Belastung und Befreiung

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 Alfred Lechler

 

BELASTUNG UND BEFREIUNG

 

Die seelsorgerliche Behandlung der okkult Belasteten

 

INHALT

A. Dr. med. Alfred Lechler:

Seelenkrankheit oder Dämonie

I. Was verstehen wir unter Dämonie

1. Die dämonische Gebundenheit
2. Die Besessenheit

II. Die Unterscheidung von seelischen Krankheiten und Dämonie

1. Die Geisteskrankheiten und die Dämonie
2. Die Epilepsie und die Dämonie
3. Die Schwermut und die Dämonie
4. Die Neurosen und die Dämonie
5. Die Psychopathie und die Dämonie

III. Die hohe Verantwortung bei der Betreuung okkult Belasteter

B. Dr. theol. Kurt E. Koch:

Die seelsorgerliche Führung okkult belasteter Menschen

I. Der Begriff „okkulte Belastung“
Il. Die Diagnose okkulter Belastungen

1. Die Kenntnis psychiatrischer Krankheitsbilder
2. Die charismatische Ausrüstung des Seelsorgers
3. Die Symptome der okkulten Belastung

III. Die Therapie okkult Belasteter

1. Der Sieg Jesu über alle Belastungen
2. Die Beichte
3. Die Absolution
4. Das Lossagegebet
5. Das Lossprechen
6. Das Gebieten im Namen Jesu
7. Der Gebetskreis
8. Beten unter Fasten
9. Die Waffenrüstung

IV. Das Stehen im Sieg Jesu

 

VORWORT

Der bekannte Berner Pfarrer, Walter Lüthi, verglich den Zustand des modernen Menschen mit dem Strickzeug einer Mutter, aus dem das achtlose Kind die Stricknadel gezogen hat. Es entstand dadurch das „Wirrlete“, das auseinanderfallende Geflecht, das heillose Durcheinander, das Chaos. Die Stricknadel ist der Glaube. Ohne ihn zerfällt der innere Halt und die innere Harmonie des Menschen. Und wer tritt das Erbe an?
Fragen wir den Autofahrer. Ihm ist das Maskottchen Talisman. Blicken wir auf den Bauern. Das Hufeisen über der Stalltür soll ihn vor Unglück bewahren. Beachten wir den heutigen Techniker. Der Besuch des spiritistischen Zirkels soll ihm für seine seelenlose Arbeit Ausgleich bringen. Folgen wir dem Mädchen mit seinem Liebeskummer. Die Wahrsagerin soll ihm Trost und Halt vermitteln. Beobachten wir den Kranken in seiner Not. Wenn der Arzt nicht hilft, dann muß eben der okkulte Heilpraktiker zu Rate gezogen werden. Schauen wir auf den mystisch veranlagten Menschen. Anthroposophie, Yoga, Mazdaznan, I Ging oder ein anderes System östlicher oder westlicher Weisheit soll ihn befriedigen. Das gute, gesunde Alltagsbrot des Wortes Gottes ist wenig gefragt. Wer zahlt die Rechnung für diese Fremdgängerei? Der Mensch selbst!
Dem verjagten Glauben folgen die Angstträume und die Gespenster. Der Aberglaube, dieser gierige Polyp, tritt das verscherzte Erbe an. Was der Gottesglaube aufbaut und zusammenhält, reißt er nieder. Der Aberglaube ist der Inbegriff aller Unordnung und Disharmonie. Wie kann der Mensch sich nur so schamlos betrügen lassen! Damit sind wir bei dem Thema der vorliegenden Schrift. Es geht uns um den unglücklichen Menschen, der aus Unkenntnis und Unglauben in die Nöte der Zauberei geraten ist. Ihm wollen wir beide, Arzt und Seelsorger, mit der Hilfe unseres Herrn Jesu Christi als Berater und Helfer beistehen. Wir bitten um Gottes Gnade zu diesem Dienst.

Der Herausgeber

 

Teil A  –  Dr. med. Alfred Lechler

SEELENKRANKHEIT ODER DÄMONIE?

Die Frage der okkulten Belastungen beschäftigt zahlreiche Gläubige, die an ihren Nebenmenschen eine solche Belastung zu sehen meinen oder gar selbst fürchten, unter einem satanischen Bann zu stehen. So erscheint es dringend angezeigt, diese Zustände näher ins Auge zu fassen. Da es sich hierbei meist um seelische Störungen handelt, bedarf es der Klarheit darüber, ob diese auf eine Seelenkrankheit oder eine Dämonie zurückzuführen sind. Nur ein Beispiel, das die Bedeutung und die Schwierigkeit der Frage aufzeigt. In die Sprechstunde kommt eine Frau mit den Zeichen einer schweren Depression. Als sie über deren Ursache ausgefragt wird, sagt sie: “Ich bin in meiner Jugend besprochen worden, das ist die Ursache.“ Hat sie recht mit ihrer Annahme, oder ist es eine erbliche Schwermut, bei der so häufig frühere Zaubereisünden, auch wenn sie längst vergeben sind, als Ursache der Krankheit angesehen werden?

Eine klare Unterscheidung dieser beiden Gruppen, der seelisch kranken und der dämonischen Menschen, stößt jedoch häufig auf erhebliche Schwierigkeiten. Und doch ist sie nicht nur zur Beurteilung, sondern auch zur richtigen Betreuung dieser Menschen von entscheidender Bedeutung. Denn einerseits stehen manche Seelsorger auf dem Standpunkt, daß eine Dämonie grundsätzlich abzulehnen ist; andererseits sehen zahlreiche Seelsorger hinter allen anormalen Erscheinungen des Seelenlebens nur dämonische Wirkungen. Wir wollen daher eine klare Trennung von Seelenkrankheit und Dämonie vorzunehmen suchen. Ich glaube, daß der christliche Nervenarzt bei dieser Aufgabe einen wichtigen Beitrag zu geben hat. Er befindet sich jedoch dabei in einer nicht leichten Lage. Denn einerseits ist es ihm unmöglich, die Dämonen rundweg zu verneinen, wie es die psychiatrische Wissenschaft tut, und andererseits vermag er der in gläubigen Kreisen vielfach herrschenden Auffassung von der Dämonie, wenigstens was die Beziehungen zu den Gemüts  und Geisteskrankheitenbetrifft, nicht voll zuzustimmen. So hat er sich von dem Bestreben leiten zu lassen, jeden einzelnen Fall von fraglicher Dämonie einer sachlichen, unvoreingenommenen Prüfung zu unterziehen.

I.

Zunächst ist eine Klärung der Begriffe erforderlich. Deshalb fragen wir: was verstehen wir unter D ä m o n i e ? Wir gehen dabei von der Bibel aus und halten uns an das, was diese uns vom dämonischen Menschen sagt. Es würde der Autorität und Wahrheit der Heiligen Schrift widersprechen, wenn wir den biblischen Berichten über dämonische Menschen Zweifel entgegenbringen und eine Entmythologisierung vornehmen wollten. Wir unterscheiden dabei zwei Formen von Dämonie: die dämonische Gebundenheit und die Besessenheit. Näheres hierüber habe ich in meiner Schrift „Der Dämon im Menschen“ ausgeführt. Ich kann mich daher an dieser Stelle auf einiges Wesentliche beschränken.

1. Die dämonische Gebundenheit.

Diese ist außerordentlich häufig anzutreffen. Wir verstehen darunter eine Beeinflussung des Menschen durch Satan, so daß der Mensch sich in der Gewalt des Teufels befindet. So lesen wir Joh. 13, 2: „Bei dem Abendessen, da schon der Teufel es dem Judas Ischarioth ins Herz gegeben hatte, daß er ihn verriete. . .“ Und Luk. 13, 16 ist von einer Frau die Rede, die achtzehn Jahre lang von Satan mit Krankheitsfesseln gebunden war. Wenn der Teufel den Menschen durch seine Schuld krank macht, oder wenn er ihm seinen Willen aufzwingt, ist der Mensch ein Gebundener Satans.

Was aber gibt Satan das Recht dazu, den Menschen an sich zu ketten? Mit anderen Worten: was sind die U r s a c h e n der dämonischen Gebundenheit? Zur dämonischen Gebundenheit kommt es, wenn der Mensch bewußt in schweren Sünden lebt, wenn er in völliger Verstocktheit dem Geiste Gottes andauernd widerstrebt, wenn er keine Reue zeigt und keine Vergebung mehr sucht, wenn er gewohnheitsmäßig flucht und lästert, wenn er einen Meineid begangen hat oder Blutschande ausübt. Besonders gerät der Mensch in dämonische Gebundenheit, wenn er sich mit okkulten Dingen abgibt. Dazu gehören Besuche bei der Wahrsagerin, spiritistisches Totenbefragen, abergläubische Gebräuche, Benützung von Zauberbüchern, aktive oder passive Besprecherei. Auch das Tragen von Amuletten, Schutzbriefe mit Zaubersprüchen und Teufelsverschreibungen können solche Auswirkungen hervorbringen.

Vor allem die letztere Art, ein bewußtes Sichverschreiben an Satan, eine offizielle Vertragschließung, zumal mit dem eigenen Blut geschrieben, führt zu schwerer dämonischer Gebundenheit. Ein solch förmlicher Vertrag ist häufiger, als man denkt, aber meist unbekannt, weil der Betreffende auf keinen Fall darüber etwas auszusagen wagt. Erst nach langer seelsorgerlicher Beeinflussung gibt er seine Sünde heraus. Weil die Vertragschließung mit Satan für den Seelsorger von großer Bedeutung ist, seien einige solcher Fälle angeführt.
Eine Patientin hatte auf einen Zettel geschrieben: „Ich gelobe dir im Namen Gottes, daß ich meinen ganzen Eigensinn aufbieten werde, mich gegen jede religiöse Beeinflussung aufzulehnen.“ Solch ein Zettel wird streng geheim aufbewahrt. Ein Gebundener sagte oft laut vor sich hin: Teufel, komm und hilf mir, wenn der andere da oben nichts kann!“ Ein andermal: „Komm in mein Herz und nimm Besitz von mir; du mußt mir dafür Gelingen bei all meinem Tun schenken.“ Eine andere Patientin bat den Teufel: „Hole mich, dann kriege ich Ruhe und Frieden! Ich will dir dienen, wenn du mich gesund machst!“ Solch lautes Gebet ist ebenso sündig wie das Aufschreiben mit Tinte oder mit dem eigenen Blut. Eine dämonische Frau, die ihren geschiedenen Gatten öfters verfluchte, schrieb mir: „Ich habe wieder infolge schwerster Anfechtungen Satan gebeten, mich nicht so zu quälen; das half.“ Die mildeste Sünde dieser Art ist der Wunsch: „Wenn mir doch der Teufel helfen würde!“

Durch all die erwähnten Machenschaften beansprucht der Mensch die Dienste des Teufels. Er sucht entweder etwas zu erlangen, was ihm bisher versagt blieb, etwa Gesundheit und irdisches Glück, oder er sucht die Zukunft zu erfahren, die Gott ihm absichtlich verborgen hat. Satan aber gewährt ihm nur allzu gern seine Hilfe. So werden die Menschen, die sich besprechen lassen, meist gesund, und denen, die zur Wahrsagerin gehen, wird die Zukunft richtig vorausgesagt, wenn die Helfer im Bunde mit dämonischen Kräften stehen. Indessen   der Teufel leistet seine Dienste nicht umsonst. Er bindet die Menschen, die sich an ihn wenden, mit schweren Ketten an sich. Und der Mensch ist nicht mehr imstande, sich aus diesen Banden zu lösen. Gott hat sich von ihm zurückgezogen. Er hat ihn „dahingegeben“ (Röm.1). Und meist zeigen sich alsbald schwere Folgen in seinem Seelenleben.

Damit kommen wir zu den M e r k m a l e n der dämonischen Gebundenheit. Das ganze Denken, Fühlen und Wollen des Menschen gerät unter den Einfluß Satans. Der Mensch kann nicht an Gott und Jesus glauben, auch wenn er es will. Er kann sich zum Beten und Bibellesen nicht konzentrieren, er ist unfähig zu wahrer Sündenerkenntnis, er kann nur noch Böses, nur gottwidrige Dinge denken. Die Sucht zu unreinen Gedanken und zum Lügen erfüllt ihn; denn Satan ist der Fürst der unsauberen Geister und der Vater der Lüge. Auch das Fühlen des Menschen wird satanisch beeinflußt. Er wird von Unruhe, von Friedelosigkeit, von einer ständigen Unlust zu allem Göttlichen geplagt, er empfindet keinerlei Reue über seine schweren Sünden. Den Namen Jesu kann er nicht oder nur mit Widerstreben oder nur ganz gedankenlos aussprechen. Und ebenso wird das Wollen des Menschen von Satan beherrscht. Er neigt zum Jähzorn, zum Trotz, zur Lästerung und Auflehnung gegen Gott, zu Gewalttätigkeiten und Wutanfällen. Er haßt und verflucht seine Nebenmenschen, wenn sie ihm etwas angetan haben. Er ist erfüllt von der Sucht zu anormalen sexuellen Handlungen, er hat den Drang, Hand an sich zu legen; denn Satan ist ein Mörder von Anfang. Oft muß er unbedachte Taten begehen, die sich gegen Gott wenden. Er zerreißt seine Bibel, verbrennt religiöse Schriften, wirft das Gesangbuch in die Ecke. Er muß Dinge tun, die er gar nicht will. Er fühlt selbst, daß er unter einem fremden Zwang steht und begreift hinterher überhaupt nicht, wie er zu solchen Handlungen fähig war. Eine Gebundene sagte mir, es sei ihr so, als ob sie es gar nicht wäre, sondern als redete und handelte etwas ganz anderes ihr. Seine bösen Taten sucht er zu verbergen, er wehrt sich unter allen Umständen, sie zu offenbaren; denn Satan ist der Fürst der Finsternis, der nicht will, daß die Sünde ans Licht kommt und dadurch vergeben werden kann. Selbst wenn der Belastete reden möchte, er kann es nicht. Der Mund ward ihm verschlossen.

Wenn nun ein solcher Mensch durch andauernde seelsorgerliche Beeinflussung religiös angesprochen ist und an Gott zu glauben beginnt, kommt es bei ihm zu einer bezeichnenden inneren Gespaltenheit. So fühlt er sich einmal zum Guten hingezogen und ist entschlossen, sein Leben Gott auszuliefern. Dann wieder haßt er das Gute, hat Freude am Bösen und zweifelt an Gott. Einmal sucht er Gemeinschaft mit echten Christen, dann wieder verhöhnt er die „Frommen“. Obwohl er oft den Wunsch zu einer seelsorgerlichen Aussprache hat, kann er kurz vor der verabredeten Stunde Reißausnehmen. Zeitweise hat er ein Verlangen zum Beten, dann wieder fühlt er in sich einen Widerstand dagegen und bringt es nicht fertig, seine Knie zu beugen; und wenn mit ihm gebetet wird, kann er laut hinauslachen. Auch während des Gottesdienstes vermag er zuweilen kaum ein Lachen zu unterdrücken. Einmal sucht er Trost in der Bibel, ein andermal sagt ihm Gottes Wort überhaupt nichts. Der Teufel will eben auf keinen Fall, daß der Mensch zum Glauben an Gott kommt und sich ihm völlig ausliefert.
Eine dämonische Gebundenheit zeigt auch folgende Symptome. Der so belastete Mensch kann den Namen Jesu nicht aussprechen. Er kann kein Lied singen, in dem dieser Name vorkommt. Wenn er aufgefordert wird, zu Jesus zu beten, tobt es in ihm. Beim Hören der biblischen Verheißungen empfindet er einen inneren Widerstand.
2. Satan kann aber nicht nur eine dämonische Gebundenheit hervorrufen, sondern auch wirklich Besitz von einem Menschen ergreifen. Die B e s e s s e n h e i t ist häufig das Endstadium der Gebundenheit, jedoch viel seltener als diese. Während wir in Joh. 13, 2 lesen, daß der Teufel dem Judas Ischarioth den Verrat Jesu eingeredet hatte, heißt es im gleichen Kapitel Vers 27: „Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.“ Die Heilige Schrift unterscheidet hier klar zwischen Gebundenheit und Besessenheit. Satan benützt das große Heer der ihm hörigen Dämonen, das sind von Gott abgefallene Engel, daß diese von dem Menschen, der sich ihm hingegeben hat, Besitz ergreifen, um ihn ganz und gar für Satan zu gewinnen. Viele Menschen leugnen zwar die Tatsache der Besessenheit, für den Bibelgläubigen besteht jedoch kein Zweifel, daß es zu Jesu und der Apostel Zeiten Besessene gab. Warum aber sollte in der Gegenwart die Besessenheit nicht mehr angetroffen werden?
Welches sind nun die M e r k m a l e der Besessen¬heit? Sie decken sich zum großen Teil mit den er¬wähnten Zeichen der dämonischen Gebundenheit. Außer ihnen beobachten wir in seltenen Fällen das Sprechen eines anderen aus dem Besessenen. Dann zeigt sich bei manchen Besessenen eine gewisse Hellsichtigkeit. Sie sagen Dinge voraus, die wirklich eintreffen. Es findet sich auch zuweilen eine auffallend starke Körperkraft, Fluchen und Lästern. Verhältnismäßig häufig sind Spukerscheinungen.

II. Gehen wir nunmehr zur Unterscheidung der seelischen Krankheiten von der Dämonie über.

1. Es sind vor allem die G e i s t e s k r a n k h e i t e n, bei denen eine Unterscheidung, besonders zu Beginn der Störung, oft recht schwierig ist, weil die Dämonie einer Geisteskrankheit und die Geisteskrankheit einer Dämonie ähnlich sehen kann. So ist es erklärlich, daß Verwechslungen sehr häufig sind, zumal manche Seelsorger dazu neigen, fast in jeder Geisteskrankheit eine Besessenheit zu sehen, und andererseits die Psychiater jeden Besessenen für einen Geisteskranken zu halten pflegen. Und doch gibt es manche Fälle, bei denen es dem Psychiater nicht gelingt, sie in die ihm geläufigen Krankheitsgruppen einzureihen, so daß eine ärztliche Diagnose nur mit einem Fragezeichen versehen werden kann.

Zunächst könnte der Unvoreingenommene bei der häufigsten Geisteskrankheit, der Schizophrenie, eine Besessenheit vermuten, wenn ein bis dahin unauffälliger Jugendlicher sich allmählich ohne besonderen Grund gegen seine Eltern auflehnt, störrisch, bösartig, erregt und unverträglich wird, gegen seine Umgebung tätlich vorgeht oder allerlei unberechenbare Handlungen ausführt. Noch mehr könnte man an eine Besessenheit denken, wenn der Betreffende selbst von der Anwesenheit eines in ihm wohnenden Dämons felsenfest überzeugt ist und er seine körperlichen Beschwerden mit einer Beeinflussung durch diesen Dämon in Verbindung bringt. Der Kranke fühlt sich von dem Dämon dauernd angesprochen, und er erzählt seiner Umgebung immer wieder, daß er von einem Dämon zu seinen Gedanken und Taten veranlaßt werde. Wenn in solchen Fällen sich allmählich ausgesprochene Wahnvorstellungen bemerkbar machen und ein langsamer Verfall der ganzen Persönlichkeit einsetzt, dann müssen wir die geschil¬derten Erscheinungen auf krankhafte Störungen, das Jugendirresein, und einen mit diesem verbundenen Besessenheitswahn, zurückführen. Die Ursache seiner Wahnideen ist meist darin zu suchen, daß der Kranke vor seiner Erkrankung manches über Besessenheit und Dämonen gelesen oder gehört hat. Selbst wenn ein solcher Mensch angibt, anormale Geräusche zu hören und auffallende Erscheinungen zu sehen, muß man hierbei krankhafte Sinnestäuschungen annehmen, zumal wenn seine Umgebung nichts von solchen Erscheinungen wahrnimmt.

