ANGST

Olaf Kornmannshaus

Warum ANGST Macht hat

1. Was mir Angst macht
Angst gehört zum Leben. Als Existenz- oder Zukunftsangst. Als Angst vor Schuld, Erkrankung, Verarmung oder Versagen, so benannte Kurt Schneider die vier Urängste des Menschen. Er war im Übrigen der Meinung, dass es viel erklärungsbedürftiger sei, wenn ein Mensch keine Angst hat, als dass er manchmal Angst kennt. Fast zum Allgemeinwissen gehört auch die Unterscheidung der vier „Grundformen der Angst“, die Fritz Riemann in dem gleichnamigen Buch vorgenommen hat: Angst vor Nähe, Distanz, Veränderung oder Festlegung. Sehr zugenommen haben in letzter Zeit die Panik- und Angststörungen, die auch als neue Variante von Stressreaktionen gesehen werden. „In der Welt habt Ihr Angst“, sagt Jesus, um dann zu betonen, dass er die Welt überwunden hat (Johannes 16, 33). Dass er alle Angst wegnimmt, hat er uns nicht zugesagt. Dieser Unterschied ist sehr wichtig.

Keine Angst?
„Keine Angst“ nannte sich die 1995 gegründete „Erste Zeitschrift speziell für Angstbetroffene“. Herausgegeben wurde sie von Menschen, die sich mit Angst auskennen, von dem Projekt Deutsche Angst-Störungen-Hilfe und Selbsthilfe in München. Ein Jahr später änderten die Herausgeber den Titel, er erinnerte zu sehr an die gut gemeinten Sätze von Eltern und Verwandten, die Kinder beruhigen wollen: „Du brauchst doch keine Angst zu haben!“ Angst aber gehört zum Leben und will darum ernst genommen werden. Das kommt auch in dem neu gewählten Titel zum Ausdruck. Als „Deutsche Angst-Zeitschrift“ (DAZ) informiert sie jetzt über Angststörungen aller Art, lässt Betroffene zu Wort kommen und stellt therapeutische Hilfen vor.
Ängste aller Art
Zunächst gilt es zwischen sinnvoller Angst und einengenden Angststörungen zu unterscheiden. Angst schützt. Einem Autofahrer, der keinerlei Angst kennt, würde ich mich nicht anvertrauen. Die Angst der Eltern, dass ihrem Kind etwas zustoßen könnte, leitet sie zur notwendigen Vorsicht und Achtsamkeit an. Angst kann die Aufmerksamkeit bei gefährlichen Verrichtungen erhöhen und die Häufigkeit von -Arbeitsunfällen senken. Angst in mildem Ausmaß kann höchst genüsslich sein, wie jeder Krimi-Leser bestätigen wird. Selbst Todesangst kann lustvoll sein, wenn man den Bungee-Springern glaubt. Angst vor einer Prüfung kann zu Ehrgeiz anspornen oder den Prüfling total blockieren. Angst in mittlerem Ausmaß erhöht die Leistungsfähigkeit eines Menschen; wird die Angst jedoch zu stark, dann sinkt die Leistung gegen Null. Angstgefühle sind biologische, psychologische und soziale Warnsysteme; Angststörungen dagegen sind unsinnige und qualvolle Überreaktionen dieser Warnsysteme.
Angst macht einsam
