überschaut werden können. Nur einmal ein Zitat aus einem solchen Werk. Es stammt aus dem Buch Semia I Shkola: ,Alle Geistlichen sind Analphabeten und verlogen.‘ Und hier im Westen sagen die Kommunisten zu den Pfarrern: »Bitte kommt und diskutiert mit uns, wir werden wohl noch gute Freunde werden/ Ich kann nicht verstehen, wie das möglich ist. Ich weiß nicht, wie Sie darüber denken, aber als Suharto in Indonesien an die Macht kam, wurden Hunderttausende von Kommunisten getötet. In der Presse habe ich öffentlich gegen dieses Massaker protestiert. Ich habe gesagt: ,Ich habe unter den Kommunisten gelitten, aber ich kann es nicht zulassen, daß ein Mensch, ohne vor Gericht gezogen
zu werden, einfach umgebracht wird. Einen Rebellen kann man nicht töten, bevor man ihn nicht angehört hat. Aus diesem Grund habe ich protestiert.

Es gibt hier im Westen Christen, die wissen, daß man ihre Brüder im Glauben martert. Sie können alle diese Dokumente haben. Ich bin ein armer Mann, und ich konnte mir diese Übersetzungen leisten. Sie können auch Übersetzer haben, die ihnen all diese Berichte in ihre Sprache übertragen. Jeder Mensch in der westlichen Welt kann um den Inhalt dieser Dokumente wissen.

Wer also mit den Kommunisten Frieden schließen will, sollte zuerst einmal zu Herrn Garaudy und Aptheker und den anderen Kommunistenführern sagen: ,Sie wünschen einen Dialog? Gehen Sie zuerst nach Moskau, nach Peking, nach Bukarest, und haben Sie einen Dialog mit Ihren eigenen Genossen, und sagen Sie ihnen, daß sie zuerst die christlichen Gefangenen freilassen sollen, und daß sie den Eltern ihre Kinder zurückgeben möchten.‘

Kossygin hat hier im Westen geäußert, daß Israel Jerusalem den Arabern zurückgeben müsse. Ich habe in der Bibel gelesen, daß das ganze Jerusalem Israel gehört. Kossygin sagt, daß Israel die eroberten Gebiete zurückgeben soll. Warum gibt er nicht selbst welche zurück? Er hat Litauen, Lettland, Bessarabien, Ungarn und andere Gebiete eingesteckt. Warum gibt er sie nicht zurück? Warum gibt er nicht die Kinder zurück, die man den Eltern weggenommen hat?
Dieser Wunsch nach einem gemeinsamen Gespräch, nach einem Dialog, ist eine Lüge. Aber weil das Interesse an diesem Dialog mit den Kommunisten zunimmt, will ich zum Ausdruck bringen, daß der Erzpriester Borovoi aus Rußland auf einer Sitzung des Weltkirchenrates in Genf wörtlich gesagt hat, daß Rußland ein Beispiel „glücklicher Zusammenarbeit“ zwischen der kommunistischen Revolution und den Christen sei.

Daraufhin habe ich an die Leiter des Weltkirchenrates folgendes geschrieben: ,Ich kann dem, was Borovoi sagt, zustimmen. Wir haben auf sehr erfreuliche Weise zusammengearbeitet. Wir boten unseren Rücken an, und sie gaben uns die Peitsche. Wir gaben unsere Freiheit, und sie gaben uns das Gefängnis. Wir gaben unsere Kinder, und sie hatten das Vergnügen, sie auf ihre atheistische Weise zu erziehen. Wir boten unser Genick dar, und sie hatten die Kugeln dafür. So hat die glückliche Zusammenarbeit ausgesehen.‘ Im ganzen Weltkirchenrat gab es nicht einen einzigen Mann, der diesem Borovoi ins Gesicht schlug.

Als Arius auf dem Konzil von Nicäa (325) sagte, daß Jesus nicht Gott ist, stand der Hl. Nikolaus auf und schlug ihn dafür. Und nach der Legende der Orthodoxen kam die Jungfrau Maria und legte ihm sein Bischofsgewand um. Das beweist, daß es eine gewisse Situation gibt, wo man nicht anders handeln kann.
Für Borovoi gab es keine Pfuirufe.

Als der Erzbischof Nikodim sagte, daß es in Rußland vollkommene Religionsfreiheit gäbe, obgleich seine Genossen von der Sowjetpresse das Gegenteil sagen, ging einer der größten Kirchenführer Amerikas auf ihn zu und küßte ihn.
Was soll ich dazu sagen? Ich muß bekennen, daß ich in Amerika mehr leide als in den kommunistischen Gefängnissen.
In den kommunistischen Gefängnissen war ich mit Jesus zusammen. Ich vergaß darüber, daß der Kommunismus existiert. Wenn ein Kind gestorben ist, dann heilt die Wunde nach ein oder zwei Jahren, und man ist nicht mehr so traurig. Aber wenn man ein Kind sterben sieht, das ist dann schrecklich.

Die Unabhängigkeit Rumäniens ist bereits tot. Aber hier in Amerika sehe ich diese Infiltration, dieses Verbreiten von kommunistischen Lügen. Die Jugend glaubt ihnen. Ich habe mehr Tränen vergossen, seit ich in Ihrem reichen Amerika lebe, als ich in der 14jährigen Gefängniszeit vergoß.

Ich war in dem Heim eines amerikanischen Millionärs. Ich hatte niemals zuvor einen amerikanischen Millionär gesehen. Ich stellte fest, daß er genauso wie jeder andere Mensch aussieht.
Er lebte in einem wunderschönen Heim. Ich, der ich niemals in meinem Leben ein Fahrrad besessen habe, war jetzt in einem reichen Haus. Man bewirtete mich großartig. Ich fing zu weinen an. Mein Gastgeber fragte mich: ,Warum weinen Sie?‘ Ich sagte: ,Wegen Ihrer Kinder. Sie spielen da auf dem Teppich mit ihrem Spielzeug. Für einen Augenblick war es mir, als hätte ich sie gesehen, wie man sie auf die Fußsohlen schlägt, wie man mich geschlagen hat. Das wird eintreten, wenn Sie sich nicht gegen diese schreckliche Lüge des Kommunismus wehren werden.‘

Ich habe Ihnen heute Tatsachen unterbreitet. Noch einmal rufe ich die Leiter der kommunistischen Partei und die Kirchenführer auf, die behaupten, daß es in Rußland Religionsfreiheit gibt, sie sollen kommen und meine Dokumente widerlegen. Sie sollen im Fernsehen erscheinen, wo immer es auch sein mag. Ich werde mich zur Diskussion stellen. Sie sollen beweisen, daß meine Dokumente falsch sind. Sie kön¬nen aber nicht widerlegt werden.“

Smith: „Pfarrer Wurmbrand, der neue Entwurf des Programms der kommunistischen Partei in den USA enthält folgende Behauptung: ,Volle Gewissens- und Religionsfreiheit wird den sozialistischen Vereinigten Staaten garantiert werden.‘ Wissen Sie von Tatsachen, die sich auf die Wahrheit oder Unrichtigkeit dieser Behauptung beziehen?“
Wurmbrand: „Zuerst einmal, wo auch immer die Kommunisten in der Opposition standen, haben sie das immer versprochen. Lenin hatte den protestantischen Freikirchen in Rußland seinen Schutz zugesagt, bis er an die Macht gekommen war. In Rumänien geschah das gleiche.
Wenn das bisher überall so war, daß die Kommunisten zuerst die Freiheit versprochen und dann die Unterdrückung gebracht haben, so heißt das nicht, daß die amerikanischen Kommunisten das auch tun werden. Aber wir möchten von ihnen einen Beweis ihrer Aufrichtigkeit.