Wie ist es aber bei dem Gadarener, von dem uns die Evangelien berichten? Er wird von einem nicht bibelgläubigen Psychiater ohne weiteres als ein typischer Geisteskranker angesehen. Sein Schreien und Toben, seine Nacktheit, seine außergewöhnliche Kraft, seine Selbstbeschädigung, seine Gemeingefährlichkeit   das alles trifft man in der Tat auch bei einer schweren Geisteskrankheit an. Daß aber doch eine Besessenheit dahintersteckte, ersehen wir nicht nur aus der raschen und völligen Heilung nach der Austreibung durch Jesus, sondern auch aus der Tatsache, daß eine fremde Stimme sinnvolle Worte aus ihm sprach, zum Beispiel: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesu, du Sohn Gottes; ich beschwöre dich bei Gott, daß du mich nicht quälest!“ Ein unruhiger Geisteskranker dagegen redet nur unsinniges Zeug, kann stundenlang dieselben Worte oder Sätze sprechen und sich mit Gestalten unterhalten, die er zeitweise vor sich sieht. Er bedient sich vielfach einer absonderlichen Ausdrucksweise und ist von verschrobenen Ideen erfüllt. Das alles widerspricht einer Besessenheit, bei der der Mensch völlig klar bleibt, auch wenn er zeitweise unruhig oder sogar tobsüchtig werden kann.
So kann man sagen: ein Geisteskranker ist wirklich krank, auch wenn er einige der Besessenheit ähnliche Züge aufweisen sollte. Ein Besessener dagegen ist geistig gesund, auch wenn ihm zeitweise seelisch anormale Zeichen anhaften sollten. Eine Geisteskrankheit ist auch dann anzunehmen, wenn sich die erwähnten Merkmale bei einem Menschen finden, der bis zu seiner Erkrankung in lebendiger Verbindung mit Gott gestanden hat, ebenso wenn okkulte Bindungen nicht nachzuweisen, dagegen andere seelische Störungen in der Familie des Betreffenden vorhanden sind. Wenn ferner bei religiöser Beeinflussung ein solcher Mensch sich nicht wehrt oder wenn er den Namen Jesu ohne Widerstand aussprechen kann, so spricht dies alles für eine Geisteskrankheit. Demgegenüber sträubt sich der Besessene gegen das Beten und gegen jede religiöse Einwirkung, weil der Dämon in ihm fürchtet, seine Behausung verlassen zu müssen. Der ausgesprochene Widerstand bei seelsorgerlicher Beeinflussung legt von vornherein den Verdacht auf Dämonie nahe.

Ein Merkmal sei noch etwas eingehender besprochen: das S t i m m e n h ö r e n. Dieses wird bei Unkundigen in eine direkte Verbindung mit teuflischer Einwirkung gebracht. Aber das Stimmenhören bei Geisteskranken ist viel häufiger als das Stimmenhören bei Besessenen. Krankhaft sind die Stimmen, wenn der Betreffende hört, was er selbst denkt, oder wenn er meint, die Stimmen rührten von fremden Menschen her, die über ihn reden, ihn beobachten, belästigen, verfolgen oder ihm den Befehl geben, wegzulaufen, nichts mehr zu essen, sich das Leben zu nehmen und anderes. Oft sagt ihm die Stimme etwas, das seiner Natur völlig zuwider ist, und doch muß er der Stimme folgen. Und wenn er etwas anderes tun will, dann verwehrt ihm dies die Stimme. Vielfach sind es auch ganz unsinnige Worte, die der Geisteskranke hört. Besonders wenn das Stimmenhören mit Wahnvorstellungen verbunden ist, besteht kein Zweifel daran, daß es ein Zeichen von Geisteskrankheit ist.
Ganz anders die satanischen Stimmen. Diese sind psychologisch durchaus begreiflich, indem sie dem Menschen gottwidrige Dinge einreden. Sie kommen meist bei Besessenen vor. Diese hören nicht selten eine Stimme: „Du bist zu Großem berufen! Glaube doch nicht, daß es einen Gott gibt! Was die Bibel und der Seelsorger sagen, ist Quatsch! Dein Beten hilft dir nichts, du kommst nicht frei von mir, du bist mein! Nimm dir doch das Leben!“ Gleichzeitig können solche Belastete unheimliche Gestalten reden hören, die sie im Zimmer sehen. Eine meiner Patientinnen, die sich früher okkult betätigt hatte, sah ihren Vater seit seinem Tode jede Nacht vor sich und hielt Zwiesprache mit ihm wie mit einem lebenden Menschen. Eine andere hörte, nachdem sie sich dem Teufel verschrieben hatte, oft eine Stimme, die ihr verbot, die Anweisungen des Seelsorgers zu befolgen und ihr drohte, es würde ihr schlecht ergehen, wenn sie dies weitersagte. Auch sah sie oft den Teufel vor sich, der ihr gebot, sie sollte ihm angehören; wenn sie sich Gott übergäbe, würde dieser sie wegen ihres bisherigen Sündenlebens bestrafen. Im allgemeinen ist festzustellen: dämonische Stimmen sagen nur das, was den Menschen von Gott abbringen soll; krankhafte Stimmen dagegen reden meist unsinnige Dinge.

Mit Vorsicht aufzunehmen sind die Angaben der Angehörigen von Schizophrenen, es sei mit dem Kranken Zauberei getrieben worden, weshalb mit Bestimmtheit eine Besessenheit vorliegen müsse, zumal er selbst sich von fremden Mächten beeinflußt fühle. Zweifellos kann durch eine früher ausgeübte Zauberei eine seelische Störung hervorgerufen worden sein. Aber wesentlich häufiger sind die Fälle, in denen eine typische, anlagebedingte Schizophrenie nachzuweisen ist, die nichts mit okkulter Behaftung zu tun hat, selbst wenn der Erkrankung okkulte Machenschaften vorausgegangen sein sollten.

2. Können wir bei der mit Anfällen von Bewußtlosigkeit einhergehenden E p i l e p s i e eine klare Unterscheidung zwischen Krankheit und Dämonie treffen? Manche Seelsorger neigen zu der Auffassung, daß die Epilepsie ein Kennzeichen der Dämonie ist. Sie stützen sich dabei auf den biblischen Bericht von dem von Anfällen geplagten, mondsüchtigen Knaben, aus dem Jesus einen Teufel austrieb. Wenn wir jedoch bei einem Epileptischen eine dämonische Einwirkung annehmen wollen, muß auch eine entsprechende Ursache okkulter Art vorliegen. Davon ist aber bei den meisten Epileptikern nichts nachzuweisen. Auch sind unter ihnen nicht wenige Gläubige, die in lebendiger Verbindung mit Gott stehen. Und ferner würde, wenn die Epilepsie dämonischen Ursprungs wäre, keine Besserung der Anfälle durch bestimmte Medikamente erfolgen, wie dies meist der Fall ist. Ich glaube vielmehr, daß der mondsüchtige Knabe von Jugend auf an einer Besessenheit litt, die in epilepsieähnlichen Erscheinungen sich äußerte. Seine Anfälle wurden von dem Dämon wohl zu dem Zwecke verursacht, ihn aus dem Leben zu schaffen. Denn es ist stets das Endziel der Besitzergreifung finsterer Mächte, den Menschen zu töten und ihn auf diese Weise für immer Satan auszuliefern. So sagte der Vater des Knaben zu Jesus (Mark. 9): „Oft hat er ihn in Feuer und Wasser geworfen, daß er ihn umbrächte.“ Noch im letzten Augenblick, ehe er ausfahren mußte, hatte der Dämon einen solchen Versuch unternommen.

3. Betrachten wir die S c h w e r m u t.
Auch bei dieser Krankheit vertreten nicht wenige Seelsorger die Auffassung, daß ihre Merkmale Zeichen einer dämonischen Gebundenheit oder einer Besessenheit sind. Eine solche scheint besonders dann vorzuliegen, wenn der Schwermütige auf dem Höhepunkt seines Leidens für göttliche Einflüsse unzugänglich ist, sich für innerlich tot und verstockt hält, sich zum Beten und Bibellesen weder aufraffen noch konzentrieren kann, oder gar, wenn er selbst sich als besessen ansieht. Aber dies alles sind keinerlei Zeichen einer besonderen Gottentfremdung, sondern typische, in religiösem Gewand auftretende Merkmale der Schwermut. Es wäre daher verkehrt, wollten wir dem Kranken, der von der Echtheit seiner Besessenheit durchdrungen ist, Glauben schenken. Diese Meinung ist vielmehr als ein ausgesprochen krankhafter Wahngedanke anzusehen. Dies geht schon daraus hervor, daß der Besessenheitsglaube oft mit anderen Wahnvorstellungen verbunden ist (Versündigungswahn, Verarmungswahn, Beziehungswahn, Unheilbarkeitswahn), Befürchtungen, die sich meist als völlig unbegründet erweisen. Auch hat die ärztlich seelsorgerliche Erfahrung gelehrt, daß bei demjenigen, der immer wieder von Besessenheit redet, eine solche nicht vorliegt. Im Gegensatz dazu denkt der wirklich Besessene gar nicht an Besessenheit, selbst wenn sein Zustand ihm unbegreiflich sein sollte. Denn Satan ist alles daran gelegen, möglichst unerkannt zu bleiben. Wenn man daher einem wirklich Besessenen gegenüber äußert, er sei besessen, so pflegt er dies zunächst in ehrlicher Meinung weit von sich zu weisen. Ferner handelt es sich bei den Schwermütigen, die sich etwa infolge früher begangener Zaubereisünden besessen wähnen, oft um Menschen, deren Vergangenheit vor Gott völlig geordnet ist, und die vor ihrer Erkrankung in wahrem Glauben an Gott und Christus standen. Es ist daher nicht anzunehmen, daß sie nun plötzlich einem Dämon zum Opfer gefallen sind.

Nun wird aber meist der Standpunkt geäußert, daß das Vorhandensein von L ä s t e r g e d a n k e n bei der Schwermut doch ein sicheres Zeichen einer Dämonie sei. Lästergedanken finden sich allerdings gerade bei gläubigen Schwermütigen recht häufig. Sie sind bei ihnen als krankhafte Zwangsgedanken anzusehen. Besonders bei übergewissenhaften und ängstlichen Gläubigen, die schwermütig geworden sind, entstehen solche Gedanken aus der Angst heraus, sie könnten sich zu einer Lästerung gegen das Heilige hinreißen lassen. Und weil eine solche Angst beim Bibellesen, beim Beten und besonders während des Gottesdienstes und Abendmahls leicht auftritt, drängen sich gerade bei diesen Gelegenheiten die Lästergedanken oft mit stärkster Macht auf. Aber mit einer teuflischen Beeinflussung haben sie nichts zu tun. Dies geht schon daraus hervor, daß sie gleichzeitig mit der Heilung der Schwermut schwinden.

Ebenso muß zwischen den S e l b s t m o r d g e d a n k e n bei Dämonischen und Schwermütigen grundsätzlich unterschieden werden. Der dämonische Mensch will nicht mehr leben, weil er Satan gehorchen muß, der ihn in den Selbstmord hineintreibt. Die Tat begeht er bei klarem Bewußtsein, weshalb er die volle Verantwortung dafür trägt. Beim Schwermütigen dagegen ist es zunächst der ihn beherrschende krankhafte Gedanke, er könne nicht mehr leben, weil er sich zu schwer versündigt habe. Diesen Lebensüberdruß benützt Satan, um ihn zur Selbstmordabsicht zu verführen. Geht er in den Tod, so deshalb, weil zuletzt die Klarheit der Gedanken völlig ausgeschaltet ist. Er ist daher für die Tat nicht verantwortlich zu machen.

4. Gehen wir zu den erlebnisbedingten Seelenstörungen, den N e u r o s e n, über.
Es gibt zahlreiche seelisch empfindsame Menschen, die infolge schwerer Erlebnisse ihre Fassungskraft völlig verlieren und dadurch mit allerlei krankhaften Erscheinungen reagieren können: mit großer Unruhe und Angst, mit Weinkrämpfen und Jammern, Schreien und Davonlaufen, Dämmerzuständen und Visionen. Auch hierbei wird nicht selten allzu rasch eine dämonische Einwirkung angenommen. Aber eine eingehende Erforschung des Seelenlebens wird meist zu dem Ergebnis führen, daß ein vorher unerklärlicher Zustand auf natürliche, psychologisch erklärbare Ursachen zurückgeführt werden kann. Hierzu sei ein Fall aus meiner Praxis angeführt.
Ein gläubiges, junges Mädchen litt an Angstzuständen, innerer Unruhe und dem Unvermögen, zu beten und die Bibel zu lesen. Sie sah außerdem finstere Geister vor sich, die sie verklagten. Sie hielt sich daher für besessen und war innerlich völlig verzweifelt. Ein psychologisch nicht geschulter Seelsorger hätte mit größter Wahrscheinlichkeit eine Besessenheit angenommen und dementsprechend mit ihr verfahren. Die Aufdeckung des Unterbewußten ergab jedoch eindeutig, daß der Zustand von einem bestimmten Erlebnis herrührte. Das Mädchen hatte nämlich eine Frau kennengelernt, die ihr von bösen Geistern erzählt und ihr gesagt hatte, diese würden auf sie übergehen und ihr Unglück bringen. Sie wurde infolge ihrer anormalen Beeindruckbarkeit von dieser Kunde tief betroffen und in Angst versetzt. Aber durch die Klärung der Zusammenhänge konnte sie völlig beruhigt werden und wurde frei von all den erwähnten Beschwerden. Damit war zugleich erwiesen, daß ihre vermeintliche Besessenheit nur eine Angstidee gewesen war.

Visionen des Teufels oder angebliche Erscheinungen von Jesus und von Engeln können sich nicht selten als hysterische Angst  oder Wunschvisionen entpuppen. Eine Patientin zum Beispiel, die sich immer den Tod wünschte, sah eines Nachts den Tod als skelettartige Gestalt an ihrem Bett stehen. Als dann ihre Angst vor dem Teufel und dem Jüngsten Gericht in den Vordergrund trat, sah sie bei Nacht den Teufel vor sich, der sie holen wollte. Eine Dämonie lag hier nicht vor; denn als der Patientin diese Zusammenhänge aufgedeckt wurden, verschwanden die Visionen sofort und für immer. Es gibt also nicht nur satanische oder durch Geisteskrankheit hervorgerufene, sondern auch seelisch bedingte Visionen, die streng voneinander unterschieden werden müssen.

Auch Dämmerzustände sind in erster Linie auf seelische Ursachen zurückzuführen. Der Kranke versenkt sich hierbei bewußt oder unbewußt in eine Art Selbsthypnose zu dem Zweck, sich der rauhen Wirklichkeit zu entziehen und in eine Wunschwelt zu flüchten. Solche Zustände sind also meist hysterischer Natur. Erfolgt die Aufdeckung der wahren Ursachen, so können sie rasch zum Schwinden gebracht werden. Ich habe aber bei drei Patienten satanisch verursachte Dämmerzustände beobachtet, bei denen eine Besessenheit oder eine dämonische Gebundenheit infolge schwerwiegender okkulter Machenschaften vorlag. In diesen Zuständen hörten die Betreffenden den Teufel reden, sprachen mit ihm, lachten höhnisch, wenn ich von Jesus, dem Erlöser, sprach. Wenn nach einiger Zeit das Erwachen erfolgte, wußten sie nichts von dem, was vor sich gegangen war. Solche Dämmerzustände mit leichter Geistesabwesenheit und nachfolgendem Vergessen treten zuweilen während der Wortverkündigung oder während einer Unterredung und des Betens mit dem Seelsorger auf. Satan versucht durch diese Zustände, den Gebundenen von religiöser Beeinflussung abzuhalten. Während also die hysterischen Dämmerzustände ichhafter Natur sind, werden die satanischen Dämmerzustände vom Teufel zu seinen Zwecken benützt.

Die eigenartigen Erscheinungen, die Johann Christoph Blumhardt bei der von ihm betreuten Gottliebin Dittus beobachtete, und die ebenfalls mit Dämmerzuständen einherging, werden auch von gläubigen Ärzten zumeist für eine schwere Hysterie, genauer für eine eingebildete Besessenheit gehalten, wie sie nicht selten vorkommt. Dennoch glaube ich an eine wirkliche Besessenheit bei diesem Mädchen, und zwar einmal deshalb, weil mehrmals fremde Stimmen in höhnischer und gotteslästerlicher Weise in verschiedenen Sprachen, die der Gottliebin selbst unbekannt waren, aus ihr redeten, und ferner, da häufig Poltergeräusche von neutralen, urteilsfähigen Personen festgestellt wurden. So hielten sich sowohl der behandelnde Arzt als auch mehrere Gemeinderäte von Möttlingen bei Nacht in der Wohnung auf, wobei sie Töne, Schläge, Klopfen der verschiedensten Art, sowie Bewegungen des Tisches bemerkten. Alles wurde genau untersucht, ohne daß eine natürliche Erklärung dafür gefunden werden konnte. Gerade solche Spukerscheinungen trifft man, wie erwähnt, nicht selten in der Umgebung von Besessenen.

5. Wie ist es aber bei den anormalen Charakterzügen seelisch abwegiger Menschen, zum Beispiel den Erregungszuständen des reizbaren P s y c h o p a t h en, den Roheiten des Gefühllosen, den Intrigen und Gehässigkeiten des Hysterischen, den Unwahrheiten des Lügensüchtigen, den Perversitäten des Sexuellsüchtigen, den Gewalttätigkeiten des Rauschsüchtigen? Bei diesen Menschen handelt es sich zweifellos um erblich bedingte Seelenstörungen, die zunächst krankhaft zu bewerten sind. Aber gerade seelisch labile und leicht versuchbare Menschen, wie es die Psychopathen sind, sucht der Teufel zu sündigen Handlungen zu verleiten und an sich zu ketten. Er benützt die krankhafte Anlage solcher Menschen als willkommenen Angriffspunkt. Hier finden wir also krankhafte Seelenstörung und dämonische Gebundenheit beieinander. Beides läßt sich bei diesen Menschen kaum voneinander trennen.

III.

Zum Schluß ist es mir ein Anliegen, auf einen besonderen Punkt kurz hinzuweisen. Die Unterscheidung zwischen seelischen Krankheiten und Dämonie ist oft nicht nur eine schwierige, sondern auch eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Deshalb ist es dringend geboten, mit der Annahme einer dämonischen Gebundenheit und besonders einer Besessenheit überaus vorsichtig und zurückhaltend zu sein. Denn es handelt sich bei diesen Menschen häufig um seelisch sehr empfindsame Naturen. Wenn einem solchen ohne eingehende Prüfung vorgehalten wird, er sei ein Gebundener Satans oder sogar, er sei besessen, kann dieser durch einen solchen Vorwurf so stark beeindruckt werden, daß er in schwere innere Unruhe, Angst und Depression gerät. Besonders wenn einem Schwermütigen, dessen Glaubensleben infolge krankhafter Hemmungen erstarrt ist, vom Seelsorger gesagt wird, es liege ein teuflischer Bann auf ihm, ist es verständlich, daß ein solcher Kranker nun erst recht sich ewig verloren glaubt. Ich habe in zahlreichen Fällen erlebt, welch ungünstige Wirkungen auf einen seelisch kranken Menschen ausgehen können, wenn er fälschlicherweise als dämonisch gebunden bezeichnet wird. Es ist furchtbar, wenn ein unter seinem Zustand leidender Gemüts  oder Geisteskranker dazu noch den Vorwurf hören muß, er sei in die Gewalt des Teufels geraten. Wer ohne Kenntnis des krankhaften Seelenlebens und dämonischer Zustände sich ein solches Urteil anmaßt, der handelt höchst voreilig, ja geradezu grausam. Erst vor kurzem berichtete mir eine Bekannte, die in einem christlichen Erholungsheim weilte, daß während ihres dortigen Aufenthaltes ein Gast mit den bekannten Zeichen der Schwermut aufgenommen wurde. Der Hausvater erklärte sie nach kurzer Unterredung für dämonisch und schickte sie, als die entsprechende Seelsorge keine Wirkung zeigte, nach wenigen Tagen nach Hause zurück.
Ganz anders haben wir beim Vorliegen von wirk¬licher Gebundenheit und Besessenheit vorzugehen. Hier gilt es, dem Betreffenden mit verständnisvoller Liebe, aber doch mit aller Deutlichkeit zu sagen, daß man ihn an sich gekettet und Besitz von ihm ergriffen hat. Auch wenn er zunächst darüber erschrecken sollte, so ist es doch ein heilsames Erschrecken. Denn er muß nun den Feind seiner Seele klar erkennen lernen und gemeinsam mit dem Seelsorger einen schweren Kampf gegen ihn ausfechten, der, wenn er ehrlich und ausdauernd gekämpft wird, zum Siege führt. Und wenn er eine Befreiung erfährt, hat er größte Wachsamkeit walten zu lassen, damit der Teufel ihn nicht aufs neue in seine Gewalt bekommt.