15 Prozent der Deutschen kennen spontane Angstanfälle, 6 Prozent haben Angst-, 1 Prozent Panikstörungen, 3-4 Prozent leiden unter Agoraphobie (Frauen doppelt so häufig wie Männer). Viele Betroffene geben den Beruf auf, verlassen nicht mehr das Haus, nehmen nicht mehr am kulturellen Leben teil. Oft wissen selbst Freunde nicht von der Erkrankung, weil sie schambesetzt ist. Einsamkeit verstärkt die Angststörungen noch, die unbehandelt meist einen schlechteren Verlauf nehmen als Depressionen. Auch Alkohol und Medikamente verstärken die Angst. Erst nach durchschnittlich sieben Jahren Leidenszeit nimmt ein Betroffener Therapie in Anspruch.
Unterscheidungen
Panikattacken sind plötzliche, meist unvorhersehbar auftretende Zustände starker Angst, verbunden mit Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Schwitzen, Erstickungsgefühlen, Schmerzen oder Unwohlsein in der Brust, Angst zu sterben oder verrückt zu werden. 5-10 Minuten, maximal eine halbe Stunde dauert eine Attacke, die so heftig sein kann, dass schließlich die Angst vor der Angst ins Zentrum des Denkens rückt. Die körperlichen Symptome werden vom vegetativen Nervensystem gesteuert, mit dem Willen oder dem Verstand sind sie kaum zu beeinflussen.
Agoraphobie nennt man die Angst vor Situationen, die nicht wirklich gefährlich sind. Ursprünglich bezeichnete man mit diesem Begriff die Angst vor großen freien Plätzen, daher der Name „Platzangst“. Im Volksmund spricht man auch von Platzangst, wenn eine ganz andere Situation, z. B. die Enge eines Fahrstuhls, großes Unbehagen auslöst. Inzwischen hat der wissenschaftliche Sprachgebrauch kapituliert und den Begriff der „Platzangst“ auf andere nicht wirklich gefährliche Situationen ausgeweitet. Über 200 unterschiedliche Phobien werden beschrieben, darunter Angst vor öffentlichen Plätzen, vor Kaufhäusern, Restaurants, Wartezimmern, vor besonderen Gegenständen u.v.m. 80% der allerersten Angstanfälle treten außerhalb der eigenen Wohnung an öffentlichen Orten auf – die man deshalb künftig meidet. Der Weg in die Isolation beginnt.
Generalisierte Angsterkrankung nennt man Formen, die nicht so „spektakulär“ wie die vorher genannten sind und doch die Lebensführung eines Menschen erheblich einschränken. Ängste, die nicht durch eine konkrete Situation ausgelöst werden, die sich als unrealistische, übertriebene Ängste vor der Zukunft auf die Alltagsbereiche legen: Ehe, Kinder, Arbeit, Gesundheit, finanzielle Absicherung. Bis zu 60% des Tages verbringen Menschen mit solchen Sorgen. Körperliche Anzeichen verstärken die Angst. Spannungen im Körper, Übererregbarkeit, Überwachheit, Konzentrations- und Schlafstörungen, Atemnot, Beklemmungsgefühle, Herzrasen machen das Leben so unerträglich, dass jeder vierte Betroffene arbeitsunfähig wird und jeder sechste versucht, sein Leben zu beenden. Drei Millionen Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an dieser Form, welche die Ängste noch schwerer fassbar macht als die Furcht vor konkret beschreibbaren Situationen.