Sind die Kommunisten gegen die Verfolgung der Christen? Und die Geistlichen, die behaupten, daß es in Rußland eine Religionsfreiheit gibt, sind sie wahrhaftig gegen die Verfolgung der Christen?
Dann möchte ich diesen Pfarrern einen Vorschlag machen. Ich habe einmal Menschen vor dem Weißen Haus demonstrieren sehen. Ich ging hin und stellte mich vor. Ich erzählte ihnen meine Geschichte und sagte: ,Falls Sie etwas gegen den Präsidenten Johnson haben, geht es mich nichts an. Ich bin weder für noch gegen ihn. Ich habe nichts mit eurer amerikanischen Politik zu tun. Sie können gegen ihn demonstrieren, soviel Sie wollen. Aber Sie sind Geistliche, und Sie sind Christen. Kommen Sie mit mir und demonstrieren Sie vor der sowjetischen Botschaft.‘

Die Pfarrer sollen den Beweis erbringen, daß sie gegen die Verfolgung der Christen sind und deshalb gegen die sowjetische, chinesische und rumänische Regierung Stellung beziehen.
Sie sollten den kommunistischen Botschaften sagen: ,Wir sind gegen euch. Wir sind eure Feinde, weil ihr die Christen verfolgt, und wir erklären hiermit öffentlich, daß wir die Christen lieben und daß wir mit ihnen Freundschaft haben wollen. Diejenigen, die unsere Freunde verfolgen, sind nicht unsere Ka¬meraden. Verschwindet! Macht, daß ihr fortkommt!‘
Wenn die Pfarrer dies Kossygin und dem Rest der kommunistischen Führer sagen werden, dann will ich ihnen glauben, daß sich die Lage wirklich geändert hat.
Wenn die Pfarrer nicht dazu bereit sind, dann sind ihre Behauptungen sinnlos.“

Smith: „Pfarrer Wurmbrand, wissen Sie um Leute, die man in Rumänien kürzlich ihres Glaubens wegen verhaftet hat?“
Wurmbrand: „Ja, ich kann Ihnen die Namen nennen: Ghelbegeanu, Alexandru, Gabrielescu, Balautza, Janos, Irina, Istvan und viele andere.“
Smith: „Auf was lautet die Anklage?“
Wurmbrand: „Die letzten Verhaftungen wurden vor zwei Monaten vorgenommen.“
Smith: „Sind diese Leute im Gefängnis?“ Wurmbrand: „Ja, viele von ihnen befinden sich
jetzt im Gefängnis. Die genaue Anzahl ist uns nicht bekannt. Aber es wird angenommen, daß ungefähr 200 griechisch-katholische Priester sich im Gefängnis befinden. Dasselbe trifft auch auf die anderen Religionen zu.“
Smith: „Welcher Art waren die Beschuldigungen, deren man sie anklagt?“ Wurmbrand: „Es gibt einen Unterschied zwischen Rumänien und Rußland. In Rußland geben die Kommunisten gewöhnlich zu, daß die Verhaftung aus religiösen Gründen geschieht. In Rumänien sagen sie das sehr selten. Der wahre Grund ist, daß man Kinder und Jugendliche über Jesus gelehrt hat.

„Stehlende“ Pastoren

Wenn in Rumänien neuerdings Christen vor Gericht gezogen werden, so lautet die Anklage manchmal auf Diebstahl. Das muß erläutert werden.
In Rumänien werden die Finanzen der Kirche vom Staat kontrolliert. Wenn die Kirche eine Kollekte eingesammelt hat, dann muß der Pfarrer die Höhe der Kollekte der Regierung melden. Diese Kollekte wird dann bei der Staatsbank eingezahlt, und der Pfarrer kann das Geld nur mit Genehmigung der kommunistischen Behörden ausgeben.
Die Kommunisten genehmigen natürlich den Pfarrern nur äußerst geringe Sätze. Als ich Rumänien verließ, betrug mein monatliches Gehalt 28 Doílar.

Die Kommunisten erlauben auch keinerlei Wohltätigkeitswerke. Es gibt weder in Rußland noch in Rumänien eine einzige private Wohltätigkeitsorganisation. Stellen Sie sich einmal eine Regierung vor, die jede karitative Arbeit verbietet. Das heißt also, daß Christen keine 10 Dollar für Kinder oder für alte Leute sammeln können. Den Pfarrern ist auch nicht erlaubt, die Kollekte etwa für eine Reparatur der Kirche zu verwenden.
‚Einige Pfarrer sagen deshalb, daß die Kirchengelder der Kirche gehören. Sie verwenden dann die Kollekte für kirchliche Zwecke, ohne die kommunistische Regierung zu fragen. Werden sie denunziert, dann kommen sie vor Gericht und werden als Diebe verurteilt.

Wieder andere sind im Gefängnis, weil sie Geschäfte gemacht haben. Nur der Regierung ist es erlaubt, Handel zu treiben. Die Regierung verbietet aber den Verkauf von Bibeln, Gebetbüchern und christlicher Literatur. Daher müssen solche Dinge vom Pfarrer oder Priester verkauft werden.
Wenn ein Pfarrer eine Bibel verkauft hat und er angezeigt wird, dann sagen die kommunistischen Behörden: ,Wir stecken Sie nicht aus religiösen Gründen ins Gefängnis, sondern weil Sie gegen das Gesetz über illegalen Handel verstoßen haben.‘

Die katholischen Priester bringen sie oft wegen sexueller Vergehen ins Gefängnis. Wenn ein Mädchen oder eine Frau zur Beichte gegangen ist, dann erfinden die Kommunisten irgendein Lügenmärchen, und der Priester kommt dafür ins Gefängnis.
Anderen Pfarrern legt man Devisenschmuggel oder konterrevolutionäre Betätigungen zur Last.“

Die Untergrundorganisationen

Smith: „Herr Pfarrer Wurmbrand, Sie haben vor einer Weile erwähnt, daß es in Rumänien und auch in Rußland eine Untergrundkirche gibt. Würden Sie uns bitte etwas mehr darüber berichten? Wie betet man in dieser Untergrundkirche, und wie gestaltet sie ihre Gottesdienste?“
Wurmbrand: „Ich habe Ihnen bereits viele Tatsachen über die Existenz und die Funktion der Untergrundkirche mitgeteilt.
Es gibt in Rumänien drei Hauptorganisationen der Untergrundkirche. Zunächst einmal die orthodoxe Untergrundbewegung Oastea Domnului, was auf deutsch Die Armee des Herrn bedeutet.
Man betrachtet sie als eine verbotene geheime Organisation.
Die Kommunisten sagen, daß diese Bewegung etwa 300 000 erwachsene Mitglieder habe. Als sie einmal eine geheime Versammlung ankündigte, kamen 6000 Bauern zu dieser geheimen Zusammenkunft. Die Polizei kam und fand etwa 6000 Menschen vor, die sie natürlich nicht alle verhaften konnten. Darum begnügten sie sich, einige Anführer vor Gericht zu schleppen. Meine Frau war bei der Gerichtsverhandlung. Vor dem Gerichtsgebäude standen Bauern aus ganz Rumänien. Als man die Gefangenen hineinführte, fingen sie an zu rufen: ,Wir haben dasselbe Verbrechen begangen. Wir haben denselben Glauben. Verhaftet auch uns/
Man kann nicht das ganze Land verhaften. Bei uns ist niemand auf Seiten der Kommunisten. Die Menschen sind viel eher auf Seiten Christi.
Innerhalb der Baptisten haben wir eine zweite Untergrundbewegung. Man nennt sie ,Die Erweckten*.
Dann gibt es noch eine presbyterianische Untergrundkirche. Sie wird ,Die Bethanisten‘ genannt. Diese Gruppe ist etwas Ähnliches wie der EC in Amerika oder in Deutschland. Viele von ihnen sind im Gefängnis gewesen, und es kommen immer noch Glieder dieser dritten Untergrundkirche ins Gefängnis.
Einen der Führer der Bethanisten hat man zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er folgende Verbrechen beging.