Weil die Unterscheidung zwischen einer krankhaften Seelenstörung und einer Dämonie eine solch hohe Verantwortung in sich schließt, ist in allen fraglichen Fällen die Zuziehung eines gläubigen Nervenarztes oder eines auf diesem Gebiete kundigen und erfahrenen Seelsorgers dringend anzuraten. Aber daneben gilt es, ernstlich um die Gabe der Geisterunterscheidung zu bitten, die eine Gabe des Heiligen Geistes ist. Denn letztlich vermag der Geist Gottes allein, uns die rechte Kenntnis über den Menschen zu vermitteln, der sich mit seinen seelischen Nöten an uns wendet, und uns vor verkehrten Worten und unbedachten Schritten zu bewahren.

B. Dr. theol. Kurt Koch

 

DIE SEELSORGERLICHE FÜHRUNG OKKULT BELASTETER MENSCHEN

Es gibt Menschen, die bei der Erwähnung okkulter Dinge sofort das Schlagwort „finsteres Mittelalter“ zur Hand haben. Sie reden vom Wahn einer unerleuchteten Zeit, von abergläubischen Vorstellungen, die in unserem vom wissenschaftlichen Fortschritt erfüllten Jahrhundert keinen Raum mehr haben. Ein solches Denken und Reden beweist die Unkenntnis der untergründigen Strömungen unserer Gegenwart. Kenner des okkulten Gebietes wissen um einen anderen Tatbestand. Der Aberglaube und seine Begleiterscheinungen nehmen nicht ab, sondern zu. Das hat verschiedene Gründe. Die zunehmende Seelenlosigkeit der fortschreitenden Technik ruft nach einem Ausgleich im Mystischen oder Magischen. Die wachsende Vergeistigung hat als Komponente die zunehmende Verdinglichung. Die fortschreitende Beherrschung aller Gebiete unserer Natur hat die steigende Abhängigkeit und Verknechtung unter die Materie zur Folge. Der Griff nach den Geheimnissen der Schöpfung bringt als Umkehrung den unheimlichen Griff nach dem Menschen. So ist auch der Aberglaube umgelehrt proportional zum Glauben. Die Neuzeit ist geprägt durch die abnehmende Glaubenskraft der Menschheit und damit gekennzeichnet durch den wachsenden Aberglauben. Nicht zuletzt erleben wir auf geistesgeschichtlicher Ebene eine rückläufige Bewegung zum Rationalismus und zur Aufklärung. Schlug dort der Pendel aus zum rein Ra¬tionalen, so schlägt jetzt der Pendel zurück zum anderen Extrem, dem Magischen. Mit einer gewissen Berechtigung darf vom Beginn eines magischen Zeitalters gesprochen werden. Wenn wir nach Beweisen suchen, so finden wir sie in dem gewaltigen Anwachen schwarmgeistiger und okkulter Strömungen. Kenner des prophetischen Wortes der Heiligen Schrift sehen darin auch die Zuspitzung und dämonische Verfinsterung unserer Weltzeit zur Endkatastrophe hin. Bei dieser gegenwärtigen Entwicklung entstehen in der Menschheit nicht nur seelische Gleichgewichtsstörungen, sondern auch im Gefolge der Magie okkulte Belastungen, die eine sachgemäße Behandlung erfordern.

I. Zunächst ist der Begriff  „Okkulte Belastung“ zu klären.

Wird der Psychiater nach einer Definition gefragt, so redet er vom magischen Komplex oder von Illusionen (Fehldeutungen) und Wahnideen der Geisteskranken. Er leugnet die Wirklichkeit einer okkulten Belastung oder deutet sie um. Ist damit dem Seelsorger sofort der Wind aus dem Segel genommen? Keineswegs! Der Ausdruck „Okkulte Belastung“ ist eine religiöse Aussage und kein medizinischer Terminus. Dieser Ausdruck weist auf einen Tatbestand in der biblischen Welt es Glaubens hin und ist keine naturwissenschaftliche Definition. Wenn gewisse Anhänger einer bestimmten rationalistischen Theologie sich ins Schlepptau der naturwissenschaftlichen Psychiatrie nehmen lassen, so müssen wir uns dagegen scharf verwahren. Sie üben Verrat an ihrer eigenen Sache. Die Psychiatrie kennt als Naturwissenschaft nur inner¬menschliche, innerweltliche, immanente Vorgänge. Die Theologie weiß um die Wirklichkeit übernatürlicher, transphysischer und transzendenter Gegebenheiten. Die Medizin hat naturwissenschaftliche, die Theologie dagegen geistliche Belange zu vertreten und wahrzunehmen. Das heißt natürlich nicht, daß sich beide Disziplinen nichts zu sagen hätten. Die Theologie hat die Forschungen der Psychiatrie nicht zu fürchten. Ihr eigener Bereich wird dadurch nicht angetastet. Die Psychiatrie würde gut tun, nicht die theologische Seelsorge bevormunden zu wollen, wie es manchmal geschieht. Suum cuique! Jeder hat seinen Arbeitsbereich. jeder kann dem anderen dienen mit der Gabe, die der Schöpfer ihm anvertraut hat.

Il. Die Grundlagen einer seelsorgerlichen Betreuung okkult Belasteter ist die D i a g n o s e .

Die Bestimmung einer seelischen Erkrankung als okkulte Belastung ist außerordentlich schwer und verantwortungsvoll. Fehldiagnosen können geradezu verhängnisvoll sein.
Dazu zwei Beispiele. Ein seelisch krankes Mädchen kam in die „Arche“ nach Möttlingen. Um es vorwegzunehmen, will ich gleich bekennen, daß ich Vater Stanger als Mann Gottes geschätzt habe. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß alles in der „Arche“ gut war. Das seelisch kranke Mädchen erhielt durch einen Bruder eine Handauflegung. Als sich keine Besserung zeigte, und auch eine zweite Handauflegung nicht half, wurde dem Mädchen gesagt: „Du hast den Teufel! Dir ist nicht zu helfen.“ Die Patientin reiste total erschüttert heim. Monatelang litt sie unter dieser fürchterlichen Seelsorge. Das zweite Beispiel ist genau so entsetzlich. Eine depressive Pfarrfrau kam in ein schweizerisches, christliches Erholungsheim. Der leitende Bruder, der eine massive Seelsorge trieb, erklärte der Pfarrfrau: „Sie sind besessen.“ Hinterher bekam ich diese Frau in die Seelsorge. Nachdem ich zwei Stunden die Möglichkeit hatte, Fragen zu stellen, stand ich unter dem Eindruck, daß bei der Pfarrfrau eine endogene Depressionvorlag und niemals eine Besessenheit. Das Gespräch mit ihrem Mann ergab, daß der Psychiater die gleiche Diagnose gestellt hatte. Durch die in dem Heim gegebene plumpe, verteufelnde Seelsorge entstanden bei der Pfarrfrau neue seelische Belastungen.

Die Diagnose umfaßt für den Seelsorger drei Elemente.


1. Für die sorgfältige Behandlung okkult belasteter Menschen ist die gründliche Kenntnis psychiatrischer K r a n k h e i t s b i l d e r unerläßlich.
Auch sollte der Seelsorger mit den grundsätzlichen Fragen der Psychotherapie und Tiefenpsychologie vertraut sein. Das soll natürlich nicht heißen, daß der Seelsorger medizinisch oder psychologisch kurpfuschen soll. Nichts ist schlimmer in der Seelsorge, als daß der Pfarrer anfängt zu psychologisieren. Wir haben einen anderen Auftrag. Die Kenntnis der medizinischen sind psychologischen Grenzwissenschaften hat nur den Sinn, daß wir in der Lage sind, Krankheitsfälle von Belastungsfällen zu unterscheiden. Kranke gehören in die Behandlung des Arztes, okkult Belastete bleiben in unserer Seelsorge. Es ist genau so verhängnisvoll und erfolglos, wenn ein Psychiater einen okkult Belasteten betreuen soll. Fehldiagnosen gibt es auf beiden Seiten. Ich wehre mich entschieden dagegen, wenn von Psychiatern okkult Belastete einfach als schizophren bezeichnet werden. Das ist eine Unterstellung, die in Nervenheilanstalten immer wieder passiert. Ein Beispiel, das um viele vermehrt werden kann, soll das zeigen.
Ein junger Mann verfiel dem ziellosen Umherirren (Fugues). Ein planloser Wandertrieb hatte ihn erfaßt. Dazu gesellten sich andere Zwangshandlungen und Zwangsantriebe. Der Psychiater bezeichnete sein Krankheitsbild als Schizophrenie, ohne überhaupt den magischen Praktiken der Vorfahren dieses kranken jungen Mannes Beachtung zu schenken. Es ist fast durchweg bei unseren Psychiatern zu beobachten, daß sie dem spiritistischen oder magischen Treiben in der Vorgeschichte der Patienten wenig Bedeutung beimessen. Solche Dinge werden höchstens als anormale Veranlagung der Vorfahren bewertet. In dem vorliegenden Beispiel beantragte der Arzt die Einweisung in eine Nervenheilanstalt. Der Vater des Patienten wehrte sich aus gewissen negativen Erfahrungen heraus. Er übergab seinen Jungen einem bekannten Seelsorger, der ihn einige Wochen im Haus behielt. Nach kurzer Zeit konnte der Kranke wieder seinen Beruf aufnehmen und ist nun schon viele Jahre frei. Nie wieder hat sich die angebliche Schizophrenie gezeigt.

Bei der Forderung psychiatrischer Kenntnisse erhebt sich bei den Seelsorgern der Einwand: „Sollen wir noch zusätzlich Medizin studieren? Oder soll unser ohnehin kompliziertes Studium noch erweitert werden?“ Ich kenne die Not dieser Fragen. Das beste wäre allerdings, wenn der Seelsorger für okkult Belastete gleichzeitig Mediziner wäre. Eine Zwischenlösung wäre, wenn ein Psychiater ein gläubiger, geistesvollmächtiger Jünger Jesu ist. Mit Fassadechristen und Traditionschristen allerdings ist der leidenden Menschheit in keinem Beruf geholfen. Eine andere Lösung wäre die Umstellung unseres theologischen Studiums. Mit wieviel unnützem Ballast schickt man uns Theologen ins Amt! Und gerade das, was wir für die Seelsorge brauchen, fehlt uns. Was auf der Universität über Seelsorge gelesen wird, ist nach meiner Erfahrung oft von einer himmelschreienden Dürftigkeit.

2. Zur richtigen Diagnose gehört auch die c h a r i s m a t i s c h e Ausrüstung des Seelsorgers. Wir befinden uns hier auf einem Gebiet jenseits aller naturwissenschaftlichen Erkenntnisse. Die Betreuung okkult Belasteter ist ein Eingriff in den Bereich dämonischer Mächte. Ein solcher Eingriff erfordert eine Ausrüstung, die nicht auf dem Boden unserer natürlichen Veranlagungen und Fähigkeiten gewachsen ist. Seelsorger sein bedeutet in echtem Sinne, Werkzeug des Heiligen Geistes sein. Diese charismatische Rüstung, etwa nach Epheser 6, 16 f, ist uns nicht kraft unseres Amtes gegeben. Wir haben keinen character indelebilis (unzerstörbare Eigenschaft) wie angeblich der katholische Priester. Dieses Charisma ist nicht von unserem Wollen abhängig, sondern von Gottes Geschenk und Gnade. Eine Tür ist uns aber offengelassen. Wir dürfen darum bitten. Jesus verheißt: „Wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten“ (Luk. 11,13). Zum Diakonendienst wurden einst (Apg. 6, 3) Männer voll Heiligen Geistes und Weisheit bestellt. Der Seelsorgedienst an okkult Belasteten ruft heute mehr denn je nach Männern voll Glaubens und Heiligen Geistes. Wer sich auf diesem schweren Gebiet nicht dauernd verrennen will, braucht die Gabe der Geisterunterscheidung (l. Kor. 12, 10).

3. In der Medizin wird von den Symptomen auf die Ursachen und damit auf das Krankheitsbild selbst geschlossen. Bei der okkulten Belastung gibt es auch S y m p t o m e, die dem Seelsorger eine Diagnose ermöglichen, auch wenn er nicht Medizin studiert hat. Okkult Belastete reagieren auf geistliche Beeinflussung. Das ausgeprägteste Symptom ist die Resistenz gegen alles Göttliche. Die Gegenüberstellung von zwei Beispielen soll das deutlich machen. Angenommen, es sitzt im Sprechzimmer des Seelsorgers ein manisch Depressiver in der depressiven Phase (Zustandsperiode). Der Patient verhält sich völlig apathisch und reagiert auf nichts. Beim Vorlesen des Wortes Gottes und beim Beten zeigt er sich ebenso teilnahmslos. Völlig anders verläuft die Seelsorge bei einem okkult Belasteten. Angenommen, es handelt sich um eine starke Belastung, etwa um ein spiritistisches Medium. Betet man mit diesem Belasteten und spricht ihm passende Bibelworte zu, so wird der Belastete unruhig. Es zeigen sich typische Symptome der Abwehr.

Dazu einige selbst erlebte Beispiele. In Zürich brachte mir ein Prediger eine Frau in die Seelsorge. Sie war durchaus für seelsorgerliche Betreuung zugänglich. Sie spürte selbst Belastungen, von denen sie frei werden wollte. Als wir beide mit ihr beteten, fiel sie in Trance (mediale Bewußtlosigkeit). Ihr Bewußtsein war weg. Sie streckte die Zunge gegen uns aus und schrie: „Ich kann diese Beterei nicht ertragen.“ Nach dem Amen kam sie wieder zu sich und fragte: „Wo bin ich? Was ist mit mir?“ Sie hatte von dem Vorfall keine Ahnung. Auf Befragen gab die Frau zu, einem spiritistischen Zirkel anzugehören, in dem Totenverkehr, sogar geschlechtlicher Art, getrieben wurde. Ein weiteres Beispiel aus dem Elsaß. Bei einer Vortragsreihe im Münstertal erklärte mir ein starkes Medium: „Ich habe nun zwei Vorträgen beigewohnt, aber ich empfinde bei Ihrer Verkündigung körperliche Schmerzen.“ Ein drittes Beispiel liegt wieder auf der gleichen Ebene. Eine Französin, die bei mir in der Seelsorge war, betete für eine italienische Familie. Schließlich schrieb ihr die Italienerin: „Hören Sie doch bitte mit dem Beten auf. Ich habe dadurch Schmerzen.“

Nun könnte ein Psychotherapeut den Einwand bringen, diese Menschen haben durch irgendein unangenehmes Erlebnis mit der Kirche oder einem Pfarrer einen antikirchlichen Komplex. Bei jeder geistlichen Betreuung schlagen sie dann dagegen aus. Dieser Einwand mag wohl in manchen Fällen stimmen. In den vorliegenden Beispielen läßt sich dieser Einwand durch zwei Beobachtungen entkräften. Die Resistenz gegen alles Göttliche zeigt sich auch, wenn der Belastete von der Fürbitte für ihn keine Ahnung hat. Ferner haben oft die Belasteten den Wunsch nach einer geistlichen Hilfe und sind doch den Abwehrreaktionen gegen ihren Willen unterworfen. Wir beobachten das auch in Markus 5 bei dem besessenen Gadarener. Er läuft zu Jesus und sucht Hilfe. Dann zeigt sich wieder die Abwehr.

Ich will kurz die wichtigsten Resistenzsymptome nennen: nervöse Unruhe, Brechreiz, Übelkeit, Lachreiz, Schlafsucht, Bewußtseinstrübung bis zur Absence, Spottsucht, Lästersucht bis zur Tobsucht, Unfähigkeit zu glauben und zu beten. Manchmal genügt das Auftauchen einer Kirche, eines Kruzifixes, einer Bibel, um die Resistenz auszulösen. Die Resistenz kann sich auch darin zeigen, daß etwa eine Heilbehandlung durch einen okkulten Heilpraktiker dazu führt, daß der Patient plötzlich unkirchlich wird oder einer schwarmgeistigen Bewegung verfällt. Es gibt viele Äußerungen einer Resistenz, die nicht alle hier aufgezählt werden können. Es gibt auch Symptome, die fast gleichlaufende Parallelen in der psychiatrischen Klassik haben. Hier sind Fehldeutungen besonders leicht möglich.

 

III. Es geht um die T h e r a p i e okkult belasteter Menschen.

Sind wir bei guter Beobachtung, unter viel Gebet und vielleicht unter Rücksprache mit einem gläubigen Facharzt, zu einer Diagnose gekommen, so gilt es, den Belasteten seelsorgerlich zu betreuen. Liegt bei der Diagnose großes Gewicht auf der Beobachtung der Symptome, so gibt es dagegen in der Therapie keine Symptombehandlung. Was ist darunter zu verstehen? Wird ein Grippekranker von einem praktischen Arzt behandelt, so interessiert sich der Arzt nur für das gesundheitliche Befinden des Patienten und nicht für seine Einstellung zu Christus. Die Krankheit wird isoliert behandelt. Das ist in der Seelsorge völlig unmöglich. Ein Beispiel dazu. In Marburg kam anläßlich einer Evangelisation eine junge Frau mit allen Anzeichen einer okkulten Be¬lastung zu mir. Sie fragte mich, ob ich ihr helfen könnte. Ich verneinte und wies sie auf Christus hin. Sie erwiderte impulsiv: „Ich will gesund werden. Christus kann ich nicht nachfolgen.“ Ich erklärte ihr, daß es bei ihrer Belastung ein Gesundwerden ohne die Christusnachfolge nicht gibt. Darauf verließ sie wütend das Sprechzimmer. Die Behandlung einer okkulten Belastung kann nie von Christus getrennt werden. Diese Art der Belastung ist ja im Widerspruch und im Gegensatz zu Christus und seinem Wort entstanden, also kann die Heilung nur im Einklang mit Christus und seinem Wort eintreten. Hier geht es nur um totale Entscheidungen, um die ganze Hingabe an Jesus. Halbe Lösungen sind nicht möglich.

Ist schon bei der Diagnose die charismatische Ausrüstung von großer Bedeutung, so gilt das noch mehr bei der Therapie. Als Beispiel sei folgendes Gleichnis gebracht. Es hat keinen Sinn, einem Ertrinkenden vom Ufer aus Schwimmanweisungen zu geben. Nein, ein guter Schwimmer muß sich in das Wasser stürzen und ihn retten. Ein Nichtschwimmer kann kein Rettungsschwimmer sein. Das ist eine Binsenwahrheit, die aber in der Seelsorge nicht immer erfüllt ist. Zum Beichten auffordern kann nur, wer selbst gebeichtet hat. Seelsorgerlich führen kann nur, wer selbst ein von Christus Geführter ist. Den Weg der Befreiung zeigen kann nur, wer selbst durch die Gnade Gottes diesen Weg gegangen ist. Auf keinem Gebiet rächt sich eine vollmachtslose Seelsorge mehr als bei der Betreuung okkult Belasteter. Eine Seelsorge, die nur theoretische Anweisungen zu geben hat, dringt nicht durch. Es wäre an der Zeit, daß Männer, Theologen und Nichttheologen, denen die Befreiung okkult Belasteter und anderer Gebundenen brennend auf dem Herzen liegt, sich zu stillen Tagungen zusammenschließen, bei denen die Kniearbeit und die geistliche Ausrüstung an erster Stelle stehen und nicht die geistreichen Referate. Brillantes Geistesfeuerwerk haben wir übergenug. Waffenschmieden zur Schärfung der geistlichen Waffen sind schwer zu finden.