2. Was Angst mit mir macht
Die drei Ebenen
Angst erleben wir auf drei Ebenen, denn sie ist mehr als ein Gefühl. Auf die körperliche Ebene weisen die schon genannten Symptome hin. Sie alle werden subjektiv als besonders alarmierend erlebt, stellen jedoch ungefährliche Reaktionen des so genannten autonomen oder vegetativen Nervensystems dar. Dieses steuert weitgehend automatisch die vielfältigen Abläufe der inneren Organe und sorgt im Zusammenspiel von Sympathicus und Parasympathicus für einen ausgeglichenen Zustand von Anspannung und Erregung. Angstsituationen aktivieren zunächst den Sympathicus, eine Art „Notfallmanager“. Er sorgt u.a. dafür, dass Stresshormone ausgeschüttet werden, um dem Organismus genug Energie zur Bewältigung der Gefahr zur Verfügung zu stellen. Durch eine Erhöhung des Blutdrucks sorgt er auch für ausreichende Sauerstoffzufuhr. Man kann sich diese Vorgänge als eine Art Mobilmachung des Körpers denken, der sich blitzschnell auf eine äußere (!) Bedrohung einstellt: Die Blutgefäße verengen sich, das Herz pumpt das Blut fünfmal schneller durch den Körper, um es mit Sauerstoff und Zucker anzureichern, die Muskelanspannung nimmt zu, die Bronchien erweitern sich, die Atmung wird schneller. Der Körper bereitet sich in einer halben bis einer Minute auf Flucht oder Angriff vor. Dann sorgt der Parasympathicus für die entgegengesetzte Anpassungsreaktion des Organismus: Die Verdauungsorgane werden angeregt; Übelkeit, Erbrechen, Durchfall stellen sich ein, mit all den unangenehmen Körpergefühlen, die sprichwörtlich geworden sind: Jemand macht sich vor Angst in die Hose; er hat Schiss; es dreht sich ihm der Magen rum. Die Gefahr ist inzwischen vorbei, aber die Körperreaktion dauert an. Tiefe Erschöpfung folgt.
So unangenehm diese Empfindungen sind – es sind harmlose Vorgänge, die nach bestimmten Gesetzen ablaufen. Allerdings sind die meisten der Körperreaktionen auf die Bewältigung äußerer Gefahren durch Flucht oder Angriff abgestimmt. Wenn die Situation nicht wirklich gefährlich ist, helfen sie nicht. Doch das Verstehen dessen, was im Körper geschieht, kann ein erster wichtiger Schlüssel zur Bewältigung der Angst werden.
Auf einer zweiten Ebene sind kognitive Prozesse beim Erleben und Entstehen von Angst beteiligt, also Gedanken, Erwartungen, Phantasien, Bewertungen, Vorstellungen. Sie verstärken oft die vagen Befürchtungen. Manche Menschen malen sich Katastrophen in den schlimmsten Bildern aus. Bei ihnen kann allein das Martinshorn eines Krankenwagens zu einer Angstattacke führen. Wie unmittelbar beteiligt die kognitiven Prozesse bei der Entstehung von Ängsten sein können, zeigt die berüchtigte „Angst vor der Angst“, die das Denken und Erleben eines Menschen total besetzen kann. Schon der Gedanke ans U-Bahnfahren führt zu Schweißausbrüchen, Sehstörungen und Atemnot. Die Vorstellung, vor einer Gruppe von Kollegen eine Rede zu halten, verursacht Herzrasen und Schweißausbrüche. Dabei ist die Erwartungsangst oft stärker als die Angst in der Situation selbst.
Zum Angsterleben gehört auch eine Verhaltensebene. Die Angst wird von Zittern, einer unsicheren Stimme, unruhigem Hin-und Herlaufen oder dem Gefühl, die Beine seien gelähmt oder zumindest sehr schwer, begleitet. Zugleich löst sie Fluchtgedanken aus: Nichts wie weg hier!
Eine Panikreaktion kann auf jeder Ebene beginnen und sich auf die beiden anderen auswirken. Sie kann durch die Vorstellung von Angst ausgelöst werden oder durch die Wahrnehmung körperlicher Symptome wie Schwindel oder Atemnot. Oft beruhen diese auf harmlosen Ereignissen: Jemand hat die Treppe zu schnell erklommen oder ungewöhnlich viel Kaffee getrunken, die Räume sind überhitzt o.Ä. Die Erfahrung, Angst nicht zu bewältigen, vermindert das Selbstvertrauen, ein verhängnisvoller Kreislauf beginnt oder setzt sich fort.