An einem Sonntag sprach er über den Bibelvers vom Johannesevangelium, Kapitel 21, wo Jesus sagt: »Werft euer Netz auf der rechten Seite des Bootes aus».
Am darauffolgenden Tag kam ein Offizier der Geheimpolizei, der zu ihm sagte: ,Wie konnten Sie die Aussage wagen, daß man das Netz auf der rechten Seite auswerfen soll, auf der Seite der Imperialisten, und nicht auf der linken?‘ Der Pfarrer kam ins Gefängnis.

Hier in Amerika gibt es viele Unitarier-Pfarrer, die Linksradikale sind. Bei uns werden Unitarier-Pfarrer ins Gefängnis gesteckt. Ein Unitarier-Pfarrer, ein Freund von mir, kam ins Gefängnis, weil er an einem Heiligen Abend predigte, daß Herodes Jesus töten wollte, als er klein war. Seine Mutter floh aber nach Ägypten und lebte dort im Verborgenen.
Der Pfarrer wurde vor Gericht gestellt, und man sagte ihm: ,Sie haben uns gemeint. Sie wollten damit ausdrücken, daß wir, die Kommunisten, wie Herodes die Christen töten, und daß Sie die Hoffnung haben, daß Nasser auf Ihre Seite übertritt. Aus diesem Grunde haben Sie Ägypten erwähnt.‘

Wenn ich hier in Amerika oft in Ihren Kathedralen bin, sehne ich mich nach der Schönheit der Untergrundkirche hinter dem Eisernen Vorhang, trotz all der Schrecken, die in den kommunistischen Ländern herrschen.
Wenn wir uns manchmal in einem Wald versammelten, so war der Himmelsdom unsere Kathedrale. Wir waren wie die Katholiken. Wir wollten nicht ohne Weihrauch anbeten. Der Wohlgeruch der Blumen war unser Weihrauch. Das Zwitschern der Vögel ersetzte uns die Orgel. Der schäbige Anzug eines Pfarrers, den man aus dem Gefängnis entlassen hatte, machte auf uns denselben Eindruck wie das feine Gewand eines Priesters. Und wenn es Abend wurde, dann waren die Engel unsere Meßdiener und zündeten uns die Sterne am Himmelszelt als unsere Kerzen an. Die Untergrundkirche ist schön.“

Sieg trotz Unterdrückung

Smith: „Pfarrer Wurmbrand, wie verhalten sich die Christen bei ihrer Verhaftung und wenn man sie vor Gericht stellt?“
Wurmbrand: „Ich werde Ihnen einige Tatsachen erzählen.
Zunächst muß ich wieder einmal bekennen, daß ich auf mein Vaterland stolz bin. Die Zeitung Sowjetskaya Moldavia berichtet über die rumänische Provinz Bessarabien. Dort sind sieben Jungen und drei Mädchen verhaftet worden, weil sie in der Öffentlichkeit christliche Lieder gesungen haben.
Man stellte sie vor Gericht und verurteilte sie zu fünf und sechs Jahren Gefängnis. Als sie ihr Urteil vernahmen, knieten sie sich hin und sagten: ,Gott, in deine Hände übergebe ich meinen Geist.‘
Alle Anwesenden im Gerichtssaal stimmten in diesem Augenblick das gleiche Lied an, für das man die Angeklagten verurteilt hatte.

Auf einer anderen Gerichtsverhandlung stellte der Richter einem christlichen Häftling die Frage: ‚Warum fahren Sie fort, Ihren Glauben zu verbreiten, der unwissenschaftlich ist?‘
Darauf gab der Angeklagte zur Antwort: ,Sind Sie ein größerer Gelehrter als Einstein? Man hat dem Universum Einsteins Namen gegeben. Und dieser große Wissenschaftler glaubte an Gott und an Christus. Das genügt mir.‘

Man hatte 500 Baptisten wegen der Demonstration am 16. Mai 1966 in Moskau verhaftet. Als der Richter den christlichen Glauben verspottete, richtete einer der Angeklagten eine Frage an ihn: ,Herr Richter, können Sie mir bitte folgendes klarmachen: Den Dung einer Kuh nennen wir einen Kuhfladen. Den Pferdedung bezeichnen wir als Pferdeäpfel. Der Hase macht kleine Kaffeebohnen. Können Sie mir diesen Unterschied in der Form des Dunges erklären?‘
Der Richter sah ihn an und antwortete: ,Ich weiß es nicht.‘
Dann erwiderte der Angeklagte: ,Sie haben keine Ahnung über den Mist, und Sie wagen es, die Bibel zu verspotten?'“

Smith: „Sie haben erwähnt, daß man im Mai 1966 500 Baptisten in Moskau verhaftet hat?“

Wurmbrand: „Man hat einen geheimen Rundbrief herausgeschmuggelt. Hier ist das geheime Blatt, in dem die russischen Baptisten schildern, was geschehen ist. Man hat sie auf den Straßen geschlagen und sie ins Gefängnis geworfen. Eine andere Massenversammlung hat es in Kiew und auch in Rostow am Don gegeben.
In Kürze werden die Kommunisten das 50jährige Jubiläum der kommunistischen Revolution begehen. Sie feiern nicht ihren Sieg. Sie feiern unseren Sieg. Sie feiern unseren Triumph, weil die Untergrundkirche jetzt nach 50 Jahren allmählich an die Oberfläche kommt. Es gibt Demonstrationen auf den Straßen, und Kinder legen die roten Halstücher ab. Sie bezeugen Christus in der Taufe.
Wir haben den Kampf gewonnen und nicht sie. Sie haben die Gummiknüppel. Wir haben die Wahrheit. Sie haben den Haß. Wir haben die Liebe; wir haben Gott.“

Smith: „Ich kann aus dem, was Sie sagen, entnehmen, daß der Geist des Christentums unter dem Volk sehr lebendig ist, trotz der Unterdrückung.“
Wurmbrand: „Ja. Sonst könnte man es nicht erklären, daß die kommunistischen Zeitungen in jeder Stadt davon berichten. Niemand kümmert sich um Kleinigkeiten. Wenn es sich bei der Untergrundkirche nicht um eine große Sache handeln würde, dann wären die Kommunisten nicht so beunruhigt.“

Smith: „Wie haben sich die Erlebnisse im Gefängnis auf den Glauben der Christen ausgewirkt?“
Wurmbrand: „Ich kann das sowohl von mir als auch von anderen Christen behaupten, daß unser Glaube stärker geworden ist. Ich will Ihnen nur ein Beispiel geben.
In Rumänien hat man einen Pfarrer verhaftet. Selbst unter Folterungen hat er die Geheimnisse der Untergrundkirche nicht preisgegeben.
Schließlich brachten sie seinen 14 Jahre alten Sohn herbei. Sie zogen ihn ganz aus und fingen an, ihn vor den Augen des Vaters zu schlagen. Der Vater war nur ein Mensch. Ich frage mich, ob ich das ausgehalten hätte. Nach zwei Jahren war ich mit diesem Mann in der gleichen Zelle, und das Grauen konnte man immer noch seinem Gesicht ansehen. Zu einem Zeitpunkt, als er nicht mehr länger die Folterungen seines Sohnes mit ansehen konnte, rief er aus: ,Ich werde jetzt alles sagen. Sonst werden sie dich umbringen.‘ Der Sohn sagte: ,Vater, tu mir das nicht an, daß ich einen Verräter, einen Judas zum Vater habe. Verrate ihnen nichts.‘ Darauf schlugen die Kommunisten mit blinder Wut auf ihn ein und quälten ihn noch mehr. Der Vater sagte: , Alexander, ich muß alles gestehen, sonst wirst du sterben.‘
Der Junge gab zur Antwort: ,Vater, wenn ich sterbe, werden meine letzten Worte Für Jesus und mein Vaterland sein. Ich kann für sie sterben. Aber du verrate nichts.‘
Unser Land ist, wie Sie wissen, sehr rückständig. Wir sind nicht so weit fortgeschritten, wie man es hier in Amerika ist. Bei uns verbrennt man den Einberufungsbefehl nicht. Dafür sind wir zu rückständig.
Wer bei uns Jesus liebt, der liebt auch sein Vaterland und stirbt dafür. Wir haben viele Fälle wie diesen gehabt. Die Christen sind bei uns hart wie Stahl geworden. Ein Diamant ist nichts anderes als Kohle unter hohem Druck. Der hohe Druck des Kommunismus hat Christen zu Diamanten gemacht.“