Es sollen nun die einzelnen Etappen der Seelsorge an okkult Belasteten skizziert werden. Ich schließe mich dabei an die ausführliche Schilderung in „Seelsorge und Okkultismus“ an. Was hier zur Darstellung kommt, soll niemals als ein Schema, als seelsorgerliche Schablone aufgefaßt werden. Es gibt in der Seelsorge keine vorgeschlagenen Stufen, denen man nur zu folgen hätte. Jeder Mensch ist ein unwiederholbares Original Gottes. Es gibt schlechterdings unter den Menschen keine „Dubletten“, keine zwei gleichgearteten Geschöpfe. So läuft auch die seelsorgerliche Führung okkult belasteter Menschen nicht nach einer frommen Platte, nicht nach einer gesetzlichen Kasuistik ab nach der Regel: für jedes Wehweh die entsprechende Pille aus der frommen Schublade. Es kann dem Seelsorger geschenkt werden, daß der Geist Gottes alles überspringt, was der Seelsorger sich zurechtgelegt hat und dem gebundenen Menschen unmittelbar die Freiheit schenkt. Es kann sich auch durch einen Akt der Gnade Gottes ereignen, daß der Belastete nur unter der Verkündigung des Wortes frei wird, ohne daß ein Seelsorger sich mit einer persönlichen Aussprache dazwischengeschoben hätte. Der Geist Gottes weht auch hier, wo und wie er will.
Wenn hier Schritt für Schritt gezeigt wird, wie der okkult belastete Mensch frei werden kann, so hat das zwei Gründe. Zunächst sollen alle Möglichkeiten der Hilfe vom Neuen Testament her gezeigt werden. Wer dem okkult Belasteten helfen will, bekommt es mit der Finsternis zu tun. Dieser Kampf läßt sich nur bestehen, wenn der Seelsorger alle Machtmittel kennt, die uns von der Heiligen Schrift her geschenkt sind. Der zweite Grund, warum hier alle Einzelheiten der Befreiung dargestellt werden, ist die Überflutung mit seelsorgerlichen Briefen. Es gibt auf dem vorliegenden Gebiet so wenig fachlich geschulte Seelsorger und so viele belastete Menschen, daß die wenigen Seelsorger schier verzweifeln über dem Andrang der Hilfesuchenden. Da es immer ein schweres Unterfangen ist, okkult Belasteten seelsorgerlich zu raten und zu helfen, muß von vornherein der feste Standort zu solchem Dienst aufgezeigt werden.

1. Der Sieg Jesu über alle Belastungen

Der Seelsorger steht nicht auf verlorenem Posten. „Satan flieht, wenn er uns beim Kreuze sieht.“ Das Kreuz von Golgatha ist das Mahnmal des Sieges über alle Finsternismächte. Christus hat alle Trabanten der Finsternis entmächtigt und zieht sie im Triumphzug hinter sich her (Kol. 2, 15). Von diesem Sieg lebten bisher alle Männer des Glaubens bei ihrem schweren Dienst. Von diesem Triumph her konnte Pfr. Blumhardt singen:
Daß Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht,
Sein wird die ganze Welt!
Dieser Sieg hat seine Auswirkungen im Leben derer, die Jesus nachfolgen oder sich für ihn entscheiden wollen. Das soll zunächst an einigen Beispielen deutlich gemacht werden. Diese Erfahrungen aus der Seelsorge haben nicht den Sinn zu zeigen, wie es bei jedem belasteten Menschen zugehen soll. Nein, diese Zeugnisse, deren Veröffentlichung mir gestattet wurde, wollen nur andeuten, wie verschiedenartig die Wege des Herrn mit den Gebundenen sind.

Der Endsieg
Eine junge Lehrerin in Berlin verlebte ihre Sommerferien in einem Ostseebad. Am Strand lernte sie eine vornehme, feingebildete Familie kennen und schloß sich ihr an. Die Dame las gern und viel. Im Strandkorb war genug Muße zum Plaudern. Schließlich vertraute die neue Bekannte ihre Bücher der Lehrerin an. Es waren ausnahmslos okkulte Schriften. Die neue Freundin war eine begeisterte Anhängerin dieser „modernen Lehren“ und schwärmte ihr deshalb unentwegt von den „großen Entdeckungen der Okkultisten“ und ihren „himmlischen Weisheiten“ vor. Schließlich vertiefte sich auch die Lehrerin in jene „hochinteressanten Bücher“. Das ging gut bis zum Abschied. Daheim angekommen, erkrankte sie plötzlich schwer. Eine totale Lähmung des ganzen Körpers hatte sie heimgesucht. Regungslos mußte sie im Bett liegenbleiben. Ärzte wurden gerufen. Sie kamen und gingen hoffnungslos. Drei Jahre lag sie unbeweglich danieder, indes ihre Kräfte zerfielen, der Leib zum Skelett abmagerte, und die Zeichen des Todes sich meldeten. Ihr Anblick war zuletzt ein Bild des Jammers. Mutter und Schwester litten großes Herzeleid um die einst so fleißige, talentvolle und dankbare Tochter. In ihrem Kummer schlossen sie sich einer christlichen Gemeinschaft an. Dort fanden sie den Heiland und erlebten ihre Bekehrung. Inzwischen zeigten sich bei der Kranken die Zeichen des Sterbens. In ihrer Not baten sie einen gläubigen Bruder in die Wohnung. Er kam und sah das furchtbare Elend. Erfahren in der Seelsorge und speziell berufen, dämonisch Gebundene zu behandeln, erkannte er sogleich die Ursache der Lähmung. In der eingehenden Beichte kam auch die Bekanntschaft mit jener feinen Dame im Ostseebad und das Lesen der okkulten Bücher zum Vorschein. Auf die Erklärungen, daß diese Schriften satanisch inspiriert sind, und daß die Leser derselben sich in die Hand finsterer Mächte begeben, erkannte sie reumütig ihre Verirrung. Die Sünde wurde vor Gott und unter das Blut Jesu gebracht. Da mußten die bösen Geister ausfahren und ihren geplagten Leib loslassen. Wenige Tage darauf jubelte sie im Gefühl völliger Gesundheit und ging wieder zur Schule. Das gab ein großes Verwundern, als die Unheilbare froh und heiter unter das Kollegium trat. Sie hatte die Gewalt und Furchtbarkeit der Hölle erlebt, aber auch die überschwengliche Gnade des Erbarmens Jesu erfahren. Von Stund an war sie eine überzeugte eifrige Jüngerin des Herrn und bezeugte Christus vor jedermann. Ströme lebendigen Wassers gingen von diesem Gotteskind aus. Ich selbst war stets ergriffen von der Freudigkeit ihres Zeugnisses und Bekennens. –   B. Reichelt

Vom Bann des Besprechens befreit
Im Alter von elf Jahren bekam ich eine bösartige Flechte, die immer größer wurde. Meine Eltern hatten viel Geld an die Ärzte gehängt, ohne daß wir Hilfe finden konnten. Da machte ein Arzt meine Eltern auf einen Besprecher aufmerksam, der ein Spezialist für Hauterkrankungen war. Meine Eltern brachten mich zu ihm. Innerhalb von zwei Tagen war ich meine Flechte los. Von dieser Zeit an litt ich aber unter einer merkwürdigen Unruhe. Spiritisten entdeckten an mir starke mediale Kräfte und wollten mich als Medium in ihre Zirkel haben. Auch entwickelte sich die Eigenart, daß sich die Beschwerden der Menschen meiner Umgebung auf mich übertragen konnten. Ich fing sozusagen alles auf. Seit dieser merkwürdigen magischen Behandlung war ich ein regelrechter Unglücksrabe. Mit zwölf Jahren bekam ich eine Hüftgelenkentzündung. Mit vierzehn Jahren litt ich unter einer furchtbaren Furunkulose. Mit fünfzehn Jahren wurde ich das Opfer einer Explosion. Ich erlitt große Verbrennungen. Mein ganzes Gesicht war entstellt. Außerdem verlor ich mein Augenlicht, was das Schwerste war. Der Augenarzt erklärte, meine Augen wären nicht zu heilen, und ich müßte blind bleiben. Mein Vater war in dieser Zeit ganz verzweifelt. In seiner Not warf er sich auf die Knie und schrie zu Gott, er möchte mich doch lieber heimholen, als daß ich als Blinde durchs Leben gehen müßte. Gott hat das Gebet des Vaters in doppelter Weise erhört. Ich wurde nicht in die Ewigkeit abgerufen und mußte auch nicht blind bleiben. Diese vielen Erkrankungen, die meine Eltern ein halbes Vermögen kosteten, hatten ihre Segensseite. Ich selbst fing an, ernsthaft Christus zu suchen. Ich legte ein Gelübde ab und versprach, mich ganz der Reichgottesarbeit zu widmen, wenn Gott mir das Augenlicht zurückgeben würde. Im Alter von dreiunddreißig Jahren durfte ich Christus als meinen Herrn erleben. Seit dieser Zeit war die Unglückskette der Belastungen und Erkrankungen wie abgebrochen. Das volle Augenlicht wurde mir zurückgeschenkt. Ich hielt mein Gelübde. Zuerst begann ich, ehrenamtlich christliche Blätter und Traktate auszutragen. Überall, wo es mir geschenkt war, wies ich die Menschen auf Jesus hin. Dann stellte ich mich für den landeskirchlichen Dienst zur Verfügung: im Hilfswerk, in der Inneren Mission, in der Krankenpflege, in der Seelsorge an gefallenen Frauen und Mädchen. Mein Tagewerk war völlig ausgefüllt für Jesus. Es fehlte natürlich nicht an Anfechtungen und Anfeindungen. Manche hielten mich für einen Schwärmer. Sie begriffen nicht, daß man aus Dankbarkeit Jesus gegenüber sein ganzes Leben einsetzen kann.
Trotz meiner Entstellungen im Gesicht, die durch die damaligen Verbrennungen verursacht waren, hielt ein gläubiger Mann um meine Hand an. Wir heirateten. Das Verhältnis zu Christus wurde durch die Heirat nicht getrübt. Mein Mann starb früh an den Folgen des ersten Weltkrieges. Mein Sohn ist in Rußland im zweiten Weltkrieg verschollen. Ich selbst lebe immer noch durch die Gnade Gottes. Wunderbar bin ich durch alle Schwierigkeiten hindurchgetragen worden. Das Geheimnis meines Lebens ist der verborgene Umgang mit dem Herrn, der mich täglich durchträgt und mir immer neu darreicht, was ich brauche für den inneren und äußeren Menschen. Es geht in unserem Leben nicht allein darum, daß wir dem Herrn Frucht bringen, sondern selbst durch seine Gnade und durch seinen Geist als Frucht für ihn ausreifen.  –  Frau N.

Bei der seelsorgerlichen Führung okkult Belasteter ist es oft ein erschwerendes Moment, daß die Betroffenen von der Entstehung ihrer Belastung nichts wissen. Wie oft werden Kleinkinder besprochen, manchmal sogar ohne Wissen der Eltern. Diese Unglücklichen nehmen dann eine schwierige charakterliche Entwicklung, leiden unter extremen Neigungen und wissen nicht um deren Ursachen. Und doch gibt es für sie Hilfe. Die Gnade Jesu Christi reicht aus, um allen Gebundenen und Gefangenen die Tür zur Freiheit zu öffnen. Solche Befreiungen aus dem Bann des Besprechens sollen hier berichtet werden.

Den Gebundenen die Lösung
Eine Frau wurde als zweijähriges Kind gegen eine Kinderkrankheit besprochen. Später nahm sie eine eigenwillige Entwicklung, war schwer erziehbar und sehr verwildert. Bei einer Evangelisation sprach der Redner einmal über die Formen der okkulten Belastungen. Sie verstand plötzlich ihren eigenen Zustand und sprach sich seelsorgerlich aus. Die Gnade Gottes ermöglichte es ihr, das Werk der Erlösung im Glauben zu fassen. Sie lieferte ihr Leben Christus aus und durfte völlig freiwerden.

Den Gefangenen die Freiheit
Eine 64jährige Frau aus M. berichtete, daß sie als Kind von einem Besprecher der Lüneburger Heide gegen Läuse besprochen worden war. Die Läuse verschwanden sofort. Dafür aber stellten sich andere Beschwerden ein wie Schlaflosigkeit, Nervosität, Unruhe, Reizbarkeit, schwere sexuelle Anfechtungen und anderes. Sie war durch den Besprechungsvorgang auch medial geworden. Sie fing alles auf, was ihre Umgebung erlebte. Bei einer Evangelisation wurde sie vom Wort Gottes getroffen. Sie sprach sich seelsorgerlich aus. Es wurde ihr geschenkt, daß der Geist Gottes ihre mediale Veranlagung überwand. Der große Befreier war in ihr Leben getreten.

Die Gnade schlägt durch
Ein junger Mann in T. berichtete mir in der Seelsorge folgendes. Sein Urgroßvater hatte das 6./7. Buch Moses besessen. Er betrieb damit die schwarze Kunst. Er konnte alle Krankheiten an Menschen und am Vieh heilen. Er verfolgte seine Feinde oder wehrte sie ab. Nach den Regeln dieses Buches entfaltete er unheimliche Kräfte, mit denen er den Menschen, die nicht an Christus glaubten, schaden konnte. Bei den Jüngern Jesu kam er mit diesen finsteren Machenschaften nicht durch. Am echten Christusglauben fand er die Grenze seines Einflusses. Eines Tages erhängte sich dieser Zauberer. Der Großvater meines Berichterstatters übernahm das Zauberbuch des Selbstmörders und wurde damit ein bekannter Besprecher, der von vielen Menschen um Hilfe angegangen wurde. Auch das Leben dieses Besprechers endete am Strick. Dann übernahm seine Schwester die okkulte Literatur und experimentierte damit. Ihr Ende war genau so schrecklich wie das der anderen Zauberer. Auch sie erhängte sich. Die Mutter des Berichterstatters war eine gottlose Frau. Es ist ja ein charakteristisches Symptom der Besprecherfamilien, daß es entweder unheimlich gottlose Menschen sind oder, sofern weiße Magie getrieben wird, pharisäische, heuchlerische Naturen. Aus solch einer schwer belasteten Ahnenreihe stammt dieser junge Mann, der anläßlich einer Evangelisation bei mir in der Seelsorge war. Er legte eine Generalbeichte ab und durfte durch die Gnade Gottes ganz zurechtkommen. Alle Bindungen und Belastungen der Vorfahren fielen bei der Übergabe seines Lebens an Jesus von ihm ab. Die verheerenden Auswirkungen der Familientradition hörten auf. Durch das Wirken des Heiligen Geistes war er ein neuer Mensch geworden. Wenn Satan gezeigt hat, was er im Leben des Menschen verwüsten kann, so beweist Christus noch viel mehr, was seine Gnade vermag.
Wir leben in dem Bereich des Fürsten dieser Welt. In diesen Bereich ist aber ein noch Stärkerer einge¬brochen. Ein kleines Häuflein schart sich um diesen Sieger. Dieser kleinen Schar ist der Sieg verheißen: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“ Alle Seelsorge an okkult Belasteten hat dieses hoffnungsvolle Vorzeichen, daß alle Gewalt und Macht dem Mann von Golgatha gegeben ist. Und diese Macht teilt er den Seinen mit: “Sehet, ich habe euch Macht gegeben über alle Gewalt des Feindes, und nichts wird euch beschädigen“ (Luk. 19. 10).

2. Die Beichte.

Es kann sich bei der Seelsorge an okkult Belasteten nur darum handeln, daß sie den Weg zu Jesus finden. Die Medizin, die Psychologie und die Theologie hat solchen Menschen keine Hilfe zu bieten. Sie haben lediglich ihre Bedeutung darin, daß sie teilweise das Rüstzeug bieten, Krankheit von Belastung zu unterscheiden. Ich sage ausdrücklich teilweise, da die letzte Unterscheidung nur dem möglich ist, dem vom Heiligen Geist die Augen geöffnet worden sind. Hier gilt wie überall: „Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes“, auch wenn er Mediziner, Psychologe oder Theologe ist. Die beste Voraussetzung für den Seelsorger auf diesem besonderen Gebiet ist die möglichst gründliche wissenschaftliche Zurüstung, verbunden mit einem kindlichen Glauben und der Erfüllung mit dem Heiligen Geist.
Ein entscheidender Punkt auf dem Weg zu Jesus hin ist die Beichte. Das lateinische Wort occultus heißt verborgen, geheim. Okkult belastet sein heißt, im Verborgenen, im Finsteren stehen. Beichten heißt, vom Finsteren ins Licht treten. Das Finsternisreich steht unter Satans Gewalt. Gott aber hat uns errettet von der Obrigkeit der Finsternis (Kol. 1, 13). Die Beichte darf nicht gesetzlich gehandhabt werden. Sie ist keine Forderung, sondern eine Hilfe. Sie kann im Bekenntnis der ganzen Gemeinde vor dem Abendmahl erfolgen oder in der privaten Aussprache. Ein Freiwerden von okkulten Bindungen in der allgemeinen Beichte ist mir bis jetzt allerdings noch nicht bekannt geworden. Grundsätzlich müßte das aber möglich sein, da die Gnade Gottes stärker ist als alle äußeren Formen. Der gewöhnliche Weg bei okkulter Belastung ist die persönliche Aussprache vor einem Seelsorger. Die Beichte beschränkt sich nicht auf die okkulten Verfehlungen, sondern soll eine Generalbeichte sein. Auch hier wiederum sei es vermerkt, daß in der Beichte keine gesetzliche Drängerei aufkommen darf. Es hat keinen Sinn, dem Heiligen Geist das Amt abnehmen zu wollen. Es ist für die Beichte eine Hilfe, wenn der Seelsorger während des Beichtens innerlich stets um das Wirken des Heiligen Geistes bittet und alles, was er hört, nicht an sich heranläßt, sondern sofort unter dem Kreuz ablädt. Es sollen ja keine Übertragungen erfolgen   im Gegensatz zur Psychoanalyse, bei der manche Ärzte bewußt Übertragungen von den Patienten auf sich einleiten und später bei eintretender Heilung wieder abbauen.
Nun sollen einige Beispiele die Frage der Beichte unterstreichen. Es muß wiederholt werden, daß nur solche Erlebnisse berichtet werden, für die eine Genehmigung vorliegt. Das Beichtgeheimnis wird also nicht verletzt.

Der Bann des Spiritismus gebrochen
Eine 74jährige Frau, die schon jahrelang unter das Wort Gottes ging, konnte trotz eifrigen Suchens keine Gewißheit der Vergebung finden. Sie hatte stets das Gefühl, zwischen Gott und ihr wäre eine undurchdringliche Wand. Anläßlich einer Evangelisation kam sie zur Aussprache und b e i c h t e t e alles, was ihr in ihrem Leben als Sünde bewußt geworden war. Sie erzählte auch, daß sie als junges Mädchen als Gesellschaftsspiel oft das Tischrücken mitgemacht hätte. Sie sah diesen Vorgang als harmlos an, zumal auch gelegentlich eine Pfarrfrau daran teilnahm. Nach der Beichte konnte sie nach einem Lossagegebet die Vergebung fassen und glauben, daß nun auch ihr Leben Christus gehört.