Wodurch entsteht eine Angsterkrankung?
Es gibt nicht eine Ursache für die bedrohliche Zunahme von Angsterkrankungen. Viele Faktoren tragen dazu bei, und nicht immer sind ursächliche Zusammenhänge überhaupt aufzeigbar. Oft verstärken sich verschiedene Erfahrungen, Gedanken und Verhaltensmuster in einem komplexen Geflecht verschiedener Faktoren. Sie können hier nur stichwortartig genannt werden:

* eine angeborene psychische Erregbarkeit begünstigt die Entwicklung von  
   Angststörungen
*eine überbehütete Erziehung behindert Selbständigkeit und Selbstvertrauen
* Hektik nimmt zu und der Betroffene kann ihr nichts entgegensetzen
* chronischer Stress kann zu Erschöpfung führen, ein erschöpfter Organismus ist
   anfälliger für Angsterkrankungen
* Rückenbeschwerden im Halswirbelbereich können zu Schwindelgefühlen und
   Gleichgewichtsstörungen führen
* Muskelverspannungen des oberen Rückens können zu Schmerzen unterhalb
   des Herzens führen
* Blutdruckschwankungen können als dramatisch erlebt werden
* eine Überfunktion der Schilddrüse kann zu Herzbeschleunigung,
   Schweißausbrüchen, körperlicher und psychischer Unruhe, Gefühlslabilität u.a.
   führen.
* eine ungesunde Lebensweise beeinflusst den Kreislauf negativ (Alkohol,
   Nikotin, Medikamente, mangelnde Bewegung)
* Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch erhöhen die Neigung zur
   Angst
* unterschiedliche „Stressoren“ wirken
zusammen:
– psychische Belastungen: Probleme, Arbeitslosigkeit, Tod eines nahen
   Angehörigen, Scheidung
– körperliche   Stressoren:   Krankheiten, Operationen, Schwangerschaft
– ökologische Stressoren: Schadstoffe
– soziale  Veränderungen:  Arbeitsplatzwechsel, Umzug, Glaubensverlust
Auch Allergien kommt wohl besondere Bedeutung zu: 50% aller ersten Panikanfälle sind möglicherweise Kreislauf- und Unverträglichkeitsreaktionen auf Pollen, Nahrungsmittel- oder Medikamentenzusätze. Dem Erkrankten ist dies nicht bekannt. Die Angst erscheint deshalb „sinnlos“, der Betroffene fühlt sich ihr hilflos ausgeliefert, der Kreislauf der Angst nimmt seinen unheilvollen Lauf. Insgesamt kann man sagen: Das psychische Erleben, die gedanklichen Muster (auch Glaubensüberzeugungen), das Hormonsystem und das Immunsystem eines Menschen spielen in besonderer Weise zusammen und beeinflussen sich gegenseitig – zur Stärkung oder auch zur Schwächung des Organismus.
Vermutlich sind Panikattacken nichts anderes als dramatisch ablaufende Alarmreaktionen auf solchen Stress, die sich durch die Gedanken und das eigene Erleben während der Attacken („Was ist mit mir los? Ich kenne mich nicht wieder!“) schnell verselbständigen.

Angsterkrankungen im Überblick
Spezielle Phobien. Menschen vermeiden bestimmte Objekte oder Situationen, weil diese sehr stark angstbesetzt sind. Das können z. B. Tierphobien sein (Spinnen, Schlangen, Hunde usw.), Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie), Höhenangst, Flugangst oder Angst vor Blut.
Agoraphobie. Früher war damit die Angst gemeint, über freie Plätze zu gehen, heute ist sie als Öffentlichkeitsangst definiert. Die größte Angst entsteht unter vielen und unbekannten Menschen (also z.B. im Warenhaus).
Panikstörung. Hier steht das Auftreten von Panikattacken (Anfällen schlimmster Angst, die nicht selten zur Aufnahme auf die Intensivstation mit Herzinfarktverdacht führen) im Vordergrund, die aus heiterem Himmel auftreten. Bei genauem Hinsehen finden sich allerdings in der Regel doch minimale Auslöser, die sich jedoch schnell aufschaukeln.
Soziale Phobie. Die Furcht, einer prüfenden Betrachtung durch bekannte Personen ausgesetzt zu sein, ist hier das Hauptsymptom. Das kann sich auf das Reden in beruflichen Konferenzen richten, auf Kontakte zum anderen Geschlecht oder auf das Essen in der Öffentlichkeit. Oft verselbstständigen sich sekundäre Auswirkungen wie Erröten oder Händezittern, was Betroffene dann für das Hauptsystem halten.
Generalisierte Angststörung. Betroffene machen ihre Angst immer wieder an wechselnden Situationen oder Objekten fest, haben aber anhaltend mehr oder weniger Angst (dass den Kindern etwas passieren könnte, dass das Geld nicht reichen könnte, dass sie von Krankheit bedroht sind u.v.m.). Verbunden damit sind körperliche Anspannung und vegetativ bedingte Symptome wie Schwitzen, Schwindel, Oberbauchbeschwerden usw.