Smith: „Meine Frage ist, ob in Rußland Kriegsdienstverweigerung erlaubt ist.“
Wurmbrand: „Nein! In keinem kommunistischen Land.“

Das Täuschungsmanöver

Smith: „Herr Pfarrer Wurmbrand, Ihre Informationen bezüglich der Verfolgung der Christen und Anhänger anderer Religionen in der Sowjetunion scheint nicht mit der Information der Touristen in Einklang zu stehen. Menschen der freien Welt, die Rußland bereisen durften, haben in Moskau und Leningrad den Gottesdiensten beigewohnt. Wollen Sie sich bitte dazu äußern?“

Wurmbrand: „Die Vorgänge sind mir gut bekannt. Wenn man nach Moskau kommt, so findet man eine volle Baptistenkirche vor. Diese Touristen kommen dann zurück und sagen: ,Was für ein wunderschöner Gottesdienst in dieser Baptistenkirche.‘ Tausende von amerikanischen Touristen haben sie gesehen. Doch wage ich zu behaupten, daß diese Baptistenkirche in Moskau nicht existiert. Sie sind alle einer Sinnestäuschung zum Opfer gefallen. Moskau ist eine Stadt mit sieben Millionen Einwohnern. Für sieben Millionen Einwohner gibt es keine Baptistenkirche. Diese eine Kirche ist die Kirche der Baptisten, Methodisten, Pfingstler, Mormonen, Presbyterianer, Lutheraner, der Orthodoxen und Adventisten. Sie ist also keine Baptistenkirche. Es gibt für alle Protestanten einer Siebenmillionenstadt nur diese eine Kirche.

Warum gibt es nun diese eine Kirche? Ich wundere mich, wie sich die Amerikaner von dieser einen Kirche täuschen lassen. Ich war in einer Versammlung anwesend, als ein großer Prediger sprach. Er zeigte Dias von dieser Kirche und sprach von den Freiheiten, die dort herrschen. Ich bin kein höflicher Mann, und so stand ich während der Predigt auf und sagte: ,Bitte zeigen Sie mir das Dia der zweiten Baptistenkirche in Moskau.‘ Er konnte es mir nicht zeigen. Ich fuhr fort: ,Wollen Sie mir dann bitte ein Dia des Kindergottesdienstes in dieser Baptistenkirche zeigen? Und zeigen Sie mir bitte die Jugendversammlung in dieser Kirche! In jeder Kirche der Welt gibt es einen Tisch, wo man eine Bibel oder etwas Ähnliches kaufen kann. Bitte zeigen Sie mir, daß es einen solchen Tisch in dieser Kirche gibt!‘

Können Sie es nicht sehen, daß diese eine Kirche nur zur Täuschung der Touristen und Ausländer da ist? Aus dem gleichen Grund gibt es eine katholische Kirche, einige wenige orthodoxe Kirchen. Diese existieren nur zur Täuschung. Das ist nichts Wahres.
Die wahre Kirche ist die Untergrundkirche. Die offizielle Kirche kann die religiösen Belange des Volkes nicht befriedigen.
Ich liebe die Russen sehr, und ich werde sehr ärgerlich, wenn Leute von den Russen schlecht reden. Es sind niemals die Russen, es sind die Bolschewisten, die die Russen unterdrücken. Die Russen sind im wesentlichen religiös geblieben.“

Smith: „Kürzlich hat ein sehr bekannter amerikanischer Evangelist in Jugoslawien einen gutbesuchten Gottesdienst gehalten. Erweckt diese Tatsache nicht den Anschein, daß es in Jugoslawien Religionsfreiheit gibt? Was haben Sie dazu zu sagen?“
Wurmbrand: „Es kommt darauf an, was er gepredigt hat. Das Evangelium hat zwei Seiten. Die eine Seite ist die Verkündigung des Königreiches Gottes. Die andere Seite ist das Tadeln der Sünde. Hätte Herodes Johannes den Täufer enthaupten lassen, wenn dieser nur gesagt hätte: ,Bekehret euch, denn das Königreich Gottes ist nahe?‘
Er hat ihn enthaupten lassen, weil er gesagt hatte: ,Du, Herodes, du darfst nicht deines Bruders Weib haben.‘ Jesus wurde nicht wegen seiner Bergpredigt gekreuzigt. Man hat ihn gekreuzigt, weil er gesagt hatte: ,Wehe euch, ihr Pharisäer und Schriftgelehrten, ihr Schlangen und Otterngezüchte.‘

Nicht ein einziger amerikanischer Prediger, der in ein kommunistisches Land gefahren ist, hat den Kommunismus gebrandmarkt. Er mag über Jesus die schönsten Dinge gesagt haben. Ich habe ihre Predigten teilweise gehört. Nicht ein einziger von ihnen ist gekommen zu sagen: ,Der Kommunismus ist ein Verbrechen. Ihr habt das Verbrechen begangen, Millionen meiner Brüder umzubringen. Ich stehe auf der Seite der Märtyrer, und ich bin gegen die Unterdrücker. Ich bin für Religionsfreiheit!‘

Dies sollten sie gesagt haben und: ,Ich protestiere gegen das Verbrechen, daß man Kinder und Jugendliche mit dem Atheismus vergiftet.‘
Wenn dieser ausländische Besucher so gepredigt hätte, dann hätte man ihn innerhalb von fünf Minuten zum Schweigen gebracht.

Verräter und Bekenner

Ich denke, daß Prediger, die von kommunistischen Ländern kommen, ohne diese Wahrheit der religiösen Unterdrückung zu sagen, Jesus nicht die Treue halten. Wenn Jesus nach Jugoslawien oder Polen, nach Rumänien oder Rußland fahren könnte, würde er diese Versklavung brandmarken, genauso wie er es vor 2000 Jahren in Jerusalem getan hatte.
Es kommt manchmal ein treuer amerikanischer Prediger in die Ostblockstaaten. Ich kann Ihnen einen Namen nennen. Ein Amerikaner, Dr. Starmer, der Leiter der Baptistenmission, kam nach Bukarest. Ich war dort. Er war früher der Direktor des Baptistenseminars in Bukarest gewesen. Deshalb verstand er Rumänisch. Er konnte es nicht sprechen, aber er verstand alles. Jetzt kam er, um zu predigen. Ein rumänischer Baptist, der als Erzverräter bekannt ist, ein willenloses Werkzeug der Kommunisten, übersetzte für ihn. Dr. Starmer predigte die Wahrheit, und der Übersetzer sagte, was er wollte. Dr. Starmer verstand Rumänisch, es gab eine Szene in der Öffentlichkeit. Er wandte sich an seinen Übersetzer und protestierte: ,Das habe ich nicht gesagt. Sie haben falsch übersetzt.“
Aber Dr. Starmer konnte nichts weiter tun, und so nahm die Komödie ihren Fortgang. Das geschieht in allen kommunistischen Ländern. Ich bestreite, daß jemand in eines der kommunistischen Länder fahren kann und dort die volle Wahrheit sagen darf. Selbst in Polen, welches von den kommunistischen Ländern das beste ist, würde man eine solche Verkündigung unterbinden. Das christliche Zeugnis in den kommunistischen Ländern müßte immer eine Verurteilung des Kommunismus, des Atheismus und all der Schrecken sein, die durch das kommunistische Regime über die Gläubigen gekommen sind. Man kann in diesen kommunistischen Ländern nur ein verdünntes Evangelium verkündigen.“