Vom Sieg des Namens Jesu
Ein Landesvertrauensmann des Pfarrergebetsbundes lud mich zu einer Pfarrerkonferenz ein. Mein Fachgebiet „Die seelsorgerliche Führung okkult belasteter Menschen“ sollte besprochen werden. Die Konferenz war sehr gut besucht. Aus allen Teilen dieser ausländischen Provinz waren Pfarrer angereist. Überraschenderweise nahmen auch zwei Herren der Kirchenleitung daran teil. Nach der ganztägigen Konferenz unterhielt sich einer der beiden Herren längere Zeit mit mir. Er berichtete folgendes:

„Was ich Ihnen erzähle, liegt schon einige Jahre zurück. Es wird Sie aber dennoch freuen. Vor einigen Jahren hatten Sie am Sitz unserer Kirchenleitung zwei Vorträge im Festsaal der Stadt. Eine Frau, die vorher jahrelang in Behandlung bei Psychiatern und Psychotherapeuten war, hatte Sie bei diesen Vorträgen gehört. Sie hatte die Absicht, Sie hinterher seelsorgerlich zu sprechen. Sie kam aber nicht durch, weil Sie von Menschen umringt waren. Am nächsten Tag erschien sie bei mir und berichtete, sie hätte durch die beiden Vorträge gemerkt, um welche Belastungen es in ihrem Leben ginge, und warum die Ärzte ihr bisher nicht helfen konnten. Dann gab sie Bericht über ihr ganzes Leben. Es war offensichtlich, daß in ihrem Leben schwere okkulte Belastungen vorlagen. Sie war in einem Haus aufgewachsen, in dem alle Kinder bei Krankheitsfällen besprochen wurden. Nicht genug damit, die Großmutter selbst war Kartenlegerin und hatte viele Kundinnen aus Stadt und Land. Die Berichterstatterin selbst hatte von ihrer Großmutter das Kartenlegen gelernt und es auch schon ausgeübt. Um das Maß voll zu machen, wurde auch Totenzauber getrieben. Als Beispiel sei erwähnt: ein kleines Kind, das ein Muttermal hatte, wurde auf ihren Rat in ein Sterbehaus geführt. Die Hand des Toten wurde über das Muttermal gestrichen und dabei ein magischer Spruch gesagt. Somit hatte die berichtende Frau nicht nur passive Belastungen durch die Zauberei ihrer Eltern und Vorfahren, sondern auch aktive Belastungen durch die eigene Betätigung auf dem Gebiet der Magie. Bei dem Bericht dieser Frau wurde es mir fast übel. Bei dieser Seelsorge war ich froh, durch Ihr Buch „Seelsorge und Okkultismus“ orientiert zu sein. Ich hätte sonst kaum gewußt, was ich mit dieser Frau hätte tun müssen. Ich wies diese Belastete auf Christus hin als den alleinigen Helfer auf dem Gebiet der Zauberei. Die Frau legte eine Generalbeichte ab. Ich sprach ihr die Vergebung zu und betete nach Anweisung des Buches das Lossagegebet mit ihr. Ich wies sie auch auf die Gnadenmittel der Gemeinde Jesu Christi hin (Apg. 2, 42). Es war für mich eine große Freude, als nach einigen Tagen die Frau wiederkam und freudestrahlend berichtete, daß sie seit dem seelsorgerlichen Gespräch von all ihren Depressionen, Selbstmordgedanken, nervösen Störungen und anderen Belastungen frei war. Ich hatte auch die Möglichkeit, seit Jahren diese Frau im Auge zu behalten. Durch die Gnade Gottes durfte die Frau bis jetzt frei bleiben.“   O. B.

3. Die Absolution

Die Beichte ohne die im Glauben erteilte und erfaßte Absolution (Zuspruch der Vergebung) bleibt auf halbem Weg stecken. Beim Erfassen der Vergebung stellen sich manchmal die Resistenzphänomene (Widerstand gegen alles Göttliche) ein. Der Beichtende kann nicht glauben. Er ist gehemmt. Hier zeigt sich die Auswirkung eines okkulten Bannes, wenn nicht noch andere Störungen   etwa eine seelische Erkrankung   vorliegen. Beim Nichtglaubenkönnen und damit einer verhinderten Befreiung müssen spezielle Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden.
a) Hat die Unfähigkeit zu glauben eine Erkrankung als Hintergrund, so muß eventuell ein Facharzt zu Rate gezogen werden. Depressive, Neurotiker, Psychopathen, Psychotiker und andere haben es oft recht schwer zu glauben.
b) Liegt die Unfähigkeit zu glauben in einer allgemeinen Lebenshemmung, einer geistigen Schwerfälligkeit oder einem Abgestumpftsein durch jahrelanges Drauflossündigen, so kann dem Beichtenden eine Brücke gebaut werden. Manchmal verwende ich folgendes Gleichnis zur Überbrückung. „Nehmen wir an, Sie haben in Amerika einen reichen Onkel, der auf Besuch kommt. Er bringt Ihnen ein wertvolles Reisegeschenk mit. Nehmen Sie es an?“ Gewöhnlich antwortet der Beichtende: „Ja.“ „Nun steht Christus vor Ihnen, der Sie reich beschenken will. Er hat Ihnen unvergleichlich mehr zu bieten, nämlich Vergebung aller Schuld, ewiges Leben, Frieden mit Gott. Nehmen Sie das an?“ Durch solche oder ähnliche Gleichnisse werden manchmal die Glaubensnöte überbrückt.
Welche befreiende und entspannende Macht in dem Zuspruch der Sündenvergebung liegt, soll an einem Beispiel gezeigt werden.

Die Ketten gesprengt
Eine Frau, 40 Jahre alt, berichtete in der Seelsorge folgendes. Als vierjähriges Kind wurde sie ohne Kenntnis ihrer gläubigen Eltern von einer Tante besprochen. Schon als Kind hatte sie den Trieb zum Selbstmord. Einmal hatte sie dazu alles vorbereitet und wartete nur auf einen günstigen Augenblick. In dieser Stunde lag ihre gläubige Mutter auf den Knien, weil sie den unheimlichen Geist der Tochter spürte. Schließlich fragte die Mutter ihre Tochter: „Was hast du eigentlich vor? Hüte dich und gib dich nicht dem Teufel in die Hand.“
Ihre Mutter hatte sie also noch zur rechten Zeit gewarnt. Die Tochter suchte dann eine gläubige Schwester auf und beichtete ihr. Die Schwester las mit ihr dann viele Bibelstellen, die von der Vergebung der Sünden handeln. Dann wandte sie sich der bekümmerten Frau zu und erklärte: „Das alles gilt auch dir. Der Herr hat dir alle deine Sünden vergeben.“ Dann betete die Schwester noch ein Lossagegebet und legte ihr auch die Hände auf. Der Zuspruch der Vergebung übte auf die bisher belastete Frau eine große Befreiung aus. Der Trieb zum Selbstmord kam nie wieder.
Damit dieses Beispiel niemand zum Verhängnis wird, sei noch vermerkt, daß die Handauflegung bei okkult Belasteten sonst nicht üblich ist. Ohne einen besonderen göttlichen Auftrag sollte man sich hier einer Zurückhaltung befleißigen. Nicht umsonst warnt Paulus 1. Tim. 5, 22: „Die Hände lege niemand zu bald auf; mache dich auch nicht teilhaftig fremder Sünden.“

4. Das Lossagegebet

Kommt man mit dem Zuspruch der Vergebung nicht zum Ziel, das heißt, kann der Belastete einfach nicht daran glauben, so ist ein Lossagegebet zu erwägen. Das Lossagegebet darf nicht als Formel oder nur als leeres liturgisches Stück benützt werden. Zaubereisünden werden nicht durch eine Art fromme Magie überwunden. Das Lossagen ist in der christlichen Kirche schon seit der Urgemeinde bekannt und geübt worden. In der Seelsorge an okkult Belasteten spielt es eine wichtige Rolle. Das Lossagen zusammen mit dem Seelsorger ist eine vor Gott vollzogene Kündigung des Vertrages mit der Finsternis. Jede okkulte Betätigung war ja ein Bündnis mit dämonischen Mächten.
Dr. Lechler schreibt in seinem Artikel „Wie treten wir dämonisch Gebundenen gegenüber“ folgendes: „Durch das Absagegebet soll Satan wissen, daß der Gebundene gewillt ist, sich aus seinen Fesseln zu lösen, ihm nicht weiter zu gehorchen, und daß er deshalb sein Anrecht auf den Gebundenen aufgeben muß. Ein solches Absagegebet zu sprechen ist für den Gebundenen vielfach mehrere Male erforderlich, da er zunächst immer wieder dazu neigt, Satan sein Ohr zu leihen und seinen Verführungen nachzugeben.“ („Der Gärtner“ 1959, 4)
Einige Beispiele sollen die Wahrheit des Lossagens unterstreichen.

Überwundener Fluch
Pfarrer M. von N. hatte eine Frau in der Seelsorge, die jahrelang spiritistisches Medium war. Die Frau war verheiratet. Die ersten drei Kinder wurden entweder tot geboren oder starben wenige Tage nach der Geburt. Die jungen Eheleute wünschten sich sehnlichst ein Kind. Diese Not brachte sie in die Seelsorge. Sie beichtete, sagte sich von ihren finsteren Mächten los und übergab ihr Leben Christus. Das vierte Kind war dann ein gesundes Kind, das am Leben blieb.

Entlastung
Der Prediger einer Gemeinschaft kam zu einer seelsorgerlichen Unterredung. In seinem Elternhaus wurde das Tischrücken gepflegt. Er selbst nahm als Kind stets daran teil. Als er heranwuchs, stellten sich schwere Störungen seines Seelenlebens ein. Er hatte Anfechtungen zum Selbstmord und wurde sehr jähzornig. Es stellten sich mediale Gaben, vor allem die Fähigkeit des Wahrträumens und des zweiten Gesichts ein. Mit 14 Jahren hatte er den ersten Wahrtraum, der sich seinem Gedächtnis einprägte. Er sah ein Haus, in dem ein Toter eingesargt wurde. Nach der Schulentlassung kam er in die Lehre zu einem Tischler. Er erkannte sofort, daß das Haus seines Meisters das Haus des Traumes war. Einige Monate später starb in dem Haus ein Mensch. Als Tischlerlehrling half er beim Einsargen. Die Situation war so, wie er es im Traum vorausgesehen hatte. Während des Krieges war er an der Front und hatte dort viele Träume von fallenden oder sterbenden Kameraden, die sich alle erfüllten. Einmal sah er sich selbst in einer bedrohlichen Situation. Nach dem Traum sollte er erschossen werden. Auch diese Gefahr trat ein. Mit knapper Not wurde er vom Tod errettet. Seine Tante und eine andere Verwandte hatten ebenfalls Wahrträume und Vorschaugesichte. Bemerkenswert ist, daß diese Vorschaugesichte in einem Zustand mangelnder Konzentration gegeben wurden. Es war fast wie ein Schauen aus dem Unterbewußtsein. Im Zustand stärkster geistiger Konzentration hatte er keine Vorschaugesichte. Manchmal beobachtete er auch Tote in Häusern oder auf den Straßen, die schon längst gestorben waren.

Mit 21 Jahren fand er den Weg zu Christus. Er beichtete und konnte im Glauben die Vergebung aller Schuld fassen. Daraufhin nahmen die Träume rasch ab, und die Vorschauerlebnisse verschwanden. Doch war er immer noch nicht frei. Er spürte keinen Zug zum Wort Gottes und wurde manches Mal jähzornig. Diese Belastungen blieben auch, als er seine Ausbildung als Prediger erhielt und in die Reichgottesarbeit trat. Dieser Zustand führte ihn zu mir in die Seelsorge. Bei seiner damaligen Bekehrung hatte er noch keinen Blick für seine medialen Belastungen. Auch der betreffende Seelsorger konnte ihn darin nicht richtig beraten und führen. Nachdem der okkulte Fragenkreis im Gespräch geklärt war, beteten wir zusammen ein Lossagegebet. Sein inneres Blockiertsein dem Wort Gottes gegenüber ging daraufhin zurück.

Lästergeister werden verjagt
Ein Mann aus T., 45 Jahre alt, berichtete, daß er ganze Jahrgänge der Zeitschrift „Die weiße Fahne“ (okkulte Zeitschrift) in seinem Hause hätte. Er meinte, das wäre ein christliches Blatt. Gleichzeitig bekannte er, daß er nicht richtig zum Glauben durchdringen könnte. Manchmal würde er in sich ein lästerliches Lachen hören. Er legte eine Generalbeichte ab, sprach mit mir ein Lossagegebet und durfte von dem lästerlichen Lachen frei werden.

Zu dem letzten Beispiel ist noch zu sagen, daß solche Lästerstimmen nicht immer ein Zeichen einer okkulten Belastung sein brauchen. Sie können auch ein Symptom einer Zwangsneurose oder einer skrupulösen Übergewissenhaftigkeit sein. Gerade sehr feinfühlende und ängstliche Menschen können eine Umkehrung ihrer Versündigungsangst erleben. Sie hören Flüche und Lästerstimmen in sich, die dann nur Zeichen einer seelischen Schwäche oder Krankheit sind.

Da man es in der Seelsorge immer wieder erleben darf, daß Belastete durch eine Schrift oder durch einen seelsorgerlichen Brief den Weg zur Freiheit finden, sollen einige mögliche Formen des Lossagegebetes hier wiedergegeben werden. Seit fast zweitausend Jahren wird in der christlichen Kirche folgendes Lossagegebet benützt: „Ich entsage dem Teufel und allen Werken der Finsternis und verschreibe mich Jesus Christus, meinem Herrn und Heiland.“ Manche Evangelisten lassen auch in direkter Weise beten: „Im Namen Jesu Christi, des Sohnes Gottes, sage ich mich von dir, Satan, los, und ich verschreibe mich Jesus Christus, meinem Herrn, für Zeit und Ewigkeit. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Oft fragen mich auch Eltern, die ihre Kleinkinder haben besprechen lassen, in welcher Weise sie sich mit den Kindern zusammen lossagen dürften. Wenn die Eltern über ihrer Zauberei Buße getan haben und sie beide das Lossagegebet sprechen, so dürfen sie einfach ihre Kinder mit einschließen: „Im Namen Jesu Christi, des Sohnes Gottes, sagen wir uns mit unseren Kindern von dir, Satan, los, und wir…“

Da Irrtum, Mißverständnisse und Mißbrauch möglich sind, müssen folgende Abgrenzungen hier hervorgehoben werden. Das Lossagegebet hat niemals den Sinn einer magischen Abwehrformel. Gebet und Magie stehen sich total entgegen, obwohl die Magie im Gewand des Gebetes und Gebete in magischer Verzerrung auftauchen können. Ferner hat ein Lossagegebet ohne vorherige Beichte und die Übergabe des Lebens an Christus keinen Sinn. Wenn das Lossagen mißbräuchlich geübt wird, treten hinterher manchmal noch stärkere Anfechtungen auf als vorher da waren. Es gibt kein Freiwerden durch den „technischen“ Vollzug christlicher Bräuche. Das Loswerden ist immer ein Akt der Gnade Gottes.

 

5. Das Lossprechen

Das Lossprechen gehört zur Vollmachtsfrage. Ihren Ursprung hat dieser Dienst in dem Wort Jesu (Mt. 18, 18): „Was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein.“ Gerade an dieser Stelle wird sichtbar, wie wenig eine charismatische (geistgewirkte) Seelsorge Schablone, Technik, Ritus, äußere Form sein kann. Hier ist äußerste Behutsamkeit und strenges Achten auf die Fußspuren des großen Schrittmachers geboten. Wie leicht kann das Lossprechen zur angemaßten Vollmacht werden. Anmaßung in geistlichen Dingen schlägt immer ins Ge¬genteil um. So haben die sieben Söhne des Hohen¬priesters Skevas (Apg. 19, 13 f.) einen bösen Reinfall erlebt. Viel schauerliche Anmaßung erlebte ich auch als Beobachter in extremen, schwarmgeistigen Kreisen. Es konnte bei einer solchen schwarmgeistigen Veranstaltung vorkommen, daß hinterher dutzendweise kranke und belastete Menschen losgesprochen wurden. Die gräßliche Ausbeute dieser Abende hatten dann die Seelsorger, wenn diese armen losgesprochenen Menschen weder frei, noch geheilt waren, sondern in um so größeren Anfechtungen steckten.

Aller Mißbrauch des Lossprechens jedoch darf uns nicht den Mut nehmen, uns in unerschütterlichem Vertrauen vom Herrn führen zu lassen. Es gibt Belastungen, bei denen das Lossprechen zu einer Befreiung des Belasteten führen kann. Das tritt vor allem da ein, wo Belastete unter der Suggestion und unter dem Bann irgendeines magischen Zuspruchs stehen. Eine solche Suggestion läßt sich nach vorangegangener Beichte manchmal durch den Zuspruch der Vergebung und durch das Lossprechen zerschlagen. Der Seelsorger muß aber bei solchem Handeln unter Geistesleitung stehen. Er darf nur handeln, wenn der Herr das Kommando dazu gibt. Ein Beispiel soll das zeigen.

Abgebaute Suggestion

Ein Mädchen war bei einer Kartenlegerin und erhielt dort folgende Auskunft: „Sie werden zweimal verlobt sein. Der erste Mann fällt im Krieg, der zweite läßt Sie im Stich. Sie werden ein uneheliches Kind haben und mit 54 Jahren sterben.“ Die betreffende Person war in der Seelsorge und erklärte, es wäre bis jetzt alles eingetroffen. Hier bei dieser Prophezeiung ging also echte Wahrsagerei und Suggestion durcheinander. Nun stand diese Frau in der großen Sorge, auch das letzte Stück dieser Voraussage würde sich erfüllen. Der Hinweis, daß unser Leben in der Hand Gottes steht, brachte der Frau noch keine Lösung von ihrer Angst. Schließlich war die Belastete bereit, eine Beichte ihres ganzen Lebens abzulegen. Es wurde ihr geschenkt, sich Christus ganz anzuvertrauen. Das Lossagen der Frau und das Lossprechen des Seelsorgers löste die düstere Prophezeiung auf. Sie wurde in Zukunft nicht mehr davon gequält.

Dieses Beispiel zeigt wie viele andere, daß die Kinder des Teufels immer den Mut haben, Menschen mit ihren entsetzlichen Zusprüchen zu belasten. Die Kinder Gottes dagegen bringen gewöhnlich nicht den Mut auf, im Vertrauen auf den Herrn solche Gebundenen loszusprechen. Ist das nicht ein Armutszeugnis für unsere Sache und eine Beleidigung unseres Herrn? Wir nehmen es einfach als unabänderlich hin, den Dämonen das Feld zu überlassen. Allerdings gilt die Einschränkung, wenn das Lossprechen nicht aus einer vom Herrn geschenkten Vollmacht heraus geschieht, ist es abzulehnen.

6. Das Gebieten im Namen Jesu

Wir betreten hier eines der heiß umstrittensten Gebiete der Seelsorge. Es handelt sich um den sogenannten Exorzismus, die Austreibung der bösen Geister und Dämonen. Es liegen religionsgeschichtlich mehr verzerrte als echte Formen vor. Es gab schon in der vorchristlichen Zeit den heidnischen und jüdischen Beschwörungsexorzismus. Die christliche Zeit zeigt genau die gleichen Entartungen. Dazu kommen noch die Zerrformen der christlichen Kirche selbst. Die katholische Kirche besitzt exorzistische Riten, die in der Praxis zu unbiblischen Demonstrationen geworden sind. Auch in der Seelsorge schlecht ausgebildeter Seelsorger gibt es Austreibungen, die nur neue Belastungen hervorrufen. Wenn ein schlichter Laienbruder bei einem gemütskranken oder geisteskranken Patienten die Teufel austreiben will, so ist das nicht nur Unfug, sondern ein gefährliches Unterfangen. Der Patient kann zu seiner Erkrankung dadurch noch eine zusätzliche aufsuggerierte Besessenheitsidee bekommen. Von den schauerlichen Vorgängen des Hexenbannens, wie wir sie zum Beispiel in der Lüneburger Heide, aber auch sonst in vielen anderen Gegenden vorfinden, brauchen wir nicht sprechen. Wer Material sucht, findet das reichlich in dem Buch von Lehrer Kruse “Hexen unter uns“.
Soll das alles uns den Mut nehmen, nach dem Wort Jesu zu handeln? Nein, das hieße wiederum, den Dämonen das Feld überlassen. Der Teufel darf uns das Wort Gottes nicht verdunkeln. Auch in dieser Brandung irrgeistiger Strömungen steht Jesus als der unerschütterliche Fels. Er hat das Kommando in dem Brüllen und Toben finsterer Elemente. Der Name des Herrn ist ein festes Schloß. So wie einst der junge David im Namen des Herrn gegen den Riesen Goliath auszog (i. S. 17. 45) und siegte, so kann der jünger Jesu den Kampf nicht bestehen ohne den Namen des Herrn. Das Gebieten im Namen Jesu ist kein frommer Zauber, sondern die Inanspruchnahme einer Vollmacht, die der Herr denen schenkt, die ihm ganz untertan sind. Es handelt sich hier wie beim Lossprechen um eine geistliche Vollmacht, die der Herr seinen Jüngern zu allen Zeiten gibt. Wir hören davon in Luk. 9,1 2; Luk. 10, 17; Apg. 16,18.
Es gibt gerade in der Seelsorge bei okkult Belasteten Situationen, bei denen wir tapfer im Aufblick auf jesus in seinem Namen das Panier aufwerfen dürfen. Zwei Beispiele aus meiner Arbeit sollen das unterstreichen.