3. Warum Angst Macht hat
Vermeidung verstärkt die Angst
Wer Angst vor dem Supermarkt hat, meidet ihn. Die nette Nachbarin kauft ein – gut gemeint und doch verhängnisvoll. Dem Erkrankten bestätigt sich so fortdauernd, dass er krank ist und nicht unter die Leute gehen kann. Die Angst nimmt immer mehr Raum in den Gedanken und im Verhalten ein. Er lernt auch nicht, dass das Schlimme, das er befürchtet (Ohnmacht, Herzstillstand), gar nicht eintritt, sondern dass die Angst nach sehr schlimmen zehn Minuten schwindet. Nur das Aushalten der Angst und die Erfahrung „Es ist schlimm“ und „Es geht vorbei“ könnte zur Einsicht helfen: „Ich bin der Angst gewachsen.“
In diesem Zusammenhang muss man zwischen kurz- und langfristigen Folgen einer Handlung unterscheiden. Zunächst ist jemand erleichtert, wenn er einen unangenehmen Ort nicht aufzusuchen braucht, weil ein anderer ihm dies abnimmt. Dieses (kurze) gute Gefühl verstärkt aber das Vermeidungsverhalten. Ein Blick auf lerntheoretische Modelle hilft zum Verstehen: Jemand hat Angst davor, mit vielen Leuten im Supermarkt in der Schlange zu stehen. Lange grübelt er, wie er diese Situation bewältigen kann. Die Angst wird immer stärker. Nun kommt die nette Nachbarin oder die freundliche Schwester aus dem diakonischen Arbeitskreis der Gemeinde. Ehrensache, dass sie dem Angst geplagten Menschen den unangenehmen Einkauf abnimmt. Tatsächlich ist die „Hilfe“ aber ein „verstärkendes Verhalten“. Der Patient vermeidet die unangenehme Situation und wird dafür mit dem Verschwinden der Angst und dem Gefühl einer großen Erleichterung „belohnt“. Das problematische Verhalten, also die Angststörung und die Vermeidung, wird auf diesem Weg verstärkt.
Zur gleichen Zeit macht diese Person die Erfahrung, was sie alles nicht mehr kann. Abends, beim Rückblick auf den Tag, wird sie denken: So schlimm ist das mit meiner Angst, dass ich auch heute nicht das Haus verlassen konnte. Auch der Seelsorger, der hier seinem Bedürfnis folgt und dem Angstkranken schwierige Situationen abnimmt, trägt entgegen seiner Absicht dazu bei, den problematischen Kreislauf von Angst und Vermeidung aufrecht zu erhalten.

Begegnung mit der Angst
Appelle von außen helfen nicht. Umdenken von innen ist nötig: Nicht vermeiden, sondern auf die Angst mutig zugehen! Dieser Grundsatz gilt für die seelsorgerliche Begleitung wie für die verhaltenstherapeutische Hilfe. Alles, was hilft, sich der angstauslösenden Situation zu stellen, ist gut. Man unterscheidet dabei zwei entgegengesetzte Vorgehensweisen.
Das Prinzip der kleinen Schritte: Der Betroffene sucht möglichst alleine täglich kleine Angstsituationen auf, die er noch bewältigen kann. Nicht gleich zum Supermarkt, sondern lieber zum Briefkasten oder zum Kiosk an der Ecke. Es geht um die Stärkung der eigenen Aktivität, um Ermutigung durch gelungene kleine Schritte statt Entmutigung durch überfordernde große. Der Radius wird ständig etwas vergrößert, außer an sehr schlechten Tagen, an denen lediglich der Schritt vom Vortag wiederholt wird.
Angstüberflutung: Der Betroffene sucht allein oder mit Hilfe eines Therapeuten jede Angstsituation bewusst auf, verstärkt sie und hält sie so lange aus, bis die Angst schwindet. Wenn keine organische Erkrankung vorliegt, kann nichts Negatives passieren.

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