Smith: „Gab es einige Personen, die voraussahen, was mit der christlichen Kirche unter den Kommunisten geschehen würde, und gewarnt haben, bevor die Kommunisten in Rumänien an die Macht gekommen sind?“

Wurmbrand: „Ja, wir haben große Persönlichkeiten gehabt. Zunächst einmal den Herrn Erzbischof der orthodoxen Kirche, Gurie, der Erzbischof von Bessarabien war. Er war ein sehr aktiver Antikommunist. Er wurde beseitigt, wie man viele amerikanische Antikommunisten beseitigt hat. Er wurde verleumdet. Er war ein Mann, der nur an Gott und das Vaterland dachte. Eine riesige Verwaltung mit Hunderten von Angestellten war ihm untergeordnet. Er aber verbrachte seine Zeit im Gebet und mit Predigen, anstatt mit der Buchführung. So war es den Kommunisten ein leichtes, ihn zu packen. Alle Christen in Rumänien kannten ihn als einen ehrlichen Mann. Ich könnte Ihnen viele solche Tatsachen berichten. Verleumdung ist eine der größten Waffen des Kommunismus. Was werden sie eines Tages über mich sagen? Sicher werden sie etwas finden, womit sie mich verleumden können.

Als ich vor dem Senat meine Aussagen gemacht hatte, schrieb die rumänisch-kommunistische Zeitung von Amerika über mich: „Wurmbrand, wer ist das schon? Er hat einen deutschen Namen. Sicher ist er im Gefängnis gewesen, weil er ein Nazi war. Und als er über das Vaterland sprach, hatte er einen deutschen Akzent und sagte »Vaterland«. Es handelt sich also um einen Deutschen. Er ist als Nazi bestraft worden!“

Ich schrieb der Redaktion einen Brief und erklärte: ‚Wollen Sie bitte zur Kenntnis nehmen, daß ich ein Jude bin. Selbst wenn ich ein Nazi hätte sein wollen, Hitler hätte mich nie akzeptiert.‘ Damit war der Fall erledigt. Sie werden aber immer etwas finden, und die Leute werden es glauben.

Smith: „Haben Sie irgendwelche Informationen, ob es eine kommunistische Infiltration in den rumänischen Kirchen gab, bevor die Kommunisten in Ihrem Lande die Regierung übernahmen?“

Wurmbrand: „Ich bin sehr dankbar, daß Sie diese Frage stellen. Es gibt hier unter den Zuhörern verschiedene meiner rumänischen Freunde und große Persönlichkeiten. Dr. Brutus Coste ist hier, der vielleicht Premierminister von Rumänien wäre, wenn Rumänien frei wäre. Er kann die Tatsachen bestätigen, die ich zitiere, sowie die Rolle, die ich in Rumänien gespielt habe.

Als die Kommunisten an die Macht kamen, gab es einige böse Überraschungen. Professor Constantinescu Iashi war einer der bekanntesten theologischen Professoren Rumäniens. Nach dem Regierungsantritt der Kommunisten wurde er sofort kommunistischer Kultusminister und damit ein Mitglied der kommunistischen Regierung. Den Leuten gingen die Augen auf.
Sie fragten: ,Aber wie ist das möglich? Sie haben Tausende von Priestern auf ihr geistliches Amt vorbereitet. Wie gibt es das?‘
Er antwortete: ,Ich bin von der kommunistischen Partei auf das theologische Seminar geschickt worden.‘
Bende, der Sekretär des protestantischen Seminars in Cluj zu Zeiten der Kapitalisten, erklärte, daß ihn die Partei eingesetzt hatte, damit er die Studenten im radikalen Sinne vorbereite.
Als die Kommunisten in Rumänien an die Macht gekommen waren, erschienen die orthodoxen Priester Riosheanu, Patrashcoiu und andere sofort in der Uniform von Obersten der Geheimpolizei. Sie verhafteten und schlugen ihre ehemaligen Gemeindeglieder. Als diese sie fragten: ,Aber wie ist das möglich? Das ist nur ein Alptraum! Sie sind mein Priester gewesen. Ich habe Ihre Hand geküßt. Sie haben mir die Sakramente verabreicht‘, gaben die treulosen Priester zur Antwort: ,Ihr Dummköpfe, ihr Idioten, die kommunistische Partei hat uns in der Kirche eingesetzt.‘

Unterwanderung

Infiltration gab es aber nicht nur in der Kirche, sondern auch in unseren staatlichen Behörden. Wir hatten kein FBI (amerikanische Kriminalpolizei). Wir hatten aber einen Minister für innere Angelegenheiten. Er hieß Ghelmegeanu.
Als die Kommunisten die Macht übernommen hatten, wurde jeder Polizist der antikommunistischen Zeiten ins Gefängnis gesteckt und gefoltert. Aber der ehemalige Innenminister wurde bei den Kommunisten eine große Nummer. Sie erklärten: ,Dieser Mann ist seit langem unser Mann gewesen.‘

Ganz bestimmt haben sie infiltriert. Jesus hat das so deutlich ausgedrückt: ‚Nehmt euch vor den Wölfen in Schafspelzen in acht.‘
Jetzt habe ich die Kirchenleiter gefragt: ,Sie sind mein Vorgesetzter. Ich bin ein unwichtiger Pfarrer. Man hat mich fälschlicherweise mit einem Heiligenschein umgeben, weil ich vierzehn Jahre im Gefängnis gewesen bin. Ich bin ein unterdurchschnittlicher Christ. Sie sind ein Kirchenführer. Sagen Sie, vor wem muß ich mich in acht nehmen? Wer sind diese Wölfe in Schafspelzen?‘

Die Kirchenführer konnten es mir nicht sagen. Es handelt sich um Theologen, die die Kirche zersetzen, mit dem Kommunismus sympathisieren und die überall den Glauben der Jugend zerstören.
Mein Sohn, der jetzt Psychologie in Kalifornien studiert, sagte mir, daß es beängstigend sei, was er beobachtet. Er kam von einer antikommunistischen Universität in Bukarest. Ich nenne sie so, weil alle Studenten in Rumänien antikommunistisch sind. Und hier an der Universität von Kalifornien in Los Angeles hört er Lobgesänge auf den Kommunismus. Man zeigt jeden Monat drei bis vier sowjetische Filme, und die Studenten sehen sie sich an. In Bukarest boykottiert man russische Filme. Niemand geht dann ins Kino.
Amerika erlaubt keine Handelsbeziehungen mit Rotchina. Wie ist es jetzt möglich, daß die Bücher von Mao Tse-tung, in denen es heißt ,Gedruckt in Peking‘, in Amerika ankommen? Man verkauft sie an der Universität von Kalifornien für einen Dollar.

Die Studenten kaufen sie. Wie kommen sie ins Land herein? Sieht kein Polizist diesen Vorgang?
Mein Sohn schrieb dann einen Brief an Reagan (Gouverneur von Kalifornien), und er teilte ihm mit: ,Herr Reagan, ich bin der Sohn eines Pfarrers, der vierzehn Jahre lang in kommunistischen Gefängnissen gewesen ist. Ich dachte, da Sie auch sehr bald in einem kommunistischen Gefängnis sein werden, müßte ich Ihnen einiges darüber berichten, wie es in einem kommunistischen Gefängnis zugeht. Sie werden über eine solche Aussage verwundert sein. Ich will aber gern erklären, warum Sie unter Um-ständen in einem kommunistischen Gefängnis sein werden. Wenn Sie es zulassen, daß man die Jugend so erzieht, wie sie jetzt ausgebildet wird, mit solchen Filmen, mit den Büchern von Mao Tse-tung und mit den Worten an den Wänden »Amerikaner sind Mörder«, dann ist es sicher, daß aus diesen Studenten einmal Kommunisten werden!‘ — Der gute Reagan oder jemand in seinem Sekretariat schrieb einen schönen Brief an meinen Sohn, in dem er sich bedankte, und er antwortete: ,Ich weiß um all diese Dinge, und ich versuche selbst, dagegen anzugehen.‘ Ich zitiere diese Worte nur aus meinem Gedächtnis.