Der Lästerer wurde zum Beter

Es wurde schon darauf hingewiesen, daß die Lästersucht nicht immer ein Zeichen einer okkulten Belastung sein muß. In vielen Fällen allerdings steht im Hintergrund, sei es bei dem Belasteten selbst, sei es bei seinen Vorfahren, die Zauberei mit all ihren Folgen. So kam eines Tages ein junger Mann zu mir und klagte, er hätte eine starke Abneigung gegen alles Göttliche. Bei jeder geistlichen Betreuung oder Beeinflussung würde ein Ekel in ihm aufsteigen. Vier Aussprachen ergaben, daß ein antikirchlicher Komplex vorlag. Dagegen stammte der junge Mann aus einer Besprecherfamilie, in der kranke Menschen und kranke Tiere besprochen wurden. Der Belastete fand sich bereit, alles Dunkle aus seinem Leben auszupacken. Als ich mit ihm beten wollte, fing er wieder an zu lästern. Es blieb mir nichts anderes übrig, als noch zwei gläubige Brüder zu Hilfe zu rufen. Wir beteten gemeinsam mit ihm mit dem üblichen Erfolg, daß der Belastete wieder zu lästern anfing. Nun war der Zeitpunkt gekommen, den finsteren Mächten zu gebieten. Im Aufblick zum Herrn wagte ich es mit großer Gewißheit, den dunklen Gewalten zu gebieten. Der junge Mann hörte auf mit Fluchen, fing an zu beten und gab dem Herrn die Ehre. Später suchte ich ihn wieder auf. Er ist noch auf dem Weg des Herrn.

Fluchgeister kapitulierten

Bei einer Evangelisation suchte mich eine Frau auf, die seit Jahren die Bibelstunden einer Gemeinschaft besucht. Sie litt unter folgender Belastung. Wenn im Gebetskreis für sie gebetet wurde, kamen furchtbar lästerliche Flüche aus ihrem Mund. Zunächst lag für mich der Verdacht einer Zwangsneurose vor. Die Patientin war sehr sensibel und stark religiös eingestellt. Das Fluchen und Lästern stand also im Gegensatz zu ihrer übrigen Haltung. Ich wurde während der Seelsorge selbst Zeuge ihres furchtbaren Fluchens. Da ich mich dieser belasteten Frau gegenüber einfach zu schwach und zu unfähig fühlte, bat ich noch einige Brüder um ihren Beistand. Zuerst hatten wir zu zweit eine Aussprache mit ihr und dann sogar zu fünft. Bei der Aussprache und dem anschließenden Gebet kamen wieder die gotteslästerlichen Flüche in einem Akzent, daß man meinen konnte, es wären fremde Stimmen. Dem ältesten von uns Brüdern wurde das zuviel, und er fragte wie Jesus bei dem besessenen Gadarener (Mark. 5, 9): „Wer bist du?“ Erstaunlicherweise gaben die Lästerstimmen Antwort und erklärten, sie wären ihrer sieben. Auf weiteres Befragen erhielt der Bruder die Antwort, es wäre der Geist einer Großmutter, die Zauberei getrieben hatte und der Geist eines anderen Vorfahren, der im Alkoholdelirium gestorben war, in der geplagten Frau anwesend. Ich selbst beteiligte mich an dieser schauerlichen Unterhaltung nicht. Bis jetzt hatte ich noch nie die Freiheit, solche geplagten Menschen in dieser Weise zu befragen. Immerhin wurde bei dieser schwierigen Seelsorge deutlich, daß wir eine besessene Frau vor uns hatten. Als wir die Hände zum Gebet falteten, ging wieder das furchtbare Fluchen los. Nun hatte ich genug. Im Aufblick auf Jesus gebot ich den Fluchgeistern aufzuhören und zu weichen. Dann kam eine Reaktion, die ich nicht erwartet hatte. Die Frau wollte mich an der Jacke packen und brüllte mich an: „Du bist schuld, du bist schuld, daß wir weichen müssen.“ Diese Ehre kam wahrhaftig nicht auf mein Konto. Der Name Jesu wurde diesen Fluchgeistern zu unbequem, so daß sie das Feld räumen mußten.   Es muß zur Vermeidung von Mißverständnissen hinzugefügt werden, daß Besessenheitsfälle sehr selten sind. Viel¬leicht sind unter 1200 bis 1800 Ratsuchenden, die im Lauf eines Jahres den Evangelisten aufsuchen, im Höchstfall nur ein oder zwei Besessene. Okkult Belastete und dämonisierte Menschen gibt es allerdings in großer Zahl.

7. Der Gebetskreis

Für besonders schwierige Belastungen hat Jesus auch besondere Hilfe zugesagt. In Matthäus 18, 19 sagt der Herr: „Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, daß sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.“ Auf dem Gebet von kleinen Gebetskreisen liegt eine größere Vollmacht als auf dem Gebet des einzelnen Seelsorgers. Das beste ist, wenn zwei oder drei gläubige Menschen zwei  oder dreimal in der Woche zur Fürbitte für den Belasteten zusammenkommen. Der Belastete kann dabei sein; es geht auch ohne ihn. Dazu einige Beispiele.

Er sandte sie zwei und zwei

In einem mitteldeutschen Badeort kam eine Frau und beichtete schwere Verfehlungen okkulter Art. In der Seelsorge kam ich allein nicht durch. Ich bat sie, sich nach mindestens zwei Jüngern Jesu umzusehen, die mit ihr mehrmals in der Woche beten sollten. Diese kleine Gebetsgemeinschaft ist ihr geschenkt worden. Als ich nach einem Jahr wieder in der Gegend dort evangelisierte, erschien sie und erklärte, daß sie nun restlos frei geworden wäre. Der Gebetskreis war fast ein Jahr mit ihr zusammengekommen.

Der Heiland der Hoffnungslosen

Eine 30 jährige Frau wurde schwermütig. Sie verlor die Lust am Leben und die Freude zur Arbeit. Kaum besaß sie noch die Kraft zu Entschlüssen und Entscheidungen. Ihren Angehörigen wurde sie zur großen Last. Trübsinn, Stumpfheit und doch wieder große Selbstvorwürfe kennzeichneten ihren Zustand. Für ein aufmunterndes Wort oder tröstlichen Zuspruch von seiten ihrer Angehörigen und ihres Ortspfarrers war sie nicht mehr empfänglich. Sie wähnte sich von Gott verstoßen und der Hölle preisgegeben. Versündigungsideen plagten sie. Schlaflosigkeit machten die Nächte zur Qual. Selbstmordgedanken bemächtigten sich ihrer. Dem Ortsgeistlichen vertraute sie an, daß sie am liebsten Selbstmord verüben würde, um ihre Angehörigen von der großen Last zu befreien. Aber selbst zum Selbstmord war sie nicht mehr fähig, weil alle Funktionen des Willens und der Entschlußkraft beeinträchtigt waren.

Auf den Rat des Pfarrers brachten die Angehörigen die Schwermütige zu einem Nervenarzt, der verschiedene Beruhigungsmittel und nervenstärkende Drogen an ihr ausprobierte. Die Behandlung war ohne Erfolg. Schließlich entschloß sich ihre Familie, die großen Kosten für die Unterbringung in einem Sanatorium aufzubringen. Dort erhielt die Patientin zunächst einmal eine Reihe von Schocks. Nach langer Behandlung kehrte sie ungeheilt in den Kreis ihrer bekümmerten Familie zurück. Der Elendsweg ging weiter. Die Kranke war ihren Betreuern eine große Sorge. Ihr Seelsorger wurde es fast müde, ihr immer wieder tröstende Bibelworte zuzusprechen und mit ihr zu beten. Nichts wollte bei der Kranken helfen. Kein Bibelwort konnte sie mehr aufnehmen und fassen. Zum Glauben und Beten war sie viel zu bedrückt und gehemmt. Sie konnte tagelang vergrämt und stumpf in einer Ecke des Zimmers sitzen. Dann wieder zerfleischte sie sich mit Selbstvorwürfen und Selbstanklagen. Der behandelnde Nervenarzt konnte ihren Krankheitszustand nicht erkennen, weil die Merkmale und Kennzeichen der seelischen Erkrankung nicht eindeutig waren. Die Kranke wurde auf seine Veranlassung in eine Nervenheilanstalt überwiesen. Sie erhielt wiederum Schocks mit dem gleichen Ergebnis wie das erste Mal. Nicht die geringste Besserung war zu spüren. Es zeigte sich nur, daß die Erinnerungsfähigkeit und die Gedächtniskraft der Patientin rapide abnahm. Der apathische Zustand, eine völlige Teilnahmslosigkeit an allem Geschehen, griff weiter um sich. Da die Kranke nicht bösartig war, durften die Angehörigen nach einer längeren stationären Behandlung die Kranke wieder heimnehmen.

So verstrichen einige Jahre. Verschiedene Male wurde die Kranke in die Heilanstalt eingeliefert, bis sie schließlich 48 Schocks erhalten hatte. Einer der Ärzte meinte einmal, die Kranke wäre „verschockt“, so daß neu entwickelte Medikamente nicht mehr anschlagen würden. Die lange Krankheitszeit war für die Angehörigen nicht nur eine schwere Prüfung, sondern auch eine Zeit des Segens. Sie fingen wieder an, die Hände zu falten, um bei dem Hilfe zu suchen, dessen Möglichkeiten nicht so begrenzt sind wie die der Psychiater. Not lehrt beten. Die verstaubte Traubibel wurde wieder vorgeholt. Der Gottesdienstbesuch wurde reger. Ein Fragen und Suchen entstand in den Herzen der Angehörigen. Da die Mittel zur Pflege der Kranken erschöpft waren, und ihnen auch die ärztliche Wissenschaft nicht die geringste Hilfe hatte bringen können, entschlossen sich die Angehörigen, die Kranke ganz nach Hause zu nehmen. In dieser Zeit kamen einige gläubige Menschen des Ortes der bedrängten Familie zu Hilfe. Jede Woche, am Samstagabend, versammelten sich einige treue Christen zum Gebet in einem Zimmer der leidgeprüften Familie. Diese Gebetsstunden wurden dann noch verstärkt, so daß schließlich die Gebetsgruppe jede Woche zweimal in dem Haus der Kranken zusammenkam. Ihre Absicht war nicht, Gott eine Heilung abzunötigen, sondern dieser Familie durch Fürbitte beizustehen, gleichzeitig aber auch Gott alles zuzutrauen.

Einige Monate verliefen in dieser Weise. Wieder war ein Samstag gekommen. Acht Beter befanden sich im Zimmer der Schwermütigen, die regungslos in einer Ecke saß. Ein Bruder las zur Einleitung der Gebetsstunde Luk. 4, 18: „Der Geist des Herrn ist bei mir. Er hat mich gesandt, zu verkündigen das Evangelium, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen, den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen.“ Er wiederholte im Blick auf die Schwermütige: „Den Gefangenen, daß sie los sein sollen.“ Dann gingen die acht Beter auf die Knie und befahlen die Kranke und all ihre Angehörigen der Gnade Gottes. Ein großer Gebetsgeist bemächtigte sich der treuen Schar. Sie hielten Gott alle Verheißungen der Heiligen Schrift vor und wagten es, Gott kühn um eine Heilung der Kranken zu bitten. Beim fünften oder sechsten Gebet sagte die Kranke, als wieder ein Beter geendet hatte, ein halblautes Amen.

Ihre Angehörigen schauten sie erstaunt an. Seit langer Zeit war das das erste Kennzeichen einer inneren Beteiligung der Kranken. Die Beterschar ging an diesem Abend mit dem Eindruck auseinander, daß der Herr in seiner Barmherzigkeit in irgendeiner Weise nun einschreiten und helfen würde. Bald zeigte sich, daß der Abend für den Zustand der Kranken eine Wendung bedeutet hatte. Es ging rasch aufwärts mit ihr. Das ausdruckslose Gesicht bekam wieder Spannung. Die Kranke fing an zuzuhören und schließlich sich langsam wieder am Gespräch zu beteiligen. Das Wunder geschah. Nach acht Jahren schwerer Depressionen wurde die Patientin völlig geheilt. Und was noch wichtiger ist, die Heilung hielt an. Sie ist heute wieder ein fröhliches Menschenkind, das Christus die Ehre gibt. Ihr großes Erlebnis ist die Erfahrung der Tatsache, daß Jesus den Gefangenen die Befreiung gebracht hat.   In ärztlicher Sicht wäre diese Krankheit als eine schwere, endogene Depression zu bezeichnen.

Werke des Teufels zerstört

Eine Frau im Alter von 54 Jahren berichtete mir zwei wunderbare Glaubensheilungen aus ihrem Leben.
Im Alter von 10 Jahren hatte ihre Mutter sie wegen einer Flechte zu einer Besprecherin gebracht. Nach der Besprechungsbehandlung war die Flechte sofort verschwunden. Seit dieser magischen Beeinflussung konnte das Kind nicht mehr beten. Später, im Konfirmandenunterricht, bekam sie manchmal beim Aufsagen von Gesangbuchversen Hemmungen, so daß sie die Textworte nicht mehr herausbrachte, obwohl sie die Verse gut gelernt hatte. Diese Hemmun¬gen traten besonders bei Gesangbuchversen ein, die Gebetscharakter trugen. Als Beispiel sei genannt: „Nun, was du Herr erduldet, ist alles meine Last, ich hab‘ es selbst verschuldet, was du getragen hast.“ Einige Jahre später kam sie als Mädchen anläßlich einer Evangelisation zum Glauben an Christus. Es fiel ihr ungeheuer schwer, das Heil im Glauben anzunehmen. Nach ihrer Umkehr ging dann ein Höllentanz los, wie man es manchmal bei besprochenen Menschen beobachten kann. Es stellten sich hartnäckige Depressionen ein, die sie vor ihrer Wende nicht hatte. Geruchs  und Geschmackshalluzinationen traten auf. Manchmal hatte sie das Gefühl, als ob der Leibhaftige in ihrem Zimmer wäre. Nach diesem Empfinden nahm sie jedesmal einen ekelhaften Schwefelgeruch wahr. Auch sexuelle Anfechtungen stärkster Art stellten sich ein. Ohne Zweifel hätte ein Psychiater alle diese Symptome für eine beginnende Schizophrenie gehalten.

In diesem Zustand ging sie eine Ehe ein, ohne daß die merkwürdigen Symptome nachließen. Einige Jahre nach der Entbindung einer gesunden Tochter bemächtigte sich der jungen Frau eine furchtbare Unruhe. Sie magerte ab und entschloß sich schließlich zu einer gründlichen Untersuchung durch einen Professor einer Universitätsklinik. Der Professor zog einen zweiten Kollegen, einen Krebsspezialisten hinzu und eröffnete der Frau, daß sie Krebs hätte. Der Professor war ein gläubiger Christ und sagte ihr: „Es ist allerhöchste Zeit zur Operation. Sie hat uns Gott hierher geführt, sonst wären Sie verloren gewesen.“ Die Patientin konnte sich nicht sofort zur Operation entschließen. Sie verständigte den Gebetskreis einer landeskirchlichen Gemeinschaft, dem sie seit ihrer Bekehrung angehörte. Die Schar dieser treuen Beter kam täglich zur Fürbitte zusammen. Nach 14 Tagen stellte sie sich wieder den beiden Professoren vor, die ganz überrascht eine Besserung feststellen mußten. Die Operation war überflüssig geworden. Es darf an dieser Stelle nicht unterlassen werden, darauf hinzuweisen, daß bei starken Besprechungsheilungen, wie sie die Berichterstatterin als 10jähriges Mädchen erlebt hatte, oft verschiedene Krankheiten hinterher auftreten. Die Ärzte diagnostizieren diese Krankheiten als organische Leiden. Solche rasch auftretenden Erkrankungen können aber meistens durch die treue Fürbitte eines Gebetskreises ohne ärztliche Behandlung wieder überwunden werden. Wir haben hier ein Parallelgebiet zu den psychogen verursachten Leiden, nur mit dem Unterschied, daß diese Erkrankungen der Ausdruck einer magischen Belastung sind und durch geistliche Betreuung und Beeinflussung überwunden werden können. Es ist das ein Gebiet, das von der Schulmedizin so gut wie nicht erfaßt ist, weil unsere Psychiatrie den Bereich der medialen Veränderungen noch nicht kennt und nicht anerkennt. Eine Ausnahme bilden gläubige Psychiater, denen in der Seelsorge solche Fälle begegnet sind.

Viele Jahre später zeigte sich bei der Berichterstatterin eine neue Attacke. Ihre Tochter war inzwischen herangewachsen und nach Amerika ausgewandert. Es war für die Mutter eine große Freude, daß diese Tochter auch Christus fand und sich entschloß, Missionarin zu werden. Die Mutter wurde eines Tages von ihrer Tochter eingeladen, sie in Amerika zu besuchen. Nach langen Beratungen entschloß sich die Mutter zu dieser Fahrt nach Amerika. Einige Wochen schon dauerte der Aufenthalt, da brach die Mutter eines Tages besinnungslos zusammen und kam nicht mehr zum Bewußtsein. Sie wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Der Arzt stellte einen Gehirnschlag fest. Neun Tage lag die Patientin besinnungslos und mußte künstlich ernährt werden. Inzwischen verständigte die Tochter einen Gebetskreis ihrer Missionsschule. Täglich kamen diese gläubigen Menschen zur Fürbitte für die Schwerkranke zusammen. Nach neun Tagen erlangte die Schwerkranke das Bewußtsein zurück. Sie lag noch einmal 16 Tage wie gelähmt und hatte kein Gefühl mehr im Körper von der Hüfte bis zum Kopf. Nach dieser Zeit verschwand die Gefühllosigkeit und Unempfindlichkeit der Haut. Die Genesende unternahm Gehversuche. Nach verhältnismäßig kurzer Zeit erlangte sie die volle Bewegungsfreiheit ihrer Glieder wieder. Von dem Gehirnschlag blieb nicht die geringste Nachwirkung zurück. Der Chefarzt erklärt ihr: „An Ihnen ist ein Wunder Gottes geschehen, daß Sie diesen Gehirnschlag ohne Lähmungserscheinung und ohne jegliche Beeinträchtigung überstanden haben. Sie müssen sich aber in acht nehmen. Sie haben noch 270 Blutdruck. Es besteht die Gefahr, daß eine Wiederholung des Gehirnschlages eintritt.“ Aber auch diese Prophezeiung ist nicht eingetreten. Der Blutdruck wurde wieder normal. Der Gehirnschlag wiederholte sich nicht.
In der Seelsorge machte ich sie darauf aufmerksam, daß der ganze Verlauf der Krebserkrankung und des Gehirnschlages zeigte, daß es sich hier um eine Auswirkung jener Besprechungsheilung in der Jugend handeln könnte. Auf diesen Tatbestand weist auch hin, daß diese beiden schweren Erkrankungen durch den Einsatz des Gebetskreises überwunden wurden. Die Art der Erkrankungen und der Heilungen ist ein Hinweis, daß hier im Grunde genommen eine schwere okkulte Belastung vorlag, die durch Christus überwunden wurde. Die Symptome solcher Erkrankungen sind genauso gelagert wie echte organische Leiden. Darum ist die Diagnose der betreffenden Ärzte durchaus richtig. Nur spielen sich diese von den Ärzten als echte organische Krankheitsbilder diagnostizierten Leiden im medialen Bereich ab. In diesem medialen Bereich werden die Schalthebel von jemand anderem bedient. Wir befinden uns hier im Raum der Mächte, die nur von Menschen mit einem geistlichen Verständnis erfaßt werden können. Diese Mächte lassen sich auch nur mit den Waffen einer geistlichen Ritterschaft abwehren. Begreife es, wer es zu begreifen vermag!

Wer die Beispiele dieses Buches vergleicht, mag vielleicht zu dem Schluß kommen, daß hier sehr drastische oder sogar grauenvolle Erlebnisse berichtet werden. Das kann unter Umständen zu dem Gedanken Anlaß geben, als hätte jede okkulte Belastung nur diese schreckliche Form. Vor diesem Kurzschluß soll gewarnt werden. Es gibt Belastungen aller Stufen und Schattierungen, von der leichten, negativ gerichteten Medialität angefangen, bis hin zur reinen Besessenheit. Der Grad, die Intensität der Belastungen ist durch mancherlei Faktoren bestimmt. Jahrelang aktiv betriebene Beschäftigung mit Spiritismus und Magie schafft schwere Bindungen, die nur sehr schwer zu lösen sind. Eine Behandlung durch einen schwach medialen Heilmagnetopathen verursacht Wirkungen, die nicht so offensichtlich ins Auge fallen. Es gibt also eindeutige Symptome und schwer zu erkennende Grenzfälle. Es gibt okkulte Belastungen, die vom Betroffenen überhaupt nicht erkannt werden und nur vom fachkundigen Seelsorger in mühevoller Kleinarbeit erhellt werden können. Ob schwere oder leichte Bindungen, gelöst werden sie allein durch die Hinkehr zu Christus. Diese Christusentscheidung soll uns der betende, tragende und kämpfende Bruderkreis erleichtern.

8. Beten unter Fasten

Schwer verschüttetes biblisches Gut ist das Beten und Fasten. Als die Jünger über ihre Vollmachtslosigkeit klagten, sagte ihnen der Herr das bekannte Wort Matthäus 17, 21: „Diese Art fährt nicht aus denn durch Beten und Fasten.“ Bei uns Evangelischen hat das Fasten einen merkwürdigen Klang. Das hängt mit dem in der katholischen Kirche geübten „verdienstlichen“ Fasten zusammen. Der Mißbrauch soll uns nicht zurückschrecken. In kleinen lebendigen Kreisen unserer evangelischen Kirche wird in aller Stille auch noch unter Fasten gebetet, wenn es gilt, einem schwer Belasteten zu helfen. Das biblisch Feine daran ist, daß in der Öffentlichkeit nicht darüber gesprochen wird. Fast scheue ich mich, es hier darzustellen. Es gibt Kreise, die jeden Monat einen Gebetstag ansetzen. An diesem Tag wird nichts gegessen. Morgens, ab 7 Uhr, kommen einige Gläubige zusammen. Sie lesen ein Wort Gottes, dann beten sie der Reihe nach alle Anliegen der Gemeinde durch. Tritt eine Ermüdung ein, dann ruhen sie einige Minuten still aus. Wieder wird eine Bibelstelle gelesen und weitergebetet. Dieser Fürbittedienst gilt besonders den schwer Belasteten. Nicht jeder kann den ganzen Tag bei solchem Fürbittedienst dabei sein. Für manche ist das geistlich und physisch zu anstrengend. Es ist keinem verwehrt, nach einigen Stunden wegzugehen. Dafür kommen wieder andere hinzu, die nicht von Anfang an da sein konnten. Ich will erwähnen, daß es keine schwärmerischen Kreise sind, die diesen Fürbittedienst unter Beten und Fasten durchführen. Ich habe wohl kaum mehr die Sorge als Schwärmer zu gelten, da die Schwarmgeister in Deutschland und in der Schweiz mich als ihren erbittertsten Gegner bezeichnen und mich in ihren Blättern ununterbrochen angreifen und verleumden. Was ich hier als Gebets  und Fasttag schilderte, wird in anderen Kreisen wieder anders gehandhabt. Eine Missionarin, die auf ihrem Arbeitsgebiet viel mit Besessenen zu tun hatte, kam mit ihrem Gebetskreis jeden Abend von 6 bis 9 Uhr zusammen. In ihrer Seelsorge gab es dann viele Befreiungen. In einer anderen Gemeinde, in der ich evangelisiert hatte, bildete ein Bruder auf meinen Rat hin für eine okkult Belastete einen Gebetskreis. Nach einigen Monaten war dieses Mädchen durch die Gnade Gottes frei geworden. Der Bruder, durch diese Erfahrung bestärkt, ließ nunmehr den Gebetskreis weiterhin zusammenkommen, um für weitere Belastete einzustehen. Diese Einrichtung bewährte sich. Weitere kleine Gebetskreise bildeten sich. Anläßlich meiner zweiten Evangelisation in der gleichen Gemeinde kamen die verschiedenen Gebetskreise jeden Abend abwechselnd zusammen, so daß ein ununterbrochener Gebetsdienst geübt wurde. Die Bildung solcher Gebetskreise zeigt sich bereits in manchen Kirchengemeinden. Ich kenne verschiedene Pfarrer, die sich täglich in der Kirche mit Gemeindegliedern zum Gebet treffen. Das sind aber alles Erfahrungen, die es fast nicht ertragen, daß sie veröffentlicht werden. Auf jeden Fall sind das Zeugnisse dafür, daß das Wort Jesu vom Beten und Fasten noch nicht erstorben ist. Die Kirche Christi lebt noch im Verborgenen. „Die Lampe Gottes ist noch nicht erloschen“ (1. Sam. 3, 3).

Einer meiner Freunde, der 20 Jahre als Missionar in China arbeitete, will dazu ein Erlebnis berichten.
Manchmal wird die Diagnose erst nach der Heilbehandlung oder seelsorgerlichen Betreuung deutlich. Der bekannte Psychiater und Seelsorger Dr. Lechler sagt ganz drastisch: „Hilft dem Patienten eine Schockbehandlung, so hatte er keine okkulte Belastung. Hilft einem Patienten gläubiges Gebet zu einer sofortigen Heilung, so ist der Verdacht einer Psychose sehr gering.“ Das soll natürlich nicht heißen, als ob Christus nicht einen Schizophrenen heilen könnte. Es gibt also seelisch kranke Menschen, bei denen erst die Therapie (Heilbehandlung) die Diagnose (Erkenntnis der Krankheit) ganz deutlich macht.

Befreiung von Besessenheit

Li Huan ü, der Sohn eines chinesischen Wahrsagers aus der Provinz Chekiang, war – wie das bei den Erstgeborenen in China üblich ist – dem Regengott von Yünhwo geweiht, und von ihm bekam er auch seinen Namen „Köstlicher Regen“. Der Wunsch seiner Eltern bestand darin, daß „Köstlicher Regen“ Priester werden sollte. Regelmäßig wurde er von seinen Eltern angehalten, im großen Stadttempel die monatlichen Opfergaben darzubringen und dem Regengott die Weihrauchstäbchen anzuzünden. „Köstlicher Regen“ tat es zuerst aus Gehorsam; denn so wurde es von seinen Eltern befohlen. Aber je älter er wurde, desto widerspenstiger betrug er sich gegen diesen elterlichen Wunsch. Eines Tages war Li Huan ü verschwunden, und er tauchte bei seinem Onkel auf, dem er seinen Widerwillen klagte, daß er nicht Priester werden, sondern heiraten wollte. Der Onkel hatte Verständnis für den Jungen und unternahm es, mit den Eltern in dieser Sache zu reden. Doch er stieß auf taube Ohren. Es gab deswegen einen großen Familienkrach. Die Eltern verbanden sich mit einigen Teufelspriestern, und die versprachen gegen Bezahlung, es schon fertigzubringen, daß Li Huan ü wieder zurückkommen und doch noch Priester werden würde. Unterdessen heiratete er, ohne auf die Einwilligung der Eltern zu warten. Er kam mit seiner jungen Frau in unsere Jesus Halle, wo sie das erstemal das Evangelium hörten. Gott tat an den beiden ein Wunder der Errettung, und sie wurden an Jesus Christus gläubig.
Aber nun begann der Gegenschlag der Teufelsmächte, die wochenlang in der ganzen Umgebung durch die Teufelspriester mobilisiert wurden. Li Huan ü wurde krank. Es wurde gemunkelt, daß seinen Speisen von der eigenen Mutter ein gefährliches Gift beigemischt worden wäre, um ihn vollständig willenlos zu machen. Eine Art Gehirnwäsche nach altem chinesischen Muster! Und schon kam die zweite Nachricht zu mir: Li Huan ü wäre verrückt geworden und hätte Tobsuchtsanfälle. Zum Verwundern wäre das auch nicht gewesen; denn wochenlang wurde jede Nacht um sein Wohnhaus herum mit einem Höllenlärm Teufelsspuk getrieben, um Li Huan ü gefügig zu machen. Es wurde nun recht ungemütlich in seinem Hause. Wenn er seine Tobsuchtsanfälle hatte und alles in seiner Umgebung gefährdete, bedurfte es sechs starker Männer, bis er gefesselt werden konnte. Oft zerriß er die Fesseln, zerschlug die Türen, Fenster und Wände, dann schrie er wieder auf wie ein todwundes Tier.

Nun bekamen es die Eltern mit der Angst zu tun und gaben mir Bericht, ob wir nicht ihrem Sohn helfen könnten. Wir nahmen ihn auf. Gefesselt und zerschunden wurde er zu uns gebracht. Ein Riesenkampf begann, der mir fast das Leben kostete, aber zuletzt doch mit einem herrlichen Sieg Jesu endete.

Als ich bei seiner Ankunft versuchte, mit ihm zu reden und zu beten, da fing er an zu toben und zu fluchen und mit dem eigenen Kot nach mir zu werfen. Ich merkte bald, daß hier keine Geisteskrankheit vorlag, sondern ein typischer Fall von Besessenheit, wie wir es in China leider oft angetroffen haben. Jedesmal, wenn ich mich dem Besessenen nähern wollte, gab es ein wüstes Reden und schaurige Flüche zu hören, und vor allem wollte er gegen mich tätlich werden. In dieser Situation erinnerte ich mich an die Worte Jesu: „Diese Art Teufel fahren nicht aus, denn durch Beten und Fasten.“ So machte ich einen Aufruf an die Gemeinde, und zusammen mit acht Brüdern waren wir bereit, gemeinsam zu fasten, auf das Morgenessen zu verzichten und in dieser Zeit für den Besessenen fürbittend einzustehen. In der ersten Woche taten wir es getrennt in unseren Wohnungen. Aber von der zweiten Woche an kamen wir früh am Morgen regelmäßig bei Li Huan ü zusammen, um in seiner Gegenwart die Bibel laut zu lesen und für ihn zu bitten. Schaurige Sachen erlebten wir dabei. Man war oft seines Lebens nicht sicher. Einmal kam er los von seinen Fesseln. Wie das möglich gewesen war, ist mir heute noch ein Rätsel. Wir lagen eben auf den Knien, als er mit einem Stuhl bewaffnet, sich auf uns stürzte. Erschreckt flohen die Brüder aus dem Zimmer. Mich aber erwischte der Besessene noch am Arm, riß mich in den Raum zurück und riegelte die Türe ab. Schreckliche Minuten folgten. Wie ein Raubtier umkreiste er mich. Zuerst dachte ich, er wollte mich erwürgen; denn mit der einen Hand griff er immer wieder nach meinem Hals.

Ich betete laut und rief immer den Namen Jesu an. Da plötzlich schrie er: Dauernd quälst du mich mit deinem Beten, laß mich los, laß mich los.“ Es war mir klar, hier redete nicht der Besessene selbst, sondern der böse Geist in ihm. Es gelang mir nach und nach, den Besessenen auf die Knie zu ziehen, und dann geschah etwas Außergewöhnliches. Li Huan ü warf sich auf den harten Boden und fing an zu zittern und zu heulen, und mit einem markdurchdringenden Schrei: „Ich gehe, ich gehe“ lag er wie tot am Boden. Ich konnte die verriegelte Türe öffnen, und meine Mitverbündeten, mit denen ich mehr als acht Wochen gefastet und gebetet hatte, kamen wieder in den Raum herein. Einer meinte, der Besessene wäre tot. Aber er war nicht tot, sondern der böse Geist war von ihm ausgefahren. Li Huan ü war durch Jesus frei und wieder er selber geworden.

Nach dieser Erfahrung geschah noch das größere Wunder. Der alte Vater brachte seinen Wahrsagekasten und andere Zaubergeräte und verbrannte alles auf dem Hof. Die ganze Familie wurde an Jesus Christus gläubig. Es rumorte in der Folgezeit noch manchmal in der Familie, aber die Bresche war geschlagen, und das Bollwerk Satans und aller Widerstand brach immer mehr in sich zusammen. Wir erlebten Jesu Sieg auf der ganzen Linie. Es stimmt, was in Johannes 8, 36 steht: „So euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei!“  –  Missionar G. Russenberger

Es mag für manchen eine besondere Hilfe sein, was der Arzt Dr. Lechler über das Fasten sagt. Der folgende Abschnitt ist seinem Artikel „Wie treten wir dämonisch Gebundenen gegenüber?“ entnommen.

Neben dem anhaltenden Gebetskampf ist gegenüber dämonisch Gebundenen in der Schrift auch das Fasten geboten. Jesu Wort: “ Diese Art fährt nicht aus denn durch Beten und Fasten“ gilt zweifellos nicht nur gegenüber wirklicher Besessenheit, sondern auch gegenüber dämonischer Gebundenheit. Zur Vollmacht über den Gebundenen ist für den Seelsorger ein Leben der Zucht unerläßlich. Ein solches aber vermag er nicht in eigener Kraft, sondern nur in der Kraft des Geistes der Zucht zu führen. Die Zucht zeigt sich besonders auf dem Gebiet der Enthaltsamkeit, die eine Frucht des Geistes ist. Darunter ist nicht nur eine vorübergehende Enthaltung von Speisen und alkoholischen Getränken zu verstehen, sondern auch der zeitweilige Verzicht auf den ehelichen Umgang, auf allerlei Veranstaltungen, wie überhaupt das freiwillige Aufgeben von Dingen, die an sich erlaubt sind, und das alles frei von jeglicher Werkgerechtigkeit. Paulus betont, wie wichtig es für einen Kämpfer ist, sich strenge Enthaltsamkeit aufzuerlegen, seinen Leib zu zerschlagen und ihn sich untertänig zu machen (1. Kor. 9, 25-27 Menge). Durch solche Selbstzucht soll der Feind zur Erkenntnis kommen, daß es dem Seelsorger ein heiliges Anliegen ist, seine Gedanken zu sammeln und seine Seele zu stärken, um gegen ihn recht kämpfen zu können. Es ist auch selbstverständlich, daß nur derjenige, der sich selbst überwinden kann, fähig ist, dem Feind entgegenzutreten und dem Gebundenen den Weg zur Befreiung zu zeigen. Solche Menschen, die nur an die Pflege ihres Körpers, an ihre Schonung und Bequemlichkeit denken, fürchtet Satan nicht; aber er flieht vor denen, die ihr Leben um Jesu willen für nichts achten. Nur wer „sein Leben nicht liebt bis in den Tod“ (Offb. 12, 11), nur wer sich selbst verleugnet, nur wer bereit ist, seine Zeit und Kraft für seinen Herrn hinzugeben, vermag den Teufel zu überwinden.

9. Die Waffenrüstung

Beim Freiwerden des okkult Belasteten kann es sich nicht darum handeln, daß dem Belasteten alle eigene Beteiligung abgenommen wird. Ist eine Beichte und ein Lossagen erfolgt, muß der Befreite es selbst lernen, sich zu rüsten und zu wehren. Das neugeborene Kind kann nicht immer auf dem Arm der Mutter liegen. Es muß wachsen, stark werden, laufen lernen. Der Befreite soll es lernen, alle Machtmittel des Wortes Gottes zu handhaben. In Eph. 6 spricht Paulus von der W a f f e n r ü s t u n g, die wir anlegen müssen, wenn uns nicht der Feind aufs neue überrumpeln soll. Der Schild des Glaubens deckt uns vor den Pfeilen des Bösewichtes. Der Helm des Heils schützt uns vor den schweren Schlägen der Finsternis. Mit dem Schwert des Geistes wehren wir Angriffe ab.

In Lukas 11, 24 sagt der Herr, daß die ausgetriebenen Geister gern wieder zurückkommen. Jeder, der eine Befreiung erlebt hat, ist dieser Gefahr ausgesetzt. Wenn also einer durch die Gnade Gottes frei geworden ist, so ist er der Gefahrenzone noch lange nicht entronnen. Die Finsternis bietet alles auf, um die verlorenen Bastionen zurückzuerobern. Wir müssen deshalb mit allem vertraut sein, wie wir neue Angriffe und Anfechtungen abwehren. Als die wichtigsten Schutzmaßnahmen kommt der fleißige, treue Gebrauch der G n a d e n m i t t e l in Frage, die in Apg. 2, 42 erwähnt sind: Wort Gottes, Gemeinschaft der Kinder Gottes, Brotbrechen, Gebet. Der Befreite soll alle Verheißungen in seinem Herzen bewegen, die vom Sieg Jesu handeln. Dann muß er unbedingt von einer tragenden Gemeinde aufgenommen werden. Die Ähre, die im Fruchtfeld isoliert steht, wird vom Wind geknickt. Außerhalb der geistlichen Lebensäußerungen der Gemeinde Jesu und der biblischen Ordnungen kann der Befreite sich kaum behaupten. Wer sich nicht hinter den Gebetsmauern einer mittragenden Schar verschanzen kann, erliegt zu leicht dem Ansturm der zurückkehrenden Mächte.

Wir stehen hier allerdings vor fast unlösbaren Problemen. Es gibt wenig Gemeinden, die einen solchen geistlichen Zustand haben, daß sie Befreite aufnehmen und betreuen können. Lebendige Jüngergruppen sind leider bis jetzt nur Ausnahmen. Oft begegnet man in unseren Gemeinden einer solchen geistlichen Öde und Dürre, daß man die geistliche Totenklage eines Jeremia (8, 23) anstimmen möchte: „Ach, daß ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenquellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen möchte die Erschlagenen in meinem Volk!“

Wenn wir auch rings um uns her so viel Versagen erleben müssen und unser eigenes Darniederliegen dauernd vor Augen haben, so versagt einer doch nie: Jesus Christus. Wer keine Hilfe von gläubigen Brüdern und Schwestern findet, weil er in einer geistlich toten Gegend wohnt, der klammere sich um so mehr an den Herrn selbst. Was er zu geben hat, reicht aus, damit wir durchkommen und überwinden. Es ist ein Geheimnis, das nicht allen Christen erschlossen ist, daß wir in einer ununterbrochenen Verbindung mit dem Herrn stehen können. Das B l e i b e n  i n  I h m (Joh. 15) ist unsere Schutz  und Trutzburg. Der Arge kann uns nicht antasten, wenn wir in der Gemeinschaft des Siegers stehen. Die listigen Anläufe prallen ab, wenn wir eingeschlossen sind von der bewahrenden Gnade unseres Herrn.

Damit stehen wir vor dem größten Geschenk, das Jesus seiner Gemeinde gegeben hat. Das  K r e u z  ist der gläubigen Gemeinde das liebste Symbol; aber nicht nur Symbol, sondern das Zeichen, daß dort das Blut Jesu für uns geflossen ist. Der Dichter sagt: „Rühmt alle Wunder, die er tut, doch über alles rühmt  s e i n  B l u t ! „
Es geht wahrhaftig nicht um eine sentimentale Blutsmystik, auch nicht um eine magische Auffassung; aber es geht um die Tatsache, daß das Blut Jesu uns dafür Bürge ist, daß die Erlösermacht Jesu sich in unserem Leben gewaltig offenbaren kann. Die Männer der Bibel wissen um die Besprengung mit dem Blut Jesu (l. Petr. 1, 2); sie wissen um die reinigende und freimachende Kraft des Blutes (Hebr. 9, 14; Offb. 7, 14). Sie kennen auch die überwindende Gewalt des Blutes gegen alle Mächte der Finsternis (Offb. 12, 11). Wer frei geworden ist, muß daher täglich die Kraft des Blutes in Anspruch nehmen. Es ist gut, wenn der ehemals okkult Belastete immer wieder betet: „Herr Jesus, ich stelle mich im Glauben unter den Schutz deines Blutes.“ Will der Angriff nicht aufhören, darf der Befreite auch selbst im Namen Jesu gebieten und betend sagen: „Im Namen Jesu gebiete ich euch Finsternismächten zu weichen.“ Jedes Anrecht, das der Teufel an uns zu haben glaubt, ist abgegolten durch das Blut Jesu am Kreuz. Darum müssen wir diese Tatsache bei allen Anfechtungen zwischen den Feind und uns stellen. Diese Zwischenwand des Opfers und Sieges Jesu ist stark genug, daß alle dämonischen Angriffe daran zerbrechen. Wer diese Wirklichkeit des Sieges Jesu nicht bewußt im Glauben täglich ausnützt, wird den Kampf nicht bestehen.   Nun sollen zwei Beispiele vom Geheimnis des Blutes Jesu Zeugnis geben.