Hier in Amerika geschehen schlimme Dinge. Jeder Mensch, der die Freiheit liebt, hat zwei Vaterländer, sein eigenes und Amerika. Wenn nämlich Amerika untergeht, dann hat niemand in der Welt mehr Hoffnung auf Freiheit. Amerika ist jetzt meine Heimat. Ich muß sagen, daß mein Herz für Amerika blutet. Mein Herz blutet, wenn ich diese Gleichgültigkeit der kommunistischen Bedrohung gegenüber beobachte.“

Rassenhaß

Smith: „Herr Pfarrer Wurmbrand, wurde in Ihrem Land von den Kommunisten der Rassenhaß angeregt und geschürt?“
Wurmbrand: „Gewiß! Die kommunistische Partei von Rumänien hatte für jede Provinz das Selbstbestimmungsrecht in ihrem Programm. Wir haben viele nationale Minoritäten in Rumänien. Es gibt dort Ungarn, Bulgaren, Türken und Volksdeutsche.
In Bessarabien haben wir Russen und Ukrainer. Aber wir bildeten einen Staat, eine Nation. Die Kommunisten sagten den Siebenbürgen: ,Löst euch von Rumänien los.‘ Sie sagten auch den Bessarabiern:
,Löst euch los.‘ Die Aufstände wurden von den Kommunisten organisiert.
Sie haben zum Beispiel von einer berechtigten Unzufriedenheit in Bessarabien profitiert und haben bewußt diesen Haß geschürt. In Tatar-Bunar organisierten sie einen Aufstand, bei dem Blut geflossen ist. Einige der nationalen Minoritäten haben ihnen geglaubt. Die Kommunisten kamen an die Macht. Dann geschah etwas sehr Interessantes. Ich war in dem Gefängnis von Tirgul-Ocna. Der Gefängniskommandant sagte zu mir: Jetzt sehen Sie, Herr Wurmbrand, Sie haben unter den Nazis gelitten. Die Nazis waren so schlecht und verfolgten die Juden. Wir sind nicht so. Sehen Sie sich nur einmal im Gefängnis um. Es gibt hier Rumänen, Ungarn, Russen, Juden und andere. Wir stecken jeden ins Gefängnis. Wir kennen keine Rassenunterschiede.‘

Hier in Amerika haben Sie rassische Unzufriedenheiten, Aufstände und Unterschiede. Wenn die Kommunisten an die Macht gelangen werden, werden Herr Brown, Herr Carmichael (Leiter der extremen Negerorganisationen) und ihre weißen Gegner sowie die Kämpfer für Zivilrechte zusammen in demselben Gefängnis sein. Es wird dann eine perfekte Integration (Verschmelzung der Rassen) geben. Diese Zusicherung kann ich Ihnen machen. Es wird dann weder ,Schwarze Macht‘ noch ‚Weiße Macht‘ geben, sondern nur noch eine Diktatur über Schwarze und Weiße.“

Smith: „Gibt es irgendwelche amerikanische Staatsbürger, die man gegenwärtig in Rumänien gewaltsam festhält?“
Wurmbrand: „Ja! Nach meiner Information ungefähr 40 bis 50 amerikanische Staatsbürger, geboren in Amerika, hindert man daran, Rumänien zu verlassen. Ich habe die Namen dem Außenministerium durch Mitglieder des Senats und Kongresses zukommen lassen. Ich habe auch die Antwort erhalten. Man hat viele Bittgesuche an das Außenministerium gestellt und auch bei der amerikanischen Botschaft in Bukarest, damit man ihnen die Erlaubnis gibt, das Land zu verlassen. Aber man erlaubt es ihnen nicht. Fragen Sie sich selbst, warum man es ihnen nicht gestattete, wenn man es mir erlaubte, obgleich ich keine amerikanische Staatsbürgerschaft habe.“

Moderner Menschenhandel

Smith: „Herr Pfarrer Wurmbrand, warum werden die Amerikaner in Rumänien festgehalten?“
Wurmbrand: „In meinem Fall und im Fall der Juden, die sie verkauft haben, wollten sie nur Geld einhamstern. Es ist allgemein bekannt, daß sie mit den Juden einen Sklavenhandel betrieben haben. Derjenige, der das Geld kassierte, hieß Corneliu Manescu, ein jüdischer Kommunist, aber ein Antisemit, ein Verräter an seiner eigenen Rasse. Er ist unser rumänischer Außenminister. Dieser Sklavenhändler wird, mit Zustimmung der Vereinigten Staaten Präsident der nächsten Versammlung der Vereinten Nationen sein.“

Smith: „Wollen Sie damit sagen, daß diese amerikanischen Staatsbürger für ein Lösegeld zurückgehalten werden?“

Wurmbrand: »Der Beispielsfall der Juden läßt mich zu dieser Folgerung kommen. Worüber ich mich wundere, ist, daß Amerikaner jetzt ein Stahlwerk an Rumänien verkaufen. Ich habe gelesen, daß Amerika auch hochprozentiges Uran(erz) an Rumänien liefert. Ferner unterstützen sie Fiat, die in Rumänien eine Autofabrik bauen wollen.
Wenn die Amerikaner sagen würden: ,Wir geben euch ein Stahlwerk; gebt ihr uns unsere 50 Staatsangehörige zurück‘, würde man diese 50 zurückgehaltenen Amerikaner sofort freigeben.
Mit einem Gangster kann man auf keine andere Weise reden. Die amerikanischen Staatsbürger könnte man sehr einfach zurückbringen, wenn man diese Bedingung stellen würde. Ich habe beim Brückenbauen zugesehen. Dabei sprach ich mit den Ingenieuren. Man fängt beim Brückenbauen immer auf beiden Seiten an. Man kann eine Brücke nicht von einer Seite aus bauen. Was tut die kommunistische Regierung Rumäniens? Sie ordnet einfach an und sagt: ,Ich halte Ihre Staatsbürger mit Gewalt hier zurück, und Ihr baut eine Brücke in meiner Richtung und gebt mir noch dazu Geld.‘

Ich kümmere mich niemals um Politik. Aber ich muß eine Frage stellen: Stimmt das, was die Zeitungen berichten, daß Rumänien und Rußland Autofabriken mit amerikanischem Kapital erhalten?‘
Weiter wird berichtet, daß viele kommunistische Länder große Darlehen und viele Güter aus der westlichen Welt bekommen. Diese gleichen Länder, die mit dem westlichen Geld unterstützt werden, behaupten dann, daß sie Nordvietnam gegen die Amerikaner unterstützen. Letzten Endes sieht also der ganze Handel so aus, daß amerikanische Soldaten mit amerikanischen Dollars getötet werden. Das ist der Eindruck, den ich habe. Aber ich rede nicht über Politik. Mir fiel das gerade so ein.“

Smith: „Werden diesen zurückgehaltenen Amerikanern irgendwelche Verbrechen zur Last gelegt, oder gibt man irgendeinen Grund dafür an, warum man diesen Amerikanern keine Ausreisegenehmigung erteilt?“

Wurmbrand: „Nein. Sie sind ihrer Geburt nach amerikanische Staatsbürger. Sie haben lange in Rumänien gewohnt, und Rumänien erkennt ihre amerikanische Staatsbürgerschaft nicht an, obgleich es sich um Amerikaner wie Sie handelt.“