Die Zufluchtsstätte

In einem Straßburger Vorort wohnte vor etlichen Jahren eine Schwägerin von mir, die absolut ungläubig und gottesleugnerisch eingestellt war. Ihre Kinder verbrachten oft Ferientage bei mir. Ich machte sie bekannt mit Gottes Wort und lehrte sie beten. Als die Kinder nach ihrer Heimkehr dann auch zu Tisch oder zu Nacht beteten, verbot es ihnen ihre Mutter energisch. Diese gottlose Frau fuhr ihre Kinder an: „Das ist dummes Zeug.“ Als ich solches erfuhr, ermahnte ich meine Schwägerin ernstlich und bat sie sehr, doch nicht den Kindern den Glauben aus ihren Herzen zu reißen. Sie lehnte jedoch meine gutgemeinten Ermahnungen ab.

Eines Tages wurde ich durch eine Benachrichtigung überrascht, daß meine Schwägerin plötzlich an einem Herzschlag gestorben wäre. Beim ersten Erschrecken durchzuckte mich der Gedanke, ob sie wohl in solchem gottlosen Zustand in die Ewigkeit gegangen wäre, und ich betete für sie. Zu ihren Lebzeiten hatte sie angeordnet, daß sie im Falle ihres Ablebens verbrannt werden wollte. So fand nun ihrem Wunsche gemäß im hiesigen Krematorium die Verbrennung ihres Leichnams statt. Ich wohnte dieser Handlung bei.

In der folgenden Nacht wurde ich plötzlich durch einen starken Wind aus dem Schlaf geschreckt. Ich machte Licht und stellte fest, daß die Fenster meines Schlafzimmers geschlossen waren. Ich konnte mir den Wind nicht erklären. Im gleichen Moment vernahm ich ein merkwürdiges Geräusch. Gegenüber von meinem Bett stand ein Ofen. Aus dieser Richtung vernahm ich ein Rauschen, als ob Wasser über den Ofen geschüttet würde. Gleichzeitig hörte ich im angrenzenden Zimmer Schritte mit Stöhnen begleitet. Ich war unfähig zu rufen oder mich aufzurichten. Die Schritte kamen näher und machten schließlich vor meinem Bett halt. Ein jammern und Stöhnen drang in meine Ohren. Ich wurde dabei am Arm gefaßt. Dann entfernte sich das unheimliche Wesen wieder auf demselben Weg. Solches wiederholte sich nun jede Nacht. Mir war klar geworden, daß es sich hier um meine abgeschiedene Schwägerin handelte. Ich bat eine mir befreundete, gläubige Frau, mit mir während der Nacht für einige Zeit das Zimmer zu teilen, ohne ihr jedoch etwas von dieser Sache zu sagen. Nach der ersten Nacht erklärte mir diese Frau, sie könnte nicht mehr bei mir übernachten, da sie im Verlauf der vergangenen Nacht etwas Furchtbares erlebt hätte. Diese fortwährenden Auswirkungen wurden mit der Zeit für mich unerträglich. Ich erfuhr von dem Direktor eines hiesigen Krankenhauses, der ein sehr gläubiger Mann war. Hilfesuchend wandte ich mich an ihn. Er verbot mir, für die Abgeschiedene zu beten. Ferner gab er mir den Rat, jedesmal den Herrn Jesus und die Kraft seines heiligen Blutes im Glauben anzurufen, wenn die Erscheinung sich zeigen würde. Andererseits versprach er mir, sich mit einigen gläubigen Menschen im Ge¬bet für mich vereinigen zu wollen. In der kommenden Nacht tat ich, wie mir befohlen war. Der unselige Geist kam nur bis auf eine gewisse Entfernung an mich heran. Dann wich er zurück. Nach etlichen Versuchen zeigte sich schließlich nichts mehr. Dann war ich von dieser schrecklichen Plage befreit, unter welcher ich drei Monate lang gelitten hatte. Der Name Jesu ist die Schutz  und Trutzburg für alle angefochtenen Menschen. Im Namen Jesu weichen alle finsteren Gewalten.  –  Frau B.

Die Abwehr

Kurz nach meinen ersten Erfahrungen auf dem Gebiet des Okkulten fühlte ich mich zu Beginn eines Gottesdienstes getrieben, ganz besonders ernstlich um die Deckung durch das Blut Jesu für mich und die ganze Versammlung zu beten. Einen besonderen Grund dafür wußte ich nicht. Nachdem sich das einige Male wiederholt hatte, merkte ich, daß stets dann eine Dame anwesend war, die ich nicht kannte, die mir aber doch immer irgendwie auffiel. Eines Tages blieb sie nach der Predigt zurück und verlangte eine Aussprache. Wieder mußte ich im Stillen um die Deckung durch das Blut Jesu flehen, und es war nötig. Es folgte ein Bekenntnis, wie ich ein ähnliches noch nie gehört hatte. Die Frau erzählte mir, daß sie vor mehr als 30 Jahren auf den Knien zum Teufel gebetet und sich ihm übergeben hätte. Dabei hätte sie zu ihm gesagt, daß sie ihm dienen wollte, wenn er sie mit seiner Macht ausrüsten würde. Seither hätte sie eine Menge Menschen schwer geschädigt. Nun fing sie an, Beispiele zu erzählen, und ich erschrak, als unter diesen auch einige mir bekannte Na¬men vorkamen. Da war einer mit ganz ruinierten Nerven, auch jemand, den man in eine Heilanstalt hatte bringen müssen, und einer, der einen schweren Fall getan hatte. Mir wurde recht unheimlich zumute. War dieses Bekenntnis echt oder nicht? Ich bat den Herrn, mir dies zu zeigen. Plötzlich schwand der Ausdruck der Not um diese Schuld aus ihrem Gesicht. Sie blickte mich an und sagte: „So, jetzt wissen Sie Bescheid, und nun kommen Sie an die Reihe!“ In diesem Moment wurde mir so ganz klar, daß ich nun wirklich vom Blut Jesu gedeckt war, daß ich also keine Angst zu haben brauchte. Ich durfte ihr antworten, daß ich wohl wisse, welch furchtbarer und starker Macht sie diene, daß ich selber aber im Dienst eines viel Größeren und Stärkeren stehen dürfe, nämlich des Herrn Jesus Christus, der den Teufel am Kreuz besiegt habe.

Ein großes Erlebnis wurde es für mich, als diese Frau zu mir kam und mir erklärte, es wäre bei ihr zu einer großen Wendung gekommen. Sie hätte zum ersten Mal richtig auf das Wort hören können, wäre nun in ganz großer Sündennot und verlangte sehnlichst, aus ihrer furchtbaren Gebundenheit heraus gerettet zu werden. Damit setzte aber ein langer und schwerer Kampf ein. Der Satan wollte sein Opfer nicht fahren lassen. Ein Jahr lang hatte ich täglich in der Seelsorge mit dieser Frau zu tun. Oft schien es, als ob sie nun endlich die frohe Botschaft hätte erfassen können, doch dann kamen wieder diese ganz unheimlichen Quälereien. Unter einem furchtbaren Zwang lief sie auf die Bahnschienen, oder sie spritzte sich Gift in den Oberschenkel, brach dann die Nadel ab und ließ sie im Bein stecken. Oft brachte sie sich Schnitt , Schürf  und Kratzwunden bei und behandelte diese mit Salzsäure. Wie froh waren wir, als diese Quälereien bald immer seltener wurden und schließlich ganz aufhörten, weil die Frau es gelernt hatte, immer in solchen Augenblicken das Blut Jesu als ihre einzige wirksame Deckung in Anspruch zu nehmen. Sie hatte gelernt, aufzuschauen auf Jesus als den viel Stärkeren. Nach einem Jahr wurde sie, die früher eigentlich während der ganzen Zeit ihres Sündendienstes sehr schmerzhaft krank gewesen war, nochmals ernstlich krank. Als im am späteren Nachmittag zu ihr kam, sagte sie mir, die Dämonen würden sie umgeben und ihr höhnend zurufen, daß es für sie kein Entrinnen mehr geben könnte. Alles, was sie schon im Glauben hätte erfassen können, wollte ihr der Zweifel wieder nehmen. Es wurde mir bald klar, daß alle Vernunftgründe und Überlegungen nichts helfen konnten. Nur das Wort Gottes selber war imstande, diesen konzentrierten Angriff abzuwehren. Ich betete, daß mir der Herr durch Seinen Heiligen Geist auf jeden Einwand der Dämonen das rechte Wort als Antwort schenken möchte. Er tat es. Nach einem Kampf, der bis gegen den Morgen währte, kam endlich der Sieg. Diese Frau durfte ein frohes Gotteskind werden und durfte während etwa zehn Jahren bis zu ihrem Tod vielen ein Wegweiser zu Jesus Christus hin sein. Ja, Jesus ist Sieger! Selig, wer ihm gehören darf!  –  Otto Häni

Vor Toresschluß

Die Zeltmission, die wir 1958 in unserer Stadt veranstalteten, brachte manche Frucht. Es gab Freude im Himmel und auf Erden über Menschen, die den Herrn Jesus als ihren persönlichen Heiland annehmen durften. Auch Frau B. kam zum Glauben an Jesus Christus. Das war wirklich ein besonderes Wunder. Sie war zuerst katholisch und dann evangelisch gewesen, aber längst aus der Kirche ausgetreten. Da sie unglücklich verheiratet war, ließ sie sich scheiden. Vom christlichen Glauben hatte sie sich völlig abgewandt und war dem Aberglauben verfallen. Sie lernte das Kartenlegen und übte diese schwarze Kunst auch in Bekanntenkreisen. In ihrer Wohnung hing ein großes Hufeisen. Es sollte Glück bringen, aber das Glück wohnte dort nicht. Sie hatte viele Bindungen und stand mit finsteren Mächten im Bunde, ohne es zu wissen.

In ihrem Beruf leistete Frau B. überdurchschnittliches. Als Abteilungsleiterin in einem bekannten Betrieb war sie fast unentbehrlich. Die intelligente Frau wurde mit den schwierigsten Aufgaben fertig. Aber ohne Zigaretten konnte sie keinen Tag leben. Auch dem Alkohol sprach sie im Stillen gut zu. Ohne Romanhefte ging es auch nicht. Das war die allabendliche Lektüre vor dem Einschlafen. Das Alleinsein wurde ihr oft zur Qual. Die Stille konnte sie nicht ertragen. Deshalb war der Musikschrank da mit allen möglichen Schlagerplatten. Auch der Fernsehapparat fehlte nicht. Der Tag war ausgefüllt mit Arbeit, und die Freizeit gestaltete sie auf ihre Weise. Geld hatte sie genug und eine ordentliche Wohnung. Aber den Herzensfrieden kannte sie nicht.

Einige ihrer Verwandten standen im lebendigen Christusglauben. Sie beteten viel für ihr „schwarzes Schäflein“, wie sie Frau B. nannten. Aber Frau B. wollte absolut nichts von den Frommen wissen und verstand es, die lästigen Mahner abzuschütteln. Ein Neffe bemühte sich insbesondere um seine so gottlose Tante. Da nun das Zelt in der Stadt war, ließ er nicht locker, seine Tante einzuladen. jedoch, seine Mühe war umsonst. Er kam immer extra mit seinem Wagen, sie abzuholen. Aber der junge Mann ließ nicht nach, er kam wieder und wieder und bat flehentlich und inständig, aber stets ohne Erfolg. Als er trotz allem noch einmal anläutete und plötzlich in der Türe stand, war Frau B. von der Treue und Sorge ihres Neffen geradezu tief bewegt. Um den Sohn ihrer Schwester nicht zu kränken, willigte Sie ein und bestieg den Wagen.

Das große Missionszelt füllte sich wieder einmal. Zum ersten Male betrat Frau B. ein solches Missionszelt. Das Posaunenspiel und der kräftige Gesang beeindruckten sie stark. Als aber Pfarrer K. vollmächtig das Evangelium verkündigte, vergaß sie alles andere. Gerade an dem Abend sprach der Evangelist vom dämonischen Gefälle unserer Zeit und von den vielen okkult belasteten Menschen. Frau B. wurde erweckt. An den folgenden Abenden brauchte sie niemand mehr zu bitten, ins Zelt zu gehen. Sie sehnte sich nach den Vorträgen, kam in die Seelsorge und schließlich zum lebendigen Glauben an den Herrn Jesus Christus. Sie fand auch bald den Weg in die Bibelstunden, las eifrig die Bibel und wuchs merklich im Glauben. Aber von allem war sie noch nicht frei. Sie litt sehr darunter, daß sie noch Kettenraucherin war. Auch die Romane lagen noch stapelweise auf ihrem Tisch. Die Karten übergab sie gleich den Flammen, aber andere Dinge hielt sie noch fest. Aber sie ließ sich sagen. Selten hatte ich in den Bibelstunden eine solch aufmerksame Zuhörerin. Sie bewegte das Wort in ihrem Herzen und war stets voller Fragen. Gottes Geist arbeitete an ihr und schloß ihr die großen biblischen Wahrheiten mehr und mehr auf.

Ganz plötzlich erkrankte sie. Keiner ahnte, daß es eine Krankheit zum Tode war, sie selbst auch nicht. Es begann eine Leidenszeit ungewöhnlicher Art. Es folgten Monate eines qualvollen Leidens. Der Krebs tat sein zerstörendes Werk. Gott gebrauchte diese Zeit, sein Kind von allen noch festgehaltenen Bindungen zu lösen. Im Krankenhaus wurde sie eine vorbildliche Beterin und Zeugin für ganz ungläubige Patientinnen, die bei ihr lagen. Sie hatte nur noch als einzige Lektüre ihre Bibel. Herzergreifend konnte sie beten. Jedem Besucher bezeugte sie ohne Scheu Jesus als ihren persönlichen Heiland.

Die Krankheit hatte die junge Frau völlig entstellt, aber der Heilige Geist hatte an der Seele ein Wunder der Gnade tun können. Ich stand an ihrem Sterbebett. Sie war völlig klar. Ihr Bekenntnis vor dem Tode war eindeutig und wunderbar. Als sie es aussprach, daß sie von allem gänzlich frei wäre, die Nähe Jesu spürte und alles unter den Willen des Herrn gestellt hätte, fiel sie plötzlich in Ohnmacht. Sie wachte nicht mehr auf. Der Herr hatte sie auch von dem schweren Leiden erlöst und aufgenommen in sein Reich. Nun war sie daheim.
Wie dankbar waren die gläubigen Eltern für die gnädige Führung Gottes mit ihrer einst so weltlichen, gebundenen und abgeirrten Tochter! Der Wunsch der Heimgegangenen und der Angehörigen, aus der Beerdigung eine Lob  und Dankstunde zu machen, erfüllte sich. Eine große Schar von allerlei Leuten mußte es hören, daß Jesus Menschen freimachen und erneuern kann.

Frau B. wurde kurz vor Toresschluß wie ein Brand aus dem Feuer gerettet. Wenn sie die einzige Frucht der Zeltarbeit gewesen wäre, dann hätte sich gewiß schon alle Mühe und Arbeit gelohnt. Der Herr war mächtig an der Arbeit. Das wurde uns erneut ein Beweis dafür, daß die Zeit der Evangelisation noch nicht vorbei ist. – Rudolph Strücker

Wenn wir abschließend auf die Seelsorge an okkult Belasteten zurückblicken, so müssen zwei grundlegende Wahrheiten noch einmal auf den Leuchter gestellt werden.
Es geht in der Seelsorge darum, daß der Sieg Jesu in unserem Leben Wirklichkeit wird. Der Okkultismus, die Zauberei ist einer der gefährlichsten Kampfabschnitte des Feindes. Die Macht der Finsternis kämpft hier mit allen Waffen, mit List und Gewalt, mit frommen und gottlosen Worten, mit geistigen und massiven Kräften. „Groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist“, sagte Martin Luther. Unter einem so massierten Ansturm kann nur der standhalten, der restlos auf der Seite des Siegers steht und dort bleibt. Wenn wir von Jesus Christus ganz Überwundene werden durften, dann gilt uns auch die Losung des Apostels Paulus (2. Kor. 2, 14): „Gott sei gedankt, der uns a l l e z e i t  S i e g  gibt in Christo.“

Pfarrer Dr. Riecker schreibt zu dieser Tatsache des Sieges: „Wir wissen um die Realität des Sieges, wir wissen, daß die Kraft Gottes stärker ist als die aller widrigen Mächte. Wir wissen, daß wir im Schutzbereich Jesu allem Zugriff des Teufels entzogen sind. Das Kreuz von Golgatha ist eine ganz tiefe Entsühnung von allen dunklen Mächten. Lu¬thers Wort: >Er hat mich erkauft vom Tod und aller Gewalt des Teufels, auf daß ich sein eigen sei und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit< findet hier eine ganz wunderbare Erfüllung.“
Die zweite Wahrheit ist der Einsatz, das Mitkämpfen einer lebendigen Beterschar oder einer opferbereiten Gemeinde. An diesem Punkt brechen ungeheure Nöte auf. Manche Evangelisation bedeutet, daß geistliche Kinder geboren, dann aber ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen werden. Über kurz oder lang sind diese Neugeborenen den „greulichen Wölfen“, auch den frommen Wölfen, zum Opfer gefallen. Sie werden entweder von den sektiererischen oder schwarmgeistigen Strömungen aufgesaugt oder durch das Scheinchristentum erstickt. Dieser Zustand der Christenheit heute ruft nach einer tiefgreifenden Erweckung durch den Heiligen Geist. Eine Erweckung können wir aber  nicht „machen“. Das hängt ab von Gottes Wollen. Die Jünger Jesu aller Kreise können sich aber zusammentun und im festen Vertrauen auf Gottes Verheißungen anhaltend darum bitten, daß der Himmel sich auftut und sich über unseren Todeszustand erbarmt. Wenn der Lebensodem Gottes in unsere Totengebeine fährt, dann gibt es wieder lebendige Gemeinden und in ihr seelsorgerliche Menschen, die Angefochtenen und Belasteten in geistlicher Vollmacht helfen dürfen. Bis jetzt sind es nur einzelne, die zu diesem Dienst bereit sind. Diese wenigen werden heute fast erdrückt von der Flut der anfallenden Arbeit. Pfarrer Blumhardt konnte sich der Gottliebin Dittus 18 Monate in der Seelsorge widmen. Der heutige Seelsorger und Evangelist hat in der gleichen Zeit 1200 bis 1800 Belasteten zu helfen. Und dazu ist er beim besten Willen nicht in der Lage. Der Seelsorger ist in unserer von seelischen Erkrankungen erfüllten Zeit am Ertrinken. Darum der starke Ruf nach einem geistlichen Aufbruch in unseren Gemeinden. Die Führung okkult Belasteter ist nur zu einem geringen Teil Aufgabe des Seelsorgers und zum größten Teil geistlicher Auftrag lebendiger und reifer Gemeinden. Gleichzeitig läßt diese ungeheure Flut seelischer Krankheiten und Belastungen unseren Blick auf den richten, der einmal kommen wird, um allem Leid der gequälten Menschheit ein Ende zu bereiten.

Die Hervorhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im November 2008

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