Smith: „Zwei der ausländischen Hauptverfechter für ein Gespräch zwischen Kommunisten und Christen sind Josef Hromadka aus der Tschechoslowakei und Roger Garaudy aus Frankreich, die bereits erwähnt worden sind. Diese beiden Männer sind kürzlich in den Vereinigten Staaten gewesen. Sie haben an vielen Universitäten über die Vorteile und die Notwendigkeit eines Dialoges zwischen Kommunisten und Christen gesprochen. Was ist Ihre Meinung über deren Aktivität in dieser Hinsicht? Sind sie trügerisch?“

Verschleierung

Wurmbrand: „Ich habe mir selbst versprochen, in meiner Aussage keine Meinungen auszudrücken, sondern nur Tatsachen vorzulegen. Am 10. Juli hielt die lutherische Kirche, Missouri Synode, eine Tagung. Sie wurde von Herrn Dr.Mihalko, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Gottesdienst und geistliches Leben der lutherischen Weltföderation, besucht. Er ist Tscheche. Dieser Mann hat in einem vorangegangenen Vortrag behauptet, daß der Sozialismus hohe moralische Werte vertrete und ehrliche humanistische Ziele verfolge. Der Sozialismus habe die Kirche weder beseitigt noch bedrängt. Im gleichen Referat erklärte er: ‚Der Sozialismus hat die Kirche nicht für seine Zwecke mißbraucht.‘

Wenn Mihalko darauf besteht, daß der Sozialismus die Kirche nicht verfolgt hat, dann sind Kossygin und Breschnjew Lügner. Diese Männer haben nämlich in der Sowjetpresse behauptet: ,Wir verfolgen die Kirche.‘ Sie sagten: ,Wir haben die atheistische Schule der Unversöhnbaren gegründet.‘ Wir haben den Müttern die Kinder weggenommen, und zwar nur aus dem einzigen Grund, weil diese Christen sind.‘ Nun kommen Mihalko, Hromadka, Nikodim und andere und wollen uns erzählen, daß es in Rußland keine Verfolgung gäbe.

In einem ähnlichen Fall bin ich mit Niemöller zusammengestoßen. Er ist Vizepräsident des Weltkirchenrates. Es ergab sich, daß wir zur gleichen Zeit in Norwegen waren. Niemöller hatte in Norwegen einige Vorträge und Predigten zu halten. Am ersten Tag erklärte er in einem Interview, daß dem Kommunismus seit 1920 keine Märtyrer mehr zur Last gelegt werden könnten. Ich habe Niemöller darauf in der Presse geantwortet und die Frage an ihn gestellt: ,Haben Sie jemals von Kardinal Mindszenty erfahren? Wurde er vor oder nach 1920 verhaftet? Haben Sie jemals von Kardinal Beran gehört? Haben Sie nicht von den protestantischen Pfarrern in der DDR gehört, Pfarrer Ihres Vaterlandes, die man nach 1920 verhaftet hat? Warum lügen Sie?‘
Die Redaktion der Zeitung telefonierte ihm und sagte: ,Wir stellen Ihnen die Spalten unserer Zeitung zur Verfügung, damit Sie Wurmbrand eine Antwort geben können.‘ Er antwortete: ,Ich habe keine Zeit.‘ Und obgleich er eine Reihe von Vorträgen in Norwegen zu halten hatte, verließ er fluchtartig das Land.

Diese Männer haben keine Antworten. Die Tatsachen können nicht widerlegt werden. An mir kann man zweifeln. Über mich können sie auch sagen, was sie wollen. Ich werde ihnen niemals antworten. Ich gebe ihnen im voraus zu, daß sie bessere Menschen als ich sein mögen. Aber ihre ‚Tatsache‘ sind Lügen. Hromadka traf sich mit Mikojan. Jetzt sagt man allgemein, daß Stalin Verbrechen begangen habe. Wer sind aber seine Schergen gewesen? Mikojan war die rechte Hand Stalins, ebenso Chruschtschew, Breschnjew und Kossygin.

Nehmen wir an, du habest Mikojan oder Podgorny vor dir und du bist ein Christ. Ich würde auch mit Mikojan sprechen und ihm sagen, er solle sich von seinen Verbrechen bekehren und Christ werden. Aber diese Leute lächeln sich nur gegenseitig an, gratulieren sich für den Frieden und schieben die Frage weg.“

Die Kosten der „Freiheit“

Ich habe hier die Erklärung eines Rumänen, Theodorescu, aus Detroit. In diesem Bericht heißt es: ,Ich hatte als Flüchtling aus Rumänien die Absicht, wieder in meine Heimat zurückzukehren, nachdem ich gehört hatte, die Verhältnisse seien dort viel besser geworden. Ich sprach auf der rumänischen Botschaft vor. Der rumänische Gesandte sagte mir sofort: ,Wenn Sie nach Rumänien zurückgehen wollen, dann begrüßen wir es. Sie müssen uns aber erst Ihre Treue beweisen. Das kann auf drei Arten geschehen.

Zuerst gehen Sie nach München. Finden Sie dort heraus, wer die Rumänen sind, die dem Radio Freies Europa Informationen geben. Als nächstes fahren Sie nach Jugoslawien. Dort stellen Sie fest, welche rumänischen Gruppen antikommunistische Literatur nach Rumänien transportieren. Und als letztes spüren Sie Jon Chirila auf, einen Antikommunisten, der unsere Gesandtschaft in Bern 1955 angegriffen hat. Sie müssen diesen Attentäter entweder entführen oder ihn umbringen. Dann werden wir Sie akzeptieren.*

Wer auch immer mit den kommunistischen Konsulaten Beziehungen aufnimmt, der macht die gleiche Feststellung. Ich bin mit verschiedenen in die Heimat zurückgekehrten Auswanderern zusammen im Gefängnis gewesen. Mir fällt gerade eine Person ein. Es ist Oberst Baiulescu. Er war ein Auswanderer, der die Geschichten über das Auftauen geglaubt hatte. Er kehrte nach Rumänien zurück. Er war ein Major in der königlichen Armee gewesen. Als er zurückkam, steckten sie ihn in die Uniform eines Oberst. Man machte von ihm Aufnahmen, als er diese Uniform anhatte, und dieses Foto erschien dann in den rumänischen Zeitungen. Sie schickten ihn von Ort zu Ort, wo er Vorträge darüber hielt, wie schlecht es im Westen ist und wie glücklich er jetzt wäre, in einem kommunistischen Land zu sein. Nachdem er diese Vorträge gehalten hatte, verurteilte man ihn zu 20 Jahren Gefängnis.“

Das Blut der Märtyrer schreit zum Himmel

Viele Berichte über die Christenverfolgungen in Byelorussia und Litauen stehen mir zur Verfügung. In Albanien hat man alle Kirchen geschlossen. In Rotchina gibt es nicht eine einzige Kirche. In Kuba zapft man den verurteilten Christen für Bluttransfusionen Blut ab, bevor man sie hinrichtet. Viele solche Dinge könnte ich berichten. Es fehlt aber die Zeit. Nur noch ein letztes Wort.

Ich weiß, daß die Kommunisten sehr heftig auf das reagieren werden, was ich heute sage. Bevor ich Rumänien verließ, wurde ich gewarnt. Sie würden viele Gerüchte über mich verbreiten, wenn ich nicht über sie schweigen werde. Hier in Amerika haben sie ihre Helfershelfer.

Dabei will ich aber nicht den Eindruck der Selbstgerechtigkeit erwecken. Ich bin nicht besser als die Kommunisten. Von Jugend an war ich ein anarchistisches Element, ohne Religion groß geworden, habe ich alle gehaßt, die auch von den Kommunisten gehaßt werden. Ich bewunderte Lenin und Marx nur aus dem Grunde, weil sie Atheisten gewesen sind. Ich wäre auch bereit gewesen, für den Atheismus zu leiden. Ich habe aber auch die Kommunisten gehaßt. Ich habe jeden gehaßt. Eine sehr schwere und leidensreiche Jugend hatte den Haß in mir geschürt. Aus diesem Grunde erlaube ich es jedem, über mich zu sagen, was er will. Ich weiß aber auch, daß das Blut Jesu meine Sünden abgewaschen hat. Gott hat mir den Haß genommen und mir die Liebe zu allen Menschen, auch zu den Kommunisten, ins Herz gegeben.

Seitdem ich Christ geworden bin, bin ich auch ein schwacher Christ gewesen. Ich war kein Heiliger. Aber niemand in der Welt kann das widerlegen, was ich über die gegenwärtige Verfolgung von Christen sage. Über Wurmbrand können sie sagen, was sie wollen. Ich werde ihnen nicht antworten. Meine Antwort sind diese enthüllten Tatsachen. Ich antworte mit dem Blut der Märtyrer, das wie das Blut Abels zum Himmel schreit. Gott wird die Kirchenführer, die mit dem Kommunismus gemeinsame Sache gemacht haben, einmal fragen: ,Kain, wo ist dein Bruder Abel?‘

Die Mitglieder der kommunistischen Partei und die Geistlichen können an mich schreiben. Ich werde ihnen noch mehr Dokumente unterbreiten. In der englischen Sprache sind jetzt mehrere Bücher erschienen. Die Titel lauten: Gefoltert für Christus, Wurmbrands Briefe und In Gottes Untergrund. Diese Bücher legen viel neues Tatsachenmaterial vor.

Noch eine Minute bitte. Ich behaupte, daß die Verfolgung in den kommunistischen Ländern noch nie so schlimm gewesen ist wie heute. Rotchina stellt zwei Drittel der kommunistischen Welt dar. Niemals hat man in der ganzen Geschichte des Kommunismus Priester lebendig begraben, wie das jetzt in Ten Sheen geschehen ist. Niemals in der Geschichte des Kommunismus sind alle Kirchen eines Landes geschlossen worden, wie das jetzt in Rotchina und in Albanien der Fall ist.

Ich kam nicht dazu, über Bulgarien und andere kommunistische Länder zu sprechen. Der Kommunismus beherrscht ein Drittel der ganzen Welt. Dieses eine Drittel der Leidenden sollte ein Drittel Ihrer Gottesdienste,
ein Drittel Ihrer Gebete, ein Drittel Ihres Interesses und ein Drittel Ihrer Gaben erhalten.

In kommunistischen Gefängnissen sah ich Gefangene mit 50 Pfund schweren Ketten an ihren Füßen. Und diese Geplagten beteten Nacht für Nacht für Amerika und seine Kirchen. Und jetzt, nachdem ich in der freien Welt bin, gehe ich von Kirche zu Kirche. Selten höre ich, daß ein Christ der westlichen Welt für die Menschen mit 50 Pfund schweren Ketten betet. Diese Gefangenen in Ketten beten und kämpfen für die Erhaltung der Freiheit und die Erhaltung Amerikas. Deshalb appelliere ich an patriotische Organisationen, an die breite Masse der Kirchgänger und vor allem an die Kirchenführer, daß sie die heute bezeugten Tatsachen und die Berichte meiner Bücher überall veröffentlichen. Ich verlange von ihnen, öffentliche Demonstrationen zu organisieren. Es gibt Hunderte von Geistlichen, die gegen den Krieg in Vietnam protestiert haben. Gegen den Mord an Christen hat niemand protestiert. Ich verlange, daß dies organisiert wird! Ich bitte niemand, die Organisation zu unterstützen, zu der ich gehöre, aber mitzuhelfen, daß eure Kirche den Märtyrerfamilien hilft und die Untergrundkirche mit Bibeln versorgt. Es sollte einen Gebetsfeldzug, allgemeine Gebetstage für die unterdrückten Christen geben. Kein Gottesdienst, in dem die Märtyrer von heute nicht erwähnt werden, ist vor Gott gültig.

Im Gefängnis vergaß ich das Gebet ,Unser Vater*. Man hat uns Drogen gegeben. Mein Geist wurde dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen. Ich brachte es nicht mehr fertig, dieses Gebet fehlerfrei zu beten. Wir brauchten daher die Gebete derer, die frei sind. Die Untergrundkirche ist der einzige organisierte Widerstand gegen den Kommunismus, und sie sollte die Hilfe der Christen und Patrioten von Amerika haben.

Ich bin dem Ausschuß sehr dankbar, weil er mir die Möglichkeit gab, all diese Tatsachen zu unterbreiten. Ich schätze dieses Komitee sehr. Es ist mein Anliegen, daß Sie diese Berichte über den kommunistischen Terror überall in der Öffentlichkeit bekanntmachen. Wir müssen den Händen der Mörder Einhalt gebieten, die Christen und Juden töten. Ich fordere das, weil ich die Christen, die Juden und auch ihre Mörder liebe.

Mein letztes Wort gilt einem Juden, dem Rabbiner von Lyubavich. Als die kommunistischen Polizeiagenten die Mündung ihrer Pistolen auf ihn richteten, sagten sie zu ihm: ,Dieses kleine Spielzeug hat schon so manchen Menschen dazu bewogen, seine Meinung zu ändern.‘ Der Rabbiner antwortete ihnen ganz ruhig: ,Dieses kleine Spielzeug kann nur einen solchen Menschen einschüchtern, der viele Götter hat, seine Leidenschaften und nur eine Welt, diese Welt. Aber ich habe nur einen Gott und zwei Welten. Dieses kleine Ding beeindruckt mich nicht.‘

So ist auch die christliche Kirche durch den Terror und die Schreckensherrschaft der Kommunisten nicht beeindruckt. Christus wird der Sieger auch in der kommunistischen Welt sein. Ich danke Ihnen. Der Herr segne Sie!“

Vorsitzender: „Wir danken Ihnen sehr für Ihr äußerst interessantes und informatives Zeugnis. Als Vorsitzender des Ausschusses möchte ich zum Ausdruck bringen, daß es mein Wunsch ist, daß jeder Mann und jede Frau in Amerika hätte hören können, was Sie zu sagen haben.“

Roudebush: „Ich möchte auch meinen Dank aussprechen, daß Pfarrer Wurmbrand vor unserem Ausschuß gesprochen und ein solch ausgezeichnetes Zeugnis abgelegt hat. Ich bin sehr froh, daß uns diese Information gegeben worden ist. Wir wollen sie drucken und dem Kongreß und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.“

Wurmbrand: „Der Herr segne Sie, und der Herr segne Amerika!“

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Obwohl das Büchlein BLUT UND TRÄNEN mit seinen Beispielen über 40 Jahre alt ist, halte ich persönlich es für aktuell und damit lesenswert. Es kann wertvolle Hinweise einer Vorbereitung auf die kommende Christenverfolgung vermitteln.

Neben der heutigen Verfolgung in kommunistischen Ländern wie China, Nordkores, Burma, Vietnam, Kuba u.a.m. sind es praktisch alle islamischen Länder, in denen unseren Glaubensgeschwistern heute schon ähnliches widerfährt!  –  Deswegen ist eine gute Vorbereitung auf eine Untergrundkirche dringend anzuraten.

Die Hervorhebungen im Text habe ich vorgenommen. –  Horst Koch, Herborn, den 30. 10. 2009

Auf meiner Seite www.horst-koch.de finden Sie weitere Beiträge zu und von Pfr. Wurmbrand:

1. Gefoltert für Christus – R. Wurmbrand
2. Vorbereitung auf die Untergrundkirche – R. Wurmbrand
3. Atheismus – ein Weg? – R. Wurmbrand
4. Warum bin ich Revolutionär? – R. Wurmbrand
5. Karl Marx und Satan – R. Wurmbrand
6. Das blutbeschmutzte Evangelium – R. Wurmbrand
7. Wumbrandbiographie – von Horst Koch

sowie einige Audiobeiträge .

www.horst-koch.de

info@horst-koch.de

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